1986/13 Komm zum Pharao, 2
Der Sohar fragt: „Es heißt ‚Komm zum Pharao‘ – doch es hätte ‚Geh zum Pharao‘ heißen müssen usw. Da der Schöpfer sah, dass Moses sich fürchtete und auch andere bestellte Abgesandte droben sich ihm nicht nähern konnten, sprach der Schöpfer: ‚Siehe, Ich bin gegen dich, Pharao, König von Ägypten, das große Ungeheuer, das inmitten seiner Ströme lagert.‘ Der Schöpfer selbst musste also gegen ihn Krieg führen und kein anderer, wie geschrieben steht: ‚Ich bin der Schöpfer‘, was die Weisen deuteten: ‚Ich und kein Bote.‘“ So weit seine Worte (zu Beginn des Wochenabschnitts Bo).
Der Unterschied zwischen „komm“ und „geh“ ist: „Komm“ bedeutet, dass wir zusammen gehen, so wie ein Mensch zu seinem Freund sagt: „Komm.“
Das gilt es zu verstehen. Denn der Sohar fragt: Warum musste der Schöpfer mit Moses gehen? Moses allein konnte den Kampf gegen ihn nicht führen, sondern nur der Schöpfer selbst und kein anderer. Warum also brauchte es Moses, dass er mit dem Schöpfer ging? Es heißt doch „Ich und kein Bote“. Welchen Nutzen bringt es dann, dass der Schöpfer zusammen mit Moses zum Pharao ging, der „Ungeheuer“ genannt wird? Er hätte doch auch ohne Moses zum Pharao gehen können.
Und noch etwas gilt es zu verstehen, das die Weisen sagten (Kiddushin 30b): „Resh Lakish sagte: Der böse Trieb (Jezer haRa) des Menschen überwältigt ihn jeden Tag und sucht ihn zu töten, wie es heißt ‚Der Frevler lauert dem Gerechten auf‘; und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er nicht gegen ihn bestehen, wie es heißt ‚Der Schöpfer überlässt ihn nicht seiner Hand.‘“
Auch hier stellt sich die Frage: Wenn der Mensch aus eigener Kraft nicht siegen kann, sondern der Schöpfer helfen muss – warum dann diese Verdoppelung? Entweder gibt der Schöpfer dem Menschen die Kraft, ihn allein zu überwinden, oder der Schöpfer tut alles. Warum braucht es hier zwei Kräfte – zuerst die des Menschen und dann die des Schöpfers –, als ob man das Böse nur durch beide zusammen überwinden könnte und eine Kraft nicht genügt?
Es ist bekannt, dass die Vollkommenheit des Menschen darin liegt, das Ziel der Schöpfung zu erreichen, also das zu erlangen, wofür die Welt erschaffen wurde und der „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ heißt. Das bedeutet, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss empfangen sollen, die Er ihnen zugedacht hat.
Zuvor heißt die Schöpfung noch keine Schöpfung, die dem Schöpfer angemessen wäre. Denn bekanntlich sollen aus dem vollkommenen Wirkenden vollkommene Werke hervorgehen: dass alle die Schönheit spüren, die in der Schöpfung liegt, dass jeder Einzelne die Schöpfung rühmen und preisen kann, dass alle den Schöpfer für die Schöpfung, die Er schuf, preisen und Ihm danken können, und dass alle sagen können „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand“. Das bedeutet, dass alle den Schöpfer dafür segnen, dass Er eine gute, genussvolle Welt erschuf, und dass alle fröhlich und froh sind über das Wohlgefühl, das sie aus der Fülle der Genüsse empfinden, die sie in der Welt empfangen.
Wenn der Mensch jedoch zu prüfen beginnt, ob er wirklich mit seinem Leben zufrieden ist – wie viel Wohlgefühl er aus sich selbst und aus seiner Umgebung schöpft –, dann sieht er das Gegenteil: Alle leiden Qualen und Schmerzen, und jeder leidet auf andere Weise. Und wenn der Mensch sagen soll „Gepriesen sei, der sprach, und die Welt entstand“, dann sieht er, dass er es nur mit den Lippen sagt.
Bekanntlich aber kann sich das Gute und der Genuss in der Welt nicht offenbaren, bevor die Welt Kelim des Gebens hat. Denn unsere Gefäße des Empfangens sind noch durch das eigennützige Empfangen beschmutzt, das in seinem Maß sehr eingeschränkt ist und uns zudem vom Schöpfer trennt. (Über den Gefäßen des Empfangens lag also der erste Zimzum (Einschränkung), damit dort keine Fülle leuchte. Siehe Vorwort zum Buch Sohar, Blatt 138, im Sulam.)
Um aber die Kelim des Gebens zu erlangen, beginnen hier Streit und Kämpfe, denn das ist gegen unsere Natur. Und dafür wurden uns Tora und Mizwot gegeben, um zur Stufe des Gebens zu gelangen, wie die Weisen sagten: „Ich erschuf den bösen Trieb, Ich erschuf die Tora als Gewürz“ (Kiddushin 30).
Ebenso wurde uns die Mizwa „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ gegeben. Und Rabbi Akiva sagt: „Das ist ein großes Prinzip in der Tora“ (Bereshit Rabba, Abschnitt 24). Indem nämlich der Mensch an der Liebe zu den Freunden arbeitet, gewöhnt er sich daran, aus der Eigenliebe herauszutreten und zur Liebe zum Nächsten zu gelangen.
Allerdings gilt es zu verstehen, was wir mit eigenen Augen sehen: Es gibt Menschen, die Kräfte in die Liebe zu den Freunden investieren und dennoch der Liebe zum Schöpfer nicht ein Haarbreit nähergekommen sind, sodass sie aus Liebe zum Schöpfer in Tora und Mizwot arbeiten könnten. In der Freundesliebe, sagen sie, kommen sie ein wenig voran, doch in der Liebe zum Schöpfer sehen sie keinen Fortschritt. Man muss jedoch wissen, dass es auch in der Freundesliebe Stufen gibt – man muss also über die Verpflichtung der Freundesliebe nachdenken.
Denn man kann es mit einem Gebäude vergleichen, das zwei Stockwerke und ein Erdgeschoss hat. Der König befindet sich im zweiten Stock. Wer zum König gelangen will – dessen ganzes Ziel also nur ist, von Angesicht zu Angesicht mit dem König zu sprechen –, dem sagt man, er muss zuerst in den ersten Stock hinaufsteigen; denn man kann nicht in den zweiten Stock gelangen, bevor man in den ersten gelangt ist.
Sicher versteht jeder, dass das richtig ist. Doch es gibt einen Grund dafür, dass man in den ersten Stock steigen muss – er heißt „Korrekturen“. Denn indem der Mensch in den ersten Stock hinaufsteigt, kann er dort lernen, wie man von Angesicht zu Angesicht mit dem König spricht, und es wird ihm möglich sein, vom König zu erbitten, was sein Herz begehrt. Der Mensch, der hörte, dass man zuerst in den ersten Stock und danach erst in den zweiten steigen kann, verstand das sehr gut. Da aber sein ganzes Verlangen ist, den König zu sehen, und er sich um nichts anderes sorgt, war das, was man ihm sagte – dass er erst in den ersten Stock muss –, für ihn eine Last und eine Bürde.
Aber es bleibt keine Wahl. So steigt er in den ersten Stock, und es kümmert ihn nicht, sich anzusehen, was dort ist, obwohl er hörte, dass man im ersten Stock lernt, wie man mit dem König spricht. Doch er achtet nicht darauf, denn das ist nicht sein Ziel. Sein Ziel ist der König und nicht das, was er im ersten Stock lernen könnte; denn sein Ziel ist nicht das Studium, sondern das Gesicht des Königs zu sehen. Warum sollte er Zeit auf belanglose Dinge verwenden? Vor dem König selbst ist ja alles wie nichts und nichtig. Warum also sollte er sich dafür interessieren, was man im ersten Stock lernt?
Und darum, wenn er in den ersten Stock steigt, hat er kein Verlangen, dort zu bleiben, sondern will sofort in den zweiten Stock hinauf, wo der König selbst ist; denn das ist sein ganzes Verlangen. Man aber sagt ihm: Bevor du die Gesetze lernst, die im ersten Stock gelten, wirst du sicher die Ehre des Königs verletzen. Darum kannst du nicht hoffen, in den zweiten Stock steigen zu können, bevor du alles gelernt hast, was im ersten Stock zu lernen ist.
Ebenso ist es bei der Freundesliebe: So hörten wir, dass man der Liebe zum Schöpfer nicht würdig werden kann, bevor der Mensch der Liebe zu den Freunden würdig geworden ist – wie Rabbi Akiva sagte, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ ist ein großes Prinzip in der Tora. Wenn er sich also mit der Freundesliebe beschäftigt, betrachtet er sie nicht als etwas von Wert und Gewicht, sondern als etwas Überflüssiges.
Er geht daran, sie zu erfüllen, nur weil keine Wahl bleibt, und ständig wartet er darauf: Wann werde ich der Liebe zum Schöpfer würdig, sodass ich mich von der Freundesliebe befreien kann? Denn diese Arbeit ist mir Last und Bürde. Es fällt mir sehr schwer, meine Freunde zu ertragen, da ich sehe, dass jeder von ihnen eine andere Wesensart hat als ich und ich nichts mit ihnen gemeinsam habe. Nur gegen meinen Willen, weil mir keine Wahl bleibt – da man mir sagte, dass ich ohne Freundesliebe nicht zur Liebe zum Schöpfer gelangen kann –, sitze ich notgedrungen mit ihnen.
Aber ich kann mir sagen: Was gewinne ich von den Freunden? Nur eines – dass ich mich selbst durch eine Art Kasteiung korrigiere, dadurch dass ich mit ihnen zusammensitze und die Reden der Freunde ertrage, die mir nicht zusagen und meiner Wesensart zuwider sind. Doch was tun? Man sagt mir, dass ich in dieser Welt leiden muss; also leide ich, und ich sitze da und warte, wann die Zeit kommt, da ich vor ihnen fliehen kann und nicht mehr auf die Niedrigkeit blicken muss, die ich an ihnen sehe.
Es zeigt sich also, dass er aus der Freundesliebe nicht das Heilmittel nimmt, das „Liebe zum Nächsten“ heißt, sondern sich mit ihr nur beschäftigt, weil man ihm sagte, es bleibt keine Wahl, sonst kann er die Liebe zum Schöpfer nicht erreichen. Darum beschäftigt er sich mit der Freundesliebe und erfüllt alle Verpflichtungen, die die Freunde ihm auferlegen. Doch was er von ihnen lernen sollte, das ist ihm fern. Aus der Eigenliebe tritt er also nicht heraus, und zur Liebe zum Nächsten gelangt er nicht. Und er erfüllt die Freundesliebe nicht aus Liebe, sondern aus Ehrfurcht: Da man nicht in die Liebe zum Schöpfer eintreten lässt, bevor man in die Freundesliebe eingetreten ist, fürchtet er, die Freundesliebe nicht zu erfüllen – denn dann ließe man ihn nicht in die Liebe zum Schöpfer eintreten.
Das gleicht dem Gleichnis: Man ließ ihn nicht in den zweiten Stock, wo der König ist, bevor er zuvor in den ersten Stock gestiegen war. Und die Absicht ist, dass er die Gesetze lernt, wie man die Ehre des Königs wahrt. Dann wäre es vernünftig, dass er sich freut, sobald er in den ersten Stock eintritt; denn er lernt nun, wie man auf die Ehre des Königs achtet, und er gewinnt dadurch, dass er danach, wenn er in den Palast des Königs tritt, die Ehre des Königs nicht verletzt. Solange er also im ersten Stock ist, achtet er darauf, wie all die Gesetze dort gehandhabt werden, und gewöhnt sich an sie; denn er will zum König eintreten, um dem König zu geben, und keinesfalls die Ehre des Königs gering zu achten.
Und das lässt sich nur von dem sagen, der zum König eintreten will, um dem König Wohlgefallen zu bereiten. Wer aber aus eigennützigem Empfangen zum König eintreten will, der betrachtet alles, was im ersten Stock ist, als überflüssig, als etwas, das ihn nicht interessiert. Dass er in den ersten Stock steigen muss, geschieht nur aus Ehrfurcht; denn er weiß, dass man ihn nicht in den zweiten Stock steigen lässt, bevor er in den ersten gestiegen ist. Doch er hat kein Bedürfnis, die Gesetze zu lernen, die man dort lernt, um die Ehre des Königs nicht zu verletzen – weil sein ganzes Wollen, zum König einzutreten, allein aus Eigenliebe kommt.
Darum müssen wir wissen: Dass uns die Freundesliebe gegeben wurde, ist, um aus ihr zu lernen, die Ehre des Königs nicht zu verletzen. Hat er nämlich nicht das Verlangen, einzig dem König Wohlgefallen zu bereiten, dann wird er sicher die Ehre des Königs verletzen – er liefert also Heiligkeit (Kedusha) an die äußeren Kräfte aus. Darum soll man die Wichtigkeit der Arbeit an der Freundesliebe nicht gering achten; denn aus ihr lernt der Mensch, wie man aus der Eigenliebe heraustritt und den Weg der Liebe zum Nächsten betritt. Und wenn er die Arbeit der Freundesliebe vollendet, dann kann er der Liebe zum Schöpfer würdig werden.
Und man muss wissen, dass die Freundesliebe einen Vorzug hat: Der Mensch kann sich nicht selbst betrügen und sagen, er liebe die Gemeinschaft, wenn er sie in Wahrheit nicht liebt. Denn hier kann er sich selbst prüfen, ob er wirklich Freundesliebe hat oder nicht. Anders bei der Liebe zum Schöpfer: Da kann der Mensch sich nicht selbst prüfen, ob seine Absicht die Liebe zum Schöpfer ist – ob er also dem Schöpfer geben will oder ob sein Verlangen ist, zu empfangen, um zu empfangen.
Doch man muss wissen: Nach all den Korrekturen, die der Mensch ohne die Hilfe des Schöpfers tun kann, wird er keinen Fortschritt in der Arbeit des Gebens erlangen. Und wir fragten: Warum muss der Mensch dann Werke tun, um danach der Hilfe des Schöpfers würdig zu werden? Der Schöpfer kann doch auch ohne die Werke der Unteren helfen, da die Arbeit des Menschen ohnehin zu keinem Fortschritt in der Arbeit verhilft.
Es ist so: Beginnt der Mensch die Arbeit nicht, dann weiß er nicht, dass er die Kämpfe gegen den Trieb nicht gewinnen kann. Beginnt der Mensch hingegen, in der Arbeit für den Schöpfer zu wandeln, und tut, was in seiner Macht steht, dann kann er ein wahres Gebet sprechen, dass der Schöpfer ihm hilft.
Aber warum will der Schöpfer, dass er ein wahres Gebet spricht? Bei einem Menschen aus Fleisch und Blut kann man sagen, dass er will, dass man ihn aufrichtig bittet. Denn bei einer aufrichtigen Bitte, die der Mensch an seinen Nächsten richtet, dankt ihm der Nächste aufrichtig. Und der Mensch aus Fleisch und Blut, der der Ehre nachjagt, hat an diesem Dank Genuss, weil der andere sich gleichsam vor ihm erniedrigt. Doch beim Schöpfer – braucht Er etwa die Ehre der Menschen, die sie Ihm erweisen? Warum also will der Schöpfer, dass der Mensch Ihm ein wahres Gebet aus der Tiefe des Herzens spricht?
Vielmehr ist es, wie bekannt, so: Es gibt kein Licht ohne Kli. Man kann dem Menschen nichts geben, das ihm sehr wichtig wäre, wenn er kein Verlangen danach hat: Dann wird er es gering achten, es nicht bewahren, und es geht verloren. Denn das Bedürfnis nach einer Sache richtet sich danach, wie sehr sie ihm fehlt, und das verleiht ihr die Wichtigkeit. Und nach dem Maß der Wichtigkeit weiß er das Geschenk so zu bewahren, dass es nicht verloren geht – denn sonst ginge alles zu den Klipot (Schalen).
Das nennt man, den Klipot Nahrung zu geben: Alles geht zu den Gefäßen des Empfangens, die alles, was der Mensch an Dingen der Heiligkeit gering achtet, in ihren Besitz nehmen. Daraus wissen wir, warum der Mensch die Arbeit beginnen muss. Doch warum gab der Schöpfer dem Menschen nicht die Kraft, die Arbeit allein zu vollenden, ohne die Hilfe des Schöpfers?
Bekanntlich deutet der Sohar den Ausspruch der Weisen „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man.“ Und er fragt: „Womit?“ Und er antwortet: „Mit einer heiligen Seele“ – das heißt, er empfängt ein Leuchten von oben, das „Seele“ (Neshama) heißt und „Erlangung der Göttlichkeit“ genannt wird; und das ist eingeschlossen im Schöpfungsgedanken, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Es zeigt sich also: Dadurch, dass er ein Kli und ein Verlangen nach dem Kli des Gebens hat, empfängt er danach das Licht, das „Seele“ heißt. Beides also ist nötig: Der Mensch beginne – damit erlangt er ein Kli. Und dadurch, dass er es allein nicht vollenden kann, schreit er zum Schöpfer, dass Er hilft – und dann empfängt er das Licht.
Damit verstehen wir das Geschriebene: „Komm zum Pharao, denn Ich habe sein Herz und das Herz seiner Knechte verstockt, damit Ich diese Meine Zeichen in seiner Mitte setze.“ Die Leute fragen: Warum verstockte der Schöpfer sein Herz? Die Schrift antwortet: „Damit Ich diese Meine Zeichen in seiner Mitte setze.“ Und die Deutung lautet: Warum verstockte der Schöpfer das Herz des Menschen, sodass er den Kampf gegen den Trieb nicht allein gewinnen kann?
Und die Antwort ist: Die Absicht ist, dass der Mensch zum Schöpfer schreit und dadurch ein Kli hat. Und dann kann der Schöpfer in dieses Kli die Buchstaben der Tora in seinem Innern legen – das ist die Seele, die der Schöpfer ihm als Hilfe gibt. Und das ist der Sinn von „Die Tora und der Schöpfer sind eins“: Mit „Meinen Zeichen“ sind die Buchstaben der Tora gemeint, im Sinne der Namen des Schöpfers. Und das ist der Aspekt „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“, der Aspekt des Schöpfungsgedankens, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und das kommt zum Menschen gerade dann, wenn er ein Kli hat. Dieses Kli aber kommt durch die Verstockung des Herzens; denn dann gibt es Raum, zum Schöpfer zu schreien, dass Er hilft. Und Er hilft mit einer heiligen Seele, wie oben gesagt.
Damit verstehen wir den Sinn von „Komm zum Pharao“ – das heißt: wir beide zusammen, nämlich der Mensch muss beginnen. Und dann sieht er, dass er ihn nicht besiegen kann. Darauf deutet, dass Moses sich fürchtete, an ihn heranzutreten. Und dann sprach der Schöpfer „Siehe, Ich bin gegen dich, Pharao“ – da kam die Hilfe vom Schöpfer. Und womit? Mit einer heiligen Seele, wie oben in den Worten des Sohar.
Es zeigt sich also, dass die Verstockung des Herzens – wie geschrieben steht „denn Ich habe sein Herz verstockt“ – dazu geschah, dass Raum für das Gebet ist. Und dieses Gebet ist nicht wie das eines Menschen aus Fleisch und Blut, der Ehre will, dass man ihn bittet, um dadurch geehrt zu werden. Vielmehr ist hier die Absicht des Gebets, dass er ein Kli hat – nämlich ein Bedürfnis nach der Hilfe des Schöpfers. Denn es gibt kein Licht ohne Kli. Und sobald der Mensch sieht, dass er sich selbst in nichts helfen kann, hat er das Bedürfnis, dass der Schöpfer ihm hilft.
Und das ist der Sinn dessen, was die Weisen sagten: „Der Schöpfer sehnt Sich nach dem Gebet der Gerechten.“ Auch hier stellt sich die Frage: Braucht der Schöpfer etwa die Demut des Menschen, dass er Ihn bittet? Vielmehr, wie oben gesagt: Da Sein Wille ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, es aber kein Licht ohne Kli gibt, sehnt Er Sich nach dem Gebet der Gerechten; denn dadurch enthüllen sie Kelim, in die Er geben kann. Daraus folgt: Sobald der Mensch sieht, dass er das Böse in sich nicht überwinden kann, das ist die wahre Zeit, vom Schöpfer Hilfe zu erbitten.
Nach dem Gesagten verstehen wir, was der Schöpfer sprach: „Und Ich nehme euch Mir zum Volk und werde euch ein Gott sein, und ihr werdet erkennen, dass Ich der Schöpfer, euer Gott, bin, der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens“ (Wa’era).
Und die Weisen im Traktat Berachot (38a) deuteten dies so: „‚Der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens.‘ Und die Weisen [sagten]: So sprach der Schöpfer zu Israel: Wenn Ich euch herausführe, werde Ich etwas für euch tun, damit ihr erkennt, dass Ich es bin, der euch aus Ägypten herausgeführt hat – wie geschrieben steht ‚Denn Ich bin der Schöpfer, euer Gott, der euch herausführt.‘“ So weit.
Daraus geht hervor, dass es nicht genügt, dass der Schöpfer das Volk Israel aus Ägypten herausführte, sodass sie von dem Leid und den Qualen befreit wurden, die sie dort erlitten. Spricht man nämlich von der Arbeit für den Schöpfer, dann stellt sich die Frage: Genügte es nicht, dass sie nun von der Knechtschaft des Exils frei wurden – wo sie wegen der Herrschaft des Pharao dem Schöpfer nicht dienen konnten und alles, was sie sich an Stellung in der Arbeit aufbauten, in der Erde verschlungen wurde? So deuteten die Weisen (Sota, Blatt 11): „‚Pitom und Ramses.‘ Rav und Shmuel: Der eine sagte, ihr Name ist Pitom; und warum hieß sie Ramses? Weil ihr Bauwerk Stück um Stück zerbröckelte (mitroses).“ Und Rashi erklärt: Wenn sie ein wenig bauten, zerbröckelte und fiel es; sie bauten wieder, und es fiel. „Und der andere sagte, ihr Name ist Ramses; und warum hieß sie Pitom? Weil Stück um Stück der Schlund des Abgrunds (pi tehom) sie verschlang.“
Wir sehen, dass Rav und Shmuel nicht über den Sachverhalt streiten, sondern über die Deutung. Der Sachverhalt war dort: Alles, was sie bauten, fiel. Gemeint ist: Jedes Mal, wenn sie sich ein Bauwerk in der Arbeit errichteten, kamen die Ägypter – das heißt die fremden Gedanken der Ägypter – und rissen all ihre Arbeit nieder. All ihre Arbeit also, in der sie mit ganzer Kraft arbeiteten, um sich zu überwinden und die heilige Arbeit zu verrichten, wurde in der Erde verschlungen. Und Tag für Tag mussten sie von neuem beginnen. Und es schien ihnen, als hätten sie sich nie mit der heiligen Arbeit beschäftigt. Mehr noch: Jedes Mal, wenn sie meinten, sie mussten vorwärtsgehen, sahen sie, dass sie nicht nur nicht vorankamen, sondern rückwärtsgingen; denn immer stiegen in ihnen neue Fragen nach dem „Wer und Was“ auf.
Demnach gilt es, diesen Auszug aus Ägypten zu verstehen: dass sie nämlich nun dem Schöpfer ohne die fremden Gedanken der Ägypter dienen konnten. Was also will uns dieses Wissen, von dem geschrieben steht „und ihr werdet erkennen“, sagen – dass wir wissen sollen, dass der Schöpfer es ist, der sie aus dem Land Ägypten herausführt? Und noch mehr ist zu verwundern: Betrachtet man die ägyptische Knechtschaft, in der sie Fronarbeit verrichteten, und dass sie davon befreit wurden – was fehlt ihnen dann noch?
Und was ist Fronarbeit (Awodat Parech)? Die Weisen deuteten (Sota 11b): „‚Mit all ihrer Arbeit, zu der man sie hart (be-Parech) zwang.‘ Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen Rabbi Jonatans: Sie tauschten die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die Arbeit der Frauen gegen die der Männer. ‚Und die Ägypter knechteten die Kinder Israels mit Härte (be-Parech).‘ Rabbi Elasar sagt: mit weichem Mund (be-pe rach).“
Und es gilt zu verstehen, was „mit Härte“ auf dem Wege der heiligen Arbeit bedeutet. Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden:
1) Die Handlung, die der „offenbarte Teil“ heißt – das, was dem Menschen offenbar ist und wovon man nicht sagen kann, dass er sich irrt oder sich selbst betrügt; denn was den Augen offenbar ist, daran kann kein Irrtum sein. Denn das Tun der Mizwot und das Studium der Tora sieht er, und auch andere können sehen, ob er Werke von Tora und Mizwot tut oder nicht.
2) Die Absicht. Und das heißt der „verborgene Teil“; denn die Absicht in der Handlung, die der Mensch tut, können andere nicht sehen. Und auch er selbst kann die Absicht des Tuns nicht sehen; denn bei den Absichten gibt es Raum, sich zu irren und sich selbst zu betrügen. Denn nur bei dem, was den Augen offenbar ist – dem „offenbaren Teil“ –, können alle die Wahrheit sehen. Was aber von der Absicht des Herzens und vom Denken des Verstandes abhängt, darin kann sich der Mensch nicht auf sich selbst verlassen. Es zeigt sich also, dass es ihm selbst und den anderen verborgen ist.
Nun können wir den Sinn der „Fronarbeit“ deuten, von der gesagt wurde, „sie tauschten die Arbeit der Männer gegen die der Frauen“. Denn „Arbeit der Männer“ heißt, dass er bereits ein Mann (Gever) ist, der sein Böses überwinden und sich mit Tora und Mizwot im Aspekt der Handlung beschäftigen kann. Was also soll er tun, wenn er schon ein Mann (Isch) heißt, also ein Mann des Krieges, der sein Böses im Aspekt der Handlung bekämpfen kann? Dann ist die Zeit gekommen, dass er seine Arbeit im zweiten Aspekt beginnt – wie oben gesagt, im Aspekt des Verborgenen, das die Absicht ist – und sich von nun an bemüht, all seine Handlungen darauf auszurichten, dass sie mit der Absicht geschehen, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, und nicht zum eigenen Nutzen.
Und was taten die Ägypter, als sie sahen, dass er ein Mann ist, fähig, aus ihrer Herrschaft herauszutreten und in die Heiligkeit einzutreten? Da tauschten sie ihre Arbeit aus und gaben ihnen „Frauenarbeit“. Ihre ganze Arbeit sollte also Frauenarbeit sein; denn die Ägypter gaben ihnen zu verstehen: Wer braucht schon Absichten? Die Hauptsache sind die Werke. Und hier, in den Werken, wirst du Erfolg haben, wie du siehst, dass du ein Mann bist, der das Böse in sich überwinden und sich mit Tora und Mizwot in all ihren Einzelheiten und Feinheiten beschäftigen kann. Und du sollst deine ganze Tatkraft darauf verwenden, in Tora und Mizwot noch genauer zu sein.
Aber beschäftige dich nicht mit Absichten – diese Arbeit ist nicht für dich, sondern für einige wenige Auserwählte. Trittst du nämlich in die Arbeit des Gebens ein – achtest du nämlich darauf, dass man bei jeder Sache die Absicht haben muss, dass sie um des Himmels willen ist –, so wirst du schon keine Kräfte mehr haben, im offenbaren Werk so genau zu sein, wo du dich nicht selbst betrügst. Denn du siehst, was du tust. Dort also hast du Raum, dich auszubreiten, sodass all deine Werke in all ihren Einzelheiten und Feinheiten geschehen.
Bei den Absichten hingegen hast du keine wahre Prüfung. Darum raten wir dir zu deinem Besten; und denke nicht, dass wir dich von der heiligen Arbeit abbringen wollen. Im Gegenteil, wir wollen, dass du in den Stufen der Heiligkeit aufsteigst.
Und das nennt man, dass „sie die Arbeit der Männer gegen die der Frauen tauschten“. Anstatt die Arbeit zu tun, die den Männern zukommt, erklärten sie dem Volk Israel, es ist besser für sie, Frauenarbeit zu verrichten – nämlich das, was den Frauen zukommt.
Und „die Arbeit der Frauen gegen die der Männer“ bedeutet: Diese Menschen haben keine Kraft der Überwindung, sondern „ihre Kraft erschlaffte wie die einer Frau“ – sie waren also schwach im Erfüllen von Tora und Mizwot und hatten nicht die Kraft, die Mizwot auch nur im Aspekt des Offenbaren zu wahren und zu erfüllen, der allein „Aspekt der Handlung“ heißt. Und ihre ganze Arbeit der Überwindung lag nur im Aspekt der Handlung und nicht im Aspekt der Absicht.
Da kamen die Ägypter zu ihnen und gaben ihnen zu verstehen: Wir wollen euch nicht in der heiligen Arbeit stören – im Gegenteil, wir wollen, dass ihr wahre Diener des Schöpfers werdet. Wir sehen ja, dass ihr die heilige Arbeit verrichten wollt. Darum raten wir euch: Die Hauptsache der Arbeit ist nicht die Handlung, sondern die Hauptsache ist die Absicht. Statt euch also mit der Überwindung im Aspekt der Handlung zu mühen – euch also daran zu gewöhnen, euren Körper zu überwinden, um noch eine Stunde zu lernen oder noch eine halbe Stunde zu beten, und euch zu bemühen, ‚Gepriesen sei Er‘ und ‚Gepriesen sei Sein Name‘ und ‚Amen‘ zu antworten und während der Wiederholung des Vorbeters nicht zu reden –: Wer braucht das?
Die Hauptsache ist die Absicht um des Himmels willen. Darauf müsst ihr die ganze Kraft eurer Anstrengung verwenden. Wozu sollt ihr eure Kraft auf belanglose Dinge vergeuden? Zwar muss man vom Gesetz (Halacha) her all diese kleinen Dinge erfüllen, doch das ist keine Arbeit für euch – das gehört zur Frauenarbeit. Ihr aber sollt die Arbeit der Männer verrichten. Und dass ihr nur im Werk arbeiten wollt, das ziemt euch nicht. Ihr sollt ja vor allem auf die Absicht hin gehen – nämlich jede Kraft, die ihr habt, etwas zu tun, sollt ihr dazu verwenden, die Absicht darauf zu richten, dass alles um des Himmels willen ist. Aber denkt nicht, dass wir euch von der Arbeit für den Schöpfer abhalten wollen. Im Gegenteil, wir wollen, dass ihr in den Stufen der Heiligkeit aufsteigt und zur Vollkommenheit gelangt, die da heißt, dass all eure Werke nur mit der Absicht geschehen, eurem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.
Und da sie auf der Stufe der „Frauen“ sind – sie haben nämlich noch nicht die Kraft, sich auch nur im Aspekt der Handlung zu überwinden, was „ihre Kraft erschlaffte wie die einer Frau“ heißt –, gaben die Ägypter ihnen zu verstehen, die Hauptsache ist die Absicht, nämlich liShma. Damit waren die Ägypter sicher, dass sie nicht die Kraft haben würden, in der heiligen Arbeit weiterzugehen und sich zu überwinden.
Und das ist nach den Worten des Rambam (Maimonides), der in den Gesetzen der Umkehr (Hilchot Teshuwa), Kapitel 10, schrieb: „Und die Weisen sagten: Immer beschäftige sich der Mensch mit der Tora, auch lo liShma, denn aus dem lo liShma gelangt er zum liShma. Darum lehrt man die Kleinen, die Frauen und die ungebildete Menge im Allgemeinen nur, aus Ehrfurcht und um Lohn zu empfangen zu dienen, bis ihre Einsicht wächst und sie große Weisheit erlangen; dann enthüllt man ihnen dieses Geheimnis nach und nach und gewöhnt sie sanft an diese Sache, bis sie Ihn erlangen, Ihn erkennen und Ihm aus Liebe dienen.“
Und die Ägypter gingen daran, jenen im Aspekt der Frauen zu raten, nicht nach den Worten des Rambam zu gehen, sondern im Gegenteil: Obwohl sie auf der Stufe von Frauen und Kleinen sind, gaben sie ihnen zu verstehen, sie sollen ihre Arbeit sofort mit der Absicht liShma beginnen. Damit waren die Ägypter sicher, dass sie in ihrem Besitz blieben, außerhalb der Heiligkeit.
Es zeigt sich also, dass dies „Fronarbeit“ heißt – wie nämlich Rabbi Shmuel bar Nachmani deutete: „be-Parech bedeutet bi-Pricha (im Zerbrechen).“ Und Rashi erklärt: „im Zerbröckeln und Zerbrechen von Körper und Lenden.“ Und der Grund ist: Wenn man die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer tauscht, dann ist es, wie wir erklärten – da die Arbeit der Männer darin bestand, dass sie sich überwinden, vorwärtsgehen und auf die Absicht liShma zielen mussten, sie aber in dieser Arbeit geschwächt wurden, weil die Ägypter dieser Arbeit entgegenstanden. Darum hatten sie über die Arbeit der Überwindung hinaus, damit sie ihre Absicht auf das Geben ausrichten könnten, noch eine weitere Arbeit: dass die Ägypter ihnen zu verstehen gaben, all diese Arbeit ist überflüssig, die Arbeit des Gebens geht sie nichts an, sondern nur einige wenige Auserwählte. Und so heißt dies „doppelte Arbeit“:
1) Die Arbeit der Anstrengung, damit sie ihre Absicht auf das Geben ausrichten könnten.
2) Gegen sie zu kämpfen und zu sagen, es ist nicht richtig – sie können sehr wohl zum liShma gelangen und nicht, wie die Ägypter sagen, dass sie Frauenarbeit verrichten müssen. Und das war das ganze Streben der Ägypter: dass sie sich der Arbeit des Gebens nicht näherten.
Und ebenso tauschten sie die Arbeit der Frauen gegen die der Männer – wie gesagt: sie sagten, die Frauenarbeit ist nichts wert, weil man Tora und Mizwot nur im Werk erfüllt, ihr ganzer Kampf gegen den Trieb ist also nur auf das Werk gerichtet, und nicht, wie der Rambam sagt, dass die Frauenarbeit nur im Tun der Werke besteht und man sie nicht lehrt, dass sie liShma zu beabsichtigen haben.
Darum war es, als die Ägypter kamen und ihnen sagten, sie müssen die Arbeit der Männer verrichten – nämlich ihre Absicht auf das Geben auszurichten –, eine schwere Arbeit für sie:
1) Zum liShma seid ihr überhaupt nicht fähig zu arbeiten.
2) Den Körper zu überwinden und die praktischen Mizwot zu erfüllen war ihnen schwerer als zuvor, bevor die fremden Gedanken der Ägypter kamen und ihnen zu verstehen gaben, das Tun der Mizwot ohne Absicht ist nichts wert, und die Wichtigkeit von Tora und Mizwot im lo liShma herabsetzten. Es zeigt sich also, dass nun durch die Ägypter die Arbeit im Aspekt der Frauen zu einer Sache der Erniedrigung wurde. Und das verursachte ihnen die Fronarbeit, die, wie oben gesagt, ein Zerbrechen von Körper und Lenden ist.
Nach dem Gesagten zeigt sich, dass es drei Deutungen des Wortes „Parech“ gibt. Und es besteht kein Widerspruch zwischen der einen Deutung und der anderen, sondern alle diese drei Dinge waren dort vorhanden; nur fasst jeder die Deutung nach seinem Gegenstand auf.
1) Die erste Deutung von „Parech“ – Rabbi Elasar sagt: „be-pe rach“ (mit weichem Mund).
2) Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte: „bi-Pricha“ (was ein Ausdruck für Zerbrechen ist).
3) Rabbi Shmuel bar Nachmani sagte im Namen Rabbi Jonatans, sie haben die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer getauscht.
Doch alle deuten, dass die Fronarbeit „Pricha“ ist – also ein Zerbrechen des Körpers. Und der Grund, dass es eine so schwere Arbeit war, dass man sie „Arbeit, die Körper und Lenden zerbricht“ nennt, ist, dass sie die Arbeit der Männer gegen die der Frauen und die der Frauen gegen die der Männer tauschten. Und das verursacht ihnen die schwere Arbeit, wie oben gesagt.
Doch warum hörten sie auf die Ansichten der Ägypter? Weil man zu Israel mit „weichem Mund“ (pe rach) sprach – die Gedanken der Ägypter kamen nämlich mit „weichem Mund“ zu Israel: dass nämlich alles, was sie ihnen zu tun rieten, sie nicht von der Arbeit für den Schöpfer entfernen sollte, sondern im Gegenteil, sie wollten sie anleiten, die Wege des Schöpfers erfolgreich zu gehen und keine Zeit vergeblich und ohne Nutzen zu vergeuden – ohne also Fortschritt in der heiligen Arbeit zu sehen. Und da sie hörten, dass man mit „weichem Mund“ zu ihnen sprach, fiel es ihnen schwer, diese Gedanken zu überwinden.
Daraus geht hervor: Wer sagt, sie haben die Arbeit der Männer gegen die der Frauen getauscht, der gibt eine Erklärung, warum sie auf die Ägypter hörten. Und die Antwort ist: wegen „Parech“ – weil man zu Israel mit „weichem Mund“ (pe rach) sprach. Es zeigt sich also, dass sie aus den beiden genannten Gründen dahin kamen, „Fronarbeit“ (Parech) zu verrichten, die, wie Rabbi Shmuel bar Nachmani sagt, „Parech“ ist – nämlich Arbeit des Zerbrechens (Pricha), eine Arbeit, die den Körper zerbricht.
Demnach gilt es zu verstehen: Genügt es dem Volk Israel denn nicht, dass der Schöpfer sie aus Ägypten herausführte – das heißt, dass sie aus ihrer Knechtschaft heraustraten und sich mit Tora und Mizwot beschäftigen konnten, jeder nach seiner Erlangung, und die Klipa Ägyptens keine Kraft hatte, ihrer Arbeit entgegenzustehen? Wie groß ist das Wunder, und wer kann ermessen, wie wichtig das ist! Denn wenn der Mensch sich Rechenschaft gibt, sieht er, wie viel Leid und Qual er empfindet, während er im Exil in der Knechtschaft des Pharao, des Königs von Ägypten, liegt, und in welchem Maß er in seinem Herzen das Ausmaß der Finsternis von „Pitom und Ramses“ ermisst, die sie bauten, wie oben gesagt.
Und nun öffneten sich mit einem Mal die Tore der Klipa Ägyptens, und sie zogen in die Freiheit hinaus und traten in den eigenen Besitz ein. Sie hatten nun also die Freiheit, sich mit Tora und Mizwot nach Herzenslust zu beschäftigen, ohne jede Störung. Welche Freude und welchen Aufschwung des Geistes bringt es dem Menschen, wenn er einen Vergleich anstellt zwischen der Zeit der Finsternis und der Zeit, da es ihm leuchtet! Und das ist, wie man sagt: „der zwischen Licht und Finsternis scheidet.“
Danach muss man verstehen, warum man wissen muss, dass nur der Schöpfer es ist, der euch aus den Lasten Ägyptens herausführt, nach der Deutung der Weisen: „Wenn Ich euch herausführe, werde Ich etwas für euch tun, damit ihr erkennt, dass Ich es bin, der euch aus Ägypten herausgeführt hat“ – wie geschrieben steht „Denn Ich bin der Schöpfer, euer Gott, der euch herausführt aus den Lasten Ägyptens.“
Und es ist so: Man muss sich immer an das Ziel erinnern, das wir erreichen müssen. Und da das Ziel der Schöpfung ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, ist unser Ziel, das Gute und den Genuss zu empfangen, die Er für uns gedacht hat. Doch zum Zweck der Korrektur, die „Anhaftung“ (Dwekut) heißt – deren Sinn die Angleichung der Form ist –, haben wir eine Arbeit, um die Kelim des Gebens zu erlangen. Aber das ist nur die Korrektur der Schöpfung und nicht die Vollkommenheit. Und die Vollkommenheit heißt „Erkenntnis des Schöpfers“: die Tora zu erkennen und zu erlangen, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird.
Demnach genügt es nicht, dass wir bereits die Kraft haben, Tora und Mizwot ohne jede Störung zu erfüllen; denn das ist nur Korrektur und nicht die Vollkommenheit des Ziels. Und die Vollkommenheit des Ziels ist, die Erkenntnis der Tora zu erlangen, im Aspekt von „Die Tora, Israel und der Schöpfer sind eins.“ Und das ist es, was die Weisen sagten: „So sprach der Schöpfer zu Israel: ‚Und ihr werdet erkennen, dass Ich der Schöpfer, euer Gott, bin, der euch herausführt‘ – ‚Ich und kein Bote‘“ – was bedeutet, dass die ganze Gesamtheit zur Erkenntnis des Schöpfers gelangen muss, die „Tora“ im Sinne der Namen des Schöpfers heißt.
korrOp, EY, 02.08.2026, 21:30 Uhr, Ver8