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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1986/19 Die Freude betreffend

Die Freude betreffend

RABASH, Artikel 19, 1986

Vergleichstabelle – links die neue Übersetzung, Mitte das hebräische Original, rechts die alte Übersetzung (gelb = wesentliche terminologische/inhaltliche Korrekturen; leere Zelle = in der alten Fassung nicht eigenständig vorhanden).

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1

Die Mishna sagt (Taanit 26): „Mit Beginn des Aw vermindert man die Freude; mit Beginn des Adar mehrt man die Freude. Und wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Adar.“ Nun gilt es zu verstehen, was es bedeutet, die Freude zu mehren oder zu vermindern. Die Freude ist doch das Ergebnis einer Ursache, die sie auslöst. Vermehren oder vermindern lässt sich daher nur an den Ursachen. Wir müssen also wissen, welcher Ursache wir uns zuwenden sollen, damit sie uns Freude bringt.

המשנה אומרת (תענית, כ"ו) "משנכנס אב, ממעטין בשמחה. ומשנכנס אדר, מרבין בשמחה. ואם יש לו דין ודברים עם עכו"ם, ישפט עמו באדר". ויש להבין את ענין להרבות בשמחה ולמעט בשמחה מהו. הלא שמחה היא תוצאה מאיזו סיבה, שזה גורם לו שמחה. ולא שייך למעט או להרבות אלא בהסיבות. אם כן צריכים לדעת, לאיזו סיבה אנו צריכים לפנות, שזה יביא לנו שמחה.

Die Mishna [hebr. “Wiederholung”; Niederschrift der mündlichen Tora ] sagt ( Taanit , 26): „Vom Beginn des [Monats] Aw an verringern wir die Freude. Vom Beginn des [Monats] Adar an mehren wir die Freude. Und wenn ein Mensch mit einem Götzendiener einen Streit hat, soll er ihn im [Monat] Adar richten.“ Wir sollten verstehen, was es bedeutet, wenn die Freude zunimmt und die Freude abnimmt. Schließlich ist die Freude das Ergebnis einer Ursache, die dem Menschen Freude bereitet hat, und er kann die Ursache nur vermindern oder vermehren. Deshalb sollte er wissen, was ihm Freude bringt.

2

Sicher meinten unsere Weisen, als sie uns hießen, die Freude zu mehren, die Freude der Heiligkeit (Kedusha). Daher sollten wir betrachten, welcher Ursache wir uns nach ihren Worten zuwenden sollen, damit sie uns die Freude der Kedusha bringt. Außerdem gilt es zu verstehen, was sie sagten: „Wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Monat Adar.“ Wir befinden uns doch im Land Israel, und es gibt manche Städte, in denen sich nicht ein einziger Nichtjude findet. Und selbst wenn sich, sagen wir, in irgendeiner Stadt ein Nichtjude fände – was sollte man mit ihm an Rechtsstreit haben?

ובטח חז"ל, שאמרו לנו להרבות בשמחה, הכוונה היתה לשמחה של קדושה. ולפי זה יש לנו להתבונן על איזו סיבה הם אמרו לנו לפנות, שזה יגרום לנו שמחה דקדושה. ועוד יש להבין את מה שאמרו "אם יש לו דין ודברים עם עכו"ם, ישפוט עמו בחודש אדר". הלא אנו נמצאים בארץ ישראל, ויש כמה עיירות, שאין בנמצא אפילו גוי אחד. ואפילו, נגיד, שנמצא באיזה עיר גוי, מה להיות דין ודברים עמו.

Die Weisen, die den Rat gaben, die Freude zu vermehren, bezogen sich auf die Freude der Kedusha [Heiligkeit]. Deshalb sollte der Mensch überlegen, welche Ursache sie nannten, die die Freude der Kedusha bringt. Es ist auch wichtig zu verstehen, was sie meinten, als sie sagten: „Wenn er mit einem Götzendiener einen Streit hat, soll er ihn im [Monat] Adar richten.“ Schließlich befindet sich der Mensch im Land Israel , und dort gibt es mehrere Städte, in denen es keinen einzigen Götzendiener gibt. Und selbst wenn er einen Götzendiener in der Stadt findet, welchen Streit sollte es mit ihm geben?

3

Dem Sinn nach scheint es, dass dieses „den Götzendiener im Monat Adar richten“ etwas Beständiges ist und nichts Zufälliges. Das heißt: Sollte der seltene Fall eintreten, dass Israel einen Rechtsstreit mit einem Nichtjuden hat, gehe er und führe ihn im Monat Adar. Wir müssen also verstehen, welchen Götzendiener sie meinen, mit dem er einen Rechtsstreit hat.

ולפי המשמעות נראה, שענין זה "לשפוט את העכו"ם בחודש אדר", זהו דבר נוהג תמידי ולא דבר מקרי. היינו לומר, שאם יהיה מקרה נדיר, שיהיה לישראל דין ודברים עם גוי, ילך וישפוט עמו בחודש אדר. אם כן צריכים להבין, לאיזה עכו"ם הם מתכוונים לומר, שיש לו דין ודברים עמו.

Es scheint, dass das “Richten der Götzendiener im [Monat] Adar ” ein immerwährender Brauch und keine zufällige Angelegenheit ist. Das heißt, wenn es den seltenen Fall gibt, dass Israel einen Streit mit einem Götzendiener hat, soll er gehen und ihn im Monat Adar richten. Deshalb müssen wir verstehen, welche Götzendiener gemeint sind, mit denen Israel einen Streit hat.

4

Wir sehen, dass es in unseren Gebeten eine Ordnung von zweierlei Art gibt:

אנו רואים, שבהתפלות שלנו יש סדר של ב' אופנים:

Wir sehen, dass es in unseren Gebeten zwei Ordnungen gibt:

5

1. eine Ordnung von Lobliedern und Preisungen an den Schöpfer,

א. סדר של שירות ותשבחות לה',

1.) eine Ordnung von Liedern und Lobpreisungen an den Schöpfer,

6

2. eine Ordnung von Gebeten und Bitten.

ב. סדר של תפלות ובקשות.

2.) eine Ordnung von Gebeten und Litaneien.

7

Und wir sehen, dass dies zwei einander entgegengesetzte Dinge sind. Denn von Natur aus hängt das Maß der Bitte davon ab, wie sehr der Bittende die Sache braucht, um die er einen anderen ersucht. Berührt das Erbetene sein Herz und ist es ihm unentbehrlich, so strengt er sich im Maß dieser Dringlichkeit an, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das Gewünschte zu erlangen.

וזה אנו רואים, שהם שני דברים הפוכים זה מזה. כי מטבע הוא, שמי שמבקש ממי שהוא איזה חפץ, שחבירו יתן לו, אז שיעור הבקשה תלוי, כפי שיעור שהוא נצרך להדבר. ואם הדבר שהוא מבקש מחבירו הוא דבר הנוגע ללבו, וזה דבר הכרחי, ובשיעור הנחיצות שבהדבר, הוא מתאמץ לעשות כל מה שיש בידו לעשות, בכדי שישיג את מבוקשו.

Wir sehen auch, dass die beiden sich entgegengesetzt sind. Denn wenn jemand seinen Freund bittet, ihm etwas zu geben, hängt das Ausmaß der Bitte natürlich davon ab, wie sehr er es braucht. Wenn es sich bei der Sache, um die er seinen Freund bittet, um etwas handelt, das sein Herz berührt und notwendig ist, versucht er in dem Maße, in dem er es braucht, alles zu tun, um das Gewünschte zu bekommen.

8

Daraus folgt: Wenn der Mensch zum Schöpfer betet, dass Er seine Bitte erfülle, muss er darauf achten, dass sein Gebet aus der Tiefe des Herzens kommt – dass er also seinen Mangel empfindet. Je stärker er ihn empfindet, desto wahrhaftiger kann sein Gebet sein. So soll sein Gebet kein bloßes Lippenbekenntnis sein, sondern aus der Tiefe des Herzens kommen.

ולפי זה יוצא, כשהאדם מתפלל להקב"ה, שימלא את בקשתו, הוא צריך לראות שהתפלה שלו תהיה מעומק הלב. היינו, שירגיש את חסרונו. וכפי שיעור הרגשתו, בשיעור הזה יכול להיות תפלתו יותר אמיתית. היינו, שהתפלה שלו לא תהיה מהשפה ולחוץ, אלא שיהיה מעומק הלב.

Wenn ein Mensch also zum Schöpfer um die Erfüllung seines Wunsches betet, sollte er darauf achten, dass sein Gebet aus tiefstem Herzen kommt, er also seinen Mangel spürt. Je mehr er fühlt, desto aufrichtiger kann sein Gebet sein. So wird sein Gebet kein Lippenbekenntnis sein, sondern aus tiefstem Herzen kommen.

9

Und um seinen Mangel zu empfinden, muss er die Wahrheit erkennen: dass er einen großen Mangel hat und ein in allem leeres Kli (Gefäß) ist, was die Dinge der Heiligkeit betrifft. Wenn er empfindet, dass er der Schlechteste auf der ganzen Welt ist, dann kann er sagen, dass sein Gebet ein wahrhaftiges Gebet ist – denn er empfindet, dass sein Mangel der größte auf der Welt ist und keiner ihm darin gleicht.

ובכדי שירגיש את חסרונו, הוא צריך לראות את האמת. היינו, שהוא רואה, שהוא בעל חסרון גדול, והוא כלי ריק מכל וכל במה שנוגע לעניני קדושה. ובזמן שהוא מרגיש, שהוא היותר גרוע מכל העולם, אז הוא יכול לומר, שתפלתו היא תפלה אמיתית, היות שהוא מרגיש, שהחסרון שלו הוא היותר גדול בעולם, שאין שני לו שיהיה כדוגמתו.

Um seinen Mangel zu spüren, muss er die Wahrheit erkennen, dass er einen großen Mangel hat und ein leeres Kli [Gefäß], was die Kedusha betrifft. Wenn er sich also als der schlechteste Mensch auf der Welt fühlt, kann er sagen, dass sein Gebet aufrichtig ist. Er spürt, dass sein Mangel der größte auf der Welt ist und es niemanden gibt, der so ist wie er.

10

Dem gegenüber steht der zweite Aspekt in der Ordnung unseres Gebets, nämlich die Gesänge, Loblieder und Preisungen. Wir sehen, dass es in der Welt so zugeht: Der Dank, den man dem erweist, der einem anderen Gutes tut, bemisst sich nach dem Maß des Guten, das man von ihm empfangen hat. Wer einem anderen etwa bei einer Kleinigkeit hilft, die ihm fehlte, dem gilt entsprechend auch nur ein kleiner Dank.

וכנגד זה הוא בחינה השניה בסדר התפלה שלנו, היינו "זמירות שירות ותשבחות". אנו רואים, הסדר הוא בעולם, שהתודה, שנותנים להנותן את הטובה לחבירו, גודל התודה נמדד לפי שיעור הטובה שקיבל מחבירו. למשל מי שעזר להשני איזה דבר קטן שהיה חסר לו, אז התודה היא גם כן תודה קטנה.

Demgegenüber steht die zweite Unterscheidung in der Ordnung des Gebets, also die Psalmen, die Lieder und der Lobpreis. Wir sehen, dass sich die Dankbarkeit, die ein Mensch einem anderen entgegenbringt, in der Regel an dem Nutzen bemisst, den er von seinem Freund empfangen hat. Wenn jemand zum Beispiel einem anderen hilft, etwas Kleines zu bekommen, das er braucht, ist die Dankbarkeit ebenso klein.

11

Stellen wir uns dagegen vor, jemand verschafft einem anderen eine Arbeitsstelle in einer Zeit, in der es viele Arbeitslose gibt. Dieser andere ist selbst monatelang ohne Arbeit umhergeirrt, hat hohe Schulden beim Lebensmittelhändler angehäuft, und der Händler hat ihm bereits angekündigt, ihn nicht länger mit Lebensmitteln versorgen zu können; auch ist er es leid, nach Darlehen für die nötigsten Nahrungsmittel zu suchen.

כי אנו רואים, מי שהוא נותן להשני איזה מקום עבודה, בזמן שיש הרבה מחוסרי עבודה. הוא בעצמו הסתובב כמה חודשים בלי עבודה, ונעשה בעל חוב גדול לחנות מכולת, ובעל המכולת כבר הודיע לו, שהוא מוכרח להפסיק לו מלספק לו צרכי אוכל, והוא כבר עייף מלחפש הלוואות לצורכי מזונות ההכרחיים.

Wie wird aber die Dankbarkeit eines Menschen sein, wenn jemand ihm, zu einer Zeit, in der es schwer ist, einen Arbeitsplatz zu finden, eine Arbeit gibt? Dieser Mensch ist seit Monaten arbeitslos, hat Schulden im Lebensmittelladen und der Ladenbesitzer kann ihm keine Waren mehr verkaufen. Außerdem ist er Müde, nach Darlehen zu bitten, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. Dann trifft er plötzlich einen Menschen, den er eigentlich um ein Darlehen bitten wollte. Doch dieser Mensch bietet ihm eine Arbeit an, mit guten Bedingungen und sagt: “Warum suchst du nach Darlehen? Ich gebe dir eine Arbeit. Ich habe gehört, dass du vertrauenswürdig bist. Auch wenn ich viele Angestellte habe, habe ich niemanden, dem ich vertrauen kann. Ich werde dich gut bezahlen, damit du deine Schulden schnell bezahlen kannst. Wieso solltest du also von mir ein Darlehen erbitten?

12

Und plötzlich trifft er einen Mann, den er um ein Darlehen bitten wollte. Dieser aber bietet ihm eine Arbeitsstelle zu günstigen Bedingungen an und sagt: „Wozu suchst du nach Darlehen? Ich gebe dir eine Arbeitsstelle. Da ich gehört habe, dass du ein zuverlässiger Mann bist – und obwohl ich viele Angestellte habe, fehlt mir doch ein zuverlässiger –, gebe ich dir einen guten Lohn, damit du all deine Schulden in kurzer Zeit begleichen kannst. Wozu also solltest du mich um ein Darlehen bitten?“

ופתאום הוא פוגש באיש, שרצה שילווה לו איזו הלוואה. והאיש הזה מציע לו מקום עבודה עם תנאים נוחים, ואמר לו "מה לך לחפש הלוואות, אני אתן לך מקום עבודה. והיות ששמעתי שאתה איש נאמן, והגם שיש לי הרבה עובדים, אבל איש נאמן אין לי, אני אתן לך משכורת טובה, שתוכל לשלם כל החובות שלך בזמן קצר. אם כן למה לך לבקש הלוואה ממני".

13

Stellen wir uns vor, welchen Dank dieser Mensch nun jenem erweist. Er braucht ihm nicht mit dem Mund „Danke“ zu sagen – alle seine Glieder bringen ihm den großen Dank dar. So heißt es: „All meine Gebeine sollen sprechen.“ Oder stellen wir uns einen Menschen vor, der im Gefängnis saß und zu lebenslanger Haft verurteilt war, und ein anderer kommt und befreit ihn in die immerwährende Freiheit. Welchen Dank bringen all seine Glieder diesem Menschen dar, der ihn gerettet hat!

ואם נצייר לעצמנו, איזו תודה האדם הזה נותן עכשיו לאדם זה. ולא צריך להגיד לו "תודה" בפה, אלא כל האברים נותנים לו "התודה רבה". וזהו כמו שכתוב "כל עצמותי תאמרנה". ואם נצייר לאדם, שהיה תפוס בבית האסורים, שנשפט למאסר עולם. ובא אדם אחד והוציאו לחירות עולם. איזו תודה נותנים לו כל האברים שלו, לאדם הזה שהציל אותו.

Die Dankbarkeit, die er diesem Menschen entgegenbringt, können wir uns nur zu gut vorstellen. Dieser Mensch braucht keine Worte, um sich zu bedanken, denn sein ganzer Körper dankt ihm, wie es geschrieben steht: „All meine Gebeine sollen sagen.“ Wir können uns auch einen Menschen vorstellen, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, und ein anderer Mensch kommt und befreit ihn. Wie dankbar wären dann all seine Organe dem Retter?

14

Daraus folgt: Will der Mensch dem Schöpfer ein großes Lob darbringen, das dem Vers gleicht „All meine Gebeine sollen sprechen: Schöpfer, wer ist wie Du, der den Armen rettet vor dem, der stärker ist als er“ – so muss er sich gewiss vorstellen, dass er jetzt der glücklichste Mensch auf der Welt ist. Nur dann kann er dem Schöpfer ein großes Lob darbringen. Andernfalls, wenn er noch irgendeinen Mangel empfindet und möchte, dass der Schöpfer ihm helfe, dann kann der Dank, den er dem Schöpfer darbringt, nicht dem Maß von „All meine Gebeine sollen sprechen“ entsprechen.

נמצא לפי זה, אם האדם רוצה לתת שבח גדול לה', שיהיה כבחינת "כל עצמותי תאמרנה ה', מי כמוך, מציל עני מחזק ממנו", בטח שהאדם צריך לצייר, איך שהוא עכשיו איש המאושר בעולם. אם הוא רצה לתת שבח גדול לה'. אחרת, אם הוא הרגיש עוד משהו חסרון, שהוא רוצה, שה' יעזור לו, אז "התודה", שנותן לה', לא יכולה להיות בבחינת "כל עצמותי תאמרנה".

Daraus folgt, dass der Mensch sich als der glücklichste Mensch der Welt vorstellen sollte, wenn er den Schöpfer hoch loben will, damit es heißt: „All meine Gebeine sollen sagen: ‚Ewiger, wer ist wie Du, der den Bedrängten von demjenigen befreit, der zu stark für ihn ist‘.“ Wenn er stattdessen das Gefühl hat, dass ihm immer noch etwas fehlt, und er den Schöpfer um Hilfe bittet, dann wird die Dankbarkeit, die er dem Schöpfer entgegenbringt, nicht so sein wie „All meine Gebeine sollen sagen“.

15

Daher sehen wir in der Ordnung unseres Gebets zwei Gegensätze, von einem Äußersten zum anderen. Es erhebt sich also die Frage: Was kann der Mensch tun, wenn er sieht, wie weit die beiden voneinander entfernt sind? Im Allgemeinen begegnet uns diese Ordnung der Gegensätze in vielen Bereichen:

אי לזאת, אנו רואים בסדר התפלה שלנו שתי הופכיים, מקצה אל הקצה. ואל כן מתעוררת השאלה, ומה האדם יכול לעשות, בזמן שהוא רואה, איך שהם כל כך רחוקים זה מזה. ובדרך כלל אנו רואים את סדר ההפכיות בהרבה ענינים:

Deshalb gibt es zwei vollkommene Gegensätze in der Ordnung des Gebets, was die Frage aufwirft: „Was kann man tun, wenn man sieht, dass sie so weit voneinander entfernt sind?“ Normalerweise kann man die Gegensätzlichkeit in vielen Dingen sehen.

16

Beispiel 1: die Ordnung der Lichter, die in den Gefäßen leuchten. Bekanntlich besteht zwischen Gefäßen und Lichtern ein umgekehrtes Verhältnis. Bei den Gefäßen offenbaren sich die großen und reinen zuerst – zuerst Keter und zuletzt die Sefira Malchut. Bei den Lichtern ist es umgekehrt: Die kleinen offenbaren sich zuerst – zuerst Malchut und zuletzt Keter. Bekanntlich sagt man, wenn man von den Gefäßen spricht, dass die Ordnung KaCHaB ZoN ist; spricht man von den Lichtern, dass die Ordnung NaRaNCHaJ ist.

דוגמא א) בסדר האורות המאירים בהכלים. ידוע, שיש ערך ההפכי בין כלים לאורות. שבהכלים, הכלים הגדולים והזכים מתגלים תחילה. היינו, מקודם כתר ולבסוף מתגלה ספירת המלכות. ובאורות הוא להיפך, שהקטנים מתגלים תחילה. מקודם מלכות ולבסוף כתר. כידוע, כשמדברים מכלים, אומרים, שהסדר הוא כח"ב זו"ן, וכשמדברים מהאורות אומרים שהסדר הוא נרנח"י.

Ein Beispiel ist die Ordnung der Lichter, die in den Kelim [Gefäßen] leuchten. Es ist bekannt, dass es eine umgekehrte Beziehung zwischen Kelim und Lichtern gibt. Bei den Kelim offenbaren sich die großen und reinsten zuerst. Das heißt, Keter offenbart sich als erstes und die Sefira [Einzahl für Sefirot ] Malchut als letztes. Bei den Lichtern ist es umgekehrt: Die kleinen Kelim offenbaren sich zuerst: erst Malchut und dann Keter . Aus der Perspektive der Kelim heißt es, dass die Reihenfolge KaCHaB SoN ist, und aus der Perspektive der Lichter ist die Reihenfolge NaRaNCHaY .

17

Beispiel 2: Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte, wir sähen in der Ordnung der Arbeit des Schöpfers einen Gegensatz. Einerseits sagten unsere Weisen (Awot, Kapitel 4): „Sei überaus demütig im Geist.“ Andererseits sagten sie: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Schöpfers.“ Das heißt: Wäre er wirklich vor jedem Einzelnen demütig, so könnte er jene nicht überwinden, die über ihn spotten, wenn er auf den Wegen des Schöpfers geht – denn er beugt sich vor allen. Vielmehr muss er dann sagen: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Schöpfers“ – also sich von niemandem beeindrucken lassen, von dem, was sie ihm sagen:

דוגמא ב) אאמו"ר זצ"ל אמר, אנו רואים בסדר עבודת ה' הפכיות. מצד אחד אמרו חז"ל (אבות, פרק ד') "מאוד מאוד הוי שפל רוח". ומצד השני אמרו "ויגבה לבו בדרכי ה'". זאת אומרת, אם באמת יהיה שפל לפני כל אחד ואחד, אז לא יוכל להתגבר על אלה המלעיגים עליו, כשהוא הולך בדרכי ה', כיון שהוא מכניע את עצמו לפני כל. אלא הוא צריך לומר אז "ויגבה לבו בדרכי ה'", היינו לא להתפעל מאף אחד, ממה שהם אומרים לו:

Ein anderes Beispiel führt Baal HaSulam an: Man sieht die Gegensätze durch die Ordnung in der Arbeit des Menschen. Auf der einen Seite sagten die Weisen ( Awot , Kapitel 4): „Sei sehr, sehr demütig.“ Andererseits sagten sie: „Und sein Herz war hoch auf den Wegen des Herrn.“ Das heißt, wenn er sich wirklich vor jedem in Demut begibt, wird er diejenigen nicht überwinden können, die sich über sein Wandeln auf dem Weg des Schöpfers lustig machen.

18

„Diese Arbeit, die du auf dich genommen hast, passt zu Menschen von Begabung und beherztem Mut, die es gewohnt sind, Hindernisse zu überwinden, und die eine gute Erziehung genossen haben – die also von Kindheit an gewohnt sind, dass die Arbeit des Schöpfers die Hauptsache ist. Du aber nicht: Dir genügt es, ein angesehener Hausherr zu sein. Sorge dafür, dass deine Kinder Tora-Gelehrte und im Dienst Tätige werden, dann wirst du ein angesehener Hausherr sein und für deine Töchter Tora-kundige Bräutigame gewinnen. Nicht aber, dass du in vorgerücktem Alter jetzt den Weg der Arbeit zu beschreiten beginnst, der zur Tora um Ihretwillen (liShma) führt und ganz und gar nicht zum eigenen Nutzen. Lass ab von diesem Weg und begehre nicht Dinge, die über deiner Stufe liegen.“

"עבודה זו, שאתה קבלת על עצמך, זה מתאים לפני אנשים בעלי כשרונות ובעל אמיצי לב, שהם רגילים להתגבר על מכשולים, שנולדו עם חינוך טוב. היינו שרגילים מעת היותם קטנים, שעיקר הוא עבודת ה'. מה שאין כן אתה, די לך אם תהיה בעל בית חשוב. היינו, תסתכל שהילדים שלך הם יהיו בני תורה ובעלי עבודה, אז אתה תהיה בעל בית חשוב, ותקבל עבור בנותיך חתנים בני תורה. לא שאתה בגיל עמידה, אתה רוצה עכשיו להתחיל ללכת בדרך העבודה, המובילה לתורה לשמה, ולא לתועלת עצמו כולך. לך מזו הדרך, ואל תחמוד לדברים שהם למעלה מדרגתך".

Zu dieser Zeit sollte er sagen: „Und sein Herz war hoch auf den Wegen des Herrn.“ Das heißt, er sollte sich von niemandem abbringen lassen, der ihm sagt: „Diese Arbeit, die du auf dich genommen hast, passt zu geschickten und mutigen Menschen, die es gewohnt sind, Hindernisse zu überwinden und eine gute Erziehung genossen haben. Das heißt, sie sind von klein auf daran gewöhnt, der Arbeit des Schöpfers die größte Bedeutung beizumessen. Aber du bist nicht so. Du solltest dich damit begnügen, ein wichtiger Hausherr zu sein. Du sollst also dafür sorgen, dass deine Kinder Tora und die Arbeit des Schöpfers studieren, und dann wirst du ein wichtiger Hausherr sein, und deine Töchter werden Schüler der Tora heiraten. Es ist unangebracht, dass du, als Mensch mittleren Alters, anfängst, den Weg der Arbeit zu beschreiten, der zur Tora in liShma [für Ihren Namen] führt, und ganz und gar nicht zum eigenen Vorteil. Verlasse diesen Weg und sehne dich nicht nach Dingen, die über deine Stufe hinausgehen.“

19

Dann bleibt ihm kein anderer Rat, als sich von ihnen nicht beeindrucken zu lassen und zu erfüllen, was die Weisen sagten: „Und er schäme sich nicht vor den Spöttern.“ So muss er dann den Weg des Stolzes gehen. Andererseits soll er erfüllen: „Sei überaus demütig im Geist.“ Doch nach dem Grundsatz „Zwei Gegensätze können nicht in einem Gegenstand bestehen“ – wie lassen sich beide in einem Menschen verwirklichen? Es gibt noch viele weitere Beispiele für zwei Gegensätze in den Dingen der Arbeit des Schöpfers. Zwei Gegensätze können aber sehr wohl in einem Gegenstand bestehen, zu zwei Zeiten, also nacheinander.

ואז אין לו עצה, אלא לא להתפעל מהם, ולקיים מה שאמרו חז"ל "ואל יתבייש מפני המלעיגים". נמצא, שאז הוא מוכרח ללכת בדרך הגאוה. ומצד השני הוא צריך לקיים "מאוד מאוד הוי שפל רוח". אמנם לפי הכלל "אין שני הפכים בנושא אחד", איך אפשר לקיים שניהם באדם אחד. ויש עוד הרבה דוגמאות של ב' הפכים בעניני עבודת ה'. אבל יכול להיות שני הפכים בנושא אחד, בשני זמנים, היינו זה אחר זה.

Dann hat er keine andere Wahl, als sich nicht von ihnen beeindrucken zu lassen und die Worte der Weisen zu befolgen: „Er soll sich nicht vor den Spöttern schämen.“ Daraus folgt, dass er dann den Weg des Stolzes gehen muss. Aber auf der anderen Seite muss er sich an „Sei sehr, sehr demütig“ halten. Aber nach der Regel: „Es gibt keine zwei Gegensätze in einem Körper“, wie können dann beide in einem Menschen sein? Es gibt viele andere Beispiele für zwei Gegensätze in der Arbeit des Schöpfers. Und es können zwei Gegensätze in einem Körper sein und zwar zu zwei unterschiedlichen Zeiten, also einer nach dem anderen.

20

Die Wurzel der Sache ist, wie es in der „Einleitung zum Buch Sohar“ (Abschnitt 10–11) steht, wo gefragt wird: „Wie ist es möglich, dass aus Seiner gesegneten Heiligkeit der Streitwagen (Merkawa) der Unreinheit (Tuma) und der Klipot (Schalen) hervorgeht, da diese doch von Seiner gesegneten Heiligkeit von einem Äußersten zum anderen entfernt ist?“

ושורש הדברים הוא, כמו שכתוב בהקדמה לספר הזוהר (אות י', י"א), ששואל שם "איך אפשר, שיתהווה מקדושתו יתברך ענין מרכבת הטומאה והקליפות, אחר שהיא רחוקה מקדושתו יתברך מקצה אל הקצה".

Der Kern der Sache ist, wie es in der „Einleitung zum Buch Sohar “ (Punkt 10-11) heißt: „Wie ist es möglich, dass der Wagen [ Merkawa ] von Unreinheit und Klipot [Schalen/Hüllen] aus Seiner Heiligkeit hervorgeht, da er sich doch am anderen Ende Seiner Heiligkeit befindet?“

21

Und er sagt dort: „Das Verlangen zu empfangen, das die eigentliche Wesenheit der Seelen von ihrer Erschaffung her ist, das ist Unreinheit und Klipot. Und dies rührt von der Formverschiedenheit her, die in ihnen liegt und sie vom Gesegneten trennt. Um nun die Trennung zu beheben, die auf dem Kli der Seelen lastet, erschuf der Gesegnete alle Welten und schied sie in zwei Systeme: die vier Welten ABYA der Heiligkeit und ihnen gegenüber die vier Welten ABYA der Unreinheit. Das Verlangen zu geben prägte Er dem System ABYA der Heiligkeit ein, und das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, entfernte Er aus ihm und gab es in das System ABYA der Unreinheit.“

ואומר שם: "הרצון לקבל, שהוא עצם מהותם של הנשמות מבחינת בריאתן, זהו טומאה וקליפות. וזהו מטעם השינוי צורה שבהם מפרידתן ממנו יתברך. ובכדי לתקן דבר הפירוד, המונח על הכלי של הנשמות, ברא יתברך את כל העולמות כולם, והבדילם לב' מערכות, שהן ד' עולמות אבי"ע דקדושה, ולעומתם ד' עולמות אבי"ע דטומאה. והטביע את הרצון להשפיע במערכת אבי"ע דקדושה, והסיר ממנו את הרצון לקבל לעצמו, ונתן אותו במערכת אבי"ע דטומאה".

Er sagt dort: „Der Wille zu empfangen, der das eigentliche Wesen der Seelen bei ihrer Erschaffung ist, sind Tuma [Unreinheit] und Klipot . Das ist so, weil ihre Ungleichheit der Form sie [die Seelen] von Ihm trennt. Und um diese Trennung, die sich auf dem Kli [Gefäß] der Seelen befindet, zu überwinden, hat Er alle Welten erschaffen und sie in zwei Systeme aufgeteilt, nämlich die vier Welten ABYA der Kedusha und ihnen gegenüber die vier Welten ABYA der Tuma . Er hat das Verlangen zu geben, in das System der ABYA von Kedusha eingeprägt, und den Willen, für sich selbst zu empfangen, von ihnen entfernt und in das System der ABYA von Tuma gelegt.“

22

Und er sagt dort: „Wie sollen diese beiden Dinge korrigiert werden, die einander in der Form verschieden sind? Darum wurde die Wirklichkeit dieser materiellen Welt erschaffen – ein Ort, an dem es Körper und Seele gibt, ebenso eine Zeit des Verderbens und der Korrektur. Denn der Körper, der das Verlangen ist, für sich selbst zu empfangen, geht von seiner Wurzel im Schöpfungsgedanken aus, durchläuft das System der Welten der Unreinheit und bleibt jenem System unterworfen bis zum dreizehnten Jahr. Das ist die Zeit des Verderbens. Danach beginnt die Zeit der Korrektur, die nach dreizehn Jahren einsetzt. Und durch die Beschäftigung mit Tora und Mizwot, die einer übt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, beginnt er das ihm eingeprägte Verlangen, für sich selbst zu empfangen, zu läutern und wandelt es nach und nach so um, dass es darauf gerichtet ist, zu geben.“

ואומר שם: "איך יתקנו אלו שני דברים, שהם בשינוי צורה זו מזו. לכן נברא מציאות עולם הזה הגשמי. דהיינו מקום שתהיה בו מציאות גוף ונשמה, וכן זמן קלקול ותיקון. כי הגוף, שהוא הרצון לקבל לעצמו, נמשך משורשו שבמחשבת הבריאה, ועובר דרך המערכה של העולמות דטומאה, ונשאר משועבד תחת המערכה ההיא עד י"ג שנה. והוא זמן הקלקול. ואח"כ מתחיל זמן התיקון, שהוא אחר י"ג שנים. וע"י העסק בתו"מ, שעוסק על מנת להשפיע נחת רוח ליוצרו, הוא מתחיל לטהר הרצון לקבל לעצמו, המוטבע בו, ומהפכו לאט לאט על מנת להשפיע".

Auch sagt er: „Wie sollen diese beiden Dinge, die in ihrer Form einander entgegengesetzt sind, korrigiert werden? Deshalb wurde die Realität dieser materiellen Welt erschaffen, also ein Ort, an dem es einen Körper und eine Seele gibt, und eine Zeit des Verderbens und eine Zeit der Korrektur. Denn der Körper, der der Wille ist, für sich selbst zu empfangen, erstreckt sich von seiner Wurzel im Gedanken der Schöpfung durch das System der Welten von Tuma und bleibt in den ersten dreizehn Jahren unter der Herrschaft dieses Systems. Dies ist die Zeit der Verderbnis. Danach beginnt die Zeit der Korrektur, die nach dreizehn Jahren stattfindet. Mittels der Beschäftigung mit Tora und Mizwot [Gebote/gute Taten] in der Absicht, um seinem Schöpfer Zufriedenheit zu bringen, beginnt der Mensch, den ihm eingeprägten Willen für sich selbst zu empfangen zu reinigen, und wandelt ihn langsam in den Willen zu geben um.“

23

Es zeigt sich, dass das Geschöpf von seiner Erschaffung an aus zwei Gegensätzen besteht:

נמצא, שהנברא, תיכף מצד בריאתו, הוא נכלל מב' הופכיים:

Es zeigt sich, dass das Geschöpf, sobald es erschaffen ist, aus zwei Gegensätzen besteht:

24

1. aus Gefäßen des Empfangens,

א. מכלים דקבלה.

1.) Gefäße des Empfangens,

25

2. aus Gefäßen des Gebens.

ב. מכלים דהשפעה.

2.) Gefäße des Gebens.

26

Und es gibt keinen größeren Gegensatz als diesen. Diese beiden entgegengesetzten Dinge treten in einem Gegenstand auf, nur eben nacheinander. Und es scheint, als gäbe es eine mittlere Linie, die beide umfasst:

ואין לך הופכיות יותר גדולה מזו. ואלו ב' דברים הפוכים באים בנושא אחד, אלא בזה אחר זה. ונראה, כאילו יש קו אמצעי הכולל את שניהם:

Es gibt keine größere Gegensätzlichkeit als diese. Diese beiden Gegensätze kommen in einem einzigen Körper vor, aber einer nach dem anderen, und es scheint, als gäbe es eine mittlere Linie, die beide enthält:

27

1. das Verlangen zu empfangen,

א. הרצון לקבל.

1.) den Willen zu empfangen,

28

2. das Verlangen zu geben.

ב. הרצון להשפיע.

2.) den Willen zu geben.

29

Die mittlere Linie, die beide umfasst, liegt vor, wenn das Verlangen zu empfangen in das Verlangen zu geben eingeschlossen ist – was man „Empfangen, um zu geben“ nennt. So sind in dieser mittleren Linie beide Kräfte enthalten, nämlich Empfangen und Geben zugleich.

וקו אמצעי הכולל את שניהם, הוא, בזמן שהרצון לקבל נכלל בהרצון להשפיע, המכונה "מקבל בעל מנת להשפיע". נמצא, שבקו האמצעי הזה נכללות ב' הכוחות, היינו קבלה והשפעה ביחד.

Die mittlere Linie enthält beide, wenn der Wille zu empfangen in den Willen zu geben eingeschlossen ist, was als „Empfangen, um zu geben“ bezeichnet wird. Daraus folgt, dass die beiden Kräfte in dieser mittleren Linie enthalten sind, also Empfangen und Geben zusammen.

30

Damit klärt sich unsere Frage, wie es in der Arbeit des Menschen eine Wirklichkeit vollkommenster Ganzheit und zugleich eines Mangels in äußerster Niedrigkeit in einem Gegenstand geben kann. Die Antwort lautet: Das ist zu zwei Zeiten möglich. Der Mensch muss also die Ordnung seiner Arbeit in zwei Weisen einteilen:

ולפי זה יוצא מה ששאלנו, איך יכול להיות בעבודת האדם מציאות של שלימות בתכלית השלימות, וחסרון בתכלית השפלות, בנושא אחד. והתשובה היא, שזה יכול להיות בב' זמנים, היינו שהאדם צריך לחלק סדר עבודתו לב' אופנים:

Die Antwort auf die Frage: „Wie kann es in der Arbeit des Menschen völlige Ganzheit und Mangel in völliger Niedrigkeit im selben Körper geben?“ lautet daher, dass dies zu zwei unterschiedlichen Zeiten möglich ist. Das heißt, der Mensch muss die Reihenfolge seiner Arbeit in zwei Wege einteilen: Der eine Weg wird auf dem Pfad von „Rechts“ sein, der „Ganzheit“ genannt wird. Dies ist so, weil der Mensch zu Beginn der Umkehr zuerst nach rechts, „Ganzheit“ genannt, und dann nach links gehen sollte. Das ist so, weil er nur auf zwei Beinen gehen kann, während man auf einem Bein nicht von Gehen sprechen kann.

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Die erste Weise verläuft auf dem rechten Weg, genannt „Ganzheit“. Denn wenn der Mensch sich zuzuwenden beginnt, muss er sich zuerst der „rechten“ Seite zuwenden, die „Ganzheit“ heißt, und danach der „linken“. Nur auf zwei Beinen nämlich kann der Mensch gehen; auf einem Bein ist von Gehen überhaupt keine Rede.

א. אופן אחד יהיה בדרך ימין, הנקרא "שלימות". כי האדם, כשמתחיל לפנות, צריך לפנות מקודם ל"ימין", הנקרא "שלימות". ואח"כ לפנות ל"שמאל". כי דוקא על שני רגלים יכול האדם ללכת, אבל על רגל אחת לא שייך בכלל הליכה.

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Die rechte Seite heißt „Ganzheit“. Denn wenn der Mensch daran geht, die Arbeit des Schöpfers auf sich zu nehmen, ist die Ordnung so, dass er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen muss „wie ein Ochse das Joch und wie ein Esel die Last“. Mit „Ochse“ ist der Aspekt des Gehirns (Mocha) gemeint, „Ochse“ genannt nach dem Ausdruck „Der Ochse kennt seinen Besitzer“ – gemeint ist der Aspekt des Glaubens über dem Verstand.

ענין ימין נקרא "שלימות". היות כשהאדם בא לקבל על עצמו עבודת ה', הסדר הוא, שצריך לקבל על עצמו עול מלכות שמים "כשור לעול וכחמור למשא". ענין "שור" הכוונה על בחינת מוחא, הנקרא "שור" מלשון "ידע שור קונהו", שהכוונה על בחינת אמונה למעלה מהדעת.

„Rechts“ bedeutet Ganzheit, denn wenn der Mensch die Arbeit des Schöpfers auf sich nehmen will, lautet die Reihenfolge, dass er die Last des Himmelreichs „wie ein Ochse die Bürde und ein Esel die Last“ auf sich nehmen soll. Der „Ochse“ bezieht sich auf den Verstand, genannt „Ochse“, aus dem Vers „Der Ochse soll seinen Besitzer kennen“, der sich auf den Glauben über dem Verstand bezieht.

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Mit „Esel“ ist der Aspekt des Herzens (Liba) gemeint, „Esel“ genannt nach dem Ausdruck „und der Esel kennt die Krippe seines Herrn“ – gemeint ist der Aspekt der Selbstliebe. Sagt man darum „zu arbeiten, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten“, so ist das für ihn eine Last, die er sich immer von den Schultern werfen möchte. Vielmehr schaut er immer darauf, was er von dieser Arbeit zu essen hat – das heißt, welchen Genuss sein Verlangen zu empfangen daraus ziehen kann.

ענין "חמור" הכוונה על בחינת ליבא, הנקרא "חמור" מלשון "וחמור אבוס בעליו", שהכוונה על בחינת אהבה עצמית. ולכן כשאומרים "לעבוד בעל מנת להשפיע נחת רוח ליוצרו" זהו אצלו למשא, שרוצה תמיד לזרוק את המשא מעל כתפיו. אלא תמיד הוא מסתכל מה יש לו לאכול מעבודה זו, היינו איזו הנאה הרצון לקבל שלו יכול לקבל.

„Esel“ bezieht sich auf das Herz, das „Esel“ genannt wird, wie in „und ein Esel, die Krippe seines Herrn“, was sich auf die Selbstliebe bezieht. Deshalb betrachtet er die Aussage „arbeiten, um seinem Schöpfer Zufriedenheit zu geben“ als eine Last, die er immer von seinen Schultern werfen will. Er ist immer auf der Suche nach dem, was er von dieser Arbeit bekommen kann. Er sucht also nach dem Genuss, den sein Wille zu empfangen daraus ziehen könnte.

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Wenn er diese Arbeit auf sich nimmt, sagt er: „Gewiss muss ich auf mich selbst achten, mich also immer prüfen, ob ich mich nicht selbst täusche – ob ich wirklich den rechten Weg gehe, so wie er sein soll: Tora und Mizwot zu erfüllen aus dem Grund des Gebots des Schöpfers und nicht aus anderen Gründen. Doch ich erfülle den Ausspruch der Weisen: ‚Stets übe der Mensch Tora und Mizwot, auch nicht um Ihretwillen (lo liShma), denn aus lo liShma gelangt er zu liShma.‘ Wozu also soll ich über mich nachdenken, ob ich Tora und Mizwot mit all den rechten Absichten erfülle, sodass alles um des Himmels willen geschehe?

ובזמן שמקבל על עצמו עבודה זו, הוא אומר "בטח שאני צריך לראות בעצמי, היינו לבדוק את עצמי תמיד, אם אני לא מרמה עצמי, בזה שאני הולך בדרך הנכונה, שהיא כמו שצריך להיות. היינו לקיים תורה ומצות מטעם ציווי ה' ולא משום סיבות אחרות. אבל אני מקיים מאמר חז"ל, שאמרו "לעולם יעסוק אדם בתו"מ אפילו שלא לשמה, כי מתוך שלא לשמה הוא יבוא לשמה". אם כן מה לי לחשוב על עצמי, אם מקיים תו"מ עם כל הכוונות, באופן שהכל יהיו לשם שמים.

Wenn er diese Arbeit auf sich nimmt, sagt er: „Ich sollte mich selbst prüfen, also immer kontrollieren, ob ich mich nicht selbst täusche, und noch auf dem richtigen Weg bin. Das heißt, dass ich die Tora und die Mizwot wegen des Gebots des Schöpfers befolge und nicht aus irgendwelchen anderen Gründen. Ich halte mich jedoch an die Worte unserer Weisen, die sagten: ‚Man sollte sich immer mit Tora und Mizwot beschäftigen, auch in lo liShma [nicht für Ihren Namen], denn von lo liShma kommt man zu liShma [für Ihren Namen].‘ Warum sollte ich also darüber nachdenken, ob ich Tora und Mizwot mit der Absicht einhalte, dass alles für den Schöpfer ist?

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Vielmehr ist es mir ein großes Vorrecht, dass der Schöpfer mir Gedanke und Verlangen gegeben hat, etwas von Tora und Mizwot zu erfüllen. Denn nach dem Grundsatz schaut man bei einer wichtigen Sache nicht so sehr auf die Menge, selbst wenn sie gering ist. Ist die Beschaffenheit wertvoll, so ist sogar eine kleine Sache von hoher Beschaffenheit sehr wertvoll. Und da Tora und Mizwot das sind, was der Schöpfer uns durch Moses zu erfüllen geboten hat, kommt es mir bei der Erfüllung der Gebote des Schöpfers nicht darauf an, wie viel ich kann. Seien die Absichten auch noch so schlecht und niedrig – am Ende erfülle ich sie doch der Tat nach, so weit der Körper es mir erlaubt.

אלא לזכות גדולה יש לי, בזה שה' נתן לי מחשבה ורצון לקיים משהו בתו"מ. כי כפי הכלל, בדבר חשוב לא מסתכלים כל כך על הכמות, אלא אפילו שתהיה כמות קטנה. ואם האיכות היא חשובה, אפילו דבר קטן שבאיכות חשוב מאוד. ומשום זה, היות שתו"מ הוא מה שהקב"ה צוה לנו על ידי משה לקיים אותה. אם כן לקיים מצות ה', לא חשוב לי כמה שאני יכול. אלא שיהיו אפילו עם הכוונות הכי גרועות ושפלות, סוף כל סוף בבחינת המעשה אני מקיים, עד כמה שהגוף מרשה לי.

Ich habe jedoch das große Privileg, dass der Schöpfer mir den Gedanken und das Verlangen gegeben hat, Tora und Mizwot zu befolgen. Die Regel besagt, dass ein Mensch bei etwas Wichtigem nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität achtet. Wenn es auf die Qualität ankommt, ist sogar eine kleine Menge sehr wichtig, wenn sie von hoher Qualität ist. Da der Schöpfer durch Moses befohlen hat, Tora und Mizwot einzuhalten, ist es mir daher egal, wie viel ich einhalten kann. Vielmehr befolge ich, auch wenn ich die schlimmste und niederträchtigste Absicht habe, tatsächlich so viel, wie es mein Körper zulässt.

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Und obwohl ich nicht fähig bin, die Begierden des Körpers zu überwinden, freue ich mich doch wenigstens darüber, dass ich die Kraft habe, die Gebote des Schöpfers auf irgendeine Weise zu erfüllen. Denn ich glaube, dass alles durch die Vorsehung kommt – dass der Schöpfer mir Gedanke, Verlangen und Kraft gegeben hat, Tora und Mizwot zu erfüllen. Und dafür danke ich Ihm. Denn ich sehe, dass nicht alle ein solches Vorrecht hatten, die Gebote des Schöpfers zu erfüllen.“ Und er muss sagen, dass es nicht in seiner Kraft steht, die Größe und Bedeutung der Erfüllung der Gebote des Schöpfers zu ermessen, selbst ohne jede Absicht.

והגם שאני לא מוכשר להתגבר על רצונות הגוף, מכל מקום אני שמח בזה, לכל הפחות, שיש לי כח לקיים מצות ה' באיזה אופן שהוא. כי אני מאמין, שהכל בא בהשגחה. היינו, שה' נתן לי מחשבה ורצון וכח לקיים תו"מ. ואני מודה לו בזה. כי אני רואה, שלא לכולם היתה זכות כזאת, לקיים מצות ה'". והוא צריך לומר, שאין בידו כח להעריך את גודל וחשיבות של קיום מצות ה', אפילו בלי שום כוונה.

Und obwohl ich das Verlangen des Körpers nicht überwinden kann, bin ich doch froh, dass ich wenigstens die Kraft habe, die Gebote des Schöpfers in irgendeiner Weise einzuhalten, denn ich glaube, dass alles aus der Vorsehung heraus entsteht. Das heißt, der Schöpfer hat mir die Gedanken, das Verlangen und die Kraft gegeben, Tora und Mizwot zu befolgen, und ich danke Ihm dafür, weil ich sehe, dass nicht alle dieses Privileg des Einhaltens von Tora und Mizwot des Schöpfers bekommen haben.“ Der Mensch sollte sich sagen, dass er die Größe und Wichtigkeit, das Gebot des Schöpfers zu halten, nicht wertschätzen kann, selbst wenn er gar keine Absicht hat.

37

Dies lässt sich vergleichen mit dem, was wir sehen: Will ein Kind nicht essen, weil ihm das Essen keinen Genuss bereitet, so geben die Eltern ihm zu essen, ob es will oder nicht. Und obwohl das Kind keinen Genuss hat, nützt es ihm am Ende doch – selbst auf dem Weg des Zwangs –, damit es bestehen und wachsen kann. Gewiss ist es besser, wenn das Kind von sich aus essen will, also Genuss am Essen hat. Doch auch ohne Genuss, ganz auf dem Weg des Zwangs, nützt es dem Kind.

ויש לדמות זה, מה שאנו רואים, שאם הילד לא רוצה לאכול, שאין לו שום הנאה מאכילה, אז ההורים נותנים לאכול להילד בין שהוא רוצה ובין שהוא לא רוצה. והגם שאין להילד שום הנאה, אבל סוף כל סוף, אפילו על דרך הכפיה, גם כן מועיל להילד, שתהיה לו היכולת להתקיים ולהתגדל. הגם שבטח שיותר טוב, אם הילד רוצה לאכול מעצמו, היינו שיש לו הנאה מהאוכל. אבל אפילו בלי הנאה, אלא שכולו על דרך הכפיה, גם כן מועיל להילד.

Das kann mit einem Kind verglichen werden, das nicht essen will und keine Freude am Essen hat. Also zwingen die Eltern das Kind zu essen, ob es will oder nicht. Und obwohl das Kind keinen Genuss empfindet, hilft der Druck dem Kind letztendlich, damit es leben und wachsen kann. Natürlich wäre es besser, wenn das Kind von sich aus essen wollte, also Genuss am Essen hätte. Aber auch ohne Genuss und mit Druck kommt es dem Kind zugute.

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Dasselbe muss man von der Arbeit des Schöpfers sagen. Auch wenn einer Tora und Mizwot auf dem Weg des Zwangs erfüllt – sich also selbst zur Erfüllung zwingt, während sein Körper sich allem widersetzt, was zur Heiligkeit gehört –, so tut die Tat, die er vollbringt, dennoch ihr Werk: Dadurch kann er zu einem Zustand gelangen, in dem er tatsächlich das Verlangen hat zu erfüllen. Und dann kehren all die Taten, die er getan hat, nicht leer zurück, sondern alles, was er getan hat, tritt in die Heiligkeit ein.

כמו כן צריכים לומר בעבודת ה'. הגם זה שמקיים תו"מ על דרך כפיה, היינו שהוא כופה על עצמו לקיים, והגוף שלו מתנגד לכל דבר שבקדושה, מכל מקום, מעשה, מה שהוא עושה, עושה את שלו, היינו על ידי זה הוא יכול לבוא לידי מצב, שכן יהיה לו רצון לקיים. ואז כל המעשים שעשה, אינם חוזרים ריקם, אלא הכל מה שעשה נכנס בקדושה.

Das Gleiche sollte der Mensch sagen, wenn er dem Schöpfer dient. Selbst wenn er sich selbst dazu bringt, Tora und Mizwot einzuhalten, also dazu zwingt, und sein Körper sich gegen alles wehrt, was zur Kedusha [Heiligkeit] gehört, erfüllt die Handlung, die er ausführt, ihren Zweck. Dadurch kann er einen Zustand erreichen, in dem er das Verlangen hat, sie einzuhalten. Dann sind all seine Handlungen nicht umsonst. Vielmehr tritt alles, was er getan hat, in die Kedusha ein.

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Dies lässt sich mit dem deuten, was die Weisen über den Vers „Er bringe es dar nach seinem Willen vor dem Schöpfer“ (Arachin 21) auslegten: „Es lehrten die Rabbinen: ‚Er bringe es dar‘ – das lehrt, dass man ihn zwingt. Doch es steht geschrieben ‚nach seinem Willen‘. Wie ist das? Man zwingt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“

וזה יכולים לפרש, במה שחז"ל דרשו על הפסוק "יקריב אותו לרצונו לפני ה'" (ערכין, כ"א) "תנו רבנן, יקריב אותו, מלמד, שכופין אותו. וכתיב, לרצונו. הא כיצד. כופין אותו עד שיאמר, רוצה אני".

Dies kann mit den Worten der Weisen zu dem Vers „Er wird es vor dem Herrn nach seinem Willen opfern“ ( Arachin , 21) gedeutet werden. „Unsere Weisen sagten: ‚Er wird es opfern‘ bedeutet, dass er gezwungen ist. Aber es steht geschrieben ’nach seinem Willen‘. Wie ist das möglich? Er ist gezwungen, bis er sagt: ‚Ich will.'“

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Das bedeutet, dass den Weisen das Geschriebene „nach seinem Willen vor dem Schöpfer“ schwerfiel. Denn all sein Tun, das er unternimmt, um sich dem Schöpfer zu nähern – die Tat heißt nicht „Tat“, wenn er sie nicht um des Himmels willen tun will, was „nach dem Willen des Schöpfers“ genannt wird. Dieser Mensch aber ist noch nicht fähig, Taten zu vollbringen, die zum Nutzen des Schöpfers wären. Das bedeutet, dass seine Taten keinerlei Wert haben – als hätte er nichts getan, da sie noch nicht nach dem Willen des Schöpfers sind.

שמשמע, שהיה קשה לחז"ל מה שכתוב "לרצונו לפני ה'". זאת אומרת, שכל עשיותיו, מה שהוא עושה בקשר לקרב את עצמו לה', אין המעשה נקרא "מעשה", אם אין הוא רוצה לעשות לשם שמים, שנקרא "לרצון ה'". אלא שהאדם הזה עוד אינו מסוגל לעשות מעשים שיהיה לתועלת השי"ת. משמע שאין שום ערך להמעשים שלו. כאילו לא עשה כלום דמי [מודה], כיון שאינם עוד לרצון ה'.

Das bedeutet, dass die Worte „vor dem Herrn, nach seinem Willen“ die Weisen verwirrten. Das heißt, dass alles, was der Mensch tut, um sich dem Schöpfer anzunähern, nicht als eine Handlung angesehen wird, wenn er nicht für den Schöpfer arbeiten will, was „nach dem Willen des Herrn“ genannt wird. Stattdessen kann dieser Mensch immer noch nichts um des Schöpfers willen tun. Das bedeutet, dass seine Handlungen so wertlos sind, als hätte er nichts getan, weil sie immer noch nicht dem Willen des Schöpfers entsprechen.

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Doch es steht geschrieben „Er bringe es dar“. Das bedeutet, wie geschrieben steht: Es lehrt, dass man ihn zwingt – also selbst auf dem Weg des Zwangs. Das heißt: Auch wenn er nicht um des Himmels willen handeln will, wird es dennoch „Opfer“ genannt. Das ist doch schwer zu verstehen: Er will das Opfer doch nicht vor dem Schöpfer darbringen – so widerspricht der Anfang des Verses seinem Ende.

אמנם כתוב "יקריב אותו". משמע כמו שכתוב, מלמד שכופין אותו. זאת אומרת, אפילו בדרך הכפיה. היינו, שלא רוצה לעשות לשם שמים, גם כן נקרא "קרבן". הלא קשה, הלא לא רוצה להקריב הקרבן לפני ה', אם כן הרי בסתירה תחילת הפסוק לסופו.

Es steht aber geschrieben: „Er wird es opfern“. Das bedeutet, dass er dazu gebracht wird, das heißt sogar durch Zwang. Wenn er also nicht für den Schöpfer arbeiten will, wird es trotzdem „opfern“ genannt. Das ist jedoch verwirrend, da er die Opfergabe dem Schöpfer nicht darbringen will. Also widerspricht der Anfang des Verses seinem Ende.

42

Darauf antworteten sie: „Man zwingt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Das heißt, dies folgt dem Grundsatz, den die Weisen aussprachen: „Stets übe der Mensch Tora und Mizwot, wenn auch nicht um Ihretwillen, denn aus dem Nicht-um-Ihretwillen kommt man zum um Ihretwillen“ (Pessachim 50b). Gemeint ist: dadurch, dass er sich Mal um Mal zwingt, obwohl der Körper nicht einwilligt, um des Himmels willen zu arbeiten. Der Grund ist, dass er dort, wo er keinen eigenen Nutzen sieht, zu nichts fähig ist.

ועל זה תירצו "כופין אותו עד שיאמר, רוצה אני". פירוש, שזה הולך לפי הכלל, שאמרו חז"ל "לעולם יעסוק אדם בתורה ומצות, אף על פי שלא לשמה, שמתוך שלא בא לשמה" (פסחים, נ', ע"ב). שהכוונה היא, שעל ידי זה שיכוף עצמו כל פעם ופעם, אף על פי שהגוף לא מסכים לעבוד לשם שמים. והטעם הוא, משום שבמקום שהוא לא רואה תועלת עצמו, אינו מסוגל לעשות שום דבר.

Sie sagten dazu: „Er wird gezwungen, bis er sagt: ‚Ich will.'“ Das heißt, dies folgt der Regel, von der die Weisen sagten: „Man sollte sich immer mit Tora und Mizwot beschäftigen, auch in lo liShma , denn von lo liShma kommt man zu liShma “ ( Pesachim 50b). Das bedeutet, dass der Mensch jedes Mal nachgibt, obwohl der Körper nicht bereit ist, für den Schöpfer zu arbeiten, denn wo er keinen Eigennutzen sieht, kann er auch nichts tun.

43

Dennoch achtet er nicht auf die Einwände des Körpers und sagt zu seinem Körper: „Wisse, dass du die Gebote des Schöpfers auch auf dem Weg des Zwangs erfüllst. Kein Widerstand gegen die Tat wird dir helfen. Man sagt, dass die tätigen Mizwot die besondere Kraft haben, den Menschen zum um Ihretwillen zu führen.“ Das ist die Bedeutung von „Man zwingt ihn“: Er zwingt sich selbst und hört auf keinen Verstand und keine Vernunftgründe, die ihm der Körper darlegen will. Vielmehr sagt er ihm, dass er am Ende zum Aspekt des um Ihretwillen gelangen wird. Und das ist die Bedeutung von „bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Das heißt, wie gesagt: aus dem Nicht-um-Ihretwillen gelangt man zum um Ihretwillen, und das heißt „Ich will.“

ומכל מקום אינו משגיח על טענותיו של הגוף, והוא אומר להגוף שלו "תדע, שגם על דרך כפיה אתה עושה מצות ה'. ולא יעזור לך שום התנגדות על המעשה. אומרים שמצות מעשיות יש להם הסגולה להביא את האדם לשמה". וזה הפירוש "כופין אותו". היינו הוא כופה את עצמו, ואינו שומע שום שכל וסברה מה שהגוף רוצה להסבירו. אלא שאומר לו, שבסופו של דבר הוא יגיע לבחינת לשמה. וזהו פירוש "עד שיאמר, רוצה אני". היינו כנ"ל, שמתוך שלא לשמה באים לשמה, שזה נקרא "רוצה אני".

Dennoch nimmt er die Klagen des Körpers nicht wahr und sagt zu ihm: „Wisse, dass du auch mit Zwang die Gebote des Schöpfers einhältst. Es wird dir nicht helfen, dich gegen die Arbeit zu wehren. Es heißt, dass das Einhalten der Mizwot die Kraft hat, den Menschen zu liShma zu bringen.“ Das ist die Bedeutung von „Er wird gezwungen“. Er zwingt sich also selbst und hört nicht auf Logik und Verstand, mit denen der Körper ihm das zu erklären versucht. Stattdessen sagt er zu ihm, dass „er am Ende liShma erreicht.“ Das ist die Bedeutung von „bis er sagt: ‚Ich will.'“ Das heißt, von lo liShma kommt der Mensch zu liShma , das „Ich will“ heißt.

44

Daher erwacht in ihm jedes Mal, wenn er an die Verrichtung irgendeiner Tat der Heiligkeit denkt, sofort eine große Freude darüber, dass er gewürdigt wurde, mit Dingen in Berührung zu kommen, die der Schöpfer zu tun geboten hat. Und obwohl er weiß, dass alles, was er tut, nur nicht um Ihretwillen geschieht, kennt seine Freude dennoch keine Grenze, weil die Weisen uns verheißen haben: „Aus dem Nicht-um-Ihretwillen gelangt man zum um Ihretwillen.“

אי לזאת, כל פעם שהוא זוכר בעשית איזה מעשה של קדושה, תיכף נתעוררת בו שמחה גדולה, בזה שזכה להיות לו איזו נגיעה דברים שהבורא צוה אותם לעשות. והגם שהוא יודע, שכל מה שהוא עושה רק שלא לשמה, ומכל מקום אין קץ לשמחתו, היות שחז"ל הבטיחו לנו "מתוך שלא לשמה באים לשמה".

Deshalb erwacht jedes Mal, wenn er sich bei der Ausführung einer Handlung für die Kedusha daran erinnert, sofort große Freude in ihm, weil er damit belohnt wurde, dass er mit Dingen in Berührung gekommen ist, die ihm der Schöpfer aufgetragen hat. Obwohl er weiß, dass alles, was er tut, in lo liShma ist, ist er dennoch zutiefst glücklich. Denn die Weisen haben versprochen, dass man von lo liShma zu liShma kommt.

45

Und er zieht für sich einen Schluss vom Leichteren auf das Schwerere, da die Weisen sagten: „Wer aus Liebe umkehrt (Teshuwa tut), dem werden die mutwilligen Sünden zu Verdiensten; und wer aus Ehrfurcht umkehrt, dem werden die mutwilligen Sünden zu unabsichtlichen Verfehlungen.“ Daraus folgt: Sobald er gewürdigt wird, um Ihretwillen zu handeln, treten gewiss alle Mizwot, die er nicht um Ihretwillen getan hat, in die Heiligkeit ein und gelten als wertvoll, als hätte er sie um Ihretwillen getan.

ועושה קל וחומר לעצמו, כיון שחז"ל אמרו "העושה תשובה מאהבה, זדונות שעשה נעשה לו כזכיות. והעושה תשובה מיראה, זדונות נעשה לו כשגגות". נמצא לפי זה, מתי שהוא יזכה לעשות לשמה, אז בטח כל המצות שעשה שלא לשמה, יכנסו לקדושה, ויהיו חשובים כאילו עשה אותם לשמה.

Er ist sogar noch glücklicher, weil die Weisen sagten: „Wer aus Liebe umkehrt, für den werden die Sünden zu Verdiensten, und wer aus Furcht umkehrt, für den werden die Sünden zu unabsichtlichen Fehlern.“ Daraus folgt, dass, wenn er mit der Arbeit in liShma belohnt wird, alle Mizwot , die er in lo liShma eingehalten hat, in die Kedusha eingehen und so wichtig sind, als hätte er sie in liShma getan.

46

Es zeigt sich: Selbst während er noch nicht um Ihretwillen tätig ist, gilt ihm dies als ebenso wertvoll, als handelte er um Ihretwillen. Das heißt, er rechnet sich vor, dass all seine Taten gewiss wertvoller sind als mutwillige Sünden und sicher zum Guten korrigiert werden. Und gewiss wird ihm jede einzelne Tat, die er vollbringt, sei sie auch eine Kleinigkeit, als große Mizwa angerechnet. So sagten die Weisen (Awot, Kapitel 2): „Sei achtsam bei einer leichten Mizwa wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“

נמצא, אפילו בעת שהוא עדיין עוסק בשלא לשמה, הרי זה חשוב אצלו כאילו הוא עושה לשמה. היינו, שהוא עושה חשבון לעצמו, שכל המעשים שהוא עושה, בוודאי הם יותר חשובים מזדונות, ובטח הם יתוקנו לטוב. ובטח כל מעשה ומעשה שהוא עושה, אפילו שהיא דבר קטן, למצוה גדולה יחשב לו. כדברי חז"ל (אבות, פרק שני) "והוי זהיר במצוה קלה כבחמורה, שאין אתה יודע מתן שכרן של מצות".

Selbst wenn der Mensch also noch in l o liShma arbeitet, ist es für ihn so wichtig, als würde er in liShma arbeiten. Das heißt, er denkt, dass all seine Handlungen auf jeden Fall wichtiger sind als die Sünden, die zum Guten korrigiert werden müssen. Außerdem betrachtet er all seine Handlungen, selbst die kleinste, als eine große Mizwa [Gebot]. Es ist, wie die Weisen sagten ( Awot , Kapitel 2): „Sei bei einem kleinen Gebot so achtsam wie bei einem großen, denn du kennst die Belohnung für die Gebote nicht.“

47

Wenn er sich darum über seine Taten Rechenschaft gibt – wessen Gebote er erfüllt –, und ebenso, wenn er Worte der Tora spricht, sagt er sich: „Wessen Tora lerne ich?“ Und wenn er einen Genuss-Segen spricht, etwa „sheHakol“ oder „haMozi“, denkt er: „Zu wem spreche ich jetzt?“

ומשום זה, מתי שעושה חשבון לעצמו על המעשים שלו, שהוא עושה, את מצות של מי הוא מקיים, וכמו כן בזמן שמדבר איזה דברי תורה, הוא אומר לעצמו "התורה של מי אני לומד". ובזמן שהוא עושה איזה "ברכת הנהנין", כמו "שהכל" או "המוציא", הוא חושב אז "למי אני מדבר עכשיו".

Wenn er also seine Arbeit bewertet, wessen Mizwot er einhält und Worte der Tora spricht, fragt er sich: „Wessen Tora lerne ich?“ Und wenn er für Genuss einen Segen spricht, zum Beispiel vor dem Trinken oder vor dem Essen von Brot, denkt er: „Zu wem spreche ich?“

48

So befindet er sich dann in vollkommenster Ganzheit. Und diese Ganzheit gebiert Freude, weil er dann am Schöpfer haftet – insofern er sich vorstellt, dass er zum Schöpfer spricht, der gut ist und Gutes tut. Von selbst empfängt er Freude von der Wurzel, denn die Wurzel aller Geschöpfe ist der Schöpfer, der „der Gute, der Gutes tut“ genannt wird.

נמצא, שהוא אז בתכלית השלימות. והשלימות הזאת מולידה שמחה, משום שהוא אז דבוק בהבורא, כפי שהוא משער בעצמו, שהוא מדבר להבורא, שהוא טוב ומטיב. וממילא הוא מקבל שמחה מהשורש, שהשורש של כל הנבראים הוא הבורא, שהוא מכונה בשם "טוב ומטיב".

Dann befindet er sich in vollkommener Ganzheit, und diese Ganzheit bringt Freude hervor, weil er in diesem Moment dem Schöpfer anhaftet. Ebenso glaubt er, mit dem Schöpfer zu sprechen, der gut ist und Gutes tut. Natürlich empfängt er Freude von der Wurzel, denn die Wurzel aller Geschöpfe ist der Schöpfer, der „der Gute, der Gutes tut“ genannt wird.

49

Und die Weisen legten aus: „Gut für Ihn selbst und Gutes tuend an anderen“ – das heißt: gut für den Menschen selbst und gut auch für die anderen. Das bedeutet, dass er dann glauben kann, dass der Schöpfer ihm Gutes tut und ebenso der Allgemeinheit Gutes tut. Das heißt: Dann hat er die Fähigkeit, über dem Verstand zu glauben, dass es wahrhaft so ist – obwohl er nach seinem äußeren Verstand gerechnet hat und das Gute noch nicht in seiner ganzen Vollkommenheit sieht.

ודרשו חז"ל "טוב לדידיה ומטיב לאחרינא [טוב לאדם עצמו וטוב גם לאחרים]". שפירושו, שאז הוא יכול להאמין, שה' עושה עמו טוב. וכמו כן מטיב על הכלל. זאת אומרת, שאז יש לו היכולת להאמין למעלה מהדעת, שכך הוא באמת, אף על פי שעשה חשבון לפי שכל החיצון שלו, הוא עוד לא רואה את הטוב בכל השלימות.

Die Weisen sagten: „Er ist gut zu ihm und tut anderen Gutes“. Das bedeutet, dass der Mensch dann glauben kann, dass der Schöpfer ihm und allen anderen Gutes tut. Er kann also über dem Verstand glauben, dass dies wirklich so ist, auch wenn er mit seinem äußeren Verstand zu dem Schluss kommt, dass er das Gute nicht in seiner Vollkommenheit sieht.

50

Doch nun, durch die Rechenschaft, die er mit seinem Tun in Tora und Mizwot ablegt – während er für eine Weile auf irgendeine Weise am Schöpfer haftet –, hat er die Kraft, über dem Verstand zu glauben, dass es wahrhaft so ist. Und von selbst „weist die Wahrheit ihren Weg“: Daraus, dass er denkt, er spricht jetzt mit dem gesegneten Schöpfer, erwächst ein großes Erwachen der Freude, wie geschrieben steht: „Pracht und Herrlichkeit sind vor Ihm, Kraft und Freude an Seinem Ort.“

אבל עכשיו, על ידי החשבון שעושה עם העשיות שלו בתורה ומצות, שהוא דבוק לשעתו באיזה אופן שהוא בהבורא, יש לו אז כח להאמין למעלה מהדעת, שכך הוא באמת. וממילא "האמת יורה דרכו", שנצמח מזה, שהוא חושב, שהוא מדבר עכשיו עם הבורא יתברך, התעוררות גדולה של שמחה, כמו שכתוב "הוד והדר לפניו, עוז וחדוה במקומו".

Aber jetzt, durch die Berechnungen, die er in seiner Arbeit in Tora und Mizwot macht, wenn er dem Schöpfer bis zu einem gewissen Grad anhaftet, hat er die Kraft, über dem Verstand zu glauben, dass dies wirklich so ist. Natürlich wird „die Wahrheit den Weg zeigen“. Das Ergebnis seiner Überzeugung, dass er jetzt mit dem Schöpfer spricht, ist ein großes Erwachen der Freude, wie es geschrieben steht: „Erhabenheit und Herrlichkeit vor Ihm, Kraft und Freude sind an Seinem Ort.“

51

Und es gilt zu verstehen, in Bezug auf wen gesagt ist, dass Freude an Seinem Ort herrscht. Gewiss beziehen sich alle Namen, von denen wir sprechen, auf die Geschöpfe – das heißt darauf, wie die Geschöpfe empfinden. Vom Schöpfer selbst aber sagten die Weisen: „Kein Gedanke erfasst Ihn überhaupt.“ Vielmehr ist alles Gesagte auf die Geschöpfe bezogen.

ויש להבין, כלפי מי נאמר, שיש חדוה במקומו. בטח שכל השמות שאנו מדברים, הכל הוא בערך הנבראים. פירוש, איך שהנבראים מרגישים. אבל מהבורא עצמו, אמרו חז"ל, "לית [אין] מחשבה תפיסה ביה [בו] כלל וכלל". אלא כל המדובר הוא כלפי הנבראים.

Es ist wichtig zu verstehen, in Bezug auf wen gesagt wurde, dass an Seinem Ort Freude herrscht. Natürlich sind alle Namen aus der Perspektive der Geschöpfe, also entsprechend der Wahrnehmung der Geschöpfe. Aber über den Schöpfer selbst sagten die Weisen: „In Ihm gibt es überhaupt keinen Gedanken und keine Wahrnehmung.“ Vielmehr wird alles nur aus der Perspektive der Geschöpfe gesagt.

52

Demnach lautet die Auslegung: Jene, die empfinden, dass sie vor Ihm stehen, empfinden den Aspekt von Pracht und Herrlichkeit. Ebenso, wer denkt, dass er an Seinem Ort steht. Denn „Ort“ bedeutet „Gleichheit der Form“. Und es gibt noch eine Auslegung – die auf ein Abbild deutet –, wie ich von meinem Vater und Lehrer hörte: An dem Ort, an den ein Mensch denkt, dort ist er. Daraus folgt: Denkt der Mensch, dass er steht und mit dem König spricht, so befindet er sich an Seinem Ort, wo der König ist. Dann empfindet er, wie geschrieben steht: „Kraft und Freude an Seinem Ort.“

אם כן יהיה הפירוש, אלו שהם מרגישים שעומדים לפניו, הם מרגישים בחינת הוד והדר. וכמו כן מי שחושב, שהוא עומד במקומו. כי ענין "מקום" נקרא "השתוות הצורה". ויש עוד פירוש, שענין הוא מראה, כמו ששמעתי מאאמו"ר זצ"ל, שבמקום שאדם מחשב שם הוא. נמצא לפי זה, שאם האדם חושב, שעומד ומדבר עם המלך, הרי הוא נמצא במקומו, שהמלך נמצא שם. אז הוא מרגיש, כמו שכתוב "עוז וחדוה במקומו".

Das bedeutet also, dass diejenigen, die das Gefühl haben, vor Ihm zu stehen, Erhabenheit und Herrlichkeit empfinden, ebenso wie diejenigen, die denken, dass sie an Seinem Ort sind, denn „Ort“ bedeutet „Gleichheit der Form“. Es gibt aber auch eine andere Auslegung, die besagt, dass es sich um einen Spiegel handelt, wie ich von Baal HaSulam hörte: An dem Ort, an den man denkt, ist man auch. Wenn ein Mensch also denkt, er stehe und spreche mit dem König, dann ist er an dem Ort, an dem der König anwesend ist, und dann fühlt er sich, wie es geschrieben steht: „Kraft und Freude sind an Seinem Ort.“

53

Damit lässt sich verstehen, was wir gefragt haben zu dem Wort der Weisen „Mit Beginn des Adar mehrt man die Freude“. Wir fragten, was es mit dem Mehren der Freude auf sich hat – denn die Freude ist das Ergebnis einer Ursache. Was also ist die Ursache, die man erwecken kann, damit sie uns Freude bringt?

ובזה יש להבין מה ששאלנו, על זה שחז"ל אמרו "משנכנס אדר מרבין בשמחה". ושאלנו, מה הוא הענין להרבות בשמחה. היינו, שהשמחה היא תוצאה מאיזו סיבה. אם כן מהי הסיבה, שיכולים לעורר את הסיבה, בכדי שתביא לנו שמחה.

So können wir die Worte der Weisen verstehen: „Vom Beginn des [Monats] Adar an mehren wir die Freude.“ Wir fragten: „Warum soll die Freude vermehrt werden?“ Schließlich ist die Freude das Ergebnis einer Ursache. Was ist also die Ursache des Erwachens des Menschen, das ihm Freude bringt?

54

Nach dem Gesagten ist gemeint, vermehrt auf der rechten Linie zu gehen, die „Ganzheit“ heißt. Der Mensch befindet sich dann im Zustand der Ganzheit, und das heißt „Gleichheit“. Das heißt: Der Vollkommene, nämlich der Mensch, haftet jetzt am Vollkommenen, wie geschrieben steht: „Der Gesegnete haftet am Gesegneten, doch der Verfluchte haftet nicht am Gesegneten.“ Befindet sich der Mensch daher im Zustand der Kritik, genannt „linke Linie“, so ist er im Zustand des „Verfluchten“ und damit vom Vollkommenen getrennt. Darum kann er dann nur Finsternis empfinden und kein Licht – und allein das Licht bringt Freude.

ולפי הנ"ל, הכוונה להרבות ללכת בקו ימין, הנקרא "שלימות". והאדם נמצא במצב של שלימות, וזה נקרא "השתוות". היינו, שהשלם, שהוא האדם, דבוק עכשיו בהשלם, כמו שכתוב "ברוך מתדבק בברוך, ואין הארור מתדבק בברוך". לכן אם האדם נמצא במצב של בקורת, הנקרא "קו שמאל", הוא נמצא במצב של "ארור", וממילא הוא נפרד מהשלם. ומשום זה הוא יכול להרגיש אז רק חושך ולא אור, שרק אור מביא שמחה.

Nach den obigen Ausführungen handelt es sich um ein stetiges Vorankommen auf der rechten Linie, die „Ganzheit“ genannt wird. Wenn sich ein Mensch in einem Zustand der Ganzheit befindet, wird dies „Gleichwertigkeit“ genannt. Das heißt, die Vollkommenheit, die der Mensch ist, ist nun an das Ganze angehaftet, so wie es geschrieben steht: „Der Gesegnete haftet dem Gesegneten an, und der Verfluchte haftet nicht an dem Gesegneten.“ Deshalb ist ein Mensch, der sich in einem Zustand der Kritik befindet, der „linke Linie“ genannt wird, im Zustand des „Verfluchten“, und dann ist er vom Ganzen getrennt. Deshalb kann er zu dieser Zeit nur Finsternis und kein Licht empfinden, denn nur das Licht bringt Freude.

55

Doch es gilt zu verstehen, warum man gerade im „Monat Adar“ die Freude mehren soll und warum man nicht das ganze Jahr über den Weg der rechten Linie geht. Darauf ist zu antworten: Weil im Monat Adar das Wunder von Purim geschah, in dem das Licht des Endes der Korrektur (Gmar Tikun) leuchtete – wie es im „Shaar haKawanot“ („Tor der Absichten“) steht (Talmud Eser Sefirot, Teil 15, S. 1813, Abschnitt 220): „Darum werden in der kommenden Zukunft alle Festzeiten annulliert, außer der Schriftrolle Ester.“ Der Grund ist, dass es niemals ein so großes Wunder gab, weder an den Shabbat-Tagen noch an einem Feiertag.

אולם יש להבין, מהו דוקא ב"חודש אדר" צריכים להרבות בשמחה. ומדוע לא ילכו בדרך הימין כל השנה. ועל זה יש להשיב, היות שבחודש אדר היה בו הנס של פורים, שהיה מאיר אור דגמר התיקון, כמו שכתוב בשער הכוונות (תע"ס חלק ט"ו, דף א' תתי"ג, אות ר"כ) "לכן לעתיד לבוא כל המועדים יתבטלו חוץ ממגילת אסתר". והטעם הוא, כי לעולם לא היה נס גדול כזה, לא בשבתות ולא ביום טוב.

Man sollte jedoch verstehen, warum der Mensch gerade im Monat Adar die Freude mehren sollte und nicht das ganze Jahr über auf dem Weg der rechten Linie sein kann? Die Antwort darauf ist, dass das Wunder von Purim im Monat Adar geschah, als das Licht des Endes der Korrektur leuchtete, wie es in “Das Tor der Absichten” ( Studium der Zehn Sefirot, Teil 16, S. 1813, Punkt 220 ) geschrieben steht: „Deshalb werden in der Zukunft [am Ende der Korrektur] alle heiligen Tage aufgehoben, außer der Schriftrolle von Ester [ Purim ].“ Der Grund dafür ist, dass es noch nie ein so großes Wunder gegeben hat, weder an einem Shabbat noch an irgendeinem anderen guten Tag.

56

Darum muss die Vorbereitung auf ein so großes Licht die Freude sein, denn sie ist die Vorbereitung darauf, einen ehrwürdigen Gast zu empfangen – das Licht der kommenden Zukunft, wie gesagt. Indem man also die Vorbereitung des „Mehrens der Freude“ trifft, zieht man das Licht herab, das „Tage des Gastmahls und der Freude“ genannt wird.

ומשום זה ההכנה לאור גדול כזה צריכה להיות שמחה, שזהו ההכנה לקבל אורח נכבד, שהוא אור של לעתיד לבוא כנ"ל. לכן על ידי זה שעושים הכנה של "להרבות בשמחה", ממשיכים את האור, הנקרא "ימי המשתה ושמחה".

Deshalb sollte die Vorbereitung auf ein so großes Licht die Freude sein. Sie ist eine Vorbereitung darauf, einen geschätzten Gast zu begrüßen, der das Licht des Endes der Korrektur ist. Indem der Mensch sich also durch zunehmende Freude vorbereitet, dehnt er das Licht aus, das „die Tage des Festes und der Freude“ genannt wird.

57

Und das entspricht dem Grundsatz, der im heiligen Sohar steht: „Durch die Handlung unten wird die Handlung oben erweckt.“ Das heißt: Nach den Taten der Unteren wird im selben Maß die Handlung oben erweckt. Wenn also die Unteren sich mit Dingen der Freude beschäftigen, ziehen sie auf eben diese Weise das Licht der Freude nach unten herab. So steht geschrieben (Schriftrolle Ester 9,21): „Und Mordechai schrieb es nieder und verpflichtete sie, alljährlich die Tage zu feiern, an denen die Juden Ruhe vor ihren Feinden fanden, und den Monat, der sich ihnen von Kummer in Freude und von Trauer in einen Feiertag verwandelt hatte – sie zu Tagen des Gastmahls und der Freude zu machen.“ Dadurch zieht man das Licht des Endes der Korrektur herab, das damals leuchtete.

וזהו לפי הכלל, מה שכתוב בזה"ק "בעובדא דלתתא אתער עובדא דלעילא [במעשה שלמטה מעורר מעשה שלמעלה]". פירוש, לפי מעשי התחתונים שעושים, באותו שיעור מתעורר המעשה למעלה. זאת אומרת, בזמן שהתחתונים עוסקים בעניני שמחה, באותו אופן ממשיכים את אור של שמחה למטה. וזהו כמו שכתוב (מגילת אסתר, ט', כ"א) "ויכתוב מרדכי, לקיים עליהם, כימים אשר נחו בהם היהודים מאויביהם. והחודש אשר נהפך להם מיגון לשמחה, ומאבל ליום טוב, לעשות אותם ימי משתה ושמחה". שעל ידי זה ימשיכו את האור של גמר התיקון, שהיה מאיר אז.

Dies folgt der Regel, die im heiligen Sohar geschrieben steht: „Die Handlung unten erweckt die Handlung oben.“ Das heißt, entsprechend der Arbeit der Unteren erwacht die Arbeit oben. Das bedeutet, wenn die Unteren sich in Freude beschäftigen, dehnen sie das Licht der Freude nach unten aus, so wie es geschrieben steht (Esther, 9:22): „Und Mordechai schrieb, worin er Israel verpflichtete, dass es die Tage, an denen Israel vor seinen Feinden zur Ruhe kam, und als den Monat, in welchem sein Kummer in Freude und seine Trauer in einen Festtag verwandelt worden war; dass es diese feiern soll als Tage des Gastmahls und der Freude“, womit es das Licht des Endes der Korrektur, das damals leuchtete, ausdehnt.

58

Und man muss bei dieser Beschäftigung mit dem Herabziehen der Freude unterscheiden: Der Grund dafür ist, wie wir sagten, dass der Mensch dann dem Schöpfer Dank erweist dafür, dass Er ihn Sich angenähert hat. Es zeigt sich: Während er Dank erweist, beschäftigt er sich mit dem Geben, denn er dankt und preist den Schöpfer dafür, dass Er ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, damit er eine Berührung mit dem Spirituellen hat.

ויש להבחין בזה שעוסקים בענין המשכת השמחה, כי הסיבה לזה אמרנו, כי האדם נותן אז תודה לה' על מה שקירב אותו. נמצא, בזמן שהוא נותן תודה, הוא עוסק אז בענין השפעה, כי הוא מודה ומשבח להבורא, על מה שנתן לו מחשבה ורצון, להיות לו איזה מגע עם רוחניות.

Der Mensch muss sich über die Ausdehnung der Freude bewusst werden. Wir sagten, dass ihre Ursache darin liegt, dass der Mensch in diesem Moment dem Schöpfer dafür dankt, dass Er ihn angenähert hat. Hier befindet er sich im Geben, weil er dem Schöpfer dankt und Ihn dafür preist, dass Er ihm einen Gedanken und ein Verlangen gegeben hat, mit der Spiritualität in Kontakt zu kommen.

59

Und jetzt will er vom Schöpfer nicht, dass Er ihm etwas gibt. Also bittet er den Schöpfer um nichts. Sein ganzes Streben ist jetzt allein, dem Schöpfer Dank zu erweisen. Es zeigt sich: Er hat nun Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer, denn er beschäftigt sich mit dem Geben. Dadurch wird ihm aus der Anhaftung der Aspekt von Freude und Ganzheit herabgezogen, kraft dessen, dass er jetzt am Vollkommenen haftet. Das ist es, wodurch man die Freude mehrt.

ועכשיו הוא לא רוצה מה', שיתן לו משהו. אם כן הוא לא מבקש משהו מה'. וכל מגמתו עכשיו הוא, רק שהוא רוצה לתת תודה לה'. נמצא, שיש לו עכשיו דביקות בה', כי הוא עוסק בהשפעה. אם כן על ידי זה נמשך אליו מתוך הדביקות בחינת שמחה ושלימות, מכח שהוא דבוק עכשיו בהשלם. וזהו הענין, שעל ידי זה מרבים בשמחה.

Aber jetzt will er nicht, dass der Schöpfer ihm etwas gibt. Deshalb bittet er den Schöpfer um nichts, und sein einziges Ziel ist es, dem Schöpfer zu danken. Daraus folgt, dass er jetzt Dwekut [Anhaftung] an den Schöpfer hat, weil er sich mit dem Geben beschäftigt. Dadurch werden aus Dwekut Freude und Vollkommenheit zu ihm gezogen, weil er nun dem Ganzen anhaftet. Das ist die Bedeutung der zunehmenden Freude durch diese Handlung.

60

Anders, wenn er sich mit der Bitte beschäftigt: Ein Gebet aus der Tiefe des Herzens ist voller Mängel. Denn je stärker der Mangel empfunden wird, desto mehr kommt sein Gebet aus der Tiefe des Herzens. Es zeigt sich, dass er in jener Zeit nicht in Freude sein kann. Daraus folgt: Die Ursache der Freude liegt darin, wenn er sich mit Lob und Dank beschäftigt, und nicht, wenn er sich mit der Prüfung der Mängel beschäftigt.

מה שאין כן כשהוא עוסק בבקשה, שתפלה שהיא מעומק הלב היא מלאה חסרונות. כי כפי שיעור הרגשת החסרון, כן תפלתו יותר מעומק הלב. נמצא, שבזמן ההוא אי אפשר לו להיות בשמחה. נמצא לפי זה, שסיבת השמחה היא, בזמן שעוסק בשבח והודיה, ולא בזמן שעוסק בבדיקת החסרונות.

Das ist nicht der Fall, wenn er eine Bitte erhebt. Denn ein Gebet, das aus dem Grunde des Herzens kommt, ist voller Mängel. Entsprechend der Empfindung des Mangels ist auch sein Gebet tiefer. Deshalb kann er dann nicht glücklich sein. Der Grund für die Freude ist also, dass er sich mit Lobpreisung und Dankbarkeit beschäftigt und nicht mit der Prüfung von Mängeln.

61

Nach dem Gesagten lässt sich deuten, was die Weisen sagten: „Und wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Adar.“ Es klingt, als hätte man einen Rechtsstreit mit einem Fremden, als wäre es üblich, dass Israel Rechtsstreitigkeiten mit Fremden hat. Doch betrifft das Menschen, die sich mit Tora und Arbeit beschäftigen und kein Gewerbe und keinen Handel treiben?

ולפי הנ"ל יש לפרש מה שאמרו חז"ל "ואם יש לו דין ודברים עם עכו"ם, ישפוט עמו באדר". משמע, שיש דין ודברים עם נוכרי, כאילו זה נהוג, שלישראל יש דין ודברים עם נכרים. וכי זה שייך לאנשים שעוסקים בתורה ועבודה, ואין הם עוסקים בשום מלאכה ומסחר.

Nach dem oben Gesagten kann man die Worte der Weisen verstehen: „Und wenn jemand mit einem Götzendiener einen Streit hat, soll er ihn im Monat Adar richten“. Es bedeutet, dass ein Streit mit einem Fremden besteht, als ob es normal ist, dass Israel mit Fremden streitet. Handelt es sich dabei um Menschen, die sich mit Tora beschäftigen und arbeiten, oder um solche, die nicht arbeiten oder Handel betreiben?

62

Auf dem Weg der Arbeit aber lässt es sich so deuten: Gemeint ist der Götzendiener, der in jedem Israeliten steckt – das heißt, in einem einzigen Körper. Bei Menschen, die auf den Wegen des Schöpfers gehen wollen, widersetzt sich ihnen ihr Körper. Das ist es, was die Weisen über den Vers „Es sei kein fremder Gott in dir“ sagten. Sie sagten: „Welcher fremde Gott ist im Körper des Menschen? Das ist der böse Trieb (Jezer haRa).“ Er wird „Götzendiener“ genannt, weil er sich dagegen sträubt, der Aspekt Israel zu sein. Und das heißt, dass man mit ihm einen Rechtsstreit hat. Und dann, im Monat Adar, in dem man des Wunders gewürdigt wurde – als die Juden Freude und Wonne hatten, denn „die Furcht vor den Juden befiel sie“ und „es kehrte sich ins Gegenteil, dass die Juden über ihre Hasser herrschten“ –, darum ist dieser Monat geeignet, dass der Mensch mit dem Fremden in seinem Innern Gericht halte. Und gewiss wird es ihm in diesem Monat gelingen, der den Aspekt „es kehrte sich ins Gegenteil“ trägt, wie geschrieben steht: „dass die Juden über ihre Hasser herrschten.“

ולפי דרך עבודה יש לפרש את זה, הכוונה על העכו"ם, שיש בכל ישראל. היינו, בגוף אחד. ואלו אנשים שרוצים ללכת בדרכי ה', אז הגוף שלהם מתנגד להם. וזה כמו שאמרו חז"ל על פסוק "לא יהיה בך אל זר". ואמרו "איזה אל זר בגופו של אדם, הוי אומר, שזהו היצר הרע". והוא נקרא "עכו"ם", מטעם שהוא מתנגד להיות בחינת ישראל. וזה נקרא, שיש לו דין ודברים. ואז, בחודש אדר, שאז זכו להנס, שהיה אז שמחה וששון ליהודים, כי נפל פחד היהודים עליהם, ונהפוך הוא, אשר ישלטו היהודים המה בשונאיהם. לכן מסוגל החודש הזה, שהאדם ישפוט עם הנוכרי שבקרבו. ובודאי יצליח בחודש הזה, שהוא בחינת "ונהפוך הוא", כמו שכתוב "אשר ישלטו היהודים המה בשונאיהם".

In der Arbeit sind damit die Götzendiener gemeint, die es in Israel gibt, also in einem einzigen Körper. Der Körper des Menschen, der auf dem Weg des Schöpfers wandeln will, widersetzt sich ihnen. Es ist so, wie die Weisen über den Vers sagten: „Es soll kein fremder Gott in dir sein.“ Sie sagten: „Welcher fremde Gott befindet sich im Körper des Menschen? Es ist der böse Trieb.“ Dieser wird „Götzendiener“ genannt, da er sich dagegen sträubt, Israel zu sein. Dies wird als “sich im Streit befinden” betrachtet. Und dann, im Monat Adar , als Israel mit dem Wunder belohnt wurde und es Freude und Heiterkeit für ihn gab, weil es gefürchtet wurde, und alles in das Gegenteil verkehrt wurde und nun Israel über seine Feinde herrschte. Deshalb kann der Mensch in diesem Monat den Fremden in seinem Inneren verurteilen, und es wird ihm dann bestimmt gelingen, denn es gilt als „ins Gegenteil verkehrt“, wie es geschrieben steht: „Und Israel herrscht über seine Feinde.“

63

Und man muss bedenken: Der Rechtsstreit, den der Mensch mit seinem Götzendiener hat, rührt daher, dass jeder von beiden behauptet „Alles gehört mir.“ Israel behauptet, der Körper ist nur dazu erschaffen, dass er Israel und ein Diener des Schöpfers ist, und nicht um der Selbstliebe willen. Der Fremde in ihm dagegen behauptet ebenfalls „Alles gehört mir“ – das heißt, der ganze Körper ist mit dem Verlangen zu empfangen erschaffen. Das rührt gewiss daher, dass der Körper einzig und allein für die Bedürfnisse seines Verlangens zu empfangen sorgen muss. Wozu sollte er an die Sache des Verlangens zu geben denken? Und er führt ihm etliche Beweise an, dass er im Recht ist, denn so tut es jedermann.

וצריכים לזכור, כי דין ודברים שיש להאדם עם עכו"ם שלו, הוא, כי כל אחד טוען "כולו שלי". שישראל טוען, שהגוף נברא רק בכדי שיהא, ישראל ועובד ה', ולא בשביל אהבה עצמית. מה שאין כן הנוכרי שבקרבו טוען גם כן "כולו שלי". היינו, שכל הגוף נברא עם רצון לקבל. בטח שזה הוא מטעם, שהגוף צריך לדאוג אך ורק לצורך הרצון לקבל שלו. ומאי [ומה] לו לחשוב על ענין של רצון להשפיע. ומראה לו כמה הוכחות שהצדק עמו, כי חזו עמא דבר [כי ראו את העם דָּבָר].

Wir müssen uns daran erinnern, dass der Mensch im Streit mit seinen Götzendienern ist, denn jeder argumentiert: „Es ist alles meins.“ Israel behauptet, dass der Körper nur dazu erschaffen wurde, um Israel und ein Diener des Schöpfers zu sein, und nicht aus Selbstliebe. Während der Fremde in ihm ebenfalls argumentiert: „Es ist alles meins“. Das bedeutet, dass der ganze Körper mit dem Verlangen erschaffen wurde, zu empfangen, da der Körper nur auf seinen Willen zu achten braucht. Warum sollte er darüber nachdenken, geben zu wollen? Es gibt mehrere Gründe, die dafür sprechen, dass es richtig ist, denn das ist es, was jeder tut.

64

Das heißt, er sagt ihm: „Geh und sieh, wie es die Allgemeinheit hält. Gibt es jemanden, der für das Wohl des Nächsten sorgt, solange noch nicht alle seine eigenen, für ihn selbst nötigen Bedürfnisse erfüllt sind? Es gibt nur einige wenige, eine kleine Handvoll, die erst, nachdem ihre Bedürfnisse erfüllt sind, beginnen, für das Wohl des Nächsten zu sorgen. Und selbst dann achten sie mit sieben Augen darauf, dass die Sorge um den Nächsten – Gott behüte – die Selbstliebe nicht beeinträchtigt. Du aber behauptest „Alles gehört mir“, das heißt, du willst überhaupt nicht an die Selbstliebe denken, sondern alle Kraft, die du hast, für den Nächsten einsetzen. Und du rechtfertigst dich mir gegenüber: Dass du zum Wohl der Freunde arbeiten willst – was man „Nächstenliebe“ nennt –, das ist, sagst du, noch nicht das Ende; vielmehr meinst du, dass du durch die Beschäftigung mit der Nächstenliebe zur Liebe zum Schöpfer gelangen kannst. Das heißt, du willst dich überhaupt vor dem Schöpfer auflösen. Und was wird dann aus dem Körper, wenn du hernach deinen ganzen Körper dem Schöpfer geben und dich ganz in Ihm auflösen willst? Sag selbst: Wie kann ich einer Sache zustimmen, die dem menschlichen Verstand höchst befremdlich ist? Daher muss ich behaupten „Alles gehört mir“ und dir nicht einen Fußbreit Fortschritt gestatten.“

היינו שאומר לו "לך ותראה, איך הכלל נוהג, אם יש מי שהוא, שידאג לטובת הזולת, בזמן שעוד לא נתמלא לו כל צרכיו, מה שנחוץ לו לטובת עצמו. אלא שיש מתי מספר אנשים, שהם קומץ קטן, שלאחר שנתמלאו להם את צרכיהם, אז הם מתחילים לדאוג לטובת הזולת. וגם אז הם מסתכלים בשבע עיניים, שחס ושלום זה שדואג לצורך הזולת, שלא יפגום באהבה עצמית. ואתה טוען "כולו שלי". היינו, שלא לחשוב כלל על אהבה עצמית. אלא שכל המרץ שיש לך, אתה רוצה להשתמש עם זה לצורך הזולת. ואתה מתרץ לי, שזה שאתה רוצה לעבוד לטובת החברים, הנקרא "אהבת הזולת", אתה אומר לי, שזה לא סוף פסוק, אלא שאתה חושב, שעל ידי זה שאתה עוסק באהבת הזולת, אתה תוכל להגיע לאהבת ה'. היינו, שאתה רוצה בכלל להיבטל לה'. ומה יהיה עם הגוף אז, אם אתה רוצה אח"כ ליתן כל הגוף שלך להבורא, להיבטל אליו בכלל. תגיד אתה בעצמך, איך אני יכול להסכים לדבר, שזה מוזר מאוד להבין בשכל האנושי. אי לזאת, אני מוכרח לטעון "כולו שלי", ולא לתת לך ללכת אף שעל קדימה".

Das heißt, er sagt ihm: „Geh und sieh, was alle tun. Gibt es jemanden, der sich um andere kümmert, während seine eigenen Bedürfnisse nicht gestillt wurden? Es gibt nur sehr wenige Menschen, nicht mehr als eine Handvoll, deren Bedürfnisse vollständig erfüllt sind. So haben sie begonnen, sich um das Wohl anderer zu kümmern. Aber selbst dann achten sie sehr genau darauf, dass ihre Sorge um andere ihre Selbstliebe nicht befleckt. Du aber sagst: ‘Es ist alles mein’, was bedeutet, dass du es komplett vermeidest, über Selbstliebe nachzudenken. Stattdessen willst du deine ganze Kraft dafür einsetzen, anderen zu dienen. Und du rechtfertigst dein Verlangen, für das Wohl der anderen zu arbeiten, was man ‘Liebe zu anderen’ nennt, indem du sagst, dass dies nicht das Ziel ist. Stattdessen glaubst du, durch die Ausübung der Nächstenliebe die Liebe zum Schöpfer zu erreichen. Das heißt, du willst dich vor dem Schöpfer vollständig annullieren. Aber was soll dann aus dem Körper werden, wenn du deinen ganzen Körper dem Schöpfer geben willst, um sich vor ihm vollständig zu annullieren? Sag mir, wie kann ich dem zustimmen? Das ist sehr schwer zu begreifen. Deshalb bin ich gezwungen zu sagen: ‚Es ist alles mein’, und dich keinen Schritt vorankommen zu lassen.“

65

In diesem Zustand herrscht ein schwerer Krieg, da jeder behauptet, im Recht zu sein. Denn der Israelit in ihm wendet ein: Da der gesegnete Schöpfer uns mit der Absicht „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ erschuf, weiß Er gewiss, was den Geschöpfen guttut. Das heißt, Er hat erkannt, dass nur dadurch, dass alle sich darin üben, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, ihnen die Kraft zuwächst, die höchsten Stufen zu empfangen – „Offenbarung der Göttlichkeit“ genannt –, die sich in den inneren Verstand und in das innere Gefühl im Herzen kleidet. Das heißt, nur auf solche Weise wird es ihnen möglich sein, all das Gute und den Genuss zu empfangen, den der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte.

ובמצב הזה הוא מלחמה כבדה. היות שכל אחד אומר, שהצדק עמו. כי הישראל שבקרבו טוען, היות שהבורא יתברך ברא אותנו על הכוונה "רצונו להטיב לנבראיו", אז בטח הוא יודע מה שטוב להנבראים. זאת אומרת, שהוא הבין שרק על ידי זה שיעסקו הכל בעל מנת להשפיע נחת רוח להבורא, זה יתן להם כח לקבל המדרגות הכי גדולות, המכונה "התגלות אלקות", שזה מתלבש בשכל הפנימי ובהרגש הפנימי שבלב. זאת אומרת, שרק באופן כזה יהיה להם האפשרות לקבל כל הטוב והעונג, מה שה' רצה לתת עבור הנבראים.

In diesem Zustand gibt es einen harten Krieg, weil jeder sagt, dass er im Recht ist. Israel in ihm argumentiert, dass der Schöpfer ihn mit der Absicht erschaffen hat, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und dass Er sicherlich weiß, was gut für die Geschöpfe ist. Das heißt, er hat verstanden, dass er nur dann, wenn er alles tut, um dem Schöpfer Zufriedenheit zu geben, die Kraft hat, die höchsten Stufen zu erlangen, die „Offenbarung der Göttlichkeit“ genannt werden, die sich in den inneren Verstand und das innere Gefühl im Herzen kleidet. Nur so kann er all die Freude und das Vergnügen empfangen, die der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte.

66

Anders, wenn sie mit dem Gefäß des Empfangens empfingen: Abgesehen davon, dass dies Trennung bewirkt, gibt es da das Sich-Begnügen mit Wenigem. Das heißt, man muss glauben, was im heiligen Sohar steht: dass es ein dünnes Leuchten (nehiru dakik) – ein feines Licht – gibt, das in den Klipot leuchtet, um sie am Leben zu erhalten. Das heißt, alle Genüsse, die sich in der materiellen Welt finden, sind nur ein feines Licht im Verhältnis zu dem Guten und dem Genuss, die sich in der Heiligkeit finden.

מה שאין כן אם היו מקבלים עם כלי קבלה, חוץ מזה שזה גורם פירוד, יש ענין של מסתפק במועט. פירוש, שצריכים להאמין מה שכתוב בזה"ק, שיש נהירו דקיק [אור דק], שמאיר בהקליפות להחיותם. זאת אומרת, שכל התענוגים הנמצאים בעולם הגשמי, הם רק בחינת אור דק בערך הטוב והעונג הנמצא בקדושה.

Dies wäre nicht der Fall, wenn er mit Gefäßen des Empfangens empfangen würde. Abgesehen davon, dass eine Trennung entsteht, geht es darum, sich mit weniger zufrieden zu geben. Das heißt, der Mensch muss glauben, was im Heiligen Sohar geschrieben steht, dass es ein schwaches Licht gibt, das in den Klipot [Schalen/Hüllen] leuchtet, um sie zu bewahren. Das heißt, alle Genüsse in der körperlichen Welt sind wie ein schwaches Licht im Vergleich zu der Freude und dem Genuss, das der Mensch in der Kedusha [Heiligkeit] findet.

67

Das heißt, selbst eine kleine Stufe der Heiligkeit, etwa Nefesch de Assija, birgt mehr Genuss als alle materiellen Genüsse. Und gewiss würde der Mensch, empfinge er die Fülle aus dem Verlangen zu empfangen zum eigenen Nutzen, sich damit begnügen und könnte nicht weitergehen, um noch höhere Stufen zu erlangen. Denn um des eigenen Nutzens willen genügt ihm dieses Leuchten von Nefesch de Assija, sodass er dann kein Bedürfnis hat, den Genüssen, die er genießt, noch etwas hinzuzufügen.

היינו, אפילו מדרגה קטנה של קדושה, למשל נפש דעשיה, יש בה יותר תענוג מכל תענוגי הגשמיים. ובטח כשהאדם היה מקבל את השפע, מטעם רצון לקבל לתועלת עצמו, היה מסתפק בזה, ולא היה יכול ללכת להשיג עוד מדרגות יותר גבוהות, כי מטעם תועלת עצמו, ההארה הזו של נפש דעשיה מספק לו, שאין לו אז שום צורך להוסיף משהו, על התענוגים ממה שהוא נהנה.

Mit anderen Worten: Selbst eine kleine Stufe der Kedusha , wie Nefesh de Assija , enthält mehr Genuss als alle weltlichen Freuden. Würde der Mensch die Fülle in dem Verlangen, für den eigenen Nutzen zu empfangen, empfangen, würde er sich damit zufriedengeben und könnte nicht die höheren Stufen erreichen. Denn für die eigene Erfüllung reicht dieses Leuchten von Nefesh de Assija aus, und er hätte keine Notwendigkeit, den Freuden, die er genießt, noch etwas hinzuzufügen.

68

Wenn man aber den Menschen lehrt, zu arbeiten, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, dann kann der Mensch nicht sagen: „Mir genügt, was ich erlangt habe.“ Denn alles, was er empfängt, ist zum Nutzen des Schöpfers. Also kann er nicht sagen: „Es reicht mir schon, da ich dem Schöpfer Wohlgefallen bereitet habe, indem ich ein wenig vom Oberen Licht empfangen habe, woran der Schöpfer Freude hat – und mehr will ich nicht empfangen.“

אבל כשמלמדים את האדם לעבוד בעל מנת להשפיע נחת רוח ליוצרו, אז האדם לא יכול לומר "די לי במה שזכיתי". הלא כל מה שהוא מקבל, הוא לתועלת הבורא. אם כן לא יכול לומר "כבר מספיק לי, היות שנתתי נחת רוח להבורא, בזה שקבלתי קצת מאור העליון, שמזה יש הנאה להבורא, ואני לא רוצה לקבל יותר".

Wenn der Mensch jedoch lernt, zu arbeiten, um seinem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten, kann er nicht sagen: „Ich gebe mich mit dem zufrieden, was mir gegeben wurde“. Denn alles, was er empfängt, soll für den Schöpfer sein. Deshalb kann er nicht sagen: „Ich habe genug, denn ich habe dem Schöpfer Freude bereitet. Ich habe ein wenig Höheres Licht empfangen, und damit dem Schöpfer Freude bereitet, also will ich nicht mehr empfangen.“

69

Denn so darf man nicht sprechen: „Es reicht mir, da ich Ihm bereits Freude bereitet habe, indem ich dieses kleine Leuchten von Ihm empfing.“ Vielmehr muss der Mensch sich bemühen, dem Schöpfer jedes Mal mehr und mehr Wohlgefallen zu bereiten. Und da jede Freude oben darin besteht, dass das Ziel der Schöpfung – „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ – die Unteren tatsächlich erreicht, das ist die Freude, die es oben gibt: darum ist im Monat Adar, wenn die Zeit des Wunders erwacht – wie geschrieben steht „es kehrte sich ins Gegenteil, dass die Juden über ihre Hasser herrschten“ –, die Zeit dafür geeignet, den Fremden in seinem Innern aufzurütteln, gemäß dem, was die Weisen sagten (Berachot 5): „Stets reize der Mensch den guten Trieb gegen den bösen Trieb auf“, wie es heißt: „Erzürnt euch und sündigt nicht.“ Und Rashi deutete „er reize den guten Trieb auf“ so, dass man mit dem bösen Trieb Krieg führe.

היות שאסור לומר כך, "שמספיק לי, היות שכבר נתתי לו הנאה, בזה שקבלתי ממנו הארה קטנה זו". אלא האדם צריך להשתדל להשפיע כל פעם נחת רוח להבורא, כל פעם יותר ויותר. והיות שכל הנאה למעלה, היא בזה, שמטרת הבריאה, שהיא "להטיב לנבראיו", מגיעה לתחתונים בפועל, זה הוא הנאה שיש למעלה, משום זה בחודש אדר, שאז מתעורר הזמן של הנס, כמו שכתוב "ונהפוך הוא אשר ישלטו היהודים המה בשונאיהם", אז הזמן מוכשר לזה, שיעורר את הנוכרי שבקרבו, על דרך שאמרו חז"ל (ברכות ה') "לעולם ירגיז אדם יצר טוב על יצר הרע", שנאמר "רגזו ואל תחטאו". ופירש רש"י "ירגיז יצר הטוב", שיעשה מלחמה עם יצר הרע.

Es ist verboten zu sagen: „Ich habe genug, denn ich habe Ihm bereits Freude bereitet, indem ich dieses kleine Leuchten von Ihm empfangen habe.“ Stattdessen sollte der Mensch sich anstrengen, dem Schöpfer jedes Mal mehr Zufriedenheit zu geben. Und jede Freude entsteht oben, wenn der Zweck der Schöpfung, nämlich Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, die Unteren tatsächlich erreicht. Und genau das bereitet oben Freude. Deshalb ist im Monat Adar , wenn die Zeit des Wunders erwacht, die Zeit reif, den Fremden in sich zu erwecken. Wie es geschrieben steht: „Und es kehrte sich ins Gegenteil, dass Israel über seine Feinde herrschte“ Es ist so, wie die Weisen sagten ( Berachot 5): „Man soll immer den guten Trieb mit dem bösen Trieb ärgern“, wie es heißt: „Sei zornig, aber sündige nicht.“ RASHI interpretiert „den guten Trieb ärgern“ so, dass man mit dem bösen Trieb Krieg führt.

70

Und hier ist gemeint, dass der Mensch im Monat Adar eher fähig ist, den bösen Trieb zu besiegen. Denn damals geschah ein Wunder vom Himmel, wie die Weisen sagten (Shabbat 88): „Sie bestätigten und nahmen an.“ Sie bestätigten, was sie bereits angenommen hatten. Und Rashi deutete: Was Rawa sagte, dass das Geschlecht es (die Tora) in den Tagen des Ahasveros annahm, aus Liebe zu dem Wunder, das an ihnen geschah.

וכאן הכוונה, שבחודש אדר הוא מסוגל יותר לנצח את היצר הרע. כי אז שהיה נס מן השמים, כמו שאמרו חז"ל (שבת פ"ח) "קיימו וקבלו". קיימו, מה שקיבלו כבר. ופירש רש"י, "מה שרבא אמר, שהדור קיבלוהו בימי אחשורוש, מאהבת הנס שנעשה להם".

Hier bedeutet es, dass der Mensch im Monat Adar den bösen Trieb besiegen kann. Denn, als das Wunder von oben geschah, ist es so, wie die Weisen sagten ( Shabbat 88): „Sie bewahrten und empfingen.“ Sie bewahrten das, was sie bereits empfangen hatten. RASHI interpretiert: „Was Rabba sagte, dass die Generation es in den Tagen des Ahasverus empfing, aus der Liebe zu dem Wunder, das an ihnen getan wurde.“

71

Anders im Monat Aw, der Zeit, in der die Zerstörung des Heiligen Tempels geschah und man darüber trauern muss. Es zeigt sich, dass dann das Wort der Weisen „man vermindert die Freude“ so zu verstehen ist – im Gegensatz zu jenem Weg, den man im Monat Adar im Aspekt der rechten Seite übt, um das Wunder zu erwecken, das sich im Monat Adar offenbarte, wie die Weisen sagten: „Aus Liebe zu dem Wunder bestätigten und nahmen sie an.“

מה שאין כן בחודש אב, שאז זמן שהיה חורבן בית המקדש, וצריכים להתאבל על זה, נמצא, אז יהיה הפירוש, מה שאמרו חז"ל "ממעטים שמחה", היינו זו הדרך שעוסקים בחודש אדר בבחינת הימין, שהוא כדי לעורר את הנס שנתגלה בחודש אדר, כמו שאמרו חז"ל "מאהבת הנס קיימו וקבלו".

Aber im Monat Aw , zur Zeit der Zerstörung des Tempels, muss der Mensch trauern, um dann, wie die Weisen sagen, „die Freude verringern“. Das ist der Weg, den er auf der rechten Linie geht, um das Wunder zu erwecken, das im Monat Adar geschieht. Es ist so, wie die Weisen sagten: „Aus Liebe zu dem Wunder bewahrten und empfingen sie.“

72

Anders im Monat Aw, in dem man über die Zerstörung des Heiligen Tempels trauern muss: Da muss man auf der linken Linie arbeiten, das heißt, die Taten kritisch prüfen – die auf dem Weg der Heiligkeit sein sollen, nämlich um zu geben – und sehen, wie weit der Mensch von der Sache des Gebens entfernt ist.

מה שאין כן בחודש אב, שצריכים להתאבל על חורבן בית המקדש, צריכים לעבוד על קו שמאל, היינו לתת בקורת על המעשים, שצריכים להיות בדרך הקדושה, שהוא עמ"נ להשפיע, ואיך שהאדם מרוחק מענין השפעה.

Aber im Monat Aw , wenn die Zerstörung des Tempels beklagt werden muss, muss der Mensch in der linken Linie arbeiten. Das bedeutet, dass er seine Handlungen hinterfragen muss, um auf dem Weg der Kedusha zu sein, also um des Gebens willen, und wie weit er vom Gebenden entfernt ist.

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Während der Mensch darüber nachdenkt, befindet er sich in einem Zustand der Entfernung von der Heiligkeit und ist allein in die Selbstliebe versunken: Seine ganze Grundlage, wenn er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt, zielt darauf ab, das Verlangen zu empfangen zu füllen – mit jeder Füllung, mit der es sich nur füllen lässt.

ובזמן שאדם חושב על זה, הוא נמצא במצב של התרחקות מהקדושה, והוא משוקע רק באהבה עצמית, שכל הבסיס שלו, שעוסק בתו"מ הכל על החשבון למלאות את הרצון לקבל, בכל מילוי שרק אפשר למלאות אותו.

Wenn er darüber nachdenkt, befindet er sich in einem Zustand der Entfernung von der Kedusha und ist in Selbstliebe versunken. In ihr besteht die ganze Grundlage für das Befolgen von Tora und Mizwot darin, den Willen zu empfangen mit jedem möglichen Genuss zu erfüllen.

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Daher gibt es, während er sich mit der Abrechnung über seine Niedrigkeit beschäftigt, dann Raum, den Schmerz über die Zerstörung der Heiligkeit zu erwecken, die in jedem Einzelnen liegt. Und dann erfüllt sich: „Jeder, der um Jerusalem trauert, wird gewürdigt und schaut den Trost Jerusalems.“

אי לזאת, בזמן שעוסק בחשבון של השפלות שלו, יש אז מקום לעורר הכאב של חורבן הקדושה שיש בכל אחד ואחד. ואז יקויים "כל המתאבל על ירושלים, זוכה ורואה בנחמת ירושלים".

Deshalb kann er, wenn er seine Niedrigkeit betrachtet, den Schmerz über die Zerstörung der Kedusha , die sich in jedem Einzelnen befindet, erwecken. Und dann bewahrheitet sich der Vers: „Jeder, der um Jerusalem trauert, wird damit belohnt, den Trost Jerusalems zu sehen“.

Die Freude betreffend

RABASH, Artikel 19, 1986

Die Mishna sagt (Taanit 26): „Mit Beginn des Aw vermindert man die Freude; mit Beginn des Adar mehrt man die Freude. Und wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Adar.“ Nun gilt es zu verstehen, was es bedeutet, die Freude zu mehren oder zu vermindern. Die Freude ist doch das Ergebnis einer Ursache, die sie auslöst. Vermehren oder vermindern lässt sich daher nur an den Ursachen. Wir müssen also wissen, welcher Ursache wir uns zuwenden sollen, damit sie uns Freude bringt.

Sicher meinten unsere Weisen, als sie uns hießen, die Freude zu mehren, die Freude der Heiligkeit (Kedusha). Daher sollten wir betrachten, welcher Ursache wir uns nach ihren Worten zuwenden sollen, damit sie uns die Freude der Kedusha bringt. Außerdem gilt es zu verstehen, was sie sagten: „Wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Monat Adar.“ Wir befinden uns doch im Land Israel, und es gibt manche Städte, in denen sich nicht ein einziger Nichtjude findet. Und selbst wenn sich, sagen wir, in irgendeiner Stadt ein Nichtjude fände – was sollte man mit ihm an Rechtsstreit haben?

Dem Sinn nach scheint es, dass dieses „den Götzendiener im Monat Adar richten“ etwas Beständiges ist und nichts Zufälliges. Das heißt: Sollte der seltene Fall eintreten, dass Israel einen Rechtsstreit mit einem Nichtjuden hat, gehe er und führe ihn im Monat Adar. Wir müssen also verstehen, welchen Götzendiener sie meinen, mit dem er einen Rechtsstreit hat.

Wir sehen, dass es in unseren Gebeten eine Ordnung von zweierlei Art gibt:

1. eine Ordnung von Lobliedern und Preisungen an den Schöpfer,

2. eine Ordnung von Gebeten und Bitten.

Und wir sehen, dass dies zwei einander entgegengesetzte Dinge sind. Denn von Natur aus hängt das Maß der Bitte davon ab, wie sehr der Bittende die Sache braucht, um die er einen anderen ersucht. Berührt das Erbetene sein Herz und ist es ihm unentbehrlich, so strengt er sich im Maß dieser Dringlichkeit an, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das Gewünschte zu erlangen.

Daraus folgt: Wenn der Mensch zum Schöpfer betet, dass Er seine Bitte erfülle, muss er darauf achten, dass sein Gebet aus der Tiefe des Herzens kommt – dass er also seinen Mangel empfindet. Je stärker er ihn empfindet, desto wahrhaftiger kann sein Gebet sein. So soll sein Gebet kein bloßes Lippenbekenntnis sein, sondern aus der Tiefe des Herzens kommen.

Und um seinen Mangel zu empfinden, muss er die Wahrheit erkennen: dass er einen großen Mangel hat und ein in allem leeres Kli (Gefäß) ist, was die Dinge der Heiligkeit betrifft. Wenn er empfindet, dass er der Schlechteste auf der ganzen Welt ist, dann kann er sagen, dass sein Gebet ein wahrhaftiges Gebet ist – denn er empfindet, dass sein Mangel der größte auf der Welt ist und keiner ihm darin gleicht.

Dem gegenüber steht der zweite Aspekt in der Ordnung unseres Gebets, nämlich die Gesänge, Loblieder und Preisungen. Wir sehen, dass es in der Welt so zugeht: Der Dank, den man dem erweist, der einem anderen Gutes tut, bemisst sich nach dem Maß des Guten, das man von ihm empfangen hat. Wer einem anderen etwa bei einer Kleinigkeit hilft, die ihm fehlte, dem gilt entsprechend auch nur ein kleiner Dank.

Stellen wir uns dagegen vor, jemand verschafft einem anderen eine Arbeitsstelle in einer Zeit, in der es viele Arbeitslose gibt. Dieser andere ist selbst monatelang ohne Arbeit umhergeirrt, hat hohe Schulden beim Lebensmittelhändler angehäuft, und der Händler hat ihm bereits angekündigt, ihn nicht länger mit Lebensmitteln versorgen zu können; auch ist er es leid, nach Darlehen für die nötigsten Nahrungsmittel zu suchen.

Und plötzlich trifft er einen Mann, den er um ein Darlehen bitten wollte. Dieser aber bietet ihm eine Arbeitsstelle zu günstigen Bedingungen an und sagt: „Wozu suchst du nach Darlehen? Ich gebe dir eine Arbeitsstelle. Da ich gehört habe, dass du ein zuverlässiger Mann bist – und obwohl ich viele Angestellte habe, fehlt mir doch ein zuverlässiger –, gebe ich dir einen guten Lohn, damit du all deine Schulden in kurzer Zeit begleichen kannst. Wozu also solltest du mich um ein Darlehen bitten?“

Stellen wir uns vor, welchen Dank dieser Mensch nun jenem erweist. Er braucht ihm nicht mit dem Mund „Danke“ zu sagen – alle seine Glieder bringen ihm den großen Dank dar. So heißt es: „All meine Gebeine sollen sprechen.“ Oder stellen wir uns einen Menschen vor, der im Gefängnis saß und zu lebenslanger Haft verurteilt war, und ein anderer kommt und befreit ihn in die immerwährende Freiheit. Welchen Dank bringen all seine Glieder diesem Menschen dar, der ihn gerettet hat!

Daraus folgt: Will der Mensch dem Schöpfer ein großes Lob darbringen, das dem Vers gleicht „All meine Gebeine sollen sprechen: Schöpfer, wer ist wie Du, der den Armen rettet vor dem, der stärker ist als er“ – so muss er sich gewiss vorstellen, dass er jetzt der glücklichste Mensch auf der Welt ist. Nur dann kann er dem Schöpfer ein großes Lob darbringen. Andernfalls, wenn er noch irgendeinen Mangel empfindet und möchte, dass der Schöpfer ihm helfe, dann kann der Dank, den er dem Schöpfer darbringt, nicht dem Maß von „All meine Gebeine sollen sprechen“ entsprechen.

Daher sehen wir in der Ordnung unseres Gebets zwei Gegensätze, von einem Äußersten zum anderen. Es erhebt sich also die Frage: Was kann der Mensch tun, wenn er sieht, wie weit die beiden voneinander entfernt sind? Im Allgemeinen begegnet uns diese Ordnung der Gegensätze in vielen Bereichen:

Beispiel 1: die Ordnung der Lichter, die in den Gefäßen leuchten. Bekanntlich besteht zwischen Gefäßen und Lichtern ein umgekehrtes Verhältnis. Bei den Gefäßen offenbaren sich die großen und reinen zuerst – zuerst Keter und zuletzt die Sefira Malchut. Bei den Lichtern ist es umgekehrt: Die kleinen offenbaren sich zuerst – zuerst Malchut und zuletzt Keter. Bekanntlich sagt man, wenn man von den Gefäßen spricht, dass die Ordnung KaCHaB ZoN ist; spricht man von den Lichtern, dass die Ordnung NaRaNCHaJ ist.

Beispiel 2: Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte, wir sähen in der Ordnung der Arbeit des Schöpfers einen Gegensatz. Einerseits sagten unsere Weisen (Awot, Kapitel 4): „Sei überaus demütig im Geist.“ Andererseits sagten sie: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Schöpfers.“ Das heißt: Wäre er wirklich vor jedem Einzelnen demütig, so könnte er jene nicht überwinden, die über ihn spotten, wenn er auf den Wegen des Schöpfers geht – denn er beugt sich vor allen. Vielmehr muss er dann sagen: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Schöpfers“ – also sich von niemandem beeindrucken lassen, von dem, was sie ihm sagen:

„Diese Arbeit, die du auf dich genommen hast, passt zu Menschen von Begabung und beherztem Mut, die es gewohnt sind, Hindernisse zu überwinden, und die eine gute Erziehung genossen haben – die also von Kindheit an gewohnt sind, dass die Arbeit des Schöpfers die Hauptsache ist. Du aber nicht: Dir genügt es, ein angesehener Hausherr zu sein. Sorge dafür, dass deine Kinder Tora-Gelehrte und im Dienst Tätige werden, dann wirst du ein angesehener Hausherr sein und für deine Töchter Tora-kundige Bräutigame gewinnen. Nicht aber, dass du in vorgerücktem Alter jetzt den Weg der Arbeit zu beschreiten beginnst, der zur Tora um Ihretwillen (liShma) führt und ganz und gar nicht zum eigenen Nutzen. Lass ab von diesem Weg und begehre nicht Dinge, die über deiner Stufe liegen.“

Dann bleibt ihm kein anderer Rat, als sich von ihnen nicht beeindrucken zu lassen und zu erfüllen, was die Weisen sagten: „Und er schäme sich nicht vor den Spöttern.“ So muss er dann den Weg des Stolzes gehen. Andererseits soll er erfüllen: „Sei überaus demütig im Geist.“ Doch nach dem Grundsatz „Zwei Gegensätze können nicht in einem Gegenstand bestehen“ – wie lassen sich beide in einem Menschen verwirklichen? Es gibt noch viele weitere Beispiele für zwei Gegensätze in den Dingen der Arbeit des Schöpfers. Zwei Gegensätze können aber sehr wohl in einem Gegenstand bestehen, zu zwei Zeiten, also nacheinander.

Die Wurzel der Sache ist, wie es in der „Einleitung zum Buch Sohar“ (Abschnitt 10–11) steht, wo gefragt wird: „Wie ist es möglich, dass aus Seiner gesegneten Heiligkeit der Streitwagen (Merkawa) der Unreinheit (Tuma) und der Klipot (Schalen) hervorgeht, da diese doch von Seiner gesegneten Heiligkeit von einem Äußersten zum anderen entfernt ist?“

Und er sagt dort: „Das Verlangen zu empfangen, das die eigentliche Wesenheit der Seelen von ihrer Erschaffung her ist, das ist Unreinheit und Klipot. Und dies rührt von der Formverschiedenheit her, die in ihnen liegt und sie vom Gesegneten trennt. Um nun die Trennung zu beheben, die auf dem Kli der Seelen lastet, erschuf der Gesegnete alle Welten und schied sie in zwei Systeme: die vier Welten ABYA der Heiligkeit und ihnen gegenüber die vier Welten ABYA der Unreinheit. Das Verlangen zu geben prägte Er dem System ABYA der Heiligkeit ein, und das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, entfernte Er aus ihm und gab es in das System ABYA der Unreinheit.“

Und er sagt dort: „Wie sollen diese beiden Dinge korrigiert werden, die einander in der Form verschieden sind? Darum wurde die Wirklichkeit dieser materiellen Welt erschaffen – ein Ort, an dem es Körper und Seele gibt, ebenso eine Zeit des Verderbens und der Korrektur. Denn der Körper, der das Verlangen ist, für sich selbst zu empfangen, geht von seiner Wurzel im Schöpfungsgedanken aus, durchläuft das System der Welten der Unreinheit und bleibt jenem System unterworfen bis zum dreizehnten Jahr. Das ist die Zeit des Verderbens. Danach beginnt die Zeit der Korrektur, die nach dreizehn Jahren einsetzt. Und durch die Beschäftigung mit Tora und Mizwot, die einer übt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, beginnt er das ihm eingeprägte Verlangen, für sich selbst zu empfangen, zu läutern und wandelt es nach und nach so um, dass es darauf gerichtet ist, zu geben.“

Es zeigt sich, dass das Geschöpf von seiner Erschaffung an aus zwei Gegensätzen besteht:

1. aus Gefäßen des Empfangens,

2. aus Gefäßen des Gebens.

Und es gibt keinen größeren Gegensatz als diesen. Diese beiden entgegengesetzten Dinge treten in einem Gegenstand auf, nur eben nacheinander. Und es scheint, als gäbe es eine mittlere Linie, die beide umfasst:

1. das Verlangen zu empfangen,

2. das Verlangen zu geben.

Die mittlere Linie, die beide umfasst, liegt vor, wenn das Verlangen zu empfangen in das Verlangen zu geben eingeschlossen ist – was man „Empfangen, um zu geben“ nennt. So sind in dieser mittleren Linie beide Kräfte enthalten, nämlich Empfangen und Geben zugleich.

Damit klärt sich unsere Frage, wie es in der Arbeit des Menschen eine Wirklichkeit vollkommenster Ganzheit und zugleich eines Mangels in äußerster Niedrigkeit in einem Gegenstand geben kann. Die Antwort lautet: Das ist zu zwei Zeiten möglich. Der Mensch muss also die Ordnung seiner Arbeit in zwei Weisen einteilen:

Die erste Weise verläuft auf dem rechten Weg, genannt „Ganzheit“. Denn wenn der Mensch sich zuzuwenden beginnt, muss er sich zuerst der „rechten“ Seite zuwenden, die „Ganzheit“ heißt, und danach der „linken“. Nur auf zwei Beinen nämlich kann der Mensch gehen; auf einem Bein ist von Gehen überhaupt keine Rede.

Die rechte Seite heißt „Ganzheit“. Denn wenn der Mensch daran geht, die Arbeit des Schöpfers auf sich zu nehmen, ist die Ordnung so, dass er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen muss „wie ein Ochse das Joch und wie ein Esel die Last“. Mit „Ochse“ ist der Aspekt des Gehirns (Mocha) gemeint, „Ochse“ genannt nach dem Ausdruck „Der Ochse kennt seinen Besitzer“ – gemeint ist der Aspekt des Glaubens über dem Verstand.

Mit „Esel“ ist der Aspekt des Herzens (Liba) gemeint, „Esel“ genannt nach dem Ausdruck „und der Esel kennt die Krippe seines Herrn“ – gemeint ist der Aspekt der Selbstliebe. Sagt man darum „zu arbeiten, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten“, so ist das für ihn eine Last, die er sich immer von den Schultern werfen möchte. Vielmehr schaut er immer darauf, was er von dieser Arbeit zu essen hat – das heißt, welchen Genuss sein Verlangen zu empfangen daraus ziehen kann.

Wenn er diese Arbeit auf sich nimmt, sagt er: „Gewiss muss ich auf mich selbst achten, mich also immer prüfen, ob ich mich nicht selbst täusche – ob ich wirklich den rechten Weg gehe, so wie er sein soll: Tora und Mizwot zu erfüllen aus dem Grund des Gebots des Schöpfers und nicht aus anderen Gründen. Doch ich erfülle den Ausspruch der Weisen: ‚Stets übe der Mensch Tora und Mizwot, auch nicht um Ihretwillen (lo liShma), denn aus lo liShma gelangt er zu liShma.‘ Wozu also soll ich über mich nachdenken, ob ich Tora und Mizwot mit all den rechten Absichten erfülle, sodass alles um des Himmels willen geschehe?

Vielmehr ist es mir ein großes Vorrecht, dass der Schöpfer mir Gedanke und Verlangen gegeben hat, etwas von Tora und Mizwot zu erfüllen. Denn nach dem Grundsatz schaut man bei einer wichtigen Sache nicht so sehr auf die Menge, selbst wenn sie gering ist. Ist die Beschaffenheit wertvoll, so ist sogar eine kleine Sache von hoher Beschaffenheit sehr wertvoll. Und da Tora und Mizwot das sind, was der Schöpfer uns durch Moses zu erfüllen geboten hat, kommt es mir bei der Erfüllung der Gebote des Schöpfers nicht darauf an, wie viel ich kann. Seien die Absichten auch noch so schlecht und niedrig – am Ende erfülle ich sie doch der Tat nach, so weit der Körper es mir erlaubt.

Und obwohl ich nicht fähig bin, die Begierden des Körpers zu überwinden, freue ich mich doch wenigstens darüber, dass ich die Kraft habe, die Gebote des Schöpfers auf irgendeine Weise zu erfüllen. Denn ich glaube, dass alles durch die Vorsehung kommt – dass der Schöpfer mir Gedanke, Verlangen und Kraft gegeben hat, Tora und Mizwot zu erfüllen. Und dafür danke ich Ihm. Denn ich sehe, dass nicht alle ein solches Vorrecht hatten, die Gebote des Schöpfers zu erfüllen.“ Und er muss sagen, dass es nicht in seiner Kraft steht, die Größe und Bedeutung der Erfüllung der Gebote des Schöpfers zu ermessen, selbst ohne jede Absicht.

Dies lässt sich vergleichen mit dem, was wir sehen: Will ein Kind nicht essen, weil ihm das Essen keinen Genuss bereitet, so geben die Eltern ihm zu essen, ob es will oder nicht. Und obwohl das Kind keinen Genuss hat, nützt es ihm am Ende doch – selbst auf dem Weg des Zwangs –, damit es bestehen und wachsen kann. Gewiss ist es besser, wenn das Kind von sich aus essen will, also Genuss am Essen hat. Doch auch ohne Genuss, ganz auf dem Weg des Zwangs, nützt es dem Kind.

Dasselbe muss man von der Arbeit des Schöpfers sagen. Auch wenn einer Tora und Mizwot auf dem Weg des Zwangs erfüllt – sich also selbst zur Erfüllung zwingt, während sein Körper sich allem widersetzt, was zur Heiligkeit gehört –, so tut die Tat, die er vollbringt, dennoch ihr Werk: Dadurch kann er zu einem Zustand gelangen, in dem er tatsächlich das Verlangen hat zu erfüllen. Und dann kehren all die Taten, die er getan hat, nicht leer zurück, sondern alles, was er getan hat, tritt in die Heiligkeit ein.

Dies lässt sich mit dem deuten, was die Weisen über den Vers „Er bringe es dar nach seinem Willen vor dem Schöpfer“ (Arachin 21) auslegten: „Es lehrten die Rabbinen: ‚Er bringe es dar‘ – das lehrt, dass man ihn zwingt. Doch es steht geschrieben ‚nach seinem Willen‘. Wie ist das? Man zwingt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“

Das bedeutet, dass den Weisen das Geschriebene „nach seinem Willen vor dem Schöpfer“ schwerfiel. Denn all sein Tun, das er unternimmt, um sich dem Schöpfer zu nähern – die Tat heißt nicht „Tat“, wenn er sie nicht um des Himmels willen tun will, was „nach dem Willen des Schöpfers“ genannt wird. Dieser Mensch aber ist noch nicht fähig, Taten zu vollbringen, die zum Nutzen des Schöpfers wären. Das bedeutet, dass seine Taten keinerlei Wert haben – als hätte er nichts getan, da sie noch nicht nach dem Willen des Schöpfers sind.

Doch es steht geschrieben „Er bringe es dar“. Das bedeutet, wie geschrieben steht: Es lehrt, dass man ihn zwingt – also selbst auf dem Weg des Zwangs. Das heißt: Auch wenn er nicht um des Himmels willen handeln will, wird es dennoch „Opfer“ genannt. Das ist doch schwer zu verstehen: Er will das Opfer doch nicht vor dem Schöpfer darbringen – so widerspricht der Anfang des Verses seinem Ende.

Darauf antworteten sie: „Man zwingt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Das heißt, dies folgt dem Grundsatz, den die Weisen aussprachen: „Stets übe der Mensch Tora und Mizwot, wenn auch nicht um Ihretwillen, denn aus dem Nicht-um-Ihretwillen kommt man zum um Ihretwillen“ (Pessachim 50b). Gemeint ist: dadurch, dass er sich Mal um Mal zwingt, obwohl der Körper nicht einwilligt, um des Himmels willen zu arbeiten. Der Grund ist, dass er dort, wo er keinen eigenen Nutzen sieht, zu nichts fähig ist.

Dennoch achtet er nicht auf die Einwände des Körpers und sagt zu seinem Körper: „Wisse, dass du die Gebote des Schöpfers auch auf dem Weg des Zwangs erfüllst. Kein Widerstand gegen die Tat wird dir helfen. Man sagt, dass die tätigen Mizwot die besondere Kraft haben, den Menschen zum um Ihretwillen zu führen.“ Das ist die Bedeutung von „Man zwingt ihn“: Er zwingt sich selbst und hört auf keinen Verstand und keine Vernunftgründe, die ihm der Körper darlegen will. Vielmehr sagt er ihm, dass er am Ende zum Aspekt des um Ihretwillen gelangen wird. Und das ist die Bedeutung von „bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Das heißt, wie gesagt: aus dem Nicht-um-Ihretwillen gelangt man zum um Ihretwillen, und das heißt „Ich will.“

Daher erwacht in ihm jedes Mal, wenn er an die Verrichtung irgendeiner Tat der Heiligkeit denkt, sofort eine große Freude darüber, dass er gewürdigt wurde, mit Dingen in Berührung zu kommen, die der Schöpfer zu tun geboten hat. Und obwohl er weiß, dass alles, was er tut, nur nicht um Ihretwillen geschieht, kennt seine Freude dennoch keine Grenze, weil die Weisen uns verheißen haben: „Aus dem Nicht-um-Ihretwillen gelangt man zum um Ihretwillen.“

Und er zieht für sich einen Schluss vom Leichteren auf das Schwerere, da die Weisen sagten: „Wer aus Liebe umkehrt (Teshuwa tut), dem werden die mutwilligen Sünden zu Verdiensten; und wer aus Ehrfurcht umkehrt, dem werden die mutwilligen Sünden zu unabsichtlichen Verfehlungen.“ Daraus folgt: Sobald er gewürdigt wird, um Ihretwillen zu handeln, treten gewiss alle Mizwot, die er nicht um Ihretwillen getan hat, in die Heiligkeit ein und gelten als wertvoll, als hätte er sie um Ihretwillen getan.

Es zeigt sich: Selbst während er noch nicht um Ihretwillen tätig ist, gilt ihm dies als ebenso wertvoll, als handelte er um Ihretwillen. Das heißt, er rechnet sich vor, dass all seine Taten gewiss wertvoller sind als mutwillige Sünden und sicher zum Guten korrigiert werden. Und gewiss wird ihm jede einzelne Tat, die er vollbringt, sei sie auch eine Kleinigkeit, als große Mizwa angerechnet. So sagten die Weisen (Awot, Kapitel 2): „Sei achtsam bei einer leichten Mizwa wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“

Wenn er sich darum über seine Taten Rechenschaft gibt – wessen Gebote er erfüllt –, und ebenso, wenn er Worte der Tora spricht, sagt er sich: „Wessen Tora lerne ich?“ Und wenn er einen Genuss-Segen spricht, etwa „sheHakol“ oder „haMozi“, denkt er: „Zu wem spreche ich jetzt?“

So befindet er sich dann in vollkommenster Ganzheit. Und diese Ganzheit gebiert Freude, weil er dann am Schöpfer haftet – insofern er sich vorstellt, dass er zum Schöpfer spricht, der gut ist und Gutes tut. Von selbst empfängt er Freude von der Wurzel, denn die Wurzel aller Geschöpfe ist der Schöpfer, der „der Gute, der Gutes tut“ genannt wird.

Und die Weisen legten aus: „Gut für Ihn selbst und Gutes tuend an anderen“ – das heißt: gut für den Menschen selbst und gut auch für die anderen. Das bedeutet, dass er dann glauben kann, dass der Schöpfer ihm Gutes tut und ebenso der Allgemeinheit Gutes tut. Das heißt: Dann hat er die Fähigkeit, über dem Verstand zu glauben, dass es wahrhaft so ist – obwohl er nach seinem äußeren Verstand gerechnet hat und das Gute noch nicht in seiner ganzen Vollkommenheit sieht.

Doch nun, durch die Rechenschaft, die er mit seinem Tun in Tora und Mizwot ablegt – während er für eine Weile auf irgendeine Weise am Schöpfer haftet –, hat er die Kraft, über dem Verstand zu glauben, dass es wahrhaft so ist. Und von selbst „weist die Wahrheit ihren Weg“: Daraus, dass er denkt, er spricht jetzt mit dem gesegneten Schöpfer, erwächst ein großes Erwachen der Freude, wie geschrieben steht: „Pracht und Herrlichkeit sind vor Ihm, Kraft und Freude an Seinem Ort.“

Und es gilt zu verstehen, in Bezug auf wen gesagt ist, dass Freude an Seinem Ort herrscht. Gewiss beziehen sich alle Namen, von denen wir sprechen, auf die Geschöpfe – das heißt darauf, wie die Geschöpfe empfinden. Vom Schöpfer selbst aber sagten die Weisen: „Kein Gedanke erfasst Ihn überhaupt.“ Vielmehr ist alles Gesagte auf die Geschöpfe bezogen.

Demnach lautet die Auslegung: Jene, die empfinden, dass sie vor Ihm stehen, empfinden den Aspekt von Pracht und Herrlichkeit. Ebenso, wer denkt, dass er an Seinem Ort steht. Denn „Ort“ bedeutet „Gleichheit der Form“. Und es gibt noch eine Auslegung – die auf ein Abbild deutet –, wie ich von meinem Vater und Lehrer hörte: An dem Ort, an den ein Mensch denkt, dort ist er. Daraus folgt: Denkt der Mensch, dass er steht und mit dem König spricht, so befindet er sich an Seinem Ort, wo der König ist. Dann empfindet er, wie geschrieben steht: „Kraft und Freude an Seinem Ort.“

Damit lässt sich verstehen, was wir gefragt haben zu dem Wort der Weisen „Mit Beginn des Adar mehrt man die Freude“. Wir fragten, was es mit dem Mehren der Freude auf sich hat – denn die Freude ist das Ergebnis einer Ursache. Was also ist die Ursache, die man erwecken kann, damit sie uns Freude bringt?

Nach dem Gesagten ist gemeint, vermehrt auf der rechten Linie zu gehen, die „Ganzheit“ heißt. Der Mensch befindet sich dann im Zustand der Ganzheit, und das heißt „Gleichheit“. Das heißt: Der Vollkommene, nämlich der Mensch, haftet jetzt am Vollkommenen, wie geschrieben steht: „Der Gesegnete haftet am Gesegneten, doch der Verfluchte haftet nicht am Gesegneten.“ Befindet sich der Mensch daher im Zustand der Kritik, genannt „linke Linie“, so ist er im Zustand des „Verfluchten“ und damit vom Vollkommenen getrennt. Darum kann er dann nur Finsternis empfinden und kein Licht – und allein das Licht bringt Freude.

Doch es gilt zu verstehen, warum man gerade im „Monat Adar“ die Freude mehren soll und warum man nicht das ganze Jahr über den Weg der rechten Linie geht. Darauf ist zu antworten: Weil im Monat Adar das Wunder von Purim geschah, in dem das Licht des Endes der Korrektur (Gmar Tikun) leuchtete – wie es im „Shaar haKawanot“ („Tor der Absichten“) steht (Talmud Eser Sefirot, Teil 15, S. 1813, Abschnitt 220): „Darum werden in der kommenden Zukunft alle Festzeiten annulliert, außer der Schriftrolle Ester.“ Der Grund ist, dass es niemals ein so großes Wunder gab, weder an den Shabbat-Tagen noch an einem Feiertag.

Darum muss die Vorbereitung auf ein so großes Licht die Freude sein, denn sie ist die Vorbereitung darauf, einen ehrwürdigen Gast zu empfangen – das Licht der kommenden Zukunft, wie gesagt. Indem man also die Vorbereitung des „Mehrens der Freude“ trifft, zieht man das Licht herab, das „Tage des Gastmahls und der Freude“ genannt wird.

Und das entspricht dem Grundsatz, der im heiligen Sohar steht: „Durch die Handlung unten wird die Handlung oben erweckt.“ Das heißt: Nach den Taten der Unteren wird im selben Maß die Handlung oben erweckt. Wenn also die Unteren sich mit Dingen der Freude beschäftigen, ziehen sie auf eben diese Weise das Licht der Freude nach unten herab. So steht geschrieben (Schriftrolle Ester 9,21): „Und Mordechai schrieb es nieder und verpflichtete sie, alljährlich die Tage zu feiern, an denen die Juden Ruhe vor ihren Feinden fanden, und den Monat, der sich ihnen von Kummer in Freude und von Trauer in einen Feiertag verwandelt hatte – sie zu Tagen des Gastmahls und der Freude zu machen.“ Dadurch zieht man das Licht des Endes der Korrektur herab, das damals leuchtete.

Und man muss bei dieser Beschäftigung mit dem Herabziehen der Freude unterscheiden: Der Grund dafür ist, wie wir sagten, dass der Mensch dann dem Schöpfer Dank erweist dafür, dass Er ihn Sich angenähert hat. Es zeigt sich: Während er Dank erweist, beschäftigt er sich mit dem Geben, denn er dankt und preist den Schöpfer dafür, dass Er ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, damit er eine Berührung mit dem Spirituellen hat.

Und jetzt will er vom Schöpfer nicht, dass Er ihm etwas gibt. Also bittet er den Schöpfer um nichts. Sein ganzes Streben ist jetzt allein, dem Schöpfer Dank zu erweisen. Es zeigt sich: Er hat nun Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer, denn er beschäftigt sich mit dem Geben. Dadurch wird ihm aus der Anhaftung der Aspekt von Freude und Ganzheit herabgezogen, kraft dessen, dass er jetzt am Vollkommenen haftet. Das ist es, wodurch man die Freude mehrt.

Anders, wenn er sich mit der Bitte beschäftigt: Ein Gebet aus der Tiefe des Herzens ist voller Mängel. Denn je stärker der Mangel empfunden wird, desto mehr kommt sein Gebet aus der Tiefe des Herzens. Es zeigt sich, dass er in jener Zeit nicht in Freude sein kann. Daraus folgt: Die Ursache der Freude liegt darin, wenn er sich mit Lob und Dank beschäftigt, und nicht, wenn er sich mit der Prüfung der Mängel beschäftigt.

Nach dem Gesagten lässt sich deuten, was die Weisen sagten: „Und wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Adar.“ Es klingt, als hätte man einen Rechtsstreit mit einem Fremden, als wäre es üblich, dass Israel Rechtsstreitigkeiten mit Fremden hat. Doch betrifft das Menschen, die sich mit Tora und Arbeit beschäftigen und kein Gewerbe und keinen Handel treiben?

Auf dem Weg der Arbeit aber lässt es sich so deuten: Gemeint ist der Götzendiener, der in jedem Israeliten steckt – das heißt, in einem einzigen Körper. Bei Menschen, die auf den Wegen des Schöpfers gehen wollen, widersetzt sich ihnen ihr Körper. Das ist es, was die Weisen über den Vers „Es sei kein fremder Gott in dir“ sagten. Sie sagten: „Welcher fremde Gott ist im Körper des Menschen? Das ist der böse Trieb (Jezer haRa).“ Er wird „Götzendiener“ genannt, weil er sich dagegen sträubt, der Aspekt Israel zu sein. Und das heißt, dass man mit ihm einen Rechtsstreit hat. Und dann, im Monat Adar, in dem man des Wunders gewürdigt wurde – als die Juden Freude und Wonne hatten, denn „die Furcht vor den Juden befiel sie“ und „es kehrte sich ins Gegenteil, dass die Juden über ihre Hasser herrschten“ –, darum ist dieser Monat geeignet, dass der Mensch mit dem Fremden in seinem Innern Gericht halte. Und gewiss wird es ihm in diesem Monat gelingen, der den Aspekt „es kehrte sich ins Gegenteil“ trägt, wie geschrieben steht: „dass die Juden über ihre Hasser herrschten.“

Und man muss bedenken: Der Rechtsstreit, den der Mensch mit seinem Götzendiener hat, rührt daher, dass jeder von beiden behauptet „Alles gehört mir.“ Israel behauptet, der Körper ist nur dazu erschaffen, dass er Israel und ein Diener des Schöpfers ist, und nicht um der Selbstliebe willen. Der Fremde in ihm dagegen behauptet ebenfalls „Alles gehört mir“ – das heißt, der ganze Körper ist mit dem Verlangen zu empfangen erschaffen. Das rührt gewiss daher, dass der Körper einzig und allein für die Bedürfnisse seines Verlangens zu empfangen sorgen muss. Wozu sollte er an die Sache des Verlangens zu geben denken? Und er führt ihm etliche Beweise an, dass er im Recht ist, denn so tut es jedermann.

Das heißt, er sagt ihm: „Geh und sieh, wie es die Allgemeinheit hält. Gibt es jemanden, der für das Wohl des Nächsten sorgt, solange noch nicht alle seine eigenen, für ihn selbst nötigen Bedürfnisse erfüllt sind? Es gibt nur einige wenige, eine kleine Handvoll, die erst, nachdem ihre Bedürfnisse erfüllt sind, beginnen, für das Wohl des Nächsten zu sorgen. Und selbst dann achten sie mit sieben Augen darauf, dass die Sorge um den Nächsten – Gott behüte – die Selbstliebe nicht beeinträchtigt. Du aber behauptest „Alles gehört mir“, das heißt, du willst überhaupt nicht an die Selbstliebe denken, sondern alle Kraft, die du hast, für den Nächsten einsetzen. Und du rechtfertigst dich mir gegenüber: Dass du zum Wohl der Freunde arbeiten willst – was man „Nächstenliebe“ nennt –, das ist, sagst du, noch nicht das Ende; vielmehr meinst du, dass du durch die Beschäftigung mit der Nächstenliebe zur Liebe zum Schöpfer gelangen kannst. Das heißt, du willst dich überhaupt vor dem Schöpfer auflösen. Und was wird dann aus dem Körper, wenn du hernach deinen ganzen Körper dem Schöpfer geben und dich ganz in Ihm auflösen willst? Sag selbst: Wie kann ich einer Sache zustimmen, die dem menschlichen Verstand höchst befremdlich ist? Daher muss ich behaupten „Alles gehört mir“ und dir nicht einen Fußbreit Fortschritt gestatten.“

In diesem Zustand herrscht ein schwerer Krieg, da jeder behauptet, im Recht zu sein. Denn der Israelit in ihm wendet ein: Da der gesegnete Schöpfer uns mit der Absicht „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ erschuf, weiß Er gewiss, was den Geschöpfen guttut. Das heißt, Er hat erkannt, dass nur dadurch, dass alle sich darin üben, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, ihnen die Kraft zuwächst, die höchsten Stufen zu empfangen – „Offenbarung der Göttlichkeit“ genannt –, die sich in den inneren Verstand und in das innere Gefühl im Herzen kleidet. Das heißt, nur auf solche Weise wird es ihnen möglich sein, all das Gute und den Genuss zu empfangen, den der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte.

Anders, wenn sie mit dem Gefäß des Empfangens empfingen: Abgesehen davon, dass dies Trennung bewirkt, gibt es da das Sich-Begnügen mit Wenigem. Das heißt, man muss glauben, was im heiligen Sohar steht: dass es ein dünnes Leuchten (nehiru dakik) – ein feines Licht – gibt, das in den Klipot leuchtet, um sie am Leben zu erhalten. Das heißt, alle Genüsse, die sich in der materiellen Welt finden, sind nur ein feines Licht im Verhältnis zu dem Guten und dem Genuss, die sich in der Heiligkeit finden.

Das heißt, selbst eine kleine Stufe der Heiligkeit, etwa Nefesch de Assija, birgt mehr Genuss als alle materiellen Genüsse. Und gewiss würde der Mensch, empfinge er die Fülle aus dem Verlangen zu empfangen zum eigenen Nutzen, sich damit begnügen und könnte nicht weitergehen, um noch höhere Stufen zu erlangen. Denn um des eigenen Nutzens willen genügt ihm dieses Leuchten von Nefesch de Assija, sodass er dann kein Bedürfnis hat, den Genüssen, die er genießt, noch etwas hinzuzufügen.

Wenn man aber den Menschen lehrt, zu arbeiten, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, dann kann der Mensch nicht sagen: „Mir genügt, was ich erlangt habe.“ Denn alles, was er empfängt, ist zum Nutzen des Schöpfers. Also kann er nicht sagen: „Es reicht mir schon, da ich dem Schöpfer Wohlgefallen bereitet habe, indem ich ein wenig vom Oberen Licht empfangen habe, woran der Schöpfer Freude hat – und mehr will ich nicht empfangen.“

Denn so darf man nicht sprechen: „Es reicht mir, da ich Ihm bereits Freude bereitet habe, indem ich dieses kleine Leuchten von Ihm empfing.“ Vielmehr muss der Mensch sich bemühen, dem Schöpfer jedes Mal mehr und mehr Wohlgefallen zu bereiten. Und da jede Freude oben darin besteht, dass das Ziel der Schöpfung – „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ – die Unteren tatsächlich erreicht, das ist die Freude, die es oben gibt: darum ist im Monat Adar, wenn die Zeit des Wunders erwacht – wie geschrieben steht „es kehrte sich ins Gegenteil, dass die Juden über ihre Hasser herrschten“ –, die Zeit dafür geeignet, den Fremden in seinem Innern aufzurütteln, gemäß dem, was die Weisen sagten (Berachot 5): „Stets reize der Mensch den guten Trieb gegen den bösen Trieb auf“, wie es heißt: „Erzürnt euch und sündigt nicht.“ Und Rashi deutete „er reize den guten Trieb auf“ so, dass man mit dem bösen Trieb Krieg führe.

Und hier ist gemeint, dass der Mensch im Monat Adar eher fähig ist, den bösen Trieb zu besiegen. Denn damals geschah ein Wunder vom Himmel, wie die Weisen sagten (Shabbat 88): „Sie bestätigten und nahmen an.“ Sie bestätigten, was sie bereits angenommen hatten. Und Rashi deutete: Was Rawa sagte, dass das Geschlecht es (die Tora) in den Tagen des Ahasveros annahm, aus Liebe zu dem Wunder, das an ihnen geschah.

Anders im Monat Aw, der Zeit, in der die Zerstörung des Heiligen Tempels geschah und man darüber trauern muss. Es zeigt sich, dass dann das Wort der Weisen „man vermindert die Freude“ so zu verstehen ist – im Gegensatz zu jenem Weg, den man im Monat Adar im Aspekt der rechten Seite übt, um das Wunder zu erwecken, das sich im Monat Adar offenbarte, wie die Weisen sagten: „Aus Liebe zu dem Wunder bestätigten und nahmen sie an.“

Anders im Monat Aw, in dem man über die Zerstörung des Heiligen Tempels trauern muss: Da muss man auf der linken Linie arbeiten, das heißt, die Taten kritisch prüfen – die auf dem Weg der Heiligkeit sein sollen, nämlich um zu geben – und sehen, wie weit der Mensch von der Sache des Gebens entfernt ist.

Während der Mensch darüber nachdenkt, befindet er sich in einem Zustand der Entfernung von der Heiligkeit und ist allein in die Selbstliebe versunken: Seine ganze Grundlage, wenn er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt, zielt darauf ab, das Verlangen zu empfangen zu füllen – mit jeder Füllung, mit der es sich nur füllen lässt.

Daher gibt es, während er sich mit der Abrechnung über seine Niedrigkeit beschäftigt, dann Raum, den Schmerz über die Zerstörung der Heiligkeit zu erwecken, die in jedem Einzelnen liegt. Und dann erfüllt sich: „Jeder, der um Jerusalem trauert, wird gewürdigt und schaut den Trost Jerusalems.“

korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, Ver4