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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1986/08 Über die Hilfe, die von Oben kommt

Rabash – 1986 – Artikel 8 (תשמ״ו – מאמר ח׳)

„Über die Hilfe, die von Oben kommt“ · בענין העזרה הבאה מלמעלה

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1

Unsere Weisen sagten (Sukka 52): „Rabbi Shimon ben Lakish sagte: Der böse Trieb des Menschen gewinnt Tag für Tag die Oberhand über ihn und trachtet ihm nach dem Leben, wie es heißt: ‚Der Frevler lauert dem Gerechten auf und trachtet ihm nach dem Leben.‘ Würde der Schöpfer ihm nicht helfen, wäre er ihm nicht gewachsen, wie es heißt: ‚Der Schöpfer wird ihn nicht seiner Hand überlassen und ihn nicht verurteilen, wenn über ihn gerichtet wird.‘“

חז"ל אמרו (סוכה נ"ב) "אמר רבי שמעון בן לקיש, יצרו של אדם מתגבר עליו בכל יום, ומבקש להמיתו, שנאמר, צופה רשע לצדיק ומבקש להמיתו. ואלמלא הקב"ה עוזרו, אינו יכול לו, שנאמר, ה' לא יעזבנו בידו, ולא ירשיענו בהשפטו".

Die Weisen sagten ( Sukka , 52): „Rabbi Shimon Ben Lakish sagte: ‚Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag und sucht ihn zu töten, so wie es heißt: ‚Der Frevler beobachtet den Gerechten und sucht ihn zu töten.‘ Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, würde er ihn nicht überwinden, wie es heißt: ‚Der Herr wird ihn nicht in seine Hand geben und ihn nicht verdammen, wenn er gerichtet wird.'“

2

Und im Sohar (Wochenabschnitt WaJishlach, Blatt 3, und im Sulam, dem Leiter-Kommentar, Punkt 10–11) heißt es: „Rabbi Chiskija fragte: Wenn dem so ist, warum heißt es dann ‚Und Jakob blieb allein zurück‘? Wo waren denn all die Engelscharen, die ihn – wie du sagst – umgaben und mit ihm zogen? Rabbi Jehuda antwortete: Er hatte sich selbst in Gefahr gebracht, weil er nachts allein zurückblieb und die Gefahr mit eigenen Augen sah. Die Engel aber waren nur gekommen, um ihn vor der Gefahr zu schützen, die dem Auge verborgen ist; darum verließen sie ihn. Da sagte er: ‚Ich bin zu gering für all die Gnade und Treue, die Du an Deinem Knecht getan hast.‘ Eben dies sind die Scharen der heiligen Engel, die ihn zuvor umgaben und sich nun von ihm trennten, weil er sich in eine sichtbare Gefahr begeben hatte. Rabbi Jizchak sagte: Die Engel verließen ihn, um ihn mit jenem Schutzengel Esaus allein zu lassen, der mit Erlaubnis des Höheren zu ihm kam.“ So weit der Wortlaut.

ובזהר (וישלח דף ג' ובסולם אות י', י"א) אומר שם וזה לשונו, "אמר רבי חזקיה, אם כן למה כתוב, ויוותר יעקב לבדו. ואיפה היו כל מחנות המלאכים, שאתה אומר, שסבבוהו ובאו עמו. אמר רבי יהודה, משום שהביא את עצמו לסכנה, שנשאר, יחידי בלילה, והיה רואה בעין את הסכנה, ולפי שלא באו לשומרו, אלא מהסכנה שאינו נראה לעין, לכן נפרדו ממנו. ואז אמר, קטנתי מכל החסדים ומכל האמת, אשר עשית עם עבדך. אשר אלו הם מחנות המלאכים הקדושים, שסבבוהו ועתה נפרדו ממנו, מטעם שהכניס עצמו לסכנה נראית לעין. רבי יצחק אמר לכן נפרדו ממנו המלאכים, כדי לעזוב אותו לבדו עם אותו הממונה של עשו, שברשותו העליון בא אליו", עד כאן לשונו.

Und im Heiligen Sohar ( WaJishlach , Punkt 10) steht geschrieben: „Rabbi Chiskija sagte: ‚Wen dem so ist. warum steht dann geschrieben: ‚Und Jakob wurde allein gelassen‘? Wo waren all die Heere der Engel von denen du sagst, dass sie ihn umgaben und mit ihm kamen?‘ Rabbi Jehuda sagte: ‚Er brachte sich selbst in Gefahr, weil er nachts allein blieb und die Gefahr mit seinen Augen sehen konnte. Da sie nur kamen, um ihn vor einer unsichtbaren Gefahr zu schützen, die nicht mit bloßem Auge zu erkennen ist, trennten sie sich von ihm.‘ Dann sagte er: ‚Ich bin all der Barmherzigkeit und all der Wahrheit, die Du Deinem Diener erwiesen hast, nicht würdig.‘ Dies waren die heiligen Engelscharen, die ihn umgaben und sich von ihm trennten, weil er sich in offensichtliche Gefahr begeben hatte. Rabbi Yitzhak sagte: ‚Deshalb trennten sich die Engel von ihm, um ihn allein zu lassen mit jenem Beauftragten von Esau, der in höchster Autorität zu ihm kam.'“

3

Dem Sinn nach stellt sich die Frage, wann sich die Engel von ihm trennten. In dem Augenblick, als er sich in Gefahr begab – da trennten sie sich. Zuerst also begab er sich in Gefahr, und erst danach verließen ihn die Engel. Darauf bezieht sich der Vers „Und Jakob blieb allein zurück“. Das heißt: In dem Moment, als sie es sahen, trennten sie sich; man muss sagen: wie wenn der eine hereinkommt und der andere hinausgeht.

ולפי המשמעות, נשאלת השאלה, מתי נפרדו ממנו המלאכים. בשעה שהכניס את עצמו לסכנה, אז נפרדו. היינו, מקודם הכניס את עצמו לסכנה, ואח"כ נפרדו ממנו המלאכים. ועל זה נאמר, "ויוותר יעקב לבדו". זאת אומרת, בשעה שהם ראו, אז נפרדו, צריכים לומר, כמו שזה נכנס וזה יוצא.

Dementsprechend stellt sich die Frage: „Wann haben sich die Engel von ihm getrennt?“ Sie trennten sich von ihm, als er sich selbst in Gefahr begab. Das heißt, erst brachte er sich selbst in Gefahr, und dann trennten sich die Boten von ihm. So heißt es: „Und Jakob wurde allein gelassen.“ Das heißt, sobald sie ihn sehen konnten, trennten sie sich. Wir sollten sagen: „Wie einer kommt und einer geht“.

4

Nun ist zu verstehen, warum die Engel bei einer sichtbaren Gefahr nicht kommen, um ihn zu schützen. Es ist, als fehlte ihnen die Kraft, ihn vor einer wirklichen, sichtbaren Gefahr zu bewahren. Wann also haben sie die Kraft dazu? Gerade dann, wenn die Gefahr nicht sichtbar ist. Doch wenn keine Gefahr zu sehen ist – wer weiß dann überhaupt, dass hier eine Gefahr lauert, vor der man bewahrt werden müsste? Gemeint ist die Frage: Für wen muss sie sichtbar sein? Für den Menschen? Oder ziehen sich die Engel zurück, sobald sie eine sichtbare Gefahr erkennen – auch wenn der Mensch selbst nichts davon ahnt?

ויש להבין, מה הטעם, שבסכנה הנראית לעין אין המלאכים באים לשומרו. כאילו, אם נגיד, שאין בכוחם לשמרו מסכנה אמיתית שנראית לעין. אלא מתי יש להם כח לשמרו, דוקא בזמן שאינה נראית לעין. ואם אין נראית לעין סכנה, אם כן מי יודע שיש כאן סכנה, שצריכים שמירה. פירוש הדבר, אצל מי צריך להיות ניכר לעין, לגבי האדם, או שאם המלאכים רואים, שהוא סכנה הנראית לעין, אז הם מסתלקים, ואף על פי שאין האדם יודע.

Wir sollten verstehen, warum die Boten nicht kamen, um ihn im Angesicht der offensichtlichen Gefahr zu bewachen. Es ist, als würden wir sagen, dass sie nicht in der Lage sind, ihn vor einer echten und offensichtlichen Gefahr zu schützen. Wenn das so ist, wann können sie ihn dann bewahren – wenn die Gefahr nicht offensichtlich ist? Wenn die Gefahr nicht offensichtlich ist – wer weiß dann, dass es da eine Gefahr gibt, vor der man sich bewahren muss? Das heißt, für wen sollte sie offensichtlich sein, für den Menschen? Wenn die Boten sehen, dass eine offensichtliche Gefahr besteht, gehen sie, obwohl der Mensch es nicht weiß?

5

Um das nun auf die spirituelle Arbeit zu übertragen, müssen wir zuerst wissen, worin diese Gefahr besteht; danach klären wir, was eine „dem Auge sichtbare Gefahr“ ist. Bekanntlich beginnt die Arbeit in ihrer Abfolge mit der rechten Linie. „Rechts“ steht für das, was keiner Korrektur bedarf; „links“ für das, was der Korrektur bedarf – so wie die Weisen es auslegen: Woher wissen wir, dass man die Tefillin (Gebetsriemen) auf den linken Arm legt? Weil es heißt: „Es sei dir ein Zeichen auf deiner Hand“ – gelesen als jad keha [die schwache Hand]. Und die Weisen sagten: „Die linke Hand stößt fort, die rechte zieht heran.“

ולבאר את זה על דרך עבודה, קודם כל עלינו לדעת, מה זו הסכנה שיש שמה. ואח"כ נבאר, מה זו סכנה הנראית לעין. ידוע, שסדר העבודה מתחיל מקו ימין. הנה ימין פירושו, דבר שאינו צריך תיקון, נקרא ימין. מה שאין כן דבר הצריך תיקון, נקרא שמאל, כדרשת חז"ל, מנין תפילין שהוא בשמאל, שנאמר "והיה לך לאות על ידכה". יד-כה. והנה חז"ל אמרו, "שמאל דוחה ימין מקרבת".

Um das in der spirituellen Arbeit zu erklären, müssen wir zuerst wissen, was genau die Gefahr ist, die dort besteht. Danach werden wir erklären, was eine „offensichtliche Gefahr“ ist. Es ist bekannt, dass die Arbeit auf der rechten Linie beginnt. „Rechts“ bedeutet etwas, das keiner Korrektur bedarf. Das, was der Korrektur bedarf, heißt „links“, wie unsere Weisen sagten: „Wir legen die Tefillin [Gebetsriemen] links an, wie es geschrieben steht: ‚Und es soll ein Zeichen an deiner Hand sein.'“ – Yadcha [deine Hand]. Unsere Weisen sagten: „Die Linke stößt weg und die Rechte zieht näher.“

6

Wenn man einen Menschen anleitet, die Wege der Arbeit zu gehen, beginnt man deshalb mit der rechten Linie. Denn auf ihr droht dem spirituellen Leben keine Gefahr; hier kann der Mensch immer nur weiter wachsen. Die rechte Linie heißt Chessed (Gnade): Der Mensch hält Tora und Mizwot in Ehren und sagt sich, der Schöpfer habe ihm Gnade erwiesen, indem Er ihm den Gedanken und das Verlangen gab, Tora und Mizwot zu erfüllen. Schon die schlichteste Absicht genügt dafür. Selbst wenn er beim Erfüllen der Mizwot und beim Lernen der Tora keine besonderen Gedanken zu fassen weiß, sondern einfach weiß, dass er die Gebote des Schöpfers erfüllt, die dieser uns durch Moses, unseren Lehrer – Friede sei mit ihm –, gegeben hat: Das reicht schon aus, um ihn zu verpflichten, Tora und Mizwot nach seinem Vermögen zu erfüllen. Mehr braucht es für ihn nicht.

ומשום זה, בזמן שמדריכים את האדם ללכת בדרכי עבודה, מתחילים מימין תחילה. כי בימין אין שום סכנה לחיי הרוחניים. כי תמיד הוא יכול להיות מוסיף והולך. כי קו ימין נקרא חסד, שפירושו, שהאדם מחשיב את התורה והמצות, ואומר שהקב"ה עשה עמו חסד, בזה שנתן לו מחשבה ורצון לקיים תו"מ. ואפילו הכוונה הכי פשוטה, היינו, שאינו יודע מחשבות לחשוב בעת עשיית המצות, ובעת התעסקותו בתורה, אלא פשוט, שהוא יודע, שמקיים מצות ה', מה שציווה לנו ע"י משה רבינו עליו השלום, זה מספיק לחייב אותו לקיים התו"מ, כל אחד כפי יכולתו, זה מספיק לו.

Aus diesem Grund, wenn ein Mensch darin angeleitet wird, auf den Wegen der spirituellen Arbeit zu wandeln, fängt er mit rechts an, denn die Rechte stellt keine Gefahr für das spirituelle Leben dar, da er immer hinzufügen kann, weil die rechte Linie Chessed [Gnade] genannt wird. Das bedeutet, dass der Mensch die Tora und die Mizwot [Gebote] schätzt und sagt, dass der Schöpfer barmherzig mit ihm war, indem Er ihm den Gedanken und das Verlangen gab, Tora und Mizwot zu befolgen. Und selbst die einfachste Absicht, d.h., dass er nicht weiß, welche Gedanken er bei der Ausführung von Mizwot und Tora denken soll, sondern einfach nur weiß, dass er das Gebot des Schöpfers befolgt, der uns durch Moses befohlen hat, reicht aus, um ihn zu verpflichten, die Tora und Gebote nach seinen Möglichkeiten zu befolgen, und das ist ausreichend für ihn.

7

Darum dankt und lobt er bei jeder einzelnen Handlung – ob er nun die Tora lernt oder eine Mizwa erfüllt – dem Schöpfer dafür, dass dieser ihm, wie gesagt, Gnade erwiesen und ihm den Gedanken und das Verlangen gegeben hat, Tora und Mizwot zu erfüllen. Bei jeder Mizwa dankt und lobt er den Schöpfer dafür, dass Er ihn überhaupt an Tora und Mizwot teilhaben lässt. Dabei kommt es nicht auf die Menge an: Solange ihm Zeit bleibt und sein Körper es zulässt, lernt er; und so gut er kann, müht er sich, die Mizwot zu erfüllen. Er freut sich, dass er den Willen des Schöpfers tun darf – etwas, das anderen Menschen wie ihm nicht vergönnt ist, weil der Schöpfer ihnen weder den Verstand noch das Verlangen gegeben hat, Seine Gebote zu erfüllen.

ולפיכך, בכל עשיה ועשיה, שעוסק בתורה או שעוסק בעשיית המצות, הוא מודה ומשבח לה', בזה שעשה עמו חסד, כנ"ל, שנתן לו מחשבה ורצון לקיים התו"מ. אי משום זה, בכל מצוה ומצוה, הוא מודה ומשבח לה', על שזיכה אותו להיות לו אחיזה בתו"מ, לא חשוב כמה, אלא כמה זמן שיש לו אפשרות, שהגוף נותן לו ללמוד, הוא לומד, ועד כמה שאפשר, הוא עושה מאמצים לקיים את המצות. והוא שמח, בזה שיכול לקיים רצון ה', מה שלא ניתן לשאר אנשים כמוהו, היינו, שאין הקב"ה נתן להם שכל ורצון לקיים מצות ה'.

Deshalb dankt und lobt er bei jeder Handlung, die er in der Tora oder den Mizwot befolgt, dem Schöpfer dafür, dass Er barmherzig mit ihm war und ihm den Gedanken und das Verlangen gegeben hat, die Tora und die Gebote zu befolgen. Er dankt und lobt also bei jeder Mizwa [Einzahl von Mizwot ] dem Schöpfer dafür, dass Er ihn mit einem Halt in Tora und Mizwot belohnt hat, ganz gleich, wie viel. Vielmehr lernt er in der Zeit, in der es sein Körper es zulässt, und er bemüht sich, die Mizwot zu halten, so viel er kann. Er ist glücklich, dass er den Willen des Schöpfers erfüllen kann, der anderen Menschen wie ihm nicht gegeben wurde, was bedeutet, dass der Schöpfer ihnen nicht das Verständnis und das Verlangen gegeben hat, die Gebote des Schöpfers zu halten.

8

Wer aber so geht, von dem sagt man noch nicht, dass er auf der „rechten Linie“ wandelt. Denn solange es nur eine einzige Linie gibt und der Mensch keine zweite kennt, lässt sich nicht von einer „rechten“ sprechen. Von „rechts“ redet man erst, wenn es noch eine weitere Linie gibt; dann kann ich sagen: Diese ist die rechte, jene die linke.

וההולך על קו הזה, עוד לא נקרא זה קו ימין. כי אנו רואים, שבזמן שאין יותר מקו אחד, ואין האדם רואה קו שני, אי אפשר לומר, שזה נקרא קו ימין. כי לשון ימין שייך לומר, שיש עוד קו, אז אני יכול לומר, שזה הוא ימין וזהו שמאל.

Jemand, der auf diesem Pfad wandelt, wird trotzdem nicht als auf der rechten Linie wandelnd angesehen, denn wenn es nur eine Linie gibt und ein Mensch keinen zweiten Pfad sieht, ist es unmöglich zu sagen, dass dies die „rechte Linie“ genannt wird. Wir können nur dann von „rechts“ sprechen, wenn eine weitere Linie vorhanden ist. Dann kann ich sagen, dass eine „rechts“ und eine „links“ ist.

9

Deshalb sagt man dem Menschen, wenn man ihn die Wege des Schöpfers führt: „Wisse, der Schöpfer verlangt nichts weiter von dir, als dass du Tora und Mizwot in aller Schlichtheit erfüllst. Das genügt bereits; du musst keine großen Absichten hegen wie die großen Gerechten.“ Der Schöpfer verlangt vielmehr, dass jeder Tora und Mizwot nach seinem eigenen Verstand erfüllt, jeder gemäß seiner Anlage – also mit den Gaben, mit denen er geboren wurde. Denn man kann von einem Menschen nicht verlangen, sich so mit Tora und Mizwot zu befassen wie ein besonders Begabter oder ein besonders Beherzter. Jeder tue es nach der Anlage, die ihm angeboren ist. So sagt der heilige ARI: „Kein Tag gleicht dem anderen, kein Augenblick dem anderen, und kein Mensch gleicht dem anderen; und das Chelbena (Galbanum) korrigiert, was das Levona (Weihrauch) nicht korrigieren kann.“ Das heißt: Jeder Mensch hat sein eigenes Wesen und seine angeborene Anlage zu korrigieren, und von keinem wird mehr verlangt, als seine angeborene Kraft und sein angeborener Verstand hergeben.

ומשום זה, כשמדריכים את האדם ללכת בדרכי ה', אומרים לו, שתדע, כי לא רוצה ה' ממך שום דבר, אלא שתקיים התורה ומצות בתכלית הפשיטות, כבר מספיק לך, ואין אתה צריך לכוון כוונות גדולות, כמו הצדיקים הגדולים. אלא הקב"ה דורש מהאדם, שיקיים תורה ומצות לפי שכלו של אדם, כל אחד לפי תכונתו, היינו עם הכשרונות שהוא נולד, שאי אפשר לדרוש מהאדם, שיעסוק בתורה ומצות כפי בעלי כשרונות גדולים, או בעל אמיצי לב. אלא כל אחד ואחד לפי תכונתו שהוא נולד בו. כמו שאומר האר"י הקדוש, ש"אין יום דומה לחבירו, ורגע דומה לחברתה, ואין אדם דומה לחבירו, ותתקן החלבנה, מה שלא תתקן הלבונה". זאת אומרת, כל אדם, שצריך לתקן את עצמותו ותכונתו, שהוא נולד בה, ואין דורשים מאדם שום דבר יותר מכפי כוחו ושכלו, שעמהם הוא נולד.

Wenn ein Mensch also angeleitet wird, auf dem Weg des Schöpfers zu wandeln, wird ihm gesagt: „Wisse, dass der Schöpfer nichts von dir will, sondern nur, dass du Tora und Mizwot in völliger Einfachheit befolgst. Das ist ausreichend für dich. Du hast keinen Bedarf an großen Absichten wie die großen Gerechten. Vielmehr verlangt der Schöpfer von den Menschen, dass sie Tora und Mizwot nach ihrem Verständnis befolgen, jeder nach seiner Eigenschaft, d.h. nach seinen angeborenen Talenten. Man kann von einem Menschen nicht verlangen, sich mit Tora und Mizwot genauso zu befassen wie Menschen mit großen Talenten oder mit großem Mut, sondern jeder nach der Eigenschaft, mit der er geboren wurde. Es ist so, wie der heilige ARI sagt: „Es gibt keinen Tag, der dem anderen gleicht, keinen Augenblick, der dem anderen gleicht und keinen Menschen, der dem anderen gleicht, und die Milch (Chelbona) wird nicht korrigieren, was der Weihrauch (Levona) nicht korrigieren kann.“ Das heißt, jeder Mensch soll sich selbst und die Eigenschaften, mit denen er geboren wurde, korrigieren. Man muss nicht mehr tun als die Kraft und der Verstand, mit denen er geboren wurde, leisten kann.

10

So besteht die eine Linie darin, dass man ihm sagt: Du brauchst in deiner Arbeit keine Mängel zu suchen. Erfüllst du Tora und Mizwot in aller Schlichtheit, so ist das schon etwas sehr Großes, denn du erfüllst die Gebote des Königs. Der Mensch soll sich Rechenschaft geben und seine schlichte Arbeit zu schätzen wissen. Wenn er etwa betet, einen Vers spricht oder einen Segen sagt – sei es über eine Mizwa oder über einen Genuss –, soll er bedenken, zu wem er spricht. Und je deutlicher er sich vergegenwärtigt, vor wem er steht, desto anders wird er die Segenssprüche und das Gebet empfinden. Selbst wenn er die Bedeutung der Worte nicht kennt, ist das von großem Gewicht; denn es kommt nicht darauf an, was er spricht, sondern zu wem.

נמצא, שקו אחד הוא, שאומרים לו, שאין אתה צריך למצוא חסרונות בעבודה שלך. אלא אם אתה מקיים את התורה ומצות בתכלית הפשיטות, זה הוא דבר גדול מאוד, היות שאתה מקיים מצות המלך. והאדם צריך לעשות לעצמו חשבון, ולהחשיב את עבודתו בתכלית הפשיטות. היינו, אם הוא מתפלל ואומר איזה פסוק או שאומר איזו ברכה, הן ברכת המצות והן ברכת הנהנין, צריך לחשוב אז, למי הוא מדבר. ובטח, כפי שיצייר לעצמו, כי מלפני מי הוא עומד, בטח שיקבל הרגשה אחרת בעת אמירת הברכות, ובעת שהוא מתפלל. ואפילו שהוא לא יודע פירוש המילים, הוא גם כן חשוב מאוד, כי לא חשוב מה שהוא מדבר, כי כאן חשוב למי הוא מדבר.

Daraus folgt, dass ihm nicht gesagt wird, dass er noch Mängeln in der Arbeit suchen muss. Wenn er Tora und Mizwot in völliger Einfachheit hält, ist das eine großartige Sache, denn er befolgt die Gebote des Königs. Der Mensch sollte seine Arbeit in aller Einfachheit berechnen und schätzen. Wenn er also betet und einen Vers oder einen Segensspruch sagt, sei es der Segen über die Mizwot oder der Segen über einen Genuss, dann sollte er daran denken, zu wem er spricht. In dem Maße, wie er sich vorstellt, vor wem er steht, wird er sich beim Sprechen des Segens und beim Beten anders fühlen. Auch wenn er die Bedeutung der Worte nicht kennt, ist das sehr wichtig, denn es kommt nicht darauf an, was er sagt, sondern zu wem er spricht!

11

Erfüllt er also eine Mizwa – legt er etwa Zizit (Gebetsschal) an –, so führt er sich vor Augen, dass es Juden auf der Welt gibt, denen es nicht vergönnt ist, Zizit zu tragen, während ihm das Vorrecht zuteilwurde, ein Gebot des Schöpfers zu erfüllen. Wie viel Dank schuldet er dem Schöpfer dafür! Nach seinem schlichten Verstand also – nach dem Maß, in dem er an die Größe des Schöpfers glaubt und darin ein großes Vorrecht sieht, den Willen des Schöpfers tun zu dürfen – spricht er den Segen „Gesegnet seist Du, Schöpfer“. Er segnet den Schöpfer und dankt Ihm von Herzen, dass dieser ihn ausgezeichnet und ihm gegeben hat, was Er anderen nicht gegeben hat.

לכן, כשעושה איזה מצוה, למשל לובש ציצית, אז הוא מסתכל, שיש כמה יהודים בעולם, שלא ניתנה להם ההזדמנות ללבוש ציצית. ולו, כן היתה הזכיה לקיים מצות ה'. כמה תודות הוא צריך לתת להבורא עבור זה. לכן, כפי שכלו הפשוט, לפי מה שמאמין בגדלות ה', ושיש לו זכיה גדולה, שיכול לעשות רצון ה', בגלל זה אומר הברכה "ברוך אתה ה'", היינו שמברך לה', ונותן לו תודה רבה, עבור שזיכה אותו, ונתן לו מה שלא נתן לאנשים אחרים.

Er sollte deshalb beim Einhalten einer Mizwa , wie dem Tragen von Zizit [Gebetsschal], daran denken, dass es einige Juden auf der Welt gibt, denen es nicht vergönnt war, ein Zizit zu tragen, aber ihm wurde das Privileg zuteil, das Gebot des Schöpfers zu halten. Wie dankbar muss er dem Schöpfer dafür sein. Deshalb, so einfach sein Glaube an die Größe Gottes auch sein mag und dass er das große Privileg hat, den Willen Gottes zu tun, sagt er deshalb den Segen „ Baruch Ata Hashem “ (Gepriesen seist Du, Herr), das heißt, er preist den Herrn und drückt Ihm seinen großen Dank dafür aus, dass Er ihm diese Möglichkeit gegeben hat, die anderen Menschen nicht gegeben wurde. Deshalb sagt er nach seinem einfachen Verstand, nach seinem Glauben an die Größe des Schöpfers und daran, dass es ein großes Privileg ist, dass er tun kann, was der Schöpfer will, aus diesen Gründen den Segensspruch: „Gesegnet seist du, o Herr.“ Das heißt, er segnet den Schöpfer und dankt ihm dafür, dass er ihn belohnt und ihm gegeben hat, was er anderen Menschen nicht gegeben hat.

12

Ebenso dankt er dem Schöpfer, wenn er den Segen über einen Genuss spricht: dafür, dass dieser ihm den Glauben geschenkt hat, der Schöpfer habe die Genüsse hervorgebracht, damit die Menschen sich an ihnen erfreuen. Den übrigen Menschen fehlt dieser Verstand – sie glauben nicht, dass der Schöpfer ihnen all die Dinge gegeben hat, an denen sie sich erfreuen können. Und im Achtzehnbittengebet am Morgen spricht der Mensch: „Gesegnet seist Du, Schöpfer, der Du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast“ – und dankt dem Schöpfer damit von Herzen, dass Er ihn zu einem Israeliten gemacht hat.

וכמו כן כשמברך על ברכת הנהנין, גם כן נותן תודה לה', במה שזיכה אותו, שיאמין שה' המציאו את ההנאות, שיוכלו בני אדם להנות. מה שאין כן שאר אנשים, אין להם השכל הזה, שיאמינו, שה' נתן להם את כל המצרכים, שיוכלו האנשים להנות. וכמו כן אומר האדם בברכת י"ח ברכות בבוקר "ברוך אתה ה', שלא עשני גוי", שנותן תודה רבה לה', על זה שעשה אותו ישראל.

Wenn er einen Segen über Genüsse spricht, dankt er dem Schöpfer auch dafür, dass er ihn mit dem Glauben belohnt hat, dass der Schöpfer ihn mit den Genüssen versorgt hat, damit die Menschen Freude haben können – anders als andere Menschen, die nicht den Verstand haben zu glauben, dass der Schöpfer ihnen all die Dinge gegeben hat, an denen sich die Menschen erfreuen können. Und ebenso sagt ein Mensch während des Shmone Esre (Achtzehn-Gebet) am Morgen: „ Baruch Ata Hashem, She’lo Asani Goy “ („Gesegnet seist du, Herr, dass du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast“), und dankt damit dem Schöpfer, dass er ihn zu Israel gemacht hat.

13

So sehen wir, dass wir dem Schöpfer schon für den kleinsten Anteil danken müssen, den wir an der Heiligkeit (Kedusha) haben, und ihn als etwas Großes ansehen sollen. Auch wenn wir seinen Wert gar nicht recht ermessen können, müssen wir doch daran glauben. Von meinem Vater und Lehrer – sein Andenken sei zum Segen – hörte ich einmal den Ausspruch: So hoch wir die Bedeutung von Tora und Mizwot liShma (um ihretwillen) auch einzuschätzen meinen – in Wahrheit ist das lo liShma (nicht um ihretwillen), das wir tun, unvergleichlich viel bedeutender, als wir das liShma überhaupt würdigen können.

אם כן אנו רואים, שאנו צריכים להודות לה', על החלק הכי קטן שיש לנו בקדושה, לדבר גדול יחשב. ואף על פי שאין לנו היכולת להעריך את זה, מכל מקום אנו צריכים להאמין את זה. ואני שמעתי מאאמו"ר זצ"ל, שאמר פעם, שעד כמה אנו מבינים להעריך את חשיבותה של תורה ומצות לשמה, ולאמיתו של דבר חשוב השלא לשמה, מה שאנו עושים, יותר לאין ערך, למה שאנו מעריכים את הלשמה.

Daher sehen wir, dass wir dem Schöpfer auch für die kleinsten Dinge, die wir an Kedusha [Heiligkeit] haben, danken und sie als groß ansehen müssen. Auch wenn wir nicht fähig sind, dessen Wert richtig einzuschätzen, müssen wir dennoch daran glauben. Ich hörte von Baal HaSulam, der einmal sagte, dass, so sehr wir auch die Bedeutung der Tora und der Mizwot im Aspekt liShma [um Ihretwillen] verstehen, in Wahrheit lo liShma [nicht um Ihretwillen] viel wichtiger ist, als wir liShma schätzen.

14

Denn es übersteigt unsere Kraft, das Wohlgefallen (Nachat Ruach) zu ermessen, das der Schöpfer daraus empfängt, dass wir Seinen Willen tun wollen. Da jede Handlung hier unten in dieser Welt oben in den höheren Welten etwas erweckt – wie der heilige Sohar sagt: „Eine Tat unten erweckt eine Tat oben“ –, und da der Mensch noch nicht gewürdigt ist, in den Palast des Königs einzutreten und die Lichter zu erfassen, die durch die Taten der Unteren erneuert werden, bleibt ihm nur, daran zu glauben, dass es so ist.

זאת אומרת, שאין בידינו כח להעריך את הנחת רוח שיש להבורא, מזה שאנו רוצים לקיים את רצונו. והיות כל מעשה שנעשה למטה בעולם הזה, גורם התעוררות למעלה בעולמות עליונים, כמו שאומר בזה"ק "בעובדא דלתתא, איתער עובדא דלעילא" [בפעולה שלמטה מתעוררת פעולה שלמעלה], והיות שהאדם, שעוד לא זכה להכנס בהיכל המלך, ולהשיג את האורות, שמתחדשים ע"י המעשים של התחתונים, אין לו אלא להאמין שכך הוא.

Das bedeutet, dass wir die Zufriedenheit, die der Schöpfer aus unserem Verlangen, Seinen Willen zu tun, zieht, nicht zu schätzen wissen. Und jede Handlung, die unten, in dieser Welt, ausgeführt wird, bewirkt eine Erweckung oben, in der Höheren Welt, wie es im Heiligen Sohar heißt: „Eine Handlung unten erweckt eine Handlung oben.“ Da der Mensch noch nicht damit belohnt wurde, in den Palast des Königs einzuziehen und die Lichter zu erlangen, die durch die Arbeiten der Unteren erneuert werden, müssen wir glauben, dass dies so ist.

15

Kommt also ein Mensch in die Synagoge und spricht dort auch nur einen einzigen Vers für den Schöpfer, so lässt sich die Bedeutung dieser Tat für den Schöpfer gar nicht ermessen. Denn der Mensch vollbringt eine Tat, und an der Tat selbst ist nichts hinzuzufügen – und gerade das ist das Zeichen ihrer Vollkommenheit: Vor dem Schöpfer gilt sie so viel, als hätte er sie mit allen Absichten der vollkommenen Gerechten verrichtet. Man sagt ihm nämlich: Es gibt Gerechte, die der Tat nur noch Absichten hinzufügen; an der Tat selbst aber ist nichts zu ändern. Über sie heißt es ja: „Du sollst nichts hinzufügen und nichts wegnehmen.“

היינו, כשאדם בא לבית הכנסת, ואומר שם פסוק אחד לה', אין ערך לחשיבותו של המעשה להקב"ה, כיון שהאדם עושה אז מעשה, ובהמעשה אין מה להוסיף, וזה הוא סימן שיש בהמעשה שלימות, והוא חשוב לפני הקב"ה, כאילו הוא קיים אותה בכל הכוונות של הצדיקים גמורים. זאת אומרת, שאומרים לו, שיש צדיקים, מה שהם מוסיפים על המעשה רק כוונות, אבל על המעשה בעצמו אין מה להוסיף, כנ"ל ועל המעשה נאמר "לא תוסיף ולא תגרע".

Das heißt, wenn ein Mensch in die Synagoge kommt und dort einen Vers für den Schöpfer sagt, ist diese Handlung unermesslich, denn zu diesem Zeitpunkt vollbringt der Mensch eine Handlung, und der Handlung ist nichts hinzuzufügen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Handlung vollkommen ist und sie vor dem Schöpfer so geschätzt wird, als ob sie mit allen Absichten der vollkommenen Gerechten ausgeführt wurde. Das heißt, man sagt ihm, dass es Gerechte gibt, die der Handlung einzig und alleine Absichten hinzufügen, aber an der Handlung selbst gibt es nichts hinzuzufügen, wie bereits erwähnt, und über die Handlung wird gesagt: „Du sollst nichts hinzufügen und nichts wegnehmen“.

16

Doch man sagt ihm auch: Die Arbeit der Absichten ist nicht deine Sache; sie bleibt einigen wenigen Auserwählten vorbehalten. Und wenn nun darin seine Vollkommenheit liegt, so setzt er seine ganze Kraft daran, all das zu bewahren, was ihm seine Erziehung mitgegeben hat. Er weiß: Seine einzige Aufgabe ist es, die Menge zu wahren. Um die Qualität aber – also darum, die Absichten zu veredeln, das heißt die Beweggründe, aus denen er Tora und Mizwot erfüllt – kümmert er sich nur so weit, wie es ihm die Erziehung beigebracht hat: dass er für seine Arbeit, Tora und Mizwot zu wahren, im Großen und Ganzen diese Welt und auch die kommende Welt erhalten wird. Das nennt man die eine Linie und noch nicht die rechte; denn es gibt hier noch kein „Links“, neben dem man diese Linie „rechts“ nennen könnte – und ohne Links gibt es kein Rechts.

אבל אומרים לו, העבודה של כוונות זוהי לא בשבילך, זהו שייך רק ליחידי סגולה. וממילא אם זוהי השלימות שלו, לכן הוא משים כל מרצו וכוחו לשמור את כל מה שהוא קיבל מהחינוך. ובזה הוא יודע, שכל מה שעליו לעשות, הוא רק לשמור על הכמות. ולהאיכות, היינו להשביח את הכוונות, היינו הסיבות שמחייבו לקיים תורה ומצות, הוא יודע מה שמסרו לו מטעם החינוך. שבאופן כללי יהיה לו עולם הזה וכמו כן עולם הבא תמורת עבודתו בשמירת התורה ומצות. וזה נקרא קו אחד, ולא קו ימין, כי עדיין אין כאן בחינת שמאל, שנאמר, שקו הזה נקרא ימין, כנ"ל, כי אין ימין בלי שמאל.

Ihm wird jedoch gesagt, dass die Arbeit an den Absichten nicht für ihn ist, dass sie nur für einige wenige Auserwählte ist. Wenn dies also seine Vollkommenheit ist, setzt er seine ganze Energie darauf, das zu bewahren, was er durch seine Erziehung erhalten hat. Er weiß, dass er nur die Quantität beibehalten muss. Was hingegen die Qualität angeht, d.h. die Absichten zu verbessern –, nämlich die Gründe, die ihn zum Einhalten von Tora und Mizwot veranlassen –, weiß er, was ihm in seiner Erziehung gesagt wurde, dass er im Allgemeinen diese Welt und die kommende Welt für seine Arbeit im Einhalten von Tora und Mizwot erhalten wird. Das wird „eine einzige Linie“ genannt und nicht die „rechte Linie“, denn da ist noch kein „links“, von dem wir sagen können, dass diese Linie „rechts“ heißt, da es kein „rechts“ ohne „links“ gibt.

17

Auf diesem Weg droht keine Gefahr, dass er das spirituelle Leben der Heiligkeit verliert. Im Gegenteil, er kommt stetig voran, denn was zählt, bemisst sich an der Tat – und mit jedem Tag kommen neue Taten hinzu. Darum schreitet er immer weiter, weil er sieht, wie täglich neue Taten dazukommen. Mit zwanzig Jahren etwa weiß er, dass er bereits sieben Jahre lang Tora und Mizwot erfüllt hat; mit dreißig hat er schon einen Besitz von siebzehn Jahren Tora und Mizwot.

ועל דרך הזה אין שום סכנה, שיאבדו לו החיים רוחניים דקדושה. אלא תמיד הוא מתקדם, כי החשבונות שלו נמדדים לפי המעשה. ובכל יום ניתוספו לו מעשים חדשים. לכן הוא תמיד מתקדם קדימה, בגלל שהוא רואה תמיד, שהוא מוסיף כל יום מעשים חדשים. נגיד על דרך משל, כשהוא הגיע לגיל עשרים, הוא יודע, למשל, שכבר יש לו שבע שנים של קיום תורה ומצות. וכשהגיע לגיל שלושים שנה, אז כבר יש לו רכוש של תורה ומצות שבע עשרה שנה.

Auf diese Weise besteht keine Gefahr, dass er das spirituelle Leben der Kedusha [Heiligkeit] verlieren könnte. Er schreitet vielmehr immer weiter voran, denn seine Berechnungen werden am Handeln gemessen, und jeden Tag kommen neue Handlungen hinzu. Deshalb macht er immer Fortschritte, denn er kann sehen, dass er jeden Tag neue Handlungen hinzufügt. Wenn er zum Beispiel zwanzig Jahre alt wird, weiß er, dass er bereits sieben Jahre lang Tora und Mizwot erfüllt hat. Und wenn er das dreißigste Lebensjahr erreicht, hat er siebzehn Jahre Tora und Mizwot erworben.

18

So ergibt sich, dass dies ein sicherer Weg ist, auf dem seinem spirituellen Leben keine Gefahr droht; denn er hat eine feste Grundlage, an der er seinen Fortschritt ablesen und messen kann. Darum heißt dieser Weg ein sicherer. Hier kann es nicht geschehen, dass er von seiner Stufe fällt und schließlich verzweifelt, weil er meint, in seiner Arbeit nicht voranzukommen. Er kann vielmehr immer gelassen bleiben. Das Einzige, was ihm in der Arbeit manchmal Kummer macht, ist der Schmerz darüber, dass die Menschen um ihn herum dem Schöpfer nicht dienen wie er. Nur darüber grämt er sich. Sich selbst aber sieht er mit Freude: Er hat, Gott sei Dank, einen Besitz an Tora und Mizwot.

נמצא לפי זה, שזו דרך בטוחה, שאין כאן שום סכנה לחיי הרוחניות שלו, היות שיש לו בסיס על מה להסתכל, ולמדוד את ההתקדמות שלו. ומשום זה נקראת הדרך הזו, דרך בטוחה. ואין כאן שום סכנה לחיי הרוחניים שלו, היינו בדרך הזו לא שייך שיפול ממדרגתו, ויבוא פעם לידי יאוש, מסיבת שהוא רואה, שהוא לא מצליח בעבודתו. אלא תמיד הוא יכול להיות בשלוות הנפש. אלא כל מה שהוא מצטער לפעמים בעבודה, הוא, שכואב לו, מדוע שאר אנשים הנמצאים בסביבתו, אינם עובדים את ה' כמותו. רק מזה הוא מצטער בעבודתו. אבל על עצמו הוא רואה, שיש לו עם מה לשמוח, שברוך ה' יש לו רכוש של תו"מ.

Daraus folgt, dass dieser Weg gesichert ist und keine Gefahr für sein spirituelles Leben besteht, da er eine Grundlage hat, auf die er schauen und seine Fortschritte messen kann. Daher gilt dieser Weg als sicher und es besteht keine Gefahr für sein spirituelles Leben. Das heißt, auf diesem Weg wird er nicht von seiner Stufe abfallen oder jemals verzweifeln, weil er sehen könnte, dass er in seiner Arbeit nicht erfolgreich ist. Stattdessen wird er immer in Frieden sein. Sein einziges Bedauern in der Arbeit wird sein, dass es ihn schmerzt, dass andere Menschen um ihn herum dem Schöpfer nicht so dienen wie er. Das ist sein einziges Bedauern in der Arbeit. Er selbst aber stellt fest, dass er viel Grund zur Freude hat, dass er Gott sei Dank Besitz von Tora und Mizwot hat.

19

Sagt man ihm nun aber, es gebe noch einen weiteren Weg, die sogenannte linke Linie, so verändert sich die Lage. Auf ihr erkennt der Mensch nämlich: Zwar befasst er sich mit Tora und Mizwot, doch er muss sich während der Arbeit selbst korrigieren. Und diese Korrektur betrifft nicht die Tat, sondern die Absicht – nämlich die Frage, mit welcher Absicht er handelt, also aus welchem Beweggrund er Tora und Mizwot erfüllt. Eben das nennt man bereits einen „gefährlichen Weg“, und zwar aus zwei Gründen.

אולם בזמן שאומרים לו, שיש עוד דרך, המכונה קו שמאל, שפירושו, שבדרך הזה האדם רואה, שאף על פי שהוא עוסק בתורה ומצות, מכל מקום הוא צריך לתקן את עצמו בעת העבודה, ולא שהתיקון הוא על המעשה, אלא שהוא צריך תיקון על הכוונה, שפירושו, על איזה כוונה הוא עושה המעשים שלו, זאת אומרת, מהי הסיבה שמחייבו לקיים התורה ומצות, זה כבר נקרא "דרך סכנה". מב' טעמים:

Wenn ihm jedoch gesagt wird, dass es einen anderen Weg gibt, der „linke Linie“ genannt wird, was bedeutet, dass der Mensch auf diesem Weg sieht, dass er sich, obwohl er sich mit Tora und Mizwot befasst, trotzdem während der Arbeit korrigieren muss, und dass die Korrektur nicht auf dem Handeln liegt, sondern dass er die Absicht korrigieren muss, d.h. mit welcher Absicht er tut, was er tut, nämlich den Grund, der ihn dazu bringt, Tora und Mizwot zu halten. Dies wird bereits als ein gefährlicher Weg angesehen. Das ist aus zwei Gründen so:

20

Erstens. Man sagt ihm zwar: Gewiss, ohne Lohn kann niemand arbeiten; jeder, der irgendeine Arbeit tut, ob groß oder klein, braucht einen Treibstoff, der ihm Kraft dazu gibt. Sagt man ihm nun aber, der Lohn bestehe darin, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten – das, was man nennt: „dass sein ganzes Verlangen einzig dem Geben an den Schöpfer gilt“ –, so sieht der Körper darin nicht immer einen Grund, der stark genug wäre, ihm Kraft zur Arbeit zu geben. Denn das widerspricht der Natur des Menschen, dessen Stoff ein Verlangen ist zu empfangen, um zu empfangen.

א. היות שאומרים לו, נכון שבלי שכר לא יכולים לעבוד. אלא כל אדם העובד איזו עבודה, לא חשוב עבודה גדולה או קטנה, הוא צריך לחומרי דלק, שיתנו לו כח לעבודה. ואם אומרים לו, שהשכר הוא בזה, שיזכה לעשות נחת להבורא, הנקרא "שכל רצונו יהיה אך ורק להשפיע להבורא", הסיבה הזו אין הגוף מבין תמיד, שתהיה סיבה מספקת, שתיתן לו כח לעבודה. מטעם שזהו נגד הטבע של האדם, היות שחומר של האדם הוא רצון לקבל בעמ"נ לקבל.

1.) Ihm wird gesagt, dass es wahr ist, dass es unmöglich ist, ohne Belohnung zu arbeiten. Vielmehr braucht jeder Mensch, der irgendeine Arbeit verrichtet, ob groß oder klein, einen Treibstoff, der ihm Kraft zum Arbeiten gibt. Wenn ihm gesagt wird, dass die Belohnung darin besteht, dass er dem Schöpfer Zufriedenheit bringt, was bedeutet, dass „Sein Wunsch nur darin besteht, dem Schöpfer etwas zu geben“, versteht der Körper diesen Grund nicht als ausreichend, um ihm Kraft zum Arbeiten zu geben, denn er ist gegen die menschliche Natur, weil die Substanz des Menschen der Wille ist, zu empfangen, um zu empfangen.

21

Solange er auf der einen Linie arbeitete, lag die Grundlage darin, dass er für seine Mühe in dieser Welt sowohl diese als auch die kommende Welt erhalten würde. Da konnte der Körper begreifen, dass sich die Arbeit für ihn selbst lohnt – dass er also genießt und eine Gegenleistung empfängt.

ומשום זה, כשהיה עובד בקו אחד, היינו הבסיס של שכר בעולם הזה ובעולם הבא הוא יקבל תמורת עבודתו בעולם הזה, אז הגוף יכול להבין, שבשביל עצמו, היינו שהוא יהנה ויקבל תמורה, כדאי לעבוד.

Aus diesem Grund kann der Körper, wenn er in einer Linie arbeitet, was bedeutet, dass die Grundlage seiner Arbeit in dieser Welt darin besteht, dass er in dieser Welt und in der kommenden Welt Belohnung empfangen wird, verstehen, dass es sich für ihn selbst, d.h. um zu genießen und belohnt zu werden, lohnt zu arbeiten.

22

Sagt man ihm aber, er solle mit Absicht arbeiten – bei jeder Handlung also die Absicht haben, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten –, dann verlässt ihn die Kraft zur Arbeit. Denn nun fordert sein Körper eine Erklärung: „Wie soll ich arbeiten und auf vieles verzichten, das ich genießen könnte, nur damit der Schöpfer Freude hat?“ Das ist ein Weg, der eine Gefahr birgt: Er kann sein ganzes spirituelles Leben verlieren – sogar das, was er sich auf der einen Linie bereits erworben hatte.

אבל בזמן שאומרים לו, שהוא צריך לעבוד עם כוונות, היינו שיכוון בכל עשיה ועשיה שהוא עושה מעשה זה, בכדי להשפיע נחת רוח ליוצרו, הוא נשאר בלי כוחות עבודה, שאז הגוף שלו דורש הסבר על זה: "איך אפשר, שאני אעבוד ואני אוותר על הרבה דברים, שהגוף יכול להנות מהם, בכדי שתהיה הנאה להבורא". זוהי דרך שיש בה סכנה, היינו שיאבדו לו כל החיים הרוחניים, אפילו מה שרכש מזמן היותו עוסק בקו אחד.

Wenn ihm jedoch gesagt wird, dass er mit der Absicht und Ausrichtung arbeiten muss, um mit jeder Handlung, die er ausführt, seinem Schöpfer Zufriedenheit zu bringen, ist er in der Arbeit kraftlos, denn dann verlangt sein Körper nach Erklärungen: „Wie kann ich arbeiten und auf viele Dinge verzichten, die der Körper genießen kann, damit der Schöpfer Freude daran hat?“ Auf diesem Weg besteht die Gefahr, dass er sein ganzes spirituelles Leben verliert, auch das, was er sich erworben hat, als er auf dem einzelnen Pfad wandelte.

23

Zweitens. Selbst wenn er sich jedes Mal aufs Neue überwindet und um des Gebens willen arbeiten will, sieht er doch, dass ihm gerade die Absicht nicht gelingt; im Gegenteil, er erlebt immer das Gegenteil. Auf der einen Linie sah er, wie er vorankam: Waren zehn Jahre Arbeit vergangen, besaß er Tora und Mizwot von zehn Jahren; nach zwanzig Jahren hatte er einen Besitz von zwanzig Jahren. Hier dagegen – auf der rechten Linie – ist es umgekehrt: Sind drei Jahre vergangen und es will ihm nicht gelingen, seine Handlungen auf das Geben auszurichten, dann ist er nur umso gebrochener und zerschlagener. Schon drei Jahre arbeitet er auf dem Weg des Gebens und hat doch nichts vorzuweisen – keinen Besitz in der Hand, obwohl er drei Jahre hineingesteckt hat. Erst recht nach fünf Jahren, und so weiter. Je mehr Zeit er also investiert, desto schlechter steht er da, wie ihm scheint.

ב. וטעם ב' של סכנה הוא, שאפילו הוא מתגבר בכל פעם, ורוצה לעבוד בעמ"נ להשפיע, והיות שהוא רואה, שמבחינת הכוונה הוא לא מתגבר, אלא הוא רואה תמיד להיפך, דהיינו, במקום עבודתו, שהיה עובד בקו אחד, היה רואה שהוא מתקדם, כנ"ל, שאם עבר עליו עשר שנים בעבודה, אז יש לו תו"מ של עשר שנים, ואם כבר עבר עשרים שנים, שהוא עוסק בתו"מ, כבר יש לו רכוש של עשרים שנים. וכאן, בקו ימין, להיפך, אם עבר עליו שלוש שנים, והוא לא יכול לכוון בעשיותיו בעמ"נ להשפיע, אז הוא יותר שבור ורצוץ, הוא כבר עובד עבודה של דרך השפעה שלוש שנים, ואין לו על מה להסתכל, היינו, שאין לו שום רכוש בידו, אף על פי שהשקיע שלוש שנים בעבודה. ומכל שכן שהשקיע חמש שנים, וכן הלאה. לכן כל מה שהשקיע יותר זמן בעבודה, הוא רואה, שהוא יותר גרוע.

2.) Der zweite Grund für die Gefahr ist, dass er, selbst wenn er sich jedes Mal überwindet und um des Gebens willen arbeiten will, sieht, dass er sich in der Absicht nicht überwinden kann, sondern immer das Gegenteil sieht. Als er auf einer einzigen Linie arbeitete, sah er, dass er vorankommt. Das heißt, wenn er zehn Jahre lang gearbeitet hatte, dann hatte er zehn Jahre Tora und Mizwot , und wenn er sich zwanzig Jahre in Tora und Gebote befasst hat, dann hat er einen Besitz von zwanzig Jahren. Aber hier, auf der rechten Linie, ist es genau andersherum. Wenn er drei Jahre lang gearbeitet hat und er nicht in der Lage ist, seine Handlungen mit der Absicht zu geben und nicht zu empfangen auszuführen, dann ist er gebrochener und niedergeschlagener. Das heißt, er hat keinen Besitz, obwohl er drei Jahre lang in die Arbeit investiert hat. Wenn er fünf Jahre lang gearbeitet hat und so weiter, ist es noch schlimmer. Je mehr er sich in der Arbeit angestrengt hat, desto schlechter sieht er sich.

24

Doch in Wahrheit, so sagte mein Vater und Lehrer – sein Andenken sei zum Segen –, lässt sich einerseits sagen, dass der Mensch der Wahrheit durchaus näherkommt, nämlich in der Erkenntnis des Bösen. Bevor er die Arbeit begann, meinte er, er werde sein Böses durchaus überwinden können. So sagten es schon die Weisen (Sukka 52): „Den Frevlern erscheint der böse Trieb wie ein Haar, den Gerechten aber wie ein hoher Berg.“

אבל באמת, אמר אאמו"ר זצ"ל, שמצד אחד יכולים לומר, שהאדם כן מתקדם יותר להאמת, היינו בהכרת הרע. שמטרם שהתחיל בעבודה, הוא חשב, שהוא לא כל כך שלא יוכל להתגבר על הרע שלו. וזה כמו שאמרו חז"ל (סוכה נ"ב) "רשעים יצר הרע נדמה להם כחוט השערה, וצדיקים, כהר גבוה".

Aber Baal HaSulam sagte, dass wir in Wahrheit einerseits sagen können, dass der Mensch in der Erkenntnis des Bösen der Wahrheit näher gekommen ist. Bevor er mit der Arbeit begann, dachte er, er würde sein Böses überwinden können. Es ist so, wie unsere Weisen sagten ( Sukka , 52): „Dem Frevler erscheint der Böse Trieb wie eine Haaresbreite, dem Gerechten aber wie ein hoher Berg.“

25

Andererseits muss der Mensch die Wahrheit sehen, wie sie ist: dass sich sein Böses dabei kein Haarbreit gerührt hat. Und daraus erwächst eine Gefahr – dass er, Gott behüte, verzweifelt. Denn er sagt sich, das lo liShma sei wertlos, da die eigentliche Arbeit doch darin bestehe, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten; und gerade hierin sieht er, dass er sich nicht überwinden kann. So kann es geschehen, dass er, Gott behüte, durch den Gang auf der linken Linie vollends aus dem spirituellen Leben gestoßen wird. Denn auch sein lo liShma hat er bereits beschädigt. Am Ende steht er mit leeren Händen da und hat keinerlei Halt mehr im Leben der Heiligkeit.

אולם מצד השני, אדם צריך לראות האמת כפי שהיא, היינו, שרע שלו בזה לא זז כמלוא נימא. ומזה יש סכנה, שהוא בא לידי יאוש חס ושלום, כי אומר, שלא לשמה אין לו ערך, כי עיקר עבודה, שיהיה נחת רוח להבורא, ועל זה הוא רואה, שלא יוכל להתגבר, נמצא, שע"י זה שהולך בקו שמאל, יכול חס ושלום יהיה נדחה לגמרי מחיי הרוחניים. כי הוא כבר פגם בהשלא לשמה. נמצא, שהוא קרח מכאן וקרח מכאן, ואין לו שום אחיזה בחיים דקדושה.

Andererseits muss ein Mensch die Wahrheit sehen, wie sie ist, das heißt, dass sich sein Böses dadurch keinen Zentimeter bewegt hat, und das könnte ihn in die Gefahr bringen, zu verzweifeln, denn er würde sagen, dass Lo liShma [nicht um Ihretwillen] wertlos ist, da das Wesentliche der Arbeit darin besteht, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bringen, und er sieht, dass er nicht in der Lage sein wird, sich zu überwinden. Es stellt sich heraus, dass er, wenn er auf der linken Linie wandelt, vielleicht, Gott bewahre, völlig vom spirituellen Leben abgestoßen wird, denn er ist in liShma bereits gescheitert. Er findet sich dann in einer Situation wieder, in der er weder hier noch dort einen Halt in der Kedusha hat.

26

Darum leitet man den Menschen zunächst nur auf der einen Linie. Erwacht er jedoch von selbst und verspürt aus sich heraus den Drang, die Wahrheit zu suchen, [so fragt er sich,] ob jene, die ihn diesen Weg führten, ihn für immer so gemeint haben – oder ob man ihm nur deshalb, weil er damals am Anfang stand, die linke Linie noch nicht eröffnete, auf der er sich korrigieren muss, damit all sein Tun um des Himmels willen geschieht.

ובגלל זה אין מדריכים את האדם רק בקו אחד כנ"ל. ואם הוא מתעורר בעצמו, ויש לו דחיפה מצד עצמו, שמתחיל לחפש את האמת, אם זה שהנחוהו ללכת בדרך זה הוא לעולמים, או שרק שהוא היה אז בתחילת עבודתו, לא היה מגלים לו את הקו שמאל, שהוא צריך לתקן עצמו, שיהיו כל מעשיו לשם שמים.

Aus diesem Grund werden die Menschen [zunächst] nur auf einer einzelnen Linie geleitet. Wenn sie sich jedoch aus eigenem Antrieb regen und von sich aus den Drang verspüren, die Wahrheit zu suchen, ob der Weg, den man ihnen gewiesen hat, für immer der richtige ist, oder ob es nur so war, weil sie am Anfang ihrer spirituellen Praxis standen, und ihnen deshalb nicht den linken Pfad offenbart hat, auf dem sie sich selbst korrigieren müssen, damit all ihre Handlungen um des Himmels willen sind.

27

So sagt es auch Maimonides am Ende der Hilchot Teshuwa (der Gesetze der Umkehr): „Die Weisen sagten: Stets befasse sich der Mensch mit der Tora, auch lo liShma; denn aus dem lo liShma gelangt er zum liShma. Wenn man darum Kinder, Frauen und das einfache Volk unterrichtet, lehrt man sie zunächst nur, aus Ehrfurcht und um des Lohnes willen zu dienen. Erst wenn ihr Wissen wächst und sie größere Weisheit erlangen, enthüllt man ihnen dieses Geheimnis nach und nach und gewöhnt sie behutsam daran, bis sie ihn erfassen und aus Liebe erkennen.“

וזהו כמו שאומר הרמב"ם (בסוף הלכות תשובה) וזה לשונו, "ואמרו חכמים, לעולם יעסוק אדם בתורה ואפילו שלא לשמה, שמתוך שלא לשמה בא לשמה. לפיכך, כשמלמדים את הקטנים, ואת הנשים, וכלל עמי הארץ, אין מלמדים אותן אלא לעבוד מיראה וכדי לקבל שכר. עד שתרבה דעתן ויתחכמו חכמה יתירה, מגלים להם רז זה מעט מעט, ומרגילין אותן לענין זה בנחת, עד שישיגוהו וידעוהו מאהבה".

Das ist so, wie Maimonides (am Ende der Hilchot Teshuva ) sagt: „Die Weisen sagten: ‚Man sollte sich immer mit Tora befassen, auch in lo liShma , denn von lo liShma kommt man zu liShma . Deshalb lehrt man Kinder, Frauen und Ungebildete, aus Ehrfurcht zu arbeiten und Belohnung zu empfangen. Bis sie Wissen erlangen und sich viel Weisheit aneignen, werden sie Stück für Stück in dieses Geheimnis eingeweiht und mit Leichtigkeit an diese Angelegenheit gewöhnt, bis sie Ihn erlangen und aus Liebe verstehen.“

28

Man muss also beide Linien gehen, die rechte und die linke. Selbst wenn er bereits weiß, dass es eine Sache der Wahrheit gibt, die man liShma nennt, trägt der Weg, den er ging, als er nur die eine Linie hatte, nun doch einen neuen Namen: Er heißt jetzt „rechte Linie“.

אי לזאת, צריכים ללכת בקו ימין ובקו שמאל, שפירושו, אפילו שכבר יודע, שיש ענין של אמת, הנקרא לשמה, מכל מקום הדרך שהיה הולך בה, בזמן שהיה לו רק קו אחד, עכשיו הקו הזה קיבל שם חדש, ונקרא עכשיו קו ימין.

Deshalb müssen wir sowohl auf der rechten als auch auf der linken Linie wandeln. Das bedeutet, dass selbst wenn der Mensch weiß, dass es eine Wahrheit namens liShma gibt, hat die Linie, auf der er wandelte, jetzt einen neuen Namen empfangen und heißt „rechte Linie.“

29

Was aber gewinnen wir, wenn wir die eine Linie jetzt „rechte Linie“ nennen? Die Erklärung: Jetzt ist der rechten Linie bereits eine Absicht beigegeben. Indem wir die eine Linie in „rechte Linie“ umbenennen, verbindet sich mit diesem Namen eine bestimmte Absicht, die es vorher, als sie „eine Linie“ hieß, nicht gab – nämlich, dass er die linke Linie nicht annullieren und allein die rechte gehen darf, denn ohne Links gibt es kein Rechts. Man muss also sagen: Solange er die eine Linie ging, wusste er nicht, ob es noch einen anderen Weg gibt. Jetzt aber, da ihr eine linke Linie gegenübersteht, heißt die eine Linie „rechte Linie“.

אולם מה מוסיף לנו, בזה שאנו מכנים עכשיו את הקו אחד בשם קו ימין. ההסבר הוא, כי עכשיו ניתנה כבר כוונה על קו ימין. זאת אומרת, בזה שנשנה השם של קו אחד לקו ימין, נופל השם הזה על כוונה מיוחדת, מה שלא היה בזמן, שהיה נקרא קו אחד. והוא, שאסור לו לבטל את הקו שמאל, וללכת בקו ימין, כי אין ימין בלי שמאל. אם כן מוכרחים לומר, שבזמן שהולך בקו אחד, לא היה יודע אם יש עוד דרך אחר. וכנגדו יש עכשיו קו שמאל, אז נקרא קו אחד עכשיו בשם קו ימין.

Aber was bringt es uns, dass wir jetzt die eine Linie „rechte Linie“ nennen? Die Erklärung ist, dass jetzt eine Absicht auf der rechten Linie ist. Das heißt, durch die Änderung des Namens „eine Linie“ in „rechte Linie“ wird eine besondere Absicht mit diesem Namen verbunden, die es bei der Bezeichnung „eine Linie“ nicht gab. Deshalb ist es auch verboten, die linke Linie aufzuheben und auf der rechten Linie zu wandeln, denn es gibt kein rechts ohne links. Wir müssen also sagen, dass er, als er in einer einzigen Linie wandelte, nicht wusste, ob es einen anderen Weg gibt. Aber jetzt, wo die linke Linie ihm gegenüber liegt, wird die eine Linie „rechte Linie“ genannt.

30

Das heißt: Die Vollkommenheit, die er jetzt empfängt, rührt nicht daher, dass er ohne jeden Mangel ginge, sondern daher, dass er sich vollkommen fühlt und sich an seiner Arbeit freut – so wie vor seinem Eintritt in die linke Linie, nur aus einem anderen Grund. Auf der rechten Linie kommt die Vollkommenheit daher, dass er sich als einfachen Menschen erkennt und weiß: Es gibt einen Weg der Wahrheit, nämlich um des Himmels willen zu arbeiten. Doch er sieht zugleich, wie weit er davon entfernt ist – sein Körper lässt es nicht zu, dass er ganz im Schöpfer aufgeht, sodass all sein Streben dem Geben gälte. Und dennoch sieht er, dass der Schöpfer ihm immerhin die Kraft gegeben hat, ein wenig mit der Heiligkeit in Berührung zu kommen, während andere das nicht einmal können. Dafür dankt und lobt er den Schöpfer – und in diesem Zustand ist er vollkommen.

והפירוש, את השלימות, שהוא מקבל עכשיו, היא אינה מצד שהולך בלי שום חסרונות, אלא שמרגיש את עצמו בשלימות, והוא בשמחה מהעבודה שלו, כמו שהיה מטרם שנכנס לעבוד בקו שמאל, הוא מסיבה אחרת. כאן, בקו הימין, השלימות היא, מטעם, היות שהוא רואה, שהוא איש פשוט, והוא יודע, שיש דרך אמת, היינו שצריך לעסוק לשם שמיים. אבל הוא רואה, שהוא רחוק מזה, היינו שהגוף שלו לא מרשה לו להיבטל כולו לה', היינו שכל מגמותיו בהחיים שלו יהיה בעמ"נ להשפיע. ומכל מקום הוא רואה, שקצת לנגוע בהקדושה, הקב"ה כן נתן לו כח. ולאחרים אין כח כזה. נמצא, שהוא מודה ומשבח לה' עבור זה. נמצא, במצב כזה הוא בשלימות.

Das bedeutet, dass er die Vollkommenheit, die er jetzt empfängt, nicht deshalb empfängt, weil er ohne Mängel wandelt, sondern weil er sich vollkommen und glücklich mit seiner Arbeit fühlt, so wie vorher, als er in der linken Linie gearbeitet hat, aber aus einem anderen Grund. Hier, in der rechten Linie, ist die Vollkommenheit, weil er sieht, dass er ein einfacher Mensch ist und weiß, dass es einen wahren Weg gibt, das heißt, dass man sich mit des Schöpfers Willen befassen muss, aber er sieht, dass er weit davon entfernt ist. Das heißt, sein Körper lässt es nicht zu, dass er sich vor dem Schöpfer vollkommen annulliert, sodass seine einzige Richtung im Leben das Geben ist. Und doch sieht er, dass der Schöpfer ihm die Kraft gegeben hat, einen gewissen Kontakt mit der Heiligkeit zu haben, und andere haben diese Kraft nicht. Daraus folgt, dass er dem Schöpfer dafür dankt und ihn preist. Daraus folgt, dass er sich in einem solchen Zustand in Vollkommenheit befindet.

31

Doch jetzt, da er auf der linken Linie zu arbeiten begonnen und begriffen hat, dass es vor allem auf die Arbeit des Gebens ankommt, fällt es ihm schwer, sich mit Wenigem zu begnügen. Wenn schon arbeiten, denkt er, dann lohnt es sich nur, um die Vollkommenheit zu erreichen. Aber Kräfte aufzuwenden, nur um die heilige Arbeit ein wenig zu berühren – dafür hat der Körper keinen Treibstoff. Das meint der Spruch: „Wo immer ein Mangel an Heiligkeit ist, dort finden die Klipot (Schalen) einen Halt.“ Die Klipot nämlich geben ihm zu verstehen: Für einen so kleinen Lohn – nur um ein wenig Halt an der Heiligkeit zu haben – sollst du so große Kräfte aufbringen?

אולם עכשיו, כשהוא התחיל לעבוד בקו שמאל, והבין שעיקר הוא עבודה דהשפעה, לכן קשה לו להסתפק במועט, אלא אם לעבוד כדאי לעבוד להגיע לשלימות. אבל לתת כוחות ולזכות רק לקצת נגיעה בעבודת הקודש, אין בהגוף חומרי דלק. וזה נקרא כמו שכתוב "בכל מקום, שיש חסרון בקדושה, שם יש אחיזה לקליפות", היינו שהקליפות נותנות לו להבין, בשביל שכר כל כך קטן, היינו בכדי שיהיה לך קצת אחיזה בקדושה, אתה צריך לתת כל כך כוחות גדולים.

Doch jetzt, da er begonnen hat, auf der linken Linie zu arbeiten und verstanden hat, dass die Arbeit des Gebens die Hauptsache ist, fällt es ihm schwer, sich mit weniger zufrieden zu geben. Wenn er arbeiten soll, dann sollte er arbeiten, um Vollkommenheit zu erreichen. Aber sich zu bemühen, um nur mit einem Hauch von heiliger Arbeit belohnt zu werden, dafür hat der Körper keinen Treibstoff. Das heißt, wie es geschrieben steht: „Wo immer ein Mangel an Kedusha ist, da ist Halt für die Klipot [Schalen/unreinen Kräfte].“ Das heißt, die Klipot bringen ihn zum Nachdenken: „Solltest du für eine so geringe Belohnung so hart arbeiten, also einen so geringen Halt in Kedusha haben?“

32

So zeigt sich, dass die Klipot die Kraft haben, ihn auf höchst ehrbar wirkende Weise von der Heiligkeit zu entfernen. Sie sagen ihm nämlich nicht, es lohne sich nicht, sich um die Heiligkeit zu mühen. Gewiss, sagen sie, ist die Heiligkeit – dem König zu dienen – etwas Großes; aber du siehst doch selbst, dass dir dazu die Kraft fehlt. Und da erwacht die Gefahr, dass er ganz aus der Arbeit herausfällt; denn nun hat der Körper einen festen Halt in seiner Arbeit, weil der Mensch seine eigenen Mängel vor Augen hat.

נמצא, שיש להקליפות כח להרחיק אותו מהקדושה בצורה הגונה מאוד. היינו, שאין אומרים לו, שלא כדאי לתת כוחות עבור לזכות לקדושה. בטח שהקדושה, היינו להיות משמש המלך, זה דבר גדול. אבל אתה רואה בעצמך, שאין לך הכוחות לזה. לכן מתעוררת אז הסכנה, שלא יפול בכלל מהעבודה, כי הגוף יש לו עכשיו אחיזה גדולה בעבודתו, היות שהאדם בעצמו רואה החסרונות שלו בעבודה.

Daraus folgt, dass die Klipot die Kraft haben, ihn zu einem großen Teil von der Kedusha zu entfernen. Das heißt, es wird ihm nicht gesagt, dass es sich nicht lohnt, sich für die Heiligkeit anzustrengen. „Heiligkeit, das heißt, dem König zu dienen, ist sicherlich eine großartige Sache, aber du kannst selbst sehen, dass du nicht die Kraft dazu hast.“ Er erweckt deshalb die Gefahr, dass er ganz von der Arbeit abfällt, denn jetzt hat der Körper in der Arbeit das Heft in der Hand, da der Mensch selbst seine Unzulänglichkeiten in der Arbeit sehen kann.

33

Bei der Arbeit auf der einen Linie war das anders: Da wusste er, dass dies seine Vollkommenheit ist. Denn von Anfang an hatte man ihn gelehrt, das liShma sei den großen Menschen vorbehalten – denen, die von Natur aus mit großen Gaben und guten Eigenschaften geboren sind und dazu mit großen Kräften, die ihren eigenen Körper bezwingen: Sie beherrschen sich selbst, können verwirklichen, was ihnen gefällt, und niemand hält sie auf.

מה שאין כן בעבודה דקו אחד, היה יודע, שזוהי השלימות שלו. כי הדריכו אותו מלכתחילה, שהענין של "לשמה" שייך לאנשים גדולים, שנולדו מצד הטבע בכשרונות גדולים, ובמידות טובות, וגם הם נולדו עם כוחות גדולים, שיכולים להתגבר על הגוף שלהם, היינו שהם שולטים בעצמם, ומה שמוצא חן בעיניהם הם מסוגלים להוציא לפועל, ואין מי שיכול לעצור בפניהם.

Aber in der Arbeit auf einer Linie wusste er, dass dies seine Vollkommenheit war, denn er wurde von Anfang an belehrt, dass liShma für große Menschen ist, die mit großen natürlichen Talenten und guten Eigenschaften geboren wurden und mit großen Kräften, ihren Körper zu überwinden. Das heißt, sie beherrschen sich selbst und können ausführen, was sie wollen, und niemand kann sie aufhalten.

34

„Von dir aber verlangt man nur, was in deiner Kraft steht. Was du leisten kannst, das sollst du tun – und damit hast du deine Pflicht erfüllt. Denn die Tora wurde nicht den Dienstengeln gegeben, sondern der ganzen Gemeinschaft, einem jeden nach seinem Vermögen.“

ולך, היינו מה שדורשים ממך, הוא רק כפי יכולתך. היינו, מה שאתה מסוגל לעשות, אתה צריך לעשות. ובזה אתה כבר יצאת לידי חובתך, כי התורה לא ניתנה למלאכי השרת, כי אם לכל הכלל כולו, כל אחד כפי יכולתו.

Von dir wird nur das verlangt, was du kannst. Das heißt, du tust, was du kannst, und damit hast du deine Pflicht erfüllt, denn die Tora wurde nicht den dienenden Engeln gegeben, sondern allen Menschen, jedem nach seinen Fähigkeiten.

35

Sobald er aber begonnen hat, die linke Linie zu gehen – sobald er also spürt, dass auch er zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer gelangen und um des Gebens willen arbeiten soll –, kann er von da an in der Arbeit der rechten Linie keine Vollkommenheit mehr empfinden, weil ihn die linke Linie stört. Hier beginnt die Arbeit des Glaubens über dem Verstand. Er muss glauben, dass die Arbeit der Heiligkeit überaus wichtig ist. Darum ist es nicht entscheidend, ob er die wahre Vollkommenheit erreicht oder nur jene, die ihm zukommt; er hat ja noch nicht das große Vorrecht, die heilige Arbeit zu hundert Prozent zu tun, sondern nur zu einem winzigen Teil. Und schon das gilt ihm als großer Reichtum, dessen Wert er gar nicht ermessen kann.

אולם לאחר שהתחיל ללכת בקו שמאל, היינו שהוא הרגיש, שגם הוא צריך להגיע לדביקות ה', ולעבוד בעמ"נ להשפיע, ומאז והלאה כבר אינו מוכשר להרגיש שלימות בעבודה דקו ימין, משום שהשמאל מפריע לו, כנ"ל. כאן מתחילה העבודה באמונה למעלה מהדעת. זאת אומרת, שהוא צריך להאמין, שהעבודה דקדושה היא עבודה חשובה מאוד מאוד. ומשום זה, לא חשוב אם הוא זוכה לשלימות אמיתית, או להשלימות שמגיעה לו. היינו, שעוד אין לו הזכיה הגדולה, לעבוד את עבודת הקודש במאה אחוז, אלא באחוז קטן מאוד. וזה נבחן עבורו הון רב, שאין הוא מסוגל להעריך את חשיבותו.

Sobald er jedoch beginnt, auf der linken Linie zu wandeln, spürt er, dass auch er Dwekut [Anhaftung] an den Schöpfer erreichen und arbeiten sollte, um zu geben, und fortan wird er keine Vollkommenheit in der Arbeit der rechten Linie spüren können, denn die Linke behindert ihm. Hier beginnt die Arbeit des Glaubens über dem Verstand. Er muss glauben, dass die Arbeit in der Kedusha eine sehr wichtige Arbeit ist. Deshalb ist es ihm im Verstand egal, ob er mit wahrer Vollkommenheit oder der Vollkommenheit, die er verdient, belohnt wird. Das heißt, er hat das große Privileg, die heilige Arbeit nicht vollkommen, sondern nur zu einem sehr kleinen Teil zu tun. Er betrachtet es aber als ein großes Glück, dessen Wert er nicht einmal ermessen kann.

36

So zeigt sich: Auf diesem Weg misst er der Heiligkeit eine immer größere Bedeutung bei. Das kommt daher, dass er an ihre Größe über dem Verstand glauben muss, obwohl er sie noch gar nicht wirklich spürt. Er muss sich sagen: Dass ich an die Bedeutung von Tora und Mizwot über dem Verstand glauben muss, liegt daran, dass ich noch nicht würdig bin, ihre Bedeutung und Erhabenheit zu empfinden. Denn bekanntlich kann der Mensch, solange er noch in der Selbstliebe versunken ist, das Gute und den Genuss, die in ihnen verborgen sind, nicht spüren. In Wahrheit aber, wenn ich erst würdig bin, werde ich es leibhaftig sehen.

ונמצא, בעבודה זו, שהוא הולך על קו הזה, הוא מחשיב את הקדושה, שתתעלה כל פעם חשיבותה. והוא מטעם, שהוא צריך להאמין למעלה מהדעת את גדלותה, אפילו שעדיין לא מרגיש את זה בפועל. והוא צריך לומר לעצמו, מה שאני צריך להאמין למעלה מהדעת את חשיבות התורה והמצות, הוא מסיבה, שעוד איננו ראוי עוד להרגיש את חשיבותה ורוממותה, כידוע, שכל זמן שהאדם עדיין משוקע באהבה עצמית, אין הוא מוכשר עוד להרגיש את הטוב והעונג שמלובש בהם. אולם באמת, כשאני אהיה ראוי, אני אראה את זה בפועל ממש.

Daraus folgt, dass er in der Arbeit, wenn er auf dieser Linie wandelt, die Kedusha so wertschätzt, dass sie ständig an Bedeutung gewinnt. Denn er soll über dem Verstand an ihre Größe glauben, obwohl er sie eigentlich noch gar nicht spürt. Er muss sich sagen: „Der Grund, warum ich über den Verstand hinaus an die Bedeutung der Tora und der Mizwot glauben muss, ist, dass ich noch nicht würdig bin, ihre Bedeutung und Erhabenheit zu spüren, denn es ist bekannt, dass man, solange man noch in Eigenliebe versunken ist, nicht in der Lage ist, die Freude und den Genuss zu empfinden, die in ihnen eingekleidet sind. Aber in Wahrheit werde ich es sehen können, wenn ich würdig bin.“

37

Daraus folgt: Dass er über dem Verstand glauben muss, liegt nicht an einem Mangel des Lichts, das in Tora und Mizwot verborgen ist, sondern am Kli (Gefäß) des Unteren, das dafür noch nicht reif ist. Und der Schöpfer weiß, wann ich so weit bin; dann gewiss lässt Er mich den Geschmack von Tora und Mizwot spüren. Es liegt also nicht daran, dass wir das Gute in ihr gar nicht spüren könnten, weil das Licht verhüllt und unerreichbar wäre – denn was hieße dann „Sie sind unser Leben“, das von Tora und Mizwot gesagt wird? Vielmehr muss er nur so lange über dem Verstand glauben, bis er sein empfangendes Kli korrigiert hat. Hat er seine Korrektur vollendet, so breiten sich das Gute und der Genuss über alles Heilige aus, womit er sich befasst.

אי לזאת, יוצא, מה שהוא צריך להאמין למעלה מהדעת, אינו מסיבת חסרון בהאור, המלובש בתורה ומצות, אלא החסרון הוא בהכלי של התחתון, שעוד אינו ראוי לזה, והקב"ה יודע, מתי שאני אהיה ראוי, בטח הוא יתן לי להרגיש את טעם התורה והמצות. ולפי זה יוצא, מה שאנו צריכים להאמין למעלה מהדעת, אין זה מטעם שאין ברירה להרגיש את הטוב שבה, משום שהאור נעלם, ולא יכולים להשיג. אם כן, מהו הפירוש "כי הם חיינו", הנאמר על תו"מ. אלא שהוא צריך להאמין למעלה מהדעת, כל זמן שעוד לא תיקן את הכלי קבלה שלו, כנ"ל. אולם כשיגמור את התיקון שלו, יתפשט הטוב והעונג בכל דבר שבקדושה, שהוא עוסק בו.

Der Grund, weshalb er über den Verstand hinaus glauben muss, liegt nicht darin, dass es ihm an dem Licht mangelt, das in Tora und Gebote eingekleidet ist. Der Mangel liegt vielmehr im Kli [Gefäß] des Unteren, das dafür noch untauglich ist. Aber der Schöpfer weiß, wann ich geeignet bin, und wird mich gewiss den Geschmack von Tora und Mizwot spüren lassen. Daraus folgt, dass wir über dem Verstand glauben sollen, nicht weil wir das Gute darin nicht spüren können, denn das Licht ist verhüllt und wir können es nicht erlangen. Wenn dem so ist, was bedeutet dann: „Denn sie sind unser Leben“, was über die Tora und die Gebote gesagt wird? Vielmehr soll er über dem Verstand glauben, solange er seine Gefäße des Empfangens nicht korrigiert hat. Doch wenn er seine Korrektur vollendet hat, werden sich Freude und Genuss in allem Heiligen, mit dem er sich befasst, ausbreiten.

38

Geht er also auf der rechten Linie und glaubt über dem Verstand an ihre Bedeutung, dann kann er – im selben Maß, in dem er Tora und Mizwot wertschätzt – selbst das Kleinste schätzen, ja schon eine winzige Berührung. Sogar am lo liShma des lo liShma kann er sich dann freuen, weil er mit der Tat ein Gebot des Schöpfers erfüllt.

אי לזאת, אם הוא הולך בקו ימין ומאמין למעלה מהדעת את חשיבותה, ואז בשיעור החשיבות שהוא מעריך התו"מ, כן הוא יכול להחשיב אפילו דבר קטן, היינו אפילו קצת נגיעה, היינו אפילו שלא לשמה דשלא לשמה הוא גם כן יכול להיות בשמחה, משום שבמעשה הוא מקיים מצות ה'.

Wenn er deshalb auf der rechten Linie wandelt und über dem Verstand an die Wichtigkeit glaubt, die er der Tora und den Mizwot zuschreibt, kann er auch die kleinste Sache, d.h. sogar eine Berührung, schätzen, d.h. selbst Lo liShma von Lo liShma kann ihm Freude bereiten, denn mit dieser Handlung befolgt er das Gebot des Schöpfers.

39

Danach aber muss er zur linken Linie übergehen – er muss seine Tat also prüfen: ob das, was er tut, wirklich ein Mittel ist, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, wie die Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen und die Tora als Gewürz dazu“ – ob er also wirklich auf dieses Ziel zugeht. Eben das heißt, sich in Gefahr zu begeben. Solange er auf der linken Linie steht, besteht seine Arbeit vor allem im Gebet: dass er zum Schöpfer schreit, Er möge ihm Hilfe vom Himmel geben – wie die Weisen sagten: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man.“

אולם אח"כ הוא צריך לעבור לקו השמאל, היינו שיעשה בקורת על המעשה, אם המעשה שהוא עושה, הוא בחינת עצה איך להגיע לדביקות ה', כמו שאמרו חז"ל "בראתי יצר הרע בראתי תורה תבלין", אם באמת הוא הולך על מטרה זו. וזה נקרא, שמכניס את עצמו לסכנה, כנ"ל. ובזמן שהוא נמצא בקו שמאל, העבודה שלו היא בעיקר בתפלה, היינו שיצעוק לה', שיתן לו עזרה משמים, כמו שאמרו חז"ל "הבא לטהר מסייעין אותו".

Danach muss er jedoch auf die linke Linie wechseln, d.h. die Arbeit kritisch betrachten – ob die Arbeit, die er ausführt, ein Weg ist, um Dwekut an den Schöpfer zu erreichen, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“, und er wirklich auf dieses Ziel hinarbeitet. Dies wird als Gefahr für sich selbst angesehen. Wenn er sich auf der linken Linie befindet, besteht seine Arbeit hauptsächlich darin, zu beten, d.h. den Schöpfer anzurufen, ihm von oben zu helfen, wie unsere Weisen so sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.“

40

So lässt sich auch deuten, was es mit den Engeln auf sich hat, die Jakob umgaben und von denen der heilige Sohar spricht: Dass die Engel kamen, ihn zu beschützen, ist die Hilfe, die von oben kommt, um ihm beizustehen, damit er seinen Weg fortsetzen kann. Diese Hilfe von oben aber setzt erst ein, wenn der Mensch die Arbeit schon begonnen hat, mitten darin steht und um Hilfe ruft. Bevor er die Arbeit überhaupt begonnen hat, kann ihm keine Hilfe zuteilwerden.

ובזה יכולים לפרש את ענין המלאכים, שסובבוהו את יעקב כנ"ל בדברי הזה"ק, שהמלאכים באו לשמרו, היינו שזה הוא בחינת עזרה הבאה מלמעלה, לתת לו סיוע, שיוכל להמשיך בדרכו. אולם סיוע הבא מלמעלה, מתחיל בעת שהאדם התחיל כבר בעבודה, ועומד באמצע, וצועק לעזרה. מה שאין כן מטרם שהתחיל לכנס בעבודה, לא שייך לתת לו עזרה.

So können wir die Bedeutung der Engel interpretieren, die Jakob umgaben, wie es im Heiligen Sohar heißt, dass die Engel kamen, um ihn zu beschützen, was bedeutet, dass es Hilfe ist, die von oben kommt, um ihn zu unterstützen, damit er seinen Weg fortsetzen kann. Die Hilfe kommt jedoch von oben, wenn der Mensch die Arbeit bereits begonnen hat und auf halbem Weg steht und um Hilfe schreit. Aber bevor er die Arbeit begonnen hat, bekommt er keine Hilfe.

41

Als Jakob daher in die Arbeit eingetreten war – als er sich also bereits in Gefahr begeben hatte und den Schöpfer um Beistand bat –, wurden ihm Engel gesandt, die ihn behüteten, damit er den Kampf gewinne, in den er bereits eingetreten war. Anders liegt es, wenn er die begonnene Arbeit schon abgeschlossen, von den Engeln Hilfe erhalten hat und nun eine neue Arbeit beginnen will, die man „kleine Krüge“ (pachim ketanim) nennt. Der Anfang dieser Arbeit ist Finsternis, die man „Nacht“ nennt; und eben das ist die „dem Auge sichtbare Gefahr“, denn am Ort der Finsternis – auf der linken Linie – lauert die Gefahr. Diesen Anfang aber muss er allein machen. Und erst danach, wenn er sieht, dass er es nicht schafft, beginnt er, den Schöpfer um Hilfe zu bitten – und dann empfängt er erneut Hilfe von oben.

לכן שיעקב נכנס בעבודה, שכבר הכניס את עצמו לסכנה, ומבקש לה', שיתן לו סיוע, אז נשלחו לו מלאכים לשמרו, שיוכל לנצח את המלחמה, שהוא כבר נכנס. מה שאין כן שכבר גמר את עבודתו שהתחיל, וקיבל סיוע מהמלאכים, ורצה להתחיל עבודה חדשה, המכונה "פכים קטנים", ותחילת עבודה היא חושך, המכונה "לילה", זה נקרא "סכנה הנראה לעין", היות שבמקום חושך, הנקרא קו שמאל, הוא סכנה. אבל הוא בעצמו צריך להתחיל לבדו. ואח"כ, כשהוא רואה שלא יכול, אז הוא מתחיל לבקש עזרה מה', ואז שוב יקבל עזרה מלמעלה.

Als Jakob die Arbeit begonnen und sich in Gefahr begeben und den Schöpfer um Hilfe gebeten hatte, wurden Engel geschickt, um ihn zu bewahren, damit er den Krieg, in den er bereits eingetreten ist, gewinnen kann. Anders ist es jedoch, wenn er bereits seine begonnene Arbeit abgeschlossen und Hilfe von den Engeln erhalten hat, und er beabsichtigt, eine neue Arbeit zu beginnen, die als „kleine Vertiefungen“ bezeichnet wird. Der Anfang dieser Arbeit ist Dunkelheit, die als „Nacht“ bezeichnet wird, und dies wird als eine Gefahr betrachtet, die für das bloße Auge sichtbar ist, da anstelle von Dunkelheit, die als die linke Linie bezeichnet wird, sie als Gefahr angesehen wird. Aber er muss alleine beginnen. Und danach, wenn er sieht, dass er es nicht kann, beginnt er um Hilfe vom Schöpfer zu bitten, und dann wird er erneut Hilfe von oben erhalten.

Rabash – 1986 – Artikel 8 (תשמ״ו – מאמר ח׳)

„Über die Hilfe, die von Oben kommt“

Unsere Weisen sagten (Sukka 52): „Rabbi Shimon ben Lakish sagte: Der böse Trieb des Menschen gewinnt Tag für Tag die Oberhand über ihn und trachtet ihm nach dem Leben, wie es heißt: ‚Der Frevler lauert dem Gerechten auf und trachtet ihm nach dem Leben.‘ Würde der Schöpfer ihm nicht helfen, wäre er ihm nicht gewachsen, wie es heißt: ‚Der Schöpfer wird ihn nicht seiner Hand überlassen und ihn nicht verurteilen, wenn über ihn gerichtet wird.‘“

Und im Sohar (Wochenabschnitt WaJishlach, Blatt 3, und im Sulam, dem Leiter-Kommentar, Punkt 10–11) heißt es: „Rabbi Chiskija fragte: Wenn dem so ist, warum heißt es dann ‚Und Jakob blieb allein zurück‘? Wo waren denn all die Engelscharen, die ihn – wie du sagst – umgaben und mit ihm zogen? Rabbi Jehuda antwortete: Er hatte sich selbst in Gefahr gebracht, weil er nachts allein zurückblieb und die Gefahr mit eigenen Augen sah. Die Engel aber waren nur gekommen, um ihn vor der Gefahr zu schützen, die dem Auge verborgen ist; darum verließen sie ihn. Da sagte er: ‚Ich bin zu gering für all die Gnade und Treue, die Du an Deinem Knecht getan hast.‘ Eben dies sind die Scharen der heiligen Engel, die ihn zuvor umgaben und sich nun von ihm trennten, weil er sich in eine sichtbare Gefahr begeben hatte. Rabbi Jizchak sagte: Die Engel verließen ihn, um ihn mit jenem Schutzengel Esaus allein zu lassen, der mit Erlaubnis des Höheren zu ihm kam.“ So weit der Wortlaut.

Dem Sinn nach stellt sich die Frage, wann sich die Engel von ihm trennten. In dem Augenblick, als er sich in Gefahr begab – da trennten sie sich. Zuerst also begab er sich in Gefahr, und erst danach verließen ihn die Engel. Darauf bezieht sich der Vers „Und Jakob blieb allein zurück“. Das heißt: In dem Moment, als sie es sahen, trennten sie sich; man muss sagen: wie wenn der eine hereinkommt und der andere hinausgeht.

Nun ist zu verstehen, warum die Engel bei einer sichtbaren Gefahr nicht kommen, um ihn zu schützen. Es ist, als fehlte ihnen die Kraft, ihn vor einer wirklichen, sichtbaren Gefahr zu bewahren. Wann also haben sie die Kraft dazu? Gerade dann, wenn die Gefahr nicht sichtbar ist. Doch wenn keine Gefahr zu sehen ist – wer weiß dann überhaupt, dass hier eine Gefahr lauert, vor der man bewahrt werden müsste? Gemeint ist die Frage: Für wen muss sie sichtbar sein? Für den Menschen? Oder ziehen sich die Engel zurück, sobald sie eine sichtbare Gefahr erkennen – auch wenn der Mensch selbst nichts davon ahnt?

Um das nun auf die spirituelle Arbeit zu übertragen, müssen wir zuerst wissen, worin diese Gefahr besteht; danach klären wir, was eine „dem Auge sichtbare Gefahr“ ist. Bekanntlich beginnt die Arbeit in ihrer Abfolge mit der rechten Linie. „Rechts“ steht für das, was keiner Korrektur bedarf; „links“ für das, was der Korrektur bedarf – so wie die Weisen es auslegen: Woher wissen wir, dass man die Tefillin (Gebetsriemen) auf den linken Arm legt? Weil es heißt: „Es sei dir ein Zeichen auf deiner Hand“ – gelesen als jad keha [die schwache Hand]. Und die Weisen sagten: „Die linke Hand stößt fort, die rechte zieht heran.“

Wenn man einen Menschen anleitet, die Wege der Arbeit zu gehen, beginnt man deshalb mit der rechten Linie. Denn auf ihr droht dem spirituellen Leben keine Gefahr; hier kann der Mensch immer nur weiter wachsen. Die rechte Linie heißt Chessed (Gnade): Der Mensch hält Tora und Mizwot in Ehren und sagt sich, der Schöpfer habe ihm Gnade erwiesen, indem Er ihm den Gedanken und das Verlangen gab, Tora und Mizwot zu erfüllen. Schon die schlichteste Absicht genügt dafür. Selbst wenn er beim Erfüllen der Mizwot und beim Lernen der Tora keine besonderen Gedanken zu fassen weiß, sondern einfach weiß, dass er die Gebote des Schöpfers erfüllt, die dieser uns durch Moses, unseren Lehrer – Friede sei mit ihm –, gegeben hat: Das reicht schon aus, um ihn zu verpflichten, Tora und Mizwot nach seinem Vermögen zu erfüllen. Mehr braucht es für ihn nicht.

Darum dankt und lobt er bei jeder einzelnen Handlung – ob er nun die Tora lernt oder eine Mizwa erfüllt – dem Schöpfer dafür, dass dieser ihm, wie gesagt, Gnade erwiesen und ihm den Gedanken und das Verlangen gegeben hat, Tora und Mizwot zu erfüllen. Bei jeder Mizwa dankt und lobt er den Schöpfer dafür, dass Er ihn überhaupt an Tora und Mizwot teilhaben lässt. Dabei kommt es nicht auf die Menge an: Solange ihm Zeit bleibt und sein Körper es zulässt, lernt er; und so gut er kann, müht er sich, die Mizwot zu erfüllen. Er freut sich, dass er den Willen des Schöpfers tun darf – etwas, das anderen Menschen wie ihm nicht vergönnt ist, weil der Schöpfer ihnen weder den Verstand noch das Verlangen gegeben hat, Seine Gebote zu erfüllen.

Wer aber so geht, von dem sagt man noch nicht, dass er auf der „rechten Linie“ wandelt. Denn solange es nur eine einzige Linie gibt und der Mensch keine zweite kennt, lässt sich nicht von einer „rechten“ sprechen. Von „rechts“ redet man erst, wenn es noch eine weitere Linie gibt; dann kann ich sagen: Diese ist die rechte, jene die linke.

Deshalb sagt man dem Menschen, wenn man ihn die Wege des Schöpfers führt: „Wisse, der Schöpfer verlangt nichts weiter von dir, als dass du Tora und Mizwot in aller Schlichtheit erfüllst. Das genügt bereits; du musst keine großen Absichten hegen wie die großen Gerechten.“ Der Schöpfer verlangt vielmehr, dass jeder Tora und Mizwot nach seinem eigenen Verstand erfüllt, jeder gemäß seiner Anlage – also mit den Gaben, mit denen er geboren wurde. Denn man kann von einem Menschen nicht verlangen, sich so mit Tora und Mizwot zu befassen wie ein besonders Begabter oder ein besonders Beherzter. Jeder tue es nach der Anlage, die ihm angeboren ist. So sagt der heilige ARI: „Kein Tag gleicht dem anderen, kein Augenblick dem anderen, und kein Mensch gleicht dem anderen; und das Chelbena (Galbanum) korrigiert, was das Levona (Weihrauch) nicht korrigieren kann.“ Das heißt: Jeder Mensch hat sein eigenes Wesen und seine angeborene Anlage zu korrigieren, und von keinem wird mehr verlangt, als seine angeborene Kraft und sein angeborener Verstand hergeben.

So besteht die eine Linie darin, dass man ihm sagt: Du brauchst in deiner Arbeit keine Mängel zu suchen. Erfüllst du Tora und Mizwot in aller Schlichtheit, so ist das schon etwas sehr Großes, denn du erfüllst die Gebote des Königs. Der Mensch soll sich Rechenschaft geben und seine schlichte Arbeit zu schätzen wissen. Wenn er etwa betet, einen Vers spricht oder einen Segen sagt – sei es über eine Mizwa oder über einen Genuss –, soll er bedenken, zu wem er spricht. Und je deutlicher er sich vergegenwärtigt, vor wem er steht, desto anders wird er die Segenssprüche und das Gebet empfinden. Selbst wenn er die Bedeutung der Worte nicht kennt, ist das von großem Gewicht; denn es kommt nicht darauf an, was er spricht, sondern zu wem.

Erfüllt er also eine Mizwa – legt er etwa Zizit (Gebetsschal) an –, so führt er sich vor Augen, dass es Juden auf der Welt gibt, denen es nicht vergönnt ist, Zizit zu tragen, während ihm das Vorrecht zuteilwurde, ein Gebot des Schöpfers zu erfüllen. Wie viel Dank schuldet er dem Schöpfer dafür! Nach seinem schlichten Verstand also – nach dem Maß, in dem er an die Größe des Schöpfers glaubt und darin ein großes Vorrecht sieht, den Willen des Schöpfers tun zu dürfen – spricht er den Segen „Gesegnet seist Du, Schöpfer“. Er segnet den Schöpfer und dankt Ihm von Herzen, dass dieser ihn ausgezeichnet und ihm gegeben hat, was Er anderen nicht gegeben hat.

Ebenso dankt er dem Schöpfer, wenn er den Segen über einen Genuss spricht: dafür, dass dieser ihm den Glauben geschenkt hat, der Schöpfer habe die Genüsse hervorgebracht, damit die Menschen sich an ihnen erfreuen. Den übrigen Menschen fehlt dieser Verstand – sie glauben nicht, dass der Schöpfer ihnen all die Dinge gegeben hat, an denen sie sich erfreuen können. Und im Achtzehnbittengebet am Morgen spricht der Mensch: „Gesegnet seist Du, Schöpfer, der Du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast“ – und dankt dem Schöpfer damit von Herzen, dass Er ihn zu einem Israeliten gemacht hat.

So sehen wir, dass wir dem Schöpfer schon für den kleinsten Anteil danken müssen, den wir an der Heiligkeit (Kedusha) haben, und ihn als etwas Großes ansehen sollen. Auch wenn wir seinen Wert gar nicht recht ermessen können, müssen wir doch daran glauben. Von meinem Vater und Lehrer – sein Andenken sei zum Segen – hörte ich einmal den Ausspruch: So hoch wir die Bedeutung von Tora und Mizwot liShma (um ihretwillen) auch einzuschätzen meinen – in Wahrheit ist das lo liShma (nicht um ihretwillen), das wir tun, unvergleichlich viel bedeutender, als wir das liShma überhaupt würdigen können.

Denn es übersteigt unsere Kraft, das Wohlgefallen (Nachat Ruach) zu ermessen, das der Schöpfer daraus empfängt, dass wir Seinen Willen tun wollen. Da jede Handlung hier unten in dieser Welt oben in den höheren Welten etwas erweckt – wie der heilige Sohar sagt: „Eine Tat unten erweckt eine Tat oben“ –, und da der Mensch noch nicht gewürdigt ist, in den Palast des Königs einzutreten und die Lichter zu erfassen, die durch die Taten der Unteren erneuert werden, bleibt ihm nur, daran zu glauben, dass es so ist.

Kommt also ein Mensch in die Synagoge und spricht dort auch nur einen einzigen Vers für den Schöpfer, so lässt sich die Bedeutung dieser Tat für den Schöpfer gar nicht ermessen. Denn der Mensch vollbringt eine Tat, und an der Tat selbst ist nichts hinzuzufügen – und gerade das ist das Zeichen ihrer Vollkommenheit: Vor dem Schöpfer gilt sie so viel, als hätte er sie mit allen Absichten der vollkommenen Gerechten verrichtet. Man sagt ihm nämlich: Es gibt Gerechte, die der Tat nur noch Absichten hinzufügen; an der Tat selbst aber ist nichts zu ändern. Über sie heißt es ja: „Du sollst nichts hinzufügen und nichts wegnehmen.“

Doch man sagt ihm auch: Die Arbeit der Absichten ist nicht deine Sache; sie bleibt einigen wenigen Auserwählten vorbehalten. Und wenn nun darin seine Vollkommenheit liegt, so setzt er seine ganze Kraft daran, all das zu bewahren, was ihm seine Erziehung mitgegeben hat. Er weiß: Seine einzige Aufgabe ist es, die Menge zu wahren. Um die Qualität aber – also darum, die Absichten zu veredeln, das heißt die Beweggründe, aus denen er Tora und Mizwot erfüllt – kümmert er sich nur so weit, wie es ihm die Erziehung beigebracht hat: dass er für seine Arbeit, Tora und Mizwot zu wahren, im Großen und Ganzen diese Welt und auch die kommende Welt erhalten wird. Das nennt man die eine Linie und noch nicht die rechte; denn es gibt hier noch kein „Links“, neben dem man diese Linie „rechts“ nennen könnte – und ohne Links gibt es kein Rechts.

Auf diesem Weg droht keine Gefahr, dass er das spirituelle Leben der Heiligkeit verliert. Im Gegenteil, er kommt stetig voran, denn was zählt, bemisst sich an der Tat – und mit jedem Tag kommen neue Taten hinzu. Darum schreitet er immer weiter, weil er sieht, wie täglich neue Taten dazukommen. Mit zwanzig Jahren etwa weiß er, dass er bereits sieben Jahre lang Tora und Mizwot erfüllt hat; mit dreißig hat er schon einen Besitz von siebzehn Jahren Tora und Mizwot.

So ergibt sich, dass dies ein sicherer Weg ist, auf dem seinem spirituellen Leben keine Gefahr droht; denn er hat eine feste Grundlage, an der er seinen Fortschritt ablesen und messen kann. Darum heißt dieser Weg ein sicherer. Hier kann es nicht geschehen, dass er von seiner Stufe fällt und schließlich verzweifelt, weil er meint, in seiner Arbeit nicht voranzukommen. Er kann vielmehr immer gelassen bleiben. Das Einzige, was ihm in der Arbeit manchmal Kummer macht, ist der Schmerz darüber, dass die Menschen um ihn herum dem Schöpfer nicht dienen wie er. Nur darüber grämt er sich. Sich selbst aber sieht er mit Freude: Er hat, Gott sei Dank, einen Besitz an Tora und Mizwot.

Sagt man ihm nun aber, es gebe noch einen weiteren Weg, die sogenannte linke Linie, so verändert sich die Lage. Auf ihr erkennt der Mensch nämlich: Zwar befasst er sich mit Tora und Mizwot, doch er muss sich während der Arbeit selbst korrigieren. Und diese Korrektur betrifft nicht die Tat, sondern die Absicht – nämlich die Frage, mit welcher Absicht er handelt, also aus welchem Beweggrund er Tora und Mizwot erfüllt. Eben das nennt man bereits einen „gefährlichen Weg“, und zwar aus zwei Gründen.

Erstens. Man sagt ihm zwar: Gewiss, ohne Lohn kann niemand arbeiten; jeder, der irgendeine Arbeit tut, ob groß oder klein, braucht einen Treibstoff, der ihm Kraft dazu gibt. Sagt man ihm nun aber, der Lohn bestehe darin, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten – das, was man nennt: „dass sein ganzes Verlangen einzig dem Geben an den Schöpfer gilt“ –, so sieht der Körper darin nicht immer einen Grund, der stark genug wäre, ihm Kraft zur Arbeit zu geben. Denn das widerspricht der Natur des Menschen, dessen Stoff ein Verlangen ist zu empfangen, um zu empfangen.

Solange er auf der einen Linie arbeitete, lag die Grundlage darin, dass er für seine Mühe in dieser Welt sowohl diese als auch die kommende Welt erhalten würde. Da konnte der Körper begreifen, dass sich die Arbeit für ihn selbst lohnt – dass er also genießt und eine Gegenleistung empfängt.

Sagt man ihm aber, er solle mit Absicht arbeiten – bei jeder Handlung also die Absicht haben, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten –, dann verlässt ihn die Kraft zur Arbeit. Denn nun fordert sein Körper eine Erklärung: „Wie soll ich arbeiten und auf vieles verzichten, das ich genießen könnte, nur damit der Schöpfer Freude hat?“ Das ist ein Weg, der eine Gefahr birgt: Er kann sein ganzes spirituelles Leben verlieren – sogar das, was er sich auf der einen Linie bereits erworben hatte.

Zweitens. Selbst wenn er sich jedes Mal aufs Neue überwindet und um des Gebens willen arbeiten will, sieht er doch, dass ihm gerade die Absicht nicht gelingt; im Gegenteil, er erlebt immer das Gegenteil. Auf der einen Linie sah er, wie er vorankam: Waren zehn Jahre Arbeit vergangen, besaß er Tora und Mizwot von zehn Jahren; nach zwanzig Jahren hatte er einen Besitz von zwanzig Jahren. Hier dagegen – auf der rechten Linie – ist es umgekehrt: Sind drei Jahre vergangen und es will ihm nicht gelingen, seine Handlungen auf das Geben auszurichten, dann ist er nur umso gebrochener und zerschlagener. Schon drei Jahre arbeitet er auf dem Weg des Gebens und hat doch nichts vorzuweisen – keinen Besitz in der Hand, obwohl er drei Jahre hineingesteckt hat. Erst recht nach fünf Jahren, und so weiter. Je mehr Zeit er also investiert, desto schlechter steht er da, wie ihm scheint.

Doch in Wahrheit, so sagte mein Vater und Lehrer – sein Andenken sei zum Segen –, lässt sich einerseits sagen, dass der Mensch der Wahrheit durchaus näherkommt, nämlich in der Erkenntnis des Bösen. Bevor er die Arbeit begann, meinte er, er werde sein Böses durchaus überwinden können. So sagten es schon die Weisen (Sukka 52): „Den Frevlern erscheint der böse Trieb wie ein Haar, den Gerechten aber wie ein hoher Berg.“

Andererseits muss der Mensch die Wahrheit sehen, wie sie ist: dass sich sein Böses dabei kein Haarbreit gerührt hat. Und daraus erwächst eine Gefahr – dass er, Gott behüte, verzweifelt. Denn er sagt sich, das lo liShma sei wertlos, da die eigentliche Arbeit doch darin bestehe, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten; und gerade hierin sieht er, dass er sich nicht überwinden kann. So kann es geschehen, dass er, Gott behüte, durch den Gang auf der linken Linie vollends aus dem spirituellen Leben gestoßen wird. Denn auch sein lo liShma hat er bereits beschädigt. Am Ende steht er mit leeren Händen da und hat keinerlei Halt mehr im Leben der Heiligkeit.

Darum leitet man den Menschen zunächst nur auf der einen Linie. Erwacht er jedoch von selbst und verspürt aus sich heraus den Drang, die Wahrheit zu suchen, [so fragt er sich,] ob jene, die ihn diesen Weg führten, ihn für immer so gemeint haben – oder ob man ihm nur deshalb, weil er damals am Anfang stand, die linke Linie noch nicht eröffnete, auf der er sich korrigieren muss, damit all sein Tun um des Himmels willen geschieht.

So sagt es auch Maimonides am Ende der Hilchot Teshuwa (der Gesetze der Umkehr): „Die Weisen sagten: Stets befasse sich der Mensch mit der Tora, auch lo liShma; denn aus dem lo liShma gelangt er zum liShma. Wenn man darum Kinder, Frauen und das einfache Volk unterrichtet, lehrt man sie zunächst nur, aus Ehrfurcht und um des Lohnes willen zu dienen. Erst wenn ihr Wissen wächst und sie größere Weisheit erlangen, enthüllt man ihnen dieses Geheimnis nach und nach und gewöhnt sie behutsam daran, bis sie ihn erfassen und aus Liebe erkennen.“

Man muss also beide Linien gehen, die rechte und die linke. Selbst wenn er bereits weiß, dass es eine Sache der Wahrheit gibt, die man liShma nennt, trägt der Weg, den er ging, als er nur die eine Linie hatte, nun doch einen neuen Namen: Er heißt jetzt „rechte Linie“.

Was aber gewinnen wir, wenn wir die eine Linie jetzt „rechte Linie“ nennen? Die Erklärung: Jetzt ist der rechten Linie bereits eine Absicht beigegeben. Indem wir die eine Linie in „rechte Linie“ umbenennen, verbindet sich mit diesem Namen eine bestimmte Absicht, die es vorher, als sie „eine Linie“ hieß, nicht gab – nämlich, dass er die linke Linie nicht annullieren und allein die rechte gehen darf, denn ohne Links gibt es kein Rechts. Man muss also sagen: Solange er die eine Linie ging, wusste er nicht, ob es noch einen anderen Weg gibt. Jetzt aber, da ihr eine linke Linie gegenübersteht, heißt die eine Linie „rechte Linie“.

Das heißt: Die Vollkommenheit, die er jetzt empfängt, rührt nicht daher, dass er ohne jeden Mangel ginge, sondern daher, dass er sich vollkommen fühlt und sich an seiner Arbeit freut – so wie vor seinem Eintritt in die linke Linie, nur aus einem anderen Grund. Auf der rechten Linie kommt die Vollkommenheit daher, dass er sich als einfachen Menschen erkennt und weiß: Es gibt einen Weg der Wahrheit, nämlich um des Himmels willen zu arbeiten. Doch er sieht zugleich, wie weit er davon entfernt ist – sein Körper lässt es nicht zu, dass er ganz im Schöpfer aufgeht, sodass all sein Streben dem Geben gälte. Und dennoch sieht er, dass der Schöpfer ihm immerhin die Kraft gegeben hat, ein wenig mit der Heiligkeit in Berührung zu kommen, während andere das nicht einmal können. Dafür dankt und lobt er den Schöpfer – und in diesem Zustand ist er vollkommen.

Doch jetzt, da er auf der linken Linie zu arbeiten begonnen und begriffen hat, dass es vor allem auf die Arbeit des Gebens ankommt, fällt es ihm schwer, sich mit Wenigem zu begnügen. Wenn schon arbeiten, denkt er, dann lohnt es sich nur, um die Vollkommenheit zu erreichen. Aber Kräfte aufzuwenden, nur um die heilige Arbeit ein wenig zu berühren – dafür hat der Körper keinen Treibstoff. Das meint der Spruch: „Wo immer ein Mangel an Heiligkeit ist, dort finden die Klipot (Schalen) einen Halt.“ Die Klipot nämlich geben ihm zu verstehen: Für einen so kleinen Lohn – nur um ein wenig Halt an der Heiligkeit zu haben – sollst du so große Kräfte aufbringen?

So zeigt sich, dass die Klipot die Kraft haben, ihn auf höchst ehrbar wirkende Weise von der Heiligkeit zu entfernen. Sie sagen ihm nämlich nicht, es lohne sich nicht, sich um die Heiligkeit zu mühen. Gewiss, sagen sie, ist die Heiligkeit – dem König zu dienen – etwas Großes; aber du siehst doch selbst, dass dir dazu die Kraft fehlt. Und da erwacht die Gefahr, dass er ganz aus der Arbeit herausfällt; denn nun hat der Körper einen festen Halt in seiner Arbeit, weil der Mensch seine eigenen Mängel vor Augen hat.

Bei der Arbeit auf der einen Linie war das anders: Da wusste er, dass dies seine Vollkommenheit ist. Denn von Anfang an hatte man ihn gelehrt, das liShma sei den großen Menschen vorbehalten – denen, die von Natur aus mit großen Gaben und guten Eigenschaften geboren sind und dazu mit großen Kräften, die ihren eigenen Körper bezwingen: Sie beherrschen sich selbst, können verwirklichen, was ihnen gefällt, und niemand hält sie auf.

„Von dir aber verlangt man nur, was in deiner Kraft steht. Was du leisten kannst, das sollst du tun – und damit hast du deine Pflicht erfüllt. Denn die Tora wurde nicht den Dienstengeln gegeben, sondern der ganzen Gemeinschaft, einem jeden nach seinem Vermögen.“

Sobald er aber begonnen hat, die linke Linie zu gehen – sobald er also spürt, dass auch er zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer gelangen und um des Gebens willen arbeiten soll –, kann er von da an in der Arbeit der rechten Linie keine Vollkommenheit mehr empfinden, weil ihn die linke Linie stört. Hier beginnt die Arbeit des Glaubens über dem Verstand. Er muss glauben, dass die Arbeit der Heiligkeit überaus wichtig ist. Darum ist es nicht entscheidend, ob er die wahre Vollkommenheit erreicht oder nur jene, die ihm zukommt; er hat ja noch nicht das große Vorrecht, die heilige Arbeit zu hundert Prozent zu tun, sondern nur zu einem winzigen Teil. Und schon das gilt ihm als großer Reichtum, dessen Wert er gar nicht ermessen kann.

So zeigt sich: Auf diesem Weg misst er der Heiligkeit eine immer größere Bedeutung bei. Das kommt daher, dass er an ihre Größe über dem Verstand glauben muss, obwohl er sie noch gar nicht wirklich spürt. Er muss sich sagen: Dass ich an die Bedeutung von Tora und Mizwot über dem Verstand glauben muss, liegt daran, dass ich noch nicht würdig bin, ihre Bedeutung und Erhabenheit zu empfinden. Denn bekanntlich kann der Mensch, solange er noch in der Selbstliebe versunken ist, das Gute und den Genuss, die in ihnen verborgen sind, nicht spüren. In Wahrheit aber, wenn ich erst würdig bin, werde ich es leibhaftig sehen.

Daraus folgt: Dass er über dem Verstand glauben muss, liegt nicht an einem Mangel des Lichts, das in Tora und Mizwot verborgen ist, sondern am Kli (Gefäß) des Unteren, das dafür noch nicht reif ist. Und der Schöpfer weiß, wann ich so weit bin; dann gewiss lässt Er mich den Geschmack von Tora und Mizwot spüren. Es liegt also nicht daran, dass wir das Gute in ihr gar nicht spüren könnten, weil das Licht verhüllt und unerreichbar wäre – denn was hieße dann „Sie sind unser Leben“, das von Tora und Mizwot gesagt wird? Vielmehr muss er nur so lange über dem Verstand glauben, bis er sein empfangendes Kli korrigiert hat. Hat er seine Korrektur vollendet, so breiten sich das Gute und der Genuss über alles Heilige aus, womit er sich befasst.

Geht er also auf der rechten Linie und glaubt über dem Verstand an ihre Bedeutung, dann kann er – im selben Maß, in dem er Tora und Mizwot wertschätzt – selbst das Kleinste schätzen, ja schon eine winzige Berührung. Sogar am lo liShma des lo liShma kann er sich dann freuen, weil er mit der Tat ein Gebot des Schöpfers erfüllt.

Danach aber muss er zur linken Linie übergehen – er muss seine Tat also prüfen: ob das, was er tut, wirklich ein Mittel ist, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, wie die Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen und die Tora als Gewürz dazu“ – ob er also wirklich auf dieses Ziel zugeht. Eben das heißt, sich in Gefahr zu begeben. Solange er auf der linken Linie steht, besteht seine Arbeit vor allem im Gebet: dass er zum Schöpfer schreit, Er möge ihm Hilfe vom Himmel geben – wie die Weisen sagten: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man.“

So lässt sich auch deuten, was es mit den Engeln auf sich hat, die Jakob umgaben und von denen der heilige Sohar spricht: Dass die Engel kamen, ihn zu beschützen, ist die Hilfe, die von oben kommt, um ihm beizustehen, damit er seinen Weg fortsetzen kann. Diese Hilfe von oben aber setzt erst ein, wenn der Mensch die Arbeit schon begonnen hat, mitten darin steht und um Hilfe ruft. Bevor er die Arbeit überhaupt begonnen hat, kann ihm keine Hilfe zuteilwerden.

Als Jakob daher in die Arbeit eingetreten war – als er sich also bereits in Gefahr begeben hatte und den Schöpfer um Beistand bat –, wurden ihm Engel gesandt, die ihn behüteten, damit er den Kampf gewinne, in den er bereits eingetreten war. Anders liegt es, wenn er die begonnene Arbeit schon abgeschlossen, von den Engeln Hilfe erhalten hat und nun eine neue Arbeit beginnen will, die man „kleine Krüge“ (pachim ketanim) nennt. Der Anfang dieser Arbeit ist Finsternis, die man „Nacht“ nennt; und eben das ist die „dem Auge sichtbare Gefahr“, denn am Ort der Finsternis – auf der linken Linie – lauert die Gefahr. Diesen Anfang aber muss er allein machen. Und erst danach, wenn er sieht, dass er es nicht schafft, beginnt er, den Schöpfer um Hilfe zu bitten – und dann empfängt er erneut Hilfe von oben.

korrigiert, EY, CO4.8, 11.07.2026, 21:50 Uhr, Ver8