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1987/12 Was ist ein halber Schekel in der Arbeit – 1

Die Schrift sagt: „Wenn du das Haupt der Kinder Israels erhebst, um sie zu zählen, so soll jeder von ihnen dem Schöpfer ein Sühnegeld für seine Seele geben, wenn man sie zählt, damit keine Plage unter ihnen sei, wenn man sie zählt. Dies sollen sie geben: einen halben Schekel nach dem Schekel des Heiligtums. Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als einen halben Schekel geben, um eure Seelen zu sühnen.“

Um dies im Sinne der Arbeit zu verstehen, müssen wir zunächst anführen, was unsere Weisen sagten (Nida 31b): „Es lehrten unsere Weisen: Drei Partner sind am Menschen beteiligt – der Schöpfer, sein Vater und seine Mutter. Sein Vater sät das Weiße, seine Mutter sät das Rote, und der Schöpfer legt in ihn Geist und Seele.“

Es ist bekannt, dass unsere ganze Arbeit nur dazu dient, zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen, die „Gleichheit der Form“ genannt wird. Denn wir wurden mit dem Verlangen geboren, Gutes und Genuss um der Eigenliebe willen zu empfangen – und das ist das Gegenteil des Schöpfers, dessen Verlangen es ist, Seinen Geschöpfen zu geben.

Und es ist bekannt, dass Ungleichheit der Form eine Trennung bewirkt. Sind die Geschöpfe vom Leben der Lebenden getrennt, werden sie „tot“ genannt. Darum wurde, wie bekannt, eine Korrektur geschaffen, die Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung genannt wird – so sehr, dass wir am Glauben arbeiten müssen, um an den Schöpfer und an Lohn und Strafe zu glauben. Doch alle Verhüllungen geschehen einzig, damit der Mensch Tora und Mizwot um des Gebens willen ausüben kann und nicht zum eigenen Nutzen.

Wäre dagegen das Gute und der Genuss offenbar und die Vorsehung enthüllt, sodass der Schöpfer den Geschöpfen als der Gute, der Gutes tut, begegnete, dann gäbe es keine Möglichkeit, dass die Geschöpfe Tora und Mizwot um des Gebens willen ausüben könnten. Sie wären vielmehr gezwungen, um des Empfangens willen zu arbeiten, denn sie hätten kein Mittel, den Genuss zu überwinden, den sie in Tora und Mizwot empfänden.

Wurde jedoch die Verhüllung errichtet, sodass das Gute und der Genuss von Tora und Mizwot nicht offenbar sind, so wurde uns – damit die Welt bestehe, damit die Menschen etwas Lebenskraft haben und Genuss in ihrem Leben empfinden – ein Licht und ein Genuss gegeben, der in körperliche Vergnügen eingekleidet ist; so sagt der heilige Sohar. Doch wir müssen glauben, dass dies nur ein sehr feines Licht ist, das „Nehiru Dakik“ (schwaches Leuchten) genannt wird. Es wurde den Klipot (Schalen) gegeben, damit sie bestehen und den Menschen versorgen können, bevor er andere Gefäße empfangen darf – die sogenannten Gefäße des Gebens. Denn nur in diesen Gefäßen kann sich die höhere Fülle offenbaren.

Daher beginnt die Arbeit des Menschen damit, über dem Verstand zu glauben: Alles, was er sieht und fühlt, ist nichts anderes als diese Verhüllung, die absichtlich zum Wohl des Menschen errichtet wurde. Die Wahrheit aber ist nicht so, wie er sie sieht und fühlt. Vielmehr soll er über sich selbst sagen: „Augen haben sie und sehen nicht, Ohren, und hören nicht.“

Das bedeutet: Nur durch diese Arbeit – durch das Überwinden von Verstand und Herz – kann er die Gefäße des Gebens erlangen. Denn gerade mit diesen Gefäßen kann er die Vorsehung des Schöpfers als die des Guten, der Gutes tut, sehen und fühlen.

Doch was hat der Mensch zu tun, wenn er sieht, dass es nicht leicht ist, die Eigenliebe zu überwinden und die Stufe des Gebens in Verstand und Herz zu erreichen? In einem solchen Zustand beginnt der Mensch zu spüren, dass er Böses in sich trägt, und er möchte aus der Herrschaft des Bösen heraustreten. Aber er fühlt, dass er sich aus ihrer Herrschaft nicht befreien kann und dass dies keine leichte Sache ist. Um die Gefäße des Gebens zu erlangen, muss man gewiss große Mühe aufwenden. Er ist bereit, sich zu mühen, doch er weiß nicht, wie er seinen Weg einrichten soll, um klar zu erkennen, dass dies der richtige Weg ist, der ihn in den Palast des Königs führt – also dass er die Anhaftung an den Schöpfer erlangt, wie geschrieben steht (5. Buch Mose 30): „Den Schöpfer, deinen Gott, zu lieben, auf Seine Stimme zu hören und an Ihm zu haften, denn Er ist dein Leben.“

Die Ordnung ist folgende: Zuerst muss er seinen Arbeitsweg in zwei einander entgegengesetzte Weisen aufteilen. Es gibt einen Weg, auf dem der Mensch in Vollkommenheit gehen muss: Obwohl er sieht, dass er voller Mängel ist, gibt es dennoch einen Aspekt, der Glück genannt wird – er ist glücklich darüber, ohne Mangel zu sein. So sagten unsere Weisen: „Wer ist reich? Wer sich seines Anteils freut“ (Awot, Kapitel 4,1). Und dies hängt davon ab, in welchem Maß er die Bedeutung des Königs schätzt.

Das heißt: Wenn er betrachtet, wie wichtig sein Vorhaben ist, sich an den Schöpfer anzuhaften, dann erkennt er, dass es sich lohnt, auf sich selbst zu verzichten und sich vor Ihm zu annullieren. So steht es im Buch Matan Tora (Die Gabe der Tora, S. 129), wo folgendes Gleichnis gegeben wird: „Die Seele ist ein Leuchten, das sich aus Seinem Wesen (Azmuto) ergießt. Dieses Leuchten trennte sich vom Schöpfer dadurch, dass der Schöpfer es in ein Verlangen zu empfangen einkleidete. Denn jener Schöpfungsgedanke, Seinen Geschöpfen Genuss zu bereiten, erschuf in jeder Seele ein Verlangen, Genuss zu empfangen. Und diese Ungleichheit der Form des Verlangens zu empfangen trennte jenes Leuchten von Seinem Wesen und machte es zu einem von Ihm getrennten Teil.“

Wenn der Mensch dies glaubt – dass seine Seele aus Seinem Wesen stammt, sich aber mit der Schöpfung, also mit dem ihr eingeprägten Verlangen zu empfangen, vom Schöpfer trennte und zu einem eigenständigen Bereich wurde –, so gibt Baal HaSulam dazu folgendes Gleichnis: „Die Seele gleicht nun ganz und gar einem Glied, das vom Körper abgeschnitten und von ihm getrennt wurde. Vor der Trennung waren beide – das Glied und der gesamte Körper – eins und tauschten Gedanken und Empfindungen miteinander aus. Doch nachdem das Glied vom Körper abgeschnitten wurde, sind daraus zwei Bereiche geworden, und keiner kennt mehr die Gedanken des anderen. Umso mehr, nachdem die Seele sich in einen Körper dieser Welt gekleidet hat: Alle Verbindungen, die sie hatte, bevor sie sich von Seinem Wesen trennte, sind abgebrochen.“

Daher betrachtet der Mensch, wie groß der Wert dessen ist, dass er sich mit Tora und Mizwot befasst, die der Schöpfer uns gegeben hat, um Seine Gebote zu erfüllen. Denn durch das Erfüllen dessen, was Er uns geboten hat, ist uns das Vorrecht gegeben, eine Verbindung zum Schöpfer zu halten. Und wenn er dieses Vorrecht noch nicht empfindet, so liegt das an mangelnder Wertschätzung. Denn im Materiellen sehen wir: Der Mensch hat Genuss an seinem Leben, doch wie viel Zeit am Tag genießt er das Materielle? Sein Empfangen von Genuss ist begrenzt; er hat nur bestimmte Zeiten, in denen er genießt.

Nämlich dann, wenn er isst und trinkt und schläft, schöne Dinge sieht oder schönen Gesang und schöne Musik hört und dergleichen. Aber er kann nicht den ganzen Tag essen, trinken, schauen und hören. Vielmehr begnügt er sich mit dem, was er hat, und empfindet bereits Vollkommenheit im körperlichen Leben. Er sagt nicht: „Wenn ich all diese Dinge nicht den ganzen Tag genießen kann, dann verzichte ich auf sie.“ Der Grund dafür liegt in der Bedeutung, die der Körperlichkeit beigemessen wird.

Aus dem Gesagten folgt: Wenn der Mensch der Bedeutung des Königs Aufmerksamkeit schenkt, wird er volle Befriedigung darin finden, dass ihm gegeben ist, Tora und Mizwot zu erfüllen, so weit es ihm möglich ist. Nehmen wir an, er hätte das Vorrecht, mit dem großen König zu sprechen. Nicht jeder darf eintreten und mit dem König sprechen; man bedarf vielmehr großer Bemühung bei den Vertrauten des Königs, damit sie ihm ermöglichen, einige Worte mit dem König zu wechseln. Welche Erhebung des Geistes empfände dieser Mensch in dem Augenblick, in dem er sieht, dass es viele Menschen gibt, denen man nicht nur den Zutritt zum König verwehrt, sondern denen man nicht einmal sagt, dass der König hier in der Stadt ist und dass es Menschen gibt, die mit dem König sprechen dürfen.

Und er sieht, dass es Menschen auf der Welt gibt, die gar nicht wissen, dass es einen König auf der Welt gibt, und dass nur eine sehr kleine Handvoll Menschen den Gedanken und das Verlangen erhielt, zu glauben, dass es einen König gibt. Und sogar jene, denen das Wissen um den König bereits gegeben wurde, wissen nicht, dass man mit dem König sprechen darf. Diesem Menschen aber wurde vom Himmel das Wissen gegeben, dass er eintreten und mit dem König sprechen darf – das heißt, dass er glauben kann.

Wir wollen dies an einem Gleichnis verstehen. Ein Mensch geht, um Wasser zu trinken, und man sagt ihm: „Geh, tritt zum König ein und sprich zu Ihm. Sage Ihm: ‚Ich danke Dir, dass Du mir zu trinken gegeben hast‘“ – und er spricht den Segen: „Gesegnet seist Du, Schöpfer.“ Er dankt also und sagt zu Ihm: „Ich danke Dir, ‚dass alles durch Sein Wort entstand‘.“ Wenn er nun glaubt, dass er zum König spricht – wie geschrieben steht: „Die ganze Erde ist erfüllt von Seiner Herrlichkeit“ –, welch ein Hochgefühl empfindet dann der Mensch in dem Augenblick, in dem er glaubt, auch nur einen Moment mit dem König zu sprechen!

Die Erregung darüber, dass er jetzt dasteht und auch nur einen Augenblick mit dem König spricht, soll ihm volle Befriedigung geben, sodass er den ganzen Tag Lebenskraft und Freude hat. Und obwohl er den König nicht sieht, wurde uns doch der Glaube gegeben, zu glauben, dass die ganze Erde von Seiner Herrlichkeit erfüllt ist, und ebenso zu glauben: „Denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes.“

Baal HaSulam sagte dazu: „Jeder Mund“ – das heißt sogar der Mund des allerniedrigsten Menschen: Sie alle hört der Schöpfer. Gemäß seinem Glauben hört der Schöpfer also alles, wenn er zum Schöpfer spricht, sei es, dass er Ihm dankt, sei es, dass er Ihn um etwas bittet. Wenn dieser Mensch auf diesem Weg geht, kann er den ganzen Tag in Freude sein, weil er Wohlbehagen darüber empfindet, dass er mit dem König spricht.

Und besonders zur Zeit des Gebets: Wie sehr der Mensch auch betet – selbst wenn er die Bedeutung der Worte nicht kennt, macht es nichts. Denn wenn er betet und das spricht, was im Gebetbuch (Siddur) steht, muss der Mensch wissen, dass diese Ordnung von den Fürsten des Königs aufgestellt wurde: Wer vor den König tritt, soll diese Worte sprechen. Daher ist es nicht wichtig, ob er versteht, was er sagt, oder nicht. Denn nicht der Mensch hat dieses Gebet oder diesen Dank verfasst. Es ist eine Ordnung für alle: Jeder, der eintritt, um mit dem König zu sprechen, folgt der Ordnung, die sie aufgestellt haben, nicht er selbst.

In Wahrheit aber steht das, worum der Mensch bittet, gar nicht in den Gebeten oder Dankesworten, die er spricht. Vielmehr sind die Gebete, die der Mensch selbst spricht, auf sein Herz geschrieben und eingeprägt. Das heißt: Der Mensch bittet nicht um das, was im Gebetbuch steht, sondern um das, was in seinem eigenen Herzen eingeprägt ist. Daraus folgt: Obwohl alle aus demselben Gebetbuch beten, verlangt und betet doch jeder Einzelne darum, dass Er den Mangel seines Herzens erfülle.

So steht es im Segen für den neuen Monat: „Ein Leben, in dem der Schöpfer die Wünsche unseres Herzens zum Guten erfülle.“ Das heißt: Nach all den Gebeten, die wir im Segen für den neuen Monat sprechen und die unsere Weisen festgelegt haben, schließen wir mit unserem eigenen Gebet – mit dem, was das Herz betet –, und wir sagen: Der Schöpfer möge die Wünsche unseres Herzens zum Guten erfüllen.

Wir müssen verstehen, was wir da sagen: dass der Schöpfer die Wünsche unseres Herzens zum Guten erfüllen möge. Warum fügen wir hinzu: „unseres Herzens zum Guten“? Nach dem Gesagten ist es verständlich: Da das, worum der Mensch bittet und betet, aus seinem Herzen kommt – wer weiß, ob das Herz sich nach guten Dingen sehnt? Das Herz könnte, Gott behüte, um schlechte Dinge bitten. Darum wurde uns gegeben, hinzuzufügen: „die Wünsche unseres Herzens zum Guten“. Als unsere Weisen die Gebete festlegten, war ihr Herz dagegen ganz mit dem Schöpfer verbunden; gewiss sind all ihre Gebete gute Gebete. Wir aber sind nicht so, darum müssen wir „zum Guten“ hinzufügen.

Aus dem Gesagten folgt, dass der Mensch sich darüber freuen und frohlocken soll, dass er einige Worte mit dem König sprechen darf. Dies nennt man die „rechte Linie“ – also den rechten Weg, der „Vollkommenheit“ genannt wird. Das heißt, dass er in sich keinen Mangel spürt. So lässt sich auslegen, was unsere Weisen sagten: „Drei Partner sind am Menschen beteiligt; sein Vater sät das Weiße.“ Der Vater wird „männlich“ genannt, also vollkommen. Die Mutter dagegen wird „weiblich“ genannt, also mit Mangel behaftet. Darum sagten sie: „Sein Vater sät das Weiße“ – vom Wort „weiß“, das heißt, dass dort kein Fleck ist, sondern alles weiß, ohne jeden Mangel.

Und so sagten unsere Weisen (Joma 16): „In jede Richtung, in die du dich wendest, sei es nur nach rechts.“ Die Bedeutung ist wie oben: Die Ordnung des Arbeitsbeginns muss mit der Rechten beginnen, also im Aspekt der Vollkommenheit, in dem der Mensch keinen Mangel an sich sieht. Dann ist von selbst Raum, den König dafür zu loben, dass Er ihm Vollkommenheit gegeben hat. Und dann lässt sich sagen: „Der Gesegnete haftet am Gesegneten.“

Fühlt sich der Mensch dagegen als mangelhaft, so sagten unsere Weisen: „Der Verfluchte haftet nicht am Gesegneten.“ Darum ist er in einem solchen Zustand getrennt. Deshalb muss der Mensch in der rechten Linie gehen, die „Vollkommenheit“ heißt, denn von ihr empfängt der Mensch Leben, indem er in einem gewissen Maß am Leben der Lebenden haftet. Und solange ein Mensch lebt, kann er seine Taten sehen – ob sie gut oder schlecht sind – und sie korrigieren.

Ist der Mensch dagegen tot, hat also keine Lebenskraft – das heißt, er hat nichts, woraus er Leben empfangen könnte –, so kann er seine Taten nicht mehr korrigieren, denn er gilt dann als tot. Bei all seiner Lebenskraft könnte es geschehen, dass er, wenn er dem Leben, in dem er sich noch in dieser Welt befindet, entfliehen könnte, einen körperlichen Tod sterben wollte; oder zumindest, dass er eine Schlaftablette nähme, um wenigstens drei Monate lang schlafen zu können. Erblickte er eine solche Schlaftablette, so könnte er daraus Lebenskraft schöpfen. Was aber tut er? In der Zwischenzeit will er nichts als schlafen. Und muss er doch etwas tun, so erinnert er sich daran, dass er bald Zeit zum Schlafen haben wird – und daraus schöpft er einstweilen seine Lebenskraft.

Darum muss sich der Mensch eine erste Grundlage in der Arbeit schaffen: in der rechten Linie zu gehen, die die Linie der Vollkommenheit ohne jeden Mangel ist, sowohl im Verstand als auch im Herzen. Und Baal HaSulam sagte über das, was in der Rolle Esther geschrieben steht: „Und Mordechai erfuhr alles, was geschehen war, und Mordechai zerriss seine Kleider, legte Sack und Asche an, ging hinaus und schrie ein lautes und bitteres Geschrei und kam bis vor das Tor des Königs; denn man durfte das Tor des Königs nicht in einem Sackgewand betreten.“

Der Ibn Esra legt dort aus, dass dies eine Herabwürdigung des Königtums ist. Und Baal HaSulam erklärte dazu: Wenn der Mensch sich mit Tora und Mizwot befasst oder wenn er betet, so heißt das, dass er am Tor des Königs steht. Wenn der Mensch dann auf sich selbst blickt und sehen will, ob er in Ordnung ist – das heißt, ob er, Gott behüte, nicht das Gebot des Königs übertritt –, so wird der König durch diese Handlung herabgewürdigt. Denn dann sieht man, dass es Menschen gibt, und er ist einer von ihnen, die die Größe des Königs nicht anerkennen wollen, die die Herrschaft des Königs nicht auf sich nehmen wollen, sondern im Gegenteil die Kraft haben zu sagen, dass sie das Königtum des Königs nicht anerkennen.

Die Ehre des Königs aber besteht darin, dass alle die Bedeutung des Königs anerkennen und Ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen wollen. Und es ist schön zu sehen, wie alle dastehen, Ihn rühmen und nur zum Lob des Königs sprechen – wie Er dafür sorgt, dass es den Bewohnern des Landes an allem Guten nicht fehlt. Dies ist die Bedeutung von: „Man durfte das Tor des Königs nicht in einem Sackgewand betreten“, denn das ist ein schmutziges Kleid. Wer vielmehr zum Tor des Königs kommt, muss in Kleidern gekleidet sein, die sich ziemen, um am Tor des Königs zu sitzen. Andernfalls – wenn er nämlich im Sackgewand sitzt – ist das ein Zeichen, dass er mit dem König nicht zufrieden ist, sondern dasitzt und über das trauert, was ihm im Leben fehlt, und keine Ruhe der Seele hat. So sitzt er und trauert, und das ist eine Herabwürdigung des Königs – darüber, dass der König sich seiner nicht erbarmt und seinen Wunsch nicht erfüllt.

Vielmehr muss der Mensch, während er sich mit Tora und Mizwot befasst, über dem Verstand glauben, dass das, was er hat, sehr wertvoll ist und dass er nicht mehr verdient. Er soll sich mit dem Wenigen begnügen und sich seines Anteils freuen – trotz des geringen Maßes, das Er ihm gegeben hat, damit er einen Halt im Spirituellen habe, also gering an Qualität wie an Quantität.

Und über alles soll der Mensch in Freude sein: über das geringe Maß an Halt, das er im Spirituellen hat. Er glaubt, dass dieser ihm vom Himmel gegeben wurde, dass auch dies nicht „meine Kraft und die Stärke meiner Hand“ ist. Von selbst kann er dann in dem Maß am Schöpfer haften, das „der Gesegnete haftet am Gesegneten“ genannt wird.

Und dies ist es, was unsere Weisen sagten (Shabbat 30): „Die Shechina (göttliche Gegenwart) ruht nur aus der Freude an einer Mizwa“, wie gesagt wurde: „Und nun holt mir einen Spieler. Und es geschah, als der Spieler spielte, da kam die Hand des Schöpfers über ihn.“ Rav Jehuda sagte: „Und ebenso, um eine Halacha (Gesetz) zu sprechen.“ Gemeint ist: Anhaftung muss Gleichheit der Form sein. Daraus folgt: Wenn der Mensch sich als verflucht empfindet, ist kein Raum für Anhaftung. Und es lässt sich auslegen, was Rav Jehuda sagte: „Und ebenso, um eine Halacha zu sprechen.“ Bekanntlich wird die Halacha (Gesetz) „die Braut“ (Kalla) genannt, deren Inhalt die Annahme des Königtums des Himmels ist. Das heißt: Die Annahme des Königtums des Himmels, die über dem Verstand geschieht, wird „Freude an der Mizwa“ genannt.

Und es gibt eine noch höhere Stufe, die „das Ruhen der Shechina“ genannt wird. Und alles kommt durch die Freude. Andernfalls ergibt sich, wie oben gesagt, dass eben nur „der Gesegnete am Gesegneten haftet“. Fühlt er sich dagegen als verflucht, kann er nicht am Gesegneten haften, und von selbst bleibt er in diesem Zustand ohne Leben.

Aus dem Gesagten folgt: Wenn wir sagen „Gesegnet seist Du, Schöpfer, der das Gebet erhört“, so bedeutet das, dass wir dem Schöpfer dafür danken, dass Er das Gebet erhört. Doch wenn der Mensch sich gerade jetzt im Mangel befindet – denn sonst hätte er keinen Anlass zum Gebet –, dann ist er jetzt im Aspekt des „Verfluchten“. Wie kann er dann während des Gebets Anhaftung an den Schöpfer haben? Und ferner: Wenn er im Mangel ist, wofür dankt er Ihm dann?

Die Antwort darauf lautet: Dadurch, dass wir glauben, dass Er das Gebet erhört, haben wir bereits Freude, weil Er uns gewiss helfen wird.

Daraus folgt: Über dem Gebet – wenn er auch Zuversicht hat, an der über dem Verstand zu arbeiten ist, dass der Schöpfer ihm hilft – hat er bereits Freude und kann sofort Anhaftung erlangen. Denn die Zuversicht selbst gibt ihm Vollkommenheit, und er wird bereits „gesegnet“ genannt, und der Gesegnete haftet am Gesegneten, wie oben.

Doch gerade wenn der Mensch den Schöpfer bittet, ihn sich näherzubringen, kommt der böse Trieb (Jezer haRa) und gibt ihm zu verstehen, dass der Schöpfer sein Gebet nicht erhört, und lässt ihn nicht darauf vertrauen, dass der Schöpfer ihm hilft. Er bringt ihm mehrere Beweise und sagt: „Schau zurück, und du wirst sehen, wie oft du schon gebetet und gemeint hast, der Schöpfer hilft dir, und danach standest du wieder nackt und ohne alles da. Das wiederholt sich bei dir jedes Mal, und jedes Mal sagst du: ‚Jetzt hat der Schöpfer meine Stimme gewiss gehört, und ich werde nun dauerhaft am Spirituellen haften.‘ Sag dir selbst: Was geschah danach? Wieder bist du in die Niedrigkeit hinabgestiegen, und wieder bist du in die Eigenliebe geraten, in größerem Maß als vor deinem Gebet. Worauf gründest du also jetzt eine größere Sicherheit, dass der Schöpfer nun deine Stimme hört, sodass du dem Schöpfer schon sehr dankst und sagst: ‚Gesegnet seist Du, Schöpfer, der das Gebet erhört‘?“

Und was hat der Mensch dem Körper zu antworten, wenn dieser ihm Beweise aus der Vergangenheit bringt, dass sein Gebet nicht erhört wurde? Worauf gestützt will der Mensch ihm sagen, dass dies nicht stimmt, sondern: „Ich glaube über dem Verstand, dass ich jetzt sicher bin, dass der Schöpfer mein Gebet sehr wohl erhören wird“?

Die Antwort lautet: Das ganze Fundament ist auf dem Glauben über dem Verstand errichtet, und der Mensch muss dieses Gebot erfüllen. Darum sage ich dir: Du bringst mir Beweise aus der Vergangenheit, dass mein Gebet nicht erhört wurde und es deshalb keinen Anlass gibt, darauf zu vertrauen, dass der Schöpfer es jetzt erhört. Doch gerade weil du mir diese Beweise bringst, um meine Kraft des Glaubens und des Vertrauens zu schwächen, kann ich gerade jetzt sagen, dass ich über dem Verstand glaube und vertraue.

Denn du bringst mir Beweise nur aus dem Verstand heraus. Und ich danke dir sehr für die Fragen, die du mir stellst, und für die Beweise, denn du gibst mir damit einen Boden, auf dem ich das, was über dem Verstand ist, aufbauen kann. Also bin ich jetzt voller Freude, dass ich die Gelegenheit habe, das Gebot des Glaubens und des Vertrauens über dem Verstand zu erfüllen.

Aus dem Gesagten folgt: Von ebenderselben Stelle, von der der Körper die Kraft bezieht, ihn zu schwächen – die Freude nämlich, die er aus dem Gebet hat, in der Zuversicht, dass der Schöpfer sein Gebet jetzt erhört –, von dort muss der Mensch sich die Kraft für den Glauben über dem Verstand holen. Das heißt: Auf der Stelle des Verstandes hat er nun die Gelegenheit, das, was über dem Verstand ist, zu errichten. Denn wenn der Verstand ihm nicht das Gegenteil vorbrächte, wie könnte er dann sagen, dass er über ihn hinausgeht?

Deshalb soll der Mensch sich immer sagen, dass man ihm vom Himmel jedes Mal Abstiege gibt, damit er Raum hat, über den Verstand zu gehen. So kann der Körper ihn nicht im Glauben und im Vertrauen schwächen, die er zur Zeit des Gebets hat. Denn der Körper widersetzt sich ihm, wenn er dem Schöpfer danken und sagen will: „Gesegnet seist Du, Schöpfer, der das Gebet erhört.“ Und der Körper wendet ein: „Woher weißt du, dass der Schöpfer dir das Gebet erhört, für das du Ihm dankst?“

Und man kann nicht sagen, dass er dem Schöpfer dafür dankt, was Er anderen erhört. Wofür dankt er Ihm denn und sagt „Gesegnet seist Du“? In der Regel spricht der Mensch ja über das, was er selbst erlangt hat, und nicht so, dass er für andere dankt. Und überhaupt – was weiß der Mensch, was im Herzen seines Nächsten ist? Vielmehr dankt der Mensch dem Schöpfer für sich selbst und sagt auch zum Körper: „Ich danke dir sehr dafür, dass du mit berechtigten Einwänden zu mir kommst, denn nun habe ich Raum, über dem Verstand zu arbeiten“, wie oben. Und dies nennt man die „rechte Linie“, Vollkommenheit. Und dies ist der Hauptweg, den der Mensch gehen muss, denn von hier schöpft der Mensch Leben, wie oben, und befindet sich dann auf der Stufe des „Gesegneten“. Und dies nennt man: „Der Gesegnete haftet am Gesegneten.“

Doch auf einem Bein allein kann der Mensch nicht gehen – das ist das „rechte Bein“, das die Vollkommenheit ist. Er braucht auch ein zweites Bein, das „linke Bein“. „Links“ bezeichnet etwas, das der Korrektur bedarf, wo ein Mangel ist, der korrigiert werden muss. So sagten unsere Weisen (Sota 47): „Es lehrten unsere Weisen: Stets stoße die Linke zurück und ziehe die Rechte heran.“

Und dies lässt sich nach unserem Weg auslegen: „Rechts“ ist, wenn er so arbeitet, dass die Rechte heranzieht – das heißt, dass sie ihn der Heiligkeit (Kedusha) näherbringt. Er blickt und sieht, wie er dem Spirituellen nahe ist, und bei jedem Maß, in dem er sieht, dass er der Heiligkeit nahe ist – sei es auch nur ein kleiner Halt –, freut er sich schon und dankt dem Schöpfer dafür. Und er blickt nicht auf das Negative.

„Die Linke stößt zurück“: Wenn er auf dem linken Bein geht, blickt er nur auf die Zurückweisungen – also darauf, wie sehr er zurückgewiesen und von der Heiligkeit entfernt ist, sowohl an Quantität als auch an Qualität. Das heißt: Diese beiden Wege sind einander vollkommen entgegengesetzt, geradezu von einem Ende zum anderen. Darum wird die Rechte „Chessed“ (Gnade) genannt, denn bekanntlich ist die rechte Linie Gnade, und sie wird auch „Tag“ genannt, wie geschrieben steht: „Am Tag entbietet der Schöpfer Seine Gnade.“

Die Sache ist die: Wer den rechten Weg geht, blickt nur auf die Gnade, die der Schöpfer an der Allgemeinheit wirkt, und darauf, wie er selbst die Gnade des Schöpfers empfängt. Für alles Empfangen von Gnade dankt er dem Schöpfer und lebt so an einem Tag, der ganz gut ist. Denn er spürt an sich die Gnadenerweise, die der Schöpfer ihm tut; darum freut er sich und frohlockt und hat etwas, wofür er dem Schöpfer danken kann.

Wenn er aber auch auf dem linken Bein gehen will – und über die Linke haben wir gelernt: „die Linke stößt zurück“ –, das heißt: wenn er daran geht, seine Taten zu prüfen, ob etwas zu korrigieren ist, dann ist es die Zeit, nur Zurückweisungen zu sehen. Er sieht nämlich, wie er vom Spirituellen zurückgewiesen ist und wie all seine Gedanken, Worte und Taten in Eigenliebe versunken sind, und er sieht vor sich keine Möglichkeit, sich aus der Herrschaft des Körpers zu befreien, der ihn mit voller Macht beherrscht.

Mehr noch: Sobald er nur zu denken beginnt, dass es sich nicht lohnt, im Zustand des Empfangens zu bleiben, kommt der Körper sofort mit stärkeren Einwänden zu ihm, als er gewohnt war zu sprechen, als jener nicht auf ihn hören, sondern um des Gebens willen arbeiten wollte. Denn jetzt ist der Körper schärfer geworden und stellt stärkere Fragen.

Und er fragt sich: „Warum war der Körper, bevor ich mit größerer Kraft und Tatkraft an die heilige Arbeit ging, nicht so klug? Jetzt, da ich mit der heiligen Arbeit begonnen habe, hätte ich erwartet, dass die gute Seite des Menschen weiser, klüger und tatkräftiger sein müsste, weil ich mich mit der heiligen Arbeit befasse.“

Und nach der Regel „eine Mizwa zieht eine Mizwa nach sich“ hatte ich verstanden, dass der Körper schwächer wird – das heißt, dass seine bisherigen Einwände verstummen und er nun keine Kraft mehr zum Streiten hat, weil die Heiligkeit durch die guten Taten erstarkt ist, mit denen ich mich die ganze Zeit in der heiligen Arbeit befasst habe. Jetzt aber sehe ich das Gegenteil: Der Körper ist klüger geworden und bringt stärkere und verständigere Einwände vor.

Vor allem aber treibt er ihn zur Verzweiflung, indem er sagt, es ist besser für ihn, diese Arbeit – das „um des Gebens willen Arbeiten“ – einzustellen und wie die ganze Allgemeinheit zu gehen, statt eine Ausnahme von der Allgemeinheit sein zu wollen, also zum gewohnten Zustand zurückzukehren. Das heißt: Es genügt uns, Tora und Mizwot ohne Absichten zu erfüllen, und alle Kraft soll man darauf verwenden, Tora und Mizwot mit größter Genauigkeit zu erfüllen, denn das ist leichter als die Absicht des Gebens. „Und vor allem sehe ich, dass von denen, die eine Ausnahme von der Allgemeinheit sein wollen, gerade sie sich genauer mit Tora und Mizwot befassen als andere Menschen, und dafür erhalten sie Titel: der eine den Namen ‚Gerechter‘, ein anderer den Namen ‚Chassid‘ (Frommer) und wieder ein anderer den Namen ‚über das Volk erhabener Mann‘. Wozu also sollte ich den Weg ‚um des Himmels willen‘ einschlagen und nicht zum eigenen Nutzen?“

In diesem Zustand bedarf der Mensch großen Erbarmens, um nicht vom Kampfplatz zu fliehen. Und der Mensch hat kein Mittel, aus diesem Zustand herauszukommen, außer durch den Glauben über dem Verstand, indem er sagt: Dass der Körper jetzt so klug geworden ist, kommt daher, dass man ihm vom Himmel eine Empfindung gibt, zu erkennen, was Verstand ist, damit er nun Raum habe, über den Verstand zu gehen.

Denn wenn man „Verstand“ sagt, ist der Verstand gemeint, der aus dem äußeren Erkennen kommt. Die Äußerlichkeit wird „der ursprüngliche Wille zu empfangen“ genannt, in dem nichts vom Geben ist. Der innere Verstand dagegen ist der Verstand, der sich in die inneren Gefäße kleidet, das ist der Aspekt von Bina, deren Aspekt von ihrem Ursprung her das Geben ist und die nichts vom Empfangen in sich hat. Darum versteht das äußere Erkennen nicht, dass es eine Wirklichkeit des Verlangens zu geben gibt. Sobald daher der Mensch erwacht, um etwas um des Gebens willen zu tun, erwacht auch dieses sofort und erhebt sich gegen ihn wie ein kriegserfahrener Held und beginnt, den Menschen mit großer Klugheit zu unterwerfen.

Und es soll keine Schwierigkeit sein, dass die Schrift doch sagt, der böse Trieb wird „ein alter und törichter König“ genannt – wie können wir dann sagen, dass er klug ist? Dazu lässt sich eine weitere Frage stellen: Wie kann man von einem Engel, der doch spirituell ist, sagen, dass er töricht ist, wie im heiligen Sohar zu dem Vers steht: „Denn Seinen Engeln wird Er für dich befehlen, dich auf all deinen Wegen zu behüten“? Er legt aus: „Seine Engel“ – das sind zwei Engel, der gute Trieb und der böse Trieb. Wenn aber der böse Trieb „Engel“ genannt wird, wie kann er dann töricht sein? Vielmehr müssen wir auslegen: „Engel“ wird er nach der Handlung genannt, wie geschrieben steht (Richter 13): „Und der Engel des Schöpfers sagte zu ihm: ‚Warum fragst du denn nach meinem Namen, der doch wunderbar ist?‘“

Die Bedeutung ist: Der Name des Engels ändert sich je nach dem Auftrag, zu dem er gesandt wurde, um irgendeine Handlung auszuführen. Daraus folgt: Nach der Handlung wird ihm sein Name bestimmt.

Demnach lässt sich sagen: Der böse Trieb wird „töricht“ genannt, weil er sich bemüht, den Menschen eine törichte Handlung tun zu lassen. Und gerade dies – dass der Mensch töricht wird – bewirkt er mit großer Klugheit. Wenn daher der Mensch beginnt, sich mit Anstrengung zu überwinden, und nicht auf ihn hören will, muss er dem Menschen größere Klugheit zeigen, dass das Recht auf seiner Seite ist. Und wenn der Mensch die Einwände des bösen Triebs überwindet, muss der böse Trieb mit noch klügeren Einwänden zu ihm kommen. Und der Mensch kann ihn nur mit dem Glauben über dem Verstand besiegen, indem er sagt: Der Verstand hat keinerlei Wert, ich gehe über den Verstand hinaus.

Wenn der Mensch aber den äußeren Verstand überwindet, der berechtigte Einwände vorbringt, so gewinnt er dabei, dass sein Glaube jedes Mal um eine höhere Stufe wächst, als er ihn vor dem Kommen des bösen Triebs mit dessen Begründung hatte, es lohnt sich nicht, aus der Eigenliebe herauszutreten. Denn jedes Mal, wenn der Verstand des bösen Triebs wächst, bleibt ihm keine andere Wahl, wenn er in der Heiligkeit bleiben will, als ein größeres Maß an Glaube auf sich zu ziehen. Das heißt, dass er jedes Mal stärker auf den Schöpfer angewiesen wird, damit Er ihm hilft, von seinem Bösen errettet zu werden. Das bedeutet: Der Mensch soll nicht beten, dass die fremden Gedanken sterben, sondern dass sie umkehren.

Und dies geschieht gerade dadurch, dass er Hilfe von oben empfängt, in Form des Glaubens über dem Verstand. Daraus folgt, dass er den Schöpfer nicht bittet, die Gedanken mögen sterben, damit er sie nicht überwinden muss, sondern dass er sich mit dem Glauben begnügt, den er an den Schöpfer hat. Denn gemäß dem Glauben, den er vor dem Kommen des bösen Triebs mit seinen berechtigten Einwänden hatte – Einwände, die sich ohne die Hilfe des Schöpfers nicht widerlegen lassen –, empfängt er die Kraft, über den Verstand zu gehen.

Anders bei dem, der nicht den Weg der Wahrheit geht, dessen ganze Arbeit also nicht auf dem Fundament von Verstand und Herz aufgebaut ist: Er bittet den Schöpfer, ihm diese Gedanken zu nehmen, damit sie ihn bei seiner Arbeit nicht stören. Daraus folgt, dass er auf seiner Stufe bleibt und keinen Raum hat, vorwärtszugehen, weil er es nicht nötig hat, vorwärtszugehen. Er will vielmehr dauerhaft im jetzigen Zustand bleiben; nur das erwartet er, und er hat kein Bedürfnis nach Größerem.

Und obwohl er höhere Stufen als die übrigen Menschen will – das heißt: Wenn er ein Tora-Gelehrter ist und selbst weiß, dass es Menschen gibt, die ihm nicht einmal bis an die Knöchel reichen, dann will er gewiss auch in der Arbeit über das Volk erhaben sein und deshalb auf eine höhere Stufe steigen, als er sich gegenwärtig zu befinden empfindet –

– so ist all dies doch nur aus Luxus und nicht aus Notwendigkeit. Und wer um Luxus betet, dessen Gebet kann nicht aus der Tiefe des Herzens kommen, denn er weiß selbst, dass seine Lage nicht so schlecht ist. Das kommt daher, dass er Menschen sieht, denen es schlechter geht als ihm; er bedarf also nur des Luxus. Und nach der Regel „es gibt kein Licht ohne ein Gefäß“ – wobei die Bedeutung des Gefäßes Bedürfnis und Mangel ist und er den Mangel füllen muss – gilt: Luxus wird im Spirituellen noch nicht Mangel genannt. Aus diesem Grund bleibt der Mensch in seiner Lage und hat keine Möglichkeit, sich von ihr fortzubewegen.

Anders aber der Mensch, der den Weg der Wahrheit gehen und in Verstand und Herz arbeiten will. Der Körper tritt an ihn heran und beginnt, ihn anzugreifen: weshalb er denn vom Weg der Welt abweichen will, auf dem alle um des Empfangens willen tätig sind. Und jedes Mal, wenn der Mensch ihn überwindet, kommt jener mit stärkeren Einwänden. In diesem Zustand bittet er den Schöpfer nicht, ihm seine Einwände zu nehmen. Vielmehr bittet er den Schöpfer, dass all diese Einwände, die der Frevler vorbringt, umkehren mögen – dass der Schöpfer ihm also die Kraft gibt, über den Verstand zu gehen.

Daraus folgt: Wenn er den Schöpfer bittet, ihm größere Kraft zu geben, so geschieht das nicht aus Luxus, sondern einfach, weil er ein Jude sein will, der an den Schöpfer glaubt. Jener aber bringt ihm Gedanken, die üble Nachrede gegen den Weg des Schöpfers und gegen alles vorbringen, was zur Heiligkeit gehört. Das heißt: Sobald er etwas um des Gebens willen tun will, kommt jener sofort mit den Einwänden der Frevler, die über die Diener des Schöpfers spotten, wie geschrieben steht: „Nicht uns, Schöpfer, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre – warum sollen die Völker sagen …“

Daher ist der Grund, weshalb er jedes Mal größere Kräfte von oben will, eine Notwendigkeit: Denn er bittet um Hilfe, um vor dem Tod errettet zu werden und ins Leben einzutreten, weil „die Frevler in ihrem Leben ‚tot‘ genannt werden“. Und da jener ihn mit seinen Einwänden in das Lager der Frevler bringen will, folgt: Er bittet den Schöpfer nicht um Hilfe, damit Er ihm Luxus gebe, sondern einfach um seine Seele – das heißt, dass er kein Frevler werde.

Aus dem Gesagten folgt: Der Mensch gewinnt immer aus den Fragen des Frevlers, denn dadurch hat er einen Anlass des Mangels, um den Schöpfer zu bitten, die Wünsche seines Herzens zum Guten zu erfüllen – also dass er gut und nicht böse sei. Und ein solches Gebet, das „Gebet aus der Tiefe des Herzens“ genannt wird, wird oben sofort angenommen, denn es heißt „Gebet des Armen“, wie im heiligen Sohar zu dem Vers steht: „Ein Gebet für den Armen, wenn er verzagt“ – wo gesagt wird, dass das Gebet des Armen alle Gebete aufhält, weil sein Gebet vor allen anderen Gebeten angenommen wird.

Und der Grund ist, wie oben zu sagen: Es ist für ihn kein Luxus, sondern er will einfach leben und nicht ein Toter sein, denn die Frevler werden in ihrem Leben „tot“ genannt. Und dies ist es, was geschrieben steht: „Nahe ist der Schöpfer allen, die Ihn in Wahrheit anrufen.“

Es lässt sich auslegen: Der Schöpfer ist nahe, um denen zu helfen, die bitten und den Weg der Wahrheit gehen wollen, der „um des Himmels willen“ genannt wird.

Das heißt: Sie sehen, dass sie nicht fähig sind, die Eigenliebe zu überwinden und um des Gebens willen zu arbeiten, und sie bitten den Schöpfer, ihnen Hilfe zu geben, damit sie den Körper überwinden können. Das heißt: Was sie vom Schöpfer erbitten, ist nur eines – dass sie die Fähigkeit haben, etwas um des Himmels willen zu tun, sodass sie mit vollem Mund sagen können: „Gesegnet sei unser Gott, der uns zu Seiner Ehre erschaffen hat“, und nicht zum Nutzen des Körpers.

Nach dem Gesagten verstehen wir, was unsere Weisen sagten: „Drei Partner sind am Menschen beteiligt – der Schöpfer, sein Vater und seine Mutter. Sein Vater gibt das Weiße.“

„Das Weiße“ wird die rechte Linie genannt, die im Aspekt von Weiß steht – das heißt, dass dort kein Fleck und kein Makel ist, sondern nur Vollkommenheit. Doch wie oben gesagt, entsteht die Vollkommenheit aus der Wertschätzung. Das heißt: Obwohl er sieht, dass er Mängel hat – und woher weiß er, dass er Mängel hat? Das kommt von seiner Mutter, die die linke Linie genannt wird, wie oben, die im Aspekt von „die Linke stößt zurück“ ist, im Aspekt von Nukwa, dem Aspekt des Mangels.

Wenn er auf seinen spirituellen Zustand blickt, sieht er, dass nicht alle Absichten erwünscht sind – das heißt, dass sie alle dem Geben dienten. Vielmehr sieht er, wie sehr er in Eigenliebe versunken ist. Und mehr noch: Er sieht, dass es für den Menschen keine Möglichkeit gibt, sich aus dieser Herrschaft zu befreien, sondern dass allein der Schöpfer aus dem Exil herausführen kann, wie es bei der Erlösung aus Ägypten war, wo geschrieben steht: „Ich, der Schöpfer.“ Und unsere Weisen legten aus: „Ich und kein Bote.“ Das heißt, wie oben: Allein der Schöpfer kann aus der Knechtschaft der Eigenliebe befreien, die „das Land Ägypten“ (Erez Mizrajim) genannt wird, denn Erez (Land) kommt vom Wort Razon (Verlangen). Das heißt: Der Wille zu empfangen – all sein Begehren zielt darauf, die Heiligkeit zu beengen, und das wird „das Land Ägypten“ genannt.

Darum – das heißt: Nachdem er mit der rechten Linie begonnen hat, die Vollkommenheit ist, und dafür, dass der Schöpfer ihm Vollkommenheit aus der Wertschätzung gegeben hat, wie oben –, muss er dem König gewiss danken und Ihn lobpreisen, wie geschrieben steht: „Darum sind wir verpflichtet, Dir zu danken und Deinem Namen Lob und Dank darzubringen. Glücklich sind wir – wie gut ist unser Anteil; glücklich sind wir, wenn wir früh und spät in den Synagogen und Lehrhäusern …“ (vor dem „Kriat Shma“ der Opferabschnitte).

Danach geht man zur linken Linie über, die „Aspekt des Mangels“ genannt wird. Das heißt, die Mutter wird „weiblich“ genannt, die auf die Mängel hinweist – nämlich auf das wahre Maß, wie sehr er voller Zurückweisungen vom Verlangen zu geben ist. Das heißt: Er sieht, wie jedes Mal, wenn er der Handlung die Absicht des Gebens beigeben will, der Körper ihn zurückstößt und er ihn nicht überwinden kann.

In einem solchen Zustand ist Raum, ein Gebet darzubringen, dass der Schöpfer ihm helfe, die Fähigkeit zur Überwindung zu haben. Danach kehrt er wieder zur rechten Linie zurück und sagt, dass er Vollkommenheit und ein großes Vorrecht hat, zumindest auf seiten der Handlung. Obwohl dieser Dienst, den er dem König erweist, aus der Absicht der Eigenliebe geschieht, die „nicht um Ihretwillen“ (lo liShma) genannt wird, ist ihm dieser Dienst dennoch sehr wertvoll, denn er dient dem König immerhin auf seiten der Handlung.

Und weil ihm der König wichtig ist, wie oben, kann er sich über den geringen Halt freuen, den er in der Heiligkeit hat. Daraus folgt: Durch die linke Linie empfängt er nun einen Anlass, sich im Aspekt der Rechten zu überwinden und zu sagen, dass er sich darüber freut, den kleinen Halt, den er in der Heiligkeit hat, schätzen zu können. Das heißt: Bevor er zur linken Linie kam, dachte er, er hat wirklich eine gewisse Vollkommenheit, nur ist sie nicht vollständig – „und so habe ich doch, wofür ich den König loben kann“. Jetzt aber, da ihn die linke Linie hat verstehen lassen, wie weit er von der Vollkommenheit entfernt ist, müsste er nun eigentlich traurig und nicht in Freude sein. Dennoch überwindet er sich und sagt: Weil der König sehr wichtig ist, ist mir auch der geringe Halt im Spirituellen wichtig, den ich habe.

Aus dem Gesagten folgt: Die linke Linie veranlasst ihn immer, über die Größe und Bedeutung des Schöpfers nachzusinnen, denn andernfalls hätte er nichts, womit er den König rühmen könnte, weil er nichts Wertvolles im Spirituellen hätte, wofür er danken könnte. Deshalb bewirkt die rechte Linie, dass die linke Linie bei ihm jedes Mal größer wird, und die linke Linie bewirkt, dass die rechte Linie wachsen muss. So wachsen die Linien, und wenn sie zu einem bestimmten Maß gelangen – bis diese beiden Linien klar hervortreten, die einander entgegengesetzt sind –, dann gibt der Schöpfer die Seele, und dann tritt der Mensch aus dem Exil heraus. Das wird „wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man“ genannt, wie oben in den Worten des heiligen Sohar: dass man ihm eine Seele gibt – und das ist die Hilfe, die er vom Schöpfer empfängt.

Nun wollen wir erklären, was wir bezüglich des halben Schekels gefragt haben – was er uns in der Arbeit andeutet. Es lässt sich auslegen: „Wenn du das Haupt erhebst“ – wenn der Mensch in der Heiligkeit ein Haupt sein will und kein Schweif, wie wir in der Nacht des Neujahrsfestes (Rosh haShana) sagen: „Möge es Dein Wille sein, dass wir zum Haupt werden und nicht zum Schweif.“ Ein Schweif bedeutet, dass er für sich selbst keine eigene Meinung hat, sondern der Menge nachläuft und keinerlei Prüfung über sein Tun übt. Das heißt, er will eigenständig sein und selbst verstehen, was das Ziel seines Tuns ist – denn gewiss empfängt man nach der Arbeit Lohn. Welchen Lohn erwartet er als Gegenleistung für seine Arbeit? Stimmt das, was er von seinen Erziehern gehört hat, als sie ihm erklärten, dass es sich lohnt, auf die Ruhe zu verzichten – sowohl auf die Ruhe des Körpers als auch auf die Ruhe des Verstandes – und sich mit Tora und Mizwot zu befassen, weil er dadurch Lohn empfängt? Was ist das für ein Lohn? Sie gaben ihm viele Beispiele von Lohn, für den es sich gewiss lohnt, Mühe aufzuwenden, um ihn zu erlangen. Oder gibt es einen höheren und erhabeneren Lohn, und die Lohnbeispiele, die sie ihm zeigten, entsprachen nur dem, dass er noch Anfänger in der Arbeit ist? Würde man ihm darum von einem höheren Lohn sagen, als man ihm genannt hat, so verstünde er den Wert dieses Lohnes nicht – und das wegen der Kleinheit seines Verstandes. Deshalb liegt es nun an ihm, die Prüfung zu durchlaufen und zu sehen, ob dies wirklich der Lohn ist, den er von ihnen gehört hat, oder ob er hingehen und fragen soll, was dieser Lohn wirklich ist, den er als Gegenleistung für seine Arbeit empfangen soll.

Und noch mehr als das will er nun wissen, was die Mühe wirklich ist, die er aufbringen muss – also worin das Wesen der Mühe besteht. Das heißt: Ob die Handlung allein genügt, indem er Tora und Mizwot im Aspekt der bloßen Handlung erfüllt, oder ob auch eine Absicht nötig ist – das heißt, dass ich wissen muss, wozu ich die Handlung tue, und sie nicht deshalb tue, weil ich sehe, dass andere sie tun und sie zu den Auserwählten des Volkes gehören, und ich es ihnen gleichtun will. Vielmehr will ich wissen, ob es möglich ist, die Absichten von Tora und Mizwot zu kennen, oder ob es niemanden auf der Welt gibt, der eine Vorstellung davon hat, was Tora und Mizwot sind – mit mehr Verständnis und mehr Empfindung als kleine Kinder, wenn sie in das Joch von Tora und Mizwot eintreten. Das heißt: Obwohl die Kinder danach groß werden und in der Größe der Tora berühmt sind, betrifft das nur die offenbarte Tora. Das heißt: Sie wissen mehr darüber, wie und auf welche Weise die offenbaren Handlungen ausgeführt werden müssen – aber zum Aspekt von Tora und Mizwot in ihrer eigentlichen Größe fügen sie nichts hinzu.

Das heißt: Die ganze Größe betrifft nur den Aspekt der Äußerlichkeit von Tora und Mizwot; dass es aber etwas Innerliches gibt – davon hat niemand auf der Welt irgendeine Vorstellung.

Oder es gibt vielleicht Menschen, denen im Bereich von Tora und Mizwot etwas hinzugefügt wurde vom Aspekt der Innerlichkeit, die in ihnen ist. Und er will diese Innerlichkeit kennen – das heißt, dass in jeder einzelnen Mizwa eine besondere Absicht liegt. Denn er hat gehört oder gesehen, was im heiligen Sohar geschrieben steht (angeführt im Sulam, Teil 1, S. 242): „Die Gebote in der Tora werden in der Sprache des Sohar ‚613 Hinterlegungen‘ (Pkudin) genannt und ebenso ‚613 Ratschläge‘ (Ejtin). Der Unterschied zwischen ihnen ist: In jeder Sache gibt es eine Vorderseite (Panim) und eine Rückseite (Achor). Der Aspekt der Vorbereitung auf die Sache wird ‚Rückseite‘ genannt, der Aspekt des Erlangens der Sache ‚Vorderseite‘. Auf diese Weise gibt es in Tora und Mizwot den Aspekt ‚wir werden tun‘ und den Aspekt ‚wir werden hören‘, wie unsere Weisen schrieben (Shabbat 88): ‚die Seine Worte tun, um auf die Stimme Seines Wortes zu hören‘ – zuerst tun und danach hören. Solange werden die Gebote ‚613 Ratschläge‘ (Ejtin) genannt und sind im Aspekt der Rückseite. Wenn man aber dazu gelangt, auf die Stimme Seines Wortes zu hören, werden die 613 Gebote zum Aspekt der Hinterlegungen (Pkudin) – vom Wort Hinterlegung (Pikadon). Denn es gibt 613 Gebote, und in jedem Gebot ist das Licht einer besonderen Stufe hinterlegt, die einem besonderen Glied unter den 613 Gliedern und Sehnen der Seele und des Körpers entspricht.“

Und damit lässt sich auslegen: „Wenn du das Haupt der Kinder Israels erhebst.“ Das heißt: Wenn du erwachst, um ein Haupt zu sein und kein Schweif, wie oben – „Kinder Israels“, wer verstehen will, was Jashar-El (gerade zum Schöpfer) ist –, „zu ihrer Zählung“ bedeutet: die Gebote im Aspekt der Hinterlegungen (Pkudin), wie oben. „Und jeder soll ein Sühnegeld für seine Seele geben, wenn man sie zählt.“ Das Wesen des „Zählens“ ist ein Aspekt von Rechnung und Zählung, um zu wissen, wie viel er von der Absicht von Tora und Mizwot versteht und in welchem Maß er sich dem Schöpfer durch das Erfüllen von Tora und Mizwot nähert. Und dann kann er, Gott behüte, in Verzweiflung geraten und aus dem Krieg fliehen – das wird der Aspekt der „Plage“ genannt. Um dies zu korrigieren, segnet man Israel zuerst, und danach segnet man Israel am Ende noch ein zweites Mal, sodass keine Plage unter ihnen ist. Wie geschrieben steht (Ki Tissa, S. 1, und im Sulam Punkt 2): „Komm und sieh: Sie haben festgestellt, dass kein höherer Segen auf dem ruht, was gezählt wird. Daraus folgt, dass Israel zuerst gesegnet wird, wenn es das Sühnegeld empfängt, und danach segnet man Israel erneut.“

Und in Punkt 3 fragt er, warum sich durch die Zählung eine Plage erhebt, und er antwortet: Weil der Segen nicht auf etwas ruht, das gezählt wird, und da der Segen sich entfernt, ruht die Sitra Achra (die andere Seite) darauf. Es ist zu verstehen, warum der Segen nicht auf etwas ruht, das gezählt wird. Nach dem, was wir oben erklärt haben, dass der Gesegnete am Gesegneten haftet, gilt darum: Wenn der Mensch beginnt, in die linke Linie einzutreten, um sich selbst zu prüfen, ob er schon alles mit seinem Verstand versteht – das heißt, ob er bereits empfindet, dass er in der Arbeit vorwärtsgeht –,

– und ob er wirklich Glauben und Vertrauen hat, dass der Schöpfer ihm helfen wird, sodass er den Aspekt des Spirituellen erlangt und nicht in seiner Niedrigkeit bleibt: Zur Zeit dieser Prüfung kommen ihm Gedanken und Berechnungen, die dem entgegengesetzt sind, was er gerne sehen würde. Das heißt: Wenn er beginnt, abzuwägen, ob sich die Arbeit gelohnt hat, die er aufgewendet hat, um etwas Spirituelles zu erlangen, und wenn er den Weg der Wahrheit geht, dann ist er fähig, die Wahrheit mehr zu sehen als die übrigen Menschen. Er sieht dann seinen wahren Zustand – wie weit er wirklich von der Heiligkeit entfernt ist – und beginnt, in den Aspekt des „Bereuens des Anfänglichen“ zu verfallen. Das heißt, dass er die Arbeit umsonst aufgewendet hat, denn er sieht jetzt nach seinem Verstand, dass es schade ist, die Zeit umsonst zu vergeuden.

Das heißt: Bevor er begann, den Weg der Wahrheit zu gehen, hatte er bessere Gedanken über das Spirituelle und war nicht so vergröbert – das heißt, er empfand keinen so guten Geschmack an körperlichen Dingen. Jetzt aber, da er mit der Arbeit des Gebens begann, empfing er ein größeres Verlangen nach körperlichen Begierden, weil er in ihnen einen stärkeren Geschmack des Genusses spürt. Daraus folgt: Nach dieser Berechnung bereut er das Anfängliche. Das heißt: Er hat jetzt große Reue über diese gegenwärtige Arbeit, die „Geben“ genannt wird, und hat die frühere Arbeit verlassen. Denn dort hatte er Befriedigung an der Handlung und fühlte sich vollkommen in äußerster Einfachheit, weil er wusste, dass die Hauptsache die Handlung ist und man über die Absicht nicht nachdenken muss. Und er hatte eine Stütze im Ausspruch unserer Weisen: „Nicht das Studium ist die Hauptsache, sondern die Tat.“ Im Aspekt der Handlung war er vollkommen und tat darum alles in Freude, denn er fühlte sich als vollkommener Mensch. Und wenn der Schöpfer ihn strafen wollte, so verstand er, dass ihm vielleicht eine Strafe gebührt, weil er nicht viel Kraft in das Gebot „Du sollst deinen Nächsten ernstlich zurechtweisen“ aufgewendet hatte, von dem unsere Weisen sagten: „Wer einschreiten könnte und nicht einschreitet, wird dafür bestraft“ (Shabbat 54). Nur dabei fühlt er, dass er bei diesem Gebot nachlässig war.

Und so dachte er immer. Jetzt aber, da er begann, auf dem Weg des Gebens zu arbeiten, sieht er das Böse, das in ihm ist, mehr als je zuvor. Demnach – wozu soll er diesen Weg noch fortsetzen? Darum befindet er sich nun im Aspekt des „Verfluchten“, und „der Verfluchte haftet nicht am Gesegneten“. Daraus folgt, dass er jetzt im Aspekt des Toten ist, weil er vom Leben der Lebenden getrennt ist – und das ist der Aspekt des Todes, wie oben, der „Plage“ genannt wird.

Und damit lässt sich der Grund auslegen, dass auf etwas, das gezählt wird, kein Segen ruht: „Und da der Segen sich entfernt, ruht die Sitra Achra darauf, und sie kann Schaden zufügen.“ Denn „etwas, das gezählt wird“ bezeichnet, dass der Mensch beginnt, die Gewinne zu zählen, die er im Spirituellen erzielt hat. Dann sieht er das Gegenteil und empfindet, dass er nur Verluste hat – wie oben, dass die Sitra Achra ihm immer Beweise bringt, es lohne sich für ihn mehr, vom Kampfplatz zu fliehen; schade um jeden Tag, an dem er umsonst Kräfte aufgewendet hat, denn dieser Weg ist nichts für ihn. Daraus folgt, dass der Mensch nicht fähig ist, etwas auf rechte Weise zu tun. Daraus folgt, dass in der linken Linie, die „Zählung“ genannt wird, eine Todesgefahr besteht, wie oben.

Und wollte er auf einer einzigen Linie gehen – das heißt, den Weg gehen, den er ging, bevor er für sich wählte, um des Gebens willen zu arbeiten, als er wusste, dass man nur Taten ohne Absichten braucht, denn man verlangt von oben nicht von jedem Menschen, mit Absichten zu arbeiten; wenn er nur die Tat der Gebote erfüllen kann, ist das für ihn geradezu Vollkommenheit, und er braucht nicht über Absichten nachzudenken –, so käme er dadurch doch niemals zur Wahrheit. Denn die Wahrheit ist, dass jede Tat um des Himmels willen geschehen muss.

Und ebenso besteht im Zustand der Zählung – wenn er daran geht, abzurechnen, ob er von der Mühe profitiert hat, die er bis jetzt in die Arbeit für den Schöpfer gesteckt hat, und die Wahrheit sehen will – eine große Gefahr. Denn wenn er sieht, dass er in der Arbeit keinen Fortschritt hat, kann er sich von der Arbeit zurückziehen und in den Zustand geraten, der „Bereuen des Anfänglichen“ genannt wird.

Darum sagt der heilige Sohar, dass dort eine Korrektur war: „Denn sie zählten nicht, bevor das ganze Sühnegeld eingesammelt war und in die Zählung einging. Daraus folgt, dass man Israel zuerst segnet, wenn es das Sühnegeld empfängt, und danach Israel erneut segnet. So wurde Israel am Anfang und am Ende gesegnet, und es war keine Plage unter ihnen.“

Nach dem Gesagten in den Worten des heiligen Sohar verstehen wir den Rat, den wir geben müssen, wenn man den Weg gehen will, um die Anhaftung an den Schöpfer zu erlangen. Nach der Regel „es gibt kein Licht ohne ein Gefäß“ – weil es keine Füllung ohne Mangel gibt, und der Mangel wird „Bedürfnis“ genannt, und das Bedürfnis muss aus der Tiefe des Herzens kommen, sodass er das, was ihm fehlt, als Notwendigkeit und nicht als Luxus empfindet – gilt: Wenn der Mensch einen Mangel empfindet, ist er im Aspekt des „Verfluchten“, und der Verfluchte haftet nicht am Gesegneten. Und um im Aspekt des „Gesegneten“ zu sein, empfindet der Mensch, dass er Vollkommenheit hat und keinen Mangel – andernfalls heißt er nicht „vollkommen“. Ist er aber in Vollkommenheit und hat keinen Mangel, so folgt, dass er kein Bedürfnis hat, das „Gefäß“ genannt wird, das der Schöpfer ihm füllen würde.

Darauf kommt die Antwort, dass man Israel vor der Zählung und nach der Zählung segnete, und darum war kein Raum mehr für eine Plage in Israel. Die Sache ist: „Segen“ bedeutet, dass die Ordnung, in der der Mensch in die Arbeit eintritt, mit der Rechten beginnt. Das heißt, er muss den Dienst schätzen, den er dem Schöpfer erweist, indem er die Gebote des Schöpfers erfüllt. Und in dem Maß, wie er die Größe des Schöpfers in seinem Herzen veranschlagt, in diesem Maß freut er sich und frohlockt darüber, dass er tun darf, was der Schöpfer geboten hat. Und einen Großen zu ehren, liegt in unserer Natur. Wir sehen, dass es als große Ehre gilt: Gibt es irgendeinen Großen der Generation, der in den Augen der Menschen als bedeutend angesehen wird, so wollen ihm alle dienen, wie bekannt. Doch die Zufriedenheit am Dienen hängt von der Größe und Bedeutung ab, die die Welt diesem Großen beimisst. Demnach folgt: Wenn der Mensch empfindet und sich vorstellt, dass er dem Schöpfer dient, fühlt er sich als „gesegnet“, und dann kommt die Regel zum Tragen, dass der Gesegnete am Gesegneten haftet.

Daraus folgt: In diesem Zustand fühlt sich der Mensch als der Glücklichste der Welt, und dann ist die Zeit, da der Mensch dem Schöpfer dafür danken muss, dass Er ihm ein wenig Dienst gegeben hat, mit dem er Ihm dienen durfte. Daraus folgt: In diesem Zustand haftet er am Schöpfer, weil Freude in ihm ist, wie unsere Weisen sagten: „Die Shechina ruht nur aus Freude.“ Zugleich aber hat er noch kein Gefäß, das den Mangel enthielte, dass der Schöpfer ihn wahrhaft sich näherbringe – das heißt, dass seine ganze Absicht einzig dem Geben gilt, das „um Ihretwillen“ (liShma) genannt wird. Und um zum „um Ihretwillen“ zu gelangen, muss der Mensch darauf achten, dass er ein Verlangen und ein Bedürfnis hat; doch in der rechten Linie, in der er Vollkommenheit empfindet, ist kein Raum für einen Mangel.

Deshalb muss er zur linken Linie übergehen, die „Zählung und Rechnung“ genannt wird, um mit den Augen seines Verstandes zu sehen, ob er wirklich ein Diener des Schöpfers sein will und nicht sich selbst dient – das heißt, dass er bei allem, was er tut, keinen anderen Gedanken hat als den eigenen Nutzen. Dann sieht er die Wahrheit, wie oben: „die Linke stößt zurück“; er sieht, dass er nicht fähig ist, irgendetwas um des Himmels willen zu tun. Und in dem Maß, wie er in der Rechten Vollkommenheit empfand, sich gut fühlte und darüber frohlockte, dass er dem Schöpfer dient, in diesem Maß empfindet er sich nun als böse, wenn er sieht, dass er in einem Zustand der Entfernung von der Arbeit für den Schöpfer ist. Das heißt: Jetzt ist alles schwarz, bis er keinen Hoffnungsort mehr sieht, um aus dieser Herrschaft herauszutreten. Dann hat er Raum zum Gebet, und dann ist er in dem Zustand, der „verflucht“, „tot“ und „Frevler“ genannt wird, denn er sieht, dass er nicht fähig ist, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten.

Und damit keine Plage entsteht, wie oben – denn bei etwas, das gezählt wird, gilt: „Es gibt keinen Gerechten auf Erden, der Gutes tut und nicht sündigt“, er findet immer Mängel –, muss er zur rechten Linie übergehen. Dann bedarf er einer zusätzlichen Überwindung in der Größe des Schöpfers, sodass er sagen kann: Ich freue mich darüber, dass ich einen kleinen Halt in der Arbeit für den Schöpfer habe, denn es ist eine sehr wichtige Sache, dem König zu dienen. Darum gilt mir, auch wenn es ein noch so kleiner Halt ist, dieser doch um der Wichtigkeit willen als etwas Großes. Und dass der Halt in der Heiligkeit nun kleiner geworden ist, kommt von der linken Linie, in der er sah, wie er in äußerster Niedrigkeit ist. Darum fällt es ihm jetzt schwer, das Gegenteil zu sagen – dass er Vollkommenheit hat. In Wahrheit aber sagt er nur deshalb, dass er Vollkommenheit hat, wegen der Wichtigkeit der Größe des Königs. Und nach der Regel: Was an Qualität sehr hochwertig ist, davon ist selbst eine kleine Menge der edlen Qualität wertvoller als eine große Menge geringer Qualität.

Daraus folgt: Jedes Mal muss er die Rechte im Aspekt des über dem Verstand vergrößern und immer sagen, dass er – in dem Maß, wie er die Größe und Bedeutung des Schöpfers veranschlagt und es wert ist, schon für eine kleine Menge „vielen Dank“ zu sagen – den König noch mehr lobpreisen und rühmen muss dafür, dass Er ihm ein wenig Dienst gegeben hat, um Ihm zu dienen. Wie geschrieben steht (in Nishmat Kol Chai): „Wir reichen nicht aus, Dir zu danken, Schöpfer, unser Gott.“

Daraus folgt: Dadurch, dass er zur rechten Linie zurückkehrt, wo die Arbeit im Aspekt der Vollkommenheit ist, die „gesegnet“ genannt wird, und danach erneut zum Aspekt von Zählung und Rechnung zurückkehrt, und danach wieder zum über dem Verstand, wo kein Raum für eine Rechnung im Aspekt des Verstandes ist – das nennt man „Segen vor der Zählung und Segen nach der Zählung“. Und das ist die Korrektur, damit keine Plage unter ihnen sei: dass er nicht im Aspekt der Niedrigkeit bleibt, in Verzweiflung gerät und für immer vom Kampfplatz flieht.

Und dies ist es, was „ein halber Schekel nach dem Schekel des Heiligtums“ bedeutet: dass die heilige Arbeit die Arbeit abwägen soll – dass er die Hälfte der Arbeit, die der Aspekt der Rechten ist, der Aspekt des „Gesegneten“, dem Schöpfer als Sühnegeld gibt, indem er sagt: Jetzt arbeite ich ganz für den Schöpfer, und es ist kein Mangel in mir, und so kann ich dem Schöpfer Lob und Dank darbringen und fühle mich als ein Gesegneter, der am Gesegneten haftet. Und dies ist das Sühnegeld dafür, dass er nicht in der Niedrigkeit der Linken bleibt, die der Aspekt des „Verfluchten“ und der Aspekt der Trennung vom Schöpfer ist.

Und die zweite Hälfte der Arbeit ist im Aspekt der Linken. Und zwar so, wie der heilige Sohar sagt, dass es einen Segen vor der Zählung geben muss: Das heißt, bevor er in der linken Linie geht, die „Zählung“ genannt wird, muss er im Aspekt der Rechten sein, die „gesegnet“ genannt wird. Und danach wiederholt sich das im Kreislauf, und so wird keine Plage sein, wenn man sie zählt – nämlich dann, wenn er erlangen will, dass die Gebote für ihn im Aspekt der 613 Hinterlegungen (Pkudin) sind, wie oben. Und dies ist es, was geschrieben steht: „Der Reiche soll nicht mehr und der Arme nicht weniger als einen halben Schekel geben.“

„Reich“ wird der Aspekt der Rechten genannt, der den Weg der Vollkommenheit geht und dem nichts fehlt; vielmehr freut er sich und frohlockt über das, was er hat. Darum wird er „reich“ genannt: „Er soll nicht mehr als einen halben Schekel geben“ – das heißt, dass er nicht die ganze Zeit den Weg der Rechten gehen soll, sondern, wie oben, zum Aspekt der Linken übergehen muss, die „Zählung und Rechnung“ genannt wird. „Und der Arme soll nicht weniger geben“: „Arm“ wird der genannt, der nichts hat. Denn wenn er beginnt, seine Arbeit zu zählen und abzurechnen, ob sie zum Nutzen des Schöpfers oder zum eigenen Nutzen geschieht, dann sieht er, dass er nichts hat, wovon er sagen könnte, dass er es um des Himmels willen tut. Darum wird er „arm“ genannt: „Er soll nicht viel weniger als die Hälfte geben“ – das heißt, dass er zum Aspekt der Rechten übergehen muss, der der Aspekt von Segen und Vollkommenheit ist. Doch die Arbeit muss ausgewogen sein, sodass diese beiden Linien gleich sind, damit jede von ihnen die andere vergrößert.

Und dies ist es, was geschrieben steht: „Um eure Seelen zu sühnen.“ Denn gerade durch diese beiden, die einander entgegengesetzt sind, kommt die Sühne zustande: dass die Seele aus der Herrschaft des Exils heraustritt, in dem die Völker der Welt über Israel mit der Kraft der Eigenliebe herrschen. Und dadurch erlangen sie den Aspekt des Hauptes der Heiligkeit und werden nicht zum Aspekt des Schweifes, wie oben.

Und dies ist es, was geschrieben steht: „Drei Partner sind am Menschen beteiligt; sein Vater sät das Weiße.“ Das ist auf seiten der Rechten, die „sein Vater“, „männlich“, genannt wird, denn „männlich“ heißt Vollkommenheit, und Vollkommenheit heißt weiß, ohne jeden Schmutz. Und die Mutter, die Nukwa genannt wird, sät das Rote – hier sieht man, dass es ein Ort der Gefahr ist und man korrigieren muss. Und danach gibt der Schöpfer eine Seele, denn aus den beiden obigen Linien geht ein Gefäß hervor, das geeignet ist, dass dort Fülle einströme. Dann kann man sagen, dass er „wer kommt, sich zu reinigen“ genannt wird – und das geschieht, nachdem er auf den beiden obigen Linien gegangen ist, und danach „hilft man ihm mit einer heiligen Seele“.

korrOp, EY, 12.7.2026, Ver4