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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1986/16 Denn Gott wählte Jakob für sich aus

Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob

1986 – Artikel 16

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1

Im Sohar, Abschnitt Truma (Blatt 1, im Sulam Punkt 1), erklärt Rabbi Chija den Vers „Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob“.

בזהר תרומה (דף א' ובהסולם אות א'), מפרש רבי חייא את הפסוק, "כי יעקב בחר לו יה".

Im Sohar, Truma (Absatz 1) interpretiert Rabbi Chija den Satz, „Denn ⁨Gott wählte Jakob für sich aus⁩“.

2

Dort heißt es: Rabbi Chija eröffnete: „‚Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob, Israel zu Seinem Eigentum.‘ Wie geliebt sind die Söhne Israels vor dem Schöpfer, der sie begehrte und Sich mit ihnen verbinden und an sie binden wollte und sie zu einem einzigen Volk auf der Welt machte –

וזה לשונו, רבי חייא פתח, "כי יעקב בחר לו יה, ישראל לסגולתו". כמה אהובים הם בני ישראל לפני הקב"ה, שרצה בהם ורצה להתחבר בהם, ולהתקשר עמהם, ועשה אותם עם יחיד בעולם,

Dies sind seine Worte; „Rabbi Chija begann, ‚Denn Gott wählte Jakob für sich aus, Israel zu seinem Eigentum‘. Wie teuer sind die Söhne Israels dem Schöpfer, der sie begehrte und sich mit ihnen zu vereinen und mit ihnen zu verbinden wünschte, und der sie zu einem einzigartigen Volk machte,

3

wie geschrieben steht: ‚Und wer ist wie dein Volk Israel, ein einziges Volk auf Erden.‘ Und sie begehrten Ihn und banden sich an Ihn; davon heißt es: ‚Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob.‘ Und es steht geschrieben: ‚Denn der Anteil des Schöpfers ist Sein Volk.‘ Den übrigen Völkern gab Er Fürsten und Herrscher über sie, Sich selbst aber nahm Er Israel zu Seinem Anteil.“

שכתוב, "ומי כעמך ישראל גוי אחד בארץ", והם רצו בו ונתקשרו בו, זה שכתוב, "כי יעקב בחר לו יה". וכתוב, "כי חלק ה' עמו". ונתן לשאר עמים שרים ומושלים עליהם, והוא לקח לחלקו את ישראל.

wie es geschrieben steht, ‚Und welches eine Volk auf Erden ist wie Dein Volk Israel‘, und sie begehrten Ihn und verbanden sich mit Ihm. Davon heißt es, ‚Denn Gott wählte Jakob für sich aus‘, und es steht geschrieben, ‚Denn der Teil des Schöpfers ist Sein Volk‘. Und den übrigen Völkern gab Er Minister und Herrscher über sie, während Er Israel zu Seinem Teil nahm“.

4

An den Worten Rabbi Chijas ist Folgendes zu verstehen:

ויש להבין במאמר הנ"ל של רבי חייא:

Wir sollten Folgendes betreffend die oben erwähnten Worte von Rabbi Chija verstehen:

5

Erstens: Er beginnt den Vers „Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob“ so zu deuten, dass der Schöpfer Jakob erwählte – denn er sagt, Er hat sie begehrt und wollte Sich mit ihnen verbinden und an sie binden. Danach aber deutet er ihn umgekehrt und sagt: „Sie begehrten Ihn und banden sich an Ihn“, und beruft sich dabei auf denselben Vers: „Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob“.

א. שמתחיל לפרש, "כי יעקב בחר לו יה", שפירושו, כי הקב"ה בחר ביעקב, כי אומר שרצה בהם, ורצה להתחבר בהם, ולהתקשר עמהם. ואח"כ הוא מפרש להיפך, ואומר, "והם רצו בו, ונתקשרו בו", זה שכתוב, "כי יעקב בחר לו יה".

Er interpretiert, „Denn Gott wählte Jakob für sich aus“. Das bedeutet, dass der Schöpfer Jakob wählte, weil er sagt, dass Er sie wollte und sich mit ihnen zu vereinen und mit ihnen zu verbinden wünschte. Anschließend interpretiert er im Gegensatz dazu und sagt, „Sie begehrten Ihn und verbanden sich mit Ihm“, wie es geschrieben steht, „Denn Jakob wählte Gott für sich aus“.

6

Zweitens: Was bedeutet seine Aussage „und Er machte sie zu einem einzigen Volk auf der Welt“, wozu es heißt: „Und wer ist wie dein Volk Israel, ein einziges Volk auf Erden“? Sie sind doch ein Volk inmitten der siebzig Völker der Welt. Was also bedeutet „ein einziges Volk“, das ja besagt, dass Er sie zu einem einzigen Volk machte?

ב. מהו הפירוש שאומר, "ועשה אותם עם יחיד בעולם", שכתוב, "ומי כעמך ישראל גוי אחד בארץ". הלא הם עם בתוך ע' אומות העולם, אם כן מהו הפירוש, עם אחד, שמשמע, שעשה שהם יהיו עם אחד.

Was bedeutet es, wenn er sagt, „und Er machte sie zu einem einzigartigen Volk, wie es geschrieben steht, „Und welches Volk auf Erden ist wie Dein Volk Israel“? Sind sie denn nicht ein Volk unter den siebzig Völkern der Welt? Wenn dem so ist, was bedeutet dann „ein Volk“? Es bedeutet, dass Er sie zu einem Volk machte.

7

Drittens: Er deutet „Denn der Anteil des Schöpfers ist Sein Volk“ dahin, dass Er den übrigen Völkern Fürsten und Herrscher über sie gab, Sich selbst aber Israel zum Anteil nahm. Das ist zu verstehen: Warum gab Er den übrigen Völkern Fürsten und Herrscher, während Er Israel zu Seinem Anteil nahm?

ג. במה שמפרש, "כי חלק ה' עמו", שהכוונה היא, שלשאר עמים נתן שרים ומושלים עליהם, והוא לקח לחלקו את ישראל. יש להבין זה, מהו שנתן לשאר עמים שרים ומושלים, מה שאין כן עם ישראל לקח לחלקו.

Wenn er interpretiert, „Denn der Teil des Schöpfers ist Sein Volk“, ist damit gemeint, dass Er den übrigen Völkern Minister und Herrscher über sie gab, während Er das Volk Israel zu Seinem Teil nahm.

8

Bekanntlich gibt es zwei Arten der Führung:

ידוע שיש ב' הנהגות:

Bekanntlich gibt es zwei Arten der Führung:

9

Die erste heißt persönliche Vorsehung (Hashgacha Pratit).

א. נקרא, השגחה פרטית.

Die erste wird als „persönliche Vorsehung“ bezeichnet,

10

Die zweite heißt Führung von Belohnung und Strafe.

ב. נקרא, הנהגת שכר ועונש.

und die zweite als „Führung mittels Belohnung und Strafe“.

11

Beide stehen im Widerspruch zueinander. Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens erklärte: Mit dem äußeren Verstand kann der Mensch dies nicht erfassen; erst wenn er auf seiner inneren Stufe die Vollkommenheit erreicht hat, kann er es begreifen. In der Ordnung der Arbeit des Menschen ist es so, dass uns die Arbeit für den Schöpfer in der Führung von Belohnung und Strafe gegeben wurde. Darum darf der Mensch nicht sagen: „Ich warte, bis der Schöpfer uns Lust und Verlangen gibt, uns mit Tora und Mizwot zu beschäftigen; und sobald ich ein gutes Gefühl verspüre, werde ich Tora und Mizwot erfüllen.“ Ebenso wenig darf er sagen: Da wir doch „wie Ton in der Hand des Töpfers“ in der Hand des Schöpfers sind – was nützt dann unser Bemühen, gegen die Ansicht unseres Körpers zu arbeiten? Dazu wird uns gesagt: Der Mensch soll nicht auf seinen Körper achten, der die Erfüllung seiner Wünsche verlangt, sondern er muss den Körper daran gewöhnen und ihn überzeugen, den Gesetzen der Tora zu folgen – ob er einverstanden ist oder nicht.

והם בסתירה זה לזה. ואאמו"ר זצ"ל פירש, שאין בידי אדם להשיג זה עם השכל החיצוני, אלא רק בזמן שהאדם הגיע לשלימותו במדרגתו הפנימית, אז הוא יכול להשיג את זה. ובסדר עבודת האדם הוא, שניתנה לנו עבודת ה' בהנהגת שכר ועונש, לכן אסור לו לאדם שיאמר, אני מחכה שה' יתן לנו רצון וחשק לעסוק בתורה ומצות. ובזמן שירגיש שאני מרגיש הרגשה טובה, אז אקיים את התו"מ. ואסור לומר, היות שאנחנו, "כחומר ביד היוצר", בידי הקב"ה, ומה מועילה ההתגברות שלנו לעבוד נגד דעתו של הגוף שלנו. ואומרים לנו, שאל יסתכל האדם על הגוף שלו, מה שהוא דורש למלאות את רצונו, אלא צריכים להרגיל ולשכנע את הגוף שילך לפי חוקי התורה, בין שהוא מסכים או לא.

Sie stehen im Widerspruch zueinander, und Baal HaSulam interpretierte, dass es nicht in der Macht des Menschen liege, dies mit dem äußeren Verstand zu begreifen, sondern erst wenn er seine Vollkommenheit auf seiner inneren Stufe erreicht hat, kann er dies erlangen. Die Ordnung der Arbeit des Menschen ist jene, dass uns die Arbeit des Schöpfers in der Führung von Belohnung und Strafe gegeben wurde, weswegen es dem Menschen verboten ist zu sagen, „Ich warte darauf, dass der Schöpfer uns ein Verlangen und ein Sehnen danach geben wird uns mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, und zu einem Zeitpunkt zu dem ich mich gut fühle, werde ich Tora und Mizwot befolgen“. Und man darf nicht sagen, weil wir „wie Lehm in den Händen des Erschaffers“ sind, „Was für eine Hilfe leistet uns unsere Überwindung dabei, gegen die Sichtweise unseres Körpers zu arbeiten“? Man sagt uns, dass wir nicht auf unseren Körper sehen sollten, der fordert, seine Wünsche zu erfüllen. Vielmehr müssen wir den Körper daran gewöhnen und ihn davon überzeugen, die Gesetze der Tora zu befolgen, egal ob er damit einverstanden ist oder nicht.

12

Vielmehr müssen wir an Belohnung und Strafe glauben: Alles hängt von unseren Taten ab, davon, wie sehr wir unseren Körper dazu bringen, den Gesetzen der Tora zu folgen. Unsere Weisen sagten: „Der Lohn richtet sich nach der Mühe“ (Awot, Kapitel 5): „Ben He He sagt: Der Lohn richtet sich nach der Mühe.“

אלא אנו צריכים להאמין בשכר ועונש, שהכל תלוי לפי מעשינו, עד כמה שאנחנו מכניעים את הגוף שלנו ללכת לפי חוקי התורה. וחז"ל אמרו, "לפום צערא אגרא" (אבות פרק חמישי), "בן הא הא אומר, לפום צערא אגרא".

Vielmehr müssen wir an Belohnung und Strafe glauben, dass alles von unseren Handlungen abhängt – wie sehr wir unseren Körper davon überzeugen, den Gesetzen der Tora zu folgen. Unsere Weisen sagten, „Die Belohnung erfolgt gemäß der Arbeit“ (Avot, Kapitel 5): „Ben He He sagt, die Belohnung erfolgt gemäß der Arbeit“.

13

Und er sagte seligen Andenkens, man muss die beiden genannten Führungen auf folgende Weise verwirklichen:

והוא זצ"ל אמר, שצריכים לקיים ב' הנהגות הנ"ל באופן כזה:

Baal HaSulam sagte, dass wir die beiden oben erwähnten Führungen in folgender Weise befolgen müssen:

14

Vor der Handlung, also in der Vorbereitung, wenn er sich anschickt, Tora und Mizwot zu erfüllen, muss er an die Führung von Belohnung und Strafe glauben. Dann gilt: „Alles, was deine Hand mit deiner Kraft zu tun vermag, das tue“ – das heißt, alles hängt von der Arbeit des Menschen ab; in dem Maß, wie er sich in Tora und Mizwot überwindet, wird er Lohn empfangen.

לפני המעשה, היינו בהכנה, שהוא הולך לקיים את התו"מ, הוא צריך להאמין בהנהגת שכר ועונש, אז, "כל מה שתמצא בידך ובכוחך לעשות עשה", היינו שהכל תלוי בעבודת האדם, לפי כוח התגברותו בתו"מ, בשיעור הזה הוא יקבל שכר.

Vor der Handlung, das heißt, während der Vorbereitung, wenn man sich daran macht, Tora und Mizwot zu befolgen, muss man an die Führung von Belohnung und Strafe glauben. Dann „Alles was in deiner Hand und deiner Macht liegt, das tue“, das heißt, dass alles von der Arbeit des Menschen abhängt – entsprechend dem Ausmaß der Kraft seiner Überwindung in Tora und Mizwot wird er belohnt werden.

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Nach der Handlung aber muss er sagen, dass er an die persönliche Vorsehung glaubt. Nun fällt es dem Menschen schwer, nach all der Kraft, die er in große Mühe investiert hat, hinterher zu sagen, dies sei persönliche Vorsehung gewesen. So zeigt sich, dass er auch danach in Belohnung und Strafe arbeitet: Bemüht er sich zu glauben, es sei persönliche Vorsehung gewesen, so empfängt er dafür Lohn; kann er nicht an die persönliche Vorsehung glauben, so empfängt er Strafe dafür, dass er nicht glauben will.

אבל אחר העשיה הוא צריך לומר, שהוא מאמין בהשגחה פרטית. נמצא, היות שקשה לאדם לומר אחרי רבוי כוחות שהשקיע ביגיעה רבה, ואיך הוא יכול לומר אח"כ על זה, שהיא השגחה פרטית. נמצא, שגם אחר כך הוא עובד בשכר ועונש. היינו אם הוא ישתדל להאמין, שזו היתה השגחה פרטית, הוא מקבל שכר על זה, ואם לא יכול להאמין בהשגחה פרטית, נמצא, שהוא מקבל עונש על זה שהוא לא רוצה להאמין בהשגחה פרטית.

Nach der Arbeit jedoch sollte man sagen, dass man an die persönliche Führung glaubt. Wie kann also ein Mensch, da es schwierig für ihn ist, nach all den Anstrengungen, die er in seine Arbeit investiert hat, anschließend sagen, dass es sich um persönliche Vorsehung handelte? Folglich arbeitet er auch später in Belohnung und Strafe. Das heißt, dass er, wenn er sich bemüht zu glauben, dass es sich hierbei um persönliche Vorsehung handelte, eine Belohnung erhält. Wenn er nicht an die persönliche Vorsehung glaubt, folgt daraus, dass er eine Strafe dafür erhält, dass er nicht an die persönliche Vorsehung glauben will.

16

Eben darin – dass er an die persönliche Vorsehung glaubt und die Sache nicht vom Werk seiner Hände abhängt, sondern der Schöpfer ihn erwählt hat, Sich mit ihm zu verbinden – liegt der Grund, dem Schöpfer Lob und Dank dafür zu sagen, dass Er ihn erwählte. Und das gilt für jede einzelne Stufe: Selbst für eine kleine spirituelle Handlung, die er vollbringen durfte, muss er dem Schöpfer danken, dass Er ihm den Gedanken und das Verlangen gab, sie zu tun.

ומשום זה, היינו בזה שמאמין בהשגחה פרטית, ואין זה תלוי במעשה ידיו, אלא הקב"ה בחר בו להתקשר עמו, אז הוא צריך לתת שבח והודיה לה' בזה שבחר בו. וזה נוהג בכל בחינה ובחינה. היינו אפילו עשיה קטנה ברוחניות שזכה לעשות, הוא גם כן צריך להודות לה' בזה שנתן לו מחשבה ורצון לעשות את הדבר הזה.

Dadurch, dass er an persönliche Vorsehung glaubt – und dies hängt nicht von ihm ab, sondern der Schöpfer erwählte ihn, um sich mit Ihm zu verbinden – muss er den Schöpfer lobpreisen und Ihm dafür danken, dass Er ihn erwählte. Dies trifft auf jede einzelne Unterscheidung zu. Das heißt, dass er dem Schöpfer sogar bei einer kleinen Handlung in der Spiritualität, mit deren Ausführung er belohnt wurde, dafür danken muss, dass Er ihm den Gedanken und das Verlangen gab, diese Sache auszuführen.

17

Es lohnt sich, sich an diese Arbeit zu gewöhnen. Gut ist es etwa, wenn er frühmorgens aufsteht – ob er von selbst erwacht, ob der Wecker ihn weckt oder ein Freund ihn weckt und er aufsteht: Dann muss er glauben, dass zwar er selbst seine Trägheit überwunden und sich mit großer Anstrengung aus dem Bett erhoben hat und ihm gewiss großer Dank und großer Lohn für diese viele Arbeit gebührt – dass aber dennoch der Schöpfer ihm das Verlangen gab, all die Gedanken zu überwinden, die ihn beim Aufstehen aus dem Bett bedrängten.

וכדאי להרגיל את עצמו בעבודה זו, טוב הוא בשעה שקם לפנות בוקר, בין שקם מעצמו או ששעון מעורר אותו, או שחבירו מעוררו והוא קם, אז הוא צריך להאמין, שהגם שהוא התגבר על עצלותו וקם מהמיטה בהתאמצות גדולה, ובודאי מגיע לו להאדם תודה רבה ושכר גדול עבור עבודה רבה זו, מכל מקום הוא צריך להאמין, שה' נתן לו רצון להתגבר על כל המחשבות שהיה לו בעת קומו מהמיטה.

Man sollte sich an diese Arbeit gewöhnen. Wenn der Mesnch in der Morgendämmerung aufsteht, gleichgültig ob er von selbst erwacht oder mittels Weckruf durch einen Freund, so muss er daran glauben – auch wenn er seine Faulheit überwand und mit großer Anstrengung aus dem Bett aufstand, und ihm sicherlich großer Dank und eine große Belohnung gebührt für diese großartige Arbeit – dass der Schöpfer ihm ein Verlangen gab, die Gedanken, die er hatte, als er aus dem Bett aufstand, zu überwinden.

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Demnach ergibt sich das Gegenteil dessen, was der Mensch denkt: Dem Schöpfer gebührt Dank dafür, dass Er ihm Kraft und Verlangen gab, all seine Gedanken und Wünsche zu überwinden. So erweist sich: Einerseits hat der Schöpfer ihn erwählt – das ist die persönliche Vorsehung; andererseits hat „Jakob den Schöpfer erwählt“ – und das ist die Sache von Belohnung und Strafe.

ולפי זה יוצא להיפך ממה שהאדם חושב, היינו שמגיע להקב"ה תודה עבור זה שנתן לו כח ורצון להתגבר על כל מחשבותיו ורצונותיו. נמצא, שמצד אחד, הקב"ה בחר בו, נקרא, השגחה פרטית, ומצד שני, "יעקב בחר בה'", וזה ענין שכר ועונש.

Infolgedessen ergibt sich daraus das Gegenteil dessen, was der Mensch denkt, das heißt, dass dem Schöpfer Dank dafür gebührt, dass Er ihm die Kraft und ein Verlangen gab, seine Gedanken und Verlangen zu überwinden. Einerseits erwählte also der Schöpfer ihn, was als persönliche Vorsehung bezeichnet wird. Andererseits erwählte sich Jakob den Schöpfer, und dies ist die Bedeutung von Belohnung und Strafe.

19

Nun wollen wir erklären, was wir gefragt haben: Was bedeutet die Aussage „und Er machte sie zu einem einzigen Volk auf der Welt“? In der Welt gibt es doch noch siebzig Völker, und die Schrift sagt: „Und wer ist wie dein Volk Israel, ein einziges Volk auf Erden.“

ועתה נבאר את מה ששאלנו, מהי הכוונה בזה שאומר, "ועשה אותם עם יחיד בעולם". הלא בעולם יש עוד ע' אומות, והכתוב אומר, "ומי כעמך ישראל גוי אחד בארץ".

Nun werden wir erklären, was wir fragten, „Was ist damit gemeint, wenn er sagt, ‚und Er machte sie zu einem einzigartigen Volk in der Welt‘? Gibt es denn nicht noch siebzig Völker in der Welt, und der Vers sagt, ‚Und welches Volk auf Erden ist wie Dein Volk Israel’“?

20

Bekanntlich versteht man Einzahl und Mehrzahl im Spirituellen als Verschiedenheit der Form und Gleichheit der Form. So steht geschrieben (Exodus 19,2): „Und Israel lagerte dort dem Berg gegenüber.“ Rashi erklärt: „Wie ein Mensch mit einem Herzen.“ Darum steht „lagerte“ in der Einzahl. Bei allen anderen Lagerungen aber herrschten Murren und Streit, darum steht dort „sie lagerten“ in der Mehrzahl. Demnach meint „einzig“ die Gleichheit der Form.

הנה ידוע, כי יחיד ורבים ברוחניות מתפרש זה בשנוי צורה ובהשתוות הצורה. כמו שכתוב (שמות י"ט, ב'), "ויחן שם ישראל נגד ההר". ופירש רש"י, "כאיש אחד בלב אחד". לכן כתוב, ויחן, לשון יחיד. אבל שאר כל החניות בתערומות ובמחלוקת, לכן כתוב שם, ויחנו, לשון רבים. ולפי זה יוצא, שענין יחיד הכוונה על השתוות הצורה.

Bekanntlich werden Einzahl bzw. Mehrzahl in der Spiritualität als Ungleichheit der Form bzw. Gleichheit der Form interpretiert, wie es geschrieben steht (Exodus, 19:2), „Und Israel lagerte dort dem Berge gegenüber“. RASHI interpretierte, „Wie ein Mensch mit einem Herzen“. Deswegen steht geschrieben, „lagerte“, in der Einzahl. Jedoch bei den übrigen Unterbrechungen und Beschwerden und Meinungsverschiedenheiten, steht deshalb geschrieben, „sie lagerten“, in der Mehrzahl. Folglich meint die Einzahl die Gleichheit der Form.

21

Hiernach lässt sich erklären: Der Schöpfer machte das Volk Israel – obwohl sie viele sind, denn „wie ihre Gesichter einander nicht gleichen, so gleichen auch ihre Ansichten einander nicht“ (Berachot 58) – dennoch zu einem einzigen Volk auf der Welt. Das ist eine große Neuerung: Obwohl sie ein Volk, also viele, sind, haben sie dennoch die Gestalt eines Einzelnen, und zwar durch die Gleichheit der Form. Wie es bei der Gabe der Tora war, so soll die Vollkommenheit des Volkes Israel sein – nämlich zur Stufe des Einen zu gelangen.

ובהאמור יש לפרש, שה' עשה את עם ישראל, אף על פי שהם רבים, היינו, "כשם שאין פרצופיהן דומות זו לזו, כך אין דעותיהן דומות זו לזו", (ברכות נ"ח), ומכל מקום עשה אותם עם יחיד בעולם, שזהו חידוש גדול, זאת אומרת, אף על פי שהם עם, היינו רבים, ומכל מקום יש להם צורת יחיד, וזהו ע"י השתוות הצורה. כעין שהיה במתן תורה, כך צריך להיות השלימות של עם ישראל, היינו להגיע לבחינת אחד.

In dem oben Gesagten sollten wir interpretieren, dass der Schöpfer das Volk Israel machte; obwohl sie viele sind, das heißt, „Wie ihre Gesichter einander nicht gleichen, so gleichen sich auch ihre Sichtweisen nicht“ (Berachot, 58), machte Er sie zu einem einzigartigen Volk in der Welt, was eine große Neuerung bedeutet. Sie haben, obgleich sie ein Volk sind, also viele, trotzdem die Form eines Einzelnen durch die Gleichheit der Form. Wie es zur Zeit der Gabe der Tora war, so sollte die Vollkommenheit des Volkes Israel sein, das bedeutet, eins zu werden.

22

Im Buch Matan Tora („Die Gabe der Tora“, Blatt 41, Punkt 22) heißt es: „Darum bezeichnet die Schrift sie in jenem Augenblick in der Einzahl, wie geschrieben steht: ‚Und Israel lagerte dort dem Berg gegenüber‘, was unsere Weisen deuteten: ‚wie ein Mensch mit einem Herzen‘ – weil jeder Einzelne des Volkes sich vollständig von der Selbstliebe löste. So fügten sich alle Einzelnen des Volkes zusammen und wurden zu einem Herzen und zu einem Menschen; denn erst dann waren sie zum Empfang der Tora geeignet.“

ומובא בספר "מתן תורה" (דף מ"א אות כ"ב), וזה לשונו, דעל כן מכנה אותם הכתוב בעת ההוא בלשון יחיד, כמו שכתוב, "ויחן שם ישראל נגד ההר", ופירשו חז"ל, "כאיש אחד בלב אחד", מפני שכל יחיד ויחיד מהאומה, סילק את עצמו לגמרי מאהבה עצמית, ונמצא, שנתלכדו יחד כל היחידים שבאומה, ונעשו ללב אחד ולאיש אחד, כי רק אז הוכשרו לקבלת התורה.

In dem Artikel „Die Gabe der Tora“ (Absatz 41) lautet es: „Dies ist der Grund, warum der Text sich auf sie in der Einzahl bezieht, wie es geschrieben steht, ‚Und Israel lagerte dort dem Berge gegenüber‘, was unsere Weisen interpretieren, ‚wie ein Mensch mit einem Herzen‘, weil jeder Einzelne des Volkes sich vollkommen von der Selbstliebe abtrennte … Daraus folgt, dass alle Individuen im Volk sich zusammenschlossen und zu einem Menschen mit einem Herzen wurden, da sie sich erst dadurch für den Empfang der Tora qualifizierten.

23

Wir sehen also: Der Schöpfer machte es so, dass das Volk Israel zu seiner Vollkommenheit gelangt – nämlich indem Er ihnen die Kraft gab, alle in der Gleichheit der Form zu sein, die darin besteht, ihrem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

הרי אנו רואים, שהקב"ה עשה שעם ישראל יגיעו לשלמותן, היינו ע"י שיתן להם הכח להיות כולם בהשתוות הצורה, שהוא לעשות נחת רוח ליוצרו.

Somit sehen wir, dass der Schöpfer es so machte, dass das Volk Israel zur Vollkommenheit gelangen würde, indem Er ihnen ihnen allen die Kraft verlieh, in Gleichheit der Form zu sein, was gleichbedeutend damit ist, seinem Erschaffer Freude zu bereiten.

24

Ebenso ist die dritte Frage zu erklären, die wir gestellt haben: Was bedeutet es, dass Er den übrigen Völkern Fürsten und Herrscher gab, Israel aber Sich selbst zum Anteil nahm? Auf dem Weg der Arbeit erklären wir dies an einem einzelnen Menschen, also an einem einzigen Körper. Wenn der Mensch alles, was in der Welt geschieht, darauf zurückführt, dass allein der Schöpfer alle Taten wirkt und wirken wird, dann gilt er als Anteil des Schöpfers – denn es gibt keine andere Macht in der Welt; dann zählt er zum Anteil des Schöpfers. Führt er aber nicht alles, was in der Welt geschieht, auf den Schöpfer zurück, sondern sagt, es gebe andere Kräfte, die nicht von der Heiligkeit (Kedusha) sind, so befindet er sich im Zustand der Völker der Welt – das heißt, es gibt Beauftragte und Fürsten; und das ist, wenn er sich im Zustand der übrigen Völker der Welt befindet.

וכמו כן יש לבאר שאלה הג', ששאלנו, מה הענין שלשאר אומות נתן שרים ומושלים, והוא לקח לעצמו ישראל לחלקו. על דרך העבודה נבאר זה באדם אחד, היינו בגוף אחד. בזמן שהאדם מיחס כל מה שנעשה בעולם, שרק הקב"ה עושה ויעשה לכל המעשים, הוא נבחן אז לחלקו של הקב"ה, כי אין רשות אחר בעולם, אז הוא נבחן לחלקו של הקב"ה. ובזמן שהוא לא מייחס את כל מה שמתרחש בעולם להקב"ה, אלא שאומר, שזה שאר כוחות ואינם של קדושה, נמצא, שהוא במצב של אומות העולם, היינו שיש ממונים ושרים, שזה הוא בזמן שנמצא במצב של שאר אומות העולם.

In ähnlicher Weise sollten wir die dritte Frage erklären. Wir fragten, was es damit auf sich habe, dass Er den übrigen Völkern Minister und Herrscher gab, und Er Israel für sich selbst zu Seinem Teil nahm. Wir sollten dies in der Arbeit eines Menschen interpretieren, das heißt, in einem Körper. Wenn der Mensch alles, was in der Welt geschieht, auf den Schöpfer zurückführt, dass nur der Schöpfer alles tut und tun wird, so wird er dann als Teil des Schöpfers angesehen, da es keine andere Autorität in der Welt gibt. Zu diesem Zeitpunkt wird er als Teil des Schöpfers betrachtet. Wenn er nicht alles, was sich in der Welt ereignet, auf den Schöpfer zurückführt, sondern sagt, dass es andere Kräfte gibt, welche nicht von der Kedusha (Heiligkeit) sind, ergibt sich daraus, dass er sich in einem Zustand der „Völker der Welt“ befindet, es also Abgesandte und Minister gibt. Dies gilt, wenn er sich in einem Zustand der „übrigen Völker der Welt“ befindet.

Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob

1986 – Artikel 16

Im Sohar, Abschnitt Truma (Blatt 1, im Sulam Punkt 1), erklärt Rabbi Chija den Vers „Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob“.

Dort heißt es: Rabbi Chija eröffnete: „‚Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob, Israel zu Seinem Eigentum.‘ Wie geliebt sind die Söhne Israels vor dem Schöpfer, der sie begehrte und Sich mit ihnen verbinden und an sie binden wollte und sie zu einem einzigen Volk auf der Welt machte –

wie geschrieben steht: ‚Und wer ist wie dein Volk Israel, ein einziges Volk auf Erden.‘ Und sie begehrten Ihn und banden sich an Ihn; davon heißt es: ‚Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob.‘ Und es steht geschrieben: ‚Denn der Anteil des Schöpfers ist Sein Volk.‘ Den übrigen Völkern gab Er Fürsten und Herrscher über sie, Sich selbst aber nahm Er Israel zu Seinem Anteil.“

An den Worten Rabbi Chijas ist Folgendes zu verstehen:

Erstens: Er beginnt den Vers „Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob“ so zu deuten, dass der Schöpfer Jakob erwählte – denn er sagt, Er hat sie begehrt und wollte Sich mit ihnen verbinden und an sie binden. Danach aber deutet er ihn umgekehrt und sagt: „Sie begehrten Ihn und banden sich an Ihn“, und beruft sich dabei auf denselben Vers: „Denn der Schöpfer erwählte Sich Jakob“.

Zweitens: Was bedeutet seine Aussage „und Er machte sie zu einem einzigen Volk auf der Welt“, wozu es heißt: „Und wer ist wie dein Volk Israel, ein einziges Volk auf Erden“? Sie sind doch ein Volk inmitten der siebzig Völker der Welt. Was also bedeutet „ein einziges Volk“, das ja besagt, dass Er sie zu einem einzigen Volk machte?

Drittens: Er deutet „Denn der Anteil des Schöpfers ist Sein Volk“ dahin, dass Er den übrigen Völkern Fürsten und Herrscher über sie gab, Sich selbst aber Israel zum Anteil nahm. Das ist zu verstehen: Warum gab Er den übrigen Völkern Fürsten und Herrscher, während Er Israel zu Seinem Anteil nahm?

Bekanntlich gibt es zwei Arten der Führung:

Die erste heißt persönliche Vorsehung (Hashgacha Pratit).

Die zweite heißt Führung von Belohnung und Strafe.

Beide stehen im Widerspruch zueinander. Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens erklärte: Mit dem äußeren Verstand kann der Mensch dies nicht erfassen; erst wenn er auf seiner inneren Stufe die Vollkommenheit erreicht hat, kann er es begreifen. In der Ordnung der Arbeit des Menschen ist es so, dass uns die Arbeit für den Schöpfer in der Führung von Belohnung und Strafe gegeben wurde. Darum darf der Mensch nicht sagen: „Ich warte, bis der Schöpfer uns Lust und Verlangen gibt, uns mit Tora und Mizwot zu beschäftigen; und sobald ich ein gutes Gefühl verspüre, werde ich Tora und Mizwot erfüllen.“ Ebenso wenig darf er sagen: Da wir doch „wie Ton in der Hand des Töpfers“ in der Hand des Schöpfers sind – was nützt dann unser Bemühen, gegen die Ansicht unseres Körpers zu arbeiten? Dazu wird uns gesagt: Der Mensch soll nicht auf seinen Körper achten, der die Erfüllung seiner Wünsche verlangt, sondern er muss den Körper daran gewöhnen und ihn überzeugen, den Gesetzen der Tora zu folgen – ob er einverstanden ist oder nicht.

Vielmehr müssen wir an Belohnung und Strafe glauben: Alles hängt von unseren Taten ab, davon, wie sehr wir unseren Körper dazu bringen, den Gesetzen der Tora zu folgen. Unsere Weisen sagten: „Der Lohn richtet sich nach der Mühe“ (Awot, Kapitel 5): „Ben He He sagt: Der Lohn richtet sich nach der Mühe.“

Und er sagte seligen Andenkens, man muss die beiden genannten Führungen auf folgende Weise verwirklichen:

Vor der Handlung, also in der Vorbereitung, wenn er sich anschickt, Tora und Mizwot zu erfüllen, muss er an die Führung von Belohnung und Strafe glauben. Dann gilt: „Alles, was deine Hand mit deiner Kraft zu tun vermag, das tue“ – das heißt, alles hängt von der Arbeit des Menschen ab; in dem Maß, wie er sich in Tora und Mizwot überwindet, wird er Lohn empfangen.

Nach der Handlung aber muss er sagen, dass er an die persönliche Vorsehung glaubt. Nun fällt es dem Menschen schwer, nach all der Kraft, die er in große Mühe investiert hat, hinterher zu sagen, dies sei persönliche Vorsehung gewesen. So zeigt sich, dass er auch danach in Belohnung und Strafe arbeitet: Bemüht er sich zu glauben, es sei persönliche Vorsehung gewesen, so empfängt er dafür Lohn; kann er nicht an die persönliche Vorsehung glauben, so empfängt er Strafe dafür, dass er nicht glauben will.

Eben darin – dass er an die persönliche Vorsehung glaubt und die Sache nicht vom Werk seiner Hände abhängt, sondern der Schöpfer ihn erwählt hat, Sich mit ihm zu verbinden – liegt der Grund, dem Schöpfer Lob und Dank dafür zu sagen, dass Er ihn erwählte. Und das gilt für jede einzelne Stufe: Selbst für eine kleine spirituelle Handlung, die er vollbringen durfte, muss er dem Schöpfer danken, dass Er ihm den Gedanken und das Verlangen gab, sie zu tun.

Es lohnt sich, sich an diese Arbeit zu gewöhnen. Gut ist es etwa, wenn er frühmorgens aufsteht – ob er von selbst erwacht, ob der Wecker ihn weckt oder ein Freund ihn weckt und er aufsteht: Dann muss er glauben, dass zwar er selbst seine Trägheit überwunden und sich mit großer Anstrengung aus dem Bett erhoben hat und ihm gewiss großer Dank und großer Lohn für diese viele Arbeit gebührt – dass aber dennoch der Schöpfer ihm das Verlangen gab, all die Gedanken zu überwinden, die ihn beim Aufstehen aus dem Bett bedrängten.

Demnach ergibt sich das Gegenteil dessen, was der Mensch denkt: Dem Schöpfer gebührt Dank dafür, dass Er ihm Kraft und Verlangen gab, all seine Gedanken und Wünsche zu überwinden. So erweist sich: Einerseits hat der Schöpfer ihn erwählt – das ist die persönliche Vorsehung; andererseits hat „Jakob den Schöpfer erwählt“ – und das ist die Sache von Belohnung und Strafe.

Nun wollen wir erklären, was wir gefragt haben: Was bedeutet die Aussage „und Er machte sie zu einem einzigen Volk auf der Welt“? In der Welt gibt es doch noch siebzig Völker, und die Schrift sagt: „Und wer ist wie dein Volk Israel, ein einziges Volk auf Erden.“

Bekanntlich versteht man Einzahl und Mehrzahl im Spirituellen als Verschiedenheit der Form und Gleichheit der Form. So steht geschrieben (Exodus 19,2): „Und Israel lagerte dort dem Berg gegenüber.“ Rashi erklärt: „Wie ein Mensch mit einem Herzen.“ Darum steht „lagerte“ in der Einzahl. Bei allen anderen Lagerungen aber herrschten Murren und Streit, darum steht dort „sie lagerten“ in der Mehrzahl. Demnach meint „einzig“ die Gleichheit der Form.

Hiernach lässt sich erklären: Der Schöpfer machte das Volk Israel – obwohl sie viele sind, denn „wie ihre Gesichter einander nicht gleichen, so gleichen auch ihre Ansichten einander nicht“ (Berachot 58) – dennoch zu einem einzigen Volk auf der Welt. Das ist eine große Neuerung: Obwohl sie ein Volk, also viele, sind, haben sie dennoch die Gestalt eines Einzelnen, und zwar durch die Gleichheit der Form. Wie es bei der Gabe der Tora war, so soll die Vollkommenheit des Volkes Israel sein – nämlich zur Stufe des Einen zu gelangen.

Im Buch Matan Tora („Die Gabe der Tora“, Blatt 41, Punkt 22) heißt es: „Darum bezeichnet die Schrift sie in jenem Augenblick in der Einzahl, wie geschrieben steht: ‚Und Israel lagerte dort dem Berg gegenüber‘, was unsere Weisen deuteten: ‚wie ein Mensch mit einem Herzen‘ – weil jeder Einzelne des Volkes sich vollständig von der Selbstliebe löste. So fügten sich alle Einzelnen des Volkes zusammen und wurden zu einem Herzen und zu einem Menschen; denn erst dann waren sie zum Empfang der Tora geeignet.“

Wir sehen also: Der Schöpfer machte es so, dass das Volk Israel zu seiner Vollkommenheit gelangt – nämlich indem Er ihnen die Kraft gab, alle in der Gleichheit der Form zu sein, die darin besteht, ihrem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

Ebenso ist die dritte Frage zu erklären, die wir gestellt haben: Was bedeutet es, dass Er den übrigen Völkern Fürsten und Herrscher gab, Israel aber Sich selbst zum Anteil nahm? Auf dem Weg der Arbeit erklären wir dies an einem einzelnen Menschen, also an einem einzigen Körper. Wenn der Mensch alles, was in der Welt geschieht, darauf zurückführt, dass allein der Schöpfer alle Taten wirkt und wirken wird, dann gilt er als Anteil des Schöpfers – denn es gibt keine andere Macht in der Welt; dann zählt er zum Anteil des Schöpfers. Führt er aber nicht alles, was in der Welt geschieht, auf den Schöpfer zurück, sondern sagt, es gebe andere Kräfte, die nicht von der Heiligkeit (Kedusha) sind, so befindet er sich im Zustand der Völker der Welt – das heißt, es gibt Beauftragte und Fürsten; und das ist, wenn er sich im Zustand der übrigen Völker der Welt befindet.

korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, 00:29 Uhr, Ver4