„Höre unsere Stimme“
1985, Artikel 39
1985 – Artikel 39 – Höre unsere Stimme
Wir sagen in den Selichot (Vergebungsgebeten): „Höre unsere Stimme, Schöpfer, unser Gott, schone und erbarme Dich unser, und nimm in Erbarmen und Wohlwollen unser Gebet an.“ Und im Tachanun (Flehgebet) am Montag und Donnerstag sagen wir: „Erbarme Dich unser, Schöpfer, in Deiner Barmherzigkeit, und gib uns nicht in die Hand der Grausamen. Warum sollen die Völker sagen: ‚Wo ist denn ihr Gott?‘ Unsere Stimme höre und sei gnädig, und überlasse uns nicht der Hand unserer Feinde, dass sie unseren Namen auslöschen. Und dennoch haben wir Deinen Namen nicht vergessen. Bitte vergiss uns nicht.“
Zu verstehen ist, womit dies schließt: „Und dennoch haben wir Deinen Namen nicht vergessen. Bitte vergiss uns nicht.“ Es klingt so, als sei dies der Grund, weshalb wir bitten, dass der Schöpfer uns helfe – nämlich weil wir sagen: „Und dennoch haben wir Deinen Namen nicht vergessen.“ Welcher Grund und welche Ursache liegt darin, dass „wir Deinen Namen nicht vergessen haben“, sodass wir deswegen sagen: „Bitte vergiss uns nicht“?
Um das eben Gesagte zu verstehen, müssen wir wissen, wer die Völker sind, die – Gott behüte – eine ketzerische Frage stellen. Denn wir sagen: „Warum sollen die Völker sagen: ‚Wo ist denn ihr Gott?‘“ Auch ist zu verstehen, was wir zum Schöpfer sagen: „Und gib uns nicht in die Hand der Grausamen.“ Wer sind die „Grausamen“? Und weiter: Es klingt so, als wäre es nicht so schlimm, wenn wir im Exil nicht in die Hand der Grausamen gegeben würden, und wir müssten dann nicht beten, uns aus dem Exil unter den Völkern herauszuführen.
Wir wollen dies auf unsere Weise erklären. Da wir nach dem Zimzum (Einschränkung) und der Verhüllung geboren sind und nur das Verlangen, zum eigenen Nutzen zu empfangen, in uns offenbart ist, gibt uns dies zu verstehen, dass es sich nicht lohnt zu arbeiten – außer allein zum eigenen Nutzen. Und dadurch, dass wir dem eigenen Nutzen unterworfen sind, sind wir vom Schöpfer entfernt. Denn bekanntlich meint die Sache von Nähe und Ferne eine Verschiedenheit der Form und eine Gleichheit der Form.
Deshalb ist der Mensch, wenn er in die Selbstliebe versunken ist, vom Leben des Lebens getrennt. Und folglich kann er den Geschmack von Tora und Mizwot nicht spüren. Denn nur dann, wenn er glaubt, dass er die Mizwa des Schöpfers erfüllt und nicht zum eigenen Nutzen, kann er dem Geber der Tora angehaftet sein. Und da der Schöpfer die Quelle des Lebens ist, spürt der Mensch den Geschmack des Lebens. Und dann wird die Tora bei ihm „Tora des Lebens“ genannt. Und dann trifft zu, was geschrieben steht: „Denn sie ist euer Leben und die Länge eurer Tage.“
Aber in der Zeit der Trennung ist alles finster bei ihm. Zwar sagten unsere Weisen: „Immer befasse sich der Mensch mit Tora und Mizwot in lo liShma (nicht um Ihretwillen), denn aus lo liShma kommt er zu liShma (um Ihretwillen).“ Doch auch hierin gibt es viele Bedingungen. Zuallererst muss er das Bedürfnis haben, zu liShma zu gelangen. Denn der Mensch denkt: „Was verliere ich denn, wenn ich mich mit lo liShma befasse?“ Darum muss er sich immer den Grund vor Augen halten: Was ich um liShma willen lerne, lerne ich nicht, um einen materiellen oder spirituellen Lohn zu erhalten. Vielmehr lerne ich in lo liShma aus dem Grund, dass ich dadurch verdienen werde, zur Stufe liShma zu gelangen.
Dann erwacht in ihm die Frage: „Soll ich mich denn für etwas anstrengen, das mir gar nicht fehlt?“ Denn der Körper tritt an ihn heran und sagt ihm: „Was gewinne ich dadurch, dass du um des Gebens willen arbeiten willst, was liShma genannt wird? Wenn ich mich in lo liShma anstrenge, werde ich dann etwas Wichtiges erhalten, das liShma heißt?“
Und in Wahrheit ist es umgekehrt. Wenn er zu seinem Körper sagt: „Befasse dich mit Tora und Mizwot in lo liShma, denn dies ist die Ursache, durch die du zu liShma gelangst“ – dann stört ihn der Körper sicher, sofern dies sein Ziel ist, zu liShma zu gelangen. Und er bringt dem Menschen viele Ausreden vor, sodass er die Arbeit von lo liShma nicht verrichten kann.
Und es kann sein, dass sich daraus Folgendes ergibt: Jenen Menschen, die in lo liShma lernen mit dem Ziel, dass es sie zu liShma gelangen lasse, stört sie der Körper und lässt sie nicht einmal lo liShma betreiben. Denn der Körper fürchtet: „Vielleicht gelangt der Mensch zu liShma.“
Anders verhält es sich bei jener Art von Menschen, die nicht mit der Absicht lernen, zu liShma zu gelangen. Das heißt, sie befassen sich mit Tora und Mizwot, weil der Schöpfer uns geboten hat, Seine Tora und Mizwot zu erfüllen, und wir dafür Lohn in der kommenden Welt erhalten werden. Doch beim Lernen der Tora richten sie ihre Absicht nicht darauf: „Ich lerne, damit ich aus der Selbstliebe heraustrete und Tora und Mizwot um des Gebens willen erfüllen kann.“ Daraus folgt: Da er nicht gegen den Körper, das heißt gegen die Selbstliebe, vorgeht, widersetzt sich der Körper dem Erfüllen von Tora und Mizwot nicht sonderlich. Denn die Meinung des Körpers ist, dass alles in seinem Besitz, also in der Selbstliebe, bleibt.
Anders bei jenen Menschen, die bei ihrer Beschäftigung mit Tora und Mizwot die Absicht haben, durch sie liShma zu verdienen. Darum fällt es ihnen schwer, sogar lo liShma zu erfüllen. Denn der Körper fürchtet, er könnte die ganze Selbstliebe verlieren, wenn der Mensch alles um des Himmels willen tut und dem Körper nichts übrig lässt. Es zeigt sich also, dass es sogar innerhalb des lo liShma selbst einen Unterschied gibt – nämlich in der Absicht des lo liShma selbst. Ist die Absicht, innerhalb des lo liShma zu verbleiben und nicht weiterzugehen, also liShma zu erreichen, dann kann der Mensch beim Lernen der Tora ausdauernd sein, weil er keinen wirklichen Widerstand von Seiten des Körpers hat.
Anders aber, wenn der Mensch sich bei seiner Beschäftigung mit lo liShma darauf ausrichtet, dadurch zu liShma zu gelangen – was der Meinung des Körpers zuwiderläuft. Zwar befasst er sich noch immer mit lo liShma, doch da das Ziel ist, zu liShma zu gelangen, widersetzt sich der Körper jeder einzelnen Regung und schafft bei jeder Kleinigkeit Hindernisse.
Das heißt: Jene Menschen, die nicht das Ziel verfolgen, „zu liShma zu gelangen“, lachen über die Hindernisse, von denen die Menschen sprechen, die den Weg zu liShma gehen. Sie sagen über sie, dass sie sie nicht verstünden – dass sie jede Kleinigkeit für einen hohen Berg hielten. Jede Kleinigkeit werde ihnen zu einem großen Hindernis, und für jede einzelne Regung brauche es große Überwindung. Und sie verstehen sie nicht und sagen zu ihnen: „Seht euch selbst auf eurem Weg an, wie erfolglos er ist. Wir aber, dem Schöpfer sei Dank, lernen und beten, und der Körper hat keinerlei Macht, uns davon abhalten zu können, Tora und Mizwot zu betreiben. Ihr aber sagt mit eurem Weg selbst, dass jede Kleinigkeit, die ihr tut, so ist, als hättet ihr einen hohen Berg bezwungen.“
Man kann dies mit dem vergleichen, was unsere Weisen sagten (Traktat Sukka 52a): „In der kommenden Zukunft bringt der Schöpfer den bösen Trieb herbei und schlachtet ihn vor den Gerechten und vor den Frevlern. Den Gerechten erscheint er wie ein hoher Berg, den Frevlern erscheint er wie ein Haaresfaden.“ Und obwohl dort von der kommenden Zukunft die Rede ist, kann man von dort ein Beispiel nehmen. Das heißt, hier ist es so zu deuten: Jene, deren Absicht ist, zu liShma zu gelangen, sind „Gerechte“. Denn ihr Ziel ist es, gerecht zu sein, was bedeutet, dass ihre ganze Absicht allein um des Himmels willen ist. Und bei ihnen gilt der böse Trieb als hoher Berg, wie oben.
Und jene, die nicht das Ziel haben, zu liShma zu gelangen, das heißt aus der Selbstliebe herauszutreten, sind „Frevler“ – weil das Böse, das „Empfangen, um zu empfangen“ genannt wird, bei ihnen bestehen bleibt. Denn sie sagen selbst, dass sie nicht aus der Selbstliebe heraustreten wollen. Und ihnen erscheint der böse Trieb wie ein Haaresfaden, wie oben.
Dies gleicht ungefähr der Begebenheit, die man über Rabbi Bunim, sein Andenken sei zum Segen, erzählt: Man fragte ihn in der Stadt Danzig im Lande Deutschland: „Warum sind die Juden in Polen Lügner und gehen in schmutzigen Kleidern, während die Juden in Deutschland Menschen der Wahrheit sind und in reinen Kleidern gehen?“
Und Rabbi Bunim antwortete: Dies ist so, wie Rabbi Pinchas ben Jair sagte (Traktat Awoda Sara 21b): „Es sagte Rabbi Pinchas ben Jair: Die Tora führt zur Achtsamkeit, die Reinheit führt zur Enthaltsamkeit, die Furcht vor der Sünde führt zur Heiligkeit (Kedusha).“
Deshalb kam, als die Söhne Deutschlands mit der Reinheit begannen, der böse Trieb zu ihnen und sagte ihnen: Ich werde euch nicht erlauben, euch mit der Reinheit zu befassen, denn die Reinheit führt zu den weiteren Dingen, bis man zur Heiligkeit gelangt. Wenn das so ist, wollt ihr also, dass ich euch zur Heiligkeit gelangen lasse? Das wird nicht geschehen. Und was konnten sie tun, da sie sich doch nach der Reinheit sehnten? Da versprachen sie ihm: Wenn er sie bei der Arbeit der Reinheit nicht weiter störe, würden sie nicht weitergehen. Und er habe nicht zu fürchten, dass sie zur Heiligkeit gelangten, denn sie seien Menschen der Wahrheit. Und deshalb gehen die Menschen Deutschlands in Reinheit, weil der böse Trieb sie nicht stört.
Und als der böse Trieb sah, dass die Menschen Polens sich mit der Reinheit befassen, kam er ebenfalls zu ihnen und wollte sie stören, weil sie zur Heiligkeit gelangen würden – und er ist dagegen. Da sagten sie ihm: Wir werden nicht weitergehen. Doch was taten sie? Als er von ihnen wegging, fuhren sie fort, bis sie zur Heiligkeit gelangten. Da der böse Trieb sah, dass sie Lügner sind, kämpft er sofort mit ihnen um die Reinheit. Darum fällt es den Menschen Polens, weil sie Lügner sind, schwer, in Reinheit zu gehen.
Auf dieselbe Weise ist die Sache jener zu verstehen, die sich mit lo liShma befassen und sagen, unsere Weisen hätten uns versprochen, „dass man aus lo liShma zu liShma gelangt“. Darum brauchten wir keine großen Anstrengungen aufzuwenden, um zu liShma zu gelangen, denn am Ende kommt die Ehre von selbst. Wenn dem so ist, so haben wir mit jener Ansicht nichts zu schaffen, dass man immer daran denken müsse, dass alles, womit wir uns in Tora und Mizwot befassen, dazu dient, um des Himmels willen zu gelangen, und dass dies unser Lohn sei, auf den wir warten.
Vielmehr werden wir uns mit lo liShma befassen, und am Ende wird die Ehre kommen, wie unsere Weisen es uns versprochen haben, wie oben. Darum kommt der böse Trieb nicht, um sie davon abzuhalten, sich mit lo liShma zu befassen, da er sieht, dass sie überhaupt kein Verlangen haben, zu liShma zu gelangen. Deshalb stört er sie nicht, wie oben in der Begebenheit von Rabbi Bunim, sein Andenken sei zum Segen.
Anders bei jenen Menschen, die ein Sehnen haben, zu liShma zu gelangen. Der böse Trieb sieht, dass sie sich mit lo liShma nur deshalb befassen, weil es keinen anderen Rat gibt, sondern man mit lo liShma beginnen muss, wie unsere Weisen sagten: „Man befasse sich nicht mit lo liShma – außer insofern, als man aus lo liShma zu liShma gelangt.“ Und sie sitzen da und warten: „Wann werde ich endlich zu liShma gelangen?“
Da der böse Trieb sieht, dass sie sich anstrengen, um mithilfe der Segula (des besonderen Mittels) des lo liShma zu liShma zu gelangen, kommt er sofort zu ihnen und unternimmt allerlei Handlungen, um sie zu stören, damit sie nicht zu liShma gelangen. Und er lässt sie aus Furcht nicht die kleinste Sache in lo liShma tun, weil sie sich anstrengen, zu liShma zu gelangen – wie oben in der Antwort von Rabbi Bunim, sein Andenken sei zum Segen.
Demnach zeigt sich, dass es auch im lo liShma zwei Unterscheidungen gibt:
1. Sein Ziel im lo liShma ist es, zu liShma zu gelangen. Und er prüft sich beständig, ob er schon irgendeinen Schritt in seiner Arbeit getan hat, mit dem er sich der Stufe liShma bereits angenähert hat. Und wenn er sieht, dass er sich noch nicht um Haaresbreite bewegt hat, dann grämt er sich darüber und stellt sich, als hätte er mit der Arbeit des Schöpfers noch gar nicht begonnen. Denn sein Maßstab in Tora und Mizwot ist, wieweit es in seiner Macht stand, die Absicht um des Himmels willen auszurichten. Und deshalb, wenn er sieht, dass er nicht einmal in einer kleinen Sache die Absicht liShma ausrichten kann, dann ist sein Gefühl, als hätte er noch keine einzige Handlung in der Arbeit des Schöpfers vollbracht. Und er hält sich für ein leeres Gefäß, das zu nichts taugt.
Und dann beginnt er nachzudenken, was sein Endziel sein wird. Die Tage vergehen, und er kann aus dem Zustand, in dem er sich befindet, nicht heraustreten. Einzig und allein in der Selbstliebe liegt all sein Begehren. Und schlimmer noch: Statt dass er jeden Tag die Dinge, die ihn bei der Arbeit stören, als „was macht das schon“ ansehen sollte, sieht er sie an, als wären sie ein „hoher Berg“. Und er sieht beständig ein großes Hindernis vor sich, das er nicht überwinden kann.
Und über solche Zustände sagte mein Herr Vater und Lehrer (Baal HaSulam), sein Andenken sei zum Segen, dass der Mensch gerade in diesen Zuständen, die „Zustände der Rückseite (Achoraim)“ genannt werden, voranschreitet. Doch der Mensch darf dies nicht sehen, sonst würde es ihm als „Vorderseite (Panim)“ angerechnet. Denn in der Zeit, da der Mensch sieht, dass er voranschreitet, schwächt sich bei ihm die Kraft des Gebets, da er nicht sieht, dass der Zustand so schlecht wäre. Denn letztlich schreitet er ja voran – sagen wir, in kleinen Schritten. Es wird also noch etwas Zeit brauchen, aber er geht voran. Anders aber, wenn er sieht, dass er rückwärtsgeht: Dann kommt sein Gebet aus der Tiefe des Herzens, im Maße der Leiden, die er von seinem schlechten Zustand spürt.
Und damit wirst du verstehen, was wir im Tachanun sagen: „Erbarme Dich unser, Schöpfer, in Deiner Barmherzigkeit, und gib uns nicht in die Hand der Grausamen.“ Und man muss wissen, wer die Grausamen sind. Wenn man von der Arbeit des Einzelnen (Prat) spricht, dann ist der Mensch ein Ganzes (Klal). Das heißt, er schließt auch die Aspekte der „Völker der Welt“ in sich ein. Mit anderen Worten: Er hat die Begierden und Ansichten der Völker der Welt. Und er ist im Exil in der Hand der „Völker der Welt“, die in ihm selbst sind. Und das wird „Hand der Grausamen“ genannt. Und wir bitten den Schöpfer: „Und gib uns nicht in die Hand der Grausamen.“ Ein Grausamer in der Materialität ist einer, der einem Menschen ohne Erbarmen Leid zufügt und dem es gleichgültig ist, dass er dem anderen Leiden verursacht.
Ebenso ist es hier in der Arbeit des Schöpfers: Wenn der Mensch das Joch des Königtums des Himmels (Ol Malchut Shamajim) auf sich nehmen will, kommen die Ansichten der „Völker der Welt“, die in ihm sind. Und sie quälen ihn mit der üblen Nachrede, die er von ihnen hört. Und er muss mit ihnen kämpfen. Doch sie sind stärker als er. Und er unterliegt ihnen und muss auf ihre Stimme hören.
Und dies verursacht ihm Kummer und Leiden, wie geschrieben steht: „Und die Kinder Israels seufzten unter der Arbeit und schrien, und ihr Hilferuf aus der Arbeit stieg hinauf zu Gott, und Gott hörte ihr Stöhnen.“ Wir sehen also, dass die Leiden, die der Mensch vom bösen Trieb erleidet, die Ursache dafür sind, dass er einen Ort für das Gebet hat. Demnach zeigt sich: Gerade in der Zeit, da er den Kampf des Triebes hat und meint, er könne nicht voranschreiten – gerade hier hat er einen Ort des Voranschreitens.
Und er, sein Andenken sei zum Segen, sagte, dass kein Mensch fähig ist, die Wichtigkeit jener Zeit zu ermessen, in der er ernsthafte Berührung mit dem gesegneten Schöpfer hat. Daraus ergibt sich: Der Mensch fühlt, dass er sich in der Hand der Grausamen befindet und dass die Völker der Welt in seinem Innern kein Erbarmen mit ihm haben. Und das Hauptmaß ihrer Grausamkeit ist, dass sie ihn fragen, wie geschrieben steht: „Warum sollen die Völker sagen: ‚Wo ist denn ihr Gott?‘“ – das ist eine ketzerische Frage, mit der sie den Namen Israels in ihm auslöschen wollen, wie geschrieben steht: „Und überlasse uns nicht der Hand unserer Feinde, dass sie unseren Namen auslöschen.“
Es zeigt sich also, dass ihr Hauptanliegen darin besteht, den Glauben Israels an den Schöpfer auszureißen. Und mit solchen Behauptungen trennen sie ihn vom Schöpfer, sodass er sich nicht mit dem Schöpfer verbinden, sich dem Leben des Lebens anhaften und keinen Geschmack am spirituellen Leben spüren kann. Darum sagt er: Obwohl er jeden Tag ihren Geist der Abtrünnigkeit hört, wie geschrieben steht: „Warum sollen die Völker sagen: ‚Wo ist denn ihr Gott?‘“ – „so haben wir doch Deinen Namen nicht vergessen“, denn ich erinnere mich noch an die Anschrift, an die ich mich wenden soll.
Das heißt: Obwohl allein der Schöpfer in uns bleibt und nicht das, was im Namen liegt – denn sie bewirken bei uns, dass uns der Name bleibt, ein trockener Name ohne jeden Geschmack –, so haben wir doch trotz allem, in jedem Fall, „Deinen Namen nicht vergessen“. Darum bitten wir: „Bitte vergiss uns nicht.“ Das heißt, dass Er uns die Kraft gebe, uns Ihm anzunähern, damit wir das erlangen können, was im heiligen Namen enthalten ist.
EY, 11.07.2026, Ver5