Rabash – 1986 – Artikel 34 (תשמ״ו – מאמר ל״ד)
„Richter und Polizisten“ · ענין שופטים ושוטרים
Nr. | Deutsch NEU | עברית | Deutsch ALT |
1 | Es steht geschrieben: „Richter und Polizisten sollst du dir in allen deinen Toren setzen, die der Ewige, dein Gott, dir gibt.“ Um dies zu verstehen, gilt der Grundsatz, dass die Tora ewig ist und in allen Generationen gilt. Also muss sich dieser Vers auch auf unsere Generation deuten lassen. Deshalb braucht jedes einzelne Wort eine eigene Erklärung: | הנה הכתוב אומר "שופטים ושוטרים תיתן לך בכל שעריך, אשר ה' אלקיך נתן לך". ולהבין את הנ"ל לפי הכלל, שהתורה היא נצחיות ונוהגת בכל הדורות, אם כן יש לפרש את הפסוק הנ"ל גם בדורנו אנו. ומשום זה כל מילה ומילה צריכה ביאור בפני עצמה: | In der Schrift heißt es: „Du sollst dir Richter und Aufseher einsetzen in all deinen Toren, die der Ewige, dein Gott, dir gibt.“ Um dies nach der Regel auslegen zu können, dass die Tora ewig ist und für alle Generationen gilt, sollten wir den Vers auch für unsere Generation verstehen lernen. Aus diesem Grund bedarf jedes Wort einer eigenen Erklärung: |
2 | 1. Was sind Richter? | א. מהו שופטים. | 1.) Was sind „Richter“? |
3 | 2. Was sind Polizisten? | ב. מהו שוטרים. | 2.) Was sind „Aufseher“? |
4 | 3. „Du sollst dir setzen“ steht in der Einzahl. Das bedeutet: Jeder Einzelne muss Richter und Polizisten einsetzen. Ist es denn möglich, dass jeder Einzelne so verfahren soll? | ג. "תיתן לך" הוא לשון יחיד. היינו, שכל יחיד ויחיד צריך לתת שופטים ושוטרים. היתכן שכל יחיד צריך לעשות כך. | 3.) „Du sollst Dir einsetzen“ ist die Einzahlform. Das bedeutet, dass jeder Mensch Richter und Aufseher einsetzen muss. Kann es sein, dass jeder Mensch das tun soll? |
5 | 4. „In allen deinen Toren.“ Hier müssen wir verstehen, was das Wort „Tor“ in unserer Generation bedeuten soll. Und worauf deutet „in allen deinen Toren“ hin? Es klingt so: Sobald sich ein Tor findet, muss man sich sofort bemühen, dort Richter und Polizisten einzusetzen. | ד. "בכל שעריך". אז צריכים להבין, מה שייך לומר בדורנו "שער". ועוד, מה מרמז "בכל שעריך", שמשמע, אם רק נמצא שער, תיכף צריכים להשתדל לתת שם שופטים ושוטרים. | 4.) „In all deinen Toren“. Wir haben Bedarf zu verstehen, wie sich „Tore“ auf unsere Zeit beziehen. Und was bedeutet „In all deinen Toren“? Wenn es ein Tor gibt, sollten wir sofort prüfen, ob wir dort Richter und Aufseher unterbringen können. |
6 | 5. Vor allem: Worauf deutet die Aussage „die der Ewige, dein Gott, dir gibt“? Was soll damit angedeutet werden? Gibt es etwa einen anderen, der dem Volk Israel gibt, außer dem Schöpfer? | ה. בעיקר, מה מרמז לנו במה שאומר "אשר ה' אלקיך נתן לך". מה בא זה לרמז. וכי חס ושלום יש מי שהוא אחר, שנותן לעם ישראל חוץ מהקב"ה. | 5.) Was bedeutet es, dass er sagt: „Die der Ewige, dein Gott, dir gibt“? Was ist damit gemeint? Gibt es außer dem Schöpfer noch jemanden, der dem Volk Israel etwas gibt? |
7 | Um dies zu verstehen, müssen wir vorausschicken, was wir in den früheren Artikeln gesagt haben: | ובכדי להבין את הנ"ל, צריכים להקדים מקודם את מה שדברנו במאמרים הקודמים: | Um das zu verstehen, müssen wir zunächst erwähnen, was wir in den vorherigen Artikeln gesagt haben: |
8 | 1. Das Ziel der Schöpfung von seiten des Schöpfers. | א. מטרת הבריאה מצד הבורא. | 1.) Der Zweck der Schöpfung aus der Sicht des Schöpfers. |
9 | 2. Das Ziel unserer Arbeit beim Einhalten von Tora und Mizwot – nämlich welche Stufe wir durch das Einhalten von Tora und Mizwot erreichen sollen. | ב. מטרת עבודתינו בקיום תורה ומצות. היינו לאיזו דרגה אנו צריכים להגיע בסגולת קיום תו"מ. | 2.) Der Zweck unserer Arbeit beim Einhalten von Tora und Mizwot [Geboten], also bis zu welcher Stufe wir das Einhalten von Tora und Mizwot befolgen sollen. |
10 | Es ist bekannt, dass das Ziel der Schöpfung darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Die Geschöpfe sollen also von Ihm das Gute und den Genuss empfangen, nach Seinem ganzen Vermögen und ohne jede Einschränkung. Doch weil Er wollte, dass Seine Werke vollkommen sind – dass es also kein Brot der Scham (Nahama deKisufa) gibt –, geschah eine Einschränkung (Zimzum) und eine Verhüllung. Das heißt: In den Gefäßen, die empfangen wollen, gibt es keine Offenbarung des Lichts. Erst nachdem das Gefäß, das „Verlangen zu empfangen“ genannt wird, die Korrektur „um zu geben“ empfangen hat, offenbart sich die Fülle – und zwar in dem Maß, in dem es die Absicht zu geben ausrichten kann. Vorher aber sehen sie das Gegenteil der Offenbarung; sie spüren nur Verbergung und Verhüllung. | ידוע שמטרת הבריאה היא להטיב לנבראיו. היינו שהנבראים יקבלו ממנו יתברך את הטוב והעונג כפי יכולתו יתברך, בלי שום הגבלות. אלא מטעם שהוא רצה, שיהיו שלימות פעולותיו, היינו שלא יהיה נהמא דכסופא, נעשה צמצום והסתר. היינו שאין שום גילוי אור בכלים שהם בעמ"נ לקבל. אלא רק לאחר שהכלי, הנקרא "רצון לקבל", קיבל תיקון "בעמ"נ להשפיע", אז לפי שיעור שיכול לכוון בעמ"נ להשפיע, בשיעור זה מתגלה השפע. ומטרם זה הם רואים את ההיפך מהגלוי, רק מרגישים העלם והסתר. | Es ist bekannt, dass der Zweck der Schöpfung darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, dass also die Geschöpfe von Ihm Freude und Genuss empfangen, wie es Seinen Fähigkeiten entspricht, ohne irgendwelche Einschränkungen. Weil der Schöpfer aber wollte, dass Seine Arbeit vollkommen ist, dass es also kein Brot der Scham gibt, gab es einen Zimzum [Einschränkung] und eine Verhüllung. Das bedeutet, dass es in den Kelim [Gefäßen], die arbeiten, um zu empfangen, keine Offenbarung des Lichts gibt. Erst wenn das Kli [Gefäß] mit der Bezeichnung „Wille zum Empfangen“ dahingehend korrigiert wurde, dass es arbeitet, um zu geben, dann offenbart sich die Fülle entsprechend seiner Fähigkeit, die Absicht zu haben, um zu geben. Davor sehen sie das Gegenteil von Enthüllung – sie empfinden nur Verhüllung. |
11 | Daraus folgt: Hier, also nachdem die Einschränkung (Zimzum) geschehen ist, beginnt die Arbeit der Unteren. Ihr Ziel muss sein, dass all unsere Gedanken und Handlungen nur einer einzigen Absicht dienen – der Absicht, zu geben. | נמצא לפי זה, שכאן, היינו לאחר שנעשה הצמצום, אז מתחלת עבודת התחתונים, שהמטרה צריכה להיות, שכל מחשבותינו ומעשינו צריכים להיות רק על כוונה אחת, שהיא בעמ"נ להשפיע. | Deshalb beginnt hier, also nachdem der Zimzum stattgefunden hat, die Arbeit der Unteren. Das Ziel sollte sein, dass all unsere Gedanken und Handlungen nur noch eine Absicht haben – das Geben. |
12 | Doch es erhebt sich die Frage, wie eine solche Wirklichkeit überhaupt möglich ist. Denn der Mensch wird seiner Geburt nach „als Wildesel geboren“. Woher soll er die Kräfte nehmen, um aus der Natur herauszutreten, in der er erschaffen wurde? | אולם מתעוררת השאלה, איך אפשר שתהיה מציאות כזו. היינו לאחר שאדם מצד הלידה בסוד "עייר פרא אדם יולד", מאין הוא יכול לקבל כוחות, שתהיה לו אפשרות לצאת מהטבע שבו הוא נברא. | Das wirft jedoch die Frage auf: „Wie kann es so etwas geben?“ Das heißt, da der Mensch als Wildesel geboren wird, woher soll er die Kraft nehmen, um aus der Natur herauszukommen, in der er erschaffen wurde? |
13 | Zu diesem Zweck wurde uns die Arbeit beim Einhalten von Tora und Mizwot gegeben. Der Mensch soll beim Einhalten von Tora und Mizwot die Absicht haben, dass ihm dies die Kraft bringt, sich umzustellen. Dann kann er all seine Begierden und Wünsche so wenden, dass sie sich einzig darauf richten, wie und womit er seinem Schöpfer Wohlgefallen bereiten kann. | ולצורך זה ניתן לנו עבודה בקיום תו"מ. היינו שהאדם צריך לכוון בעת עשייתו בקיום תו"מ, שזה יביא לו כח שיכול להסכים, שיהפוך עכשיו את כל תשוקותיו ומאווייו, שיהיו אך ורק, איך ובמה הוא יכול להשפיע נחת רוח ליוצרו. | Zu diesem Zweck wurde uns die Arbeit im Einhalten von Tora und Mizwot gegeben. Das heißt, der Mensch sollte beim Einhalten von Tora und Mizwot die Absicht haben, alle seine Leidenschaften und Ambitionen darauf zu richten, wie und womit er seinem Schöpfer Zufriedenheit geben kann. |
14 | Bevor er in die Arbeit des Gebens eintrat, dachte er, das Einhalten von Tora und Mizwot bringt ihm Erfolg und Segen, sodass er seinem Körper Genuss verschaffen kann. Durch das Wahren von Tora und Mizwot erhält der Körper also diese Welt und die kommende Welt. Das war seine Grundlage, und darauf baute er sein Fundament. Dieses Fundament war für ihn der Grund, der ihn verpflichtete, Tora und Mizwot in allen Einzelheiten und Feinheiten einzuhalten. Und er hatte die Kraft, die Trägheit seines Körpers zu überwinden – er überwand sie, um den Lohn zu erlangen. | ובמקום שמטרם שנכנס לעבודה דלהשפיע, היה חושב, שענין זה, מה שהוא מקיים תו"מ, יביא לו הצלחה וברכה, שיוכל להנות את גופו, היינו שבזכות שמירת תו"מ יהיה אז להגוף עולם הזה ועולם הבא, וזה היה הבסיס שלו, שעל הבסיס הזה בנה לעצמו יסוד, שהיסוד הזה יהיה אצלו הסיבה המחייבו לקיים את התו"מ בכל פרטיה ודקדוקיה, והיה לו כח להתגבר על העצלות שבגופו, ולהתגבר בכדי להשיג את השכר. | Bevor er die Arbeit des Gebens begann, dachte er, dass diese Angelegenheit des Einhaltens von Tora und Mizwot ihm Erfolg und Segen bringen wird, so dass er seinem Körper Freude bereiten kann, was bedeutet, dass er durch das Einhalten von Tora und Mizwot den Körper in dieser und der nächsten Welt haben wird. Aus diesem Grund hat er ein Fundament für sich geschaffen, das ihn dazu zwingt, die Tora und die Mizwot in allen Einzelheiten einzuhalten, und er hat die Kraft, die Faulheit in seinem Körper zu überwinden und sich durchzusetzen, um die Belohnung zu erhalten. |
15 | Es ist wie bei Menschen, die in der Körperlichkeit arbeiten, um ihr Brot zu verdienen. Auch gegen körperliche Arbeit sträubt sich der Körper, denn er zieht die Ruhe vor. Doch der materielle Lohn, von dem er sieht, dass er seinem Körper zugutekommt, gibt ihm die Kraft, sich zu überwinden. Ebenso hat er, wenn der Ertrag der Arbeit ein Lohn für den eigenen Körper ist, die Kraft, alle Hindernisse zu überwinden, die ihm im Weg stehen. Denn der erhoffte Lohn dient nur seinen eigenen Bedürfnissen, und dagegen sträubt sich der Körper nicht. | כדוגמת אנשים שעובדים עבודה בגשמיות כדי להרויח לחמם, שגם לעבוד עבודה גשמית הגוף מתנגד, היות שהגוף בוחר יותר במנוחה. אבל השכר הגשמי, מה שהוא רואה, שזהו לטובת גופו, יש לו כח התגברות. כמו כן בזמן שהתמורה של העבודה היא שכר לצורך גופו של אדם, גם כן יש לו כח התגברות על כל המכשולים העומדים נגדו. היות שהשכר, למה שהוא מקווה, אין זה רק לצורכי עצמו, ועל זה אין הגוף מתנגד. | Es ist wie bei Menschen, die im irdischen Leben arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Körper wehrt sich auch gegen die Arbeit in der Körperlichkeit, denn er würde sich lieber ausruhen, aber der materielle Lohn, den er sieht und der seinem Körper zugutekommt, gibt ihm die Kraft, sich zu überwinden. Ebenso hat er, wenn die Belohnung für die Arbeit eine Belohnung für seinen Körper ist, die Kraft, alle Hindernisse auf seinem Weg zu überwinden. Weil die Belohnung, die er sich erhofft, nur für seinen eigenen Bedarf ist, hat der Körper nichts dagegen einzuwenden. |
16 | Zwar genießt der Körper die Ruhe. Doch sagt man ihm: „Verzichte auf den Genuss deiner Ruhe, und du wirst einen Genuss haben, der größer ist als die Ruhe – einen Genuss, den du durch die Arbeit empfängst. Oder der Genuss, den du durch den Verzicht auf die Ruhe empfängst, ist dir nötiger als der Genuss, den du in der Ruhe findest, denn durch solche Genüsse kannst du in der Welt bestehen, sonst hast du kein Recht zu bestehen.“ In all diesen Dingen hat der Körper die Kraft, sich zu überwinden und auf kleine Genüsse zu verzichten, um einen größeren Lohn zu erlangen, als seine Arbeit es wert wäre. Der Lohn entschädigt ihn also für alle Zugeständnisse, die er seinem Körper abverlangt, damit es ihm besser geht als jetzt, bevor er auf die Genüsse verzichtet hat. | היינו, הגם שהגוף נהנה מהמנוחה, אבל כשאומרים להגוף, תוותר על תענוג המנוחה שלך, ויהיה לך תענוג באופן, שהתענוג מה שאתה תקבל ע"י העבודה, הוא תענוג יותר גדול מהמנוחה, או שהתענוג מה שאתה תקבל ע"י ויתור המנוחה, הוא תענוג שיותר נחוץ לך מתענוג שאתה מוציא במנוחה, כי ע"י התענוגים האלה אתה תוכל להתקיים בעולם, אחרת אין לך זכות קיום - על כל אלה ענינים יש כוחות בהגוף שיוכל להתגבר ולוותר על תענוגים קטנים, בכדי להשיג יותר שכר מכפי עבודתו. היינו, שהשכר משלם לו על כל הוויתורים, שהוא דורש מגופו שיוותר, בכדי להיות לו יותר טוב, מכפי שהוא מרגיש עכשיו, מטרם ויתר על התענוגים. | Das heißt, der Körper genießt die Ruhe, doch sobald ihm gesagt wird: „Gib deine Ruhe auf und du wirst Genuss in einer Weise haben, dass den Genuss, den du durch die Arbeit empfängst, größer ist als die Ruhe, oder dass der Genuss, den du durch den Verzicht auf die Ruhe empfängst, notwendiger ist als der Genuss, den du in der Ruhe findest, denn durch diesen Genuss wirst du in der Welt existieren können, sonst wirst du nicht existieren können.“ In all diesen Angelegenheiten hat der Körper die Kraft, sich zu überwinden und auf kleine Genüsse zu verzichten, um eine größere Belohnung als seine Arbeit zu erhalten. Das heißt, die Belohnung zahlt sich durch seine Zugeständnisse aus, die er von seinem Körper verlangt, um glücklicher zu sein, als er sich jetzt fühlt, bevor er auf die Genüsse verzichtet hat. |
17 | Anders verhält es sich, wenn man dem Körper sagt: „Verrichte eine Arbeit des Gebens“ – das heißt, durch das Einhalten von Tora und Mizwot darf er den Schöpfer erfreuen. Man sagt dem Menschen also: „Verzichte auf deine Selbstliebe.“ Und was ist der Ertrag? Dass der Schöpfer Freude an der Arbeit des Einhaltens von Tora und Mizwot hat. Sofort tritt der Körper auf und bringt das Argument „Wer und was?“ vor. Das heißt: „Was gewinne ich dadurch, dass der Schöpfer Sich an meiner Arbeit erfreut? Wie kann man überhaupt ohne Lohn arbeiten?“ Das ist das Argument des „Wer“, das nicht arbeiten will. Der Körper sagt ja: „Ich bin bereit zu arbeiten wie alle anderen, aber nicht zu solchen Bedingungen – nämlich dass ich auf meine Selbstliebe verzichte und alles tue, damit der Schöpfer Freude hat. Was ist denn mein Gewinn aus dieser Arbeit?“ | מה שאין כן בזמן שאומרים להגוף, תעבוד עבודה של השפעה, היינו שע"י קיום תו"מ הוא יזכה להנות להבורא. זאת אומרת, שאומרים לאדם, תוותר על אהבה עצמית שלך. ומה תהיה התמורה, שהקב"ה יהנה מהעבודה של קיום תו"מ. אז תיכף בא הגוף ושואל טענת "מי ומה". היינו, מה אני ארויח בזה שהקב"ה יהנה מעבודה שלי. וכי איך אפשר לעבוד בלי שכר. וזו טענת של "מי", שלא רוצה לעבוד. הלא הגוף אומר, אני מוכן לעבוד כמו כולם, אבל לא על תנאים כאלו. היינו שאני אוותר על אהבה עצמית שלי, ואני אעשה הכל בכדי שהקב"ה יהנה, ומה יהיה הרווח שלי מעבודה זאת. | Aber wenn dem Körper gesagt wird: „Arbeite im Geben“, was bedeutet, dass er durch das Einhalten von Tora und Mizwot mit der Freude des Schöpfers belohnt wird, wenn also einem Menschen gesagt wird: „Gib deine Selbstliebe auf“ –, was ist dann seine Belohnung? Dass der Schöpfer sich an der Arbeit des Einhaltens von Tora und Mizwot erfreuen wird. In diesem Moment kommt der Körper und stellt die Frage nach dem „Wer“ und „Was“. Das heißt: „Was habe ich davon, wenn sich der Schöpfer an meiner Arbeit erfreut? Und wie kannst du ohne Belohnung arbeiten?“ Das ist das „Wer“-Argument, das nicht arbeiten will. Der Körper sagt: „Ich bin bereit zu arbeiten wie jeder andere auch, aber nicht unter diesen Bedingungen. Wenn ich also meine Selbstliebe aufgebe und alles tue, damit der Schöpfer Freude hat, was habe ich dann von dieser Arbeit?“ |
18 | Wenn der Mensch nun alle Argumente des Körpers überwindet und meint, er hat bereits die Kraft, die Natur des Körpers zu bezwingen – er hat jetzt also das Gefühl, alle seine Gedanken einzig auf das Geben ausrichten zu können –, dann kommt der Körper plötzlich mit neuen Argumenten: „Es ist ja richtig von dir, dass du um des Himmels willen arbeiten willst und nicht wie üblich, wo alle arbeiten, um Lohn zu empfangen. Aber gut wäre es, wenn du nach einiger Zeit des Einsatzes Kraft von oben empfangen hättest, um den Weg des Gebens gehen zu können. Doch du siehst: Du hast viel Mühe aufgewandt und dich kein Haar breit bewegt. Also siehst du selbst, dass du diesen Weg nicht gehen kannst. Schade um deine Mühe, du plagst dich umsonst. Verlass also diesen Weg, flieh aus der Schlacht.“ | וכשהאדם מתגבר על כל הטענות של הגוף, והוא חושב שכבר יש בידו כח להתגבר נגד טבע הגוף, היינו שיש לו עכשיו הרגשה, שיוכל לרכז כל מחשבותיו רק בעמ"נ להשפיע, פתאום בא אליו הגוף עם טענות חדשות, נכון מצדך שאתה רוצה לעבוד לשם שמים, ולא כדרך הנהוג שהכלל עובדים בעמ"נ לקבל שכר. אבל זה היה טוב, אם לאחר שהשקעת זמן מסויים אתה קבלת כח מלמעלה, שאתה יכול ללכת בדרך של השפעה. אבל אתה רואה, שכבר נתת הרבה יגיעה, ולא זזת כמלוא נימא. אם כן אתה רואה בעצמך, שאתה לא מסוגל ללכת בדרך זו. אי לזאת חבל על היגיעה שלך, שאתה מתייגע בחינם. אם כן לך לך מדרך זו, תברח מהמערכה. | Wenn der Mensch alle Argumente des Körpers überwunden hat und denkt, dass er bereits die Kraft hat, die Natur des Körpers zu überwinden, das heißt, dass er jetzt das Gefühl hat, dass er seine Gedanken nur noch auf das Geben konzentrieren kann, kommt der Körper plötzlich mit neuen Beschwerden zu ihm: „Es ist in Ordnung, dass du für den Schöpfer arbeiten willst und nicht so, wie alle anderen arbeiten, um Belohnung zu empfangen. Wenn du dich aber schon eine Weile angestrengt hast, wäre es gut, wenn du von oben Kraft empfangen würdest, damit du den Weg des Gebens gehen kannst. Aber wie du siehst, hast du viel Arbeit geleistet und dich kein Stück bewegt. Du kannst also selbst sehen, dass du diesen Weg nicht gehen kannst. Du verschwendest deine Energie und arbeitest umsonst. Verlasse diesen Weg, entfliehe der Schlacht.“ |
19 | Und wenn der Mensch auch all diese Argumente des Körpers überwindet, kommt der Körper und offenbart ihm neue Dinge, auf die der Mensch keine Antwort mehr hat. Damit will er ihn von seiner ganzen Arbeit losreißen. Der Körper sagt ihm: „Bekanntlich macht ein Mensch, der eine Wissenschaft zu erlernen beginnt, jedes Mal Fortschritte. Ist er begabt, kommt er schneller voran; ist er weniger begabt, langsamer. Sieht ein Mensch aber, dass er in einer Wissenschaft gar keine Fortschritte macht, so sagt man ihm: Diese Wissenschaft ist nichts für dich. Du solltest lieber einen Beruf erlernen, denn zum Studium der Wissenschaften bist du nicht geeignet. Und wir sehen, dass es in der Welt so üblich ist – und das leuchtet ein.“ | ואם האדם מתגבר על כל אלה הטענות של הגוף, בא הגוף ומגלה לו דברים חדשים, שעל זה כבר אין להאדם לענות לו שום תשובה. ובזה הוא רוצה לנתק אותו מכל העבודה שלו. הגוף אומר לו, ידוע שאדם מתחיל ללמוד איזה חכמה, כל פעם הוא מתחיל להתקדם. אם הוא בעל כשרון, מתקדם יותר מהר, ואם הוא פחות בעל כשרון, מתקדם באיטיות. ובזמן שהאדם רואה, שהוא לא מתקדם כלום בחכמה, אז אומרים לו, החכמה הזאת היא לא בשבילך, אלא אתה צריך ללכת וללמוד איזה מקצוע, ואין אתה מוכשר ללמוד חכמות. וענין זה אנו רואים, שנהוג בעולם, וזהו מתקבל על הדעת. | Wenn ein Mensch all diese Argumente des Körpers überwindet, kommt der Körper und offenbart ihm neue Dinge, auf die der Mensch keine Antwort hat. Damit will er ihn von seiner Arbeit ablenken. Der Körper sagt ihm: „Es ist bekannt, dass ein Mensch, wenn er beginnt, eine der Wissenschaften zu lernen, jedes Mal Fortschritte macht. Wenn er begabt ist, kommt er schneller voran; und wenn er weniger begabt ist, kommt er langsamer voran. Und wenn ein Mensch sieht, dass er in einer Wissenschaft überhaupt nicht vorankommt, wird ihm gesagt: ‘Diese Wissenschaft ist nichts für dich. Du brauchst einen anderen Beruf; du bist ungeeignet, diese Wissenschaft zu lernen.‘ Wir sehen, dass das üblich und vernünftig ist.“ |
20 | Und hier wendet der Körper ein: „Sieh doch, gemessen an der Mühe, die du in die Arbeit des Gebens gesteckt hast – du bist nicht nur keinen Schritt vorangekommen, sondern im Gegenteil.“ Das heißt: Bevor er die Arbeit des Gebens begann, war er nicht so sehr in die Selbstliebe versunken. Jetzt aber, nachdem er sich angestrengt hat, die Selbstliebe zu überwinden, ist sein Verlangen gewachsen, und er spürt, dass er nun tiefer in die Selbstliebe versunken ist. | וכאן טוען הגוף, הלא אתה רואה לפי היגיעה שהשקעת בעבודה דלהשפיע, ואתה רואה, לא די שלא הלכת קדימה אף שעל וצעד אחד, אלא להיפך. זאת אומרת, שמטרם שהתחיל בעבודה דלהשפיע, הוא לא היה כל כך משוקע באהבה עצמית. מה שאין כן עכשיו, לאחר שהשקיע עבודה, בכדי להתגבר על אהבה עצמית, הוא קבל יותר חשק, והוא מרגיש שהוא עכשיו יותר משוקע באהבה עצמית. | Aber hier argumentiert der Körper: „Du siehst an den Anstrengungen, die du in der Arbeit des Gebens unternommen hast, dass du nicht nur keinen Schritt weitergekommen bist, sondern im Gegenteil.“ Das heißt, bevor er mit der Arbeit des Gebens begonnen hat, war er nicht so sehr in die Selbstliebe vertieft. Aber jetzt, wo er sich bemüht hat, die Selbstliebe zu überwinden, hat er ein größeres Verlangen bekommen und spürt, dass er jetzt mehr in die Selbstliebe eingetaucht ist. |
21 | Es zeigt sich also: In dieser Arbeit sieht man, dass man rückwärtsgeht und nicht vorwärts. Und der Mensch erkennt und fühlt das ganz unmittelbar. Früher, bevor er begann, die Selbstliebe zu überwinden, hielt er es für eine Kleinigkeit, auf die Selbstliebe zu verzichten, um Spiritualität zu erlangen. Denn sein Denken war immer: Wie finde ich einen Weg, den ich gehen kann und durch den ich ein wenig Spiritualität erlange? Doch nie dachte er daran, dass er sich sorgen müsse, wie er aus der Selbstliebe herauskommt – das schien ihm gewiss keiner Überlegung wert. All seine Sorge galt vielmehr nur dem, den richtigen Weg zu finden, der den Menschen in den Palast des Königs führt und ihn das Ziel erlangen lässt, für das er erschaffen wurde. | נמצא, שיש כאן בעבודה זו, שרואים שהולכים אחורה ולא קדימה. והוא רואה את זה בבחינת ידיעה והרגשה ממש. היינו, שעכשיו, במקום שמטרם שהתחיל בהתגברות על אהבה עצמית, הוא חשב, שדבר זה הוא דבר קטן, היינו לוותר על אהבה עצמית בכדי לזכות לרוחניות. כי תמיד היתה מחשבתו, איך אני יכול למצוא דרך, שאני אוכל ללכת בה, ושאני אשיג על ידה קצת רוחניות. אבל אף פעם לא חשב, שיש לדאוג, איך לצאת מאהבה עצמית, שבטח שזה דבר שלא כדאי לחשוב על זה. אלא כל הדאגות היו, למצוא את הדרך הנכונה, המובילה את האדם להכנס בהיכל המלך, ולזכות להמטרה שבשבילה האדם נברא. | Daraus folgt, dass wir hier in der Arbeit sehen, dass wir Rückschritte machen und keine Fortschritte. Er sieht das deutlich und spürt es auch. Das heißt, früher, bevor er begann, die Selbstliebe zu überwinden, dachte er, dass es ganz einfach sei, die Selbstliebe aufzugeben, um mit Spiritualität belohnt zu werden. Er dachte immer: „Wie kann ich einen Weg finden, den ich gehen kann und durch den ich etwas Spirituelles erhalte?“ Er dachte jedoch nie darüber nach, dass er sich Sorgen machen sollte, aus der Selbstliebe herauszukommen, denn das ist etwas, worüber man nicht nachdenken sollte. Vielmehr ging es ihm darum, den richtigen Weg zu finden, der dazu führt, den Palast des Königs zu betreten und sich den Zweck zu verdienen, für den der Mensch erschaffen wurde. |
22 | Nun aber gerät er in einen Zustand, von dem er nie geträumt hätte: dass die Selbstliebe ein Stolperstein sein könnte, der ihn daran hindert, die Wahrheit zu erreichen. Immer hatte er gedacht, er sei bereit, sich selbst zu opfern, um die Wahrheit zu erreichen. Jetzt aber sieht er, dass er zehn Stufen rückwärtsgegangen ist – dass er nämlich nicht bereit ist, irgendetwas von seiner Selbstliebe für die Heiligkeit (Kedusha) aufzugeben. | ועכשיו הוא בא לידי מצב, שאף פעם לא חלם על זה, היינו שאהבה עצמית תהיה אבן נגף להפריע מלהגיע להאמת. שתמיד הוא היה חושב, שהוא מוכן להקריב את עצמו, בכדי להגיע להאמת. ועכשיו הוא רואה, שהלך עשר מעלות אחורנית, היינו שהוא לא מוכן לוותר כלום מאהבה עצמית שלו עבור הקדושה. | Aber jetzt ist er in einem Zustand, den er sich nie erträumt hatte – dass die Eigenliebe ein Stolperstein ist, der dem Erreichen der Wahrheit im Wege steht. Er dachte immer, dass er bereit sei, sich selbst zu opfern, um die Wahrheit zu erreichen, aber jetzt sieht er, dass er zehn Stufen rückwärts gegangen ist, was bedeutet, dass er nicht bereit ist, für die Kedusha [Heiligkeit] Zugeständnisse bei seiner Selbstliebe zu machen. |
23 | Und wenn der Körper mit solchen Argumenten zu ihm kommt, „liegt er unter seiner Last“ darnieder. Er gerät dann in einen Zustand der Verzweiflung und Trägheit und will aus der Schlacht fliehen, weil er nun sieht, dass alle Argumente des Körpers wahr sind. | וכשהגוף בא אליו עם טענות כאלו, הוא נמצא אז "רובץ תחת משאו". והוא בא אז למצב של יאוש, ועצלות, ורוצה לברוח מהמערכה, היות שהוא רואה עכשיו, שכל הטענות של הגוף הם טענות אמיתיות. | Wenn der Körper mit solchen Argumenten zu ihm kommt, „fällt er unter seiner Last zusammen“. Er gerät dann in einen Zustand der Verzweiflung und des Müßiggangs und will der Schlacht entfliehen, da er nun sieht, dass alle Argumente des Körpers wahre Argumente sind. |
24 | Doch die Wahrheit ist, wie wir schon oft gesprochen haben – und wie mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte –, dass es ein Fortschreiten zur Wahrheit gibt. Bevor er die Arbeit des Gebens begann, war er von der Wahrheit entfernt, das heißt vom Maß, in dem er sein eigenes Böses empfindet. Doch danach, nachdem er Mühe in die Überwindung der Selbstliebe gesteckt hat, schreitet er zur Wahrheit voran: Jedes Mal sieht er deutlicher, wie sehr er von Kopf bis Fuß im Bösen versunken ist. | אולם האמת היא, כמו שדברנו מזה הרבה פעמים. וזהו כמו שאמר אאמו"ר זצ"ל, שיש ענין התקדמות להאמת. היינו, שמטרם שהתחיל בעבודה דלהשפיע, הוא היה מרוחק מהאמת, היינו משיעור הרגשת הרע שלו. אבל אחר כך, שהשקיע עבודה בהתגברות על אהבה עצמית, אז הוא מתקדם להאמת, היינו שכל פעם הוא רואה יותר, איך שהוא משוקע בהרע, מראשו ועד רגליו. | Aber die Wahrheit besteht darin, wie wir sie bereits oft benannt haben. Baal HaSulam sagte, dass es den Aspekt gibt, zur Wahrheit vorzudringen. Das heißt, bevor jemand mit der Arbeit des Gebens beginnt, ist er weit von der Wahrheit entfernt, er spürt also nicht das Maß seines Bösen. Aber später, wenn er sich bei der Überwindung der Eigenliebe angestrengt hat, kommt er der Wahrheit näher. Das heißt, dass er jedes Mal mehr erkennt, wie sehr er von Kopf bis Fuß in das Böse eingetaucht ist. |
25 | Allerdings muss man verstehen, wozu das alles gut ist. Warum spürte er, bevor er die Arbeit des Gebens begann, das Böse nicht in großem Maß? Sobald er aber Kräfte in die Überwindung steckt, wird das Böse in ihm stärker spürbar. Und warum wurde ihm nicht sofort alles offenbart, was sich später offenbart, sondern es zeigt sich in Stufen, nacheinander, jedes Mal ein wenig? | אמנם יש להבין, את כל הענין הזה למה לי. היינו, מדוע מטרם שהתחיל בעבודה דלהשפיע, לא היתה אצלו הרגשת הרע במידה גדולה. מה שאין כן בזמן שמשקיע כוחות דהתגברות, נעשה אצלו הרע יותר מורגש. ולמה לא היה תיכף מגולה אצלו את כל מה שיש לגלות אח"כ, אלא שמתגלה בשלבים, בזה אחר זה, כל פעם קצת. | Wir sollten jedoch verstehen, warum wir das alles brauchen. Das heißt, warum er, bevor er die Arbeit des Gebens begonnen hat, das Böse nicht so stark gespürt hat, aber sobald er sich angestrengt hat, es zu überwinden, ist das Böse deutlicher in ihm spürbar geworden. Warum wurde alles, was später offenbart werden sollte, nicht sofort offenbart, sondern offenbarte sich erst nach und nach, Stück für Stück? |
26 | Es verhält sich so: Die Überwindung verläuft der Ordnung nach und stufenweise – wie bei jemandem, der sich daran gewöhnt, Gewichte zu heben. Er beginnt, sagen wir, mit fünfzig Kilo und steigert sich nach und nach, denn durch Übung kann er jedes Mal mehr heben. So ist es auch im Dienst am Schöpfer. Deshalb gibt man ihm anfangs keinen großen Geschmack an der Selbstliebe, denn er könnte sie gewiss nicht überwinden. Vielmehr fügt man ihm jedes Mal Geschmack an der Selbstliebe hinzu, je nach dem Wert seiner Arbeit. In dem Maß also, in dem man sieht, dass er fähig ist, sich zu überwinden, fügt man ihm Geschmack und Genuss an der Selbstliebe hinzu, damit er die Kraft zur Überwindung hat. So verstehen wir, was unsere Weisen sagten (Traktat Sukka 52): „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“ | והענין הוא, שסדר התגברות הוא בסדר והדרגה, כדרך מי שמרגיל עצמו להרים משקולות. מתחיל, נגיד על דרך משל, להרים חמישים קילו, ואח"כ הוא מוסיף והולך, כי ע"י תרגילים הוא יכול כל פעם להוסיף. כמו כן בעבודת ה', היינו שמשום זה לא נותנים לו טעם גדול באהבה עצמית בהתחלה, כי בטח לא יוכל להתגבר. אלא כל פעם מוסיפים לו טעם באהבה עצמית, לפי ערך עבודה שלו. היינו לפי מה שרואים, שהוא מוכשר להתגבר, כך מוסיפים לו טעם של תענוג באהבה עצמית, בכדי שתהיה לו היכולת להתגבר. ובזה נבין מה שאמרו חז"ל (סוכה נ"ב) "כל הגדול מחבירו יצרו גדול הימנו". | Die Sache ist die, dass die Überwindung schrittweise erfolgt. Es ist wie bei jemandem, der Gewichtheben übt. Er beginnt, sagen wir, mit dem Heben von 50 Kilogramm und steigert sich allmählich, weil er durch Übungen immer weiter zulegen kann. Genauso verhält es sich mit dem Dienst am Schöpfer, und deshalb wird uns am Anfang kein großer Geschmack an der Selbstliebe gegeben, denn wir würden sie wahrscheinlich nicht überwinden können. Der Genuss der Selbstliebe wird uns je nach Fortschreiten in unserer Arbeit zusätzlich geschenkt. Das heißt, in dem Maße, in dem er sich überwinden kann, wird ihm mehr Genuss an der Selbstliebe gegeben, damit er sich noch mehr überwinden kann. So können wir verstehen, was unsere Weisen gesagt haben ( Sukka , 52): „Wer größer ist als sein Freund, dessen Verlangen ist größer als er.“ |
27 | Es erhebt sich die Frage, warum das so ist. Nach dem Gesagten ist es einfach: So ist die Ordnung auch in der Körperlichkeit, wo man vom Leichten zum Schweren fortschreitet. Bevor der Mensch die Arbeit der Überwindung beginnt, gibt man ihm darum keine große Kraft in der Selbstliebe, die er nicht überwinden könnte – denn er hat die Arbeit der Überwindung noch nicht begonnen. Deshalb spürt er keinen großen Geschmack an der Selbstliebe. | ומתעוררת השאלה, מדוע הוא כך. ולפי הנ"ל זהו פשוט. היינו שכך הוא הסדר גם בגשמיות, שהולכין מקל אל הכבד. אי לזאת, מטרם שהאדם מתחיל לעבוד בעבודה דהתגברות, לא נותנים לו כח גדול באהבה עצמית, שלא יוכל להתגבר עליו, כי הוא עוד לא התחיל בעבודה דהתגברות. לכן אין הוא מרגיש טעם גדול באהבה עצמית. | Das wirft die Frage auf: „Warum ist das so?“ Nach dem oben Gesagten ist es ganz einfach. Dies entspricht auch der Ordnung in der Körperlichkeit: Wir bewegen uns vom Leichten zum Schweren. Er bekommt deshalb, bevor er mit der Arbeit an der Überwindung beginnt, keine großen Hang zur Selbstliebe, die er nicht überwinden kann, weil er noch nicht mit der Arbeit an der Selbst-Überwindung begonnen hat. Er spürt deshalb keinen großen Geschmack an der Selbstliebe. |
28 | Sobald er aber zu überwinden beginnt, gibt man ihm größeren Genuss und größere Wichtigkeit in der Selbstliebe, damit er etwas hat, das er überwinden kann. Und wenn er die Selbstliebe in gewissem Maß überwunden hat, gibt man ihm ein noch größeres Maß an Wichtigkeit der Selbstliebe. Auf diese Weise gewöhnt er sich nach und nach daran, Genüsse zu überwinden, sodass er sagen kann, alles, was er empfängt, sei einzig dazu da, zu geben. | אבל כשהוא מתחיל להתגבר, אז נותנים לו תענוג וחשיבות יותר גדולה באהבה עצמית, בכדי שיהיה לו על מה להתגבר. ובזמן שהוא מתגבר בשיעור מה על אהבה עצמית, אז נותנים לו שיעור יותר גדול בחשיבות של אהבה עצמית. על דרך זה הוא הולך ומרגיל את עצמו, איך להתגבר על תענוגים, בכדי שיוכל לומר, שכל מה שהוא מקבל, הוא אך ורק בעמ"נ להשפיע. | Aber wenn er mit der Überwindung beginnt, bekommt er einen größeren Genuss und ein größeres Maß an Selbstliebe, damit er etwas hat, das er überwinden muss. Wenn er ein bestimmtes Maß an Selbstliebe überwunden hat, wird ihm ein noch größeres Maß an Wichtigkeit der Selbstliebe zuteil. Auf diese Weise gewöhnt er sich allmählich daran, Genüsse zu überwinden, so dass er sagen kann, dass alles, was er empfängt, nur dazu dient, zu geben. |
29 | Es zeigt sich also, dass die Selbstliebe für ihn jedes Mal schwerer zu überwinden wird, weil man seinem Verlangen zu empfangen jedes Mal mehr Wichtigkeit verleiht, damit er immer ein Arbeitsfeld zur Überwindung hat. Doch man muss verstehen: Warum muss man ihm von oben mehr Wichtigkeit und mehr Genuss geben, sodass es ihm schwerfällt, sich zu überwinden? Diese Überwindung des Körperlichen gelänge besser, wenn man ihm nicht so viel Wichtigkeit gäbe. Die Wichtigkeit, die er zu Beginn seiner Arbeit an der Selbstliebe spürte, würde ihm genügen, um das Körperliche zu überwinden, und er könnte sofort in die spirituelle Arbeit eintreten. Wozu also diese vergebliche Arbeit, dass er die Selbstliebe in körperlichen Dingen überwindet? Zwar wird seine Überwindung jedes Mal größer – doch wozu muss er überhaupt an der Selbstliebe arbeiten, soweit sie das Körperliche betrifft? | נמצא, שהאהבה עצמית נעשית אצלו כל פעם לדבר היותר קשה להתגבר, מטעם שכל פעם נותנים להרצון לקבל שלו יותר חשיבות, בכדי שיהיה לו כל פעם מקום עבודה להתגבר. אבל צריכים להבין, ולמה מוכרחים מלמעלה לתת יותר חשיבות ויותר תענוג, שיהיה לו קשה להתגבר. ההתגברות הזאת על גשמיות, היה יותר טוב, אם לא היו נותנים הרבה חשיבות, אלא עם החשיבות שהיה מרגיש באהבה עצמית בתחילת עבודתו, היה מספיק לו להתגבר על הגשמיות, והיה יכול תיכף להכנס בעבודה הרוחנית. ולמה לי עבודה זו בחינם, במה שהוא מתגבר על אהבה עצמית בדברים גשמיים. הגם שבכל פעם יש לו התגברות יותר גדולה, אבל בשביל מה הוא צריך לעבוד בעבודה של אהבה עצמית מה שנוגע לגשמיות. | Daraus folgt, dass es für ihn immer schwieriger wird, die Eigenliebe zu überwinden, weil sein Wille zu empfangen jedes Mal bedeutsamer wird, damit er weiter an seiner Überwindung arbeiten kann. Wir müssen jedoch verstehen, warum uns von oben mehr Bedeutung und mehr Genuss geschenkt werden muss, damit es schwierig wird, ihn zu überwinden. Was diese Überwindung in der Körperlichkeit angeht, wäre es besser, wenn uns kein großes Maß an Wichtigkeit gegeben würde, sondern die Bedeutung, die wir zu Beginn unserer Arbeit in Bezug auf die Selbstliebe empfinden, würde uns genügen, um die Körperlichkeit zu überwinden. Dann könnten wir sofort mit der spirituellen Arbeit beginnen. Aber warum sollte ich diese Arbeit – die Überwindung der Selbstliebe in irdischen Angelegenheiten–, umsonst machen? Obwohl wir jedes Mal ein größeres Maß an Überwindung haben–, warum haben wir überhaupt Bedarf an Arbeit in der Selbstliebe, die die Körperlichkeit betrifft? |
30 | Doch dies ist eine große Korrektur. Bekanntlich ist die ganze Fülle der Genüsse, die man in den körperlichen Genüssen empfindet, nur ein „dünnes Licht“ (Nehiru Dakik) im Vergleich zu dem, was in den spirituellen Genüssen liegt. Daraus folgt: Selbst nachdem der Mensch die Prüfung bestanden hat, körperliche Genüsse zu überwinden und sie nur um des Gebens willen zu empfangen, reicht diese Prüfung nur für kleine Genüsse, die er überwinden kann, sodass er sie nur unter der Bedingung empfängt, die Absicht zu geben ausrichten zu können. Für große Genüsse reicht sie nicht. Und man kann dem Menschen keine spirituellen Genüsse geben, denn er würde sie gewiss empfangen, um zu empfangen. | אולם זה תיקון גדול. היות שידוע, שכל רבוי התענוגים, שמרגישים בתענוגים הגשמיים, הוא רק "נהירו דקיק" בערך מה שיש בתענוגים רוחניים. אי לזאת יוצא, אפילו לאחר שהאדם כבר עבר במבחנם של התגברות על תענוגים גשמיים, שהוא יכול לקבל אותם רק בעמ"נ להשפיע, זה המבחן מספיק רק על תענוגים קטנים, שהוא מסוגל להתגבר ולא לקבל אותם רק בתנאי שיכול לכוון בעמ"נ להשפיע. אבל לא על תענוגים גדולים. ואי אפשר לתת לאדם תענוגים רוחניים, שבודאי יקח אותם בעמ"נ לקבל. | Dies ist jedoch eine große Korrektur. Es ist bekannt, dass die zahlreichen Genüsse, die wir bei den irdischen Freuden empfinden, nur ein „dünnes Licht“ sind im Vergleich zu dem, was wir bei den spirituellen Freuden finden. Daraus folgt, dass selbst wenn man die Prüfung der Überwindung körperlicher Genüsse bestanden hat, die er korrigieren konnte, um zu geben, dies nur bei kleinen Genüssen ausreicht, die er überwinden und nicht empfangen kann, wenn er die Absicht hat, sie zu geben. Bei großen Genüssen ist das jedoch nicht so, und man kann keine spirituellen Genüsse erhalten, denn er würde sie zwangsläufig nehmen, um sie zu empfangen. |
31 | Deshalb muss er zuvor die Arbeit an den körperlichen Genüssen durchlaufen. Dort lässt man ihn jedes Mal einen größeren Geschmack kosten als zu Beginn der Arbeit. Denn bevor er die Arbeit begann, konnte er den Geschmack des Genusses so kosten, wie er den körperlichen Genüssen fest zugeteilt ist. Anders aber bei dem, der in die Arbeit des Gebens eingetreten ist und Spiritualität erlangen will: Ihm fügt man mehr Geschmack des Genusses am Körperlichen hinzu als gewöhnlich. Das geschieht mit Absicht, damit er sich daran gewöhnt, größere Genüsse zu überwinden, als sie in den körperlichen Genüssen liegen. Denn dies ist eine Vorbereitung, um in der Arbeit der Überwindung gegen die großen Genüsse gewappnet zu sein, die in der Spiritualität liegen. | לכן הוא מוכרח מקודם לעבור את העבודה בתענוגים גשמיים. ושם נותנים לו כל פעם לטעום טעם יותר גדול, מכפי שהתחיל בעבודה. כי מטרם שהתחיל בעבודה, הוא יכול לטעום טעם תענוג, כמו שנתנו באופן קבוע להתענוגים גשמיים. מה שאין כן מי שנכנס בעבודה דלהשפיע, היינו שהוא רוצה לזכות לרוחניות, אז מוסיפים לו טעם של תענוג בגשמיות יותר מהרגיל, שהוא בכוונה תחילה, בכדי שירגיל להתגבר על תענוגים יותר גדולים, משיש בתענוגים גשמיים. כי זו היא בחינת הכנה, להיות מחוסן בעבודה דהתגברות, על תענוגים גדולים הנמצאים ברוחניות. | Deshalb muss er die Arbeit zuerst bei den leiblichen Genüssen durchlaufen. Dort werden ihm jedes Mal größere Genüsse zuteil als zu Beginn der Arbeit. Bevor er mit der Arbeit begann, konnte er den Geschmack des Genusses schmecken, wie er normalerweise bei körperlichen Genüssen gegeben ist. Aber wer die Arbeit des Gebens begonnen hat und mit Spirituellem belohnt werden will, dem wird mehr Geschmack in der Körperlichkeit gegeben als sonst. Das geschieht absichtlich, damit er sich an größere Genüsse gewöhnt, als es sie sonst bei körperlichen Genüssen gibt. Das ist eine Vorbereitung, um in der Arbeit immunisiert zu werden, die großen Genüsse in der Spiritualität überwinden zu können. |
32 | Aus dem Gesagten sehen wir, dass denen, die die heilige Arbeit verrichten wollen, ein Zusatz gegeben wird: Man fügt ihnen mehr Geschmack an der Selbstliebe hinzu. Bei Menschen, die kein Interesse daran haben, die Wege des Gebens zu gehen, findet sich das nicht. Das ist es, was unsere Weisen sagten: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“ Und der Grund dafür ist, dass sie sich an die Arbeit der Überwindung gewöhnen sollen. Denn für die vielfältigen Genüsse, die in den spirituellen Freuden liegen, würde ihm das nicht genügen, woran er sich beim Überwinden der körperlichen Genüsse gewöhnt hat – so wie der Genuss in ihnen fest bemessen ist. Vielmehr fügt man jedes Mal mehr Geschmack und Wichtigkeit hinzu, damit sie sich jedes Mal an eine größere Überwindung gewöhnen. | ובהאמור אנו רואים, שנותנים, לאלו שרוצים לעבוד עבודת הקודש, הוספה. היינו שמוסיפים להם יותר טעם באהבה עצמית. מה שאינו נמצא באלו אנשים, שאין להם ענין ללכת בדרכי השפעה. וזהו כנ"ל, כמו שאמרו חז"ל "כל הגדול מחבירו יצרו גדול הימנו". וזהו מטעם, בכדי שיתרגלו בעבודה דהתגברות, היות שלתענוגים המרובים, שישנם בתענוגי הרוחניים כנ"ל, אז לא יספיק לו מה שהוא התרגל להתגבר על תענוגים גשמיים, מכפי שנמצא אצלם התענוג מבחינת הקביעות שלהם. אלא בכל פעם מוסיפים יותר טעם וחשיבות, בכדי שיתרגלו כל פעם בהתגברות יתירה. | Jetzt sehen wir, dass diejenigen, die in der heiligen Arbeit arbeiten wollen, Zusätze erhalten. Das heißt, sie bekommen einen zusätzlichen Geschmack an der Selbstliebe. Das gilt nicht für Menschen, die kein Interesse daran haben, den Weg des Gebens zu gehen. Es ist, wie unsere Weisen sagten: „Wer größer ist als sein Freund, dessen Verlangen ist größer als er.“ Das ist so, um sie an die Arbeit der Überwindung zu gewöhnen, denn für die vielfältigen Genüsse, die in den spirituellen Freuden zu finden sind, wird seine übliche Überwindung der körperlichen Freuden nicht ausreichen, weil der Genuss in ihnen eine Konstante ist, während die Genüsse jedes Mal mehr Wichtigkeit bekommen, um sich daran zu gewöhnen, sie jedes Mal besser zu überwinden. |
33 | Aus dem Gesagten verstehen wir nun, was wir zu dem Vers gefragt haben: „Richter und Polizisten sollst du dir in allen deinen Toren setzen.“ Wie lässt sich das Einsetzen von Richtern und Polizisten auf die heutige Zeit übertragen? Wenn ein Mensch in den Dienst am Schöpfer eintreten will, sind zwei Aspekte zu unterscheiden: | ובהאמור נבין מה ששאלנו בהכתוב, מה שכתוב "שופטים ושוטרים תיתן לך בכל שעריך", איך נוהג זה בזמן הזה, לתת שופטים ושוטרים. אמנם בהיות כשהאדם רוצה להכנס בעבודת ה', יש אז להבחין ב' בחינות: | Jetzt können wir verstehen, was wir über den Vers gefragt haben, in dem es heißt: „Du sollst dir Richter und Aufseher in all deinen Toren einsetzen.“ Wie lässt sich das Setzen von Richtern und Aufseher auf die heutige Zeit übertragen? Wenn ein Mensch mit der Arbeit des Schöpfers beginnen will, sollten wir zwei Unterscheidungen treffen: |
34 | 1. Der Aspekt des Möglichen. Zuerst macht er sich einen Plan, was er tun soll und was nicht – das ist die Klärung von Gut und Böse. Was er so im Möglichen vollzieht, wird „Richter“ genannt, der sagt, was zu tun ist. | א. ענין בכח. היינו, קודם כל עשה לעצמו תכנית, מה עליו לעשות ומה עליו לא לעשות. היינו הבירור של טוב ורע. וזה הוא שעושה בכח, נקרא "שופט", שהוא אומר מה לעשות. | 1.) Das Potenzial. Das heißt, er macht sich zuerst einen Plan, was er tun soll und was nicht, d.h. er prüft, was gut und was schlecht ist. Derjenige, der dies im Potenzial tut, wird „Richter“ genannt, der sagt, was getan werden muss. |
35 | 2. Danach muss man ins Werk setzen, was im Möglichen war. Das Verwirklichte wird bereits „Polizist“ genannt. | ב. מה שאח"כ, צריכים להוציא לפועל מה שהיה בכח. ובפועל כבר נקרא "שוטר". | 2.) Danach müssen wir ausführen, was im Potenzial war. Die Ausführung wird „Aufseher“ genannt. |
36 | Und weil die Arbeit nicht das Werk eines einzigen Tages ist, sondern er sich Tag für Tag in ihr anstrengen muss, gebraucht der Vers die Mehrzahl: „Richter und Polizisten.“ | והיות שעניני עבודה הוא עבודה לא של יום אחד, אלא כל יום ויום הוא צריך להתאמץ בעבודה, לכן אומר הכתוב לשון רבים, היינו "שופטים ושוטרים". | Da es sich bei diesen Angelegenheiten der Arbeit nicht um eine einmalige Sache handelt, sondern er sich jeden Tag in der Arbeit anstrengen muss, verwendet der Text die Pluralform, also „Richter und Aufseher“. |
37 | Und dass es in der Einzahl heißt „du sollst dir setzen“, will uns sagen, dass diese Arbeit jeden Einzelnen betrifft. | וזה שאומר "תיתן לך" לשון יחיד, זה בא להשמיענו, שעבודה זו שייכת לכל יחיד ויחיד. | Wenn es in der Einzahl heißt: „Du sollst Dir einsetzen“, dann bedeutet das, dass diese Arbeit jeden Einzelnen betrifft. |
38 | Und die Aussage „in allen deinen Toren“ ist nach ihrem einfachen Sinn zu deuten: Ein „Tor“ ist ein Ort des Eingangs. Das bedeutet: Immer wenn der Mensch in den Dienst am Schöpfer eintreten will, muss er den Ablauf der Arbeit in zweierlei Hinsicht ordnen – im Möglichen und in der Tat –, was den Aspekten von Richtern und Polizisten entspricht. | וזה שאומר "בכל שעריך", יש לפרש כפשוטו, היינו ש"שער" נקרא מקום כניסה. שפירושו, שתמיד, כשהאדם רוצה להכנס בעבודת ה', יש עליו לסדר את סדר העבודה בב' ענינים, שהוא בכח ובפועל, שהם בחינת שופטים ושוטרים. | Deshalb heißt es auch „in all deinen Toren“. Wir sollten das wörtlich interpretieren, dass ein Tor der Ort des Eingangs ist. Das bedeutet, dass der Mensch, wenn er mit der Arbeit des Schöpfers beginnen will, die Arbeit in zweierlei Hinsicht ordnen muss: in potenzieller und in tatsächlicher Hinsicht, also als „Richter“ und „Aufseher“. |
39 | Doch die Aussage „in allen deinen Toren“ lässt sich auch danach deuten, was wir sehen: dass es hier bei uns in dieser Welt zwei Arten von Leben gibt: | אולם בענין מה שאומר "בכל שעריך" יש לפרש לפי מה שאנו רואים, שיש כאן אצלנו בעולם הזה ב' מיני חיים: | Die Aussage „In all euren Toren“ sollten wir jedoch so interpretieren, dass es in unserer Welt zwei Arten von Leben gibt: |
40 | 1. das körperliche Leben. | א. חיים גשמיים. | |
41 | 2. das spirituelle Leben. | ב. חיים רוחניים. | 1.) das irdische Leben und 2.) das spirituelle Leben. |
42 | Daraus folgt, dass wir zwei Tore haben: | ומזה נמשך, שיש לנו ב' שערים: | Daraus folgt, dass wir zwei Tore haben: |
43 | 1. Ein Tor, das dem Tor eines Gefängnisses gleicht. So steht es geschrieben (im Gebet Hodu, das wir am Vorabend des Shabbat (Sabbat) im Nachmittagsgebet sprechen): „Die in Finsternis und Todesschatten saßen, gefangen in Elend und Eisen.“ Und der Metzudat David erklärt dort: Die Menschen, die an einem Ort der Finsternis sitzen, sind durch quälende Fesseln und eiserne Ketten gebunden. | א. שער, הדומה לשער בית הסוהר. וזהו כמו שכתוב (בתפלת "הודו", שאנו אומרים בערב שבת במנחה) "ישבי חושך וצלמות אסירי עני וברזל". ומפרש שם "המצודת דוד": האנשים, היושבים במקום חושך, והמה אסורים בקשרים המענים ובכבלי ברזל. | 1.) ein Tor, das einem Gefängnistor ähnelt. Das ähnelt dem, was (im Gebet „Danke“, das wir am Vorabend des Shabbat im Nachmittagsgebet sprechen) geschrieben steht: „Bewohner der Finsternis und des Todesschattens; Gefangene der Armut und des Eisens.“ Die Metzudat David [Davids Zitadelle-Auslegung] schlussfolgert dort: „Menschen, die an einem Ort der Finsternis sitzen, sind durch quälende Fesseln und durch eiserne Ketten gebunden.“ 2.) Ein Tor, das dem Königstor ähnlich ist, denn es steht geschrieben: „Und Mordechai saß am Königstor.“ |
44 | 2. Ein Tor, das dem Tor des Königs gleicht. So steht es geschrieben: „Und Mordechai saß im Tor des Königs.“ | ב. שער, הדומה לשער המלך. כמו שכתוב "ומרדכי ישב בשער המלך". | |
45 | An jedem Tor stehen Wächter auf ihrem Posten. Doch jeder der Wächter hat eine entgegengesetzte Aufgabe. Die Wächter des Gefängnisses achten darauf, dass keiner der Gefangenen aus dem Gefängnis hinausgelangt. Die Wächter dagegen, die am Tor des Königs sitzen, achten darauf, dass niemand durch das Tor des Königs hineingelangt. | ובכל שער יש שומרים, העומדים על משמרתם. אבל יש לכל אחד מהשומרים פעולות הפוכות. היינו, שומרי בית הסוהר משגיחים, שאף אחד מהאסורים לא יצאו מבית הסוהר. מה שאין כן השומרים היושבים בשער המלך, משגיחים שאף אחד לא יכנס בשער המלך. | An jedem Tor gibt es Wächter, die Wache halten, aber jeder der Wächter handelt auf die entgegengesetzte Weise. Das heißt, die Gefängniswächter achten darauf, dass keiner der Gefangenen dem Gefängnis entflieht, während die Wächter am Tor des Königs darauf achten, dass niemand durch das Tor des Königs kommt. |
46 | Es verhält sich so: Jene Menschen, die in die Selbstliebe versunken sind und über die körperlichen Genüsse hinaus kein Verständnis und kein Gefühl haben, werden „die im Gefängnis Befindlichen“ genannt. Die Wächter lassen sie nicht hinaus. Mit welcher Kraft halten sie sie fest, sodass sie sie nicht hinauslassen? Sobald der Wächter sieht, dass einer aus der Selbstliebe heraustreten und in die Arbeit des Gebens eintreten will, fügen sie ihm mehr Genuss an der Selbstliebe hinzu. Damit fesseln sie ihn mit eisernen Ketten, sodass er nicht von dort fortgehen will. | והענין הוא, כי אלו האנשים המשוקעים באהבה עצמית, ויותר מתענוגי הגשמיות אין להם שום הבנה והרגשה, הם נקראים "הנמצאים בבית הסוהר". והשומרים לא נותנים להם לצאת. ובאיזה כח הם שומרים אותם, שלא יתנו להם לצאת. כי ברגע שהשומר רואה, שהוא רוצה לצאת מאהבה עצמית, ולכנס בעבודה דלהשפיע, הם מוסיפים להם יותר תענוג באהבה עצמית. ובזה הם קושרים אותם בכבלי ברזל, שלא ירצו לצאת משם. | Die Sache ist die, dass diejenigen, die in Selbstliebe versunken sind und kein Verständnis oder Gefühl für etwas anderes als körperliche Genüsse haben, als Gefangene betrachtet werden, und die Wächter lassen sie nicht heraus. Mit welcher Kraft bewachen sie sie und lassen sie nicht raus? In dem Moment, in dem ein Wächter sieht, dass sie die Selbstliebe verlassen und mit der Arbeit des Gebens beginnen wollen, fügt er ihnen noch mehr Genuss in der Selbstliebe zu. Auf diese Weise fesseln sie sie mit eisernen Ketten, damit sie nicht von dort weggehen wollen. |
47 | Und nach all den Überwindungen – wenn die Wächter sehen, dass die Gefangenen aus der Selbstliebe fliehen und in die Liebe zum Schöpfer eintreten wollen – fügen sie ihnen sofort mehr Geschmack und mehr Wichtigkeit hinzu, und zwar in einem Maß, dass ein Mensch nie gedacht hätte, es lohne sich so sehr, in der Selbstliebe zu bleiben. Er spürt jetzt, dass die Selbstliebe keine so einfache Sache ist – wie oben: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“ Darin liegt die Kraft der Wächter, sodass sie darüber wachen, dass niemand aus dem Gefängnis flieht. | ואחרי כל התגברויות, היינו שהשומרים רואים, שהאסורים רוצים לברוח מאהבה עצמית, ולהתחיל להכנס לאהבת ה', תיכף מוסיפים להם יותר טעם ויותר חשיבות, בשיעור שאף פעם אדם לא חשב, שכל כך כדאי להישאר באהבה עצמית, מכפי שהוא מרגיש עכשיו, שאהבה עצמית הוא דבר לא כל כך פשוט, כנ"ל "כל הגדול מחבירו יצרו גדול הימנו". ובזה יש כח להשומרים, שישגיחו, שאף אחד לא יברח מבית האסורים. | Nach all der Überwindung, bei der die Wächter sehen, dass die Gefangenen der Selbstliebe entfliehen wollen und anfangen, in die Liebe des Schöpfers zu kommen, geben sie ihnen prompt mehr Geschmack und mehr Bedeutung, und zwar in dem Maße, dass niemand jemals gedacht hat, dass es sich so sehr lohnt, in der Selbstliebe zu bleiben, wie sie jetzt spüren, dass die Selbstliebe keine so einfache Angelegenheit ist, wie es geschrieben steht: „Wer größer ist als sein Freund, dessen Verlangen ist größer als er.“ So haben die Wächter die Macht, dafür zu sorgen, dass niemand aus dem Gefängnis entflieht. |
48 | Doch die Wächter, die am Tor des Königs auf ihrem Posten stehen, haben die Aufgabe, niemanden durch das Tor des Königs zu lassen. Und worin besteht ihre Kraft, mit der sie jene Menschen bezwingen können, die sehr wohl in den Palast des Königs eintreten wollen? Es ist, wie es in der „Einführung in den Talmud Esser haSefirot“ (Abschnitt 133) geschrieben steht, und dies sind die Worte: „Die Sache gleicht einem König, der sich alle seine Liebenden, die ihm Treuesten im Land, auswählen und sie in seinen Dienst ins Innere des Palastes holen wollte. Was tat er? Er erließ einen offenen Befehl im Land, dass jeder, der wollte, ob klein oder groß, zu ihm komme, um sich mit den inneren Arbeiten seines Palastes zu beschäftigen. Doch er stellte viele seiner Diener als Wächter an den Eingang des Palastes und befahl ihnen, alle, die sich seinem Palast näherten, mit List in die Irre zu führen. Natürlich begannen alle Bewohner des Landes, zum Palast des Königs zu eilen; doch sie wurden durch die List der eifrigen Wächter zurückgewiesen. Viele von ihnen überwanden die Wächter, bis es ihnen gelang, sich dem Eingang des Palastes zu nähern. Aber die Wächter des Eingangs waren überaus gewieft, und wer sich dem Eingang näherte, den verleiteten und stießen sie mit großer Hinterlist zurück, bis er umkehrte, wie er gekommen war. So kehrten sie wieder, kamen und gingen abermals. Nur die Helden unter ihnen, deren Maß an Geduld ihnen beistand, besiegten jene Wächter und öffneten den Eingang. Ihnen wurde sogleich zuteil, das Angesicht des Königs zu empfangen, der einen jeden auf seinen Posten setzte.“ | אולם השומרים, שעומדים על משמרתם בשער המלך, התפקיד שלהם הוא, שלא נותנים לאף אחד להכנס לשער המלך. ומה הוא הכח שלהם, שיכולים להתגבר על אלו אנשים שרוצים כן להכנס להיכל המלך. זהו כמו שכתוב בהקדמה לתע"ס (אות קל"ג) וזה לשונו "אלא הדבר דומה למלך, שחשק לבחור לעצמו כל אוהביו, הנאמנים לו ביותר שבמדינה, ולהכניסם לעבודתו בהיכל פנימה. מה עשה. נתן צו גלוי במדינה, שכל הרוצה, כקטן כגדול, יבוא אליו לעסוק בעבודות הפנימיות שבהיכלו. אבל העמיד מעבדיו שומרים רבים על פתחו של ההיכל, וציווה אותם להטעות בערמה את כל המתקרבים להיכלו. וכמובן, שכל בני המדינה התחילו לרוץ להיכל המלך, אמנם נידחו בערמת השומרים החרוצים. ורבים מהם התגברו עליהם, עד שהצליחו להתקרב אל פתח ההיכל. אלא ששומרי הפתח היו חרוצים ביותר, ומי שהוא שהתקרב אל הפתח, הסיתו אותו והדיחו אותו במזימה רבה, עד ששב כלעומת שבאו. וכן חזרו ובאו ושבו. ורק הגיבורים מהם, אשר מידת סבלנותם עמדה להם, וניצחו השומרים ההם, ופתחו הפתח, זכו תיכף לקבל פני המלך, שמינה כל אחד על משמרתו". | Im Gegensatz dazu ist die Aufgabe der Wächter, die am Tor des Königs stehen, niemanden durch das Tor des Königs zu lassen. Was ist die Macht, mit der sie diejenigen überwältigen können, die in den Palast des Königs kommen wollen? Es ist so, wie es in der „ Einführung in das Studium der Zehn Sefirot “ (Punkt 133) steht: „Es ist wie bei einem König, der sich die treuesten seiner Untertanen im Land aussuchen und sie zur Arbeit in seinen Palast holen wollte. Was hat er getan? Er erließ einen Erlass, dass jeder, der wollte, ob jung oder alt, in seinen Palast kommen und sich mit den Arbeiten in seinem Palast beschäftigen sollte. Er beauftragte jedoch viele seiner Diener, das Palasttor zu bewachen, und befahl ihnen, alle, die sich seinem Palast näherten, geschickt abzulenken. Natürlich begannen alle Menschen im Land, zum Palast des Königs zu rennen. Aber die fleißigen Wächter wiesen sie listig zurück. Viele von ihnen überwältigten sie und kamen in die Nähe des Palasttores, aber die Wächter am Tor waren die eifrigsten, und wenn sich jemand dem Tor näherte, lenkten sie ihn ab und wiesen ihn mit großer List zurück, bis er verzweifelte und so zurückkehrte, wie er gekommen war. Und so kamen und gingen sie. Nur die Helden unter ihnen, deren Geduld standhielt, besiegten die Aufseher und öffneten das Tor. Sie wurden sofort belohnt, als sie das Antlitz des Königs sahen, der jeden von ihnen an seinen richtigen Platz setzte.“ |
49 | Daraus folgt: Die Wächter, die am Tor des Königs stehen, hindern die Menschen mit allerlei Argumenten – „das ist nichts für dich“ – daran, den Palast des Königs zu betreten. Für jeden einzelnen denken sie sich Begründungen aus, damit diese Menschen einsehen, es lohne sich nicht, ihre Mühe vergeblich aufzubringen. Vor allem haben sie die Kraft, sie mit allerlei Argumenten zu verstoßen und von der Schlacht der heiligen Arbeit zurückzudrängen. Das ist die Bedeutung von „in allen deinen Toren“ – nämlich das Tor des Gefängnisses und das Tor des Königs. | נמצא לפי זה, אשר השומרים שעומדים בשער המלך, הם מסיתים עם כל מיני טענות, ש"זה לא בשבילך", להכנס להיכל המלך. ולכל אחד הם ממציאים סברות, שהאנשים האלו יבינו, שלא כדאי להם לתת בחינם יגיעה. ובעיקר, שיש להם כח עם כל מיני טענות להדיחם ולהחזירם מהמערכה של עבודת הקודש. וזה פירוש "בכל שעריך", היינו שער בית הסוהר ושער המלך. | Deshalb wehren sich die Wächter, die am Tor des Königs stehen, mit allen möglichen Argumenten: „Es ist nicht für euch“, den Palast des Königs zu betreten. Für jeden einzelnen erfinden sie Gründe, damit diese Menschen verstehen, dass es sich für sie nicht lohnt, sich vergeblich abzumühen. Vor allem haben sie durch alle möglichen Argumente die Macht, sie abzulenken und sie von der Schlacht der heiligen Arbeit abzubringen. Das ist die Bedeutung von „in all deinen Toren“, womit das Gefängnistor und das Tor des Königs gemeint sind. |
50 | Nun wollen wir das Ende des Verses erklären, der mit den Worten schließt: „die der Ewige, dein Gott, dir gibt.“ Wir fragten: Was will er uns damit sagen? Es ist doch bekannt, dass alles vom Schöpfer kommt. Doch wie wir oben erklärt haben, gibt es für den Menschen, der vor all diesen Argumenten der Wächter gerettet werden will, nur einen Rat: den Glauben über dem Verstand. Das bedeutet: In allem, was die Wächter sagen, haben sie recht. Aber der Schöpfer ist barmherzig und gnädig und erhört das Gebet eines jeden Mundes; Er gibt die Kraft, alle Hindernisse zu überwinden. | ועתה נבאר את סוף הפסוק, במה שמסיים "אשר ה' אלקיך נתן לך". ושאלנו, מה בא זה להשמיענו. הלא ידוע, שהכל בא מה'. אלא כמו שהסברנו לעיל, שלאדם, הרוצה להינצל מכל אלו הטענות של השומרים, ישנה רק עצה אחת, שהיא אמונה למעלה מהדעת. פירוש, שכל מה שהשומרים אומרים, הם צודקים. אבל ה' הוא רחום, וחנון, ושומע תפלת כל פה, הוא נותן כח להתגבר על כל המכשולים. | Jetzt werden wir das Ende des Verses erklären, wo es heißt: „die der Ewige, dein Gott, dir gibt“. Wir haben gefragt: „Was will er uns damit sagen?“ Es ist bekannt, dass alles vom Schöpfer kommt. Doch wie wir oben erklärt haben, gibt es für einen Menschen, der vor all den Argumenten der Wächter gerettet werden will, nur einen Rat: Glaube über dem Verstand. Das bedeutet, dass alles, was die Wächter sagen, wahr ist. Doch der Schöpfer ist barmherzig und gnädig und erhört das Gebet eines jeden Mundes. Er gibt die Kraft, alle Hindernisse zu überwinden. |
51 | Doch es gilt der Grundsatz, dass der Mensch sagen muss: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Der Mensch darf also nicht warten, bis der Schöpfer ihm hilft, sich zu überwinden. Vielmehr muss er sich selbst überwinden und alles tun, was in seiner Hand liegt; und er soll nur darum bitten, dass der Schöpfer ihm hilft, sich überwinden zu können – dass Er ihm also beisteht. Und wenn der Mensch sich mit allem bemüht, was in seiner Hand liegt, dann muss er den Schöpfer bitten, dass sein Bemühen Frucht trägt. Doch der Mensch darf nicht sagen, der Schöpfer solle für ihn arbeiten, sondern nur, der Schöpfer solle ihm in seiner Arbeit helfen, sodass es ihm gelingt, das Gute zu erwerben. | אבל יש כלל, שהאדם צריך לומר "אם אין אני לי מי לי". היינו, שאין להאדם לחכות עד שה' יעזור לו להתגבר, אלא הוא צריך להתגבר בעצמו, ולעשות כל מה שיש בידו לעשות. ורק לבקש, שה' יעזור שיוכל להתגבר, היינו עוזרו. ואם האדם משתדל בכל מה שבידו, אז הוא צריך לבקש מה', שהשתדלותו תעשה פרי. אבל אין לאדם לומר, שה' יעבוד בשבילו, אלא שה' יעזור לו בעבודתו, שיצליח לרכוש את הטוב. | Es gibt jedoch eine Regel, die besagt: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Das heißt, der Mensch darf nicht darauf warten, dass der Schöpfer ihm hilft, sich zu überwinden. Vielmehr muss er sich selbst überwinden und alles tun, was er tun kann, und nur darum bitten, dass der Schöpfer ihm bei der Überwindung hilft, ihm also hilft. Wenn ein Mensch alles prüft, was er tun kann, dann muss er den Schöpfer bitten, dass seine Bemühungen Früchte tragen. Der Mensch darf aber nicht sagen, dass der Schöpfer für ihn arbeitet, sondern dass der Schöpfer ihm in der Arbeit hilft, das Gute zu erlangen. |
52 | Daraus folgt: Da der Mensch der Arbeitende ist und der Schöpfer ihm nur hilft, zieht der Mensch für sich Bilanz, warum gerade er die Annäherung an den Schöpfer mehr als andere erlangt hat. Der Grund ist, dass andere Menschen nicht fähig waren, so viel Arbeit in den Glauben über dem Verstand zu stecken und auf kein Argument des Körpers zu achten – so wie er sich jedes Mal in seiner Arbeit überwand und nie auf seine Gedanken der Verzweiflung achtete, mit denen der Körper ihn zu Fall bringen wollte. Es zeigt sich also, dass dann der Anlass besteht, dem Menschen zu sagen: „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand haben mir diesen Reichtum verschafft.“ | נמצא לפי זה, כיון שהאדם הוא העובד, וה' הוא רק עוזר לו, האדם עושה חשבון לעצמו, מפני מה הוא זכה להתקרבות ה' יותר מאחרים. הוא מטעם שאנשים אחרים לא היו מסוגלים להשקיע כל כך עבודה בלמעלה מהדעת, ולא להסתכל על כל טענת הגוף, כמו שהוא היה כל פעם מתגבר בעבודתו, ואף פעם לא הסתכל על מחשבותיו של יאוש, מה שהגוף היה רוצה להכשילו. נמצא, שיש אז מקום לומר לאדם "כוחי ועוצם ידי עשה החיל הזה". | Es folgt deshalb: Da der Mensch der Arbeiter ist und der Schöpfer ihm nur hilft, überlegt der Mensch, warum er mit der Annäherung an den Schöpfer mehr belohnt wurde als andere. Es liegt daran, dass andere Menschen sich nicht so sehr in der Arbeit über den Verstand anstrengen und nicht auf das Argument des Körpers schauen konnten, während er sich ständig in seiner Arbeit durchsetzte und nie auf seine Gedanken der Verzweiflung schaute, mit denen der Körper ihn im Stich lassen wollte. |
53 | Dem begegnet der Vers: Er soll wissen, dass „der Ewige, dein Gott, dir gibt“ – dass dies nichts anderes ist als ein Geschenk Gottes. Das heißt: Dass du die Kraft hattest, Richter und Polizisten in allen deinen Toren einzusetzen, war allein ein Geschenk Gottes. | על זה בא הכתוב, שעליו לדעת "אשר נתן לך ה' אלקיך", שאין זה אלא רק מתנת אלקים. היינו, שזה שהיה לך כח לתת שופטים ושוטרים בכל שעריך, היה רק מתת אלקים. | Daraus folgt, dass ein Mensch dann sagen kann: „Meine Kraft und die Macht meiner Hand haben mir diesen Reichtum verschafft.“ In diesem Zusammenhang sagt der Vers, dass er wissen muss, dass „der Ewige, dein Gott, dir gibt“, dass es tatsächlich nur Gottes Geschenk ist. Das heißt, dass die Tatsache, dass du die Kraft hattest, Richter und Aufseher in all deinen Toren einzusetzen, nur ein Geschenk Gottes war. |
Rabash – 1986 – Artikel 34 (תשמ״ו – מאמר ל״ד)
„Richter und Polizisten“
Es steht geschrieben: „Richter und Polizisten sollst du dir in allen deinen Toren setzen, die der Ewige, dein Gott, dir gibt.“ Um dies zu verstehen, gilt der Grundsatz, dass die Tora ewig ist und in allen Generationen gilt. Also muss sich dieser Vers auch auf unsere Generation deuten lassen. Deshalb braucht jedes einzelne Wort eine eigene Erklärung:
1. Was sind Richter?
2. Was sind Polizisten?
3. „Du sollst dir setzen“ steht in der Einzahl. Das bedeutet: Jeder Einzelne muss Richter und Polizisten einsetzen. Ist es denn möglich, dass jeder Einzelne so verfahren soll?
4. „In allen deinen Toren.“ Hier müssen wir verstehen, was das Wort „Tor“ in unserer Generation bedeuten soll. Und worauf deutet „in allen deinen Toren“ hin? Es klingt so: Sobald sich ein Tor findet, muss man sich sofort bemühen, dort Richter und Polizisten einzusetzen.
5. Vor allem: Worauf deutet die Aussage „die der Ewige, dein Gott, dir gibt“? Was soll damit angedeutet werden? Gibt es etwa einen anderen, der dem Volk Israel gibt, außer dem Schöpfer?
Um dies zu verstehen, müssen wir vorausschicken, was wir in den früheren Artikeln gesagt haben:
1. Das Ziel der Schöpfung von seiten des Schöpfers.
2. Das Ziel unserer Arbeit beim Einhalten von Tora und Mizwot – nämlich welche Stufe wir durch das Einhalten von Tora und Mizwot erreichen sollen.
Es ist bekannt, dass das Ziel der Schöpfung darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Die Geschöpfe sollen also von Ihm das Gute und den Genuss empfangen, nach Seinem ganzen Vermögen und ohne jede Einschränkung. Doch weil Er wollte, dass Seine Werke vollkommen sind – dass es also kein Brot der Scham (Nahama deKisufa) gibt –, geschah eine Einschränkung (Zimzum) und eine Verhüllung. Das heißt: In den Gefäßen, die empfangen wollen, gibt es keine Offenbarung des Lichts. Erst nachdem das Gefäß, das „Verlangen zu empfangen“ genannt wird, die Korrektur „um zu geben“ empfangen hat, offenbart sich die Fülle – und zwar in dem Maß, in dem es die Absicht zu geben ausrichten kann. Vorher aber sehen sie das Gegenteil der Offenbarung; sie spüren nur Verbergung und Verhüllung.
Daraus folgt: Hier, also nachdem die Einschränkung (Zimzum) geschehen ist, beginnt die Arbeit der Unteren. Ihr Ziel muss sein, dass all unsere Gedanken und Handlungen nur einer einzigen Absicht dienen – der Absicht, zu geben.
Doch es erhebt sich die Frage, wie eine solche Wirklichkeit überhaupt möglich ist. Denn der Mensch wird seiner Geburt nach „als Wildesel geboren“. Woher soll er die Kräfte nehmen, um aus der Natur herauszutreten, in der er erschaffen wurde?
Zu diesem Zweck wurde uns die Arbeit beim Einhalten von Tora und Mizwot gegeben. Der Mensch soll beim Einhalten von Tora und Mizwot die Absicht haben, dass ihm dies die Kraft bringt, sich umzustellen. Dann kann er all seine Begierden und Wünsche so wenden, dass sie sich einzig darauf richten, wie und womit er seinem Schöpfer Wohlgefallen bereiten kann.
Bevor er in die Arbeit des Gebens eintrat, dachte er, das Einhalten von Tora und Mizwot bringt ihm Erfolg und Segen, sodass er seinem Körper Genuss verschaffen kann. Durch das Wahren von Tora und Mizwot erhält der Körper also diese Welt und die kommende Welt. Das war seine Grundlage, und darauf baute er sein Fundament. Dieses Fundament war für ihn der Grund, der ihn verpflichtete, Tora und Mizwot in allen Einzelheiten und Feinheiten einzuhalten. Und er hatte die Kraft, die Trägheit seines Körpers zu überwinden – er überwand sie, um den Lohn zu erlangen.
Es ist wie bei Menschen, die in der Körperlichkeit arbeiten, um ihr Brot zu verdienen. Auch gegen körperliche Arbeit sträubt sich der Körper, denn er zieht die Ruhe vor. Doch der materielle Lohn, von dem er sieht, dass er seinem Körper zugutekommt, gibt ihm die Kraft, sich zu überwinden. Ebenso hat er, wenn der Ertrag der Arbeit ein Lohn für den eigenen Körper ist, die Kraft, alle Hindernisse zu überwinden, die ihm im Weg stehen. Denn der erhoffte Lohn dient nur seinen eigenen Bedürfnissen, und dagegen sträubt sich der Körper nicht.
Zwar genießt der Körper die Ruhe. Doch sagt man ihm: „Verzichte auf den Genuss deiner Ruhe, und du wirst einen Genuss haben, der größer ist als die Ruhe – einen Genuss, den du durch die Arbeit empfängst. Oder der Genuss, den du durch den Verzicht auf die Ruhe empfängst, ist dir nötiger als der Genuss, den du in der Ruhe findest, denn durch solche Genüsse kannst du in der Welt bestehen, sonst hast du kein Recht zu bestehen.“ In all diesen Dingen hat der Körper die Kraft, sich zu überwinden und auf kleine Genüsse zu verzichten, um einen größeren Lohn zu erlangen, als seine Arbeit es wert wäre. Der Lohn entschädigt ihn also für alle Zugeständnisse, die er seinem Körper abverlangt, damit es ihm besser geht als jetzt, bevor er auf die Genüsse verzichtet hat.
Anders verhält es sich, wenn man dem Körper sagt: „Verrichte eine Arbeit des Gebens“ – das heißt, durch das Einhalten von Tora und Mizwot darf er den Schöpfer erfreuen. Man sagt dem Menschen also: „Verzichte auf deine Selbstliebe.“ Und was ist der Ertrag? Dass der Schöpfer Freude an der Arbeit des Einhaltens von Tora und Mizwot hat. Sofort tritt der Körper auf und bringt das Argument „Wer und was?“ vor. Das heißt: „Was gewinne ich dadurch, dass der Schöpfer Sich an meiner Arbeit erfreut? Wie kann man überhaupt ohne Lohn arbeiten?“ Das ist das Argument des „Wer“, das nicht arbeiten will. Der Körper sagt ja: „Ich bin bereit zu arbeiten wie alle anderen, aber nicht zu solchen Bedingungen – nämlich dass ich auf meine Selbstliebe verzichte und alles tue, damit der Schöpfer Freude hat. Was ist denn mein Gewinn aus dieser Arbeit?“
Wenn der Mensch nun alle Argumente des Körpers überwindet und meint, er hat bereits die Kraft, die Natur des Körpers zu bezwingen – er hat jetzt also das Gefühl, alle seine Gedanken einzig auf das Geben ausrichten zu können –, dann kommt der Körper plötzlich mit neuen Argumenten: „Es ist ja richtig von dir, dass du um des Himmels willen arbeiten willst und nicht wie üblich, wo alle arbeiten, um Lohn zu empfangen. Aber gut wäre es, wenn du nach einiger Zeit des Einsatzes Kraft von oben empfangen hättest, um den Weg des Gebens gehen zu können. Doch du siehst: Du hast viel Mühe aufgewandt und dich kein Haar breit bewegt. Also siehst du selbst, dass du diesen Weg nicht gehen kannst. Schade um deine Mühe, du plagst dich umsonst. Verlass also diesen Weg, flieh aus der Schlacht.“
Und wenn der Mensch auch all diese Argumente des Körpers überwindet, kommt der Körper und offenbart ihm neue Dinge, auf die der Mensch keine Antwort mehr hat. Damit will er ihn von seiner ganzen Arbeit losreißen. Der Körper sagt ihm: „Bekanntlich macht ein Mensch, der eine Wissenschaft zu erlernen beginnt, jedes Mal Fortschritte. Ist er begabt, kommt er schneller voran; ist er weniger begabt, langsamer. Sieht ein Mensch aber, dass er in einer Wissenschaft gar keine Fortschritte macht, so sagt man ihm: Diese Wissenschaft ist nichts für dich. Du solltest lieber einen Beruf erlernen, denn zum Studium der Wissenschaften bist du nicht geeignet. Und wir sehen, dass es in der Welt so üblich ist – und das leuchtet ein.“
Und hier wendet der Körper ein: „Sieh doch, gemessen an der Mühe, die du in die Arbeit des Gebens gesteckt hast – du bist nicht nur keinen Schritt vorangekommen, sondern im Gegenteil.“ Das heißt: Bevor er die Arbeit des Gebens begann, war er nicht so sehr in die Selbstliebe versunken. Jetzt aber, nachdem er sich angestrengt hat, die Selbstliebe zu überwinden, ist sein Verlangen gewachsen, und er spürt, dass er nun tiefer in die Selbstliebe versunken ist.
Es zeigt sich also: In dieser Arbeit sieht man, dass man rückwärtsgeht und nicht vorwärts. Und der Mensch erkennt und fühlt das ganz unmittelbar. Früher, bevor er begann, die Selbstliebe zu überwinden, hielt er es für eine Kleinigkeit, auf die Selbstliebe zu verzichten, um Spiritualität zu erlangen. Denn sein Denken war immer: Wie finde ich einen Weg, den ich gehen kann und durch den ich ein wenig Spiritualität erlange? Doch nie dachte er daran, dass er sich sorgen müsse, wie er aus der Selbstliebe herauskommt – das schien ihm gewiss keiner Überlegung wert. All seine Sorge galt vielmehr nur dem, den richtigen Weg zu finden, der den Menschen in den Palast des Königs führt und ihn das Ziel erlangen lässt, für das er erschaffen wurde.
Nun aber gerät er in einen Zustand, von dem er nie geträumt hätte: dass die Selbstliebe ein Stolperstein sein könnte, der ihn daran hindert, die Wahrheit zu erreichen. Immer hatte er gedacht, er sei bereit, sich selbst zu opfern, um die Wahrheit zu erreichen. Jetzt aber sieht er, dass er zehn Stufen rückwärtsgegangen ist – dass er nämlich nicht bereit ist, irgendetwas von seiner Selbstliebe für die Heiligkeit (Kedusha) aufzugeben.
Und wenn der Körper mit solchen Argumenten zu ihm kommt, „liegt er unter seiner Last“ darnieder. Er gerät dann in einen Zustand der Verzweiflung und Trägheit und will aus der Schlacht fliehen, weil er nun sieht, dass alle Argumente des Körpers wahr sind.
Doch die Wahrheit ist, wie wir schon oft gesprochen haben – und wie mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte –, dass es ein Fortschreiten zur Wahrheit gibt. Bevor er die Arbeit des Gebens begann, war er von der Wahrheit entfernt, das heißt vom Maß, in dem er sein eigenes Böses empfindet. Doch danach, nachdem er Mühe in die Überwindung der Selbstliebe gesteckt hat, schreitet er zur Wahrheit voran: Jedes Mal sieht er deutlicher, wie sehr er von Kopf bis Fuß im Bösen versunken ist.
Allerdings muss man verstehen, wozu das alles gut ist. Warum spürte er, bevor er die Arbeit des Gebens begann, das Böse nicht in großem Maß? Sobald er aber Kräfte in die Überwindung steckt, wird das Böse in ihm stärker spürbar. Und warum wurde ihm nicht sofort alles offenbart, was sich später offenbart, sondern es zeigt sich in Stufen, nacheinander, jedes Mal ein wenig?
Es verhält sich so: Die Überwindung verläuft der Ordnung nach und stufenweise – wie bei jemandem, der sich daran gewöhnt, Gewichte zu heben. Er beginnt, sagen wir, mit fünfzig Kilo und steigert sich nach und nach, denn durch Übung kann er jedes Mal mehr heben. So ist es auch im Dienst am Schöpfer. Deshalb gibt man ihm anfangs keinen großen Geschmack an der Selbstliebe, denn er könnte sie gewiss nicht überwinden. Vielmehr fügt man ihm jedes Mal Geschmack an der Selbstliebe hinzu, je nach dem Wert seiner Arbeit. In dem Maß also, in dem man sieht, dass er fähig ist, sich zu überwinden, fügt man ihm Geschmack und Genuss an der Selbstliebe hinzu, damit er die Kraft zur Überwindung hat. So verstehen wir, was unsere Weisen sagten (Traktat Sukka 52): „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“
Es erhebt sich die Frage, warum das so ist. Nach dem Gesagten ist es einfach: So ist die Ordnung auch in der Körperlichkeit, wo man vom Leichten zum Schweren fortschreitet. Bevor der Mensch die Arbeit der Überwindung beginnt, gibt man ihm darum keine große Kraft in der Selbstliebe, die er nicht überwinden könnte – denn er hat die Arbeit der Überwindung noch nicht begonnen. Deshalb spürt er keinen großen Geschmack an der Selbstliebe.
Sobald er aber zu überwinden beginnt, gibt man ihm größeren Genuss und größere Wichtigkeit in der Selbstliebe, damit er etwas hat, das er überwinden kann. Und wenn er die Selbstliebe in gewissem Maß überwunden hat, gibt man ihm ein noch größeres Maß an Wichtigkeit der Selbstliebe. Auf diese Weise gewöhnt er sich nach und nach daran, Genüsse zu überwinden, sodass er sagen kann, alles, was er empfängt, sei einzig dazu da, zu geben.
Es zeigt sich also, dass die Selbstliebe für ihn jedes Mal schwerer zu überwinden wird, weil man seinem Verlangen zu empfangen jedes Mal mehr Wichtigkeit verleiht, damit er immer ein Arbeitsfeld zur Überwindung hat. Doch man muss verstehen: Warum muss man ihm von oben mehr Wichtigkeit und mehr Genuss geben, sodass es ihm schwerfällt, sich zu überwinden? Diese Überwindung des Körperlichen gelänge besser, wenn man ihm nicht so viel Wichtigkeit gäbe. Die Wichtigkeit, die er zu Beginn seiner Arbeit an der Selbstliebe spürte, würde ihm genügen, um das Körperliche zu überwinden, und er könnte sofort in die spirituelle Arbeit eintreten. Wozu also diese vergebliche Arbeit, dass er die Selbstliebe in körperlichen Dingen überwindet? Zwar wird seine Überwindung jedes Mal größer – doch wozu muss er überhaupt an der Selbstliebe arbeiten, soweit sie das Körperliche betrifft?
Doch dies ist eine große Korrektur. Bekanntlich ist die ganze Fülle der Genüsse, die man in den körperlichen Genüssen empfindet, nur ein „dünnes Licht“ (Nehiru Dakik) im Vergleich zu dem, was in den spirituellen Genüssen liegt. Daraus folgt: Selbst nachdem der Mensch die Prüfung bestanden hat, körperliche Genüsse zu überwinden und sie nur um des Gebens willen zu empfangen, reicht diese Prüfung nur für kleine Genüsse, die er überwinden kann, sodass er sie nur unter der Bedingung empfängt, die Absicht zu geben ausrichten zu können. Für große Genüsse reicht sie nicht. Und man kann dem Menschen keine spirituellen Genüsse geben, denn er würde sie gewiss empfangen, um zu empfangen.
Deshalb muss er zuvor die Arbeit an den körperlichen Genüssen durchlaufen. Dort lässt man ihn jedes Mal einen größeren Geschmack kosten als zu Beginn der Arbeit. Denn bevor er die Arbeit begann, konnte er den Geschmack des Genusses so kosten, wie er den körperlichen Genüssen fest zugeteilt ist. Anders aber bei dem, der in die Arbeit des Gebens eingetreten ist und Spiritualität erlangen will: Ihm fügt man mehr Geschmack des Genusses am Körperlichen hinzu als gewöhnlich. Das geschieht mit Absicht, damit er sich daran gewöhnt, größere Genüsse zu überwinden, als sie in den körperlichen Genüssen liegen. Denn dies ist eine Vorbereitung, um in der Arbeit der Überwindung gegen die großen Genüsse gewappnet zu sein, die in der Spiritualität liegen.
Aus dem Gesagten sehen wir, dass denen, die die heilige Arbeit verrichten wollen, ein Zusatz gegeben wird: Man fügt ihnen mehr Geschmack an der Selbstliebe hinzu. Bei Menschen, die kein Interesse daran haben, die Wege des Gebens zu gehen, findet sich das nicht. Das ist es, was unsere Weisen sagten: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“ Und der Grund dafür ist, dass sie sich an die Arbeit der Überwindung gewöhnen sollen. Denn für die vielfältigen Genüsse, die in den spirituellen Freuden liegen, würde ihm das nicht genügen, woran er sich beim Überwinden der körperlichen Genüsse gewöhnt hat – so wie der Genuss in ihnen fest bemessen ist. Vielmehr fügt man jedes Mal mehr Geschmack und Wichtigkeit hinzu, damit sie sich jedes Mal an eine größere Überwindung gewöhnen.
Aus dem Gesagten verstehen wir nun, was wir zu dem Vers gefragt haben: „Richter und Polizisten sollst du dir in allen deinen Toren setzen.“ Wie lässt sich das Einsetzen von Richtern und Polizisten auf die heutige Zeit übertragen? Wenn ein Mensch in den Dienst am Schöpfer eintreten will, sind zwei Aspekte zu unterscheiden:
1. Der Aspekt des Möglichen. Zuerst macht er sich einen Plan, was er tun soll und was nicht – das ist die Klärung von Gut und Böse. Was er so im Möglichen vollzieht, wird „Richter“ genannt, der sagt, was zu tun ist.
2. Danach muss man ins Werk setzen, was im Möglichen war. Das Verwirklichte wird bereits „Polizist“ genannt.
Und weil die Arbeit nicht das Werk eines einzigen Tages ist, sondern er sich Tag für Tag in ihr anstrengen muss, gebraucht der Vers die Mehrzahl: „Richter und Polizisten.“
Und dass es in der Einzahl heißt „du sollst dir setzen“, will uns sagen, dass diese Arbeit jeden Einzelnen betrifft.
Und die Aussage „in allen deinen Toren“ ist nach ihrem einfachen Sinn zu deuten: Ein „Tor“ ist ein Ort des Eingangs. Das bedeutet: Immer wenn der Mensch in den Dienst am Schöpfer eintreten will, muss er den Ablauf der Arbeit in zweierlei Hinsicht ordnen – im Möglichen und in der Tat –, was den Aspekten von Richtern und Polizisten entspricht.
Doch die Aussage „in allen deinen Toren“ lässt sich auch danach deuten, was wir sehen: dass es hier bei uns in dieser Welt zwei Arten von Leben gibt:
1. das körperliche Leben.
2. das spirituelle Leben.
Daraus folgt, dass wir zwei Tore haben:
1. Ein Tor, das dem Tor eines Gefängnisses gleicht. So steht es geschrieben (im Gebet Hodu, das wir am Vorabend des Shabbat (Sabbat) im Nachmittagsgebet sprechen): „Die in Finsternis und Todesschatten saßen, gefangen in Elend und Eisen.“ Und der Metzudat David erklärt dort: Die Menschen, die an einem Ort der Finsternis sitzen, sind durch quälende Fesseln und eiserne Ketten gebunden.
2. Ein Tor, das dem Tor des Königs gleicht. So steht es geschrieben: „Und Mordechai saß im Tor des Königs.“
An jedem Tor stehen Wächter auf ihrem Posten. Doch jeder der Wächter hat eine entgegengesetzte Aufgabe. Die Wächter des Gefängnisses achten darauf, dass keiner der Gefangenen aus dem Gefängnis hinausgelangt. Die Wächter dagegen, die am Tor des Königs sitzen, achten darauf, dass niemand durch das Tor des Königs hineingelangt.
Es verhält sich so: Jene Menschen, die in die Selbstliebe versunken sind und über die körperlichen Genüsse hinaus kein Verständnis und kein Gefühl haben, werden „die im Gefängnis Befindlichen“ genannt. Die Wächter lassen sie nicht hinaus. Mit welcher Kraft halten sie sie fest, sodass sie sie nicht hinauslassen? Sobald der Wächter sieht, dass einer aus der Selbstliebe heraustreten und in die Arbeit des Gebens eintreten will, fügen sie ihm mehr Genuss an der Selbstliebe hinzu. Damit fesseln sie ihn mit eisernen Ketten, sodass er nicht von dort fortgehen will.
Und nach all den Überwindungen – wenn die Wächter sehen, dass die Gefangenen aus der Selbstliebe fliehen und in die Liebe zum Schöpfer eintreten wollen – fügen sie ihnen sofort mehr Geschmack und mehr Wichtigkeit hinzu, und zwar in einem Maß, dass ein Mensch nie gedacht hätte, es lohne sich so sehr, in der Selbstliebe zu bleiben. Er spürt jetzt, dass die Selbstliebe keine so einfache Sache ist – wie oben: „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist größer als er.“ Darin liegt die Kraft der Wächter, sodass sie darüber wachen, dass niemand aus dem Gefängnis flieht.
Doch die Wächter, die am Tor des Königs auf ihrem Posten stehen, haben die Aufgabe, niemanden durch das Tor des Königs zu lassen. Und worin besteht ihre Kraft, mit der sie jene Menschen bezwingen können, die sehr wohl in den Palast des Königs eintreten wollen? Es ist, wie es in der „Einführung in den Talmud Esser haSefirot“ (Abschnitt 133) geschrieben steht, und dies sind die Worte: „Die Sache gleicht einem König, der sich alle seine Liebenden, die ihm Treuesten im Land, auswählen und sie in seinen Dienst ins Innere des Palastes holen wollte. Was tat er? Er erließ einen offenen Befehl im Land, dass jeder, der wollte, ob klein oder groß, zu ihm komme, um sich mit den inneren Arbeiten seines Palastes zu beschäftigen. Doch er stellte viele seiner Diener als Wächter an den Eingang des Palastes und befahl ihnen, alle, die sich seinem Palast näherten, mit List in die Irre zu führen. Natürlich begannen alle Bewohner des Landes, zum Palast des Königs zu eilen; doch sie wurden durch die List der eifrigen Wächter zurückgewiesen. Viele von ihnen überwanden die Wächter, bis es ihnen gelang, sich dem Eingang des Palastes zu nähern. Aber die Wächter des Eingangs waren überaus gewieft, und wer sich dem Eingang näherte, den verleiteten und stießen sie mit großer Hinterlist zurück, bis er umkehrte, wie er gekommen war. So kehrten sie wieder, kamen und gingen abermals. Nur die Helden unter ihnen, deren Maß an Geduld ihnen beistand, besiegten jene Wächter und öffneten den Eingang. Ihnen wurde sogleich zuteil, das Angesicht des Königs zu empfangen, der einen jeden auf seinen Posten setzte.“
Daraus folgt: Die Wächter, die am Tor des Königs stehen, hindern die Menschen mit allerlei Argumenten – „das ist nichts für dich“ – daran, den Palast des Königs zu betreten. Für jeden einzelnen denken sie sich Begründungen aus, damit diese Menschen einsehen, es lohne sich nicht, ihre Mühe vergeblich aufzubringen. Vor allem haben sie die Kraft, sie mit allerlei Argumenten zu verstoßen und von der Schlacht der heiligen Arbeit zurückzudrängen. Das ist die Bedeutung von „in allen deinen Toren“ – nämlich das Tor des Gefängnisses und das Tor des Königs.
Nun wollen wir das Ende des Verses erklären, der mit den Worten schließt: „die der Ewige, dein Gott, dir gibt.“ Wir fragten: Was will er uns damit sagen? Es ist doch bekannt, dass alles vom Schöpfer kommt. Doch wie wir oben erklärt haben, gibt es für den Menschen, der vor all diesen Argumenten der Wächter gerettet werden will, nur einen Rat: den Glauben über dem Verstand. Das bedeutet: In allem, was die Wächter sagen, haben sie recht. Aber der Schöpfer ist barmherzig und gnädig und erhört das Gebet eines jeden Mundes; Er gibt die Kraft, alle Hindernisse zu überwinden.
Doch es gilt der Grundsatz, dass der Mensch sagen muss: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Der Mensch darf also nicht warten, bis der Schöpfer ihm hilft, sich zu überwinden. Vielmehr muss er sich selbst überwinden und alles tun, was in seiner Hand liegt; und er soll nur darum bitten, dass der Schöpfer ihm hilft, sich überwinden zu können – dass Er ihm also beisteht. Und wenn der Mensch sich mit allem bemüht, was in seiner Hand liegt, dann muss er den Schöpfer bitten, dass sein Bemühen Frucht trägt. Doch der Mensch darf nicht sagen, der Schöpfer solle für ihn arbeiten, sondern nur, der Schöpfer solle ihm in seiner Arbeit helfen, sodass es ihm gelingt, das Gute zu erwerben.
Daraus folgt: Da der Mensch der Arbeitende ist und der Schöpfer ihm nur hilft, zieht der Mensch für sich Bilanz, warum gerade er die Annäherung an den Schöpfer mehr als andere erlangt hat. Der Grund ist, dass andere Menschen nicht fähig waren, so viel Arbeit in den Glauben über dem Verstand zu stecken und auf kein Argument des Körpers zu achten – so wie er sich jedes Mal in seiner Arbeit überwand und nie auf seine Gedanken der Verzweiflung achtete, mit denen der Körper ihn zu Fall bringen wollte. Es zeigt sich also, dass dann der Anlass besteht, dem Menschen zu sagen: „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand haben mir diesen Reichtum verschafft.“
Dem begegnet der Vers: Er soll wissen, dass „der Ewige, dein Gott, dir gibt“ – dass dies nichts anderes ist als ein Geschenk Gottes. Das heißt: Dass du die Kraft hattest, Richter und Polizisten in allen deinen Toren einzusetzen, war allein ein Geschenk Gottes.
korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, Ver4