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1986/19 Die Freude betreffend

Die Mishna sagt (Taanit 26): „Mit Beginn des Aw vermindert man die Freude; mit Beginn des Adar mehrt man die Freude. Und wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Adar.“ Nun gilt es zu verstehen, was es bedeutet, die Freude zu mehren oder zu vermindern. Die Freude ist doch das Ergebnis einer Ursache, die sie auslöst. Vermehren oder vermindern lässt sich daher nur an den Ursachen. Wir müssen also wissen, welcher Ursache wir uns zuwenden sollen, damit sie uns Freude bringt.

Sicher meinten unsere Weisen, als sie uns hießen, die Freude zu mehren, die Freude der Heiligkeit (Kedusha). Daher sollten wir betrachten, welcher Ursache wir uns nach ihren Worten zuwenden sollen, damit sie uns die Freude der Heiligkeit bringt. Außerdem gilt es zu verstehen, was sie sagten: „Wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Monat Adar.“ Wir befinden uns doch im Land Israel, und es gibt manche Städte, in denen sich nicht ein einziger Nichtjude findet. Und selbst wenn sich, sagen wir, in irgendeiner Stadt ein Nichtjude fände – was sollte man mit ihm an Rechtsstreit haben?

Dem Sinn nach scheint es, dass dieses „den Götzendiener im Monat Adar richten“ etwas Beständiges ist und nichts Zufälliges. Das heißt: Sollte der seltene Fall eintreten, dass Israel einen Rechtsstreit mit einem Nichtjuden hat, gehe er und führe ihn im Monat Adar. Wir müssen also verstehen, welchen Götzendiener sie meinen, mit dem er einen Rechtsstreit hat.

Wir sehen, dass es in unseren Gebeten eine Ordnung von zweierlei Art gibt:

1. eine Ordnung von Lobliedern und Preisungen an den Schöpfer,

2. eine Ordnung von Gebeten und Bitten.

Und wir sehen, dass dies zwei einander entgegengesetzte Dinge sind. Denn von Natur aus hängt das Maß der Bitte davon ab, wie sehr der Bittende die Sache braucht, um die er einen anderen ersucht. Berührt das Erbetene sein Herz und ist es ihm unentbehrlich, so strengt er sich im Maß dieser Dringlichkeit an, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das Gewünschte zu erlangen.

Daraus folgt: Wenn der Mensch zum Schöpfer betet, dass Er seine Bitte erfülle, muss er darauf achten, dass sein Gebet aus der Tiefe des Herzens kommt – dass er also seinen Mangel empfindet. Je stärker er ihn empfindet, desto wahrhaftiger kann sein Gebet sein. So soll sein Gebet kein bloßes Lippenbekenntnis sein, sondern aus der Tiefe des Herzens kommen.

Und um seinen Mangel zu empfinden, muss er die Wahrheit erkennen: dass er einen großen Mangel hat und in allem, was die Dinge der Heiligkeit betrifft, ein völlig leeres Kli (Gefäß) ist. Wenn er empfindet, dass er der Schlechteste auf der ganzen Welt ist, dann kann er sagen, dass sein Gebet ein wahrhaftiges Gebet ist – denn er empfindet, dass sein Mangel der größte auf der Welt ist und keiner ihm darin gleicht.

Dem gegenüber steht der zweite Aspekt in der Ordnung unseres Gebets, nämlich die Gesänge, Loblieder und Preisungen. Wir sehen, dass es in der Welt so zugeht: Der Dank, den man dem erweist, der einem anderen Gutes tut, bemisst sich nach dem Maß des Guten, das man von ihm empfangen hat. Wer einem anderen etwa bei einer Kleinigkeit hilft, die ihm fehlte, dem gilt entsprechend auch nur ein kleiner Dank.

Stellen wir uns dagegen vor, jemand verschafft einem anderen eine Arbeitsstelle in einer Zeit, in der es viele Arbeitslose gibt. Dieser andere ist selbst monatelang ohne Arbeit umhergeirrt, hat hohe Schulden beim Lebensmittelhändler angehäuft, und der Händler hat ihm bereits angekündigt, ihn nicht länger mit Lebensmitteln versorgen zu können; auch ist er es leid, nach Darlehen für die nötigsten Nahrungsmittel zu suchen.

Und plötzlich trifft er einen Mann, den er um ein Darlehen bitten wollte. Dieser aber bietet ihm eine Arbeitsstelle zu günstigen Bedingungen an und sagt: „Wozu suchst du nach Darlehen? Ich gebe dir eine Arbeitsstelle. Da ich gehört habe, dass du ein zuverlässiger Mann bist – und obwohl ich viele Angestellte habe, fehlt mir doch ein zuverlässiger –, gebe ich dir einen guten Lohn, damit du all deine Schulden in kurzer Zeit begleichen kannst. Wozu also solltest du mich um ein Darlehen bitten?“

Stellen wir uns vor, welchen Dank dieser Mensch nun jenem erweist. Er braucht ihm nicht mit dem Mund „Danke“ zu sagen – alle seine Glieder bringen ihm den großen Dank dar. So heißt es: „All meine Gebeine sollen sprechen.“ Oder stellen wir uns einen Menschen vor, der im Gefängnis saß und zu lebenslanger Haft verurteilt war, und ein anderer kommt und befreit ihn für immer. Welchen Dank bringen all seine Glieder diesem Menschen dar, der ihn gerettet hat!

Daraus folgt: Will der Mensch dem Schöpfer ein großes Lob darbringen, das dem Vers gleicht „All meine Gebeine sollen sprechen: Schöpfer, wer ist wie Du, der den Armen rettet vor dem, der stärker ist als er“ – so muss er sich gewiss vorstellen, dass er jetzt der glücklichste Mensch auf der Welt ist. Nur dann kann er dem Schöpfer ein großes Lob darbringen. Andernfalls, wenn er noch irgendeinen Mangel empfindet und möchte, dass der Schöpfer ihm helfe, dann kann der Dank, den er dem Schöpfer darbringt, nicht dem Maß von „All meine Gebeine sollen sprechen“ entsprechen.

Daher sehen wir in der Ordnung unseres Gebets zwei Gegensätze, von einem Äußersten zum anderen. Es erhebt sich also die Frage: Was kann der Mensch tun, wenn er sieht, wie weit die beiden voneinander entfernt sind? Im Allgemeinen begegnet uns diese Ordnung der Gegensätze in vielen Bereichen:

Beispiel 1: die Ordnung der Lichter, die in den Gefäßen leuchten. Bekanntlich besteht zwischen Gefäßen und Lichtern ein umgekehrtes Verhältnis. Bei den Gefäßen enthüllen sich die großen und reinen zuerst – zuerst Keter und zuletzt die Sefira Malchut. Bei den Lichtern ist es umgekehrt: Die kleinen enthüllen sich zuerst – zuerst Malchut und zuletzt Keter. Bekanntlich sagt man, wenn man von den Gefäßen spricht, dass die Ordnung KaCHaB ZoN ist; spricht man von den Lichtern, dass die Ordnung NaRaNCHaJ ist.

Beispiel 2: Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte, wir sähen in der Ordnung der Arbeit für den Schöpfer einen Gegensatz. Einerseits sagten unsere Weisen (Awot, Kapitel 4): „Sei überaus demütig im Geist.“ Andererseits sagten sie: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Schöpfers.“ Das heißt: Wäre er wirklich vor jedem Einzelnen demütig, so könnte er jene nicht überwinden, die über ihn spotten, wenn er auf den Wegen des Schöpfers geht – denn er beugt sich vor allen. Vielmehr muss er dann sagen: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Schöpfers“ – also sich von niemandem beeindrucken lassen, von dem, was sie ihm sagen:

„Diese Arbeit, die du auf dich genommen hast, passt zu Menschen von Begabung und beherztem Mut, die es gewohnt sind, Hindernisse zu überwinden, und die eine gute Erziehung genossen haben – die also von Kindheit an gewohnt sind, dass die Arbeit für den Schöpfer die Hauptsache ist. Du aber nicht: Dir genügt es, ein angesehener Hausherr zu sein. Sorge dafür, dass deine Kinder Tora-Gelehrte und in der Arbeit Tätige werden, dann wirst du ein angesehener Hausherr sein und für deine Töchter Tora-kundige Bräutigame gewinnen. Nicht aber, dass du in vorgerücktem Alter jetzt den Weg der Arbeit zu beschreiten beginnst, der zur Tora liShma führt und ganz und gar nicht zum eigenen Nutzen. Lass ab von diesem Weg und begehre nicht Dinge, die über deiner Stufe liegen.“

Dann bleibt ihm kein anderer Rat, als sich von ihnen nicht beeindrucken zu lassen und zu erfüllen, was die Weisen sagten: „Und er schäme sich nicht vor den Spöttern.“ So muss er dann den Weg des Stolzes gehen. Andererseits soll er erfüllen: „Sei überaus demütig im Geist.“ Doch nach dem Grundsatz „Zwei Gegensätze können nicht in einem Gegenstand bestehen“ – wie lassen sich beide in einem Menschen verwirklichen? Es gibt noch viele weitere Beispiele für zwei Gegensätze in den Dingen der Arbeit für den Schöpfer. Zwei Gegensätze können aber sehr wohl in einem Gegenstand bestehen, zu zwei Zeiten, also nacheinander.

Die Wurzel der Sache ist, wie es in der „Einleitung zum Buch Sohar“ (Abschnitt 10–11) steht, wo gefragt wird: „Wie ist es möglich, dass aus Seiner gesegneten Heiligkeit der Streitwagen (Merkawa) der Unreinheit (Tuma) und der Klipot (Schalen) hervorgeht, da diese doch von Seiner gesegneten Heiligkeit von einem Äußersten zum anderen entfernt ist?“

Und er sagt dort: „Das Verlangen zu empfangen, das die eigentliche Wesenheit der Seelen von ihrer Erschaffung her ist, das ist Unreinheit und Klipot. Und dies rührt von der Veränderung der Form her, die in ihnen liegt und sie von Ihm trennt. Um nun die Trennung zu beheben, die auf dem Kli der Seelen lastet, erschuf der Schöpfer alle Welten und schied sie in zwei Systeme: die vier Welten ABYA (Azilut, Brija, Yezira, Assija) der Heiligkeit und ihnen gegenüber die vier Welten ABYA der Unreinheit. Das Verlangen zu geben prägte Er dem System ABYA der Heiligkeit ein, und das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, entfernte Er aus ihm und gab es in das System ABYA der Unreinheit.“

Und er sagt dort: „Wie sollen diese beiden Dinge korrigiert werden, die einander in der Form verschieden sind? Darum wurde die Wirklichkeit dieser materiellen Welt erschaffen – ein Ort, an dem es Körper und Seele gibt, ebenso eine Zeit des Verderbens und der Korrektur. Denn der Körper, der das Verlangen ist, für sich selbst zu empfangen, geht von seiner Wurzel im Schöpfungsgedanken aus, durchläuft das System der Welten der Unreinheit und bleibt jenem System unterworfen bis zum dreizehnten Jahr. Das ist die Zeit des Verderbens. Danach beginnt die Zeit der Korrektur, die nach dreizehn Jahren einsetzt. Und durch die Beschäftigung mit Tora und Mizwot, die einer übt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, beginnt er das ihm eingeprägte Verlangen, für sich selbst zu empfangen, zu läutern und wandelt es nach und nach so um, dass es darauf gerichtet ist, zu geben.“

Daraus folgt, dass das Geschöpf von seiner Erschaffung an aus zwei Gegensätzen besteht:

1. aus Gefäßen des Empfangens,

2. aus Gefäßen des Gebens.

Und es gibt keinen größeren Gegensatz als diesen. Diese beiden entgegengesetzten Dinge treten in einem Gegenstand auf, nur eben nacheinander. Und es scheint, als gäbe es eine mittlere Linie, die beide umfasst:

1. das Verlangen zu empfangen,

2. das Verlangen zu geben.

Die mittlere Linie, die beide umfasst, liegt vor, wenn das Verlangen zu empfangen in das Verlangen zu geben eingeschlossen ist – was man „Empfangen, um zu geben“ nennt. So sind in dieser mittleren Linie beide Kräfte enthalten, nämlich Empfangen und Geben zugleich.

Damit klärt sich unsere Frage, wie es in der Arbeit des Menschen eine Wirklichkeit vollkommenster Ganzheit und zugleich eines Mangels in äußerster Niedrigkeit in einem Gegenstand geben kann. Die Antwort lautet: Das ist zu zwei Zeiten möglich. Der Mensch muss also die Ordnung seiner Arbeit in zwei Weisen einteilen:

Die erste Weise verläuft auf dem rechten Weg, genannt „Ganzheit“. Denn wenn der Mensch sich zuzuwenden beginnt, muss er sich zuerst der „rechten“ Seite zuwenden, die „Ganzheit“ heißt, und danach der „linken“. Nur auf zwei Beinen nämlich kann der Mensch gehen; auf einem Bein ist von Gehen überhaupt keine Rede.

Die rechte Seite heißt „Ganzheit“. Denn wenn der Mensch daran geht, die Arbeit für den Schöpfer auf sich zu nehmen, ist die Ordnung so, dass er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen muss „wie ein Ochse das Joch und wie ein Esel die Last“. Mit „Ochse“ ist der Aspekt des Mocha (Verstand) gemeint, „Ochse“ genannt nach dem Ausdruck „Der Ochse kennt seinen Besitzer“ – gemeint ist der Aspekt des Glaubens über dem Verstand.

Mit „Esel“ ist der Aspekt des Liba (Herz) gemeint, „Esel“ genannt nach dem Ausdruck „und der Esel kennt die Krippe seines Herrn“ – gemeint ist der Aspekt der Selbstliebe. Sagt man darum „zu arbeiten, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten“, so ist das für ihn eine Last, die er immer von seinen Schultern abwerfen möchte. Vielmehr schaut er immer darauf, was er von dieser Arbeit zu essen hat – das heißt, welchen Genuss sein Verlangen zu empfangen daraus ziehen kann.

Wenn er diese Arbeit auf sich nimmt, sagt er: „Gewiss muss ich auf mich selbst achten, mich also immer prüfen, ob ich mich nicht selbst täusche – ob ich wirklich den rechten Weg gehe, so wie er sein soll: Tora und Mizwot zu erfüllen, weil der Schöpfer es geboten hat, und nicht aus anderen Gründen. Doch ich erfülle den Ausspruch der Weisen: ‚Stets übe der Mensch Tora und Mizwot, auch lo liShma, denn aus lo liShma gelangt er zu liShma.‘ Wozu also soll ich über mich nachdenken, ob ich Tora und Mizwot mit all den rechten Absichten erfülle, sodass alles um des Himmels willen geschehe?

Vielmehr ist es mir ein großes Vorrecht, dass der Schöpfer mir Gedanke und Verlangen gegeben hat, etwas von Tora und Mizwot zu erfüllen. Denn nach dem Grundsatz schaut man bei einer wichtigen Sache nicht so sehr auf die Menge, selbst wenn sie gering ist. Ist die Qualität wertvoll, so ist sogar eine kleine Sache von hoher Qualität sehr wertvoll. Und da Tora und Mizwot das sind, was der Schöpfer uns durch Moses zu erfüllen geboten hat, kommt es mir bei der Erfüllung der Gebote des Schöpfers nicht darauf an, wie viel ich kann. Seien die Absichten auch noch so schlecht und niedrig – am Ende erfülle ich sie doch der Tat nach, so weit der Körper es mir erlaubt.

Und obwohl ich nicht fähig bin, die Begierden des Körpers zu überwinden, freue ich mich doch wenigstens darüber, dass ich die Kraft habe, die Gebote des Schöpfers auf irgendeine Weise zu erfüllen. Denn ich glaube, dass alles durch die Vorsehung kommt – dass der Schöpfer mir Gedanke, Verlangen und Kraft gegeben hat, Tora und Mizwot zu erfüllen. Und dafür danke ich Ihm. Denn ich sehe, dass nicht alle ein solches Vorrecht hatten, die Gebote des Schöpfers zu erfüllen.“ Und er muss sagen, dass es nicht in seiner Kraft steht, die Größe und Bedeutung der Erfüllung der Gebote des Schöpfers zu ermessen, selbst ohne jede Absicht.

Dies lässt sich vergleichen mit dem, was wir sehen: Will ein Kind nicht essen, weil ihm das Essen keinen Genuss bereitet, so geben die Eltern ihm zu essen, ob es will oder nicht. Und obwohl das Kind keinen Genuss hat, nützt es ihm am Ende doch – selbst auf dem Weg des Zwangs –, damit es bestehen und wachsen kann. Gewiss ist es besser, wenn das Kind von sich aus essen will, also Genuss am Essen hat. Doch auch ohne Genuss, ganz auf dem Weg des Zwangs, nützt es dem Kind.

Dasselbe muss man von der Arbeit für den Schöpfer sagen. Auch wenn einer Tora und Mizwot auf dem Weg des Zwangs erfüllt – sich also selbst zur Erfüllung zwingt, während sein Körper sich allem widersetzt, was zur Heiligkeit gehört –, so tut die Tat, die er vollbringt, dennoch ihr Werk: Dadurch kann er zu einem Zustand gelangen, in dem er tatsächlich das Verlangen hat zu erfüllen. Und dann kehren all die Taten, die er getan hat, nicht leer zurück, sondern alles, was er getan hat, tritt in die Heiligkeit ein.

Dies lässt sich mit dem deuten, was die Weisen über den Vers „Er bringe es dar nach seinem Willen vor dem Schöpfer“ (Arachin 21) auslegten: „Es lehrten die Rabbinen: ‚Er bringe es dar‘ – das lehrt, dass man ihn zwingt. Doch es steht geschrieben ‚nach seinem Willen‘. Wie ist das? Man zwingt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“

Das bedeutet, dass den Weisen das Geschriebene „nach seinem Willen vor dem Schöpfer“ schwerfiel. Denn bei allem Tun, das er unternimmt, um sich dem Schöpfer zu nähern, heißt die Tat nicht „Tat“, wenn er sie nicht um des Himmels willen tun will, was „nach dem Willen des Schöpfers“ genannt wird. Dieser Mensch aber ist noch nicht fähig, Taten zu vollbringen, die zum Nutzen des Schöpfers wären. Das bedeutet, dass seine Taten keinerlei Wert haben – als hätte er nichts getan, da sie noch nicht nach dem Willen des Schöpfers sind.

Doch es steht geschrieben „Er bringe es dar“. Das bedeutet, wie geschrieben steht: Es lehrt, dass man ihn zwingt – also selbst auf dem Weg des Zwangs. Das heißt: Auch wenn er nicht um des Himmels willen handeln will, wird es dennoch „Opfer“ genannt. Das ist doch schwer zu verstehen: Er will das Opfer doch nicht vor dem Schöpfer darbringen – so widerspricht der Anfang des Verses seinem Ende.

Darauf antworteten sie: „Man zwingt ihn, bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Das heißt, dies folgt dem Grundsatz, den die Weisen aussprachen: „Stets übe der Mensch Tora und Mizwot, auch lo liShma, denn aus lo liShma kommt man zu liShma“ (Pessachim 50b). Gemeint ist: dadurch, dass er sich Mal um Mal zwingt, obwohl der Körper nicht einwilligt, um des Himmels willen zu arbeiten. Der Grund ist, dass der Körper dort, wo er keinen eigenen Nutzen sieht, zu nichts fähig ist.

Dennoch achtet er nicht auf die Einwände des Körpers und sagt zu seinem Körper: „Wisse, dass du die Gebote des Schöpfers auch auf dem Weg des Zwangs erfüllst. Kein Widerstand gegen die Tat wird dir helfen. Man sagt, dass die praktischen Mizwot die besondere Kraft haben, den Menschen zu liShma zu führen.“ Das ist die Bedeutung von „Man zwingt ihn“: Er zwingt sich selbst und hört auf keinen Verstand und keine Vernunftgründe, die ihm der Körper darlegen will. Vielmehr sagt er ihm, dass er am Ende zum Aspekt liShma gelangen wird. Und das ist die Bedeutung von „bis er sagt: ‚Ich will.‘“ Das heißt, wie gesagt: aus lo liShma gelangt man zu liShma, und das heißt „Ich will.“

Daher erwacht in ihm jedes Mal, wenn er an die Verrichtung irgendeiner Tat der Heiligkeit denkt, sofort eine große Freude darüber, dass er gewürdigt wurde, mit Dingen in Berührung zu kommen, die der Schöpfer zu tun geboten hat. Und obwohl er weiß, dass alles, was er tut, nur lo liShma geschieht, kennt seine Freude dennoch keine Grenze, weil die Weisen uns verheißen haben: „Aus lo liShma gelangt man zu liShma.“

Und er zieht für sich einen Schluss vom Leichteren auf das Schwerere, da die Weisen sagten: „Wer aus Liebe Umkehr (Teshuwa) vollzieht, dem werden die mutwilligen Sünden zu Verdiensten; und wer aus Ehrfurcht Umkehr vollzieht, dem werden die mutwilligen Sünden zu unabsichtlichen Verfehlungen.“ Daraus folgt: Sobald er gewürdigt wird, liShma zu handeln, treten gewiss alle Mizwot, die er lo liShma getan hat, in die Heiligkeit ein und gelten als wertvoll, als hätte er sie liShma getan.

Damit ist klar: Selbst während er noch lo liShma tätig ist, gilt ihm dies als ebenso wertvoll, als handelte er liShma. Das heißt, er rechnet sich vor, dass all seine Taten gewiss wertvoller sind als mutwillige Sünden und sicher zum Guten korrigiert werden. Und gewiss wird ihm jede einzelne Tat, die er vollbringt, sei sie auch eine Kleinigkeit, als große Mizwa angerechnet. So sagten die Weisen (Awot, Kapitel 2): „Sei achtsam bei einer leichten Mizwa wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“

Wenn er sich darum über seine Taten Rechenschaft gibt – wessen Gebote er erfüllt –, und ebenso, wenn er Worte der Tora spricht, sagt er sich: „Wessen Tora lerne ich?“ Und wenn er einen Segensspruch über Genüsse spricht, etwa „sheHakol“ oder „haMozi“, denkt er: „Zu wem spreche ich jetzt?“

So befindet er sich dann in vollkommenster Ganzheit. Und diese Ganzheit gebiert Freude, weil er dann am Schöpfer haftet – insofern er sich vorstellt, dass er zum Schöpfer spricht, der gut ist und Gutes tut. Von selbst empfängt er Freude von der Wurzel, denn die Wurzel aller Geschöpfe ist der Schöpfer, der „der Gute, der Gutes tut“ genannt wird.

Und die Weisen legten aus: „Gut für ihn selbst und Gutes tuend an anderen“ – das heißt: gut für den Menschen selbst und gut auch für die anderen. So kann er dann glauben, dass der Schöpfer ihm Gutes tut und ebenso der Allgemeinheit Gutes tut. Damit hat er die Fähigkeit, über dem Verstand zu glauben, dass es wahrhaft so ist – obwohl er nach seinem äußeren Verstand gerechnet hat und das Gute noch nicht in seiner ganzen Vollkommenheit sieht.

Doch nun, durch die Rechenschaft, die er mit seinem Tun in Tora und Mizwot ablegt – während er für eine Weile auf irgendeine Weise am Schöpfer haftet –, hat er die Kraft, über dem Verstand zu glauben, dass es wahrhaft so ist. Und von selbst „weist die Wahrheit ihren Weg“: Daraus, dass er denkt, er spricht jetzt mit dem gesegneten Schöpfer, erwächst ein großes Erwachen der Freude, wie geschrieben steht: „Pracht und Herrlichkeit sind vor Ihm, Kraft und Freude an Seinem Ort.“

Und es gilt zu verstehen, in Bezug auf wen gesagt ist, dass Freude an Seinem Ort herrscht. Gewiss beziehen sich alle Namen, von denen wir sprechen, auf die Geschöpfe – das heißt darauf, wie die Geschöpfe empfinden. Vom Schöpfer selbst aber sagten die Weisen: „Kein Gedanke kann Ihn überhaupt erfassen.“ Vielmehr ist alles Gesagte auf die Geschöpfe bezogen.

Demnach lautet die Auslegung: Jene, die empfinden, dass sie vor Ihm stehen, empfinden den Aspekt von Pracht und Herrlichkeit. Ebenso, wer denkt, dass er an Seinem Ort steht. Denn „Ort“ bedeutet „Angleichung der Form“. Und es gibt noch eine Auslegung, nach der es sich um einen Spiegel handelt, wie ich von meinem Vater und Lehrer hörte: An dem Ort, an den ein Mensch denkt, dort ist er. Daraus folgt: Denkt der Mensch, dass er steht und mit dem König spricht, so befindet er sich an Seinem Ort, wo der König ist. Dann empfindet er, wie geschrieben steht: „Kraft und Freude an Seinem Ort.“

Damit lässt sich verstehen, was wir gefragt haben zu dem Wort der Weisen „Mit Beginn des Adar mehrt man die Freude“. Wir fragten, was es mit dem Mehren der Freude auf sich hat – denn die Freude ist das Ergebnis einer Ursache. Was also ist die Ursache, die man erwecken kann, damit sie uns Freude bringt?

Nach dem Gesagten ist gemeint, vermehrt auf der rechten Linie zu gehen, die „Ganzheit“ heißt. Der Mensch befindet sich dann im Zustand der Ganzheit, und das heißt „Angleichung“. Das heißt: Der Vollkommene, nämlich der Mensch, haftet jetzt am Vollkommenen, wie geschrieben steht: „Der Gesegnete haftet am Gesegneten, doch der Verfluchte haftet nicht am Gesegneten.“ Befindet sich der Mensch daher im Zustand der Kritik, genannt „linke Linie“, so ist er im Zustand des „Verfluchten“ und damit vom Vollkommenen getrennt. Darum kann er dann nur Finsternis empfinden und kein Licht – und allein das Licht bringt Freude.

Doch es gilt zu verstehen, warum man gerade im „Monat Adar“ die Freude mehren soll und warum man nicht das ganze Jahr über den Weg der rechten Linie geht. Darauf ist zu antworten: Weil im Monat Adar das Wunder von Purim geschah, in dem das Licht des Endes der Korrektur (Gmar Tikun) leuchtete – wie es im „Shaar haKawanot“ („Tor der Absichten“) steht (Talmud Esser haSefirot, Teil 15, S. 1813, Abschnitt 220): „Darum werden in der kommenden Zukunft alle Festzeiten annulliert, außer der Schriftrolle Ester.“ Der Grund ist, dass es niemals ein so großes Wunder gab, weder an den Shabbat-Tagen noch an einem Feiertag.

Darum muss die Vorbereitung auf ein so großes Licht die Freude sein, denn sie ist die Vorbereitung darauf, einen ehrwürdigen Gast zu empfangen – das Licht der kommenden Zukunft, wie gesagt. Indem man also die Vorbereitung des „Mehrens der Freude“ trifft, zieht man das Licht herab, das „Tage des Gastmahls und der Freude“ genannt wird.

Und das entspricht dem Grundsatz, der im heiligen Sohar steht: „Durch die Handlung unten wird die Handlung oben erweckt.“ Das heißt: Nach den Taten der Unteren wird im selben Maß die Handlung oben erweckt. Wenn also die Unteren sich mit Dingen der Freude beschäftigen, ziehen sie auf eben diese Weise das Licht der Freude nach unten herab. So steht geschrieben (Schriftrolle Ester 9,21): „Und Mordechai schrieb es nieder und verpflichtete sie, alljährlich die Tage zu feiern, an denen die Juden Ruhe vor ihren Feinden fanden, und den Monat, der sich ihnen von Kummer in Freude und von Trauer in einen Feiertag verwandelt hatte – sie zu Tagen des Gastmahls und der Freude zu machen.“ Dadurch zieht man das Licht des Endes der Korrektur herab, das damals leuchtete.

Und bei dieser Beschäftigung mit dem Herabziehen der Freude ist zu beachten: Der Grund dafür ist, wie wir sagten, dass der Mensch dann dem Schöpfer Dank erweist dafür, dass Er ihn Sich angenähert hat. Daraus folgt: Während er Dank erweist, beschäftigt er sich mit dem Geben, denn er dankt und preist den Schöpfer dafür, dass Er ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, damit er eine Berührung mit dem Spirituellen hat.

Und jetzt will er vom Schöpfer nicht, dass Er ihm etwas gibt. Also bittet er den Schöpfer um nichts. Sein ganzes Streben ist jetzt allein, dem Schöpfer Dank zu erweisen. Somit hat er nun Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer, denn er beschäftigt sich mit dem Geben. Dadurch wird ihm aus der Anhaftung der Aspekt von Freude und Ganzheit herabgezogen, kraft dessen, dass er jetzt am Vollkommenen haftet. Das ist es, wodurch man die Freude mehrt.

Anders, wenn er sich mit der Bitte beschäftigt: Ein Gebet aus der Tiefe des Herzens ist voller Mängel. Denn je stärker der Mangel empfunden wird, desto mehr kommt sein Gebet aus der Tiefe des Herzens. Daher kann er in jener Zeit nicht in Freude sein kann. Daraus folgt: Die Ursache der Freude liegt darin, wenn er sich mit Lob und Dank beschäftigt, und nicht, wenn er sich mit der Prüfung der Mängel beschäftigt.

Nach dem Gesagten lässt sich deuten, was die Weisen sagten: „Und wer einen Rechtsstreit mit einem Götzendiener hat, führe ihn im Adar.“ Es klingt, als hätte man einen Rechtsstreit mit einem Fremden, als wäre es üblich, dass Israel Rechtsstreitigkeiten mit Fremden hat. Doch betrifft das Menschen, die sich mit Tora und Arbeit beschäftigen und kein Gewerbe und keinen Handel treiben?

Auf dem Weg der Arbeit aber lässt es sich so deuten: Gemeint ist der Götzendiener, der in jedem Israeliten steckt – das heißt, in einem einzigen Körper. Bei Menschen, die auf den Wegen des Schöpfers gehen wollen, widersetzt sich ihnen ihr Körper. Das ist es, was die Weisen über den Vers „Es sei kein fremder Gott in dir“ sagten. Sie sagten: „Welcher fremde Gott ist im Körper des Menschen? Das ist der böse Trieb (Jezer haRa).“ Er wird „Götzendiener“ genannt, weil er sich dagegen sträubt, der Aspekt Israel zu sein. Und das heißt, dass man mit ihm einen Rechtsstreit hat. Und dann, im Monat Adar, in dem man des Wunders gewürdigt wurde – als die Juden Freude und Wonne hatten, denn „die Furcht vor den Juden befiel sie“ und „es kehrte sich ins Gegenteil, dass die Juden über ihre Hasser herrschten“ –, darum ist dieser Monat geeignet, dass der Mensch mit dem Fremden in seinem Innern Gericht halte. Und gewiss wird es ihm in diesem Monat gelingen, der den Aspekt „es kehrte sich ins Gegenteil“ trägt, wie geschrieben steht: „dass die Juden über ihre Hasser herrschten.“

Und man muss bedenken: Der Rechtsstreit, den der Mensch mit seinem Götzendiener hat, rührt daher, dass jeder von beiden behauptet „Alles gehört mir.“ Israel behauptet, der Körper ist nur dazu erschaffen worden, Israel zu sein und für den Schöpfer zu arbeiten, und nicht um der Selbstliebe willen. Der Fremde in ihm dagegen behauptet ebenfalls „Alles gehört mir“ – das heißt, der ganze Körper ist mit dem Verlangen zu empfangen erschaffen. Das rührt gewiss daher, dass der Körper einzig und allein für die Bedürfnisse seines Verlangens zu empfangen sorgen muss. Wozu sollte er an das Verlangen zu geben denken? Und er führt ihm etliche Beweise an, dass er im Recht ist, denn so tut es jedermann.

Er sagt ihm also: „Geh und sieh, wie es die Allgemeinheit hält. Gibt es jemanden, der für das Wohl des Nächsten sorgt, solange noch nicht alle seine eigenen, für ihn selbst nötigen Bedürfnisse erfüllt sind? Es gibt nur einige wenige, eine kleine Handvoll, die erst, nachdem ihre Bedürfnisse erfüllt sind, beginnen, für das Wohl des Nächsten zu sorgen. Und selbst dann achten sie peinlich genau darauf, dass die Sorge um den Nächsten die Selbstliebe nicht beeinträchtigt. Du aber behauptest „Alles gehört mir“; du willst also überhaupt nicht an die Selbstliebe denken, sondern alle Kraft, die du hast, für den Nächsten einsetzen. Und du rechtfertigst dich mir gegenüber: Dass du zum Wohl der Freunde arbeiten willst – was man „Nächstenliebe“ nennt –, das ist, sagst du, noch nicht das Ende; vielmehr meinst du, dass du durch die Beschäftigung mit der Nächstenliebe zur Liebe zum Schöpfer gelangen kannst. Du willst dich dem Schöpfer völlig unterordnen. Und was wird dann aus dem Körper, wenn du hernach deinen ganzen Körper dem Schöpfer geben und dich dem Schöpfer völlig unterordnen willst? Sag selbst: Wie kann ich einer Sache zustimmen, die dem menschlichen Verstand höchst befremdlich ist? Daher muss ich behaupten „Alles gehört mir“ und dir nicht einen Fußbreit Fortschritt gestatten.“

In diesem Zustand herrscht ein schwerer Krieg, da jeder behauptet, im Recht zu sein. Denn der Israelit in ihm wendet ein: Da der gesegnete Schöpfer uns mit der Absicht „Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ erschuf, weiß Er gewiss, was den Geschöpfen guttut. Das heißt, Er hat erkannt, dass nur dadurch, dass alle sich darin üben, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, ihnen die Kraft zuwächst, die höchsten Stufen zu empfangen – „Offenbarung der Göttlichkeit“ genannt –, die sich in den inneren Verstand und in das innere Gefühl im Herzen kleidet. Das heißt, nur auf solche Weise wird es ihnen möglich sein, all das Gute und den Genuss zu empfangen, den der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte.

Anders, wenn sie mit dem Gefäß des Empfangens empfingen: Abgesehen davon, dass dies Trennung bewirkt, gibt es da das Sich-Begnügen mit Wenigem. Das heißt, man muss glauben, was im heiligen Sohar steht: dass es ein Nehiru Dakik (dünnes Licht) gibt, das in den Klipot leuchtet, um sie am Leben zu erhalten. Das heißt, alle Genüsse, die sich in der materiellen Welt finden, sind nur ein dünnes Licht im Verhältnis zu dem Guten und dem Genuss, die sich in der Heiligkeit finden.

Das heißt, selbst eine kleine Stufe der Heiligkeit, etwa Nefesh de Assija, birgt mehr Genuss als alle materiellen Genüsse. Und gewiss würde der Mensch, empfinge er die Fülle aus dem Verlangen zu empfangen zum eigenen Nutzen, sich damit begnügen und könnte nicht weitergehen, um noch höhere Stufen zu erlangen. Denn um des eigenen Nutzens willen genügt ihm dieses Leuchten von Nefesh de Assija, sodass er dann kein Bedürfnis hat, den Genüssen, die er genießt, noch etwas hinzuzufügen.

Wenn man aber den Menschen lehrt, zu arbeiten, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, dann kann der Mensch nicht sagen: „Mir genügt, was ich erlangt habe.“ Denn alles, was er empfängt, ist zum Nutzen des Schöpfers. Also kann er nicht sagen: „Es reicht mir schon, da ich dem Schöpfer Wohlgefallen bereitet habe, indem ich ein wenig vom Oberen Licht empfangen habe, woran der Schöpfer Genuss hat – und mehr will ich nicht empfangen.“

Denn so darf man nicht sprechen: „Es reicht mir, da ich Ihm bereits Genuss bereitet habe, indem ich dieses kleine Leuchten von Ihm empfing.“ Vielmehr muss der Mensch sich bemühen, dem Schöpfer jedes Mal mehr und mehr Wohlgefallen zu bereiten. Und da jeder Genuss oben darin besteht, dass das Ziel der Schöpfung – „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ – die Unteren tatsächlich erreicht – das ist der Genuss, den es oben gibt –, darum ist im Monat Adar, wenn die Zeit des Wunders erwacht – wie geschrieben steht „es kehrte sich ins Gegenteil, dass die Juden über ihre Hasser herrschten“ –, die Zeit dafür geeignet, den Fremden in seinem Innern aufzurütteln, gemäß dem, was die Weisen sagten (Berachot 5): „Stets reize der Mensch den guten Trieb gegen den bösen Trieb auf“, wie es heißt: „Erzürnt euch und sündigt nicht.“ Und Rashi deutete „er reize den guten Trieb auf“ so, dass man mit dem bösen Trieb Krieg führe.

Und hier ist gemeint, dass der Mensch im Monat Adar eher fähig ist, den bösen Trieb zu besiegen. Denn damals geschah ein Wunder vom Himmel, wie die Weisen sagten (Shabbat 88): „Sie bestätigten und nahmen an.“ Sie bestätigten, was sie bereits angenommen hatten. Und Rashi deutete es nach dem Wort Rawas: Jene Generation nahm sie (die Tora) in den Tagen des Ahasveros an, aus Liebe zu dem Wunder, das an ihnen geschah.

Anders im Monat Aw, der Zeit, in der die Zerstörung des Heiligen Tempels geschah und man darüber trauern muss. Daraus folgt, dass dann das Wort der Weisen „man vermindert die Freude“ so zu verstehen ist: Vermindert wird jener Weg, den man im Monat Adar im Aspekt der rechten Seite übt, um das Wunder zu erwecken, das sich im Monat Adar offenbarte, wie die Weisen sagten: „Aus Liebe zu dem Wunder bestätigten und nahmen sie an.“

Anders im Monat Aw, in dem man über die Zerstörung des Heiligen Tempels trauern muss: Da muss man auf der linken Linie arbeiten, das heißt, die Taten kritisch prüfen – die auf dem Weg der Heiligkeit sein sollen, nämlich um zu geben – und sehen, wie weit der Mensch von der Sache des Gebens entfernt ist.

Während der Mensch darüber nachdenkt, befindet er sich in einem Zustand der Entfernung von der Heiligkeit und ist allein in die Selbstliebe versunken: Seine ganze Grundlage, wenn er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt, zielt darauf ab, das Verlangen zu empfangen zu füllen – mit jeder Füllung, mit der es sich nur füllen lässt.

Daher gibt es, während er sich mit der Abrechnung über seine Niedrigkeit beschäftigt, dann Raum, den Schmerz über die Zerstörung der Heiligkeit zu erwecken, die in jedem Einzelnen liegt. Und dann erfüllt sich: „Jeder, der um Jerusalem trauert, wird gewürdigt und schaut den Trost Jerusalems.“

korrOp, EY, 03.08.2026, 03:51 Uhr, Ver6