Rabash – 1986 – Artikel 13 (תשמ״ו – מאמר י״ג)
„Komm zum Pharao – 2“ · בא אל פרעה – ב
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1 | Der Sohar fragt: „Es heißt ‚Komm zum Pharao‘ – doch es hätte ‚Geh zum Pharao‘ heißen müssen usw. Da der Schöpfer sah, dass Moses sich fürchtete und auch andere bestellte Abgesandte droben sich ihm nicht nähern konnten, sprach der Schöpfer: ‚Siehe, ich bin gegen dich, Pharao, König von Ägypten, das große Ungeheuer, das inmitten seiner Ströme lagert.‘ Der Schöpfer selbst musste also gegen ihn Krieg führen und kein anderer, wie geschrieben steht ‚Ich, der Schöpfer‘, was die Weisen deuteten: ‚Ich und kein Bote.‘“ So weit seine Worte (zu Beginn des Wochenabschnitts Bo). | הזה"ק שואל: "בא אל פרעה", הלא "לך אל פרעה", היה צריך לומר וכו'. כיון שראה הקב"ה, שמשה ירא ושלוחים ממונים אחרים למעלה לא יכלו לקרב אליו, אמר הקב"ה "הנני עליך פרעה מלך מצרים", התנים הגדול הרובץ בתוך יאוריו. שהקב"ה היה צריך לערוך עמו מלחמה ולא אחר, כמו שכתוב "אני ה'", שדרשו "אני ולא שליח". עד כאן לשונו (בתחילת פרשת בא). | Der Sohar fragt: „Es steht geschrieben: ‚Komm zum Pharao‘, aber es hätte heißen müssen: ‚Geh zum Pharao‘, usw. Da der Schöpfer sah, dass Moses sich fürchtete und andere ernannte Abgesandte sich ihm nicht nähern konnten, sagte der Schöpfer: ‚Siehe, ich bin gegen dich, Pharao, König von Ägypten, das große Ungeheuer, das inmitten seines Niles liegt.‘ Der Schöpfer musste gegen ihn Krieg führen und kein anderer, denn es steht geschrieben: ‚Ich bin der Ewige‘, was sie mit ‚Ich und nicht ein Bote‘ erklärten.“ So weit seine Worte (am Anfang des Teils Bo [Komm]). |
2 | Der Unterschied zwischen „komm“ und „geh“ ist: „Komm“ bedeutet, dass wir zusammen gehen, so wie ein Mensch zu seinem Freund sagt: „Komm.“ | וההבדל בין בא ללך הוא, שבא משמע, שנלך ביחד, כדרך שהאדם אומר לחבירו "בא". | Der Unterschied zwischen „komm“ und „geh“ ist, dass „komm“ bedeutet, dass wir zusammen gehen sollen, wie ein Mensch, der seinem Freund sagt: „Komm.“ |
3 | Das gilt es zu verstehen. Denn der Sohar fragt: Warum musste der Schöpfer mit Moses gehen? Moses allein konnte den Kampf gegen ihn nicht führen, sondern nur der Schöpfer selbst und kein anderer. Warum also brauchte es Moses, dass er mit dem Schöpfer ging? Es heißt doch „Ich und kein Bote“. Welchen Nutzen bringt es dann, dass der Schöpfer zusammen mit Moses zum Pharao ging, der „Ungeheuer“ genannt wird? Er hätte doch auch ohne Moses zum Pharao gehen können. | ויש להבין ענין זה, כי הזה"ק אומר, בשביל מה היה צריך הקב"ה לילך עם משה, כי משה לבדו לא היה יכול לבדו לעשות עמו מלחמה, אלא הקב"ה בעצמו ולא אחר. אם כן בשביל מה היה צריך למשה, שילך עם הקב"ה. הלא הכתוב אומר "אני ולא שליח". אם כן איזו תועלת מביא זה שהקב"ה הלך אל פרעה, הנקרא תנים, עם משה. הלא הוא יכול ללכת לפרעה בלי משה. | Wir sollten das verstehen, denn der Sohar fragt, warum der Schöpfer Bedarf hatte, mit Moses zu gehen. Weil Moses allein ihn nicht bekämpfen konnte, sondern der Schöpfer selbst und kein anderer. Warum brauchte er also Moses, um mit dem Schöpfer zu gehen? Schließlich heißt es: „Ich und nicht ein Bote“. Welchen Sinn hat es also, dass der Schöpfer mit Moses zum Pharao geht, der „großes Ungeheuer“ genannt wird? Er hätte auch ohne Moses zum Pharao gehen können. |
4 | Und noch etwas gilt es zu verstehen, das die Weisen sagten (Kiddushin 30b): „Resh Lakish sagte: Der böse Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag und sucht ihn zu töten, wie es heißt ‚Der Frevler lauert dem Gerechten auf‘; und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er nicht gegen ihn bestehen, wie es heißt ‚Der Schöpfer überlässt ihn nicht seiner Hand.‘“ | ויש עוד להבין מה שאמרו חז"ל (קדושין ל' ע"ב) וזה לשונו, "אמר ריש לקיש, יצרו של אדם מתגבר עליו בכל יום ומבקש להמיתו, שנאמר, צופה רשע לצדיק, ואלמלא הקב"ה עוזרו, אינו יכול לו, שנאמר, ה' לא יעזבנו בידו". | Wir sollten auch verstehen, was unsere Weisen sagten ( Kiddushin [Ehe] 30b): „Resh Lakish sagte: ‚Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag und sucht ihn zu töten, wie es heißt: ‚Der Böse wacht über den Gerechten‘, und würde der Schöpfer ihm nicht helfen, würde er ihn nicht überwinden, wie es heißt: ‚Der Ewige wird ihn nicht in seiner Hand lassen.'“ |
5 | Auch hier stellt sich die Frage: Wenn der Mensch aus eigener Kraft nicht siegen kann, sondern der Schöpfer helfen muss – warum dann diese Verdoppelung? Entweder gibt der Schöpfer dem Menschen die Kraft, ihn allein zu überwinden, oder der Schöpfer tut alles. Warum braucht es hier zwei Kräfte – zuerst die des Menschen und dann die des Schöpfers –, als ob man das Böse nur durch beide zusammen überwinden könnte und eine Kraft nicht genügt? | וגם כאן מתעוררת השאלה, אם האדם בעצמו אינו יכול להתגבר, אלא הקב"ה צריך לעזור, הכפילות הזו למה לי. היינו, או שהקב"ה יתן כח באדם להתגבר עליו בלבדו, או שהקב"ה יעשה את הכל. ולמה צריכים כאן כאילו שני כוחות, אחד של האדם ואח"כ כוחו של הקב"ה. וכאילו שרק על ידי שניהם יכולים להתגבר על הרע, וכח אחד לא מספיק. | Auch hier stellt sich die Frage: „Wenn der Mensch nicht aus eigener Kraft siegen kann und die Hilfe des Schöpfers braucht, warum dann diese Verdoppelung?“ Mit anderen Worten: Entweder gibt der Schöpfer dem Menschen die Kraft, ihn allein zu überwinden, oder der Schöpfer wird alles tun. Warum sind hier zwei Kräfte erforderlich, zuerst jene des Menschen und anschließend die Kraft des Schöpfers? Es scheint, als könnten nur beide das Böse besiegen und eine Kraft nicht ausreicht. |
6 | Es ist bekannt, dass die Vollkommenheit des Menschen darin liegt, das Ziel der Schöpfung zu erreichen: den Zweck zu erlangen, für den die Welt erschaffen wurde und der „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ heißt. Das bedeutet, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss empfangen sollen, die Er ihnen zugedacht hat. | הנה ידוע, כי שלימות האדם היא, שהוא צריך להגיע למטרת הבריאה. זאת אומרת, להשיג את המטרה שבשבילה נברא העולם, הנקראת להטיב לנבראיו. היינו, שהנבראים צריכים להגיע לקבל את הטוב והעונג, מה שחשב להנותם. | Es ist bekannt, dass die Vollkommenheit des Menschen darin besteht, dass er das Ziel der Schöpfung erreichen muss, um den Zweck zu erreichen, für den die Welt erschaffen wurde, der heißt: „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Mit anderen Worten, die Geschöpfe sollen die Freude und den Genuss empfangen, den Er ihnen zu bereiten gedachte. |
7 | Bis dahin heißt die Schöpfung noch nicht eine dem Schöpfer angemessene Schöpfung. Denn bekanntlich sollen aus dem vollkommenen Wirkenden vollkommene Werke hervorgehen: dass alle die Schönheit spüren, die in der Schöpfung liegt, dass jeder Einzelne die Schöpfung rühmen und preisen kann, dass alle den Schöpfer für die Schöpfung, die Er schuf, preisen und Ihm danken können, und dass alle sagen können „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand“. Das bedeutet, dass alle den Schöpfer dafür segnen, dass Er eine gute, genussvolle Welt erschuf, und dass alle fröhlich und froh sind über das Wohlgefühl, das sie aus der Fülle der Genüsse empfinden, die sie in der Welt empfangen. | ומטרם זה, אין עוד הבריאה נקראת בריאה המתאימה להבורא, היות כידוע, שמפועל השלם צריכות לצאת פעולות שלימות, היינו שכולם ירגישו את היופי שישנו בהבריאה, ושכל אחד ואחד תהיה לו היכולת להלל ולשבח את הבריאה, ושכולם יוכלו להלל ולהודות לה' על הבריאה שבראה, ושכולם יוכלו לומר "ברוך שאמר והיה העולם". זאת אומרת, שכולם מברכים את ה' עבור זה שברא עולם טוב מלא תענוגים, וכולם עליזים ושמחים מהנחת רוח שמרגישים מרוב תענוגים שמקבלים בעולם. | Davor wird das Geschöpf noch nicht als eine dem Schöpfer angemessene Schöpfung bezeichnet, da bekanntlich aus dem vollkommenen Handelnden auch vollkommene Handlungen hervorgehen sollen. Das bedeutet, dass jeder die Schönheit der Schöpfung spüren sollte und in der Lage sein wird, die Schöpfung zu preisen und zu verherrlichen, dass jeder in der Lage sein wird, den Schöpfer für die von Ihm erschaffene Schöpfung zu verherrlichen und ihm zu danken, und dass jeder in der Lage sein wird, zu sagen: „Gesegnet sei Er, der gesagt hat: ‚Es werde die Welt.'“ Mit anderen Worten, jeder sollte den Schöpfer dafür segnen, dass Er eine gute Welt voller Genüsse erschaffen hat, in der jeder froh und glücklich ist durch die Zufriedenheit, die er durch all die Genüsse, die er in der Welt erlebt, empfindet. |
8 | Wenn der Mensch jedoch zu prüfen beginnt, ob er wirklich mit seinem Leben zufrieden ist – wie viel Wohlgefühl er aus sich selbst und aus seiner Umgebung schöpft –, dann sieht er das Gegenteil: Alle leiden Qualen und Schmerzen, und jeder leidet auf andere Weise. Und wenn der Mensch sagen soll „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand“, dann sieht er, dass er es nur mit den Lippen sagt. | אולם כשהאדם מתחיל להתבונן, אם הוא באמת שבע רצון מהחיים שלו, כמה קורת רוח הוא מקבל מעצמו ומהסביבה שבה הוא נמצא, אז הוא רואה להיפך, שכולם סובלים יסורים ומכאובים, וכל אחד ואחד סובל בצורה אחרת. והאדם צריך לומר "ברוך שאמר והיה העולם", אז הוא רואה, שהוא אומר זה רק משפה ולחוץ. | Wenn der Mensch jedoch zu prüfen beginnt, ob er wirklich mit seinem Leben zufrieden ist und wie viel Zufriedenheit er wirklich aus sich selbst und aus seiner Umgebung schöpft, sieht er das Gegenteil – alle leiden, quälen sich und jeder Mensch leidet auf andere Art. Aber man sollte sagen: „Gesegnet sei Er, der gesagt hat: ‚Es werde die Welt'“, damit er sieht, dass er es nur oberflächlich sagt. |
9 | Bekanntlich aber kann sich das Gute und der Genuss in der Welt nicht offenbaren, bevor die Welt Kelim des Gebens hat. Denn unsere Gefäße des Empfangens sind noch durch das eigennützige Empfangen beschmutzt, das in seinem Maß sehr eng ist und uns zudem vom Schöpfer trennt. (Über den Gefäßen des Empfangens lag also der erste Zimzum [Einschränkung], damit dort keine Fülle leuchte. Siehe Vorwort zum Buch Sohar, Blatt 138, im Sulam.) | אלא כידוע, שאין הטוב והעונג יכול להתגלות בעולם מטרם שיש להעולם כלים דהשפעה, היות שכלי קבלה שלנו מלוכלכים עוד בקבלה עצמית המצומצמת מאוד במידתה, וגם מפרידה אותנו מהבורא (פירוש, על הכלי קבלה היה צמצום הראשון, שלא יאיר שם שפע. עיין בהקדמת ספר הזהר דף קל"ח בהסולם). | Es ist jedoch bekannt, dass die Freude und der Genuss nicht in der Welt erscheinen können, solange die Welt keine Kelim [Gefäße] des Gebens hat, da unsere Gefäße des Empfangens noch durch egoistisches Empfangen verunreinigt sind, das in seinem Maß stark eingeschränkt ist und uns vom Schöpfer trennt (was bedeutet, dass es die erste Einschränkung der Gefäße des Empfangens gab, damit die Fülle dort nicht leuchtet, siehe in der „Einführung in das Buch Sohar „, S. 138). |
10 | Um aber die Kelim des Gebens zu erlangen, beginnen hier Streit und Kämpfe, denn das ist gegen unsere Natur. Und dafür wurden uns Tora und Mizwot gegeben, um zur Stufe des Gebens zu gelangen, wie die Weisen sagten: „Ich erschuf den bösen Trieb, ich erschuf die Tora als Gewürz“ (Kiddushin 30). | ובכדי להשיג את הכלים דהשפעה, כאן מתחילה המחלוקת והמלחמות, היות שזהו נגד הטבע שלנו. ובשביל זה ניתנו לנו תורה ומצות, בכדי להגיע לדרגת השפעה, כמו שאמרו חז"ל "בראתי יצר הרע בראתי תורה תבלין" (קדושין ל'). | Das Erlangen der Gefäße des Gebens ist der Ort, an dem Streitigkeiten und Kriege beginnen, da es gegen unsere Natur ist. Und deshalb wurden uns Tora und Mizwot gegeben, um die Stufe des Gebens zu erreichen, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe das Gewürz der Tora erschaffen“ ( Kiddushin 30). |
11 | Ebenso wurde uns die Mizwa „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gegeben. Und Rabbi Akiva sagt: „Das ist ein großes Prinzip in der Tora“ (Bereshit Rabba, Abschnitt 24). Indem nämlich der Mensch an der Liebe zu den Freunden arbeitet, gewöhnt er sich daran, aus der Eigenliebe herauszutreten und zur Liebe zum Nächsten zu gelangen. | וכמו כן ניתן לנו מצות "ואהבת לרעך כמוך". ורבי עקיבא אומר "זה כלל גדול בתורה" (ב"ר פכ"ד). כלומר, שע"י זה שהאדם עובד באהבת חברים, הוא מרגיל את עצמו לצאת מאהבה עצמית ולהגיע לאהבת הזולת. | Außerdem wurde uns die Mizwa [Gebot] „Liebe deinen Freund wie dich selbst“ gegeben, und Rabbi Akiva sagte: „Das ist die große Regel der Tora “ (BeReshit Rabba, Abschnitt 24). Mit anderen Worten: Indem der Mensch in der Liebe zu seinen Freunden arbeitet, gewöhnt er sich daran, die Eigenliebe aufzugeben und die Liebe zum Nächsten zu erreichen. |
12 | Allerdings gilt es zu verstehen, was wir mit eigenen Augen sehen: Es gibt Menschen, die Kräfte in die Liebe zu den Freunden investieren und dennoch der Liebe zum Schöpfer nicht ein Haarbreit nähergekommen sind, sodass sie aus Liebe zum Schöpfer in Tora und Mizwot arbeiten könnten. In der Freundesliebe, sagen sie, kommen sie ein wenig voran, doch in der Liebe zum Schöpfer sehen sie keinen Fortschritt. Man muss jedoch wissen, dass es auch in der Freundesliebe Stufen gibt – man muss also über die Verpflichtung der Freundesliebe nachdenken. | אמנם יש להבין, מה שאנו רואים לעינינו, שיש אנשים שמשקיעים כוחות באהבת חברים, ומכל מקום לא הגיעו אפילו כמלוא נימא לאהבת ה', שיכלו לעבוד בתורה ומצות מטעם אהבת ה'. זאת אומרת, באהבת חברים, הם אומרים שהם מתקדמים במקצת, אבל באהבת ה' אין הם רואים שום התקדמות. אבל צריכים לדעת, שגם באהבת חברים יש דרגות, היינו שצריכים לחשוב על החיוב של אהבת חברים. | Wir sollten jedoch verstehen, was wir vor uns sehen, dass es Menschen gibt, die sich in der Liebe zu Freunden anstrengen und dennoch keinen Zentimeter näher an die Liebe zum Schöpfer herankommen, so dass sie aus Liebe zum Schöpfer in Tora und Mizwot arbeiten können. Sie sagen, dass sie in der Liebe zu den Freunden tatsächlich ein wenig vorankommen, aber sie sehen keinen Fortschritt in der Liebe zum Schöpfer. Wir sollten jedoch wissen, dass es auch in der Freundesliebe Stufen gibt, was bedeutet, dass wir die Verpflichtung der Freundesliebe betrachten müssen. |
13 | Denn man kann es mit einem Gebäude vergleichen, das zwei Stockwerke und ein Erdgeschoss hat. Der König befindet sich im zweiten Stock. Wer zum König gelangen will – dessen ganzes Ziel also nur ist, von Angesicht zu Angesicht mit dem König zu sprechen –, dem sagt man, er muss zuerst in den ersten Stock hinaufsteigen; denn man kann nicht in den zweiten Stock gelangen, bevor man in den ersten gelangt ist. | כי זה יכולים לדמות לבנין, שיש שמה ב' קומות, וגם קומת קרקע. והמלך נמצא בקומה ב'. ואומרים, מי שרוצה לכנס להמלך, היינו שכל מטרתו היא רק שרוצה לשוחח עם המלך פנים בפנים, אומרים לו, שהוא מוכרח מקודם לעלות לקומה א', כי אי אפשר לעלות לקומה ב' מטרם שעולים לקומה א'. | Wir können es auch mit einem zweistöckigen Gebäude mit einem Erdgeschoss vergleichen. Der König befindet sich im zweiten Stock, und demjenigen, der zum König kommen möchte – dessen einziges Ziel es ist, mit dem König von Angesicht zu Angesicht zu sprechen – wird gesagt, dass er zuerst in den ersten Stock hinaufsteigen muss, da es unmöglich ist, in den zweiten Stock zu gelangen, ohne zuerst in den ersten Stock zu gelangen. |
14 | Sicher versteht jeder, dass das richtig ist. Doch es gibt einen Grund dafür, dass man in den ersten Stock steigen muss – er heißt „Korrekturen“. Denn indem der Mensch in den ersten Stock hinaufsteigt, kann er dort lernen, wie man von Angesicht zu Angesicht mit dem König spricht, und es wird ihm möglich sein, vom König zu erbitten, was sein Herz begehrt. Der Mensch, der hörte, dass man zuerst in den ersten Stock und danach erst in den zweiten steigen kann, verstand das sehr gut. Da aber sein ganzes Verlangen ist, den König zu sehen, und er sich um nichts anderes sorgt, war das, was man ihm sagte – dass er erst in den ersten Stock muss –, für ihn eine Last und eine Bürde. | וזה בטח, שכל אחד ואחד מבין שזה נכון. אבל יש סיבה לזה שצריכים לעלות לקומה א' שנקרא תיקונים, היינו שע"י זה שהאדם יעלה לקומה א', שם הוא יכול ללמוד, איך שיכולים לדבר עם המלך פנים בפנים. ויהא ביכולתו לבקש מהמלך מה שליבו חפץ. אדם הזה ששמע, שצריכים מקודם לעלות לקומה א' ואח"כ יכולים לקומה ב', הוא הבין זה טוב מאוד. אבל היות שכל חשקו הוא לקבל פני המלך, ולא דואג לשום דבר, נמצא, מה שאמרו לו, שהוא צריך לעלות לקומה א', היה עליו לעול ולמשא. | Gewiss, jeder versteht, dass dies so ist. Es gibt jedoch einen Grund, warum sie zuerst in den ersten Stock steigen müssen – er heißt „Korrekturen“. Mit anderen Worten, wenn man in den ersten Stock hinaufsteigt, kann man lernen, wie man den König von Angesicht zu Angesicht anspricht, und wird in der Lage sein, den König um seinen Wunsch zu bitten. Er, der hört, dass er erst in den ersten Stock und dann in den zweiten Stock steigen muss, versteht das sehr gut. Da er aber nur den Wunsch hat, das Antlitz des Königs zu sehen, und sich um nichts anderes kümmert, ist das, was ihm gesagt wird – dass er in den ersten Stock steigen muss – für ihn eine Last und eine Mühsal. |
15 | Aber es bleibt keine Wahl. So steigt er in den ersten Stock, und es kümmert ihn nicht, sich anzusehen, was dort ist, obwohl er hörte, dass man im ersten Stock lernt, wie man mit dem König spricht. Doch er achtet nicht darauf, denn das ist nicht sein Ziel. Sein Ziel ist der König und nicht das, was er im ersten Stock lernen könnte; denn sein Ziel ist nicht das Studium, sondern das Gesicht des Königs zu sehen. Warum sollte er Zeit auf belanglose Dinge verwenden? Vor dem König selbst ist ja alles wie nichts und nichtig. Warum also sollte er sich dafür interessieren, was man im ersten Stock lernt? | אבל אין ברירה. אז הוא עולה לקומה א' ולא מעניין לו להסתכל מה שיש שמה, הגם ששמע, שבקומה א' לומדים לאדם איך לדבר עם המלך. אבל הוא לא שם לב לזה, כי זו לא מטרתו, כי מטרתו היא המלך, ולא מה שהוא יכול ללמוד בקומה א', כי מטרתו היא לא הלימוד, אלא מטרתו היא לראות פני המלך. ומה לו לבלות זמן על דברים של מה בכך, כי הכל בפני עצם המלך כלא ואפס. אם כן מה לו להתעניין מה שלומדים בקומה א'. | Er hat jedoch keine andere Wahl und steigt in den ersten Stock. Er ist nicht daran interessiert, zu sehen, was sich dort befindet, obwohl er gehört hat, dass man im ersten Stockwerk lernt, wie man mit dem König spricht. Er schenkt dem aber keine Beachtung, denn das ist nicht sein Ziel. Sein Ziel ist der König, nicht das, was er im ersten Stock lernen kann. Sein Ziel ist nicht das Studium, sondern das Antlitz des Königs zu sehen. Warum sollte er seine Zeit mit Belanglosigkeiten vergeuden, da alles im Vergleich zum König nichts wert ist? Warum sollte er sich also für das interessieren, was in der ersten Etage gelehrt wird? |
16 | Und darum, wenn er in den ersten Stock steigt, hat er kein Verlangen, dort zu bleiben, sondern will sofort in den zweiten Stock hinauf, wo der König selbst ist; denn das ist sein ganzes Verlangen. Man aber sagt ihm: Bevor du die Gesetze lernst, die im ersten Stock gelten, wirst du sicher die Ehre des Königs verletzen. Darum kannst du nicht hoffen, in den zweiten Stock steigen zu können, bevor du alles gelernt hast, was im ersten Stock zu lernen ist. | ומשום זה כשעולה לקומה א', אין לו רצון להתעכב שם, אלא רוצה תיכף לעלות לקומה ב', ששם ישנו המלך בעצמו. כי זה כל חשקו. אולם אומרים לו, כי מטרם שאתה תלמד את החוקים שיש בקומה א', בטח אתה תפגום בכבוד המלך. ומשום זה אין לך לקוות שתוכל לעלות לקומה ב', מטרם שאתה תלמד כל שיש ללמוד בקומה א'. | Wenn er in den ersten Stock hinaufsteigt, hat er kein Verlangen, dort zu bleiben. Stattdessen möchte er schnell in den zweiten Stock zum König selbst aufsteigen, denn das ist alles, was er will. Er erfährt jedoch: „Ohne die Regeln zu kennen, die in der ersten Etage gelten, wirst du die Ehre des Königs mit Sicherheit verletzen. Aus diesem Grund kannst du nicht darauf hoffen, in den zweiten Stock aufzusteigen, bevor du nicht alles gelernt hast, was es im ersten Stock zu lernen gibt.“ |
17 | Ebenso ist es bei der Freundesliebe: So hörten wir, dass man der Liebe zum Schöpfer nicht würdig werden kann, bevor der Mensch der Liebe zu den Freunden würdig geworden ist – wie Rabbi Akiva sagte, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist ein großes Prinzip in der Tora. Wenn er sich also mit der Freundesliebe beschäftigt, betrachtet er sie nicht als etwas von Wert und Gewicht, sondern als etwas Überflüssiges. | וכמו כן באהבת חברים, כן שמענו שאי אפשר לזכות לאהבת ה', מטרם שאדם זכה לאהבת חברים, כמו שאמר רבי עקיבא, ש"אהבת לרעך כמוך" זה כלל גדול בתורה. אם כן בזמן שעוסק באהבת חברים, אין הוא מסתכל על אהבת חברים על איזה ערך, בעל משקל, אלא כדבר מותר. | Ähnlich verhält es sich mit der Liebe zu Freunden: Wir haben gehört, dass es unmöglich ist, mit der Liebe zum Schöpfer belohnt zu werden, bevor man mit der Liebe zu den Freunden belohnt wird, wie Rabbi Akiva sagte: „Liebe deinen Freund wie dich selbst, das ist die große Regel der Tora .“ Doch wenn der Mensch sich in der Liebe zu Freunden übt, dann betrachtet er diese nicht als etwas wertvolles, sondern als etwas Überflüssiges. |
18 | Er geht daran, sie zu erfüllen, nur weil keine Wahl bleibt, und ständig wartet er darauf: Wann werde ich der Liebe zum Schöpfer würdig, sodass ich mich von der Freundesliebe befreien kann? Denn diese Arbeit ist mir Last und Bürde. Es fällt mir sehr schwer, meine Freunde zu ertragen, da ich sehe, dass jeder von ihnen eine andere Wesensart hat als ich und ich nichts mit ihnen gemeinsam habe. Nur gegen meinen Willen, weil mir keine Wahl bleibt – da man mir sagte, dass ich ohne Freundesliebe nicht zur Liebe zum Schöpfer gelangen kann –, sitze ich notgedrungen mit ihnen. | והוא הולך לקיים את זה מטעם שאין ברירה, וכל רגע הוא מסתכל, מתי אני אזכה לאהבת ה', ואני אוכל לפטור את עצמי מאהבת חברים, שעבודה זו אצלי לעול ולמשא. כי קשה לי מאוד לסבול את החברים שלי, היות שאני רואה, שכל אחד ואחד מהם יש לו תכונות אחרות משלי, ואין לי שום השתוות עמהם, רק בעל כורחך, מטעם שאין לי ברירה, היות שאמרו לי, שבלי אהבת חברים איננו יכול להגיע לאהבת ה'. אז בהכרח אני יושב עמהם. | Er behält sie bei, weil er keine andere Wahl hat, aber er sucht ständig nach dem Zeitpunkt, an dem „ich mit der Liebe des Schöpfers belohnt werde und mich von der Liebe zu den Freunden befreien kann. Diese Arbeit ist mir lästig, denn ich kann meine Freunde kaum ertragen, weil ich sehe, dass sie alle andere Eigenschaften haben als ich und ich nichts mit ihnen gemeinsam habe. Aber ich habe keine andere Wahl, denn mir wurde gesagt, dass ich ohne die Liebe zu den Freunden die Liebe zum Schöpfer nicht erreichen kann. Also sitze ich gegen meinen Willen mit ihnen. |
19 | Aber ich kann mir sagen: Was gewinne ich von den Freunden? Nur eines – dass ich mich selbst durch eine Art Kasteiung korrigiere, dadurch dass ich mit ihnen zusammensitze und die Reden der Freunde ertrage, die mir nicht zusagen und meiner Wesensart zuwider sind. Doch was tun? Man sagt mir, dass ich in dieser Welt leiden muss; also leide ich, und ich sitze da und warte, wann die Zeit kommt, da ich vor ihnen fliehen kann und nicht mehr auf die Niedrigkeit blicken muss, die ich an ihnen sehe. | אבל אני יכול לומר לעצמי, מה אני מרויח מהחברים, רק דבר אחד, היינו שאני מתקן את עצמי מבחינת סיגופים, מזה שאני יושב עמהם ביחד, וסובל את הדיבורים של החברים, שאינם לרוחי ולתכונתי. אבל מה לעשות. אומרים לי, שאני מוכרח לסבול בעולם הזה, לכן אני סובל, ואני יושב ומצפה, מתי יגיע הזמן, שאני אוכל לברוח מהם, ולא להסתכל על שפלותם, שאני רואה בהם. | Ich kann mich jedoch fragen: ‚Was habe ich von den Freunden?‘ Nur eines: Ich korrigiere mich selbst, indem ich bei ihnen sitze und ihre Gespräche dulde, die ich nicht mag und die gegen meine Natur sind. Aber was kann ich tun? Man hat mir gesagt, dass ich in dieser Welt leiden muss, also tue ich es: Ich sitze und warte auf die Zeit, in der ich vor ihnen fliehen kann, um die Niedrigkeit, die ich in ihnen sehe, nicht zu sehen.“ |
20 | Es zeigt sich also, dass er aus der Freundesliebe nicht das Heilmittel nimmt, das „Liebe zum Nächsten“ heißt, sondern sich mit ihr nur beschäftigt, weil man ihm sagte, es bleibt keine Wahl, sonst kann er die Liebe zum Schöpfer nicht erreichen. Darum beschäftigt er sich mit der Freundesliebe und erfüllt alle Verpflichtungen, die die Freunde ihm auferlegen. Doch was er von ihnen lernen sollte, das ist ihm fern. Aus der Eigenliebe tritt er also nicht heraus, und zur Liebe zum Nächsten gelangt er nicht. Und er erfüllt die Freundesliebe nicht aus Liebe, sondern aus Ehrfurcht: Da man nicht in die Liebe zum Schöpfer eintreten lässt, bevor man in die Freundesliebe eingetreten ist, fürchtet er, die Freundesliebe nicht zu erfüllen – denn dann ließe man ihn nicht in die Liebe zum Schöpfer eintreten. | נמצא, שהוא לא לוקח מאהבת חברים את התרופה, שנקראת אהבת הזולת, אלא מטעם שאמרו לו, שאין ברירה, אחרת הוא לא יכול להגיע לאהבת ה'. ומשום זה הוא עוסק באהבת חברים, ועושה כל ההתחייבות מה שהחברים מחייבים אותו. אבל מה שצריך ללמוד מהם, זהו ממנו והלאה. זאת אומרת, מאהבה עצמית הוא לא יוצא, ולאהבת הזולת הוא לא מגיע. ומקיים אהבת חברים לא מטעם אהבה, אלא מטעם יראה, היות שלא נותנים להכנס לאהבת ה', מטרם שנכנסים מקודם לאהבת חברים. אם כן הוא מתיירא, שלא לקיים אהבת חברים, כי לא יתנו לו לכנס לאהבת ה'. | Es stellt sich heraus, dass er von der Liebe zu den Freunden nicht freiwillig das Mittel „Liebe zum Nächsten“ nimmt, sondern nur, weil ihm gesagt wurde, dass er keine andere Wahl hat, denn sonst wird er die Liebe zum Schöpfer nicht erreichen. Er beschäftigt sich aus diesem Grund mit der Liebe zu den Freunden und hält alle Verpflichtungen ein, zu denen die Freunde ihn verpflichten. Aber was er von ihnen lernen sollte, ist meilenweit von ihm entfernt. Das bedeutet, dass er die Selbstliebe nicht verlässt und die Liebe zum Nächsten nicht erreicht. Er befolgt die Liebe der Freunde nicht aus Liebe, sondern aus Ehrfurcht, da er nicht in die Liebe des Schöpfers eintreten darf, bevor er in die Liebe der Freunde eintritt. Daher fürchtet er, die Liebe der Freunde nicht befolgen zu können, weil er dann nicht in die Liebe des Schöpfers eintreten darf. |
21 | Das gleicht dem Gleichnis: Man ließ ihn nicht in den zweiten Stock, wo der König ist, bevor er zuvor in den ersten Stock gestiegen war. Und die Absicht ist, dass er die Gesetze lernt, wie man die Ehre des Königs wahrt. Dann wäre es vernünftig, dass er sich freut, sobald er in den ersten Stock eintritt; denn er lernt nun, wie man auf die Ehre des Königs achtet, und er gewinnt dadurch, dass er danach, wenn er in den Palast des Königs tritt, die Ehre des Königs nicht – Gott behüte – verletzt. Solange er also im ersten Stock ist, achtet er darauf, wie all die Gesetze dort gehandhabt werden, und gewöhnt sich an sie; denn er will zum König eintreten, um dem König zu geben, und keinesfalls die Ehre des Königs gering zu achten. | וזה דומה להמשל, שהיות שלא נתנו לו להכנס לקומה ב', ששם נמצא המלך, מבלי שיעלה מקודם לקומה א'. והכוונה היא, בכדי שילמד החוקים, איך להיזהר בכבוד המלך, אם כן ההגיון מחייב, שבזמן שנכנס לקומה א', שיהיה בשמחה, כי הוא לומד עכשיו, איך להיזהר בכבוד המלך, וירויח מזה, שאח"כ, כשיכנס להיכל המלך, לא יפגום חס ושלום בכבוד המלך. ולפי זה, כשנמצא בקומה א', הוא נותן תשומת לב, איך נהוגים שם כל החוקים ולהרגיל בהם, כי הוא רוצה להכנס להמלך, בכדי להשפיע להמלך, ולא חס ושלום לזלזל בכבוד המלך. | Dies ist vergleichbar mit dem Gleichnis, dass er nicht in den zweiten Stock darf, wo der König sitzt, solange er nicht in den ersten Stock hinaufgestiegen ist. Die Idee ist, dass er die Regeln lernt, wie man die Ehre des Königs bewahrt; also wäre es vernünftig, dass er sich freut, in den ersten Stock zu gehen, da er jetzt lernt, wie man auf die Ehre des Königs achtet. Er würde davon profitieren, weil er danach, wenn er den Palast des Königs betritt, die Ehre des Königs nicht beschmutzen wird. Er achtet deshalb, während er im ersten Stockwerk ist, auf alle Regeln, die dort gelten, und darauf, sich an sie zu gewöhnen, denn er will zum König eintreten, dem König geben und keinesfalls die Ehre des Königs verachten. |
22 | Und das lässt sich nur von dem sagen, der zum König eintreten will, um dem König Wohlgefallen zu bereiten. Wer aber aus eigennützigem Empfangen zum König eintreten will, der betrachtet alles, was im ersten Stock ist, als überflüssig, als etwas, das ihn nicht interessiert. Dass er in den ersten Stock steigen muss, geschieht nur aus Furcht; denn er weiß, dass man ihn nicht in den zweiten Stock steigen lässt, bevor er in den ersten gestiegen ist. Doch er hat kein Bedürfnis, die Gesetze zu lernen, die man dort lernt, um die Ehre des Königs nicht zu verletzen – weil sein ganzes Wollen, zum König einzutreten, allein aus Eigenliebe kommt. | וזה שייך לומר רק במי שרוצה להכנס להמלך על מנת להשפיע נחת רוח להמלך. מה שאין כן מי שרוצה לכנס להמלך מחמת קבלה עצמית, אז הוא מסתכל על כל הדברים הנמצאים בקומה א' כדברים מיותרים, שזה לא מענין אותו. ומה שעליו לעלות לקומה א', הוא רק מפני היראה, כי הוא יודע, שלא יתנו לו לעלות לקומה ב' מטרם שיעלה לקומה א'. אבל אין לו שום צורך ללמוד חוקים, שלומדים שם שלא לפגוע בכבוד המלך. מטעם שכל מה שרוצה לכנס להמלך, אין זה רק מטעם אהבה עצמית. | Dies bezieht sich nur auf den, der vor den König treten will, um ihm Zufriedenheit zu geben. Wer aber zum egoistischen Empfangen vor den König treten will, für den ist das, was im ersten Stockwerk zu finden ist, überflüssig und uninteressant. Er geht nur deshalb in den ersten Stock, weil er Angst hat, denn er weiß, dass es ihm nicht erlaubt sein wird, in den zweiten Stock zu gehen, bevor er in den ersten Stock gegangen ist. Er verspürt keinen Bedarf, die Gesetze zu studieren, die dort gelehrt werden, um die Ehre des Königs nicht zu beschmutzen, denn der einzige Grund, warum er vor den König treten will, ist die Eigenliebe. |
23 | Darum müssen wir wissen: Dass uns die Freundesliebe gegeben wurde, ist, um aus ihr zu lernen, die Ehre des Königs nicht zu verletzen. Hat er nämlich nicht das Verlangen, einzig dem König Wohlgefallen zu bereiten, dann wird er sicher die Ehre des Königs verletzen – er liefert also Heiligkeit an die Äußeren aus. Darum soll man die Wichtigkeit der Arbeit an der Freundesliebe nicht gering achten; denn aus ihr lernt der Mensch, wie man aus der Eigenliebe heraustritt und den Weg der Liebe zum Nächsten betritt. Und wenn er die Arbeit der Freundesliebe vollendet, dann kann er der Liebe zum Schöpfer würdig werden. | אי לזאת, עלינו לדעת, כי זה שניתן לנו ענין אהבת חברים, הוא ללמוד מזה שלא לפגום בכבוד המלך. פירוש, שאם אין לו רצון רק להשפיע נחת רוח להמלך, בטח הוא יפגום בכבוד המלך, שזה נקרא שמוסר קדושה לחיצוניים. ומשום זה לא לזלזל בכבוד של חשיבות של עבודת אהבת חברים, כי ממנה האדם ילמד איך לצאת מאהבת עצמית, ולהכנס לדרך של אהבת הזולת. וכשיגמור את העבודה של אהבת חברים, אז הוא יכול לזכות לאהבת ה'. | Daher müssen wir verstehen, dass uns das Konzept der Freundesliebe gegeben wurde, um daraus zu lernen, die Ehre des Königs nicht zu verletzen. Das bedeutet: Wenn jemand kein Verlangen hat, dem König Freude zu bereiten, wird er die Ehre des Königs verletzen, was bedeutet, dass er Heiligkeit ( Kedusha ) an äußere Kräfte abgibt. Deshalb sollte man die Bedeutung der Arbeit an der Liebe zu Freunden nicht gering schätzen, da der Mensch daraus lernt, wie er die Eigenliebe überwinden und den Weg der Liebe zum Nächsten betreten kann. Und sobald der Mensch seine ganze spirituelle Arbeit in der Freundesliebe abschließt, kann er der Liebe zum Schöpfer würdig werden. |
24 | Und man muss wissen, dass die Freundesliebe einen Vorzug hat: Der Mensch kann sich nicht selbst betrügen und sagen, er liebe die Gemeinschaft, wenn er sie in Wahrheit nicht liebt. Denn hier kann er sich selbst prüfen, ob er wirklich Freundesliebe hat oder nicht. Anders bei der Liebe zum Schöpfer: Da kann der Mensch sich nicht selbst prüfen, ob seine Absicht die Liebe zum Schöpfer ist – ob er also dem Schöpfer geben will oder ob sein Verlangen ist, zu empfangen, um zu empfangen. | ויש לדעת, כי באהבת חברים יש מעלה, שאין האדם יכול לרמות את עצמו, ולומר שהוא אוהב את החברה, אם הוא באמת לא אוהב אותם. כי כאן ניתן לתת לעצמו בקורת, אם הוא באמת יש לו אהבת חברים או לא. מה שאין כן באהבת ה', אין אדם יכול לעשות בקורת על עצמו, אם כוונתו אהבת ה', היינו שרצונו להשפיע לה' או רצונו לקבל בעמ"נ לקבל. | Und man muss wissen, dass in der Freundesliebe etwas Besonderes liegt, dass nämlich der Mensch sich nicht selbst betrügen kann, indem er fälschlicherweise behauptet, dass er seine Freunde liebt, während er sie in Wirklichkeit nicht liebt. Denn hier kann sich der Mensch selbst prüfen – ob er seine Freunde tatsächlich liebt oder nicht. Und in der Liebe zum Schöpfer kann sich der Mensch nicht prüfen: Ob er tatsächlich dem Schöpfer geben möchte oder ob sein Wunsch nur im Empfangen für sich besteht. |
25 | Doch man muss wissen: Nach all den Korrekturen, die der Mensch ohne die Hilfe des Schöpfers tun kann, wird er keinen Fortschritt in der Arbeit des Gebens erlangen. Und wir fragten: Warum muss der Mensch dann Werke tun, um danach der Hilfe des Schöpfers würdig zu werden? Der Schöpfer kann doch auch ohne die Werke der Unteren helfen, da die Arbeit des Menschen ohnehin zu keinem Fortschritt in der Arbeit verhilft. | אבל צריכים לדעת, כי לאחר כל התיקונים, שנתנו לאדם לעשות בלי עזרת ה', לא יזכה לשום התקדמות בעבודה דלהשפיע. ושאלנו אם כן, בשביל מה צריך האדם לעשות מעשים, בכדי שיזכה אח"כ לעזרת ה', הלא ה' יכול לעזור אפילו בלי מעשי התחתונים, כי בין כך ובין כך לא תעזור עבודת האדם לשום התקדמות בעבודה. | Aber wir sollten wissen, dass nach all den Korrekturen, die der Mensch ohne die Hilfe des Schöpfers vornehmen muss, ihm kein Fortschritt in der Arbeit des Gebens vergönnt sein wird. Und wir fragten: „Warum sollte man dann Dinge tun, um später mit der Hilfe des Schöpfers belohnt zu werden? Schließlich kann der Schöpfer auch ohne die Arbeit der Unteren helfen, und die Arbeit des Menschen am Fortschritt in der Arbeit wird ohnehin nicht helfen.“ |
26 | Es ist so: Beginnt der Mensch die Arbeit nicht, dann weiß er nicht, dass er die Kämpfe gegen den Trieb nicht gewinnen kann. Beginnt der Mensch hingegen, in der Arbeit für den Schöpfer zu wandeln, und tut, was in seiner Macht steht, dann kann er ein wahres Gebet sprechen, dass der Schöpfer ihm hilft. | והענין הוא, כי אם אין האדם מתחיל בעבודה, אז האדם לא יודע, שלא יכול לנצח את מלחמות היצר. מה שאין כן כשהאדם מתחיל ללכת בעבודת ה', ועושה מה שביכולתו לעשות, אז הוא יכול לתת תפלה אמיתית, שה' יעזור לו. | Wenn der Mensch jedoch nicht anfängt zu arbeiten, weiß er nicht, dass er nicht über den Trieb siegen kann. Wenn der Mensch aber beginnt, in der Arbeit des Schöpfers zu wandeln und das tut, was er tun kann, dann kann er ein wahres Gebet an den Schöpfer richten, damit dieser ihm hilft. |
27 | Aber warum will der Schöpfer, dass er ein wahres Gebet spricht? Bei einem Menschen aus Fleisch und Blut kann man sagen, dass er will, dass man ihn aufrichtig bittet. Denn bei einer aufrichtigen Bitte, die der Mensch an seinen Nächsten richtet, dankt ihm der Nächste aufrichtig. Und der Mensch aus Fleisch und Blut, der der Ehre nachjagt, hat an diesem Dank Genuss, weil der andere sich gleichsam vor ihm erniedrigt. Doch beim Schöpfer – braucht Er etwa die Ehre der Menschen, die sie Ihm erweisen? Warum also will der Schöpfer, dass der Mensch Ihm ein wahres Gebet aus der Tiefe des Herzens spricht? | אבל בשביל מה ה' רוצה, שיתן תפלה אמיתית. לבשר ודם שייך לומר, שהוא רוצה, שיבקש לו בקשה אמיתית. משום שבקשה אמיתית, שהאדם מבקש מחברו, אז חברו נותן לו תודה אמיתית. והבשר ודם, שהוא רודף אחר כבוד, התודה שהוא נותן לו, הוא כאילו משפיל לפניו, ומזה הוא נהנה. אבל לגבי הקב"ה, וכי הוא צריך להכבוד של בני אדם, שיתנו לו. אם כן בשביל מה רוצה הקב"ה, שהאדם יתן לו תפלה אמיתית מעומק הלב. | Aber warum sollte der Schöpfer wollen, dass der Mensch ein wahres Gebet an Ihn richtet? Man würde meinen, dass nur die Menschen wollen können, dass man sich mit einer richtigen Bitte an sie wendet. Denn wenn ein Mensch seinen Freund um etwas nachdrücklich bittet, dann bedeutet das, dass er ihm später entsprechend dankbar sein wird. Und bekanntlich sind den Menschen Respekt und Anerkennung der Umgebung sehr wichtig, und da die Dankbarkeit den Menschen sozusagen vor seinem Freund erniedrigt, hat letzterer Genuss daran. Wenn jedoch die Rede vom Schöpfer ist – braucht etwa auch Er die Ehrungen, welche die Menschen ihm entgegenbringen können? Wozu will der Schöpfer, dass der Mensch ein wahres Gebet aus der Tiefe des Herzen an ihn richtet? |
28 | Vielmehr ist es, wie bekannt, so: Es gibt kein Licht ohne Kli. Man kann dem Menschen nichts geben, das ihm sehr wichtig wäre, wenn er kein Verlangen danach hat: Dann wird er es gering achten, es nicht bewahren, und es geht verloren. Denn das Bedürfnis nach einer Sache richtet sich danach, wie sehr sie ihm fehlt, und das verleiht ihr die Wichtigkeit. Und nach dem Maß der Wichtigkeit weiß er das Geschenk so zu bewahren, dass es nicht verloren geht – denn sonst ginge alles zu den Klipot (Schalen). | אלא הענין הוא כידוע, שאין אור בלי כלי, שאין באפשרות לתת לאדם דבר, שיהיה חשוב מאוד. ואם אין לו רצון להדבר, הוא יזלזל בו, ולא ישמור את הדבר, וזה ילך לאיבוד, משום שהצורך לדבר הוא כפי מה שחסר לו, וזה נותן את החשיבות. וכפי החשיבות, בשיעור זה הוא יודע לשמור את המתנה, שלא תלך לאיבוד, כי אחרת הכל ילך להקליפות. | Bekanntlich gibt es kein Licht ohne das Verlangen nach dem Licht ( Kli ). Man kann dem Menschen nichts geben, das für ihn keinen großen Wert hat. Denn ein Mensch, der kein richtiges Verlangen nach einer Sache hat, wird sie nicht schätzen und nicht bewahren, und schließlich wird sie verschwinden. Denn das menschliche Verlangen nach einer Sache ist genau so groß wie sein Mangel daran. Und nur das Verlangen verleiht ihm die Empfindung der Wichtigkeit des gegebenen Gegenstands. Und in dem Maß der Wichtigkeit des Gegenstandes wird der Mensch aufpassen, den Gegenstand nicht zu verlieren, denn sonst geht alles an die Klipot (unreinen Kräfte). |
29 | Das nennt man, den Klipot Nahrung zu geben: Alles geht zu den Gefäßen des Empfangens, die alles, was der Mensch an Dingen der Heiligkeit gering achtet, in ihren Besitz nehmen. Daraus wissen wir, warum der Mensch die Arbeit beginnen muss. Doch warum gab der Schöpfer dem Menschen nicht die Kraft, die Arbeit allein zu vollenden, ohne die Hilfe des Schöpfers? | וזה נקרא, שנותנים יניקה לקליפות, היינו שהכל הולך לכלי קבלה, שהם לוקחים כל מה שהאדם מזלזל בדברים של קדושה, לרשותם. ומזה אנו יודעים, מדוע צריך האדם להתחיל בעבודה. אבל מדוע ה' לא נתן להאדם הכח, שיכול לגמור את העבודה לבד, בלי עזרת ה'. | Dies wird „Saugen der Klipot “ genannt, was bedeutet, dass alles zu den Gefäßen des Empfangens geht, die alles in ihre Herrschaft aufnehmen, was der Mensch in Angelegenheiten der Kedusha vernachlässigt. Daher wissen wir, warum man die spirituelle Arbeit beginnen sollte. Aber warum gibt der Schöpfer einem nicht die Kraft, die Arbeit allein, ohne Seine Hilfe, zu vollenden? |
30 | Bekanntlich deutet der Sohar den Ausspruch der Weisen „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man.“ Und es fragt: „Womit?“ Und es antwortet: „Mit einer heiligen Seele“ – das heißt, er empfängt ein Leuchten von oben, das „Seele“ (Neshama) heißt und „Erlangung der Göttlichkeit“ genannt wird; und das ist eingeschlossen im Schöpfungsgedanken, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. | הענין הוא, ידוע מה שזה"ק מפרש על מה שאמרו חז"ל "הבא לטהר מסייעין אותו". ושואל "במה". ואומר "בנשמתא קדישא", היינו שמקבל הארה מלמעלה, הנקראת "נשמה", הנקראת "השגת אלקות", שזה הוא נכלל במחשבת הבריאה להטיב לנבראיו. | Es ist bekannt, was der Sohar bezüglich der Aussage unserer Weisen schlussfolgert: „Wer kommt, um gereinigt zu werden, dem wird geholfen.“ Er fragt: „Womit?“ Und er sagt: „Mit einer heiligen Seele“, d.h. er empfängt ein Leuchten von Oben, das Neshama [eine Seele] genannt wird, genannt „Erkenntnis der Göttlichkeit“, was bedeutet, dass er in den Schöpfungsgedanken eingeschlossen wird, um Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. |
31 | Es zeigt sich also: Dadurch, dass er ein Kli und ein Verlangen nach dem Kli des Gebens hat, empfängt er danach das Licht, das „Seele“ heißt. Beides also ist nötig: Der Mensch beginne – damit erlangt er ein Kli. Und dadurch, dass er es allein nicht vollenden kann, schreit er zum Schöpfer, dass Er hilft – und dann empfängt er das Licht. | נמצא, בזה שיש לו כלי ורצון לכלי דהשפעה, הוא מקבל אח"כ האור, הנקרא "נשמה". אם כן לשניהם הם צריכים. היינו, שהאדם יתחיל, בזה הוא מקבל כלי. וע"י זה שהוא בעצמו לא יכול לגמור, אז הוא צועק לה', שיעזור, אז הוא מקבל האור. | Daraus folgt, dass er, wenn er ein Kli und ein Verlangen nach Gefäßen des Gebens hat, das Licht, Neshama genannt, empfängt. Es ist also beides erforderlich. Mit anderen Worten, ein Mensch sollte beginnen, und dadurch empfängt er ein Kli . Und wenn er es nicht zu Ende bringen kann, ruft er den Schöpfer um Hilfe an, und dann empfängt er das Licht. |
32 | Damit verstehen wir das Geschriebene: „Komm zum Pharao, denn ich habe sein Herz und das Herz seiner Knechte verstockt, damit ich diese meine Zeichen in seiner Mitte setze.“ Die Leute fragen: Warum verstockte der Schöpfer sein Herz? Die Schrift antwortet: „Damit ich diese meine Zeichen in seiner Mitte setze.“ Und die Deutung lautet: Warum verstockte der Schöpfer das Herz des Menschen, sodass er den Kampf gegen den Trieb nicht allein gewinnen kann? | ובזה נבין מה שכתוב "בא אל פרעה, כי אני הכבדתי את לבו, ואת לב עבדיו, למען שתי אתתי אלה בקרבו". ומקשים העולם, למה הקב"ה הכביד את לבו. הכתוב מתרץ "למען שתי אותותי אלה בקרבו". והפירוש, כי למה הקב"ה הכביד את לבו של אדם, ולא יכול לנצח את מלחמת היצר לבדו. | Jetzt können wir verstehen, was geschrieben steht: „Komm zum Pharao, denn Ich habe sein Herz und das Herz seiner Knechte verhärtet, damit Ich diese, Meine Zeichen in ihm zeige.“ Es stellt sich die Frage: „Warum hat der Schöpfer das Herz des Pharao verhärtet?“ Der Text antwortet: „Damit Ich diese Meine Zeichen mitten unter ihnen zeige.“ Und die Auslegung lautet: „Warum hat der Schöpfer das Herz des Menschen verhärtet, sodass er den Kampf gegen den Trieb nicht selbst gewinnen kann?“ |
33 | Und die Antwort ist: Die Absicht ist, dass der Mensch zum Schöpfer schreit und dadurch ein Kli hat. Und dann kann der Schöpfer in dieses Kli die Buchstaben der Tora in seinem Innern legen – das ist die Seele, die der Schöpfer ihm als Hilfe gibt. Und das ist der Sinn von „Die Tora und der Schöpfer sind eins“: Mit „meinen Zeichen“ sind die Buchstaben der Tora gemeint, im Sinne der Namen des Schöpfers. Und das ist der Aspekt „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“, der Aspekt des Schöpfungsgedankens, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und das kommt zum Menschen gerade dann, wenn er ein Kli hat. Dieses Kli aber kommt durch die Verstockung des Herzens; denn dann gibt es Raum, zum Schöpfer zu schreien, dass Er hilft. Und Er hilft mit einer heiligen Seele, wie oben gesagt. | והתשובה, שהכוונה היא בכדי שהאדם יצעק אל ה'. וע"י זה יהיה לו כלי. ואז הקב"ה יכול להכניס בתוך הכלי את אותיות התורה בקרבו, שזהו בחינת נשמתא, שה' נותן לו בתור עזרה. וזהו בחינת "אורייתא וקוב"ה חד הוא", ש"אותותי" הכוונה על אותיות התורה מבחינת שמותיו של הקב"ה. וזו הבחינה של להטיב לנבראיו, שהיא בחינת מחשבת הבריאה להטיב לנבראיו. וזו באה להאדם דוקא שיש לו כלי. וכלי זה בא ע"י הכבדת הלב, אז יש מקום לצעוק לה', שיעזור לו. ועוזרו בנשמתא קדישא, כנ"ל. | Die Antwort ist, damit der Mensch zum Schöpfer schreit und dadurch das Kli erlangt. Und dann wird der Schöpfer in der Lage sein, die Buchstaben der Tora in ihm, in seinem Kli , zu platzieren. Das ist die Seele, die der Schöpfer ihm als Hilfe gibt. Das heißt: „Die Tora und der Schöpfer sind eins.“ „Meine Zeichen“ bezieht sich auf die Buchstaben der Tora , wie auf die Namen des Schöpfers. Dies ist das „Seinen Geschöpfen Gutes tun“, das ist der Gedanke des Geschöpfes, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Dies kommt zu einem Menschen speziell dann, wenn er ein Kli hat, und dieses Kli kommt durch die Verhärtung des Herzens, denn dann gibt es einen Ort, wo er den Schöpfer um Hilfe anrufen kann, und Er hilft ihm mit einer heiligen Seele. |
34 | Damit verstehen wir den Sinn von „Komm zum Pharao“ – das heißt: wir beide zusammen, nämlich der Mensch muss beginnen. Und dann sieht er, dass er ihn nicht besiegen kann. Darauf deutet, dass Moses sich fürchtete, an ihn heranzutreten. Und dann sprach der Schöpfer „Siehe, ich bin gegen dich, Pharao“ – da kam die Hilfe vom Schöpfer. Und womit? Mit einer heiligen Seele, wie oben in den Worten des Sohar. | ובזה נבין ענין "בא אל פרעה" היינו שנינו ביחד, היינו שהאדם צריך להתחיל. ואז הוא רואה, שאין הוא מסוגל לנצח אותו. וזהו הרמז, שמשה היה ירא לגשת אליו. ואז אמר הקב"ה "הנני עליך פרעה", שאז באה העזרה מהקב"ה. ובמה, בנשמתא קדישא, כנ"ל בדברי הזה"ק. | Jetzt können wir die Angelegenheit „Komm zum Pharao“, also uns beide, zusammen sehen. Mit anderen Worten, ein Mensch sollte anfangen und dann wird er sehen, dass er ihn nicht besiegen kann, und das wird dadurch angedeutet, dass Moses Angst hatte, sich ihm zu nähern. Und dann sagte der Schöpfer: „Siehe, Ich bin gegen dich, Pharao“, was bedeutet, dass dann die Hilfe vom Schöpfer kommt. Und worin? Mit einer heiligen Seele, wie im Heiligen Sohar geschrieben steht. |
35 | Es zeigt sich also, dass die Verstockung des Herzens – wie geschrieben steht „denn ich habe sein Herz verstockt“ – dazu geschah, dass Raum für das Gebet ist. Und dieses Gebet ist nicht wie das eines Menschen aus Fleisch und Blut, der Ehre will, dass man ihn bittet, um dadurch geehrt zu werden. Vielmehr ist hier die Absicht des Gebets, dass er ein Kli hat – nämlich ein Bedürfnis nach der Hilfe des Schöpfers. Denn es gibt kein Licht ohne Kli. Und sobald der Mensch sieht, dass er sich selbst in nichts helfen kann, hat er das Bedürfnis, dass der Schöpfer ihm hilft. | נמצא, שהכבדת הלב, מה שכתוב "כי אני הכבדתי את לבו", היתה בכדי שיהיה מקום לתפלה. והתפלה הזו, אין זה כדוגמת בשר ודם, שרוצה כבוד, שיבקש ממנו, בכדי שע"י זה הוא מתכבד. אלא כאן כוונת התפלה היא, בכדי שיהיה לו כלי, היינו שיהיה לו צורך לעזרת ה'. כי אין אור בלי כלי. ובזמן שהאדם רואה, שאין הוא מסוגל לעזור לעצמו כל שהוא, אז יש לו צורך שה' יעזור לו. | Daraus folgt, dass die Verhärtung des Herzens in den Worten: „Denn ich habe sein Herz verhärtet“, einen Platz für ein Gebet schaffen sollte. Und dieses Gebet ist nicht wie das eines Menschen aus Fleisch und Blut, der um Respekt gebeten werden möchte, damit er respektiert wird. Der Zweck des Gebets ist vielmehr, damit er ein Kli hat, einen Bedarf an der Hilfe des Schöpfers, denn ohne Kli gibt es kein Licht. Und wenn der Mensch sieht, dass er sich selbst in keiner Weise helfen kann, dann hat er Bedarf an der Hilfe des Schöpfers. |
36 | Und das ist der Sinn dessen, was die Weisen sagten: „Der Schöpfer sehnt Sich nach dem Gebet der Gerechten.“ Auch hier stellt sich die Frage: Braucht der Schöpfer etwa die Demut des Menschen, dass er Ihn bittet? Vielmehr, wie oben gesagt: Da Sein Wille ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, es aber kein Licht ohne Kli gibt, sehnt Er Sich nach dem Gebet der Gerechten; denn dadurch enthüllen sie Kelim, in die Er geben kann. Daraus folgt: Sobald der Mensch sieht, dass er das Böse in sich nicht überwinden kann, das ist die wahre Zeit, vom Schöpfer Hilfe zu erbitten. | וזה הוא ענין מה שאמרו חז"ל "הקב"ה מתאוה לתפלתן של צדיקים". וגם כאן מתעוררת השאלה, וכי הקב"ה צריך ההכנעה של אדם, שיבקש ממנו. אלא כנ"ל, היות שרצונו יתברך להטיב לנבראיו, אבל אין אור בלי כלי, לכן הוא מתאוה לתפלתן של צדיקים, שע"י זה הם מגלים כלים, שיוכל להשפיע לתוכם. היוצא מזה, שבזמן שהאדם רואה, שאין הוא יכול להתגבר על הרע שבו, אז הוא הזמן אמיתי לבקש עזרה מה'. | Das ist die Bedeutung dessen, was unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer begehrt das Gebet der Gerechten.“ Auch hier stellt sich die Frage: „Aber braucht der Schöpfer die Hingabe des Menschen, die er von Ihm erbittet?“ Da es aber Sein Wunsch ist, Seinen Geschöpfen zu nützen, es aber kein Licht ohne ein Kli gibt, begehrt Er das Gebet der Gerechten, denn dadurch offenbaren sie die Kelim [Gefäße], welche Er füllen kann. Daraus folgt, dass, wenn der Mensch sieht, dass er das Böse in ihm nicht überwinden kann, dies wirklich der Zeitpunkt ist, um den Schöpfer um Hilfe zu bitten. |
37 | Nach dem Gesagten verstehen wir, was der Schöpfer sprach: „Und ich nehme euch mir zum Volk und werde euch ein Gott sein, und ihr werdet erkennen, dass ich der Schöpfer, euer Gott, bin, der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens“ (Wa’era). | ובהאמור נבין מה שאמר הקב"ה "ולקחתי אתכם לי לעם, והייתי לכם לאלקים, וידעתם כי אני ה' אלקיכם, המוציא אתכם מתחת סבלות מצרים" (וארא). | Jetzt können wir verstehen, was der Schöpfer gesagt hat (Exodus 6): „Und Ich will euch zu Mir nehmen als ein Volk, und Ich will euch ein Gott sein; und ihr sollt wissen, dass Ich der Ewige, euer Gott, bin, der euch aus der Last der Ägypter herausgeführt hat.“ |
38 | Und die Weisen im Traktat Berachot (38a) deuteten dies so: „‚Der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens.‘ Und die Weisen [sagten]: So sprach der Schöpfer zu Israel: Wenn ich euch herausführe, werde ich euch eine Sache tun, damit ihr erkennt, dass ich es bin, der euch aus Ägypten herausgeführt hat – wie geschrieben steht ‚Denn ich bin der Schöpfer, euer Gott, der euch herausführt.‘“ So weit. | וחז"ל במסכת ברכות (ל"ח ע"א) דרשו על זה וזה לשונם: "המוציא אתכם מתחת סבלות מצרים". ורבנן ההוא, כי הכי קאמר להו קודשא בריך הוא לישראל: כד מפיקנא לכו, עבידנא לכו מלתא כי היכי דידעיתו דאנא הוא דאפיקית יתכון ממצרים, דכתיב [כך אמר להם הקדוש ברוך הוא לישראל: כאשר אוציא אתכם, אעשה לכם דבר כדי שתדעו שאני שהוצאתי אתכם ממצרים, כתוב] "כי אני ה' אלקיכם המוציא אתכם". עכ"ל. | In der Massechet Berachot (38a) schreiben unsere Weisen darüber: „‚Der euch aus der Last der Ägypter herausgeführt hat.‘ Die Weisen … So sprach der Schöpfer zu Israel: ‚Wenn Ich euch ausführe, will Ich etwas für euch tun, um euch zu zeigen, dass Ich es bin, der euch aus Ägypten herausgeführt hat, so wie es geschrieben steht: ‚Ich bin der Ewige, euer Gott, der euch herausgeführt hat.'“ |
39 | Daraus geht hervor, dass es nicht genügt, dass der Schöpfer das Volk Israel aus Ägypten herausführte, sodass sie von der Pein und den Leiden befreit wurden, die sie dort erlitten. Spricht man nämlich von der Arbeit für den Schöpfer, dann stellt sich die Frage: Genügte es nicht, dass sie nun von der Knechtschaft des Exils frei wurden – wo sie wegen der Herrschaft des Pharao dem Schöpfer nicht dienen konnten und alles, was sie sich an Stellung in der Arbeit aufbauten, in der Erde verschlungen wurde? So deuteten die Weisen (Sota, Blatt 11): „‚Pitom und Ramses.‘ Rav und Shmuel: Der eine sagte, ihr Name ist Pitom; und warum hieß sie Ramses? Weil ihr Bauwerk Stück um Stück zerbröckelte (mitroses).“ Und Rashi erklärt: Wenn sie ein wenig bauten, zerbröckelte und fiel es; sie bauten wieder, und es fiel. „Und der andere sagte, ihr Name ist Ramses; und warum hieß sie Pitom? Weil Stück um Stück der Schlund des Abgrunds (pi tehom) sie verschlang.“ | משמע מכאן, שלא מספיק מה שהקב"ה הוציא את עם ישראל ממצרים, שנשתחררו מהסבל והיסורים שסבלו שם. וכשמדברים בענין עבדות ה', מתעוררת השאלה, וכי לא הספיק. מזה שנעשו עכשיו חרות משעבוד הגלות, שלא יכלו לעבוד את ה' מסיבת שליטת פרעה, וכל מה שבנו לעצמם, איזה עמדה בעבודה, הכל נבלע בארץ, כמו שדרשו חז"ל (סוטה דף י"א) וזה לשונו "את פיתום ורעמסס. רב ושמואל, חד אמר פיתום שמה. ולמה נקרא שמה רעמסס. שראשו ראשון מתרוסס". ופירש רש"י, כשהיו בונין קצת, היה מתרוסס ונופל. וחוזרין ובונין, והוא נופל. וחד אמר, רעמסס שמה, ולמה נקרא שמה פיתום, שראשון ראשון, פי תהום בלעו. | Das bedeutet, dass es nicht ausreicht, dass der Schöpfer das Volk Israel aus Ägypten herausführt, dass sie von den Qualen, die sie dort erlitten haben, befreit wurden. Wenn man von der Arbeit des Schöpfers spricht, stellt sich die Frage: „War das nicht genug?“ Nun sind sie aus der Versklavung des Exils befreit worden, nachdem sie dem Schöpfer aufgrund der Herrschaft des Pharaos nicht dienen konnten, und alles, was sie sich aufgebaut haben, egal welche Stellung in der Arbeit, wurde alles in der Erde verschluckt, wie unsere Weisen sagten (Sotah S. 11), „Pitom und Ramses. Rav und Shmuel; einer sagte, ihr Name sei Pitom. Und warum war ihr Name Ramses? Weil sein Kopf zuerst mitroses [zersplittert].“ RASHI interpretiert: „Wenn sie etwas bauten, würde es zersplittert und zusammenfallen. Sie bauten es wieder auf, und es stürzte wieder ein. Und einer sagte: ‚Ihr Name ist Ramses, und warum hieß sie Pitom? Weil das Erste das Erste ist und vom Pi Tehom [Schlund des Abgrunds] verschluckt wurde.'“ |
40 | Wir sehen, dass Rav und Shmuel nicht über den Sachverhalt streiten, sondern über die Deutung. Der Sachverhalt war dort: Alles, was sie bauten, fiel. Gemeint ist: Jedes Mal, wenn sie sich ein Bauwerk in der Arbeit errichteten, kamen die Ägypter – das heißt die fremden Gedanken der Ägypter – und rissen all ihre Arbeit nieder. All ihre Arbeit also, in der sie mit ganzer Kraft arbeiteten, um sich zu überwinden und die heilige Arbeit zu verrichten, wurde in der Erde verschlungen. Und Tag für Tag mussten sie von neuem beginnen. Und es schien ihnen, als hätten sie sich nie mit der heiligen Arbeit beschäftigt. Mehr noch: Jedes Mal, wenn sie meinten, sie mussten vorwärtsgehen, sahen sie, dass sie nicht nur nicht vorankamen, sondern rückwärtsgingen; denn immer stiegen in ihnen neue Fragen nach dem „Wer und Was“ auf. | אנו רואים בין לרב ובין לשמואל אין חולקים במציאות אלא בהדרוש. והמציאות היתה שם, כל מה שהיו בונים היה נופל. שהכוונה היא, שכל מה שהיו בונים לעצמם איזה בנין בעבודה, אז באו המצרים, היינו המחשבות זרות של המצריים, והרסו כל עבודתם. זאת אומרת, שכל עבודתם, שהיו עובדים עם כל כוחם להתגבר ולעבוד עבודת הקודש, הכל נבלע בארץ. וכל יום ויום היו צריכים להתחיל מחדש. והיה נדמה בעיניהם, כאילו אף פעם לא היו עוסקים בעבודת הקודש. ועוד יותר מזה, אלא כל פעם, שהיו בדעתם, שצריכים ללכת קדימה, אז ראו, שלא זו בלבד, שלא היו מתקדמים, אלא הלכו אחורה, כי תמיד היו מתעוררות להם שאלות חדשות בענין "מי ומה". | Deshalb sehen wir, dass es keinen Streit zwischen Rav und Shmuel über die Fakten gibt, sondern nur über die Interpretation. Die Tatsache war, dass alles, was sie bauten, fallen würde. Das bedeutet, dass jedes Mal, wenn sie für sich selbst irgendein Gebäude in der Arbeit errichteten, die Ägypter kamen, d.h. die fremden Gedanken der Ägypter, und all ihre Arbeit zerstörten. Mit anderen Worten, die ganze Arbeit, die sie mit all ihren Bemühungen, zu überwinden und in der Arbeit der Heiligkeit zu dienen, geleistet hatten, wurde vom Erdboden verschluckt. So mussten sie jeden Tag von vorn beginnen, und es schien ihnen, als wären sie nie in der Arbeit der Heiligkeit beschäftigt gewesen. Jedes Mal, wenn sie darüber nachdachten, weiterzumachen, stellten sie fest, dass sie nicht nur keine Fortschritte, sondern sogar Rückschritte machten, da in ihrem Verstand immer neue Fragen nach dem „Wer (ist der Schöpfer, auf dessen Stimme ich hören sollte)“ und „Was (bringt euch diese Arbeit)“ in ihren Sinn kamen. |
41 | Demnach gilt es, diesen Auszug aus Ägypten zu verstehen: dass sie nämlich nun dem Schöpfer ohne die fremden Gedanken der Ägypter dienen konnten. Was also will uns dieses Wissen, von dem geschrieben steht „und ihr werdet erkennen“, sagen – dass wir wissen sollen, dass der Schöpfer es ist, der sie aus dem Land Ägypten herausführt? Und noch mehr ist zu verwundern: Betrachtet man die ägyptische Knechtschaft, in der sie Fronarbeit verrichteten, und sie wurden davon befreit – was fehlt ihnen dann noch? | ולפי זה יש להבין את יציאה הזו ממצרים, היינו שכבר היתה להם היכולת לעבוד את ה' בלי מחשבות זרות של המצריים. אם כן הידיעה הזו, שכתוב "וידעתם", מה בא להשמיענו, שצריכים לדעת, כי ה' הוא המוציא אותם מארץ מצרים. ועוד יותר מזה יש לתמוה, כי מתחילים להסתכל בשעבוד מצרים, שהיו עובדים עבודת פרך, ונשתחררו מזה, ומה חסר להם עוד. | Dementsprechend sollten wir diesen Auszug aus Ägypten als Möglichkeit verstehen, dem Schöpfer ohne die fremden Gedanken der Ägypter zu dienen. Was will uns folglich dieses Verständnis der Worte „Und ihr sollt wissen“ sagen? Dass wir wissen müssen, dass es der Schöpfer ist, der sie aus dem Land Ägypten befreit hat. Doch es gibt noch mehr, worüber wir uns bei der Untersuchung der ägyptischen Sklaverei wundern, als sie harte Arbeiten verrichten mussten, und daraus befreit wurden – also woran hat es ihnen noch gemangelt? |
42 | Und was ist Fronarbeit (Awodat Parech)? Die Weisen deuteten (Sota 11b): „‚Mit all ihrer Arbeit, zu der man sie hart (be-Parech) zwang.‘ Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen Rabbi Jonatans: Sie tauschten die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die Arbeit der Frauen gegen die der Männer. ‚Und die Ägypter knechteten die Kinder Israels mit Härte (be-Parech).‘ Rabbi Elasar sagt: mit weichem Mund (be-pe rach).“ | ומהי עבודת פרך. הנה חז"ל דרשו (סוטה י"א ע"ב) "את כל עבודתם, אשר עבדו בהם בפרך". אמר רבי שמואל בר נחמני אמר רבי יונתן, "שהיו מחליפין מלאכת אנשים לנשים, ומלאכת נשים לאנשים. ויעבידו מצרים את בני ישראל בפרך. רבי אלעזר אומר בפה-רך". | Aber was ist harte Arbeit? Unsere Weisen erklären den Vers: „Alle ihre Arbeiten, die sie ihnen auferlegt haben“ (Traktat Suta 11b). „Rabbi Shmuel Bar Nachmany sagte: ‚Rabbi Jonathan sagte: ‚Sie ersetzten die Arbeit der Männer durch die Arbeit der Frauen, und die Arbeit der Frauen durch die Arbeit der Männer. Und die Ägypter zwangen die Kinder Israels, Ba-Parech [mit Strenge] zu dienen.‘ Rabbi Elasar sagt: „ Be Pe Rach [mit einem weichen Mund].“ |
43 | Und es gilt zu verstehen, was „mit Härte“ auf dem Wege der heiligen Arbeit bedeutet. Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden: | ויש להבין את ענין "בפרך", מהו על דרך העבודה בעבודת הקודש. ויש להבחין ב' בחינות: | Wir sollten die “harte Arbeit” für die Heiligkeit verstehen und dabei zwei Unterscheidungen treffen: |
44 | Erstens die Handlung, die der „offenbarte Teil“ heißt – das, was dem Menschen offenbar ist und wovon man nicht sagen kann, dass er sich irrt oder sich selbst betrügt; denn was den Augen offenbar ist, daran kann kein Irrtum sein. Denn das Tun der Mizwot und das Studium der Tora sieht er, und auch andere können sehen, ob er Werke von Tora und Mizwot tut oder nicht. | א. המעשה, שנקרא חלק הנגלה, מה שנגלה להאדם, שלא שייך לומר, שהוא טועה או מרמה עצמו, כי מה שגלוי לעינים, לא שייך לומר, שיש טעות בדבר. כי מעשה המצות ולימוד התורה הוא רואה, וגם אחרים יכולים לראות, אם הוא עושה מעשים של תו"מ או לא. | Die Handlung, welche „der offenbarte Teil“ genannt wird, den ein Mensch sehen kann und bei dem man nicht sagen kann, dass er sich irrt oder täuscht, da man nicht sagen kann, dass es einen Fehler bei etwas gibt, das sichtbar ist. Er sieht, wenn er Mizwot und Tora studiert, und andere können auch sehen, ob er Tora und Gebote ausführt oder nicht. |
45 | Zweitens die Absicht. Und das heißt der „verborgene Teil“; denn die Absicht in der Handlung, die der Mensch tut, können andere nicht sehen. Und auch er selbst kann die Absicht des Tuns nicht sehen; denn bei den Absichten gibt es Raum, sich zu irren und sich selbst zu betrügen. Denn nur bei dem, was den Augen offenbar ist – dem „offenbaren Teil“ –, können alle die Wahrheit sehen. Was aber von der Absicht des Herzens und vom Denken des Verstandes abhängt, darin kann sich der Mensch nicht auf sich selbst verlassen. Es zeigt sich also, dass es ihm selbst und den anderen verborgen ist. | ב. הכוונה. וזה נקרא חלק הנסתר, כי ענין הכוונה שבהמעשה שהאדם עושה, אין אחרים יכולים לראות מה כוונתו במעשים האלה. וגם הוא בעצמו גם כן לא יכול לראות את הכוונה של העשיה, כי בכוונות יש מקום לטעות עצמו ולרמות את עצמו. כי רק בדברים שנגלו לעין, שנקרא חלק הנגלה, שם כולם יכולים לראות האמת. מה שאין כן מה שתלוי בכוונת הלב ובמחשבה של המוח אין אדם יכול לסמוך על עצמו. נמצא, שנסתר ממנו ומאחרים. | Die Absicht. Dies wird „der verborgene Teil“ genannt, da andere die Absicht hinter den Handlungen nicht sehen können. Er kann auch die Absicht in der Handlung nicht sehen, denn mit Absichten ist es möglich, sich selbst zu täuschen und zu betrügen, denn nur in den offensichtlichen Dingen, die „der offenbarte Teil“ genannt werden, kann jeder die Wahrheit sehen. Aber wenn es um die Absichten im Herzen oder die Gedanken im Verstand geht, kann man sich selbst nicht trauen. Daraus folgt, dass dies vor ihm selbst und vor anderen verborgen ist. |
46 | Nun können wir den Sinn der „Fronarbeit“ deuten, von der gesagt wurde, „sie tauschten die Arbeit der Männer gegen die der Frauen“. Denn „Arbeit der Männer“ heißt, dass er bereits ein Mann (Gever) ist, der sein Böses überwinden und sich mit Tora und Mizwot im Aspekt der Handlung beschäftigen kann. Was also soll er tun, wenn er schon ein Mann (Isch) heißt, also ein Mann des Krieges, der sein Böses im Aspekt der Handlung bekämpfen kann? Dann ist die Zeit gekommen, dass er seine Arbeit im zweiten Aspekt beginnt – wie oben gesagt, im Aspekt des Verborgenen, das die Absicht ist – und sich von nun an bemüht, all seine Handlungen darauf auszurichten, dass sie mit der Absicht geschehen, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, und nicht zum eigenen Nutzen. | ועתה נוכל לפרש את ענין "עבודת פרך", שאמרו, ש"היו מחליפים מלאכת אנשים לנשים". כי "מלאכת אנשים" נקרא, שהוא כבר גבר, שהוא כבר יכול להתגבר על הרע שלו, ולעסוק בתו"מ בבחינת המעשה. ומשום זה, מה הוא צריך לעשות, בזמן שכבר נקרא איש, שפירושו איש מלחמה, שיש בידו להילחם עם הרע שלו בבחינת המעשה. לכן הגיע הזמן שצריך להתחיל עבודתו בבחינת ב', כנ"ל, היינו בבחינת הנסתר, שהיא הכוונה. זאת אומרת, להשתדל מכאן ולהבא, לכוון כל מעשיו שיהיו בעמ"נ להשפיע נחת רוח להקב"ה ולא לתועלת עצמו. | Nun können wir die Bedeutung von “harter Arbeit” interpretieren, von der es hieß: „Die Arbeit der Männer durch die Arbeit der Frauen zu ersetzen.“ „Männerarbeit“ bedeutet, dass er bereits ein Gever [Mann] ist, dass er sein Böses überwinden [ lehitgaber ] und sich mit Tora und Mizwot aktiv beschäftigen kann. Was soll er also tun, wenn er bereits „ein Mann“ genannt wird, d.h. ein Mann des Krieges, der mit seinem Bösen aktiv kämpfen kann? Jetzt ist es an der Zeit, dass er seine Arbeit in der zweiten Unterscheidung beginnt, d.h. im Verborgenen, was die Absicht ist. Er sollte mit anderen Worten von nun an prüfen, ob all seine Handlungen darauf abzielen, dem Schöpfer Zufriedenheit zu geben und nicht zu seinem eigenen Vorteil. |
47 | Und was taten die Ägypter, als sie sahen, dass er ein Mann ist, fähig, aus ihrer Herrschaft herauszutreten und in die Heiligkeit einzutreten? Da tauschten sie ihre Arbeit aus und gaben ihnen „Frauenarbeit“. Ihre ganze Arbeit sollte also Frauenarbeit sein; denn die Ägypter gaben ihnen zu verstehen: Wer braucht schon Absichten? Die Hauptsache sind die Werke. Und hier, in den Werken, wirst du Erfolg haben, wie du siehst, dass du ein Mann bist, der das Böse in sich überwinden und sich mit Tora und Mizwot in all ihren Einzelheiten und Feinheiten beschäftigen kann. Und du sollst deine ganze Tatkraft darauf verwenden, in Tora und Mizwot noch genauer zu sein. | ומה עשו המצרים, בזמן שראו, שהוא איש, המסוגל לצאת משליטתם ולהכנס לקדושה. אז החליפו את עבודתם ונתנו להם "עבודת נשים", שפירושו, שכל עבודתם יהיו בעבודת נשים, שהמצריים נתנו להם להבין, וכי מי צריך כוונות אלא, עיקר הם המעשים. וכאן במעשים אתה תצליח, כמו שאתה רואה, שאתה גבר, שאתה יכול להתגבר על הרע שבך, ולעסוק בתו"מ בכל פרטיה ודקדוקיה, ועליך לתת כל המרץ שלך, לעשות יותר דקדוקים בתו"מ. | Und was taten die Ägypter, als sie sahen, dass er ein “Mann” war, der in der Lage war, ihre Herrschaft zu verlassen und in die Heiligkeit einzutreten? Sie tauschten ihre Arbeit aus und gaben ihnen die Arbeit der Frauen. Das bedeutet, dass ihre ganze Arbeit in der Arbeit der Frauen bestand, das heißt, die Ägypter brachten sie auf den Gedanken: „Wer braucht schon Absichten? Was zählt, sind die Taten, und hier, bei den Taten, wirst du Erfolg haben, wie du siehst – du bist ein Mensch, du kannst das Böse in dir besiegen und dich mit Tora und Mizwot bis ins kleinste Detail beschäftigen, und du musst dich bemühen, in Tora und Mizwot noch sorgfältiger zu sein. |
48 | Aber beschäftige dich nicht mit Absichten – diese Arbeit ist nicht für dich, sondern für einige wenige Auserwählte. Trittst du nämlich in die Arbeit des Gebens ein – achtest du nämlich darauf, dass man bei jeder Sache die Absicht haben muss, dass sie um des Himmels willen ist –, so wirst du schon keine Kräfte mehr haben, im offenbaren Werk so genau zu sein, wo du dich nicht selbst betrügst. Denn du siehst, was du tust. Dort also hast du Raum, dich auszubreiten, sodass all deine Werke in all ihren Einzelheiten und Feinheiten geschehen. | אבל לא לעסוק בכוונות, שעבודה זו לא בשבילך, אלא ליחידי סגולה. ואם אתה תכנס בעבודה דלהשפיע, היינו שאתה תשים לב, שצריכים לכוון בכל דבר, שיהיה לשם שמים, כבר לא יהיו לך כוחות לדקדק כל כך במעשה הנגלה, ששם אתה לא תרמה את עצמך. כי אתה רואה מה שאתה עושה. לכן שם יש לך מקום להתרחב, שיהיו כל המעשים שלך בכל פרטיה ודקדוקיה. | „Du sollst dich aber nicht mit Absichten beschäftigen! Diese Arbeit ist nicht für dich, sondern nur für einige wenige Auserwählte. Wenn du mit der Arbeit des Gebens beginnst, d.h. bemerkst, dass du alles ausrichten musst, um zu geben, wirst du nicht die Energie haben, die enthüllten Handlungen präzise auszuführen. Dabei wirst du dich selbst nicht betrügen, weil du siehst, was du tust. Deshalb kannst du hier in deinen Handlungen detailgetreu und genau weiterkommen. |
49 | Bei den Absichten hingegen hast du keine wahre Prüfung. Darum raten wir dir – zu deinem Besten; und denke nicht, dass wir dich – Gott behüte – von der heiligen Arbeit abbringen wollen. Im Gegenteil, wir wollen, dass du in der Würde der Heiligkeit aufsteigst. | מה שאין כן בכוונות אין לך ביקורת אמיתית. אי לזאת, אנו מייעצים לך, לטובתך, ואל תחשוב שאנו חס ושלום רוצים להדיחך מעבודת הקודש. אלא אדרבה, אנו רוצים שאתה תעלה במעלת הקודש. | „Was aber die Absichten betrifft, so hast du keine wirkliche Überprüfung. Darauf verweisen wir dich zu deinem eigenen Wohl, und denke nicht, Gott bewahre, dass wir dich von der Arbeit der Heiligkeit abbringen wollen. Im Gegenteil, wir wollen, dass du in den Stufen der Heiligkeit aufsteigt.“ |
50 | Und das nennt man, dass „sie die Arbeit der Männer gegen die der Frauen tauschten“. Anstatt die Arbeit zu tun, die den Männern zukommt, erklärten sie dem Volk Israel, es ist besser für sie, Frauenarbeit zu verrichten – nämlich das, was den Frauen zukommt. | וזה נקרא, ש"היו מחליפים מלאכת אנשים לנשים". במקום שהיו צריכים לעבוד עבודה השייכת לגברים, הסבירו לעם ישראל, שיותר טוב בשבילם, יעבדו עבודת נשים, היינו מה ששייך לנשים. | Das nennt man: „Ersetzen der Arbeit der Männer durch die Arbeit der Frauen“. Wo sie die Arbeit hätten tun sollen, die den Männern gehört, erklärten sie dem Volk Israel, dass es für sie am besten wäre, die Arbeit der Frauen zu tun, also das, was den Frauen gehört. |
51 | Und „die Arbeit der Frauen gegen die der Männer“ bedeutet: Diese Menschen haben keine Kraft der Überwindung, sondern „ihre Kraft erschlaffte wie die einer Frau“ – sie waren also schwach im Erfüllen von Tora und Mizwot und hatten nicht die Kraft, die Mizwot auch nur im Aspekt des Offenbaren zu wahren und zu erfüllen, der allein „Aspekt der Handlung“ heißt. Und ihre ganze Arbeit der Überwindung lag nur im Aspekt der Handlung und nicht im Aspekt der Absicht. | ו"מלאכת נשים לאנשים" פירושו, שאלו אנשים, אין להם כח התגברות, אלא "תשש כוחם כנקבה", היינו שהיו חלשים בקיום תו"מ, שלא היה להם כח לשמור ולקיים את המצות אפילו בבחינת הנגלה, הנקראת בחינת מעשה לבד. וכל עבודת ההתגברות היתה רק בבחינת המעשה ולא בבחינת הכוונה. | „Und die Arbeit der Frauen mit der Arbeit der Männer“ bedeutet, dass diese Menschen nicht die Kraft haben, zu überwinden. Vielmehr: „Sie sind schwach wie eine Frau“, was bedeutet, dass sie schwach im Einhalten von Tora und Mizwot waren und nicht die Kraft hatten, die Gebote zu befolgen und einzuhalten, auch nicht in der offenbarten Form, die „nur in der Handlung“ genannt wird. Und die ganze Arbeit der Überwindung lag nur in der Tat, nicht in der Absicht. |
52 | Da kamen die Ägypter zu ihnen und gaben ihnen zu verstehen: Wir wollen euch nicht in der heiligen Arbeit stören – im Gegenteil, wir wollen, dass ihr wahre Diener des Schöpfers werdet. Wir sehen ja, dass ihr die heilige Arbeit verrichten wollt. Darum raten wir euch: Die Hauptsache der Arbeit ist nicht die Handlung, sondern die Hauptsache ist die Absicht. Statt euch also mit der Überwindung im Aspekt der Handlung zu mühen – euch also daran zu gewöhnen, euren Körper zu überwinden, um noch eine Stunde zu lernen oder noch eine halbe Stunde zu beten, und euch zu bemühen, ‚Gepriesen sei Er‘ und ‚Gepriesen sei Sein Name‘ und ‚Amen‘ zu antworten und während der Wiederholung des Vorbeters nicht zu reden –: Wer braucht das? | באו אליהם המצרים, ונתנו להם להבין, אין אנו רוצים להפריע לכם בעבודת הקודש, אלא אדרבה, אנו רוצים שתהיו עובדי ה' אמיתיים. היינו, אנו רואים, שאתם רוצים לעבוד עבודת הקודש. לכן אנו מייעצים לכם, שעיקר עבודה היא לא המעשה, אלא עיקר היא הכוונה. לכן במקום שאתם עוסקים בהתגברות על בחינת המעשה, היינו אתם מתרגלים להתגבר על הגוף שלכם, שללמוד עוד שעה או להתפלל עוד חצי שעה. ואתם רוצים להשתדל לענות "ברוך הוא" ו"ברוך שמו" ו"אמן", ושלא לדבר באמצע "חזרת הש"ץ". ומי צריך את זה. | Die Ägypter kamen zu ihnen und ließen sie denken: „Wir wollen eure heilige Arbeit nicht unterbrechen. Im Gegenteil, wir wollen, dass ihr wahre Diener des Schöpfers seid. Mit anderen Worten, wir sehen, dass ihr in der Arbeit der Heiligkeit dienen wollt, deshalb raten wir euch, dass das Wichtigste nicht die Handlung ist, sondern die Absicht. Deshalb, anstatt euch anzustrengen, um in der Handlung zu überwinden, euch daran zu gewöhnen, euren Körper zu überwinden, eine weitere Stunde zu studieren oder eine weitere halbe Stunde zu beten, indem ihr versucht, „Gesegnet sei Er“ und „Gesegnet sei Sein Name“ und „Amen“ zu antworten, ganz zu schweigen von der Wiederholung des Vorbeters. Wer braucht das schon? |
53 | Die Hauptsache ist die Absicht um des Himmels willen. Darauf müsst ihr all eure Anstrengungskraft verwenden. Wozu sollt ihr eure Kraft auf belanglose Dinge vergeuden? Zwar muss man vom Gesetz (Halacha) her all diese kleinen Dinge erfüllen, doch das ist keine Arbeit für euch – das gehört zur Frauenarbeit. Ihr aber sollt die Arbeit der Männer verrichten. Und dass ihr nur im Werk arbeiten wollt, das ziemt euch nicht. Ihr sollt ja vor allem auf die Absicht hin gehen – nämlich jede Kraft, die ihr habt, etwas zu tun, sollt ihr dazu verwenden, die Absicht darauf zu richten, dass alles um des Himmels willen ist. Aber denkt nicht, dass wir euch – Gott behüte – von der Arbeit für den Schöpfer abhalten wollen. Im Gegenteil, wir wollen, dass ihr in der Würde der Heiligkeit aufsteigt und zur Vollkommenheit gelangt, die da heißt, dass all eure Werke nur mit der Absicht geschehen, eurem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. | עיקר היא הכוונה לשם שמים. שם אתם צריכים לתת כל כח היגיעה שלכם. ולמה לכם לבלות את כוחכם על דברים של "מה בכך", הגם שמצד הלכה, מוכרחים לקיים כל אלו הדברים הקטנים, אבל זו לא עבודה בשבילכם. זה מתאים לעבודת נשים. אבל אתם צריכים לעבוד במלאכה של אנשים. וזה שאתם רוצים לעבוד רק במעשה, לא יפה בשבילכם. הלא אתם צריכים ללכת בעיקר על הכוונה, היינו, שכל כח שיש לכם לעשות משהו, תשמשו עם הכוח הזה לכוון שהכל יהיה לשם שמים. אבל אל תחשבו שאנחנו רוצים חס ושלום להפריע לכם מעבודת ה'. אלא אנחנו רוצים להיפך, שתעלו במעלות הקודש, ותגיעו לשלימות, הנקראת שכל מעשיכם יהיו רק בעל מנת להשפיע נחת רוח ליוצרו. | „Die Hauptabsicht ist die Absicht um des Schöpfers willen. Darauf müsst ihr all eure Bemühungen konzentrieren. Warum sollte man seine Kraft an unbedeutende Dinge verschwenden? Die Halacha [religiöses Gesetz] sagt zwar, dass ihr all diese kleinen Dinge einhalten müsst, aber diese Arbeit ist nicht für euch; es ist Arbeit für Frauen. Ihr habt Bedarf, euch in der Arbeit der Männer zu beschäftigen. Die Tatsache, dass ihr euch nur mit dem Tun beschäftigen wollt, steht euch nicht zu. Ihr solltet euch in erster Linie auf die Absicht konzentrieren, das heißt, jedes bisschen Energie, das ihr habt, darauf verwenden, dass alles für den Schöpfer ist. Denkt aber nicht eine Minute lang, dass wir prüfen, Gott bewahre, eure Arbeit in der Arbeit des Schöpfers zu unterbrechen. Wir wollen das Gegenteil – ihr sollt auf der Leiter der Heiligkeit aufsteigen und Vollkommenheit erreichen, was bedeutet, dass alle eure Handlungen nur dazu dienen, eurem Schöpfer Zufriedenheit zu geben.“ |
54 | Und da sie auf der Stufe der „Frauen“ sind – sie haben nämlich noch nicht die Kraft, sich auch nur im Aspekt der Handlung zu überwinden, was „ihre Kraft erschlaffte wie die einer Frau“ heißt –, gaben die Ägypter ihnen zu verstehen, die Hauptsache ist die Absicht, nämlich liShma. Damit waren die Ägypter sicher, dass sie nicht die Kraft haben würden, in der heiligen Arbeit weiterzugehen und sich zu überwinden. | והיות שהם במדרגת "נשים", היינו שעדיין אין להם כח להתגבר, אפילו בבחינת המעשה, שזה נקרא בחינת "תשש כוחם כנקבה". ואז המצרים נתנו להבין, שעיקר היא הכוונה שהיא לשמה, בזה היו המצרים בטוחים, שלא יהיה להם כח ללכת ולהתגבר במלאכת הקודש. | Und da sie sich auf der Stufe befanden, die „Frauen“ genannt wird, und noch immer nicht die Kraft besaßen, sich zu überwinden, nicht einmal in dem Teil der Handlung – da sie so schwach sind wie die Frauen -, machten die Ägypter ihnen klar, dass das Wichtigste die Absicht liShma [für ihren Namen] ist. Dadurch stellten die Ägypter sicher, dass sie nicht die Kraft haben würden, in der Arbeit der Heiligkeit fortzufahren und zu überwinden. |
55 | Und das ist nach den Worten des Rambam (Maimonides), der schrieb (Hilchot Teshuwa, Kap. 10): „Und die Weisen sagten: Immer beschäftige sich der Mensch mit der Tora, auch lo liShma, denn aus dem lo liShma gelangt er zum liShma. Darum lehrt man die Kleinen, die Frauen und die ungebildete Menge im Allgemeinen nur, aus Ehrfurcht und um Lohn zu empfangen zu dienen, bis ihre Einsicht wächst und sie große Weisheit erlangen; dann enthüllt man ihnen dieses Geheimnis nach und nach und gewöhnt sie sanft an diese Sache, bis sie es erlangen, Ihn erkennen und Ihm aus Liebe dienen.“ | וזה כדברי הרמב"ם, שכתב (הלכות תשובה פ"י) וזה לשונו, "ואמרו חכמים, לעולם יעסוק אדם בתורה, ואפילו שלא לשמה, שמתוך שלא לשמה בא לשמה. לפיכך, כשמלמדין את הקטנים, ואת הנשים, וכלל עמי הארץ, אין מלמדין אותן אלא לעבוד מיראה, וכדי לקבל שכר, עד שתרבה דעתן, ויתחכמו חכמה יתירה, מגלים להם רז זה מעט מעט, ומרגילין אותן לענין זה בנחת, עד שישיגוהו וידעוהו ויעבדוהו מאהבה". | Es ist so, wie Maimonides sagt, wenn er schreibt (Hilchot Teshuva [Gesetze der Umkehr], Abschnitt Nr. 10): „Die Weisen sagten: ‚Man sollte sich immer mit Tora beschäftigen, auch in Lo liShma [nicht für Ihren Namen], denn von Lo liShma wird man zu liShma [für Ihren Namen] kommen.‘ Deshalb müssen die Kleinen, die Frauen und die Ungebildeten im Allgemeinen gelehrt werden, aus Ehrfurcht zu arbeiten und Belohnung zu empfangen. Wenn sie Wissen erlangen und viel Weisheit erlangen, soll ihnen dieses Geheimnis nach und nach gezeigt werden, und sie müssen mit Leichtigkeit daran gewöhnt werden, bis sie es erlangen und Ihn kennen und Ihm aus Liebe dienen.“ |
56 | Und die Ägypter gingen daran, jenen im Aspekt der Frauen zu raten, nicht nach den Worten des Rambam zu gehen, sondern im Gegenteil: Obwohl sie auf der Stufe von Frauen und Kleinen sind, gaben sie ihnen zu verstehen, sie sollen ihre Arbeit sofort mit der Absicht liShma beginnen. Damit waren die Ägypter sicher, dass sie in ihrem Besitz blieben, außerhalb der Heiligkeit. | והמצרים הלכו לייעץ להם לאלו בבחינת נשים, שלא ללכת כדברי הרמב"ם, אלא להיפך, שאף על פי שהם במדרגת נשים וקטנים, נתנו להם להבין, שיתחילו עבודתם תיכף על הכוונה דלשמה. ובזה היו המצרים בטוחים, שישארו ברשותם, מחוץ לקדושה. | Die Ägypter rieten denjenigen, die unter dem Urteilsvermögen der Frauen standen, nicht den Worten von Maimonides zu folgen. Im Gegenteil, auch wenn sie sich auf der Stufe von Frauen und Kleinen befanden, gaben sie ihnen zu verstehen, dass sie sofort mit der Arbeit an der Absicht liShma beginnen sollten. Damit stellten die Ägypter sicher, dass sie in ihrem Bereich, außerhalb der Kedusha [Heiligkeit], bleiben würden. |
57 | Es zeigt sich also, dass dies „Fronarbeit“ heißt – wie nämlich Rabbi Shmuel bar Nachmani deutete: „be-Parech bedeutet bi-Pricha (im Zerbrechen).“ Und Rashi erklärt: „im Zerbröckeln und Zerbrechen von Körper und Lenden.“ Und der Grund ist: Wenn man die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer tauscht, dann ist es, wie wir erklärten – da die Arbeit der Männer darin bestand, dass sie sich überwinden, vorwärtsgehen und auf die Absicht liShma zielen mussten, sie aber in dieser Arbeit geschwächt wurden, weil die Ägypter dieser Arbeit entgegenstanden. Darum hatten sie über die Arbeit der Überwindung hinaus, damit sie mit der Absicht zu geben ausrichten könnten, noch eine weitere Arbeit: dass die Ägypter ihnen zu verstehen gaben, all diese Arbeit ist überflüssig, die Arbeit des Gebens geht sie nichts an, sondern nur einige wenige Auserwählte. Und so heißt dies „doppelte Arbeit“: | נמצא, שזאת נקראת "עבודת פרך", היינו דפירש רבי שמואל בר נחמני "בפרך בפריכה". ופירש רש"י "בפריכה ובשברון הגוף ומתנים". והטעם הוא, שאם מחליפין מלאכת אנשים לנשים, ומלאכת נשים לאנשים, יהיו, כמו שהסברנו, היות מלאכת אנשים היה, שהיו צריכים להתגבר וללכת קדימה, ולכוון על הכוונה דלשמה. והם החלישו אותם בעבודה זו, כי המצרים היו מתנגדים לעבודה זו. לכן, חוץ מזה שהם צריכים לעבוד עבודת התגברות, שיכלו לכוון בעמ"נ דלהשפיע, היתה להם עוד עבודה, בזה שהמצרים נתנו להם להבין, שכל עבודה זו היא עבודה מיותרת. שהעבודה דלהשפיע לא שייכת אליהם, אלא ליחידי סגולה. וממילא נקראת זה "עבודה כפולה": | Daher wird dies als „harte Arbeit“ bezeichnet, wie Rabbi Shmuel Bar Nachmany schlussfolgert: „ Ba-Parech [mit Mühsal] bedeutet BePricha [zerbrechlich/bröckelnd].“ Und RASHI schlussfolgert: „Im Zerbröckeln und Zerbrechen des Körpers und der Hüfte.“ Der Grund dafür ist, dass, wenn man die Arbeit der Männer durch die Arbeit der Frauen und die Arbeit der Frauen durch die Arbeit der Männer ersetzt, es so sein wird, wie wir es erklärt haben, da die Arbeit der Männer darin bestand, die Absicht liShma zu überwinden und voranzukommen, aber sie schwächten sie in dieser Arbeit, weil die Ägypter sich dieser Arbeit widersetzten. Daher mussten sie sich nicht nur bei der Überwindung abmühen, damit sie die Absicht haben konnten, um zu geben, sondern sie hatten noch mehr Arbeit, weil die Ägypter sie glauben machten, dass all diese Arbeit überflüssig sei, dass die Arbeit des Gebens sich nicht auf sie bezog, sondern nur auf einige wenige Auserwählte. Dies wird als „zweifache Arbeit“ bezeichnet: |
58 | Erstens: die Arbeit der Anstrengung, damit sie mit der Absicht zu geben ausrichten könnten. | א. עבודה בהתאמצות, שיכלו לכוון בעמ"נ להשפיע. | 1.) die Anstrengung, sich auszurichten, um zu geben, und |
59 | Zweitens: gegen sie zu kämpfen und zu sagen, es ist nicht richtig – sie können sehr wohl zum liShma gelangen und nicht, wie die Ägypter sagen, dass sie Frauenarbeit verrichten müssen. Und das war das ganze Streben der Ägypter: dass sie sich der Arbeit des Gebens nicht näherten. | ב. ולהילחם עמהם ולומר, שלא נכון, שכן הם יוכלו להגיע לשמה, ולא כמו שהמצרים אומרים, שהם צריכים לעבוד מלאכת נשים. וזו היתה כל מגמתם של המצרים, שלא יתקרבו לעבודה דלהשפיע. | 2.) sie zu bekämpfen und zu sagen, dass es nicht wahr ist, dass sie liShma erreichen können, und nicht, wie die Ägypter sagten, dass sie Frauenarbeit machen sollen. Und das war die ganze Absicht der Ägypter, um sie daran zu hindern, sich der Arbeit des Gebens zu nähern. |
60 | Und ebenso tauschten sie die Arbeit der Frauen gegen die der Männer – wie gesagt: sie sagten, die Frauenarbeit ist nichts wert, weil man Tora und Mizwot nur im Werk erfüllt, ihr ganzer Kampf gegen den Trieb ist also nur auf das Werk gerichtet, und nicht, wie der Rambam sagt, dass die Frauenarbeit nur im Tun der Werke besteht und man sie nicht lehrt, dass sie liShma zu beabsichtigen haben. | וכמו כן היו מחליפין מלאכת נשים לאנשים, היינו כנ"ל, שאמרו, עבודת נשים כלום לא שווה, כי זה שמקיימים תורה ומצות רק במעשה, היינו שכל מלחמת היצר שלהם היא רק על המעשה, ולא כדברי הרמב"ם, שעבודת נשים צריכה להיות רק בעשיית מעשים ולא ללמוד אותן שצריכין לכוון לשמה. | Außerdem ersetzten sie die Arbeit der Männer durch die der Frauen, die, wie wir sagten, wertlos ist, weil sie Tora und Gebote nur in der Tat halten. Das bedeutet, dass sich ihr ganzer Krieg gegen den Trieb nur um die Handlung dreht, und nicht, wie Maimonides sagt, dass die Arbeit der Frauen nur darin bestehen sollte, Dinge zu tun und sie nicht zu lehren, dass sie liShma beabsichtigen müssen. |
61 | Darum war es, als die Ägypter kamen und ihnen sagten, sie müssen die Arbeit der Männer verrichten – nämlich mit der Absicht zu geben auszurichten –, eine schwere Arbeit für sie: | אי לזאת, כשבאו המצרים, ואמרו להם, שהם צריכים לעבוד במלאכת אנשים, היינו על כוונות לכון בעמ"נ להשפיע, היתה להם עבודה קשה: | Deshalb war es für sie eine harte Arbeit, als die Ägypter kamen und ihnen sagten, sie müssten die Arbeit der Männer tun, d.h. die Absicht zu geben: |
62 | Erstens: Zum liShma seid ihr überhaupt nicht fähig zu arbeiten. | א. בענין לשמה, בכלל אין אתם מסוגלים לעבוד, | 1.) Was liShma betrifft, so seid ihr völlig unfähig dazu. |
63 | Zweitens: Den Körper zu überwinden und die tätigen Mizwot zu erfüllen war ihnen schwerer als zuvor, bevor die fremden Gedanken der Ägypter kamen und ihnen zu verstehen gaben, das Tun der Mizwot ohne Absicht ist nichts wert, und die Wichtigkeit von Tora und Mizwot im lo liShma erniedrigten. Es zeigt sich also, dass nun durch die Ägypter die Arbeit im Aspekt der Frauen zu einer Sache der Erniedrigung wurde. Und das verursachte ihnen die Fronarbeit, die, wie oben gesagt, ein Zerbrechen von Körper und Lenden ist. | ב. להתגבר על הגוף ולקיים מצות מעשיות היה קשה להם יותר, מטרם שבאו המחשבות זרות של המצריים, ונתנו להם להבין, שמעשה המצות בלי כוונה, כלום לא שוה, והשפילו את החשיבות של תורה ומצות של שלא לשמה. נמצא, שעכשיו ע"י המצרים נעשתה עבודה של בחינות נשים בבחינת השפלות. וזה גרם להם עבודת פרך, כנ"ל, שהיא בחינת שברון הגוף ומותניים. | 2.) Die Überwindung des Körpers und die Einhaltung der praktischen Mizwot war für sie schwieriger, bevor die fremden Gedanken der Ägypter kamen und sie denken ließen, dass die Ausführung der Mizwot ohne Absicht völlig wertlos sei und die Bedeutung der Tora und der Mizwot in lo liShma erniedrigten. So wurde nun durch die Ägypter die Arbeit in der Form der Frauen entwürdigt, und dies verursachte ihnen harte Arbeit, wie es gesagt wurde, dass es das Brechen des Körpers und der Hüfte ist. |
64 | Nach dem Gesagten zeigt sich, dass es drei Deutungen des Wortes „Parech“ gibt. Und es besteht kein Widerspruch zwischen der einen Deutung und der anderen, sondern alle diese drei Dinge waren dort vorhanden; nur fasst jeder die Deutung nach seinem Gegenstand auf. | נמצא לפי הנ"ל, שיש ג' פירושים במילת "פרך". ואין שום סתירה בין פירוש אחד להשני, אלא כל אלו הג' דברים היו שם, אלא כל אחד תופס פירוש לפי ענינו. | Aus all dem folgt, dass es drei Bedeutungen des Wortes Parech [Mühsal/schwere Arbeit] gibt, und doch gibt es keinen Widerspruch zwischen der einen und der anderen Interpretation. Vielmehr waren alle drei Dinge vorhanden, und jeder schlussfolgerte nach seinem eigenen Thema: |
65 | Erstens: Die erste Deutung von „Parech“ – Rabbi Elasar sagt: „be-pe rach“ (mit weichem Mund). | א. הנה פירוש א' ב"פרך" רבי אלעזר אומר ב"פה-רך". | In der ersten Auslegung von BeParech sagt Rabbi Elasar, es sei „in Pe Rach [weicher Mund]“. |
66 | Zweitens: Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte: „bi-Pricha“ (was ein Ausdruck für Zerbrechen ist). | ב. רבי שמואל בר נחמני אמר ב"פריכה" (שהוא לשון שבירה). | Rabbi Shmuel Bar Nachmany sagt „in Pericha „, was „brechen“ bedeutet. |
67 | Drittens: Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen Rabbi Jonatans, sie haben die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer getauscht. | ג. רבי שמואל בר נחמני אמר רבי יונתן, שהיו מחליפין מלאכת אנשים לנשים, ומלאכת נשים לאנשים. | Rabbi Shmuel Bar Nachmany: „Rabbi Jonathan sagte: ‚Sie haben die Arbeit der Männer durch die Arbeit der Frauen ersetzt, und die Arbeit der Frauen durch die Arbeit der Männer.'“ |
68 | Doch alle deuten, dass die Fronarbeit „Pricha“ ist – also ein Zerbrechen des Körpers. Und der Grund, dass es eine so schwere Arbeit war, dass man sie „Arbeit, die Körper und Lenden zerbricht“ nennt, ist, dass sie die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer tauschten. Und das verursacht ihnen die schwere Arbeit, wie oben gesagt. | אולם כולם מפרשים שעבודת פרך היא "פריכה", היינו שברון הגוף. והסיבה, שהיתה עבודה קשה, עד שמכנים עבודה זו "עבודה ששוברת את הגוף והמותניים". והוא מטעם שהיו מחליפין מלאכת אנשים לנשים ומלאכת נשים לאנשים. וזה גורם להם עבודה קשה כנ"ל. | Sie alle schlussfolgern jedoch, dass hartes Arbeiten Pricha [Zertrümmerung] bedeutet, also das Zerbrechen des Körpers. Und der Grund, warum es so harte Arbeit war, dass sie diese Arbeit „Arbeit, die den Körper und die Hüfte bricht“ nannten, ist, dass sie die Arbeit der Männer durch die Arbeit der Frauen und die Arbeit der Frauen durch die Arbeit der Männer ersetzten. Das verursachte ihnen die schwere Arbeit. |
69 | Doch warum hörten sie auf die Ansichten der Ägypter? Weil man zu Israel mit „weichem Mund“ (pe rach) sprach – die Gedanken der Ägypter kamen nämlich mit „weichem Mund“ zu Israel: dass nämlich alles, was sie ihnen zu tun rieten, sie nicht – Gott behüte – von der Arbeit für den Schöpfer entfernen sollte, sondern im Gegenteil, sie wollten sie anleiten, auf glücklichen Wegen die Wege des Schöpfers zu gehen und keine Zeit vergeblich und ohne Nutzen zu vergeuden – ohne also Fortschritt in der heiligen Arbeit zu sehen. Und da sie hörten, dass man mit „weichem Mund“ zu ihnen sprach, fiel es ihnen schwer, diese Gedanken zu überwinden. | אמנם מדוע שמעו להדעות של המצרים. הוא משום שדיברו אל ישראל ב"פה-רך", היינו שהמחשבות של המצרים, שבאו לישראל ב"פה רך", היינו שכל מה שהם אומרים להם לעשות, אינו להרחיק אותם מעבדות ה' חלילה, אלא אדרבה, הם רוצים להדריך אותם ללכת בדרכי ה', בדרך צלחה, ושאל יבזבזו זמן בחינם, ללא תועלת, היינו שלא יראו התקדמות בעבודת הקודש. וכיון ששמעו, שמדברים אליהם ב"פה-רך", היה קשה להתגבר על המחשבות האלו. | Doch warum hörten sie auf die Ansichten der Ägypter? Weil sie mit Pe Rach [einem weichen Mund] zu Israel sprachen, das heißt, die Gedanken der Ägypter kamen mit einem weichen Mund zu Israel. Das heißt, alles, was sie ihnen sagten, sollte sie nicht davon abbringen, dem Schöpfer zu dienen, Gott bewahre. Im Gegenteil, sie wollten sie anleiten, erfolgreich auf den Wegen des Schöpfers zu wandeln, damit sie nicht vergeblich Zeit verschwenden, was bedeutet, dass sie keinen Fortschritt in der Arbeit der Heiligkeit sehen würden. Und da sie mit einem weichen Mund angesprochen wurden, war es für sie schwer, diese Gedanken zu überwinden. |
70 | Daraus geht hervor: Wer sagt, sie haben die Arbeit der Männer gegen die der Frauen getauscht, der gibt eine Erklärung, warum sie auf die Ägypter hörten. Und die Antwort ist: wegen „Parech“ – weil man zu Israel mit „weichem Mund“ (pe rach) sprach. Es zeigt sich also, dass sie aus den beiden genannten Gründen dahin kamen, „Fronarbeit“ (Parech) zu verrichten, die, wie Rabbi Shmuel bar Nachmani sagt, „Parech“ ist – nämlich Arbeit des Zerbrechens (Pricha), eine Arbeit, die den Körper zerbricht. | מזה משמע, זה שאומר, שהיו מחליפין מלאכת אנשים לנשים, הוא נותן הסבר, מדוע היו שומעים להמצרים. והתשובה הוא, מטעם "פרך", שהיו מדברים לישראל ב"פה-רך". נמצא, שמב' סיבות הנ"ל באו לעבוד "עבודת פרך", שהיא כמו שאומר רבי שמואל בר נחמני, "פרך" היינו עבודת פריכה, שהיא עבודה שמשברת את הגוף. | Das deutet darauf hin, dass er, wenn er sagt, dass sie die Arbeit der Männer durch die der Frauen ersetzten, erklärt, warum sie auf die Ägypter hörten. Die Antwort ist, wegen des Parech – dass sie zu Israel mit Pe Rach [einem weichen Mund] sprachen. Aus den beiden oben genannten Gründen kamen sie also, um in der harten Arbeit zu arbeiten, wie Rabbi Shmuel Bar Nachmany sagt: Parech bedeutet Arbeit der Pricha [Zerbrechen], also Arbeit, die den Körper bricht. |
71 | Demnach gilt es zu verstehen: Genügt es dem Volk Israel denn nicht, dass der Schöpfer sie aus Ägypten herausführte – das heißt, dass sie aus ihrer Knechtschaft heraustraten und sich mit Tora und Mizwot beschäftigen konnten, jeder nach seiner Erlangung, und die Klipa Ägyptens keine Kraft hatte, ihrer Arbeit entgegenzustehen? Wie groß ist das Wunder, und wer kann ermessen, wie wichtig das ist! Denn wenn der Mensch sich Rechenschaft gibt, wie viel Leiden und Pein er empfindet, während er im Exil in der Knechtschaft des Pharao, des Königs von Ägypten, liegt, und nach dem Maß, in dem er in seinem Herzen das Ausmaß der Finsternis von „Pitom und Ramses“ ermisst, die sie bauten, wie oben gesagt. | ולפי זה יש להבין, וכי לא מספיק לעם ישראל, בזה שה' הוציא אותם ממצרים, היינו שיצאו מהשעבוד שלהם, והיו יכולים לעסוק בתו"מ, כל אחד לפי השגתו, וקליפת מצריים לא היתה להם כח להתנגד לעבודה שלהם. עד כמה הוא גודל הנס. ומי יכול להעריך את החשיבות שבדבר. כי בזמן שהאדם נותן חשבון לעצמו, כמה יסורים וסבל הוא מרגיש בעת שהוא מונח בגלות בשעבוד פרעה מלך מצריים, ולפי מה שמשער בלבו שיעור החושך "את פתום ורעמסס", שהיו בונים, כנ"ל. | Dementsprechend sollten wir verstehen, warum es für das Volk Israel nicht ausreicht, dass der Schöpfer sie aus Ägypten, aus ihrer Versklavung herausgeführt hat, damit sie sich mit Tora und Mizwot beschäftigen konnten, jeder nach seiner Erlangung, und die Kli pa Ägyptens hatte nicht die Kraft, ihrer Arbeit zu widerstehen. In der Tat, wie groß ist das Wunder, und wer kann die Bedeutung dieser Sache ermessen? Wenn ein Mensch die Menge an Leiden und Qual betrachtet, die er im Exil unter der Versklavung des Pharao, des Königs von Ägypten, empfindet, und das Ausmaß der Dunkelheit von Pitom und Ramses, die er in seinem Herzen annimmt und die er baute. |
72 | Und nun öffneten sich mit einem Mal die Tore der Klipa Ägyptens, und sie zogen in die Freiheit hinaus und traten in den eigenen Besitz ein. Sie hatten nun also die Freiheit, sich mit Tora und Mizwot nach Herzenslust zu beschäftigen, ohne jede Störung. Welche Freude und welchen Aufschwung des Geistes bringt es dem Menschen, wenn er einen Vergleich anstellt zwischen der Zeit der Finsternis und der Zeit, da es ihm leuchtet! Und das ist, wie man sagt: „der zwischen Licht und Finsternis scheidet.“ | ועכשיו, בפעם אחת נפתחו השערים של קליפת מצריים, ויצאו לחופשי, ונכנסו ברשות עצמם. זאת אומרת, שהיתה להם עכשיו חפשיות, שיכולים לעסוק בתו"מ כאוות נפשם, בלי שום הפרעות. איזו שמחה ורוממות רוח היא מביאה לאדם, בזמן שהוא עושה השוואה, בין זמן החושך לזמן שהוא מאיר. וזהו, כמו שאומרים, "המבדיל בין אור לחושך". | Und nun wurden die Tore der Kli pa von Ägypten auf einmal vor ihnen geöffnet und sie kamen unter ihre eigene Herrschaft. Das bedeutet, dass sie sich nun ohne Unterbrechung mit Tora und Mizwot beschäftigen konnten, wie sie wollten. Welche Freude und welches Hochgefühl bringt es einem Menschen, wenn er die Zeit der Dunkelheit mit der Zeit der Erleuchtung vergleicht. Es ist so, wie es heißt: „Er, der zwischen Dunkelheit und Licht trennt.“ |
73 | Danach muss man verstehen, warum man wissen muss, dass nur der Schöpfer es ist, der euch aus den Lasten Ägyptens herausführt, nach der Deutung der Weisen: „Wenn ich euch herausführe, werde ich euch eine Sache tun, damit ihr erkennt, dass ich es bin, der euch aus Ägypten herausgeführt hat“ – wie geschrieben steht „Denn ich bin der Schöpfer, euer Gott, der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens.“ | ובהאמור צריכים להבין, מהו ענין הנחיצות לדעת, שרק כי ה' הוא המוציא אתכם מתחת סבלות מצרים, כדרשת חז"ל, "כד מפקינא לכו עבדינא, לכו מלתא, כי היכי דידעתו דאנא הוא דאפקית יתכון ממצרים", דכתיב [כאשר אוציא אתכם, אעשה לכם דבר, כדי שתדעו שאני שהוצאתי אתכם ממצרים", כתוב] "כי אני ה' אלקיכם, המוציא אתכם מתחת סבלות מצרים". | Nach dem oben Gesagten sollten wir die Notwendigkeit verstehen, zu wissen, dass nur der Schöpfer sie von den Lasten der Ägypter befreit, wie unsere Weisen sagten: „Wenn ich euch ausführe, werde ich etwas für euch tun, um euch zu zeigen, dass ich es bin, der euch aus Ägypten herausgeführt hat, wie es geschrieben steht: ‚Ich bin der Ewige, euer Gott, der euch aus der Last der Ägypter herausgeführt hat.'“ |
74 | Und es ist so: Man muss sich immer an das Ziel erinnern, das wir erreichen müssen. Und da das Ziel der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, ist unser Ziel, das Gute und den Genuss zu empfangen, die Er für uns gedacht hat. Doch zum Zweck der Korrektur, die „Anhaftung“ (Dwekut) heißt – deren Sinn die Angleichung der Form ist –, haben wir eine Arbeit, um die Kelim des Gebens zu erlangen. Aber das ist nur die Korrektur der Schöpfung und nicht die Vollkommenheit. Und die Vollkommenheit heißt „Erkenntnis des Schöpfers“: die Tora zu erkennen und zu erlangen, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird. | והענין, שצריכים תמיד לזכור את המטרה שאנו צריכים להגיע אליה. והיות שמטרת הבריאה היא להטיב לנבראיו, אי לזאת המטרה שלנו היא, שאנחנו נקבל את הטוב והעונג שחשב בעדינו. אולם, לצורך תיקון, הנקרא "דביקות", שענינו הוא השתוות הצורה, לכן יש לנו עבודה, בכדי להשיג את הכלים דהשפעה. אבל זה הוא רק תיקון הבריאה ולא שלימות. והשלימות נקרא "ידיעת ה'", לדעת ולהשיג את התורה, הנקראת "שמותיו של הקב"ה". | Die Sache ist die, dass wir uns immer an das Ziel erinnern müssen, das wir erreichen müssen. Und da es das Ziel der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, ist unser Ziel, die Freude und den Genuss zu empfangen, die Er für uns vorgesehen hat. Aber für die Korrektur, Dwekut [Anhaftung] genannt, bei der es um die Gleichwertigkeit der Form geht, müssen wir arbeiten, um die Gefäße des Gebens zu erhalten. Doch das ist nur die Korrektur der Schöpfung , nicht die Ganzheit. Ganzheitlichkeit bedeutet, den Schöpfer zu kennen, die Tora zu kennen und zu erlangen, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird. |
75 | Demnach genügt es nicht, dass wir bereits die Kraft haben, Tora und Mizwot ohne jede Störung zu erfüllen; denn das ist nur Korrektur und nicht die Vollkommenheit des Ziels. Und die Vollkommenheit des Ziels ist, die Erkenntnis der Tora zu erlangen, im Aspekt von „Die Tora, Israel und der Schöpfer sind eins.“ Und das ist es, was die Weisen sagten: „So sprach der Schöpfer zu Israel: ‚Und ihr werdet erkennen, dass ich der Schöpfer, euer Gott, bin, der euch herausführt‘ – ‚ich und kein Bote‘“ – was bedeutet, dass die ganze Gesamtheit zur Erkenntnis des Schöpfers gelangen muss, die „Tora“ im Sinne der Namen des Schöpfers heißt. | ולפי זה לא מספיק שיש לנו כבר כח לקיים התו"מ בלי שום הפרעות, כי זהו רק תיקון, ולא שלימות המטרה. ושלימות המטרה, להשיג את ידיעת התורה, מבחינת "אורייתא וישראל וקוב"ה חד איהו". וזה מה שאמרו חז"ל "הכי קאמר קב"ה לישראל, וידעתם כי אני ה' אלקיכם, המוציא, כי אני ולא שליח", שפירושו, שכל הכלל כולו צריך להגיע לידיעת ה', שזו נקראת "תורה" בבחינת שמותיו של הקב"ה. | Dementsprechend reicht es nicht aus, dass wir bereits die Kraft haben, Tora und Mizwot ohne Störungen zu halten, denn dies ist nur eine Korrektur, nicht das vollkommene Ziel. Das vollkommene Ziel ist es, die Erkenntnis der Tora zu erlangen, wie in: „Die Tora , Israel und der Schöpfer sind eins.“ Deshalb sagten unsere Weisen: „Das ist es, was der Schöpfer zu Israel gesagt hat: ‚Und ihr sollt wissen, dass ich der Ewige, euer Gott, bin, der euch herausgeführt hat‘, ich und nicht ein Bote.“ Das bedeutet, dass jeder Einzelne den Schöpfer kennen lernen soll, und das nennt man „ Tora „, die Namen des Schöpfers. |
Rabash – 1986 – Artikel 13 (תשמ״ו – מאמר י״ג)
„Komm zum Pharao – 2“
Der Sohar fragt: „Es heißt ‚Komm zum Pharao‘ – doch es hätte ‚Geh zum Pharao‘ heißen müssen usw. Da der Schöpfer sah, dass Moses sich fürchtete und auch andere bestellte Abgesandte droben sich ihm nicht nähern konnten, sprach der Schöpfer: ‚Siehe, ich bin gegen dich, Pharao, König von Ägypten, das große Ungeheuer, das inmitten seiner Ströme lagert.‘ Der Schöpfer selbst musste also gegen ihn Krieg führen und kein anderer, wie geschrieben steht ‚Ich, der Schöpfer‘, was die Weisen deuteten: ‚Ich und kein Bote.‘“ So weit seine Worte (zu Beginn des Wochenabschnitts Bo).
Der Unterschied zwischen „komm“ und „geh“ ist: „Komm“ bedeutet, dass wir zusammen gehen, so wie ein Mensch zu seinem Freund sagt: „Komm.“
Das gilt es zu verstehen. Denn der Sohar fragt: Warum musste der Schöpfer mit Moses gehen? Moses allein konnte den Kampf gegen ihn nicht führen, sondern nur der Schöpfer selbst und kein anderer. Warum also brauchte es Moses, dass er mit dem Schöpfer ging? Es heißt doch „Ich und kein Bote“. Welchen Nutzen bringt es dann, dass der Schöpfer zusammen mit Moses zum Pharao ging, der „Ungeheuer“ genannt wird? Er hätte doch auch ohne Moses zum Pharao gehen können.
Und noch etwas gilt es zu verstehen, das die Weisen sagten (Kiddushin 30b): „Resh Lakish sagte: Der böse Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag und sucht ihn zu töten, wie es heißt ‚Der Frevler lauert dem Gerechten auf‘; und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er nicht gegen ihn bestehen, wie es heißt ‚Der Schöpfer überlässt ihn nicht seiner Hand.‘“
Auch hier stellt sich die Frage: Wenn der Mensch aus eigener Kraft nicht siegen kann, sondern der Schöpfer helfen muss – warum dann diese Verdoppelung? Entweder gibt der Schöpfer dem Menschen die Kraft, ihn allein zu überwinden, oder der Schöpfer tut alles. Warum braucht es hier zwei Kräfte – zuerst die des Menschen und dann die des Schöpfers –, als ob man das Böse nur durch beide zusammen überwinden könnte und eine Kraft nicht genügt?
Es ist bekannt, dass die Vollkommenheit des Menschen darin liegt, das Ziel der Schöpfung zu erreichen: den Zweck zu erlangen, für den die Welt erschaffen wurde und der „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ heißt. Das bedeutet, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss empfangen sollen, die Er ihnen zugedacht hat.
Bis dahin heißt die Schöpfung noch nicht eine dem Schöpfer angemessene Schöpfung. Denn bekanntlich sollen aus dem vollkommenen Wirkenden vollkommene Werke hervorgehen: dass alle die Schönheit spüren, die in der Schöpfung liegt, dass jeder Einzelne die Schöpfung rühmen und preisen kann, dass alle den Schöpfer für die Schöpfung, die Er schuf, preisen und Ihm danken können, und dass alle sagen können „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand“. Das bedeutet, dass alle den Schöpfer dafür segnen, dass Er eine gute, genussvolle Welt erschuf, und dass alle fröhlich und froh sind über das Wohlgefühl, das sie aus der Fülle der Genüsse empfinden, die sie in der Welt empfangen.
Wenn der Mensch jedoch zu prüfen beginnt, ob er wirklich mit seinem Leben zufrieden ist – wie viel Wohlgefühl er aus sich selbst und aus seiner Umgebung schöpft –, dann sieht er das Gegenteil: Alle leiden Qualen und Schmerzen, und jeder leidet auf andere Weise. Und wenn der Mensch sagen soll „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand“, dann sieht er, dass er es nur mit den Lippen sagt.
Bekanntlich aber kann sich das Gute und der Genuss in der Welt nicht offenbaren, bevor die Welt Kelim des Gebens hat. Denn unsere Gefäße des Empfangens sind noch durch das eigennützige Empfangen beschmutzt, das in seinem Maß sehr eng ist und uns zudem vom Schöpfer trennt. (Über den Gefäßen des Empfangens lag also der erste Zimzum [Einschränkung], damit dort keine Fülle leuchte. Siehe Vorwort zum Buch Sohar, Blatt 138, im Sulam.)
Um aber die Kelim des Gebens zu erlangen, beginnen hier Streit und Kämpfe, denn das ist gegen unsere Natur. Und dafür wurden uns Tora und Mizwot gegeben, um zur Stufe des Gebens zu gelangen, wie die Weisen sagten: „Ich erschuf den bösen Trieb, ich erschuf die Tora als Gewürz“ (Kiddushin 30).
Ebenso wurde uns die Mizwa „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gegeben. Und Rabbi Akiva sagt: „Das ist ein großes Prinzip in der Tora“ (Bereshit Rabba, Abschnitt 24). Indem nämlich der Mensch an der Liebe zu den Freunden arbeitet, gewöhnt er sich daran, aus der Eigenliebe herauszutreten und zur Liebe zum Nächsten zu gelangen.
Allerdings gilt es zu verstehen, was wir mit eigenen Augen sehen: Es gibt Menschen, die Kräfte in die Liebe zu den Freunden investieren und dennoch der Liebe zum Schöpfer nicht ein Haarbreit nähergekommen sind, sodass sie aus Liebe zum Schöpfer in Tora und Mizwot arbeiten könnten. In der Freundesliebe, sagen sie, kommen sie ein wenig voran, doch in der Liebe zum Schöpfer sehen sie keinen Fortschritt. Man muss jedoch wissen, dass es auch in der Freundesliebe Stufen gibt – man muss also über die Verpflichtung der Freundesliebe nachdenken.
Denn man kann es mit einem Gebäude vergleichen, das zwei Stockwerke und ein Erdgeschoss hat. Der König befindet sich im zweiten Stock. Wer zum König gelangen will – dessen ganzes Ziel also nur ist, von Angesicht zu Angesicht mit dem König zu sprechen –, dem sagt man, er muss zuerst in den ersten Stock hinaufsteigen; denn man kann nicht in den zweiten Stock gelangen, bevor man in den ersten gelangt ist.
Sicher versteht jeder, dass das richtig ist. Doch es gibt einen Grund dafür, dass man in den ersten Stock steigen muss – er heißt „Korrekturen“. Denn indem der Mensch in den ersten Stock hinaufsteigt, kann er dort lernen, wie man von Angesicht zu Angesicht mit dem König spricht, und es wird ihm möglich sein, vom König zu erbitten, was sein Herz begehrt. Der Mensch, der hörte, dass man zuerst in den ersten Stock und danach erst in den zweiten steigen kann, verstand das sehr gut. Da aber sein ganzes Verlangen ist, den König zu sehen, und er sich um nichts anderes sorgt, war das, was man ihm sagte – dass er erst in den ersten Stock muss –, für ihn eine Last und eine Bürde.
Aber es bleibt keine Wahl. So steigt er in den ersten Stock, und es kümmert ihn nicht, sich anzusehen, was dort ist, obwohl er hörte, dass man im ersten Stock lernt, wie man mit dem König spricht. Doch er achtet nicht darauf, denn das ist nicht sein Ziel. Sein Ziel ist der König und nicht das, was er im ersten Stock lernen könnte; denn sein Ziel ist nicht das Studium, sondern das Gesicht des Königs zu sehen. Warum sollte er Zeit auf belanglose Dinge verwenden? Vor dem König selbst ist ja alles wie nichts und nichtig. Warum also sollte er sich dafür interessieren, was man im ersten Stock lernt?
Und darum, wenn er in den ersten Stock steigt, hat er kein Verlangen, dort zu bleiben, sondern will sofort in den zweiten Stock hinauf, wo der König selbst ist; denn das ist sein ganzes Verlangen. Man aber sagt ihm: Bevor du die Gesetze lernst, die im ersten Stock gelten, wirst du sicher die Ehre des Königs verletzen. Darum kannst du nicht hoffen, in den zweiten Stock steigen zu können, bevor du alles gelernt hast, was im ersten Stock zu lernen ist.
Ebenso ist es bei der Freundesliebe: So hörten wir, dass man der Liebe zum Schöpfer nicht würdig werden kann, bevor der Mensch der Liebe zu den Freunden würdig geworden ist – wie Rabbi Akiva sagte, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist ein großes Prinzip in der Tora. Wenn er sich also mit der Freundesliebe beschäftigt, betrachtet er sie nicht als etwas von Wert und Gewicht, sondern als etwas Überflüssiges.
Er geht daran, sie zu erfüllen, nur weil keine Wahl bleibt, und ständig wartet er darauf: Wann werde ich der Liebe zum Schöpfer würdig, sodass ich mich von der Freundesliebe befreien kann? Denn diese Arbeit ist mir Last und Bürde. Es fällt mir sehr schwer, meine Freunde zu ertragen, da ich sehe, dass jeder von ihnen eine andere Wesensart hat als ich und ich nichts mit ihnen gemeinsam habe. Nur gegen meinen Willen, weil mir keine Wahl bleibt – da man mir sagte, dass ich ohne Freundesliebe nicht zur Liebe zum Schöpfer gelangen kann –, sitze ich notgedrungen mit ihnen.
Aber ich kann mir sagen: Was gewinne ich von den Freunden? Nur eines – dass ich mich selbst durch eine Art Kasteiung korrigiere, dadurch dass ich mit ihnen zusammensitze und die Reden der Freunde ertrage, die mir nicht zusagen und meiner Wesensart zuwider sind. Doch was tun? Man sagt mir, dass ich in dieser Welt leiden muss; also leide ich, und ich sitze da und warte, wann die Zeit kommt, da ich vor ihnen fliehen kann und nicht mehr auf die Niedrigkeit blicken muss, die ich an ihnen sehe.
Es zeigt sich also, dass er aus der Freundesliebe nicht das Heilmittel nimmt, das „Liebe zum Nächsten“ heißt, sondern sich mit ihr nur beschäftigt, weil man ihm sagte, es bleibt keine Wahl, sonst kann er die Liebe zum Schöpfer nicht erreichen. Darum beschäftigt er sich mit der Freundesliebe und erfüllt alle Verpflichtungen, die die Freunde ihm auferlegen. Doch was er von ihnen lernen sollte, das ist ihm fern. Aus der Eigenliebe tritt er also nicht heraus, und zur Liebe zum Nächsten gelangt er nicht. Und er erfüllt die Freundesliebe nicht aus Liebe, sondern aus Ehrfurcht: Da man nicht in die Liebe zum Schöpfer eintreten lässt, bevor man in die Freundesliebe eingetreten ist, fürchtet er, die Freundesliebe nicht zu erfüllen – denn dann ließe man ihn nicht in die Liebe zum Schöpfer eintreten.
Das gleicht dem Gleichnis: Man ließ ihn nicht in den zweiten Stock, wo der König ist, bevor er zuvor in den ersten Stock gestiegen war. Und die Absicht ist, dass er die Gesetze lernt, wie man die Ehre des Königs wahrt. Dann wäre es vernünftig, dass er sich freut, sobald er in den ersten Stock eintritt; denn er lernt nun, wie man auf die Ehre des Königs achtet, und er gewinnt dadurch, dass er danach, wenn er in den Palast des Königs tritt, die Ehre des Königs nicht – Gott behüte – verletzt. Solange er also im ersten Stock ist, achtet er darauf, wie all die Gesetze dort gehandhabt werden, und gewöhnt sich an sie; denn er will zum König eintreten, um dem König zu geben, und keinesfalls die Ehre des Königs gering zu achten.
Und das lässt sich nur von dem sagen, der zum König eintreten will, um dem König Wohlgefallen zu bereiten. Wer aber aus eigennützigem Empfangen zum König eintreten will, der betrachtet alles, was im ersten Stock ist, als überflüssig, als etwas, das ihn nicht interessiert. Dass er in den ersten Stock steigen muss, geschieht nur aus Furcht; denn er weiß, dass man ihn nicht in den zweiten Stock steigen lässt, bevor er in den ersten gestiegen ist. Doch er hat kein Bedürfnis, die Gesetze zu lernen, die man dort lernt, um die Ehre des Königs nicht zu verletzen – weil sein ganzes Wollen, zum König einzutreten, allein aus Eigenliebe kommt.
Darum müssen wir wissen: Dass uns die Freundesliebe gegeben wurde, ist, um aus ihr zu lernen, die Ehre des Königs nicht zu verletzen. Hat er nämlich nicht das Verlangen, einzig dem König Wohlgefallen zu bereiten, dann wird er sicher die Ehre des Königs verletzen – er liefert also Heiligkeit an die Äußeren aus. Darum soll man die Wichtigkeit der Arbeit an der Freundesliebe nicht gering achten; denn aus ihr lernt der Mensch, wie man aus der Eigenliebe heraustritt und den Weg der Liebe zum Nächsten betritt. Und wenn er die Arbeit der Freundesliebe vollendet, dann kann er der Liebe zum Schöpfer würdig werden.
Und man muss wissen, dass die Freundesliebe einen Vorzug hat: Der Mensch kann sich nicht selbst betrügen und sagen, er liebe die Gemeinschaft, wenn er sie in Wahrheit nicht liebt. Denn hier kann er sich selbst prüfen, ob er wirklich Freundesliebe hat oder nicht. Anders bei der Liebe zum Schöpfer: Da kann der Mensch sich nicht selbst prüfen, ob seine Absicht die Liebe zum Schöpfer ist – ob er also dem Schöpfer geben will oder ob sein Verlangen ist, zu empfangen, um zu empfangen.
Doch man muss wissen: Nach all den Korrekturen, die der Mensch ohne die Hilfe des Schöpfers tun kann, wird er keinen Fortschritt in der Arbeit des Gebens erlangen. Und wir fragten: Warum muss der Mensch dann Werke tun, um danach der Hilfe des Schöpfers würdig zu werden? Der Schöpfer kann doch auch ohne die Werke der Unteren helfen, da die Arbeit des Menschen ohnehin zu keinem Fortschritt in der Arbeit verhilft.
Es ist so: Beginnt der Mensch die Arbeit nicht, dann weiß er nicht, dass er die Kämpfe gegen den Trieb nicht gewinnen kann. Beginnt der Mensch hingegen, in der Arbeit für den Schöpfer zu wandeln, und tut, was in seiner Macht steht, dann kann er ein wahres Gebet sprechen, dass der Schöpfer ihm hilft.
Aber warum will der Schöpfer, dass er ein wahres Gebet spricht? Bei einem Menschen aus Fleisch und Blut kann man sagen, dass er will, dass man ihn aufrichtig bittet. Denn bei einer aufrichtigen Bitte, die der Mensch an seinen Nächsten richtet, dankt ihm der Nächste aufrichtig. Und der Mensch aus Fleisch und Blut, der der Ehre nachjagt, hat an diesem Dank Genuss, weil der andere sich gleichsam vor ihm erniedrigt. Doch beim Schöpfer – braucht Er etwa die Ehre der Menschen, die sie Ihm erweisen? Warum also will der Schöpfer, dass der Mensch Ihm ein wahres Gebet aus der Tiefe des Herzens spricht?
Vielmehr ist es, wie bekannt, so: Es gibt kein Licht ohne Kli. Man kann dem Menschen nichts geben, das ihm sehr wichtig wäre, wenn er kein Verlangen danach hat: Dann wird er es gering achten, es nicht bewahren, und es geht verloren. Denn das Bedürfnis nach einer Sache richtet sich danach, wie sehr sie ihm fehlt, und das verleiht ihr die Wichtigkeit. Und nach dem Maß der Wichtigkeit weiß er das Geschenk so zu bewahren, dass es nicht verloren geht – denn sonst ginge alles zu den Klipot (Schalen).
Das nennt man, den Klipot Nahrung zu geben: Alles geht zu den Gefäßen des Empfangens, die alles, was der Mensch an Dingen der Heiligkeit gering achtet, in ihren Besitz nehmen. Daraus wissen wir, warum der Mensch die Arbeit beginnen muss. Doch warum gab der Schöpfer dem Menschen nicht die Kraft, die Arbeit allein zu vollenden, ohne die Hilfe des Schöpfers?
Bekanntlich deutet der Sohar den Ausspruch der Weisen „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man.“ Und es fragt: „Womit?“ Und es antwortet: „Mit einer heiligen Seele“ – das heißt, er empfängt ein Leuchten von oben, das „Seele“ (Neshama) heißt und „Erlangung der Göttlichkeit“ genannt wird; und das ist eingeschlossen im Schöpfungsgedanken, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Es zeigt sich also: Dadurch, dass er ein Kli und ein Verlangen nach dem Kli des Gebens hat, empfängt er danach das Licht, das „Seele“ heißt. Beides also ist nötig: Der Mensch beginne – damit erlangt er ein Kli. Und dadurch, dass er es allein nicht vollenden kann, schreit er zum Schöpfer, dass Er hilft – und dann empfängt er das Licht.
Damit verstehen wir das Geschriebene: „Komm zum Pharao, denn ich habe sein Herz und das Herz seiner Knechte verstockt, damit ich diese meine Zeichen in seiner Mitte setze.“ Die Leute fragen: Warum verstockte der Schöpfer sein Herz? Die Schrift antwortet: „Damit ich diese meine Zeichen in seiner Mitte setze.“ Und die Deutung lautet: Warum verstockte der Schöpfer das Herz des Menschen, sodass er den Kampf gegen den Trieb nicht allein gewinnen kann?
Und die Antwort ist: Die Absicht ist, dass der Mensch zum Schöpfer schreit und dadurch ein Kli hat. Und dann kann der Schöpfer in dieses Kli die Buchstaben der Tora in seinem Innern legen – das ist die Seele, die der Schöpfer ihm als Hilfe gibt. Und das ist der Sinn von „Die Tora und der Schöpfer sind eins“: Mit „meinen Zeichen“ sind die Buchstaben der Tora gemeint, im Sinne der Namen des Schöpfers. Und das ist der Aspekt „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“, der Aspekt des Schöpfungsgedankens, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und das kommt zum Menschen gerade dann, wenn er ein Kli hat. Dieses Kli aber kommt durch die Verstockung des Herzens; denn dann gibt es Raum, zum Schöpfer zu schreien, dass Er hilft. Und Er hilft mit einer heiligen Seele, wie oben gesagt.
Damit verstehen wir den Sinn von „Komm zum Pharao“ – das heißt: wir beide zusammen, nämlich der Mensch muss beginnen. Und dann sieht er, dass er ihn nicht besiegen kann. Darauf deutet, dass Moses sich fürchtete, an ihn heranzutreten. Und dann sprach der Schöpfer „Siehe, ich bin gegen dich, Pharao“ – da kam die Hilfe vom Schöpfer. Und womit? Mit einer heiligen Seele, wie oben in den Worten des Sohar.
Es zeigt sich also, dass die Verstockung des Herzens – wie geschrieben steht „denn ich habe sein Herz verstockt“ – dazu geschah, dass Raum für das Gebet ist. Und dieses Gebet ist nicht wie das eines Menschen aus Fleisch und Blut, der Ehre will, dass man ihn bittet, um dadurch geehrt zu werden. Vielmehr ist hier die Absicht des Gebets, dass er ein Kli hat – nämlich ein Bedürfnis nach der Hilfe des Schöpfers. Denn es gibt kein Licht ohne Kli. Und sobald der Mensch sieht, dass er sich selbst in nichts helfen kann, hat er das Bedürfnis, dass der Schöpfer ihm hilft.
Und das ist der Sinn dessen, was die Weisen sagten: „Der Schöpfer sehnt Sich nach dem Gebet der Gerechten.“ Auch hier stellt sich die Frage: Braucht der Schöpfer etwa die Demut des Menschen, dass er Ihn bittet? Vielmehr, wie oben gesagt: Da Sein Wille ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, es aber kein Licht ohne Kli gibt, sehnt Er Sich nach dem Gebet der Gerechten; denn dadurch enthüllen sie Kelim, in die Er geben kann. Daraus folgt: Sobald der Mensch sieht, dass er das Böse in sich nicht überwinden kann, das ist die wahre Zeit, vom Schöpfer Hilfe zu erbitten.
Nach dem Gesagten verstehen wir, was der Schöpfer sprach: „Und ich nehme euch mir zum Volk und werde euch ein Gott sein, und ihr werdet erkennen, dass ich der Schöpfer, euer Gott, bin, der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens“ (Wa’era).
Und die Weisen im Traktat Berachot (38a) deuteten dies so: „‚Der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens.‘ Und die Weisen [sagten]: So sprach der Schöpfer zu Israel: Wenn ich euch herausführe, werde ich euch eine Sache tun, damit ihr erkennt, dass ich es bin, der euch aus Ägypten herausgeführt hat – wie geschrieben steht ‚Denn ich bin der Schöpfer, euer Gott, der euch herausführt.‘“ So weit.
Daraus geht hervor, dass es nicht genügt, dass der Schöpfer das Volk Israel aus Ägypten herausführte, sodass sie von der Pein und den Leiden befreit wurden, die sie dort erlitten. Spricht man nämlich von der Arbeit für den Schöpfer, dann stellt sich die Frage: Genügte es nicht, dass sie nun von der Knechtschaft des Exils frei wurden – wo sie wegen der Herrschaft des Pharao dem Schöpfer nicht dienen konnten und alles, was sie sich an Stellung in der Arbeit aufbauten, in der Erde verschlungen wurde? So deuteten die Weisen (Sota, Blatt 11): „‚Pitom und Ramses.‘ Rav und Shmuel: Der eine sagte, ihr Name ist Pitom; und warum hieß sie Ramses? Weil ihr Bauwerk Stück um Stück zerbröckelte (mitroses).“ Und Rashi erklärt: Wenn sie ein wenig bauten, zerbröckelte und fiel es; sie bauten wieder, und es fiel. „Und der andere sagte, ihr Name ist Ramses; und warum hieß sie Pitom? Weil Stück um Stück der Schlund des Abgrunds (pi tehom) sie verschlang.“
Wir sehen, dass Rav und Shmuel nicht über den Sachverhalt streiten, sondern über die Deutung. Der Sachverhalt war dort: Alles, was sie bauten, fiel. Gemeint ist: Jedes Mal, wenn sie sich ein Bauwerk in der Arbeit errichteten, kamen die Ägypter – das heißt die fremden Gedanken der Ägypter – und rissen all ihre Arbeit nieder. All ihre Arbeit also, in der sie mit ganzer Kraft arbeiteten, um sich zu überwinden und die heilige Arbeit zu verrichten, wurde in der Erde verschlungen. Und Tag für Tag mussten sie von neuem beginnen. Und es schien ihnen, als hätten sie sich nie mit der heiligen Arbeit beschäftigt. Mehr noch: Jedes Mal, wenn sie meinten, sie mussten vorwärtsgehen, sahen sie, dass sie nicht nur nicht vorankamen, sondern rückwärtsgingen; denn immer stiegen in ihnen neue Fragen nach dem „Wer und Was“ auf.
Demnach gilt es, diesen Auszug aus Ägypten zu verstehen: dass sie nämlich nun dem Schöpfer ohne die fremden Gedanken der Ägypter dienen konnten. Was also will uns dieses Wissen, von dem geschrieben steht „und ihr werdet erkennen“, sagen – dass wir wissen sollen, dass der Schöpfer es ist, der sie aus dem Land Ägypten herausführt? Und noch mehr ist zu verwundern: Betrachtet man die ägyptische Knechtschaft, in der sie Fronarbeit verrichteten, und sie wurden davon befreit – was fehlt ihnen dann noch?
Und was ist Fronarbeit (Awodat Parech)? Die Weisen deuteten (Sota 11b): „‚Mit all ihrer Arbeit, zu der man sie hart (be-Parech) zwang.‘ Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen Rabbi Jonatans: Sie tauschten die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die Arbeit der Frauen gegen die der Männer. ‚Und die Ägypter knechteten die Kinder Israels mit Härte (be-Parech).‘ Rabbi Elasar sagt: mit weichem Mund (be-pe rach).“
Und es gilt zu verstehen, was „mit Härte“ auf dem Wege der heiligen Arbeit bedeutet. Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden:
Erstens die Handlung, die der „offenbarte Teil“ heißt – das, was dem Menschen offenbar ist und wovon man nicht sagen kann, dass er sich irrt oder sich selbst betrügt; denn was den Augen offenbar ist, daran kann kein Irrtum sein. Denn das Tun der Mizwot und das Studium der Tora sieht er, und auch andere können sehen, ob er Werke von Tora und Mizwot tut oder nicht.
Zweitens die Absicht. Und das heißt der „verborgene Teil“; denn die Absicht in der Handlung, die der Mensch tut, können andere nicht sehen. Und auch er selbst kann die Absicht des Tuns nicht sehen; denn bei den Absichten gibt es Raum, sich zu irren und sich selbst zu betrügen. Denn nur bei dem, was den Augen offenbar ist – dem „offenbaren Teil“ –, können alle die Wahrheit sehen. Was aber von der Absicht des Herzens und vom Denken des Verstandes abhängt, darin kann sich der Mensch nicht auf sich selbst verlassen. Es zeigt sich also, dass es ihm selbst und den anderen verborgen ist.
Nun können wir den Sinn der „Fronarbeit“ deuten, von der gesagt wurde, „sie tauschten die Arbeit der Männer gegen die der Frauen“. Denn „Arbeit der Männer“ heißt, dass er bereits ein Mann (Gever) ist, der sein Böses überwinden und sich mit Tora und Mizwot im Aspekt der Handlung beschäftigen kann. Was also soll er tun, wenn er schon ein Mann (Isch) heißt, also ein Mann des Krieges, der sein Böses im Aspekt der Handlung bekämpfen kann? Dann ist die Zeit gekommen, dass er seine Arbeit im zweiten Aspekt beginnt – wie oben gesagt, im Aspekt des Verborgenen, das die Absicht ist – und sich von nun an bemüht, all seine Handlungen darauf auszurichten, dass sie mit der Absicht geschehen, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, und nicht zum eigenen Nutzen.
Und was taten die Ägypter, als sie sahen, dass er ein Mann ist, fähig, aus ihrer Herrschaft herauszutreten und in die Heiligkeit einzutreten? Da tauschten sie ihre Arbeit aus und gaben ihnen „Frauenarbeit“. Ihre ganze Arbeit sollte also Frauenarbeit sein; denn die Ägypter gaben ihnen zu verstehen: Wer braucht schon Absichten? Die Hauptsache sind die Werke. Und hier, in den Werken, wirst du Erfolg haben, wie du siehst, dass du ein Mann bist, der das Böse in sich überwinden und sich mit Tora und Mizwot in all ihren Einzelheiten und Feinheiten beschäftigen kann. Und du sollst deine ganze Tatkraft darauf verwenden, in Tora und Mizwot noch genauer zu sein.
Aber beschäftige dich nicht mit Absichten – diese Arbeit ist nicht für dich, sondern für einige wenige Auserwählte. Trittst du nämlich in die Arbeit des Gebens ein – achtest du nämlich darauf, dass man bei jeder Sache die Absicht haben muss, dass sie um des Himmels willen ist –, so wirst du schon keine Kräfte mehr haben, im offenbaren Werk so genau zu sein, wo du dich nicht selbst betrügst. Denn du siehst, was du tust. Dort also hast du Raum, dich auszubreiten, sodass all deine Werke in all ihren Einzelheiten und Feinheiten geschehen.
Bei den Absichten hingegen hast du keine wahre Prüfung. Darum raten wir dir – zu deinem Besten; und denke nicht, dass wir dich – Gott behüte – von der heiligen Arbeit abbringen wollen. Im Gegenteil, wir wollen, dass du in der Würde der Heiligkeit aufsteigst.
Und das nennt man, dass „sie die Arbeit der Männer gegen die der Frauen tauschten“. Anstatt die Arbeit zu tun, die den Männern zukommt, erklärten sie dem Volk Israel, es ist besser für sie, Frauenarbeit zu verrichten – nämlich das, was den Frauen zukommt.
Und „die Arbeit der Frauen gegen die der Männer“ bedeutet: Diese Menschen haben keine Kraft der Überwindung, sondern „ihre Kraft erschlaffte wie die einer Frau“ – sie waren also schwach im Erfüllen von Tora und Mizwot und hatten nicht die Kraft, die Mizwot auch nur im Aspekt des Offenbaren zu wahren und zu erfüllen, der allein „Aspekt der Handlung“ heißt. Und ihre ganze Arbeit der Überwindung lag nur im Aspekt der Handlung und nicht im Aspekt der Absicht.
Da kamen die Ägypter zu ihnen und gaben ihnen zu verstehen: Wir wollen euch nicht in der heiligen Arbeit stören – im Gegenteil, wir wollen, dass ihr wahre Diener des Schöpfers werdet. Wir sehen ja, dass ihr die heilige Arbeit verrichten wollt. Darum raten wir euch: Die Hauptsache der Arbeit ist nicht die Handlung, sondern die Hauptsache ist die Absicht. Statt euch also mit der Überwindung im Aspekt der Handlung zu mühen – euch also daran zu gewöhnen, euren Körper zu überwinden, um noch eine Stunde zu lernen oder noch eine halbe Stunde zu beten, und euch zu bemühen, ‚Gepriesen sei Er‘ und ‚Gepriesen sei Sein Name‘ und ‚Amen‘ zu antworten und während der Wiederholung des Vorbeters nicht zu reden –: Wer braucht das?
Die Hauptsache ist die Absicht um des Himmels willen. Darauf müsst ihr all eure Anstrengungskraft verwenden. Wozu sollt ihr eure Kraft auf belanglose Dinge vergeuden? Zwar muss man vom Gesetz (Halacha) her all diese kleinen Dinge erfüllen, doch das ist keine Arbeit für euch – das gehört zur Frauenarbeit. Ihr aber sollt die Arbeit der Männer verrichten. Und dass ihr nur im Werk arbeiten wollt, das ziemt euch nicht. Ihr sollt ja vor allem auf die Absicht hin gehen – nämlich jede Kraft, die ihr habt, etwas zu tun, sollt ihr dazu verwenden, die Absicht darauf zu richten, dass alles um des Himmels willen ist. Aber denkt nicht, dass wir euch – Gott behüte – von der Arbeit für den Schöpfer abhalten wollen. Im Gegenteil, wir wollen, dass ihr in der Würde der Heiligkeit aufsteigt und zur Vollkommenheit gelangt, die da heißt, dass all eure Werke nur mit der Absicht geschehen, eurem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.
Und da sie auf der Stufe der „Frauen“ sind – sie haben nämlich noch nicht die Kraft, sich auch nur im Aspekt der Handlung zu überwinden, was „ihre Kraft erschlaffte wie die einer Frau“ heißt –, gaben die Ägypter ihnen zu verstehen, die Hauptsache ist die Absicht, nämlich liShma. Damit waren die Ägypter sicher, dass sie nicht die Kraft haben würden, in der heiligen Arbeit weiterzugehen und sich zu überwinden.
Und das ist nach den Worten des Rambam (Maimonides), der schrieb (Hilchot Teshuwa, Kap. 10): „Und die Weisen sagten: Immer beschäftige sich der Mensch mit der Tora, auch lo liShma, denn aus dem lo liShma gelangt er zum liShma. Darum lehrt man die Kleinen, die Frauen und die ungebildete Menge im Allgemeinen nur, aus Ehrfurcht und um Lohn zu empfangen zu dienen, bis ihre Einsicht wächst und sie große Weisheit erlangen; dann enthüllt man ihnen dieses Geheimnis nach und nach und gewöhnt sie sanft an diese Sache, bis sie es erlangen, Ihn erkennen und Ihm aus Liebe dienen.“
Und die Ägypter gingen daran, jenen im Aspekt der Frauen zu raten, nicht nach den Worten des Rambam zu gehen, sondern im Gegenteil: Obwohl sie auf der Stufe von Frauen und Kleinen sind, gaben sie ihnen zu verstehen, sie sollen ihre Arbeit sofort mit der Absicht liShma beginnen. Damit waren die Ägypter sicher, dass sie in ihrem Besitz blieben, außerhalb der Heiligkeit.
Es zeigt sich also, dass dies „Fronarbeit“ heißt – wie nämlich Rabbi Shmuel bar Nachmani deutete: „be-Parech bedeutet bi-Pricha (im Zerbrechen).“ Und Rashi erklärt: „im Zerbröckeln und Zerbrechen von Körper und Lenden.“ Und der Grund ist: Wenn man die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer tauscht, dann ist es, wie wir erklärten – da die Arbeit der Männer darin bestand, dass sie sich überwinden, vorwärtsgehen und auf die Absicht liShma zielen mussten, sie aber in dieser Arbeit geschwächt wurden, weil die Ägypter dieser Arbeit entgegenstanden. Darum hatten sie über die Arbeit der Überwindung hinaus, damit sie mit der Absicht zu geben ausrichten könnten, noch eine weitere Arbeit: dass die Ägypter ihnen zu verstehen gaben, all diese Arbeit ist überflüssig, die Arbeit des Gebens geht sie nichts an, sondern nur einige wenige Auserwählte. Und so heißt dies „doppelte Arbeit“:
Erstens: die Arbeit der Anstrengung, damit sie mit der Absicht zu geben ausrichten könnten.
Zweitens: gegen sie zu kämpfen und zu sagen, es ist nicht richtig – sie können sehr wohl zum liShma gelangen und nicht, wie die Ägypter sagen, dass sie Frauenarbeit verrichten müssen. Und das war das ganze Streben der Ägypter: dass sie sich der Arbeit des Gebens nicht näherten.
Und ebenso tauschten sie die Arbeit der Frauen gegen die der Männer – wie gesagt: sie sagten, die Frauenarbeit ist nichts wert, weil man Tora und Mizwot nur im Werk erfüllt, ihr ganzer Kampf gegen den Trieb ist also nur auf das Werk gerichtet, und nicht, wie der Rambam sagt, dass die Frauenarbeit nur im Tun der Werke besteht und man sie nicht lehrt, dass sie liShma zu beabsichtigen haben.
Darum war es, als die Ägypter kamen und ihnen sagten, sie müssen die Arbeit der Männer verrichten – nämlich mit der Absicht zu geben auszurichten –, eine schwere Arbeit für sie:
Erstens: Zum liShma seid ihr überhaupt nicht fähig zu arbeiten.
Zweitens: Den Körper zu überwinden und die tätigen Mizwot zu erfüllen war ihnen schwerer als zuvor, bevor die fremden Gedanken der Ägypter kamen und ihnen zu verstehen gaben, das Tun der Mizwot ohne Absicht ist nichts wert, und die Wichtigkeit von Tora und Mizwot im lo liShma erniedrigten. Es zeigt sich also, dass nun durch die Ägypter die Arbeit im Aspekt der Frauen zu einer Sache der Erniedrigung wurde. Und das verursachte ihnen die Fronarbeit, die, wie oben gesagt, ein Zerbrechen von Körper und Lenden ist.
Nach dem Gesagten zeigt sich, dass es drei Deutungen des Wortes „Parech“ gibt. Und es besteht kein Widerspruch zwischen der einen Deutung und der anderen, sondern alle diese drei Dinge waren dort vorhanden; nur fasst jeder die Deutung nach seinem Gegenstand auf.
Erstens: Die erste Deutung von „Parech“ – Rabbi Elasar sagt: „be-pe rach“ (mit weichem Mund).
Zweitens: Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte: „bi-Pricha“ (was ein Ausdruck für Zerbrechen ist).
Drittens: Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen Rabbi Jonatans, sie haben die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer getauscht.
Doch alle deuten, dass die Fronarbeit „Pricha“ ist – also ein Zerbrechen des Körpers. Und der Grund, dass es eine so schwere Arbeit war, dass man sie „Arbeit, die Körper und Lenden zerbricht“ nennt, ist, dass sie die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer tauschten. Und das verursacht ihnen die schwere Arbeit, wie oben gesagt.
Doch warum hörten sie auf die Ansichten der Ägypter? Weil man zu Israel mit „weichem Mund“ (pe rach) sprach – die Gedanken der Ägypter kamen nämlich mit „weichem Mund“ zu Israel: dass nämlich alles, was sie ihnen zu tun rieten, sie nicht – Gott behüte – von der Arbeit für den Schöpfer entfernen sollte, sondern im Gegenteil, sie wollten sie anleiten, auf glücklichen Wegen die Wege des Schöpfers zu gehen und keine Zeit vergeblich und ohne Nutzen zu vergeuden – ohne also Fortschritt in der heiligen Arbeit zu sehen. Und da sie hörten, dass man mit „weichem Mund“ zu ihnen sprach, fiel es ihnen schwer, diese Gedanken zu überwinden.
Daraus geht hervor: Wer sagt, sie haben die Arbeit der Männer gegen die der Frauen getauscht, der gibt eine Erklärung, warum sie auf die Ägypter hörten. Und die Antwort ist: wegen „Parech“ – weil man zu Israel mit „weichem Mund“ (pe rach) sprach. Es zeigt sich also, dass sie aus den beiden genannten Gründen dahin kamen, „Fronarbeit“ (Parech) zu verrichten, die, wie Rabbi Shmuel bar Nachmani sagt, „Parech“ ist – nämlich Arbeit des Zerbrechens (Pricha), eine Arbeit, die den Körper zerbricht.
Demnach gilt es zu verstehen: Genügt es dem Volk Israel denn nicht, dass der Schöpfer sie aus Ägypten herausführte – das heißt, dass sie aus ihrer Knechtschaft heraustraten und sich mit Tora und Mizwot beschäftigen konnten, jeder nach seiner Erlangung, und die Klipa Ägyptens keine Kraft hatte, ihrer Arbeit entgegenzustehen? Wie groß ist das Wunder, und wer kann ermessen, wie wichtig das ist! Denn wenn der Mensch sich Rechenschaft gibt, wie viel Leiden und Pein er empfindet, während er im Exil in der Knechtschaft des Pharao, des Königs von Ägypten, liegt, und nach dem Maß, in dem er in seinem Herzen das Ausmaß der Finsternis von „Pitom und Ramses“ ermisst, die sie bauten, wie oben gesagt.
Und nun öffneten sich mit einem Mal die Tore der Klipa Ägyptens, und sie zogen in die Freiheit hinaus und traten in den eigenen Besitz ein. Sie hatten nun also die Freiheit, sich mit Tora und Mizwot nach Herzenslust zu beschäftigen, ohne jede Störung. Welche Freude und welchen Aufschwung des Geistes bringt es dem Menschen, wenn er einen Vergleich anstellt zwischen der Zeit der Finsternis und der Zeit, da es ihm leuchtet! Und das ist, wie man sagt: „der zwischen Licht und Finsternis scheidet.“
Danach muss man verstehen, warum man wissen muss, dass nur der Schöpfer es ist, der euch aus den Lasten Ägyptens herausführt, nach der Deutung der Weisen: „Wenn ich euch herausführe, werde ich euch eine Sache tun, damit ihr erkennt, dass ich es bin, der euch aus Ägypten herausgeführt hat“ – wie geschrieben steht „Denn ich bin der Schöpfer, euer Gott, der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens.“
Und es ist so: Man muss sich immer an das Ziel erinnern, das wir erreichen müssen. Und da das Ziel der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, ist unser Ziel, das Gute und den Genuss zu empfangen, die Er für uns gedacht hat. Doch zum Zweck der Korrektur, die „Anhaftung“ (Dwekut) heißt – deren Sinn die Angleichung der Form ist –, haben wir eine Arbeit, um die Kelim des Gebens zu erlangen. Aber das ist nur die Korrektur der Schöpfung und nicht die Vollkommenheit. Und die Vollkommenheit heißt „Erkenntnis des Schöpfers“: die Tora zu erkennen und zu erlangen, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird.
Demnach genügt es nicht, dass wir bereits die Kraft haben, Tora und Mizwot ohne jede Störung zu erfüllen; denn das ist nur Korrektur und nicht die Vollkommenheit des Ziels. Und die Vollkommenheit des Ziels ist, die Erkenntnis der Tora zu erlangen, im Aspekt von „Die Tora, Israel und der Schöpfer sind eins.“ Und das ist es, was die Weisen sagten: „So sprach der Schöpfer zu Israel: ‚Und ihr werdet erkennen, dass ich der Schöpfer, euer Gott, bin, der euch herausführt‘ – ‚ich und kein Bote‘“ – was bedeutet, dass die ganze Gesamtheit zur Erkenntnis des Schöpfers gelangen muss, die „Tora“ im Sinne der Namen des Schöpfers heißt.
korrigiert, EY, CO4.8, 20.06.2026