1987/09 Jemandes Größe hängt vom Maß des Glaubens an die Zukunft ab
Im Sohar (Beschalach, Blatt 64, und im Sulam-Kommentar, Abschnitt 216) heißt es: „‚Dann wird Moses singen.‘ Es müsste eigentlich ‚sang‘ heißen. Und er antwortet: Vielmehr hängt dies mit der Zukunft zusammen, denn er vollendete es für jene Zeit und vollendete es zugleich für die Zukunft, in der Israel dieses Lied dereinst singen wird. ‚Dieses Lied‘ steht in der weiblichen Form (Shira); ‚dieser Gesang‘ (Shir) hätte er in der männlichen Form sagen müssen. Und er antwortet: Vielmehr ist es ein Lied, mit dem die Königin (Matronita) den König preist. Da fragte Rabbi Jehuda: Wenn es das Lied der Königin an den König ist, warum heißt es dann ‚Moses und die Kinder Israels‘? Die Königin hätte doch preisen müssen. Und er antwortet: Vielmehr – glücklich ist der Anteil von Moses und Israel, denn sie wissen, wie man den König um der Königin willen auf rechte Weise preist.“
Zu verstehen ist hier die Antwort, die er darauf gibt, dass die Stelle in der Zukunftsform steht – nämlich dass die Zukunft gemeint ist. Was will uns das für die spirituelle Arbeit lehren? Ebenso ist seine Antwort darauf zu verstehen, warum ‚Lied‘ in der weiblichen Form steht. Er erklärt: Gemeint ist Malchut, nämlich dass Malchut den König preist. Darauf fragt Rabbi Jehuda: Wenn Malchut gemeint ist, warum heißt es dann ‚Moses und die Kinder Israels‘? Deshalb muss er erklären, dass Moses und Israel gemeint sind, die den König um Malchuts willen zu preisen wissen. Auch das ist zu verstehen: Was bedeutet es, dass Moses und Israel den König um Malchuts willen preisen müssen? Und warum preisen sie den König nicht um ihrer selbst willen, sondern um Malchuts willen?
Es ist bekannt, dass Moses ‚treuer Hirte‘ (Raaja Mehemna) genannt wird. Baal HaSulam erklärte, dass Moses Israel mit der Eigenschaft des Glaubens versorgte, und der Glaube wird ‚Malchut‘ genannt. Er vermittelte also dem Volk Israel die Ehrfurcht vor dem Himmel, die ‚himmlische Malchut‘ genannt wird. Darum wird Moses ‚treuer Hirte‘ genannt – nach dem Glauben benannt, wie geschrieben steht: „Und sie glaubten an den Schöpfer und an Moses, Seinen Knecht.“ Das heißt: weil Moses ihnen den Glauben an den Schöpfer vermittelte.
Bekannt ist auch dies: Der Mensch kann nicht aus dem Negativen leben, sondern nur aus dem Positiven. Denn ‚Versorgung‘ nennt man das, was der Mensch empfängt und woran er sich freut, eben weil er es empfängt. Das kommt uns vom Schöpfungsziel her, das ‚Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun‘ genannt wird. Darum muss der Mensch Genuss und Vergnügen empfangen, damit er etwas hat, womit er seinen Körper erfreuen kann. Dies nennt man ‚das Positive‘, also die Füllung, mit der er seine Mängel ausfüllt.
Aber auch den Mangel braucht der Mensch. Sonst hat er keinen Ort, in den das Licht des Lebens eintreten könnte. Der Mangel wird ‚Kli‘ (Gefäß) genannt; das bedeutet: Hat er keine Gefäße, kann er nichts empfangen. Der Mangel wird auch ‚Verlangen‘ genannt: Er hat ein Verlangen nach etwas, er fühlt, dass ihm diese Sache fehlt, und er will den Mangel ausfüllen. Sein Mangel bemisst sich danach, wie stark er ihn empfindet und wie dringend er ihn ausfüllen muss. Was man also ‚großen Mangel‘ und ‚kleinen Mangel‘ nennt, hängt davon ab, wie stark man die Notwendigkeit empfindet, den Mangel auszufüllen.
Das heißt: Es kann sein, dass der Mensch dahin gelangt zu spüren, dass ihm etwas fehlt, und dass er dieses Empfinden in all seinen 248 Gliedern fühlt, aber dennoch kein starkes Verlangen hat, seinen Mangel auszufüllen. Dafür, dass er kein allzu großes Verlangen hat, seinen Mangel auszufüllen, gibt es viele Ursachen:
a. Er hat den Freunden erzählt, was ihm fehlt, und er empfindet die Dringlichkeit der Sache. Die Freunde aber gaben ihm zu verstehen, dass es nicht in seiner Macht steht, das Fehlende zu erlangen. So beeinflussten ihn seine Freunde mit ihren Ansichten, dass er sich mit seiner Lage abfinden müsse. Denn sie schwächten seine Kraft, die Hindernisse zu überwinden, die ihn daran hindern, sein Ziel zu erreichen. Damit wurden auch der Mangel und das Verlangen schwächer, weil er nun sieht, dass er sein Ziel nie erreichen wird. Eben weil er keine Möglichkeit sieht, seinen Mangel auszufüllen, schwächt es seinen Mangel, dass er das Ziel nicht erreicht. So verringert sich das große Verlangen aus Verzweiflung.
b. Und manchmal erzählt er den Freunden gar nicht, wonach er sich sehnt, sondern hört nur mit an, wie sie untereinander reden, und merkt, dass sie bereits verzweifelt sind. Auch das beeinflusst ihn: Ihre Verzweiflung steckt ihn an, sodass die Begeisterung, möglichst bald zur Anhaftung (Dwekut) zu gelangen, in ihm erlischt und er diese Willenskraft verliert.
c. Und manchmal denkt der Mensch ganz für sich, ohne jede üble Nachrede von außen. Er sieht aber, dass er jedes Mal, wenn er sich der Heiligkeit (Kedusha) nähern will und beginnt, sich selbst zu prüfen, das Gegenteil erlebt: Er geht rückwärts statt vorwärts. Dadurch geht ihm die Kraft zur Arbeit verloren.
So liegt er dann unter seiner Last, denn er hat nichts, wovon er sich nähren könnte – er sieht nur Verneinung und Finsternis. Dadurch verliert er seinen Lebensgeist, der ihm zuvor wie eine geringe Nahrung diente und ‚seine Seele beleben‘ genannt wird. Jetzt fühlt er sich spirituell tot – er bringt in der Arbeit keine einzige Regung mehr zustande, geradeso, als wäre er wirklich tot.
Das heißt: Obwohl er jetzt die Wahrheit sieht, nämlich die Erkenntnis des Bösen, ist dies doch etwas Verneinendes, und daraus kann der Mensch keine Lebenskraft schöpfen. Denn den Körper nährt man gerade aus dem Positiven, wie oben gesagt. Deshalb muss der Mensch auf der rechten Linie gehen, und zwar aus zwei Gründen:
a. Damit ihm das Verlangen nicht geschwächt wird, nämlich dadurch, dass er üble Nachrede hört.
b. Um Leben zu empfangen, das gerade aus dem Positiven kommt. Es ist nämlich etwas Positives, weil hier Ganzheit gegeben ist.
Doch lässt sich schwer verstehen: Nachdem er seine Arbeitsweise geprüft und die Wahrheit gesehen hat – wie tief er in der Selbstliebe versunken ist – und nachdem er erkennt, dass dies die Wahrheit ist, wie kann man ihm dann sagen, er solle auf der rechten Linie gehen, die ‚Ganzheit‘ genannt wird? Das ist doch nach allem, was seine Augen sehen, eine völlige Lüge, denn er hat eine wahrheitsgemäße Bilanz gezogen.
Es ist bekannt, dass das Allgemeine und das Einzelne einander gleichen. Dieselbe Ordnung, die im Allgemeinen herrscht, gilt auch für das Einzelne. Und im Allgemeinen ist uns gegeben, an die Ankunft des Mashiach (Messias) zu glauben, wie es im Gebet „Ani Maamin“ heißt: „Ich glaube an die Ankunft des Mashiach, und auch wenn er sich verspätet, so warte ich dennoch auf sein Kommen.“
Darum darf der Mensch nicht verzweifeln und sagen: „Ich sehe, dass ich nicht fähig bin, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen.“ Denn das bedeutet, dass er aus dem Exil der Völker der Welt heraustritt, das ‚Selbstliebe‘ genannt wird, und in den Bereich der Heiligkeit eintritt, dass er die Wurzel seiner Seele korrigiert und sich an das Leben der Leben anhaftet.
Aus dem Gesagten folgt: Wenn der Mensch an die Erlösung glaubt, die im Allgemeinen kommt, muss er glauben, dass die Erlösung auch ihm im Einzelnen zuteilwird. So muss der Mensch die Ganzheit für sich aus der Zukunft empfangen: Er muss sich das Maß an Güte, Vergnügen und Freude ausmalen, das er empfangen wird, wenn er die Füllung für all seine Mängel erhält. Gewiss gibt ihm das seelische Befriedigung und Kraft zur Arbeit, um dieses Ziel zu erreichen, auf das er hofft.
Aus dem Gesagten folgt, dass der Mensch sich zuerst ausmalen muss, worauf er hofft – dass es ihm, wenn er es erlangt, Glück und Freude geben wird, weil er erreicht hat, worauf er wartete. Zuvor aber muss der Mensch das Ziel, das er erreichen will, genau kennen. Und wenn der Mensch nicht genau und eingehend darauf achtet, was er von seinem Leben erwartet, so soll er sich sagen: „Jetzt bin ich zu einem Entschluss gekommen, was ich will, nachdem ich geklärt habe, welche Lebensfreude es in der Welt zu erlangen gibt.“
Hat er die Möglichkeit, dies zu erlangen, dann wird er Kraft und Einsicht haben zu sagen: „Jetzt kann ich dem Schöpfer der Welt dafür danken, dass Er Seine Welt erschaffen hat.“ Ganz einfach kann er jetzt aus ganzem Herzen sagen: „Gepriesen sei Er, der sprach, und die Welt entstand.“ Denn ich empfinde die Güte und das Vergnügen so stark, dass es sich wahrhaftig für mich und für alle Geschöpfe lohnt, die erschaffen wurden, um diese Güte und dieses Vergnügen zu empfangen – das, was ich jetzt vom Schöpfungsziel empfangen habe, das ‚Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun‘ genannt wird.
Und obwohl er noch weit vom Erreichen des Ziels entfernt ist, so kann er doch alles erlangen, wenn er klar weiß, woraus er sein künftiges Glück empfangen kann. Das ist es, was geschrieben steht (Awot, Kapitel 6): „Rabbi Meir sagt: Jeder, der sich mit der Tora um ihretwillen (liShma) beschäftigt, wird vieler Dinge gewürdigt. Und mehr noch: Die ganze Welt ist um seinetwillen wert, und man offenbart ihm die Geheimnisse der Tora, und er wird wie ein hervorsprudelnder Quell.“
Und wenn er darauf achtet, wohin er gelangen kann – das heißt, wenn er die Wichtigkeit des Ziels empfindet und sich ausmalt, zu welchem Glück und welcher Ganzheit er gelangen wird –, dann sind die Freude und das Glück, die er beim Erreichen empfinden wird, gewiss unbeschreiblich groß, wie oben gesagt.
Darum kann er in dem Maß, in dem er an die Wichtigkeit des Ziels glaubt, und in dem Maß, in dem er an „auch wenn er sich verspätet, warte ich dennoch auf sein Kommen“ glaubt, die Füllung des Lichts des Lebens aus dem künftigen Ziel empfangen. Bekanntlich gibt es Inneres Licht (Or Pnimi) und Umgebendes Licht (Or Makif). Baal HaSulam erklärte: Inneres Licht bedeutet das, was er in der Gegenwart empfängt, und Umgebendes Licht nennt man das, was künftig leuchten wird, dessen Licht er aber noch nicht erlangt hat. Doch das Umgebende Licht leuchtet in gewissem Maß schon in der Gegenwart – nach dem Maß des Vertrauens, mit dem er glaubt, es zu erlangen.
Und er sagte, dies gleiche einem Menschen, der auf dem Markt Ware kaufte. Da viele Leute von dieser Ware auf den Markt gebracht hatten, fiel sie im Wert, und alle Händler waren bereit, sie zu jedem Preis zu verkaufen. Doch es gab keinen Käufer, denn alle fürchteten zu kaufen – vielleicht würde sie noch billiger.
Ein Mann aber kaufte die ganze Ware spottbillig. Als er nach Hause kam und ihnen erzählte, was auf dem Markt geschehen war, lachten alle über ihn: „Was hast du getan? Gewiss werden doch alle Händler ihre ganze Ware, die sie auf Lager haben, verkaufen wollen, und dann wird alles noch billiger. So wirst du dein ganzes Geld verlieren.“
Er aber blieb bei seiner Meinung und sagte: „Ich freue mich jetzt mehr als je zuvor, denn ich werde an dieser Ware nicht wie sonst verdienen, wo ich wusste, dass ich an der Ware zwanzig Prozent verdienen muss, sondern ich werde fünfhundert Prozent verdienen. Allerdings verkaufe ich die Ware jetzt nicht, sondern lege sie ins Lager und bringe sie erst in drei Jahren auf den Markt, denn dann wird diese Ware im Land nicht mehr zu finden sein. Und dann erhalte ich den Preis, den ich erwarte.“ So hat er in der Gegenwart, also in diesem Jahr, wenn er nachrechnet, wie viel er verdient hat, nichts. In der Gegenwart hat er also nichts, worüber er sich freuen könnte.
Und dies ist ein Gleichnis für das Innere Licht, das in der Gegenwart leuchtet. Das Umgebende Licht aber nennt man ‚Licht, das gerade in der Zukunft leuchtet‘. Doch es leuchtet auch in der Gegenwart, und zwar nach dem Maß, in dem er an die Zukunft glaubt, dass er dann den Lohn empfangen wird, auf den er hofft. Dann wird seine Freude vollkommen sein, und schon jetzt empfängt er Freude und gehobene Stimmung aus dem, was er in der Zukunft empfangen wird.
Und dies ist das obige Gleichnis: Dieser Händler, über den alle lachen, hätte auf dem Markt gerade keine Ware kaufen sollen, die im Wert gefallen war und die niemand kaufen wollte. Er aber kaufte gerade das, was die anderen zurückgelassen hatten, weil es keinen Wert hatte. Und er ist froh und freut sich jetzt darüber, dass er hundertprozentig glaubt und sicher ist, dass diese Ware in drei Jahren nicht mehr zu finden sein wird und er dann reich wird. So genießt er in der Gegenwart das, was in der Zukunft sein wird.
Aus dem Gesagten folgt: In dem Maß, in dem er glaubt und an der Zukunft, die ihm zuteilwird, nicht verzweifelt – wie oben „auch wenn er sich verspätet, so warte ich dennoch auf sein Kommen“ –, kann er sich in der Gegenwart an allem freuen, was künftig kommen wird. Demnach gilt: Man sagt dem Menschen – obwohl er auf der linken Linie gegangen ist, sich also geprüft hat und sieht, dass er sich in äußerster Niedrigkeit befindet, und er diese Wahrheit sieht, weil er sich nicht betrügen und seine Gedanken und Taten nicht rechtfertigen will, sondern die Wahrheit sucht, und es ihm gleich ist, ob die Wahrheit bitter ist, denn er sehnt sich danach, das Ziel zu erreichen, für das er geboren wurde –, dass er aus dieser ganzen Wahrheit dennoch nicht weiterbestehen kann. Denn ohne Vergnügen, das ‚Lebenskraft und Leben‘ genannt wird, kann man nicht leben. Um zu leben, braucht man Licht, das den Menschen belebt, und solange er lebt, hat er die Möglichkeit zu arbeiten und das Ziel zu erreichen. Deshalb muss er dann zur rechten Linie übergehen, die ‚Ganzheit‘ genannt wird.
Doch diese Ganzheit, aus der er jetzt Lebenskraft empfängt und mit der er seinen Körper nährt, muss auf ‚Grundpfeilern der Wahrheit‘ errichtet sein. Und es stellt sich die Frage: Wie kann er Ganzheit empfangen, wo er doch die Wahrheit sieht – wie er sich im niedrigsten Zustand befindet, von Kopf bis Fuß in Selbstliebe versunken, und kein Funke des Gebens in ihm ist?
Darauf muss er sagen: Alles, was er sieht, ist richtig, doch das ist es nur von Seiten des Inneren Lichts. Das bedeutet, wie oben: Von der Gegenwart her ist er in Niedrigkeit und hat nichts, woraus er Freude und Leben empfangen könnte. Doch von Seiten des Umgebenden Lichts, das der Aspekt der Zukunft ist – dadurch, dass er, wie oben gesagt, glaubt: „auch wenn er sich verspätet, warte ich auf sein Kommen“ –, kann er durch das Umgebende Licht, das im Aspekt der Zukunft leuchtet, dieses Licht herabziehen, sodass es in der Gegenwart leuchtet. Und nach dem Maß des Glaubens und Vertrauens, das er an die Ankunft des Mashiach im Einzelnen hat, wie oben, kann er Leben und Freude herabziehen, die jetzt in der Gegenwart leuchten.
So ist es nun, da er auf der rechten Linie geht, um Ganzheit zu empfangen, wirklich wahr – weil das Umgebende Licht in der Gegenwart leuchtet, wie oben. Und mehr noch: Es ist nicht nur ein Weg der Wahrheit – dadurch, dass er an die Ankunft des Mashiach im Einzelnen glaubt, ist es auch ein großes Heilmittel (Segula), denn durch die Mizwa des Glaubens nähert sich ihm die Zukunft der Gegenwart an. Das bedeutet, dass das Umgebende Licht zum Inneren wird, dass also das Licht sich tatsächlich in die Gegenwart kleidet – was man ‚das Umgebende ist bestimmt, zum Inneren zu werden‘ nennt.
Und von hier aus – nämlich aus dem Aspekt des Glaubens, dass er glaubt, er werde am Ende doch zum Ziel gelangen, und obwohl er vom Verstand her jedes Mal sieht, wie er sich vom Ziel entfernt, rückwärts statt vorwärts –, überwindet er sich dennoch und geht über den Verstand hinaus. Dann wächst der Glaube selbst jedes Mal weiter, nach dem Prinzip „Pfennig um Pfennig fügt sich zu einem großen Betrag“, bis er stetigen, vollkommenen Glaubens gewürdigt wird, der das Erlangen des Lichts der Chassadim (Gnaden) im Leuchten der Chochma (Weisheit) ist, wie im Sulam-Kommentar geschrieben steht.
Aus dem Gesagten verstehen wir nun unsere Frage: was der Sohar damit auflöst, dass ‚wird singen‘ deshalb in der Zukunftsform steht – um anzudeuten, dass Israel dieses Lied dereinst in der Zukunft singen wird. Was will uns das auf dem Weg der Arbeit lehren? Denn in Sachen der Arbeit müssen wir wissen, was wir jetzt, in der Gegenwart, haben, um zu wissen, was wir zu tun haben. Was also können wir aus dem lernen, was in der Zukunft sein wird?
Wie wir erklärt haben, muss man auf der rechten Linie gehen, die der Aspekt der Ganzheit ist, und daraus Leben empfangen, denn aus dem Verneinenden kann man nicht leben. Deshalb gibt es einen Rat: Ganzheit aus dem zu empfinden, was in der Zukunft sein wird. Das ist es, was die Gerechten sagen: „Ein Lied für die Zukunft.“ Sie sprechen also jetzt, in der Gegenwart, ein Lied über das, was sie in der Zukunft empfangen werden. In dem Maß also, in dem sie sich die Güte und das Vergnügen ausmalen, das sie in der Zukunft empfangen werden, können sie es schon in der Gegenwart empfinden, sofern sie den Glauben haben, dass es eine Zukunft gibt, in der alle korrigiert werden.
Dafür kann er schon in der Gegenwart dem Schöpfer danken; nach dem Maß seines Empfindens ist auch das Maß des Lobs, das er in der Gegenwart darbringen kann. Und über das hinaus, dass er jetzt Leben empfängt, gewinnt er notwendig auch dies: dass das Ziel als Ganzes für ihn wichtiger wird, weil er sich ausmalen muss, worin die Güte und das Vergnügen bestehen, das den Geschöpfen zu empfangen bereitsteht.
Und jedes Mal, wenn er die Sache betrachtet, sieht er nach und nach immer mehr, was er in der Zukunft empfangen kann – nämlich, was uns von Seiten des Schöpfungsziels bereitsteht. Zwar sieht er in seinem gegenwärtigen Zustand, dass ihn noch eine große Strecke vom Ziel trennt, doch das hängt von dem Maß ab, in dem er an das Ziel glaubt, wie im obigen Gleichnis. Und dies entspricht der Regel: „Alles, was einzufordern ansteht, gilt als bereits eingefordert“ (Jewamot 38).
Aus dem Gesagten verstehen wir, was der Sohar auflöst: dass ‚wird singen‘ deshalb in der Zukunftsform steht, um anzudeuten, dass Israel dieses Lied dereinst in der Zukunft singen wird. Und zwar deshalb, weil wir dies wissen müssen, damit wir jetzt Freude und Lebenskraft aus dem empfangen können, was in der Zukunft sein wird. Und dadurch können wir jetzt, in der Gegenwart, das Lied singen, als empfingen wir jetzt schon all die Güte und das Vergnügen.
Und dies nennt man, dass man eine Erleuchtung vom Umgebenden Licht empfangen kann – das Umgebende leuchtet aus der Ferne ins Innere. Obwohl der Mensch also noch weit davon entfernt ist, die Güte und das Vergnügen zu erlangen, kann er dennoch die Erleuchtung des Umgebenden auch in der Gegenwart herabziehen.
Nun wollen wir unsere Frage zu dem klären, was der Sohar auflöst: warum ‚dieses Lied‘ in der weiblichen Form steht – nämlich deshalb, weil Moses und Israel den König um der Königin willen auf rechte Weise zu preisen wissen. Und wir fragten: Warum preisen Moses und Israel den König nicht um ihrer selbst willen?
Doch zuvor müssen wir verstehen, worum es dabei geht, dass man den König preisen muss. Im Materiellen verstehen wir, dass ein König aus Fleisch und Blut der Ehre bedarf, dass man ihn ehrt, und durch die Lobpreisungen, die das Volk ihm darbringt, empfängt er Genuss. Doch was den Schöpfer, gepriesen sei Er, betrifft – wozu braucht Er, dass wir Ihm Lobpreisungen darbringen und vor Ihm Lieder und Gesänge singen?
Bekannt ist die Regel: Alles, was wir vom Schöpfer sagen, ist nur aus dem Aspekt ‚aus Deinen Werken erkennen wir Dich‘. In Ihm selbst aber, gepriesen sei Er, gibt es keinerlei Erlangen. Vielmehr ist alles, was man sagt, nur im Verhältnis zum Erlangen der Unteren.
Deshalb ist es nötig, dass der Mensch dem Schöpfer Lob und Dank darbringt. Denn dadurch kann der Mensch die Größe und Wichtigkeit der Gabe ermessen und abschätzen, die der Schöpfer ihm gegeben hat. In diesem Verhältnis kann der Mensch sich selbst prüfen, wie sehr er die Wichtigkeit und Größe des Königs empfindet.
Denn das Schöpfungsziel ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, dass die Geschöpfe sich an Ihm erfreuen. Und je nach der Größe des Gebenden empfindet man in eben diesem Maß Geschmack und Genuss an der Gabe, die man ihm gegeben hat, um ihm Freude zu bereiten. Und wenn er sich bemüht, Dank darzubringen, dann hat er Anlass und Grund, die Gabe zu betrachten: was er empfangen hat und von wem er empfangen hat, nämlich die Größe der Gabe und die Größe des Gebenden.
So ist der Dank, den der Untere darbringen muss, nicht deshalb da, damit der Obere Genuss hat, sondern damit dadurch der Untere Genuss hat. Sonst gleicht es dem Gleichnis, das Baal HaSulam zu dem Vers sagte: „Der seine Seele nicht auf Falsches trägt.“
Und er fragte: Was bedeutet es, dass der Mensch seine Seele ‚auf Falsches‘, also vergeblich, trägt – die Seele, die ihm vom Himmel gegeben wurde? Und er sagte, dies gleiche dem: Man gibt einem Kind einen Sack Golddinare, und es ist froh und freut sich an den Dinaren, weil sie schön anzusehen sind und die Augen auf sich ziehen. Doch welchen Wert die Golddinare haben, kann das Kind nicht einschätzen.
Daraus können wir verstehen, dass es bei dem Dank und Lob, das man dem Schöpfer darbringt, nur um den Nutzen der Geschöpfe geht: Der Mensch hat etwas, womit er den König preisen kann. Gemeint ist: Wenn er sich bemüht, dem Schöpfer die Lobpreisungen darzubringen, dann ist das die Zeit, in der er fähig ist, die Wichtigkeit des Geschenks zu empfinden – und die Wichtigkeit dessen, der das Geschenk gibt. Deshalb gilt es vor allem, auf das Lob zu achten, das man dem König darbringt. Und das bewirkt, dass es möglich wird, Ihm jedes Mal eine neue Gabe zu geben. Sonst, wenn der Mensch das Geschenk des Königs nicht zu schätzen weiß, kann er Ihm nichts geben, denn das fällt unter die Bestimmung „Wer ist ein Tor? Der vergeudet, was man ihm gibt“ (Chagiga 4a).
Und was ist der Grund, dass der Tor vergeudet, was man ihm gibt? Das ist einfach: Weil er ein Tor ist, der die Wichtigkeit der Sache nicht einzuschätzen weiß, achtet er nicht darauf, das Geschenk zu bewahren, das man ihm gegeben hat. Je nach der Wichtigkeit, die er dem Geschenk beimisst, bewahrt er es also. So kann er immer in einem Zustand des Aufstiegs sein, denn man sieht, dass er nicht vergeudet, was man ihm gibt, weil er es einzuschätzen weiß.
Daraus folgt, dass der Mensch viele Abstiege hat, und zwar deshalb, weil er das Geschenk des Königs nicht schätzt. Er weiß nämlich nicht zu schätzen, wie wichtig die Annäherung ist, die man ihm von oben gegeben hat – der Gedanke und das Verlangen, dass es sich lohnt, ein Diener des Schöpfers zu sein. Und weil er die Wichtigkeit der Sache nicht zu schätzen weiß, nämlich des Aufrufs, mit dem man ihn ruft, einzutreten, um dem König zu dienen – und der Mensch kann sogar noch Schaden anrichten, wenn er im Dienst des Königs steht und nicht weiß, wie er sich hüten soll, damit er nichts beschädigt –, dann wirft man den Menschen von oben zurück, an den Ort des Abfalls und Unrats.
Und er isst in diesem Zustand, das bedeutet, er nährt sich von eben jenem Abfall, in dem Katzen und Hunde nach Nahrung suchen; auch er sucht dort Nahrung, um seinen Körper zu nähren, weil er nicht sieht, dass er von anderswoher Nahrung hätte. Gerade jenen Dingen, von denen er gesagt hätte, sie seien Abfall, nicht für den Menschen tauglich, sondern nur Tierfraß, läuft er jetzt, zur Zeit des Abstiegs, selbst nach, und er hat kein Verlangen nach menschlicher Nahrung, weil er in ihr keinen Geschmack mehr findet.
Deshalb hängt die Beständigkeit der Aufstiegszustände vor allem von der Wichtigkeit der Sache ab. Daher hängt das Wesentliche von dem Maß ab, in dem er Dank und Lob dafür darbringt, dass man es ihm von oben gibt. Denn die Lobpreisungen selbst, die er dem Schöpfer darbringt, vergrößern Seine Wichtigkeit und Sein Ansehen. Und das ist der Grund, weshalb uns geboten ist, die Darbringung des Lobs mit Ernst zu behandeln. Und es gibt drei Unterscheidungen bei der Darbringung des Lobs:
a. Die Größe der Gabe. Das heißt: Nach der Wichtigkeit des Geschenks bemisst sich das Maß des Lobs und Danks, das man für das Geschenk darbringt.
b. Die Größe des Gebenden. Das heißt: ob der Gebende ein wichtiger Mensch ist. Wenn zum Beispiel der König irgendjemandem ein Geschenk gibt, dann kann es sein, dass das Geschenk eine kleine Sache ist und doch sehr wichtig. Das Maß des Lobs und Danks richtet sich also nicht nach der Größe des Geschenks, sondern bemisst sich nach der Größe des Gebenden. So kann ein und derselbe Mensch zwei Menschen etwas geben; doch dem einen von ihnen ist der Gebende wichtiger, weil er die Wichtigkeit und Größe des Gebenden erkennt. Gewiss bringt er einen größeren ‚Dank‘ dar als der andere, der diese Wichtigkeit nicht so sehr erkennt.
c. Die Größe des Gebenden, ohne dass es darauf ankommt, ob er gibt. Das heißt: Manchmal ist der König dem Menschen so wichtig, dass er sich nur danach sehnt, mit ihm zu sprechen – und nicht, weil er mit dem König sprechen will, damit dieser ihm etwas gebe; er will gar nichts, sondern sein ganzer Genuss liegt darin, dass ihm das Vorrecht zuteilwird, mit dem König zu sprechen. Doch es entspricht nicht der Höflichkeit, beim König einzutreten, ohne eine Bitte vorzubringen.
Deshalb sucht er irgendeine Bitte, die der König ihm erfüllen möge. Das heißt, er sagt, er wolle beim König um irgendeiner Sache willen eintreten, die der König ihm geben solle. In Wahrheit aber ist das, was er sagt – dass er wolle, der König gebe ihm etwas –, nur ein Lippenbekenntnis. In Wahrheit will er in seinem Herzen gar nichts vom König. Vielmehr genügt ihm, dass er mit dem König sprechen kann, und es ist ihm gleich, ob der König ihm etwas gegeben hat oder ob er ihm gar nichts gegeben hat.
Außenstehende sehen, dass er nichts vom König empfangen hat, und schauen ihn beim Verlassen des Königshauses an, wie er froh und vergnügt ist und sich gehoben fühlt. Sie lachen über ihn und sagen ihm: „Du bist ein großer Tor und hast keinerlei Verstand und Einsicht, denn du siehst doch selbst: ‚Mit leeren Händen kam er, mit leeren Händen ging er.‘ Du bist beim König eingetreten, um etwas vom König zu erbitten, und du bist mit leeren Händen aus dem Königshaus herausgekommen – wozu also diese Freude?“
Und dies können wir verstehen, wenn ein Mensch zum Schöpfer betet, dass Er ihm etwas gebe. Dabei ist Folgendes zu unterscheiden:
a. Der Mensch betet zum Schöpfer, dass Er ihm gebe, was er vom Schöpfer fordert. Und wenn er die Erfüllung seiner Forderung empfängt – also die Annahme seines Gebets, wenn er sein Begehrtes empfängt –, dann ist er bereit, dem Schöpfer zu danken. Und nach dem Maß der Größe der Rettung, die er vom Schöpfer empfangen hat, in eben diesem Maß sind die Freude und die gehobene Stimmung und die Darbringung von Lob und Dank. Alles bemisst sich also nach dem Maß der Größe der Rettung, die er vom Schöpfer empfangen hat.
b. Nach dem Maß der Größe des Gebenden. Das bedeutet: Wie er an die Größe des Schöpfers glaubt, das bestimmt bei ihm, was es heißt, etwas vom Schöpfer, gepriesen sei Er, zu empfangen. Selbst wenn es nämlich nach Ansicht des Empfangenden eine geringe Sache ist, hat er doch immerhin etwas vom Schöpfer empfangen, und schon hat er Anlass, in Freude zu sein und dem Schöpfer Lob und Dank darzubringen, weil ihm der Gebende wichtig ist, wie im obigen Gleichnis.
c. Nach der Größe des Gebenden, ohne Gabe. Auch dies hat für ihn große Wichtigkeit, wie oben: Wenn ihm der König so wichtig ist, dass er gar nichts vom König will, sondern es ihm als großes Vorrecht und unermesslicher Gewinn gilt, ein paar Worte mit dem König sprechen zu dürfen – und dass er mit irgendeiner Bitte kommt, ist nur zum Schein, nach dem Grundsatz, dass man nur mit irgendeiner Bitte vor den König treten soll. Doch er kommt nicht, damit der König ihm seine Bitte erfülle. Und wenn er sagt, dass er etwas fordere, so ist das nur um der Äußeren willen, die nicht verstehen, dass das Sprechen mit dem König die allerwichtigste Gabe ist; die Äußeren aber verstehen das nicht.
Und wenn wir von einem einzigen Körper sprechen, müssen wir sagen: ‚Die Äußeren‘ nennt man die Gedanken, die dem Menschen aus der äußeren Welt kommen. Sie haben keinen Begriff vom Inneren und keine Gefäße, um zu verstehen, dass gerade das Innere des Königs das Wichtige ist. Vielmehr schätzen sie den König nur nach dem, was vom König zu ihnen herabfließt, was man ‚die Äußerlichkeit des Königs‘ nennt. Vom Inneren des Königs aber – von Ihm selbst und nicht von dem, was von Ihm nach außen fließt – haben sie keinen Begriff. Deshalb lachen diese Gedanken über den Menschen, wenn er sagt: „Da ich jetzt mit dem König gesprochen habe, ist es nicht wichtig, ob der König mir mein Begehrtes gibt.“ Vielmehr ist sein ganzes Begehren nur das Innere des Königs und nicht das, was von Ihm herabfließt.
Wenn der Mensch also zum Schöpfer, gepriesen sei Er, gebetet hat und nicht sieht, dass Er ihm etwas gegeben hat, kann er sich dennoch freuen und froh sein, dass ihm zuteilwurde, mit dem König zu sprechen – weil ihm das Innere des Königs wichtig ist. Die äußeren Gedanken in ihm aber wollen ihm diese Freude zunichtemachen, weil sie nur auf das Gefäß des Empfangens schauen – was er aus der Hand des Königs in sein Gefäß des Empfangens empfangen hat. Er aber sagt zu ihnen: „Ich bin froh und freue mich und bringe dem König Lob und Dank dar, allein dafür, dass Er mir die Gelegenheit gegeben hat, mit Ihm zu sprechen – das genügt mir.“
Und mehr noch sagt er zu seinen Äußeren: „Wisset, dass ich gerade dadurch, dass ich nichts vom König will, außer Ihm Lob und Dank darzubringen, jetzt mit dem König verbunden bin. Denn ich will Ihm geben, indem ich Ihn preise. Und mehr als dies habe ich Ihm nicht zu geben. Demnach werde ich jetzt ‚Diener des Schöpfers‘ genannt und nicht Diener meiner selbst. Deshalb kann ich nicht auf das hören, was ihr mir sagt: Was hast du gewonnen?
Zum Beispiel: Das ganze Jahr, in dem du dich mit Tora und Gebet beschäftigt und alle Mizwot erfüllt hast – du stehst doch auf derselben Stufe wie vor einem Jahr und vor zwei Jahren. Worin besteht also deine Freude, dass du dem Schöpfer Lobpreisungen darbringst und sagst: ‚Dies ist mein Gewinn – dass ich viele Male mit dem König gesprochen habe; was brauche ich mehr?‘ Das heißt: Hätte mir der König etwas in die Hand gegeben, so könnte es sein, dass ich es empfangen hätte, um zu empfangen. Jetzt aber, da ich nichts in der Hand habe, freue ich mich und bringe dem Schöpfer Dank dar, weil meine Absicht in der Arbeit allein war, zu geben.“
Weil der Mensch dann aber etwas Wahres sagt, regt sich großer Widerstand von Seiten der Äußeren. Sie können den nicht ertragen, der auf dem Weg der Wahrheit geht, wenn seine ganze Absicht allein das Geben ist. Und in diesem Zustand hat er einen großen Kampf, und sie wollen seine Freude zerbrechen. Sie geben ihm zu verstehen, dass die Sache umgekehrt sei – nämlich, dass das, was sie ihm sagen, der Weg der Wahrheit ist, und dass er sich selbst betrügt und meint, das Recht sei auf seiner Seite.
Und in der Regel hat die Lüge in dieser Welt Erfolg. Deshalb braucht er dann eine besondere Stärkung und muss ihnen sagen: „Ich gehe auf dem Weg der Wahrheit, und jetzt will ich keinerlei Kritik hören. Und wenn an euren Worten Wahrheit ist, so bitte ich euch, mit euren Einwänden zu kommen, um mir die Wahrheit zu zeigen, zu der Zeit, die ich für die Prüfung festgesetzt habe. Nur zu dieser Zeit bin ich bereit, eure Meinung zu hören.“
Aus dem Gesagten folgt: Um Freude an der Arbeit des Schöpfers zu haben, fehlt dem Menschen nichts als der Glaube. Das heißt: In der Zeit, in der er an die Größe des Schöpfers glaubt, braucht er nichts, das der König ihm gebe. Allein, dass er mit dem König sprechen kann, ist alles, wonach er sich gesehnt hat – nämlich mit dem Schöpfer zu sprechen, wie oben in der dritten Unterscheidung der Darbringung des Lobs.
Und wenn er noch mehr darauf achtet, dass er den König preist, dann überkommt ihn von selbst eine höhere Eingebung, und zwar deshalb, weil er nichts vom König will. Und dies gleicht der Sefira Bina. Bekanntlich will Chochma an ihrem Ende nicht das Licht der Chochma empfangen, sondern dem Emanierenden geben, so wie der Emanierende der Chochma gibt; und sie will die Gleichheit der Form.
Und dann kommt von selbst eine Fülle, die nach dem Gefäß ‚Licht der Chassadim‘ (Or de-Chassadim) genannt wird. Das heißt, der Empfangende will sich mit Chessed (Gnade) befassen, deshalb wird die Fülle ‚Licht der Chassadim‘ genannt. Ähnlich verhält es sich hier: Wenn der Mensch nichts vom König will, sondern nur dem König geben will, und er darauf achtet, was er denkt, dann überkommt ihn von selbst eine höhere Eingebung, nach dem Maß seiner Vorbereitung, während er sich mit Liedern und Lobpreisungen für den König befasst.
Nun wollen wir die Sache verstehen, dass Moses und Israel den Lobgesang für den König um der Königin willen sprachen, und nicht die Königin selbst. Bekanntlich gilt für alles, was man von den höheren Welten sagt, dass es nur im Verhältnis zu den Seelen gesagt wird, wobei Malchut ‚die Gesamtheit der Seele Israels‘ oder ‚Versammlung Israels‘ (Knesset Israel) genannt wird, wie in der ‚Lehre der zehn Sefirot‘ (Teil 16) erläutert ist: dass die Seele Adam haRishons aus dem Inneren der Welten Brija, Yezira und Assija hervorging, von wo sie Nefesch, Ruach und Neschama empfing. Und sie alle gingen aus Malchut von Azilut hervor, die mit dem Namen ‚Shechina‘ (göttliche Gegenwart) bezeichnet wird. Und Seir Anpin, der Malchut gibt, wird mit dem Namen ‚König‘ bezeichnet.
Und weil Malchut die Empfangende für die Seelen ist, gilt: In der Zeit, in der Malchut keine Fülle für das Volk Israel empfangen kann – weil sie noch nicht tauglich sind, Gefäße des Gebens zu haben –, geht sonst alles zur Sitra Achra (der anderen Seite); sie wird ‚die Toten‘ genannt, weil bei ihnen das Empfangen herrscht, um zu empfangen – was ‚Trennung und Entfernung vom Schöpfer‘ genannt wird, der ‚das Leben der Leben‘ genannt wird. Deshalb werden sie ‚Tote‘ genannt.
Und davon sagt der Sohar, dass der Mensch sich um das ‚Leid der Shechina‘ sorgen muss – wo von Leid die Rede sein kann, weil sie keine Fülle für ihre Kinder, das Volk Israel, empfangen kann. Und sie wird ‚Versammlung Israels‘ (Knesset Israel) genannt, weil sie die Fülle in sich sammelt, die sie der Gesamtheit Israels geben soll. Wenn das Volk Israel sich daher mit der Gleichheit der Form befasst, hat Malchut Raum, die höhere Fülle vom König zu empfangen, der ‚der Gebende‘ genannt wird, mit dem Namen ‚Seir Anpin‘, um sie dem Volk Israel zu geben.
Und dies nennt man, dass Malchut, die ‚Königin‘ (Matronita) genannt wird, den König für die Fülle preist, die sie von Ihm empfangen hat. Und wie oben: In der Zeit, in der sie vom König keine Fülle für Israel empfangen kann, nennt man dies ‚Leid der Shechina‘. Und wenn sie dann Fülle empfangen kann, wird sie mit dem Namen ‚die Mutter der Söhne ist froh‘ bezeichnet, und sie bringt dem König Lob dar. Doch all das Leid und die Freude sind nur im Verhältnis zur Gesamtheit Israels gesprochen.
Und dies ist es, was der Sohar sagt: „dass Moses und Israel das Lied sprechen, indem sie den König um der Königin willen preisen.“ Das bedeutet: Wenn Moses und Israel den König um der Königin willen preisen, so ist gemeint, dass sie sich darauf vorbereiteten, dem König Lob darzubringen für das, was Er Moses und Israel geben würde – und das nicht um ihrer selbst willen, sondern um Malchuts willen. Das heißt, sie können das Leid der Shechina nicht ertragen. Deshalb befassen sie sich mit der Gleichheit der Form, damit Malchut die Fähigkeit habe zu geben. Und das ist es, was er sagt: „Glücklich ist der Anteil von Moses und Israel, denn sie wissen, wie man den König um der Königin willen auf rechte Weise preist.“
korrigiert, EY, CO4.8, 28.06.2026