Über Chessed · ענין החסד
Rabash – 1986, Artikel 4
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1 | Über Chessed (Güte) wird im Heiligen Sohar (Lech Lecha, Blatt 128; im Sulam, Punkt 382) Folgendes gesagt: „Und wir haben gelernt: Was bewog die Schrift, ihn bis dahin nicht Abraham zu nennen? So haben wir es erklärt: Bis dahin war er nicht beschnitten, nun aber wurde er beschnitten. Und als er beschnitten war, verband er sich mit dem Hej – das ist die Shechina (göttliche Gegenwart) –, und die Shechina ruhte in ihm. Darum wurde er von da an Abraham genannt, mit einem Hej. So steht geschrieben: Dies sind die Zeugungen des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden (1. Mose 2,4). Und wir lernten: Mit einem Hej schuf Er sie (be-Hej beram). Und wir lernten ‚durch Abraham‘ – das heißt: be-hibaram (als sie geschaffen wurden) hat dieselben Buchstaben wie be-Awraham (durch Abraham). Das lehrt uns, dass die Welt um Abrahams willen geschaffen wurde.“ | בענין החסד, מובא בזה"ק (לך לך דף קכ"ח, ובהסולם אות שפ"ב) וזה לשונו, "ותנא ולמדנו מה ראה הכתוב, שלא נקרא אברהם עד עתה. אלא כך ביארנו, כי עד עתה לא נמול, ועתה נמול. וכשנמול, נתחבר בה', זו שהיא השכינה, והשכינה שרתה בו. על כן נקרא אז אברהם עם "ה". והיינו שכתוב, אלה תולדות השמים וארץ בהבראם. ולמדנו ב"ה" בראם. ולמדנו באברהם, כלומר שבהבראם אותיות באברהם. ללמדנו, שבשביל אברהם נברא העולם. | Im Heiligen Sohar[1] steht über Chessed (Barmherzigkeit) geschrieben: „Warum wurde er bis jetzt nicht Abraham genannt? Die Erklärung ist, dass er bisher nicht beschnitten war, und jetzt wurde er beschnitten. Sobald er beschnitten war, verband er sich mit dem Buchstaben Hej, welcher die Shechina (Göttliche Gegenwart) ist, und die Shechina war in ihm. Deshalb wird er jetzt Abraham genannt, mit einem Hej. Es steht geschrieben: ‚Dies sind die Generationen des Himmels und der Erde, als sie erschaffen wurden.‘ Wir haben gelernt, dass Er sie mit einem Hej erschaffen hat. Wir lernten, BeHibaram (als sie geschaffen wurden) hat die Buchstaben von Be Awraham (in Abraham). Das bedeutet, dass die Welt für Abraham erschaffen wurde. |
2 | „Und [der Sohar] fragt: Was sagen sie? Das heißt: Warum sind sie sich in der Auslegung von be-hibaram uneinig? Und er antwortet: Dies aber ist Chessed – der eine sagt, dass be-hibaram auf Abraham deutet, also auf Chessed; denn um Chessed willen wurde die Welt geschaffen. Und der andere sagt: Dies ist die Shechina – darum sagt er: mit einem Hej schuf Er sie, also die Shechina. Und es besteht kein Einwand des einen gegen den anderen, denn alles steigt zugleich herab. Das heißt: Ist Chessed in der Welt, so ist auch die Shechina in der Welt, und ebenso umgekehrt. Darum sind die beiden Bedeutungen, Chessed und Shechina, ein und dieselbe Sache, und beides ist vorhanden. Und die Welt wurde um Chessed willen und um der Shechina willen geschaffen. Und es gilt zu verstehen, was er auslegt: be-hibaram ist be-Awraham, also Chessed – das heißt, dass die Welt um Chessed willen geschaffen wurde.“ | ושואל, מה הם אומרים. כלומר, למה חולקים זה על זה בפירוש בהבראם. ומשיב, אלא דא חסד [אלא זה חסד], זה שאומר, שבהבראם רומז לאברהם, היינו חסד, שבשביל חסד נברא העולם. ודא שכינתא [וזו היא השכינה]. וזהו שאומר ב"ה" בראם, היינו השכינה. ואין קושיא מאחד על חבירו, כי הכל יורד ביחד. כלומר, אם החסד בעולם, גם השכינה בעולם. וכן להיפך. ועל כן ב' המשמעויות, חסד ושכינה, ענין אחד הוא. והאי והאי הוי [וזה וזה נמצא]. והעולם נברא בשביל החסד ובשביל השכינה. ויש להבין במה שהוא מפרש, בהבראם, באברהם, שהוא חסד. היינו, שבשביל חסד נברא העולם". | „Er fragt: ‚Was sagen sie?‘ Das heißt, ‚Warum sind sie sich bei der Auslegung von BeHibaram uneinig?‘ Er antwortet: ‚Es ist Chessed.‘ Er sagt, dass BeHibaram Awraham beinhaltet, der Chessed ist, und die Welt (die Shechina) wurde für Chessed erschaffen. Deshalb sagt er, dass er sie mit einem Hej, also der Shechina, erschaffen hat.“ „Aber das eine widerspricht nicht dem anderen, weil alles zusammen herabkommt. Das heißt, wenn es Chessed in der Welt gibt, dann gibt es auch die Shechina in der Welt, und umgekehrt. Daher sind die beiden Bedeutungen – Chessed und Shechina – ein und dasselbe, und die Welt wurde für Chessed und für die Shechina erschaffen. Wir sollten verstehen, warum er interpretiert, dass BeHibaram Be Abraham bedeutet, was Chessed ist. Das bedeutet, dass die Welt für Chessed erschaffen wurde.“ |
3 | Und es gilt, die Sache des Chessed zu verstehen. Ist Chessed denn nicht nur eine Angelegenheit zwischen Mensch und Mitmensch? Hat der Schöpfer etwa die oberen Welten, die Welt der Engel und der Serafim, nur dafür geschaffen, dass jeder mit seinem Mitmenschen Güte übt – dass Ruben mit Simeon Güte übt und dergleichen? Was hätte der Schöpfer davon? Lässt sich so etwas behaupten? Demnach müssen wir verstehen, was jenes Chessed ist, von dem er sagte, dass die Welt um seinetwillen geschaffen wurde. | ויש להבין בענין החסד. הלא זה הוא רק ענין ששייך לבין אדם לחברו. וכי כדי שכל אחד יעשה חסד עם חבירו, ברא הקב"ה את העולמות העליונים, ועולם המלאכים, והשרפים. והכל בכדי שראובן יעשה חסד עם שמעון, וכדומה. מה יהיה להקב"ה מזה. היתכן לומר דבר כזה. ולפי זה צריכים להבין מהו חסד, שאמר, שבשביל חסד נברא העולם. | Wir sollten die Angelegenheit von Chessed verstehen. Betrifft es nicht nur das, was sich zwischen Mensch und Mensch befindet? Hat der Schöpfer die Höheren Welten – die Welt der Engel und der Serafim – nur erschaffen, damit jeder mit seinem Freund barmherzig umgeht, damit Ruben mit Shimon barmherzig ist? Was hat der Schöpfer davon? Kann man so etwas sagen? Deshalb müssen wir verstehen, was Chessed (Barmherzigkeit) ist, denn er sagte, dass die Welt für Chessed erschaffen wurde. |
4 | Es ist bekannt, dass das Ziel der Schöpfung darin besteht, Seinen Geschöpfen wohlzutun. Dann aber ist zu fragen: Was bedeutet es, dass man den Vers ‚Dies sind die Zeugungen des Himmels … als sie geschaffen wurden‘ (1. Mose 2,4) auf zweierlei Weise auslegt – erstens im Sinne der Shechina, zweitens im Sinne Abrahams, der Chessed ist? | זה ידוע, שמטרת הבריאה היא להטיב לנבראיו. אם כן יש לשאול, מה הוא שאומרים על הכתוב, "אלה תולדות שמים בהבראם", שתי מיני דרשות: א' מטעם שכינתא, וב' מטעם אברהם, שהוא חסד. | Es ist bekannt, dass der Zweck der Schöpfung darin besteht, seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Deshalb sollten wir fragen: „Warum gibt es zwei Erklärungen zu dem Vers: ‚Dies sind die Generationen des Himmels … als sie erschaffen wurden'“, eine aufgrund der Shechina und die andere wegen Abraham, der Chessed ist? |
5 | Und man muss sagen: Aus dem Wort be-hibaram leiten sie nur ab, wie man zum Ziel gelangt, das ‚Seinen Geschöpfen wohltun‘ heißt. Der Sinn ist: Die Geschöpfe müssen das Gute und die Wonne in aller Vollkommenheit erlangen. Das heißt: Wenn sie das Gute und die Wonne empfangen, sollen sie keinerlei Unbehagen empfinden – das, was nahama dechisufa (Brot der Scham) genannt wird. | וצריכים לומר, שמהכתוב "בהבראם" הם דורשים רק איך להגיע להמטרה, הנקראת להטיב לנבראיו. שהמשמעות היא, שהנבראים צריכים להגיע לידי השגת טוב ועונג עם כל השלימות. זאת אומרת, שבזמן שיקבלו טוב ועונג, לא ירגישו שום אי נעימות, הנקרא נהמא דכסופא [לחם בזיון]. | Wir sollten sagen, dass der Vers „Als sie erschaffen wurden“ nur erklärt, wie das Ziel zu erreichen ist, das da heißt: „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Das bedeutet, dass die Geschöpfe die vollkommene Freude und den Genuss erlangen müssen. Wenn sie Freude und Genuss erhalten, werden sie nichts Unangenehmes empfinden, das „Brot der Scham“ genannt wird. |
6 | Und um dies zu korrigieren, geschah ein Zimzum (Einschränkung) – eine Verhüllung und Verbergung des Guten und der Wonne. So sagt der heilige ARI (zitiert in Talmud Eser Sefirot, Teil 1, Blatt 1): „Wisse: Bevor die Emanationen emaniert und die Geschöpfe geschaffen wurden, erfüllte ein einfaches oberes Licht die gesamte Wirklichkeit, und es gab keinen leeren Raum. Und als es in Seinem einfachen Willen aufstieg, die Welten zu erschaffen, um die Vollkommenheit Seiner Werke ans Licht zu bringen, da schränkte Er Sich ein.“ Soweit seine Worte. | ובכדי לתקן את זה, נעשה צמצום, שהוא העלם והסתר על הטוב ועונג. כמו שאומר האר"י הקדוש (מובא בתע"ס חלק א' דף א') וזה לשונו, "דע, כי שנאצלו הנאצלים ונבראו הנבראים, היה אור עליון פשוט ממלא כל המציאות. ולא היה שום מקום פנוי. וכאשר עלה ברצונו הפשוט לברוא העולמות, להוציא לאור שלימות פעולותיו וכו', והנה אז צמצם את עצמו". עכ"ל. | Um dies zu korrigieren, gab es den Zimzum (Einschränkung), der eine Verhüllung der Freude und des Genusses ist. Wie der heilige ARI sagt[2]: „Wisse, bevor die Emanationen emaniert und die Geschöpfe erschaffen wurden, gab es nur das Einfache Höhere Licht, welches die ganze Wirklichkeit ausfüllte. Und es gab keinen leeren Raum. …Und als in Seinem einfachen Willen der Wunsch wach wurde, die Welten zu erschaffen…Und dabei die Perfektion Seiner Taten zum Vorschein zu bringen…sodann schränkte sich die Unendlichkeit ein.“ |
7 | Demnach zeigt sich: Die Verhüllung und Verbergung, die wir über dem Spirituellen sehen, bedeutet Folgendes. Zwar müssen wir glauben, dass ‚die ganze Erde voll Seiner Herrlichkeit ist‘ (Jesaja 6,3). Doch würden alle Geschöpfe der Welt die Herrlichkeit des Schöpfers spüren, wer wollte sich dann noch mit niederen Dingen abgeben, da man ja die Wichtigkeit der Herrlichkeit des Spirituellen sähe? Denn der Mensch kann sich ein Bild von dem machen, was er in der Vergangenheit erlebt hat. | נמצא לפי זה, שההעלם וההסתר, שאנו רואים על הרוחניות, זאת אומרת, הגם שאנו צריכים להאמין ב"מלוא כל הארץ כבודו", אבל אם כל העולם הנבראים היו מרגישים את כבוד ה', מי היה אז רוצה לעסוק בדברים שפלים, בזמן שרואים את החשיבות של כבוד הרוחניות. כי אדם יכול לקבל לעצמו תמונה ממה שהיה לו מהעבר. | Die Verhüllung, die wir in Bezug auf die Spiritualität sehen, bedeutet daher, dass wir dennoch glauben sollten, dass „die ganze Erde voll Seiner Herrlichkeit ist“; aber würden alle Geschöpfe in der Welt die Herrlichkeit des Schöpfers spüren, wer würde sich dann noch mit niederen Dingen beschäftigen wollen, wenn er die Wichtigkeit der Herrlichkeit der Spiritualität sieht? Schließlich kann ein Mensch ein Abbild dessen erhalten, was er in der Vergangenheit hatte. |
8 | Nehmen wir an, ein Mensch stellt sich die wichtigste Zeit vor, die er erlebt hat – als er spürte, wie sehr es sich lohnt, dem Spirituellen anzuhaften. Damals blickte er auf sich selbst und auf die ganze Welt und sah, wie die Zeit ohne jeden Nutzen und ohne Ziel verstreicht und man sich nur mit belanglosen Dingen abgibt. Und als er sich in jenem erhobenen Zustand befand, erschien ihm die ganze Welt wie kleine Kinder, die mit Spielzeug spielen. | נגיד שאדם ידמה לעצמו, שהזמן הכי חשוב שהיה אצלו, שהיה מרגיש איך שכדאי להיות דבוק ברוחניות. והיה מסתכל על עצמו, וכן על כל העולם כולו, איך שהזמן עובר בלי שום תועלת ומטרה, ורק עוסק בדברים של מה בכך. וכשהוא היה אז במצב מרומם, היה כל העולם בעיניו כמו ילדים קטנים, שמשחקים בצעצועים. | Ein Beispiel: Für einen Menschen war seine wichtigste Zeit jene, als er spürte, dass es sich lohnt, der Spiritualität anzuhaften. Vorher betrachtete er sich selbst und die ganze Welt so, als würde die Zeit ziellos und sinnlos vergehen und er sich nur mit Nichtigkeiten beschäftigen. Später, als er in Hochstimmung kam, erschien ihm die Welt voller kleiner Kinder, die mit Spielzeug spielen. |
9 | So sehen wir bisweilen, wie ein kleines Kind eine Schnur nimmt und sie einem anderen über die Schulter legt und ihm sagt: ‚Du bist das Pferd, und ich halte die Zügel‘ – und beide haben ihre Freude an diesem Spiel. Sagte man aber zu den Kindern: ‚Wie könnt ihr mit unwahren Dingen spielen? Du bist doch kein Kutscher, und er ist kein Pferd‘, so würden sie sicher nicht verstehen, wovon man zu ihnen redet. | כמו שאנו רואים, לפעמים ילד קטן לוקח חבל ושם על הכתף של השני. והוא אומר לו, אתה תהיה סוס ואני מוליך את המושכות, שאז שניהם נהנים מהמשחק הזה. ואם נאמר להילדים, איך אתם משחקים בדברי שקר, הלא אתה לא עגלון והוא לא סוס, בטח שהם לא יבינו מה שמדברים אליהם. | Manchmal sehen wir auch, wie ein Kind einem anderen ein Seil über die Schulter legt und sagt: „Du bist das Pferd und ich ziehe an den Zügeln.“ Dieses Spiel macht beiden Spaß. Und wenn wir die Kinder fragen: „Warum spielt ihr mit unechten Dingen? Du bist kein Wagenlenker und er ist kein Pferd“, werden sie uns nicht verstehen, was wir ihnen damit sagen wollen. |
10 | Und wenn der Mensch sich jene Zeit vor Augen führt, in der er den wichtigsten Zustand seines Lebens hatte: Damals blickte er auf Menschen, die sich nur mit dem Körperlichen befassen, so wie ein Erwachsener auf kleine Kinder blickt, die spielen. | והאדם, כשהוא עושה לו ציור, מזמן שהיה לו המצב הכי חשוב בחיים, כשהיה מסתכל על אנשים, איך שהם עוסקים רק בגשמיות, היה מסתכל עליהם כמו שאיש מבוגר מסתכל על ילדים קטנים, איך שהם משחקים. | Wenn ein Mensch die Zeit beschreibt, in der er den wichtigsten Zustand im Leben hatte, sah er, dass sich die Menschen nur mit dem Körperlichen beschäftigten, wie ein Erwachsener, der Kindern beim Spielen zusieht. |
11 | Was also fehlt uns, damit wir uns mit Tora und Mizwot befassen können? Nur die Enthüllung. Das heißt, dass das Gute und die Wonne, die darin verborgen liegen, offen vor uns lägen und wir sie sichtbar sähen. Wer wollte dann nicht das Gute und die Wonne? Und welcher Mensch könnte sich so erniedrigen, in einen Hühnerstall zu steigen und wie die Hühner im Mist zu picken und sich daran zu erfreuen, während er doch das Leben wie ein Mensch genießen könnte? Das heißt, dass sein Lebensunterhalt das wäre, woran Menschen sich freuen, und nicht das, woran sich Vieh und Tiere freuen. Und all dies gilt für den Augenblick, in dem er den Unterschied zwischen der Lebenskraft der Menschen und der Lebenskraft von Vieh, Tieren und Vögeln spürt. | אי לזאת, מה חסר לנו, בכדי שנוכל לעסוק בתורה ומצות. רק הגילוי. היינו, שיהא גלוי לפנינו את הטוב והעונג, הנמצאים גנוזים בהם. שנראה אותם בגלוי. ואז, מי לא רוצה טוב ועונג. ומי האדם שיכול להשפיל את עצמו, ולהכנס ללול של תרנגולים, ולנקור באשפה כמוהם, ולהיות שמח ועליז מזה, בזמן שהוא יכול להנות מהחיים כמו בן אדם. זאת אומרת, שהפרנסה שלו תהיה מה שמשמחים אנשים, ולא ממה שמשמחים בהמות וחיות. וזה הכל נאמר בזמן שהוא מרגיש את ההפרש שבין הַחַיּוּת של אנשים, לבין הַחַיּוּת של בהמות, וחיות, ועופות. | Daraus folgt, dass alles, was wir brauchen, um uns mit der Tora und den Mizwot (Geboten) beschäftigen zu können, die Enthüllung ist. Das heißt, die Freude und der Genuss, die in ihnen verborgen sind, müssen enthüllt werden, damit wir sie offensichtlich sehen können. Wer würde dann nicht Freude und Genuss wollen? Wer könnte sich selbst erniedrigen und wie ein Huhn im Hühnerstall in Abfällen picken und dabei glücklich und zufrieden sein, wenn er stattdessen das Leben eines Menschen genießen könnte? Er will essen, was den Menschen erfreut und nicht, was Tieren Genuss bereitet. Dies wird gesagt, wenn er den Unterschied zwischen der Lebenskraft der Menschen und der Lebenskraft der Tiere und des Geflügels spürt. |
12 | Anders verhält es sich in der Zeit der Verbergung, in der er kein anderes Leben in der Welt sieht als das, woran er sich erfreut – das ist für ihn die Lebenskraft der ganzen Welt. Und wenn solche Menschen auf jene blicken, die auf körperliche Dinge verzichten und ein spirituelles Leben suchen, betrachten sie sie wie törichte Kinder, die keinen Verstand haben. Es ist, als gäbe man kleinen Kindern wertvolle Dinge zum Spielen, und sie werfen sie weg und nehmen sich stattdessen belanglose Dinge. | מה שאין כן בזמן ההסתרה, שהוא לא רואה חיים אחרים בעולם, רק ממה שהוא נהנה, זהו החיות של כל העולם. וכשהם מסתכלים על אנשים, שהם מוותרים על ענינים גשמיים ומחפשים חיים רוחניים, הם מסתכלים עליהם כמו על ילדים טפשים, שאין להם שום שכל. שנותנים לילדים קטנים לשחק עם דברים חשובים, והם זורקים אותם ולוקחים במקומם דברים של מה בכך. | Aber während der Verhüllung sieht er kein anderes Leben in der Welt, als das, dessen er sich erfreut und das die Lebenskraft der ganzen Welt ist. Und andere Menschen, die auf körperliche Dinge verzichten, um ein spirituelles Leben zu suchen, sieht er als dumme, geistlose Kinder an. Kleinen Kindern wird erlaubt, mit wichtigen Dingen zu spielen, doch sie werfen sie weg und nehmen sich stattdessen bedeutungslose Dinge. |
13 | So sollte man sich an körperlichen Dingen erfreuen – und sie werfen diese weg und meinen, spirituelle Güter zu erlangen. Für sie sind die spirituellen Dinge belanglos, also Dinge ohne jeden Wert. Doch all dies rührt allein von der Verhüllung und Verbergung her, die über dem Spirituellen liegt. | כך יש להנות מדברים גשמיים, והם זורקים אותם וחושבים להשיג קניינים רוחניים. ואצלם הדברים רוחניים, הם דברים של מה בכך, היינו דברים שאין להם שום ערך. אבל הכל הוא בגלל ההעלם וההסתר שיש על הרוחניות. | So ist es auch bei Ihnen: Obwohl sie sich an körperlichen Dingen erfreuen könnten, werfen sie diese weg und denken darüber nach, spirituelle Besitztümer zu erlangen. Für sie sind die spirituellen Dinge auch bedeutungslos, also Dinge, die keinen Wert haben. Aber das ist allein das Ergebnis der Verhüllung der Spiritualität. |
14 | Nun wollen wir die beiden Auslegungen des Wortes hibaram erklären: Die erste bedeutet Chessed, die zweite bedeutet Shechina. Und wir fragten: Lohnt es sich denn, um des Chessed willen die kommende Welt und diese Welt zu erschaffen? Doch wie wir oben erklärt haben, kann sich das Ziel der Schöpfung – Seinen Geschöpfen wohlzutun – nicht entfalten: Das Gute und die Wonne können sich nicht offenbaren, bevor die Geschöpfe um des Gebens willen empfangen können. Also gibt es keine Möglichkeit, dass das Ziel zu seiner Vollendung gelangt. | ועתה נבאר את הב' פירושים במילת "הבראם", שא' פירושו חסד, והב' הוא פירושו שכינה. ושאלנו, וכי בשביל חסד כדאי לברוא עולם הבא ועולם הזה. אבל כפי שביארנו לעיל, שמטרת הבריאה, שהיא להטיב לנבראיו, אי אפשר שיתגלה הטוב והעונג מטרם שיוכלו לקבל בעמ"נ להשפיע, אם כן אין מקום שתוכל המטרה להגיע לשלימותה. | Nun werden wir die beiden Interpretationen des Wortes Hibaram (als sie erschaffen wurden) erklären, wobei die erste Chessed und die zweite Shechina bedeutet. Wir fragen: „Lohnt es sich, die nächste Welt und diese Welt für Chessed zu erschaffen?“ Wie wir oben erklärten, können gemäß dem Zweck der Schöpfung, der darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, die Freude und der Genuss nicht offenbart werden, solange sie nicht empfangen können, um zu geben. Daher ist es unmöglich, das Ziel in seiner Vollkommenheit zu erreichen. |
15 | Darum muss man das, was sie aus be-hibaram ableiten, so deuten: Durch sie wird das Ziel der Schöpfung verwirklicht. Ohne sie gibt es keine Möglichkeit, dass das Ziel der Schöpfung zu seiner Vollendung gelangt. Wenn er also ‚durch Abraham‘, das heißt Chessed, auslegt, so meint er: Dadurch, dass sie sich mit der Eigenschaft des Chessed befassen, können sie zur Eigenschaft des Gebens gelangen; und von dort aus können sie später das Empfangen der Wonne empfangen, und dieses Empfangen wird dann ‚Geben‘ genannt. | לכן צריכים לפרש את מה שדורשים "בהבראם", היינו שעל ידם יקיימו המטרה של הבריאה. ובלעדם אין מקום שיכולה לבוא מטרת הבריאה על שלימותה. לכן זה שפירש "באברהם" היינו חסד, הוא, שע"י שהם יתעסקו במידת החסד, הם יכולים לבוא לידי מידת השפעה, שמזה יוכלו אח"כ לקבל קבלת התענוג, והקבלה הזו תהיה נקראת השפעה. | Deshalb müssen wir erklären, was über BeHibaram gesagt wird; es bedeutet, dass sie dadurch den Zweck der Schöpfung erfüllen werden und dass es ohne unmöglich ist, diesen in seiner Vollkommenheit zu erreichen. Deshalb besagt die Interpretation, dass Be Awraham (in Abraham) Chessed ist und sie durch die Beschäftigung mit der Eigenschaft von Chessed die Eigenschaft des Gebens erreichen können, wonach sie in der Lage sein werden, den Genuss zu empfangen. Dieses Empfangen wird als Geben betrachtet. |
16 | Und das ist es, was er im Sulam sagt (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 172, Punkt 175), wo er den Ausspruch unserer Weisen anführt: „Bei der Erschaffung der Welt, als Er zu den Engeln sprach – Lasst uns einen Menschen machen nach unserem Bilde (1. Mose 1,26) –, da sagte Chessed: Er wird erschaffen, denn er übt Güte. Die Wahrheit aber sagte: Er wird nicht erschaffen, denn er ist ganz und gar Lüge.“ | וזהו כמו שאומר בהסולם (הקדמת ספר הזהר דף קע"ב אות קע"ה), שמביא את מאמר חז"ל וזה לשונו, "שבעת בריאת העולם, כשאמר למלאכים, נעשה אדם בצלמנו, הנה חסד אמר, יברא, מפני שהוא גומל חסדים. אמת אמר, אל יברא, מפני שכולו שקרים". | Es ist so, wie er im Sulam[3] sagt, wo er die Worte unserer Weisen anführt: „Als Er bei der Erschaffung der Welt zu den Engeln sagte: ‚Lasst uns den Menschen nach unserem Bilde machen‘, sagte Chessed: ‚Lass uns ihn erschaffen, denn er handelt barmherzig.‘ Die Wahrheit sagte: ‚Lass uns ihn nicht erschaffen, weil für ihn alles Lüge ist.'“ |
17 | Und er erläutert dort die Worte unserer Weisen, dass Chessed sagte, er wird erschaffen, mit folgenden Worten: „Chessed aber sagte, er wird erschaffen, denn er übt Güte. Denn durch das Gebot des Gütigseins, das er erfüllt und das notwendigerweise eine klar auf das Geben gerichtete Handlung ist, wird er nach und nach korrigiert, bis er sich mit allen Mizwot um des Gebens willen befassen kann. Und dann ist sicher, dass er am Ende sein Ziel erreicht, liShma (um Ihretwillen) zu wirken. Darum machte Chessed geltend, dass er erschaffen werden soll.“ | ומפרש שם את דברי חז"ל שמה, "שחסד אמר, יברא". וזה לשונו, "אבל חסד אמר, יברא, מפני שהוא גומל חסד, כי מצות גמילות חסדים, שעושה, שהוא בהכרח מעשה מבוררת להשפיע, הנה על ידה נמצא מתתקן לאט לאט, עד שיוכל לעסוק בכל המצות על מנת להשפיע. ואם כן הוא בטוח בסופו להגיע למטרתו לעסוק לשמה. ועל כן טען החסד, שיש לבראו". | Er interpretiert dort die Worte unserer Weisen, dass Chessed sagte: „Lass uns ihn erschaffen.“ „Aber Chessed sagte: ‚Lass uns ihn erschaffen, weil er barmherzig handelt‘, denn die Mizwa (Gebot), Gutes zu tun, ist zwangsläufig eine reine Handlung des Gebens, durch die er allmählich korrigiert wird, bis er sich mit allen Mizwot (Geboten) beschäftigen kann, um zu geben. So ist sichergestellt, dass er schließlich sein Ziel erreicht, in liShma (für Ihren Namen) einzutreten. Darum argumentierte Chessed dafür, ihn zu erschaffen.“ |
18 | Demnach zeigt sich: Wenn es heißt be-hibaram, so leiten sie daraus nur den Aspekt des Mittels ab, nicht den Aspekt des Ziels. Denn das Ziel der Schöpfung ist bekanntlich, Seinen Geschöpfen wohlzutun; be-hibaram aber bezeichnet die Ratschläge, wie die Geschöpfe dahin gelangen, dieses Ziel empfangen zu können – also das Gute und die Wonne empfangen zu können. Denn zwischen dem Gebenden und dem Empfangenden muss Gleichheit der Form bestehen; und da sie einander in der Form entgegengesetzt sind, könnten sie das Gute und die Wonne niemals empfangen. | נמצא לפי הנ"ל, שמה שאומרים "בהבראם", פירושו שמ"הבראם" דורשים רק לבחינת אמצעי, ולא לבחינת מטרה, כידוע שמטרת הבריאה היא להטיב לנבראיו, אלא עצות איך להגיע שהנבראים יוכלו לקבל את המטרה, היינו שיוכלו לקבל את הטוב והעונג. היות שמוכרחה להיות השתוות הצורה בין המשפיע להמקבל, והיות שהם בהפכיות הצורה, אין אף פעם שתהיה להם היכולת לקבל את הטוב והעונג. | Daraus folgt, dass die Äußerung BeHibaram bedeutet, dass Hibaram nur als Mittel, nicht aber als Ziel benötigt wird, da es bekanntlich der Zweck der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Vielmehr ist es ein Ratschlag, wie die Geschöpfe das Ziel erreichen können, also Freude und Genuss empfangen können. Denn zwischen dem Gebenden und dem Empfangenden muss eine Gleichheit der Form bestehen, und da sie in ihrer Form entgegengesetzt sind, werden sie niemals Freude und Genuss empfangen können. |
19 | Darum legt der eine aus, dass das Mittel Chessed ist: Durch die Eigenschaft des Chessed, die jeder am anderen übt, gelangen sie zu Gefäßen des Gebens und können das Gute und die Wonne empfangen. | לכן אחד דורש שהאמצעי הוא חסד, שעל ידי מידת החסד, שכל אחד עושה עם השני, ע"י זה יזכו לכלים דהשפעה, ויוכלו לקבל את הטוב והעונג. | Deshalb sagt der eine, dass Chessed das Mittel ist. Durch die Eigenschaft von Chessed, werden sie mit Gefäßen des Gebens belohnt und können Freude und Genuss empfangen. |
20 | Und der andere legt be-hibaram als ‚Hej schuf sie‘ aus, also die Shechina. Das heißt nicht, dass er ihm widerspricht; vielmehr sagt er: ‚Mit einem Hej schuf Er sie‘ meint, dass Malchut, die der Aspekt der Shechina ist, hier in be-hibaram angedeutet ist – nämlich das kleine Hej. | ואחד דורש "בהבראם", "ה' בראם", היינו השכינה. אין הפירוש שהוא חולק עליו, אלא שהוא אומר, "בה' בראם", הכוונה שמלכות, שהיא בחינת שכינה, נרמזת כאן "בהבראם", היינו ה' זעירא. | Der andere sagt, dass es BeHibaram ist, was Hej Beraam bedeutet, nämlich die Shechina. Das heißt nicht, dass er ihm widerspricht, aber wenn er sagt, dass Er sie mit einem Hej erschaffen hat, bedeutet das, dass Malchut, welche die Shechina ist, hier in BeHibaram enthalten ist, also ein kleines Hej. |
21 | Und der heilige ARI erläutert (zitiert in Shaar haKawanot – Tor der Absichten –, Blatt 23, Punkt 43): „Und dies ist das Geheimnis von be-hibaram: mit einem Hej schuf Er sie. Denn alle Geschöpfe waren in Gestalt von fünf Parzufim, sowohl in Azilut als auch in BYA (Brija, Yezira, Assija). Und dies ist das Geheimnis des kleinen Hej von Malchut de Adam Kadmon, nachdem es am Ende ihrer sieben unteren [Sefirot] (SaT) verkleinert wurde.“ | ומפרש האר"י הקדוש (מובא בבית שער הכוונות דף כ"ג אות מ"ג) וזה לשונו, "וזה סוד בהבראם, ב"ה" בראם, כי כל הנבראים היו בחינת ה' פרצופים, הן באצילות והן בבי"ע. וזה סוד ה' זעירא דמלכות דא"ק, אחר שנתמעטה בסוף ז"ת שלה". | Der heilige ARI interpretiert[4]: „Das ist die Bedeutung von BeHibaram, BeHej Beram (Er erschuf sie mit Hej), da alle Geschöpfe fünf Parzufim waren, sowohl in Azilut als auch in BYA. Das ist die Bedeutung des kleinen Hej von Malchut de AK, nachdem sie am Ende ihrer SaT verkleinert wurde.“ |
22 | Und er erläutert dort (im Or Pashut), dass die Welt der Korrektur, ABYA genannt, aus einer anderen Malchut hervorging – aus jener, die durch die Eigenschaft des Erbarmens (Rachamim) gemildert wurde, was Zimzum Bet (Zweite Einschränkung) heißt; dort fand die Verkleinerung in Malchut statt. Darum wird Malchut ‚kleines Hej‘ genannt. | ומפרש שם (באור פשוט), שעולם התיקון הנקרא אבי"ע, יצאו ממלכות אחר, שנמתקה במידת הרחמים, הנקרא צמצום ב', ששם היה המיעוט במלכות. לכן נקראת מלכות ה' זעירא. | Er interpretiert dort (in Or Pashut), dass die Welt der Korrektur, genannt ABYA, aus einer anderen Malchut entstanden ist, die durch die Eigenschaft von Rachamim (Barmherzigkeit), genannt Zimzum Bet (Zweite Einschränkung), vermindert wurde, wo es eine Verkleinerung in Malchut gab. Deshalb wird Malchut auch „kleines Hej“ genannt. |
23 | Daraus geht hervor: Das Hej in be-hibaram, das man auf die Shechina deutet, bezeichnet jene, die eine Korrektur empfangen hat, die ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens (Rachamim) mit dem Gericht (Din)‘ genannt wird. Das bedeutet Folgendes: Malchut, die Eigenschaft des Gerichts genannt wird, ist die Wurzel der Geschöpfe – nämlich das Verlangen zu empfangen. Sie ist das Gefäß, das das Ziel der Schöpfung empfangen soll, Seinen Geschöpfen wohlzutun; sie ist das Empfangsgefäß für das Gute und die Wonne – das ist der Stoff der Geschöpfe, also das Verlangen, Freude und Genuss von Ihm zu empfangen. Doch infolge der Korrektur der Gleichheit der Form, wie oben, entstand ein Gericht: Es ist verboten, dieses Empfangsgefäß zu benutzen, wenn man die Absicht nicht auf das Geben richten kann. Und dies wird ‚Zimzum und Gericht (Din)‘ genannt. | משמע מכאן, שענין ה' ש"בהבראם", שמפרשים, שהכוונה על השכינה שקבלה תיקון, המכונה שיתוף מידת הרחמים בדין, שפירושו הוא, שמלכות הנקרא מידת הדין, שהיא שורש הנבראים, שהוא הרצון לקבל, שהיא הכלי הצריכה לקבל את המטרה של הבריאה, שהיא להטיב לנבראיו, והיא הכלי קבלה להטוב ועונג, שזהו חומר הנבראים, היינו הרצון לקבל הנאה ותענוג ממנו יתברך, אלא מסיבת תיקון של השתוות הצורה כנ"ל, נעשה דין, שאסור להשתמש עם כלי קבלה זו, אם לא יכול לכוון בעל מנת להשפיע. וזה נקרא בשם צמצום ודין. | Das bedeutet, dass Hej in BeHibaram so interpretiert wird, dass es sich auf die Shechina bezieht, die die Korrektur erhielt, die „die Verbindung der Eigenschaft von Rachamim (Barmherzigkeit) mit Din (Gerichts-Urteil)“ genannt wird. Das bedeutet, dass Malchut, genannt „Eigenschaft von Din„, die Wurzel der Geschöpfe ist, nämlich der Wille zu empfangen, das Kli (Gefäß), das den Zweck der Schöpfung empfangen muss (Seinen Geschöpfen Gutes zu tun). Außerdem ist sie das Gefäß des Empfangens der Freude und des Genusses, welches die Substanz der Geschöpfe ist, das heißt der Wunsch, Freude und Genuss von Ihm zu empfangen. Aber aufgrund der Korrektur der Gleichheit der Form gab es ein Urteil (Din), dass dieses Gefäß des Empfangens nicht benutzt werden darf, wenn es nicht auf das Geben ausgerichtet sein kann. Dies wird „Einschränkung und Urteil“ genannt. |
24 | Und da die Welt ohne diese Korrektur – das ‚Empfangen um des Gebens willen‘ – nicht bestehen kann, gibt es andernfalls keine Offenbarung des Überflusses (Schefa) für die Unteren, wegen des Zimzum und des Gerichts, die zur Korrektur der Welt geschahen. Doch wie kann man dahin gelangen, die Natur der Schöpfung, die ein Empfangen ist, zu einem Geben zu wandeln? | והיות שאין קיום העולם בלי תיקון זה, הנקרא מקבל בעל מנת להשפיע, אחרת אין שום גילוי שפע לתחתונים, מחמת הצמצום והדין, שנעשה לצורך תיקון העולם. אבל איך יכולים להגיע לשנות את טבע הבריאה, שהוא בחינת מקבל, להיות משפיע. | Die Welt kann ohne diese Korrektur, die „Empfangen, um zu geben“ genannt wird, nicht existieren, da sonst aufgrund der Einschränkung (Zimzum) und des Urteils (Din), die zum Zweck der Korrektur der Welt gemacht wurden, keine Enthüllung der Fülle für die Unteren stattfindet. Wie ist es aber möglich, die Natur der Schöpfung, die das Empfangen ist, in eine Natur des Gebens zu ändern? |
25 | Damit es also möglich würde, das Empfangsgefäß so zu korrigieren, dass es um des Gebens willen empfängt, musste eine Korrektur geschehen, die ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens mit dem Gericht‘ genannt wird, wie oben – die als Zimzum Bet bezeichnet wird. Ihr Wesen ist: Bina, die die Eigenschaft des Erbarmens ist und ‚Aspekt des Gebens‘ genannt wird, vermischte sich mit Malchut, die das Empfangen ist. Und durch diese Mischung – Erbarmen im Gericht – können wir mithilfe der Segula (besonderen Kraft) von Tora und Mizwot zum Überfluss gelangen, obwohl er unserer Natur entgegensteht. | לכן, בכדי שתהיה אפשרות לתקן את הכלי קבלה, שיהיו בעמ"נ להשפיע, היה מוכרח להיות תיקון, המכונה שיתוף מידת הרחמים בדין כנ"ל, המכונה צמצום ב', שענינו הוא, שבינה, שהיא מידת הרחמים, הנקראת בחינת השפעה, התערבה עם מלכות, שהוא קבלה, וע"י המזוג הזה, רחמים בדין, אז נוכל בסגולת תורה ומצות להגיע לידי השפע, אף על פי שהוא נגד הטבע שלנו. | Um deshalb die Gefäße des Empfangens zu korrigieren, damit sie arbeiten, um zu geben, musste es eine Korrektur geben, die „Verbindung der Eigenschaft von Rachamim mit Din“ genannt wird, bekannt als Zimzum Bet. Das bedeutet, dass sich Bina, die Eigenschaft von Rachamim (Barmherzigkeit), die „Geben“ genannt wird, mit Malchut, dem Empfangen, vermischte. Durch diese Verschmelzung von Rachamim mit Din durch Tora und Mizwot (Gebote) können wir die Fülle erreichen, obwohl es unserer Natur entgegengesetzt ist. |
26 | Und diese Sache wird in der Einleitung zur Weisheit der Kabbala (Pticha leChochmat haKabbala, Punkt 58) angeführt: „Und dies ist das Geheimnis dessen, was unsere Weisen sagten: Zuerst stieg es [im Willen des Schöpfers] auf, die Welt mit der Eigenschaft des Gerichts (Din) zu erschaffen; doch Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann, und stellte die Eigenschaft des Erbarmens voran und verband sie mit der Eigenschaft des Gerichts. Und Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann – das heißt, wie oben gesagt: Auf diese Weise hätte der Mensch, der aus dieser vierten Stufe geschaffen werden soll, keinerlei Möglichkeit, Handlungen des Gebens zu vollbringen. Darum stellte Er die Eigenschaft des Erbarmens voran und verband sie mit der Eigenschaft des Gerichts. Durch diese Verbindung wurde auch die vierte Stufe, die die Eigenschaft des Gerichts ist, von Funken des Gebens durchdrungen, die im Gefäß der Bina sind.“ | וענין זה מובא בהפתיחה לחכמת הקבלה (אות נ"ח) וזה לשונו, "וזה סוד מה שאמרו חז"ל, בתחילה עלה במחשבה לברוא את העולם במידת הדין, וראה שאין העולם מתקיים, והקדים את מידת הרחמים ושיתפה למידת הדין. וראה שאין העולם מתקיים, דהיינו כנ"ל, שבאופן זה לא היה שום אפשרות להאדם, הצריך להבראות מבחי"ד הזו, שיוכל לסגל מעשים של השפעה, לכן הקדים מידת הרחמים ושיתפה למידת הדין, שע"י השתתפות הזו נעשתה גם הבחי"ד, שהיא מידת הדין, כלולה מניצוצי השפעה שבהכלי דבינה". | Diese Angelegenheit wird im „Vorwort zur Weisheit der Kabbala„[5] dargestellt: „Dies ist die Bedeutung der Worte unserer Weisen: Im Anfang betrachtete Er die Erschaffung der Welt mit der Eigenschaft von Din (Urteil). Er sah, dass die Welt nicht existieren kann und der Eigenschaft von Rachamim (Barmherzigkeit) vorausging, und verband sie mit der Eigenschaft von Din.‘ …’Er sah, dass die Welt nicht existieren kann‘ bedeutet, dass es auf diese Weise für den Menschen, der aus Bchina Dalet erschaffen werden sollte, unmöglich war, Handlungen des Gebens auszuführen. …Deshalb schickte Er die Eigenschaft von Rachamim voraus und verband sie mit der Eigenschaft von Din. Durch diese Verbindung wurde Bchina Dalet – Midat ha Din – mit Funken des Gebens im Kli von Bina verbunden.“ |
27 | Demnach zeigt sich: Die Mittel, mit denen wir das Ziel der Schöpfung erreichen können – Seinen Geschöpfen wohlzutun –, haben wir allein dank des kleinen Hej. Denn das Hej, das die Eigenschaft des Gerichts ist, hatte sein Gericht zur Eigenschaft des Erbarmens hin verkleinert. Das bedeutet: Ein Teil des Verlangens zu empfangen wurde vermindert und nahm die Eigenschaft des Erbarmens in sich auf – wie oben –, sodass die Empfangsgefäße in ihrer Wurzel die Eigenschaft des Gebens, ‚Erbarmen‘ genannt, in sich einschlossen. | נמצא לפי הנ"ל, שהאמצעים, שנוכל לבוא ולהשיג את מטרת הבריאה, שהיא להטיב לנבראיו, יש לנו רק בזכות הה' זעירא, שהה', שהיא מידת הדין, נתקטן הדין שלה למידת הרחמים, שפירושה, שחלק מהרצון לקבל נתמעט וקבל לתוכה מידת הרחמים, כנ"ל, שהכלי קבלה בשורשם נכללו ממידת השפעה, הנקראת רחמים. | Aus dem oben Gesagten folgt, dass wir die Mittel, mit denen wir den Zweck der Schöpfung erreichen können, nur dank des kleinen Hej haben. Denn das Din in Hej, das die Eigenschaft des Din (Gerichts-Urteil) ist, verkleinerte sich in der Eigenschaft von Rachamim (Barmherzigkeit). Ein Teil des Verlangens zu empfangen wurde also kleiner und nahm die Eigenschaft von Rachamim in sich auf; und wie oben gesagt wurde, enthalten die Gefäße des Empfangens in den Wurzeln die Eigenschaft des Gebens, Rachamim genannt. |
28 | Und damit verstehen wir, womit der Heilige Sohar schließt: dass kein Streit zwischen ihnen besteht, ‚denn alles steigt zugleich herab‘. Das heißt: Ist Chessed in der Welt, so ist auch die Shechina in der Welt, und ebenso umgekehrt. ‚Und die Welt wurde um Chessed willen und um der Shechina willen geschaffen.‘ | ובזה נבין מה שהזה"ק מסיים, "שאין מחלוקת ביניהם אלא כי הכל יורד ביחד". כלומר, אם החסד בעולם, גם השכינה בעולם. וכן להיפך. "והעולם נברא בשביל החסד ובשביל השכינה". | Dadurch verstehen wir, warum der Heilige Sohar zu dem Schluss kommt, dass „es keine Meinungsverschiedenheit zwischen beiden gibt, sondern dass das eine das andere nicht ausschließt, weil alles zusammen herabkommt“. Das heißt, wenn es Chessed in der Welt gibt, dann gibt es auch die Shechina in der Welt, und umgekehrt. Und die Welt wurde für Chessed und für die Shechina erschaffen.“ |
29 | Daraus geht hervor, dass die Auslegung folgende ist: Beide – die Eigenschaft des Chessed und der Aspekt der Shechina, die mit der Eigenschaft des Erbarmens korrigiert wurde – zielen auf ein und dasselbe. Das heißt: Durch sie sollen die Geschöpfe zum Ziel der Schöpfung gelangen, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Freude zu bereiten. Und darum heißt es: ‚Gibt es kein Chessed, so gibt es keine Shechina.‘ | משמע מכאן, שהפירוש הוא, ששניהם, היינו מידת החסד ובחינת שכינה, שנתקנה עם מידת הרחמים, הוא לדבר אחד נתכוונו. זאת אומרת, שעל ידיהם יגיעו הנבראים למטרת הבריאה, שהיא כדי להנות לנבראיו. וזה שאומר, "אם אין חסד אין שכינה". | Und beide, also die Eigenschaft von Chessed und die Shechina, die mit der Eigenschaft von Rachamim korrigiert wurde, sind auf dasselbe ausgerichtet – dass die Geschöpfe durch sie den Zweck der Schöpfung erreichen, der darin besteht, Seinen Geschöpfen Freude zu bereiten. Deshalb sagte er: „Wenn es kein Chessed gibt, gibt es auch keine Shechina.“ |
30 | Das bedeutet: Gäbe es in der Welt nicht die Korrektur des Chessed – nämlich dass man durch die Eigenschaft des Chessed um des Gebens willen empfangen kann –, so gäbe es die Shechina nicht; das heißt, die Korrektur, die in Malchut geschah und ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens mit dem Gericht‘ genannt wird, nützte nichts. Da aber die Eigenschaft des Chessed in der Welt vorhanden ist, lässt sich sagen, dass Malchut mit der Eigenschaft des Chessed, also des Erbarmens, korrigiert wurde – und das hilft, zum Ziel zu gelangen. | פירוש, אם לא היה תיקון חסד שבעולם, היינו שע"י מידת החסד יוכלו לקבל בעל מנת להשפיע, לא היתה השכינה, היינו לא היה מועיל התיקון שנעשה בהמלכות, שנקרא שיתוף מידת הרחמים בדין. אלא, שמידת החסד ישנו בעולם, שייך לומר, שמלכות נתקנה במידת החסד, שהוא רחמים, שזה עוזר להגיע להמטרה. | Das bedeutet, ohne die Korrektur von Chessed in der Welt, wo sie durch die Eigenschaft von Chessed empfangen können, um zu geben, würde es die Shechina nicht geben. Das heißt, die Korrektur, die in Malchut erfolgte, genannt „Verbindung der Eigenschaft von Rachamim mit Din„, würde nicht helfen. Die Eigenschaft von Chessed existiert jedoch in der Welt, was bedeutet, dass Malchut mit der Eigenschaft von Chessed korrigiert wurde, die Rachamim ist. Dies hilft, das Ziel zu erreichen. |
31 | Doch man muss verstehen, warum Malchut ‚Shechina‘ genannt wird. Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte, der Heilige Sohar sagt: „Er ist der Wohnende (Shochen), und sie ist die Wohnstatt (Shechina).“ Das bedeutet: Der Ort, an dem der Schöpfer offenbar ist, wird Shechina genannt. Und dies nennt man das Ruhen der Shechina – das heißt, dort ist der Schöpfer offenbar. | אבל צריכים להבין, מדוע מלכות נקראת שכינה. הנה אאמו"ר זצ"ל אמר, שהזה"ק אומר, "הוא שוכן והיא שכינה". שפירושו הוא, שבמקום שהבורא מגולה נקרא שכינה. וזה נקרא השראת השכינה, היינו ששם מגולה הבורא. | Wir sollten jedoch verstehen, warum Malchut Shechina genannt wird. Baal HaSulam erläuterte, dass der Heilige Sohar sagt: „Er ist der Shochen (Bewohner); und sie ist die Shechina.“ Das bedeutet, dass dort, wo der Schöpfer offenbart wird, es Shechina genannt wird. Dies wird das „Einflößen der Shechina“ genannt, was bedeutet, dass der Schöpfer dort offenbart wird. |
32 | Darum soll der Mensch immer darum beten, des Aspekts ‚Königtum des Himmels‘ (Malchut Shamajim) gewürdigt zu werden, der auch ‚Glaube‘ genannt wird. Das heißt, der Mensch soll darum beten, des Aspekts des Glaubens gewürdigt zu werden. Doch es erhebt sich eine Frage: Wenn er weiß, dass ihm der Glaube an den Schöpfer fehlt – zu wem betet er dann? Denn nur wenn er an den Schöpfer glaubt, lässt sich sagen, dass er den Schöpfer bittet, ihm das zu geben, worum er Ihn bittet. | ולכן יש להאדם להתפלל תמיד, שיזכה לבחינת מלכות שמים, המכונה גם כן בשם אמונה. היינו, שהאדם צריך להתפלל, שיזכה לבחינת אמונה. אבל מתעוררת השאלה, אם הוא יודע, שחסר לו אמונה בה', אם כן למי הוא מתפלל, שרק בזמן שהוא מאמין בה', אז שייך לומר, שמבקש מה', שיתן לו את הדבר מה שהוא מבקש ממנו. | Aus diesem Grund sollte man immer darum beten, mit dem Himmelreich (Malchut Shamaim) belohnt zu werden, was auch als „Glaube“ bezeichnet wird. Man sollte also darum beten, mit dem Glauben belohnt zu werden. Aber es stellt sich eine Frage: Wenn er weiß, dass ihm der Glaube an den Schöpfer fehlt, zu wem betet er dann? Denn nur wenn er an den Schöpfer glaubt, kann man sagen, dass er den Schöpfer darum bittet, ihm zu geben, worum er Ihn bittet. |
33 | Und dies lässt sich nach dem deuten, was in der Einführung in den Talmud Eser Sefirot (Punkt 14) steht: „Wer die Tora zu seinem Handwerk macht – an seiner Beschäftigung mit der Tora zeigt sich das Maß seines Glaubens. Denn umanuto (sein Handwerk) hat dieselben Buchstaben wie emunato (sein Glaube). Es gleicht einem Menschen, der seinem Freund vertraut und ihm Geld leiht: Vielleicht vertraut er ihm für eine Lira; verlangt jener aber zwei Lira, so weigert er sich, sie ihm zu leihen. Vielleicht vertraut er ihm bis zu hundert Lira, aber nicht mehr. Vielleicht vertraut er ihm so weit, ihm die Hälfte seines Vermögens zu leihen, aber nicht sein ganzes Vermögen. Und vielleicht vertraut er ihm auch sein ganzes Vermögen an, ohne den geringsten Anflug von Furcht. Dieser letzte Glaube gilt als vollkommener Glaube. Die vorhergehenden Stufen aber gelten als unvollkommener Glaube – als teilweiser Glaube, mal geringer, mal größer.“ | וזה יכולים לפרש על דרך מה שכתוב בהקדמה לתע"ס (אות י"ד) וזה לשונו, "מי שתורתו אומנותו. אשר בעסק תורתו ניכר שיעור אמונתו. כי אומנתו אותיות אמונתו. בדומה לאדם שמאמין לחבירו ומלווה לו כסף. אפשר שיאמין לו על לירה אחת. ואם ידרוש ממנו שתי לירות, יסרב להלוות לו. ואפשר, שיאמין לו עד מאה לירות, אבל לא יותר מזה. ואפשר, שיאמין להלוות לו את חצי רכושו, אבל לא כל רכושו. ואפשר גם כן שיאמין לו על כל רכושו, בלי שום צל של פחד. ואמונה זו האחרונה נחשבת לאמונה שלימה. אבל באופנים הקודמים נבחנת לאמונה בלתי שלימה, אלא שהיא אמונה חלקית. אם פחות אם יותר". | Wir können dies so interpretieren, wie es in der „Einführung in das Studium der Zehn Sefirot„[6] geschrieben steht: „‚Derjenige, dessen Tora sein Handwerk ist.‘ Das Maß seines Glaubens offenbart sich in seiner Beschäftigung mit der Tora, denn die Buchstaben von Umanuto (sein Handwerk) sind (im Hebräischen) die gleichen wie von Emunato (sein Glaube). Es gleicht jemandem, der seinem Freund vertraut und ihm Geld leiht. Er kann ihm ein Pfund anvertrauen, aber wenn er zwei Pfund verlangt, wird er sich weigern, ihm das Geld zu leihen. Später kann er ihm auch hundert Pfund anvertrauen, aber nicht mehr. Danach hat er genug Vertrauen, um ihm die Hälfte seines Vermögens zu leihen, aber nicht sein ganzes Vermögen. Und schließlich kann er ihm sein gesamtes Vermögen anvertrauen, ohne auch nur einen Hauch von Furcht zu verspüren. Dieser letzte Glaube wird als ‚vollständiger Glaube‘ betrachtet, und die vorherigen Formen werden als ‚unvollständiger Glaube‘ gesehen. Es ist vielmehr ein teilweiser Glaube, mal mehr, mal weniger.“ |
34 | Wir sehen also, dass es einen teilweisen Glauben gibt. Und wenn er einen teilweisen Glauben hat, lässt sich sagen, dass der Mensch zum Schöpfer beten soll, ihm zu helfen, da er ja nur einen teilweisen Glauben hat. Darum will er, dass der Schöpfer ihm hilft, des vollkommenen Glaubens gewürdigt zu werden, wie oben. | הרי אנו רואים, שיש אמונה חלקית. ואז כשיש לו אמונה חלקית, שייך לומר, שהאדם יתפלל לה', שיעזור לו היות שאין לו אלא אמונה חלקית. לכן הוא רוצה, שהקב"ה יעזור לו, שיזכה לאמונה שלימה, כנ"ל. | Wir sehen also, dass es einen unvollständigen Glauben gibt. Wenn er einen unvollständigen Glauben hat, kann man sagen, dass ein Mensch zum Schöpfer beten sollte, ihm zu helfen; denn er möchte, dass der Schöpfer ihm hilft, den vollständigen Glauben zu erreichen. |
35 | Und da man des vollkommenen Glaubens nicht gewürdigt werden kann, bevor man der Gleichheit der Form gewürdigt wird – wie in den vorangehenden Artikeln angeführt und in der Einführung in das Buch Sohar (Blatt 138, und im Sulam dort) –, gibt es eben jene Korrekturen, wie oben in der Auslegung von be-hibaram dargelegt: | והיות שאי אפשר לזכות לאמונה שלימה מטרם שזוכה להשתוות הצורה, כמו שמובא במאמרים הקודמים ומובא בהקדמת ספר הזוהר (דף קל"ח ובהסולם שם), לכן יש אלו התיקונים, כמו שכתוב לעיל בדרשת בהבראם: | Und da es unmöglich ist, den vollständigen Glauben zu erlangen, bevor man nicht mit der Gleichheit der Form belohnt wurde, wie in den vorangegangenen Artikeln gesagt und in der „Einführung in das Buch Sohar„[7] dargestellt, gibt es deshalb diese Korrekturen, wie oben bezüglich BeHibaram geschrieben steht: |
36 | Erstens: Durch die Eigenschaft des Chessed gelangen sie zur Gleichheit der Form – das ist der Aspekt Abrahams. | א. שע"י מידת החסד יבואו להשתוות הצורה, שהיא בחינת אברהם, | 1) durch die Eigenschaft von Chessed werden sie die Gleichheit der Form erreichen, was als Abraham angesehen wird; |
37 | Zweitens: Er sagt, dass es der Aspekt des Hej ist, also die Shechina – nämlich das, was Malchut an Eigenschaft des Erbarmens in sich aufgenommen hat, wodurch sie zum Aspekt des Gebens gelangen. Und dann wird das Ziel der Schöpfung verwirklicht, Seinen Geschöpfen wohlzutun. | ב. אומר, שהוא בחינת ה', היינו שכינה, היינו מה שמלכות קבלה לתוכה מידת הרחמים, שעל ידי יזכו לבוא לידי בחינת השפעה. ואז יקויים את מטרת הבריאה, שהיא להטיב לנבראיו. | 2) er sagt, dass er Hej ist, was Shechina bedeutet. Das heißt, Malchut hat in sich die Eigenschaft von Rachamim erhalten, wodurch sie das Geben erreichen. Und dann wird der Zweck der Schöpfung, seinen Geschöpfen Gutes zu tun, wahr. |
Über Chessed
Rabash – 1986, Artikel 4
Über Chessed (Güte) wird im Heiligen Sohar (Lech Lecha, Blatt 128; im Sulam, Punkt 382) Folgendes gesagt: „Und wir haben gelernt: Was bewog die Schrift, ihn bis dahin nicht Abraham zu nennen? So haben wir es erklärt: Bis dahin war er nicht beschnitten, nun aber wurde er beschnitten. Und als er beschnitten war, verband er sich mit dem Hej – das ist die Shechina (göttliche Gegenwart) –, und die Shechina ruhte in ihm. Darum wurde er von da an Abraham genannt, mit einem Hej. So steht geschrieben: Dies sind die Zeugungen des Himmels und der Erde, als sie geschaffen wurden (1. Mose 2,4). Und wir lernten: Mit einem Hej schuf Er sie (be-Hej beram). Und wir lernten ‚durch Abraham‘ – das heißt: be-hibaram (als sie geschaffen wurden) hat dieselben Buchstaben wie be-Awraham (durch Abraham). Das lehrt uns, dass die Welt um Abrahams willen geschaffen wurde.“
„Und [der Sohar] fragt: Was sagen sie? Das heißt: Warum sind sie sich in der Auslegung von be-hibaram uneinig? Und er antwortet: Dies aber ist Chessed – der eine sagt, dass be-hibaram auf Abraham deutet, also auf Chessed; denn um Chessed willen wurde die Welt geschaffen. Und der andere sagt: Dies ist die Shechina – darum sagt er: mit einem Hej schuf Er sie, also die Shechina. Und es besteht kein Einwand des einen gegen den anderen, denn alles steigt zugleich herab. Das heißt: Ist Chessed in der Welt, so ist auch die Shechina in der Welt, und ebenso umgekehrt. Darum sind die beiden Bedeutungen, Chessed und Shechina, ein und dieselbe Sache, und beides ist vorhanden. Und die Welt wurde um Chessed willen und um der Shechina willen geschaffen. Und es gilt zu verstehen, was er auslegt: be-hibaram ist be-Awraham, also Chessed – das heißt, dass die Welt um Chessed willen geschaffen wurde.“
Und es gilt, die Sache des Chessed zu verstehen. Ist Chessed denn nicht nur eine Angelegenheit zwischen Mensch und Mitmensch? Hat der Schöpfer etwa die oberen Welten, die Welt der Engel und der Serafim, nur dafür geschaffen, dass jeder mit seinem Mitmenschen Güte übt – dass Ruben mit Simeon Güte übt und dergleichen? Was hätte der Schöpfer davon? Lässt sich so etwas behaupten? Demnach müssen wir verstehen, was jenes Chessed ist, von dem er sagte, dass die Welt um seinetwillen geschaffen wurde.
Es ist bekannt, dass das Ziel der Schöpfung darin besteht, Seinen Geschöpfen wohlzutun. Dann aber ist zu fragen: Was bedeutet es, dass man den Vers ‚Dies sind die Zeugungen des Himmels … als sie geschaffen wurden‘ (1. Mose 2,4) auf zweierlei Weise auslegt – erstens im Sinne der Shechina, zweitens im Sinne Abrahams, der Chessed ist?
Und man muss sagen: Aus dem Wort be-hibaram leiten sie nur ab, wie man zum Ziel gelangt, das ‚Seinen Geschöpfen wohltun‘ heißt. Der Sinn ist: Die Geschöpfe müssen das Gute und die Wonne in aller Vollkommenheit erlangen. Das heißt: Wenn sie das Gute und die Wonne empfangen, sollen sie keinerlei Unbehagen empfinden – das, was nahama dechisufa (Brot der Scham) genannt wird.
Und um dies zu korrigieren, geschah ein Zimzum (Einschränkung) – eine Verhüllung und Verbergung des Guten und der Wonne. So sagt der heilige ARI (zitiert in Talmud Eser Sefirot, Teil 1, Blatt 1): „Wisse: Bevor die Emanationen emaniert und die Geschöpfe geschaffen wurden, erfüllte ein einfaches oberes Licht die gesamte Wirklichkeit, und es gab keinen leeren Raum. Und als es in Seinem einfachen Willen aufstieg, die Welten zu erschaffen, um die Vollkommenheit Seiner Werke ans Licht zu bringen, da schränkte Er Sich ein.“ Soweit seine Worte.
Demnach zeigt sich: Die Verhüllung und Verbergung, die wir über dem Spirituellen sehen, bedeutet Folgendes. Zwar müssen wir glauben, dass ‚die ganze Erde voll Seiner Herrlichkeit ist‘ (Jesaja 6,3). Doch würden alle Geschöpfe der Welt die Herrlichkeit des Schöpfers spüren, wer wollte sich dann noch mit niederen Dingen abgeben, da man ja die Wichtigkeit der Herrlichkeit des Spirituellen sähe? Denn der Mensch kann sich ein Bild von dem machen, was er in der Vergangenheit erlebt hat.
Nehmen wir an, ein Mensch stellt sich die wichtigste Zeit vor, die er erlebt hat – als er spürte, wie sehr es sich lohnt, dem Spirituellen anzuhaften. Damals blickte er auf sich selbst und auf die ganze Welt und sah, wie die Zeit ohne jeden Nutzen und ohne Ziel verstreicht und man sich nur mit belanglosen Dingen abgibt. Und als er sich in jenem erhobenen Zustand befand, erschien ihm die ganze Welt wie kleine Kinder, die mit Spielzeug spielen.
So sehen wir bisweilen, wie ein kleines Kind eine Schnur nimmt und sie einem anderen über die Schulter legt und ihm sagt: ‚Du bist das Pferd, und ich halte die Zügel‘ – und beide haben ihre Freude an diesem Spiel. Sagte man aber zu den Kindern: ‚Wie könnt ihr mit unwahren Dingen spielen? Du bist doch kein Kutscher, und er ist kein Pferd‘, so würden sie sicher nicht verstehen, wovon man zu ihnen redet.
Und wenn der Mensch sich jene Zeit vor Augen führt, in der er den wichtigsten Zustand seines Lebens hatte: Damals blickte er auf Menschen, die sich nur mit dem Körperlichen befassen, so wie ein Erwachsener auf kleine Kinder blickt, die spielen.
Was also fehlt uns, damit wir uns mit Tora und Mizwot befassen können? Nur die Enthüllung. Das heißt, dass das Gute und die Wonne, die darin verborgen liegen, offen vor uns lägen und wir sie sichtbar sähen. Wer wollte dann nicht das Gute und die Wonne? Und welcher Mensch könnte sich so erniedrigen, in einen Hühnerstall zu steigen und wie die Hühner im Mist zu picken und sich daran zu erfreuen, während er doch das Leben wie ein Mensch genießen könnte? Das heißt, dass sein Lebensunterhalt das wäre, woran Menschen sich freuen, und nicht das, woran sich Vieh und Tiere freuen. Und all dies gilt für den Augenblick, in dem er den Unterschied zwischen der Lebenskraft der Menschen und der Lebenskraft von Vieh, Tieren und Vögeln spürt.
Anders verhält es sich in der Zeit der Verbergung, in der er kein anderes Leben in der Welt sieht als das, woran er sich erfreut – das ist für ihn die Lebenskraft der ganzen Welt. Und wenn solche Menschen auf jene blicken, die auf körperliche Dinge verzichten und ein spirituelles Leben suchen, betrachten sie sie wie törichte Kinder, die keinen Verstand haben. Es ist, als gäbe man kleinen Kindern wertvolle Dinge zum Spielen, und sie werfen sie weg und nehmen sich stattdessen belanglose Dinge.
So sollte man sich an körperlichen Dingen erfreuen – und sie werfen diese weg und meinen, spirituelle Güter zu erlangen. Für sie sind die spirituellen Dinge belanglos, also Dinge ohne jeden Wert. Doch all dies rührt allein von der Verhüllung und Verbergung her, die über dem Spirituellen liegt.
Nun wollen wir die beiden Auslegungen des Wortes hibaram erklären: Die erste bedeutet Chessed, die zweite bedeutet Shechina. Und wir fragten: Lohnt es sich denn, um des Chessed willen die kommende Welt und diese Welt zu erschaffen? Doch wie wir oben erklärt haben, kann sich das Ziel der Schöpfung – Seinen Geschöpfen wohlzutun – nicht entfalten: Das Gute und die Wonne können sich nicht offenbaren, bevor die Geschöpfe um des Gebens willen empfangen können. Also gibt es keine Möglichkeit, dass das Ziel zu seiner Vollendung gelangt.
Darum muss man das, was sie aus be-hibaram ableiten, so deuten: Durch sie wird das Ziel der Schöpfung verwirklicht. Ohne sie gibt es keine Möglichkeit, dass das Ziel der Schöpfung zu seiner Vollendung gelangt. Wenn er also ‚durch Abraham‘, das heißt Chessed, auslegt, so meint er: Dadurch, dass sie sich mit der Eigenschaft des Chessed befassen, können sie zur Eigenschaft des Gebens gelangen; und von dort aus können sie später das Empfangen der Wonne empfangen, und dieses Empfangen wird dann ‚Geben‘ genannt.
Und das ist es, was er im Sulam sagt (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 172, Punkt 175), wo er den Ausspruch unserer Weisen anführt: „Bei der Erschaffung der Welt, als Er zu den Engeln sprach – Lasst uns einen Menschen machen nach unserem Bilde (1. Mose 1,26) –, da sagte Chessed: Er wird erschaffen, denn er übt Güte. Die Wahrheit aber sagte: Er wird nicht erschaffen, denn er ist ganz und gar Lüge.“
Und er erläutert dort die Worte unserer Weisen, dass Chessed sagte, er wird erschaffen, mit folgenden Worten: „Chessed aber sagte, er wird erschaffen, denn er übt Güte. Denn durch das Gebot des Gütigseins, das er erfüllt und das notwendigerweise eine klar auf das Geben gerichtete Handlung ist, wird er nach und nach korrigiert, bis er sich mit allen Mizwot um des Gebens willen befassen kann. Und dann ist sicher, dass er am Ende sein Ziel erreicht, liShma (um Ihretwillen) zu wirken. Darum machte Chessed geltend, dass er erschaffen werden soll.“
Demnach zeigt sich: Wenn es heißt be-hibaram, so leiten sie daraus nur den Aspekt des Mittels ab, nicht den Aspekt des Ziels. Denn das Ziel der Schöpfung ist bekanntlich, Seinen Geschöpfen wohlzutun; be-hibaram aber bezeichnet die Ratschläge, wie die Geschöpfe dahin gelangen, dieses Ziel empfangen zu können – also das Gute und die Wonne empfangen zu können. Denn zwischen dem Gebenden und dem Empfangenden muss Gleichheit der Form bestehen; und da sie einander in der Form entgegengesetzt sind, könnten sie das Gute und die Wonne niemals empfangen.
Darum legt der eine aus, dass das Mittel Chessed ist: Durch die Eigenschaft des Chessed, die jeder am anderen übt, gelangen sie zu Gefäßen des Gebens und können das Gute und die Wonne empfangen.
Und der andere legt be-hibaram als ‚Hej schuf sie‘ aus, also die Shechina. Das heißt nicht, dass er ihm widerspricht; vielmehr sagt er: ‚Mit einem Hej schuf Er sie‘ meint, dass Malchut, die der Aspekt der Shechina ist, hier in be-hibaram angedeutet ist – nämlich das kleine Hej.
Und der heilige ARI erläutert (zitiert in Shaar haKawanot – Tor der Absichten –, Blatt 23, Punkt 43): „Und dies ist das Geheimnis von be-hibaram: mit einem Hej schuf Er sie. Denn alle Geschöpfe waren in Gestalt von fünf Parzufim, sowohl in Azilut als auch in BYA (Brija, Yezira, Assija). Und dies ist das Geheimnis des kleinen Hej von Malchut de Adam Kadmon, nachdem es am Ende ihrer sieben unteren [Sefirot] (SaT) verkleinert wurde.“
Und er erläutert dort (im Or Pashut), dass die Welt der Korrektur, ABYA genannt, aus einer anderen Malchut hervorging – aus jener, die durch die Eigenschaft des Erbarmens (Rachamim) gemildert wurde, was Zimzum Bet (Zweite Einschränkung) heißt; dort fand die Verkleinerung in Malchut statt. Darum wird Malchut ‚kleines Hej‘ genannt.
Daraus geht hervor: Das Hej in be-hibaram, das man auf die Shechina deutet, bezeichnet jene, die eine Korrektur empfangen hat, die ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens (Rachamim) mit dem Gericht (Din)‘ genannt wird. Das bedeutet Folgendes: Malchut, die Eigenschaft des Gerichts genannt wird, ist die Wurzel der Geschöpfe – nämlich das Verlangen zu empfangen. Sie ist das Gefäß, das das Ziel der Schöpfung empfangen soll, Seinen Geschöpfen wohlzutun; sie ist das Empfangsgefäß für das Gute und die Wonne – das ist der Stoff der Geschöpfe, also das Verlangen, Freude und Genuss von Ihm zu empfangen. Doch infolge der Korrektur der Gleichheit der Form, wie oben, entstand ein Gericht: Es ist verboten, dieses Empfangsgefäß zu benutzen, wenn man die Absicht nicht auf das Geben richten kann. Und dies wird ‚Zimzum und Gericht (Din)‘ genannt.
Und da die Welt ohne diese Korrektur – das ‚Empfangen um des Gebens willen‘ – nicht bestehen kann, gibt es andernfalls keine Offenbarung des Überflusses (Schefa) für die Unteren, wegen des Zimzum und des Gerichts, die zur Korrektur der Welt geschahen. Doch wie kann man dahin gelangen, die Natur der Schöpfung, die ein Empfangen ist, zu einem Geben zu wandeln?
Damit es also möglich würde, das Empfangsgefäß so zu korrigieren, dass es um des Gebens willen empfängt, musste eine Korrektur geschehen, die ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens mit dem Gericht‘ genannt wird, wie oben – die als Zimzum Bet bezeichnet wird. Ihr Wesen ist: Bina, die die Eigenschaft des Erbarmens ist und ‚Aspekt des Gebens‘ genannt wird, vermischte sich mit Malchut, die das Empfangen ist. Und durch diese Mischung – Erbarmen im Gericht – können wir mithilfe der Segula (besonderen Kraft) von Tora und Mizwot zum Überfluss gelangen, obwohl er unserer Natur entgegensteht.
Und diese Sache wird in der Einleitung zur Weisheit der Kabbala (Pticha leChochmat haKabbala, Punkt 58) angeführt: „Und dies ist das Geheimnis dessen, was unsere Weisen sagten: Zuerst stieg es [im Willen des Schöpfers] auf, die Welt mit der Eigenschaft des Gerichts (Din) zu erschaffen; doch Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann, und stellte die Eigenschaft des Erbarmens voran und verband sie mit der Eigenschaft des Gerichts. Und Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann – das heißt, wie oben gesagt: Auf diese Weise hätte der Mensch, der aus dieser vierten Stufe geschaffen werden soll, keinerlei Möglichkeit, Handlungen des Gebens zu vollbringen. Darum stellte Er die Eigenschaft des Erbarmens voran und verband sie mit der Eigenschaft des Gerichts. Durch diese Verbindung wurde auch die vierte Stufe, die die Eigenschaft des Gerichts ist, von Funken des Gebens durchdrungen, die im Gefäß der Bina sind.“
Demnach zeigt sich: Die Mittel, mit denen wir das Ziel der Schöpfung erreichen können – Seinen Geschöpfen wohlzutun –, haben wir allein dank des kleinen Hej. Denn das Hej, das die Eigenschaft des Gerichts ist, hatte sein Gericht zur Eigenschaft des Erbarmens hin verkleinert. Das bedeutet: Ein Teil des Verlangens zu empfangen wurde vermindert und nahm die Eigenschaft des Erbarmens in sich auf – wie oben –, sodass die Empfangsgefäße in ihrer Wurzel die Eigenschaft des Gebens, ‚Erbarmen‘ genannt, in sich einschlossen.
Und damit verstehen wir, womit der Heilige Sohar schließt: dass kein Streit zwischen ihnen besteht, ‚denn alles steigt zugleich herab‘. Das heißt: Ist Chessed in der Welt, so ist auch die Shechina in der Welt, und ebenso umgekehrt. ‚Und die Welt wurde um Chessed willen und um der Shechina willen geschaffen.‘
Daraus geht hervor, dass die Auslegung folgende ist: Beide – die Eigenschaft des Chessed und der Aspekt der Shechina, die mit der Eigenschaft des Erbarmens korrigiert wurde – zielen auf ein und dasselbe. Das heißt: Durch sie sollen die Geschöpfe zum Ziel der Schöpfung gelangen, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Freude zu bereiten. Und darum heißt es: ‚Gibt es kein Chessed, so gibt es keine Shechina.‘
Das bedeutet: Gäbe es in der Welt nicht die Korrektur des Chessed – nämlich dass man durch die Eigenschaft des Chessed um des Gebens willen empfangen kann –, so gäbe es die Shechina nicht; das heißt, die Korrektur, die in Malchut geschah und ‚Verbindung der Eigenschaft des Erbarmens mit dem Gericht‘ genannt wird, nützte nichts. Da aber die Eigenschaft des Chessed in der Welt vorhanden ist, lässt sich sagen, dass Malchut mit der Eigenschaft des Chessed, also des Erbarmens, korrigiert wurde – und das hilft, zum Ziel zu gelangen.
Doch man muss verstehen, warum Malchut ‚Shechina‘ genannt wird. Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte, der Heilige Sohar sagt: „Er ist der Wohnende (Shochen), und sie ist die Wohnstatt (Shechina).“ Das bedeutet: Der Ort, an dem der Schöpfer offenbar ist, wird Shechina genannt. Und dies nennt man das Ruhen der Shechina – das heißt, dort ist der Schöpfer offenbar.
Darum soll der Mensch immer darum beten, des Aspekts ‚Königtum des Himmels‘ (Malchut Shamajim) gewürdigt zu werden, der auch ‚Glaube‘ genannt wird. Das heißt, der Mensch soll darum beten, des Aspekts des Glaubens gewürdigt zu werden. Doch es erhebt sich eine Frage: Wenn er weiß, dass ihm der Glaube an den Schöpfer fehlt – zu wem betet er dann? Denn nur wenn er an den Schöpfer glaubt, lässt sich sagen, dass er den Schöpfer bittet, ihm das zu geben, worum er Ihn bittet.
Und dies lässt sich nach dem deuten, was in der Einführung in den Talmud Eser Sefirot (Punkt 14) steht: „Wer die Tora zu seinem Handwerk macht – an seiner Beschäftigung mit der Tora zeigt sich das Maß seines Glaubens. Denn umanuto (sein Handwerk) hat dieselben Buchstaben wie emunato (sein Glaube). Es gleicht einem Menschen, der seinem Freund vertraut und ihm Geld leiht: Vielleicht vertraut er ihm für eine Lira; verlangt jener aber zwei Lira, so weigert er sich, sie ihm zu leihen. Vielleicht vertraut er ihm bis zu hundert Lira, aber nicht mehr. Vielleicht vertraut er ihm so weit, ihm die Hälfte seines Vermögens zu leihen, aber nicht sein ganzes Vermögen. Und vielleicht vertraut er ihm auch sein ganzes Vermögen an, ohne den geringsten Anflug von Furcht. Dieser letzte Glaube gilt als vollkommener Glaube. Die vorhergehenden Stufen aber gelten als unvollkommener Glaube – als teilweiser Glaube, mal geringer, mal größer.“
Wir sehen also, dass es einen teilweisen Glauben gibt. Und wenn er einen teilweisen Glauben hat, lässt sich sagen, dass der Mensch zum Schöpfer beten soll, ihm zu helfen, da er ja nur einen teilweisen Glauben hat. Darum will er, dass der Schöpfer ihm hilft, des vollkommenen Glaubens gewürdigt zu werden, wie oben.
Und da man des vollkommenen Glaubens nicht gewürdigt werden kann, bevor man der Gleichheit der Form gewürdigt wird – wie in den vorangehenden Artikeln angeführt und in der Einführung in das Buch Sohar (Blatt 138, und im Sulam dort) –, gibt es eben jene Korrekturen, wie oben in der Auslegung von be-hibaram dargelegt:
Erstens: Durch die Eigenschaft des Chessed gelangen sie zur Gleichheit der Form – das ist der Aspekt Abrahams.
Zweitens: Er sagt, dass es der Aspekt des Hej ist, also die Shechina – nämlich das, was Malchut an Eigenschaft des Erbarmens in sich aufgenommen hat, wodurch sie zum Aspekt des Gebens gelangen. Und dann wird das Ziel der Schöpfung verwirklicht, Seinen Geschöpfen wohlzutun.
korrigiert, EY, CO4.8 (Claude Opus 4.8), 20.07.2026, 04:04 Uhr, Ver6