1986/04 Chessed (Barmherzigkeit) betreffend
Über Chessed (Gnade) wird im Sohar (Lech Lecha, Blatt 128; im Sulam, Punkt 382) Folgendes gesagt: „Und wir haben gelernt: Was bewog die Schrift, ihn bis dahin nicht Abraham zu nennen? So haben wir es erklärt: Bis dahin war er nicht beschnitten, nun aber wurde er beschnitten. Und als er beschnitten war, verband er sich mit dem Hej – das ist die Shechina (göttliche Gegenwart) –, und die Shechina ruhte in ihm. Darum wurde er von da an Abraham genannt, mit einem Hej. So steht geschrieben: Dies sind die Zeugungen des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden (1. Mose 2,4). Und wir lernten: Mit einem Hej schuf Er sie (be-Hej beram). Und wir lernten ‚durch Abraham‘ – das heißt: be-hibaram (als sie geschaffen wurden) hat dieselben Buchstaben wie be-Awraham (durch Abraham). Das lehrt uns, dass die Welt um Abrahams willen geschaffen wurde.“
„Und [der Sohar] fragt: Was sagen sie? Das heißt: Warum sind sie sich in der Auslegung von be-hibaram uneinig? Und er antwortet: Dies aber ist Chessed – der eine sagt, dass be-hibaram auf Abraham deutet, also auf Chessed; denn um Chessed willen wurde die Welt geschaffen. Und der andere sagt: Dies ist die Shechina – darum sagt er: mit einem Hej schuf Er sie, also die Shechina. Und es besteht kein Einwand des einen gegen den anderen, denn alles steigt zugleich herab. Das heißt: Ist Chessed in der Welt, so ist auch die Shechina in der Welt, und ebenso umgekehrt. Darum sind die beiden Bedeutungen, Chessed und Shechina, ein und dieselbe Sache, und beides ist vorhanden. Und die Welt wurde um Chessed willen und um der Shechina willen geschaffen. Und es gilt zu verstehen, was er auslegt: be-hibaram ist be-Awraham, also Chessed – das heißt, dass die Welt um Chessed willen geschaffen wurde.“
Und es gilt zu verstehen, was es mit Chessed auf sich hat. Ist Chessed denn nicht nur eine Angelegenheit zwischen Mensch und Mitmensch? Hat der Schöpfer etwa die oberen Welten, die Welt der Engel und der Serafim, nur dafür geschaffen, dass jeder mit seinem Mitmenschen Güte übt – dass Ruben mit Simeon Güte übt und dergleichen? Was hätte der Schöpfer davon? Lässt sich so etwas behaupten? Demnach müssen wir verstehen, was jenes Chessed ist, von dem er sagte, dass die Welt um seinetwillen geschaffen wurde.
Bekanntlich besteht das Ziel der Schöpfung darin, Seinen Geschöpfen wohlzutun. Dann aber ist zu fragen: Was bedeutet es, dass man den Vers ‚Dies sind die Zeugungen des Himmels … als sie geschaffen wurden‘ (1. Mose 2,4) auf zweierlei Weise auslegt – erstens im Sinne der Shechina, zweitens im Sinne Abrahams, der Chessed ist?
Und man muss sagen: Aus dem Wort be-hibaram leiten sie nur ab, wie man zum Ziel gelangt, das ‚Seinen Geschöpfen wohltun‘ heißt. Der Sinn ist: Die Geschöpfe müssen das Gute und die Wonne in aller Vollkommenheit erlangen. Das heißt: Wenn sie das Gute und die Wonne empfangen, sollen sie keinerlei Unbehagen empfinden – das, was nahama dechisufa (Brot der Scham) genannt wird.
Und um dies zu korrigieren, geschah ein Zimzum (Einschränkung) – eine Verhüllung und Verbergung des Guten und der Wonne. So sagt der heilige ARI (zitiert in Talmud Esser haSefirot, Teil 1, Blatt 1): „Wisse: Bevor die Emanationen emaniert und die Geschöpfe geschaffen wurden, erfüllte ein einfaches oberes Licht die gesamte Wirklichkeit, und es gab keinen leeren Raum. Und als es in Seinem einfachen Willen aufstieg, die Welten zu erschaffen, um die Vollkommenheit Seiner Werke ans Licht zu bringen, da schränkte Er Sich ein.“ Soweit seine Worte.
Demnach zeigt sich: Die Verhüllung und Verbergung, die wir über dem Spirituellen sehen, bedeutet Folgendes. Zwar müssen wir glauben, dass ‚die ganze Erde voll Seiner Herrlichkeit ist‘ (Jesaja 6,3). Doch würden alle Geschöpfe der Welt die Herrlichkeit des Schöpfers spüren, wer wollte sich dann noch mit niederen Dingen abgeben, da man ja die Wichtigkeit der Herrlichkeit des Spirituellen sähe? Denn der Mensch kann sich ein Bild von dem machen, was er in der Vergangenheit erlebt hat.
Nehmen wir an, ein Mensch stellt sich die wichtigste Zeit vor, die er erlebt hat – als er spürte, wie sehr es sich lohnt, dem Spirituellen anzuhaften. Damals blickte er auf sich selbst und auf die ganze Welt und sah, wie die Zeit ohne jeden Nutzen und ohne Ziel verstreicht und man sich nur mit belanglosen Dingen abgibt. Und als er sich in jenem erhobenen Zustand befand, erschien ihm die ganze Welt wie kleine Kinder, die mit Spielzeug spielen.
So sehen wir bisweilen, wie ein kleines Kind eine Schnur nimmt und sie einem anderen über die Schulter legt und ihm sagt: ‚Du bist das Pferd, und ich halte die Zügel‘ – und beide haben ihre Freude an diesem Spiel. Sagte man aber zu den Kindern: ‚Wie könnt ihr mit unwahren Dingen spielen? Du bist doch kein Kutscher, und er ist kein Pferd‘, so würden sie sicher nicht verstehen, wovon man zu ihnen redet.
Und wenn der Mensch sich jene Zeit vor Augen führt, in der er den wichtigsten Zustand seines Lebens hatte, so erinnert er sich: Damals blickte er auf Menschen, die sich nur mit dem Körperlichen befassen, so wie ein Erwachsener auf kleine Kinder blickt, die spielen.
Was also fehlt uns, damit wir uns mit Tora und Mizwot befassen können? Nur die Enthüllung. Das heißt, dass das Gute und die Wonne, die darin verborgen liegen, offen vor uns lägen und wir sie sichtbar sähen. Wer wollte dann nicht das Gute und die Wonne? Und welcher Mensch könnte sich so erniedrigen, in einen Hühnerstall zu steigen und wie die Hühner im Mist zu picken und sich daran zu erfreuen, während er doch das Leben wie ein Mensch genießen könnte? Das heißt, dass sein Lebensunterhalt das wäre, woran Menschen sich freuen, und nicht das, woran sich Vieh und Tiere freuen. Und all dies gilt für den Augenblick, in dem er den Unterschied zwischen der Lebenskraft der Menschen und der Lebenskraft von Vieh, Tieren und Vögeln spürt.
Anders verhält es sich in der Zeit der Verbergung, in der er kein anderes Leben in der Welt sieht als das, woran er sich erfreut – das ist für ihn die Lebenskraft der ganzen Welt. Und wenn solche Menschen auf jene blicken, die auf körperliche Dinge verzichten und ein spirituelles Leben suchen, betrachten sie sie wie törichte Kinder, die keinen Verstand haben. Es ist, als gäbe man kleinen Kindern wertvolle Dinge zum Spielen, und sie werfen sie weg und nehmen sich stattdessen belanglose Dinge.
So sollte man sich an körperlichen Dingen erfreuen – und sie werfen diese weg und meinen, spirituelle Güter zu erlangen. Für sie sind die spirituellen Dinge belanglos, also Dinge ohne jeden Wert. Doch all dies rührt allein von der Verhüllung und Verbergung her, die über dem Spirituellen liegt.
Nun wollen wir die beiden Auslegungen des Wortes hibaram erklären: Die erste bedeutet Chessed, die zweite bedeutet Shechina. Und wir fragten: Lohnt es sich denn, um des Chessed willen die kommende Welt und diese Welt zu erschaffen? Doch wie wir oben erklärt haben, kann sich das Ziel der Schöpfung – Seinen Geschöpfen wohlzutun – nicht entfalten: Das Gute und die Wonne können sich nicht offenbaren, bevor die Geschöpfe um des Gebens willen empfangen können. Also gibt es keine Möglichkeit, dass das Ziel zu seiner Vollendung gelangt.
Darum muss man das, was sie aus be-hibaram ableiten, so deuten: Durch sie wird das Ziel der Schöpfung verwirklicht. Ohne sie gibt es keine Möglichkeit, dass das Ziel der Schöpfung zu seiner Vollendung gelangt. Wenn er also ‚durch Abraham‘, das heißt Chessed, auslegt, so meint er: Dadurch, dass sie sich mit der Eigenschaft des Chessed befassen, können sie zur Eigenschaft des Gebens gelangen; und von dort aus können sie später das Empfangen der Wonne erlangen, und dieses Empfangen wird dann ‚Geben‘ genannt.
Und das ist es, was er im Sulam sagt (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 172, Punkt 175), wo er den Ausspruch unserer Weisen anführt: „Bei der Erschaffung der Welt, als Er zu den Engeln sprach – Lasst uns einen Menschen machen nach unserem Bilde (1. Mose 1,26) –, da sagte Chessed: Er werde erschaffen, denn er übt Güte. Die Wahrheit aber sagte: Er werde nicht erschaffen, denn er ist ganz und gar Lüge.“
Und er erläutert dort die Worte unserer Weisen, dass Chessed sagte: ‚Er werde erschaffen‘, mit folgenden Worten: „Chessed aber sagte: Er werde erschaffen, denn er übt Güte. Denn durch die Mizwa der Werke der Barmherzigkeit, die er erfüllt und die notwendigerweise eine klar auf das Geben gerichtete Handlung ist, wird er nach und nach korrigiert, bis er sich mit allen Mizwot um des Gebens willen befassen kann. Und dann ist sicher, dass er am Ende sein Ziel erreicht, liShma zu wirken. Darum machte Chessed geltend, dass er erschaffen werden soll.“
Demnach zeigt sich: Wenn es heißt be-hibaram, so leiten sie daraus nur den Aspekt des Mittels ab, nicht den Aspekt des Ziels. Denn das Ziel der Schöpfung ist bekanntlich, Seinen Geschöpfen wohlzutun; be-hibaram aber bezeichnet die Ratschläge, wie die Geschöpfe dahin gelangen, dieses Ziel empfangen zu können – also das Gute und die Wonne empfangen zu können. Denn zwischen dem Gebenden und dem Empfangenden muss eine Angleichung der Form bestehen; und da sie einander in der Form entgegengesetzt sind, könnten sie das Gute und die Wonne niemals empfangen.
Darum legt der eine aus, dass das Mittel Chessed ist: Durch die Eigenschaft des Chessed, die jeder am anderen übt, gelangen sie zu Gefäßen des Gebens und können das Gute und die Wonne empfangen.
Und der andere legt be-hibaram als ‚Hej schuf sie‘ aus, also die Shechina. Das heißt nicht, dass er ihm widerspricht; vielmehr sagt er: ‚Mit einem Hej schuf Er sie‘ meint, dass Malchut, die der Aspekt der Shechina ist, hier in be-hibaram angedeutet ist – nämlich das kleine Hej.
Und der heilige ARI erläutert (zitiert in Shaar haKawanot – Tor der Absichten –, Blatt 23, Punkt 43): „Und dies ist das Geheimnis von be-hibaram: mit einem Hej schuf Er sie. Denn alle Geschöpfe waren in Gestalt von fünf Parzufim, sowohl in Azilut als auch in BYA (Brija, Yezira, Assija). Und dies ist das Geheimnis des kleinen Hej von Malchut de Adam Kadmon, nachdem sie am Ende ihrer sieben unteren [Sefirot] (SaT) verkleinert wurde.“
Und er erläutert dort (im Or Pashut), dass die Welt der Korrektur, ABYA genannt, aus Malchut hervorging, nachdem diese durch die Eigenschaft des Erbarmens (Rachamim) gemildert wurde, was Zimzum Bet (Zweite Einschränkung) heißt; dort fand die Verkleinerung in Malchut statt. Darum wird Malchut ‚kleines Hej‘ genannt.
Daraus geht hervor: Das Hej in be-hibaram deutet man auf die Shechina, die eine Korrektur empfangen hat, die ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens (Rachamim) mit dem Gericht (Din)‘ genannt wird. Das bedeutet Folgendes: Malchut, die Eigenschaft des Gerichts genannt wird, ist die Wurzel der Geschöpfe – nämlich das Verlangen zu empfangen. Sie ist das Gefäß, das das Ziel der Schöpfung empfangen soll, Seinen Geschöpfen wohlzutun; sie ist das Empfangsgefäß für das Gute und die Wonne – das ist der Stoff der Geschöpfe, also das Verlangen, Freude und Genuss von Ihm zu empfangen. Doch infolge der Korrektur der Angleichung der Form, wie bereits erläutert, entstand ein Gericht: Es ist verboten, dieses Empfangsgefäß zu benutzen, wenn man die Absicht nicht auf das Geben richten kann. Und dies wird ‚Zimzum und Gericht‘ genannt.
Und die Welt kann ohne diese Korrektur – das ‚Empfangen um des Gebens willen‘ – nicht bestehen; andernfalls gibt es keine Offenbarung des Überflusses für die Unteren, wegen des Zimzum und des Gerichts, die zur Korrektur der Welt geschahen. Doch wie kann man dahin gelangen, die Natur der Schöpfung, die ein Empfangen ist, zu einem Geben zu wandeln?
Damit es also möglich würde, das Empfangsgefäß so zu korrigieren, dass es um des Gebens willen empfängt, musste eine Korrektur geschehen, die ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens mit dem Gericht‘ genannt wird, wie bereits beschrieben, und die als Zimzum Bet bezeichnet wird. Ihr Wesen ist: Bina, die die Eigenschaft des Erbarmens ist und ‚Aspekt des Gebens‘ genannt wird, vermischte sich mit Malchut, die das Empfangen ist. Und durch diese Mischung – Erbarmen im Gericht – können wir mithilfe der Segula (besonderen Kraft) von Tora und Mizwot zum Geben gelangen, obwohl es unserer Natur entgegensteht.
Und diese Sache wird in der Einführung in die Weisheit der Kabbala (Pticha leChochmat haKabbala, Punkt 58) angeführt: „Und dies ist das Geheimnis dessen, was unsere Weisen sagten: Zuerst stieg es [im Gedanken des Schöpfers] auf, die Welt mit der Eigenschaft des Gerichts (Din) zu erschaffen; doch Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann, und stellte die Eigenschaft des Erbarmens voran und verband sie mit der Eigenschaft des Gerichts. Und Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann – das heißt, wie bereits erläutert: Auf diese Weise hätte der Mensch, der aus dieser vierten Stufe geschaffen werden soll, keinerlei Möglichkeit, Handlungen des Gebens zu vollbringen. Darum stellte Er die Eigenschaft des Erbarmens voran und verband sie mit der Eigenschaft des Gerichts. Durch diese Verbindung wurde auch die vierte Stufe, die die Eigenschaft des Gerichts ist, von Funken des Gebens durchdrungen, die im Gefäß der Bina sind.“
Demnach zeigt sich: Die Mittel, mit denen wir das Ziel der Schöpfung erreichen können – Seinen Geschöpfen wohlzutun –, haben wir allein dank des kleinen Hej. Denn beim Hej, das die Eigenschaft des Gerichts ist, wurde das Gericht zur Eigenschaft des Erbarmens hin verkleinert. Das bedeutet: Ein Teil des Verlangens zu empfangen wurde vermindert und nahm die Eigenschaft des Erbarmens in sich auf – wie bereits erklärt –, sodass die Empfangsgefäße in ihrer Wurzel die Eigenschaft des Gebens, ‚Erbarmen‘ genannt, in sich einschlossen.
Und damit verstehen wir, womit der Sohar schließt: dass kein Streit zwischen ihnen besteht, ‚denn alles steigt zugleich herab‘. Das heißt: Ist Chessed in der Welt, so ist auch die Shechina in der Welt, und ebenso umgekehrt. ‚Und die Welt wurde um Chessed willen und um der Shechina willen geschaffen.‘
Daraus geht hervor, dass die Auslegung folgende ist: Beide – die Eigenschaft des Chessed und der Aspekt der Shechina, die mit der Eigenschaft des Erbarmens korrigiert wurde – zielen auf ein und dasselbe. Das heißt: Durch sie sollen die Geschöpfe zum Ziel der Schöpfung gelangen, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Freude zu bereiten. Und darum heißt es: ‚Gibt es kein Chessed, so gibt es keine Shechina.‘
Das bedeutet: Gäbe es in der Welt nicht die Korrektur des Chessed – nämlich dass man durch die Eigenschaft des Chessed um des Gebens willen empfangen kann –, so gäbe es die Shechina nicht; das heißt, die Korrektur, die in Malchut geschah und ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens mit dem Gericht‘ genannt wird, nützte nichts. Da aber die Eigenschaft des Chessed in der Welt vorhanden ist, lässt sich sagen, dass Malchut mit der Eigenschaft des Chessed, also des Erbarmens, korrigiert wurde – und das hilft, zum Ziel zu gelangen.
Doch man muss verstehen, warum Malchut ‚Shechina‘ genannt wird. Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte, im Sohar heiße es: „Er ist der Wohnende (Shochen), und sie ist die Wohnstatt (Shechina).“ Das bedeutet: Der Ort, an dem der Schöpfer offenbar ist, wird Shechina genannt. Und dies nennt man das Ruhen der Shechina – das heißt, dort ist der Schöpfer offenbar.
Darum soll der Mensch immer darum beten, des Aspekts ‚Königtum des Himmels‘ (Malchut Shamajim) gewürdigt zu werden, der auch ‚Glaube‘ genannt wird. Das heißt, der Mensch soll darum beten, des Aspekts des Glaubens gewürdigt zu werden. Doch es erhebt sich eine Frage: Wenn er weiß, dass ihm der Glaube an den Schöpfer fehlt – zu wem betet er dann? Denn nur wenn er an den Schöpfer glaubt, lässt sich sagen, dass er den Schöpfer bittet, ihm das zu geben, worum er Ihn bittet.
Und dies lässt sich nach dem deuten, was in der Einführung in Talmud Esser haSefirot (Punkt 14) steht: „Wer die Tora zu seinem Handwerk macht – an seiner Beschäftigung mit der Tora zeigt sich das Maß seines Glaubens. Denn umanuto (sein Handwerk) hat dieselben Buchstaben wie emunato (sein Glaube). Es gleicht einem Menschen, der seinem Freund vertraut und ihm Geld leiht: Vielleicht vertraut er ihm für eine Lira; verlangt jener aber zwei Lira, so weigert er sich, sie ihm zu leihen. Vielleicht vertraut er ihm bis zu hundert Lira, aber nicht mehr. Vielleicht vertraut er ihm so weit, ihm die Hälfte seines Vermögens zu leihen, aber nicht sein ganzes Vermögen. Und vielleicht vertraut er ihm auch sein ganzes Vermögen an, ohne den geringsten Anflug von Furcht. Dieser letzte Glaube gilt als vollkommener Glaube. Die vorhergehenden Stufen aber gelten als unvollkommener Glaube – als teilweiser Glaube, mal geringer, mal größer.“
Wir sehen also, dass es einen teilweisen Glauben gibt. Und wenn er einen teilweisen Glauben hat, lässt sich sagen, dass der Mensch zum Schöpfer beten soll, ihm zu helfen, da er ja nur einen teilweisen Glauben hat. Darum will er, dass der Schöpfer ihm hilft, des vollkommenen Glaubens gewürdigt zu werden, wie bereits erläutert.
Und da man des vollkommenen Glaubens nicht gewürdigt werden kann, bevor man der Angleichung der Form gewürdigt wird – wie in den vorangehenden Artikeln angeführt und in der Einführung in das Buch Sohar (Blatt 138, und im Sulam dort) –, gibt es eben jene Korrekturen, wie zuvor in der Auslegung von be-hibaram dargelegt:
Erstens: Durch die Eigenschaft des Chessed gelangen die Geschöpfe zur Angleichung der Form – das ist der Aspekt Abrahams.
Zweitens: Er sagt, dass es der Aspekt des Hej ist, also die Shechina – nämlich das, was Malchut an Eigenschaft des Erbarmens in sich aufgenommen hat, wodurch die Geschöpfe zum Aspekt des Gebens gelangen. Und dann wird das Ziel der Schöpfung verwirklicht, Seinen Geschöpfen wohlzutun.
korrOp, EY, 02.08.2026, 17:03 Uhr, Ver7