Rabash – 1986 – Artikel 25 (תשמ״ו – מאמר כ״ה)
„Das Maß des Praktizierens der Mizwot“ · שיעור מעשי המצות
Nr. | Deutsch NEU | עברית | Deutsch ALT |
1 | Es ist uns gegeben, die 613 Mizwot schon durch die bloße Handlung zu erfüllen. Selbst ohne Absicht genügt das – sofern der Mensch sich nur bewusst ist, dass er gerade eine der Mizwot ausführt, die der Schöpfer uns geboten hat –, um die Mizwa zu erfüllen. Er muss an keinerlei Absicht denken; es genügt, schlicht zu handeln, und damit hat er seine Pflicht bereits erfüllt. | ניתן לנו לקיים תרי"ג מצות בבחינת המעשה. אפילו שלא בכוונה, רק אם הוא מכוון, שהוא עושה עכשיו מצוה אחת מהמצות שציווה לנו הבורא, מספיק לנו בקיום המצוה, ואין לחשוב על שום כוונה, רק בפשטות, הוא כבר יצא ידי חובתו. | Uns wurden 613 Mizwot [Gebote] gegeben, die wir praktisch ausführen sollen. Und auch wenn man ohne Absicht eine Mizwa [Einzahl für Gebote] ausführt, die uns der Schöpfer geboten hat, und wenn wir uns damit begnügen, eine Mizwa ohne uns auszurichten zu erfüllen, und diese nur auf einfache Weise ausführen, dann haben wir damit bereits unsere Pflicht erfüllt. |
2 | Natürlich muss man jede Mizwa nach den Bedingungen erfüllen, die zu ihr gehören. Nehmen wir die Mizwa der Zizit (Schaufäden), wie geschrieben steht: „Und sie sollen sich Zizit an den Ecken ihrer Kleider machen.“ Dabei kommt es auf Einzelheiten an: aus welchem Stoff der Tallit (Gebetsschal) gefertigt ist, wie lang und breit er ist und dergleichen. Und auch bei den Zizit selbst gibt es solche Unterschiede – aus welchem Material sie bestehen, ob aus Wolle, Flachs oder anderem –, ferner ihre Zahl, ihre Länge und so fort. | אבל בטח שצריכים לקיים כל מצות לפי התנאים שיש בכל מצוה. דוגמא, האדם מקיים מצות ציצית, כמו שכתוב "ועשו להם ציצית על כנפי בגדיהם". אבל יש הבחנות, מאיזה חומר נעשה הטלית, וכמו כן האורך והרוחב של הטלית, וכדומה. וכמו כן בציצית עצמה יש הבחנות, מאיזה חומר נעשה הציצית, מהצמר או פשתים, או משאר חומר. וכמו כן במספר הציצית, והאורך של הציצית, וכדומה. | Wir sollten jedoch alle Mizwot gemäß den Bedingungen jeder Mizwa einhalten. Zum Beispiel kann ein Mensch das Gebot der Zizit [geknotete Fäden an einem Gebetsschal] befolgen, denn es steht geschrieben: „Sie sollen sich Schaufäden an den Ecken ihrer Kleider machen.“ Es gibt jedoch Unterschiede in Bezug auf das Material, aus dem der Tallit [Gebetsschal, der während des jüdischen Morgengottesdienstes getragen wird und an dessen Rändern sich jeweils ein Zizit befindet] hergestellt wird, sowie in Bezug auf die Länge und Breite des Tallits. Auch bei den Zizit selbst gibt es Unterschiede – wie das Material, aus dem sie gemacht sind (Wolle, Flachs oder andere Materialien), die Anzahl der Fransen, die Länge und so weiter. |
3 | All diese Bedingungen der Mizwa der Zizit muss man selbstverständlich einhalten. Sonst gilt die Handlung der Mizwa als unvollständig, und das ist ein Mangel auf der Ebene der Handlung. Außerdem gilt der Grundsatz, die Mizwot möglichst schön auszuführen, wie die Weisen zum Vers „Dies ist mein Gott, und ich will Ihn verherrlichen“ bemerkten. Ebenso ist auf viele Feinheiten genau zu achten. | וכל אלה התנאים שיש במצות ציצית, בטח שצריך לשמור. אחרת נקרא, שהמעשה המצוה אינו בשלימות. והוא חסרון בבחינת המעשה. וגם נוהג ענין הידור במעשה המצות, כמו שאמרו חז"ל על פסוק "זה אלי ואנוהו". וכמו כן יש לדקדק הרבה דקדוקים. | Die Bedingungen in der Zizit Mizwa sollten unbedingt eingehalten werden. Andernfalls gilt es als unvollständige Ausübung der Mizwa und wird als Makel in der praktischen Ausführung angesehen. Auch die Ausübung der Mizwot selbst ist eine Ausschmückung, wie unsere Weisen sagten: „Das ist mein Herr, und ich will Ihn preisen“ – und es gibt noch viele weitere Präzisierungen diesbezüglich zu machen. |
4 | Das gilt für die Ausführung aller Mizwot – ob es Mizwot aus der Tora sind, Mizwot der Weisen oder solche, die man aus Brauch erfüllt. Denn die Weisen sagten: „Der Brauch Israels ist Tora“ (Menachot 20b, Tosafot zum Stichwort „nifsal“), und „der Brauch unserer Väter ist Tora“. | וענין זה נוהג בכל מעשה המצות, בין במצות דאורייתא, ובין במצות דרבנן, ובין בהמצות שמקיימים אותן מטעם מנהג, כמו שאמרו חז"ל "מנהג ישראל תורה הוא" (מנחות כ' ע"ב, בתוס' ד"ה "נפסל"), "ומנהג אבותינו תורה הוא". | Diese Aspekte gelten für jede Ausführung von Mizwot, egal ob es sich um Mizwot aus der Tora, von unseren Weisen oder um Mizwot handelt, die wir aufgrund von Bräuchen halten, wie unsere Weisen sagten: „Die Bräuche Israel`s sind die Tora“ (Minchot, 20b), „und die Bräuche unserer Vorväter sind die Tora.“ |
5 | Wie genau wir bei den Feinheiten der Mizwot sein müssen, führt uns die Mizwa vor Augen, an Pessach kein Chamez (Gesäuertes) zu essen. Sie zeigt beispielhaft, welche Gestalt solche Genauigkeit haben soll. Gerade an Pessach wurde sie uns gegeben, weil Chamez auf den bösen Trieb hindeutet. Deshalb gelten hier viele strenge Vorschriften und Feinheiten. Das soll uns als Beispiel dienen, wie achtsam wir sein müssen, um nicht, Gott behüte, in eine wirkliche Übertretung zu geraten. Darum wurden uns diese Feinheiten gegeben: Sie halten uns von der Übertretung selbst fern und lassen uns zugleich die Mizwa erfüllen. | ובשיעור הדקדוקים, עד כמה אנו צריכים להיזהר בדקדוקי המצות, ניתן לנו במצוה, שלא לאכול חמץ בפסח. דוגמא, באיזו צורה צריכים להיות הדקדוקים. וניתן זה לפסח, היות שחמץ מרמז על יצר הרע. ומשום זה יש לנו הרבה חומרות ודקדוקים. וזה ניתן לנו לדוגמא, איך שצריכים להיזהר, בכדי שלא נבוא חס ושלום לעבור על עבירה ממש. לכן ניתן לנו דקדוקים, שזה יגרום לנו להתרחק מהעבירה עצמה, וכמו כן לקיים המצוה בעצמה. | Wie genau wir es mit den Mizwot halten sollen, wurde uns in der Mizwa, an Pessach keinen Sauerteig zu essen, vor Augen geführt. Ein Beispiel dafür, wie peinlich genau wir sein sollten, wurde uns an Pessach gegeben, denn Sauerteig deutet auf den Bösen Trieb hin. Aus diesem Grund gelten viele Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen. Dies wurde uns als Beispiel dafür gegeben, wie achtsam wir sein sollen, damit wir nicht, Gott behüte, gegen etwas verstoßen. Deshalb wurden uns Präzisierungen gegeben, damit wir uns von Verstoßen selbst fernhalten und die Mizwa erfüllen. |
6 | Doch der Baal Shem Tov sagte: „Übertreibe es nicht mit den Feinheiten.“ Das heißt: Man soll nicht alle Aufmerksamkeit und Zeit in Feinheiten stecken. Der Mensch soll die Mizwot zwar so weit wie möglich in all ihren Einzelheiten und Feinheiten wahren, es damit aber nicht übertreiben. Vielleicht ist das der Grund, warum wir nicht bei jeder Mizwa so streng verfahren wie an Pessach: Wir brauchen unsere Kraft nämlich auch für die Absicht hinter den Handlungen, sonst bliebe für sie keine Zeit. | אולם הבעל שם טוב אמר "אל ירבה בדקדוקים". היינו, שלא יתן כל החוש והזמן על דקדוקים, אלא עד כמה שאפשר, האדם צריך לשמור את המצות בכל פרטיה ודקדוקיה, אבל אל ירבה. ויכול להיות שזהו הטעם, שלא בכל מצות אנו נזהרים בחומרות ודקדוקים כמו בפסח. כי אנו צריכים את המרץ שלנו גם לכוונת המעשים, ואחרת לא ישאר לנו זמן לכוונה. | Baal Shem Tov sagte jedoch: „Man soll das Vermehren von Spitzfindigkeiten unterlassen.“ Das heißt, man soll nicht all die Aufmerksamkeit und die Zeit mit Spitzfindigkeiten vergeuden. Vielmehr sollte man die Mizwot in allen ihren Feinheiten und Details befolgen – ohne zu übertreiben. Vielleicht wenden wir uns deshalb nicht allen Mizwot mit derselben Strenge und Genauigkeit wie an Pessach zu, denn wir benötigen auch Kraft, um unsere Taten auszurichten. Ansonsten bleibt uns keine Zeit für die Absicht mehr. |
7 | Wir müssen also auch an die Absicht denken, wie geschrieben steht: „Ich erschuf den bösen Trieb, und Ich erschuf die Tora als Gewürz.“ Wir müssen demnach auch der Absicht Zeit und Mühe widmen, nämlich nachzuprüfen, wie weit der böse Trieb durch Tora und Mizwot bereits korrigiert ist. Der Mensch muss sein Verlangen prüfen – das sogenannte „Verlangen zu empfangen“ –: ob er sich schon ein gutes Stück davon gelöst und sich von ihm entfernt hat und wie weit er in die Arbeit des Gebens eingetreten ist. Er muss sich also immer wieder überprüfen, um ganz klar zu erkennen, welches Maß an Hass er erworben hat, um seine Gefäße des Empfangens zu hassen und sich nach den Gefäßen des Gebens zu sehnen. | זאת אומרת, שאנו צריכים לחשוב גם על הכוונה, כמו שכתוב "בראתי יצר הרע, בראתי תורה תבלין". אם כן, אנו צריכים לתת זמן ויגיעה על הכוונה גם כן. היינו, לראות עד כמה שהיצר הרע נתקן ע"י התורה ומצות. זאת אומרת, שצריך לעשות בקורת על הרצון שלו, הנקרא "רצון לקבל". אם כבר עבר כברת דרך מלהשתמש עם הרצון לקבל, ולהתרחק ממנו, ועד כמה הוא נכנס בעבודה דלהשפיע, זאת אומרת, שצריך כל פעם לבדוק את עצמו, לדעת בבירור גמור את השיעור שנאה, שרכש לשנוא את הכלי קבלה שלו, ולהשתוקק לכלים דהשפעה. | Das bedeutet, dass wir auch über die Absicht nachdenken müssen, so wie geschrieben steht: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Wir müssen also auch der Absicht Zeit und Mühe widmen, d.h. sehen, inwieweit der Böse Trieb durch die Tora und Mizwot korrigiert wird. Das heißt, wir müssen unser Verlangen, das als „Wille zu empfangen“ bezeichnet wird, kritisch überprüfen, um zu sehen, ob wir uns vom Gebrauch des Willens zu empfangen entfernt haben und uns von ihm entfernen, und wie sehr wir in die Arbeit des Gebens eingetreten sind. Das heißt, wir müssen uns ständig selbst überprüfen, um mit Sicherheit zu wissen, wie sehr wir unsere Gefäße des Empfangens hassen und nach Gefäßen des Gebens begehren. |
8 | Wenn der Mensch sich also mit irgendeiner Mizwa beschäftigt, soll er zuallererst wissen, dass er sie in vollkommener Einfachheit erfüllt: dass er gerade an nichts anderes denkt als an diese eine Mizwa, mit der er beschäftigt ist. Er soll sich also bewusst sein, dass er eine Mizwa des Schöpfers erfüllt, und glauben, dass der Schöpfer es uns durch Moshe, unseren Lehrer – Friede sei mit ihm –, geboten hat, Sein Gebot zu erfüllen. Wenn er nun erfüllt, was Er uns gegeben hat – die 613 Mizwot, dazu die Mizwot der Weisen und ebenso die Bräuche Israels, die ebenfalls Tora sind –, dann soll all seinem Tun die eine Absicht zugrunde liegen: dem Schöpfer Freude zu bereiten. Vom Himmel wurde ihm ein großes Vorrecht zuteil – nämlich die Fähigkeit, mit dem Schöpfer zu sprechen. Wenn er daher einen Segen spricht, sei es über Genüsse oder über die Mizwot, soll er sich kurz vergegenwärtigen, wem er diesen Segen spricht, wem er dankt. | אי לזאת, בזמן שהאדם עוסק באיזו מצוה שהיא, אז עליו לדעת קודם כל, שהוא מקיים את המצוה בתכלית הפשטות, שעכשיו הוא לא חושב על שום דבר, אלא בזו המצוה שהוא עוסק, היינו שידע שהוא מקיים מצות ה'. ולהאמין, שה' צוה לנו ע"י משה רבנו עליו השלום לקיים את הציווי שלו. ובזה שהוא מקיים, מה שהוא נתן לנו את התרי"ג מצות, וכן ע"י מצות דרבנן, וכמו כן כשמקיים מנהגי ישראל, שגם זה תורה, על כל הדברים שהוא עושה, הכל יהיה על הכוונה, שרוצה להנות את הבורא. וניתנה לו זכיה גדולה מן השמים, שתהיה לו היכולת לדבר עם הקב"ה. אי לזאת, בזמן שהוא עושה ברכה, הן ברכת הנהנין וברכת המצות, אז הוא צריך לדעת ולחשוב קצת למי הוא נותן ברכה, למי הוא נותן תודה. | Deshalb muss ein Mensch, wenn er eine Mizwa befolgt, zuerst wissen, dass er die Mizwa aufrichtig befolgt – dass man jetzt an nichts anderes denkt als an die Mizwa, die man ausführt, d.h. dass man weiß, dass man das Gebot des Schöpfers befolgt und glaubt, dass der Schöpfer uns durch Moses geboten hat, sein Gebot zu halten. Indem er die 613 Gebote, die er uns gegeben hat, sowie die Gebote unserer Weisen und die Bräuche Israels, die ebenso Tora sind, einhält, sollte alles, was er tut, mit der Absicht geschehen, dem Schöpfer Freude zu bereiten. Er hat von oben das große Privileg erhalten, mit dem Schöpfer sprechen zu können. Deshalb sollte er beim Segnen, sowohl beim Segnen von Genüssen als auch beim Segnen von Mizwot, wissen und ein wenig darüber nachdenken, wem er den Segen gibt, wem er dankt. |
9 | Der Mensch soll es sich ausmalen: Dürfte er bei der angesehensten Persönlichkeit der Stadt vorsprechen – wozu nicht jeder Zutritt hat –, was würde er empfinden, wenn er einträte und mit ihr spräche? Oder ließe man ihn bei der angesehensten Persönlichkeit des Landes vor, welche Freude käme da in ihm auf? Und ebenso, stellte er sich vor, man gewährte ihm Zutritt zur angesehensten Persönlichkeit der Welt, die nur mit wenigen Auserwählten spricht – welche Freude würde er empfinden, wie gehoben wäre seine Stimmung, dass man ihm eine solche Auszeichnung erwiesen hat, wie sie anderen nicht zuteilwird! In unserer materiellen Welt sehen wir ja, dass so etwas im Leben Befriedigung und Genugtuung verschafft. | והאדם צריך לצייר לעצמו, אם היו נותנים לו לכנס להאדם החשוב בעיר, שלא לכולם נותנים לכנס, איזו הרגשה היתה לו, כשהוא נכנס אליו ומדבר עמו. או שהיו נותנים לכנס לאדם החשוב במדינה. איזו הרגש של שמחה היתה לו. וכמו כן, אם יעשה ציור, אם היו נותנים לו לכנס לדבר עם אדם החשוב בעולם, שהוא מדבר רק עם יחידי סגולה, איזו הרגש של שמחה היתה לו, איזה מצב רוח מרומם היה לו אז, שהחשיבות הגדולה הזו, שנתנו לו, ואין לאנשים אחרים הזדמנות כזו. ואנו רואים בעולמנו הגשמי, שזה נותן סיפוק וקורת רוח בחיים. | Man sollte sich vorstellen, wenn er den wichtigsten Mann der Stadt sehen dürfte, zu dem nicht jeder Zugang hat, wie er sich fühlen würde, wenn er zu ihm tritt und mit ihm spricht? Oder wenn er zu dem wichtigsten Menschen im Land kommen dürfte – welche Freude würde er haben? Und wenn er sich vorstellt, dass er mit dem wichtigsten Menschen der Welt sprechen darf, der nur mit einigen wenigen Auserwählten spricht, wie glücklich und beschwingt wäre er dann, dass ihm diese große Bedeutung zuteil wird, die anderen nicht vergönnt ist? Wir sehen, dass uns das in unserer Welt Befriedigung und Zufriedenheit im Leben gibt. |
10 | Daher erhebt sich die Frage: Warum gelingt uns diese Überlegung und Vorstellung von Wichtigkeit nicht? In der Körperlichkeit hat der Mensch sie, wenn man ihn ehrt und er mit jemandem so Bedeutendem sprechen darf. Im Spirituellen aber, wenn wir zum Schöpfer sprechen, fehlt uns dieses Gespür dafür, zu wem wir eigentlich sprechen. Sonst würden wir uns sagen: „Sieh nur, wie viele Menschen es auf der Welt gibt, die nicht das Vorrecht haben, mit dem König der Welt zu sprechen. Uns aber hat der Schöpfer den Gedanken und das Verlangen gegeben, vor Ihn zu treten und mit Ihm zu sprechen. Muss der Mensch nicht glauben, was die Weisen sagten: ‚Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihn nicht bezwingen‘ (Kidushin 30)? Dann muss man doch sagen, dass der Schöpfer Sich jetzt uns zugewandt hat, indem Er uns half. Warum also ergreift uns keine Begeisterung für den Schöpfer, warum ist das Herz nicht voller Freude?“ | ולפי זה מתעוררת השאלה, מדוע אין אנו יכולים לעשות את חשבון וציור הזה של ענין חשיבות, שיש לו להאדם, אם מכבדים אותו בגשמיות, שיוכל לדבר עם מי שהוא כל כך חשוב. וברוחניות כשאנו מדברים לה', אין לנו ההרגשה כזו, שנרגיש למי אנו מדברים. שאנחנו נאמר לעצמנו "תסתכלו כמה אנשים ישנם בעולם, שאין להם הזכיה לדבר עם מלך העולם. ולנו הקב"ה נתן מחשבה ורצון כן לכנס אליו ולדבר עמו. והלא האדם מוכרח להאמין במה שאמרו חז"ל "אלמלא הקב"ה עוזרו, אין יכול לו" (קידושין, ל'). אם כן צריך לומר, שעכשיו פנה ה' אלינו, במה שעזר לנו. ומדוע אין לנו ההתפעלות מה', והלב אינו בשמחה". | Dementsprechend lautet die Frage: „Warum können wir uns diese Wichtigkeit nicht genauso berechnen und vorstellen, die wir für einen Menschen haben, der im irdischen Leben geachtet wird, wenn wir in der Spiritualität sind und mit dem Schöpfer sprechen, und nicht ebenso dieses Gefühl haben, zu spüren, mit wem wir sprechen, so dass wir uns sagen: ‚Wenn man bedenkt, wie viele Menschen auf der Welt nicht das Privileg haben, mit dem König der Welt zu sprechen‘? Aber uns hat der Schöpfer einen Gedanken und ein Verlangen gegeben, zu Ihm zu kommen und mit Ihm zu sprechen.“ Der Mensch muss jedoch an das glauben, was unsere Weisen [über den Bösen Trieb] gesagt haben: „Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, würde er ihn nicht überwinden“ (Kidushin, 30). Wir sollten also sagen, dass der Schöpfer jetzt auf uns zugekommen ist und uns geholfen hat, warum sind wir also nicht vom Schöpfer inspiriert und unsere Herzen freuen sich nicht? |
11 | Wenn der Mensch aber Worte der Tora spricht, zum Schöpfer betet oder einen Segen spricht, soll er sich vorstellen, dass er zu einer hochgeehrten Person und zum König der Welt spricht. Hoffentlich hilft ihm das. Denn selbst nach all diesen Vorstellungen ist es noch nicht dasselbe wie der Augenblick, in dem er in der Körperlichkeit zu einer geehrten Person spricht: Dort empfindet er diese Bedeutung ohne jede Mühe. Im Spirituellen dagegen muss er sich mit allerlei Vorstellungen abmühen, bis er auch nur ein wenig davon spürt – dass er nämlich zum Schöpfer spricht. | אולם האדם, כשהוא מדבר דיבורי תורה, ומתפלל לה', או כשעושה ברכה, הוא צריך לעשות ציורים, שהוא מדבר לאיש מכובד ולמלך העולם. והלואי שזה יעזור לו. היינו, אחרי כל הציורים, עוד אינו דומה בזמן כשהוא מדבר בגשמיות לאיזה איש מכובד, איזו הרגשה הוא מקבל אז, היינו שמרגיש זה החשיבות בלי שום עבודה. מה שאין כן ברוחניות, הוא צריך לתת יגיעה עם כל מיני ציורים, עד שמרגיש קצת חשיבות, בזה שהוא מדבר להבורא. | Wenn der Mensch jedoch Worte der Tora spricht und zum Schöpfer betet oder wenn er preist, sollte er sich vorstellen, dass er zu einem ehrenwerten Menschen, dem König der Welt, spricht und sich wünschen, dass dieser ihm hilft. Das heißt, nach all den Darstellungen ist es immer noch nicht dasselbe, wie zu einem ehrenwerten Menschen in der Körperlichkeit zu sprechen mit dem Gefühl, das er dann hat, bei dem er die Wichtigkeit ohne jede Anstrengung verspürt. Aber in der spirituellen Welt muss er sich mit verschiedenen Darstellungen abmühen, bis er das Gefühl hat, dass es wichtig ist, mit dem Schöpfer zu sprechen. |
12 | In Wahrheit ist die Sache ganz einfach. In der Körperlichkeit sieht der Mensch, wie die anderen ihn achten. Deshalb überträgt sich die Wichtigkeit, die in der Allgemeinheit liegt, auch auf den Einzelnen. Und er nimmt es auf sich, jener Person zu dienen – wegen der Wichtigkeit, die ihm die Allgemeinheit für sie vermittelt hat. | אבל הדבר הוא פשוט מאוד. כי בגשמיות הוא רואה, איך שהאנשים מחשיבים אותו. לכן אותו החשיבות שיש בהכלל, גם הפרט מושפע מהם. ומקבל על עצמו לשמש אותו, מטעם חשיבות שקבל מהכלל, על אותו אדם. | Dabei ist die Angelegenheit ganz einfach: In der Körperlichkeit sieht er, wie die Menschen ihn respektieren. Er lässt sich also von der Bedeutung, die die Öffentlichkeit hat, beeinflussen und nimmt es auf sich, ihm aufgrund der Bedeutung, die er von der Öffentlichkeit in Bezug auf diesen Menschen aufgenommen hat, zu dienen. |
13 | Beim Schöpfer ist es anders: Hier kann der Mensch nicht sehen, in welchem wahren Maß die Menschen den Schöpfer achten. Vielmehr beruht alles auf dem Glauben. Und gerade dort, wo der Mensch glauben muss, beginnt schon die eigentliche Arbeit. Denn dann entstehen Zweifel an der Sache, und er muss sich entscheiden – ja oder nein. | מה שאין כן לגבי הבורא, אין האדם יכול לראות את שיעורו האמיתי, שהאנשים מחשיבים את הבורא. אלא הכל בנוי על בחינת האמונה. ובמקום שהאדם צריך להאמין, כבר מתחילה שם בחינת יגיעה, שאז נולדות ספיקות בהדבר, והוא צריך להכריע כן או לא. | Aber in Bezug auf den Schöpfer kann ein Mensch das wahre Maß der Wertschätzung der Menschen für den Schöpfer nicht erkennen. Vielmehr ist alles auf dem Glauben aufgebaut. Dort, wo der Mensch glauben muss, beginnt die Anstrengung, denn dann kommen Zweifel auf und man muss sich entscheiden, ob ja oder nein. |
14 | So entsteht im Spirituellen ganz von selbst eine große Arbeit: Der Mensch muss den Schöpfer für wichtig halten und dafür auf manches verzichten, was der Körper genießt. Und dieser Verzicht auf seine Genüsse schmerzt ihn. All das, um Gefallen in den Augen des Schöpfers zu finden, damit Er ihm Raum gibt, vor Ihn zu treten und mit Ihm zu sprechen, und ihm schenkt, dass er spürt, mit wem er spricht – das heißt, dass der Schöpfer Sich ihm offenbart und nicht länger so verborgen bleibt. | וממילא יש ברוחניות עבודה גדולה, בזמן שהאדם צריך להחשיב את הבורא, ובשביל זה לוותר על כמה דברים שהגוף נהנה מהם. והוא מרגיש בזה כאב. היינו, בעת ויתור על התענוגים שלו. והכל בגלל למצוא חן בעיני ה', ליתן לו מקום לכנס אליו לדבר עמו, ושהוא יתן לו, שיוכל להרגיש עם מי הוא מדבר. זאת אומרת, שה' יתגלה אליו, ושלא יהיה כל כך בהסתרה. | Es gibt viel Anstrengung in der spirituellen Arbeit, wenn der Mensch den Schöpfer wertschätzen und dafür auf einige Dinge verzichten muss, die der Körper genießt. Er empfindet es als schmerzhaft, wenn er auf seine Genüsse verzichtet, und das alles nur, um Gefallen in den Augen des Schöpfers zu gewinnen und mit Ihm sprechen zu dürfen, damit Er ihn spüren lässt, mit wem er spricht, was bedeutet, dass der Schöpfer sich ihm offenbart und nicht so verhüllt. |
15 | Könnte er die Wichtigkeit des Schöpfers dagegen von anderen Menschen beziehen, wie es in der Körperlichkeit üblich ist, so hätte er überhaupt keine Arbeit. Doch in der Heiligkeit gibt es etwas Besonderes, die Shechina (göttliche Gegenwart): Man spricht von der „Shechina im Exil“ oder der „Shechina im Staub“. All dies führt uns die Niedrigkeit vor Augen – das Gegenteil von Wichtigkeit. | מה שאין כן אם הוא היה יכול לקבל חשיבות ה' משאר אנשים, כדרך שנהוג בגשמיות, אז לא היתה לו שום עבודה. אבל בקדושה יש ענין מיוחד, הנקרא "שכינתא בגלותא" או "שכינתא בעפרא". שכל זה מראה לנו ענין פחיתות, שזהו ההיפך מחשיבות. | Wenn er aber die Bedeutung des Schöpfers von anderen Menschen empfangen könnte, wie es in der Körperlichkeit der Fall ist, hätte er keine Anstrengung. Es gibt jedoch eine Besonderheit der Kedusha [Heiligkeit], die „Shechina [Göttlichkeit] im Exil“ oder „Shechina im Staub“ genannt wird. Sie zeigt uns die Unwichtigkeit, die also das Gegenteil von Wichtigkeit ist. |
16 | So bleibt uns kein Weg, Wichtigkeit von der Allgemeinheit zu beziehen. Denn an der Allgemeinheit sehen wir, dass dem Spirituellen kein erkennbarer Wert beigemessen wird – sodass der Mensch keinen Grund und Halt fände, um dem zu folgen, wofür er Wichtigkeit empfangen hat. Es läge dann nicht in seiner Kraft, auf das Leben dieser Welt – das „materielle Leben“ – zu verzichten und es auf sich zu nehmen, dem Schöpfer zu dienen, und zwar um zu geben und nicht zum eigenen Nutzen. | וממילא אין לנו מקום לקבל חשיבות מהכלל. כי בהכלל אנו רואים, איך שאין היכר יקר וחשיבות לרוחניות, שיהיה בידו לקבל יסוד ותמיכה, ללכת על מה שקיבל חשיבות, שיהיה סיפק בידו לוותר על חיי עולם הזה, הנקרא "חיי גשמיים", בכדי לקבל עליו לעבוד את ה' בעמ"נ להשפיע ולא לתועלת עצמו. | Natürlich können wir von der Allgemeinheit keine Wichtigkeit empfangen, weil wir sehen, dass die Allgemeinheit keine Wertschätzung oder Achtung für die Spiritualität hat, von der er Unterstützung empfangen kann, um sich darauf zu verlassen und mit dem zu gehen, was ihm an Wichtigkeit gegeben wurde, so dass er das weltliche Leben, das „körperliches Leben“ genannt wird, aufgeben kann, um es auf sich zu nehmen, dem Schöpfer zu dienen, um zu geben und nicht um des Empfangens willen zu arbeiten. |
17 | Und das liegt daran, dass er bei anderen nicht sieht, dass sie das Spirituelle so hoch schätzen, dass sich dafür ein Verzicht auf die Selbstliebe lohnte. Denn wenn er auf die Gesamtheit derer blickt, die Tora lernen und die Mizwot erfüllen, findet er bei ihnen kein solches Maß an Wertschätzung, dass sie deswegen arbeiten würden, um zu geben. So versteht sich von selbst, warum er die Wichtigkeit des Spirituellen nicht in der Weise aufnimmt, wie er die Wichtigkeit in der Körperlichkeit von der Allgemeinheit aufnimmt. Denn in der Körperlichkeit sieht er, dass es eine Allgemeinheit gibt, die jemanden für wichtig hält – und gleichgültig, wen oder was sie schätzt, er lässt sich davon anstecken. | וזהו בגלל שאינו רואה אצל אחרים, שמחשיבים את הרוחניות עד כדי כך, שיהיה כדאי לוותר על אהבה עצמית. כי בזמן שהוא מתחיל להסתכל על הכלל של לומדי התורה ומקיימי מצות, הוא לא רואה אצלם שיעור חשיבות כזו, שיעבדו בגלל זה בעמ"נ להשפיע. ומובן מאליו, מדוע הוא לא מקבל חשיבות של רוחניות, כמו שמקבל חשיבות בגשמיות מהכלל. היות שבגשמיות הוא רואה, שיש כלל שמחשיבים מישהו, ולא חשוב את מי הם מחשיבים או את מה שהם מחשיבים. והוא מושפע מהם. | Er sieht nämlich nicht, dass andere die Spiritualität so sehr schätzen, dass es sich lohnt, die Eigenliebe aufzugeben. Wenn er nämlich beginnt, auf andere Tora-Lernende zu schauen, die Mizwot einhalten, kann er nicht erkennen, dass sie genug Wichtigkeit darin sehen, um des Gebens willen zu arbeiten. Er empfängt also natürlich nicht die Wichtigkeit des Spirituellen, so wie er die Wichtigkeit der Körperlichkeit von der Öffentlichkeit empfängt. |
18 | Im Spirituellen aber sieht er niemanden – nicht einmal einzelne Menschen –, der das Spirituelle für wichtig hielte. Was also kann er tun, um zu jener Wertschätzung zu gelangen, für die es sich lohnt, um des Gebens willen zu arbeiten? | אבל ברוחניות אין הוא רואה שיש מי שהוא, אפילו אנשים פרטיים, שיחשיבו את הרוחניות. אם כן מה הוא יכול לעשות, בכדי לקבל חשיבות, שיהיה לו כדאי לעבוד בעמ"נ להשפיע. | Er sieht in der Körperlichkeit, dass es eine Allgemeinheit gibt, die jemanden wertschätzt. Ihm ist es egal, wen oder was sie schätzen, aber er wird von ihnen beeinflusst. Er sieht aber nicht, dass irgendjemand, nicht einmal Einzelpersonen, die spirituelle Welt zu schätzen wissen. Was kann er also tun, um die Wichtigkeit zu erlangen, die es für ihn lohnenswert macht, um des Gebens willen zu arbeiten? |
19 | Daraus folgt, dass dem Menschen eine große Arbeit zukommt: sich nach Kräften zu bemühen, wenigstens ein wenig Wertschätzung zu gewinnen. Er soll begreifen, welch großes Vorrecht es ist, dem Schöpfer dienen zu dürfen und Seine Mizwot in vollkommener Einfachheit zu erfüllen – ohne große Absichten, sondern einfach so, dass er Freude und Lebenskraft daraus schöpft, dass er erfüllt, was der Schöpfer uns geboten hat. | ומזה יוצא, שיש עבודה גדולה להאדם, שישתדל לעשות מה שביכולתו, בכדי להשיג קצת חשיבות. שיבין, שזהו זכיה גדולה, שזכה לשמש את הבורא, ולקיים מצותיו בתכלית הפשטות, היינו בלי שום כוונות גדולות, אלא סתם שהאדם צריך לקבל שמחה וחיות, בזה שהוא מקיים מה שה' ציווה לנו. | Daraus folgt, dass der Mensch sich sehr anstrengen muss, um etwas Wichtigkeit zu erlangen, damit er begreift, dass es ein großes Privileg ist, dass er damit belohnt wird, dem Schöpfer zu dienen und Seine Gebote in völliger Einfachheit, also ohne große Absichten, zu halten. Vielmehr sollte man einfach Glück und Lebensfreude dabei empfinden, das einzuhalten, was uns der Schöpfer befohlen hat. |
20 | Er soll also denken, dass er jetzt den Willen des Königs tut und dass der König sich daran erfreut, dass er Seinen Willen erfüllt. Und er muss über dem Verstand glauben, dass die Gedanken und Regungen, die ihn überhaupt dazu gebracht haben, die Mizwot auszuführen, ihm vom Schöpfer gesandt wurden – dass sie ihm aus der Erweckung von oben zukommen. Es ist, als riefe der Schöpfer ihn jetzt: „Komm zu Mir, denn Ich möchte dir einen Dienst in Meinem Palast geben.“ Und wenn der Mensch sich das vor Augen führt, wird sein Herz gewiss ergriffen, füllt sich mit Freude und empfindet einen Aufschwung des Geistes. | היינו שיחשוב, שהוא עושה עכשיו רצון המלך. והמלך נהנה, מזה שאני עושה רצונו. והוא צריך להאמין למעלה מהדעת, שהמחשבות והרצוניות שיש לו, היינו מה שהם גרמו לו, שיעשה את מעשי המצות, הקב"ה שלח לו. ושזה בא לו מצד אתערותא דלעילא, היינו שעכשיו ה' קורא אותו "בא אלי, ואני רוצה לתת לך שירות בההיכל שלי". ומתי כשהאדם עושה חשבון זה לעצמו, בטח שהלב מקבל אז התפעלות, ומתמלא עם שמחה, ומרגיש אז התרוממות רוח. | Das heißt, er sollte denken, dass er jetzt den Willen des Königs ausführt und der König Freude daran hat, dass er Seinen Willen ausführt. Man sollte über dem Verstand glauben, dass der Schöpfer ihm seine Gedanken und sein Verlangen geschickt hat, die ihn zum Einhalten der Mizwot veranlasst haben, und dass dies als Erweckung von oben zu ihm kam. Das heißt, der Schöpfer ruft ihn jetzt: „Komm zu Mir; Ich will dir in Meinem Palast einen Dienst erweisen.“ Wenn man das denkt, ist das Herz beschwingt und füllt sich mit Freude, und dann fühlt man sich in Hochstimmung. |
21 | Daraus ergibt sich, dass es nicht darauf ankommt, welche Handlung er vollzieht – alles ist gleich, wie geschrieben steht: „Sei bei einer leichten Mizwa so achtsam wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“ Man kann sagen: Für den, der Mizwot des Schöpfers erfüllt, spielt es keine Rolle, welche Mizwa er gerade tut. Denn sein ganzes Sinnen ist allein darauf gerichtet, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. | נמצא לפי זה, שלא חשוב איזה מעשה הוא עושה, אלא הכל הוא אותו דבר, כמו שכתוב "הוי זהיר מצוה קלה כבחמורה, שאין אתה יודע מתן שכרן של מצות". יכולים לומר, כי מי שמקיים מצות ה', מה חשוב איזו מצוה שהוא עושה. כי כל מחשבתו הוא רק לעשות נחת רוח לה'. | Deshalb ist es egal, was er macht. Es ist ganz gleich, wie geschrieben steht: „Sei umsichtig mit einer leichten Mizwa wie mit einer ernsten, denn du kennst die Belohnung für die Mizwot nicht.“ Man kann sagen, dass es keine Angelegenheit ist, welche der Mizwot des Schöpfers ein Mensch hält, denn sein einziger Gedanke besteht darin, den Schöpfer zufriedenzustellen. |
22 | Deshalb kann der Mensch aus einer kleinen Handlung große Freude schöpfen. Denn das Entscheidende hängt nicht von der Größe der Mizwa ab, sondern davon, wie groß und wichtig ihm der ist, der die Mizwot gebietet – also davon, wie sehr er den König achtet. | אי לזאת, האדם יכול להוציא שמחה גדולה ממעשה קטן, היות שעיקר תלוי לא לפי גודל המצוה, אלא לפי גודל וחשיבות של המצוה את המצות. היינו, לפי מה שהוא מחשיב את המלך. | Deshalb kann ein Mensch auch aus kleinen Handlungen große Freude schöpfen, denn die Hauptsache ist nicht die Größe der Mizwa, sondern das Ausmaß und die Wichtigkeit des Gebenden der Mizwa. Das heißt, sie richtet sich nach der Wertschätzung, die er dem König entgegenbringt. |
23 | Wenn der Mensch Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) hält, erkennt er, dass er ein Verlangen erfüllen muss, um Erfüllung zu finden. Nun gibt es den einen, der sein eigenes Verlangen stillt – das, wonach sein Herz verlangt; das nennt man Begierde. Ein anderer muss das Verlangen anderer erfüllen, das, was sie von ihm fordern: sich so zu kleiden und so zu wohnen, wie sie es erwarten, und Ähnliches; das fällt unter den Begriff der Ehre. Und schließlich gibt es das Erfüllen des Willens des Schöpfers – dessen, was der Schöpfer fordert, nämlich Tora und Mizwot zu halten. | וכשהאדם עושה חשבון הנפש, הוא רואה, שהוא מוכרח למלאות את הרצון, שיהיה לו מילוי. אולם יש מי שעובד למלאות רצון עצמו, היינו מה שהלב דורש. וזה נקרא בחינת תאוה. ויש שצריך למלאות רצון של אחרים, מה שהם דורשים ממנו. היינו, להתלבש, ולגור בדירה, כמו שהם דורשים, וכדומה. זה נכנס בגדר של כבוד. ויש למלאות רצון ה', מה שה' דורש, שהוא קיום תו"מ. | Wenn der Mensch darüber nachdenkt, sieht er, dass er das Verlangen befriedigen muss, Erfüllung zu bekommen. Es gibt aber auch diejenigen, die arbeiten, um ihr eigenes Verlangen zu befriedigen, also das, was das Herz verlangt. Das nennt man „Lust“. Umgekehrt gibt es Menschen, die den Bedarf haben, den Willen anderer zu erfüllen, also das auszuführen, was sie von ihnen verlangen – sich auf bestimmte Art zu kleiden, in einer Wohnung zu leben, wie sie es verlangen, usw. Das fällt unter die Kategorie „Ehre“. Und dann gibt es noch die Erfüllung des Wunsches des Schöpfers, also das, was Er verlangt, nämlich das Einhalten von Tora und Mizwot. |
24 | Doch der Mensch kann sich fragen: Wenn mir der Dienst am Schöpfer wirklich so wichtig ist, dass ich so viel Bedeutung empfinde – warum vergesse ich dann gleich nach all diesen Überlegungen alles, tauche in die materielle Welt ein, lasse von allem Heiligen ab und übernehme sofort wieder Aufgaben, um die Wünsche anderer zu erfüllen statt die des Schöpfers? Und das, obwohl ich doch gesagt habe, dass der Wille des Schöpfers so überaus wichtig ist – wichtiger, als mein eigenes Verlangen zu stillen. | אולם האדם יכול לשאול לעצמו, אם באמת כל כך חשובה לי עבודת הבורא, עד שאני מרגיש כל כך חשיבות. ומדוע תיכף אחרי כל החשבונות, אני שוכח הכל, ואני נכנס לעולם הגשמי, ומפסיק מכל דבר שבקדושה, ומקבל תיכף עבודות למלא רצונות של אחרים, ולא של הבורא, אף על פי שאמרתי, שרצון הבורא הוא כל כך חשוב מאוד, היינו יותר חשוב משאני ממלא את רצוני. | Allerdings sollte man sich fragen: „Wenn es mir wirklich so wichtig ist, dem Schöpfer zu dienen, dass ich Wichtigkeit darin fühle, warum also vergesse ich nach all den Berechnungen alles, gehe in die körperliche Welt, höre mit allem auf, was mit Kedusha [Heiligkeit] zu tun hat, und nehme es auf mich, die Verlangen anderer zu erfüllen und nicht die des Schöpfers, obwohl ich gesagt habe, dass der Wille des Schöpfers so wichtig ist, wichtiger als die Befriedigung meiner eigenen Verlangen? |
25 | Denn wenn ich darauf bedacht bin, mein eigenes Verlangen zu stillen, fällt das unter die Begierde; und wenn ich mich mühe, das Verlangen anderer zu erfüllen, fällt das unter die Ehre. Beides will ich aus Selbstliebe befriedigen. Anders, wenn ich den Willen des Königs erfüllen will: Dann ist dieser Zustand sehr wertvoll, denn da trete ich aus der Selbstliebe heraus – die „Tier“ genannt wird – und trete ein in den Rang des „Menschen“, wie die Weisen sagten: „Ihr werdet ‚Mensch‘ genannt und nicht die Völker der Welt.“ | כי כשאני דואג למלאות רצוני, זה נכנס בגדר תאוה. וכשאני משתדל למלאות את רצון אחרים, זה נכנס בגדר של כבוד. וב' אלה אני רוצה למלאות מטעם אהבה עצמית. מה שאין כן כשאני רוצה למלאות את רצון המלך, אז המצב הזה חשוב מאוד, משום שאני יוצא אז מאהבה עצמית, הנקרא בחינת "בהמה", ואני נכנס בגדר של "אדם", כמו שאמרו חז"ל "אתם קרויים אדם ולא אומות העולם". | „Wenn ich mich so um die Befriedigung meines eigenen Verlangens sorge, fällt das unter die Kategorie der Lust. Wenn ich versuche, das Verlangen anderer zu befriedigen, fällt das unter die Kategorie der Ehre. Ich will diese beiden aus Eigenliebe befriedigen. Aber wenn ich den Willen des Königs erfüllen will, ist dieser Zustand sehr wichtig, denn dann verlasse ich die Eigenliebe, die ‚Tier‘ genannt wird, und trete in die Kategorie ‚Mensch‘ ein, wie unsere Weisen sagten: ‚Ihr werdet ‚Mensch‘ genannt, und die Völker der Welt nicht.’“ |
26 | Sobald der Mensch also aus dem Zustand von Tora und Gebet heraustritt, sollte er sagen, dass ihm schon die kleinste Sache, mit der er sich in der Heiligkeit befasst, überaus wichtig ist – so wichtig, dass er voller Freude ist, in den Bereich der Heiligkeit eintreten zu dürfen. Wer wäre denn so töricht, einen Zustand seelischer Befriedigung und geistigen Aufschwungs verlassen zu wollen, in dem er sich als der glücklichste Mensch der Welt fühlt, weil ihm das große Vorrecht zuteilwurde, seiner Tierheit zu entkommen, in der er die ganze Zeit gefangen war? | אם כן, תיכף כשאדם יוצא מהמצב של תורה ותפלה, והיה אומר, שמדבר קטן שהוא עוסק בקדושה, היא חשובה לו מאוד, עד כדי כך שהוא נמצא בשמחה גדולה, בזה שזכה לכנס לרשות של קדושה. ומי הוא הטיפש, שרוצה לצאת ממצב של סיפוק נפשי ושל התרוממות רוח, ומרגיש שהוא האיש המאושר שבעולם, בזה שיש לו זכיה גדולה לצאת מהבהמיות שלו, שבו היה נמצא כל הזמן. | Sobald man also aus dem Zustand der Tora und des Gebets herauskommt, sagt er, dass selbst die kleinste Sache, die er in Kedusha tut, so wichtig für ihn ist, dass es ihn sehr glücklich macht, dass er mit dem Eintritt in das Reich der Kedusha [Heiligkeit] belohnt wurde, und welcher Narr würde aus dem Zustand der emotionalen Zufriedenheit und des Hochgefühls herauskommen wollen? Er fühlt, dass er der glücklichste Mensch der Welt ist, weil er das große Privileg hatte, die tierische Stufe zu verlassen, in der er sich die ganze Zeit befand. |
27 | Und plötzlich wird er gerufen, zum König zu kommen und mit Ihm zu sprechen. Da betrachtet er sich selbst und sieht, wie er die ganze Zeit – gleich allen Tieren – in den Begierden dieser Welt versunken war. Jetzt aber merkt er, dass er zu einem Mann unter Männern geworden ist. Mit scharfem Blick mustert er seine Umgebung und sieht, wie tief sie in Niedrigkeit steckt – so sehr, dass es ihm schwerfällt, neben diesen Menschen zu stehen und mit ihnen zu reden. Denn es fällt ihm schwer, sich herabzulassen und mit Menschen zu sprechen, die keinen Geist der Heiligkeit haben, sondern in Selbstliebe versunken sind; er kann sie kaum ertragen. | ופתאום הוא נקרא לבוא להמלך ולדבר עמו. ואז הוא מסתכל על עצמו, איך כל הזמן הוא היה משוקע בתאוות עולם הזה, כמו כל הבהמות. ועכשיו הוא רואה, שנעשה גבר בגברין. ומסתכל בבקורת חריפה על הסביבה שלו, איך שהם נמצאים בתכלית השפלות. עד כדי כך שקשה לעמוד על ידם ולדבר עמהם, משום שקשה לו להשפיל עצמו ולדבר עם אנשים, שאין להם רוח של קדושה, אלא שהם שקועים באהבה עצמית, שקשה לו לסבול אותם. | Plötzlich wird er aufgefordert, vor den König zu treten und mit ihm zu sprechen. Er betrachtet sich selbst und stellt fest, dass er wie alle anderen Tiere immer in weltliche Begierden versunken ist. Aber jetzt sieht er, dass er ein echter Mensch geworden ist. Er wird sehr kritisch gegenüber seiner Umgebung, wie niedrig sie ist, bis zu dem Punkt, dass er es kaum aushält, in ihrer Nähe zu sein und mit ihnen zu sprechen, weil er sich nicht so weit herablassen kann, mit Menschen zu sprechen, denen der Geist der Kedusha [Heiligkeit] fehlt, die so sehr in Eigenliebe versunken sind, dass er sie kaum ertragen kann. |
28 | Und nach all dem, einige Zeit später – mitunter schon nach einem einzigen Augenblick –, nach all der Kritik an seiner Umgebung, vergisst er seine ganze Spiritualität, in der er eben noch war, und taucht mit allen tierischen Begierden in die materielle Welt ein. Er erinnert sich nicht einmal an den Moment des Übergangs – an den Augenblick, in dem er aus dem spirituellen in den materiellen Zustand wechselte, in dem er sich nun befindet. | ואחר כל זאת, אחר כמה זמן, יכול אפילו לאחר רגע אחד, אחרי כל הבקורת שעשה על הסביבה שלו, הוא שוכח מכל הרוחניות שלו, שבו היה נמצא, ונכנס לעולם הגשמי עם כל התאוות הבהמיות. ואינו זוכר אפילו את זמן היציאה, היינו את הרגע שבו יצא ממצב הרוחני, למצב הגשמי שבו הוא נמצא עכשיו. | Nach all dem vergisst er nach einiger Zeit, nach all der Kritik, die er an seiner Umgebung geübt hat, die spirituelle Welt, in der er sich befand, vollkommen, und begibt sich in die körperliche Welt mit all den tierischen Begierden. Er erinnert sich nicht einmal mehr an den Moment, in dem er aus dem spirituellen Zustand in den körperlichen Zustand kam, in dem er sich jetzt befindet. |
29 | Da erhebt sich die Frage: War es eine Täuschung, als er sich im spirituellen Zustand befand und sich daran erfreute – oder war es nur ein Traum? Oder ist es umgekehrt: Ist jener frühere Zustand sein wahrer, und nur das, was er jetzt empfindet – versunken in tierische Begierden –, ist der Traum? | אם כן מתעוררת השאלה, האם בזמן שהיה נמצא במצב הרוחני, והיתה לו שמחה ממצבו, האם זה היה שקר, או שזה היה רק בחלום. או להיפך, המצב הקודם זהו מצבו האמיתי, אלא מה שהוא מרגיש עכשיו, שהוא נמצא משוקע בתאוות בהמיות, הוא חלום. | Die Frage ist also: „Als er im spirituellen Zustand war und sich über seine Situation freute, war das eine Lüge? Oder war es nur ein Traum? Oder ist es im Gegenteil so, dass der frühere Zustand sein wirklicher Zustand ist und das, was er jetzt fühlt, dass er in tierische Begierden versunken ist, ein Traum ist?“ |
30 | Doch in Wahrheit muss der Mensch glauben: In dem Augenblick, in dem der Schöpfer Sich ihm ein wenig offenbart, beginnt er die Wichtigkeit des Königs zu spüren; und ganz von selbst wird er hingezogen und verblasst wie eine Kerze vor einer Fackel. Hält er den Ruf, den er vom Himmel vernommen hat, weiterhin in Ehren – und je höher er ihn zu schätzen kann –, desto stärker wächst in ihm das Streben nach dem Spirituellen. Und er beginnt zu spüren, wie er die materielle Welt verlässt und in eine Welt eintritt, die ganz und gar gut ist. | אלא האמת הוא, שהאדם צריך להאמין, שבזמן שהבורא מתגלה אליו קצת, הוא מתחיל להרגיש את חשיבותו של המלך, וממילא הוא נמשך ובטל כנר בפני אבוקה. ואם הוא ממשיך להחשיב את הכרוז ששמע מן השמים, וכפי ערך שיש בידו להחשיב, כך מתגדלת אצלו את השאיפה לרוחניות. ומתחיל להרגיש, איך שהוא יצא מעולם הגשמי, ונכנס לעולם שכולו טוב. | Die Wahrheit ist, dass der Mensch glauben muss, wenn der Schöpfer sich ihm ein wenig offenbart, beginnt er die Bedeutung des Königs zu spüren und wird zu ihm hingezogen und annulliert sich wie eine Kerze vor einer Fackel. Wenn er den Boten, den er von oben gehört hat, weiterhin zu schätzen weiß, wächst im selben Maße sein Streben nach Spiritualität und er beginnt zu spüren, dass er aus der körperlichen Welt entkommen und in eine Welt eingetreten ist, die ausschließlich gut ist. |
31 | Vergisst er aber, diesen Ruf in Ehren zu halten – dass er zum König gerufen wurde, um mit Ihm zu sprechen –, und beginnt stattdessen, den vorhandenen Genuss auszukosten und in seine Gefäße des Empfangens hineinzuziehen, ohne darauf zu achten, Lob und Dank dafür darzubringen, dass der Schöpfer ihn Sich nahegebracht hat, dann wird er sofort aus dem Palast des Königs hinausgestoßen. | ואם הוא שוכח להחשיב את הקריאה הזו, שנקרא להמלך, ולדבר עמו, אלא מתחיל להנאות ולהכניס את הנאה שיש לתוך הכלי קבלה שלו, ולא נזהר לתת שבח והודאה, על זה שהבורא קירב אותו אליו יתברך, אז תיכף דוחים אותו לחוץ מהיכל המלך. | Wenn er aber vergisst, diesen Ruf zu würdigen – dass er dazu berufen wurde, mit dem König zu sprechen – und beginnt, die Freude, die er hat, in seinen Gefäßen des Empfangens zu genießen und zu verinnerlichen, und er nicht darauf bedacht ist, dem Schöpfer dafür zu danken und ihn zu loben, dass Er ihn näher zu Ihm gebracht hat, wird er prompt ausgestoßen und aus dem Palast des Königs hinausgeworfen. |
32 | Und das geht so schnell, dass ihm gar keine Zeit bleibt zu merken, dass man ihn hinausgeworfen hat. Erst einige Zeit später kommt er zu sich und sieht, dass man ihn hinausgeworfen hat. Denn im Augenblick, als man ihn aus dem Palast des Königs warf, blieb er ohne Bewusstsein; deshalb konnte er den Moment des Hinauswurfs nicht wahrnehmen. | וזה הולך כל כך מהר, עד שאין לו זמן להרגיש, שזרקו אותו. אלא אחר כמה זמן הוא בא לידי הכרה, ורואה שזרקו אותו. מה שאין כן בזמן שזרקו אותו מהיכל המלך, הוא נשאר בלי הכרה. ומשום זה לא יכול להרגיש את הרגע שזרקו אותו. | Das geschieht so schnell, dass er keine Zeit hat, zu spüren, dass er hinausgeworfen wurde. Erst nach einiger Zeit kommt er wieder zu sich und sieht, dass er hinausgeworfen wurde. Wenn er aber aus dem Palast des Königs hinausgeworfen wird, bleibt er bewusstlos und kann deshalb den Moment des Rauswurfs nicht spüren. |
33 | Bekanntlich verhält es sich auch in der Körperlichkeit so: Stürzt ein Mensch aus einem oberen Stockwerk zu Boden und fragt man ihn, wie er gefallen ist, so sagt er, dass er sich an nichts erinnert. Erst jetzt sieht er, dass er im Krankenhaus liegt. Doch an nichts erinnert er sich – weder daran, wer ihn vom Boden aufhob, noch daran, wer ihn ins Krankenhaus brachte; alles ist ihm entfallen. | כידוע שגם בגשמיות, אם האדם נופל מקומה עליונה להארץ. וכששואלים אותו, איך נפלת, הוא אומר, שהוא לא זכר שום דבר. רק עכשיו הוא רואה, שהוא נמצא בבית חולים. אבל שום דבר הוא לא זוכר. היינו מי שהרים אותו מהארץ, ומי הביא אותו לבית חולים, הכל נשכח ממנו. | Es ist wie in der Körperlichkeit – wenn ein Mensch aus einem hohen Stockwerk auf den Boden fällt, erinnert er sich später an nichts, wenn du ihn fragst, wie er gefallen ist. Er weiß nur noch, dass er jetzt im Krankenhaus liegt, aber er erinnert sich an nichts mehr: wer ihn aufhob, wer ihn ins Krankenhaus brachte; alles ist vergessen. |
34 | Ebenso ist es im Spirituellen. Denn im Augenblick, als man ihn aus dem Palast des Königs warf, erinnert er sich nicht, wer ihn hinauswarf – also was die Ursache war, dass er aus seinem Zustand fiel, in dem er ganz vollkommen und voller Freude über seine Lage war. Auch erinnert er sich nicht an den Moment, in dem er aus seiner hohen Stellung zu Boden fiel, sodass er sagen könnte: „Bis hierher war alles in Ordnung, und erst in diesem Augenblick bin ich gefallen.“ An diesen Augenblick des Falls kann er sich nicht erinnern. Erst einige Zeit später öffnet er die Augen und sieht allmählich, dass er sich jetzt in der materiellen Welt befindet. | אותו דבר הוא ברוחניות. כי בזמן שזרקו אותו מהיכל המלך, הוא לא זוכר מי זרק אותו. היינו מה היה הגורם, שיפול ממצבו, שבו היה נמצא בתכלית השלימות, שהיה מלא שמחה, מהמצב שבו היה נמצא. וגם לא זוכר בעת שנפל ממצבו הרם לארץ, שיש בידו לומר "עד כאן הייתי בסדר, ורק ברגע זו נפלתי". את הרגע זה, שנפל ממצבו, הוא אינו מסוגל לזכור. אלא אחר כמה זמן, הוא פותח את העינים שלו, ומתחיל לראות, איך שהוא נמצא עכשיו בעולם הגשמי. | So ist es auch in der spirituellen Welt. Sobald er aus dem Palast des Königs hinausgeworfen wird, erinnert er sich nicht mehr, wer ihn hinausgeworfen hat, d.h. was ihn aus seinem Zustand, in dem er in absoluter Vollkommenheit und voller Freude über seine Situation war, herausgerissen hat. Er kann sich auch nicht daran erinnern, wann er von seiner hohen Stufe auf den Boden gefallen ist, so dass er sagen kann: „Bis zu diesem Punkt ging es mir gut, und in diesem Moment bin ich gefallen.“ Er kann sich nicht an den Moment erinnern, in dem er aus seinem Zustand gefallen ist. Aber nach einiger Zeit öffnet er die Augen und beginnt zu erkennen, dass er sich jetzt in der körperlichen Welt befindet. |
35 | Diese Erholung – dass also das Bewusstsein zurückkehrt und er sieht, dass er sich nun außerhalb des Palastes befindet – kann nach einigen Stunden eintreten, mitunter sogar erst nach einigen Tagen: Plötzlich bemerkt er, dass er in den Begierden dieser Welt versunken ist und einst einen Zustand des Aufstiegs hatte. | וההתאוששות הזו, היינו שחזרה אליו ההכרה, ורואה שהוא נמצא עכשיו מחוץ להיכל, יכול להיות אחרי כמה שעות, או אפילו אחרי כמה ימים, שפתאום הוא רואה, שהוא משוקע בתאוות עולם הזה, ושהיה לו פעם מצב עליה. | Diese Erholung – also das Bewusstsein, das er wiedererlangt hat, wenn er sieht, dass er sich jetzt außerhalb des Palastes befindet – kann nach mehreren Stunden oder sogar nach mehreren Tagen geschehen. Plötzlich sieht er, dass er in weltliche Begierden eingetaucht ist und dass er einst einen Zustand des Aufstiegs hatte. |
36 | Kehren wir nun zu dem zurück, womit wir begonnen haben: zum hohen Wert, die Handlungen der Mizwot, die Worte der Tora und das Gebet in vollkommener Einfachheit zu vollziehen, ohne jede Absicht, einzig um Tora zu lernen – denn die ganze Tora ist nichts anderes als die Namen des Schöpfers. Und das gilt unabhängig davon, ob er versteht, welche Verbindung das Gelernte mit ihm selbst hat. | ונחזור להענין שבו התחלנו. היינו, גדולת מעלת העשיה של מעשה מצות, ודיבורי תורה, ותפלה, בתכלית הפשיטות בלי שום כוונות, אלא ללמוד תורה. ומשום שכל התורה כולה היא שמותיו של הקב"ה. ובין שהוא מבין איזה קשר יש לו, זה שלומד, היינו את הענין שלומד עם האדם. | Kehren wir nun zu der Angelegenheit zurück, mit der wir begonnen haben, nämlich der Wichtigkeit der Ausführung, Mizwot und Worte der Tora und des Gebets in völliger Einfachheit zu praktizieren, ohne irgendwelche Absichten, außer Tora zu lernen, da die ganze Tora die Namen des Schöpfers sind, und ob er die Verbindung versteht, die er hat – nämlich die Tatsache, dass er lernt, also, dass er die Angelegenheit des Menschen [Adam] lernt. |
37 | Das heißt: Er soll nicht fragen, was ihn dies denn lehren solle. Vielmehr ist jedes einzelne Wort, das er lernt, von großem Nutzen für seine Seele. Und auch wenn er es nicht versteht, soll er im Glauben an die Weisen vertrauen, die uns so angeleitet haben. | זאת אומרת, שאל יאמר, מה בא זה ללמדנו. אלא כל דיבור ודיבור שהוא לומד, זה הוא ענין גדול לטובת נשמתו. ואף על פי שהוא לא מבין את זה, הוא צריך להאמין באמונת חכמים, שהם הדריכו אותנו כך. | Das heißt, man sollte nicht sagen: „Was will uns das hier lehren?“ Vielmehr ist jedes Wort, das er lernt, eine große Sache für seine Seele. Und auch wenn er es nicht versteht, muss er an die Weisen glauben, die uns so belehrt haben. |
38 | Ebenso beim Gebet: Er soll wissen und glauben, dass jedes einzelne Wort, das unsere Lehrer für uns festgelegt haben, ganz aus geistiger Erlangung (Ruach haKodesh) gesprochen wurde. Deshalb soll man jedes Wort für wichtig halten. Er hat ja das Vorrecht, dass der Schöpfer ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, Seine Mizwot zu erfüllen – und dem Schöpfer dafür zu danken, wie gesagt. Er soll glauben, dass alles, womit er sich im Spirituellen befasst, ein Vorrecht ist, das andere Menschen nicht haben: Der Schöpfer hat gerade ihn erwählt und ihm einen Dienst übertragen, dass er Ihm diene. | וכן בתפלה. שידע ויאמין, שכל דיבור ודיבור, מה שרבותינו סידרוהו לנו כך, והכל נאמר ברוח הקודש. ומשום זה צריכים להחשיב כל מלה ומלה. היינו, שיש לו זכיה, שהקב"ה נתן לו מחשבה ורצון לקיים את מצותיו. ולתת תודה להבורא על זה, כנ"ל, שיאמין, שכל מה שהוא עוסק ברוחניות, ולאנשים אחרים אין זכות כזו. אלא שה' בחר בו, לתת לו שירות, שישרת אותו. | So ist es auch beim Gebet. Er soll wissen und glauben, dass jedes einzelne Wort, das unsere Weisen für uns angeordnet haben, mit dem Geist der Heiligkeit gesagt wurde. Aus diesem Grund müssen wir jedes einzelne Wort so betrachten, dass er das Privileg bekommen hat, dass der Schöpfer ihm den Gedanken und das Verlangen gegeben hat, seine Gebote zu befolgen und dem Schöpfer dafür zu danken. Er sollte glauben, dass alles, was er im spirituellen Bereich tut, während andere dies nicht verdient haben, darauf zurückzuführen ist, dass der Schöpfer ihn auserwählt hat, Ihm zu dienen. |
39 | Diese Selbstprüfung soll der Mensch anstellen: wie der König ihn ruft und ihm ein wenig Einsicht schenkt, wenigstens Seine Mizwot zu wahren, damit der Mensch ein wenig Berührung mit dem Schöpfer bekommt. Er male sich, wie gesagt, die Größe des Königs aus, so gut er kann, und schöpfe daraus Freude und geistigen Aufschwung. Das ist der wahre Weg. | זה צריך האדם לעשות חשבון הנפש, איך שהמלך קורא אותו, ונותן לו קצת הבנה קטנה, לכל הפחות לשמור את מצותיו, בכדי שיהיה להאדם קצת מגע עם הבורא. ויצייר כנ"ל את חשיבות המלך, כפי יכולתו, ומזה להוציא שמחה והתרוממות רוח. וזה הוא דרך אמת. | Ein Mensch sollte darüber nachdenken, wie der König ihn ruft und ihm zu verstehen gibt, dass er Seine Gebote halten soll, damit er einen gewissen Kontakt mit dem Schöpfer hat. Ebenso sollte er sich die Wichtigkeit des Königs so gut wie möglich vorstellen und daraus Freude und Hochgefühl schöpfen. Das ist der Weg der Wahrheit. |
40 | Das heißt: Wir müssen an die Wichtigkeit des Schöpfers glauben – auch wenn der Körper noch nicht ergriffen ist –, und zwar so, als dienten wir einem König aus Fleisch und Blut. Denn dort, wie gesagt, achten die Vielen den König, und der Einzelne lässt sich von den Vielen mitreißen. Im Spirituellen ist es anders: Da kann der Mensch nicht sehen, wie die Vielen den Schöpfer achten und dass es sich lohnt, sich vor Ihm auszulöschen – das bleibt uns verborgen. Wir müssen vielmehr glauben, dass es so ist. Und das nennt man die „rechte Linie“: nämlich ohne jede Absicht. Selbst wenn er sich nur mit dem allerkleinsten Verständnis befasst, soll es ihm so viel bedeuten, als erwiese er einen großen Dienst. | היינו, שאנו צריכים להאמין את חשיבות ה', אף על פי שהגוף עוד לא התפעל, בשיעור כאילו היה משמש מלך בשר ודם, כנ"ל, משום ששם הרבים מחשיבים את המלך, והאדם מושפע מהרבים. מה שאין כן ברוחניות, אין האדם יכול לראות, איך שהרבים מחשיבים את ה', וכדאי להתבטל אליו, זה מוסתר מאתנו. אלא שאנו צריכים להאמין שכך הוא. וזה נקרא "קו ימין". היינו, בלי שום כוונות. אלא, אפילו שהוא עוסק בהבנה הכי קטנה, צריך להיות חשוב אצלו, כאילו שהוא עושה שירות גדול. | Das heißt, man sollte an die Bedeutung des Schöpfers glauben, auch wenn der Körper noch nicht in dem Maße beeindruckt ist, dass er scheinbar einem König aus Fleisch und Blut dient, denn dort verehrt die Öffentlichkeit den König und der Einzelne wird von der Öffentlichkeit beeinflusst. Aber im Spirituellen kann der Mensch nicht sehen, dass die Öffentlichkeit den Schöpfer verehrt. Der Wert der Annullierung ist vor ihm verborgen. Stattdessen müssen wir glauben, dass dies so ist. Das nennt man „Rechte Linie“, das heißt, ohne jegliche Absichten. Wenn er sich mit dem geringsten Verständnis damit befasst, sollte er es vielmehr so betrachten, als würde er einen großen Dienst erweisen. |
41 | Und das entspricht dem, was die Weisen sagten (Awot [Sprüche der Väter], Kapitel 2, Mischna 1): „Sei bei einer leichten Mizwa so achtsam wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“ Das bedeutet: Es kommt nicht darauf an, mit welchem Dienst wir dem König dienen, mit welchem Dienst wir Ihm Wohlgefallen bereiten. Wir haben nur einen einzigen Gedanken: dass dem Schöpfer Wohlgefallen daraus entsteht, dass ich es tue. | וזה כמו שאמרו חז"ל (אבות, פרק שני, משנה א') "והוי זהיר במצוה קלה כבחמורה, שאין אתה יודע מתן שכרן של מצות". פירוש, שלא חשוב לנו מה שאנו עושים שירות למלך, באיזה שירות אנו עושים נחת רוח למלך. אלא שיש לנו מחשבה אחת, שהיא, שיהיה מזה שאני עושה נחת רוח להבורא. | Es ist so, wie unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter, Kapitel 2, Mischna 1): „Sei umsichtig mit einer leichten Mizwa wie mit einer schweren, denn du kennst die Belohnung für die Mizwot nicht.“ Das heißt, es ist für uns keine Frage, welchen Dienst wir für den König tun, mit welchem Dienst wir dem König Zufriedenheit bringen. Vielmehr haben wir nur einen Gedanken: dass der Schöpfer mit dem, was wir tun, zufrieden sein wird. |
42 | Was kommt es also darauf an, ob diese Arbeit wichtig ist oder unwichtig? Ich habe ja keine Rechnung mit mir selbst aufzumachen. Es mag sogar eine wenig angesehene Arbeit sein, um die sich kaum jemand reißt – gerade deshalb will er sie tun, weil sie nötiger ist als eine angesehene Arbeit, um die sich viele drängen. | אם כן, מה חשוב אם זו עבודה חשובה או לא חשובה. כי אין לי שום חשבון עם עצמי. אלא יכולה להיות עבודה שלא כל כך חשובה, שאין הרבה קופצים עליה, לכן הוא רוצה לעשות זאת, משום שזה נחוץ יותר מעבודה חשובה, שיש עליה הרבה קופצים. | Es ist also egal, ob diese Arbeit wichtig ist oder nicht, denn ich denke nicht an mich. Es kann eine unwichtige Arbeit sein, die nicht viele Menschen wollen, deshalb will er sie tun, weil sie nötiger ist als eine wichtige Arbeit, die viele Menschen wollen. |
43 | Allerdings stellt sich die Frage: Warum kann der Mensch das Licht, das in Tora und Mizwot leuchtet, nicht gleich zu Beginn seines Tuns spüren? Stattdessen muss er glauben, dass dort ein verborgenes Licht ist, das er nicht sehen kann. Gewiss wäre es besser, läge die Wichtigkeit, die darin steckt, offen für alle zutage – dann könnten alle Tora und Mizwot erfüllen. | אמנם השאלה מתעוררת, מדוע אין האדם יכול להרגיש תיכף, בתחילת עשייתה, את האור המאיר בהתו"מ. אלא שהוא צריך להאמין, שיש שמה אור הגנוז, והוא לא יכול לראות את זה. אבל בטח היה יותר טוב, אם כן היה מגולה לכל את החשיבות שבה. אז היתה יכולת לכולם לקיים את התו"מ. | Die Frage ist jedoch: „Warum kann ein Mensch nicht das Licht spüren, das in Tora und Mizwot leuchtet, sobald er die Arbeit beginnt?“ Er muss nämlich jenseits dessen glauben, dass es dort ein verborgenes Licht gibt, das er nicht sehen kann. Es wäre sicher besser, wenn die Bedeutung darüber allen offenbart würde, denn dann könnte jeder Tora und Mizwot befolgen. |
44 | Und warum wurden Tora und Mizwot derart verhüllt und verborgen, dass jeder Einzelne arbeiten, sich mühen und allerlei tun muss, um schließlich sagen zu können, dass die ganze materielle Welt Tora und Mizwot nicht aufwiegt? So sagten die Weisen (Awot, Kapitel 4, 22): „Schöner ist eine Stunde der Umkehr und der guten Taten in dieser Welt als das ganze Leben der kommenden Welt; und schöner ist eine Stunde der Genugtuung in der kommenden Welt als das ganze Leben dieser Welt.“ | ולמה נעשה העלם והסתר על התו"מ, עד כדי כך, שכל אחד ואחד צריך לעבוד, ולהתייגע, ולעשות כל מיני פעולות, שיהיה בידו לומר, שכל העולם הגשמי אינו כדאי עבור תו"מ, כמו שאמרו חז"ל (אבות, פרק רביעי, כ"ב) "יפה שעה אחת בתשובה ומעשים טובים בעולם הזה, מכל חיי עולם הבא. ויפה שעה אחת של קורת רוח בעולם הבא, מכל חיי עולם הזה". | Warum also gibt es eine Verhüllung über Tora und Mizwot, die so weit geht, dass jeder einzelne arbeiten und sich anstrengen und alle möglichen Handlungen ausführen muss, um sagen zu können, dass die ganze körperliche Welt im Vergleich zu Tora und Mizwot nichts wert ist, wie unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter, Kapitel 4, 22): „Eine Stunde der Umkehr und der guten Taten in dieser Welt ist besser als das ganze Leben in der kommenden Welt, und eine Stunde der Zufriedenheit in der kommenden Welt ist besser als das ganze Leben in dieser Welt.“ |
45 | Doch diese Verborgenheit wurde uns gegeben, damit der Mensch einen Raum für die Arbeit der freien Wahl hat – damit es in seiner Kraft liegt, Tora und Mizwot um des Himmels willen zu erfüllen, also um zu geben. Andernfalls, läge das verborgene Licht von Tora und Mizwot offen, würde er allein aus Selbstliebe handeln. Dann gäbe es für den Menschen keine Möglichkeit, sich selbst zu prüfen, ob seine Absicht das Geben ist oder der eigene Nutzen. | אולם ניתנה לנו הסתרה זו, בכדי שיהיה להאדם מקום עבודה של בחירה, שהוא, שתהיה לו היכולת לעבוד בתורה ומצות לשם שמים, היינו בעמ"נ להשפיע. אחרת, אם היה מגולה האור הגנוז של תו"מ, היה עובד רק מטעם אהבה עצמית. ואז לא היתה שום אפשרות, שהאדם יוכל לבקר את עצמו, אם כוונתו היא להשפיע או לתועלת עצמו. | Diese Verhüllung wurde uns jedoch gegeben, damit wir die Wahl haben, d.h. die Möglichkeit, in Tora und Mizwot für den Schöpfer zu arbeiten, d.h. um des Gebens willen. Wenn das Licht, das in Tora und Mizwot verborgen ist, enthüllt wäre, würde er sonst nur aus Eigenliebe arbeiten. Aber dann wäre er nicht in der Lage, sich selbstkritisch zu betrachten und zu erkennen, ob seine Absicht auf das Geben oder auf sein eigenes Wohl gerichtet ist. |
46 | So aber, da es uns gegeben ist, Tora und Mizwot in der Zeit der Verborgenheit zu erfüllen, kann der Mensch sie in vollkommener Einfachheit halten und sagen: „Wenn meine Absicht das Geben ist, was kommt es mir dann darauf an, welchen Geschmack ich empfinde?“ Will der Mensch also etwas erlangen, muss er es auf sich nehmen, Tora und Mizwot in vollkommener Einfachheit zu wahren, wie gesagt. | מה שאין כן שניתן לנו לקיים תו"מ בזמן ההסתרה, אז האדם יכול לקיים אותם בתכלית הפשיטות. ולומר "אם כוונתי היא בעמ"נ להשפיע, מה חשוב לי איזה טעם שאני מרגיש". אי לזאת, אם האדם רוצה לזכות למשהו, הוא צריך לקבל על עצמו לשמור תו"מ בתכלית הפשטות, כנ"ל. | Aber weil uns die Tora und Mizwot während der Verhüllung gegeben wurden, können wir sie in aller Einfachheit halten und sagen: „Wenn meine Absicht das Geben ist, warum sollte ich mich darum kümmern, was ich fühle?“ Wenn er also mit irgendetwas erlangen will, muss er es auf sich nehmen, Tora und Mizwot in völliger Einfachheit zu halten. |
Rabash – 1986 – Artikel 25 (תשמ״ו – מאמר כ״ה)
„Das Maß des Praktizierens der Mizwot“
Es ist uns gegeben, die 613 Mizwot schon durch die bloße Handlung zu erfüllen. Selbst ohne Absicht genügt das – sofern der Mensch sich nur bewusst ist, dass er gerade eine der Mizwot ausführt, die der Schöpfer uns geboten hat –, um die Mizwa zu erfüllen. Er muss an keinerlei Absicht denken; es genügt, schlicht zu handeln, und damit hat er seine Pflicht bereits erfüllt.
Natürlich muss man jede Mizwa nach den Bedingungen erfüllen, die zu ihr gehören. Nehmen wir die Mizwa der Zizit (Schaufäden), wie geschrieben steht: „Und sie sollen sich Zizit an den Ecken ihrer Kleider machen.“ Dabei kommt es auf Einzelheiten an: aus welchem Stoff der Tallit (Gebetsschal) gefertigt ist, wie lang und breit er ist und dergleichen. Und auch bei den Zizit selbst gibt es solche Unterschiede – aus welchem Material sie bestehen, ob aus Wolle, Flachs oder anderem –, ferner ihre Zahl, ihre Länge und so fort.
All diese Bedingungen der Mizwa der Zizit muss man selbstverständlich einhalten. Sonst gilt die Handlung der Mizwa als unvollständig, und das ist ein Mangel auf der Ebene der Handlung. Außerdem gilt der Grundsatz, die Mizwot möglichst schön auszuführen, wie die Weisen zum Vers „Dies ist mein Gott, und ich will Ihn verherrlichen“ bemerkten. Ebenso ist auf viele Feinheiten genau zu achten.
Das gilt für die Ausführung aller Mizwot – ob es Mizwot aus der Tora sind, Mizwot der Weisen oder solche, die man aus Brauch erfüllt. Denn die Weisen sagten: „Der Brauch Israels ist Tora“ (Menachot 20b, Tosafot zum Stichwort „nifsal“), und „der Brauch unserer Väter ist Tora“.
Wie genau wir bei den Feinheiten der Mizwot sein müssen, führt uns die Mizwa vor Augen, an Pessach kein Chamez (Gesäuertes) zu essen. Sie zeigt beispielhaft, welche Gestalt solche Genauigkeit haben soll. Gerade an Pessach wurde sie uns gegeben, weil Chamez auf den bösen Trieb hindeutet. Deshalb gelten hier viele strenge Vorschriften und Feinheiten. Das soll uns als Beispiel dienen, wie achtsam wir sein müssen, um nicht, Gott behüte, in eine wirkliche Übertretung zu geraten. Darum wurden uns diese Feinheiten gegeben: Sie halten uns von der Übertretung selbst fern und lassen uns zugleich die Mizwa erfüllen.
Doch der Baal Shem Tov sagte: „Übertreibe es nicht mit den Feinheiten.“ Das heißt: Man soll nicht alle Aufmerksamkeit und Zeit in Feinheiten stecken. Der Mensch soll die Mizwot zwar so weit wie möglich in all ihren Einzelheiten und Feinheiten wahren, es damit aber nicht übertreiben. Vielleicht ist das der Grund, warum wir nicht bei jeder Mizwa so streng verfahren wie an Pessach: Wir brauchen unsere Kraft nämlich auch für die Absicht hinter den Handlungen, sonst bliebe für sie keine Zeit.
Wir müssen also auch an die Absicht denken, wie geschrieben steht: „Ich erschuf den bösen Trieb, und Ich erschuf die Tora als Gewürz.“ Wir müssen demnach auch der Absicht Zeit und Mühe widmen, nämlich nachzuprüfen, wie weit der böse Trieb durch Tora und Mizwot bereits korrigiert ist. Der Mensch muss sein Verlangen prüfen – das sogenannte „Verlangen zu empfangen“ –: ob er sich schon ein gutes Stück davon gelöst und sich von ihm entfernt hat und wie weit er in die Arbeit des Gebens eingetreten ist. Er muss sich also immer wieder überprüfen, um ganz klar zu erkennen, welches Maß an Hass er erworben hat, um seine Gefäße des Empfangens zu hassen und sich nach den Gefäßen des Gebens zu sehnen.
Wenn der Mensch sich also mit irgendeiner Mizwa beschäftigt, soll er zuallererst wissen, dass er sie in vollkommener Einfachheit erfüllt: dass er gerade an nichts anderes denkt als an diese eine Mizwa, mit der er beschäftigt ist. Er soll sich also bewusst sein, dass er eine Mizwa des Schöpfers erfüllt, und glauben, dass der Schöpfer es uns durch Moshe, unseren Lehrer – Friede sei mit ihm –, geboten hat, Sein Gebot zu erfüllen. Wenn er nun erfüllt, was Er uns gegeben hat – die 613 Mizwot, dazu die Mizwot der Weisen und ebenso die Bräuche Israels, die ebenfalls Tora sind –, dann soll all seinem Tun die eine Absicht zugrunde liegen: dem Schöpfer Freude zu bereiten. Vom Himmel wurde ihm ein großes Vorrecht zuteil – nämlich die Fähigkeit, mit dem Schöpfer zu sprechen. Wenn er daher einen Segen spricht, sei es über Genüsse oder über die Mizwot, soll er sich kurz vergegenwärtigen, wem er diesen Segen spricht, wem er dankt.
Der Mensch soll es sich ausmalen: Dürfte er bei der angesehensten Persönlichkeit der Stadt vorsprechen – wozu nicht jeder Zutritt hat –, was würde er empfinden, wenn er einträte und mit ihr spräche? Oder ließe man ihn bei der angesehensten Persönlichkeit des Landes vor, welche Freude käme da in ihm auf? Und ebenso, stellte er sich vor, man gewährte ihm Zutritt zur angesehensten Persönlichkeit der Welt, die nur mit wenigen Auserwählten spricht – welche Freude würde er empfinden, wie gehoben wäre seine Stimmung, dass man ihm eine solche Auszeichnung erwiesen hat, wie sie anderen nicht zuteilwird! In unserer materiellen Welt sehen wir ja, dass so etwas im Leben Befriedigung und Genugtuung verschafft.
Daher erhebt sich die Frage: Warum gelingt uns diese Überlegung und Vorstellung von Wichtigkeit nicht? In der Körperlichkeit hat der Mensch sie, wenn man ihn ehrt und er mit jemandem so Bedeutendem sprechen darf. Im Spirituellen aber, wenn wir zum Schöpfer sprechen, fehlt uns dieses Gespür dafür, zu wem wir eigentlich sprechen. Sonst würden wir uns sagen: „Sieh nur, wie viele Menschen es auf der Welt gibt, die nicht das Vorrecht haben, mit dem König der Welt zu sprechen. Uns aber hat der Schöpfer den Gedanken und das Verlangen gegeben, vor Ihn zu treten und mit Ihm zu sprechen. Muss der Mensch nicht glauben, was die Weisen sagten: ‚Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihn nicht bezwingen‘ (Kidushin 30)? Dann muss man doch sagen, dass der Schöpfer Sich jetzt uns zugewandt hat, indem Er uns half. Warum also ergreift uns keine Begeisterung für den Schöpfer, warum ist das Herz nicht voller Freude?“
Wenn der Mensch aber Worte der Tora spricht, zum Schöpfer betet oder einen Segen spricht, soll er sich vorstellen, dass er zu einer hochgeehrten Person und zum König der Welt spricht. Hoffentlich hilft ihm das. Denn selbst nach all diesen Vorstellungen ist es noch nicht dasselbe wie der Augenblick, in dem er in der Körperlichkeit zu einer geehrten Person spricht: Dort empfindet er diese Bedeutung ohne jede Mühe. Im Spirituellen dagegen muss er sich mit allerlei Vorstellungen abmühen, bis er auch nur ein wenig davon spürt – dass er nämlich zum Schöpfer spricht.
In Wahrheit ist die Sache ganz einfach. In der Körperlichkeit sieht der Mensch, wie die anderen ihn achten. Deshalb überträgt sich die Wichtigkeit, die in der Allgemeinheit liegt, auch auf den Einzelnen. Und er nimmt es auf sich, jener Person zu dienen – wegen der Wichtigkeit, die ihm die Allgemeinheit für sie vermittelt hat.
Beim Schöpfer ist es anders: Hier kann der Mensch nicht sehen, in welchem wahren Maß die Menschen den Schöpfer achten. Vielmehr beruht alles auf dem Glauben. Und gerade dort, wo der Mensch glauben muss, beginnt schon die eigentliche Arbeit. Denn dann entstehen Zweifel an der Sache, und er muss sich entscheiden – ja oder nein.
So entsteht im Spirituellen ganz von selbst eine große Arbeit: Der Mensch muss den Schöpfer für wichtig halten und dafür auf manches verzichten, was der Körper genießt. Und dieser Verzicht auf seine Genüsse schmerzt ihn. All das, um Gefallen in den Augen des Schöpfers zu finden, damit Er ihm Raum gibt, vor Ihn zu treten und mit Ihm zu sprechen, und ihm schenkt, dass er spürt, mit wem er spricht – das heißt, dass der Schöpfer Sich ihm offenbart und nicht länger so verborgen bleibt.
Könnte er die Wichtigkeit des Schöpfers dagegen von anderen Menschen beziehen, wie es in der Körperlichkeit üblich ist, so hätte er überhaupt keine Arbeit. Doch in der Heiligkeit gibt es etwas Besonderes, die Shechina (göttliche Gegenwart): Man spricht von der „Shechina im Exil“ oder der „Shechina im Staub“. All dies führt uns die Niedrigkeit vor Augen – das Gegenteil von Wichtigkeit.
So bleibt uns kein Weg, Wichtigkeit von der Allgemeinheit zu beziehen. Denn an der Allgemeinheit sehen wir, dass dem Spirituellen kein erkennbarer Wert beigemessen wird – sodass der Mensch keinen Grund und Halt fände, um dem zu folgen, wofür er Wichtigkeit empfangen hat. Es läge dann nicht in seiner Kraft, auf das Leben dieser Welt – das „materielle Leben“ – zu verzichten und es auf sich zu nehmen, dem Schöpfer zu dienen, und zwar um zu geben und nicht zum eigenen Nutzen.
Und das liegt daran, dass er bei anderen nicht sieht, dass sie das Spirituelle so hoch schätzen, dass sich dafür ein Verzicht auf die Selbstliebe lohnte. Denn wenn er auf die Gesamtheit derer blickt, die Tora lernen und die Mizwot erfüllen, findet er bei ihnen kein solches Maß an Wertschätzung, dass sie deswegen arbeiten würden, um zu geben. So versteht sich von selbst, warum er die Wichtigkeit des Spirituellen nicht in der Weise aufnimmt, wie er die Wichtigkeit in der Körperlichkeit von der Allgemeinheit aufnimmt. Denn in der Körperlichkeit sieht er, dass es eine Allgemeinheit gibt, die jemanden für wichtig hält – und gleichgültig, wen oder was sie schätzt, er lässt sich davon anstecken.
Im Spirituellen aber sieht er niemanden – nicht einmal einzelne Menschen –, der das Spirituelle für wichtig hielte. Was also kann er tun, um zu jener Wertschätzung zu gelangen, für die es sich lohnt, um des Gebens willen zu arbeiten?
Daraus folgt, dass dem Menschen eine große Arbeit zukommt: sich nach Kräften zu bemühen, wenigstens ein wenig Wertschätzung zu gewinnen. Er soll begreifen, welch großes Vorrecht es ist, dem Schöpfer dienen zu dürfen und Seine Mizwot in vollkommener Einfachheit zu erfüllen – ohne große Absichten, sondern einfach so, dass er Freude und Lebenskraft daraus schöpft, dass er erfüllt, was der Schöpfer uns geboten hat.
Er soll also denken, dass er jetzt den Willen des Königs tut und dass der König sich daran erfreut, dass er Seinen Willen erfüllt. Und er muss über dem Verstand glauben, dass die Gedanken und Regungen, die ihn überhaupt dazu gebracht haben, die Mizwot auszuführen, ihm vom Schöpfer gesandt wurden – dass sie ihm aus der Erweckung von oben zukommen. Es ist, als riefe der Schöpfer ihn jetzt: „Komm zu Mir, denn Ich möchte dir einen Dienst in Meinem Palast geben.“ Und wenn der Mensch sich das vor Augen führt, wird sein Herz gewiss ergriffen, füllt sich mit Freude und empfindet einen Aufschwung des Geistes.
Daraus ergibt sich, dass es nicht darauf ankommt, welche Handlung er vollzieht – alles ist gleich, wie geschrieben steht: „Sei bei einer leichten Mizwa so achtsam wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“ Man kann sagen: Für den, der Mizwot des Schöpfers erfüllt, spielt es keine Rolle, welche Mizwa er gerade tut. Denn sein ganzes Sinnen ist allein darauf gerichtet, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.
Deshalb kann der Mensch aus einer kleinen Handlung große Freude schöpfen. Denn das Entscheidende hängt nicht von der Größe der Mizwa ab, sondern davon, wie groß und wichtig ihm der ist, der die Mizwot gebietet – also davon, wie sehr er den König achtet.
Wenn der Mensch Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) hält, erkennt er, dass er ein Verlangen erfüllen muss, um Erfüllung zu finden. Nun gibt es den einen, der sein eigenes Verlangen stillt – das, wonach sein Herz verlangt; das nennt man Begierde. Ein anderer muss das Verlangen anderer erfüllen, das, was sie von ihm fordern: sich so zu kleiden und so zu wohnen, wie sie es erwarten, und Ähnliches; das fällt unter den Begriff der Ehre. Und schließlich gibt es das Erfüllen des Willens des Schöpfers – dessen, was der Schöpfer fordert, nämlich Tora und Mizwot zu halten.
Doch der Mensch kann sich fragen: Wenn mir der Dienst am Schöpfer wirklich so wichtig ist, dass ich so viel Bedeutung empfinde – warum vergesse ich dann gleich nach all diesen Überlegungen alles, tauche in die materielle Welt ein, lasse von allem Heiligen ab und übernehme sofort wieder Aufgaben, um die Wünsche anderer zu erfüllen statt die des Schöpfers? Und das, obwohl ich doch gesagt habe, dass der Wille des Schöpfers so überaus wichtig ist – wichtiger, als mein eigenes Verlangen zu stillen.
Denn wenn ich darauf bedacht bin, mein eigenes Verlangen zu stillen, fällt das unter die Begierde; und wenn ich mich mühe, das Verlangen anderer zu erfüllen, fällt das unter die Ehre. Beides will ich aus Selbstliebe befriedigen. Anders, wenn ich den Willen des Königs erfüllen will: Dann ist dieser Zustand sehr wertvoll, denn da trete ich aus der Selbstliebe heraus – die „Tier“ genannt wird – und trete ein in den Rang des „Menschen“, wie die Weisen sagten: „Ihr werdet ‚Mensch‘ genannt und nicht die Völker der Welt.“
Sobald der Mensch also aus dem Zustand von Tora und Gebet heraustritt, sollte er sagen, dass ihm schon die kleinste Sache, mit der er sich in der Heiligkeit befasst, überaus wichtig ist – so wichtig, dass er voller Freude ist, in den Bereich der Heiligkeit eintreten zu dürfen. Wer wäre denn so töricht, einen Zustand seelischer Befriedigung und geistigen Aufschwungs verlassen zu wollen, in dem er sich als der glücklichste Mensch der Welt fühlt, weil ihm das große Vorrecht zuteilwurde, seiner Tierheit zu entkommen, in der er die ganze Zeit gefangen war?
Und plötzlich wird er gerufen, zum König zu kommen und mit Ihm zu sprechen. Da betrachtet er sich selbst und sieht, wie er die ganze Zeit – gleich allen Tieren – in den Begierden dieser Welt versunken war. Jetzt aber merkt er, dass er zu einem Mann unter Männern geworden ist. Mit scharfem Blick mustert er seine Umgebung und sieht, wie tief sie in Niedrigkeit steckt – so sehr, dass es ihm schwerfällt, neben diesen Menschen zu stehen und mit ihnen zu reden. Denn es fällt ihm schwer, sich herabzulassen und mit Menschen zu sprechen, die keinen Geist der Heiligkeit haben, sondern in Selbstliebe versunken sind; er kann sie kaum ertragen.
Und nach all dem, einige Zeit später – mitunter schon nach einem einzigen Augenblick –, nach all der Kritik an seiner Umgebung, vergisst er seine ganze Spiritualität, in der er eben noch war, und taucht mit allen tierischen Begierden in die materielle Welt ein. Er erinnert sich nicht einmal an den Moment des Übergangs – an den Augenblick, in dem er aus dem spirituellen in den materiellen Zustand wechselte, in dem er sich nun befindet.
Da erhebt sich die Frage: War es eine Täuschung, als er sich im spirituellen Zustand befand und sich daran erfreute – oder war es nur ein Traum? Oder ist es umgekehrt: Ist jener frühere Zustand sein wahrer, und nur das, was er jetzt empfindet – versunken in tierische Begierden –, ist der Traum?
Doch in Wahrheit muss der Mensch glauben: In dem Augenblick, in dem der Schöpfer Sich ihm ein wenig offenbart, beginnt er die Wichtigkeit des Königs zu spüren; und ganz von selbst wird er hingezogen und verblasst wie eine Kerze vor einer Fackel. Hält er den Ruf, den er vom Himmel vernommen hat, weiterhin in Ehren – und je höher er ihn zu schätzen kann –, desto stärker wächst in ihm das Streben nach dem Spirituellen. Und er beginnt zu spüren, wie er die materielle Welt verlässt und in eine Welt eintritt, die ganz und gar gut ist.
Vergisst er aber, diesen Ruf in Ehren zu halten – dass er zum König gerufen wurde, um mit Ihm zu sprechen –, und beginnt stattdessen, den vorhandenen Genuss auszukosten und in seine Gefäße des Empfangens hineinzuziehen, ohne darauf zu achten, Lob und Dank dafür darzubringen, dass der Schöpfer ihn Sich nahegebracht hat, dann wird er sofort aus dem Palast des Königs hinausgestoßen.
Und das geht so schnell, dass ihm gar keine Zeit bleibt zu merken, dass man ihn hinausgeworfen hat. Erst einige Zeit später kommt er zu sich und sieht, dass man ihn hinausgeworfen hat. Denn im Augenblick, als man ihn aus dem Palast des Königs warf, blieb er ohne Bewusstsein; deshalb konnte er den Moment des Hinauswurfs nicht wahrnehmen.
Bekanntlich verhält es sich auch in der Körperlichkeit so: Stürzt ein Mensch aus einem oberen Stockwerk zu Boden und fragt man ihn, wie er gefallen ist, so sagt er, dass er sich an nichts erinnert. Erst jetzt sieht er, dass er im Krankenhaus liegt. Doch an nichts erinnert er sich – weder daran, wer ihn vom Boden aufhob, noch daran, wer ihn ins Krankenhaus brachte; alles ist ihm entfallen.
Ebenso ist es im Spirituellen. Denn im Augenblick, als man ihn aus dem Palast des Königs warf, erinnert er sich nicht, wer ihn hinauswarf – also was die Ursache war, dass er aus seinem Zustand fiel, in dem er ganz vollkommen und voller Freude über seine Lage war. Auch erinnert er sich nicht an den Moment, in dem er aus seiner hohen Stellung zu Boden fiel, sodass er sagen könnte: „Bis hierher war alles in Ordnung, und erst in diesem Augenblick bin ich gefallen.“ An diesen Augenblick des Falls kann er sich nicht erinnern. Erst einige Zeit später öffnet er die Augen und sieht allmählich, dass er sich jetzt in der materiellen Welt befindet.
Diese Erholung – dass also das Bewusstsein zurückkehrt und er sieht, dass er sich nun außerhalb des Palastes befindet – kann nach einigen Stunden eintreten, mitunter sogar erst nach einigen Tagen: Plötzlich bemerkt er, dass er in den Begierden dieser Welt versunken ist und einst einen Zustand des Aufstiegs hatte.
Kehren wir nun zu dem zurück, womit wir begonnen haben: zum hohen Wert, die Handlungen der Mizwot, die Worte der Tora und das Gebet in vollkommener Einfachheit zu vollziehen, ohne jede Absicht, einzig um Tora zu lernen – denn die ganze Tora ist nichts anderes als die Namen des Schöpfers. Und das gilt unabhängig davon, ob er versteht, welche Verbindung das Gelernte mit ihm selbst hat.
Das heißt: Er soll nicht fragen, was ihn dies denn lehren solle. Vielmehr ist jedes einzelne Wort, das er lernt, von großem Nutzen für seine Seele. Und auch wenn er es nicht versteht, soll er im Glauben an die Weisen vertrauen, die uns so angeleitet haben.
Ebenso beim Gebet: Er soll wissen und glauben, dass jedes einzelne Wort, das unsere Lehrer für uns festgelegt haben, ganz aus geistiger Erlangung (Ruach haKodesh) gesprochen wurde. Deshalb soll man jedes Wort für wichtig halten. Er hat ja das Vorrecht, dass der Schöpfer ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, Seine Mizwot zu erfüllen – und dem Schöpfer dafür zu danken, wie gesagt. Er soll glauben, dass alles, womit er sich im Spirituellen befasst, ein Vorrecht ist, das andere Menschen nicht haben: Der Schöpfer hat gerade ihn erwählt und ihm einen Dienst übertragen, dass er Ihm diene.
Diese Selbstprüfung soll der Mensch anstellen: wie der König ihn ruft und ihm ein wenig Einsicht schenkt, wenigstens Seine Mizwot zu wahren, damit der Mensch ein wenig Berührung mit dem Schöpfer bekommt. Er male sich, wie gesagt, die Größe des Königs aus, so gut er kann, und schöpfe daraus Freude und geistigen Aufschwung. Das ist der wahre Weg.
Das heißt: Wir müssen an die Wichtigkeit des Schöpfers glauben – auch wenn der Körper noch nicht ergriffen ist –, und zwar so, als dienten wir einem König aus Fleisch und Blut. Denn dort, wie gesagt, achten die Vielen den König, und der Einzelne lässt sich von den Vielen mitreißen. Im Spirituellen ist es anders: Da kann der Mensch nicht sehen, wie die Vielen den Schöpfer achten und dass es sich lohnt, sich vor Ihm auszulöschen – das bleibt uns verborgen. Wir müssen vielmehr glauben, dass es so ist. Und das nennt man die „rechte Linie“: nämlich ohne jede Absicht. Selbst wenn er sich nur mit dem allerkleinsten Verständnis befasst, soll es ihm so viel bedeuten, als erwiese er einen großen Dienst.
Und das entspricht dem, was die Weisen sagten (Awot [Sprüche der Väter], Kapitel 2, Mischna 1): „Sei bei einer leichten Mizwa so achtsam wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht.“ Das bedeutet: Es kommt nicht darauf an, mit welchem Dienst wir dem König dienen, mit welchem Dienst wir Ihm Wohlgefallen bereiten. Wir haben nur einen einzigen Gedanken: dass dem Schöpfer Wohlgefallen daraus entsteht, dass ich es tue.
Was kommt es also darauf an, ob diese Arbeit wichtig ist oder unwichtig? Ich habe ja keine Rechnung mit mir selbst aufzumachen. Es mag sogar eine wenig angesehene Arbeit sein, um die sich kaum jemand reißt – gerade deshalb will er sie tun, weil sie nötiger ist als eine angesehene Arbeit, um die sich viele drängen.
Allerdings stellt sich die Frage: Warum kann der Mensch das Licht, das in Tora und Mizwot leuchtet, nicht gleich zu Beginn seines Tuns spüren? Stattdessen muss er glauben, dass dort ein verborgenes Licht ist, das er nicht sehen kann. Gewiss wäre es besser, läge die Wichtigkeit, die darin steckt, offen für alle zutage – dann könnten alle Tora und Mizwot erfüllen.
Und warum wurden Tora und Mizwot derart verhüllt und verborgen, dass jeder Einzelne arbeiten, sich mühen und allerlei tun muss, um schließlich sagen zu können, dass die ganze materielle Welt Tora und Mizwot nicht aufwiegt? So sagten die Weisen (Awot, Kapitel 4, 22): „Schöner ist eine Stunde der Umkehr und der guten Taten in dieser Welt als das ganze Leben der kommenden Welt; und schöner ist eine Stunde der Genugtuung in der kommenden Welt als das ganze Leben dieser Welt.“
Doch diese Verborgenheit wurde uns gegeben, damit der Mensch einen Raum für die Arbeit der freien Wahl hat – damit es in seiner Kraft liegt, Tora und Mizwot um des Himmels willen zu erfüllen, also um zu geben. Andernfalls, läge das verborgene Licht von Tora und Mizwot offen, würde er allein aus Selbstliebe handeln. Dann gäbe es für den Menschen keine Möglichkeit, sich selbst zu prüfen, ob seine Absicht das Geben ist oder der eigene Nutzen.
So aber, da es uns gegeben ist, Tora und Mizwot in der Zeit der Verborgenheit zu erfüllen, kann der Mensch sie in vollkommener Einfachheit halten und sagen: „Wenn meine Absicht das Geben ist, was kommt es mir dann darauf an, welchen Geschmack ich empfinde?“ Will der Mensch also etwas erlangen, muss er es auf sich nehmen, Tora und Mizwot in vollkommener Einfachheit zu wahren, wie gesagt.
korrigiert, EY, CO4.8, 20.06.2026