Rabash – 1986 – Artikel 29 (תשמ״ו – מאמר כ״ט)
„LiShma und lo liShma“ · לשמה ושלא לשמה
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1 | Wir finden vier Arten von Menschen, die Tora und Mizwot (Gebote) einhalten: | אנו מוצאים ד' סוגים במקיימי תו"מ: | Wir finden vier Arten von Menschen vor, die Tora und Mizwot [Gebote/gute Taten] einhalten: |
2 | Die erste Art. Manchmal hält ein Mensch den Shabbat (Sabbat) ein, weil sein Arbeitgeber ihn dazu zwingt. Das Gesetz ist nämlich so: Hat jemand einen Arbeiter, der den Shabbat entweiht, und sagt er ihm: „Wenn du nicht aufhörst, den Shabbat zu entweihen, entlasse ich dich“, so muss dieser zusagen, den Shabbat zu halten – andernfalls verliert er die Arbeit. Und wo es keine andere Stelle gibt, verspricht er dem Arbeitgeber, den Shabbat einzuhalten. Er hält den Shabbat also nur deshalb, weil der Arbeitgeber ihn dazu zwingt. | סוג א'. יש לפעמים שהאדם שומר שבת, משום שבעל הבית מחייבו. דהיינו, שהדין הוא, אם יש לאדם פועל, שהוא מחלל שבת, ואם הוא יגיד להפועל, אם אין אתה תפסיק מלחלל שבת, אני מפטר אותך מעבודה, הדין הוא, שהוא צריך להגיד, שישמור שבת, אחרת הוא יפטר אותו מהעבודה. ובמקום שאין עבודה בנמצא, אז הוא מבטיח לבעל הבית, שישמור את השבת. נמצא, שהוא שומר שבת מטעם שבעל הבית מחייבו. | Die erste Art: Manchmal hält ein Mensch den Shabbat ein, weil sein Arbeitgeber ihn dazu zwingt. Wenn also ein Mensch einen Angestellten hat, der den Shabbat entweiht, muss er ihm sagen: „Wenn du nicht aufhörst, den Shabbat zu entweihen, werde ich dich kündigen.“ Er muss sagen, dass er den Shabbat einhalten wird, oder er wird ihn entlassen. Er verspricht dem Arbeitgeber, den Shabbat einzuhalten, wenn es keine andere Stelle gibt. Daraus folgt, dass er den Shabbat einhält, weil der Arbeitgeber ihn dazu zwingt. |
3 | Da stellt sich die Frage: Wessen Shabbat hält er eigentlich? Den Shabbat, den der Schöpfer zu halten geboten hat? Erfüllt er demnach das Gebot des Schöpfers oder das Gebot seines Arbeitgebers – nämlich das, was der Arbeitgeber ihm aufgetragen hat, weil er sonst keinen Lebensunterhalt hätte? Nach der Halacha (dem jüdischen Religionsgesetz) gilt er jedenfalls als einer, der „den Shabbat hält“. | ואז נשאלת השאלה, שבת של מי הוא מקיים. שבת, מה שהקב"ה צווה לשמור שבת. ולפי זה יוצא, שהוא מקיים מצות ה', או שהוא מקיים מצותיו של בעל הבית, היינו מה שבעל הבית צווה אותו לשמור את השבת, אחרת לא תהיה לו פרנסה. אבל לפי הלכה הוא נקרא "שומר שבת". | Das wirft die Frage auf: „Wessen Shabbat hält er ein? Ist es der Shabbat, den zu halten der Schöpfer befohlen hat?“ Hält er also die Mizwot des Schöpfers oder die Mizwot des Arbeitgebers ein, da dieser ihm das Einhalten des Shabbat befohlen hat, da er sonst keinen Lebensunterhalt hat? Dennoch wird er der Halacha [jüdisches Gesetz] nach als „den Shabbat befolgend“ angesehen. |
4 | Dasselbe Gesetz gilt für die übrigen Mizwot. Sagen wir es anders: Ein Vater weiß, dass sein Sohn Tora und Mizwot halten wird, wenn er ihm androht, ihn sonst nicht weiter zu unterstützen – denn ohne diese Unterstützung hätte der Sohn keinen Lebensunterhalt. Und nach der Halacha ist der Vater gewiss verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Sohn Tora und Mizwot hält. Auch hier kommt die Frage auf: Wessen Tora und Mizwot erfüllt der Sohn? Die des Schöpfers, der uns geboten hat, Tora und Mizwot zu halten, oder die seines Vaters? | וכן הדין לשאר המצות. נגיד בצורה אחרת, אם האב יודע, שאם יגיד להבן, שהוא מוכרח לשמור תו"מ, אחרת לא יתמוך בו. היות שהאב יודע, שאם הוא לא יתמוך בו, לא תהיה לו פרנסה. ובטח לפי ההלכה, האב מחויב לדאוג שהבן ישמור תו"מ. וגם כאן מתעוררת השאלה, תו"מ של מי הוא מקיים, של הקב"ה, שצווה לנו לקיים את התו"מ, או שמקיים את התו"מ של האבא שלו. | Die gleiche Regel gilt für die übrigen Mizwot . Wir können es auch anders ausdrücken: Wenn ein Vater seinem Sohn sagt, dass er Tora und Mizwot befolgen muss, weil er weiß, dass er ihn sonst nicht unterstützen wird, und nach der Halacha muss der Vater dafür sorgen, dass der Sohn Tora und Mizwot befolgt, stellt sich auch hier die Frage: „Wessen Tora und Mizwot befolgt er? Ist es der Schöpfer, der uns befohlen hat, Tora und Mizwot zu halten, oder hält er die Tora und Mizwot seines Vaters ein?“ |
5 | Doch so oder so gehört er zu den Menschen, die Tora und Mizwot halten. So lauten die Worte des Maimonides (Hilchot De’ot, Kapitel 6): „Wer seinen Nächsten zurechtweist, rede zunächst nicht hart mit ihm usw. Wovon ist die Rede? Von Dingen zwischen Mensch und Mensch. In Angelegenheiten aber, die den Himmel betreffen, gilt: Kehrt er nicht im Verborgenen um, so beschämt man ihn öffentlich, macht seine Sünde bekannt, hält sie ihm ins Gesicht vor, schmäht und verflucht ihn, bis er sich bessert usw.“ | אבל בין כך ובין כך הוא שייך לאנשים, ששומרים תו"מ. וזה לשון הרמב"ם (הלכות דעות, פרק ו') "המוכיח את חבירו תחילה, לא ידבר לו קשות, וכו'. במה דברים אמורים, בדברים שבין אדם לחבירו, אבל בדברי שמים, אם לא חזר בו בסתר, מכלימין אותו ברבים, ומפרסמים חטאו, ומחרפים אותו בפניו, ומבזין ומקללין אותו. עד שיחזור למוטב, וכו'". | Wie dem auch sei, er gehört zu den Menschen, die Tora und Mizwot befolgen. Dies sind die Worte von Maimonides ( Hilchot De’ot , Kapitel 6): „Wer seinen Freund zuerst ermahnt, wird nicht hart zu ihm sprechen.“ Worum geht es hier? Es geht um Angelegenheiten, die zwischen Mensch und Mensch stattfinden. Wenn er jedoch in göttlichen Angelegenheiten nicht im Verborgenen umkehrt, wird er in der Öffentlichkeit beschämt – seine Sünde wird bekannt gemacht, ihm wird ins Gesicht beschimpft, er wird verunglimpft und verflucht, bis er sich korrigiert.“ |
6 | Auch hier kommt die Frage auf: Wessen Gebot erfüllt er – das des Schöpfers oder das der Menschen, die ihn schmähen? Doch auch hier sehen wir, dass er am Ende „einer, der Tora und Mizwot hält“ genannt wird. Betrachten wir nämlich die Handlung selbst, so ist ihr nichts hinzuzufügen. Die ganze Frage betrifft allein die Absicht: aus welchem Grund er Tora und Mizwot hält. Das ist die erste Art, Tora und Mizwot zu halten. | וגם כאן מתעוררת השאלה, מצות של מי הוא מקיים, של הקב"ה או של אנשים שמחרפים אותו. אבל גם כאן אנו רואים, שסוף כל סוף הוא נקרא "שומר תורה ומצות". היינו, כשאנו מסתכלים על המעשה שהוא מקיים, נמצא שאין על המעשה מה להוסיף. רק כל השאלה היא על הכוונה. היינו, מהי הסיבה, שמחייבו לשמור את תו"מ. וזהו סוג א' בשמירת תו"מ. | Auch hier stellt sich die Frage: „Wessen Gebote hält er ein – die des Schöpfers oder die der Menschen, die ihn verfluchen?“ Doch auch hier sehen wir, dass es letztlich als „Einhalten von Tora und Mizwot “ gilt. Das heißt, wenn wir die Ausführung seines Handelns betrachten, stellen wir fest, dass es dem Handeln nichts hinzuzufügen gibt. Die einzige Frage betrifft die Absicht, also den Grund, der ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot veranlasst. Dies ist die erste Art des Einhaltens von Tora und Mizwot . |
7 | Die zweite Art. Er hält Tora und Mizwot aufgrund seiner Erziehung, weil er in ein religiöses Umfeld hineingeboren wurde. Oder jemand wurde nicht in ein religiöses Umfeld hineingeboren, geriet später in ein solches, und es hat ihn dazu bewegt, Tora und Mizwot zu halten. Der Grund, weshalb er sie hält, ist die ihm vermittelte Überzeugung, dass er dadurch ein gutes Leben in dieser Welt und auch in der kommenden Welt haben wird. Mit der Zeit beginnt er zu sehen, wie sehr man Menschen achtet und schätzt, die Tora und Mizwot genau einhalten. Er sieht, mit welcher Wertschätzung man denen begegnet, die mit besonderem Eifer beten und mehr Zeit dem Studium der Tora widmen. Diese Achtung, die jene empfangen, treibt ihn an und wird ihm zum Brennstoff: Auch er beginnt nun, mit größerem Eifer zu beten und jede Mizwa und jede gute Tat genauer zu erfüllen. Und das gibt ihm die Kraft, mehr Zeit auf das Studium der Tora zu verwenden. | סוג ב'. מקיים תו"מ מצד החינוך, שנולד בסביבה חרדית. או מי שנולד בסביבה לא חרדית, ואח"כ נקלע לסביבה חרדית, והם השפיעו עליו לקיים תו"מ. והסיבה, שבשביל זה הוא מקיים תו"מ, נותנו לו לדעת, שע"י זה יהיה לו חיי עולם הזה, וגם יהיה לו חיי עולם הבא. ואח"כ התחיל לראות, איך שמכבדים את האנשים, המדקדקים בתו"מ. ומעריכים אותם. ורואה באיזה יחס מדברים לאלו אנשים, המתפללים ביותר התלהבות, ומוסיפים זמן יותר ללמוד התורה. והכבוד הזה, מה שהם מקבלים, נותנים לו כח דחיפה, להיות לו לחמרי דלק, שגם הוא מתחיל להתפלל ביותר התלהבות, ומדקדק יותר על כל מצוה ומחוה. וע"י זה יש לו כח להוסיף זמן בלימוד התורה. | Die zweite Art: Er befolgt Tora und Mizwot aufgrund seiner Erziehung, weil er in ein orthodoxes Umfeld hineingeboren wurde oder weil er nicht in ein orthodoxes Umfeld hineingeboren wurde, aber später in ein solches kam und es ihn beeinflusst hat, Tora und Mizwot einzuhalten. Der Grund, warum er Tora und Mizwot befolgt, ist, dass ihm gesagt wurde, dass er dadurch sowohl das diesseitige Leben als auch das jenseitige Leben haben wird. Er beginnt zu sehen, dass Menschen, die Tora und Mizwot gewissenhaft einhalten, respektiert und geschätzt werden, und er sieht, wie andere mit solchen Menschen sprechen, die eifriger beten und mehr Zeit dem Studium der Tora widmen. Die Achtung, die sie empfangen, gibt ihm einen Schub; sie ist ein Treibstoff für ihn, und auch er beginnt, enthusiastischer zu beten, und er ist sorgfältiger bei jedem Gebot und jeder Geste. Dadurch hat er die Kraft, sich mehr Zeit für das Studium der Tora zu nehmen. |
8 | Das ist bereits die zweite Art, Tora und Mizwot zu halten. Denn er will sie aus freier Wahl halten, weil er begreift, dass der Schöpfer ihn dafür belohnt, dass er Seine Mizwot erfüllt. Doch zugleich mischt er dem Beweggrund noch einen anderen bei: die Achtung nämlich, die solche Menschen, wie er sieht, in höherem Maße genießen als andere. Oder neben der Achtung, die den Genauen in Tora und Mizwot zuteilwird, gibt es noch weitere Dinge, um derentwillen die Allgemeinheit ihn zu größerem Einsatz verpflichtet – Geld etwa, oder was auch immer. Es kommt also noch ein weiterer Grund hinzu, um dessentwillen er Tora und Mizwot hält. | זה כבר סוג ב' בשמירת תו"מ, היות שרוצה לקיים תו"מ מצד בחירה, שמבין, שע"י זה יקבל שכר מה', בזה שמקיים מצות ה'. אבל נוסף לזה הוא משתתף שם אחר להסיבה, שיחייבו את קיום של תו"מ. היינו, הכבוד, מה שרואה, שיש לאלו שמקיים תו"מ ביתר שאת מאנשים אחרים. או חוץ מהכבוד, שיש להמדקדקים בתו"מ, יש עוד דברים, שהכלל מחייבים אותו לעבוד יותר. יכול כסף, וכדומה, לא חשוב מה, אלא שבאה לו עוד סיבה, שבשבילה הוא צריך לקיים תו"מ. | Dies ist bereits die zweite Art des Einhaltens von Tora und Mizwot , denn er will Tora und Mizwot freiwillig befolgen, weil er versteht, dass der Schöpfer ihn dadurch für das Halten Seiner Gebote belohnen wird. Er fügt dem Grund, der ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot verpflichtet, jedoch noch einen anderen Namen hinzu. Er sieht nämlich, dass diejenigen, die Tora und Mizwot gewissenhafter einhalten als andere, Respekt empfangen. Oder neben dem Respekt haben diejenigen, die Tora und Mizwot gewissenhaft befolgen, noch andere Dinge, die sie in der Öffentlichkeit dazu verpflichten, mehr zu arbeiten. Das kann Geld oder irgendetwas anderes sein, aber es gibt noch einen anderen Grund, aus dem er Tora und Mizwot befolgen muss. |
9 | Einerseits steht er also höher als die erste Art, denn hier hält er Tora und Mizwot des Schöpfers, weil er an den Schöpfer glaubt. Anders die erste Art: Jener glaubt nicht an den Schöpfer, sondern hält Tora und Mizwot aufgrund des Wissens – des Wissens um die Strafe nämlich, dass der Arbeitgeber ihn von der Arbeit entlassen will, wie erwähnt. Das ist der Grund, warum er es auf sich genommen hat, Tora und Mizwot zu halten. | נמצא, מצד אחד הוא יותר גבוה מסוג הא', היות שכאן הוא מקיים תו"מ של ה', היות שהוא מאמין בה'. מה שאין כן סוג הא', הוא לא מאמין בה', אלא מקיים תו"מ מצד הידיעה, היינו ידיעת העונש, מה שבעל הבית רוצה לפטר אותו מן העבודה כנ"ל, זו היא הסיבה מה שקבל על עצמו להיות שומר תו"מ. | Daraus folgt, dass er zum einen höher steht als die erste Art, denn hier befolgt er die Tora und Mizwot des Schöpfers, da er an den Schöpfer glaubt. Er verhält sich anders als die erste Art, die nicht an den Schöpfer glaubt und Tora und Mizwot aus dem “Wissen um die Strafe” befolgt – dass der Arbeitgeber ihn entlassen könnte – und deshalb hat er das Einhalten von Tora und Mizwot auf sich genommen. |
10 | Die zweite Art dagegen hat durch die Erziehung empfangen, an den Schöpfer zu glauben und Tora und Mizwot zu halten, weil der Schöpfer uns geboten hat, sie zu erfüllen. Bei ihm liegen Lohn und Strafe nicht offen zutage; er muss vielmehr an Lohn und Strafe glauben und daran, dass der Schöpfer den Lohn auszahlt. So sagten unsere Weisen (Awot [Sprüche der Väter] 2:21): „Treu ist dein Auftraggeber, dass Er dir den Lohn deiner Arbeit zahlt. Und wisse: Der Lohn der Gerechten ist für die kommende Welt bestimmt.“ | מה שאין כן סוג הב', הוא קבל מהחינוך להיות מאמין בה' ולשמור תו"מ, מטעם שה' צוה לנו לקיים תו"מ. והשכר והעונש אינו בידיעה, אלא הוא צריך להאמין בשכר ועונש, שה' הוא המשלם שכר, כמו שאמרו חז"ל (אבות, פרק שני, כ"א) וזה לשונו "ונאמן הוא בעל מלאכתך, שישלם לך שכר פעלתך, ודע שמתן שכרן של צדיקים לעתיד לבא". עד כאן לשונו. | Die zweite Art [von Menschen] wurde jedoch dazu erzogen, an den Schöpfer zu glauben und Tora und Mizwot zu befolgen, weil der Schöpfer uns das Einhalten von Tora und Mizwot befohlen hat. Die Belohnung und Bestrafung liegt nicht im Verstand. Er muss vielmehr an Belohnung und Strafe glauben und daran, dass der Schöpfer derjenige ist, der die Belohnung zahlt, so wie unsere Weisen sagten ( Awot , Sprüche der Väter, Kapitel 2, 21): „Du kannst deinem Hausherrn vertrauen, dass er dich für deine Arbeit bezahlt, und du weißt, dass der Lohn der Gerechten in der Zukunft liegt.“ |
11 | Er muss also an Lohn und Strafe glauben. Nicht so die erste Art, wie erwähnt: Jener muss nicht an Lohn und Strafe glauben, denn bei ihm liegen Lohn und Strafe offen zutage. Hört er nämlich nicht auf den Arbeitgeber und hält Tora und Mizwot nicht, so erhält er gewiss die Strafe: Der Arbeitgeber entlässt ihn, und er hat keinen Lebensunterhalt. | הרי שהוא צריך להאמין בשכר ועונש. מה שאין כן כנ"ל בסוג הא', הוא לא צריך להאמין בשכר ועונש, אלא השכר ועונש הם מגולים. זאת אומרת, שבאם שהוא לא ישמע לבעל הבית, לשמור תו"מ, הוא בטח יקבל עונש. היינו, שהוא יפטר אותו מהעבודה ולא תהיה לו פרנסה. | Er muss also an Belohnung und Bestrafung glauben. Bei der ersten Art ist das nicht der Fall. Sie müssen nicht an Belohnung und Bestrafung glauben. Vielmehr werden die Belohnung und die Strafe offenbart. Wenn er also dem Arbeitgeber nicht gehorcht und Tora und Mizwot nicht befolgt, wird er mit Sicherheit bestraft, das heißt, er wird entlassen und wird kein Einkommen haben. |
12 | Ebenso bei den erwähnten Worten des Maimonides, dass man ihn schmähen muss und dergleichen. Auch dort muss er nicht an Lohn und Strafe glauben, denn er spürt das Leid unmittelbar, weil man ihn bedrängt, das Halten von Tora und Mizwot auf sich zu nehmen. Das ist etwas anderes: Er erfüllt tatsächlich das Gebot des Arbeitgebers und nicht das Gebot des Schöpfers. Darum zählt es nur zur ersten Art im Dienst des Schöpfers. | וכמו כן לדברי הרמב"ם הנ"ל, שצריכים לבזות אותו וכדומה. גם כאן אין הוא צריך להאמין בשכר ועונש, היות שמרגיש יסורים, בזה שרודפים, שיקבל על עצמו, שישמור תו"מ. זהו דבר אחר, משום שהוא מקיים למעשה את הצווי של בעל הבית ולא משום צווי ה'. לכן נבחן רק לסוג א' בעבודת ה'. | Auch nach den oben erwähnten Worten von Maimonides, dass er entwürdigt werden muss usw., braucht er auch hier an Belohnung und Bestrafung zu glauben, weil er das Leid spürt, das ihn dazu treibt, das Einhalten von Tora und Mizwot auf sich zu nehmen. Das ist etwas anderes, weil er tatsächlich das Gebot des Arbeitgebers befolgt und nicht wegen des Gebots des Schöpfers, deshalb wird es nur als die erste Art von Arbeit des Schöpfers angesehen. |
13 | Bei der zweiten Art dagegen erfüllt er die Mizwot des Schöpfers, verbindet damit aber noch etwas anderes: Er nimmt einen weiteren Beweggrund hinzu, der ihm Brennstoff zum Halten von Tora und Mizwot gibt – wie gesagt Ehre oder Geld oder anderes. Es gibt also noch weitere Gründe, um derentwillen er Tora und Mizwot hält. Davon sprechen die Worte unserer Weisen (Traktat Sukka 45b): „Jeder, der den Namen des Himmels mit etwas anderem verbindet, wird aus der Welt entwurzelt, denn es heißt: ‚außer dem Schöpfer allein‘.“ | מה שאין כן בסוג הב' הוא מקיים מצות ה', אלא שמשתף גם דבר אחר, היינו מקבל עוד סיבה, שיהיה לו חמרי דלק לקיים תו"מ. היינו כנ"ל, כבוד או כסף, או שאר דברים. היינו, שיש לו עוד סיבות שבשבילם הוא מקיים תו"מ. וזה נקרא בדברי חז"ל (סוכה, מ"ה ע"ב) "כל המשתף שם שמים ודבר אחר, נעקר מן העולם. שנאמר בלתי ה' לבדו". | Bei der zweiten Art befolgt er die Gebote des Schöpfers, fügt aber etwas anderes hinzu, d.h. er fügt einen weiteren Grund hinzu, um Treibstoff für das Einhalten von Tora und Mizwot zu haben, wie z.B. die Ehre oder Geld oder andere Dinge. Er hat also weitere Gründe, aus denen er Tora und Mizwot befolgt. In den Worten unserer Weisen ( Sukka 45b) heißt das: „Wer die Arbeit für den Schöpfer mit einer anderen Sache verbindet, wird von der Welt entwurzelt, wie es heißt: ‚Für den Ewigen allein.'“ |
14 | Man kann erklären, was es bedeutet, dem Schöpfer noch etwas anderes beizugesellen. Nach unserem Weg lässt sich sagen: Nimmt er einen weiteren Grund hinzu, der ihn zum Halten von Tora und Mizwot verpflichtet, so heißt das „aus der Welt entwurzelt“. Denn der Grund und Anlass, Tora und Mizwot zu halten, muss „außer dem Schöpfer allein“ sein – das heißt, er hält sie um des Gebotes des Schöpfers willen und nicht in Verbindung mit einem weiteren Grund. | ויש לפרש, מהו הפירוש שמשתף עם ה' עוד דבר אחר. לפי דרכינו יש לפרש, אם הוא מקבל עוד סיבה, שיחייבו לקיים תו"מ, זה נקרא "שנעקר מן העולם", מטעם שהסיבה והגורם לקיום תו"מ צריך להיות "בלתי ה' לבדו", היינו שמטעם מצות ה' מקיים תו"מ ולא בשיתוף עוד סיבה. | Wir sollten auslegen, was es bedeutet, den Schöpfer mit etwas anderem zu verbinden. Wenn er einen anderen Grund aufnimmt, der ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot zwingt, sollten wir auslegen, dass es als Entwurzelung aus der Welt angesehen wird, denn der Grund, für das Einhalten von Tora und Mizwot sollte „für den Ewigen allein“ sein, das bedeutet, dass er Tora und Mizwot einhält, weil es das Gebot des Schöpfers ist – ohne, dass ein weiterer Grund hinzu kommt. |
15 | Daraus ergibt sich, dass der wesentliche Mangel an der Handlung darin besteht, dass er das liShma (das Tun um des Schöpfers willen) beeinträchtigt. Denn die Mizwot sollte er halten, weil er den Schöpfer bedient und Seine Mizwot erfüllt, weil er dem Schöpfer dient. Und erst dann, wenn er Ihm gedient hat, soll er kommen und bitten, dass der Schöpfer ihm den Lohn für seine Arbeit zahlt. Dann sagt man ihm: „Du hast doch auch für andere gearbeitet; es gab ja noch andere, die dich verpflichteten, für sie zu arbeiten. Geh zu ihnen, damit sie dir den Lohn für die Arbeit zahlen, die du für sie getan hast.“ | נמצא לפי זה, שעיקר החסרון בהמעשה, מטעם שהוא פוגם בהלשמה. כי קיום המצות צריך להיות משום שהוא עובד ומקיים מצות ה', ומשום שהוא עובד ומשרת את ה', ומשום זה הוא הולך אח"כ לבקש, שה' ישלם לו שכר תמורת עבודתו. אז אומרים לו "הרי עבדת בשביל אחרים גם כן, שהרי היה לך עוד מי שיחייבו לך לעבוד בשבילם. לך אליהם, שהם ישלמו לך עבור העבודה, שעבדת בשבילם". | Er verunstaltet deshalb den Aspekt liShma [um Ihretwillen], denn die Mizwot sollte er einhalten, weil er arbeitet und die Gebote des Schöpfers befolgt, und weil er arbeitet und dem Schöpfer dient. Deshalb bittet er später den Schöpfer, ihn für seine Arbeit zu belohnen. Dann wird ihm gesagt: „Aber du hast auch für andere gearbeitet, du hattest also andere, die dich verpflichtet haben, für sie zu arbeiten. Geh zu ihnen, damit sie dir die Belohnung für die Arbeit geben, die du für sie getan hast.“ |
16 | Das gleicht einem Gleichnis: Ein Fahrer, der bei der Gesellschaft „Dan“ gearbeitet hat, geht und verlangt seinen Lohn von der Gesellschaft „Eged“. Die aber wollen ihm keinen Arbeitslohn geben, weil er nicht für sie gearbeitet hat. So ist es auch hier: Verlangt der Mensch, dass der Schöpfer ihm den Lohn für seine Arbeit zahle, sagt man ihm: „Du hast doch für Menschen gearbeitet, die dir Ehre oder Geld geben. Geh zu ihnen, sie sollen dir den Lohn zahlen.“ Und tatsächlich zahlen sie ihm nach dem Wert seiner Arbeit – so sehr ehren sie ihn usw. | וזה דומה למשל, לנהג שעבד אצל חברת דן, והולך לבקש משכורת מחברת אגד. והם לא רוצים לתת לו שכר עבודה, היות שלא עבד בשבילם. כמו כן כאן, שהאדם תובע, שה' ישלם לו שכר תמורת עבודתו, אז אומרים לו, הלא עבדת עבור אנשים, שיתנו לך כבוד, או כסף, וכדומה. לך אצלם והם ישלמו לך שכר. ובאמת הם משלמים לו כפי ערך עבודתו, כך מכבדים אותו, וכו'. | Das ist vergleichbar mit einem Busfahrer, der für Dan [israelisches Busunternehmen] arbeitet und von EGED [einem anderen Busunternehmen] ein Gehalt verlangt. Sie wollen seinen Lohn nicht zahlen, da er nicht für sie gearbeitet hat. So auch hier – wenn ein Mensch vom Schöpfer verlangt, ihn für seine Arbeit zu belohnen, wird ihm gesagt: „Du hast für Menschen gearbeitet, also werden sie dir Ehre oder Geld geben. Geh zu ihnen und sie werden dich bezahlen.“ Und in der Tat, sie bezahlen ihn: in dem Maße, in dem er gearbeitet hat, in dem Maße wird er geachtet. |
17 | Indem er dem Schöpfer also auch etwas anderes beigesellt – nämlich dass auch die Geschöpfe ihn zur Arbeit verpflichten –, beeinträchtigt er damit das liShma. Darum zählt dies nur zur zweiten Art, und sein Dienst ist noch kein vollendeter, vollkommener und reiner Dienst. | נמצא, בזה שהוא משתף עם ה' גם דבר אחר, היינו שגם הבריות מחייבים לו לעבוד, נמצא, שהוא עושה בזה פגם בהלשמה. לכן נחשב זה רק לסוג ב', ועדיין עבודתו אינה עבודה תמה, שלימה ונקיה. | Es stellt sich heraus, dass er den Aspekt liShma [um Ihretwillen] verunstaltet, indem er [die Angelegenheit] des Schöpfers mit einer anderen Sache verbindet – was bedeutet, dass auch die Menschen ihn zur Arbeit verpflichten. Deshalb wird er nur als [ein Arbeiter] der zweiten Art angesehen, und seine Arbeit ist noch nicht vollkommen, perfekt und sauber. |
18 | Die dritte Art. Er arbeitet einzig um des Himmels willen und nicht für die Geschöpfe. Er arbeitet im Verborgenen, und niemand weiß, wie viel er betet und wie lange er lernt. Darum kann man nicht sagen, er arbeite irgendetwas für Menschen von außen, damit sie ihm etwas für seine Arbeit geben. Er arbeitet vielmehr „außer dem Schöpfer allein“. Das heißt: Alle Gründe, die ihn zum Halten von Tora und Mizwot verpflichten, laufen darauf hinaus, dass er den Willen des Schöpfers erfüllen will. | סוג ג'. שהוא עובד רק לשם שמים ולא עבור הבריות. שהוא עובד בהצנע לכת, ואין אף אחד יודע כמה שהוא מתפלל, וכמה זמן שהוא לומד. אי לזאת, לא יכולים לומר, שהוא עובד משהו עבור אנשים מבחוץ, שיתנו לו משהו עבור עבודתו. אלא הוא עובד בלתי ה' לבדו. היינו, שכל הסיבות, שמחייבים אותו להיות מקיים תו"מ, הוא, שהוא רוצה לקיים רצון ה'. | Die dritte Art: Er arbeitet einzig und alleine für den Schöpfer und nicht für die Menschen. Er arbeitet in Demut und niemand weiß, wie viel er betet und wie viel er lernt. Deshalb können wir nicht sagen, dass er für die Menschen arbeitet, damit sie ihm etwas für seine Arbeit geben. Er arbeitet vielmehr einzig und alleine für den Schöpfer, was bedeutet, dass der einzige Grund, der ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot zwingt, der ist, dass er den Willen des Schöpfers befolgen will. |
19 | Nur arbeitet er für einen Lohn. So sagte Maimonides, wie erwähnt: „… damit ihm kein Unglück widerfährt und um in dieser Welt Lohn zu empfangen“ – das heißt, damit der Schöpfer ihm Gesundheit, Lebensunterhalt, Freude an den Kindern und dergleichen gibt, oder damit Er ihm die kommende Welt gibt. Das ist der Grund, der ihm den Brennstoff gibt, die heilige Arbeit verrichten zu können. Eben darum gilt dieser Dienst als Dienst liShma. Denn der Grund, der ihn zum Halten von Tora und Mizwot bewegt, ist der Schöpfer allein, wie erwähnt: Er arbeitet „außer dem Schöpfer allein“ und gesellt nichts anderes bei. | ורק מה הוא עובד לשם שכר. כמו שאמר הרמב"ם כנ"ל, "כדי שלא יגיע לו פורענויות, וכדי לקבל שכר בעולם הזה". היינו, שהקב"ה יתן לו בריאות, ופרנסה, ונחת מהילדים, וכדומה. או כדי שיתן לו עולם הבא. זוהי הסיבה שנותן לו חמרי דלק, שיוכל לעבוד עבודת הקודש. ומשום זה נבחנת עבודה זו עבודה לשמה. היות שהסיבה, הגורמת לו לקיים תו"מ, הוא ה' לבדו, כנ"ל, שהוא עובד בלתי ה' לבדו, ואינו משתף דבר אחר. | Dennoch arbeitet er für eine Belohnung. Es ist so, wie Maimonides sagte: „Damit ihm kein Unglück widerfährt und um Belohnung in dieser Welt zu empfangen“, d.h. damit der Schöpfer ihm Gesundheit, Lebensunterhalt und Zufriedenheit durch die Kinder usw. gibt, oder damit Er ihm die kommende Welt gibt. Das ist der Grund, der ihn antreibt, damit er die heilige Arbeit tun kann. Aus diesem Grund wird diese Arbeit als liShma [um Ihretwillen] angesehen, denn der Grund, der ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot veranlasst, ist allein der Schöpfer, d.h. er arbeitet einzig und alleine für den Schöpfer und fügt keine anderen Dinge hinzu. |
20 | Das heißt, er hat keinen weiteren Grund, der ihn zum Halten von Tora und Mizwot bewegt. Und das zählt bereits zur dritten Art, denn er hat keinerlei Verlangen, für irgendjemanden zu arbeiten, sondern allein für den Schöpfer. Doch der Grund, der ihn zum Erfüllen der Mizwot des Schöpfers verpflichtet, ist Ehrfurcht – die Furcht vor der Strafe – oder Liebe, nämlich die Liebe zum Lohn. | היינו, שאין לו עוד סיבה אחרת, שיגרום לו לקיים תו"מ. וזה כבר נבחן לסוג ג', היות שאין לו שום רצון לעבוד בשביל מישהו, רק לשם ה'. אבל הסיבה, שמחייבת אותו לקיים מצות ה', היא מחמת יראה, מפחד העונש, או מאהבה, היינו מאהבת שכר. | Er hat also keinen anderen Grund, der ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot veranlasst. Er wird als die dritte Art angesehen, weil er kein Verlangen hat, für jemanden zu arbeiten, sondern einzig und alleine für den Schöpfer. Aber der Grund, der ihn zum Einhalten der Gebote des Schöpfers verpflichtet, ist die Furcht vor der Strafe oder die Liebe zur Belohnung. |
21 | So steht es im Sulam (dem Leiter-Kommentar zum Sohar; Einführung in das Buch Sohar, Punkt 191) geschrieben: „Es gibt einen Menschen, der den Schöpfer fürchtet, damit seine Söhne leben und nicht sterben, oder weil er Strafe an seinem Leib oder Strafe an seinem Geld fürchtet; darum fürchtet er Ihn beständig. Es zeigt sich, dass er die Furcht vor dem Schöpfer nicht zur Wurzel macht, denn der eigene Nutzen ist die Wurzel, und die Furcht ist nur deren Folge. Und es gibt einen Menschen, der den Schöpfer fürchtet, weil er die Strafe jener Welt und die Strafe der Hölle fürchtet. Diese beiden Arten der Furcht – die Furcht vor der Strafe dieser Welt und die Furcht vor der Strafe der kommenden Welt – sind nicht das Wesen der Ehrfurcht und nicht ihre Wurzel.“ | וזה כמו שכתוב בהסולם (הקדמת ספר הזהר, אות קצ"א) וזה לשונו "יש אדם, שירא מהקב"ה בשביל שיחיו בניו ולא ימותו, או ירא מעונש גופו, או מעונש כספו. ועל כן הוא ירא אותו תמיד. נמצא, שהיראה, שהוא ירא מהקב"ה, לא שם אותה לשורש, כי תועלת עצמו היא השורש, והיראה היא תולדה ממנה. ויש אדם, הירא מהקב"ה משום שהוא ירא מעונש העולם ההוא, ומעונש של הגיהנום. שתי מיני יראות האלו, דהיינו היראה מעונש עולם הזה, והיראה מעונש עולם הבא, אינן עיקר היראה ושורשה". עד כאן לשונו. | So steht es im Sulam [Kommentar zum Sohar] geschrieben („ Einführung in das Buch Sohar“ , Punkt 190): „Es gibt einen Menschen, der den Schöpfer fürchtet, damit seine Söhne leben und nicht sterben, oder der eine körperliche Strafe oder eine Strafe für sein Geld fürchtet, deshalb fürchtet er Ihn immer. Daraus folgt, dass die Furcht, die er vor dem Schöpfer hat, nicht die Wurzel ist, denn sein eigener Nutzen ist die Wurzel, und die Furcht ist ihre Folge. Und es gibt einen Menschen, der den Schöpfer fürchtet, weil er die Strafe dieser Welt und die Strafe der Hölle fürchtet. Diese beiden Arten von Furcht – die Furcht vor der Strafe in dieser Welt und die Furcht vor der Strafe in der kommenden Welt – sind nicht das Wesen der Ehrfurcht und ihre Wurzel.“ |
22 | Eben weil diese nicht das Wesen der Ehrfurcht vor dem Himmel sind, ordnen wir dies der dritten Art zu. Dieser Dienst heißt also „liShma“, denn er hat beim Schöpfer gearbeitet und nicht zugleich für andere, wie erwähnt. Das heißt, er hat sich keinen weiteren auserkoren, für den er arbeitet, also nicht zugleich für andere, damit andere ihm Ehre erweisen und dergleichen. Vielmehr tritt er vor den Schöpfer mit dem Anspruch: „Da ich allein für Dich gearbeitet habe und niemand weiß, was ich beim Halten von Tora und Mizwot geleistet habe – weil ich im Verborgenen gearbeitet habe –, musst Du mir von Rechts wegen den Lohn für meine Arbeit zahlen.“ | ומשום זה, היות שאינן עיקר יראת שמים, אנו מבחינים זה לסוג ג'. נמצא, עבודה זו נקרא "לשמה", היות שעבד אצל הקב"ה ולא עבור אחרים גם כן, כנ"ל. היינו, שלא לקח עוד לשם מי לעבוד, היינו גם בשביל אחרים, שאחרים יתנו לו כבוד וכדומה. אלא שהוא בא בטענה להקב"ה "היות שעבדתי רק אצלך, ואין אף אחד יודע ממה שאני עבדתי בקיום תו"מ, בגלל שעבדתי בהצנע לכת, אם כן מצד הדין אתה צריך לשלם לי שכר תמורת עבודתי. | Aus diesem Grund – weil sie nicht in erster Linie der Ehrfurcht vor dem Himmel dienen – erkennen wir diese als dritte Art. Daraus folgt, dass diese Arbeit liShma [um Ihretwillen] genannt wird, da er für den Schöpfer und nicht für andere arbeitet. Das heißt, er hat sich nichts anderes genommen, für das er arbeitet, also auch nicht andere, damit andere ihn respektieren. Vielmehr kommt er zum Schöpfer mit der Beschwerde: „Da ich einzig und alleine für Dich gearbeitet habe und niemand weiß, was ich beim Einhalten von Tora und Mizwot getan habe, weil ich bescheiden gearbeitet habe, ist es nur recht, dass Du mich für meine Arbeit entlohnst.“ |
23 | Auf diese Weise lässt sich erklären, was unsere Weisen sagten: „Wer eine Münze als Almosen (Zedaka) gibt, damit seine Söhne leben, ist ein vollkommener Gerechter.“ Der Grund ist der erwähnte: Er erfüllt ein Gebot des Schöpfers. Weil der Schöpfer uns geboten hat, Almosen zu geben, gibt er. Vonseiten des Gebens liegt hier also kein Mangel vor, denn er erfüllt ein Gebot liShma, das heißt um des Himmels willen, und es gibt keinen anderen, der ihn zum Geben des Almosens verpflichtet. | ועל דרך זה יש לפרש מה שאמרו חז"ל "הנותן סלע לצדקה עמ"נ שיחיו בניו, הרי זה צדיק גמור". והטעם הוא כנ"ל, היות שמקיים מצות ה'. היות שהקב"ה צוה לנו לתת צדקה, לכן הוא נותן. נמצא, שמצד הנתינה אין כאן שום חסרון. כי הוא מקיים מצוה לשמה, היינו לשם שמים, ולא שיש מי שהוא אחר, שמחייב אותו לתת הצדקה. | So sollten wir auslegen, was unsere Weisen sagten: „Wer eine Silbermünze [wörtlich Sela : Währung aus Talmudischer Zeit] für die Wohltätigkeit gibt, damit seine Söhne leben, ist ein vollkommener Gerechter.“ Er befolgt nämlich die Gebote des Schöpfers. Weil der Schöpfer uns befohlen hat, Almosen zu geben, geben wir. Es stellt sich heraus, dass es in Bezug auf das Geben keine Mängel gibt, denn er befolgt das Gebot liShma , d.h. um des Himmels willen, und es gibt niemanden, der ihn zum Geben von Almosen verpflichtet. |
24 | Er erbittet nur einen Lohn vom Schöpfer als Gegenleistung für das Gebot, das er erfüllt – als Lohn für die Mühe, die er allein für den Schöpfer und nicht für irgendjemanden anderen auf sich genommen hat. Anders als bei der zweiten Art, wo er noch einen anderen mit einbezog – Menschen von außen, die ihn ebenfalls antrieben, Tora und Mizwot genau zu halten. | אלא שהוא מבקש שכר מהקב"ה, שישלם תמורת המצוה שלו, שהוא מקיים. וישלם לו את התמורה עבור היגיעה, שנתן רק בשביל הקב"ה, ולא בשביל מישהו אחר. היינו, לא כדוגמת סוג הב', שהיה משתתף גם אחר, היינו אנשים מבחוץ, שגם הם גרמו לו לקיים ולדקדק את שמירת תורה ומצות. | Vielmehr bittet er den Schöpfer um eine Belohnung für das Gebot, das er befolgt, und wird für die Arbeit bezahlt, die er einzig und alleine für den Schöpfer und für keinen anderen geleistet hat. Das heißt, es ist nicht wie bei der zweiten Art, bei der er einen anderen Grund, d.h. Menschen von außen, die ihn ebenfalls zum Einhalten von Tora und Mizwot befolgt haben, hinzugezogen hat. |
25 | Das ist es, was sie sagten (Traktat Pessachim 8a): „Es wurde gelehrt: Wer sagt: ‚Diese Münze sei als Almosen gegeben, damit meine Söhne leben‘ oder ‚damit ich ein Sohn der kommenden Welt sei‘, der ist ein vollkommener Gerechter.“ Und Rashi erklärt: „‚Der ist ein vollkommener Gerechter‘ in dieser Sache. Und wir sagen nicht, dass er lo liShma (nicht um Ihretwillen) handelt. Vielmehr hat er ein Gebot seines Schöpfers erfüllt, der zu geben befohlen hat, und beabsichtigt dabei auch den eigenen Genuss – dass er dadurch die kommende Welt erlange oder dass seine Söhne leben.“ | וזהו כנ"ל, שאמרו (פסחים ח, ע"א) וזה לשונם "והתניא, האומר, סלע זו לצדקה, בשביל שיחיה בניו, או שאהיה בן עולם הבא, הרי זה צד צדיק גמור". ופירש רש"י "הרי זה צדיק גמור" בדבר זה. ולא אמרינן שלא לשמה הוא עושה. אלא קיים מצות בוראו, שצוה לעשות צדקה. ומתכוון אף להנאת עצמו, שיזכה בה לעולם הבא, או שיחיו בניו". עד כאן לשונו. | Es ist so, wie sie sagten ( Pessachim , 8a): „Und der Tania – derjenige, der sagt: ‚Diese Silbermünze ist für die Nächstenliebe, damit seine Söhne leben oder ich in die kommende Welt komme‘ – der ist ein vollkommener Gerechter.“ RASHI legt „Er ist ein vollkommener Gerechter“ dahingehend aus: Sie sagten nicht, dass er lo liShma [nicht um Ihretwillen] arbeitet, sondern dass er das Gebot seines Schöpfers eingehalten hat, der befohlen hat, Almosen zu geben, selbst wenn er einen eigenen Genuss beabsichtigt, mit dem Jenseits belohnt zu werden oder dass seine Söhne leben werden. |
26 | Daraus geht hervor: Obwohl er einen Lohn für das Erfüllen des Gebotes erbittet – nämlich damit seine Söhne leben, oder weil er für dieses Gebot den Lohn der kommenden Welt will –, ist er dennoch ein Gerechter. Auch wer die kommende Welt will, gilt als einer, der Lohn will, ebenso wie der, der will, dass seine Söhne leben. So sagt der heilige Sohar, wie erwähnt: „Ob jemand für die Mizwot einen Lohn in dieser Welt oder in der kommenden Welt will – beides gilt nicht als das Wesen der Ehrfurcht“, weil der eigene Nutzen der Anlass zum Erfüllen der Mizwot ist und nicht der Schöpfer. Dennoch sagten unsere Weisen hier: „Der ist ein vollkommener Gerechter.“ Und Rashi erklärt es so: Weil er ein Gebot seines Schöpfers erfüllt, der ihm zu geben befohlen hat, und dabei auch den eigenen Genuss beabsichtigt, heißt er „vollkommener Gerechter“. | משמע מכאן, אף על פי שהוא מבקש שכר עבור קיום המצוה, דהיינו עמ"נ שיחיו בניו, או שרוצה שכר עולם הבא עבור מצוה זו, הרי זה צדיק. וזה שרוצה עולם הבא, גם כן נקרא שרוצה שכר. דוגמת עמ"נ שיחיו בניו. כדברי הזה"ק הנ"ל "בין שרוצה עבור המצות שכר בעולם הזה או בעולם הבא, לא נקרא עיקרא דיראה", מטעם שתועלת עצמו הוא הגורם לקיום המצות, ולא הבורא. מכל מקום אמרו חז"ל כאן "הרי זה צדיק גמור". וזה כמו שמפרש רש"י "משום שהוא מקיים מצות בוראו, שצווהו לעשות צדקה, ומתכוון אף להנאת עצמו, לכן נקרא "צדיק גמור". | Das bedeutet, dass er ein Gerechter ist, auch wenn er um Belohnung für das Einhalten des Gebots bittet, d.h. damit seine Söhne leben werden, oder weil er die Belohnung der kommenden Welt für diese Mizwa will. Auch die Tatsache, dass er die kommende Welt will, wird als Wunsch nach Belohnung angesehen, z. B. damit seine Söhne leben werden. Es ist wie mit den obigen Worten des Sohar beschrieben: „Ob er für die Mizwot eine Belohnung in dieser oder in der kommenden Welt will, wird nicht als die wesentliche Ehrfurcht angesehen“, da sein eigener Nutzen der Grund für das Einhalten von Mizwot ist und nicht der Schöpfer. Dennoch sagten unsere Weisen hier: „Er ist ein vollkommener Gerechter.“ RASHI legt das so aus: „Er befolgt die Gebote seines Schöpfers, der ihm befohlen hat, Almosen zu geben, und will auch seinen eigenen Genuss, deshalb wird er ‚vollkommener Gerechter‘ genannt.“ |
27 | Das ist, wie wir erklärt haben: Weil er aus dem Grund arbeitet, dass der Schöpfer ihm das Halten von Tora und Mizwot geboten hat, und weil es keinen weiteren gibt, der ihn dazu verpflichtet, heißt das „liShma“, wie Rashi oben erklärte. Es gleicht dem obigen Gleichnis: Wer bei Reuven arbeitet und dann bei Shimon den Lohn verlangt – das heißt gewiss „lo liShma“, denn er hat ja zugleich auch für andere gearbeitet, und das heißt „lo liShma“ und zählt zur zweiten Art. | וזהו כמו שהסברנו, היות שהוא עובד מטעם, שהקב"ה צוה אותו לקיים תו"מ, ואין לו עוד מי שיחייבו לקיים תו"מ, זה נקרא "לשמה", כמו שפירש רש"י לעיל. וזהו כדוגמת המשל דלעיל, היינו שעובד אצל ראובן, והולך לבקש שכר משמעון, שזה ודאי נקרא "שלא לשמה", הלא הוא היה עובד גם כן אצל אחרים באותו זמן, שזה נקרא "שלא לשמה", וזה נקרא סוג ב'. | Das heißt, wie wir erklärt haben, dass er, da er arbeitet, weil der Schöpfer ihm das Einhalten von Tora und Mizwot geboten hat, und er niemanden hat, der ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot verpflichtet, dies liShma [um Ihretwillen] genannt wird, wie RASHI oben interpretiert hat. Es ist wie das oben erwähnte Gleichnis, das bedeutet, dass er für Reuven arbeitet, aber von Shimon ein Gehalt verlangt. Das wird mit Sicherheit Lo liShma genannt, denn er hat gleichzeitig für andere gearbeitet, was Lo liShma [nicht um Ihretwillen] genannt wird, genau wie „die zweite Art.“ |
28 | (Ich habe gehört, dass manche die Worte der Weisen erklären wollen, die sagten: „Wer sagt: ‚Diese Münze sei als Almosen gegeben, damit mein Sohn lebe‘, ist ein vollkommener Gerechter.“ Denn er knüpft ja Bedingungen an das Erfüllen des Gebotes. Darum wollen sie sagen, im Text stand als Abkürzung „ZG“; und als man dies später in ausgeschriebenen Worten wiedergab, machte man aus „ZG“ „Zaddik Gamur“ (vollkommener Gerechter). Doch sie irren in der Deutung der Abkürzung, denn „ZG“ bedeutet „Zedaka Gedola“ (großes Almosen) und nicht „Zaddik Gamur“. Doch das ist offenbar nicht wahr, denn sie können den zweiten Ausspruch nicht erklären, in dem es heißt: ‚oder damit ich ein Sohn der kommenden Welt sei‘. Auch „die kommende Welt“ gilt nämlich als Absicht auf eigenen Genuss, ebenso wie „damit seine Söhne leben“, gemäß den erwähnten Worten des heiligen Sohar.) | (שמעתי, שיש שרוצים לתרץ את החז"ל, שאמרו "האומר, סלע זו לצדקה עמ"נ שיחיה בני, הרי זה צדיק גמור". הלא הוא נותן תנאים בעשיית המצוה. לכן הם רוצים לומר, שהיה כתוב בראשי תיבות, הרי זה "צ"ג". ואח"כ שכתבו זה במילים מפורשות, עשו מצ"ג צדיק גמור. אבל הם טעו בפירוש הראשי תבות, כי צ"ג פירושו צדקה גדולה, ולא צדיק גמור. אבל כנראה שזה לא אמת. משום שלא יכולים לתרץ את המאמר השני, שאומר שם "או שאהיה בן עולם הבא". הלא גם "עולם הבא" נקרא מתכוון להנאת עצמו, כמו "שיחיו בניו", כדברי הזה"ק הנ"ל). | (Ich habe gehört, dass es diejenigen gibt, die versuchen, unsere Weisen zu interpretieren, die sagten: „Wer sagt: ‚Diese Silbermünze ist für Almosen, damit meine Söhne leben‘, ist ein vollkommener Gerechter.“ Aber er hält die Gebote ein, also versuchen sie zu sagen, dass in Initialen geschrieben steht, „er ist ein Zadi-Gimel [ZG]. “ Später, als sie die Worte ausschrieben, machten sie aus dem Zadi-Gimel einen Zadik Gamur [vollkommen Gerechten]. Allerdings haben sie sich bei der Interpretation der Initialen geirrt, denn Zadi-Gimel bedeutet Zedaka Gedola [Große Gerechtigkeit/Wohltätigkeit] und nicht Zadik Gamur . Das ist deshalb wahrscheinlich nicht der Fall, da sie den anderen Vers nicht erklären können, in dem es heißt: „Oder dass ich die kommende Welt haben werde“, denn mit „kommende Welt“ will er auch sich selbst nutzen, genauso wie mit „damit meine Söhne leben“, wie die obigen Worte des Sohar sagen). |
29 | Die dritte Art heißt also: Er arbeitet um des Gebotes des Schöpfers willen – dessen, was der Schöpfer uns durch Moses, Friede sei mit ihm, zu halten geboten hat –, und wir erbitten den Lohn von Ihm, weil wir allein für Ihn gearbeitet haben, wie erwähnt, um des Gebotes des Schöpfers willen und nicht aus anderen Beweggründen. Darum heißt das „liShma“. Doch das ist nur die dritte Art. | אולם סוג ג' נקרא, שעובד לשם צווי של הבורא, מה שהבורא צוה לנו ע"י משה רבנו ע"ה לקיים תו"מ, ואנו מבקשים שכר ממנו, היות שעבדו רק בשבילו, כנ"ל, משום צווי ה' ולא משום גורמים אחרים, לכן נקרא זה, לשמה. אבל זה רק סוג ג'. | Die dritte Art bedeutet jedoch, dass er für den Schöpfer arbeitet, denn der Schöpfer hat uns durch Moses befohlen, Tora und Mizwot einzuhalten, und wir bitten um Belohnung von Ihm, da wir nur für Ihn gearbeitet haben, aufgrund des Gebots des Schöpfers, und nicht aus anderen Gründen. Deshalb wird es liShma [um Ihretwillen] genannt. Dies ist jedoch nur die dritte Art. |
30 | Die vierte Art. Er hält Tora und Mizwot, ohne einen Lohn zu erwarten. So sagten unsere Weisen (Awot 1:3): „Antigonos, der Mann aus Socho, empfing von Shimon dem Gerechten. Er pflegte zu sagen: ‚Seid nicht wie Knechte, die dem Meister dienen, um Lohn zu empfangen, sondern seid wie Knechte, die dem Meister dienen, ohne einen Lohn zu erwarten. Und die Ehrfurcht vor dem Himmel sei über euch.‘“ | סוג ד'. מקיים תו"מ שלא על מנת לקבל פרס. כמו שאמרו חז"ל (אבות, פרק א', ג') וזה לשונם "אנטיגנוס איש סוכו קבל משמעון הצדיק. הוא היה אומר, אל תהי כעבדים, המשמשין את הרב על מנת לקבל פרס. אלא הוו כעבדים, המשמשין את הרב שלא על מנת לקבל פרס. ויהי מורא שמים עליכם". עד כאן לשונו. | Die vierte Art befolgt Tora und Mizwot nicht, um Belohnung zu empfangen, wie unsere Weisen sagten ( Awot , Sprüche der Väter, Kapitel 1, 3): „Antigonos, der Mann aus Socho, empfing von Shimon dem Gerechten. Er sagte: ‚Seid nicht wie Sklaven, die dem Meister dienen, um eine Belohnung zu erhalten. Seid vielmehr wie Sklaven, die den Meister dienen, ohne eine Belohnung zu erwarten. Und die Ehrfurcht des Himmels sei über euch.’” |
31 | Daraus geht hervor, dass gerade das Dienen ohne Lohnerwartung „um des Himmels willen“ heißt, wie er abschließend sagt: „Und die Ehrfurcht vor dem Himmel sei über euch.“ Wahre Ehrfurcht vor dem Himmel liegt also gerade im liShma, ohne jede Gegenleistung. Das heißt, er beabsichtigt keinen eigenen Genuss; seine ganze Absicht ist es, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Das heißt „reines liShma“, ohne jede Beimischung von Eigennutz. Das ist die vierte Art. | משמע, שדוקא שלא עמ"נ לקבל פרס, זהו נקרא "לשם שמים", כמו שמסיים ואומר "ויהי מורא שמים עליכם". משמע מכאן, שיראת שמים אמיתית הוא דוקא בלשמה בלי שום תמורה. היינו, שלא מתכוון להנאת עצמית, אלא כל כוונתו, שיהיה נחת רוח להבורא. וזה נקרא "לשמה נקיה", בלי שום התערבות של הנאת עצמו. וזה נקרא סוג ד'. | Das bedeutet, dass Belohnung zu empfangen gerade nicht als „für den Schöpfer“ gilt, wie er abschließend sagt, „und die Ehrfurcht des Himmels sei über euch“. Das bedeutet, dass die wahre Ehrfurcht vor dem Himmel speziell in liShma [um Ihretwillen] ohne Belohnung liegt. Er hat also nicht die Absicht, sich selbst Genuss zu bereiten, sondern seine einzige Absicht ist, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bringen. Dies wird als „reines liShma “ bezeichnet, ohne jegliche Vermischung mit Eigennutzen. Das wird die „vierte Art“ genannt. |
32 | Doch bekannt ist die Frage: Ist der Schöpfer denn mangelhaft, dass Er es nötig hätte, dass die Geschöpfe nur für Ihn arbeiten und gar nichts für sich selbst, sondern alles ganz für den Schöpfer ist, ohne jede Beimischung von Eigennutz? Und wenn sie auch selbst Freude haben, sich an ihrer Arbeit erfreuen wollen – ist dieser Dienst dann untauglich und wird er oben nicht als ein Gebot angenommen, das würdig wäre, vor dem König zu bestehen? Was kümmert es denn den Schöpfer, wenn der Mensch auch ein wenig Freude an der Arbeit hat? | אבל ידוע השאלה, וכי הקב"ה בעל חסרון, שהוא צריך שהנבראים יעבדו רק בשבילו ולא עבור עצמם כלום, רק שיהא כולו לה', בלי שום תערובת של הנאת עצמו. ואם הם רוצים גם כן להנאות, להנות מעבודתם, הרי עבודה זו פסולה ולא נתקבלה למעלה בתור מצוה, הראויה להתקבל לפני המלך. וכי מה איכפת ליה להקב"ה, שגם האדם נהנה קצת מעבודה. | Wir kennen jedoch die Frage: „Ist der Schöpfer so mangelhaft, dass Er es braucht, dass die Geschöpfe nur für Ihn und überhaupt nicht für sich selbst arbeiten, nur damit es ganz für den Schöpfer ohne ein Fünkchen Eigennutzen ist? Und wenn sie sich auch an ihrer Arbeit erfreuen wollen, ist diese Arbeit dann disqualifiziert und wird oben nicht als Gebot akzeptiert, das würdig ist, vom König empfangen zu werden? Warum sollte es dem Schöpfer kümmern, dass auch der Mensch sich an der Arbeit erfreut?“ |
33 | Doch die Antwort ist bekannt: Es muss Gleichheit der Form geben, damit es kein „Brot der Scham“ gibt. Die Regel ist nämlich: Der Zweig will seiner Wurzel gleichen. Und da der Schöpfer der Gebende ist, liegt etwas Unangenehmes darin, wenn der Mensch von irgendjemandem empfangen muss. So zeigt sich, dass die Einschränkung (Zimzum) und die Verhüllung, die über unserem Gefäß des Empfangens vollzogen wurden, damit wir nicht arbeiten, um eine Gegenleistung zu empfangen – zu unserem eigenen Besten sind. | אולם התירוץ ידוע, מטעם שצריך להיות השתוות הצורה, שלא יהא נהמא דכסופא. כי הכלל הוא, כי הענף רוצה להדמות לשרשו, וכמו שהבורא הוא המשפיע, ומשום זה בזמן שהאדם צריך לקבל ממי שהוא, נמצא בזה אי נעימות. נמצא, שהצמצום וההסתר, שנעשה על כלי קבלה שלנו, שלא לעבוד עמ"נ לקבל תמורה, זהו לטובתינו. | Die Antwort lautet: Weil eine “Gleichheit der Form” gebraucht wird, damit es kein Brot der Scham gibt. Die Regel lautet nämlich, dass der Zweig seiner Wurzel ähneln will, und da der Schöpfer der Gebende ist, empfindet es der Mensch als unangenehm, wenn er von jemandem empfangen muss. Daraus folgt, dass die Einschränkung und Verhüllung unserer Gefäße des Empfangens zu unseren Gunsten gemacht wurden, damit wir nicht arbeiten, um eine Belohnung zu empfangen. |
34 | Andernfalls gäbe es überhaupt keine Möglichkeit zur freien Wahl. Das heißt, der Mensch könnte Tora und Mizwot niemals in der Absicht zu geben erfüllen. Denn es stünde nicht in seiner Macht, den Genuss zu überwinden, den er in Tora und Mizwot schmecken würde, gäbe es nicht Einschränkung und Verhüllung. Denn bekanntlich gilt: Je größer der Genuss, desto schwerer fällt es, auf ihn zu verzichten. | אחרת לא היתה שום מציאות על בחירה. היינו, שאף פעם האדם לא היה יכול לעשות ולקיים תורה ומצות בעמ"נ להשפיע. כי לא היה באפשרותו של האדם להתגבר על התענוג, שהיה טועם בתורה ומצות, אם לא היה צמצום והסתר. כידוע, שכל שהתענוג גדול ביותר, קשה לוותר עליו. | Sonst wäre es nicht möglich, eine Wahl zu haben. Das heißt, der Mensch wäre niemals in der Lage, Tora und Mizwot um des Gebens willen einzuhalten, denn ohne die Einschränkung und Verhüllung könnte der Mensch den Genuss, den er in Tora und Mizwot geschmeckt hat, nicht überwinden, da es bekanntlich umso schwieriger ist, darauf zu verzichten, je größer der Genuss ist. |
35 | Eben darum wurden uns die materiellen Genüsse gegeben, in die nur ein sehr feines Licht gelegt ist, das der heilige Sohar „nehiru dakik“ (feines Licht) nennt. Dieses fiel beim Zerbrechen der Gefäße in die Klipot (Schalen). Und es kamen ihnen noch heilige Funken hinzu nach der Sünde am Baum der Erkenntnis, als Adam haRishon (der erste Mensch) sündigte. Diesen Genüssen jagen alle Geschöpfe nach und suchen sie zu erlangen. Alle Kriege, Morde und Diebstähle und so weiter, die es auf der Welt gibt, rühren daher, dass jeder danach strebt, Genuss zu empfangen. | אי משום זה, ניתן לנו תענוגים גשמיים, ששם ניתן רק אור דק מאוד, הנקרא בשם הזה"ק "נהירו דקיק", שזה נפל להקליפות בעת שבירת הכלים. ועוד נתוספו בהם נצוצין קדישין לאחר חטא דעץ הדעת, בזה שחטא אדם הראשון. שעל התענוגים האלו רודפים כל הנבראים, איך להשיגם. שכל המלחמות והרציחות והגנבות, וכו', שישנם בעולם, הוא מטעם, שכל אחד שואף לקבל תענוג. | Aus diesem Grund wurden uns körperliche Genüsse geschenkt, bei denen es nur ein sehr schwaches Licht gibt, das der Sohar „dünnes Licht“ ( Ner Dakik ) nennt, das beim Zerbrechen der Gefäße in die Klipot [Schalen/unreine Kräfte] fiel. Außerdem wurden ihnen nach der Sünde am Baum der Erkenntnis, als Adam haRishon sündigte, Funken der Heiligkeit hinzugefügt. Das sind die Genüsse, die alle Geschöpfe verfolgen. All die Kriege, Morde, Diebstähle und so weiter, die es auf der Welt gibt, sind darauf zurückzuführen, dass jeder danach strebt, Genuss zu empfangen. |
36 | Und es ist uns gegeben, diese Genüsse zu überwinden und alles um des Himmels willen zu empfangen. Der Mensch sieht, wie schwer es ist, aus der Eigenliebe herauszutreten und auf kleine Genüsse zu verzichten. Gäbe es darum nicht die Einschränkung und läge der wahre Genuss offen da, der in Tora und Mizwot enthalten ist, so gäbe es gewiss keine Möglichkeit, auf die Genüsse zu verzichten und zu sagen, man halte Tora und Mizwot, weil man dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten will. | וניתן לנו להתגבר על אלו התענוגים, ולקבל הכל לשם שמים. ואדם רואה, איך שהוא קשה לצאת מאהבה עצמית, ולוותר על תענוגים קטנים. ומשום זה, אם לא היה צמצום, והיה מגולה התענוג האמיתי, שישנו בתו"מ, בודאי שלא היתה שום אפשרות לוותר על התענוגים, ולומר, שהוא שומר תו"מ מטעם שהוא רוצה לעשות נחת רוח להבורא. | Wir sind dazu bestimmt, diese Genüsse zu überwinden und alles für den Schöpfer zu empfangen. Aber ein Mensch sieht, wie schwer es ist, die Eigenliebe zu verlassen und auf kleine Genüsse zu verzichten. Er könnte aus diesem Grund, wenn er nicht einen Zimzum [Einschränkung] hätte, auf die Genüsse verzichten und sagen, dass er Tora und Mizwot einhält, weil er dem Schöpfer Zufriedenheit bringen will. |
37 | Doch der Mensch kann dem nicht zustimmen, Tora und Mizwot ganz ohne Freude und Genuss zu erfüllen – unserer Natur wegen, denn wir wurden mit dem Gefäß geboren, das „Verlangen, Freude und Genuss zu empfangen“ heißt. Wie also wäre es möglich, ohne jede Gegenleistung zu arbeiten? | אבל האדם לא יכול להסכים לזה, היינו לקיים תו"מ בלי שום הנאה ותענוג, מטעם הטבע שלנו, שאנו נולדנו עם הכלי, הנקרא "רצון לקבל הנאה ותענוג", אם כן איך אפשר לעבוד בלי שום תמורה. | Der Mensch kann jedoch nicht darin zustimmen, Tora und Mizwot ohne Freude einzuhalten, weil wir von Natur aus mit einem Kli [Gefäß] geboren wurden, das „Verlangen, Freude und Genuss zu empfangen“ heißt. Wie können wir also ohne Gegenleistung arbeiten? |
38 | Doch ist uns ein einziger Bereich gegeben, in dem wir ohne jede Gegenleistung arbeiten können. Das heißt: Selbst wenn wir wegen der Einschränkung keinen Geschmack mehr an Tora und Mizwot finden, gibt es einen Rat – nämlich aus der Größe des Schöpfers heraus zu arbeiten: aus dem Bewusstsein, welch großes Vorrecht es ist, dem König zu dienen. | ואולם ניתן לנו מקום אחד, שעל זה אנו יכולים לעבוד בלי שום תמורה. היינו, אפילו שאין לנו עוד טעם בתורה ומצות, מסיבת הצמצום, אבל יש עצה אחת, שהוא, לעבוד בגדלות ה', איך שיש לנו זכיה גדולה לשמש את המלך. | Uns wurde jedoch ein Ort gegeben, an dem wir ohne Gegenleistung arbeiten können. Das heißt, selbst wenn wir aufgrund des Zimzum [Einschränkung] noch keinen Geschmack an Tora und Mizwot haben, gibt es einen Rat, nämlich an der Größe des Schöpfers zu arbeiten – wie privilegiert wir sind, dem König zu dienen. |
39 | Und dazu haben wir tatsächlich eine natürliche Anlage: Der Kleine ordnet sich dem Großen unter. Er hat Kraft und Brennstoff, für den Großen zu arbeiten, der in seiner Generation als bedeutend und in der Welt als angesehen gilt. Nach dem Maß von dessen Bedeutung hat er Freude daran, ihm zu dienen. Und diese Freude darf er sehr wohl empfangen. Denn Freude zu empfangen von dem, dem man gibt, heißt nicht „geben, um zu empfangen“. Denn „geben, um zu empfangen“ heißt eigens, dass er eine Gegenleistung will – dass man ihm für seinen Dienst, den er leistet, etwas gebe. Oder jemand arbeitet in einer Fabrik und weiß, dass der Besitzer Freude daran hat, dass jeder etwas produziert; und wer mehr produziert als üblich, daran hat der Besitzer umso mehr Freude. | ולדבר זה כן יש לנו בטבע, שהקטן מתבטל להגדול. ויש לו כח וחמרי דלק לעבוד בשביל הגדול, המקובל בהדור, שהוא חשוב ומקובל בהעולם. לפי שיעור חשיבותו, כן יש לו הנאה, בזה שהוא משמש אותו. והנאה זו כן מותר לקבל. כי קבלת הנאה מזה שהוא משפיע, אינו נקרא "משפיע על מנת לקבל". כי "משפיע עמ"נ לקבל" נקרא דוקא שהוא רוצה תמורה, שיתן לו עבור שירותו, שהוא משרת אותו. או שעובד בבית חרושת, ויודע שהבעל בית יש לו הנאה, מזה שכל אחד נותן תוצרת. וכל מי שנותן תוצרת יותר מהרגיל, הבעל בית נהנה ביותר. | Das haben wir von Natur aus – dass sich der Kleine vor dem Großen annulliert. Er hat die Kraft und die Motivation, für den Großen zu arbeiten, den die Generation als den wichtigsten und ehrwürdigsten der Welt betrachtet. In dem Maße, wie der Große wichtig ist, macht es dem Kleinen Freude, ihm zu dienen. Dieser Genuss ist erlaubt, weil das genussvolle Geben nicht als Geben um des Empfangens willen gilt, denn das Verlangen zu empfangen bedeutet, dass er eine Belohnung speziell für den Dienst, den er leistet, wünscht. |
40 | Darum müht er sich, mehr zu produzieren als ein anderer Arbeiter, damit der Besitzer Freude hat. Doch danach will er, dass der Besitzer ihm eine Gegenleistung gibt – dafür, dass er sich bemüht hat, ihm Freude zu bereiten. Das heißt: Einerseits gibt er, andererseits will er eine Gegenleistung. Das heißt „geben, um eine Gegenleistung zu empfangen“. | אי לזאת, הוא משתדל להוציא יותר תוצרת, מכפי שפועל אחר מוציא, כדי שיהיה לבעל הבית הנאה. אבל לאחר זה הוא רוצה, שבעל הבית יתן לו תמורה, עבור זה שהוא השתדל להנותו. זה נקרא, מצד אחד הוא משפיע, ומצד השני הוא רוצה תמורה. זה נקרא "משפיע בעמ"נ לקבל תמורה". | Wenn er dagegen in einer Fabrik arbeitet und weiß, dass der Besitzer sich darüber freut, dass alle produktiv sind, und dass jeder, der mehr als das Übliche produziert, dem Besitzer große Freude bereitet. Deshalb versucht er, mehr zu produzieren als andere Arbeiter, um dem Besitzer eine Freude zu machen. Danach möchte er jedoch, dass der Besitzer ihn dafür belohnt, dass er versucht hat, ihn zufriedenzustellen. Das wird so bezeichnet, dass er einerseits gibt, aber andererseits eine Gegenleistung will. Das nennt man „Geben, um eine Gegenleistung zu empfangen“. |
41 | Anders, wenn ein Mensch dem König dient und zum König sagt: „Ich will keine Gegenleistung für den Dienst, denn ich habe schon am Dienst selbst Freude, und mir fehlt keine Gegenleistung. Denn alles, was du mir für den Dienst gibst, den ich dir leiste – ich spüre, dass es meinen Dienst beeinträchtigen würde. Ich will allein den Dienst. Gib mir keine Gegenleistung. Und das ist meine Freude. Denn es ist mir eine große Ehre, dass ich gewürdigt wurde, dem König zu dienen.“ | מה שאין כן אם אדם משרת את המלך, ואומר להמלך "אני לא רוצה שום תמורה עבור השרות, כי אני נהנה מהשרות לבד, ולא חסר לי שום תמורה לקבל. כי כל מה שאתה תתן לי עבור השימוש שאני משמש אותך, אני מרגיש שזה יפגום בהשרות שלי. אלא אני רוצה רק השרות לבד. ואל תתן לי שום תמורה. וזו היא הנאה שלי. מטעם שזה לי לכבוד גדול, שזכיתי לשמש את המלך". | Anders ist es, wenn ein Mensch dem König dient und zu ihm sagt: „Ich will nichts als Gegenleistung für den Dienst, denn ich genieße den Dienst allein, und ich brauche keine Belohnung zu empfangen, denn ich habe das Gefühl, dass alles, was du mir für den Dienst, den ich für dich tue, gibst, meinen Dienst verderben würde. Alles, was ich will, ist der Dienst. Gib mir keine Belohnung, und das ist mein Genuss, denn es ist eine große Ehre für mich, mit dem Dienst am König belohnt zu werden.“ |
42 | Gewiss kann man von ihm nicht sagen, er gebe, um zu empfangen – er will ja keinerlei Gegenleistung dafür. Und warum will er sie nicht? Weil er große Freude daran hat, dem König zu dienen. So zeigt sich, dass dies „geben, um einem bedeutenden Menschen zu geben“ heißt. Und die Bedeutung des Königs bemisst der Mensch nach dem Maß der Freude, die er aus dem Dienst am König hat. Denn je bedeutender der König, desto größer seine Freude. Es ist eben nicht dasselbe, ob man dem Großen der Stadt dient, dem Großen des Landes oder dem Größten der Welt. | בודאי איננו יכול לומר, שהוא משפיע על מנת לקבל, הלא הוא לא רוצה עבור זה שום תמורה, ומדוע הוא לא רוצה, משום שיש לו הנאה גדולה בזה שהוא משמש את המלך. נמצא, שזה נקרא, משפיע בעל מנת להשפיע לאדם חשוב, והחשיבות של המלך נמדדת אצל האדם משיעור שהוא נהנה מהשרות המלך. כי כל שהמלך חשוב ביותר, אז הנאה שלו גדולה ביותר. כי אינו דומה מי שמשמש את גדול העיר, או גדול המדינה, או גדול העולם. | Natürlich kann er nicht sagen, dass er um des Empfangens willen gibt, denn er will ja nichts empfangen. Und warum will er das nicht? Weil es ihm großen Genuss bereitet, dem König zu dienen. Daraus folgt, dass dies als „Geben um des Gebens willen an einen wichtigen Menschen“ gilt, und ein Mensch misst die Wichtigkeit des Königs daran, wie viel Freude er daran hat, dem König zu dienen, denn je wichtiger der König ist, desto mehr Freude hat er, denn einer, der dem Größten in der Stadt dient, ist nicht wie einer, der dem Größten im Land oder dem Größten in der Welt dient. |
43 | Und das heißt „wahres Geben“: dass er Freude am Geben selbst hat. Denn der eigentliche Sinn des Gebens lag in der Gleichheit der Form. Das heißt: So wie der Schöpfer der Gebende ist, so wollen auch die Geschöpfe Gebende sein. Und gewiss müssen wir sagen, dass der Schöpfer Freude daran hat, dass Er gibt. | וזה נקרא "השפעה אמיתית". היינו שיש לו הנאה מהנתינה בעצמה. כי עיקר ענין של השפעה היתה מטעם השתוות הצורה. היינו, כמו שהבורא הוא המשפיע, כמו כן הנבראים רוצים להיות משפיעים. ובטח שאנו צריכים לומר, שיש להבורא הנאה, מזה שהוא משפיע. | Dies wird als wahres Geben angesehen. Er genießt also das Geben selbst, denn der Hauptpunkt des Gebens war die “Gleichheit der Form”. Das heißt, so wie der Schöpfer der Gebende ist, wollen die Geschöpfe auch Gebende sein, und wir sollten sagen, dass der Schöpfer sicherlich Freude an seinem Geben hat. |
44 | Daraus folgt: Wenn die Geschöpfe dem Schöpfer geben und Er keine Freude daran hätte, dann läge gewiss noch keine Gleichheit der Form vor. Denn der Schöpfer hat Freude, wenn Er den Unteren gibt. Das heißt: Aus der Handlung des Gebens fließt Freude. Muss man aber für die vollbrachte Handlung etwas empfangen, so hat man die Handlung beeinträchtigt und sagt damit, in der Handlung liege keine Vollkommenheit. Vielmehr muss man, damit Vollkommenheit da ist, etwas hinzufügen – nämlich ein wenig Gegenleistung für die Handlung empfangen; die Handlung an sich aber hat nicht so viel Wert. | נמצא לפי זה, אם הנבראים משפיעים להבורא ואין לו הנאה, בטח שעדיין אין כאן השתוות הצורה. כי להבורא יש הנאה, בזמן שהוא משפיע להתחתונים. זאת אומרת, מהמעשה של השפעה מושפע הנאה. ואם צריכים משהו לקבל עבור המעשה שהוא עשה, נמצא שהוא פגם בהמעשה, ואומר, שבהמעשה אין שלימות. אלא בכדי שיהא שלימות צריכים להוסיף משהו, היינו קצת תמורה לקבל עבור המעשה, והמעשה שלעצמו אינו לו כל כך חשיבות. | Wenn die Geschöpfe dem Schöpfer etwas geben und er keine Freude daran hat, liegt also keine “Gleichheit der Form” vor, denn der Schöpfer freut sich, wenn er den Unteren etwas gibt. Das bedeutet, dass die Freude aus der Handlung des Gebens resultiert, und wenn wir etwas als Gegenleistung für das Geben empfangen müssen, dann verderben wir das Geben und sagen, dass es keine Vollkommenheit im Geben gibt. Um Vollkommenheit zu erlangen, müssen wir vielmehr etwas hinzufügen, d. h. etwas als Gegenleistung für die Handlung empfangen, während die Handlung selbst nicht so wichtig ist. |
45 | In Wahrheit aber gilt: Will man, dass die Handlung des Gebens – wenn der Mensch irgendeine Handlung für den Schöpfer vollbringt – ihren Wert hat, so muss man sich bemühen, möglichst große Freude daran zu haben. Denn die Freude an einer Handlung des Gebens verleiht der Handlung ihren Wert. Denn jeder Sache, die der Mensch tun will und die ihm am wichtigsten ist, gibt er den Vorrang, sie zuerst zu tun. Und was der Mensch als das ihm Wichtigste wählt, misst sich daran, woran er die meiste Freude hat. | והאמת הוא, שאם רוצים שהמעשה דלהשפיע, מה שהאדם עושה איזה מעשה עבור הבורא, צריכים להשתדל שתהיה לו הנאה ביותר, כי הנאה של מעשה דלהשפיע מחשיבה את המעשה. היות, כי כל דבר ודבר, מה שהאדם רוצה לעשות, מה שחשוב לו ביותר, הוא נותן לו זכות בכורה לעשות אותה מקודם. ומה שהאדם בוחר להיות לו לדבר חשוב ביותר, המודד הוא, ממה שהאדם נהנה ביותר. | Wenn wir wahrhaft einen Akt des Gebens an den Schöpfer vollziehen wollen, müssen wir uns bemühen, uns daran zu erfreuen, denn die Freude an einem Akt des Gebens bezieht sich auf das Handeln, denn jede einzelne Sache, die ein Mensch tun will und die ihm wichtig ist, stellt er an die erste Stelle. Und der Maßstab, nach dem ein Mensch auswählt, was ihm am wichtigsten ist, ist das, was ihm am meisten Genuss bereitet. |
46 | Daraus folgt: Will der Mensch die Handlung, die er für den Schöpfer vollbringt, mit Wert versehen, so kann er das nur, indem er möglichst große Freude daran empfängt. Das heißt: Wenn der Mensch sich bemühen kann, möglichst große Freude zu haben, dann kann er wissen, dass er jetzt dem Schöpfer großes Wohlgefallen bereitet, indem er dem Schöpfer gibt und Seine Mizwot erfüllt. | נמצא לפי זה, אם האדם רוצה להחשיב את המעשה, שעושה להבורא, הוא יכול להחשיב אותו רק ע"י קבלת הנאה ביותר. זאת אומרת, אם האדם יכול להשתדל, שתהיה לו הנאה גדולה, אז הוא יכול לדעת, שהוא עושה עכשיו נחת רוח גדול להבורא, עם זה שהוא משפיע להבורא, שמקיים מצותיו. | Daraus folgt, wenn jemand die Arbeit, die er für den Schöpfer tut, schätzen will, kann er sie deshalb nur schätzen, indem er große Freude empfängt. Wenn man also versucht, große Freude daraus zu schöpfen, dann kann man davon ausgehen, dass man dem Schöpfer große Zufriedenheit bringt, indem man dem Schöpfer gibt, wenn man seine Gebote befolgt. |
47 | Das heißt: Der Mensch hat das Verlangen, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, weiß aber nicht, woran der Schöpfer Freude haben kann, was er dem Schöpfer geben soll. Darum: Da der Schöpfer uns offenbart hat, dass Er uns Tora und Mizwot gibt und dass Er Freude hat, wenn wir sie erfüllen, sind wir gewiss froh, dass wir nun wissen, was wir für Ihn tun können. Und wir sehen, dass uns ein Segen gegeben ist, beim Vollziehen von Tora und Mizwot zu sprechen; wir sagen nämlich: „Gepriesen seist Du, Schöpfer, der die Tora gibt.“ | היינו, שיש לאדם רצון לעשות נחת רוח להבורא. אבל אינו יודע ממה שהבורא יכול לקבל הנאה, שיתן להבורא. ומשום זה כשהבורא גילוי לנו, שהוא נותן לנו תו"מ, ואם אנו נקיים את זה, יש לו הנאה, בטח שאנו שמחים, בזה שיש לנו עכשיו ידע מה לעבוד בשבילו. ואנו רואים, שניתן לנו ברכה, לעשות בעת עשיית תו"מ. היינו, שאנו אומרים "ברוך אתה ה', נותן התורה". | Das heißt, der Mensch möchte dem Schöpfer Zufriedenheit bereiten, weiß aber nicht, was er dem Schöpfer geben kann, das Ihm Freude bereitet. Wenn uns aus diesem Grund offenbart wird, dass Er uns Tora und Mizwot gegeben hat und dass Er sich freut, wenn wir sie befolgen, sind wir sicherlich glücklich, dass wir nun wissen, was wir für Ihn tun können. Deshalb sehen wir, dass uns beim Einhalten von Tora und Mizwot der Segen gegeben wurde, denn wir sagen: „Gepriesen seist du, Ewiger, Gebender der Tora.“ |
48 | Und so danken wir Ihm, wie es bei den Mizwot steht, dafür, dass Er uns zum Beispiel das Gebot der Sukka (Laubhütte) gegeben hat. Wir alle freuen uns etwa darüber, dass Er uns anweist, was wir tun sollen, woran Er Freude hat. Und wir müssen nicht erst losziehen und nach Dingen suchen, an denen der Schöpfer Freude hätte. Die Frage ist nur: Wie können wir unsere Freude beim Vollziehen der Mizwot steigern? | וכמו שכתוב במצות, שאנו נותנים לו תודה, בעבור זה שנתן לנו, דוגמא, מצות סוכה. למשל, כולנו שמחים בזה, שהוא מורה לנו מה לעשות, שמזה יהיה לו הנאה. ואין אנו צריכים ללכת לחפש דברים, שמהם יהיה להבורא הנאה. אבל השאלה היא, איך אנו יכולים להגדיל את הנאה שלנו בעת עשיית המצות. | Es steht in den Mizwot geschrieben, dass wir Ihm dafür danken, dass Er uns zum Beispiel das Gebot der Sukka [die Hütte am Laubhüttenfest] gegeben hat. Wir sind zum Beispiel alle froh, dass Er uns anweist, was wir tun sollen, was Ihm Freude bereitet, und wir müssen nicht nach Dingen suchen, die den Schöpfer erfreuen. Die Frage ist aber, wie wir unseren Genuss bei der Ausführung der Mizwot steigern können? |
49 | Antwort: Nur ein Rat steht uns zu Gebote – sich zu bemühen, die Größe des Schöpfers zu erlangen. Das heißt: Bei allem, was wir in Tora und Mizwot tun, wollen wir, dass unser Lohn darin besteht, die Größe des Schöpfers zu spüren. Und alle Gebete, die wir beten, sollen darauf zielen, „die Shechina (göttliche Gegenwart) aus dem Staub zu erheben“ – denn der Schöpfer ist uns wegen der vollzogenen Einschränkung verborgen, und wir sind nicht imstande, Seine Bedeutung und Größe zu ermessen. | תשובה, רק עצה אחת יש לנו, שהיא להשתדל איך להשיג גדלות ה'. זאת אומרת, כל מה שאנו עוסקים בתו"מ, אנו רוצים, שהשכר שלנו יהיה להרגיש גדלות הבורא. וכל התפלות, שאנו מתפללים, צריכות להיות "לאקמא שכינתא מעפרא", היות שהבורא נסתר מאתנו מחמת הצמצום שהיה, ואין אנו מסוגלים להעריך את חשיבותו וגדלותו. | Antwort: Es gibt nur einen Weg – zu versuchen, die Größe des Schöpfers zu erreichen. Das heißt, bei allem, was wir in Tora und Mizwot tun, wollen wir, dass unsere Belohnung das Gefühl der Größe des Schöpfers ist, und alle unsere Gebete sollten darauf abzielen, „die Shechina [Göttliche Gegenwart] aus dem Staub zu erheben“, denn der Schöpfer ist uns durch den Zimzum [Einschränkung] verborgen und wir können seine Bedeutung und Größe nicht schätzen. |
50 | Darum beten wir zum Schöpfer, dass Er Seine Verhüllung von uns nehme und das Ansehen der Tora erhöhe. So sagen wir im Achtzehnbittengebet (Shmone Esre) von Rosh haShana (Neujahr): „Und so gib Deinem Volk Ehre“ – das heißt, Er möge Seinem Volk die Ehre des Schöpfers geben, damit sie die Ehre des Königs spüren. | לכן אנו מתפללים לה', שיסיר מאתנו את הסתרתו, ושירומם קרן התורה. וכמו שאנו אומרים בתפלת "שמונה עשרה" דראש השנה "ובכן תן כבוד לעמך", שפירושו, שיתן כבוד ה' לעמך, שהם ירגישו את כבוד המלך. | Deshalb beten wir zum Schöpfer, dass er seine Verhüllung vor uns aufhebt und die Herrlichkeit der Tora erhebt. Wie wir im Achtzehn-Gebet ( Shmone Esre ) von Rosh HaShana [wörtlich: Kopf des Jahres/Neujahr] sagen: „Und so gib Deinem Volk Ehre.“ Das heißt: „Gib Deinem Volk die Ehre des Ewigen“, damit es die Ehre des Königs spürt. |
51 | Darum muss der Mensch sich bemühen, beim Studium der Tora das Ziel nicht zu vergessen, sodass ihm stets vor Augen steht, was er aus dem Studium empfangen will: dass das Studium ihm die Größe und Bedeutung des Schöpfers vermittle. Und ebenso soll er beim Vollziehen der Mizwot die Absicht nicht vergessen: dass der Schöpfer durch dieses Erfüllen der Mizwot – durch ihre besondere Kraft – die Verhüllung von ihm nehme, die über dem Spirituellen liegt, sodass er ein Gespür für die Größe des Schöpfers empfange. | ומשום זה האדם צריך להשתדל ולא לשכוח את המטרה בעת לימוד התורה, שיהיה תמיד לנגד עיניו, שהוא רוצה לקבל מהלימוד, שהלימוד ישפיע גדלות וחשיבות הבורא. וכמו כן בעת קיום המצות, גם כן לא לשכוח הכוונה, שע"י זה שמקיים את המצות, בסגולה זו הבורא יעביר ממנו ההסתרה, השורה על רוחניות, אלא שיקבל הרגשה של גדלות ה'. | Aus diesem Grund muss man sich bemühen, sich beim Studium der Tora an das Ziel zu erinnern, damit man immer vor Augen hat, was man vom Studium empfangen möchte: dass das Studium die Größe und Bedeutung des Schöpfers vermittelt. Außerdem sollte man beim Einhalten der Mizwot nicht die Absicht vergessen, dass der Schöpfer durch das Einhalten der Gebote die Verhüllung der Spiritualität aufhebt und man ein Gefühl für die Größe des Schöpfers empfängt. |
52 | Doch der Dienst, Tora und Mizwot mit der Absicht zu halten, dadurch der Nähe des Schöpfers gewürdigt zu werden und Seine Größe zu erlangen, um Ihm aus dem Gespür für die Bedeutung des Schöpfers Wohlgefallen bereiten zu können – sodass dies sein Lohn ist und er kein Verlangen nach einem anderen Lohn für seine Arbeit hat –, dieser Dienst ist schwer, denn der Körper willigt nicht ein, mit dieser Absicht zu arbeiten. | אולם העבודה לקיים תו"מ על הכוונה, שע"י זה יזכה להתקרבות ה', שישיג גדלות ה', בכדי שיוכל לעשות לו נחת רוח מטעם חשיבות ה', שזה יהיה שכרו, ואין לו שום השתוקקות לשכר אחר עבור העבודה שלו, היא עבודה קשה, שאין הגוף מסכים לעבוד על הכוונה זו. | Es ist jedoch harte Arbeit, Tora und Mizwot mit der Absicht zu befolgen, um dadurch mit der Annäherung an den Schöpfer belohnt zu werden – die Größe des Schöpfers zu erlangen, damit er Ihm wegen der Bedeutung des Schöpfers Zufriedenheit bringen kann, dass dies seine Belohnung sein wird und er kein Verlangen nach einer anderen Belohnung für seine Arbeit hat. Der Körper stimmt der Arbeit mit dieser Absicht nicht zu. |
53 | Der heilige Sohar (Nasso, Blatt 30; im Sulam Punkte 102–104) sagt: „Tüchtige Männer ziehen von Stadt zu Stadt und finden kein Erbarmen. Die vermischte Menge (Erew Rav) ächtet sie in ihrer Mitte, und an vielen Orten gibt man ihnen nur ein abgemessenes Stück, sodass sie sich aus ihrem Fall nicht erheben können, nicht einmal für eine flüchtige Stunde. Und alle Weisen, alle tüchtigen Männer und die, die die Sünde fürchten, leben in Bedrängnis, in Enge und in Kummer und gelten wie Hunde; sie, die teuren Söhne, aufgewogen mit feinem Gold – wie gelten sie als irdene Scherben an allen Straßenecken usw. Und jene vermischte Menge ist reich, in Ruhe, in Freude, ohne Kummer und ganz ohne Leid – Räuber und Bestechliche, die doch Richter und Häupter des Volkes sind usw.“ | הזה"ק (נשא, דף ל', ובהסולם אות ק"ג, ק"ב, ק"ד) אומר וזה לשונו "ואנשי חיל מסובבים מעיר לעיר ולא יחוננו. והערב רב מחרימים אותם ביניהם. ובמקומות רבים אין נותנים להם רק דבר קצוב. באופן, שלא תהיה להם תקומה לנפילה שלהם. ואפילו חיי שעה. וכל החכמים ואנשי חיל ויראי חטא, נמצאים בצער בדוחק וביגון, ונחשבים ככלבים, בנים המסולאים בפז, איכה נחשבים לנבלי חרש בראש כל חוצות, וכו'. ואינון ערב רב הם עשירים, בשלוה, בשמחה, בלי צער ובלי יגון כלל, גזלנים בעלי שוחד, שהם דיינים ראשי העם, וכו'". | Der Sohar ( Nasso , Artikel 102-104) sagt: „Mächtige Menschen ziehen von Stadt zu Stadt und werden nicht begnadigt. Die Vermischte Menge [ Erew Rav ] verbannt sie unter sich, und an vielen Orten erhalten sie nur das Nötigste. So werden sie nicht aufsteigen, auch nicht für einen Augenblick. Und alle Weisen und mächtigen Menschen, die Furcht vor der Sünde haben, werden bedrängt und in Kummer versetzt. Sie werden wie Hunde betrachtet, wie Kinder, die mit feinem Gold gewogen werden, wie sie wie Tonkrüge auf allen Straßen betrachtet werden usw. Diese Vermischte Menge [ Erew Rav ] ist reich, friedlich, fröhlich, ohne jeglichen Kummer oder Leid, Räuber und Bestechliche; sie sind die Richter, die Häupter des Volkes.“ |
54 | Wir sehen hier in den Worten des Sohar, dass er zwischen den Weisen, den tüchtigen Männern und denen, die die Sünde fürchten, einerseits und den Richtern und Häuptern des Volkes andererseits unterscheidet, die zur vermischten Menge (Erew Rav) gehören. Und er sagt: Die Weisen, die tüchtigen Männer und die, die die Sünde fürchten, leben in Kummer und in Enge usw. Die Richter und Häupter des Volkes dagegen sind reich, leben in Ruhe und in Freude. Warum? Weil sie zur vermischten Menge gehören. | אנו רואים כאן בדברי הזהר, שמחלק בין חכמים ואנשי חיל ויראי חטא, לבין דיינים וראשי העם, שהם בחינת ערב רב. ואומר, שהחכמים ואנשי חיל ויראי חטא נמצאים בצער ובדוחק, וכו'. מה שאין כן הדיינים וראשי העם הם עשירים, ויש להם שלוה, והם בשמחה. מדוע. משום שהם בחינת ערב רב. | In diesen Worten des Sohar sehen wir, dass er zwischen den Weisen und den mächtigen Menschen, die die Sünde fürchten, und den Richtern und den Häuptern des Volkes unterscheidet, die als die gemischte Schar [ Erew Rav ] angesehen werden. Er sagt, dass die Weisen und die mächtigen Menschen, die die Sünde fürchten, geplagt und gestresst sind, während die Richter und die Häupter des Volkes reich, friedlich und fröhlich sind. Warum? Weil sie die Vermischte Menge sind. |
55 | Es ist zu klären, was „die vermischte Menge“ bedeutet – dass sie, weil sie zur vermischten Menge gehören, Freude und Ruhe haben usw. Wir sehen es an dem Streit, den Jakob mit Esau hatte: Esau sagte zu Jakob: „Ich habe viel“, und Jakob antwortete: „Ich habe alles.“ Es ist zu verstehen, worin der Unterschied zwischen „viel“ und „alles“ besteht. | ויש להבחין, מהו הפירוש של "הערב רב". שמשום שהם בחינת "ערב רב", לכן יש להם שמחה ושלוה, וכו'. אנו רואים בויכוח, שהיה יעקב עם עשו, שעשו אמר ליעקב "יש לי רב". ויעקב השיב "לי יש כל". ויש להבין, מהו ההפרש בין רב, לכל. | Wir sollten die Bedeutung von Vermischte Menge verstehen: Weil sie die Vermischte Menge sind, haben sie Freude und Frieden. Im Streit zwischen Jakob und Esau sagte Esau zu Jakob: „Ich habe genug“, und Jakob antwortete: „Ich habe alles.“ Wir sollten den Unterschied zwischen „genug“ und „alles“ verstehen lernen. |
56 | Bekannt ist, dass die Sefira Jessod „alles“ genannt wird, denn sie ist der Aspekt „Jessod, der Gerechte“, wie wir im Gebet sagen: „Dein, Schöpfer, ist die Größe und die Macht und die Pracht und der Sieg und der Glanz“ – denn „alles“ ist Jessod. Denn der Gerechte, der „Jessod“ heißt, ist nur Gebender, da die Sefira Jessod an Malchut gibt, wie bekannt und wie es im Sohar geschrieben steht. Das heißt: Die Stufe von Jessod ist die des Gerechten, der nichts für sich selbst nimmt, sondern all seine Handlungen geschehen einzig um des Gebens willen. | ידוע שספירת היסוד נקרא "כל", שהוא בחינת יסוד צדיק, כמו שאנו אומרים בתפילה "לך ה' הגדולה, והגבורה, והתפארת, והנצח, וההוד", כי כל, הוא יסוד, שענין צדיק, הנקרא "יסוד", הוא רק משפיע, שספירת היסוד הוא המשפיע למלכות, כידוע, כמו שכתוב בזה"ק. זאת אומרת, שדרגתו של יסוד היא צדיק, שלא לוקח שום דבר בשבילו, אלא כל המעשים שלו הם רק כדי להשפיע. | Es ist bekannt, dass die Sefira Jessod „alles“ genannt wird, dass sie als Jessod Zadik [Gerechter] gilt, wie wir im Gebet sagen: „“Denn Dein, Ewiger, ist die Größe, die Kraft, die Herrlichkeit, der Sieg und die Pracht.“ Das ist so, weil „alles“ Jessod ist, und Gerechte, genannt Jessod , einzig und alleine geben. Die Sefira Jessod gibt Malchut , wie bekannt ist und wie es im Sohar geschrieben steht. Das bedeutet, dass die Stufe Jessod ein Zadik ist, der nichts für sich selbst nimmt, sondern all seine Handlungen sind um des Gebens willen. |
57 | Beginnt nun der Mensch seinen Dienst, ein Gerechter zu sein – das heißt, keinen Lohn für sich selbst zu empfangen und alles nur in der Absicht zu tun, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten –, dann willigt der Körper nicht ein und legt ihm Hindernisse in den Weg. Alles, womit er ihn von seiner Arbeit abhalten kann, das tut er. Und dann ist dieser Mensch beständig in Kummer und findet keine Ruhe in seinem Zustand. Denn er sieht, dass er noch nicht dahin gelangt ist, dem Schöpfer zu geben; vielmehr fehlt ihm bei allem, was er tut, noch das Vermögen, es auf das Geben hin auszurichten. | ובטח בזמן שהאדם מתחיל עבודתו, להיות בחינת צדיק, היינו שלא לקבל שום שכר לעצמו, ולעבוד הכל רק בעמ"נ להשפיע נחת רוח ליוצרו, אז הגוף לא מסכים, ונותן לו הפרעות. וכל, מה שהוא יכול לעשות, שיפריע לו מעבודתו, הוא עושה. ואז אדם הזה הוא תמיד בצער, ואין לו שלוה מהמצב שבו הוא נמצא. כי רואה, שעוד לא הגיע להיות משפיע לה', אלא כל מעשיו שהוא עושה, אין לו עוד היכולת לכוון אותם בעמ"נ להשפיע. | Wenn der Mensch beginnt, daran zu arbeiten, gerecht zu sein, d.h. nichts für sich selbst zu empfangen und alles nur zu verrichten, um seinem Schöpfer Zufriedenheit zu geben, ist der Körper natürlich nicht einverstanden und behindert ihn. Er tut alles, was er kann, um seine Arbeit zu behindern. Zu dieser Zeit ist der Mensch ständig in Bedrängnis und hat keinen Frieden mit seiner Situation, weil er sieht, dass er noch nicht dazu gekommen ist, dem Schöpfer zu geben. Vielmehr ist alles, was er tut, noch ohne die Fähigkeit, in der Absicht um des Gebens willen zu sein. |
58 | Und darüber ist er beständig in Kummer – aus dem „Kummer der Shechina“, der „Shechina im Exil“ genannt wird. Denn es schmerzt ihn: Warum hat er für die Eigenliebe Kraft zu arbeiten, doch dort, wo er sieht, dass für sein Verlangen zu empfangen nichts herausspringt, wird er in der Arbeit nachlässig? | ועל זה הוא תמיד בצער, מטעם "צער השכינה", הנקרא "שכינתא בגלותא", שכואב לו, מדוע על אהבה עצמית יש לו כח לעבוד, ובמקום שהוא רואה, שלא יהיה שום דבר עבור הרצון לקבל שלו, הוא מתרשל בעבודה. | Er ist immer wieder betrübt darüber wegen des Kummers der Shechina , die „ Shechina im Exil“ genannt wird. Es schmerzt ihn, dass er zwar aus Eigenliebe die Kraft zum Arbeiten hat, aber wo er sieht, dass sein Wille, etwas zu empfangen, nichts haben wird, ist er in der Arbeit nachlässig. |
59 | So zeigt sich: Nachdem er einige Zeit in die Arbeit investiert hat und ein wenig Annäherung an den Schöpfer sehen will, spürt er jedes Mal mehr seine Wahrheit – dass er in Wahrheit weit entfernt ist von der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer. Das heißt, im Hinblick auf die Gleichheit der Form – „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ – ist er das Gegenteil. Zuvor dachte er, er wollte dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten und würde dabei auch ein wenig Freude haben, und er hoffte, den Lohn für seine Arbeit zu empfangen, sowohl den Lohn dieser Welt als auch den Lohn der kommenden Welt. Doch jetzt sieht er, dass er keinerlei Kraft hat, zum Nutzen des Schöpfers zu handeln, sondern alles nur in der Absicht tut, für sich selbst zu empfangen, und gar nicht gibt. | נמצא, שאחר כמה זמן שהשקיע בעבודה, ורוצה לראות קצת התקרבות לה', הוא מרגיש כל פעם יותר את האמת שלו, שהוא באמת מרוחק מדביקות ה'. היינו, שמבחינת השתוות הצורה "מהו רחום, אף אתה רחום", הוא להיפך. שמקודם הוא חשב, שהוא רוצה לעשות נחת רוח לה', וגם שיהיה גם כן קצת הנאה בזה. והיה מקוה, שיקבל תמורת עבודתו, הן שכר עולם הזה והן שכר עולם הבא. אבל עכשיו הוא רואה, שאין לו שום כח לעשות לתועלת ה', אלא הכל בעמ"נ לקבל לעצמו, ולא להשפיע כלל. | So spürt er nach einiger Zeit, in der er sich in der Arbeit anstrengt und eine gewisse Nähe zum Schöpfer sehen will, jedes Mal mehr die Wahrheit: dass er wahrhaftig von Dwekut [Anhaftung] mit dem Schöpfer entfernt ist. Das heißt, in Bezug auf die “Gleichheit der Form”, wie in: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“, ist er das Gegenteil. Zuvor dachte er, dass er dem Schöpfer Zufriedenheit bringen wollte und dass ihm dies Freude bereiten würde. Er hoffte, dass er für seine Arbeit sowohl die Belohnung in dieser Welt als auch die Belohnung in der kommenden Welt empfangen würde. Aber jetzt sieht er, dass er keine Kraft hat, für den Schöpfer zu arbeiten, sondern alles nur tut, um für sich selbst zu empfangen und nichts zu geben. |
60 | Daran sieht er nun, dass es ihm schlechter geht als zu der Zeit, da er mit der Arbeit begann. Denn als er in die Arbeit im Aspekt der dritten Art eintrat, wie erwähnt, hatte er Freude und Ruhe. Denn er wusste und glaubte, dass sich sein Besitz Tag für Tag zu einer großen Summe mehrt, weil jeder Tag, an dem er gute Taten vollbringt, ihm den Lohn jeder einzelnen Mizwa auf sein Konto schreibt. Und dieser Glaube bereitete ihm gewiss Freude und Ruhe, denn er sah, dass er in der Arbeit vorankam, das heißt, dass sein Besitz Tag für Tag bei ihm anwuchs. | ומזה הוא רואה עתה, איך שהוא יותר גרוע, מעת שהתחיל בעבודה. שבעת שנכנס לעבודה בבחינת סוג הג', כנ"ל, היתה לו שמחה ושלוה. כי היה יודע ומאמין, שבכל יום ויום הרכוש שלו מתוסף לחשבון גדול, היות כי כל יום ויום, שעושה מעשים טובים, כן נרשם לפקודתו את השכר של כל מצוה ומצוה. והאמונה הזאת בטח שגורמה לו שמחה ושלוה, היות שהוא ראה, שהוא מתקדם בעבודה, היינו שהרכוש שלו מתרבה אצלו בכל יום ויום. | Er sieht jetzt, dass er böser ist als zu Beginn seiner Arbeit. Er hatte Freude und Frieden, als er mit der Arbeit in der dritten Art begann, weil er wusste und glaubte, dass sich seine Besitztümer jeden Tag zu einer großen Menge anhäufen, denn jeden Tag, wenn er gute Taten tut, wird die Belohnung jeder Mizwa auf seinem Konto registriert. Dieser Glaube bereitete ihm Freude und Frieden, denn er sah, dass er in der Arbeit vorankam, das heißt, dass sein Besitz jeden Tag wuchs. |
61 | Anders nun, da er von der dritten Art in den Beginn der Arbeit der vierten Art übergegangen ist – der Arbeit „ohne einen Lohn zu erwarten“. Er lebt in Kummer und in Enge, denn er prüft sich am Gefäß des Gebens: wie viel er von diesem Gefäß bereits erworben hat. | מה שאין כן עכשיו, שעבר מהסוג ג' להכנס ולהתחיל בעבודה של סוג ד', שהיא עבודה "שלא על מנת לקבל פרס". הוא נמצא בצער ובדוחק, כי הוא בודק עצמו עם כלי דהשפעה, עד כמה שהוא כבר רכש מהכלי זו. | Doch nun, da er von der dritten Art in die vierte Art übergegangen ist und die Arbeit der vierten Art begonnen hat – die Arbeit, die nicht um des Gebens willen empfangen wird –, ist er betrübt und bedrückt, weil er die Gefäße des Gebens prüft, wie viel er von diesem Kli bereits erworben hat. |
62 | Da sieht er das Gegenteil: dass er an jedem Tag, an dem er Kräfte investiert und die Annäherung an den Schöpfer erreichen will – also ein Verlangen zu geben –, die Wahrheit sieht, wie er sich jeden Tag mehr und mehr entfernt. Und wie mein Vater und Lehrer seligen Andenkens (Baal HaSulam) sagte: Warum sieht der Mensch, wie er sich immer mehr entfernt? Er vollbringt doch jeden Tag gute Taten, und danach müssten ihn diese Taten näherbringen. | אז הוא רואה להיפך, שכל יום, שהוא משקיע כוחות ורוצה להגיע להתקרבות ה', היינו שיהיה לו רצון להשפיע, אז הוא רואה את האמת, איך שנעשה כל יום מרוחק יותר ויותר. ולפי מה שאמר אאמו"ר זצ"ל, מדוע האדם רואה, איך שהוא נעשה יותר מרוחק. הלא כל יום הוא עושה מעשים טובים, ולפי זה, המעשים היו צריכים לקרב אותו. | Dabei sieht er das Gegenteil, dass er jeden Tag, wenn er sich anstrengt und die Nähe zum Schöpfer, d.h. das Verlangen zu geben, erreichen will, die Wahrheit sieht, dass er sich jeden Tag mehr entfernt. Baal HaSulam sagt: „Warum sieht man, dass man sich immer weiter entfernt, wenn man doch jeden Tag gute Taten vollbringt, die einen näher bringen sollten?” |
63 | So sagten unsere Weisen: „Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Warum also sieht der, der mit der Arbeit des Gebens beginnt, wie es ihm jeden Tag schlechter geht? Da sagte er, das sei nicht richtig: In Wahrheit geht er nicht jeden Tag rückwärts, wie er meint, sondern jeden Tag geht er vorwärts. Und dass er sieht, wie es ihm schlechter geht – das kommt daher, dass der Mensch zuerst die Lüge und das Böse sehen muss, und danach erst kann man sie korrigieren. | כמו שאמרו חז"ל "בראתי יצר הרע, בראתי תורה תבלין". אם כן מדוע מי שמתחיל לעבוד בעבודה דלהשפיע, הוא רואה, איך שנעשה כל יום יותר גרוע. אז אמר שזה לא נכון. שבאמת הוא לא הולך כל יום אחורה, כמו שהוא חושב. אלא כל יום הוא הולך קדימה. ומה שהוא רואה, שנעשה יותר גרוע, זה הוא שמקודם אדם צריך לראות את השקר והרע. ואח"כ יכולים לתקן אותם. | Unsere Weisen sagten dazu: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Wer mit der Arbeit zu geben beginnt, sieht also deshalb, dass er jeden Tag böser wird? Er sagt, dass das nicht so ist – dass er in Wahrheit nicht jeden Tag einen Rückschritt macht, wie er denkt. Er macht vielmehr jeden Tag einen Schritt nach vorne. Er sieht, dass er schlechter geworden ist, weil zuerst der Bedarf besteht, die Lüge und das Böse zu sehen, und dann ist es möglich, sie zu korrigieren. |
64 | Anders, wenn jemand ein Loch und einen Riss in einem Bau verschließen will und meint, das Loch und der Riss seien zwanzig Zentimeter groß. Er arbeitet und müht sich ab und sieht am Ende, dass noch zwanzig Zentimeter zu verschließen sind. So zeigt sich: Solange er den wahren Mangel nicht sieht, arbeitet er umsonst, das heißt, er korrigiert nichts. | מה שאין כן שהאדם הולך לסתום נקב ובקיעה באיזה בנין, שהוא חושב, שהחור והבקיעה הוא עשרים סנטימטר. ועבד ומשקיע יגיעה, ולבסוף הוא רואה, שיש לו עוד מה לסתום עוד עשרים סנטמטרים. נמצא, שכל זמן שאינו רואה את החסרון האמיתי, הוא עובד בחנם, היינו שלא מתקן כלום. | Wenn aber ein Mensch einfach nur ein Loch oder einen Riss in einem Gebäude stopfen will und denkt, dass das Loch und der Riss zwanzig Zentimeter lang sind, und er arbeitet und schuftet und sieht schließlich, dass es noch zwanzig Zentimeter mehr zu stopfen gibt, dann folgt daraus, dass er, solange er den wirklichen Mangel nicht sieht, vergeblich arbeitet, d.h. er korrigiert nichts. |
65 | Die Auslegung des Gleichnisses: Ein Mensch meint, er habe ein Böses in sich – sagen wir, ein Kilogramm – und will es korrigieren. Er beginnt zu korrigieren. Und danach sieht er, dass es noch ein weiteres Kilogramm Böses gibt. So zeigt sich, dass er noch gar nichts korrigiert hat. Sieht er hingegen das ganze Maß des Bösen in sich, und korrigiert er es dann, so heißt das „vollkommene Korrektur“. | הנמשל. אדם חושב שיש לו רע, על דרך משל קילו אחד. ורוצה לתקן אותו. ומתחיל לתקן. ואח"כ הוא רואה, שיש עוד קילו רע. נמצא, שעוד לא תיקן כלום. מה שאין כן אם הוא רואה את כל מדת הרע שבו, ואז שהוא מתקן, נקרא זה "תיקון גמור". | Die Lehre besteht darin, dass man denkt, man habe z.B. ein Kilogramm Übel hat, und er will es beheben. Er beginnt es zu beheben, sieht dann aber, dass es noch ein weiteres Kilogramm Übel gibt. Daraus folgt, dass er nichts korrigiert hat. Wenn er aber das ganze Ausmaß des Bösen in ihm sieht und es dann behebt, nennt man das „vollkommene Korrektur“. |
66 | Darum sagte er seligen Andenkens: An jedem Tag, an dem er sich mit der Arbeit in der Absicht zu geben befasst, kommt er der Wahrheit näher – nämlich die Größe des Bösen in seinem Innern zu sehen. Denn in einem dunklen Haus sieht man nicht, dass dort Schmutz und Unrat sind. Bringt man aber Licht hinein, dann kann man sehen, dass Schmutz und Unrat da sind. | ומשום זה אמר זצ"ל, שכל יום ויום, שעוסק בעבודה דעמ"נ להשפיע, הוא מתקרב יותר להאמת, היינו לראות את גדלות הרע שבקרבו. כי בבית חשוך לא רואים שיש שם לכלוך ופסולת. אלא שאם מכניסים שם אור, אז יכולים לראות, שיש לכלוך ופסולת. | Deshalb sagte Baal HaSulam, dass er jeden Tag, wenn er sich mit der Arbeit um des Gebens willen befasst, der Wahrheit näher kommt, d.h. das Ausmaß des Bösen in ihm sieht. In einem finsteren Haus ist es unmöglich zu sehen, dass es dort Schmutz und Müll gibt. Wenn du aber etwas Licht ins Haus bringst, kannst du sehen, dass es dort Schmutz und Müll gibt. |
67 | Ebenso, wenn der Mensch beginnt, sich mit Tora und Mizwot auf dem Weg des Gebens zu befassen, dann leuchten Tora und Mizwot ihm jedes Mal mehr, sodass er die Wahrheit sieht: wie groß das Böse in seinem Innern ist. So zeigt sich, dass er Tag für Tag vorwärtsgeht, bis er das vollkommene Böse erreicht, das in ihm ist. Und dann, wenn man zu korrigieren beginnt, entsteht eine vollkommene Korrektur, sodass er danach das Gute und den Genuss, den der Schöpfer den Geschöpfen zu geben gedachte, in seine Gefäße aufnehmen kann – wie geschrieben steht, dass das Ziel der Schöpfung ist, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. | כמו כן כשהאדם מתחיל לעסוק בתו"מ על דרך השפעה, אז התו"מ מאירים לו כל פעם יותר ויותר, לראות את האמת, מה גודל הרע שבקרבו. נמצא לפי זה, שכל יום ויום הוא הולך קדימה, עד שמגיע להרע הגמור, הנמצא בקרבו. ואז, כשמתחילים לתקן, נעשה תיקון גמור, שיכול אח"כ להכניס להכלים שלו את הטוב והעונג, מה שחשב הבורא לתת להנבראים, כמו שכתוב, שמטרת הבריאה היא "להטיב לנבראיו". | Ähnlich ist es, wenn der Mensch beginnt, sich mit Tora und Mizwot in der Absicht zu geben zu befassen, so leuchten die Tora und Mizwot für ihn jedes Mal mehr, um die Wahrheit über das Maß des Bösen in ihm zu sehen. Deshalb schreitet er jeden Tag weiter voran, bis er das vollkommene Böse in sich erreicht hat. Wenn er dann beginnt, sich zu korrigieren, erfolgt eine vollkommene Korrektur, damit er danach das Gute und den Genuss, welche der Schöpfer den Geschöpfen zu geben gedachte, in seine Kelim [Gefäße] legen kann, denn es steht geschrieben, dass es das Schöpfungsziel ist, seinen Geschöpfen Gutes zu tun. |
68 | Diese Sache finden wir beim Auszug aus Ägypten. So sagte der heilige ARI, dass das Volk Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in den 49 Toren der Unreinheit (Tuma) war, bis der König aller Könige Sich ihnen offenbarte und sie erlöste. Und alle wenden hiergegen ein: Wie ist es möglich, dass das Volk Israel – das doch aus dem Mund von Moses und Aaron die Sendung des Schöpfers vernommen hatte, der sie ausgesandt hatte, es aus dem ägyptischen Exil zu führen –, wie der heilige ARI erklärt: Das ägyptische Exil bedeutet, dass das Bewusstsein der Heiligkeit (Kedusha) im Exil war. Und Moses und Aaron versprachen dem Volk Israel, dass sie aus dem Exil herauskämen, um in die Kedusha einzutreten. So wie wir im „Schma Israel“ (Shma) sagen: „Ich bin der Schöpfer, euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten geführt hat, um euch Gott zu sein.“ | וענין זה אנו מצאנו ביציאת מצרים. כמו שאמר האר"י הקדוש, שעם ישראל בעת יציאת מצרים היו הם במ"ט שערי טומאה. עד שנגלה אליהם מלך מלכי המלכים, וגאלם. וכולם מקשים על זה, היתכן שעם ישראל, ששמעו מפי משה ואהרן את שליחותו של הקב"ה, ששלח אותם להוציא מגלות מצרים, כמו שהאר"י הקדוש מפרש, גלות מצרים נקרא שדעת דקדושה היה בגלות. ומשה ואהרן הבטיחו לעם ישראל, שיצאו מגלות להכנס להקדושה. וזהו כמו שאנו אומרים ב"קריאת שמע", "אני ה' אלקיכם, אשר הוצאתי אתכם מארץ מצרים, להיות לכם לאלקים". | Wir finden diese Angelegenheit beim Auszug aus Ägypten. Der heilige ARI sagte diesbezüglich, dass sich Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in 49 Toren der Tuma’a [Unreinheit] befand, bis der König der Könige sich ihnen offenbarte und sie erlöste. So fragt jeder: Kann es sein, dass das Volk Israel, das von Moses und Aaron, die Er zur Befreiung aus dem Exil in Ägypten gesandt hatte, von der Mission des Schöpfers hörte, wie der heilige ARI interpretiert, dass das Exil in Ägypten bedeutet, dass der Verstand der Kedusha [Heiligkeit] im Exil war? Moses und Aaron versprachen dem Volk Israel, dass sie aus dem Exil kommen und in die Kedusha eintreten würden. Wie wir in der Lesung des Shma Israel sagen: „Ich, der Ewige, dein Gott, habe dich aus Ägypten geführt, um dein Gott zu sein.“ |
69 | Demnach verlangt es die Vernunft, dass sie Tag für Tag von Stufe zu Stufe in der Heiligkeit hätten aufsteigen müssen, zumal sie die zehn Plagen sahen, die in Ägypten geschahen. Und dennoch sagt der heilige ARI, dass das Volk Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in den 49 Toren der Unreinheit war. | ולפי זה השכל מחייב, שכל יום ויום הם היו צריכים לעלות מדרגה לדרגה בקדושה. ובפרט שהם ראו את הי' מכות, שהיה במצרים. ובכל זאת אומר האר"י הקדוש, שבזמן יציאת מצרים, היו עם ישראל במ"ט שערי טומאה. | Daher ist es nur logisch, dass sie jeden Tag von Stufe zu Stufe in der Kedusha [Heiligkeit] aufgestiegen sind, vor allem weil sie die zehn Plagen in Ägypten gesehen haben. Und dennoch sagt der heilige ARI, dass sich das Volk Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in 49 Toren der Tuma’a [Unreinheit] befand. |
70 | Vielmehr ist es so, wie erwähnt: An jedem Tag stiegen sie in der Stufe der Wahrheit auf und kamen dem näher, das Maß des Bösen zu sehen, das sie im Gefäß des Empfangens hatten. Das heißt: Bevor Moses und Aaron kamen, um ihnen zu sagen, dass sie aus dem ägyptischen Exil herauskommen müssten – das ist die Klipa (Schale), die von der Heiligkeit saugt, wie der heilige ARI sagt –, und das Volk Israel begann, sich von ihnen zu entfernen, da begann die Klipa Ägyptens, sie mit starken Kräften zu bekämpfen. | אלא כנ"ל, שבכל יום ויום הם עלו בדרגת האמת, והתקרבו יותר לראות את שיעור הרע, שיש להם בכלי קבלה. היינו, שמטרם שבאו משה ואהרן, לאמר להם, שצריכים לצאת מגלות מצרים, שהיא הקליפה, היונקת מהקדושה, כמו שאומר האר"י הקדוש, ועם ישראל התחילו להתרחק מהם, אז קליפת מצרים התחילו להלחם עמהם עם כוחות חזקים. | Doch jeden Tag stiegen sie in der Stufe der Wahrheit auf und kamen dem Maß des Bösen, das sie in den Gefäßen des Empfangens hatten, näher. Das heißt, bevor Moses und Aaron kamen, um ihnen zu sagen, dass sie aus dem Exil in Ägypten herauskommen müssen, was die Klipa [Hülle/Schale] ist, die von der Kedusha [Heiligkeit] saugt, wie der heilige ARI gesagt hat, begann das Volk Israel, sich von ihnen zu entfernen. Zu dieser Zeit begann die ägyptische Klipa , sie mit starken Kräften zu bekämpfen. |
71 | Das heißt: Die Klipa Ägyptens gab dem Volk Israel zu verstehen, dass es sich nicht lohne, das eigennützige Empfangen zu verlassen. Und was die Arbeit des Gebens betrifft, gab sie ihnen zu verstehen, dass dies schwer sei und es sich nicht lohne, umsonst zu arbeiten – „ohnehin werdet ihr dessen nicht gewürdigt, denn dazu braucht es besondere Kräfte“. Und sooft das Volk Israel von Moses und Aaron Stärkung empfing, kam die Klipa Ägyptens und schwächte sie. | היינו, שקליפת מצרים נתנה לעם ישראל להבין, שאינו כדאי לצאת מקבלה עצמית. ובענין לעבוד בעבודה דלהשפיע, היו נותנים להם להבין, שזה קשה ואינו כדאי לעבוד בחנם. שבין כך ובין כך אתם לא תזכו לזה, כי לזה צריכים כוחות מיוחדים. וכל כמה שעם ישראל קבלו חיזוק ממשה ואהרן, בא קליפת מצרים והחלישה אותם. | Das heißt, die ägyptische Klipa ließ das Volk Israel erkennen, dass es sich nicht lohnt, das egoistische Empfangen zu verlassen. Und was die Arbeit des Gebens angeht, ließen sie sie sehen, dass es schwierig ist und es sich nicht lohnt, umsonst zu arbeiten, dass sie sowieso nicht damit belohnt werden würden, da es besondere Kräfte erfordert. Und je mehr das Volk Israel von Moses und Aaron Stärkung empfing, desto mehr kam die Klipa Ägyptens und schwächte sie. |
72 | Und das ging so weit, dass sie jedes Mal, wenn sie den Einwand der Ägypter überwanden, der in ihren Sinn drang, begreifen sollten, dass dies nicht der Einwand der Ägypter ist, sondern dass das Volk Israel meinen sollte, diese Gedanken sind die Israels selbst. Und das heißt: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“ | עד כדי כך, שבכל פעם שהם התגברו על טענת המצרים, שבאו לתוך מוחם, שהם יבינו, שזה לא טענת מצרים, אלא שעם ישראל יחשבו, שהמחשבות האלו זהו של ישראל עצמם. וזה נקרא "כל הגדול מחבירו יצרו גדול ממנו". | Das ging so weit, dass jedes Mal, wenn sie die Behauptungen der Ägypter, die in ihren Kopf kamen, überwanden, das Volk Israel denken sollte, dass diese Gedanken ihre eigenen seien. Und das wird genannt „je größer jemand ist, desto größer ist sein Yezer (Trieb)“. |
73 | Das bedeutet: Nach dem Maß ihrer Kraft, sich in der Heiligkeit zu stärken, in eben dem Maß stärkten sich die Klipot gegen sie. Nach dem Maß der Kraft, mit der man entfliehen will, in eben dem Maß ist die andere Seite gezwungen, größere Kräfte aufzubieten, um ihn in ihrem Bereich festzuhalten, damit er nicht entfliehe. | פירוש, כפי כח התגברותם בקדושה, במידה כזו התגברו הקליפות כנגדם. כפי כח שרוצים לברוח, בשיעור הזה מוכרח הצד השני לתת כוחות יותר גדולים, להחזיק אותו ברשותו, שלא יברחו. | Es bedeutet, dass die Klipot in dem Maße, wie sie in der Kedusha [Heiligkeit] gestärkt wurden, auch gegen sie gestärkt wurden. In dem Maße, wie das Verlangen zu entkommen, stärker ist, in dem Maße muss die andere Seite mehr Macht zeigen, um ihn in ihrem Bereich zu halten, damit er nicht entflieht. |
74 | Daraus folgt: In Wahrheit kam das Volk Israel der Heiligkeit Tag für Tag mit größerer Macht näher. Der Beweis dafür: Wenn man sagt, dass sie in den 49 Toren der Unreinheit waren, so ist der Grund, dass sie bereits in die 49 Tore der Heiligkeit aufgestiegen waren. Darum musste es das Gegenstück zur Heiligkeit geben, also ebenfalls 49 Tore der Unreinheit. | נמצא לפי זה, שבאמת עם ישראל התקרבו להקדושה בכל יום ויום ביתר שאת, והראיה לזה, שאם אומרים שהם היו במ"ט שערי טומאה, הסיבה היא, משום שכבר עלו במ"ט שערי קדושה, לכן היה מוכרח להיות הלעומת דקדושה, גם כן מ"ט שערים דטומאה. | Daraus folgt, dass das Volk Israel sich tatsächlich jeden Tag mehr der Heiligkeit näherte, und der Beweis dafür ist, wenn gesagt wird, dass sie in den 49 Toren der Unreinheit waren, der Grund dafür ist, weil sie bereits in den 49 Toren der Heiligkeit aufgestiegen waren. Daher musste es das Gegenteil der Heiligkeit geben, also 49 Tore der Unreinheit. |
75 | Doch bevor der Mensch die Arbeit vollendet und aus dem Bereich der Klipot heraustritt, sieht er nicht das Maß, in dem er in die Heiligkeit eingetreten ist. Vielmehr sieht er nur, dass er jedes Mal ferner ist – weil das Gegenstück zur Heiligkeit das Böse enthüllt, das in ihm ist. Und bevor das Licht der Heiligkeit da ist, ist der Mensch nicht imstande, die wahre Gestalt des Bösen zu sehen, das in ihm ist. Denn gerade da, wo Licht ist, kann man den Schmutz sehen, der im Haus ist, wie erwähnt. | אולם מטרם שאדם גומר את העבודה, ויוצא מרשות הקליפות, אין רואה את שיעור שהוא נכנס בהקדושה, אלא הוא רואה רק כל פעם שהוא יותר רחוק, מטעם הלעומת דקדושה מגלה את הרע שיש בו. ומטרם שיש אור דקדושה, אין האדם מסוגל לראות את צורת הרע האמיתית, שיש בו. כי דוקא במקום שיש אור, אז יכולים לראות את הלכלוך, הנמצא בבית, כנ"ל. | Bevor ein Mensch jedoch die Arbeit vollendet hat und aus dem Bereich der Klipot herauskommt, sieht er nicht das Maß seines Eintritts in die Kedusha . Er sieht nur, dass er jedes Mal weiter weg ist, weil das Gegenteil von Kedusha das Böse in ihm offenbart. Bevor es das Licht der Kedusha gibt, kann ein Mensch die wahre Form des Bösen in ihm nicht sehen. Wie gesagt, genau dort, wo es Licht gibt, können wir den Schmutz im Haus sehen. |
76 | Aus dem Gesagten geht hervor, dass der Mensch nicht wissen kann, was bei ihm ein guter Zustand zu nennen ist. Das heißt: Es kann sein, dass der Mensch spürt, er befinde sich in einem Abstieg. Er sieht nämlich, dass er kein Verlangen nach Tora und Mizwot hat, und sieht, dass er jetzt ein stärkeres Verlangen nach Eigenliebe hat, etwa stärker als gestern. Da muss der Mensch gewiss sagen: Gestern war er in einem Zustand, in dem er auf Menschen blickte, die um materielle Bedürfnisse besorgt sind, um ihr Verlangen zu empfangen zu füllen, und sich von ihnen fernhielt; er konnte nicht mit ansehen, wie erwachsene, verständige Menschen sich erniedrigen, um in einem so niedrigen Zustand zu verharren. | ובהאמור יוצא, שאין אדם יכול לדעת מה נקרא אצלו מצב טוב. היינו, שיכול להיות שהאדם מרגיש, שהוא נמצא בירידה. זאת אומרת, שהוא רואה, שאין לו שום תשוקה לתורה ולמצות. ורואה, עכשיו שיש לו תשוקה לאהבה עצמית יותר, למשל יותר מאתמול. אז בטח שהאדם צריך לומר, שאתמול היה במצב, שהוא היה מסתכל על אנשים שדואגים על צרכי גשמיות, איך למלאות את הרצון לקבל שלהם, אז הוא היה מתרחק מהם, לא היה יכול לראות, איך אנשים מבוגרים בעלי שכל משפילים את עצמם, להיות מצוי במצב שפלות כזה. | Daraus folgt, dass man nicht wissen kann, was man für einen guten Zustand halten kann. Das heißt, es kann sein, dass ein Mensch spürt, dass er in einem Abstieg ist, das heißt, dass er sieht, dass er kein Verlangen nach Tora und Mizwot hat. Er sieht, dass er jetzt mehr Begeisterung für die Eigenliebe hat als zum Beispiel gestern. So sollte ein Mensch wohl sagen, dass er gestern in einem Zustand war, in dem er Menschen, denen es um körperliche Mittel, um die Befriedigung ihres Willens zu empfangen ging, fernblieb und nicht sehen konnte, wie intelligente Erwachsene sich in einen so niedrigen Zustand degradierten. |
77 | Jetzt aber sieht er, dass er einer von ihnen ist, und er schämt sich nicht, seine eigene Niedrigkeit zu spüren; vielmehr ist ihm das eine ganz gewöhnliche Sache – als hätte er nie an das Spirituelle gedacht. Und um es noch besser zu verstehen, nehmen wir ein Beispiel: Manchmal, in der Frühe, wenn der Mensch aufstehen muss und ihn der Wecker oder ein Mensch aufweckt, spürt er, dass er aufstehen muss zum Dienst des Schöpfers. Er beginnt, die Wichtigkeit der Sache zu spüren, und steht darum sofort behände auf – denn das Gespür für die Wichtigkeit des Dienstes am Schöpfer gibt ihm die Kraft, behände aufzustehen. | ועכשיו הוא רואה, שהוא אחד מהם, ואין לו שום בושה להרגיש את שפלותו. אלא זהו אצלו דבר רגיל. היינו כאילו שאף פעם לא היה חושב על רוחניות. ואם יותר להבין, נקח לדוגמא, לפעמים לפנות בוקר, כשאדם צריך לקום, כשמעוררים אותו ע"י שעון מעורר או אדם מעורר אותו, הוא מרגיש, שהוא צריך לקום לעבודת הבורא. ומתחיל להרגיש את החשיבות שבהדבר. ומשום זה תיכף קם בזריזות, היות ההרגשת החשיבות של עבודת ה', נותנת לו כח לקום בזריזות. | Aber jetzt sieht er, dass er einer von ihnen ist und er schämt sich nicht, seine Niedrigkeit zu spüren. Vielmehr ist es für ihn eine ganz normale Sache, so als hätte er nie über spirituelle Dinge nachgedacht. Um das besser zu verstehen, nehmen wir als Beispiel, wenn der Mensch manchmal vor dem Morgengrauen aufstehen muss. Wenn er vom Wecker oder von einem Menschen geweckt wird, spürt er, dass er aufstehen muss, um dem Schöpfer zu dienen. Er beginnt zu spüren, wie wichtig die Angelegenheit ist, und steht deshalb schnell auf, denn das Gefühl der Wichtigkeit, dem Schöpfer zu dienen, gibt ihm die Kraft, schnell aufzustehen. |
78 | Und gewiss ist er dann in einem Zustand des Aufstiegs. Das heißt: Nicht das Körperliche gibt ihm die Kraft zur Arbeit, sondern bei ihm ist es das Spirituelle. Dass er spürt, er werde nun – auf welche Weise auch immer – eine Verbindung mit dem Schöpfer haben, das genügt ihm, um die Kraft zur Arbeit zu haben. Und er denkt dann an gar nichts als an den Schöpfer. Und er spürt, dass er jetzt als lebendig gilt, während er ohne das Spirituelle als tot gilt. Und von selbst spürt er, dass er in einem Zustand des Aufstiegs ist. | ובטח אז הוא נמצא במצב העליה. היינו, שלא הגשמיות נותנת לו כח עבודה, אלא אצלו הרוחניות, בזה שהוא מרגיש, שעכשיו יהיה לו קשר עם הבורא, באיזו צורה שהיא, זה מספיק לו, בכדי שיהיה לו כח לעבוד. ואינו חושב אז על שום דבר, רק על הבורא. ומרגיש, שעכשיו נקרא שהוא חי. מה שאין כן בלי רוחניות, הוא נחשב למת. וממילא הוא מרגיש, שנמצא במצב העליה. | Zweifellos befindet er sich zu diesem Zeitpunkt in einem Zustand des Aufsteigens. Das heißt, es ist nicht die Körperlichkeit, die ihm Kraft zur Arbeit gibt, sondern ihm reicht die Spiritualität, sein Gefühl, dass er jetzt mit dem Schöpfer in Kontakt kommt, auf welche Weise auch immer, um ihm Kraft zur Arbeit zu geben, und er denkt an nichts anderes als an den Schöpfer. Er spürt, dass er jetzt als lebendig angesehen wird, aber ohne Spiritualität wird er als tot angesehen. Er fühlt natürlich, dass er sich in einem Zustand des Aufstiegs befindet. |
79 | In Wahrheit aber kann der Mensch seinen Zustand nicht bestimmen, wenn er spürt, dass er fern ist. Das heißt: Ist er ein Mensch, der auf den Wegen des Gebens gehen will, so muss er begreifen, dass man ihm vom Himmel eine besondere Behandlung zuteilwerden lässt, indem man ihn aus dem vorigen Zustand herabgeführt hat, damit er beginnt, wahrhaftig über das Ziel nachzudenken: was man vom Menschen will und was der Mensch vom Schöpfer will, dass Er ihm gebe. Anders, wenn er in einem Zustand des Aufstiegs ist, das heißt, wenn er Lust auf Tora und Mizwot hat: Dann hat er kein Bedürfnis, sich um das Spirituelle zu sorgen, sondern will, dass es alle Tage seines Lebens so bleibt, weil es ihm so gut geht. | ולפי האמת, אין אדם יכול לקבוע המצב שלו, שהוא מרגיש, שהוא מרוחק. היינו, אם הוא אדם, שרוצה ללכת בדרכי השפעה, אז הוא צריך להבין, שמן השמים נותנים לו טיפול מיוחד, שהורידו אותו ממצב הקודם, בכדי שיתחיל לחשוב באמת על המטרה, היינו מה רוצים מהאדם, ומה האדם רוצה מהבורא, שיתן לו. מה שאין כן כשהוא נמצא במצב עליה, היינו שיש לו חשק לתורה ולמצות, אז אין לו שום צורך לדאוג על רוחניות. אלא שהוא רוצה, שישאר כך כל ימי חייו, היות שטוב לו כך. | In Wahrheit kann der Mensch seinen Zustand nicht bestimmen, dass er sich fern fühlt. Wenn er also ein Mensch ist, der den Weg des Gebens gehen will, muss er verstehen, dass er von oben eine besondere Behandlung erfährt, dass er aus dem vorherigen Zustand herabgesetzt wurde, damit er beginnt, wirklich über das Ziel nachzudenken, d.h. über das, was vom Menschen verlangt wird und was der Mensch vom Schöpfer erhalten möchte. Aber wenn er sich in einem Zustand des Aufstiegs befindet, wenn er Lust an Tora und Mizwot hat, hat er keinen Bedarf, sich um Spiritualität zu sorgen. Stattdessen sieht er, dass er sein ganzes Leben lang so bleiben wird, weil er auf diese Weise glücklich ist. |
80 | Daraus folgt: Der Abstieg, den er empfangen hat, ist zu seinem Besten – wie erwähnt, dass man ihm eine besondere Behandlung zuteilwerden lässt, indem man ihn aus seinem Zustand herabgeführt hat, in dem er meinte, er habe ein wenig Vollkommenheit. Und das erkennt man daran, dass er bereit ist, in seinem gegenwärtigen Zustand alle Tage seines Lebens so zu verbleiben. | נמצא לפי זה, הירידה, שקבל, הוא לטובתו, כנ"ל שיש לו טיפול מיוחד, שהורידו ממצבו, שהיה חושב, שיש לו קצת שלימות. וזה ניכר, מזה שהוא מסכים להשאר כך במצב הנוכחי כל ימי חייו. | Deshalb folgt daraus, dass der Abstieg, den er empfangen hat, zu seinem eigenen Besten ist, d.h. dass er eine besondere Behandlung erfährt, dass er aus seinem Zustand, in dem er dachte, er hätte eine gewisse Vollkommenheit, herabgestuft wurde. Das zeigt sich darin, dass er sich bereit erklärt hat, sein ganzes Leben lang in seinem jetzigen Zustand zu bleiben. |
81 | Anders nun, da er sieht, dass er fern vom Spirituellen ist, wie erwähnt. Da beginnt er nachzudenken: „Was will man eigentlich von mir, und was ist mir aufgetragen zu tun, und welches Ziel soll ich erreichen?“ Und er sieht, dass er keinerlei Kraft zur Arbeit in der Hand hat, und findet sich in einem Zustand „zwischen Himmel und Erde“. Und der Mensch kann sich nur dadurch stärken, dass allein der Schöpfer ihm helfen kann, er aber aus sich selbst verloren ist. | מה שאין כן עתה, כשהוא רואה, שהוא מרוחק מרוחניות, כנ"ל, אז הוא מתחיל לחשוב "מה באמת רוצים ממני, ומה עלי מוטל לעשות, ולאיזה מטרה אני צריך להגיע". ורואה את עצמו, שאין בידו שום כח לעבודה. ומוציא עצמו במצב של "בין שמים וארץ". ורק האדם יכול להתחזק, שרק הקב"ה יכול לעזור, מה שאין כן הוא מצד עצמו, אבד. | Aber jetzt, wo er sieht, dass er weit von spiritueller Vollkommenheit entfernt ist, beginnt er zu überlegen: „Was wird wirklich von mir verlangt? Was wurde mir auferlegt zu tun? Was ist das Ziel, das ich erreichen soll?“ Er sieht, dass er keine Kraft zur Arbeit hat, und befindet sich in einem Zustand „zwischen Himmel und Erde“. Die einzige Stärkung für den Menschen ist, dass einzig und alleine der Schöpfer ihm helfen kann, aber aus eigener Kraft ist er dem Untergang geweiht. |
82 | Und darüber heißt es (Jesaja 40:31): „Die aber auf den Schöpfer hoffen, gewinnen neue Kraft“ – das sind die Menschen, die auf den Schöpfer hoffen. Das heißt: Weil sie sehen, dass es keinen anderen auf der Welt gibt, der ihnen helfen kann, gewinnen sie zu jeder Zeit neue Kraft. So zeigt sich, dass dieser Abstieg gerade ein Aufstieg ist. Das heißt: Durch diesen Abstieg, durch das, was sie spüren, wird ihnen gegeben, in der Stufe aufzusteigen – denn „es gibt kein Licht ohne ein Gefäß“. | ועל זה נאמר (ישעיה מ', ל"א) "וקוי ה' יחליפו כח", היינו אלה אנשים המקווים לה'". פירוש, שהם רואים, שאין אחר בעולם, שיכול לעזור להם יחליפו כח חדש בכל עת. נמצא, שהירידה זו היא דוקא עליה. היינו, שעל ידי ירידה זו, שמה שהם מרגישים, זה נותן להם לעלות בדרגה, היות ש"אין אור בלי כלי". | So steht geschrieben ( Jesaja , 4:31): „Doch die, die auf den Ewigen hoffen, werden neue Kraft gewinnen“, d.h. die Menschen, die auf den Schöpfer hoffen. Das bedeutet, dass diejenigen, die sehen, dass es sonst niemanden auf der Welt gibt, der ihnen helfen kann, immer wieder neue Kraft schöpfen. Daraus folgt, dass dieser Abstieg eigentlich ein Aufstieg ist, das heißt, dass dieser Abstieg, den sie spüren, ihnen erlaubt, in der Stufe aufzusteigen, denn „es gibt kein Licht ohne ein Kli „. |
83 | So zeigt sich: Als er noch meinte, er sei in einem Zustand des Aufstiegs, hatte er keinerlei Mangel, in den der Schöpfer etwas hätte legen können, denn sein Gefäß war voll, und es war kein Platz, in den etwas hätte eintreten können. Anders nun, da er spürt, dass er in einem Zustand des Abstiegs ist: Darum beginnt er jetzt, seine Mängel zu sehen und die hauptsächlichen Gründe, die ihn daran hindern, zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen. Und dann weiß er, worum er den Schöpfer bitten muss, dass Er ihm helfe. Denn dann sieht er die Wahrheit, das wahre Hindernis. | נמצא, כשהוא היה חושב, שנמצא במצב עליה, אם כן אין לו שום חסרון, שהקב"ה יתן שם משהו, כי הכלי שלו הוא מלא, ואין שם מקום שיכנס משהו. מה שאין כן עכשיו, שהוא מרגיש, שנמצא במצב ירידה, לכן הוא מתחיל עתה לראות את החסרונות שלו, ומה הסיבות העיקריות, המפריעות לו להגיע לדביקות ה'. ואז הוא יודע מה לבקש מה', שיעזור לו. כי הוא רואה אז האמת, המפריע האמיתי. | Daraus folgt, dass er, als er dachte, dass er sich in einem Zustand des Aufstiegs befand, keinen Mangel hatte, in dem der Schöpfer etwas unterbringen konnte, da sein Kli voll war und es keinen Platz gab, um etwas hineinlegen zu können. Aber jetzt, da er spürt, dass er sich im Zustand des Abstiegs befindet, beginnt er, seine Unzulänglichkeiten und die Hauptgründe zu erkennen, die ihn daran hindern, Dwekut [Anhaftung] mit dem Schöpfer zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt weiß er, welche Hilfe er vom Schöpfer erbitten muss, denn er sieht die Wahrheit, den wahren Hinderungsgrund. |
84 | Aus dem Gesagten geht hervor: Der Mensch kann nicht sagen, der Schöpfer hat ihn vom Dienst des Schöpfers ferngehalten – und als Beweis dafür, dass er in einem Zustand des Abstiegs ist; das heißt, der Schöpfer hat ihn aus der Arbeit geworfen und will nicht, dass er bei Ihm arbeitet. Das ist nicht richtig. Im Gegenteil: Der Schöpfer will ihn näherbringen; und solange er spürte, dass er im Aspekt des Aufstiegs war, konnte Er ihn nicht näherbringen, weil er keine Gefäße hat. | נמצא לפי הנ"ל, שאין אדם יכול לומר, שה' ריחק אותו מעבודת ה'. והוכחה לזה, שהוא נמצא במצב של ירידה. היינו, שה' זרק אותו מעבודה, ואינו רוצה שהוא יעבוד אצלו. זה לא נכון. אדרבה, היות שה' רוצה לקרב אותו, ובזמן שהיה מרגיש שהוא בבחינת עליה, לא היה יכול לקרב אותו, משום שאין לו כלים. | Demnach kann man nicht sagen, dass der Schöpfer ihn von der Arbeit des Schöpfers vertrieben hat. Der Beweis dafür ist, dass er sich in einem Zustand des Abstiegs befindet, was bedeutet, dass der Schöpfer ihn aus der Arbeit hinausgeworfen hat und nicht will, dass er für Ihn arbeitet. Das ist aber nicht richtig. Im Gegenteil, der Schöpfer will ihn näher bringen. Als er sich im Aufstieg befand, konnte er ihn nicht näher bringen, weil er keine Kelim [Mehrzahl von Kli : Gefässe] hatte. |
85 | Und um dem Menschen Gefäße zu geben, musste der Schöpfer ihn aus seinem Zustand herausführen und ihn in einen Zustand bringen, in dem er an sich selbst einen Mangel spürt. Und dann kann der Schöpfer ihm Hilfe von oben geben, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“ Und der Sohar fragt: Womit? Und er antwortet: mit einer heiligen Seele. Das heißt: Man lässt ihn spüren, dass die Seele ein göttlicher Teil von oben ist. Und dann tritt er in die Heiligkeit ein. Und dann kann er von Stufe zu Stufe gehen, bis er seine Seele vervollständigt – um das, was ihr zur Korrektur fehlt. | ובכדי לתת לאדם כלים היה מוכרח הקב"ה להוציא אותו ממצבו. ולהכניסו למצב, שירגיש בעצמו בחינת חסרון. ואז הקב"ה יכול לתת לו עזרה מלמעלה, כמו שאמרו חז"ל "הבא לטהר מסייעין אותו. ושואל הזה"ק, במה. והשיב, בנשמתא קדישא". היינו, שנותנין לו להרגיש, שהנשמה היא חלק אלקי ממעל. ואז הוא נכנס להקדושה. ואז הוא יכול ללכת מדרגה לדרגה, עד שמשלים נשמתו מבחינת מה שחסר לה לתקן. | Um dem Menschen Kelim zu geben, musste der Schöpfer ihn aus seinem Zustand herausholen und ihn in einen Zustand bringen, in dem er sich mangelhaft fühlt. Dann kann der Schöpfer ihm Hilfe von oben geben, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um rein zu werden, dem wird geholfen.” Der Sohar fragt: ‘Womit?’ Und er antwortet: ‚Mit einer heiligen Seele.'“ Das heißt, ihm wird das Gefühl vermittelt, dass die Seele ein Teil des Schöpfers im Himmel ist, und dann betritt er die Kedusha [Heiligkeit]. Dann kann er von Stufe zu Stufe gehen, bis er seine Seele in Bezug auf das, was er zur Korrektur braucht, vollendet hat. |
86 | Aus dem Gesagten ergibt sich: | ובהאמור יוצא: | Daraus ergibt sich: |
87 | Die erste Art – Grund und Anlass zum Halten von Tora und Mizwot sind Menschen von außen. | סוג א' - הסיבה והגורם לקיום תו"מ הוא אנשים מבחוץ. | Die erste Art: Die Ursache und der Grund für die Einhaltung der Tora und Mizwot sind äußere Menschen. |
88 | Die zweite Art – der Schöpfer in Verbindung mit Menschen von außen sind die Gründe, die ihn zu Tora und Mizwot verpflichten. | סוג ב' - ה' ובשיתוף אנשים מבחוץ הם הגורמים המחייבים אותו לתו"מ. | Die zweite Art: Der Schöpfer in Zusammenarbeit mit äußeren Menschen sind die zwingenden Gründe für ihn, die Tora und die Mizwot einzuhalten. |
89 | Die dritte Art – allein der Schöpfer verpflichtet zum Halten von Tora und Mizwot, und es gibt keine Menschen von außen, die ihn verpflichten. Doch der Mensch selbst ist ebenfalls ein Anlass zu Tora und Mizwot. | סוג ג' - רק ה' הוא המחייב לקיום לתו"מ. ואין לו אנשים מבחוץ שיחייבו. אלא האדם בעצמו הוא גם כן גורם לתו"מ. | Die dritte Art: Einzig und alleine der Schöpfer ist der zwingende Grund für die Einhaltung von Tora und Mizwot . Es gibt keine äußeren Menschen, die ihn dazu verpflichten. Aber der Mensch selbst ist auch ein Grund für die Tora und Mizwot . |
90 | Die vierte Art – allein der Schöpfer ist der Anlass, Tora und Mizwot zu halten, und es gibt keinen Teilhaber, der ihn zu Tora und Mizwot mitverpflichtete. Und das heißt „nichts außer dem Schöpfer allein“. Und das heißt „die vermischte Menge (Erew Rav) inmitten der Heiligkeit“. | סוג ד' - רק ה' הוא הגורם לקיים תו"מ. ואין שום שותף, שישתתף לחייבו תו"מ. וזה נקרא "בלתי ה' לבדו". וזה נקרא "ערב רב בתוך הקדושה". | Die vierte Art: Einzig und alleine der Ewige ist der Grund für die Einhaltung von Tora und Mizwot . Es gibt keinen Partner, der Teil der Verpflichtung ist. Und dies wird als „nur der Ewige allein“ bezeichnet. Und dies wird „Vermischte Menge ( Erew rav ) innerhalb der Heiligkeit“ genannt. |
„LiShma und lo liShma“ – Fließtext
Wir finden vier Arten von Menschen, die Tora und Mizwot (Gebote) einhalten:
Die erste Art. Manchmal hält ein Mensch den Shabbat (Sabbat) ein, weil sein Arbeitgeber ihn dazu zwingt. Das Gesetz ist nämlich so: Hat jemand einen Arbeiter, der den Shabbat entweiht, und sagt er ihm: „Wenn du nicht aufhörst, den Shabbat zu entweihen, entlasse ich dich“, so muss dieser zusagen, den Shabbat zu halten – andernfalls verliert er die Arbeit. Und wo es keine andere Stelle gibt, verspricht er dem Arbeitgeber, den Shabbat einzuhalten. Er hält den Shabbat also nur deshalb, weil der Arbeitgeber ihn dazu zwingt.
Da stellt sich die Frage: Wessen Shabbat hält er eigentlich? Den Shabbat, den der Schöpfer zu halten geboten hat? Erfüllt er demnach das Gebot des Schöpfers oder das Gebot seines Arbeitgebers – nämlich das, was der Arbeitgeber ihm aufgetragen hat, weil er sonst keinen Lebensunterhalt hätte? Nach der Halacha (dem jüdischen Religionsgesetz) gilt er jedenfalls als einer, der „den Shabbat hält“.
Dasselbe Gesetz gilt für die übrigen Mizwot. Sagen wir es anders: Ein Vater weiß, dass sein Sohn Tora und Mizwot halten wird, wenn er ihm androht, ihn sonst nicht weiter zu unterstützen – denn ohne diese Unterstützung hätte der Sohn keinen Lebensunterhalt. Und nach der Halacha ist der Vater gewiss verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Sohn Tora und Mizwot hält. Auch hier kommt die Frage auf: Wessen Tora und Mizwot erfüllt der Sohn? Die des Schöpfers, der uns geboten hat, Tora und Mizwot zu halten, oder die seines Vaters?
Doch so oder so gehört er zu den Menschen, die Tora und Mizwot halten. So lauten die Worte des Maimonides (Hilchot De’ot, Kapitel 6): „Wer seinen Nächsten zurechtweist, rede zunächst nicht hart mit ihm usw. Wovon ist die Rede? Von Dingen zwischen Mensch und Mensch. In Angelegenheiten aber, die den Himmel betreffen, gilt: Kehrt er nicht im Verborgenen um, so beschämt man ihn öffentlich, macht seine Sünde bekannt, hält sie ihm ins Gesicht vor, schmäht und verflucht ihn, bis er sich bessert usw.“
Auch hier kommt die Frage auf: Wessen Gebot erfüllt er – das des Schöpfers oder das der Menschen, die ihn schmähen? Doch auch hier sehen wir, dass er am Ende „einer, der Tora und Mizwot hält“ genannt wird. Betrachten wir nämlich die Handlung selbst, so ist ihr nichts hinzuzufügen. Die ganze Frage betrifft allein die Absicht: aus welchem Grund er Tora und Mizwot hält. Das ist die erste Art, Tora und Mizwot zu halten.
Die zweite Art. Er hält Tora und Mizwot aufgrund seiner Erziehung, weil er in ein religiöses Umfeld hineingeboren wurde. Oder jemand wurde nicht in ein religiöses Umfeld hineingeboren, geriet später in ein solches, und es hat ihn dazu bewegt, Tora und Mizwot zu halten. Der Grund, weshalb er sie hält, ist die ihm vermittelte Überzeugung, dass er dadurch ein gutes Leben in dieser Welt und auch in der kommenden Welt haben wird. Mit der Zeit beginnt er zu sehen, wie sehr man Menschen achtet und schätzt, die Tora und Mizwot genau einhalten. Er sieht, mit welcher Wertschätzung man denen begegnet, die mit besonderem Eifer beten und mehr Zeit dem Studium der Tora widmen. Diese Achtung, die jene empfangen, treibt ihn an und wird ihm zum Brennstoff: Auch er beginnt nun, mit größerem Eifer zu beten und jede Mizwa und jede gute Tat genauer zu erfüllen. Und das gibt ihm die Kraft, mehr Zeit auf das Studium der Tora zu verwenden.
Das ist bereits die zweite Art, Tora und Mizwot zu halten. Denn er will sie aus freier Wahl halten, weil er begreift, dass der Schöpfer ihn dafür belohnt, dass er Seine Mizwot erfüllt. Doch zugleich mischt er dem Beweggrund noch einen anderen bei: die Achtung nämlich, die solche Menschen, wie er sieht, in höherem Maße genießen als andere. Oder neben der Achtung, die den Genauen in Tora und Mizwot zuteilwird, gibt es noch weitere Dinge, um derentwillen die Allgemeinheit ihn zu größerem Einsatz verpflichtet – Geld etwa, oder was auch immer. Es kommt also noch ein weiterer Grund hinzu, um dessentwillen er Tora und Mizwot hält.
Einerseits steht er also höher als die erste Art, denn hier hält er Tora und Mizwot des Schöpfers, weil er an den Schöpfer glaubt. Anders die erste Art: Jener glaubt nicht an den Schöpfer, sondern hält Tora und Mizwot aufgrund des Wissens – des Wissens um die Strafe nämlich, dass der Arbeitgeber ihn von der Arbeit entlassen will, wie erwähnt. Das ist der Grund, warum er es auf sich genommen hat, Tora und Mizwot zu halten.
Die zweite Art dagegen hat durch die Erziehung empfangen, an den Schöpfer zu glauben und Tora und Mizwot zu halten, weil der Schöpfer uns geboten hat, sie zu erfüllen. Bei ihm liegen Lohn und Strafe nicht offen zutage; er muss vielmehr an Lohn und Strafe glauben und daran, dass der Schöpfer den Lohn auszahlt. So sagten unsere Weisen (Awot [Sprüche der Väter] 2:21): „Treu ist dein Auftraggeber, dass Er dir den Lohn deiner Arbeit zahlt. Und wisse: Der Lohn der Gerechten ist für die kommende Welt bestimmt.“
Er muss also an Lohn und Strafe glauben. Nicht so die erste Art, wie erwähnt: Jener muss nicht an Lohn und Strafe glauben, denn bei ihm liegen Lohn und Strafe offen zutage. Hört er nämlich nicht auf den Arbeitgeber und hält Tora und Mizwot nicht, so erhält er gewiss die Strafe: Der Arbeitgeber entlässt ihn, und er hat keinen Lebensunterhalt.
Ebenso bei den erwähnten Worten des Maimonides, dass man ihn schmähen muss und dergleichen. Auch dort muss er nicht an Lohn und Strafe glauben, denn er spürt das Leid unmittelbar, weil man ihn bedrängt, das Halten von Tora und Mizwot auf sich zu nehmen. Das ist etwas anderes: Er erfüllt tatsächlich das Gebot des Arbeitgebers und nicht das Gebot des Schöpfers. Darum zählt es nur zur ersten Art im Dienst des Schöpfers.
Bei der zweiten Art dagegen erfüllt er die Mizwot des Schöpfers, verbindet damit aber noch etwas anderes: Er nimmt einen weiteren Beweggrund hinzu, der ihm Brennstoff zum Halten von Tora und Mizwot gibt – wie gesagt Ehre oder Geld oder anderes. Es gibt also noch weitere Gründe, um derentwillen er Tora und Mizwot hält. Davon sprechen die Worte unserer Weisen (Traktat Sukka 45b): „Jeder, der den Namen des Himmels mit etwas anderem verbindet, wird aus der Welt entwurzelt, denn es heißt: ‚außer dem Schöpfer allein‘.“
Man kann erklären, was es bedeutet, dem Schöpfer noch etwas anderes beizugesellen. Nach unserem Weg lässt sich sagen: Nimmt er einen weiteren Grund hinzu, der ihn zum Halten von Tora und Mizwot verpflichtet, so heißt das „aus der Welt entwurzelt“. Denn der Grund und Anlass, Tora und Mizwot zu halten, muss „außer dem Schöpfer allein“ sein – das heißt, er hält sie um des Gebotes des Schöpfers willen und nicht in Verbindung mit einem weiteren Grund.
Daraus ergibt sich, dass der wesentliche Mangel an der Handlung darin besteht, dass er das liShma (das Tun um des Schöpfers willen) beeinträchtigt. Denn die Mizwot sollte er halten, weil er den Schöpfer bedient und Seine Mizwot erfüllt, weil er dem Schöpfer dient. Und erst dann, wenn er Ihm gedient hat, soll er kommen und bitten, dass der Schöpfer ihm den Lohn für seine Arbeit zahlt. Dann sagt man ihm: „Du hast doch auch für andere gearbeitet; es gab ja noch andere, die dich verpflichteten, für sie zu arbeiten. Geh zu ihnen, damit sie dir den Lohn für die Arbeit zahlen, die du für sie getan hast.“
Das gleicht einem Gleichnis: Ein Fahrer, der bei der Gesellschaft „Dan“ gearbeitet hat, geht und verlangt seinen Lohn von der Gesellschaft „Eged“. Die aber wollen ihm keinen Arbeitslohn geben, weil er nicht für sie gearbeitet hat. So ist es auch hier: Verlangt der Mensch, dass der Schöpfer ihm den Lohn für seine Arbeit zahle, sagt man ihm: „Du hast doch für Menschen gearbeitet, die dir Ehre oder Geld geben. Geh zu ihnen, sie sollen dir den Lohn zahlen.“ Und tatsächlich zahlen sie ihm nach dem Wert seiner Arbeit – so sehr ehren sie ihn usw.
Indem er dem Schöpfer also auch etwas anderes beigesellt – nämlich dass auch die Geschöpfe ihn zur Arbeit verpflichten –, beeinträchtigt er damit das liShma. Darum zählt dies nur zur zweiten Art, und sein Dienst ist noch kein vollendeter, vollkommener und reiner Dienst.
Die dritte Art. Er arbeitet einzig um des Himmels willen und nicht für die Geschöpfe. Er arbeitet im Verborgenen, und niemand weiß, wie viel er betet und wie lange er lernt. Darum kann man nicht sagen, er arbeite irgendetwas für Menschen von außen, damit sie ihm etwas für seine Arbeit geben. Er arbeitet vielmehr „außer dem Schöpfer allein“. Das heißt: Alle Gründe, die ihn zum Halten von Tora und Mizwot verpflichten, laufen darauf hinaus, dass er den Willen des Schöpfers erfüllen will.
Nur arbeitet er für einen Lohn. So sagte Maimonides, wie erwähnt: „… damit ihm kein Unglück widerfährt und um in dieser Welt Lohn zu empfangen“ – das heißt, damit der Schöpfer ihm Gesundheit, Lebensunterhalt, Freude an den Kindern und dergleichen gibt, oder damit Er ihm die kommende Welt gibt. Das ist der Grund, der ihm den Brennstoff gibt, die heilige Arbeit verrichten zu können. Eben darum gilt dieser Dienst als Dienst liShma. Denn der Grund, der ihn zum Halten von Tora und Mizwot bewegt, ist der Schöpfer allein, wie erwähnt: Er arbeitet „außer dem Schöpfer allein“ und gesellt nichts anderes bei.
Das heißt, er hat keinen weiteren Grund, der ihn zum Halten von Tora und Mizwot bewegt. Und das zählt bereits zur dritten Art, denn er hat keinerlei Verlangen, für irgendjemanden zu arbeiten, sondern allein für den Schöpfer. Doch der Grund, der ihn zum Erfüllen der Mizwot des Schöpfers verpflichtet, ist Ehrfurcht – die Furcht vor der Strafe – oder Liebe, nämlich die Liebe zum Lohn.
So steht es im Sulam (dem Leiter-Kommentar zum Sohar; Einführung in das Buch Sohar, Punkt 191) geschrieben: „Es gibt einen Menschen, der den Schöpfer fürchtet, damit seine Söhne leben und nicht sterben, oder weil er Strafe an seinem Leib oder Strafe an seinem Geld fürchtet; darum fürchtet er Ihn beständig. Es zeigt sich, dass er die Furcht vor dem Schöpfer nicht zur Wurzel macht, denn der eigene Nutzen ist die Wurzel, und die Furcht ist nur deren Folge. Und es gibt einen Menschen, der den Schöpfer fürchtet, weil er die Strafe jener Welt und die Strafe der Hölle fürchtet. Diese beiden Arten der Furcht – die Furcht vor der Strafe dieser Welt und die Furcht vor der Strafe der kommenden Welt – sind nicht das Wesen der Ehrfurcht und nicht ihre Wurzel.“
Eben weil diese nicht das Wesen der Ehrfurcht vor dem Himmel sind, ordnen wir dies der dritten Art zu. Dieser Dienst heißt also „liShma“, denn er hat beim Schöpfer gearbeitet und nicht zugleich für andere, wie erwähnt. Das heißt, er hat sich keinen weiteren auserkoren, für den er arbeitet, also nicht zugleich für andere, damit andere ihm Ehre erweisen und dergleichen. Vielmehr tritt er vor den Schöpfer mit dem Anspruch: „Da ich allein für Dich gearbeitet habe und niemand weiß, was ich beim Halten von Tora und Mizwot geleistet habe – weil ich im Verborgenen gearbeitet habe –, musst Du mir von Rechts wegen den Lohn für meine Arbeit zahlen.“
Auf diese Weise lässt sich erklären, was unsere Weisen sagten: „Wer eine Münze als Almosen (Zedaka) gibt, damit seine Söhne leben, ist ein vollkommener Gerechter.“ Der Grund ist der erwähnte: Er erfüllt ein Gebot des Schöpfers. Weil der Schöpfer uns geboten hat, Almosen zu geben, gibt er. Vonseiten des Gebens liegt hier also kein Mangel vor, denn er erfüllt ein Gebot liShma, das heißt um des Himmels willen, und es gibt keinen anderen, der ihn zum Geben des Almosens verpflichtet.
Er erbittet nur einen Lohn vom Schöpfer als Gegenleistung für das Gebot, das er erfüllt – als Lohn für die Mühe, die er allein für den Schöpfer und nicht für irgendjemanden anderen auf sich genommen hat. Anders als bei der zweiten Art, wo er noch einen anderen mit einbezog – Menschen von außen, die ihn ebenfalls antrieben, Tora und Mizwot genau zu halten.
Das ist es, was sie sagten (Traktat Pessachim 8a): „Es wurde gelehrt: Wer sagt: ‚Diese Münze sei als Almosen gegeben, damit meine Söhne leben‘ oder ‚damit ich ein Sohn der kommenden Welt sei‘, der ist ein vollkommener Gerechter.“ Und Rashi erklärt: „‚Der ist ein vollkommener Gerechter‘ in dieser Sache. Und wir sagen nicht, dass er lo liShma (nicht um Ihretwillen) handelt. Vielmehr hat er ein Gebot seines Schöpfers erfüllt, der zu geben befohlen hat, und beabsichtigt dabei auch den eigenen Genuss – dass er dadurch die kommende Welt erlange oder dass seine Söhne leben.“
Daraus geht hervor: Obwohl er einen Lohn für das Erfüllen des Gebotes erbittet – nämlich damit seine Söhne leben, oder weil er für dieses Gebot den Lohn der kommenden Welt will –, ist er dennoch ein Gerechter. Auch wer die kommende Welt will, gilt als einer, der Lohn will, ebenso wie der, der will, dass seine Söhne leben. So sagt der heilige Sohar, wie erwähnt: „Ob jemand für die Mizwot einen Lohn in dieser Welt oder in der kommenden Welt will – beides gilt nicht als das Wesen der Ehrfurcht“, weil der eigene Nutzen der Anlass zum Erfüllen der Mizwot ist und nicht der Schöpfer. Dennoch sagten unsere Weisen hier: „Der ist ein vollkommener Gerechter.“ Und Rashi erklärt es so: Weil er ein Gebot seines Schöpfers erfüllt, der ihm zu geben befohlen hat, und dabei auch den eigenen Genuss beabsichtigt, heißt er „vollkommener Gerechter“.
Das ist, wie wir erklärt haben: Weil er aus dem Grund arbeitet, dass der Schöpfer ihm das Halten von Tora und Mizwot geboten hat, und weil es keinen weiteren gibt, der ihn dazu verpflichtet, heißt das „liShma“, wie Rashi oben erklärte. Es gleicht dem obigen Gleichnis: Wer bei Reuven arbeitet und dann bei Shimon den Lohn verlangt – das heißt gewiss „lo liShma“, denn er hat ja zugleich auch für andere gearbeitet, und das heißt „lo liShma“ und zählt zur zweiten Art.
(Ich habe gehört, dass manche die Worte der Weisen erklären wollen, die sagten: „Wer sagt: ‚Diese Münze sei als Almosen gegeben, damit mein Sohn lebe‘, ist ein vollkommener Gerechter.“ Denn er knüpft ja Bedingungen an das Erfüllen des Gebotes. Darum wollen sie sagen, im Text stand als Abkürzung „ZG“; und als man dies später in ausgeschriebenen Worten wiedergab, machte man aus „ZG“ „Zaddik Gamur“ (vollkommener Gerechter). Doch sie irren in der Deutung der Abkürzung, denn „ZG“ bedeutet „Zedaka Gedola“ (großes Almosen) und nicht „Zaddik Gamur“. Doch das ist offenbar nicht wahr, denn sie können den zweiten Ausspruch nicht erklären, in dem es heißt: ‚oder damit ich ein Sohn der kommenden Welt sei‘. Auch „die kommende Welt“ gilt nämlich als Absicht auf eigenen Genuss, ebenso wie „damit seine Söhne leben“, gemäß den erwähnten Worten des heiligen Sohar.)
Die dritte Art heißt also: Er arbeitet um des Gebotes des Schöpfers willen – dessen, was der Schöpfer uns durch Moses, Friede sei mit ihm, zu halten geboten hat –, und wir erbitten den Lohn von Ihm, weil wir allein für Ihn gearbeitet haben, wie erwähnt, um des Gebotes des Schöpfers willen und nicht aus anderen Beweggründen. Darum heißt das „liShma“. Doch das ist nur die dritte Art.
Die vierte Art. Er hält Tora und Mizwot, ohne einen Lohn zu erwarten. So sagten unsere Weisen (Awot 1:3): „Antigonos, der Mann aus Socho, empfing von Shimon dem Gerechten. Er pflegte zu sagen: ‚Seid nicht wie Knechte, die dem Meister dienen, um Lohn zu empfangen, sondern seid wie Knechte, die dem Meister dienen, ohne einen Lohn zu erwarten. Und die Ehrfurcht vor dem Himmel sei über euch.‘“
Daraus geht hervor, dass gerade das Dienen ohne Lohnerwartung „um des Himmels willen“ heißt, wie er abschließend sagt: „Und die Ehrfurcht vor dem Himmel sei über euch.“ Wahre Ehrfurcht vor dem Himmel liegt also gerade im liShma, ohne jede Gegenleistung. Das heißt, er beabsichtigt keinen eigenen Genuss; seine ganze Absicht ist es, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Das heißt „reines liShma“, ohne jede Beimischung von Eigennutz. Das ist die vierte Art.
Doch bekannt ist die Frage: Ist der Schöpfer denn mangelhaft, dass Er es nötig hätte, dass die Geschöpfe nur für Ihn arbeiten und gar nichts für sich selbst, sondern alles ganz für den Schöpfer ist, ohne jede Beimischung von Eigennutz? Und wenn sie auch selbst Freude haben, sich an ihrer Arbeit erfreuen wollen – ist dieser Dienst dann untauglich und wird er oben nicht als ein Gebot angenommen, das würdig wäre, vor dem König zu bestehen? Was kümmert es denn den Schöpfer, wenn der Mensch auch ein wenig Freude an der Arbeit hat?
Doch die Antwort ist bekannt: Es muss Gleichheit der Form geben, damit es kein „Brot der Scham“ gibt. Die Regel ist nämlich: Der Zweig will seiner Wurzel gleichen. Und da der Schöpfer der Gebende ist, liegt etwas Unangenehmes darin, wenn der Mensch von irgendjemandem empfangen muss. So zeigt sich, dass die Einschränkung (Zimzum) und die Verhüllung, die über unserem Gefäß des Empfangens vollzogen wurden, damit wir nicht arbeiten, um eine Gegenleistung zu empfangen – zu unserem eigenen Besten sind.
Andernfalls gäbe es überhaupt keine Möglichkeit zur freien Wahl. Das heißt, der Mensch könnte Tora und Mizwot niemals in der Absicht zu geben erfüllen. Denn es stünde nicht in seiner Macht, den Genuss zu überwinden, den er in Tora und Mizwot schmecken würde, gäbe es nicht Einschränkung und Verhüllung. Denn bekanntlich gilt: Je größer der Genuss, desto schwerer fällt es, auf ihn zu verzichten.
Eben darum wurden uns die materiellen Genüsse gegeben, in die nur ein sehr feines Licht gelegt ist, das der heilige Sohar „nehiru dakik“ (feines Licht) nennt. Dieses fiel beim Zerbrechen der Gefäße in die Klipot (Schalen). Und es kamen ihnen noch heilige Funken hinzu nach der Sünde am Baum der Erkenntnis, als Adam haRishon (der erste Mensch) sündigte. Diesen Genüssen jagen alle Geschöpfe nach und suchen sie zu erlangen. Alle Kriege, Morde und Diebstähle und so weiter, die es auf der Welt gibt, rühren daher, dass jeder danach strebt, Genuss zu empfangen.
Und es ist uns gegeben, diese Genüsse zu überwinden und alles um des Himmels willen zu empfangen. Der Mensch sieht, wie schwer es ist, aus der Eigenliebe herauszutreten und auf kleine Genüsse zu verzichten. Gäbe es darum nicht die Einschränkung und läge der wahre Genuss offen da, der in Tora und Mizwot enthalten ist, so gäbe es gewiss keine Möglichkeit, auf die Genüsse zu verzichten und zu sagen, man halte Tora und Mizwot, weil man dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten will.
Doch der Mensch kann dem nicht zustimmen, Tora und Mizwot ganz ohne Freude und Genuss zu erfüllen – unserer Natur wegen, denn wir wurden mit dem Gefäß geboren, das „Verlangen, Freude und Genuss zu empfangen“ heißt. Wie also wäre es möglich, ohne jede Gegenleistung zu arbeiten?
Doch ist uns ein einziger Bereich gegeben, in dem wir ohne jede Gegenleistung arbeiten können. Das heißt: Selbst wenn wir wegen der Einschränkung keinen Geschmack mehr an Tora und Mizwot finden, gibt es einen Rat – nämlich aus der Größe des Schöpfers heraus zu arbeiten: aus dem Bewusstsein, welch großes Vorrecht es ist, dem König zu dienen.
Und dazu haben wir tatsächlich eine natürliche Anlage: Der Kleine ordnet sich dem Großen unter. Er hat Kraft und Brennstoff, für den Großen zu arbeiten, der in seiner Generation als bedeutend und in der Welt als angesehen gilt. Nach dem Maß von dessen Bedeutung hat er Freude daran, ihm zu dienen. Und diese Freude darf er sehr wohl empfangen. Denn Freude zu empfangen von dem, dem man gibt, heißt nicht „geben, um zu empfangen“. Denn „geben, um zu empfangen“ heißt eigens, dass er eine Gegenleistung will – dass man ihm für seinen Dienst, den er leistet, etwas gebe. Oder jemand arbeitet in einer Fabrik und weiß, dass der Besitzer Freude daran hat, dass jeder etwas produziert; und wer mehr produziert als üblich, daran hat der Besitzer umso mehr Freude.
Darum müht er sich, mehr zu produzieren als ein anderer Arbeiter, damit der Besitzer Freude hat. Doch danach will er, dass der Besitzer ihm eine Gegenleistung gibt – dafür, dass er sich bemüht hat, ihm Freude zu bereiten. Das heißt: Einerseits gibt er, andererseits will er eine Gegenleistung. Das heißt „geben, um eine Gegenleistung zu empfangen“.
Anders, wenn ein Mensch dem König dient und zum König sagt: „Ich will keine Gegenleistung für den Dienst, denn ich habe schon am Dienst selbst Freude, und mir fehlt keine Gegenleistung. Denn alles, was du mir für den Dienst gibst, den ich dir leiste – ich spüre, dass es meinen Dienst beeinträchtigen würde. Ich will allein den Dienst. Gib mir keine Gegenleistung. Und das ist meine Freude. Denn es ist mir eine große Ehre, dass ich gewürdigt wurde, dem König zu dienen.“
Gewiss kann man von ihm nicht sagen, er gebe, um zu empfangen – er will ja keinerlei Gegenleistung dafür. Und warum will er sie nicht? Weil er große Freude daran hat, dem König zu dienen. So zeigt sich, dass dies „geben, um einem bedeutenden Menschen zu geben“ heißt. Und die Bedeutung des Königs bemisst der Mensch nach dem Maß der Freude, die er aus dem Dienst am König hat. Denn je bedeutender der König, desto größer seine Freude. Es ist eben nicht dasselbe, ob man dem Großen der Stadt dient, dem Großen des Landes oder dem Größten der Welt.
Und das heißt „wahres Geben“: dass er Freude am Geben selbst hat. Denn der eigentliche Sinn des Gebens lag in der Gleichheit der Form. Das heißt: So wie der Schöpfer der Gebende ist, so wollen auch die Geschöpfe Gebende sein. Und gewiss müssen wir sagen, dass der Schöpfer Freude daran hat, dass Er gibt.
Daraus folgt: Wenn die Geschöpfe dem Schöpfer geben und Er keine Freude daran hätte, dann läge gewiss noch keine Gleichheit der Form vor. Denn der Schöpfer hat Freude, wenn Er den Unteren gibt. Das heißt: Aus der Handlung des Gebens fließt Freude. Muss man aber für die vollbrachte Handlung etwas empfangen, so hat man die Handlung beeinträchtigt und sagt damit, in der Handlung liege keine Vollkommenheit. Vielmehr muss man, damit Vollkommenheit da ist, etwas hinzufügen – nämlich ein wenig Gegenleistung für die Handlung empfangen; die Handlung an sich aber hat nicht so viel Wert.
In Wahrheit aber gilt: Will man, dass die Handlung des Gebens – wenn der Mensch irgendeine Handlung für den Schöpfer vollbringt – ihren Wert hat, so muss man sich bemühen, möglichst große Freude daran zu haben. Denn die Freude an einer Handlung des Gebens verleiht der Handlung ihren Wert. Denn jeder Sache, die der Mensch tun will und die ihm am wichtigsten ist, gibt er den Vorrang, sie zuerst zu tun. Und was der Mensch als das ihm Wichtigste wählt, misst sich daran, woran er die meiste Freude hat.
Daraus folgt: Will der Mensch die Handlung, die er für den Schöpfer vollbringt, mit Wert versehen, so kann er das nur, indem er möglichst große Freude daran empfängt. Das heißt: Wenn der Mensch sich bemühen kann, möglichst große Freude zu haben, dann kann er wissen, dass er jetzt dem Schöpfer großes Wohlgefallen bereitet, indem er dem Schöpfer gibt und Seine Mizwot erfüllt.
Das heißt: Der Mensch hat das Verlangen, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, weiß aber nicht, woran der Schöpfer Freude haben kann, was er dem Schöpfer geben soll. Darum: Da der Schöpfer uns offenbart hat, dass Er uns Tora und Mizwot gibt und dass Er Freude hat, wenn wir sie erfüllen, sind wir gewiss froh, dass wir nun wissen, was wir für Ihn tun können. Und wir sehen, dass uns ein Segen gegeben ist, beim Vollziehen von Tora und Mizwot zu sprechen; wir sagen nämlich: „Gepriesen seist Du, Schöpfer, der die Tora gibt.“
Und so danken wir Ihm, wie es bei den Mizwot steht, dafür, dass Er uns zum Beispiel das Gebot der Sukka (Laubhütte) gegeben hat. Wir alle freuen uns etwa darüber, dass Er uns anweist, was wir tun sollen, woran Er Freude hat. Und wir müssen nicht erst losziehen und nach Dingen suchen, an denen der Schöpfer Freude hätte. Die Frage ist nur: Wie können wir unsere Freude beim Vollziehen der Mizwot steigern?
Antwort: Nur ein Rat steht uns zu Gebote – sich zu bemühen, die Größe des Schöpfers zu erlangen. Das heißt: Bei allem, was wir in Tora und Mizwot tun, wollen wir, dass unser Lohn darin besteht, die Größe des Schöpfers zu spüren. Und alle Gebete, die wir beten, sollen darauf zielen, „die Shechina (göttliche Gegenwart) aus dem Staub zu erheben“ – denn der Schöpfer ist uns wegen der vollzogenen Einschränkung verborgen, und wir sind nicht imstande, Seine Bedeutung und Größe zu ermessen.
Darum beten wir zum Schöpfer, dass Er Seine Verhüllung von uns nehme und das Ansehen der Tora erhöhe. So sagen wir im Achtzehnbittengebet (Shmone Esre) von Rosh haShana (Neujahr): „Und so gib Deinem Volk Ehre“ – das heißt, Er möge Seinem Volk die Ehre des Schöpfers geben, damit sie die Ehre des Königs spüren.
Darum muss der Mensch sich bemühen, beim Studium der Tora das Ziel nicht zu vergessen, sodass ihm stets vor Augen steht, was er aus dem Studium empfangen will: dass das Studium ihm die Größe und Bedeutung des Schöpfers vermittle. Und ebenso soll er beim Vollziehen der Mizwot die Absicht nicht vergessen: dass der Schöpfer durch dieses Erfüllen der Mizwot – durch ihre besondere Kraft – die Verhüllung von ihm nehme, die über dem Spirituellen liegt, sodass er ein Gespür für die Größe des Schöpfers empfange.
Doch der Dienst, Tora und Mizwot mit der Absicht zu halten, dadurch der Nähe des Schöpfers gewürdigt zu werden und Seine Größe zu erlangen, um Ihm aus dem Gespür für die Bedeutung des Schöpfers Wohlgefallen bereiten zu können – sodass dies sein Lohn ist und er kein Verlangen nach einem anderen Lohn für seine Arbeit hat –, dieser Dienst ist schwer, denn der Körper willigt nicht ein, mit dieser Absicht zu arbeiten.
Der heilige Sohar (Nasso, Blatt 30; im Sulam Punkte 102–104) sagt: „Tüchtige Männer ziehen von Stadt zu Stadt und finden kein Erbarmen. Die vermischte Menge (Erew Rav) ächtet sie in ihrer Mitte, und an vielen Orten gibt man ihnen nur ein abgemessenes Stück, sodass sie sich aus ihrem Fall nicht erheben können, nicht einmal für eine flüchtige Stunde. Und alle Weisen, alle tüchtigen Männer und die, die die Sünde fürchten, leben in Bedrängnis, in Enge und in Kummer und gelten wie Hunde; sie, die teuren Söhne, aufgewogen mit feinem Gold – wie gelten sie als irdene Scherben an allen Straßenecken usw. Und jene vermischte Menge ist reich, in Ruhe, in Freude, ohne Kummer und ganz ohne Leid – Räuber und Bestechliche, die doch Richter und Häupter des Volkes sind usw.“
Wir sehen hier in den Worten des Sohar, dass er zwischen den Weisen, den tüchtigen Männern und denen, die die Sünde fürchten, einerseits und den Richtern und Häuptern des Volkes andererseits unterscheidet, die zur vermischten Menge (Erew Rav) gehören. Und er sagt: Die Weisen, die tüchtigen Männer und die, die die Sünde fürchten, leben in Kummer und in Enge usw. Die Richter und Häupter des Volkes dagegen sind reich, leben in Ruhe und in Freude. Warum? Weil sie zur vermischten Menge gehören.
Es ist zu klären, was „die vermischte Menge“ bedeutet – dass sie, weil sie zur vermischten Menge gehören, Freude und Ruhe haben usw. Wir sehen es an dem Streit, den Jakob mit Esau hatte: Esau sagte zu Jakob: „Ich habe viel“, und Jakob antwortete: „Ich habe alles.“ Es ist zu verstehen, worin der Unterschied zwischen „viel“ und „alles“ besteht.
Bekannt ist, dass die Sefira Jessod „alles“ genannt wird, denn sie ist der Aspekt „Jessod, der Gerechte“, wie wir im Gebet sagen: „Dein, Schöpfer, ist die Größe und die Macht und die Pracht und der Sieg und der Glanz“ – denn „alles“ ist Jessod. Denn der Gerechte, der „Jessod“ heißt, ist nur Gebender, da die Sefira Jessod an Malchut gibt, wie bekannt und wie es im Sohar geschrieben steht. Das heißt: Die Stufe von Jessod ist die des Gerechten, der nichts für sich selbst nimmt, sondern all seine Handlungen geschehen einzig um des Gebens willen.
Beginnt nun der Mensch seinen Dienst, ein Gerechter zu sein – das heißt, keinen Lohn für sich selbst zu empfangen und alles nur in der Absicht zu tun, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten –, dann willigt der Körper nicht ein und legt ihm Hindernisse in den Weg. Alles, womit er ihn von seiner Arbeit abhalten kann, das tut er. Und dann ist dieser Mensch beständig in Kummer und findet keine Ruhe in seinem Zustand. Denn er sieht, dass er noch nicht dahin gelangt ist, dem Schöpfer zu geben; vielmehr fehlt ihm bei allem, was er tut, noch das Vermögen, es auf das Geben hin auszurichten.
Und darüber ist er beständig in Kummer – aus dem „Kummer der Shechina“, der „Shechina im Exil“ genannt wird. Denn es schmerzt ihn: Warum hat er für die Eigenliebe Kraft zu arbeiten, doch dort, wo er sieht, dass für sein Verlangen zu empfangen nichts herausspringt, wird er in der Arbeit nachlässig?
So zeigt sich: Nachdem er einige Zeit in die Arbeit investiert hat und ein wenig Annäherung an den Schöpfer sehen will, spürt er jedes Mal mehr seine Wahrheit – dass er in Wahrheit weit entfernt ist von der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer. Das heißt, im Hinblick auf die Gleichheit der Form – „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ – ist er das Gegenteil. Zuvor dachte er, er wollte dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten und würde dabei auch ein wenig Freude haben, und er hoffte, den Lohn für seine Arbeit zu empfangen, sowohl den Lohn dieser Welt als auch den Lohn der kommenden Welt. Doch jetzt sieht er, dass er keinerlei Kraft hat, zum Nutzen des Schöpfers zu handeln, sondern alles nur in der Absicht tut, für sich selbst zu empfangen, und gar nicht gibt.
Daran sieht er nun, dass es ihm schlechter geht als zu der Zeit, da er mit der Arbeit begann. Denn als er in die Arbeit im Aspekt der dritten Art eintrat, wie erwähnt, hatte er Freude und Ruhe. Denn er wusste und glaubte, dass sich sein Besitz Tag für Tag zu einer großen Summe mehrt, weil jeder Tag, an dem er gute Taten vollbringt, ihm den Lohn jeder einzelnen Mizwa auf sein Konto schreibt. Und dieser Glaube bereitete ihm gewiss Freude und Ruhe, denn er sah, dass er in der Arbeit vorankam, das heißt, dass sein Besitz Tag für Tag bei ihm anwuchs.
Anders nun, da er von der dritten Art in den Beginn der Arbeit der vierten Art übergegangen ist – der Arbeit „ohne einen Lohn zu erwarten“. Er lebt in Kummer und in Enge, denn er prüft sich am Gefäß des Gebens: wie viel er von diesem Gefäß bereits erworben hat.
Da sieht er das Gegenteil: dass er an jedem Tag, an dem er Kräfte investiert und die Annäherung an den Schöpfer erreichen will – also ein Verlangen zu geben –, die Wahrheit sieht, wie er sich jeden Tag mehr und mehr entfernt. Und wie mein Vater und Lehrer seligen Andenkens (Baal HaSulam) sagte: Warum sieht der Mensch, wie er sich immer mehr entfernt? Er vollbringt doch jeden Tag gute Taten, und danach müssten ihn diese Taten näherbringen.
So sagten unsere Weisen: „Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Warum also sieht der, der mit der Arbeit des Gebens beginnt, wie es ihm jeden Tag schlechter geht? Da sagte er, das sei nicht richtig: In Wahrheit geht er nicht jeden Tag rückwärts, wie er meint, sondern jeden Tag geht er vorwärts. Und dass er sieht, wie es ihm schlechter geht – das kommt daher, dass der Mensch zuerst die Lüge und das Böse sehen muss, und danach erst kann man sie korrigieren.
Anders, wenn jemand ein Loch und einen Riss in einem Bau verschließen will und meint, das Loch und der Riss seien zwanzig Zentimeter groß. Er arbeitet und müht sich ab und sieht am Ende, dass noch zwanzig Zentimeter zu verschließen sind. So zeigt sich: Solange er den wahren Mangel nicht sieht, arbeitet er umsonst, das heißt, er korrigiert nichts.
Die Auslegung des Gleichnisses: Ein Mensch meint, er habe ein Böses in sich – sagen wir, ein Kilogramm – und will es korrigieren. Er beginnt zu korrigieren. Und danach sieht er, dass es noch ein weiteres Kilogramm Böses gibt. So zeigt sich, dass er noch gar nichts korrigiert hat. Sieht er hingegen das ganze Maß des Bösen in sich, und korrigiert er es dann, so heißt das „vollkommene Korrektur“.
Darum sagte er seligen Andenkens: An jedem Tag, an dem er sich mit der Arbeit in der Absicht zu geben befasst, kommt er der Wahrheit näher – nämlich die Größe des Bösen in seinem Innern zu sehen. Denn in einem dunklen Haus sieht man nicht, dass dort Schmutz und Unrat sind. Bringt man aber Licht hinein, dann kann man sehen, dass Schmutz und Unrat da sind.
Ebenso, wenn der Mensch beginnt, sich mit Tora und Mizwot auf dem Weg des Gebens zu befassen, dann leuchten Tora und Mizwot ihm jedes Mal mehr, sodass er die Wahrheit sieht: wie groß das Böse in seinem Innern ist. So zeigt sich, dass er Tag für Tag vorwärtsgeht, bis er das vollkommene Böse erreicht, das in ihm ist. Und dann, wenn man zu korrigieren beginnt, entsteht eine vollkommene Korrektur, sodass er danach das Gute und den Genuss, den der Schöpfer den Geschöpfen zu geben gedachte, in seine Gefäße aufnehmen kann – wie geschrieben steht, dass das Ziel der Schöpfung ist, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“.
Diese Sache finden wir beim Auszug aus Ägypten. So sagte der heilige ARI, dass das Volk Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in den 49 Toren der Unreinheit (Tuma) war, bis der König aller Könige Sich ihnen offenbarte und sie erlöste. Und alle wenden hiergegen ein: Wie ist es möglich, dass das Volk Israel – das doch aus dem Mund von Moses und Aaron die Sendung des Schöpfers vernommen hatte, der sie ausgesandt hatte, es aus dem ägyptischen Exil zu führen –, wie der heilige ARI erklärt: Das ägyptische Exil bedeutet, dass das Bewusstsein der Heiligkeit (Kedusha) im Exil war. Und Moses und Aaron versprachen dem Volk Israel, dass sie aus dem Exil herauskämen, um in die Kedusha einzutreten. So wie wir im „Schma Israel“ (Shma) sagen: „Ich bin der Schöpfer, euer Gott, der euch aus dem Land Ägypten geführt hat, um euch Gott zu sein.“
Demnach verlangt es die Vernunft, dass sie Tag für Tag von Stufe zu Stufe in der Heiligkeit hätten aufsteigen müssen, zumal sie die zehn Plagen sahen, die in Ägypten geschahen. Und dennoch sagt der heilige ARI, dass das Volk Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in den 49 Toren der Unreinheit war.
Vielmehr ist es so, wie erwähnt: An jedem Tag stiegen sie in der Stufe der Wahrheit auf und kamen dem näher, das Maß des Bösen zu sehen, das sie im Gefäß des Empfangens hatten. Das heißt: Bevor Moses und Aaron kamen, um ihnen zu sagen, dass sie aus dem ägyptischen Exil herauskommen müssten – das ist die Klipa (Schale), die von der Heiligkeit saugt, wie der heilige ARI sagt –, und das Volk Israel begann, sich von ihnen zu entfernen, da begann die Klipa Ägyptens, sie mit starken Kräften zu bekämpfen.
Das heißt: Die Klipa Ägyptens gab dem Volk Israel zu verstehen, dass es sich nicht lohne, das eigennützige Empfangen zu verlassen. Und was die Arbeit des Gebens betrifft, gab sie ihnen zu verstehen, dass dies schwer sei und es sich nicht lohne, umsonst zu arbeiten – „ohnehin werdet ihr dessen nicht gewürdigt, denn dazu braucht es besondere Kräfte“. Und sooft das Volk Israel von Moses und Aaron Stärkung empfing, kam die Klipa Ägyptens und schwächte sie.
Und das ging so weit, dass sie jedes Mal, wenn sie den Einwand der Ägypter überwanden, der in ihren Sinn drang, begreifen sollten, dass dies nicht der Einwand der Ägypter ist, sondern dass das Volk Israel meinen sollte, diese Gedanken sind die Israels selbst. Und das heißt: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“
Das bedeutet: Nach dem Maß ihrer Kraft, sich in der Heiligkeit zu stärken, in eben dem Maß stärkten sich die Klipot gegen sie. Nach dem Maß der Kraft, mit der man entfliehen will, in eben dem Maß ist die andere Seite gezwungen, größere Kräfte aufzubieten, um ihn in ihrem Bereich festzuhalten, damit er nicht entfliehe.
Daraus folgt: In Wahrheit kam das Volk Israel der Heiligkeit Tag für Tag mit größerer Macht näher. Der Beweis dafür: Wenn man sagt, dass sie in den 49 Toren der Unreinheit waren, so ist der Grund, dass sie bereits in die 49 Tore der Heiligkeit aufgestiegen waren. Darum musste es das Gegenstück zur Heiligkeit geben, also ebenfalls 49 Tore der Unreinheit.
Doch bevor der Mensch die Arbeit vollendet und aus dem Bereich der Klipot heraustritt, sieht er nicht das Maß, in dem er in die Heiligkeit eingetreten ist. Vielmehr sieht er nur, dass er jedes Mal ferner ist – weil das Gegenstück zur Heiligkeit das Böse enthüllt, das in ihm ist. Und bevor das Licht der Heiligkeit da ist, ist der Mensch nicht imstande, die wahre Gestalt des Bösen zu sehen, das in ihm ist. Denn gerade da, wo Licht ist, kann man den Schmutz sehen, der im Haus ist, wie erwähnt.
Aus dem Gesagten geht hervor, dass der Mensch nicht wissen kann, was bei ihm ein guter Zustand zu nennen ist. Das heißt: Es kann sein, dass der Mensch spürt, er befinde sich in einem Abstieg. Er sieht nämlich, dass er kein Verlangen nach Tora und Mizwot hat, und sieht, dass er jetzt ein stärkeres Verlangen nach Eigenliebe hat, etwa stärker als gestern. Da muss der Mensch gewiss sagen: Gestern war er in einem Zustand, in dem er auf Menschen blickte, die um materielle Bedürfnisse besorgt sind, um ihr Verlangen zu empfangen zu füllen, und sich von ihnen fernhielt; er konnte nicht mit ansehen, wie erwachsene, verständige Menschen sich erniedrigen, um in einem so niedrigen Zustand zu verharren.
Jetzt aber sieht er, dass er einer von ihnen ist, und er schämt sich nicht, seine eigene Niedrigkeit zu spüren; vielmehr ist ihm das eine ganz gewöhnliche Sache – als hätte er nie an das Spirituelle gedacht. Und um es noch besser zu verstehen, nehmen wir ein Beispiel: Manchmal, in der Frühe, wenn der Mensch aufstehen muss und ihn der Wecker oder ein Mensch aufweckt, spürt er, dass er aufstehen muss zum Dienst des Schöpfers. Er beginnt, die Wichtigkeit der Sache zu spüren, und steht darum sofort behände auf – denn das Gespür für die Wichtigkeit des Dienstes am Schöpfer gibt ihm die Kraft, behände aufzustehen.
Und gewiss ist er dann in einem Zustand des Aufstiegs. Das heißt: Nicht das Körperliche gibt ihm die Kraft zur Arbeit, sondern bei ihm ist es das Spirituelle. Dass er spürt, er werde nun – auf welche Weise auch immer – eine Verbindung mit dem Schöpfer haben, das genügt ihm, um die Kraft zur Arbeit zu haben. Und er denkt dann an gar nichts als an den Schöpfer. Und er spürt, dass er jetzt als lebendig gilt, während er ohne das Spirituelle als tot gilt. Und von selbst spürt er, dass er in einem Zustand des Aufstiegs ist.
In Wahrheit aber kann der Mensch seinen Zustand nicht bestimmen, wenn er spürt, dass er fern ist. Das heißt: Ist er ein Mensch, der auf den Wegen des Gebens gehen will, so muss er begreifen, dass man ihm vom Himmel eine besondere Behandlung zuteilwerden lässt, indem man ihn aus dem vorigen Zustand herabgeführt hat, damit er beginnt, wahrhaftig über das Ziel nachzudenken: was man vom Menschen will und was der Mensch vom Schöpfer will, dass Er ihm gebe. Anders, wenn er in einem Zustand des Aufstiegs ist, das heißt, wenn er Lust auf Tora und Mizwot hat: Dann hat er kein Bedürfnis, sich um das Spirituelle zu sorgen, sondern will, dass es alle Tage seines Lebens so bleibt, weil es ihm so gut geht.
Daraus folgt: Der Abstieg, den er empfangen hat, ist zu seinem Besten – wie erwähnt, dass man ihm eine besondere Behandlung zuteilwerden lässt, indem man ihn aus seinem Zustand herabgeführt hat, in dem er meinte, er habe ein wenig Vollkommenheit. Und das erkennt man daran, dass er bereit ist, in seinem gegenwärtigen Zustand alle Tage seines Lebens so zu verbleiben.
Anders nun, da er sieht, dass er fern vom Spirituellen ist, wie erwähnt. Da beginnt er nachzudenken: „Was will man eigentlich von mir, und was ist mir aufgetragen zu tun, und welches Ziel soll ich erreichen?“ Und er sieht, dass er keinerlei Kraft zur Arbeit in der Hand hat, und findet sich in einem Zustand „zwischen Himmel und Erde“. Und der Mensch kann sich nur dadurch stärken, dass allein der Schöpfer ihm helfen kann, er aber aus sich selbst verloren ist.
Und darüber heißt es (Jesaja 40:31): „Die aber auf den Schöpfer hoffen, gewinnen neue Kraft“ – das sind die Menschen, die auf den Schöpfer hoffen. Das heißt: Weil sie sehen, dass es keinen anderen auf der Welt gibt, der ihnen helfen kann, gewinnen sie zu jeder Zeit neue Kraft. So zeigt sich, dass dieser Abstieg gerade ein Aufstieg ist. Das heißt: Durch diesen Abstieg, durch das, was sie spüren, wird ihnen gegeben, in der Stufe aufzusteigen – denn „es gibt kein Licht ohne ein Gefäß“.
So zeigt sich: Als er noch meinte, er sei in einem Zustand des Aufstiegs, hatte er keinerlei Mangel, in den der Schöpfer etwas hätte legen können, denn sein Gefäß war voll, und es war kein Platz, in den etwas hätte eintreten können. Anders nun, da er spürt, dass er in einem Zustand des Abstiegs ist: Darum beginnt er jetzt, seine Mängel zu sehen und die hauptsächlichen Gründe, die ihn daran hindern, zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen. Und dann weiß er, worum er den Schöpfer bitten muss, dass Er ihm helfe. Denn dann sieht er die Wahrheit, das wahre Hindernis.
Aus dem Gesagten geht hervor: Der Mensch kann nicht sagen, der Schöpfer hat ihn vom Dienst des Schöpfers ferngehalten – und als Beweis dafür, dass er in einem Zustand des Abstiegs ist; das heißt, der Schöpfer hat ihn aus der Arbeit geworfen und will nicht, dass er bei Ihm arbeitet. Das ist nicht richtig. Im Gegenteil: Der Schöpfer will ihn näherbringen; und solange er spürte, dass er im Aspekt des Aufstiegs war, konnte Er ihn nicht näherbringen, weil er keine Gefäße hat.
Und um dem Menschen Gefäße zu geben, musste der Schöpfer ihn aus seinem Zustand herausführen und ihn in einen Zustand bringen, in dem er an sich selbst einen Mangel spürt. Und dann kann der Schöpfer ihm Hilfe von oben geben, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“ Und der Sohar fragt: Womit? Und er antwortet: mit einer heiligen Seele. Das heißt: Man lässt ihn spüren, dass die Seele ein göttlicher Teil von oben ist. Und dann tritt er in die Heiligkeit ein. Und dann kann er von Stufe zu Stufe gehen, bis er seine Seele vervollständigt – um das, was ihr zur Korrektur fehlt.
Aus dem Gesagten ergibt sich:
Die erste Art – Grund und Anlass zum Halten von Tora und Mizwot sind Menschen von außen.
Die zweite Art – der Schöpfer in Verbindung mit Menschen von außen sind die Gründe, die ihn zu Tora und Mizwot verpflichten.
Die dritte Art – allein der Schöpfer verpflichtet zum Halten von Tora und Mizwot, und es gibt keine Menschen von außen, die ihn verpflichten. Doch der Mensch selbst ist ebenfalls ein Anlass zu Tora und Mizwot.
Die vierte Art – allein der Schöpfer ist der Anlass, Tora und Mizwot zu halten, und es gibt keinen Teilhaber, der ihn zu Tora und Mizwot mitverpflichtete. Und das heißt „nichts außer dem Schöpfer allein“. Und das heißt „die vermischte Menge (Erew Rav) inmitten der Heiligkeit“.
korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, Ver3