1987/30 Was ist ein Krieg um die Herrschaft in der Arbeit – 1
Rashi erklärt den Vers „Wenn du gegen deine Feinde in den Krieg ziehst“: Die Schrift spricht hier von einem Krieg um die Herrschaft. Danach heißt es: „Und der Schöpfer, dein Gott, wird sie in deine Hand geben, und du wirst Gefangene von ihnen machen, und du wirst unter den Gefangenen eine schöne Frau sehen und sie begehren und sie dir zur Frau nehmen; und sie soll ihren Kopf scheren und ihre Nägel wachsen lassen.“
All das muss man verstehen: Was will es uns auf dem Weg der Arbeit lehren? Da die Tora ewig ist, müssen wir das Folgende klären:
a) Was ist ein Krieg um die Herrschaft?
b) Was sagt uns der Satz „Und der Schöpfer, dein Gott, wird sie in deine Hand geben“? Sicher glaubt jeder Jude, dass man alle Kriege nur mit der Hilfe des Schöpfers gewinnen kann.
c) Was heißt „schöne Frau“ auf dem Weg der Arbeit?
d) Was bedeuten die Korrekturen, worauf deutet auf dem Weg der Arbeit „und sie soll ihren Kopf scheren und ihre Nägel wachsen lassen“?
Um all dies in der Arbeit zu verstehen, müssen wir zuerst wissen, was Arbeit ist – also welche Stufe „Arbeit“ heißt, wenn man auf dem Weg des Schöpfers geht, und welchen Lohn wir uns für diese Arbeit erhoffen. Bekanntlich kann niemand ohne Lohn arbeiten, denn unsere Wurzel befindet sich in einem Zustand der Ruhe. Deshalb können wir uns nur gegen Lohn anstrengen, und dieser Lohn ist der Genuss, den man nach der Anstrengung erlangt.
Weil man ohne Genuss nicht leben kann – auch deshalb, weil unsere Wurzel die Quelle des Genusses ist –, sind wir auf Genuss angewiesen. Es gibt noch einen Grund, warum wir ohne Genuss nicht leben können: Der Schöpfer hat die Geschöpfe erschaffen, weil Er Seinen Geschöpfen Gutes tun wollte; deshalb ist ihnen von Natur aus ein Verlangen und ein Begehren eingepflanzt, Freude und Genuss zu empfangen.
Da es in unserer Wurzel keine Anstrengung gibt, fällt es uns schwer, etwas zu tun, das nicht in unserer Wurzel liegt. Dennoch tun wir die Arbeit, weil man ohne Genuss nicht leben kann; also geben wir die Ruhe auf und strengen uns an, um dadurch Freude und Genuss zu erlangen.
Was ist also Anstrengung? Etwas, das keine Freude und keinen Genuss bringt. Warum tun wir es dann, wenn kein Genuss darin liegt? Die Antwort: Durch die Arbeit empfangen wir dafür Lohn, und „Lohn“ heißt „Freude und Genuss“. So ist es, wie wir sehen, im Materiellen üblich. Aber im Spirituellen – was ist dort die Arbeit, an der wir keinen Genuss haben und die „Arbeit“ heißt? Und was ist dort der Lohn, aus dem wir Freude und Genuss empfangen können?
Bekanntlich gibt es zwei Arten von Lichtern:
a) Das Licht, das „Ziel der Schöpfung“ heißt. Es besteht darin, dass der Mensch das Gute und den Genuss empfangen soll, das der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte; deshalb schuf Er in den Geschöpfen das Verlangen und die Sehnsucht, Freude zu empfangen. Doch um die Vollkommenheit Seiner Werke ans Licht zu bringen, machte Er eine Einschränkung (Zimzum) und eine Verhüllung. Dadurch wird beim Empfangen des Genusses das „Brot der Scham“ (nahama dichsufa, die Scham) korrigiert – diese Scham entsteht durch die Verschiedenheit der Form zwischen dem Gebenden und dem Empfangenden.
b) Das Licht der Korrektur der Schöpfung. Wie gesagt besteht die Korrektur darin, dass der Untere die Lichter empfängt, um zu geben. Dadurch entsteht die Übereinstimmung der Form, die „Anhaftung an den Schöpfer“ (Dwekut) heißt. Dann verschwindet die Scham.
Dieses Licht heißt also „Licht der Chassadim“ (Barmherzigkeit), weil es dem Schöpfer Gutes erweisen, also dem Schöpfer geben will. Das Licht des Schöpfungsziels dagegen heißt „Licht der Chochma“ (Weisheit) oder „Licht des Lebens“; das ist das Licht, mit dem der Schöpfer Seinen Geschöpfen Gutes tun will.
Daraus folgt: Es wurde ein Urteil (Din) erlassen, dass man das Gefäß, das „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ heißt, nicht benutzen darf. Zwar hat der Schöpfer dieses Verlangen in den Geschöpfen erschaffen, doch auf nicht direktem Weg überträgt sich auf die Empfangenden die Scham. Um das zu korrigieren, muss der Mensch dieses Gefäß, das ihm von Natur aus zukommt, annullieren. Das heißt „Arbeit“, weil es gegen die Natur ist. Denn die Natur ist, dass wir Genuss empfangen und nicht auf ihn verzichten wollen. Wenn der Mensch den Genuss nicht empfängt, ist das Anstrengung – wie gesagt, weil es gegen die Natur ist. Und warum tut er diese Arbeit? Weil er die Anhaftung will, die „Übereinstimmung der Form“ heißt.
Doch in dieser Arbeit, in der er auf den Genuss verzichtet und ihn nicht empfängt, ist die Übereinstimmung noch nicht erreicht. Dass man keinerlei Genuss empfangen will, bedeutet noch nicht, dass man die Stufe der Übereinstimmung der Form erreicht hat. Denn so wie der Schöpfer der Gebende ist, so muss auch der Mensch, wenn er die Stufe der Übereinstimmung der Form erreichen will, ein Gebender sein – also zu dem Verlangen kommen, anderen geben zu wollen, so wie der Schöpfer gibt.
Ebenso ist zu sagen: Selbst wenn er sich schon mit der Liebe zum Nächsten beschäftigt, also mit dem Geben, erreicht er die Übereinstimmung der Form noch nicht, solange er keine Freude daran hat, während er Taten des Gebens vollbringt, ohne irgendeine Gegenleistung zurückzubekommen. Denn der Schöpfer hat Freude daran, dass Er den Geschöpfen gibt – wie gesagt, weil Sein Verlangen ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, wie unsere Weisen sagten (Sohar, WaJera 118, Punkt 399): „Rabbi Jehuda sagte: Es gab keine Freude vor dem Schöpfer seit dem Tag, an dem die Welt erschaffen wurde.“
Wenn der Mensch sich also mit dem Geben beschäftigt und keinen Genuss daran hat, hat er sicher keine Freude. Denn Freude ist nur das Ergebnis eines Genusses, den ein Mensch an etwas hat – das bringt ihm Freude. Wenn der Mensch sich um das Geben bemüht, aber keine Freude daran hat, fehlt ihm noch die Übereinstimmung der Form, denn der Schöpfer hat Genuss, wenn Er gibt, der Mensch aber hat keinen Genuss. Daraus folgt: Wer die Anhaftung erlangen will, braucht drei Bedingungen:
a) das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, nicht zu benutzen;
b) sich mit Taten des Gebens zu beschäftigen;
c) beim Geben Genuss zu empfinden.
Allerdings ist zu verstehen, wie der Mensch Freude daran haben kann, alles dem Schöpfer zu geben, wenn er es unter Zwang tut. Man kann sagen: Auch wenn der Körper nicht einverstanden ist, nur für den Schöpfer zu arbeiten – also bei allem, was er tut, vorher zu prüfen, ob der Schöpfer an dieser Handlung Freude hat –, ist das gegen die Natur; zwar kann man verstehen, dass er es unter Zwang tut, indem er sich zwingt und kasteit, um Dinge zu tun, an denen der Schöpfer Freude hat.
Aber an dem, was man unter Zwang tut, hat man keine Freude. Nehmen wir ein Beispiel: Ein Mensch geht ins Krankenhaus und wird dort operiert. Sicher tut er das unter Zwang, obwohl er selbst ins Krankenhaus geht und niemand ihn dazu nötigt; er zahlt dem Chirurgen sogar einen stattlichen Betrag. Trotzdem heißt auch das Zwang, weil er an der Sache keine Freude hat. Vielmehr weiß er, dass er sein Leben retten kann, obwohl die Operation Leiden und Lebensgefahr bedeutet. Sicher aber wäre er zufriedener, wenn er gesund wäre und die Operation nicht bräuchte.
Obwohl er also eine Handlung vollbringt, mit der er an sich nicht zufrieden ist, hat er doch Freude an dem Wissen, dass er sein Leben rettet, und lässt sich operieren. Hier ist zu unterscheiden: Er vollbringt eine Handlung, an der er selbst keine Freude hat, sondern an der er im Gegenteil leidet; doch weil er auf den Lohn blickt – dass er sein Leben gewinnt –, hat er die Kraft, Dinge zu tun, die ihm nicht behagen.
Ebenso im Materiellen: Der Mensch arbeitet und müht sich, obwohl ihm die Arbeit nicht behagt, weil er Ruhe will. Doch wenn er auf den Lohn blickt, hat er die Kraft, willig zu arbeiten. Das heißt dann nicht „Arbeit unter Zwang“, denn er sagt nicht: „Ich verzichte auf die Arbeit, man soll mir den Lohn umsonst geben.“ Vielmehr willigt er aus Scham in die Arbeit ein, aber nur unter der genannten Bedingung, dass er Lohn bekommt. Anders der Kranke, der ins Krankenhaus geht, um sich operieren zu lassen: Er wäre sicher zufriedener, wenn er diese Handlung nicht bräuchte.
Daran sehen wir, dass es in der Arbeit des Menschen im Materiellen drei Arten zu unterscheiden gibt:
a) Arbeit, bei der der Mensch sich anstrengt, um Lohn zu empfangen; dann behagt ihm seine Arbeit. Er sagt also nicht: „Ich verzichte auf die Arbeit und will nur den Lohn.“ Das kommt daher, dass der Mensch sich schämt, Brot der Gnade zu essen.
b) Der Mensch arbeitet, um Lohn zu empfangen, doch die Arbeit behagt ihm nicht. Er wäre zufriedener, wenn er sie nicht leisten müsste – wie im Gleichnis von dem, der ins Krankenhaus geht, um sich operieren zu lassen. Zwar tut er diese Arbeit willig, und niemand zwingt ihn; er tut sie um des Lohns oder der Strafe willen. Das heißt: Er gewinnt sein Leben; oder man kann sagen, dass er nicht stirbt – also, dass er die Todesstrafe erhielte, wenn er diese Sache nicht täte.
c) Er arbeitet um des Nächsten willen. Er will also gar keinen Lohn, sondern handelt nur zum Wohl des Nächsten. Etwa, wenn er irgendwo arbeiten geht und den Lohn der Arbeit für die Wohltätigkeit gibt. Hier stellt sich die Frage: Woher nimmt er den Treibstoff für diese Arbeit, also dafür, ohne jede Gegenleistung zu arbeiten? Der einfache Grund ist die Ehre: Er lebt in einer Umgebung, die den ehrt, der zum Wohl des Nächsten arbeitet, und das gibt ihm die Kraft zur Arbeit.
Wie es im Buch Matan Tora (im Aufsatz „Der Frieden“, S. 93) heißt: „Wenn aber das Maß der Arbeit am Geben für den Nächsten allein auf dem Namen der Gemeinschaft beruht, so ist das ein wackeliges Fundament. Denn wer und was sollte den Einzelnen verpflichten, sich für die Gemeinschaft mehr zu mühen?“
Und zum Wohl der Gemeinschaft um der Ehre willen zu arbeiten – dazu ist nicht jeder Mensch fähig, denn das ist schon eine zweite Stufe des Begehrens. Bekanntlich gibt es vier Stufen im Menschen, die „unbelebt“, „pflanzlich“, „belebt“ und „sprechend“ heißen.
Wie es in der „Einführung in das Buch Sohar“ (Punkt 20) heißt: „Und du findest: Die erste Stufe – das Maß seines notwendigen Bestehens – und die zweite Stufe – das Maß der tierischen Begierden, das über das Maß seines Bestehens hinausgeht – empfängt und nährt er aus Dingen, die niedriger sind als er, nämlich aus Unbelebtem, Pflanzlichem und Belebtem. Die dritte Stufe aber – die menschlichen Begierden wie Herrschaft und Ehre – empfängt und nährt er von seinesgleichen, die ihm gleich sind. Und die vierte Stufe der Nahrung – das Erkannte – empfängt und nährt er von einer Stufe, die höher ist als er, nämlich aus der Weisheit und dem Verstand selbst, die spirituell sind.“
Der Mensch ist also nicht fähig, ganz ohne Gegenleistung zu arbeiten. Und selbst für die Gegenleistung der Ehre ist nicht jeder Mensch fähig zu arbeiten; solche Menschen zählen schon zu einer höheren Stufe als das einfache Volk. Doch manchmal kann ein Mensch aus Neid zum Wohl des Nächsten arbeiten. Das heißt: Selbst auf die Ehre verzichtet er – er ist nicht fähig, zu arbeiten und sich zu mühen, obwohl er ohne Arbeit zum Wohl des Nächsten keine Ehre gewinnt. Aber aus Neid: Wenn er sieht, dass jene, die um der Ehre willen arbeiten, geehrt werden, ihn selbst aber niemand beachtet, schmerzt ihn dieses Leid, dass der andere Ehre hat. Und wegen dieses Leids kann es geschehen, dass auch er zum Wohl des Nächsten arbeitet.
Doch wenn man beginnt, im Spirituellen zu arbeiten, also Tora und Mizwot zu erfüllen, stoßen wir auf viele verwickelte Dinge. Der Hauptgrund ist, dass es im Spirituellen den Glauben gibt. Der Mensch muss an Lohn und Strafe glauben. Doch wo man glauben muss, ist der Körper nicht mehr einverstanden. Denn das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, hat Genuss, wenn es den Nutzen einer Sache versteht und sieht. Sagt man ihm dagegen, er solle glauben, beginnt die Arbeit schon schwer zu werden. Das entspricht der Regel: „Der Zweifel hebt das Gewisse nicht auf.“ Das heißt: Die Anstrengung sieht er – sicher muss er auf die Ruhe verzichten –, doch der Lohn ist für ihn zweifelhaft.
Deshalb ist schon das lo liShma schwer zu leisten, weil er zuerst den Glauben über dem Verstand auf sich nehmen und an Lohn und Strafe glauben muss. Nachdem er den Glauben an das Königtum des Himmels im Allgemeinen auf sich genommen hat, kommt die Zeit, über die Einzelheiten nachzudenken. Man muss nämlich zwischen teilweisem Glauben und vollständigem Glauben unterscheiden, wie es in der „Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘“ (Punkt 14) heißt: „Es ist wie bei einem Menschen, der seinem Nächsten vertraut und ihm Geld leiht. Vielleicht vertraut er ihm für ein Pfund, vielleicht aber für sein ganzes Vermögen, ohne den geringsten Anflug von Furcht. Dieser letzte Glaube gilt als vollständiger Glaube; die vorigen Weisen aber gelten als unvollständiger Glaube – als teilweiser Glaube, mehr oder weniger.“
Darin liegt ein Unterschied zwischen spiritueller und materieller Arbeit, denn der ganze Lohn ist auf dem Glauben aufgebaut. Und weil die Grundlage des Judentums der Glaube ist, ergeben sich für uns viele Unterscheidungen:
a) Er hat teilweisen Glauben, wie gesagt, und mischt darüber hinaus etwas Wissen bei – das heißt, der Lohn liegt im Wissen. Das kann der Fall sein, wenn er lo liShma arbeitet, etwa damit man ihm Geld oder Ehre gibt. An Geld und Ehre muss er nämlich nicht glauben; er sieht vielmehr, ob er Geld oder Ehre bekommen oder Erniedrigungen vermeiden kann. Das heißt: Er erfährt tatsächlich Erniedrigungen, und das bringt ihn dazu, Arbeit und Mühe aufzuwenden. Oder man gibt ihm Ehre und Geld – ganz konkret. Deshalb steckt darin kein Glaube.
Auch im lo liShma sind also zwei Arten zu unterscheiden:
a) Die Arbeit, die er leistet, behagt ihm nicht – wie im Gleichnis von dem, der sich operieren lässt. Wer nämlich aus Zwang arbeitet, dem behagt seine Arbeit nicht, denn er wäre zufriedener, wenn er nicht arbeiten müsste. Das gilt nur für den, der Tora und Mizwot aus Furcht vor Strafe leistet. Etwa, wenn er bei einem frommen Arbeitgeber angestellt ist und dieser ihm sagt: „Wenn du Tora und Mizwot nicht hältst, entlasse ich dich aus der Arbeit“, sodass er ohne Erwerb bliebe. Dass er also Tora und Mizwot halten muss, kommt von der Strafe. Deshalb wartet er auf den Tag, an dem er sich vom Halten der Tora und Mizwot befreien kann.
Ebenso, wer aus Beschämung hält. Nehmen wir an, er ist gewohnt, jede Nacht das Tagesblatt [des Talmud] zu lernen. Wegen des Gebots des Tora-Lernens ist er nun in einem Zustand, in dem sein Glaube schwach ist und er keine Lust hat, zur Stunde des Tagesblatts zu kommen. Aber weil er sich vor den Freunden schämt, die ihn verachten und nicht ehren würden, kommt er, um Tora zu lernen. Diese Arbeit behagt ihm also nicht; er wäre zufrieden, wenn es diesen Grund nicht gäbe, um dessentwillen er sich mühen muss.
b) Das lo liShma, bei dem er lernt, um Lohn, Ehre oder Geld und dergleichen zu empfangen – diese Arbeit behagt ihm sehr wohl. Er sagt nicht: „Wäre ich doch nicht zur Arbeit gezwungen.“ Das kann er nicht sagen, weil der Mensch keinen Gewinn verlieren will.
Es gibt jedoch eine Stufe, die „liShma“ heißt: Er arbeitet aus Glauben, nicht weil Menschen ihn zur Arbeit verpflichten. Vielmehr ist der Glaube an den Schöpfer der Grund, dass er Tora und Mizwot hält. Das heißt „der um des Himmels willen Arbeitende“ und nicht um der Menschen willen. Das ist eine sehr wichtige Stufe. Manchmal will er sichergehen, dass er keinen Gedanken hat, um der Menschen willen zu arbeiten. Deshalb tut er alles im Verborgenen, und niemand auf der Welt kennt das Maß seiner Arbeit und wie viel Kraft er in die Arbeit für den Schöpfer steckt – nur der Schöpfer weiß es.
Doch auch diese Stufe, die ganz um des Himmels willen ist, heißt noch nicht „vollkommene Arbeit“. Denn die Vollkommenheit der Arbeit besteht darin, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, die „Übereinstimmung der Form“ heißt, wie unsere Weisen sagten: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“ Das heißt: Der Mensch muss arbeiten, ohne Lohn empfangen zu wollen. Vielmehr will er seine eigene Herrschaft völlig annullieren und will nur, dass es eine einzige Herrschaft auf der Welt gibt – die Herrschaft des Einen, dass allein die Herrschaft des Schöpfers auf der Welt sei –, und er will, dass seine eigene Herrschaft annulliert wird.
Daraus folgt: Der Kampf gegen den Trieb, den der Mensch führt, geschieht auf mehrere Arten:
a) Krieg um das Gebot (milchemet Mizwa): Er führt Krieg gegen den bösen Trieb, um über ihn zu herrschen, damit er ihn nicht vom Halten der Gebote abhält. Oder der Krieg besteht darin, dass er die Kraft hat, den bösen Trieb zu überwinden, um keine Übertretungen zu begehen. Das heißt „Krieg um das Gebot“, denn sein ganzer Krieg dreht sich um das Halten von Tora und Mizwot.
b) Krieg um die Herrschaft (milchemet reshut): Der Mensch führt Krieg gegen den bösen Trieb um die Herrschaft. Der böse Trieb behauptet nämlich, es gebe zwei Herrschaften: erstens die des Schöpfers, zweitens die des Menschen. Seine Behauptung ist, dass dies das Ziel der Schöpfung war: dass die Empfangenden vom Schöpfer das Gute und den Genuss empfangen. Also müsse die Herrschaft der Geschöpfe bestehen bleiben. „Warum willst du die Herrschaft der Geschöpfe annullieren?“ Der Mensch aber behauptet das Gegenteil.
In dieser Arbeit des Krieges um die Herrschaft hat der Mensch keinerlei Kraft, die Herrschaft des Körpers zu erobern und sie in die Herrschaft des Schöpfers zu überführen. Dazu sagten sie: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“ Denn die Annullierung der Herrschaft ist gegen die Natur. Wie gesagt, der Körper wendet ein: Der Schöpfer hat die Welt doch erschaffen, um Seinen Geschöpfen Gutes zu tun; deshalb ist dem Menschen die Natur eingepflanzt, alles in seine eigene Herrschaft zu nehmen.
Darum heißt es: „Wenn du gegen deine Feinde in den Krieg ziehst, wird der Schöpfer, dein Gott, sie in deine Hand geben.“ Wir fragten, was die Schrift uns sagen will. Es ist doch bekannt, dass alle Kriege, die das Volk Israel zu erobern auszieht, nur mit der Hilfe des Schöpfers gelingen. Nach dem Gesagten lehrt uns die Schrift, dass wir wissen sollen: Es liegt nicht in unserer Hand, den Krieg um die Herrschaft zu gewinnen. Und wir müssen wissen, dass dieses Wissen uns vor der Verzweiflung bewahrt. Denn nachdem ein Mensch Kräfte aufgewendet hat, um diese Herrschaft zu erobern und in die Heiligkeit zu führen, sieht er das Gegenteil: Nach seiner eigenen Einschätzung ist er schlechter geworden, als er war, bevor er den Krieg um die Herrschaft begann. Solange er nämlich den Krieg um das Gebot führte, sah der Mensch, wie er in der Arbeit vorankam, denn jeden Tag sah er, dass er Gebote und gute Taten unter seine Hand brachte. Im Krieg um die Herrschaft aber ging er nach seiner Einschätzung rückwärts. Dazu teilt uns die Schrift mit: Gerade jetzt, da du zu der Erkenntnis gekommen bist, dass es nicht in deiner Hand liegt, diesen Krieg zu gewinnen, sollst du nicht vom Schlachtfeld fliehen. Vielmehr ist jetzt die Zeit, da der Mensch ein Gebet aus der Tiefe des Herzens sprechen kann, weil er sieht, dass er aus eigener Kraft nichts ausrichten kann.
Es zeigt sich also: Durch diese Arbeit, die er bis jetzt aufgewendet hat, hat er das Bedürfnis nach der Rettung durch den Schöpfer gewonnen. Und da er jetzt ein Gefäß hat, das „Bedürfnis“ heißt, ist jetzt die wahre Zeit, in der das Licht kommen und sich in dieses Gefäß kleiden kann. Darum heißt es: „Und der Schöpfer, dein Gott, wird sie in deine Hand geben“ – nur in der Hand des Schöpfers liegt es, dir zu geben, dass du den Krieg um die Herrschaft gewinnen kannst.
Es zeigt sich also, wie wichtig dieses Wissen ist – so wichtig, dass es dem Menschen schwerfällt, daran zu glauben, und er in Verzweiflung fällt. Glaubt der Mensch aber daran, dass gerade jetzt die Zeit ist, da der Schöpfer ihm hilft, so flieht er sicher nicht vom Schlachtfeld, sondern geht nun den Weg der Wahrheit und erlangt es, diese Herrschaft zu erobern, sie aus der Hand der Klipot (Schalen) zu reißen und in die Heiligkeit zu bringen.
Nach dem Gesagten lässt sich auslegen, was unsere Weisen sagten (Sanhedrin 97): „Drei Dinge kommen, wenn man nicht damit rechnet: der Mashiach, ein Fund und ein Skorpion.“ Dass man „nicht damit rechnet“, heißt: Nach seiner Einschätzung kommt er jedes Mal zur völligen Verzweiflung und hat den Gedanken schon aufgegeben. Er hat nämlich schon oft gedacht, dass diese Arbeit – die Herrschaft aus den Klipot zu reißen und der Heiligkeit zu übergeben, also der Krieg um die Herrschaft – nichts für ihn ist. Denn er sieht, dass er dafür nicht geeignet ist.
Der Grund ist ganz einfach: Er hat schon viel Kraft aufgewendet, und nach seiner Einschätzung ging er rückwärts und nicht vorwärts. Jedes Mal nimmt er sich über dem Verstand zusammen, und nichts hilft ihm. Deshalb sagen sie: Der Mensch muss wissen, dass er nicht auf das blicken soll, was er sieht. Vielmehr soll er sagen, dass „Mashiach“ der ist, der ihn aus dem Exil unter den Völkern erlöst. Das heißt: Diese Herrschaft, in der er den 70 Völkern unterworfen ist – der Mashiach wird alles erlösen und aus der Herrschaft der Klipot herausführen, die „70 Völker der Welt“ heißen und den „7 Eigenschaften der Heiligkeit“ gegenüberstehen, genannt Chagat Nehim. Da jede Sefira aus zehn besteht, sind es 70. Ihnen gegenüber stehen 7 Klipot, und da jede aus zehn besteht, sind es „70 Völker“. Und die Eigenschaft „Israel“ steht unter ihrer Herrschaft, und der Mashiach wird uns erlösen. Und alles, was im Allgemeinen gilt, lernt man auch im Einzelnen: Jeder Einzelne muss eine persönliche Erlösung erlangen.
Nach dem Gesagten lässt sich auslegen, was sie dort sagten: „Der Sohn Davids kommt nicht, bevor die letzte Pruta aus dem Beutel geschwunden ist.“ Man muss verstehen, was „bevor die letzte Pruta aus dem Beutel geschwunden ist“ in der Arbeit bedeutet. Geld ist bekanntlich das, womit man die guten Dinge kauft, die der Mensch braucht. „Geld“ heißt der Ersatz für Anstrengung: Der Mensch leistet Anstrengung und Arbeit und empfängt dafür Geld, und damit kauft er sich die Dinge, die er braucht.
Demnach lässt sich auslegen: Der Mensch hat schon alles getan, was in seiner Hand lag, und hat schon die ganze Anstrengung geleistet, die zu leisten er sich fähig glaubt; er hat der Anstrengung nichts mehr hinzuzufügen. Das heißt „der Sohn Davids kommt nicht“: Die Erlösung, die die Herrschaft aus den Klipot befreit und in die Herrschaft der Heiligkeit bringt, geschieht erst, wenn der Mensch schon alle Kräfte gegeben hat, die in seiner Hand waren, und keine Kräfte und Anstrengung mehr zu geben hat. Das heißt, dass er keine Pruta mehr hat – dass er nichts mehr hat, womit er Heiligkeit kaufen könnte.
Dann kommt die Zeit, da man sich vom Himmel her seiner erbarmt und ihn in die Heiligkeit bringt, die „Sohn Davids“ heißt, womit die Erlösung gemeint ist. Dann erfüllt sich der Vers „Und der Schöpfer, dein Gott, wird sie in deine Hand geben“ – dann kommt Hilfe von oben. Und es heißt: „und du wirst Gefangene von ihnen machen“ – der Mensch hat schon die Herrschaft des Körpers erobert, die unter der Herrschaft der Sitra Achra (der anderen Seite) stand, und der Mensch ist der Herrscher.
Nun klären wir die dritte Frage, die wir stellten: Was ist „schöne Frau“ in der Arbeit? Wie es heißt: „Und du wirst unter den Gefangenen eine schöne Frau sehen und sie begehren und sie dir zur Frau nehmen.“ Es heißt (Awot, Kapitel 6): „Rabbi Meir sagt: Jeder, der sich mit der Tora liShma beschäftigt, erlangt vieles, und man enthüllt ihm die Geheimnisse der Tora.“ Bekanntlich heißt die Tora „Frau“, wie es heißt (Kidushin 30b): „‚Ihn ein Handwerk zu lehren‘ – woher [wissen wir das]? Chiskija sagte, der Vers sage: ‚Sieh das Leben mit der Frau, die du liebst.‘ Ist es eine wirkliche Frau – so wie er verpflichtet ist, ihm eine Frau zu nehmen, so ist er verpflichtet, ihn ein Handwerk zu lehren. Ist es die Tora – so wie er verpflichtet ist, ihn Tora zu lehren, so ist er verpflichtet, ihn ein Handwerk zu lehren.“ Sie legen also aus, dass „Frau“ die Tora ist.
Die Seelen kommen aus der Eigenschaft Malchut, die die Eigenschaft „Rachel“ ist, also die Eigenschaft der offenbarten Welt (alma de-itgalja). Das bedeutet: Die Chochma ist in ihr offenbart, und sie heißt „schön“, wie es heißt (WaJeze): „Und Rachel war von schöner Gestalt und schönem Aussehen.“
Und mein Vater und Lehrer, sein Andenken sei zum Segen, sagte: Wo „schön“ steht, ist die Chochma gemeint, denn die Chochma heißt „Schönheit“, wie es heißt „von schönen Augen“ – „Augen“ heißt Chochma, wie es heißt „die Augen der Gemeinde“, das sind die Weisen der Gemeinde. Das heißt: Die Tora heißt „schöne Frau“, und auch die Seelen, die aus Malchut aus der Eigenschaft der offenbarten Welt fließen, heißen „schöne Frau“, wie gesagt.
Damit lässt sich „und du wirst unter den Gefangenen eine schöne Frau sehen“ auslegen: Nachdem „der Schöpfer, dein Gott, sie in deine Hand gegeben hat“ – diese Herrschaft, die in der Hand der Klipot war –, wird alles liShma sein, wenn du dich dann mit der Tora beschäftigst. Von selbst erlangst du die Geheimnisse der Tora. Denn die Tora ist die Eigenschaft der Seele Israels, wie es im heiligen Sohar heißt: „Die Tora, der Schöpfer und Israel sind eins.“ „Und du wirst unter den Gefangenen sehen“ – die Seele der Tora –, „und sie begehren“: Das heißt, dann beginnt die Arbeit an den Schirmen (Massachim).
Das heißt: Dann beginnt der Mensch, mit dem Verlangen zu empfangen am Spirituellen zu arbeiten. Bekanntlich muss man auf jeder Stufe, die höher ist als die vorige, die Arbeit von Neuem beginnen, um sie zu empfangen, um zu geben. Denn obwohl er schon erlangt hat, liShma zu lernen, braucht es, wenn er eine größere Stufe empfängt als die, die er hatte, neue Korrekturen, damit er sie nicht aus dem Begehren empfängt, das „Verlangen zu empfangen“ heißt. Vielmehr muss er Korrekturen vornehmen, die in der Sprache der Kabbala „Schirme“ (Massachim) heißen. Wie wir lernen, gibt es fünf Stufen des Schirms (Massach), wie es im Buch „Einführung in die Weisheit der Kabbala“ (Punkt 17) heißt; und von diesen Korrekturen sagte die Tora: „und sie soll ihren Kopf scheren und ihre Nägel wachsen lassen.“
Nun klären wir die vierte Frage, die wir stellten: Was ist „und sie soll ihren Kopf scheren und ihre Nägel wachsen lassen“ auf dem Weg der Arbeit? Bekanntlich heißen „Haare“ Urteile (Dinim), wie es im heiligen Sohar heißt (Nasso 23, im Sulam Punkt 78): „Rabbi Jehuda sagte: Die Haare auf dem Kopf der Frau, die enthüllt werden, bewirken, dass anderes Haar enthüllt wird – nämlich die Kräfte der Sitra Achra, die sich an die Haare klammern – und sie zu schädigen. Deshalb muss die Frau darauf achten, dass nicht einmal die Balken ihres Hauses ein einziges Haar von ihrem Kopf sehen, geschweige denn nach außen. Geh und sieh, wie viele Schäden die Haare der Frau verursachen – sie bewirken oben Schaden, sie bewirken unten Schaden.“
Und warum schaden die Haare oben und unten? Man muss verstehen, was Haare im Spirituellen sind. Wir lernten: „Zuerst erschuf Er die Welt mit der Eigenschaft des Urteils. Er sah, dass die Welt nicht bestehen kann, trat hin und gesellte ihr die Eigenschaft der Barmherzigkeit bei.“ Bekanntlich heißen die Gefäße des Empfangens „Urteil“, denn über sie war das Urteil ergangen, dass man sie nicht benutzen darf, wenn man ihnen nicht die Absicht, um zu geben, beilegen kann. Und das ist sehr schwer – von einem Ende zum anderen zu gehen, also vom Verlangen, für sich selbst zu empfangen, dazu, alles um des Gebens willen zu tun. Deshalb „gesellte Er ihr die Eigenschaft der Barmherzigkeit bei“, die die Eigenschaft Bina ist, die Eigenschaft des Gebens; dadurch wird es durch die Kraft von Tora und Mizwot möglich, sie ins „um zu geben“ zu verwandeln.
Wie es im Buch „Einführung in die Weisheit der Kabbala“ (Punkt 58) heißt: „‚Und Er sah, dass die Welt nicht besteht‘ – das heißt, wie gesagt, dass es auf diese Weise dem Menschen, der aus dieser vierten Phase erschaffen werden muss, unmöglich war, sich Taten des Gebens anzueignen, durch die die Welt im Maß der gewünschten Korrektur bestehen würde. Deshalb stellte Er die Eigenschaft der Barmherzigkeit voran und gesellte sie der Eigenschaft des Urteils bei. Durch diese Beigesellung wurde auch die vierte Phase, die die Eigenschaft des Urteils ist, mit Funken des Gebens durchsetzt. Dadurch wurde der Körper des Menschen, der aus der vierten Phase hervorgeht, dazu tauglich gemacht, gute Taten zu vollbringen, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten; dadurch besteht die Welt zu der von der Schöpfung an gewünschten Korrektur, wie gesagt.“
Nach dem Gesagten verstehen wir die Sache der Haare: Haare sind Gefäße des Empfangens, die aus der Eigenschaft des Urteils kommen und zu den Welten vor der Korrektur gehören, wo sie noch nicht „Haare“ hießen. Doch dort verursachten diese Gefäße, indem sie die Lichter empfingen, das Zerbrechen der Gefäße. Deshalb wurde eine Korrektur vorgenommen, dass man diese Gefäße nicht mehr benutzt. Als daher die Lichter mit diesen Gefäßen in die Welt der Korrektur kamen, entfernten sich die Lichter. Und diese Gefäße erhielten den Namen „Haare“ (se’arot), vom Wort „Sturm“ (se’ara), weil diesen Gefäßen die Lichter fehlen, die sie gehabt hatten.
Wie es in der „Lehre der zehn Sefirot“ (Teil 13, S. 476, Antwort 112) heißt: „Sie heißen ‚Haare‘, nach dem Schriftwort ‚der mich im Sturm (se’ara) zermalmt‘, was ‚Sturm‘ bedeutet. Sie heißen so wegen der Stärke der Urteile, die in ihnen sind, weil sie aus der Malchut der ersten Einschränkung (Zimzum Alef) kommen.“ Das heißt: Die Malchut der ersten Einschränkung heißt „Eigenschaft des Urteils“, die man in der Welt der Korrektur nicht benutzt.
Damit lässt sich auslegen, was über die Korrekturen der schönen Frau gesagt ist: „und sie soll ihren Kopf scheren.“ Das heißt: nicht die Gefäße des Empfangens benutzen, die „Eigenschaft des Urteils“ heißen – bei denen das Licht in der Größe (Gadlut) leuchtete; das heißt „und sie soll ihren Kopf scheren“, also die Haare, die die Gefäße sind, die aus der Eigenschaft des Urteils kommen. Vielmehr soll sie die Gefäße benutzen, die mit der Eigenschaft der Barmherzigkeit korrigiert sind, was eine kleinere Stufe ist. Deshalb fällt es ihm leichter, die Geheimnisse der Tora, die „Seele“ (Neshama) heißen, auf das „um zu geben“ auszurichten, wie gesagt. Würde er sie dagegen empfangen, wie sie ist, so würde er den Genuss des Lichts der Neshama aus „und sie begehren“ empfangen und nicht aus dem Verlangen zu geben. Denn er hätte nicht die Kraft, die Gefäße der Eigenschaft des Urteils auf die Absicht auszurichten und das Licht um zu geben zu empfangen. Das ist es, wie unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sah, dass die Welt nicht bestehen kann, trat hin und gesellte ihr die Eigenschaft der Barmherzigkeit bei.“
Auf dieselbe Weise lässt sich die zweite Korrektur auslegen, wie es heißt: „und sie soll ihre Nägel wachsen lassen.“ Die Übersetzung des Onkelos erklärt „und sie soll ihre Nägel machen“ mit „und sie soll ihre Nägel vergrößern“, das heißt, dass sie ihre Nägel wachsen lässt. Und Jonatan ben Usiel erklärt es ebenso als das Wachsenlassen der Nägel. Die Bedeutung für die Arbeit ist: Ihre Größe (Gadlut) nimmt sie aus den Nägeln und nicht aus dem Fleisch der Finger.
Um die Sache der Finger zu verstehen, muss man wissen, was im heiligen Sohar steht (Bereshit, Band 2, S. 120, im Sulam Punkt 129, Aufsatz „Leuchten des Lichts und Leuchten des Feuers“): „Die Finger des Menschen sind das Verborgene der Stufen und hohe Geheimnisse, und in ihnen gibt es Vorderseite (panim) und Rückseite (achoraim).“ Damit verstehst du die Worte unserer Weisen, die sagten (Taanit 31): „Künftig wird der Schöpfer den Gerechten einen Reigen bereiten, und Er sitzt unter ihnen im Garten Eden, und jeder Einzelne weist mit seinem Finger und spricht: ‚Siehe, das ist unser Gott.‘“ Denn die Finger sind das Geheimnis der Mochin de-Chochma, wie gesagt, und die Mochin de-Chochma sind das Geheimnis des Sehens und des Lichts der Augen, wie bekannt. Deshalb sagten sie „weist mit seinem Finger“. Die Rückseite der Finger ist ihre Äußerlichkeit, und sie deutet auf die Nägel der Finger. Deshalb hat der Mensch die Erlaubnis, am Ausgang des Shabbat auf die Nägel zu schauen, denn sie leuchten dann von jenem Licht und leuchten von jenem Feuer, um über die Wochentage zu herrschen. Das ist das Geheimnis des Verses: „und du wirst meine Rückseite sehen, aber mein Antlitz wird nicht gesehen“ – das heißt, der Mensch soll am Ausgang des Shabbat, wenn er „der die Leuchten des Feuers erschafft“ segnet, nicht auf die Innenseite der Finger schauen, weil sie als „inneres Antlitz“ gelten, von dem gesagt ist: „und mein Antlitz wird nicht gesehen.“
Daraus folgt: Die Sache der „Nägel“ in der Arbeit deutet darauf, dass man das Licht, das „Leuchten des Feuers“ heißt, im „Sehen“, das Chochma heißt, nur in der Eigenschaft der „Rückseite“ empfangen kann, die „Nägel“ heißt – das ist die Eigenschaft der „Kleinheit“ (Katnut) – und nicht in der Eigenschaft des „Antlitzes“, die „Größe“ (Gadlut) ist. Das Verbot lautet: Bei einer großen Stufe, in der ein größeres Licht ist, ist die Sehnsucht größer, weil der Genuss größer ist und man ihn schwer überwinden kann.
Darum heißt es: „und sie begehren.“ Die Eigenschaft der Seele (Neshama) also, die er nach der Eroberung der Herrschaft des Körpers erlangt – der Herrschaft, die „Selbstliebe“ heißt –, und sein ganzes Verlangen ist einzig, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten; dennoch gibt es beim Empfangen der Fülle eine Unterscheidung der Stufen, damit er die Fähigkeit hat, alles um zu geben zu tun. Bekanntlich gibt es im Allgemeinen vier Stufen:
a) Er empfängt, um zu empfangen. Das ist das, womit der Mensch von Natur aus geboren wird. Er kann nicht verstehen, wie man etwas ohne eigenen Nutzen tun kann.
b) Er gibt, aber unter der Bedingung, dass er eine Gegenleistung empfängt. Das heißt „lo liShma“.
c) Er gibt, um zu geben. Das heißt „liShma“.
d) Er kann schon Genuss empfangen, und seine Absicht ist, um zu geben.
Daraus folgt: Nach der Eroberung im Krieg um die Herrschaft – das ist die dritte Stufe, die Eigenschaft liShma. Das ist es, wie Rabbi Meir sagt: „Wer Tora liShma lernt, erlangt vieles, und man enthüllt ihm die Geheimnisse der Tora“, wie gesagt. Dann muss er zur vierten Stufe gelangen, auf der er den Genuss des Lichts der Seele empfängt, die „schöne Frau, und sie begehren“ heißt. Die Geheimnisse der Tora kleiden sich in Gefäße des Empfangens, das liShma aber ist in Gefäßen des Gebens; weil dieses Licht sich in Gefäße des Empfangens des Genusses kleidet und nicht in Gefäße des Gebens – das sind Gefäße, die geben und nicht empfangen –, beginnt dann die Ordnung der Korrekturen, durch die er die Fähigkeit hat, um zu geben zu empfangen.
Darum heißt es: „und du wirst unter den Gefangenen sehen“ – „Sehen“ meint die Offenbarung des Lichts der Seele, wie gesagt. Und darauf deutet „und sie soll ihre Nägel wachsen lassen“, wie die Übersetzung auslegt, dass „sie ihre Nägel vergrößert“; die Auslegung ist, wie gesagt, dass ihre Größe aus der Eigenschaft der Rückseite kommt, die „Kleinheit“ heißt – das ist die Eigenschaft der „Nägel“, wie oben in den Worten des heiligen Sohar.
Nach dem Gesagten verstehen wir, was unsere Weisen sagten (Berachot 63): „Worte der Tora bestehen nur bei dem, der sich für sie tötet.“ Die Frage ist: Wenn er sich für sie tötet, wer hält dann Tora und Mizwot? Es steht doch geschrieben: „Unter den Toten frei“, und unsere Lehrer sagten: „Sobald ein Mensch stirbt, wird er frei von den Geboten“ (Jeruschalmi, Kilajim 9,3). Man muss „der sich für sie tötet“ so auslegen: Er muss die Herrschaft annullieren. Was er „für sich selbst“ nennt – diese Herrschaft muss er annullieren und in die Herrschaft des Schöpfers überführen, also sagen, dass es keine Herrschaft auf der Welt gibt, sondern alles dem Schöpfer gehört. Das heißt „Annullierung der Herrschaft“.
Dann ist die Zeit, da die Tora in ihm besteht. Denn alles, was die Tora dem Menschen verheißen hat, wenn man die Tora hält, kann im Menschen erst bestehen, wenn er die Fähigkeit hat, um zu geben zu empfangen. Und das ist nur möglich, wenn der Mensch seine Herrschaft annulliert, die „Selbstliebe“ heißt. Dann wird er zum Diener des Schöpfers. Das heißt: „Was ein Knecht erwirbt, hat sein Herr erworben.“ Das bedeutet: Der Knecht hat keine eigene Herrschaft, in der er das Gute und den Genuss unterbringen könnte, das die Tora verheißen hat. Vielmehr bringt er alles – all das Gute und den Genuss, das er empfängt – in die Herrschaft des Schöpfers, und der Mensch hat keine andere Herrschaft auf der Welt. Das heißt: „Die Tora besteht nur bei dem, der sich für sie tötet.“
Anders die „Sicht der Hausherren, die der Sicht der Tora entgegengesetzt ist“. Alles, was er als empfangenswert ansieht, will er auf seinen Namen schreiben, also in seine Herrschaft, wo er der Hausherr über alle Dinge ist. Er will es also aus der Herrschaft des Schöpfers herausnehmen und in seine eigene Herrschaft bringen. Damit verstehen wir, was „Krieg um die Herrschaft“ ist.
korrOp, EY, 16.7.2026, Ver3