1987/03 Ganz Israel hat einen Anteil an der nächsten Welt
Im Sohar, Abschnitt Noach (und im Kommentar HaSulam, Punkt 2), heißt es wörtlich: „Komm und sieh: Ganz Israel hat einen Anteil an der kommenden Welt.“ Er fragt: „Was ist der Grund?“ Und er antwortet: „Weil sie den Bund hüten, auf dem die Welt besteht, wie geschrieben steht: ‚Wäre nicht Mein Bund Tag und Nacht, die Ordnungen von Himmel und Erde hätte Ich nicht gesetzt.‘ Deshalb hat Israel, das den Bund hütet, weil es ihn auf sich genommen hat, einen Anteil an der kommenden Welt.“
Und man muss verstehen: Zunächst sagt er „Ganz Israel hat einen Anteil“, das heißt, dass jeder, der mit dem Namen „Israel“ bezeichnet wird, ohne irgendwelche Vorbedingungen einen Anteil an der kommenden Welt hat. Danach aber erklärt er, dass es nicht ganz Israel betrifft, sondern er stellt Bedingungen auf, nämlich dass nur diejenigen [einen Anteil haben], die den Bund hüten. Und er bringt einen Beweis aus dem Vers, dass damit die Hüter des Bundes gemeint sind, wie geschrieben steht: „Wäre nicht Mein Bund Tag und Nacht, die Ordnungen von Himmel und Erde hätte Ich nicht gesetzt.“ Zudem muss man verstehen, was der Vers „Wäre nicht Mein Bund Tag und Nacht“ damit zum Ausdruck bringt, dass damit der Bund gemeint ist.
Und im Traktat Pesachim 68b steht geschrieben, und dies ist der Wortlaut: „Und Rabbi Elasar hat gesagt: Wäre die Tora nicht, so würden Himmel und Erde nicht bestehen, denn es heißt: ‚Wäre nicht Mein Bund Tag und Nacht, die Ordnungen von Himmel und Erde hätte Ich nicht gesetzt.‘“ Und Rashi erklärt: „‚Wäre nicht Mein Bund von Tag und Nacht‘, das heißt das Toralernen, von dem geschrieben steht: ‚Und du sollst darüber sinnen Tag und Nacht.‘“ Daraus geht also hervor, dass der Bund „Tora“ genannt wird. Hier aber erklärt der Heilige Sohar: „Der Bund ist die Beschneidung (Brit Mila), wenn man den Bund hütet.“
Was nun den Bundesschluss betrifft, der bei Abraham war, von dem geschrieben steht: „Und Er schloss mit ihm den Bund“, so erklären unsere Weisen seligen Andenkens: „Der Schöpfer half beim Bundesschluss, denn er [Abraham] konnte den Bundesschluss nicht allein vollziehen; vielmehr half ihm der Schöpfer.“ Man muss hinsichtlich der spirituellen Arbeit verstehen, was es bedeutet, dass er den Bundesschluss nicht allein vollziehen konnte, sondern dazu der Hilfe des Schöpfers bedurfte.
Denn bei Abraham und Abimelech steht geschrieben: „Und die beiden schlossen einen Bund.“ Und mein Vater, mein Lehrer, seligen Andenkens, fragte: „Wenn zwei Menschen verstehen, dass es für sie gut wäre, einander zu lieben – wozu brauche ich dann einen Bundesschluss? Wozu soll es nützen, eine Handlung zu vollziehen, als würde man einen Vertrag aufsetzen? Und was gibt uns das?“ Dann sagte er: „Das gibt uns Folgendes: Indem man einen Bund schließt, ist gemeint – da es geschehen kann, dass etwas kommt, das eine Trennung zwischen ihnen bewirken könnte, schließen sie jetzt einen Bund, damit, so wie sie jetzt verstehen, dass Liebe und gegenseitige Entsprechung zwischen ihnen herrscht, dieser Bund Bestand habe, und selbst wenn später Dinge kommen sollten, die zur Trennung führen müssten, die Verbindung, die sie jetzt eingehen, dennoch dauerhaft sein werde.“
Und dementsprechend muss man sagen: Wenn danach Dinge kommen, die sie tatsächlich trennen müssten, so muss man sagen, dass jeder Einzelne über den Verstand (lemaala mi-daat) gehen muss, und er muss sagen, dass sie nicht beachten, was sie innerhalb des Verstandes sehen, sondern dass sie über den Verstand gehen. Nur auf diese Weise kann der Bund Bestand haben, und es wird keine Trennung zwischen ihnen geben.
Aus dem Gesagten ergibt sich: Ob man nun sagt, der Bund sei die Tora, oder ob man sagt, der Bund sei die Beschneidung – die Deutung ist nicht, dass einzig und allein diese eine Sache den Bund mit dem Schöpfer bewirke, sodass der Bundesschluss nicht zerrissen werde, das heißt, dass das Herz des Menschen ganz mit dem Schöpfer sei. Vielmehr kommen sowohl die Tora als auch die Beschneidung darauf an, den Bundesschluss zu bewahren, nämlich dass das Herz des Menschen ganz mit dem Schöpfer sein und dass er mit einem Pflock an Ihm anhafte, der nimmermehr wanken werde, wie geschrieben steht: „Wäre nicht Mein Bund Tag und Nacht, die Ordnungen von Himmel und Erde hätte Ich nicht gesetzt.“ Denn die Erschaffung von Himmel und Erde geschah mit der Absicht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und die Geschöpfe können das Gute und den Genuss nicht empfangen ohne Formengleichheit (Haschwaat haTzura), das heißt, dass alle ihre Handlungen auf das Geben ausgerichtet sind (bi-Menat le-Haschpia); andernfalls wird es eine Trennung zwischen den Geschöpfen und dem Schöpfer geben.
Und deshalb wurden uns die beiden Bündnisse gegeben – das heißt die Beschneidung und der Bund der Tora –, durch die wir zum Bundesschluss mit dem Schöpfer kommen können, im Glauben über dem Verstand, sodass wir alles auf das Geben hin (bi-Menat le-Haschpia) tun können.
Und dies ist die Bedeutung von „Wäre nicht Mein Bund“: Wenn Ich nicht die Ratschläge erschaffen hätte, wie man zur Formengleichheit gelangt, wäre es nicht möglich, das Gute und den Genuss zu empfangen, was ja der ganze Zweck der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und hätte Ich nicht die Wege bereitet, wie man zur Formengleichheit gelangt, so hätte Ich Himmel und Erde nicht zu erschaffen brauchen, denn sie hätten nichts Gutes von der Schöpfung empfangen können. Und die ganze Schöpfung wäre ohne Nutzen gewesen, denn es hätte niemanden gegeben, der die Schöpfung hätte genießen können. Und für diesen Bund – der den Bund als unverrückbaren Pflock setzt, der nimmermehr wanken werde – brauchte Abraham Seine Hilfe, gepriesen sei Er. Und dies ist die Bedeutung davon, dass der Schöpfer ihm helfen musste. Und dies ist „und Er schloss mit ihm den Bund“: dass der Schöpfer ihm half, sodass er die Fähigkeit habe, über den Verstand zu gehen.
Und in der Arbeit über dem Verstand sind drei Unterscheidungen zu treffen.
a) Er empfindet keinerlei Mangel in seiner Arbeit, sodass er ein Bedürfnis hätte, über den Verstand zu gehen.
b) Er empfindet seinen Mangel, ist aber in der Stufe Nekewa (Weibliche), das heißt: „seine Kraft ist erschöpft wie die einer Frau“, nämlich er hat nicht die Kraft, sich zu überwinden, um über den Verstand zu gehen.
c) Er wird der Stufe Sachar (Männliche) zugerechnet, das heißt, er besitzt Überwindungskraft, um über den Verstand zu gehen.
a) Zum Beispiel: Wenn ein Mensch frühmorgens aufstehen will und man ihn zum Aufstehen weckt, kommt es manchmal vor, dass der Mensch es hört, sich aber nichts zu Herzen nimmt und weiterschläft. Dann ist niemand da, der seinen Mangel spürte, weil er sofort wieder eingeschlafen ist und folglich keine Zeit hatte, über seinen Mangel nachzudenken. Deshalb ist er noch nicht unter die Bezeichnung Adam (Mensch) zu fassen, bei der man zwischen Sachar (Männlich) und Nekewa (Weiblich) unterscheiden kann. Denn Adam kommt von Isch Adama (Mann der Erde), das heißt: Er bearbeitet den Boden, damit er Ertrag und Früchte hervorbringe, um den Menschen Leben zu geben.
Und dies lässt sich nur bei dem sagen, der seinen Mangel empfindet: Er beginnt zu arbeiten, das heißt, seinen Mangel zu beheben. Demjenigen hingegen, der seinen Mangel nicht empfindet – mit dem ist nicht zu reden. Das heißt: Selbst wenn man ihm seinen Mangel nennt, hört er nicht zu, weil er für jede Sache viele Ausflüchte hat. Und folglich hat er keinen Raum für das Gebet, dass der Schöpfer ihm helfe, damit er die Fähigkeit habe, aus den auf ihn zukommenden Hindernissen herauszukommen.
b) In dem Moment, in dem man ihn weckt, beginnt er zu denken: „Es stimmt, ich habe meinem Freund gesagt, er solle mich wecken; doch als ich meinem Freund sagte, dass ich frühmorgens aufstehen wolle, war das, weil ich ein wenig Verlangen danach hatte, aufzustehen und zu lernen, und ich sehnte mich nach dem Genuss, den ich aus der Tora empfangen würde. Nehmen wir an, selbst wenn ich nicht gedacht hätte, dass ich großen Genuss aus dem Toralernen haben werde, so hatte ich doch keine Qualen bei dem Gedanken, aus dem Bett aufstehen und auf den Genuss der Ruhe verzichten zu müssen. Denn als ich mit meinem Freund darüber sprach, dass er mich wecke, dachte ich nur an den Genuss, den ich aus dem Toralernen schöpfen könnte – und deshalb sagte ich es ihm.“
Jetzt aber, da ich im Bett unter der Decke liege und draußen Regen und Wind sind, empfinde ich sicherlich Genuss an der Ruhe. Und ich soll aufstehen! Woher weiß ich, dass ich aus dem Toralernen mehr Genuss empfangen werde? Deshalb ist es für mich besser, gemäß „sitz und tue nichts“ zu bleiben. Denn „ein Zweifel kann das Gewisse nicht verdrängen“: Aus der Ruhe habe ich sicherlich Genuss, vom Toralernen aber leuchtet mir nicht auf, dass ich Genuss haben werde.
Danach aber kommen ihm Gedanken: Haben wir nicht gelernt, dass man über den Verstand gehen muss, das heißt nicht darauf zu schauen, wie viel Genuss ich habe, und das nicht als meinen Maßstab zu nehmen, sondern dass man um des Himmels willen arbeiten muss? Warum also mache ich eine Rechnung für mich selbst, nämlich wie viel ich dabei gewinne? Vielmehr muss ich die Rechnung machen, ob ich mit dieser Handlung, die ich tue, das Gebot des Schöpfers erfülle und ob der Schöpfer daran Freude hat, daran, dass ich auf Seine Stimme höre. Und warum habe ich andere Gedanken aus Eigenliebe? Aber was kann ich jetzt tun, da ich meine Gedanken nicht überwinden kann? Es ergibt sich, dass er sehr wohl „Diener des Schöpfers“ genannt wird und die fremden Gedanken überwinden will – das heißt, dass diese Gedanken dem Weg der Tora fremd sind. Und man nennt ihn, dass er in der Stufe Nekewa ist, das heißt „seine Kraft ist erschöpft wie die einer Frau“, nämlich es fehlt ihm die Überwindungskraft.
c) Er ist in der Stufe Sachar, das heißt, er besitzt Überwindungskraft. Das bedeutet: In dem Moment, in dem man ihn weckt und ihm Gedanken kommen: „Wozu solltest du aus der Ruhe aufstehen, an der du dich erfreust? Sicher denkst du, dass du, wenn du aus dem Bett aufstehst und lernen gehst, mehr Genuss haben wirst als jetzt – aber woher weißt du, dass das so sein wird?“ Und er [der Körper] gibt ihm sofort den Rat, zu prüfen, ob es wirklich so ist. Dann sagt er ihm: „Welchen Geschmack hast du denn jetzt beim Lernen, den du später zu empfangen hoffst?“ Und sofort kommen ihm solche Geschmäcker, bis „die Welt sich vor ihm verfinstert“, das heißt, es kommen ihm Bilder der Verhüllung, nämlich dass er ihm die Lebenskraft in der Tora verbirgt. Und der Körper fragt ihn: „Sag die Wahrheit: Sind das die Zustände, nach denen du dich sehnst?“
Und wenn er ein wahrer Mann (Gever Isch) ist, „Mann des Krieges“ genannt, so sagt er zu seinem Körper: „Alles, was du sagst, ist richtig – das heißt, deiner Sicht nach hast du recht. Aber das Fundament, auf dem ich meine Befassung mit Tora und Mizwot (Geboten/guten Taten) aufbaue, ist das Fundament des Über-dem-Verstand (lemaala mi-daat). Das bedeutet: Der Verstand schreibt vor, dass das Verlangen zu empfangen (Ratzon le-Kabel) an Vergnügen und Genuss darüber entscheidet, ob es sich zu arbeiten lohnt oder nicht. Und ‚über dem Verstand‘ haben [die Weisen] erklärt, dass er auf das Geben hin (bi-Menat le-Haschpia) arbeitet. Das heißt: Das Verlangen zu empfangen muss nicht zustimmen, sondern das Verlangen zu geben entscheidet. Das heißt: Wenn er glaubt, dass dem Schöpfer aus der Handlung, die er jetzt tun will, Wohlgefallen entstehen wird, ist er sofort bereit, die Sache ohne jede Aufschiebung zu tun. Und obwohl der Körper gegen ihn das Gegenteil einwendet, hat er dennoch die Kraft, ihn zu überwinden. Und dies nennt man Sachar (Männlich).“
Jedoch nachdem der Mensch diese drei Stufen in der Arbeit durchlaufen hat:
a) wenn er seinen Mangel noch nicht empfindet, damit er wisse, vom Schöpfer Hilfe zu erbitten,
b) wenn er seinen Mangel sehr wohl empfindet, aber keine Überwindungskraft hat – was die Stufe Nekewa genannt wird,
c) wenn er in der Stufe Sachar und Mann des Krieges ist, das heißt, dass er seinen Mangel überwinden kann –
so gelangt er zur Stufe des Shabbat, das heißt zur Stufe der Ruhe von seiner Arbeit, was man nennt: „Sechs Tage sollst du arbeiten, und am siebten Tag sollst du ruhen.“
Und damit lässt sich erklären: „Dies sind die Nachkommen Noachs, eines gerechten Mannes.“ Noach ist in der Stufe Nijcha (aramäisch: Ruhe), wie im Heiligen Sohar geschrieben steht. Und deshalb wird er „Gerechter“ genannt, weil in ihm Ruhe ist. Denn der Heilige Sohar sagt: „Be-atar de-it tircha taman it Sitra Achra“, das heißt: „An einem Ort, an dem Mühe ist, dort ist die Sitra Achra (aramäisch: die andere Seite).“ Folglich kann einer, der Gerechter ist, unmöglich Mühe haben. Und wie mein Vater, mein Lehrer, seligen Andenkens, sagte: An dem Ort, an dem die Heiligkeit leuchtet, wird der Mensch annulliert wie eine Kerze vor einer Fackel, und dort kann man nicht sagen, dass der Körper Mühe habe, denn die Heiligkeit ist die Quelle des Guten und des Genusses.
Jedoch in der Zeit, in der im Menschen ein Festhalten an der Sitra Achra ist, die sich in ihm in die Eigenliebe kleidet – die „Empfangen auf das Empfangen hin“ (mekabel bi-Menat le-Kabel) genannt wird –, und auf diese Stufe wurden der Zimzum (Einschränkung) und die Verhüllung gelegt, und die Heiligkeit kann sich dort nicht offenbaren, sondern nur die Verhüllung verweilt an diesem Ort, das heißt, dass dort das Gute und der Genuss nicht leuchten, sondern das Gegenteil.
Und wenn wir sagen: „Denn sie sind unser Leben und die Länge unserer Tage, und über sie sinnen wir Tag und Nacht“, oder wenn wir sagen: „Begehrenswerter als Gold und viel Feingold und süßer als Honig und Honigseim“ – das ist [nur] dann, wenn der Mensch die dafür geeigneten Gefäße hat, die „Gefäße des Gebens“ (Kelim de-Haschpaa) genannt werden; diese verleihen uns die Stufe der Formengleichheit, sodass das Empfangen der Genüsse auf das Geben hin (bi-Menat le-Haschpia) geschieht. Andernfalls – das heißt, wenn das Licht und die Fülle in die Gefäße des Empfangens (Kelim de-Kabala) leuchten würden – würden die Empfangenden dem Schöpfer nur ferner werden. Das Ziel aber ist, dass wir am Schöpfer anhaften sollen, wie geschrieben steht: „Und ihr, die ihr dem Schöpfer, eurem Gott, anhaftet, ihr lebt heute alle.“
Aus dem Gesagten ergibt sich: Wer Gerechter ist, bei dem ist dort kein Platz für die Sitra Achra, sondern dort ist ein Ort der Nijcha deRucha (Ruhe des Geistes). Und dies ist die Sache des Shabbat, wie geschrieben steht: „Denn an ihm ruhte Er und hielt inne“, denn wegen der Heiligkeit des Shabbat ist jetzt kein Platz für Arbeit.
Jedoch unsere Weisen sagten (Traktat Awoda Sara 3a), und dies ist ihr Wortlaut: „Der Schöpfer sagte zu ihnen: Ihr Narren der Welt! Wer sich am Vorabend des Shabbat abgemüht hat, wird am Shabbat essen; wer sich am Vorabend des Shabbat nicht abgemüht hat – wovon wird er am Shabbat essen?“
Die Deutung davon ist: Bei dem, der Mühe hatte, das heißt, der Arbeit und Anstrengung gegen die Sitra Achra hatte, die ihn daran hinderte, den Weg liShma (um Seinetwillen) zu gehen – das heißt, während der Arbeit empfand er, dass er das Böse in sich nicht überwinden kann, weil er es noch nicht verdient hat, in die Heiligkeit einzugehen –, der glaubt aber: Sobald er in die Heiligkeit eingeht, wird die Sitra Achra sicherlich annulliert wie eine Kerze vor einer Fackel, und er hat dann keinerlei Berührung mit der Sitra Achra. Es zeigt sich, dass er weiß, dass ihm nur eine Sache fehlt: dass der Schöpfer ihm helfe und ihn ein wenig Heiligkeit erlangen lasse. Und folglich wird alles in Frieden an seinen Ort kommen.
Und deshalb betet er in der Zeit der Mühe und Arbeit aus der Tiefe des Herzens, dass der Schöpfer ihm helfe, und er empfindet dann, dass er ohne Seine Beihilfe, gepriesen sei Er, nichts erreichen wird. Und dieses Gefühl, das er hat, dass der Schöpfer ihm helfen kann, bewirkt beim Menschen ein Kli (Gefäß), um die Hilfe vom Schöpfer zu empfangen, denn ein Mangel wird Kli genannt, um die Füllung zu empfangen. Und deshalb bewirkt der Glaube, mit dem er an den Schöpfer glaubt, wie geschrieben steht: „Denn Du erhörst das Gebet jedes Mundes“, dieses Kli zum Empfangen der Hilfe.
Und damit verstehen wir die Sache: „Wer sich am Vorabend des Shabbat nicht abgemüht hat“ – das heißt, wer nicht mit sich selbst gearbeitet hat, um auf das Geben hin (bi-Menat le-Haschpia) zu arbeiten und zu sehen, dass er allein ohne Seine Hilfe, gepriesen sei Er, nicht siegen kann, der hat folglich keinen Raum für das Gebet, welches das Kli zum Empfangen Seiner Hilfe ist. Und die Regel ist: Kein Licht ohne Kli. Also bedürfen wir der Vorbereitung, damit er am Shabbat zu essen habe, denn die „sechs Werktage“ sind die Vorbereitung zum Empfangen des Lichts des Shabbat. Und „Shabbat“ nennt man die Fülle, die herabgezogen wird, um die leeren Gefäße zu füllen, die auf Seine Hilfe warten, gepriesen sei Er.
Und dies ist, wie geschrieben steht: „Das Licht darin bringt ihn zum Guten zurück.“ Wie über den Shabbat geschrieben steht: „Und alle Urteile werden von ihr hinweggeschafft, und keine andere Herrschaft [besteht] in allen Welten außer der ihren“ (Kegawna, in der Shabbat-Nacht). Und gemäß dem Gesagten: Weil man nach der Mühe mit der Sitra Achra den Mangel empfindet, der Kli genannt wird, kann man dann die Stufe des Shabbat empfangen, die Innehalten und Ruhe genannt wird.
Und nun können wir verstehen, was wir gefragt haben. Er sagt dort: „Ganz Israel hat einen Anteil an der kommenden Welt, ohne irgendwelche Bedingungen.“ Und danach sagt er, dass gerade diejenigen, die den Bund gehütet haben, [einen Anteil haben], und nicht ganz Israel.
Gemäß dem Gesagten muss man das Wort „Israel“ (Jisrael) als Jaschar-El (gerade/direkt zu Gott) deuten, das heißt: Alles, was er tut, will er, dass alle seine Handlungen gerade zum Schöpfer gerichtet seien, und nicht zum eigenen Nutzen. Und dies ist auf die Weise, wie wir es erklärt haben zum Vers: „Es sei kein fremder Gott in dir, und du sollst dich nicht vor einem fremden Gott verneigen.“
Und unsere Weisen legten aus (Traktat Shabbat 105b): „Welches ist der fremde Gott im Körper des Menschen? Du musst sagen: Das ist der böse Trieb (Jezer haRa).“
Und dies muss man verstehen: Ist nicht auch der gute Trieb (Jezer haTow) im Körper des Menschen, wie geschrieben steht (Sohar, Lech Lecha, Blatt 35, und HaSulam, Punkt 86), wörtlich: „Denn Brudermänner sind wir, dass der böse Trieb und der gute Trieb einander nahe sind, der eine zur Rechten des Menschen und der andere zu seiner Linken, nämlich der böse Trieb zu seiner Linken und der gute Trieb zu seiner Rechten“?
Wir sehen also, dass auch der gute Trieb im Körper des Menschen ist. Was also ist die Bedeutung dessen, was sie gesagt haben: „Der böse Trieb ist im Körper des Menschen“? Und dies ist auf unsere Weise so zu deuten: Der böse Trieb sorgt sich und strebt danach, dass alles, was der Mensch tut, in seinen Körper hineingeht – gemeint ist, dass alles zum eigenen Nutzen sei, was „in seinen Körper“ genannt wird. Demgegenüber strebt der gute Trieb danach, dass alle seine Handlungen außerhalb seines Körpers seien, das heißt, dass sein ganzes Streben darauf zielt zu erreichen, dass alle seine Handlungen um des Himmels willen und nicht zum eigenen Nutzen seien. Und damit lässt sich das Wort „Israel“ (Jisrael) deuten – es bedeutet Jaschar-El: dass alle seine Handlungen nur um des Himmels willen seien.
Und Ähnliches findet sich in der Auslegung unserer Weisen (Jeruschalmi 9a): „Rabbi Levi sagte: Herz und Auge sind zwei Unterhändler der Sünde, wie geschrieben steht (Sprüche): ‚Gib, mein Sohn, Mir dein Herz, und deine Augen mögen Meine Wege behüten.‘ Der Schöpfer sagte: Wenn du Mir dein Herz und deine Augen gegeben hast, weiß Ich, dass du Mein bist.“
Von hier lässt sich ableiten: Das, was wir sagen: „Der Sein Volk Israel erwählt“ – wann nennt man den Menschen so, dass er zum Volk des Schöpfers gehöre? In der Zeit, in der der Mensch seine Augen und sein Herz dorthin gibt, das heißt: Alles, worauf er schaut, und wonach das Herz sich sehnt, darum bemüht er sich, dass es ganz zum Guten und zum Nutzen des Schöpfers sei und nicht zu seinem eigenen Nutzen. Dies nennt man „Anat li“ („Du bist Mein“), was bedeutet: Du gehörst Mir. Und dann ist er eingeschlossen in Sein Volk Jaschar-El.
Und gemäß dem Gesagten ist zu erklären: „Ganz Israel hat einen Anteil an der kommenden Welt.“ Danach erklärt er, wer Israel genannt wird, und sagt, dass nur derjenige, der den Bund hütet, auf dem die Welt besteht, mit dem Namen „Israel“ bezeichnet wird. Im Umkehrschluss: Wer den Bund, durch den die Welt besteht, nicht hütet, gehört nicht zur Stufe „Israel“, sondern gehört zu den Völkern der Welt.
Und was ist der Bund, auf dem die Welt besteht? Er ist, wie oben gesagt: dass er einen Bund mit dem Schöpfer schließt, nämlich dass alle seine Handlungen nur zum Nutzen des Schöpfers seien, was „auf das Geben hin“ (bi-Menat le-Haschpia) genannt wird, denn gerade dadurch wird die Welt Bestand haben. Das heißt: Die Welt wurde erschaffen, um Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und solange keine Formengleichheit da ist, können sich das Gute und der Genuss nicht in die Geschöpfe einkleiden.
Es zeigt sich also, dass die ganze Erschaffung der Welt, die geschah, um Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, vergebens gewesen wäre, denn es wäre niemand da, der das Gute und den Genuss empfangen könnte. Anders aber ist es durch den Bund mit dem Schöpfer: Da werden die Geschöpfe geeignet sein, das Gute und den Genuss zu empfangen. Und damit man zu dem Bund gelange, gibt es die Tora und die Beschneidung, das heißt: Bei allem, was wir tun, müssen wir darauf ausrichten, dass wir dadurch würdig werden, mit dem Schöpfer auf ewig den Bund zu schließen. Und vor allem müssen wir glauben, dass der Schöpfer das Gebet jedes Mundes erhört, und dadurch werden wir gerettet.
korrOp, EY, 12.7.2026, Ver7