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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1986/14 Warum gibt es den Bedarf, Gefäße von den Ägyptern zu leihen?

Rabash – 1986 – Artikel 14 (תשמ״ו – מאמר י״ד)

„Warum es nötig ist, sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen“ · מהו הצורך לשאילת כלים מהמצרים

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1

Es steht geschrieben: „Sprich doch in die Ohren des Volkes, dass jeder Mann von seinem Nächsten und jede Frau von ihrer Nächsten silberne Gefäße und goldene Gefäße erbitte. Und der Schöpfer ließ das Volk Gnade finden in den Augen Ägyptens“ (Exodus 11).

הכתוב אומר "דבר נא באוזני העם, וישאלו איש מאת רעהו ואישה מאת רעותה, כלי כסף וכלי זהב, ויתן ה' את חן העם בעיני מצרים" (שמות י"א).

Es steht geschrieben (Tora, Exodus 11, 2-3): „Sprich bitte in den Ohren des Volkes, dass jeder Mann erbitte von seinem Freunde und jegliche Frau von ihrer Freundin silberne Geräte und goldene Geräte. Und der Schöpfer wird das Volk in den Augen der Ägypter Gnade finden lassen.”

2

Dazu lehren unsere Weisen (Berachot 9b): „Die Schule des Rabbi Jannai sagte: Das hebräische Wort ‚na‘ – im Vers mit ‚doch‘ wiedergegeben – drückt nichts anderes als eine Bitte aus. Der Schöpfer sprach zu Moses: Ich bitte dich, geh und sag es Israel – ich bitte euch, leiht euch von den Ägyptern silberne und goldene Gefäße, damit jener Gerechte [Abraham] nicht sagt: ‚Und sie werden sie versklaven und bedrücken‘ hat Er an ihnen erfüllt, ‚und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen‘ aber hat Er an ihnen nicht erfüllt.“

הנה דרשת חז"ל (ברכות ט' ע"ב) "אמרי דבי רבי ינאי, אין "נא" אלא לשון בקשה. אמר לו הקב"ה למשה, בבקשה ממך, לך אמור להם לישראל, בבקשה מכם, שאלו ממצרים כלי כסף וכלי זהב, כדי שלא יאמר אותו צדיק, ועבדום וענו אותם קיים בהם, ואחרי כן יצאו ברכוש גדול לא קיים בהם".

Unsere Weisen sagten (Talmud, Berachot, 9b): „Die Schüler von Rabbi Yanai sagten: ‚’bitte‘ drückt eine Bitte aus. Der Schöpfer bat Moses und sagte: ‚Ich bitte dich, sage zu ihnen, zu den Israeliten, ich bitte euch, erbittet von den Ägyptern silberne und goldene Gegenstände, damit jener Gerechte (Abraham) nicht sagen kann, dass die Prophezeiung ‚Sie werden versklavt und bedrängt‘ sich erfüllt hat, aber die Prophezeiung ‚und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen.‘ sich nicht erfüllt hat.“

3

Hier fragt man sich: Wenn der Schöpfer Sein Versprechen an Abraham einlösen wollte – „und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen“ –, hätte Er dann nicht das Volk Israel reich machen können, ohne sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen? Denn das wirkt wie ein Betrug. Auf den ersten Blick scheint es, als hätten sie von vornherein unredlich geliehen, also mit der Absicht, nichts zurückzugeben.

העולם מקשים, וכי אם הקב"ה רצה לקיים הבטחתו לאברהם, כמו שכתוב "ואחרי כן יצאו ברכוש גדול", לא היה בידו להעשיר את עם ישראל בלי שאילת כלים ממצרים, שנראה שהוא דרך רמאות, שלכאורה נראה, ששאלו תחילה בשקר, היינו על הכוונה שלא להחזיר.

Das ist verwirrend. Wenn der Schöpfer sein Versprechen an Abraham einhalten wollte, wie es geschrieben steht: „Und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen“, könnte Er das Volk Israel dann nicht reich machen, ohne sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen? Das kommt einem Betrug gleich, denn es scheint, als hätten sie zunächst durch Betrug geliehen, also ohne die Absicht, etwas zurückzugeben.

4

Weiter ist zu verstehen, warum der Schöpfer Moses auftrug, in Israel zu drängen, sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen – wobei das Wort ‚na‘, wie gesagt, eine Bitte ausdrückt. Was bedeutet dieses Drängen? Es zeigt, dass der Schöpfer wusste, sie würden sich dagegen sträuben. Darum bat Er Moses, mit Israel zu reden. Es gilt also zu verstehen, woher der Widerstand Israels gegen diese Sache kommt.

עוד יש להבין, בזה שהקב"ה אמר למשה, להפציר בישראל לשאול כלים אצל המצרים, כנ"ל, שאין "נא" אלא לשון בקשה. ומה היא ההפצרה הזאת, שמשמע, שהקב"ה היה יודע, שהם יתנגדו לזה. לכן בקש ממשה, שידבר עם ישראל. אם כן יש להבין, מהי סיבת התנגדותם של ישראל לדבר זה.

Weiterhin muss man verstehen, warum der Schöpfer Moses aufforderte, das Volk Israel zu bitten, Gegenstände von den Ägyptern zu erbitten, wie oben erwähnt, dass ‚bitte‘ ein Ausdruck der Bitte ist. Und was bedeutet dieses Flehen? Es scheint zu bedeuten, dass der Schöpfer wusste, dass sie sich dagegen wehren würden, also bat er Moses, zu Israel zu sprechen. Wir sollten also den Grund für Israels Widerstand verstehen.

5

Auch der Vers ist zu verstehen: „Und der Schöpfer ließ das Volk Gnade finden in den Augen der Ägypter.“ Wie kann man diesen Umschlag von einem Extrem ins andere begreifen? Von Seiten des Schöpfers ist zwar alles möglich, doch im einfachen Sinn ist es schwer zu verstehen. Denn es steht geschrieben (Exodus 1,12): „Doch je mehr sie es bedrückten, desto mehr mehrte es sich und breitete sich aus, und ihnen graute vor den Söhnen Israels.“ Dazu lehren unsere Weisen: „Das lehrt, dass sie ihnen wie Dornen in den Augen waren“ (Sota 11).

עוד יש להבין מה שכתוב "ויתן ה' את חן העם בעיני המצרים". איך יכולים להבין דבר זה, שהוא מקצה אל הקצה, הגם שמצד ה' הכל יכול להיות, אבל במובן הפשוט קשה להבין את זה, במה שכתוב (שמות א' י"ב) "וכאשר יענו אותו כן ירבה וכן יפרוץ, ויקוצו מפני בני ישראל". ודרשו חז"ל, "מלמד שהיו בעיניהם כקוצים" (סוטה י"א).

Wir sollten auch die Worte verstehen: „Und der Herr gab dem Volk die Gunst in den Augen der Ägypter.“ Wie können wir so etwas verstehen, da es so gegensätzlich erscheint? Aus der Perspektive des Schöpfers ist zwar alles möglich, aber aus dem einfachen Verständnis heraus ist das schwer zu begreifen, insbesondere im Lichte dessen, was geschrieben steht (Tora, 1. Mose 1,12): „Und je mehr sie sie bedrängten, desto mehr vermehrten sie sich und breiteten sich aus, und sie fürchteten die Söhne Israels.“ Unsere Weisen sagten: „Das zeigt, dass sie wie Dornen in ihren Augen waren“ (Talmud, Sutah, 11).

6

So schlug es von einem Extrem ins andere um. Zuvor waren sie „Dornen“: Die Ägypter konnten das Volk Israel nicht ertragen, es war ihnen wie Dornen in den Augen. Jetzt aber fand Israel Gnade in ihren Augen.

נמצא, שנהפכו מ"קוצים", היינו במקום שלא היו יכולים לסבול את עם ישראל, והיו בעיניהם כקוצים, נהפך עכשיו מקצה אל הקצה, שכן מצא עם ישראל חן בעיני המצרים.

Daraus folgt, dass sie von den Dornen, d.h. dass sie das Volk Israel nicht ausstehen konnten und sie in ihren Augen wir Dornen waren, nun ins genaue Gegenteil umgeschlagen sind, so dass das Volk Israel nun Gunst in den Augen der Ägypter fand.

7

Auch beim Versprechen des Schöpfers an Abraham – „und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen“ – ist der ganze Zusammenhang zu verstehen, der dort berichtet wird (Genesis 15): „Und Er sprach zu ihm: Ich bin der Schöpfer, der dich aus Ur Kasdim herausgeführt hat, um dir dieses Land zum Erbe zu geben. Er aber sprach: Schöpfer, Gott, woran soll ich erkennen, dass ich es erben werde? Und Er sprach zu Abram: Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist, und man wird sie versklaven und bedrücken vierhundert Jahre lang; und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen.“

והנה בהבטחת הקב"ה לאברהם "ואחרי כן יצאו ברכוש גדול", גם כן יש להבין את כל הענין שמובא שם (בראשית ט"ו, ו') "ויאמר אליו, אני ה', אשר הוצאתיך מאור כשדים, לתת לך את הארץ הזאת לרשתה. ויאמר, ה' אלקים, במה אדע כי אירשנה. ויאמר לאברם, ידע תדע כי גר יהיה זרעך בארץ לא להם, ועבדום וענו אותם ארבע מאות שנה, ואחרי כן יצאו ברכוש גדול".

In der Verheißung des Schöpfers an Abraham: „Und danach werden sie mit viel Besitz herauskommen“, sollten wir den gesamten Zusammenhang verstehen, der dort dargestellt wird (Tora, 1. Mose 15,6): „Und Er sagte zu ihm: ‚Ich bin der Herr, der dich aus Ur der Chaldäer herausgeführt hat, um dir dieses Land zu geben, damit du es erbst.‘ Und er sprach: ‚Herr, Gott, woran werde ich erkennen, dass ich es erben werde?‘ Und er sagte zu Abram: … ‚Du sollst wissen, dass deine Nachkommen als Fremde in einem Land leben werden, das ihnen nicht gehört, und sie werden vierhundert Jahre lang versklavt und unterdrückt werden … und danach werden sie mit viel Besitz herauskommen.'“

8

Auch hier ist zu verstehen, welche Antwort Abraham auf seine Frage erhielt: „Woran soll ich erkennen, dass ich es erben werde?“ Denn die Antwort des Schöpfers darauf lautete: „Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist – und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen.“ Die Frage zielte also auf die Gewissheit des Erbes. Die Antwort darauf aber war, dass das Volk Israel im Exil sein wird. Ist denn das Exil die Bürgschaft für das Erbe des Landes?

וגם כאן יש להבין, איזו תשובה קבל אברהם על השאלה "במה אדע כי אירשנה". כי תשובת הקב"ה היתה על שאלה זו, כמו שכתוב "ויאמר לאברם, ידע תדע כי גר יהיה זרעך בארץ לא להם, ואחרי כן יצאו ברכוש גדול". אם כן השאלה היתה על בטיחות הירושה. והתשובה על הבטיחות היתה, שעם ישראל יהיו בגלות. וכי הגלות היא הבטיחות על ירושת הארץ.

Auch hier sollten wir die Antwort verstehen, die Abraham auf die Frage „Woran werde ich erkennen, dass ich es erben werde?“ erhielt, denn die Antwort des Schöpfers lautete auf diese Frage, wie es geschrieben steht: „Und Er sagte zu Abram: ‚Wisse, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist, wo sie vierhundert Jahre lang versklavt und unterdrückt werden … und danach werden sie mit vielen Besitztümern herauskommen.'“ Die Frage bezog sich also auf Garantien für das Erbe, und die Antwort auf die Garantie war, dass das Volk Israel im Exil sein wird. Aber ist das Exil eine Garantie dafür, das Land zu erben?

9

Mein Vater und Lehrer [Baal HaSulam], sein Andenken sei zum Segen, löste dies auf. Der Sinn der Frage war folgender. Es ist bekannt, dass es kein Licht ohne Gefäß gibt – das heißt, man kann keine Erfüllung empfangen, wenn kein Mangel da ist; und ein Mangel wird „Gefäß“ (Kli) genannt. Als Abraham nun sah, was der Schöpfer Seinen Kindern geben wollte, sprach er: Ich sehe doch nicht, dass meine Kinder dieses Erbe des spirituellen Landes überhaupt nötig haben. Denn, so sagte er, empfangen sie auch nur ein kleines Leuchten, so sind sie schon zufrieden; bringt doch die kleinste Stufe im Spirituellen dem Menschen mehr Genuss als alle materiellen Genüsse der Welt. Sobald sie also ein kleines Leuchten empfangen, werden sie meinen, es gibt keine höheren Stufen als die, die sie erreicht haben. Dann aber haben sie es nicht nötig, um noch mehr zu bitten.

ותירץ אאמו"ר זצ"ל, שהפירוש של השאלה היה, כי ידוע שאין אור בלי כלי, היינו שאי אפשר לקבל מילוי אם אין חסרון. וחסרון נקרא כלי. וכשראה, מה שהקב"ה רוצה לתת לבניו, אז אמר אברהם, הלא אני לא רואה, שבני, יהיה להם צורך לאותה ירושת הארץ הרוחנית. כי אמר, אם הם יקבלו איזו הארה קטנה, כבר יהיה להם סיפוק, כי מדרגה הכי קטנה ברוחניות, מביאה לאדם יותר תענוג מכל תענוגי הגשמיים, שישנם בעולם. ולפי זה, מתי שיקבלו איזו הארה קטנה, כבר יהיה להם מקום לחשוב, שאין מדרגות יותר גדולות, מזה שהשיגו. אם כן לא יהיה להם צורך לבקש עוד משהו.

Baal HaSulam erklärte die Bedeutung dieser Frage: Es ist bekannt, dass es ohne ein Kli [Gefäß] kein Licht gibt. Das heißt, es ist unmöglich, eine Füllung zu empfangen, wenn kein Mangel besteht. Ein Mangel wird Kli genannt, und als Abraham sah, was der Schöpfer seinen Söhnen geben wollte, sagte er: „Ich kann nicht sehen, dass meine Söhne ein Bedürfnis an diesem spirituellen Erbe des Landes haben werden.“ Er sagte: „Wenn sie eine kleine Erleuchtung empfangen, werden sie zufrieden sein, denn die kleinste Stufe der Spiritualität bringt mehr Genuss als alle körperlichen Freuden der Welt. Deshalb werden sie, wenn sie eine kleine Erleuchtung empfangen, denken, dass es keine größeren Stufen gibt als die, die sie erreicht haben, und deshalb werden sie keinen Bedarf haben, nach mehr zu fragen.“

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Darum richtete Abram seine Frage an den Schöpfer: „Woran soll ich erkennen“, dass sie dieses Erbe des spirituellen Landes nötig haben werden? Er bat also den Schöpfer, ihm zu sagen, wie ein solcher Zustand möglich ist – dass sie Licht ohne Gefäß haben. Denn Abram verstand: Das Licht gibt der Schöpfer. Aber die Gefäße – also das Verlangen nach größeren Lichtern, als sie schon empfangen haben –, wer gibt ihnen die Einsicht, dass sie noch zu einer weit höheren Stufe aufsteigen müssen, als sie jetzt empfinden?

ומשום זה היתה שאלת אברם להקב"ה, "במה אדע", שיהיה להם צורך לאותה ירושת ארץ הרוחנית. אם כן הוא ביקש מה', שיגיד לו, באיזה אופן יכולה להיות מציאות זו, שיהיה להם אור בלי כלי. ואברם הבין, שאור נותן הקב"ה, אבל כלים, היינו רצון לאורות יותר גדולים מכפי שכבר קיבלו, מי יתן להם להבין, שהם עוד צריכים להגיע להתעלות יותר גדולה, מכפי שהם מרגישים עכשיו.

Deshalb richtete Abram seine Frage an den Schöpfer: „Woran werde ich erkennen, dass sie das Bedürfnis haben werden, das spirituelle Land zu erben?“ Er bat also den Schöpfer, ihm zu sagen, wie es geschehen kann, dass sie ohne ein Kli das Licht haben werden. Abram verstand, dass der Schöpfer das Licht gibt, aber die Kelim, d.h. das Verlangen nach größerem Licht, als sie bereits empfangen hatten –, wer würde ihnen zu verstehen geben, dass sie einen größeren Aufstieg erreichen müssen, als sie jetzt fühlen?

11

Denn im Spirituellen gilt die Regel: Jede spirituelle Sache, die zum Menschen kommt, lässt ihn eine Vollkommenheit empfinden, über die hinaus es nichts gibt. Denn jede spirituelle Sache ist ein vollkommenes Empfinden, ganz ohne Mangel – sonst ist sie nicht spirituell. Nur bei einer materiellen Sache kann es Genuss geben und man spürt zugleich, dass es einen noch größeren Genuss gibt; im Spirituellen ist das nicht so.

היות שיש כלל ברוחניות, שכל דבר רוחני שבא לאדם, הוא מרגיש בו שלימות, שאין למעלה ממנו. כי כל דבר רוחני, הוא הרגשה שלימה, בלי שום חסרון, אחרת הוא לא נקרא רוחני. כי רק בדבר גשמי יכול להיות תענוג, ומכל מקום מרגישים, שיש תענוג יותר גדול, מה שאין כן ברוחניות.

In der Spiritualität gibt es die Regel, dass alles Spirituelle, das zu einem Menschen kommt, ihn eine unübertreffliche Vollkommenheit fühlen lässt, denn alles Spirituelle ist ein vollkommenes Gefühl, ohne jeden Mangel. Andernfalls wird es nicht als „spirituell“ angesehen, denn nur in irdischen Angelegenheit kann es einen Genuss geben, bei dem ein Mensch fühlt, dass es einen noch größeren Genuss gibt. In der spirituellen Welt ist das nicht der Fall.

12

So wunderte sich Abraham: Wie und wodurch sollen sie es je nötig haben, den Schöpfer zu bitten, ihnen höhere Stufen zu geben – das „Erbe des Landes“? Und er sagte: Was der Schöpfer ihm antwortete – „Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist“ –, das ist die Antwort des Schöpfers an Abram: Von hier aus, nämlich aus dem ägyptischen Exil, werden sie es nötig haben, den Schöpfer zu bitten, ihnen jedes Mal größere Kräfte zu geben.

אם כן היה אברהם תמה על עצמו, איך ובמה יהיה להם צורך, לבקש מה', שיתן להם מדרגות יותר גדולות, הנקראות "ירושת הארץ". ואמר, שמה שהשיב לו הקב"ה "ידע תדע, כי גר יהיה זרעך בארץ לא להם", זוהי תשובת הקב"ה לאברם, מכאן, היינו מגלות מצרים, יהיה להם צורך לבקש מה', שיתן להם כל פעם כוחות יותר גדולים.

So fragte sich Abraham, wie und wodurch sie einen Bedarf haben würden, den Schöpfer zu bitten, ihnen größere Stufen zu geben, die „Erbe des Landes“ genannt werden. Er sagte, dass die Antwort des Schöpfers an ihn – „Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist“ –, bedeutet, dass sie von hier an, also ab dem Exil in Ägypten, das Bedürfnis haben werden, den Schöpfer zu bitten, ihnen jedes Mal mehr Kraft zu geben.

13

Der Grund ist folgender. Wenn der Mensch beginnt, in der Arbeit für den Schöpfer zu gehen, und will, dass all sein Tun um des Gebens willen geschieht, und dann sieht, dass er es aus eigener Kraft nicht kann, dann bittet er den Schöpfer um Hilfe. So sagten unsere Weisen: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Und der Heilige Sohar fragt: „Womit hilft man ihm? Mit einer heiligen Seele.“

והטעם הוא, כי בזמן שהאדם מתחיל ללכת בעבודת ה', והוא רוצה שכל עשיותיו יהיו בעמ"נ להשפיע, והוא רואה שאין בידו להתגבר, אז האדם מבקש עזרה מה', שיעזור לו, כמו שאמרו חז"ל "הבא לטהר מסייעין אותו". ושואל הזה"ק, "במה מסייעין אותו, בנשמתא קדישא".

Der Grund dafür ist, dass sobald der Mensch anfängt, in der Arbeit des Schöpfers voranzukommen und all sein Handeln auf das Geben ausrichten will, er sieht, dass er nicht die Kraft hat, sich zu überwinden. Zu diesem Zeitpunkt bittet der Mensch den Schöpfer um Hilfe, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen“, und der Heilige Sohar fragt: „Wie wird ihm geholfen? Mit einer heiligen Seele.“

14

Das war auch nötig, weil alles, was sie in der Arbeit überwanden, in der Erde versank – wie es vom Bau der Städte Pitom und Ramses heißt. Das heißt: Jeden Tag mussten sie ihre Arbeit von Neuem beginnen, denn alles, was sie aufbauten, versank im Abgrund. Immer sahen sie sich wie jemand, der noch nie mit der Arbeit begonnen hat. Denn hier behielten sie nichts an Tora im Gedächtnis, was die Arbeit betrifft; und jedes Mal, wenn sie mit sich Abrechnung hielten – wo ist unsere Arbeit, wohin sind die Kräfte gegangen, die wir hineingelegt haben? –, fanden sie nichts.

אי משום זה, כיון שכל מה שהיו מתגברים בעבודה, היה הכל נשקע בארץ, כמו שאומר בענין שבנו את פיתום ורעמסס, היינו כל יום היו צריכים להתחיל עבודתם מחדש, כי כל מה שבנו, הכל נכנס לתהום, ותמיד הם היו רואים את עצמם, כמי שאף פעם לא התחיל בעבודה, כי כאן שאין הם זוכרים שום דבר תורה, מה שנוגע לעניני עבודה, ותמיד כשעושים חשבון לעצמם, איפה עבודה שלנו, מה שאנחנו הכנסנו כוחות בעבודה, ולאן הם הלכו.

In der Tat versank alles, was sie in der Arbeit überwanden, in der Erde, wie es über ihren Bau von Pithom und Ramses gesagt wird. Das heißt, sie mussten jeden Tag aufs Neue mit der Arbeit beginnen, denn alles, was sie erbauten, versank im Abgrund, und sie betrachteten sich immer so, als hätten sie nie mit der Arbeit begonnen, denn sie erinnerten sich an kein Wort der Tora, das die Arbeit betrifft, und dachten immer über sich selbst nach: „Wo ist unsere Arbeit, wo sind die Anstrengungen, die wir in die Arbeit gesteckt haben? Wo sind sie hin?“

15

Noch schwerer war zu verstehen, wie die Klipa (Schale) des Pharao all ihre Arbeit verschlingen konnte, die sie geleistet hatten – so sehr, dass sie nicht mehr spürten, je mit der Arbeit für den Schöpfer befasst gewesen zu sein, ein Ziel ihrer Vollendung gehabt und gewusst zu haben, was sie wollen. Plötzlich gerieten sie in einen Zustand, in dem sie alles vergaßen, und es blieben keinerlei Reshimot (Eindrücke) von ihrer Arbeit in ihnen.

ועוד יותר מזה היה קשה להבין, איך היתה היכולת לקליפת פרעה לבלוע את כל עבודתם, אשר עבדו. עד כדי כך, שהם לא מרגישים, שהיתה פעם, שעסקו בעבודת ה', ושהיתה להם מטרה להגיע לשלימותם, וידעו מה שהם רוצים. פתאום באו לידי מצב, ששכחו הכל, ולא נשארו בהם שום רשימות מעבודתם.

Noch schwieriger ist es zu verstehen, wie die Klipa [Hülle/Schale] des Pharao all ihre Arbeit so weit verschlingen konnte, dass sie nicht mehr das Gefühl hatten, sich jemals mit dem Dienst am Schöpfer befasst zu haben und ihr Ziel die Vollkommenheit war und wussten, was sie wollten. Plötzlich kamen sie in einen Zustand, in dem sie alles vergessen haben und keine Reshimot [Aufzeichnungen/Erinnerungen] von ihrer Arbeit in ihnen geblieben sind.

16

Und all das war von vornherein gewollt: Der Schöpfer bereitete eigens dafür eine Klipa, damit sie jedes Mal im Zustand des Anfangs sind. Und bekanntlich ist aller Anfang schwer. So waren sie gezwungen, den Schöpfer um Hilfe zu bitten, wie gesagt: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Und nach den Worten des Heiligen Sohar empfangen sie jedes Mal eine „heilige Seele“ – eine Kraft von oben –, sodass sie eines nach dem anderen immer wieder einen Seelenzusatz empfangen. Das alles summiert sich später zu einer großen Summe; denn bekanntlich gilt: „Wir haben gelernt: Vom Himmel gibt man, doch nimmt man nicht zurück“ (Chulin 60).

וזה היה הכל בכוונה תחילה, שהקב"ה הכין קליפה לצורך זה, בכדי שכל פעם יהיו במצב של התחלה. וכידוע, כל התחלות קשות. אז יהיו מוכרחים לבקש מה', שיעזור להם כנ"ל "הבא לטהר מסייעין אותו". וכדברי הזה"ק, שכל פעם הם מקבלים בחינת "נשמתא קדישא", שזה נבחן כח מלמעלה, שזה אחר זה בכל פעם מקבלים תוספות נשמה. וזה מתקבץ אחר כך לחשבון גדול, כידוע ש"גמירי משמיא מיהב יהבינין משקל לא שקל" (חולין ס') ]למדנו מן השמיים נותנים. לקחת בחזרה לא לוקחים].

All das war von Anfang an beabsichtigt. Zu diesem Zweck hat der Schöpfer eine Klipa vorbereitet, um sie [Israel] ständig im Zustand des Anfangs zu halten. Es ist bekannt, dass alle Anfänge schwer sind, deshalb waren sie gezwungen, den Schöpfer um Hilfe zu bitten, wie oben gesagt wurde: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen“, und wie der Heilige Sohar sagt, empfangen sie jedes Mal eine „heilige Seele“, was eine Kraft von oben ist und bedeutet, dass sie jedes Mal zusätzliche Seelenanteile empfangen. Das summiert sich zu einer großen Menge, denn es ist bekannt, dass „was vom Himmel gegeben wird, wird nicht zurückgenommen“ (Talmud, Chulin 60).

17

Vielmehr: Jedes Leuchten, das man von oben empfängt, entschwindet zwar für eine Weile. Am Ende aber – wenn der Mensch das Maß an Mühe vollendet hat, das ihm zukommt, nach dem Wort „Alles, was deine Hand und deine Kraft zu tun vermag, das tue“ – empfängt er mit einem Mal alles, was er nach und nach empfangen hatte. Er hatte gemeint, alles war in die Klipot gefallen; dann aber empfängt er alles zurück.

אלא כל הארה, שמקבלים מלמעלה, אף על פי שנסתלקת לפי שעה, אבל לבסוף, היינו כשגומר סכום יגיעה, מה שמוטל על האדם לגלות בבחינת "כל מה שבידך ובכוחך עשה", אז הוא מקבל בפעם אחת את כל מה שקיבל בזה אחר זה. והוא חשב, שהכל נכנס להקליפות. אז הוא מקבל הכל חזרה.

Doch obwohl jede von oben empfangene Erleuchtung, die sie von oben erhalten haben, vorerst verschwindet, empfängt der Mensch am Ende, wenn er die Anstrengung, die er tun muss, vollendet hat, wie in „Alles, was in deiner Macht steht zu tun, das tue“, alles auf einmal zurück, was er nach und nach erhalten hatte. Er dachte, dass alles an die Klipot ging. Dann erhält er alles zurück.

18

Nach dem Gesagten zeigt sich: Das ganze ägyptische Exil diente dazu, Gefäße und ein Bedürfnis nach den großen Lichtern zu erlangen, die „Erbe des Landes“ heißen. Eben darüber wunderte sich Abraham und sagte, er sieht nicht, dass seine Kinder diese großen Lichter je nötig haben. Und weil es kein Licht ohne Gefäß gibt, fehlen ihnen die Gefäße zum Empfangen – selbst wenn man ihnen geben will.

נמצא לפי הנ"ל, שכל ענין גלות מצרים היה בכדי לקבל כלים וצורך לאורות הגדולים, הנקראים "ירושת הארץ", שעל זה היה אברהם תמה ואמר, שהוא לא רואה שיהיה להבנים שלו צורך לאורות הגדולים האלו. והיות שאין אור בלי כלי, נמצא, אפילו שרוצים לתת להם, אבל אין להם כלים לקבל.

Daraus folgt, dass die ganze Angelegenheit des Exils in Ägypten dazu diente, Kelim [Gefäße] zu empfangen und ein Bedarf an den großen Lichtern zu bekommen, genannt „Erbe des Landes“. Darüber war Abraham verwundert und sagte, dass er nicht sehen könne, dass seine Söhne einen Bedarf an diesen großen Lichtern haben würden. Und da es kein Licht ohne Kli gibt, folgt daraus, dass selbst wenn es ein Verlangen zu geben gibt, sie keine Kelim haben, in denen sie empfangen können.

19

Darum wurde ihnen das ägyptische Exil bereitet. Durch die Fragen und Anklagen der Ägypter wurden sie jedes Mal von der wenigen Heiligkeit entleert, die sie sich erworben hatten, denn die Ägypter sogen an ihnen. So hatten sie es immer nötig, den Schöpfer zu bitten, ihnen den Weg zu erleuchten, damit sie vorankamen. Sie aber sahen, dass sie jedes Mal rückwärtsgingen. Das meint der heilige ARI, wenn er schreibt, dass das Volk Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in den neunundvierzig Toren der Unreinheit war, bis der König aller Könige Sich ihnen offenbarte und sie erlöste.

ומשום זה הוכנה להם גלות מצרים, שעל ידי השאלות והטענות של המצרים, שע"י זה יתרוקנו כל פעם ממה שכבר רכשו לעצמם קצת קדושה, והם היו יונקים מהם, ומשום זה יהיה להם תמיד צורך לבקש מה', שיאיר להם הדרך, שיוכלו ללכת קדימה. והם ראו, שכל פעם הלכו אחור. וזה שכתב האר"י הקדוש, שבזמן יציאת מצרים, היו עם ישראל במ"ט שערי טומאה, עד שנגלה אליהם מלך מלכי המלכים וגאלם.

Aus diesem Grund wurde ihnen das Exil in Ägypten gegeben, so dass sie durch die Fragen und Anschuldigungen der Ägypter sie jedes Mal den Anteil der Kedusha [Heiligkeit], den sie bereits erworben hatten, verloren, da die Ägypter an ihnen saugten. Aus diesem Grund erhalten sie immer wieder das Bedürfnis, dass sie den Schöpfer bitten, ihnen den Weg zu erleuchten, damit sie vorwärts gehen können. Sie sagen aber, dass sie immer wieder Rückschritte machten, weshalb der ARI schrieb, dass sich das Volk Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in neunundvierzig Toren der Unreinheit befand, bis der König der Könige sich ihnen offenbarte und sie erlöste.

20

Das aber scheint gegen die Vernunft. Bekanntlich kamen Moses und Aaron nach Ägypten und sagten den Söhnen Israels, der Schöpfer will sie aus Ägypten herausführen. Sie taten in Ägypten alle Wunderzeichen, und Israel sah die zehn Plagen, die über die Ägypter kamen. Sicher hätte das die ganze Gemeinschaft Israels der Heiligkeit näherbringen müssen und nicht das Gegenteil bewirken dürfen – dass sie jedes Mal in ein tieferes Tor der Unreinheit fielen, bis zu der Zeit, da sie aus Ägypten ausziehen sollten. Da hätte doch eine große Vorbereitung auf das Licht der Erlösung stattfinden müssen. Was aber sehen wir am Ende? In welchem Zustand sie beim Empfang des Lichts der Erlösung waren: in den neunundvierzig Toren der Unreinheit. Wie ist so etwas möglich?

ולכאורה זה נגד השכל. הלא ידוע, שמשה ואהרן באו למצרים ודברו עם בני ישראל, שהקב"ה רוצה להוציא אותם ממצרים. ועשו במצרים את כל המופתים, ומזה שראו את עשר המכות שקבלו המצרים, בטח שזה היה צריך לקרב את הכלל ישראל לקדושה, ולא לעשות פעולה הפוכה, שנפלו כל פעם לשער של טומאה יותר עמוקה, עד שהגיעו בזמן, שהיו צריכים לצאת ממצרים, היינו שהיתה צריכה להיות הכנה גדולה לקבל אור הגאולה, ולבסוף מה אנו רואים, באיזה מצב הם היו, בזמן קבלת אור הגאולה, במ"ט שערי טומאה, היתכן דבר כזה.

Das scheint der Logik zu widersprechen, denn es ist bekannt, dass Moses und Aaron nach Ägypten kamen und zu den Söhnen Israels sprachen, dass der Schöpfer sie aus Ägypten herausführen wolle. Sie führten alle Zeichen in Ägypten aus und sahen die zehn Plagen, die die Ägypter erleiden mussten. Das muss Israel näher an Kedusha herangebracht haben und nicht das Gegenteil – dass sie immer wieder in ein tieferes Tor der Tuma’a [Unreinheit] fielen, bis zu dem Punkt, dass sie, als es an der Zeit war, aus Ägypten herauszukommen – sie also die beste Vorbereitung für das Empfangen des Lichts der Erlösung haben mussten. Doch was sehen wir? Als sie das Licht der Erlösung empfingen, befanden sie sich in neunundvierzig Toren der Tuma’a. Wie kann das sein?

21

Mein Vater und Lehrer erklärte es so: Das ägyptische Exil diente dazu, die Gefäße der Ägypter zu erlangen – aber nur leihweise, um sie ihnen danach zurückzugeben. Denn er erklärte: Wenn der Schöpfer zu Abraham sagte „dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist“, so war das ein Versprechen über das Erbe. Das heißt, sie haben es nötig, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen. Denn aus der Knechtschaft der Ägypter herauszukommen, ist nur durch die Hilfe der heiligen Seele möglich, wie gesagt. Also brauchen sie jedes Mal die Hilfe des Schöpfers und müssen dadurch jedes Mal größere Stufen herabziehen.

וכפי שהסביר אאמו"ר זצ"ל, שענין גלות מצרים היה, בכדי להשיג כלים של המצרים. אבל רק בהשאלה. ואח"כ להחזיר להם בחזרה. כי הוא זצ"ל פירש, שענין זה, שהקב"ה אמר לאברהם, "כי גר יהיה זרעך בארץ לא להם", זו היתה הבטחה על הירושה. זאת אומרת, שיהיה להם צורך לקבלת השפע מהקב"ה. כי זה שרוצים לצאת מהשעבוד של המצרים, הוא יכול להיות רק על ידי עזרה עם נשמתא קדישא, כנ"ל. אז ממילא כל פעם הם יהיו זקוקים לעזרת ה'. ומזה יהיה להם צורך כל פעם להמשיך מדרגות יותר גדולות.

Wie Baal HaSulam erklärte, diente das Exil in Ägypten dazu, um die Kelim der Ägypter zu erhalten. Aber nur, um die Kelim zu borgen und sie später zurückzugeben. Er deutete die Angelegenheit so, dass der Schöpfer zu Abraham sagte: „Deine Nachkommen werden Fremde in einem Land sein, das ihnen nicht gehört“, als Garantie für das Erbe. Das bedeutete, dass sie den Bedarf haben würden, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen, denn aus der Versklavung durch die Ägypter herauskommen zu wollen, kann nur durch die Hilfe einer heiligen Seele geschehen. Dann werden sie jedes Mal die Hilfe des Schöpfers brauchen, und dadurch werden sie den Bedarf haben, höhere Stufen zu erlangen.

22

Mit dem Gesagten erklären wir nun das „ägyptische Exil“ und das „Leihen der Gefäße bei den Ägyptern“. Wir sehen, was geschah, als Moses und Aaron zu den Söhnen Israels kamen (Exodus 4,29): „Und Moses und Aaron gingen und versammelten alle Ältesten der Söhne Israels. Und Aaron redete all die Worte, die der Schöpfer zu Moses gesagt hatte, und tat die Zeichen vor den Augen des Volkes. Und das Volk glaubte und hörte.“

ובהאמור נבאר את הענין של "גלות מצרים", ואת ענין "השאלת כלים אצל המצרים". הנה אנו רואים, בזמן שמשה ואהרן באו לבני ישראל, כמו שכתוב (שמות ד' כ"ט) "וילך משה ואהרן ויאספו את כל זקני בני ישראל, וידבר אהרן את כל הדברים, אשר דבר ה', אל משה ויעש האתות לעיני העם, ויאמין העם וישמעו".

Jetzt können wir die Bedeutung des Exils in Ägypten und das Ausleihen der Kelim von den Ägyptern erklären. Wir sehen, dass, als Moses und Aaron zu den Söhnen Israels kamen, wie geschrieben steht (2. Mose 4,29): „Und Moses und Aaron gingen hin und versammelten alle Ältesten der Söhne Israels, und Aaron sagte alle Worte, die der Schöpfer zu Moses gesagt hatte, und führte die Zeichen vor den Augen des Volkes aus, und das Volk glaubte und hörte.“

23

Hieraus sehen wir: Sobald Moses und Aaron zu den Söhnen Israels kamen, nahmen sie all die Worte, die der Schöpfer zu Moses gesagt hatte, im Glauben über dem Verstand an. Und alles, was die Ägypter ihnen mit ihren Fragen und Einwänden gegen den Glauben Israels begreiflich machen wollten, hatte keinen Bestand, weil sie über den Verstand hinausgingen. Darum konnte die ganze Zeit des Exils jetzt nichts mehr an ihnen bewirken.

מכאן אנו רואים, שתיכף, שבאו משה ואהרן לבני ישראל, קיבלו עליהם את כל הדברים אשר דבר ה' אל משה באמונה למעלה מהדעת. וכל, מה שהמצרים היו נותנים להם להבין עם כל השאלות וקשיות על אמונת ישראל, לא עלה בשם, כי הם הלכו למעלה מהדעת. ומשום זה, זה שהיו בגלות כל הזמן, לא היה יכול עכשיו לפעול בהם כלום.

Daraus können wir ersehen, dass sie, sobald Mose und Aaron zu den Söhnen Israels kamen, alle Worte, die der Schöpfer zu Mose gesagt hatte, mit Glauben über dem Verstand annahmen. Und alles, was die Ägypter ihnen mit all den Fragen und Zweifeln über den Glauben Israels zu verstehen gaben, zählte überhaupt nicht, denn sie gingen über den Verstand. Aus diesem Grund konnte die Tatsache, dass sie die ganze Zeit im Exil waren, sie jetzt überhaupt nicht beeinflussen.

24

Das heißt: Nachdem Moses und Aaron zu den Söhnen Israels gekommen waren – mit der Botschaft, der Schöpfer will sie aus dem Exil führen –, nahmen sie es sofort auf sich, fortan nicht mehr auf die Einwände der Ägypter zu hören. Diese kamen im Namen Pharaos, des Königs von Ägypten, und meinten, es ist besser für Israel, unter ihrer Herrschaft zu bleiben; sie wollten ihnen die „Wahrheit“ des ägyptischen Weges begreiflich machen und sie davon abbringen, auf Moses und Aaron zu hören. „Seht“, sagten sie, „ihr ruft: ‚Lasst uns ziehen und unserem Gott opfern.‘ Das bringt euch auf den Gedanken, ihr müsst Ägypten verlassen und ihnen folgen. Und was sie euch sagen, dem wollt ihr offenbar mit geschlossenen Augen glauben. Wie könnt ihr so etwas tun, während wir doch vernünftig mit euch reden? Ihr habt uns nichts zu erwidern und beharrt dennoch darauf, bis zum Ende den Worten von Moses und Aaron zu folgen.“

היינו לאחר שבאו משה ואהרן לבני ישראל, שהקב"ה רוצה להוציא אותם מהגלות, תיכף קיבלו עליהם שלא לשמוע מכאן ולהבא את טענותיהם של המצרים, שבאו בשם פרעה מלך מצרים, שיותר כדאי להם שישארו תחת שליטתם, ורצו לתת להם להבין את אמיתיות הדרך של המצרים, ואל להם לשמוע במה שמשה ואהרן אומרים להם. שאנו רואים, שאתם צועקים לאמר "נלכה נזבחה לאלקינו". שזה נתן לכם להבין, שאתם צריכים לעזוב את מצרים וללכת אחריהם. ומה שהם אומרים לכם, מובן לנו, שאתם רוצים לשמוע את כל דבריהם בעיניים עצומות. היתכן לעשות כדבר הזה, בו בזמן שאנחנו מדברים אליכם דברים של טעם. ואין לכם שום דבר להשיב לנו, ומכל מקום אתם מתעקשים, שאתם מוכנים ללכת עד הסוף, כדברי משה ואהרן.

Das heißt, als Moses und Aaron mit dem Verlangen des Schöpfers, sie aus dem Exil zu holen, zu den Söhnen Israels kamen, nahmen sie es prompt auf sich, fortan nicht mehr auf die Einwände der Ägypter zu hören, die im Namen des Pharaos, des Königs von Ägypten, kamen – dass es für sie besser sei, unter ihrer Herrschaft zu bleiben – und sie prüften, ob sie sehen könnten, dass der Weg der Ägypter wahr sei und sie nicht auf das hören sollten, was Moses und Aaron ihnen sagten. „Wir können sehen, dass ihr schreit: ‚Lasst uns gehen und unserem Gott opfern.‘ Das hat euch auf den Gedanken gebracht, dass ihr Ägypten verlassen und ihnen folgen solltet. Und wir verstehen, dass ihr all dem, was sie euch sagen, mit geschlossenen Augen zuhören wollt. Wie kann das sein, wo wir doch so vernünftig sind? Ihr habt uns nichts zu erwidern, aber ihr beharrt darauf, dass ihr freiwillig den ganzen Weg nach den Worten von Moses und Aaron gehen wollt.“

25

Daraus sehen wir: Nachdem Moses und Aaron mit der Botschaft der Erlösung gekommen waren – dass sie nun aus der Knechtschaft herauskommen, in der sie die heilige Arbeit nicht verrichten konnten –, freuten sie sich über diese Botschaft. Sie brauchten keine hohen Geschmäcker von Tora und Mizwot. Sie waren schon damit allein glücklich, dass sie nun wenigstens die Tat ausführen konnten; das gab ihnen volle Genugtuung, und sie waren froh und freudig, den Willen ihres Schöpfers zu tun – wie geschrieben steht: „Sie rufen: Lasst uns ziehen und unserem Gott opfern“ (Exodus 5,8).

מזה אנו רואים, שלאחר ביאת משה ואהרן עם בשורת הגאולה, שהם יוצאים עכשיו מהשעבוד, שלא היו יכולים לעבוד עבודת הקודש, שמחו עכשיו עם הבשורה הזו, ולא צריכים לשום הפלגות של טעמי תורה וטעמי מצות. אלא הם היו שמחים בזה לבד, היינו ממה שיכולים עכשיו לקיים בבחינת מעשה לבד, מזה היה להם סיפוק גמור, והיו ששים ושמחים לעשות רצון קונם, כמו שכתוב "הם צועקים לאמר, נלכה נזבחה לאלוקינו" (שמות ה', ח').

Daraus ersehen wir, dass sie, nachdem Moses und Aaron mit der Botschaft der Erlösung kamen – sie also nun aus der Versklavung herauskommen, da sie nicht in der Lage waren, die heilige Arbeit zu verrichten – sie mit dieser Botschaft glücklich waren und keine weitere Unterscheidungen zwischen den Geschmäckern von Tora und den Geboten brauchten. Vielmehr waren sie genau damit zufrieden, also damit, dass sie das praktische Einhalten einfach befolgen konnten. Das verschaffte ihnen vollkommene Zufriedenheit und sie hatten Freude daran, den Willen ihres Herrn zu erfüllen, wie es geschrieben steht: „Deshalb rufen sie: ‚Lasst uns hingehen und unserem Gott opfern'“ (Exodus, 5:8).

26

So zeigt sich nun: Wenn sie mit Gefäßen aus dem ägyptischen Exil ausziehen, brauchen sie nichts weiter, sondern – wie geschrieben steht – „das Volk glaubte und hörte“. Sie haben kein Bedürfnis nach dem Erbe des Landes, das der Schöpfer Abraham versprochen hatte: „Wisse gewiss – und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen.“ Wie gesagt, war das Exil die Bürgschaft dafür, dass sie das Gute und den Genuss nötig haben würden – das „Erbe des Landes“, das der Schöpfer Seinen Nachkommen geben wollte. Doch noch haben sie keine Gefäße dafür, sondern begnügen sich mit dem Wenigen.

נמצא עכשיו, כשהם יוצאים מגלות מצרים עם כלים, שלא צריכים כלום, אלא כמו שכתוב "ויאמן העם וישמעו", ואין להם שום צורך לירושת הארץ, שהקב"ה הבטיח לאברהם, כמו שכתוב "כי ידוע תדע, ואחרי כן יצאו ברכוש גדול", כנ"ל שענין הגלות היה בטיחות, שיהיה להם צורך לקבל את הטוב והעונג, שהיא בחינת ירושת הארץ, שהקב"ה אמר לתת לזרעיו, ועדיין אין להם כלים לזה, אלא שהם מסתפקים במיעוט.

Daraus folgt, dass sie jetzt, da sie aus dem ägyptischen Exil mit Kelim herauskommen, die nichts erfordern, wie geschrieben steht: „Und das Volk glaubte und hörte“, haben sie keinen Bedarf, das Land zu erben, das der Schöpfer Abraham versprochen hatte, wie geschrieben steht: „Wisse gewiss … und danach werden sie mit viel Besitz herauskommen“, was bedeutet, dass das Exil eine Garantie dafür war, dass sie den Bedarf haben würden, das Gute und den Genuss zu empfangen, die das Erbe des Landes sind, das der Schöpfer seinen Nachkommen geben wollte. Doch sie haben immer noch keine Kelim dafür und begnügten sich mit dem Wenigen.

27

Darum heißt es: „Und der Schöpfer sprach zu Moses: Sprich doch in die Ohren des Volkes, dass jeder Mann von seinem Nächsten und jede Frau von ihrer Nächsten silberne Gefäße und goldene Gefäße erbitte.“ Nach der Auslegung meines Vaters und Lehrers ist gemeint: Sie sollen die silbernen und goldenen Gefäße nehmen, die die Ägypter haben – also die Verlangen und Sehnsüchte, die jene haben, nämlich all die Einwände, die sie gegen den Weg des Volkes Israel hatten.

ומשום זה "ויאמר ה' אל משה, דבר נא באוזני העם, וישאלו איש מאת רעהו, ואשה מאת רעותה, כלי כסף וכלי זהב". ולפי מה שפירש אאמו"ר זצ"ל, צריכים לפרש, שהכוונה היא, שיקחו את הכלי כסף וכלי זהב, מה שיש להמצרים. זאת אומרת, שיקחו את הרצונות והכסופים, שיש להם, היינו כל הקושיות, שהיו להם על דרך של עם ישראל.

Deshalb heißt es: „Und der Herr sagte zu Moses: ‚Sprich doch in die Ohren des Volkes, dass jeder Mann erbitte von seinem Freunde und jegliche Frau von ihrer Freundin silberne Geräte und goldene Geräte.'“ Nach der Auslegung von Baal HaSulam sollten wir sagen, dass es bedeutet, dass sie die silbernen und goldenen Gefäße nehmen sollen, die die Ägypter haben, sie also ihre Verlangen und Sehnsüchte nehmen, nämlich all die Zweifel, die sie über den Weg des Volkes Israel hatten.

28

Immer verlangten die Ägypter von euch: Bei allem, was ihr tut, muss man mit Wissen und Verstand vorgehen. Dass ihr euch aber abmüht, um aus der Eigenliebe herauszutreten und alles um des Gebens willen zu tun, das ist ein falscher Weg. Denn der Schöpfer ist gut und tut Gutes; als Er die Welt erschuf, geschah es sicher, um Seine Geschöpfe zu beglücken – damit wir Geschöpfe das Gute und den Genuss genießen. Ihr aber verlasst den richtigen Weg und wählt einen, der dem Ziel der Schöpfung direkt zuwiderläuft. Und ihr sagt uns, gerade das ist der wahre Weg: nichts für die Eigenliebe zu brauchen, sondern alles zu tun, um dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

ותמיד המצרים היו דורשים מכם, שבכל דבר שאתם עושים, צריך להיות עם דעת והבנה, ומה שאתם עוסקים בהתגברות, בכדי לצאת מאהבה עצמית, אלא לעשות הכל בעמ"נ להשפיע, זוהי דרך לא נכונה, כי הבורא הוא טוב ומטיב, וכשברא העולם, בטח שהוא להטיב לנבראיו, היינו שאנו הנבראים נהנו מהטוב ועונג. ואתם עוזבים את הדרך הנכונה ולוקחים לעצמכם דרך אשר היא ממש נגד מטרת הבריאה. ואתם אומרים לנו, שזו היא דרך אמת, שלא צריכים שום דבר בשביל אהבה עצמית, אלא לעשות הכל בעל מנת להשפיע נחת רוח ליוצרו.

Die Ägypter verlangten immer, dass alles, was ihr tut, mit Vernunft und Verstand geschehen muss, und dass euer Vorhaben, euch zu überwinden, um die Eigenliebe zu verlassen und alles zu tun, um zu geben, der falsche Weg ist, denn der Schöpfer ist gut und tut Gutes. Als Er die Welt erschaffen hat, tat Er es sicherlich zum Nutzen Seiner Geschöpfe, das heißt, dass wir, die Geschöpfe, das Gute und den Genuss genießen werden. Aber ihr verlässt den richtigen Weg und schlägt einen Weg ein, der dem Schöpfungsziel vollkommen zuwiderläuft. Ihr sagt uns, dass dies der wahre Weg ist, dass man nichts zur Eigenliebe braucht, sondern alles tun möchte, um dem Schöpfer Zufriedenheit zu geben.

29

Und jedes Mal, wenn das Volk Israel die üble Nachrede der Ägypter hörte, die den Weg des Gebens verleumdeten, floh es davor – das heißt, sie flohen vor diesen Gedanken, jedes Mal, wenn jene kamen, um die Gedanken der Söhne Israels zu verwirren und ihre Ansichten den Herzen Israels einzuflößen.

ותמיד, כשעם ישראל היו שומעים את הלשון הרע של המצרים, שדברו סרה על דרך של השפעה, היו בורחים מהם, היינו שהיו בורחים מהמחשבות האלו, בזמן שהיו באים לבלבל את המחשבות של בני ישראל, ולהשפיע דעותיהם ללבות בני ישראל.

Aber immer, wenn das Volk Israel hörte, dass die Ägypter den Weg des Gebens verleumdeten, liefen sie vor ihnen davon. Das heißt, sie liefen vor diesen Gedanken davon, wenn sie kamen, um die Gedanken der Söhne Israels zu verwirren und ihre Ansichten in die Herzen der Söhne Israels einzupflanzen.

30

Der Schöpfer wusste, dass sie die Fragen und Einwände der Ägypter nicht hören wollten – jene, die mit ihrem „Wer“ und „Was“ fragten –, dass ihnen aber die Gefäße fehlten, um ihnen den großen Besitz zu geben (denn es gibt kein Licht ohne Gefäß; das heißt, man kann einem Menschen nichts geben, wozu er kein Verlangen hat). Würde Er die Söhne Israels fragen „Was wollt ihr, dass ich euch gebe?“, so würden sie sicher sagen: „Wir wollen nichts von Dir; im Gegenteil, all unser Streben ist, Dir zu geben, und nicht, dass Du uns gibst.“ Wie aber könnten sie dann das Gute und den Genuss empfangen, der „großer Besitz“ heißt – das heißt, dass Er ihnen Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja und Yechida geben will? Sie haben dafür ja kein Bedürfnis.

ומשום זה שהקב"ה היה יודע, שהם לא ירצו לשמוע את השאלות והקושיות של המצרים, שהיו שואלים את הקושיות מי ומה, אבל אין להם כלים, לתת להם את הרכוש הגדול, כי אין אור בלי כלי, היינו שלא יכולים לתת לאדם דבר, שאין לו רצון לזה, לכן אם ישאל את בני ישראל, מה אתם רוצים, שאני אתן לכם, בטח הם יגידו, אין אנו רוצים ממך שום דבר, אלא להיפך, אנחנו, כל שאיפתנו היא לתת לך, ולא שאתה תיתן לנו. אם כן איך הם יכולים לקבל את הטוב והעונג, הנקרא רכוש גדול, שזה נקרא, שהוא רוצה לתת להם בחינת נפש, רוח נשמה, חיה, יחידה. הלא אין להם צורך בזה.

Aus diesem Grund wusste der Schöpfer, dass sie die Fragen und Zweifel der Ägypter nach dem „Wer“ und „Was“ nicht hören wollten, aber sie hatten nicht die Kelim, in die sie die vielen Besitztümer legen konnten, denn ohne Kli gibt es kein Licht. Das heißt, dass einem Menschen nichts gegeben werden kann, wonach er kein Verlangen hat. Wenn Er deshalb die Söhne Israels fragen würde: „Was wollt ihr, dass ich euch gebe?“ würden sie sicherlich sagen: „Wir wollen nichts von dir. Im Gegenteil, unser einziges Bestreben ist es, dir zu geben, und nicht, dass du uns gibst.“ Wie können sie also das Gute und den Genuss empfangen, der „viele Besitztümer“ genannt wird, von denen es heißt, dass Er ihnen Nefesch, Ruach, Neshama, Chaja, Yechida geben will? Offenbar haben sie keinen Bedarf dafür!

31

Darum wollte der Schöpfer, dass sie die Gefäße der Ägypter nehmen – nämlich die Fragen, die Einwände und all ihre Verlangen, die die Gefäße der Ägypter sind. Doch nicht, dass sie diese Gefäße wirklich an sich nehmen, sondern nur leihweise. Das heißt: Sie nehmen die Gefäße der Ägypter allein deshalb, damit sie das Bedürfnis bekommen, diese Mängel zu füllen – nicht aber, damit die Gefäße wirklich bei ihnen bleiben. Denn diese Gefäße – jene Gedanken und Verlangen – gehören nicht dem Volk Israel; es ist nur eine Anleihe für eine Weile.

לכן רצה הקב"ה, שהם יקחו את הכלים של המצרים, היינו השאלות והקושיות וכל רצונותיהם, שזה כלים של המצרים. אבל לא שבאמת הם יקחו את הכלים האלו, אלא שזה יהיה רק בתור שאלה. זאת אומרת, שהם יקחו הכלים של המצרים רק בכדי שיהיה להם צורך למלאות את החסרונות האלו, אבל לא שבאמת ישארו הכלים אצלם, כי הכלים, היינו המחשבות והרצונות האלו, לא שייכים לעם ישראל, אלא זהו רק שאלה לפי שעה.

Deshalb wollte der Schöpfer, dass sie die Kelim der Ägypter nehmen, also ihre Fragen und Zweifel und all ihre Verlangen, die die Kelim der Ägypter sind. Aber sie sollten diese Kelim nicht wirklich an sich nehmen, sondern nur ausleihen. Das heißt, sie sollten die Kelim der Ägypter nur nehmen, um den Bedarf zu befriedigen, aber nicht, um diese Kelim wirklich zu behalten, denn die Kelim, also diese Gedanken und Verlangen, gehören nicht dem Volk Israel. Es ist nur eine vorübergehende Anleihe, um sie später zurückzugeben.

32

Und danach zurückzugeben. Das bedeutet: Danach – nachdem sie die Erfüllung empfangen haben, die zu diesen Fragen gehört – ist es gerade durch diese Fragen möglich, ihnen die Erfüllung zu geben. Es ist, als hätten sie die Lichter empfangen, die zu ihren eigenen Gefäßen gehören, die „Gefäße des Empfangens um zu empfangen“ heißen. Doch sofort warfen sie ihre Gefäße fort und gebrauchten nur die Lichter, die zu jenen Gefäßen gehören – empfingen aber alles, um dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

ואח"כ להחזיר להם. שהמשמעות היא, שאח"כ, היינו לאחר שקבלו המילוי, מה ששייך להשאלות האלו, שדוקא על ידם יש יכולת להשפיע להם המילוי. וזה דומה, כאילו הם קיבלו האורות השייכים לכלים שלהם, שנקרא "כלי קבלה בעמ"נ לקבל". אבל תיכף זרקו את הכלים שלהם, אלא שהשתמשו עם האורות, השייכות להכלים שלהם, אבל קיבלו הכל בעמ"נ להשפיע נחת רוח ליוצרו.

Das heißt, nachher, also nachdem sie die Füllung empfangen haben, die zu diesen Fragen gehört, wird es genau dadurch für sie möglich sein, ihnen die Füllung zu geben. Das ist vergleichbar mit dem Empfangen der Lichter, die zu ihren Kelim gehören, die als „Gefäße des egoistischen Empfangens“ bezeichnet werden. Sie warfen jedoch ihre Kelim gleich weg und nutzten nur die Lichter, die zu ihren Kelim gehörten. Sie empfingen jedoch alles, um dem Schöpfer Zufriedenheit zu geben.

33

Dies gleicht dem, was mein Vater und Lehrer zur Geschichte von Haman und Mordechai auslegte. Er fragte: Wir sehen, dass Ahasveros Mordechai eine Ehre erweisen wollte, wie geschrieben steht (Buch Esther 6,3): „Und der König sprach: Was für Ehre und Größe ist Mordechai dafür erwiesen worden? – Und der König sprach: Was soll man dem Mann tun, den der König zu ehren wünscht? Und Haman sprach zum König: Man bringe ein königliches Gewand –“

וזהו דומה כמו שפירש אאמו"ר בענין המן ומרדכי. הוא שאל, אנו רואים, בשעה שאחשורוש רצה לעשות איזה יקר למרדכי, כמו שכתוב (מגילת אסתר ו', ג') "ויאמר המלך מה נעשה יקר וגדולה למרדכי על זה. ויאמר לו המלך, מה לעשות באיש, אשר המלך חפץ ביקרו. ויאמר המן אל המלך, יביאו לבוש מלכות".

Das ist ähnlich wie das, was Baal HaSulam in Bezug auf Haman und Mordechai interpretierte. Er sagte, dass wir sehen, dass, als Ahasverus beabsichtigte, Mordechai zu ehren, wie es geschrieben steht (Esther 6,3): „Und der König sagte: ‚Welche Ehre oder Würde ist Mordechai dafür gegeben worden?‘ … und der König sagte zu ihm: ‚Was soll für den Menschen getan werden, den der König zu ehren wünscht?‘ … Haman sagte zum König … lass sie königliche Kleidung bringen.'“

34

Daran fragte er: Wie kann das sein? Wenn der König Mordechai ehren will, fragt er Haman: „Was soll man dem Mann tun, den der König zu ehren wünscht?“ Und er löste es auf: Hier ist die Ordnung angedeutet, in der die Fülle an die Unteren weitergegeben wird. Gewiss will der Schöpfer dem Gerechten Ehre und Größe geben – das ist der Sinn von Mordechai dem Gerechten. Doch würde Er den Gerechten fragen „Was willst du, dass ich dir gebe?“, dann würde der Gerechte sagen, er will nichts empfangen; im Gegenteil, er will nur dem König geben.

ולפי זה שאל, איך יכול להיות דבר כזה, אם המלך רוצה לעשות "יקר" למרדכי, אז הוא שואל את המן, "מה לעשות באיש, אשר המלך חפץ ביקרו". ותירץ, שכאן הוא רמז לסדר השפעת השפע לתחתונים. כי בטח הקב"ה רוצה לתת יקר וגדולה לצדיק, וזה ענין מרדכי הצדיק. אבל אם הוא ישאל את הצדיק, מה אתה רוצה, שאני אתן לך, הצדיק יגיד, שהוא לא רוצה לקבל שום דבר, אלא להיפך, הוא רוצה רק להשפיע להמלך.

Daraufhin fragte er: „Wie kann das sein? Wenn der König Mordechai ehren will, fragt er Haman: ‚Was soll man für den Menschen tun, den der König zu ehren wünscht?'“ Er antwortet, dass dies die Anordnung andeutet, den Unteren zu geben. Der Schöpfer will den Gerechten, also Mordechai, dem Gerechten, sicherlich Ehre und Größe geben. Aber wenn Er den Gerechten fragt: „Was willst du, dass ich dir gebe?“, wird der Gerechte sagen, dass er nichts empfangen will. Im Gegenteil, er will nur dem König etwas geben.

35

Darum musste er den „Haman“ in ihm fragen – das, was dieser für empfangenswert hält. Und danach hieß es: „Und tue ebenso dem Juden Mordechai“, das heißt: Er soll die Ehre und Größe nicht in den Gefäßen Hamans empfangen, die „Empfangen um zu empfangen“ heißen, sondern als „Empfangen um zu geben“.

לכן היה צריך לשאול את בחינת המן שבו, מה שהוא מבין שכדאי לקבל. ואח"כ אמר, "ועשה כן למרדכי היהודי", היינו שיקבל את היקר וגדולה לא בכלים של המן, שנקרא "מקבל בעמ"נ לקבל", אלא ב"מקבל בעמ"נ להשפיע".

Deshalb musste Er den Haman in ihm fragen, der versteht, dass es gut ist, zu empfangen, und dann sagte er: „Und das tue dem Juden Mordechai“, was bedeutet, dass er die Ehre und Größe nicht in den Kelim des Haman empfangen wird, die „empfangen, um zu empfangen“ heißen, sondern im Empfangen, um zu geben.

36

Auf dieselbe Weise ist es hier zu erklären, beim Leihen der Gefäße bei den Ägyptern: Der Schöpfer trug Moses auf, Israel zu bitten, sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen. Wir fragten: Warum musste der Schöpfer Israel darum bitten, und warum wollte das Volk Israel diese Gefäße nicht leihen? Die Antwort lautet: Als Moses und Aaron in der Sendung des Schöpfers kamen, um Israel aus dem Exil zu führen, heißt es „das Volk glaubte und hörte“ – nämlich im Glauben über dem Verstand. Sie brauchten nichts und hatten kein Bedürfnis nach hohen Stufen; es genügte ihnen, sich mit Tora und Mizwot befassen zu können, ohne Störung durch die Ägypter.

ובאותו אופן יש להסביר כאן, בענין שאילת כלים אצל המצרים, שה' אמר למשה, שיבקש מישראל, שישאלו כלים אצל המצרים. ושאלנו, מדוע היה ה' צריך לבקש מישראל דבר זה. ומדוע לא ירצו עם ישראל ללוות הכלים האלו. והתשובה היא, היות שעם ישראל, בזמן שמשה ואהרן באו בשליחות ה', שיוציאו אותם מהגלות, כתוב "ויאמן העם וישמעו", היינו באמונה למעלה מהדעת, ולא צריכים לשום דבר, ואין להם שום צורך למדרגות גבוהות, אלא מספיק להם בזה שיוכלו לעסוק בתורה ומצות בלי שום הפרעה מצד המצרים.

Ähnlich sollten wir das Ausleihen der Kelim von den Ägyptern deuten, als der Schöpfer Moses bat, Israel zu bitten, Kelim von den Ägyptern zu leihen. Wir fragten: „Warum musste der Schöpfer Israel um so etwas bitten? Warum sollte das Volk Israel diese Kelim nicht ausleihen wollen?“ Die Antwort lautet: Als Moses und Aaron als Abgesandte des Schöpfers kamen, um das Volk Israel aus dem Exil zu holen, steht geschrieben: „Und das Volk glaubte und hörte“, also mit Glauben über dem Verstand. Sie hatten keine Notwendigkeit für irgendetwas anderes und kein Verlangen nach höheren Stufen. Sie begnügten sich damit, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, ohne von den Ägyptern gestört zu werden.

37

Das gleicht dem, was wir oben sagten: Würde der König den Gerechten Mordechai fragen „Was willst du, dass ich dir an Ehre und Größe erweise?“, dann würde er sicher antworten, er will nichts vom König empfangen, sondern im Gegenteil dem König geben. Darum fragte der König Haman, was man dem Mann tun soll, den der König zu ehren begehrt. Und Haman wusste sehr wohl, was zu erbitten ist. Was sagte Haman? „Man bringe ein königliches Gewand, das der König getragen hat, und ein Pferd, auf dem der König geritten ist und auf dessen Kopf eine königliche Krone gesetzt wurde.“ Darum brauchte der König die Gefäße Hamans – nämlich das, was Haman für empfangenswert vom König hielt.

וזה דומה למה שאמרנו לעיל, שאמר, שאם המלך ישאל את מרדכי הצדיק, מה אתה רוצה, שאני רוצה לעשות לך איזה יקר וגדולה, אז בטח ישיב, שהוא לא רוצה שום דבר לקבל מהמלך, אלא להיפך, הוא רוצה לתת להמלך. ומשום זה המלך שאל את המן, מה לעשות באיש, אשר המלך חפץ ביקרו. והמן כן יודע מה לבקש. ומה המן אמר, "יביאו לבוש מלכות, אשר לבש בו המלך, וסוס, אשר רכב עליו המלך, ואשר נתן כתר מלכות בראשו". ומשום זה היה המלך צריך לכלים דהמן, היינו מה שהמן מבין שצריכים לקבל מאת המלך.

Das ähnelt dem, was wir oben gesagt haben: Wenn der König den Gerechten Mordechai fragen würde: „Welche Ehre und Größe willst du von mir haben?“, so würde er sicherlich antworten, dass er nichts vom König empfangen will, sondern im Gegenteil, er will dem König etwas geben. Deshalb fragte der König Haman, was er mit einem Menschen tun solle, den der König zu ehren begehrt. Haman wusste, was er fragen musste. Er sagte: „Sie sollen das königliche Gewand bringen, das der König getragen hat, und das Pferd, auf dem der König geritten ist und auf dessen Kopf eine königliche Krone gesetzt wurde.“ Deshalb war Hamans Kelim gefragt, also das, was Haman darunter verstand, dass man vom König empfangen sollte.

38

Aus demselben Grund musste der Schöpfer Moses bitten, von Israel einen Gefallen zu erbitten: dass sie die Gefäße der Ägypter leihweise nehmen, also für eine Weile, damit sie das Verlangen und die Lust bekommen, all die Mängel zu füllen, die die Ägypter zu füllen verlangen. Und Er musste darum bitten, weil das Volk Israel sich mit dem begnügte, was es hatte, und immer vor seinen Gedanken und Verlangen floh. Jetzt aber sollen sie auf die Fragen und Einwände der Ägypter hören.

ומשום זה היה ה' צריך לבקש ממשה, שיבקש טובה מישראל, שהם יקחו הכלים דמצרים בהשאלה, היינו לפי שעה, שיהיה להם רצון וחשק למלאות את כל החסרונות, מה שהמצרים דורשים למלאותם. והיה מוכרח לבקש, משום שלעם ישראל היו מסתפקים במה שיש להם, ותמיד היו בורחים ממחשבותיהם ומרצונותיהם. ועכשיו אומרים, לשמוע את שאלותיהם וקושיותיהם של המצרים.

Aus diesem Grund musste der Schöpfer von Moses verlangen, Israel um einen Gefallen zu bitten – dass sie sich die Kelim der Ägypter leihen, also vorübergehend bekommen, damit sie Verlangen und Begehren haben, um all die Mängel zu stillen, die die Ägypter zu befriedigen forderten. Der Schöpfer musste darum bitten, denn das Volk Israel begnügte sich mit dem, was es hatte, und lief immer wieder vor den Gedanken und Wünschen der Ägypter davon, aber jetzt sollen sie auf die Fragen und Zweifel der Ägypter hören.

39

Und weil Er Abraham versprochen hatte, dass sie danach mit großem Besitz ausziehen, war es nötig, dass sie die Gefäße der Ägypter nur leihweise nehmen, um sie danach zurückzugeben. Das heißt: Sie haben mit diesen Fragen nichts zu schaffen; was sie nahmen, war nur für eine Weile – damit sie die Lichter empfangen können, die „Erbe des Landes“ heißen und die der Schöpfer Abraham versprochen hatte.

והיות שהבטיח לאברהם, שאחרי כן יצאו ברכוש גדול, לכן היה לו צורך, שיקחו את הכלים של מצרים רק בהשאלה. ואח"כ לתת להם בחזרה, היינו, שאין להם שום עסק בהשאלות שלהם, ומה שלקחו, הוא רק לפי שעה, היינו בכדי שיוכלו לקבל האורות, הנקרא "ירושת הארץ", מה שהבטיח הקב"ה לאברהם.

Und da der Schöpfer Abraham versprochen hat, dass sie danach mit viel Besitz herauskommen werden, war es notwendig, dass sie die Kelim der Ägypter nur als Leihgabe nehmen und dann zurückgeben würden. Das heißt, sie haben mit dem Geliehenen nichts zu tun und das, was sie nahmen, war nur vorübergehend, um die Lichter, genannt „Erbe des Landes“, empfangen zu können, die der Schöpfer Abraham versprochen hatte.

40

Mit dem Gesagten verstehen wir nun unsere Frage: Wie konnte die Sache von einem Extrem ins andere umschlagen? Denn die Schrift sagt „und ihnen graute vor den Söhnen Israels“, dass sie wie Dornen waren – und danach „und der Schöpfer ließ das Volk Gnade finden in den Augen der Ägypter“. Dadurch nämlich, dass die Ägypter sahen, Israel will auf ihre Fragen hören, fanden sie „Gnade“; denn sie meinten, Israel wird nun ihren Weg gehen. „Der Schöpfer ließ Gnade finden“, indem Er Israel auftrug, sich die Gefäße von ihnen zu leihen – denn das war es, was die Ägypter wollten.

ובהאמור יובן לנו מה ששאלנו, איך נתהפך הענין מקצה אל הקצה, כי הכתוב אומר "ויקוצו מפני בני ישראל", שהיו כקוצים, ואח"כ "ויתן ה' חן העם בעיני המצרים". אלא בזה שראו, שרוצים לשמוע את שאלותיהם, זה נתן "חן", שחשבו, שהולכים ללכת בדרכם. "ויתן ה' חן" בזה שאמר להם, לשאול מהם הכלים, כי זה רצו המצרים.

Jetzt können wir verstehen, was wir gefragt haben, wie es kommen konnte, dass sich die Angelegenheit von einem Extrem zum anderen gewandelt hat. Denn in der Schrift steht: „und sie verabscheuten die Söhne Israels“, was bedeutet, dass sie wie Dornen waren, und danach: „Und der Herr gab dem Volk die Gunst in den Augen der Ägypter.“ Dadurch, dass die Ägypter sahen, dass Israel bereit war, ihre Fragen zu hören, gab ihnen das „Gunst“, denn die Ägypter dachten, Israel würde ihren Weg gehen. „Und der Herr gab dem Volk die Gunst“, indem er ihnen befahl, sie sollten sich die Kelim von ihnen ausleihen, denn das war es, was die Ägypter wollten.

Rabash – 1986 – Artikel 14 (תשמ״ו – מאמר י״ד)

„Warum es nötig ist, sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen“

Es steht geschrieben: „Sprich doch in die Ohren des Volkes, dass jeder Mann von seinem Nächsten und jede Frau von ihrer Nächsten silberne Gefäße und goldene Gefäße erbitte. Und der Schöpfer ließ das Volk Gnade finden in den Augen Ägyptens“ (Exodus 11).

Dazu lehren unsere Weisen (Berachot 9b): „Die Schule des Rabbi Jannai sagte: Das hebräische Wort ‚na‘ – im Vers mit ‚doch‘ wiedergegeben – drückt nichts anderes als eine Bitte aus. Der Schöpfer sprach zu Moses: Ich bitte dich, geh und sag es Israel – ich bitte euch, leiht euch von den Ägyptern silberne und goldene Gefäße, damit jener Gerechte [Abraham] nicht sagt: ‚Und sie werden sie versklaven und bedrücken‘ hat Er an ihnen erfüllt, ‚und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen‘ aber hat Er an ihnen nicht erfüllt.“

Hier fragt man sich: Wenn der Schöpfer Sein Versprechen an Abraham einlösen wollte – „und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen“ –, hätte Er dann nicht das Volk Israel reich machen können, ohne sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen? Denn das wirkt wie ein Betrug. Auf den ersten Blick scheint es, als hätten sie von vornherein unredlich geliehen, also mit der Absicht, nichts zurückzugeben.

Weiter ist zu verstehen, warum der Schöpfer Moses auftrug, in Israel zu drängen, sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen – wobei das Wort ‚na‘, wie gesagt, eine Bitte ausdrückt. Was bedeutet dieses Drängen? Es zeigt, dass der Schöpfer wusste, sie würden sich dagegen sträuben. Darum bat Er Moses, mit Israel zu reden. Es gilt also zu verstehen, woher der Widerstand Israels gegen diese Sache kommt.

Auch der Vers ist zu verstehen: „Und der Schöpfer ließ das Volk Gnade finden in den Augen der Ägypter.“ Wie kann man diesen Umschlag von einem Extrem ins andere begreifen? Von Seiten des Schöpfers ist zwar alles möglich, doch im einfachen Sinn ist es schwer zu verstehen. Denn es steht geschrieben (Exodus 1,12): „Doch je mehr sie es bedrückten, desto mehr mehrte es sich und breitete sich aus, und ihnen graute vor den Söhnen Israels.“ Dazu lehren unsere Weisen: „Das lehrt, dass sie ihnen wie Dornen in den Augen waren“ (Sota 11).

So schlug es von einem Extrem ins andere um. Zuvor waren sie „Dornen“: Die Ägypter konnten das Volk Israel nicht ertragen, es war ihnen wie Dornen in den Augen. Jetzt aber fand Israel Gnade in ihren Augen.

Auch beim Versprechen des Schöpfers an Abraham – „und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen“ – ist der ganze Zusammenhang zu verstehen, der dort berichtet wird (Genesis 15): „Und Er sprach zu ihm: Ich bin der Schöpfer, der dich aus Ur Kasdim herausgeführt hat, um dir dieses Land zum Erbe zu geben. Er aber sprach: Schöpfer, Gott, woran soll ich erkennen, dass ich es erben werde? Und Er sprach zu Abram: Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist, und man wird sie versklaven und bedrücken vierhundert Jahre lang; und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen.“

Auch hier ist zu verstehen, welche Antwort Abraham auf seine Frage erhielt: „Woran soll ich erkennen, dass ich es erben werde?“ Denn die Antwort des Schöpfers darauf lautete: „Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist – und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen.“ Die Frage zielte also auf die Gewissheit des Erbes. Die Antwort darauf aber war, dass das Volk Israel im Exil sein wird. Ist denn das Exil die Bürgschaft für das Erbe des Landes?

Mein Vater und Lehrer [Baal HaSulam], sein Andenken sei zum Segen, löste dies auf. Der Sinn der Frage war folgender. Es ist bekannt, dass es kein Licht ohne Gefäß gibt – das heißt, man kann keine Erfüllung empfangen, wenn kein Mangel da ist; und ein Mangel wird „Gefäß“ (Kli) genannt. Als Abraham nun sah, was der Schöpfer Seinen Kindern geben wollte, sprach er: Ich sehe doch nicht, dass meine Kinder dieses Erbe des spirituellen Landes überhaupt nötig haben. Denn, so sagte er, empfangen sie auch nur ein kleines Leuchten, so sind sie schon zufrieden; bringt doch die kleinste Stufe im Spirituellen dem Menschen mehr Genuss als alle materiellen Genüsse der Welt. Sobald sie also ein kleines Leuchten empfangen, werden sie meinen, es gibt keine höheren Stufen als die, die sie erreicht haben. Dann aber haben sie es nicht nötig, um noch mehr zu bitten.

Darum richtete Abram seine Frage an den Schöpfer: „Woran soll ich erkennen“, dass sie dieses Erbe des spirituellen Landes nötig haben werden? Er bat also den Schöpfer, ihm zu sagen, wie ein solcher Zustand möglich ist – dass sie Licht ohne Gefäß haben. Denn Abram verstand: Das Licht gibt der Schöpfer. Aber die Gefäße – also das Verlangen nach größeren Lichtern, als sie schon empfangen haben –, wer gibt ihnen die Einsicht, dass sie noch zu einer weit höheren Stufe aufsteigen müssen, als sie jetzt empfinden?

Denn im Spirituellen gilt die Regel: Jede spirituelle Sache, die zum Menschen kommt, lässt ihn eine Vollkommenheit empfinden, über die hinaus es nichts gibt. Denn jede spirituelle Sache ist ein vollkommenes Empfinden, ganz ohne Mangel – sonst ist sie nicht spirituell. Nur bei einer materiellen Sache kann es Genuss geben und man spürt zugleich, dass es einen noch größeren Genuss gibt; im Spirituellen ist das nicht so.

So wunderte sich Abraham: Wie und wodurch sollen sie es je nötig haben, den Schöpfer zu bitten, ihnen höhere Stufen zu geben – das „Erbe des Landes“? Und er sagte: Was der Schöpfer ihm antwortete – „Wisse gewiss, dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist“ –, das ist die Antwort des Schöpfers an Abram: Von hier aus, nämlich aus dem ägyptischen Exil, werden sie es nötig haben, den Schöpfer zu bitten, ihnen jedes Mal größere Kräfte zu geben.

Der Grund ist folgender. Wenn der Mensch beginnt, in der Arbeit für den Schöpfer zu gehen, und will, dass all sein Tun um des Gebens willen geschieht, und dann sieht, dass er es aus eigener Kraft nicht kann, dann bittet er den Schöpfer um Hilfe. So sagten unsere Weisen: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Und der Heilige Sohar fragt: „Womit hilft man ihm? Mit einer heiligen Seele.“

Das war auch nötig, weil alles, was sie in der Arbeit überwanden, in der Erde versank – wie es vom Bau der Städte Pitom und Ramses heißt. Das heißt: Jeden Tag mussten sie ihre Arbeit von Neuem beginnen, denn alles, was sie aufbauten, versank im Abgrund. Immer sahen sie sich wie jemand, der noch nie mit der Arbeit begonnen hat. Denn hier behielten sie nichts an Tora im Gedächtnis, was die Arbeit betrifft; und jedes Mal, wenn sie mit sich Abrechnung hielten – wo ist unsere Arbeit, wohin sind die Kräfte gegangen, die wir hineingelegt haben? –, fanden sie nichts.

Noch schwerer war zu verstehen, wie die Klipa (Schale) des Pharao all ihre Arbeit verschlingen konnte, die sie geleistet hatten – so sehr, dass sie nicht mehr spürten, je mit der Arbeit für den Schöpfer befasst gewesen zu sein, ein Ziel ihrer Vollendung gehabt und gewusst zu haben, was sie wollen. Plötzlich gerieten sie in einen Zustand, in dem sie alles vergaßen, und es blieben keinerlei Reshimot (Eindrücke) von ihrer Arbeit in ihnen.

Und all das war von vornherein gewollt: Der Schöpfer bereitete eigens dafür eine Klipa, damit sie jedes Mal im Zustand des Anfangs sind. Und bekanntlich ist aller Anfang schwer. So waren sie gezwungen, den Schöpfer um Hilfe zu bitten, wie gesagt: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Und nach den Worten des Heiligen Sohar empfangen sie jedes Mal eine „heilige Seele“ – eine Kraft von oben –, sodass sie eines nach dem anderen immer wieder einen Seelenzusatz empfangen. Das alles summiert sich später zu einer großen Summe; denn bekanntlich gilt: „Wir haben gelernt: Vom Himmel gibt man, doch nimmt man nicht zurück“ (Chulin 60).

Vielmehr: Jedes Leuchten, das man von oben empfängt, entschwindet zwar für eine Weile. Am Ende aber – wenn der Mensch das Maß an Mühe vollendet hat, das ihm zukommt, nach dem Wort „Alles, was deine Hand und deine Kraft zu tun vermag, das tue“ – empfängt er mit einem Mal alles, was er nach und nach empfangen hatte. Er hatte gemeint, alles war in die Klipot gefallen; dann aber empfängt er alles zurück.

Nach dem Gesagten zeigt sich: Das ganze ägyptische Exil diente dazu, Gefäße und ein Bedürfnis nach den großen Lichtern zu erlangen, die „Erbe des Landes“ heißen. Eben darüber wunderte sich Abraham und sagte, er sieht nicht, dass seine Kinder diese großen Lichter je nötig haben. Und weil es kein Licht ohne Gefäß gibt, fehlen ihnen die Gefäße zum Empfangen – selbst wenn man ihnen geben will.

Darum wurde ihnen das ägyptische Exil bereitet. Durch die Fragen und Anklagen der Ägypter wurden sie jedes Mal von der wenigen Heiligkeit entleert, die sie sich erworben hatten, denn die Ägypter sogen an ihnen. So hatten sie es immer nötig, den Schöpfer zu bitten, ihnen den Weg zu erleuchten, damit sie vorankamen. Sie aber sahen, dass sie jedes Mal rückwärtsgingen. Das meint der heilige ARI, wenn er schreibt, dass das Volk Israel zur Zeit des Auszugs aus Ägypten in den neunundvierzig Toren der Unreinheit war, bis der König aller Könige Sich ihnen offenbarte und sie erlöste.

Das aber scheint gegen die Vernunft. Bekanntlich kamen Moses und Aaron nach Ägypten und sagten den Söhnen Israels, der Schöpfer will sie aus Ägypten herausführen. Sie taten in Ägypten alle Wunderzeichen, und Israel sah die zehn Plagen, die über die Ägypter kamen. Sicher hätte das die ganze Gemeinschaft Israels der Heiligkeit näherbringen müssen und nicht das Gegenteil bewirken dürfen – dass sie jedes Mal in ein tieferes Tor der Unreinheit fielen, bis zu der Zeit, da sie aus Ägypten ausziehen sollten. Da hätte doch eine große Vorbereitung auf das Licht der Erlösung stattfinden müssen. Was aber sehen wir am Ende? In welchem Zustand sie beim Empfang des Lichts der Erlösung waren: in den neunundvierzig Toren der Unreinheit. Wie ist so etwas möglich?

Mein Vater und Lehrer erklärte es so: Das ägyptische Exil diente dazu, die Gefäße der Ägypter zu erlangen – aber nur leihweise, um sie ihnen danach zurückzugeben. Denn er erklärte: Wenn der Schöpfer zu Abraham sagte „dass deine Nachkommen Fremde sein werden in einem Land, das nicht das ihre ist“, so war das ein Versprechen über das Erbe. Das heißt, sie haben es nötig, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen. Denn aus der Knechtschaft der Ägypter herauszukommen, ist nur durch die Hilfe der heiligen Seele möglich, wie gesagt. Also brauchen sie jedes Mal die Hilfe des Schöpfers und müssen dadurch jedes Mal größere Stufen herabziehen.

Mit dem Gesagten erklären wir nun das „ägyptische Exil“ und das „Leihen der Gefäße bei den Ägyptern“. Wir sehen, was geschah, als Moses und Aaron zu den Söhnen Israels kamen (Exodus 4,29): „Und Moses und Aaron gingen und versammelten alle Ältesten der Söhne Israels. Und Aaron redete all die Worte, die der Schöpfer zu Moses gesagt hatte, und tat die Zeichen vor den Augen des Volkes. Und das Volk glaubte und hörte.“

Hieraus sehen wir: Sobald Moses und Aaron zu den Söhnen Israels kamen, nahmen sie all die Worte, die der Schöpfer zu Moses gesagt hatte, im Glauben über dem Verstand an. Und alles, was die Ägypter ihnen mit ihren Fragen und Einwänden gegen den Glauben Israels begreiflich machen wollten, hatte keinen Bestand, weil sie über den Verstand hinausgingen. Darum konnte die ganze Zeit des Exils jetzt nichts mehr an ihnen bewirken.

Das heißt: Nachdem Moses und Aaron zu den Söhnen Israels gekommen waren – mit der Botschaft, der Schöpfer will sie aus dem Exil führen –, nahmen sie es sofort auf sich, fortan nicht mehr auf die Einwände der Ägypter zu hören. Diese kamen im Namen Pharaos, des Königs von Ägypten, und meinten, es ist besser für Israel, unter ihrer Herrschaft zu bleiben; sie wollten ihnen die „Wahrheit“ des ägyptischen Weges begreiflich machen und sie davon abbringen, auf Moses und Aaron zu hören. „Seht“, sagten sie, „ihr ruft: ‚Lasst uns ziehen und unserem Gott opfern.‘ Das bringt euch auf den Gedanken, ihr müsst Ägypten verlassen und ihnen folgen. Und was sie euch sagen, dem wollt ihr offenbar mit geschlossenen Augen glauben. Wie könnt ihr so etwas tun, während wir doch vernünftig mit euch reden? Ihr habt uns nichts zu erwidern und beharrt dennoch darauf, bis zum Ende den Worten von Moses und Aaron zu folgen.“

Daraus sehen wir: Nachdem Moses und Aaron mit der Botschaft der Erlösung gekommen waren – dass sie nun aus der Knechtschaft herauskommen, in der sie die heilige Arbeit nicht verrichten konnten –, freuten sie sich über diese Botschaft. Sie brauchten keine hohen Geschmäcker von Tora und Mizwot. Sie waren schon damit allein glücklich, dass sie nun wenigstens die Tat ausführen konnten; das gab ihnen volle Genugtuung, und sie waren froh und freudig, den Willen ihres Schöpfers zu tun – wie geschrieben steht: „Sie rufen: Lasst uns ziehen und unserem Gott opfern“ (Exodus 5,8).

So zeigt sich nun: Wenn sie mit Gefäßen aus dem ägyptischen Exil ausziehen, brauchen sie nichts weiter, sondern – wie geschrieben steht – „das Volk glaubte und hörte“. Sie haben kein Bedürfnis nach dem Erbe des Landes, das der Schöpfer Abraham versprochen hatte: „Wisse gewiss – und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen.“ Wie gesagt, war das Exil die Bürgschaft dafür, dass sie das Gute und den Genuss nötig haben würden – das „Erbe des Landes“, das der Schöpfer Seinen Nachkommen geben wollte. Doch noch haben sie keine Gefäße dafür, sondern begnügen sich mit dem Wenigen.

Darum heißt es: „Und der Schöpfer sprach zu Moses: Sprich doch in die Ohren des Volkes, dass jeder Mann von seinem Nächsten und jede Frau von ihrer Nächsten silberne Gefäße und goldene Gefäße erbitte.“ Nach der Auslegung meines Vaters und Lehrers ist gemeint: Sie sollen die silbernen und goldenen Gefäße nehmen, die die Ägypter haben – also die Verlangen und Sehnsüchte, die jene haben, nämlich all die Einwände, die sie gegen den Weg des Volkes Israel hatten.

Immer verlangten die Ägypter von euch: Bei allem, was ihr tut, muss man mit Wissen und Verstand vorgehen. Dass ihr euch aber abmüht, um aus der Eigenliebe herauszutreten und alles um des Gebens willen zu tun, das ist ein falscher Weg. Denn der Schöpfer ist gut und tut Gutes; als Er die Welt erschuf, geschah es sicher, um Seine Geschöpfe zu beglücken – damit wir Geschöpfe das Gute und den Genuss genießen. Ihr aber verlasst den richtigen Weg und wählt einen, der dem Ziel der Schöpfung direkt zuwiderläuft. Und ihr sagt uns, gerade das ist der wahre Weg: nichts für die Eigenliebe zu brauchen, sondern alles zu tun, um dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

Und jedes Mal, wenn das Volk Israel die üble Nachrede der Ägypter hörte, die den Weg des Gebens verleumdeten, floh es davor – das heißt, sie flohen vor diesen Gedanken, jedes Mal, wenn jene kamen, um die Gedanken der Söhne Israels zu verwirren und ihre Ansichten den Herzen Israels einzuflößen.

Der Schöpfer wusste, dass sie die Fragen und Einwände der Ägypter nicht hören wollten – jene, die mit ihrem „Wer“ und „Was“ fragten –, dass ihnen aber die Gefäße fehlten, um ihnen den großen Besitz zu geben (denn es gibt kein Licht ohne Gefäß; das heißt, man kann einem Menschen nichts geben, wozu er kein Verlangen hat). Würde Er die Söhne Israels fragen „Was wollt ihr, dass ich euch gebe?“, so würden sie sicher sagen: „Wir wollen nichts von Dir; im Gegenteil, all unser Streben ist, Dir zu geben, und nicht, dass Du uns gibst.“ Wie aber könnten sie dann das Gute und den Genuss empfangen, der „großer Besitz“ heißt – das heißt, dass Er ihnen Nefesh, Ruach, Neshama, Chaja und Yechida geben will? Sie haben dafür ja kein Bedürfnis.

Darum wollte der Schöpfer, dass sie die Gefäße der Ägypter nehmen – nämlich die Fragen, die Einwände und all ihre Verlangen, die die Gefäße der Ägypter sind. Doch nicht, dass sie diese Gefäße wirklich an sich nehmen, sondern nur leihweise. Das heißt: Sie nehmen die Gefäße der Ägypter allein deshalb, damit sie das Bedürfnis bekommen, diese Mängel zu füllen – nicht aber, damit die Gefäße wirklich bei ihnen bleiben. Denn diese Gefäße – jene Gedanken und Verlangen – gehören nicht dem Volk Israel; es ist nur eine Anleihe für eine Weile.

Und danach zurückzugeben. Das bedeutet: Danach – nachdem sie die Erfüllung empfangen haben, die zu diesen Fragen gehört – ist es gerade durch diese Fragen möglich, ihnen die Erfüllung zu geben. Es ist, als hätten sie die Lichter empfangen, die zu ihren eigenen Gefäßen gehören, die „Gefäße des Empfangens um zu empfangen“ heißen. Doch sofort warfen sie ihre Gefäße fort und gebrauchten nur die Lichter, die zu jenen Gefäßen gehören – empfingen aber alles, um dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

Dies gleicht dem, was mein Vater und Lehrer zur Geschichte von Haman und Mordechai auslegte. Er fragte: Wir sehen, dass Ahasveros Mordechai eine Ehre erweisen wollte, wie geschrieben steht (Buch Esther 6,3): „Und der König sprach: Was für Ehre und Größe ist Mordechai dafür erwiesen worden? – Und der König sprach: Was soll man dem Mann tun, den der König zu ehren wünscht? Und Haman sprach zum König: Man bringe ein königliches Gewand –“

Daran fragte er: Wie kann das sein? Wenn der König Mordechai ehren will, fragt er Haman: „Was soll man dem Mann tun, den der König zu ehren wünscht?“ Und er löste es auf: Hier ist die Ordnung angedeutet, in der die Fülle an die Unteren weitergegeben wird. Gewiss will der Schöpfer dem Gerechten Ehre und Größe geben – das ist der Sinn von Mordechai dem Gerechten. Doch würde Er den Gerechten fragen „Was willst du, dass ich dir gebe?“, dann würde der Gerechte sagen, er will nichts empfangen; im Gegenteil, er will nur dem König geben.

Darum musste er den „Haman“ in ihm fragen – das, was dieser für empfangenswert hält. Und danach hieß es: „Und tue ebenso dem Juden Mordechai“, das heißt: Er soll die Ehre und Größe nicht in den Gefäßen Hamans empfangen, die „Empfangen um zu empfangen“ heißen, sondern als „Empfangen um zu geben“.

Auf dieselbe Weise ist es hier zu erklären, beim Leihen der Gefäße bei den Ägyptern: Der Schöpfer trug Moses auf, Israel zu bitten, sich Gefäße von den Ägyptern zu leihen. Wir fragten: Warum musste der Schöpfer Israel darum bitten, und warum wollte das Volk Israel diese Gefäße nicht leihen? Die Antwort lautet: Als Moses und Aaron in der Sendung des Schöpfers kamen, um Israel aus dem Exil zu führen, heißt es „das Volk glaubte und hörte“ – nämlich im Glauben über dem Verstand. Sie brauchten nichts und hatten kein Bedürfnis nach hohen Stufen; es genügte ihnen, sich mit Tora und Mizwot befassen zu können, ohne Störung durch die Ägypter.

Das gleicht dem, was wir oben sagten: Würde der König den Gerechten Mordechai fragen „Was willst du, dass ich dir an Ehre und Größe erweise?“, dann würde er sicher antworten, er will nichts vom König empfangen, sondern im Gegenteil dem König geben. Darum fragte der König Haman, was man dem Mann tun soll, den der König zu ehren begehrt. Und Haman wusste sehr wohl, was zu erbitten ist. Was sagte Haman? „Man bringe ein königliches Gewand, das der König getragen hat, und ein Pferd, auf dem der König geritten ist und auf dessen Kopf eine königliche Krone gesetzt wurde.“ Darum brauchte der König die Gefäße Hamans – nämlich das, was Haman für empfangenswert vom König hielt.

Aus demselben Grund musste der Schöpfer Moses bitten, von Israel einen Gefallen zu erbitten: dass sie die Gefäße der Ägypter leihweise nehmen, also für eine Weile, damit sie das Verlangen und die Lust bekommen, all die Mängel zu füllen, die die Ägypter zu füllen verlangen. Und Er musste darum bitten, weil das Volk Israel sich mit dem begnügte, was es hatte, und immer vor seinen Gedanken und Verlangen floh. Jetzt aber sollen sie auf die Fragen und Einwände der Ägypter hören.

Und weil Er Abraham versprochen hatte, dass sie danach mit großem Besitz ausziehen, war es nötig, dass sie die Gefäße der Ägypter nur leihweise nehmen, um sie danach zurückzugeben. Das heißt: Sie haben mit diesen Fragen nichts zu schaffen; was sie nahmen, war nur für eine Weile – damit sie die Lichter empfangen können, die „Erbe des Landes“ heißen und die der Schöpfer Abraham versprochen hatte.

Mit dem Gesagten verstehen wir nun unsere Frage: Wie konnte die Sache von einem Extrem ins andere umschlagen? Denn die Schrift sagt „und ihnen graute vor den Söhnen Israels“, dass sie wie Dornen waren – und danach „und der Schöpfer ließ das Volk Gnade finden in den Augen der Ägypter“. Dadurch nämlich, dass die Ägypter sahen, Israel will auf ihre Fragen hören, fanden sie „Gnade“; denn sie meinten, Israel wird nun ihren Weg gehen. „Der Schöpfer ließ Gnade finden“, indem Er Israel auftrug, sich die Gefäße von ihnen zu leihen – denn das war es, was die Ägypter wollten.

korrigiert, EY, CO4.8, 11.07.2026, 23:46 Uhr, Ver6