Rabash – 1986 – Artikel 24 (תשמ״ו – מאמר כ״ד)
„Der Unterschied zwischen Wohltätigkeit und Geschenk“ · ההבדל בין צדקה למתנה
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1 | Es steht geschrieben (Sprüche 15:27): „Wer Geschenke hasst, wird leben.“ Daraus lässt sich folgern, dass man keine Geschenke annehmen darf, weil dies sonst das Gegenteil von Leben bewirkt. Wie aber kann es dann sein, dass die Menschen überall Geschenke voneinander annehmen? Eine weitere Frage stellt sich zu dem, was der Schöpfer zu Moses sagte: „Ich habe ein gutes Geschenk in meiner Schatzkammer, und sein Name ist Shabbat. Ich möchte es Israel geben – geh und teile es ihnen mit“ (Talmud, Traktat Beiza, Blatt 16). | כתוב (משלי ט"ו, כ"ז) "ושונא מתנות יחיה". משמע מכאן, שאסור לקבל מתנות, אחרת זה גורם ההיפך מחיים. אם כן, איך העולם מקבל מתנות אחד מהשני. וכמו כן יש להקשות על מה שאמר הקב"ה למשה "מתנה טובה יש לי בבית גנזי, ושבת שמה, ואני מבקש ליתנה לישראל, לך והודיע אותם" (ביצה דף ט"ז). | Es steht geschrieben (Sprüche 15,27): „Wer Geschenke hasst, wird leben.“ Das bedeutet, dass es verboten ist, Geschenke anzunehmen, weil es sonst das Gegenteil von Leben bewirkt. Wie können Menschen also Geschenke voneinander annehmen? Wir sollten uns auch fragen, was der Schöpfer zu Moses sagte: „Ich habe ein gutes Geschenk in Meinem Schatz, und es heißt Shabbat. Ich bitte es, Israel zu geben – geh und benachrichtige sie!“ (Beiza, S. 16). |
2 | In der Welt ist es üblich, dass ein Mensch einen anderen um Almosen (Zedaka, Wohltätigkeit) bitten kann. Doch wir haben noch nie gesehen, dass jemand einen anderen um ein Geschenk bittet. Ein Beispiel: Manchmal muss sich jemand vor dem Pessachfest Mazzot (ungesäuertes Brot) und Wein und Ähnliches dafür beschaffen. Dann geht er zum Almosenverwalter oder zu einem Wohlhabenden und bittet um Hilfe bei der Beschaffung des Nötigen für Pessach. Er schildert ihm seine bedrängte Lage – und er bekommt, worum er bittet. | אנו רואים מה שמקובל, שמדרך העולם הוא, שהאדם יכול לבקש מהשני, שיתן לו צדקה. אבל אף פעם לא ראינו, שמי שהוא יבקש מהשני מתנה. דוגמא, אנו רואים, יש לפעמים, שלפני פסח, שהאדם צריך להכין לעצמו מצות ויין וכדומה על פסח, אז הוא הולך לגבאי הצדקה או לאיזה עשיר, ומבקש ממנו שיעזור לו בהכנת מצרכים לפסח, ומספר לו את מצבו הדחוק, שבו הוא נמצא, והוא מקבל את מבוקשו. | Wir sehen, dass es üblich ist, einen anderen um Almosen zu bitten, aber wir haben noch nie gesehen, dass jemand einen anderen um ein Geschenk bittet. Zum Beispiel sehen wir manchmal, dass jemand vor dem Pessachfest, wenn er Mazot [ungesäuertes Pessachbrot] und Wein usw. für das Pessachfest vorbereiten muss, zu einer Wohltätigkeitsorganisation oder zu einer wohlhabenden Person geht und sie bittet, ihm bei der Vorbereitung der Lebensmittel für Pessach zu helfen. Er erzählt von seiner Notlage und erhält, worum er bittet. |
3 | Aber wir haben noch nie erlebt, dass jemand zu seinem Freund geht und ihn um ein Geschenk bittet. Ein Beispiel: Vor Pessach wünscht sich seine Frau von ihm einen Diamantring, der mindestens zweihundert Dollar wert sein soll. Er geht zu seinem Freund und erklärt ihm, dass er gerade in einer bedrängten Lage ist und den gewünschten Ring nicht kaufen kann. Deshalb möchte er, dass sein Freund ihm das Geld als Geschenk gibt, um seiner Frau den Ring zum Pessachfest zu kaufen. | אמנם עוד לא ראינו, שמי שהוא יכנס לחבירו ויבקש ממנו מתנה. דוגמא, היות שאשתו מבקשת ממנו, היות שעכשיו לפני פסח, אז היא רוצה, שיקנה לה טבעת עם יהלום, לכל הפחות ששוה מאתיים דולר. והוא מספר לחבירו, היות שמצבו הוא עכשיו דחוק, ואין אפשרות בידו לקנות את הטבעת, מה שהיא רוצה, אי לזאת הוא רוצה שחבירו יתן לו כסף בתור מתנה, לקנות את הטבעת לאשתו על החג הפסח. | Wir haben jedoch noch nie gesehen, dass jemand auf seinen Freund zugeht und ihn um ein Geschenk bittet. Jetzt, vor Pessach, bittet seine Frau ihn zum Beispiel, ihr einen Diamantring zu kaufen, der mindestens zweihundert Dollar wert ist. Er sagt seinem Freund, dass er in finanziellen Schwierigkeiten steckt und den Ring nicht kaufen kann, den sie sich wünscht. Er möchte, dass sein Freund ihm das Geld schenkt, um seiner Frau den Ring zu Pessach zu kaufen. |
4 | Auch haben wir nie gehört, dass es in einer Stadt einen Verwalter für Geschenke gäbe – also dass es dort neben dem Almosenverwalter ebenso einen Geschenkverwalter gäbe. In der Welt ist es vielmehr so, dass man Geschenke gibt und nicht um sie bittet. Wer einen anderen liebt, in dem regt sich der Wunsch, ihm eine Freude zu bereiten, und deshalb gibt er ihm ein Geschenk. Man kann hier also nicht sagen, dass man um Geschenke bittet oder dass es in der Stadt einen eigenen Ort gäbe, an dem Geschenke ausgegeben werden. | וגם לא שמענו, שיהיה באיזו עיר סדר של גבאי מתנות. היינו, שיהיה מסודר בעיר גבאי צדקה וכמו כן גבאי מתנות. אלא מדרך העולם הוא, שמתנות נותנים ולא מבקשים. היינו שמי שהוא אוהב את השני, אז מתעורר בו חשק להנות אותו, וזוהי הסיבה שנותן לו מתנה. ולא שייך לומר כאן, שמבקשים מתנות, ושיהיה מקום מיוחד בעיר שנותנים מתנות. | Wir haben auch noch nie gehört, dass es in einer Stadt einen Verantwortlichen für das Einsammeln von Geschenken gibt, was bedeutet, dass es in der Stadt sowohl einen Verantwortlichen für das Einsammeln von Almosen als auch einen für Geschenke gibt. Vielmehr ist es üblich, dass Geschenke gegeben und nicht erbeten werden. Das heißt, wenn man einen anderen liebt, möchte man ihm gefallen und deshalb gibt man ihm ein Geschenk. Man kann also nicht sagen, dass man um Geschenke bittet oder dass es einen besonderen Ort in der Stadt gibt, an dem Geschenke überreicht werden. |
5 | Doch wir müssen den wahren Grund verstehen, warum man nicht um Geschenke bittet, um Almosen hingegen schon. In jeder Stadt gibt es eine Einrichtung, die allen Bedürftigen hilft, damit sie ihren Lebensunterhalt haben und in der Welt bestehen können. Auch heute gibt es in jedem Land eine Behörde, die sich um die Bedürftigen kümmert. | אולם יש להבין, מה היא הסיבה אמיתית שלא מבקשים מתנות. וצדקה כן מבקשים. ויש סידור בכל עיר, שעוזרים לכל אלה שנצרכים לעזור להם, שיהיה להם ממה לחיות, שיוכלו להתקיים בעולם. וכיום הוא מסודר בכל מדינה, שיש משרד שעוזר הדואג לאלה הנצרכים. | Wir sollten jedoch den wahren Grund verstehen, warum wir nicht um Geschenke bitten, sondern höchstens um Almosen. In jeder Stadt gibt es eine Einrichtung, die den Bedürftigen hilft, ihren Lebensunterhalt zu sichern, damit sie in der Welt bestehen können. Heute gibt es auch überall Büros, die sich um die Bedürftigen kümmern. |
6 | Der Grund ist sehr einfach: Es besteht ein Unterschied zwischen dem Notwendigen und dem Luxus. Notwendig ist das, was ein Mensch erhalten muss, um in der Welt bestehen zu können; erhält er die nötige Hilfe nicht, so kann er in der Welt nicht bestehen. Dazu sagten unsere Weisen (Sanhedrin 37): „Wer eine einzige Seele aus Israel am Leben erhält, dem wird es angerechnet, als hätte er eine ganze Welt erhalten.“ Gemeint ist das Notwendige, ohne das er nicht bestehen kann. Darauf kann ein Mensch nicht verzichten und auch nicht darauf, um Hilfe zu bitten, denn „alles, was ein Mensch hat, gibt er für sein Leben hin.“ | הסיבה היא פשוטה מאוד, כי יש הבדל בין הכרחיות למותרות. הכרחיות היא מה שהאדם מוכרח לקבל כדי שיוכל להתקיים בעולם, אחרת, היינו אם לא יקבל את הסיוע הדרוש, אין לו זכות קיום בעולם. על זה אמרו חז"ל (סנהדרין ל"ז) "כל המקיים נפש אחת מישראל, כאילו קיים עולם מלא", שהכוונה היא על ההכרחיות, אחרת אינו יכול להתקיים. ועל זה אין האדם יכול לוותר ולא לבקש עזרה, "כי כל אשר לאדם יתן בעד נפשו". | Der Grund dafür ist ganz einfach: Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen Notwendigkeit und Luxus. Notwendig ist das, was man für seine Existenz erhalten muss, um am Leben zu bleiben. Und erhält man nicht die notwendige Unterstützung, kann man in der Welt nicht existieren. Unsere Weisen sagten dazu (Sanhedrin 37): „Wer eine Seele aus Israel erhält, für den ist es, als hätte er eine ganze Welt erhalten.“ Dies bezieht sich auf die Notwendigkeit, ohne die jemand nicht existieren kann. Ein Mensch kann nicht darauf verzichten und beschließen, nicht um Hilfe bitten, denn „alles, was ein Mensch hat, wird er für sein Leben einsetzen.“ |
7 | Deshalb schämt sich ein Mensch nicht, um Almosen zu bitten, denn es geht mehr oder weniger um Leben und Tod. Auch der andere, der Geber, sieht ein, dass es richtig ist, ihm das Erbetene zu geben. Je näher die Sache an Leben und Tod heranreicht, desto offener fordert der Empfänger, und desto stärker nimmt der Geber an seiner Lage Anteil. Je weiter sie davon entfernt ist, desto kühler kümmert sich der Geber um die Lage des Empfängers. Doch all das bewegt sich auf der Bahn des Notwendigen. | ומשום זה האדם לא מתבייש לבקש צדקה, היות שזה ענין פקוח נפש פחות או יותר. והשני, היינו הנותן, גם כן מבין, שכדאי לתת לו את מבוקשו. ומה שהענין יותר קרוב לפקוח נפש, אז המקבל תובע יותר בפה מלא, וכמו כן הנותן מתעניין במצבו של המקבל. ומה שהוא יותר רחוק מפקוח נפש, גם הנותן מטפל במצבו של המקבל בקרירות. אבל הכל הולך על מסלול של הכרחיות. | Deshalb schämt man sich auch nicht, um Almosen zu bitten, denn es geht quasi um Leben und Tod. Auch der Geber versteht, dass er geben soll, was derjenige verlangt. Je mehr die Angelegenheit Leben und Tod betrifft, desto offener fordert der Bittende, und desto mehr interessiert sich der Geber für dessen Situation. Je weniger die Angelegenheit Leben und Tod betrifft, desto kälter steht der Geber dem Zustand des Empfängers gegenüber. Doch alles folgt dem Pfad der Notwendigkeit. |
8 | Beim Luxus ist es anders. Wer um Luxus bittet, schämt sich. Und auch der Geber hört nicht auf den, der um Luxus bittet. Darum müssen wir zwischen Almosen und Geschenk unterscheiden. Beim Almosen erfolgt die Antwort auf die Forderung des Empfängers: Bittet der Almosenempfänger, so gibt man ihm. So kommt das Almosen durch ein Erwachen des Niederen zustande, weil dieser seinen Mangel spürt. Sobald er nämlich sieht, dass er ohne die Hilfe des Gebers in der Welt nicht bestehen kann, schämt er sich nicht, sondern erniedrigt sich sogar vor dem Geber – und zwar deshalb, weil ihm keine andere Wahl bleibt. | מה שאין כן במותרות. המבקש למותרות מתבייש לבקש. וגם הנותן אין שומע למי שהוא מבקש מותרות. ומשום זה יש להבחין בין צדקה למתנה. כי בצדקה באה התשובה על תביעת המקבל. היינו, אם המקבל צדקה מבקש, אז נותנים לו. נמצא, שצדקה באה על ידי התעוררות התחתון, היות שהוא מרגיש בחסרונו. זאת אומרת, שבזמן שהוא רואה, שאינו יכול להתקיים בעולם בלי עזרת הנותן, אז אין המקבל מתבייש, אלא הולך ומבזה עצמו בפני הנותן. והוא מטעם שאין לו ברירה אחרת. | Bei Luxusgütern ist das nicht der Fall. Jemand, der um Luxusgüter bitten würde, würde sich dafür schämen. Und auch der Geber hört nicht auf jemanden, der um Luxusgüter bittet. Aus diesem Grund müssen wir zwischen Wohltätigkeit und Geschenk unterscheiden. Bei der Wohltätigkeit kommt die Antwort auf die Bitte des Empfängers. Wenn also der Almosenempfänger bittet, dann wird ihm gegeben. Daraus folgt, dass Wohltätigkeit durch ein Erwachen des Niederen entsteht, der seinen Mangel spürt. Wenn er sieht, dass er ohne die Hilfe des Gebers nicht in der Welt existieren kann, schämt sich der Empfänger nicht, sondern geht hin und erniedrigt sich vor ihm, da er keine andere Wahl hat. |
9 | Ein Geschenk dagegen geht ganz vom Geber aus. Wenn im Geber das Verlangen erwacht, seinem geliebten Menschen die Liebe zu zeigen, dann schickt er ihm ein Geschenk. Demnach kommt ein Geschenk durch das Erwachen des oberen Gebenden, während das Almosen durch das Erwachen des Empfängers kommt. Der Almosenempfänger muss zum Geber gehen und ihm den Bedarf verständlich machen, den er von ihm fordert. Und in dem Maße, wie er ihm begreiflich machen kann, dass er diese Hilfe dringend braucht und dass die Sache äußerst notwendig ist, in dem Maße erhält er vom Geber, worum er bittet. | אמנם מתנה באה הכל מצד הנותן. זאת אומרת, אם הנותן מתעורר, שיש מה לעשות, לגלות את האהבה אצל אוהבו, אז הוא שולח לו מתנה. נמצא לפי זה, שמתנה באה מצד התעוררות העליון המשפיע, מה שאין כן צדקה באה מצד ההתעוררות המקבל. והמקבל הצדקה צריך ללכת להנותן, ולתת לו להבין, את צורך הצדקה, מה שהוא דורש ממנו. ובשיעור שהמקבל יכול לתת להבין את הצורך הנחוץ לו שיבוא לעזרתו, ובשיעור שיכול לתת לו להבין, שזה ענין הכרחי מאוד מאוד, אז הוא מקבל יותר את מבוקשו מצד הנותן. | Doch ein Geschenk kommt ausschließlich vom Geber. Denn wenn der Geber erwacht, um seinem geliebten Menschen die Liebe zu offenbaren, schickt er ihm ein Geschenk. Daraus folgt, dass ein Geschenk durch das Erwachen des Schenkenden kommt, aber die Wohltätigkeit kommt durch ein Erwachen des Empfängers. Derjenige, der die Wohltätigkeit empfängt, sollte zum Geber gehen und ihm die Notwendigkeit der Wohltätigkeit deutlich machen, um die er ihn bittet. In dem Maße, in dem der Empfänger sein Bedürfnis nach Hilfe erklären kann, und dass es ein absolutes Muss ist, erhält er das, worum er den Geber bittet. |
10 | Der eigentliche Grund ist jedoch, wie wir lernen, folgender: Wenn wir etwas gebrauchen müssen, das nicht in der Wurzel vorhanden ist, empfinden wir dabei ein Unbehagen. So heißt es im Studium der Zehn Sefirot (Talmud Eser haSfirot, Teil 1, Innere Betrachtung, Punkt 19): „Bekanntlich gleicht die Natur jedes Zweiges seiner Wurzel. Darum begehrt der Zweig alles, was in der Wurzel üblich ist, liebt es und sehnt sich danach. Und von allem, was in der Wurzel nicht üblich ist, hält sich auch der Zweig fern; er erträgt es nicht und hasst es.“ | אולם הטעם העיקרי הוא, כמו שאנו לומדים, היות שכל מה שאינו נמצא בשורש, וכשאנו צריכים להשתמש עם דבר זה, אנו מרגישים בזה אי נעימות, כמו שאומר (תע"ס, חלק א', הסתכלות פנימית, אות י"ט) וזה לשונו "בידוע, אשר כל ענף יהיה טבעו שוה לשורשו. ולכן כל הענינים הנוהגים בהשורש, יתרצה בו גם הענף, ויאהב אותם ויחמדם. וכל הענינים שאינם נהוגים בהשורש, גם הענף מתרחק מהם, לא יסבול אותם וישנא אותם". | Wir wissen, dass wir Unbehagen darüber empfinden, wenn wir etwas tun müssen, das nicht in der Wurzel vorhanden ist – entsprechend den Worten: „Es ist bekannt, dass die Natur eines jeden Zweiges seiner Wurzel gleicht. Deshalb wird jedes Verhalten der Wurzel auch vom Zweig gewünscht, geliebt und begehrt; und von allem, was nicht in der Wurzel ist, entfernt sich auch der Zweig, duldet es nicht und hasst es.“ (Das Studium der Zehn Sefirot) |
11 | Das Empfangen ist in unserer Wurzel also nicht üblich. Wenn ein Mensch daher empfangen muss, empfindet er Scham, und diese ist ein Unbehagen, weil das Empfangen in unserer Wurzel nicht üblich ist. Braucht jemand die Hilfe seines Nächsten und handelt es sich um etwas Notwendiges, so sagt man: Es bleibt keine Wahl, denn nichts kann der Lebensrettung im Wege stehen. Doch bei der Lebensrettung gibt es viele Abstufungen. Bei allem, was notwendig ist, erträgt man also die Scham und bittet um Hilfe. Und was notwendig ist, ist nicht bei jedem gleich, sondern jeder Mensch hat ein anderes Maß. Das heißt: Was dem einen als Luxus gilt, kann für den anderen notwendig sein. | נמצא, שענין קבלה לא נוהג בשורשינו. לכן בזמן שהאדם צריך להיות מקבל, הוא מרגיש בושה, שהיא אי נעימות, משום שזה לא נהוג בשורשינו. ומשום זה, כשאדם נצרך לעזרת חבירו, אם הוא דבר הכרחי, אז אומרים אין ברירה, כי אין לך דבר שעומד בפני פקוח נפש. אבל בענין פקוח נפש יש הרבה הבחנות. אי לזאת, כל דבר שהוא הכרחי, אז סובלים את הבושה ומבקשים עזרה. וענין הכרחי לא אצל כל אחד ואחד הוא שוה, אלא לכל אדם יש מידה אחרת. זאת אומרת, מה שנחשב לגבי אדם זה למותרות, יכול להיות לגבי השני הכרחיות. | Es stellt sich heraus, dass es in unserer Wurzel keinen Empfang gibt. Wenn man also empfangen muss, empfindet man unangenehme Scham, weil sie in unserer Wurzel nicht existiert. Deshalb gibt es keine andere Wahl, wenn man aus Notwendigkeit die Hilfe eines Freundes braucht, denn es ist nichts wichtiger, als das eigene Leben zu retten. Es gibt jedoch viele Dinge, die das Leben gefährden. Alles, was notwendig ist, lässt uns die Scham ertragen und um Hilfe bitten. Aber die Notwendigkeit ist nicht für alle gleich. Jeder Mensch hat ein anderes Maß. Das heißt, was der eine als Luxus ansieht, kann ein anderer als Notwendigkeit betrachten. |
12 | Darum lässt sich die Grenze schwer ziehen zwischen dem, was „Luxus“, und dem, was „Notwendigkeit“ heißt. Man könnte zwar sagen: Ein Ding, ohne das man leben kann, ist Luxus, und eines, ohne das man nicht leben kann, ist notwendig. Doch auch das lässt sich nicht zu hundert Prozent abmessen. | אי לזאת, קשה לקבוע את הגבול מה נקרא "מותרות", ומה נקרא "הכרחיות". כי הגם שאפשר לומר, על איזה דבר שהוא רוצה, שאפשר לחיות בלי זה, שהוא מותרות, ואם אי אפשר לחיות בלי זה, נקרא הכרחיות. גם זה אי אפשר להיות מודד במאה אחוז. | Daher ist es schwierig zu bestimmen, was als Luxus und was als Notwendigkeit angesehen wird. Man kann zwar sagen, dass etwas, das man sich wünscht und auf das man verzichten kann, Luxus ist, aber wenn man nicht ohne es leben kann, ist es notwendig. Aber auch dies ist kein hundertprozentig genaues Maß. |
13 | Ein Beispiel finden wir bei unseren Weisen (Ketubot 67b): „Jemand kam zu Rabbi Nechemia. Dieser fragte ihn: Wovon ernährst du dich? Er antwortete: Von fettem Fleisch und altem Wein. Da sagte er zu ihm: Willst du dich nicht wie ich mit Linsen begnügen? Er gewöhnte sich an Linsen – und starb.“ Wir sehen aus dieser Begebenheit: Obwohl fettes Fleisch und alter Wein nach allgemeiner Auffassung gewiss Luxus sind, waren sie für diesen Menschen notwendig – so sehr, dass er aus diesem Grund starb. | דוגמא, כמו שמצינו בחז"ל (כתובות דף ס"ז ע"ב) "ההוא דאיתא לגבי דרבי נחמיה. אמר ליה, במה אתה סועד. אמר ליה, בבשר שמן ויין ישן. רצונך, שתגלגל עמי בעדשים. גלגל בעדשים, ומת". רואים אנו ממעשה זו, שהגם שבשר שמן ויין ישן הוא בטח מותרות, אליבא דכולא עלמא, מכל מקום אצל אדם זה, היה זה ההכרחיות, עד כדי כך שמסיבה זו הוא מת. | So schrieben unsere Weisen (Ketubot, S. 67b): „Rabbi Nechemia wurde einmal gefragt: Was isst du? Er antwortete: fettes Fleisch und alten Wein. Sie sagten zu ihm: Iss wie alle anderen – Linsen. Er begann, Linsen zu essen und starb“. An diesem Beispiel sehen wir, dass fettes Fleisch und alter Wein unter den Menschen als übertrieben galten, aber für Rabbi Nechemia war es eine Notwendigkeit, denn er konnte nicht ohne sie leben. Darüber hinaus können wir ein weiteres Beispiel aus der Tora (Deuteronomium, 15) anführen, wo es heißt: „Gebt ihm, was er braucht, je nach seinen Bedürfnissen…“ |
14 | Weiter sehen wir dort die Worte unserer Weisen: „Die Weisen lehrten: ‚Genug für seinen Mangel, woran es ihm fehlt‘ (Deuteronomium 15). ‚Genug für seinen Mangel‘ – du bist verpflichtet, ihn zu versorgen, aber nicht verpflichtet, ihn reich zu machen. ‚Woran es ihm fehlt‘ – sogar ein Pferd zum Reiten und einen Knecht, der vor ihm herläuft. Von Hillel dem Älteren erzählte man, dass er für einen verarmten Mann aus gutem Hause ein Pferd zum Reiten und einen Knecht besorgte, der vor ihm herlaufen sollte. Einmal fand er keinen Knecht, der vor ihm herlief, und so lief er selbst drei Meilen vor ihm her.“ | ועוד אנו רואים שם בדברי חז"ל, וזה לשונם "תנו רבנן, די מחסורו אשר יחסר לו (דברים ט"ו). די מחסורו: אתה מצווה עליו לפרנסו, ואי אתה מצווה עליו לעשרו, אשר יחסר לו: אפילו סוס לרכוב ועבד לרוץ לפניו. אמרו עליו על הלל הזקן, שלקח לעני בן טובים אחד, סוס לרכוב עליו ועבד לרוץ לפניו. פעם אחת לא מצא עבד לרוץ לפניו, ורץ לפניו שלשה מילין". | „Gebt ihm, was er braucht…“ – bedeutet: Lass den Armen verdienen, was er braucht. „Was er brauchen wird…“ – sorgt für das, was der verarmte Reiche braucht. Selbst wenn dies erfordert, „ihn auf ein Pferd zu setzen und ihm einen Sklaven zu geben, der vor ihm herläuft.“ „Der Weise Hillel erzählte, dass er dem verarmten Tuvia ein Pferd und einen Sklaven gab, der vor ihm herlaufen sollte. Eines Tages geschah es, dass der Sklave nicht da war, und der weise Hillel selbst lief anstelle des Sklaven drei ganze Meilen lang.“ |
15 | Daran können wir nach der Auslegung unserer Weisen zum Vers „woran es ihm fehlt“ erkennen: Sogar ein Pferd zum Reiten und ein Knecht, der vor ihm herläuft, fallen unter den Begriff des Mangels und nicht unter den des Luxus. Denn hier ist von einem Armen die Rede, wie die Gemara berichtet, dass Hillel sich eines verarmten Mannes aus gutem Hause annahm. Und was man einem Armen gibt, heißt gewiss „Almosen“, also Notwendigkeit. Und selbst das Pferd zum Reiten und der vorauslaufende Knecht gelten demnach ebenfalls als „notwendig“. Wir können also keine Grenze ziehen und sagen: Bis hierher heißt es „notwendig“ und von da an „Luxus“. | מכאן אנו יכולים לראות, לפי דרשת חז"ל על הפסוק "אשר יחסר לו", אפילו סוס לרכוב ועבד רץ לפניו הכל נכנס בגדר חסרון, ולא בבחינת מותרות. כי כאן המדובר בעני, כמו שהביאה הגמרא, שלקח הלל עני בן טובים. וזה ודאי מאי שנותנים לעני נקרא "צדקה", היינו בחינת הכרחיות. וכשהוא אפילו סוס לרכוב ועבד רץ לפניו, משמע גם כן נקרא "הכרחיות". אם כן אין לנו לומר גדר, שעד כאן נקרא "הכרחיות", ומכאן ולהלאה נקרא "מותרות". | Aus dem oben Gesagten können wir den Tora-Spruch verstehen: „Gib ihm, was er braucht, je nach seinen Bedürfnissen.“ Das bedeutet, dass alles vom Ausmaß des Gefühls des Mangels abhängt und sich nicht auf ein Übermaß bezieht. Im Beispiel des verarmten Tuvia wird das, was er erhielt, als „Almosen“ bezeichnet, also als notwendig, auch wenn es „ein Pferd und ein Sklave waren, die vor ihm herliefen.“ Wir können also nicht festlegen, wo „Notwendigkeit“ aufhört und „Luxus“ beginnt. |
16 | Demnach kann der Arme als Almosen etwas verlangen, was bei anderen „Luxus“ heißt. Wie gesagt: Der Arme bittet um Almosen, ohne sich allzu sehr zu schämen, weil das Almosen für ihn notwendig ist. Doch wir können nicht allgemein zwischen Almosen und einem als „Luxus“ geltenden Geschenk unterscheiden, denn das hängt vom Charakter des Menschen ab. Jeder hat sein eigenes Maß dafür, was er „notwendig“ und was er „Luxus“ nennt. Ist es etwas, ohne das man leben kann, und fehlt dem Armen der Mut, einen anderen darum zu bitten, dann fällt es unter den Begriff des Geschenks – und ein solches kommt nur durch das Erwachen des Gebers zustande. | נמצא לפי זה, אשר העני יכול לבקש, שיתנו לו בתור צדקה דבר, מה שלגבי אחרים נקרא זה "מותרות". זאת אומרת, מה שאמרנו, שהעני מבקש צדקה ואין לו כל כך בושה, משום שאצלו הצדקה דבר הכרחי. אבל אין לנו להבחין בין צדקה למתנה, שנקראת "מותרות", אלא שזה תלוי לפי אופי של האדם. ולכל אדם יש לו מידה מצד עצמו, לקבוע מה שנקרא "הכרחיות", ומה שנקרא אצלו "מותרות", מחמת שהוא דבר שיכולים לחיות בלי זה, ואין להעני כל כח אומץ לבקש מהשני, לכן נכנס זה בגדר מתנה, ושזה באה לו רק מצד התעוררות הנותן. | Daraus folgt, dass der Arme als Almosen verlangen kann, was andere als Luxus betrachten. Und wie wir sagten, empfindet der Arme, der um Almosen bittet, keine Scham, weil die Almosen für ihn notwendig sind. Wir können jedoch nicht zwischen Almosen und Geschenken unterscheiden, die als Luxus angesehen werden. Es hängt vielmehr vom Charakter des Menschen ab. Jeder Mensch hat sein eigenes Maß, was Notwendigkeit und Luxus betrifft. Wenn ein armer Mensch nicht den Mut hat, einen anderen um etwas zu bitten, fällt dies unter die Definition eines Geschenks, das ihm durch die Erweckung des Gebers zuteil wird. |
17 | Wer aber kann bestimmen, ob das, worum ein Mensch seinen Nächsten bittet, unter den Begriff des Almosens oder des Geschenks fällt? Nur der Schöpfer kennt das Maß eines Menschen, um zu sagen: Bis hierher heißt es „notwendig“ und von da an „Luxus“. | אבל מי יכול לקבוע, אם דבר זה שהאדם מבקש מחבירו, אם זה נכנס בגדר צדקה או מתנה, זה רק ה' יודע את שיעורו של אדם, שנאמר, שעד כאן נקרא "הכרחיות", ומכאן ולהלאה נקרא "מותרות". | Doch wer kann bestimmen, ob das, worum man einen Freund bittet, unter die Kategorie Almosen oder Geschenk fällt? Nur der Schöpfer kennt das Maß, in dem man sich befindet – bis hierher gilt es als Notwendigkeit, und ab hier als Luxus. |
18 | Nun wollen wir dieselben Begriffe auf die innere Arbeit anwenden. Beim Gebet, wenn ein Mensch den Schöpfer um Hilfe in der Arbeit bittet, müssen wir unterscheiden, ob er den Schöpfer um Almosen bittet, also um das Notwendige. Ohne dieses, so sagt er zum Schöpfer, hat sein Leben keinen Sinn. Er fühlt sich nämlich nackt und von allem entblößt, sowohl an Tora als auch an Mizwot. Er spürt, dass kein Funke Wahrheit in ihm ist und dass alle seine Handlungen auf Heuchelei und Lüge gebaut sind. Das ganze Fundament, auf dem er sein Gebäude der Heiligkeit (Kedusha) errichtet, ruht also auf der Selbstliebe. | ועכשיו נדבר אותם מושגים בעניני עבודה. שאנו צריכים להבחין בעת התפלה, כשהאדם מבקש מה', שיעזור לו בעבודה. אם הוא מבקש מה' צדקה, היינו הכרחיות, שבלי זה הוא אומר לה', שאין לו טעם בחיים. היינו שמרגיש, שהוא בעירום וחוסר כל, הן מתורה והן ממצות. והוא מרגיש בעצמו, שאין בו שום ניצוץ של אמת, וכל המעשים שלו בנויים על צביעות ושקר. היינו שכל הבסיס שהוא בונה את בנין הקדושה שלו, הוא על יסוד של אהבה עצמית. | Jetzt werden wir über diese Begriffe in Bezug auf die Arbeit sprechen. Wir müssen während des Gebetes, wenn jemand den Schöpfer bittet, ihm bei der Arbeit zu helfen, unterscheiden, ob er den Schöpfer um lebensnotwendige Wohltätigkeit (Zedaka) bittet, ohne die – so sagt er zum Schöpfer – sein Leben sinnlos ist und er sich deswegen nackt und mittellos fühlt, ohne Tora und ohne Mizwot [Gebote]. Er spürt, dass kein Funken Wahrheit in ihm ist und dass alle seine Handlungen auf Heuchelei und Lügen beruhen. Das heißt, das ganze Fundament, auf dem er sein Gebäude der Kedusha [Heiligkeit/Heiligkeit] aufbaut, basiert auf der Selbstliebe. |
19 | Und er hat das Gefühl, jeden Tag zurückzufallen, statt voranzukommen. Er erlebt das Gegenteil dessen, was er erwartet hatte: Als er die heilige Arbeit aufnahm, empfand er größere Wichtigkeit der Tora und der Arbeit. Eben deshalb hatte er Tora und Arbeit auf sich genommen – weil es sich lohnt, sich von den Nichtigkeiten dieser Welt zurückzuziehen und an Tora und Mizwot zu haften, was ihm Glück und Sinn im Leben bringen sollte. Seine Begeisterung war damals groß. | ומרגיש, שכל יום הוא הולך אחורנית, במקום שהוא היה צריך להתקדם. והוא רואה את ההיפך, היינו כשהתחיל להכנס בעבודת הקודש, היה מרגיש יותר חשיבות בתורה ועבודה, וזאת היתה הסיבה שקבל על עצמו תורה ועבודה, היתה מטעם שכדאי להתרחק מהבלי העולם הזה, ולהתדבק בתורה ומצות, שזה יביא לו אושר וטעם בחיים, וההתלהבות שלו היתה בשיעור גדול. | Er hat das Gefühl, dass er jeden Tag einen Rückschritt macht, obwohl er eigentlich hätte vorankommen müssen. Aber er sieht das Gegenteil, denn als er mit der Arbeit der Heiligkeit begann, fühlte er mehr Wichtigkeit in der Tora und der Arbeit; und das war der Grund, warum er die Tora und die Arbeit auf sich nahm – weil es sich lohnte, sich von den Eitelkeiten dieser Welt zurückzuziehen und sich an Tora und Mizwot zu klammern. Denn das würde ihm Glück und Sinn im Leben bringen, und dies hat ihn sehr begeistert. |
20 | Jetzt versteht er nicht, woher er damals diese Kräfte nahm. Käme heute jemand zu ihm und sagte: „Lass alles los, zieh dich von den Nichtigkeiten dieser Welt zurück und nimm die heilige Arbeit auf“, so könnte er in seinem jetzigen Zustand gewiss nicht auf ihn hören – weder mit dem Verstand noch mit dem Gefühl. | ועכשיו הוא לא מבין, מאין לקח את הכוחות האלו. זאת אומרת, עכשיו, אם היה בא איש, ואומר לו, תעזוב הכל ותתרחק מהבלי עולם הזה ותכנס לעבוד עבודת הקודש, בטח שלא היה יכול לשמוע בקולו, במצב שהוא נמצא עכשיו, הן מבחינת השכל והן מבחינת הרגשה. | Aber jetzt versteht er nicht, woher er diese Kräfte genommen hatte. Würde ihm jetzt jemand sagen: „Lass alles fallen, zieh dich von den Eitelkeiten dieser Welt zurück und fang an, die Arbeit der Heiligkeit zu tun“, wäre er zweifellos nicht in der Lage, ihm in seinem jetzigen Zustand zuzuhören, weder intellektuell noch emotional. |
21 | Gewiss muss er sich sagen, dass er damals Glaube und Vertrauen hatte, jetzt aber von all dem weit entfernt ist. Damals war es so, dass er sich die ganze Zeit, in der er sich mit der Arbeit beschäftigte, der Wahrheit nähern wollte – das ist die Anhaftung an den Schöpfer (Dwekut) –, und danach sehnte er sich. Jetzt aber steht er zehn Stufen weiter zurück. Das heißt, ihm fehlen jetzt die Begeisterung für die Tora und das Empfinden ihrer Wichtigkeit. | ובטח הוא צריך לומר לעצמו, שאז היתה לו אמונה ובטחון, ועכשיו הוא רחוק מכל אלה. מה שאין כן אז נמצא, שכל הזמן הזה, שהוא היה עוסק בעבודה, היה בכדי שיתקרב אל האמת, שהוא דביקות ה', והיה משתוקק לזה. אולם עכשיו הוא נמצא במצב עשר מעלות אחורנית. זאת אומרת, חסרה לו עכשיו ההתלהבות לתורה, וחשיבות התורה. | Er sollte sich sagen, dass er damals Glauben und Zuversicht hatte, aber jetzt von all dem weit entfernt ist. Es stellt sich heraus, dass er die ganze Zeit, in der er sich mit der Arbeit beschäftigte, um der Wahrheit näher zu kommen, nach Dwekut [Verbundenheit] mit dem Schöpfer strebte. Aber nun zog er sich um zehn Stufen zurück, was bedeutet, dass ihm jetzt Eifer und Wichtigkeit für die Tora fehlen. |
22 | Erst recht gilt das für das Gebet: Er verspürt kein Verlangen danach, denn der Körper sagt ihm: „Was bringt es dir, dass du betest? Du siehst doch selbst, dass du umso tiefer sinkst, je mehr Arbeit du leisten willst. Wozu also diese Arbeit?“ Wie soll ein Mensch sich da abmühen, wo er sieht, dass er nicht einen einzigen Schritt vorankommt? | ומכל שכן תפלה, אין לו השתוקקות לתפלה, כי הגוף אומר לו, מה יתן לך בזה שאתה מתפלל, הלא אתה רואה בעצמך, שכל מה שאתה רוצה לתת יותר עבודה, אתה הולך יותר למטה. אם כן עבודה זו למה לי. אם כן איך אדם יכול לתת יגיעה, במקום שרואה שאי אפשר להתקדם אף שעל וצעד קדימה. | Das gilt erst recht für das Gebet: Er hat kein Verlangen nach einem Gebet, weil der Körper ihm sagt: „Was hast du davon, wenn du betest? Du siehst doch selbst, dass du umso mehr absteigst, je mehr du arbeiten willst; wozu brauche ich also diese Arbeit?“ Wie kann man sich also anstrengen, wenn man sieht, dass man keinen Schritt vorwärts kommt? |
23 | Da die Ruhe dem Menschen Genuss verschafft, kann er auf sie nur verzichten, wenn er weiß, dass er einen größeren Genuss gewinnt oder etwas dringend Nötigeres. Dann hat er einen Grund, auf die Ruhe zu verzichten – aber nicht einfach ohne jede Gegenleistung. Sieht er nun, dass ihm seine Mühe nichts von dem eingebracht hat, was er zu gewinnen hoffte, so verliert er die Kraft zur Arbeit und bleibt erschöpft zurück. | והיות שענין מנוחה נותן לאדם הנאה, ואין האדם מסוגל לוותר על המנוחה, אלא בזמן שיודע, שירויח הנאה יותר גדולה, או דבר יותר נחוץ. נמצא, שאז יש לו סיבה לוותר על המנוחה, אבל לא סתם בלי שום תמורה. אם כן בזמן שהוא רואה, שע"י היגיעה שהוא נתן, לא הרויח כלום, מה שהיה בדעתו להרויח, ומשום זה נאבד לו עכשיו כח עבודה, והוא נשאר באפיסת הכוחות. | Der Mensch genießt zwar die Ruhe und kann nicht auf sie verzichten, es sei denn, er weiß, dass ihm ein größeres Vergnügen lacht oder dass er dafür etwas mehr benötigt. Zu diesem Zeitpunkt hat er einen Grund, die Ruhe aufzugeben, jedoch unter der Voraussetzung einer Belohnung. Wenn er also sieht, dass seine Anstrengung ihm nichts von dem eingebracht hat, was er zu verdienen glaubte, verliert er die Kraft zu arbeiten und bleibt kraftlos. |
24 | Er betrachtet sich selbst und sagt: Käme jemand zu ihm und spräche: „Wisse, dass du in einiger Zeit, in einigen Monaten oder Jahren, in einen Zustand der Verzweiflung geraten wirst. Du wirst keinerlei Fortschritt erzielen, im Gegenteil: Jedes Jahr wirst du dich niedriger fühlen als jetzt. Schon jetzt fühlst du dich niedrig, und gerade deshalb willst du die wahre Arbeit beginnen, um das wahre Ziel zu erreichen, für das du erschaffen wurdest. Darum sage ich dir: Schade um deine Mühe. Denn ich kenne viele Menschen, die dachten wie du – dass man nur ein wenig Mühe aufbringen muss und sofort Früchte sehen wird, also einen gewissen Fortschritt in der wahren Arbeit.“ | ומסתכל על עצמו ואומר, שאם היה מי שהוא, שהיה בא אליו ואומר לו, תדע לך, שאתה בעוד כמה זמן, חודשים או שנים, אתה תגיע למצב של יאוש, היינו שלא תהיה בידך שום התקדמות, אלא להיפך, היינו שכל שנה אתה תהיה במצב של יותר שפלות מכפי שאתה מרגיש עכשיו, שאתה הוא בשפלות, שמשום זה אתה רוצה להכנס בעבודה של אמת, בכדי להגיע להמטרה של אמת, שבשבילה נבראת. לכן אני אומר לך, שחבל על היגיעה שלך, כי אני מכיר הרבה אנשים, שחשבו כמו שאתה חושב, שרק אתה תיתן קצת יגיעה, תיכף אתה תראה פירות, היינו התקדמות משהו בעבודה של אמת. | Er sagt sich selbst, dass jemand zu ihm sagen würde: „Wisse, dass du in einiger Zeit, in einigen Monaten oder Jahren, in einen Zustand der Verzweiflung kommen wirst, weil du keine Fortschritte machen wirst, sondern im Gegenteil, jedes Jahr niedergeschlagener als jetzt sein wirst; denn jetzt bist du niedergeschlagen, und willst deshalb die wahre Arbeit beginnen, um das wahre Ziel zu erreichen, für das du geschaffen wurdest. Deshalb sage ich dir, dass du dich vergeblich anstrengst, denn ich kenne viele Menschen, die so dachten wie du. Nämlich dass man, wenn man sich nur ein wenig anstrengt, sofort Ergebnisse sehen wird, d.h. einen Fortschritt in der wahren Arbeit.“ |
25 | Dann würde ich ihm antworten: Du gehörst zu den Kundschaftern, die das Land Israel verleumdeten. Genau so legt es der Sohar aus (Schlach, Blatt 22, im Sulam Punkt 63): „‚Und sie kehrten zurück vom Erkunden des Landes.‘ ‚Sie kehrten zurück‘ bedeutet, dass sie zur bösen Seite zurückkehrten und vom Weg der Wahrheit abkehrten, indem sie sagten: Was haben wir bis heute davongetragen? Wir haben nichts Gutes in der Welt gesehen; wir haben uns in der Tora abgemüht, und das Haus ist leer. Wer wird jene Welt erlangen, und wer wird in sie eingehen? Besser wäre es für uns gewesen, wir hätten uns nicht so sehr abgemüht. Sie berichteten ihm, und er sprach, und so weiter: Wir haben uns abgemüht und gelernt, um einen Anteil an jener Welt zu kennen, wie du uns geraten hast. Auch ist sie ein Land, das von Milch und Honig fließt: Gut ist jene obere Welt, wie wir aus der Tora wissen – aber wer kann sie erlangen?“ | אז הייתי משיב לו, שאתה שייך למרגלים, שדברו לשון הרע על ארץ ישראל. בדיוק כמו שמפרש הזה"ק (שלח דף כ"ב ובהסולם אות ס"ג) וזה לשונו "וישובו מתור הארץ. ישובו, היינו שחזרו לצד הרע, וחזרו מדרך האמת, שאמרו, מה יצא לנו עד היום, לא ראינו טוב בעולם, עמלנו בתורה והבית ריקם. ולעולם ההוא מי יזכה, ומי יבוא לתוכו. מוטב לנו, שלא היינו יגעים כל כך. ויספרו לו ויאמר וכו', הרי עמלנו ולמדנו, כדי לדעת חלק עולם ההוא, כמו שיעצת לנו. וגם זבת חלב ודבש הוא. טוב הוא עולם העליון ההוא, כמו שידענו בתורה, אבל מי יכול לזכות בה". | Dann würde er ihm antworten: „Du gehörst zu den Spionen, die das Land Israel verleumdeten. Es ist genau so, wie der heilige Sohar interpretiert (Shlach, Punkt 63): ‚Und sie kehrten zurück, nachdem sie das Land bereist hatten.‘ Sie kehrten zurück“ bedeutet, dass sie vom Weg der Wahrheit zur bösen Neigung zurückkehrten. Sie sagten: „Was haben wir bis jetzt erreicht? Wir haben noch nichts Gutes in der Welt gesehen. Wir haben uns in der Tora abgemüht, aber das Haus ist leer, und wer wird diese Welt verdienen und sie betreten? Es wäre besser, wenn wir uns nicht so sehr abmühen würden.‘ Sie sagten es ihm, und er sagte, usw.: „Wir haben uns abgemüht und gequält, um diese Welt kennenzulernen, wie du uns geraten hast. Und in ihr fließen auch Milch und Honig. Jene Höhere Welt ist gut, wie wir aus der Tora wissen, aber wer kann mit ihr belohnt werden?'“ |
26 | Nach einiger Zeit der Arbeit sagt er nun: Wären diese Gedanken ihm zu Beginn gekommen – als er sich vornahm, den gewohnten Zustand zu verlassen, der „angelernte Menschengebote“ heißt, und zu den wahren Dienern des Schöpfers zu gehören –, dann hätte er zu ihnen gesagt: „Ihr seid Boten der Kundschafter, und darum kommt ihr zu mir, um mich am Eintritt in das Land der Heiligkeit zu hindern, das ‚heilige Arbeit‘ heißt.“ Er hätte nicht auf sie gehört. Jetzt aber merkt er, dass er den Einwand der Kundschafter selbst empfindet. Und nun erscheint ihm dieser Einwand nicht mehr als der der Kundschafter, sondern als sein eigener. Er spürt nämlich: Alles, was er empfindet, ist wahr. | זאת אומרת, הוא אומר עכשיו, אחר כמה זמן של עבודה, שאם המחשבות האלו היו באות אליו בזמן תחילת העבודה, היינו בזמן שקבל על עצמו, שצריכים לצאת מהמצב הרגילות, הנקרא "מצות אנשים מלומדה", ולהיות בין עובדי ה' באמת, היה אומר אל המחשבות האלו, אתם שלוחים של המרגלים, ולכן אתם באים אלי, בכדי לעכב אותי מלהכנס לארץ דקדושה, הנקראת "עבודת הקודש". ולא היה שומע בקולם. ועכשיו הוא רואה, שהוא בעצמו מרגיש את טענת המרגלים, ועכשיו הם נראים בעיניו, שזה הוא לא טענת המרגלים, אלא זוהי טענת עצמו. היינו שהוא מרגיש, שכל מה שהוא מרגיש, הוא אמת. | Wären ihm diese Gedanken zu Beginn der Arbeit gekommen, als er sich vorgenommen hatte, die gewöhnliche Situation, die man „auswendig lernen“ nennt, zu verlassen und ein wahrer Diener des Schöpfers zu sein, hätte er ihnen geantwortet: „Ihr seid Boten der Spione. Deshalb seid ihr gekommen, um mich daran zu hindern, das Land der Kedusha zu betreten, das ‚heilige Arbeit‘ genannt wird.“ Er hätte nicht auf sie gehört. Aber jetzt spürt er selbst die Argumente der Spione, und es scheint ihm, dass dies seine eigenen Argumente sind, was bedeutet, dass alles, was er fühlt, wahr ist. |
27 | Und wie gesagt, erhebt sich die Frage: Was ist die Wahrheit? War er zu Beginn der Arbeit auf einer höheren Stufe als jetzt, nach mehreren Jahren der Arbeit und Mühe? Was lässt sich dann über einen solchen Zustand sagen – dass seine ganze Arbeit vergeblich war? Und nicht bloß vergeblich; denn „vergeblich“ hieße, dass er nichts gewonnen hat und sich in demselben Zustand befindet wie vor seinem Eintritt in die heilige Arbeit um des Gebens willen. | וכפי שאמרנו לעיל, מתעוררת השאלה, מהי האמת. האם בתחילת העבודה הוא היה במדרגה יותר גבוהה, מכפי שהוא נמצא עכשיו, לאחר כמה שנים של עבודה ויגיעה. אם כן מה יש לומר על מצב כזה, שכל עבודתו היתה לריק. ולא סתם לריק, כי לריק משמע, שהוא לא הרויח כלום, והוא נמצא באותו מצב, שהיה בו מטרם שהתחיל לכנס לעבודת הקודש בעמ"נ להשפיע. | Nun stellt sich die Frage, wie wir vorher sagten: „Was ist die Wahrheit?“ War er zu Beginn der Arbeit auf einer höheren Stufe als jetzt nach mehreren Jahren Arbeit und Mühe? Wenn ja, was kann man über einen solchen Zustand sagen? Seine ganze Arbeit war vergeblich. Und nicht nur vergeblich, denn vergeblich bedeutet, dass er nichts gewonnen hat und sich in demselben Zustand wie vor seinem Eintritt in die Arbeit der Heiligkeit befindet. |
28 | Doch hier ist es nicht so, sondern er hat verloren und ist gegenüber seinem früheren Zustand abgesunken. Ihm fehlen jetzt die Wichtigkeit und die Begeisterung für Tora und Mizwot; ihm fehlen der Schwung und das Vertrauen, die er damals hatte. Heute betrachtet er sich und stellt fest, dass er in einem Zustand des „Mir ist alles gleichgültig“ ist. Dem Anschein nach müsste man sagen, dass er gegenüber seinem früheren Zustand, dem Beginn seiner Arbeit, abgesunken ist. | אולם כאן איננו כך, אלא הפסיד וירד מהמצב הקודם. היינו שחסרות לו החשיבות וההתלהבות לתורה ומצות. חסרים לו המרץ והבטחון שהיו לו אז, וכהיום הוא מסתכל על עצמו, שנמצא בבחינת "לא איכפת לי שום דבר". ולכאורה האדם צריך לומר, שירד ממצבו הקודם, היינו מזמן תחילת עבודתו. | Aber hier ist es nicht so, vielmehr hat er seinen früheren Zustand verloren und ist von ihm abgefallen. Das heißt, es fehlen ihm Wichtigkeit und Eifer für Tora und Mizwot, die Energie und das Selbstvertrauen, die er hatte. Wenn er sich heute ansieht, befindet er sich in einem Zustand der Gleichgültigkeit. Es scheint also, als wäre er von seinem früheren Zustand, als er seine Arbeit begann, abgefallen. |
29 | In Wahrheit ist es aber nicht so. Denn nach der Regel „Es gibt kein Licht ohne Gefäß (Kli)“ bedeutet dies: Der Schöpfer füllt den Mangel des Niederen nicht, solange dieser keinen echten Mangel hat. Und „Mangel“ heißt nicht unbedingt, dass ihm die Sache fehlt, dass er sie also nicht hat. Das gleicht dem Gleichnis, das ich (in Artikel 6, 1986) schrieb: In einem Land fand eine Wahl statt, um einen Präsidenten zu wählen. Es gab zwei Kandidaten für das Präsidentenamt, und mehrere Aktivisten arbeiteten im Wahlkampf, von denen jeder wollte, dass der von ihm bevorzugte Kandidat gewählt würde. Am Ende wurde einer von ihnen gewählt. Stellt man nun eine Betrachtung über den Mangel an – wer spürt, dass er nicht Präsident ist? Letztlich gibt es nur einen einzigen Präsidenten, und alle Bürger des Landes haben den Mangel, dass sie keine Präsidenten sind. Trotzdem muss man beim Mangel unterscheiden nach dem Maß des Schmerzes, den man darüber empfindet, kein Präsident zu sein. Denn von den gewöhnlichen Bürgern muss man sagen: Obwohl sie keine Präsidenten sind, empfinden sie darüber keinerlei Mangel. | ובאמת אינו כן. כי כפי הכלל "אין אור בלי כלי" פירושו, שאין הבורא ממלא להתחתון את חסרונו, אם אין לו חסרון אמיתי. ו"חסרון" לא נקרא דוקא שחסר לו הדבר, היינו שאין לו. וזהו כמו שכתבתי משל (במאמר ו' תשמ"ו), שהיו בחירות בהמדינה, לבחור בנשיא מדינה. והיו שני מועמדים להיות לנשיא המדינה, והיו כמה עסקנים שעבדו בבחירות, שכל אחד היה רוצה שיבחרו בהנשיא מה שהוא רוצה. ולבסוף בחרו במי שהוא. עכשיו נעשה חשבון בענין החסרון, מי הוא שמרגיש שהוא לא נשיא, כי סוף כל סוף אין כאן אלא נשיא אחד. וכל בני המדינה יש להם חסרון, שצריכים לומר. שהם אינם נשיאים. ומכל מקום יש להבחין בענין החסרון, במידת הכאב מה שמרגישים בזה שהם אינם נשיאים. כי סתם בני המדינה, צריך לומר, אף על פי שאין הם נשיאים, אבל לא מרגישים שום חסרון בזה. | Doch in Wahrheit ist das nicht so. Es gilt die Regel, dass es kein Licht ohne Kli [Gefäß] gibt. Das bedeutet, dass der Schöpfer das Bedürfnis des Niederen nicht befriedigt, solange es nicht echt und tief ist. Ein Bedürfnis bedeutet nicht, dass ihm etwas fehlt. Es gleicht der Allegorie (Artikel Nr. 6) über eine Präsidentenwahl in einem Land. Es gab zwei Präsidentschaftskandidaten und mehrere Lobbyisten, die wollten, dass der Präsident, den sie unterstützten, gewählt würde. Am Ende wurde einer gewählt, und nun gab es eine Berechnung bezüglich des Mangels. Jemand war der Meinung, dass er nicht der Präsident sei, da es ja schließlich nur einen Präsidenten geben kann. Alle Menschen in diesem Land haben einen Mangel, weil sie keine Präsidenten sind. Wir sollten jedoch unterscheiden, wie groß der Schmerz darüber ist, dass sie keine Präsidenten sind. Wir sollten sagen, dass die normalen Bürger, obwohl sie keine Präsidenten sind, dies nicht als Mangel empfinden |
30 | Diejenigen aber, die sich darum bemüht hatten, wer Präsident werden soll, und bei denen ein anderer als der erhoffte Präsident wurde, empfinden Schmerz über diesen Mangel – dass nicht ihr Kandidat Präsident wurde, für den sie gearbeitet hatten. Wahres Leid jedoch empfindet gerade jener Mann, der meinte, man wird ihn zum Präsidenten machen, und der Kräfte investierte, um die Wahl zu gewinnen, damit die Bürger ihn wählen – und am Ende wählte man seinen Gegner. Er empfindet das wahre Leid. Von ihm kann man sagen, dass er einen echten Mangel hatte, Präsident zu werden, weil er Kräfte dafür einsetzte; und im selben Maß, wie er Kräfte einsetzte, wird das Leid empfunden. | ואלו שעסקו את מי לעשות נשיא, ועשו נשיא אחר מכפי שהם חשבו, יש להם כאבים מהחסרון הזה, שלא נעשה נשיא את מי שהם עבדו בשבילו. אבל יסורים אמיתיים יש דוקא לאותו אדם, שהוא חשב, שיעשו אותו לנשיא, והשקיע כוחות איך לנצח את הבחירות, שהבני מדינה יבחרו בו, ולבסוף בחרו ביריבו. הוא מרגיש את היסורים האמיתיים. ועליו יכולים לומר, שהיה לו חסרון אמיתי להיות לנשיא, מטעם שהוא השקיע כוחות לזה, ולפי הכוחות שהשקיע, כך באותו שיעור מורגשים היסורים. | Diejenigen, deren Lieblingskandidat nicht gewählt wurde, leiden unter diesem Mangel. Der wirklich Leidende ist derjenige, der dachte, er würde Präsident werden, und der sich anstrengte, die Wahlen zu gewinnen, sie jedoch verlor. Er spürt das wahre Leid. Wir können von ihm sagen, dass er das echte Bedürfnis hatte, Präsident zu werden, weil er sich dafür angestrengt hatte; und entsprechend der Anstrengungen, die er unternommen hatte, fühlt er das Leiden. |
31 | Aus dem Gesagten ergibt sich nun für die Arbeit für den Schöpfer: Zu Beginn seiner Arbeit hatte er Schwung, Vertrauen und große Wertschätzung für Tora und Gebet, weil er damals die Anmut der Heiligkeit besaß und fühlte, dass die Arbeit für den Schöpfer etwas Wichtiges ist. Doch das heißt noch nicht „Mangel“, den der Schöpfer füllen würde – jener Mangel, der „Anhaftung an den Schöpfer“ heißt. Denn der Mangel und der Schmerz darüber, keine Dwekut mit dem Schöpfer zu haben, waren in ihm noch nicht spürbar, weil er dafür noch keine Kräfte investiert hatte; er stand ja erst am Anfang der Arbeit. | ובהאמור יוצא לנו כאן, בעבודת ה', הגם שבתחילת עבודתו היה לו מרץ, ובטחון, וחשיבות גדולה לתורה ולתפלה, מטעם שהיה לו אז חן דקדושה, שהרגיש, שעבודת ה' היא דבר חשוב, אבל זה עוד לא נקרא "חסרון", שהבורא ימלא את החסרון הזה, שנקרא "דביקות ה'". מטעם, שבחינת "חסרון וכאב שאין לו דביקות בה'" עוד לא היתה מורגשת בו, מטעם שעוד לא השקיע כוחות לזה, כי אז רק התחיל בעבודה. | Daraus folgt, dass er zu Beginn seiner Arbeit Energie und Zuversicht und große Wichtigkeit für die Tora und das Gebet empfand, weil er zu dieser Zeit die Gnade der Heiligkeit hatte und fühlte, dass die Arbeit des Schöpfers wichtig ist. Dies wurde jedoch noch nicht als ein „Mangel“ (Chissaron) betrachtet, den der Schöpfer befriedigen wird; ein Mangel wird Dwekut [Anhaftung] mit dem Schöpfer genannt; denn weil er die Arbeit gerade erst begonnen und sich bisher kaum angestrengt hat, fühlt er noch nicht den Mangel und den Schmerz, nicht in Dwekut mit dem Schöpfer zu sein. |
32 | Anders ist es, wenn lange Zeit vergangen ist, in der er Kräfte investiert hat, ohne dass sein Mangel gefüllt wird. Dann beginnen sich in ihm Leid und Schmerz zu regen, weil er Kräfte einsetzte und dennoch keinen Fortschritt in seiner Arbeit sieht. Nun stellen sich die Gedanken einer nach dem anderen ein: mal als Funken der Verzweiflung, mal fasst er wieder Mut, und dann sieht er erneut, dass er von seinem Zustand abfällt – und so geht es immer wieder. So lange, bis sich in ihm ein echter Mangel angesammelt hat, den er durch die Mühe in Aufstiegen und Abstiegen erlangt. Denn diese Aufstiege und Abstiege hinterlassen in ihm jedes Mal einen Schmerz darüber, dass er die Anhaftung an den Schöpfer noch nicht erlangt hat. Und sobald das Maß der Mühe vollständig gefüllt ist – was „Gefäß (Kli)“ heißt –, kommt zu ihm die Füllung vonseiten des Schöpfers, weil er jetzt ein „echtes Gefäß“ hat. | מה שאין כן כשעבר עליו זמן הרבה, שהשקיע כוחות, ואינו רואה מילוי לחסרונו, אז מתחלת לרקום בו בחינת יסורים וכאבים, בזה שהוא השקיע כוחות, ואינו רואה שום התקדמות בעבודה שלו. ואז מתחילות המחשבות לבוא בזה אחר זה. לפעמים בניצוצי יאוש, ולפעמים מתחזק, ואח"כ עוד הפעם הוא רואה שנופל ממצבו, וכן חוזר חלילה. עד שנצטבר בו חסרון אמיתי, שהשיג זה ע"י יגיעה בעליות וירידות. שמעליות וירידות האלו, משאירים אצלו כל פעם בחינת כאב, על מה שהוא עוד לא זכה לדביקות ה', ואז שהסאה של יגיעה נתמלאה בשיעור שלם, שזה נקרא "כלי", אז בא אליו המילוי מצד ה', היות שיש לו עכשיו "כלי אמיתי". | Aber nach einer langen Zeit, in der er sich bemühte, jedoch sein Mangel nicht gestillt wurde, leidet er Qualen und Schmerzen, weil er Kräfte investiert hat, aber trotz allem keinen Fortschritt in seiner Arbeit sieht. Zu diesem Zeitpunkt kommt ein Gedanke nach dem anderen. Manchmal sind es Funken der Verzweiflung, und manchmal wird er stärker, aber dann sieht er wieder, dass er von seinem Zustand abgefallen ist, und so weiter und so fort. Schließlich bildet sich in ihm ein echter Mangel, den er durch Anstrengungen in Auf- und Abstiegen erlangt. Diese Auf- und Abstiege hinterlassen in ihm jedes Mal Schmerzen, dass ihm Dwekut mit dem Schöpfer nicht gewährt wurde. Doch sobald der Kelch der Arbeit ausreichend gefüllt ist, wird er Kli genannt. Dann kommt die Füllung vom Schöpfer, denn jetzt hat der Mensch ein echtes Kli. |
33 | Demnach geschieht das, was er sieht – dass er jetzt, nach einigen Jahren der Arbeit, zurückgefallen ist –, mit Absicht: damit er den Schmerz darüber spürt, keine Anhaftung an den Schöpfer zu haben. Also muss er jedes Mal erkennen, wie er sich mehr und mehr der Bildung des Gefäßes nähert, das „echter Mangel“ heißt. Der Maßstab für die Kleinheit (Katnut) und Größe (Gadlut) des Mangels ist das Ausmaß des Leids, das er empfindet, weil ihm die Füllung fehlt, die hier „Anhaftung an den Schöpfer“ heißt – nämlich dass sein ganzes Wollen und Verlangen einzig darauf gerichtet ist, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Und bevor der Mangel nicht vollständig ist, kann die Füllung nicht in Vollständigkeit kommen. Bekanntlich kommt von oben immer etwas Vollständiges. Also muss auch der Mangel ganz vollständig sein. Das heißt, er muss Schmerz und Mangel darüber empfinden, dass er gar nichts hat: dass er weder Tora noch Arbeit noch Ehrfurcht vor dem Himmel besitzt. | נמצא לפי זה, מה שהוא רואה, שעכשיו, לאחר כמה שנות עבודה, שהוא הלך אחורה, זהו נעשה בכוונה תחילה, כדי שירגיש כאב בזה שאין לו דביקות ה'. נמצא לפי זה, שכל פעם הוא מוכרח לראות, איך שהוא מתקרב יותר לבחינת עשיית הכלי, הנקרא "חסרון אמיתי", שהמודד של קטנות וגדלות חסרון, הוא בשיעור היסורים, שהוא מרגיש, בזה שאין לו המילוי, הנקרא כאן "דביקות בה'", שכל רצונו וחשקו יהיה אך ורק לעשות נחת רוח להבורא יתברך. ומטרם שנגמר החסרון בבחינת השלימות, אי אפשר שיבוא המילוי בשלימות. וידוע, שמלמעלה בא תמיד דבר שלם. אם כן גם החסרון צריך להיות בכל השלימות. היינו שירגיש כאב וחסרון, בזה שאין לו שום דבר. היינו, שמרגיש, שאין לו תורה, ואין לו עבודה, ולא יראת שמים. | Daher sieht er, dass es absichtlich geschieht, dass er sich nach mehreren Jahren der Anstrengung zurückzieht, denn nicht in Dwekut mit dem Schöpfer zu sein soll ihm Schmerzen bereiten. Es stellt sich heraus, dass er jedes Mal erkennen muss, dass er sich der Bildung des Kli nähert, das „wirklicher Mangel“ genannt wird. Das heißt, sein Maßstab für Katnut [Kindheit/Kleinheit] und Gadlut [Erwachsensein/Größe] des Mangels ist das Ausmaß des Leidens, das er empfindet, weil er die Füllung durch Dwekut nicht hat; denn Dwekut heißt, alles nur zu tun, um dem Schöpfer Zufriedenheit zu bringen. Bevor sich der Mangel nicht vollständig gebildet hat, ist es unmöglich, dass die Füllung in vollem Umfang kommt. Es ist bekannt, dass das, was von oben kommt, immer vollständig ist. Daher sollte auch der Mangel vollständig sein, was bedeutet, dass er Schmerz und Mangel darüber empfindet, nichts zu haben. Das heißt, er sollte spüren, dass er weder Tora, Arbeit noch Ehrfurcht vor dem Himmel hat. |
34 | Zwar verrichtet er der Tat nach die Mizwot, lernt Tora, steht vor Tagesanbruch auf und achtet auf die leichten Gebote wie auf die schweren. Würden andere Menschen tun, was er tut, sie würden sich in ihren eigenen Augen für vollkommen Gerechte halten. Er aber fühlt sich von allem leer. Das liegt daran, dass er die Anhaftung an den Schöpfer erlangen will, und dazu braucht der Mensch einen einzigen Gedanken: dass all sein Tun um des Gebens willen geschieht. Und er sieht, dass ihm gerade dies in weiter Ferne liegt. | הגם שמבחינת המעשה הוא עוסק במצות, ולומד תורה, וקם לפנות בוקר, ונזהר בדברים "קלות כבחמורות", ולגבי אנשים אחרים, אם היו עושים מה שהוא עושה, הם היו נחשבים בעיניהם כצדיקים גמורים, אבל הוא מרגיש עצמו ריקן מכל. מסיבות, שהיות שהוא רוצה שיזכה בדביקות ה', ולזה האדם צריך, שתהיה לו מחשבה אחת, היינו שכל מעשיו יהיו בעמ"נ להשפיע, והוא רואה, שענין זה הוא אצלו ממנו ולהלאה. | Obwohl er in der Praxis Mizwot verrichtet, Tora lernt, vor der Morgendämmerung aufsteht und auf die kleinen und ernsten Dinge achtet – und wenn andere Menschen das Gleiche täten wie er, würden sie sich als vollkommen rechtschaffen betrachten – fühlt er, dass er völlig leer ist. Denn er will mit Dwekut mit dem Schöpfer belohnt werden, und daran muss man denken; das bedeutet, dass seine ganze Arbeit in der Absicht des Gebens sein soll und er sieht, wie weit entfernt er davon ist. |
35 | Also sagt er sich: Was ist mein ganzer Gewinn daraus, dass ich mich mit Tora und Mizwot beschäftige? Meine ganze Rechnung war doch, dadurch zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Doch ich sehe nicht, dass ich mich auch nur ein wenig genähert hätte – im Gegenteil. Dieser Mensch bittet also nicht um Luxus, sondern schlicht um das Notwendige: dass er seine Seele mit etwas Spiritualität beleben kann, damit sie nicht in der Selbstliebe versinkt. | אם כן הוא אומר לעצמו, מהו כל הרווח שלי, שאני עוסק בתורה ומצות, שכל החשבון שלי היה, שע"י זה אני אגיע לידי דביקות בה'. ולזה איננו רואה שהתקרבתי במקצת, אלא להיפך, כנ"ל. אם כן אין אדם זה מבקש מותרות, אלא פשוט הכרחיות, שיהיה לו במה להחיות את נפשו בקצת רוחניות, שלא יהיה משוקע באהבה עצמית. | Deshalb sagt er sich: „Was habe ich davon, wenn ich mich mit Tora und Mizwot beschäftige? Mein ganzes Kalkül war, dass ich dadurch Dwekut mit dem Schöpfer erreichen werde. Doch ich sehe nicht, dass ich mich dem auch nur ein bisschen genähert hätte. Ganz im Gegenteil!“ Dieser Mensch bittet also nicht um Luxus, sondern nur um das Nötigste, um seine Seele mit etwas Spiritualität beleben zu können, damit sie nicht in Selbstliebe versinkt. |
36 | So fühlt er sich also völlig leer an Spiritualität. Andere Menschen dagegen haben dieses Gefühl nicht, der Spiritualität fern zu sein. Vielmehr sehen wir: Wenn andere täglich im Minjan (Gebetsquorum von zehn Männern) beten können, fühlen sie sich bereits vollkommen. Und besonders jene, die nach einem Arbeitstag noch das tägliche Tora-Pensum (Daf haJomi) lernen, fühlen sich gewiss vollkommen. Sie verlangen vom Schöpfer keine Hilfe, um die Kraft zu haben, auf dem Weg des Schöpfers zu gehen. Sie beten vielmehr darum, dass der Schöpfer ihnen hilft, ihre feste Gewohnheit fortzusetzen. Damit haben sie bereits ihre Erfüllung im Leben. | נמצא לפי זה, שהוא מרגיש עצמו, שהוא כל כך ריק מרוחניות. מה שאין כן שאר אנשים, אין להם ההרגש הזה, שהם מרוחקים מרוחניות. אלא אנו רואים, ששאר אנשים, אם יש להם היכולת להתפלל כל יום עם מנין, הרי מרגישים עצמם לשלימים. ובפרט אלו אנשים, שאחר יום עבודה הם באים עוד ללמוד דף היומי, בטח שהם מרגישים את עצמם לשלמים. ואין להם שום דרישה שה' יעזור, שיהיה לו כח ללכת בדרך ה'. אלא שהם מתפללים, שה' יעזור להם, שיוכלו להמשיך את הקביעות שלהם. אז כבר יש להם סיפוק בחיים. | Es stellt sich heraus, dass er fühlt, völlig frei von Spiritualität zu sein. Andere Menschen jedoch spüren das nicht. Vielmehr sehen wir, dass der Rest der Menschen sich vollständig fühlt, wenn sie jeden Tag in einem Minjan [mindestens zehn Teilnehmer an einem Gebet] beten können. Das gilt umso mehr für Menschen, die nach der Arbeit ihre tägliches Pensum studieren – sie fühlen sich ganz und verlangen nicht vom Schöpfer, ihnen Kraft für den Weg des Schöpfers zu geben. Vielmehr bitten sie Ihn um Hilfe, ihre Routine fortzusetzen. So sind sie bereits mit dem Leben zufrieden. |
37 | Erst recht gilt das für jene, „deren Tora ihr Beruf ist“. Sie fühlen sich gewiss vollkommen und preisen den Schöpfer beständig dafür, dass Er ihnen Verstand und Willen gab, „damit ihr Anteil nicht bei den Müßiggängern sei“. Zwar beten sie zum Schöpfer, Er möge ihnen in der Sache helfen, von der sie gehört haben – nämlich „um Ihretwillen (liShma)“ zu handeln –, doch das gilt bei ihnen als Luxus. Denn das Wesentliche an Tora und Mizwot erfüllen sie; es fehlt ihnen nur die Arbeit um Ihretwillen. Es stimmt zwar, dass man um Ihretwillen tätig sein soll, aber das betrifft nur einzelne Auserwählte. Selbst wenn sie also beten, der Schöpfer möge ihnen gewähren, die Tora um Ihretwillen zu lernen, gilt ihnen das als Luxus und nicht als Notwendigkeit. Denn, Gott sei Dank, fühlen sie sich als Auserwählte des Volkes, die im „Licht der Tora“ stehen und „deren Tora ihr Beruf ist“. | ומכל שכן אלו ש"תורתן אומנותן". בודאי הם מרגישים, שהם שלמים, ומהללים תמיד לה' בזה שנתן להם שכל ורצון, "שלא יהא חלקם עם יושבי קרנות". והגם שמתפללים לה', שיעזור להם, על מה ששמעו יש ענין של "לשמה", אבל זה נחשב אצלם למותרות. כי עיקר תורה ומצות הם מקיימים, אלא שחסר ענין של עבודה לשמה. זה נכון שצריכים לעסוק לשמה, אבל זה שייך ליחידי סגולה. לכן יוצא, אפילו שמתפללים, שה' יזכם, שיוכלו ללמוד תורה לשמה. אבל זה נחשב אצלו לדבר מותרות ולא הכרחיות. שברוך ה' הם מרגישים עצמם שהם מנבחרי העם, שהם נמצאים ב"אור הבלי של תורה", ושאצלם "תורתן אומנותן". | Mehr noch, diejenigen, „deren Tora ihre Arbeit ist“, fühlen sich gewiss vollständig und preisen den Schöpfer immer dafür, dass Er ihnen den Verstand und den Wunsch gab, nicht unter den Müßigen zu sitzen. Obwohl sie zum Schöpfer beten, dass Er ihnen in der Angelegenheit Lishma [um ihretwillen] hilft, von deren Existenz sie gehört haben, betrachten sie diese als Luxus. Sie halten das Wesentliche der Tora und der Mizwot ein, aber sie haben nicht den Wunsch, Lishma zu arbeiten. Es sei wahr, dass man sich mit Lishma beschäftigen sollte, aber das beträfe nur einige wenige Auserwählte. Würden sie also dafür beten, dass der Schöpfer ihnen das Studieren der Tora Lishma gewähren möge, würden sie dies als Luxus und nicht als Notwendigkeit betrachten, denn sie spüren Gott sei Dank, dass sie zu den Auserwählten des Volkes gehören, dass sie im „Licht der Eitelkeiten der Tora“ stehen, und für sie ist „ihre Tora ihr Handwerk“. |
38 | Daraus ergibt sich dasselbe: Wenn zwei Menschen den Schöpfer bitten, ihre Bitte zu erfüllen, muss man zwischen ihnen unterscheiden – nicht nach dem Gebet selbst, sondern nach dem Beweggrund des Gebets. Der eine will die Sache, weil seine Seele nach Luxus verlangt; er bittet also um ein Geschenk. Doch es gehört sich nicht, um Geschenke zu bitten. Darum kann man seine Bitte nicht erfüllen, denn um Geschenke bittet man nicht; sie kommen allein vom Geber. Der Geber erwacht von sich aus, dem Empfänger ein Geschenk zu geben. So kommt es, dass der Niedere voller Klagen ist, warum der Schöpfer sein Gebet nicht erhört, da er doch jeden Tag um Geschenke betet und nicht erhört wird. Deshalb behauptet er, mit dem Oberen ist etwas nicht in Ordnung. | ובהאמור יוצא אותו דבר, ששני אנשים מבקשים מה' שימלא את בקשתם, יש להבחין בין אדם לחבירו, לא עם התפלה, אלא עם סיבת התפלה. אחד רוצה את הדבר הזה, מטעם שחשקו נפשו למותרות. נמצא, שהוא מבקש מתנה. אבל אינו מן הנימוס לבקש מתנות. אי לזאת, לא יכולים למלא את בקשתו, כי מתנות לא מבקשים, אלא שזה בא רק מצד הנותן. זאת אומרת, הנותן מתעורר לתת להמקבל מתנה. ומשום זה יוצא, שהתחתון הוא מלא תערומות, מדוע אין הקב"ה שומע תפלתו, היות שכל יום הוא מתפלל על מתנות, ואין שומעין אותו. ומשום זה הוא טוען, שהעליון הוא חס ושלום לא בסדר. | Es ist also dasselbe, wenn zwei Menschen den Schöpfer bitten, ihnen ihre Wünsche zu erfüllen. Wir sollten bei ihnen zwischen der Motivation für das Gebet unterscheiden: der eine möchte es, weil seine Seele nach Luxus verlangt, also bittet er um ein Geschenk. Es ist aber unhöflich, um Geschenke zu bitten. Daher kann seine Bitte nicht erfüllt werden, da man nicht um Geschenke bittet; denn diese kommen nur vom Geber, was bedeutet, dass der Geber erwacht, um dem Empfänger ein Geschenk zu geben. Aus diesem Grund stellt sich heraus, dass der Niedere voller Klagen über den Schöpfer ist, weil Dieser sein Gebet nicht erhört; denn er bittet jeden Tag um Geschenke, wird aber nicht erhört. Deshalb behauptet er, dass mit dem Höheren etwas nicht stimmt. |
39 | Der Obere aber entgegnet, dass der Niedere nicht in Ordnung ist, weil er darum weint, dass man ihm Geschenke gibt. Denn was ihm seiner Meinung nach fehlt, ist für ihn nur Luxus. Wenn er sich daher selbst korrigiert und die Wahrheit erkennt – nämlich dass das, was er fordert, eine Notwendigkeit ist, also ein Almosen –, so gibt man Almosen sehr wohl durch das Erwachen des Niederen, wie es heißt: „der Arme bittet“. Und je notwendiger die Bitte ist, desto eher wird sie angenommen. | אבל העליון טוען, שהתחתון לא בסדר, היות שהוא בוכה, שיתנו לו מתנות. שמה שהוא חושב שחסר לו, הוא רק אצלו בבחינת מותרות. לכן אם הוא יתקן את עצמו, ויראה את האמת, היינו מה שהוא דורש הוא בחינת הכרחיות, שהוא בחינת צדקה, וצדקה כן נותנים ע"י התעוררות של תחתון, כמקובל "שהעני מבקש", ובשיעור שהבקשה היא יותר הכרחיות, היא מתקבלת ביותר. | Aber der Höhere behauptet, der Untere habe Unrecht, denn er weine, weil er Geschenke bekomme. Was er zu brauchen glaubt, ist für ihn nur ein Luxus. Wenn er sich also korrigiert und die Wahrheit sieht, das heißt, dass er das Notwendige verlangt, was Almosen sind, dann werden die Almosen durch die Erweckung des Unteren gegeben, so wie es für die Armen üblich ist, zu bitten. Und je lebensnotwendiger die Bitte ist, desto mehr wird sie angenommen. |
40 | Das ist es, was oben erklärt wurde (Ketubot 67b): Fleisch und Wein mögen bei jedem anderen Luxus sein, doch für den Mann, der zu Rabbi Nechemia kam, waren sie notwendig. Der Beweis dafür: Man gab ihm Linsen zu essen, und er starb. | וזהו מה שמבואר לעיל (כתובות דף ס"ז ע"ב), שיכול להיות בשר ויין, שהוא אצל כל אדם בחינת מותרות, מכל מקום אצל האדם שבא, לגבי דרבי נחמיה, היה זה הכרחיות. וראיה לדבר, שנתן לו מאכל עדשים, ומת. | Das wird oben erklärt (Ketubot, S. 67b), dass Fleisch und Wein für jeden Menschen Luxus sein mögen, aber für denjenigen, der zu Rabbi Nehemia kam, waren sie eine Notwendigkeit. Der Beweis dafür ist, dass er starb, weil man ihm nur Linsen zu essen gab. |
41 | Damit verstehen wir, warum es so ist, dass ein Mensch, nachdem er viel Mühe investiert hat, um die Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen, am Ende sieht, dass es ihm schlechter geht als vor dem Beginn der heiligen Arbeit zu seiner eigenen Korrektur. Es ist, als wären seine Korrekturen umsonst und nutzlos gewesen – ja, im Gegenteil, wie oben gesagt. | ובזה נבין, מדוע אנו רואים, לאחר שהאדם השקיע הרבה יגיעה, בכדי להגיע לדביקות ה', ובסופו של דבר הוא רואה, שנעשה יותר גרוע, מכפי שהיה מטרם שהתחיל לעבוד בעבודת הקודש, לתקן את עצמו. זאת אומרת, כאילו התיקונים שהוא עשה, היו בחינם, ללא תועלת, אלא להיפך, כנ"ל. | Nun verstehen wir, dass ein Mensch, der große Anstrengungen unternommen hat, um Dwekut mit dem Schöpfer zu erreichen, am Ende merkt, dass er schlimmer geworden ist als zu dem Zeitpunkt, als er begann, die heilige Arbeit zu tun, um sich zu korrigieren. Es scheint als wären seine bisherigen Korrekturen vergeblich und nutzlos, doch das Gegenteil ist der Fall. |
42 | Die Antwort ist: In Wahrheit ist er weit vorangekommen. Man muss jedoch zwischen dem Fortschritt zum Licht und dem Fortschritt zum Gefäß unterscheiden. Denn von Natur aus wertet der Mensch den Fortschritt zum Licht, weil er sich nur nach dem Licht sehnt. Was nicht leuchtet, interessiert ihn nicht; denn was nützt es ihm, einen großen Mangel zu haben? Es gilt die Regel: „Der Mensch sehnt sich nach dem, was ihm Genuss bringt.“ Will er also wissen, ob er vorangekommen ist, so betrachtet er, wie nah er dem Licht ist. | והתשובה היא, כי באמת הוא הלך הרבה קדימה, אלא שיש להבחין בין התקדמות להאור או התקדמות להכלי. כי מטבע של האדם להחשיב את ההתקדמות לאור, כי רק להאור האדם משתוקק. נמצא, בדברים שאינם מאירים, לא מענין אותו כלום, כי מה יתן לו, אם יהיה לו חסרון גדול. כי יש כלל "האדם משתוקק לדברים שמביאים לו תענוג". לכן כשרוצה לדעת, אם הוא התקדם, אז הוא מסתכל עד כמה שהוא קרוב להאור. | Denn in Wahrheit hat er einen großen Schritt vorwärts gemacht. Wir sollten aber zwischen dem Fortschritt zum Licht und dem Fortschritt zum Kli unterscheiden. Es liegt nämlich in der Natur des Menschen, den Fortschritt im Licht zu erkennen, denn Licht ist alles, wonach er sich sehnt. Daraus folgt, dass Dinge, die ihn nicht erleuchten, ihn überhaupt nicht interessieren, denn was bringen sie ihm, wenn er einen großen Mangel hat? Es gibt eine Regel, dass der Mensch sich nach Dingeen sehnt, die ihm Freude bereiten. Wenn er also wissen will, ob er Fortschritte gemacht hat, prüft er, wie viel näher er dem Licht ist. |
43 | Doch die Wahrheit ist: „Es gibt kein Licht ohne Gefäß.“ Er muss also zuerst zum Gefäß hin voranschreiten. Es gibt nämlich einen Fortschritt im Mangel. Zu Beginn seiner Arbeit war ihm sein Mangel noch nicht offenbart; er sehnte sich nur nach dem Licht – wenngleich er auch damals einen Mangel hatte, weil ihm das Licht fehlte. | אבל האמת היא, ש"אין אור בלי כלי". אם כן הוא צריך מקודם להתקדם להכלי. היינו שיש ענין התקדמות בחסרון. שבתחילת עבודתו עוד לא היה מגולה לו את חסרונו, אלא שהיה משתוקק להאור, והגם שגם אז היה לו חסרון, בזה שאין לו האור. | Doch die Wahrheit ist, dass es ohne Kli kein Licht gibt. Deshalb muss er zuerst hinsichtlich des Kli vorankommen. Das heißt, es gibt so etwas wie ein Vorankommen im Mangel. Zu Beginn seiner Arbeit wurde ihm sein Mangel nicht offenbart, doch er sehnte sich nach dem Licht, weil er schon damals einen Mangel nach Licht hatte. |
44 | Das gleicht einer Sache, die bei den Menschen üblich ist: Manchmal verliert jemand einen wichtigen Gegenstand, der so viel wert ist wie der Verdienst einer Arbeitsstunde, gemessen an seinem Tagesverdienst. Nehmen wir an, er verdient acht Dollar am Tag; dann würde er für weniger als einen Dollar pro Stunde nicht arbeiten, sondern die Ruhe wäre ihm wichtiger. Verliert er aber einen Gegenstand im Wert von einem Dollar, ist er fähig, zwei Stunden danach zu suchen, bis er ihn findet. Da erhebt sich die Frage: Warum arbeitet er jetzt eine Stunde, nur um einen halben Dollar zu gewinnen? | אבל זה דומה לענין, שנוהג אצל אנשים: לפעמים שנאבד איזה חפץ חשוב, השווה אצלו ברווח של שעה אחת, לפי מה שהוא מרויח ליום. נגיד דרך משל, שהוא מרויח שמונה דולר ליום, אז פחות מדולר לשעה לא יעבוד, אלא יותר חשובה לו המנוחה. אבל נאבד לו חפץ ששווה דולר, הוא מסוגל לחפש שעתיים עד שימצא אותו. ומתעוררת השאלה, מדוע הוא עובד עכשיו שעה, בכדי להרויח חצי דולר. | Das ist ähnlich wie bei den Menschen: Manchmal verliert ein Mensch einen wichtigen Gegenstand, der eine Stunde seiner Arbeit wert ist, je nachdem, was er pro Tag verdient. Wenn er zum Beispiel acht Dollar am Tag verdient, wird er nicht für weniger als einen Dollar pro Stunde arbeiten. Vielmehr wird ihm dann die Ruhe wichtiger sein. Wenn er aber einen Gegenstand verliert, der einen Dollar wert ist, sucht er zwei Stunden danach, bis er ihn gefunden hat. Das wirft die Frage auf: „Warum arbeitete er eine Stunde lang, nur um einen halben Dollar zu verdienen?“ |
45 | Die Antwort ist: Es besteht ein Unterschied zwischen „entgangenem Gewinn“ und „Verlust vom Kapital“. Was er besitzt und dann verliert, ist ihm sogar als Kleinigkeit wichtig, weil es bereits in seinem Besitz war und ihm verloren ging. Bei etwas hingegen, das er noch gar nicht erlangt hat, lohnt es sich nur bei einer großen Sache, sich darum zu mühen; sonst ist ihm die Ruhe wichtiger. | והתשובה היא, שיש הבדל בין "מניעת הרווח" ל"הפסד מקרן". כי מה שיש בידו והוא מפסיד, אפילו דבר קטן חשוב לו, היות שזה הוא כבר היה ברשותו ונאבד לו. מה שאין כן דבר שהאדם לא השיג אותו, דווקא דבר גדול, כדאי להתייגע עליו, אחרת המנוחה יותר חשובה אצלו. | Die Antwort ist, dass es einen Unterschied zwischen der Verhinderung des Gewinns und dem Verlust des Kapitals gibt. Was er besitzt und dann verliert, auch wenn es eine Kleinigkeit ist, ist für ihn wichtig, weil er es schon besaß und dann verlor. Anders verhält es sich bei etwas, das er noch nicht erworben hatte. Eine große Sache ist es wert, sich dafür anzustrengen, aber ansonsten ist ihm die Ruhe wichtiger. |
46 | Dasselbe gilt für uns. Solange er nur das Verlangen hatte, die Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen, heißt dieser Mangel „entgangener Gewinn“. Das heißt, sein Mangel ist, dass er vielleicht nichts gewinnt; deshalb geht er ans Werk. Doch das heißt noch nicht „echter Mangel“, der würdig wäre, dass sich die obere Fülle in ihn kleidet. | אותו דבר אצלנו. בשעה שהיה לו רצון להגיע לדביקות ה', החסרון הזה נקרא "מניעת הרווח". היינו שיש לו חסרון, אולי לא ירוויח. לכן הוא הולך לעבוד. וזה עוד לא נקרא "חסרון אמיתי", שיהא ראוי להתלבש בו השפע העליון. | Die gleiche Regel gilt für uns. Wenn man den Wunsch hat, Dwekut mit dem Schöpfer zu erreichen, wird dieser Mangel „Verhinderung von Gewinn“ genannt. Das heißt, er ist mangelhaft, dass er vielleicht nicht profitieren wird, so geht er zur Arbeit. Aber dies wird immer noch nicht als echter Mangel angesehen, der für die Einkleidung der Höheren Fülle geeignet wäre. |
47 | Anders ist es, wenn er bereits mehrere Jahre Arbeit investiert hat; das gleicht einem „Verlust vom Kapital“. Er hat nämlich mehrere Jahre der Mühe verloren und nichts gewonnen. Dann gilt dieser Mangel als wirklicher „Mangel“, weil er ihm Leid und Schmerz erzeugt. | מה שאין כן אם כבר השקיע כמה שנות עבודה, זה דומה ל"הפסד מקרן". היינו הפסיד כמה שנות יגיעה ולא הרוויח כלום. אז החסרון הזה נבחן ל"חסרון", משום שחסרון זה מוליד לו יסורים וכאבים. | Und wenn er bereits mehrere Jahre Arbeit investiert hat, gleicht dies einem „Verlust des Kapitals“. Das heißt, er hat mehrere Jahre Arbeit verschwendet, ohne etwas zu gewinnen. Dann wird dieser Mangel als ein solcher betrachtet, weil er ihm Qualen und Schmerzen bereitet. |
48 | Wir sehen also: Dadurch, dass er viel Mühe investierte und meinte, der Schöpfer wird ihm bald helfen und er wird die Anhaftung an Ihn erlangen, schreitet er im Mangel nach der Anhaftung voran – eben weil er viel Mühe investierte. Und darum sieht er, je mehr Mühe er aufbringt, sofort das Gegenteil davon: wie sehr sich der Körper dem Geben überhaupt widersetzt. | הרי אנו רואים, שענין זה, שהשקיע הרבה יגיעה, והיה בדעתו, שתיכף יעזור לו ה', ויזכה לדביקות בו יתברך, אז הולך ומתקדם בענין חסרון לדביקות, מטעם שהשקיע הרבה יגיעה. ומשום זה, כל כמה שהוא רואה, שהוא מרבה יגיעה, הוא רואה תיכף ההיפך מזה, איך שהגוף מתנגד בכלל לענין השפעה. | So sehen wir, dass die großen Anstrengungen, die er unternommen und angenommen hat, dass der Schöpfer ihm bald helfen und ihn mit Dwekut belohnen wird, ihn voranbrachten. Doch nun erkennt er, dass, je mehr er sich anstrengt, umso mehr das Gegenteil eintritt und sich der Körper der Sache der Selbsthingabe gänzlich widersetzt. |
49 | Dann reift in ihm der Gedanke, dass er der Hilfe des Schöpfers bedarf. Und er bittet dann nicht um Luxus, sondern er möchte ein einfacher Jude sein, der an den Schöpfer glaubt, dessen Name „der Gute, der Gutes tut“ lautet. Er möchte den Schöpfer preisen und zu Ihm sagen: „Gepriesen sei Er, der sprach, und die Welt entstand“ – in völliger Schlichtheit, ohne große Erkenntnisse über Tora und Mizwot samt Absichten, sondern ganz einfach: dass er den Schöpfer loben und Ihm dafür danken kann, dass Er ihn erschaffen hat. | אז מתרקם בו ענין, שהוא צריך לעזרתו יתברך, שיעזור לו. ואינו מבקש אז מותרות, אלא שהוא רוצה להיות יהודי פשוט, שמאמין בה'. שהוא יתברך, השם שלו נקרא "טוב ומטיב". והוא רוצה לשבח להבורא, ולומר אליו "ברוך שאמר והיה העולם" בתכלית הפשטות, בלי שום השגות גדולות על תורה ומצות עם כוונות, אלא פשוט בתכלית הפשיטות, שיוכל לשבח את הבורא, ולתת לו תודה על מה שברא אותו. | Zu dieser Zeit sieht er ein, dass er Seine Hilfe braucht. Dann fragt er nicht nach Luxus, sondern will ein einfacher Jude sein, der an den Schöpfer glaubt, der „Gut und Gutes tuend ist“. Er will den Schöpfer preisen und zu Ihm sagen: „Gesegnet sei Er, der sagte ‚Es werde die Welt'“, einfach so, ohne große Errungenschaften in Tora und Mizwot mit Absichten, sondern ganz einfach, um den Schöpfer loben und Ihm für seine Erschaffung danken zu können. |
50 | Da er jetzt sieht, dass er nicht einmal mehr das Verlangen nach Tora und Arbeit hat, das er vor dem Beginn der Arbeit besaß – und das hat zwei Gründe, die eigentlich einer sind: | והיות שעכשיו הוא רואה, שאין לו אפילו התשוקה לתורה ועבודה, כמו שהיתה לו מטרם שהתחיל לעבוד. וזהו משתי סיבות, שהם אחד: | Da er jetzt sieht, dass er nicht einmal mehr den Wunsch nach Tora und Arbeit hat wie zu Beginn seiner Arbeit, hat das zwei Gründe, die eigentlich einer sind: |
51 | Erstens: Sein Eintritt, das Joch von Tora und Mizwot auf sich zu nehmen, war auf Gefäße des Empfangens gebaut. Damals sehnte sich der Körper danach, das Gute und den Genuss zu empfangen, weil er fühlte, dass aus der Spiritualität mehr Erfüllung im Leben zu gewinnen ist – das heißt, das Verlangen zu empfangen hätte etwas zu empfangen. Denn die körperlichen Genüsse gaben ihm keine Erfüllung im Leben. Jetzt aber, da er ans Werk geht, um des Gebens willen zu arbeiten, widersetzt sich sein Körper. | א. סיבת כניסתו לקבל עליו עול תורה ומצות, היתה בנויה על כלים דקבלה. אז הגוף היה משתוקק לקבלת הטוב ועונג, בבחינת מה שהרגיש, שיש לקבל מרוחניות יותר סיפוק בחיים, היינו שהרצון לקבל יהיה לו מה לקבל. כי התענוגים גשמיים לא נתנו לו סיפוק בחיים. מה שאין כן עכשיו, שנכנס לעבוד בעמ"נ להשפיע, על זה הגוף שלו מתנגד. | 1) Der Grund, warum er begann, die Last der Tora und der Mizwot auf sich zu nehmen, war auf den Gefäßen des Empfangs aufgebaut. Ursprünglich sehnte sich der Körper danach, die Freude und das Vergnügen zu empfangen, weil er fühlte, dass er durch die Spiritualität mehr Befriedigung im Leben erhalten könnte; das bedeutet, der Wille zu empfangen hätte nun etwas zu empfangen, da die körperlichen Freuden ihm keine Befriedigung mehr im Leben gaben. Aber nun, da er begonnen hat, zu arbeiten, um zu geben, wehrt sich sein Körper dagegen. |
52 | Denn der Körper ist bereit, sich dort zu mühen, wo er etwas gewinnen kann. Jetzt aber sagte man dem Körper: Erfülle Tora und Mizwot, und dadurch – kraft der Erfüllung von Tora und Mizwot – wirst du fähig sein, dem Körper keinerlei Genuss und Lohn für seine Arbeit zu gewähren. Weil der Körper nun hört, dass er für sich selbst keinen Lohn erhalten wird, sondern dass sein Lohn gerade darin besteht – sofern er es verdient und die Kraft erlangt –, dem Körper keine Gegenleistung für seine Arbeit zu geben, hat der Mensch jetzt keine Kraft mehr zur Arbeit. Vor seinem Eintritt in die Arbeit um des Gebens willen war das anders: Damals erwartete der Körper größere Genüsse, als er aus den körperlichen Genüssen empfing. Dafür hatte er Brennstoff, und vom Körper kam kein Hindernis, weil dieser erwartete, das Verlangen zu empfangen wird nun größere Genüsse gewinnen. | כי הגוף מסכים לתת יגיעה במקום שהגוף יכול להרויח. מה שאין כן עכשיו, שאמר להגוף, תקיים תורה ומצות, וע"י זה, היינו בסגולת קיום תו"מ, תהיה יכולת לא לתת להגוף שום תענוג ושכר תמורת עבודתו. ומשום זה, שהגוף שומע, שלא יהיה לו שכר עבור עצמו, אלא שהשכר שלו יהיה, אם יזכה ויהיה לו כח שלא לתת להגוף שום תמורה עבור עבודתו, זהו סיבה שעכשיו אין לו כח לעבודה, כמו שהיה מטרם כניסתו לעבוד בבחינת עמ"נ להשפיע, שהגוף היה מצפה לתענוגים יותר גדולים, מכפי שהיה מקבל מתענוגים גשמיים. לכן על זה היה לו חומרי דלק, ולא היה לו שום מניעות מצד הגוף, היות שהגוף היה מצפה, שהרצון לקבל ירויח עכשיו יותר תענוגים. | Der Körper willigt nämlich ein, dort zu arbeiten, wo er etwas gewinnen kann. Aber nun hat er dem Körper gesagt: „Halte Tora und Mizwot, und dadurch wirst du in der Lage sein, dem Körper keine Freude oder Belohnung für deine Arbeit zu gewähren.“ Wenn daher der Körper hört, dass er für sich selbst keine Belohnung haben wird, sondern dass seine Belohnung darin bestehen wird, dem Körper die Belohnung für seine Arbeit zu verweigern, ist dies der Grund, warum er jetzt keine Kraft mehr für die Arbeit des Gebens wie zu Beginn hat. Denn damals erwartete der Körper größere Freuden als die, die er aus weltlichen Genüssen erhalten hatte. Deshalb hatte er dafür Treibstoff und wurde vom Körper nicht behindert, denn der Körper erwartete, dass das Verlangen zu empfangen jetzt mehr Genüsse gewinnen würde. |
53 | Doch man muss wissen: Der Körper versteht keine andere Sprache, die ihn dazu bewegt, die heilige Arbeit tun zu wollen. Dazu sagten unsere Weisen: „Stets beschäftige sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch wenn es nicht um Ihretwillen (lo liShma) geschieht, denn dadurch wird er zu ‚um Ihretwillen‘ gelangen.“ Demnach war der Beginn seines Eintritts in die Arbeit völlig in Ordnung. Man muss dem Körper nämlich versichern, dass sein Verlangen zu empfangen nicht beeinträchtigt wird. Im Gegenteil: Durch die Erfüllung von Tora und Mizwot wird gerade das Verlangen zu empfangen wirkliche Erfüllung im Leben erhalten, und es selbst wird durch die Erfüllung von Tora und Mizwot fühlen, dass es glücklicher ist als alle seine Altersgenossen auf der Welt. | אולם צריכים לדעת, שאין שפה אחרת להגוף, שירצה לעבוד עבודת הקודש. ועל זה אמרו חז"ל "לעולם יעסוק אדם בתורה ומצות שלא לשמה, שע"י זה הוא יבוא לשמה". נמצא לפי זה, תחילת כניסתו לעבודה היתה בסדר גמור. היינו, שמוכרחים לבטוח להגוף, שחס ושלום לא יפגמו בהרצון לקבל שלו. אלא אדרבה, היינו שע"י קיום תו"מ יהיה להרצון לקבל ממש סיפוק בחיים, והרצון לקבל שלו, ירגיש דוקא הוא, ע"י קיום תו"מ, ירגיש עצמו, שהוא מאושר בעולם מכל בני גילו. | Wir müssen jedoch wissen, dass der Körper keine andere Sprache hat, die heilige Arbeit machen zu wollen. Unsere Weisen sagten dazu: „Man sollte sich immer mit Tora und Mizwot Lo Lishma [nicht um Ihretwillen] beschäftigen, denn dadurch wird man zu Lishma [um Ihretwillen] kommen.“ Daraus folgt, dass der Beginn seines Eintritts in die Arbeit genau richtig war. Das heißt, wir müssen dem Körper versprechen, dass wir sein Verlangen zu empfangen nicht beflecken werden. Im Gegenteil, durch das Halten von Tora und Mizwot wird das Verlangen zu empfangen eine wirkliche Befriedigung im Leben haben und er wird spüren, dass er dadurch auf der ganzen Welt der glücklichste Mensch in seiner Generation ist. |
54 | Anders ist es, nachdem er in die Arbeit eingetreten ist und zu erkennen begann, dass die Hauptsache darin besteht, die Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen, also „alles um des Gebens willen zu tun“. Da beginnt der Körper, sich dieser Arbeit zu widersetzen. Doch dieser Widerstand des Körpers bringt großen Nutzen. Denn dadurch wird der Mensch zu einem mit großem Mangel: Er leidet darunter, dass er sich von der Anhaftung an den Schöpfer entfernt hat. Und je mehr er sich grämt, desto bedürftiger wird er des Schöpfers, dass dieser ihm hilft. Denn er sieht dann, dass der Mensch aus eigener Kraft nicht fähig ist, aus der Selbstliebe herauszutreten, sondern dass allein der Schöpfer ihm helfen kann. Das ist keine Sache des Verstehens, sondern des Empfindens. So heißt es (Psalm 127): „Wenn der Ewige das Haus nicht baut, mühen sich seine Erbauer vergebens daran.“ | מה שאין כן לאחר שנכנס בעבודה, והתחיל לדעת, שעיקר הוא להגיע לדבקות בה', הנקרא "לעשות הכל בעמ"נ להשפיע", אז מתחיל הגוף להתנגד לעבודה זו. אבל יש מזה תועלת רבה, מהתנגדות זו של הגוף. היות שע"י זה האדם נעשה בעל חסרון גדול, היינו שמרגיש יסורים מזה שהוא נתרחק מדביקות ה', כנ"ל. ואז, עד כמה שהוא מצטער ביותר, הוא נעשה יותר נצרך להבורא, שיעזור לו. כי הוא רואה אז, כי האדם מצד עצמו אינו מסוגל לצאת מאהבה עצמית, אלא רק הבורא בעצמו הוא יכול לעזור לו. וזה לא ענין של הבנה, אלא שזהו ענין של הרגשה. שזהו כמו שכתוב (תהילים קכ"ז) "אם ה' לא יבנה בית, שוא עמלו בוניו בו". | Aber nachdem er mit der Arbeit begonnen und erkannt hat, dass die Hauptsache darin besteht, Dwekut mit dem Schöpfer zu erreichen, was „alles tun, um zu geben“ genannt wird, beginnt der Körper, sich dieser Arbeit zu widersetzen. Dieser Widerstand des Körpers hat jedoch einen großen Nutzen, denn dadurch entwickelt der Mensch einen großen Mangel; er leidet darunter, dass er weit von Dwekut mit dem Schöpfer entfernt ist. Je mehr er dann bereut, desto mehr wird er der Hilfe des Schöpfers bedürftig, denn er sieht, dass er die Selbstliebe nicht aus eigener Kraft verlassen kann, sondern nur mit Hilfe des Schöpfers. Das ist keine Frage des Verstandes, sondern eine Frage des Gefühls. Wie es geschrieben steht (Psalm 127): „Wenn der Herr das Haus nicht baut, haben die, die es gebaut haben, umsonst daran gearbeitet.“ |
55 | Daraus folgt: Der Mensch muss glauben, dass all die Wendungen, die ihn in seinen jetzigen Zustand geführt haben, dazu dienen, dass er ein wahres Gebet aus der Tiefe des Herzens darbringen kann. Doch der böse Trieb pflegt dem Menschen entgegengesetzte Ansichten einzugeben: Gerade jetzt, da sich die Gelegenheit bietet, den Schöpfer von ganzem Herzen und ganzer Seele zu bitten – da nämlich Verstand und Gefühl zu dem Schluss gekommen sind, dass jetzt allein der Schöpfer ihm helfen kann, weil er nun fähig ist, ein wahres Gebet darzubringen –, gerade da kommt der böse Trieb und treibt ihn in die Verzweiflung, wie beim Einwand der Kundschafter. Darüber lässt sich sagen: „Denn gerade sind die Wege des Ewigen; die Gerechten wandeln auf ihnen, die Frevler aber straucheln an ihnen.“ | היוצא מזה, שהאדם צריך להאמין, שכל הסיבובים שהביאו למצב שבו הוא נמצא עכשיו, הוא בכדי שתהיה לו היכולת ליתן תפלה אמיתית מעומקא דליבא. אבל מדרך היצר הרע, הוא מביא לאדם דעות הפוכות, שבמקום שיש עכשיו ההזדמנות לבקש מה' בכל לב ונפש, היינו שכל השכליות והרגשות באו לידי החלטה, שרק ה' יכול עכשיו לעזור לו, מטעם שעתה הוא מסוגל לתת תפלה אמיתית, בא היצר הרע ומביא אותו לידי יאוש, כטענת המרגלים. ויכולים לומר על זה "כי ישרים דרכי ה', צדיקים ילכו בם ופושעים יכשלו בם". | Daraus folgt, dass man glauben sollte, dass all die Irrungen und Wirrungen, die ihn in seinen jetzigen Zustand brachten, dazu dienten, ein ehrliches Gebet aus tiefstem Herzen sprechen zu können. Doch die böse Neigung bringt den Menschen zu gegenteiligen Ansichten und zur Verzweiflung. Und die Spione kommen genau dann, wenn Verstand und Herz zur Entscheidung gekommen sind, dass jetzt nur noch der Schöpfer helfen kann und er nun ein wahres Gebet sprechen könnte. Wir können dazu sagen: „Die Wege des Herrn sind gerade; die Gerechten wandeln auf ihnen, und die Gottlosen gehen auf ihnen verloren.“ |
56 | Mit dem Gesagten verstehen wir nun, wonach wir gefragt hatten: das Wort „Wer Geschenke hasst, wird leben“. Es bedeutet nicht, dass er keine Geschenke annehmen soll. Vielmehr: Wenn er die Geschenke hasst, weil er um des Gebens willen arbeiten möchte, dann hasst er es, ein Empfänger zu sein. Dennoch nimmt er die Geschenke an, weil der Schöpfer es so will – und das heißt „empfangen, um zu geben“. Denn er hatte den Schöpfer nicht darum angegangen, ihm Luxus zu geben, sondern er bittet den Schöpfer um das Notwendige. Und es ist unerheblich, ob das für einen anderen „Luxus“ heißt. Denn jeder arbeitet nach seinem eigenen Empfinden, und was sein Nächster hat, kümmert ihn nicht. Und wenn der Schöpfer ihm danach ein Geschenk gibt, so nimmt er es an, um zu geben. | ובהאמור נבין את ענין, מה ששאלנו מה שכתוב "שונא מתנות יחיה". אין הפירוש, שלא יקבל מתנות. אלא אם הוא שונא את המתנות, מטעם שהוא רוצה לעבוד בעמ"נ להשפיע, לכן הוא שונא להיות מקבל, אבל הוא מקבל את המתנות, משום שהקב"ה רוצה בכך, וזה נקרא "מקבל בעמ"נ להשפיע", היות שהוא לא היה מעורר לה', שיתן לו מותרות. אלא הוא מבקש מה' הכרחיות. ולא חשוב אם לגבי אחר נקרא זה "מותרות". כי כל אחד עובד לפי הרגשתו, ואין לו שום ענין מה שיש לחבירו. ואם אח"כ ה' נותן לו מתנה, והוא מקבל זה בעמ"נ להשפיע. | Mit dem oben Gesagten verstehen wir, was wir über den Vers „Wer Geschenke hasst, wird leben“ fragten. Es bedeutet nicht, dass man keine Geschenke erhalten soll. Wenn jemand jedoch Geschenke hasst, weil er um des Gebens willen arbeiten will, will er kein Empfänger sein; aber er empfängt die Geschenke, weil der Schöpfer es will. Das nennt man „Empfangen, um zu geben“, denn er würde den Schöpfer nie bitten, ihm Luxus zu geben. Vielmehr bittet er den Schöpfer um das Nötigste. Und es macht keinen Unterschied, ob das für einen anderen als Luxus gilt, denn jeder arbeitet nach seinem eigenen Gefühl und kümmert sich nicht darum, was sein Freund hat. Wenn der Schöpfer ihm später ein Geschenk gibt, empfängt er es, um zu geben. |
57 | Demnach hängt es vom Charakter eines Menschen ab, wenn er den Schöpfer bittet, ihm Gefäße des Gebens zu geben: Man kann sagen, dass es für den einen „Luxus“ und für den anderen „Notwendigkeit“ ist. | נמצא לפי זה, אם האדם מבקש מה', שיתן לו כלים דהשפעה, תלוי באופי של האדם, היינו שיכולים לומר, שאצל זה הוא "מותרות" ואצל השני זה "הכרחיות". | Daraus folgt, dass es vom Charakter eines Menschen abhängt, ob er den Schöpfer um Gefäße des Gebens bittet. Das heißt, für den einen ist es Luxus, für den anderen ist es Notwendigkeit. |
Rabash – 1986 – Artikel 24 (תשמ״ו – מאמר כ״ד)
„Der Unterschied zwischen Wohltätigkeit und Geschenk“
Es steht geschrieben (Sprüche 15:27): „Wer Geschenke hasst, wird leben.“ Daraus lässt sich folgern, dass man keine Geschenke annehmen darf, weil dies sonst das Gegenteil von Leben bewirkt. Wie aber kann es dann sein, dass die Menschen überall Geschenke voneinander annehmen? Eine weitere Frage stellt sich zu dem, was der Schöpfer zu Moses sagte: „Ich habe ein gutes Geschenk in meiner Schatzkammer, und sein Name ist Shabbat. Ich möchte es Israel geben – geh und teile es ihnen mit“ (Talmud, Traktat Beiza, Blatt 16).
In der Welt ist es üblich, dass ein Mensch einen anderen um Almosen (Zedaka, Wohltätigkeit) bitten kann. Doch wir haben noch nie gesehen, dass jemand einen anderen um ein Geschenk bittet. Ein Beispiel: Manchmal muss sich jemand vor dem Pessachfest Mazzot (ungesäuertes Brot) und Wein und Ähnliches dafür beschaffen. Dann geht er zum Almosenverwalter oder zu einem Wohlhabenden und bittet um Hilfe bei der Beschaffung des Nötigen für Pessach. Er schildert ihm seine bedrängte Lage – und er bekommt, worum er bittet.
Aber wir haben noch nie erlebt, dass jemand zu seinem Freund geht und ihn um ein Geschenk bittet. Ein Beispiel: Vor Pessach wünscht sich seine Frau von ihm einen Diamantring, der mindestens zweihundert Dollar wert sein soll. Er geht zu seinem Freund und erklärt ihm, dass er gerade in einer bedrängten Lage ist und den gewünschten Ring nicht kaufen kann. Deshalb möchte er, dass sein Freund ihm das Geld als Geschenk gibt, um seiner Frau den Ring zum Pessachfest zu kaufen.
Auch haben wir nie gehört, dass es in einer Stadt einen Verwalter für Geschenke gäbe – also dass es dort neben dem Almosenverwalter ebenso einen Geschenkverwalter gäbe. In der Welt ist es vielmehr so, dass man Geschenke gibt und nicht um sie bittet. Wer einen anderen liebt, in dem regt sich der Wunsch, ihm eine Freude zu bereiten, und deshalb gibt er ihm ein Geschenk. Man kann hier also nicht sagen, dass man um Geschenke bittet oder dass es in der Stadt einen eigenen Ort gäbe, an dem Geschenke ausgegeben werden.
Doch wir müssen den wahren Grund verstehen, warum man nicht um Geschenke bittet, um Almosen hingegen schon. In jeder Stadt gibt es eine Einrichtung, die allen Bedürftigen hilft, damit sie ihren Lebensunterhalt haben und in der Welt bestehen können. Auch heute gibt es in jedem Land eine Behörde, die sich um die Bedürftigen kümmert.
Der Grund ist sehr einfach: Es besteht ein Unterschied zwischen dem Notwendigen und dem Luxus. Notwendig ist das, was ein Mensch erhalten muss, um in der Welt bestehen zu können; erhält er die nötige Hilfe nicht, so kann er in der Welt nicht bestehen. Dazu sagten unsere Weisen (Sanhedrin 37): „Wer eine einzige Seele aus Israel am Leben erhält, dem wird es angerechnet, als hätte er eine ganze Welt erhalten.“ Gemeint ist das Notwendige, ohne das er nicht bestehen kann. Darauf kann ein Mensch nicht verzichten und auch nicht darauf, um Hilfe zu bitten, denn „alles, was ein Mensch hat, gibt er für sein Leben hin.“
Deshalb schämt sich ein Mensch nicht, um Almosen zu bitten, denn es geht mehr oder weniger um Leben und Tod. Auch der andere, der Geber, sieht ein, dass es richtig ist, ihm das Erbetene zu geben. Je näher die Sache an Leben und Tod heranreicht, desto offener fordert der Empfänger, und desto stärker nimmt der Geber an seiner Lage Anteil. Je weiter sie davon entfernt ist, desto kühler kümmert sich der Geber um die Lage des Empfängers. Doch all das bewegt sich auf der Bahn des Notwendigen.
Beim Luxus ist es anders. Wer um Luxus bittet, schämt sich. Und auch der Geber hört nicht auf den, der um Luxus bittet. Darum müssen wir zwischen Almosen und Geschenk unterscheiden. Beim Almosen erfolgt die Antwort auf die Forderung des Empfängers: Bittet der Almosenempfänger, so gibt man ihm. So kommt das Almosen durch ein Erwachen des Niederen zustande, weil dieser seinen Mangel spürt. Sobald er nämlich sieht, dass er ohne die Hilfe des Gebers in der Welt nicht bestehen kann, schämt er sich nicht, sondern erniedrigt sich sogar vor dem Geber – und zwar deshalb, weil ihm keine andere Wahl bleibt.
Ein Geschenk dagegen geht ganz vom Geber aus. Wenn im Geber das Verlangen erwacht, seinem geliebten Menschen die Liebe zu zeigen, dann schickt er ihm ein Geschenk. Demnach kommt ein Geschenk durch das Erwachen des oberen Gebenden, während das Almosen durch das Erwachen des Empfängers kommt. Der Almosenempfänger muss zum Geber gehen und ihm den Bedarf verständlich machen, den er von ihm fordert. Und in dem Maße, wie er ihm begreiflich machen kann, dass er diese Hilfe dringend braucht und dass die Sache äußerst notwendig ist, in dem Maße erhält er vom Geber, worum er bittet.
Der eigentliche Grund ist jedoch, wie wir lernen, folgender: Wenn wir etwas gebrauchen müssen, das nicht in der Wurzel vorhanden ist, empfinden wir dabei ein Unbehagen. So heißt es im Studium der Zehn Sefirot (Talmud Eser haSfirot, Teil 1, Innere Betrachtung, Punkt 19): „Bekanntlich gleicht die Natur jedes Zweiges seiner Wurzel. Darum begehrt der Zweig alles, was in der Wurzel üblich ist, liebt es und sehnt sich danach. Und von allem, was in der Wurzel nicht üblich ist, hält sich auch der Zweig fern; er erträgt es nicht und hasst es.“
Das Empfangen ist in unserer Wurzel also nicht üblich. Wenn ein Mensch daher empfangen muss, empfindet er Scham, und diese ist ein Unbehagen, weil das Empfangen in unserer Wurzel nicht üblich ist. Braucht jemand die Hilfe seines Nächsten und handelt es sich um etwas Notwendiges, so sagt man: Es bleibt keine Wahl, denn nichts kann der Lebensrettung im Wege stehen. Doch bei der Lebensrettung gibt es viele Abstufungen. Bei allem, was notwendig ist, erträgt man also die Scham und bittet um Hilfe. Und was notwendig ist, ist nicht bei jedem gleich, sondern jeder Mensch hat ein anderes Maß. Das heißt: Was dem einen als Luxus gilt, kann für den anderen notwendig sein.
Darum lässt sich die Grenze schwer ziehen zwischen dem, was „Luxus“, und dem, was „Notwendigkeit“ heißt. Man könnte zwar sagen: Ein Ding, ohne das man leben kann, ist Luxus, und eines, ohne das man nicht leben kann, ist notwendig. Doch auch das lässt sich nicht zu hundert Prozent abmessen.
Ein Beispiel finden wir bei unseren Weisen (Ketubot 67b): „Jemand kam zu Rabbi Nechemia. Dieser fragte ihn: Wovon ernährst du dich? Er antwortete: Von fettem Fleisch und altem Wein. Da sagte er zu ihm: Willst du dich nicht wie ich mit Linsen begnügen? Er gewöhnte sich an Linsen – und starb.“ Wir sehen aus dieser Begebenheit: Obwohl fettes Fleisch und alter Wein nach allgemeiner Auffassung gewiss Luxus sind, waren sie für diesen Menschen notwendig – so sehr, dass er aus diesem Grund starb.
Weiter sehen wir dort die Worte unserer Weisen: „Die Weisen lehrten: ‚Genug für seinen Mangel, woran es ihm fehlt‘ (Deuteronomium 15). ‚Genug für seinen Mangel‘ – du bist verpflichtet, ihn zu versorgen, aber nicht verpflichtet, ihn reich zu machen. ‚Woran es ihm fehlt‘ – sogar ein Pferd zum Reiten und einen Knecht, der vor ihm herläuft. Von Hillel dem Älteren erzählte man, dass er für einen verarmten Mann aus gutem Hause ein Pferd zum Reiten und einen Knecht besorgte, der vor ihm herlaufen sollte. Einmal fand er keinen Knecht, der vor ihm herlief, und so lief er selbst drei Meilen vor ihm her.“
Daran können wir nach der Auslegung unserer Weisen zum Vers „woran es ihm fehlt“ erkennen: Sogar ein Pferd zum Reiten und ein Knecht, der vor ihm herläuft, fallen unter den Begriff des Mangels und nicht unter den des Luxus. Denn hier ist von einem Armen die Rede, wie die Gemara berichtet, dass Hillel sich eines verarmten Mannes aus gutem Hause annahm. Und was man einem Armen gibt, heißt gewiss „Almosen“, also Notwendigkeit. Und selbst das Pferd zum Reiten und der vorauslaufende Knecht gelten demnach ebenfalls als „notwendig“. Wir können also keine Grenze ziehen und sagen: Bis hierher heißt es „notwendig“ und von da an „Luxus“.
Demnach kann der Arme als Almosen etwas verlangen, was bei anderen „Luxus“ heißt. Wie gesagt: Der Arme bittet um Almosen, ohne sich allzu sehr zu schämen, weil das Almosen für ihn notwendig ist. Doch wir können nicht allgemein zwischen Almosen und einem als „Luxus“ geltenden Geschenk unterscheiden, denn das hängt vom Charakter des Menschen ab. Jeder hat sein eigenes Maß dafür, was er „notwendig“ und was er „Luxus“ nennt. Ist es etwas, ohne das man leben kann, und fehlt dem Armen der Mut, einen anderen darum zu bitten, dann fällt es unter den Begriff des Geschenks – und ein solches kommt nur durch das Erwachen des Gebers zustande.
Wer aber kann bestimmen, ob das, worum ein Mensch seinen Nächsten bittet, unter den Begriff des Almosens oder des Geschenks fällt? Nur der Schöpfer kennt das Maß eines Menschen, um zu sagen: Bis hierher heißt es „notwendig“ und von da an „Luxus“.
Nun wollen wir dieselben Begriffe auf die innere Arbeit anwenden. Beim Gebet, wenn ein Mensch den Schöpfer um Hilfe in der Arbeit bittet, müssen wir unterscheiden, ob er den Schöpfer um Almosen bittet, also um das Notwendige. Ohne dieses, so sagt er zum Schöpfer, hat sein Leben keinen Sinn. Er fühlt sich nämlich nackt und von allem entblößt, sowohl an Tora als auch an Mizwot. Er spürt, dass kein Funke Wahrheit in ihm ist und dass alle seine Handlungen auf Heuchelei und Lüge gebaut sind. Das ganze Fundament, auf dem er sein Gebäude der Heiligkeit (Kedusha) errichtet, ruht also auf der Selbstliebe.
Und er hat das Gefühl, jeden Tag zurückzufallen, statt voranzukommen. Er erlebt das Gegenteil dessen, was er erwartet hatte: Als er die heilige Arbeit aufnahm, empfand er größere Wichtigkeit der Tora und der Arbeit. Eben deshalb hatte er Tora und Arbeit auf sich genommen – weil es sich lohnt, sich von den Nichtigkeiten dieser Welt zurückzuziehen und an Tora und Mizwot zu haften, was ihm Glück und Sinn im Leben bringen sollte. Seine Begeisterung war damals groß.
Jetzt versteht er nicht, woher er damals diese Kräfte nahm. Käme heute jemand zu ihm und sagte: „Lass alles los, zieh dich von den Nichtigkeiten dieser Welt zurück und nimm die heilige Arbeit auf“, so könnte er in seinem jetzigen Zustand gewiss nicht auf ihn hören – weder mit dem Verstand noch mit dem Gefühl.
Gewiss muss er sich sagen, dass er damals Glaube und Vertrauen hatte, jetzt aber von all dem weit entfernt ist. Damals war es so, dass er sich die ganze Zeit, in der er sich mit der Arbeit beschäftigte, der Wahrheit nähern wollte – das ist die Anhaftung an den Schöpfer (Dwekut) –, und danach sehnte er sich. Jetzt aber steht er zehn Stufen weiter zurück. Das heißt, ihm fehlen jetzt die Begeisterung für die Tora und das Empfinden ihrer Wichtigkeit.
Erst recht gilt das für das Gebet: Er verspürt kein Verlangen danach, denn der Körper sagt ihm: „Was bringt es dir, dass du betest? Du siehst doch selbst, dass du umso tiefer sinkst, je mehr Arbeit du leisten willst. Wozu also diese Arbeit?“ Wie soll ein Mensch sich da abmühen, wo er sieht, dass er nicht einen einzigen Schritt vorankommt?
Da die Ruhe dem Menschen Genuss verschafft, kann er auf sie nur verzichten, wenn er weiß, dass er einen größeren Genuss gewinnt oder etwas dringend Nötigeres. Dann hat er einen Grund, auf die Ruhe zu verzichten – aber nicht einfach ohne jede Gegenleistung. Sieht er nun, dass ihm seine Mühe nichts von dem eingebracht hat, was er zu gewinnen hoffte, so verliert er die Kraft zur Arbeit und bleibt erschöpft zurück.
Er betrachtet sich selbst und sagt: Käme jemand zu ihm und spräche: „Wisse, dass du in einiger Zeit, in einigen Monaten oder Jahren, in einen Zustand der Verzweiflung geraten wirst. Du wirst keinerlei Fortschritt erzielen, im Gegenteil: Jedes Jahr wirst du dich niedriger fühlen als jetzt. Schon jetzt fühlst du dich niedrig, und gerade deshalb willst du die wahre Arbeit beginnen, um das wahre Ziel zu erreichen, für das du erschaffen wurdest. Darum sage ich dir: Schade um deine Mühe. Denn ich kenne viele Menschen, die dachten wie du – dass man nur ein wenig Mühe aufbringen muss und sofort Früchte sehen wird, also einen gewissen Fortschritt in der wahren Arbeit.“
Dann würde ich ihm antworten: Du gehörst zu den Kundschaftern, die das Land Israel verleumdeten. Genau so legt es der Sohar aus (Schlach, Blatt 22, im Sulam Punkt 63): „‚Und sie kehrten zurück vom Erkunden des Landes.‘ ‚Sie kehrten zurück‘ bedeutet, dass sie zur bösen Seite zurückkehrten und vom Weg der Wahrheit abkehrten, indem sie sagten: Was haben wir bis heute davongetragen? Wir haben nichts Gutes in der Welt gesehen; wir haben uns in der Tora abgemüht, und das Haus ist leer. Wer wird jene Welt erlangen, und wer wird in sie eingehen? Besser wäre es für uns gewesen, wir hätten uns nicht so sehr abgemüht. Sie berichteten ihm, und er sprach, und so weiter: Wir haben uns abgemüht und gelernt, um einen Anteil an jener Welt zu kennen, wie du uns geraten hast. Auch ist sie ein Land, das von Milch und Honig fließt: Gut ist jene obere Welt, wie wir aus der Tora wissen – aber wer kann sie erlangen?“
Nach einiger Zeit der Arbeit sagt er nun: Wären diese Gedanken ihm zu Beginn gekommen – als er sich vornahm, den gewohnten Zustand zu verlassen, der „angelernte Menschengebote“ heißt, und zu den wahren Dienern des Schöpfers zu gehören –, dann hätte er zu ihnen gesagt: „Ihr seid Boten der Kundschafter, und darum kommt ihr zu mir, um mich am Eintritt in das Land der Heiligkeit zu hindern, das ‚heilige Arbeit‘ heißt.“ Er hätte nicht auf sie gehört. Jetzt aber merkt er, dass er den Einwand der Kundschafter selbst empfindet. Und nun erscheint ihm dieser Einwand nicht mehr als der der Kundschafter, sondern als sein eigener. Er spürt nämlich: Alles, was er empfindet, ist wahr.
Und wie gesagt, erhebt sich die Frage: Was ist die Wahrheit? War er zu Beginn der Arbeit auf einer höheren Stufe als jetzt, nach mehreren Jahren der Arbeit und Mühe? Was lässt sich dann über einen solchen Zustand sagen – dass seine ganze Arbeit vergeblich war? Und nicht bloß vergeblich; denn „vergeblich“ hieße, dass er nichts gewonnen hat und sich in demselben Zustand befindet wie vor seinem Eintritt in die heilige Arbeit um des Gebens willen.
Doch hier ist es nicht so, sondern er hat verloren und ist gegenüber seinem früheren Zustand abgesunken. Ihm fehlen jetzt die Wichtigkeit und die Begeisterung für Tora und Mizwot; ihm fehlen der Schwung und das Vertrauen, die er damals hatte. Heute betrachtet er sich und stellt fest, dass er in einem Zustand des „Mir ist alles gleichgültig“ ist. Dem Anschein nach müsste man sagen, dass er gegenüber seinem früheren Zustand, dem Beginn seiner Arbeit, abgesunken ist.
In Wahrheit ist es aber nicht so. Denn nach der Regel „Es gibt kein Licht ohne Gefäß (Kli)“ bedeutet dies: Der Schöpfer füllt den Mangel des Niederen nicht, solange dieser keinen echten Mangel hat. Und „Mangel“ heißt nicht unbedingt, dass ihm die Sache fehlt, dass er sie also nicht hat. Das gleicht dem Gleichnis, das ich (in Artikel 6, 1986) schrieb: In einem Land fand eine Wahl statt, um einen Präsidenten zu wählen. Es gab zwei Kandidaten für das Präsidentenamt, und mehrere Aktivisten arbeiteten im Wahlkampf, von denen jeder wollte, dass der von ihm bevorzugte Kandidat gewählt würde. Am Ende wurde einer von ihnen gewählt. Stellt man nun eine Betrachtung über den Mangel an – wer spürt, dass er nicht Präsident ist? Letztlich gibt es nur einen einzigen Präsidenten, und alle Bürger des Landes haben den Mangel, dass sie keine Präsidenten sind. Trotzdem muss man beim Mangel unterscheiden nach dem Maß des Schmerzes, den man darüber empfindet, kein Präsident zu sein. Denn von den gewöhnlichen Bürgern muss man sagen: Obwohl sie keine Präsidenten sind, empfinden sie darüber keinerlei Mangel.
Diejenigen aber, die sich darum bemüht hatten, wer Präsident werden soll, und bei denen ein anderer als der erhoffte Präsident wurde, empfinden Schmerz über diesen Mangel – dass nicht ihr Kandidat Präsident wurde, für den sie gearbeitet hatten. Wahres Leid jedoch empfindet gerade jener Mann, der meinte, man wird ihn zum Präsidenten machen, und der Kräfte investierte, um die Wahl zu gewinnen, damit die Bürger ihn wählen – und am Ende wählte man seinen Gegner. Er empfindet das wahre Leid. Von ihm kann man sagen, dass er einen echten Mangel hatte, Präsident zu werden, weil er Kräfte dafür einsetzte; und im selben Maß, wie er Kräfte einsetzte, wird das Leid empfunden.
Aus dem Gesagten ergibt sich nun für die Arbeit für den Schöpfer: Zu Beginn seiner Arbeit hatte er Schwung, Vertrauen und große Wertschätzung für Tora und Gebet, weil er damals die Anmut der Heiligkeit besaß und fühlte, dass die Arbeit für den Schöpfer etwas Wichtiges ist. Doch das heißt noch nicht „Mangel“, den der Schöpfer füllen würde – jener Mangel, der „Anhaftung an den Schöpfer“ heißt. Denn der Mangel und der Schmerz darüber, keine Dwekut mit dem Schöpfer zu haben, waren in ihm noch nicht spürbar, weil er dafür noch keine Kräfte investiert hatte; er stand ja erst am Anfang der Arbeit.
Anders ist es, wenn lange Zeit vergangen ist, in der er Kräfte investiert hat, ohne dass sein Mangel gefüllt wird. Dann beginnen sich in ihm Leid und Schmerz zu regen, weil er Kräfte einsetzte und dennoch keinen Fortschritt in seiner Arbeit sieht. Nun stellen sich die Gedanken einer nach dem anderen ein: mal als Funken der Verzweiflung, mal fasst er wieder Mut, und dann sieht er erneut, dass er von seinem Zustand abfällt – und so geht es immer wieder. So lange, bis sich in ihm ein echter Mangel angesammelt hat, den er durch die Mühe in Aufstiegen und Abstiegen erlangt. Denn diese Aufstiege und Abstiege hinterlassen in ihm jedes Mal einen Schmerz darüber, dass er die Anhaftung an den Schöpfer noch nicht erlangt hat. Und sobald das Maß der Mühe vollständig gefüllt ist – was „Gefäß (Kli)“ heißt –, kommt zu ihm die Füllung vonseiten des Schöpfers, weil er jetzt ein „echtes Gefäß“ hat.
Demnach geschieht das, was er sieht – dass er jetzt, nach einigen Jahren der Arbeit, zurückgefallen ist –, mit Absicht: damit er den Schmerz darüber spürt, keine Anhaftung an den Schöpfer zu haben. Also muss er jedes Mal erkennen, wie er sich mehr und mehr der Bildung des Gefäßes nähert, das „echter Mangel“ heißt. Der Maßstab für die Kleinheit (Katnut) und Größe (Gadlut) des Mangels ist das Ausmaß des Leids, das er empfindet, weil ihm die Füllung fehlt, die hier „Anhaftung an den Schöpfer“ heißt – nämlich dass sein ganzes Wollen und Verlangen einzig darauf gerichtet ist, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Und bevor der Mangel nicht vollständig ist, kann die Füllung nicht in Vollständigkeit kommen. Bekanntlich kommt von oben immer etwas Vollständiges. Also muss auch der Mangel ganz vollständig sein. Das heißt, er muss Schmerz und Mangel darüber empfinden, dass er gar nichts hat: dass er weder Tora noch Arbeit noch Ehrfurcht vor dem Himmel besitzt.
Zwar verrichtet er der Tat nach die Mizwot, lernt Tora, steht vor Tagesanbruch auf und achtet auf die leichten Gebote wie auf die schweren. Würden andere Menschen tun, was er tut, sie würden sich in ihren eigenen Augen für vollkommen Gerechte halten. Er aber fühlt sich von allem leer. Das liegt daran, dass er die Anhaftung an den Schöpfer erlangen will, und dazu braucht der Mensch einen einzigen Gedanken: dass all sein Tun um des Gebens willen geschieht. Und er sieht, dass ihm gerade dies in weiter Ferne liegt.
Also sagt er sich: Was ist mein ganzer Gewinn daraus, dass ich mich mit Tora und Mizwot beschäftige? Meine ganze Rechnung war doch, dadurch zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Doch ich sehe nicht, dass ich mich auch nur ein wenig genähert hätte – im Gegenteil. Dieser Mensch bittet also nicht um Luxus, sondern schlicht um das Notwendige: dass er seine Seele mit etwas Spiritualität beleben kann, damit sie nicht in der Selbstliebe versinkt.
So fühlt er sich also völlig leer an Spiritualität. Andere Menschen dagegen haben dieses Gefühl nicht, der Spiritualität fern zu sein. Vielmehr sehen wir: Wenn andere täglich im Minjan (Gebetsquorum von zehn Männern) beten können, fühlen sie sich bereits vollkommen. Und besonders jene, die nach einem Arbeitstag noch das tägliche Tora-Pensum (Daf haJomi) lernen, fühlen sich gewiss vollkommen. Sie verlangen vom Schöpfer keine Hilfe, um die Kraft zu haben, auf dem Weg des Schöpfers zu gehen. Sie beten vielmehr darum, dass der Schöpfer ihnen hilft, ihre feste Gewohnheit fortzusetzen. Damit haben sie bereits ihre Erfüllung im Leben.
Erst recht gilt das für jene, „deren Tora ihr Beruf ist“. Sie fühlen sich gewiss vollkommen und preisen den Schöpfer beständig dafür, dass Er ihnen Verstand und Willen gab, „damit ihr Anteil nicht bei den Müßiggängern sei“. Zwar beten sie zum Schöpfer, Er möge ihnen in der Sache helfen, von der sie gehört haben – nämlich „um Ihretwillen (liShma)“ zu handeln –, doch das gilt bei ihnen als Luxus. Denn das Wesentliche an Tora und Mizwot erfüllen sie; es fehlt ihnen nur die Arbeit um Ihretwillen. Es stimmt zwar, dass man um Ihretwillen tätig sein soll, aber das betrifft nur einzelne Auserwählte. Selbst wenn sie also beten, der Schöpfer möge ihnen gewähren, die Tora um Ihretwillen zu lernen, gilt ihnen das als Luxus und nicht als Notwendigkeit. Denn, Gott sei Dank, fühlen sie sich als Auserwählte des Volkes, die im „Licht der Tora“ stehen und „deren Tora ihr Beruf ist“.
Daraus ergibt sich dasselbe: Wenn zwei Menschen den Schöpfer bitten, ihre Bitte zu erfüllen, muss man zwischen ihnen unterscheiden – nicht nach dem Gebet selbst, sondern nach dem Beweggrund des Gebets. Der eine will die Sache, weil seine Seele nach Luxus verlangt; er bittet also um ein Geschenk. Doch es gehört sich nicht, um Geschenke zu bitten. Darum kann man seine Bitte nicht erfüllen, denn um Geschenke bittet man nicht; sie kommen allein vom Geber. Der Geber erwacht von sich aus, dem Empfänger ein Geschenk zu geben. So kommt es, dass der Niedere voller Klagen ist, warum der Schöpfer sein Gebet nicht erhört, da er doch jeden Tag um Geschenke betet und nicht erhört wird. Deshalb behauptet er, mit dem Oberen ist etwas nicht in Ordnung.
Der Obere aber entgegnet, dass der Niedere nicht in Ordnung ist, weil er darum weint, dass man ihm Geschenke gibt. Denn was ihm seiner Meinung nach fehlt, ist für ihn nur Luxus. Wenn er sich daher selbst korrigiert und die Wahrheit erkennt – nämlich dass das, was er fordert, eine Notwendigkeit ist, also ein Almosen –, so gibt man Almosen sehr wohl durch das Erwachen des Niederen, wie es heißt: „der Arme bittet“. Und je notwendiger die Bitte ist, desto eher wird sie angenommen.
Das ist es, was oben erklärt wurde (Ketubot 67b): Fleisch und Wein mögen bei jedem anderen Luxus sein, doch für den Mann, der zu Rabbi Nechemia kam, waren sie notwendig. Der Beweis dafür: Man gab ihm Linsen zu essen, und er starb.
Damit verstehen wir, warum es so ist, dass ein Mensch, nachdem er viel Mühe investiert hat, um die Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen, am Ende sieht, dass es ihm schlechter geht als vor dem Beginn der heiligen Arbeit zu seiner eigenen Korrektur. Es ist, als wären seine Korrekturen umsonst und nutzlos gewesen – ja, im Gegenteil, wie oben gesagt.
Die Antwort ist: In Wahrheit ist er weit vorangekommen. Man muss jedoch zwischen dem Fortschritt zum Licht und dem Fortschritt zum Gefäß unterscheiden. Denn von Natur aus wertet der Mensch den Fortschritt zum Licht, weil er sich nur nach dem Licht sehnt. Was nicht leuchtet, interessiert ihn nicht; denn was nützt es ihm, einen großen Mangel zu haben? Es gilt die Regel: „Der Mensch sehnt sich nach dem, was ihm Genuss bringt.“ Will er also wissen, ob er vorangekommen ist, so betrachtet er, wie nah er dem Licht ist.
Doch die Wahrheit ist: „Es gibt kein Licht ohne Gefäß.“ Er muss also zuerst zum Gefäß hin voranschreiten. Es gibt nämlich einen Fortschritt im Mangel. Zu Beginn seiner Arbeit war ihm sein Mangel noch nicht offenbart; er sehnte sich nur nach dem Licht – wenngleich er auch damals einen Mangel hatte, weil ihm das Licht fehlte.
Das gleicht einer Sache, die bei den Menschen üblich ist: Manchmal verliert jemand einen wichtigen Gegenstand, der so viel wert ist wie der Verdienst einer Arbeitsstunde, gemessen an seinem Tagesverdienst. Nehmen wir an, er verdient acht Dollar am Tag; dann würde er für weniger als einen Dollar pro Stunde nicht arbeiten, sondern die Ruhe wäre ihm wichtiger. Verliert er aber einen Gegenstand im Wert von einem Dollar, ist er fähig, zwei Stunden danach zu suchen, bis er ihn findet. Da erhebt sich die Frage: Warum arbeitet er jetzt eine Stunde, nur um einen halben Dollar zu gewinnen?
Die Antwort ist: Es besteht ein Unterschied zwischen „entgangenem Gewinn“ und „Verlust vom Kapital“. Was er besitzt und dann verliert, ist ihm sogar als Kleinigkeit wichtig, weil es bereits in seinem Besitz war und ihm verloren ging. Bei etwas hingegen, das er noch gar nicht erlangt hat, lohnt es sich nur bei einer großen Sache, sich darum zu mühen; sonst ist ihm die Ruhe wichtiger.
Dasselbe gilt für uns. Solange er nur das Verlangen hatte, die Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen, heißt dieser Mangel „entgangener Gewinn“. Das heißt, sein Mangel ist, dass er vielleicht nichts gewinnt; deshalb geht er ans Werk. Doch das heißt noch nicht „echter Mangel“, der würdig wäre, dass sich die obere Fülle in ihn kleidet.
Anders ist es, wenn er bereits mehrere Jahre Arbeit investiert hat; das gleicht einem „Verlust vom Kapital“. Er hat nämlich mehrere Jahre der Mühe verloren und nichts gewonnen. Dann gilt dieser Mangel als wirklicher „Mangel“, weil er ihm Leid und Schmerz erzeugt.
Wir sehen also: Dadurch, dass er viel Mühe investierte und meinte, der Schöpfer wird ihm bald helfen und er wird die Anhaftung an Ihn erlangen, schreitet er im Mangel nach der Anhaftung voran – eben weil er viel Mühe investierte. Und darum sieht er, je mehr Mühe er aufbringt, sofort das Gegenteil davon: wie sehr sich der Körper dem Geben überhaupt widersetzt.
Dann reift in ihm der Gedanke, dass er der Hilfe des Schöpfers bedarf. Und er bittet dann nicht um Luxus, sondern er möchte ein einfacher Jude sein, der an den Schöpfer glaubt, dessen Name „der Gute, der Gutes tut“ lautet. Er möchte den Schöpfer preisen und zu Ihm sagen: „Gepriesen sei Er, der sprach, und die Welt entstand“ – in völliger Schlichtheit, ohne große Erkenntnisse über Tora und Mizwot samt Absichten, sondern ganz einfach: dass er den Schöpfer loben und Ihm dafür danken kann, dass Er ihn erschaffen hat.
Da er jetzt sieht, dass er nicht einmal mehr das Verlangen nach Tora und Arbeit hat, das er vor dem Beginn der Arbeit besaß – und das hat zwei Gründe, die eigentlich einer sind:
Erstens: Sein Eintritt, das Joch von Tora und Mizwot auf sich zu nehmen, war auf Gefäße des Empfangens gebaut. Damals sehnte sich der Körper danach, das Gute und den Genuss zu empfangen, weil er fühlte, dass aus der Spiritualität mehr Erfüllung im Leben zu gewinnen ist – das heißt, das Verlangen zu empfangen hätte etwas zu empfangen. Denn die körperlichen Genüsse gaben ihm keine Erfüllung im Leben. Jetzt aber, da er ans Werk geht, um des Gebens willen zu arbeiten, widersetzt sich sein Körper.
Denn der Körper ist bereit, sich dort zu mühen, wo er etwas gewinnen kann. Jetzt aber sagte man dem Körper: Erfülle Tora und Mizwot, und dadurch – kraft der Erfüllung von Tora und Mizwot – wirst du fähig sein, dem Körper keinerlei Genuss und Lohn für seine Arbeit zu gewähren. Weil der Körper nun hört, dass er für sich selbst keinen Lohn erhalten wird, sondern dass sein Lohn gerade darin besteht – sofern er es verdient und die Kraft erlangt –, dem Körper keine Gegenleistung für seine Arbeit zu geben, hat der Mensch jetzt keine Kraft mehr zur Arbeit. Vor seinem Eintritt in die Arbeit um des Gebens willen war das anders: Damals erwartete der Körper größere Genüsse, als er aus den körperlichen Genüssen empfing. Dafür hatte er Brennstoff, und vom Körper kam kein Hindernis, weil dieser erwartete, das Verlangen zu empfangen wird nun größere Genüsse gewinnen.
Doch man muss wissen: Der Körper versteht keine andere Sprache, die ihn dazu bewegt, die heilige Arbeit tun zu wollen. Dazu sagten unsere Weisen: „Stets beschäftige sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch wenn es nicht um Ihretwillen (lo liShma) geschieht, denn dadurch wird er zu ‚um Ihretwillen‘ gelangen.“ Demnach war der Beginn seines Eintritts in die Arbeit völlig in Ordnung. Man muss dem Körper nämlich versichern, dass sein Verlangen zu empfangen nicht beeinträchtigt wird. Im Gegenteil: Durch die Erfüllung von Tora und Mizwot wird gerade das Verlangen zu empfangen wirkliche Erfüllung im Leben erhalten, und es selbst wird durch die Erfüllung von Tora und Mizwot fühlen, dass es glücklicher ist als alle seine Altersgenossen auf der Welt.
Anders ist es, nachdem er in die Arbeit eingetreten ist und zu erkennen begann, dass die Hauptsache darin besteht, die Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen, also „alles um des Gebens willen zu tun“. Da beginnt der Körper, sich dieser Arbeit zu widersetzen. Doch dieser Widerstand des Körpers bringt großen Nutzen. Denn dadurch wird der Mensch zu einem mit großem Mangel: Er leidet darunter, dass er sich von der Anhaftung an den Schöpfer entfernt hat. Und je mehr er sich grämt, desto bedürftiger wird er des Schöpfers, dass dieser ihm hilft. Denn er sieht dann, dass der Mensch aus eigener Kraft nicht fähig ist, aus der Selbstliebe herauszutreten, sondern dass allein der Schöpfer ihm helfen kann. Das ist keine Sache des Verstehens, sondern des Empfindens. So heißt es (Psalm 127): „Wenn der Ewige das Haus nicht baut, mühen sich seine Erbauer vergebens daran.“
Daraus folgt: Der Mensch muss glauben, dass all die Wendungen, die ihn in seinen jetzigen Zustand geführt haben, dazu dienen, dass er ein wahres Gebet aus der Tiefe des Herzens darbringen kann. Doch der böse Trieb pflegt dem Menschen entgegengesetzte Ansichten einzugeben: Gerade jetzt, da sich die Gelegenheit bietet, den Schöpfer von ganzem Herzen und ganzer Seele zu bitten – da nämlich Verstand und Gefühl zu dem Schluss gekommen sind, dass jetzt allein der Schöpfer ihm helfen kann, weil er nun fähig ist, ein wahres Gebet darzubringen –, gerade da kommt der böse Trieb und treibt ihn in die Verzweiflung, wie beim Einwand der Kundschafter. Darüber lässt sich sagen: „Denn gerade sind die Wege des Ewigen; die Gerechten wandeln auf ihnen, die Frevler aber straucheln an ihnen.“
Mit dem Gesagten verstehen wir nun, wonach wir gefragt hatten: das Wort „Wer Geschenke hasst, wird leben“. Es bedeutet nicht, dass er keine Geschenke annehmen soll. Vielmehr: Wenn er die Geschenke hasst, weil er um des Gebens willen arbeiten möchte, dann hasst er es, ein Empfänger zu sein. Dennoch nimmt er die Geschenke an, weil der Schöpfer es so will – und das heißt „empfangen, um zu geben“. Denn er hatte den Schöpfer nicht darum angegangen, ihm Luxus zu geben, sondern er bittet den Schöpfer um das Notwendige. Und es ist unerheblich, ob das für einen anderen „Luxus“ heißt. Denn jeder arbeitet nach seinem eigenen Empfinden, und was sein Nächster hat, kümmert ihn nicht. Und wenn der Schöpfer ihm danach ein Geschenk gibt, so nimmt er es an, um zu geben.
Demnach hängt es vom Charakter eines Menschen ab, wenn er den Schöpfer bittet, ihm Gefäße des Gebens zu geben: Man kann sagen, dass es für den einen „Luxus“ und für den anderen „Notwendigkeit“ ist.
korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, 03:12 Uhr, Ver4