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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1986/15 Ein Gebet von Vielen

Rabash – 1986 – Artikel 15 (תשמ"ו – מאמר ט"ו)

„Das Gebet der Vielen“ · תפלת רבים

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1

Im Heiligen Sohar heißt es (Beshalach, Blatt 3, und im Sulam-Kommentar, Punkt 11): „Und sie sprach: ‚Inmitten meines Volkes wohne ich.‘ Es wird gefragt: Was sagt sie damit? Und es wird geantwortet: Wenn das Urteil (Din) über der Welt schwebt, soll der Mensch sich nicht von der Gemeinschaft trennen und für sich allein stehen. Denn wenn das Urteil über der Welt schwebt, werden gerade jene, die gesondert vom Volk bekannt und verzeichnet sind, zuerst ergriffen – obwohl sie Gerechte sind. Darum soll der Mensch sich niemals vom Volk absondern, denn das Erbarmen des Schöpfers ruht stets auf dem ganzen Volk zugleich. Deshalb sprach sie: ‚Inmitten meines Volkes wohne ich‘ – und ich will mich nicht von ihnen trennen.“

בזה"ק (בשלח דף ג' ובהסולם אות י"א) וזה לשונו, "ותאמר, בתוך עמי אנכי יושבת. שואל, מה אומר. ומשיב, אלא בשעה שהדין תולה על העולם, לא יפרד אדם מן הכלל, בלבדו, כי בשעה שהדין תולה על העולם, אלו שנודעו ונרשמו בלבדם, אף על פי שצדיקים הם, הם נתפסים מתחילה. ועל כן אין אדם צריך לפרוש מן העם לעולם, כי רחמי הקב"ה נמצאים תמיד על העם כולו ביחד. ומשום זה אמרה "בתוך עמי אנכי יושבת" ואיני רוצה להיפרד מהם".

Im Heiligen Sohar steht geschrieben ( BeShalach und im Sulam Kommentar , Punkt 11): „Und sie sagte: ‚Ich wohne in meinem Volk. Er fragt: ‚Was bedeutet das?‘ Er antwortet: Wenn Din (Urteil) in der Welt gegenwärtig ist, sollte man sich nicht von der Allgemeinheit trennen und allein sein, weil, wenn Din in der Welt herrscht, sind jene, die auffallen und alleine sind, die ersten, die gefangen werden, auch wenn sie rechtschaffen sind.‘ Daher sollte man sich nie aus seinem Volk isolieren, weil die Barmherzigkeit des Schöpfers immer auf dem gesamten Volk liegt. Deshalb sagte sie: ‚Ich wohne in meinem Volk‘ und ich will mich nicht von meinen Leuten trennen.‘”

2

„Das Urteil, das über der Welt waltet“ meint das Verlangen zu empfangen, also die Selbstliebe. In dieser Natur wurden die Geschöpfe erschaffen – bekanntlich aus Seinem Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und weil ein Verlangen nach Angleichung der Form bestand, damit es kein „Brot der Scham“ gäbe, wurde ein Urteil verhängt: Man darf die Gefäße des Empfangens nicht gebrauchen. Erlaubt ist es erst, wenn der Mensch weiß, dass er die Absicht beim Empfangen auf das Geben ausrichten kann; dann darf er die Gefäße des Empfangens gebrauchen.

"כי דין ששורה על העולם", פירושו, הרצון דקבלה, שהוא אהבה עצמית, שהנבראים נולדו בטבע זה, כידוע מכוח רצונו להטיב לנבראיו. ומשום זה שהיה רצון להשתוות הצורה, בכדי שלא תהיה נהמא דכסופא, נעשה דין, שאסור להשתמש עם הכלי קבלה, רק בזמן שהוא יודע, שיהיה ביכולתו לכוון על הקבלה בעל מנת להשפיע, אז מותר לו להשתמש עם כלי קבלה.

„Wenn Din in der Welt gegenwärtig ist“ verweist auf das Verlangen zu empfangen, was Selbstliebe ist, die Natur, in die das Geschöpf hineingeboren ist, basierend auf Seinem Willen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und weil es ein Verlangen nach Gleichheit der Form gab, damit es kein Brot der Scham gibt, wurde ein Urteil ( Din ) verhängt, dass man die Gefäße des Empfangens nicht verwenden darf, außer man weiß, dass man nach dem Geben streben kann. Dann ist es erlaubt, die Gefäße des Empfangens zu verwenden.

3

Demnach bedeutet „wenn das Urteil über der Welt waltet“, dass die ganze Welt in Selbstliebe versunken ist. Dann herrscht Finsternis in der Welt. Denn es gibt keinen Ort, an dem das Licht zu den Geschöpfen herabfließen könnte – wegen des Unterschieds der Form zwischen dem Licht und den Geschöpfen, die das Licht empfangen. Über diesen Unterschied der Form wurde das Urteil verhängt, dass die obere Fülle nicht zu den Geschöpfen strömt.

ולפי זה יהיה הפירוש, "בזמן שהדין שורה בעולם", שכל העולם נמצאים שקועים באהבה עצמית, אזי חושך שורה בעולם, כי אין מקום שהאור ימשך למטה להנבראים, מסיבת שינוי הצורה שיש בין האור להנבראים המקבלים האור, כי על שינוי הצורה הזו נעשה הדין, שאין השפע עליון מושפע לנבראים.

Dementsprechend bedeutet „wenn Din in der Welt gegenwärtig ist“, dass, wenn die ganze Welt in Selbstliebe versunken ist, Finsternis in der Welt herrscht, weil es keinen Platz für das Licht gibt, um zu den Geschöpfen hinunterzudringen, aufgrund der Ungleichheit der Form zwischen dem Licht und den Geschöpfen, die das Licht empfangen. Aufgrund dieses Unterschieds der Form wurde das Urteil gefällt, dass der höhere Reichtum nicht an die Geschöpfe weitergegeben wird.

4

Wenn der Mensch nun erwacht und wünscht, dass der Schöpfer ihn näher bringt – ihm also Gefäße des Gebens gibt, was „Annäherung“ genannt wird –, dann bittet er den Schöpfer um Hilfe. Es ist jedoch bekannt: Die Hilfe, die vom Schöpfer kommt, ist die obere Fülle, die „Seele (Neshama)“ genannt wird. So sagt der Heilige Sohar, dass der Beistand, den wir von oben empfangen, in der „heiligen Seele (Nishmata Kadisha)“ liegt.

ולכן בזמן שהאדם נתעורר, ורוצה שה' יקרב אותו, היינו שיתן לו כלים דהשפעה, שזה נקרא "קירוב". ומבקש שה' יעזור לו. אבל ידוע, כי העזרה שבאה מה' נקראת שפע עליון, המכונה בשם "נשמה", כמו שאומר הזה"ק, שאומר שענין הסיוע שמקבלים מלמעלה, הוא ב"נשמתא קדישא".

Wenn daher ein Mensch erwacht und wünscht, dass der Schöpfer ihn annähert, was bedeutet, dass er Gefäße des Gebens erhält, wird dies als “näherbringen“ bezeichnet, und er ersucht den Schöpfer, ihm zu helfen. Es ist jedoch bekannt, dass die Hilfe, die vom Schöpfer kommt “Höhere Füllung“ genannt wird, welche als Neshama (Seele) bezeichnet wird. Es ist wie der Heilige Sohar sagt, dass die Hilfe, die von Oben kommt, in Form einer heiligen Seele ist.

5

Wenn aber ein Mensch den Schöpfer bittet, ihn sich näherzubringen, und dabei für sich allein steht – das heißt, er meint, der Schöpfer müsse gerade ihn auf besondere Weise näher bringen –, warum glaubt er dann, die ganze Gemeinschaft könne in ihrem jetzigen Zustand verbleiben und nur mit ihm müsse der Schöpfer anders verfahren? Das kommt daher, dass er meint, er besitze gute Eigenschaften, die andere nicht haben. Und obwohl solche Menschen Einzelne sind, die nicht zur Gemeinschaft gehören – weil sie meinen, die Annäherung an den Schöpfer stehe ihnen mehr zu als anderen, und sich für Gerechte halten –, werden gerade sie zuerst ergriffen. Denn das Urteil, das das Empfangen für sich selbst ist, lastet auf ihnen stärker als auf der übrigen Gemeinschaft, und in den Eigenschaften der Selbstliebe werden sie dann noch schlechter.

ומשום זה, כשאדם בא לבקש מה', שיקרבהו אליו יתברך, והוא נראה לבדו, היינו שהוא מבין, שהקב"ה צריך לקרבו באופן פרטי. ומדוע הוא חושב, שכל הכלל יכול להישאר במצב הנוכחי, ורק עמו הקב"ה צריך להתנהג אחרת. זהו מטעם שהוא מבין, שיש לו מעלות טובות שאינן נמצאות באחרים. ואף על פי שהם אלו אנשים פרטיים, שאינם שייכים להכלל, משום שהם מבינים, שמגיע להם התקרבות לה' יותר מאחרים, וחושבים עצמם לצדיקים, הם נתפסים מתחילה. היינו הדין, שהוא בחינת קבלה עצמית, שורה עליהם יותר משאר הכלל, והם נעשים אז יותר גרועים במידות אהבה עצמית.

Wenn ein Mensch kommt und den Schöpfer ersucht, ihn näher an Sich zu bringen, er jedoch als allein gesehen wird, dann bedeutet es, dass er versteht, dass der Schöpfer ihn persönlich näherbringen muss. Doch warum denkt er nun, dass die Allgemeinheit auf ihrer derzeitigen Stufe bleiben kann und nur er vom Schöpfer anders behandelt wird? Das ist deshalb so, weil er denkt, dass er Vorzüge hat, die andere nicht haben. Und obwohl jene, die so denken, Individuen sind, die nicht der Allgemeinheit angehören, weil sie verstehen, dass sie es verdienen, näher an den Schöpfer herangebracht zu werden als andere und sie sich selbst als gerecht ansehen, werden sie als erste gefangen. Mit anderen Worten ist Din , welches Selbstliebe ist, in ihnen mehr als in den anderen vorhanden, und sie werden in den Eigenschaften der Selbstliebe schlimmer als die anderen.

6

Und das kommt daher, dass er meint, ihm stehe mehr zu als den übrigen Menschen. Anderen genügt, was sie haben; blickt er aber auf sich, so meint er, ihm gebühre mehr als den anderen. Dieser Gedanke ist reines Empfangen, also hundertprozentige Selbstliebe. So beginnt sich die Selbstliebe in ihm stärker zu entfalten als in anderen.

וזהו מטעם שהוא חושב, שמגיע לו יותר משאר אנשים. היינו, לשאר אנשים מספיק שיהיה להם מה שיש להם, אבל כשהוא מסתכל על עצמו, מגיע לו יותר משאר אנשים. המחשבה זו היא בחינת קבלה ממש, היינו אהבה עצמית במאה אחוז. נמצא, שבחינת אהבה עצמית מתחילה להתפתח אצלו יותר מאחרים.

Deshalb denkt er, dass ihm mehr zusteht als den anderen Menschen. Mit anderen Worten, für andere Menschen reicht es, dass sie haben, was sie haben; wenn es jedoch um ihn geht, denkt er, er verdiene mehr als der Rest der Menschen. Dieser Gedanke wird als absolutes Empfangen angesehen, damit ist 100% Selbstliebe gemeint. Daraus folgt, dass sich die Selbstliebe in ihm mehr als in anderen entwickelt.

7

Daraus folgt, dass er die ganze Zeit in der Selbstliebe arbeitet. In seinen eigenen Augen aber gilt er als Gerechter, weil er als Gebender arbeiten will. Er sagt sich: Dass ich den Schöpfer bitte, mich näher zu bringen, ist doch Gerechtigkeit. Denn worum bitte ich? Dass der Schöpfer mir Kraft gibt, Tora und Mizwot zu erfüllen, um zu geben. Was könnte daran verkehrt sein, dem König dienen zu wollen?

ולפי זה יוצא, שהוא עובד כל הזמן באהבה עצמית. מה שאין כן הוא, נראה בעיניו שהוא צדיק, היות שהוא רוצה לעבוד בבחינת משפיע, שהוא אומר לעצמו, שזה מה שהוא מבקש מה' שיקרב אותו, הוא בחינת צדקות, כי מה הוא מבקש, שה' יתן לו כח לקיים תורה ומצות בעמ"נ להשפיע, ואיזה חסרון יכול להיות בזה שהוא רוצה לשמש את המלך.

Es folgt daher, dass er dauernd in der Selbstliebe arbeitet. Und in seinen Augen scheint er dennoch als gerecht, da er als Geber arbeiten will. Er sagt sich selbst, dass seine Bitte beim Schöpfer, ihn näher an Sich zu bringen, gerecht ist, denn worum bittet er Ihn? Dass der Schöpfer ihm Kraft gebe, Tora und Mizwot einzuhalten, um zu geben; und was könnte daran falsch sein, dem König dienen zu wollen?

8

Damit lassen sich die Worte des Heiligen Sohar erklären. Er gibt einen Rat für jene Menschen, die ein inneres Verlangen haben und sich mit ihrem Zustand nicht abfinden können. Denn sie sehen keinen Fortschritt in der Arbeit für den Schöpfer, und dabei glauben sie an das Wort der Schrift (5. Mose 30,20): „den Schöpfer, deinen Gott, zu lieben, auf Seine Stimme zu hören und Ihm anzuhaften, denn Er ist dein Leben und die Länge deiner Tage.“ Sie aber sehen, dass ihnen Liebe und Anhaftung (Dwekut) fehlen, sie spüren das Leben der Tora nicht und wissen sich keinen Rat, um in ihren Gliedern das zu empfinden, wovon die Schrift spricht.

ובזה יכולים לפרש דברי הזה"ק, שהוא נותן עצה לאלו אנשים שיש להם דרישה פנימית, שלא יכולים להשלים עם המצב שבו הם נמצאים. היות שאין הם רואים שום התקדמות בעבודת ה', והם מאמינים בזה שכתוב (דברים ל', כ') "לאהבה את ה' אלקיך, לשמוע בקולו, ולדבקה בו, כי הוא חייך ואורך ימיך". והם רואים, שחסר להם אהבה ודביקות, ולא מרגישים את החיים שבתורה, והם לא יודעים לשים איזו עצות בנפשם, להגיע לידי הרגשה באברים, במה שאומר לנו הכתוב.

Damit können wir die Worte des Heiligen Sohar interpretieren, der solchen Menschen mit einem inneren Flehen rät, die den Status, in dem sie sich befinden, nicht akzeptieren können, weil sie keinen Fortschritt in der Arbeit Gottes sehen und glauben, was geschrieben steht (5. Moses 30,20): “Den Ewigen deinen Gott zu lieben, Seiner Stimme zu lauschen, sich an Ihm festzuhalten; denn Er ist dein Leben und die Länge deiner Tage.“ Sie erkennen, dass ihnen Liebe und Dwekut (Anhaftung) fehlen, und sie fühlen nicht das Leben der Tora , oder wissen nicht, wie sie Rat für ihre Seelen finden, um in ihren Organen das zu fühlen, was uns der Text sagt.

9

Der Rat lautet: für die ganze Gemeinschaft zu bitten. Das heißt: Bei allem, was ihm fehlt und worum er Erfüllung erbittet, soll er sich nicht aus der Gemeinschaft herausnehmen, als stünde ihm mehr zu als der ganzen Gemeinschaft. Vielmehr gilt: „Inmitten meines Volkes wohne ich.“ Ich bitte also für die ganze Gemeinschaft, weil ich an einen Punkt gelangen will, an dem ich für mich selbst um nichts mehr besorgt bin, sondern allein darum, dass der Schöpfer Wohlgefallen (Nachat Ruach) hat. Was macht es mir dann aus, ob der Schöpfer an mir Wohlgefallen findet oder dasselbe Wohlgefallen von anderen empfängt?

העצה היא, לבקש עבור הכלל כולו, היינו שכל מה שהוא מרגיש שחסר לו, ומבקש מילוי, אז אין לו לומר, שהוא יוצא מהכלל. זאת אומרת, שמגיע לו יותר דברים ממה שיש להכלל כולו. אלא "בתוך עמי אנכי יושבת". היינו, אני מבקש עבור הכלל כולו, משום שאני רוצה להגיע לידי מצב, שאני לא אדאג שום דבר בשבילי, אלא בשביל שיהיה נחת רוח להבורא. אם כן מה חשוב לי, אם הקב"ה יש לו הנאה ממני, או שאותה הנאה הוא יכול לקבל מאחרים.

Der Rat ist, für die Allgemeinheit zu bitten. Das heißt, bei allem, was ihm fehlt und worum er um Erfüllung bittet, sollte er sich nicht als Ausnahme fühlen und denken, dass er mehr verdient als die Allgemeinheit. Es ist eher so: “Ich wohne in meinem Volk“ bedeutet, dass man für die Allgemeinheit bittet, weil man auf eine Stufe kommen will, wo man sich nicht um das eigene Wohl, sondern nur um den Schöpfer sorgen möchte. Daher macht es für ihn keinen Unterschied, ob der Schöpfer an einem selbst Gefallen findet oder den Genuss von den anderen bekommt.

10

Das heißt: Er bittet den Schöpfer um eine Einsicht, die „ganz um des Himmels willen“ genannt wird. Sie bedeutet, dass er sich seiner selbst sicher ist und sich nicht selbst betrügt, wenn er meint, dem Schöpfer geben zu wollen. Denn es könnte ja sein, dass er in Wahrheit doch nur an seine eigene Selbstliebe denkt – also daran, das Gute und den Genuss zu empfinden.

זאת אומרת, הוא מבקש מה', שיתן לנו הבנה כזו, שהיא נקראת "כולו לשם שמים", שפירושו, שיהא בטוח בעצמו, שלא מרמה את עצמו, בזה שהוא רוצה להשפיע לה'. שיכול להיות באמת הוא חושב הכל על אהבה עצמית שלו, היינו שהוא ירגיש את הטוב והעונג.

Er bittet also den Schöpfer, uns so ein Verständnis zu geben, welches als “vollkommen für den Schöpfer“ bezeichnet wird. Das bedeutet, dass er sich sicher nicht selbst betrügen will, dass er dem Schöpfer geben will, dass er möglicherweise wirklich nur aus seiner eigenen Selbstliebe heraus denkt, was bedeutet, dass er Genuss und Freude empfinden wird.

11

Darum betet er zum Schöpfer für die Gemeinschaft. Wenn es nämlich in der Gemeinschaft einige Menschen gibt, die das Ziel – die Anhaftung an den Schöpfer – erreichen können, und wenn daraus dem Schöpfer mehr Wohlgefallen erwächst, als wenn er selbst der Annäherung gewürdigt würde, dann verzichtet er auf sich selbst. Er will vielmehr, dass der Schöpfer jenen hilft, weil daraus oben mehr Wohlgefallen entsteht als aus seiner eigenen Arbeit. Deshalb betet er für die Gemeinschaft: dass der Schöpfer der ganzen Gemeinschaft helfe und ihr dieses Empfinden gebe – die Befriedigung, dem Schöpfer geben zu können, damit Er Wohlgefallen hat.

אי לזאת, הוא מתפלל לה' עבור הכלל. היינו, שאם יש כמה אנשים בהכלל, שהם יכולים להגיע להמטרה, שהיא דביקות בה', ושיהיה מזה יותר נחת רוח לה', מכפי שהוא בעצמו זכה להתקרבות ה', הוא מוותר על עצמו, אלא הוא רוצה, שה' יעזור להם, משום שמזה תצמח נחת רוח למעלה יותר מכפי שיהיה מעבודתו. ומשום זה הוא מתפלל עבור הכלל, היינו שה' יעזור להכלל כולו, ויתן לו הרגשה זו, היינו, שיהיה לו סיפוק מזה שהוא יכול להשפיע לה', שתהיה לו נחת רוח.

Daher betet er für die Allgemeinheit. Wenn es in der Allgemeinheit einige Menschen gibt, die das Ziel von Dwekut mit dem Schöpfer erreichen können, und dies dem Schöpfer mehr Zufriedenheit bereitet, als wenn er selbst damit belohnt würde, näher an den Schöpfer heranzukommen, verzichtet er selbst. Hingegen will er, dass der Schöpfer ihnen hilft, weil dies Oben mehr Freude als seine eigene Arbeit bringt. Aus diesem Grund betet er für die Allgemeinheit, dass der Schöpfer ihr hilft und ihr das Gefühl gibt, dass sie Befriedigung von der Fähigkeit, dem Schöpfer Genuss zu bereiten, erhält.

12

Und da es bei allem eines Erwachens von unten (Itaruta de-Letata) bedarf, gibt er das Erwachen von unten. Das Erwachen von oben aber werden andere empfangen – jene, von denen der Schöpfer weiß, dass aus ihnen mehr Nutzen für Ihn erwächst.

והיות שבכל דבר צריך להיות אתערותא דלתתא, לכן הוא נותן את האתערותא דלתתא. והאתערותא דלעילא יקבלו אחרים, היינו למי שהקב"ה יודע, שיהיה מזה יותר תועלת לה'.

Und da alles eines Erwachens von unten bedarf, gibt es das Erwachen von unten, und andere werden das Erwachen von Oben empfangen, je nachdem was der Schöpfer als nützlicher für Sich betrachtet.

13

Hat er also die Kraft zu einem solchen Gebet, dann steht ihm gewiss eine wahre Prüfung bevor – ob er einem solchen Gebet wirklich zustimmt. Weiß er aber, dass seine Worte nur Lippenbekenntnis sind, was kann er dann tun, wenn er sieht, dass der Körper einem solchen Gebet nicht zustimmt – einem reinen Geben, ohne jede Beimischung des Empfangens?

נמצא, אם יש לו כח לבקש תפלה כזו, אז בטח יהיה לו מבחן אמיתי, אם הוא מסכים לתפלה כזו. אבל אם הוא יודע, שמה שהוא אומר, הוא רק משפה ולחוץ, ומה הוא יכול לעשות, בזמן שהוא רואה, שהגוף לא מסכים לתפלה כזו, שתהיה ממש השפעה נקיה בלי תערובות מבחינת קבלה.

Daraus folgt, wenn er die Kraft für solch ein Gebet hat, wird er sicherlich einer wahren Prüfung gegenüber stehen – ob er solch einem Gebet zustimmt. Wenn seine Worte jedoch nur Lippenbekenntnisse sind, was kann er dann tun, wenn er erkennt, dass der Körper mit diesem Gebet nicht einverstanden ist, reines Geben ohne auch nur einen Hauch von Empfangen zu haben?

14

Es gibt nur den bekannten Rat: Er bete zum Schöpfer und glaube über dem Verstand, dass der Schöpfer ihm und der ganzen Gemeinschaft helfen kann. Und er lasse sich nicht beirren, wenn er sieht, dass er schon viele Male gebetet hat und keine Antwort auf sein Gebet erhielt. Denn das führt den Menschen zur Verzweiflung: Der Körper lacht über ihn und sagt ihm: Du siehst doch, dass du zu nichts fähig bist und scheinbar keine Hoffnung hast – und nun bittest du den Schöpfer um etwas, das bei angesehenen Menschen keinen Anklang findet.

יש רק עצה הידועה, היינו, שיתפלל לה', ויאמין למעלה מהדעת, שה' יכול לעזור לו, ולהכלל כולו. ולא להתפעל מזה, שהוא רואה, שכבר התפלל כמה פעמים, ולא נענה על תפלתו, שזה מביא האדם לידי יאוש, שהגוף צוחק ממנו, ואומר לו, הלא אתה רואה, שאין אתה מסוגל לכלום, וכאילו אין לך שום תקוה, ועכשיו אתה מבקש דבר מה', שיתן לך מילוי על דברים שלא מקובלים על דעת אנשים בעלי צורה.

Hier gibt es nur den berühmten Rat, zum Schöpfer zu beten und über dem Verstand zu glauben, dass der Schöpfer ihm und der gesamten Allgemeinheit helfen kann. Und er sollte nicht resignieren, wenn er bereits viele Male gebetet hat, sein Gebet jedoch nicht erhört wurde. Dies bringt einen Menschen zur Verzweiflung und der Körper verspottet ihn und sagt ihm: “Kannst du nicht sehen, dass du gar nichts tun kannst? Und als wärst du nun völlig hoffnungslos, bittest du noch den Schöpfer, dir Dinge zu gewähren, die für vernünftige Menschen unzumutbar sind.“

15

Und der Körper wendet dann ein: Sag mir doch, wer von den Frommen und den Männern der Tat verlangt, dass der Schöpfer ihm etwas gibt, das der Verstand nicht erträgt? Mehr noch: Du siehst doch, dass du selbst in kleineren Dingen als dem, was du jetzt forderst, noch keine Hilfe erfahren hast, obwohl du den Schöpfer um Rettung gebeten hast. Und jetzt sagst du, du wollest den Schöpfer bitten, dir eine große Sache zu erfüllen – eine, die als sehr bedeutend gilt. Denn es gibt nicht viele Gebete in der Welt, die darum bitten, dass der Schöpfer Kraft gebe, etwas für die Gemeinschaft zu tun – dass die ganze Gemeinschaft durch deine Mühe zu Gutem und Genuss gelange. Das nennt man ein reines, lauteres Geben, frei von jeder Schlacke der Selbstliebe.

והגוף טוען אז, אדרבה תגיד לי, על מי מחסידים ואנשי מעשה, שרוצים שה' יתן להם דבר, שאין הדעת סובלתן. ועוד, הלא אתה רואה, אפילו על דברים יותר קטנים מהדרישה שאתה דורש עכשיו, שה' יעזור לך, עוד לא נושעת, אף על פי שבקשת מה' שיושיעך. ועכשיו אתה אומר, שאתה רוצה לבקש מהקב"ה, שימלא דרישותיך על דבר גדול, שזה נקרא דבר חשוב מאוד, היות שאין כל כך הרבה תפלות בעולם, שיבקשו שה' יתן להם כח לעשות מעשים עבור הכלל, היינו שהכלל כולו יזכה לטוב ועונג על ידי שאתה תתייגע, שזה נקרא השפעה טהורה ונקיה משום סיג של אהבה עצמית.

Zu dieser Zeit argumentiert der Körper: “Sag mir, wer von den frommen und praktischen Menschen wünscht sich, dass der Schöpfer ihnen etwas gibt, das völlig unvernünftig ist? Darüber hinaus kannst du für dich selber sehen, dass dir nicht einmal kleinere Dinge gewährt wurden, geschweige denn der Wunsch, den du soeben aussprichst, dass dir der Schöpfer helfen möge, obwohl du vom Schöpfer erbeten hast, dir zu helfen. Und nun sagst du, dass du den Schöpfer bitten willst, dir etwas wirklich Wunderbares zu gewähren. Es ist wirklich eine wichtige Sache, weil es nicht viele Gebete in der Welt gibt, in denen der Schöpfer um die Kraft des Gebens gebeten wird, Dinge für die Allgemeinheit zu tun – dass die ganze Allgemeinheit Genuss und Freude durch deine Anstrengung erhält; und dies wird ‚echtes und reines Geben ohne einen Hauch von Selbstliebe genannt‘.

16

Du aber denkst: Bei kleinen Dingen wird mein Gebet nicht erhört, wohl aber bei großen und wichtigen, die gewiss eine Seltenheit sind. Ein Beispiel: Es lohne sich, zu einem bestimmten Mann zu gehen, der bei sich zu Hause Gefäße von seltenem Wert besitzt – solche, nach denen man die ganze Welt durchsuchen müsste und die nur bei wenigen Auserwählten der Welt zu finden sind. Da kommt ein Mann aus dem Mittelstand, der mit Mühe die gewöhnlichen Gefäße im Haus hat, und plötzlich kommt ihm der Gedanke, auch er müsse sich um solche Gefäße bemühen, wie sie nur die Auserwählten besitzen. Wer das hört, wird gewiss über ihn lachen.

ואתה חושב שעל דברים קטנים לא נתקבל תפלתך, מה שאין כן על דברים גדולים וחשובים, שזה בטח יקר מציאות. למשל, אם נגיד שכדאי לבוא לאיש פלוני, שיש לו בבית כלים שהם יקר מציאות, שצריכים לעבור על כל העולם, עד שיכולים למצוא כלים כאלו, שהם נמצאים רק אצל יחידי סגולה בעולם. בא אדם אחד, שהוא ממעמד הבינוני ובקושי יש לו כלים המקובלים בבית, ופתאום עלה במחשבתו, שהוא צריך להשתדל גם כן להשיג אותם כלים, שנמצאים אצל יחידי סגולה. ובטח בזמן שמי שהוא שומע, יצחק עליו.

“Und du denkst, dass dein Gebet für kleine Dinge nicht angenommen wurde, aber große und wichtige Dinge sind eindeutig unbezahlbar.“ Wir könnten sagen, dass es sich auszahlt, zu einem bestimmten Menschen zu gehen, der solche kostbaren Utensilien hat, die man sonst nirgendwo in der Welt findet. Und einer aus der Mittelschicht, der kaum die üblichen Utensilien besitzt, kommt und will ebenfalls solche Objekte erstehen, die jedoch nur unter einigen Auserwählten gefunden werden. Wer das hört, würde sicher darüber lachen.

17

Genauso ist es bei uns. Wenn ein Mensch nicht reich an Einsicht ist, sondern unter dem Durchschnitt steht, und doch den Schöpfer bitten will, ihm Gefäße zu geben, wie sie nur die Auserwählten der Welt besitzen, dann lacht der Körper selbst über ihn und sagt: Du Narr, wie kommst du auf den Wunsch, den Schöpfer um etwas zu bitten, das nicht einmal die an Einsicht Reichen haben? Wie soll ich dir da Kraft geben, an solchen Torheiten zu arbeiten?

וכמו כן אצלנו, בזמן שהאדם אינו עשיר בדעת, אלא עומד למטה מבינוני, והוא רוצה לבקש מהקב"ה, שיתן לו כלים הנמצאים אצל יחידי סגולה בעולם, כאן הגוף בעצמו צוחק ממנו, ואומר לו, טיפש כמוך, איך עלה ברצונך לבקש מה' דבר שלא נמצא אפילו בין עשירים בדעת. אם כן איך אני יכול לתת לך כוחות עבודה על שטויות כאלו.

Für uns gilt das Gleiche. Wenn ein Mensch nicht gebildet, sondern unterdurchschnittlich begabt ist und dennoch vom Schöpfer Kelim (Gefäße) will, die unter den wenigen Auserwählten zu finden sind, dann verspottet ihn der Körper. Er sagt ihm: “Du Narr, wie kannst du auch nur daran denken, den Schöpfer um etwas zu bitten, das sogar gelehrte Menschen nicht haben? Wie kann ich dir Kraft geben, an solch einem Unsinn zu arbeiten?“

18

Und hier beginnt die wahre Arbeit. Denn die Arbeit des Menschen in dieser Welt besteht darin, aus der Herrschaft des bösen Triebes herauszutreten, der „empfangen, um zu empfangen“ genannt wird. Und nun will er, dass der Schöpfer ihm hilft, den Weg des reinen, lauteren Gebens zu gehen, ohne jede Beimischung des Empfangens für sich selbst.

וכאן מתחילה העבודה האמיתית, היות שעבודת האדם בעולם הזה היא לצאת מרשות היצר הרע, שהוא נקרא מקבל בעמ"נ לקבל. ועתה, אם הוא רוצה שה' יעזור לו ללכת בדרך של השפעה נקיה וטהורה בלי שום עירוב דקבלה עצמית.

Und hier beginnt die richtige Arbeit, da die Arbeit des Menschen in dieser Welt darin liegt, die Herrschaft des Bösen Triebes zu verlassen, welche “empfangen um zu empfangen“ genannt wird. Und nun will er vom Schöpfer, dass Er ihm hilft, den Pfad des echten und reinen Gebens zu gehen ohne auch nur einen Hauch von Selbstliebe.

19

So zeigt sich, dass diese Arbeit wahrhaft gegen das Böse gerichtet ist. Denn er will keinerlei Besitz bei sich behalten. Er sehnt sich jetzt nicht nur danach, dass seine künftige Arbeit nicht mehr dem Verlangen zu empfangen diene. Er bittet den Schöpfer vielmehr, dass sogar das, was er früher für sich selbst gearbeitet hat und was dem Verlangen zu empfangen zugeschrieben wurde, ganz aus seinem Besitz in den Besitz des Schöpfers übergehe.

נמצא, שעבודה זו היא נגד הרע ממש, היות שהוא לא רוצה לעזוב שום רכוש אצלו, אלא הוא משתוקק עכשיו, לאו דוקא במה שיעבוד מכאן ולהבא לא יהיה בשביל הרצון לקבל, אלא הוא מבקש מה', שאפילו מה שעבד למפרע בשבילו, ונרשם לרשות של רצון לקבל, הוא רוצה שיעבור הכל מרשותו, לרשות של הקב"ה.

Daraus folgt, dass diese Arbeit wirklich gegen das Böse ist, da er ihm keinerlei Besitz überlassen will. Er will vielmehr, dass seine zukünftige Arbeit nicht für den Willen zu empfangen ist. Er will eher vom Schöpfer, dass sogar das, woran er vorher gearbeitet hat und was im Willen zu empfangen enthalten war von seiner Herrschaft in die Herrschaft des Schöpfers übergeht.

20

Daraus ergibt sich, dass er nun zum Schöpfer betet, Er möge ihm die Kraft zur Umkehr (Teshuwa) geben. Das heißt: Der Schöpfer gebe ihm die Kraft, all seine Handlungen, die dem Verlangen zu empfangen dienten, wieder in den Besitz des Schöpfers zurückzuführen – sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft. So sagt Maimonides (Rambam) (Gesetze der Umkehr, Kapitel 2), dass die Umkehr auch die Vergangenheit umfassen muss. Er schreibt: „Was ist Umkehr? Der Sünder lässt seine Sünde und entfernt sie aus seinen Gedanken und beschließt in seinem Herzen, sie nie wieder zu begehen, wie es heißt: ‚Der Frevler lasse seinen Weg.‘ Ebenso bereut er das Vergangene, wie es heißt: ‚Denn nachdem ich umgekehrt war, bereute ich.‘ Und Er, der die Verborgenheiten kennt, bezeugt über ihn, dass er nie wieder zu dieser Sünde zurückkehren wird.“

היוצא מזה, שעכשיו הוא מתפלל לה', שיתן לו כח לעשות תשובה. היינו, שהקב"ה יתן לו כח להשיב כל המעשים לשם הרצון לקבל, שיחזור הכל לרשותו של הקב"ה, הן על העבר והן על להבא, כמו שאומר הרמב"ם (הלכות תשובה פרק ב'), שתשובה צריכה להיות גם על העבר. וזה לשונו, "ומה היא התשובה. הוא, שיעזוב החוטא חטאו ויסירו ממחשבתו, ויגמור בלבו שלא יעשהו עוד, שנאמר "יעזוב רשע דרכו", וכן יתנחם על שעבר, שנאמר "כי אחרי שובי נחמתי", ויעיד עליו יודע תעלומות שלא ישוב לזה החטא לעולם".

Daraus ergibt sich, dass er nun den Schöpfer um die Kraft der Umkehr bittet. Dass ihm der Schöpfer die Kraft geben möge, all seine Handlungen, die für den Willen zu empfangen waren, nun zurück in den Bereich des Schöpfers zu bringen – sowohl jene aus der Vergangenheit als auch jene der Zukunft. Es ist wie Maimonides sagt (Gesetze der Umkehr, Kapitel 2): “Umkehr muss auch für die Vergangenheit sein.“ Er schreibt: “Was ist Umkehr? Der Sünder muss seine Sünde hinter sich lassen und aus seinem Gedächtnis entfernen und in seinem Herzen beschließen, diese niemals wieder zu begehen, wie geschrieben steht: “Der Frevler soll seinen Weg aufgeben.“ Und er sollte auch die Vergangenheit bereuen, wie gesagt wird: “Denn, nachdem ich zurückkehrte, bereute ich“, und Er, der alle Geheimnisse kennt, wird bezeugen, dass er nicht mehr zu dieser Sünde zurückkehren wird.“

21

Damit verstehen wir, worin die Bedeutung des Gebets der Vielen liegt, wie es heißt: „Inmitten meines Volkes wohne ich.“ Dazu sagt der Heilige Sohar: „Darum soll der Mensch sich niemals vom Volk absondern, denn das Erbarmen des Schöpfers ruht stets auf dem ganzen Volk zugleich.“ Das bedeutet: Wenn der Mensch den Schöpfer bittet, ihm Gefäße des Gebens zu geben – wie unsere Weisen sagten: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ –, dann soll er für die ganze Gemeinschaft beten. Denn dann wird erkennbar, dass seine Absicht ist, der Schöpfer möge ihm Gefäße des reinen Gebens geben, weil ja das Erbarmen des Schöpfers immer auf dem ganzen Volk zugleich ruht. Bekanntlich gilt: „Vom Himmel gibt man nicht die Hälfte“ – das heißt, die Fülle, die der Himmel nach unten gibt, ist für die ganze Gemeinschaft bestimmt.

ובזה נבין מה חשיבותה של תפלת רבים, כמו שכתוב "בתוך עמי אנכי יושבת", שהזה"ק אומר "ועל כן אין אדם צריך לפרוש מן העם לעולם, כי רחמי הקב"ה נמצאים תמיד על העם כולו ביחד". והפירוש הוא, שאם האדם מבקש מה', שיתן לו כלים דהשפעה, כמו שאמרו חז"ל "מה הוא רחום אף אתה רחום", אז האדם צריך להתפלל עבור הכלל כולו, כי אז ניכר שכוונתו היא, שהקב"ה יתן לו כלים דהשפעה טהורה, כנ"ל, כי רחמי הקב"ה נמצאים תמיד על העם כולו ביחד. כידוע, "משמיא פלגא לא יהבין", שפירושו, שמשמים שנותנים שפע למטה הוא בשביל הכלל כולו.

Nun können wir die Wichtigkeit eines Gebetes von Vielen verstehen, wie geschrieben steht: “Ich wohne in meinem Volk.“ Der Heilige Sohar sagt: “Man sollte sich niemals aus dem Volk isolieren, denn die Gnade des Schöpfers betrifft immer alle Menschen gemeinsam.“ Wenn daher jemand den Schöpfer bittet, ihm Gefäße des Gebens zu geben, wie unsere Weisen sagten: “So wie Er barmherzig ist, sei auch du barmherzig“, sollte man für die ganze Allgemeinheit beten. Denn dann wird seine Absicht erkennbar, vom Schöpfer Gefäße des reinen Gebens zu bekommen, wie geschrieben steht: “Die Gnade des Schöpfers befindet sich immer über dem gesamten Volk.“ Es ist bekannt, dass von Oben keine halben Sachen gegeben werden. Wenn daher den unteren Füllung von Oben gegeben wird, betrifft sie die ganze Allgemeinheit.

22

Eben deshalb muss der Mensch für die ganze Gemeinschaft bitten, weil jede Fülle, die von oben kommt, immer für das ganze Volk kommt. Darum heißt es: „denn das Erbarmen des Schöpfers ruht stets auf dem ganzen Volk.“ Darin liegen nun zwei Bedeutungen. Denn damit das Geben rein sei, hätte es genügt, nur für einen einzigen Menschen außer sich selbst zu beten. Doch hier kommt noch etwas hinzu: Der Mensch muss um etwas Ganzes bitten. Denn im Spirituellen gilt die Regel, dass immer ein Ganzes kommt, und alle Unterscheidungen entstehen bekanntlich erst bei den Empfangenden. Auch darum muss er für die ganze Gemeinschaft bitten.

אי משום זה, האדם צריך לבקש עבור הכלל כולו, משום שכל שפע הבא מלמעלה בא תמיד עבור העם כולו. וזה שאומר "כי רחמי הקב"ה נמצאים תמיד על העם כולו". אם כן יש בזה שתי משמעויות, כי מטעם שתהיה השפעה טהורה כנ"ל, היה מספיק, שהיה מתפלל רק עבור אדם אחד חוץ ממנו. אבל יש כאן עוד ענין, שהאדם צריך לבקש על דבר שלם, מפני שזהו הכלל אצל רוחניות, שבא תמיד דבר שלם, וכל ההבחנות הן רק אצל המקבלים, כידוע. אי משום זה הוא צריך לבקש עבור הכלל כולו, כנ"ל.

Aus diesem Grund muss man für die ganze Allgemeinheit bitten, da jede Füllung von Oben immer für die ganze Allgemeinheit kommt. Deshalb heißt es: “ Die Gnade des Schöpfers befindet sich immer über dem gesamten Volk.“ So gibt es zwei Bedeutungen dazu, da es ausgereicht hätte, nur für einen Menschen außer sich selbst zu bitten, um das Geben zu erlangen. Aber es gibt hier noch eine andere Sache: Ein Mensch muss um eine ganze Sache bitten, da es in der Spiritualität die Regel gibt, dass alles Kommende vollkommen ist, und all die Unterscheidungen nur in den Empfängern entstehen. Aus diesem Grund sollte man für die ganze Allgemeinheit bitten.

23

Und weil die Fülle der ganzen Gemeinschaft zukommt – und weil es kein Licht ohne Kli (Gefäß) gibt, man also keine Erfüllung empfangen kann, solange kein Ort des Mangels da ist, in den die Erfüllung eintreten könnte –, deshalb wird ihm dieses Gebet erhört, das er für die Vielen sprach. So ist es zu verstehen, wie unsere Weisen sagten (Bava Kama 92): „Wer für seinen Nächsten um Erbarmen bittet, dem wird zuerst geantwortet, denn er bedarf derselben Sache.“ Das bedeutet, wie gesagt: Zwar kommt die Fülle der Gemeinschaft zu, doch der Gemeinschaft fehlen die Gefäße.

והיות שהשפע בא להכלל כולו, והיות שאין אור בלי כלי, היינו שאי אפשר לקבל מילוי אם אין לו מקום חסרון, שהמילוי, תהיה לו יכולת לכנס. ומשום זה הוא נענה על תפילה זו, שהיה מבקש עבור הרבים. זה הוא כענין שאמרו חז"ל (ב"ק צ"ב) "כל המבקש רחמים על חבירו, הוא נענה תחילה, כי הוא צריך לאותו דבר", שפירושו כנ"ל, כי הגם שהשפע בא להכלל, אבל חסר כלים להכלל.

Und da die Füllung zur ganzen Allgemeinheit kommt und es kein Licht ohne Kli (Gefäß) gibt – denn es ist unmöglich Füllung zu erreichen, wenn es dafür keine Leere gibt – wird ihm das Gebet beantwortet, das er für die Vielen aussprach. Es ist wie unsere Weisen sagten ( Baba Kama 92): “Jedem, der um Barmherzigkeit für seinen Freund bittet, wird zuerst geantwortet, da er dieselbe Sache benötigt.“ Das bedeutet, dass die Füllung zwar zur Allgemeinheit kommt, aber der Allgemeinheit die Kelim fehlen.

24

Mit anderen Worten: Vom Himmel her ist die kommende Fülle für das ganze Volk ausreichend. Doch solange die Gefäße fehlen – also die Mängel, die sich füllen ließen –, empfängt die Gemeinschaft die von oben kommende Fülle nicht. Wer aber Mängel hat, dem wird darum zuerst geantwortet.

זאת אומרת, משמים, השפע שבא זהו מספיק בשביל העם כולו. אבל כשאין כלים, היינו חסרונות, שיכלו למלאות החסרונות, לכן אין הכלל משיג את השפע הבא מלמעלה. אלא הוא, שיש לו חסרונות, לכן הוא נענה תחילה.

Mit anderen Worten reicht die Füllung von Oben für das ganze Volk, jedoch erhält die Allgemeinheit ohne Kelim keine Füllung von Oben. Es ist eher so, dass dem, der Mängel hat, zuerst geantwortet wird.

Rabash – 1986 – Artikel 15 (תשמ"ו – מאמר ט"ו)

„Das Gebet der Vielen“

Im Heiligen Sohar heißt es (Beshalach, Blatt 3, und im Sulam-Kommentar, Punkt 11): „Und sie sprach: ‚Inmitten meines Volkes wohne ich.‘ Es wird gefragt: Was sagt sie damit? Und es wird geantwortet: Wenn das Urteil (Din) über der Welt schwebt, soll der Mensch sich nicht von der Gemeinschaft trennen und für sich allein stehen. Denn wenn das Urteil über der Welt schwebt, werden gerade jene, die gesondert vom Volk bekannt und verzeichnet sind, zuerst ergriffen – obwohl sie Gerechte sind. Darum soll der Mensch sich niemals vom Volk absondern, denn das Erbarmen des Schöpfers ruht stets auf dem ganzen Volk zugleich. Deshalb sprach sie: ‚Inmitten meines Volkes wohne ich‘ – und ich will mich nicht von ihnen trennen.“

„Das Urteil, das über der Welt waltet“ meint das Verlangen zu empfangen, also die Selbstliebe. In dieser Natur wurden die Geschöpfe erschaffen – bekanntlich aus Seinem Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und weil ein Verlangen nach Angleichung der Form bestand, damit es kein „Brot der Scham“ gäbe, wurde ein Urteil verhängt: Man darf die Gefäße des Empfangens nicht gebrauchen. Erlaubt ist es erst, wenn der Mensch weiß, dass er die Absicht beim Empfangen auf das Geben ausrichten kann; dann darf er die Gefäße des Empfangens gebrauchen.

Demnach bedeutet „wenn das Urteil über der Welt waltet“, dass die ganze Welt in Selbstliebe versunken ist. Dann herrscht Finsternis in der Welt. Denn es gibt keinen Ort, an dem das Licht zu den Geschöpfen herabfließen könnte – wegen des Unterschieds der Form zwischen dem Licht und den Geschöpfen, die das Licht empfangen. Über diesen Unterschied der Form wurde das Urteil verhängt, dass die obere Fülle nicht zu den Geschöpfen strömt.

Wenn der Mensch nun erwacht und wünscht, dass der Schöpfer ihn näher bringt – ihm also Gefäße des Gebens gibt, was „Annäherung“ genannt wird –, dann bittet er den Schöpfer um Hilfe. Es ist jedoch bekannt: Die Hilfe, die vom Schöpfer kommt, ist die obere Fülle, die „Seele (Neshama)“ genannt wird. So sagt der Heilige Sohar, dass der Beistand, den wir von oben empfangen, in der „heiligen Seele (Nishmata Kadisha)“ liegt.

Wenn aber ein Mensch den Schöpfer bittet, ihn sich näherzubringen, und dabei für sich allein steht – das heißt, er meint, der Schöpfer müsse gerade ihn auf besondere Weise näher bringen –, warum glaubt er dann, die ganze Gemeinschaft könne in ihrem jetzigen Zustand verbleiben und nur mit ihm müsse der Schöpfer anders verfahren? Das kommt daher, dass er meint, er besitze gute Eigenschaften, die andere nicht haben. Und obwohl solche Menschen Einzelne sind, die nicht zur Gemeinschaft gehören – weil sie meinen, die Annäherung an den Schöpfer stehe ihnen mehr zu als anderen, und sich für Gerechte halten –, werden gerade sie zuerst ergriffen. Denn das Urteil, das das Empfangen für sich selbst ist, lastet auf ihnen stärker als auf der übrigen Gemeinschaft, und in den Eigenschaften der Selbstliebe werden sie dann noch schlechter.

Und das kommt daher, dass er meint, ihm stehe mehr zu als den übrigen Menschen. Anderen genügt, was sie haben; blickt er aber auf sich, so meint er, ihm gebühre mehr als den anderen. Dieser Gedanke ist reines Empfangen, also hundertprozentige Selbstliebe. So beginnt sich die Selbstliebe in ihm stärker zu entfalten als in anderen.

Daraus folgt, dass er die ganze Zeit in der Selbstliebe arbeitet. In seinen eigenen Augen aber gilt er als Gerechter, weil er als Gebender arbeiten will. Er sagt sich: Dass ich den Schöpfer bitte, mich näher zu bringen, ist doch Gerechtigkeit. Denn worum bitte ich? Dass der Schöpfer mir Kraft gibt, Tora und Mizwot zu erfüllen, um zu geben. Was könnte daran verkehrt sein, dem König dienen zu wollen?

Damit lassen sich die Worte des Heiligen Sohar erklären. Er gibt einen Rat für jene Menschen, die ein inneres Verlangen haben und sich mit ihrem Zustand nicht abfinden können. Denn sie sehen keinen Fortschritt in der Arbeit für den Schöpfer, und dabei glauben sie an das Wort der Schrift (5. Mose 30,20): „den Schöpfer, deinen Gott, zu lieben, auf Seine Stimme zu hören und Ihm anzuhaften, denn Er ist dein Leben und die Länge deiner Tage.“ Sie aber sehen, dass ihnen Liebe und Anhaftung (Dwekut) fehlen, sie spüren das Leben der Tora nicht und wissen sich keinen Rat, um in ihren Gliedern das zu empfinden, wovon die Schrift spricht.

Der Rat lautet: für die ganze Gemeinschaft zu bitten. Das heißt: Bei allem, was ihm fehlt und worum er Erfüllung erbittet, soll er sich nicht aus der Gemeinschaft herausnehmen, als stünde ihm mehr zu als der ganzen Gemeinschaft. Vielmehr gilt: „Inmitten meines Volkes wohne ich.“ Ich bitte also für die ganze Gemeinschaft, weil ich an einen Punkt gelangen will, an dem ich für mich selbst um nichts mehr besorgt bin, sondern allein darum, dass der Schöpfer Wohlgefallen (Nachat Ruach) hat. Was macht es mir dann aus, ob der Schöpfer an mir Wohlgefallen findet oder dasselbe Wohlgefallen von anderen empfängt?

Das heißt: Er bittet den Schöpfer um eine Einsicht, die „ganz um des Himmels willen“ genannt wird. Sie bedeutet, dass er sich seiner selbst sicher ist und sich nicht selbst betrügt, wenn er meint, dem Schöpfer geben zu wollen. Denn es könnte ja sein, dass er in Wahrheit doch nur an seine eigene Selbstliebe denkt – also daran, das Gute und den Genuss zu empfinden.

Darum betet er zum Schöpfer für die Gemeinschaft. Wenn es nämlich in der Gemeinschaft einige Menschen gibt, die das Ziel – die Anhaftung an den Schöpfer – erreichen können, und wenn daraus dem Schöpfer mehr Wohlgefallen erwächst, als wenn er selbst der Annäherung gewürdigt würde, dann verzichtet er auf sich selbst. Er will vielmehr, dass der Schöpfer jenen hilft, weil daraus oben mehr Wohlgefallen entsteht als aus seiner eigenen Arbeit. Deshalb betet er für die Gemeinschaft: dass der Schöpfer der ganzen Gemeinschaft helfe und ihr dieses Empfinden gebe – die Befriedigung, dem Schöpfer geben zu können, damit Er Wohlgefallen hat.

Und da es bei allem eines Erwachens von unten (Itaruta de-Letata) bedarf, gibt er das Erwachen von unten. Das Erwachen von oben aber werden andere empfangen – jene, von denen der Schöpfer weiß, dass aus ihnen mehr Nutzen für Ihn erwächst.

Hat er also die Kraft zu einem solchen Gebet, dann steht ihm gewiss eine wahre Prüfung bevor – ob er einem solchen Gebet wirklich zustimmt. Weiß er aber, dass seine Worte nur Lippenbekenntnis sind, was kann er dann tun, wenn er sieht, dass der Körper einem solchen Gebet nicht zustimmt – einem reinen Geben, ohne jede Beimischung des Empfangens?

Es gibt nur den bekannten Rat: Er bete zum Schöpfer und glaube über dem Verstand, dass der Schöpfer ihm und der ganzen Gemeinschaft helfen kann. Und er lasse sich nicht beirren, wenn er sieht, dass er schon viele Male gebetet hat und keine Antwort auf sein Gebet erhielt. Denn das führt den Menschen zur Verzweiflung: Der Körper lacht über ihn und sagt ihm: Du siehst doch, dass du zu nichts fähig bist und scheinbar keine Hoffnung hast – und nun bittest du den Schöpfer um etwas, das bei angesehenen Menschen keinen Anklang findet.

Und der Körper wendet dann ein: Sag mir doch, wer von den Frommen und den Männern der Tat verlangt, dass der Schöpfer ihm etwas gibt, das der Verstand nicht erträgt? Mehr noch: Du siehst doch, dass du selbst in kleineren Dingen als dem, was du jetzt forderst, noch keine Hilfe erfahren hast, obwohl du den Schöpfer um Rettung gebeten hast. Und jetzt sagst du, du wollest den Schöpfer bitten, dir eine große Sache zu erfüllen – eine, die als sehr bedeutend gilt. Denn es gibt nicht viele Gebete in der Welt, die darum bitten, dass der Schöpfer Kraft gebe, etwas für die Gemeinschaft zu tun – dass die ganze Gemeinschaft durch deine Mühe zu Gutem und Genuss gelange. Das nennt man ein reines, lauteres Geben, frei von jeder Schlacke der Selbstliebe.

Du aber denkst: Bei kleinen Dingen wird mein Gebet nicht erhört, wohl aber bei großen und wichtigen, die gewiss eine Seltenheit sind. Ein Beispiel: Es lohne sich, zu einem bestimmten Mann zu gehen, der bei sich zu Hause Gefäße von seltenem Wert besitzt – solche, nach denen man die ganze Welt durchsuchen müsste und die nur bei wenigen Auserwählten der Welt zu finden sind. Da kommt ein Mann aus dem Mittelstand, der mit Mühe die gewöhnlichen Gefäße im Haus hat, und plötzlich kommt ihm der Gedanke, auch er müsse sich um solche Gefäße bemühen, wie sie nur die Auserwählten besitzen. Wer das hört, wird gewiss über ihn lachen.

Genauso ist es bei uns. Wenn ein Mensch nicht reich an Einsicht ist, sondern unter dem Durchschnitt steht, und doch den Schöpfer bitten will, ihm Gefäße zu geben, wie sie nur die Auserwählten der Welt besitzen, dann lacht der Körper selbst über ihn und sagt: Du Narr, wie kommst du auf den Wunsch, den Schöpfer um etwas zu bitten, das nicht einmal die an Einsicht Reichen haben? Wie soll ich dir da Kraft geben, an solchen Torheiten zu arbeiten?

Und hier beginnt die wahre Arbeit. Denn die Arbeit des Menschen in dieser Welt besteht darin, aus der Herrschaft des bösen Triebes herauszutreten, der „empfangen, um zu empfangen“ genannt wird. Und nun will er, dass der Schöpfer ihm hilft, den Weg des reinen, lauteren Gebens zu gehen, ohne jede Beimischung des Empfangens für sich selbst.

So zeigt sich, dass diese Arbeit wahrhaft gegen das Böse gerichtet ist. Denn er will keinerlei Besitz bei sich behalten. Er sehnt sich jetzt nicht nur danach, dass seine künftige Arbeit nicht mehr dem Verlangen zu empfangen diene. Er bittet den Schöpfer vielmehr, dass sogar das, was er früher für sich selbst gearbeitet hat und was dem Verlangen zu empfangen zugeschrieben wurde, ganz aus seinem Besitz in den Besitz des Schöpfers übergehe.

Daraus ergibt sich, dass er nun zum Schöpfer betet, Er möge ihm die Kraft zur Umkehr (Teshuwa) geben. Das heißt: Der Schöpfer gebe ihm die Kraft, all seine Handlungen, die dem Verlangen zu empfangen dienten, wieder in den Besitz des Schöpfers zurückzuführen – sowohl für die Vergangenheit als auch für die Zukunft. So sagt Maimonides (Rambam) (Gesetze der Umkehr, Kapitel 2), dass die Umkehr auch die Vergangenheit umfassen muss. Er schreibt: „Was ist Umkehr? Der Sünder lässt seine Sünde und entfernt sie aus seinen Gedanken und beschließt in seinem Herzen, sie nie wieder zu begehen, wie es heißt: ‚Der Frevler lasse seinen Weg.‘ Ebenso bereut er das Vergangene, wie es heißt: ‚Denn nachdem ich umgekehrt war, bereute ich.‘ Und Er, der die Verborgenheiten kennt, bezeugt über ihn, dass er nie wieder zu dieser Sünde zurückkehren wird.“

Damit verstehen wir, worin die Bedeutung des Gebets der Vielen liegt, wie es heißt: „Inmitten meines Volkes wohne ich.“ Dazu sagt der Heilige Sohar: „Darum soll der Mensch sich niemals vom Volk absondern, denn das Erbarmen des Schöpfers ruht stets auf dem ganzen Volk zugleich.“ Das bedeutet: Wenn der Mensch den Schöpfer bittet, ihm Gefäße des Gebens zu geben – wie unsere Weisen sagten: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“ –, dann soll er für die ganze Gemeinschaft beten. Denn dann wird erkennbar, dass seine Absicht ist, der Schöpfer möge ihm Gefäße des reinen Gebens geben, weil ja das Erbarmen des Schöpfers immer auf dem ganzen Volk zugleich ruht. Bekanntlich gilt: „Vom Himmel gibt man nicht die Hälfte“ – das heißt, die Fülle, die der Himmel nach unten gibt, ist für die ganze Gemeinschaft bestimmt.

Eben deshalb muss der Mensch für die ganze Gemeinschaft bitten, weil jede Fülle, die von oben kommt, immer für das ganze Volk kommt. Darum heißt es: „denn das Erbarmen des Schöpfers ruht stets auf dem ganzen Volk.“ Darin liegen nun zwei Bedeutungen. Denn damit das Geben rein sei, hätte es genügt, nur für einen einzigen Menschen außer sich selbst zu beten. Doch hier kommt noch etwas hinzu: Der Mensch muss um etwas Ganzes bitten. Denn im Spirituellen gilt die Regel, dass immer ein Ganzes kommt, und alle Unterscheidungen entstehen bekanntlich erst bei den Empfangenden. Auch darum muss er für die ganze Gemeinschaft bitten.

Und weil die Fülle der ganzen Gemeinschaft zukommt – und weil es kein Licht ohne Kli (Gefäß) gibt, man also keine Erfüllung empfangen kann, solange kein Ort des Mangels da ist, in den die Erfüllung eintreten könnte –, deshalb wird ihm dieses Gebet erhört, das er für die Vielen sprach. So ist es zu verstehen, wie unsere Weisen sagten (Bava Kama 92): „Wer für seinen Nächsten um Erbarmen bittet, dem wird zuerst geantwortet, denn er bedarf derselben Sache.“ Das bedeutet, wie gesagt: Zwar kommt die Fülle der Gemeinschaft zu, doch der Gemeinschaft fehlen die Gefäße.

Mit anderen Worten: Vom Himmel her ist die kommende Fülle für das ganze Volk ausreichend. Doch solange die Gefäße fehlen – also die Mängel, die sich füllen ließen –, empfängt die Gemeinschaft die von oben kommende Fülle nicht. Wer aber Mängel hat, dem wird darum zuerst geantwortet.

korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, 00:07 Uhr, Ver3