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1988/19 Was sind Silber, Gold, Israel und der Rest der Nationen in der Arbeit?

Im Sohar heißt es (Jitro, Blatt 11, und im Sulam, Punkt 40): „‚Und Jitro hörte.‘ Er begann und sprach: ‚Darum will ich Dich, Schöpfer, unter den Völkern preisen und Deinem Namen singen.‘ König David sagte dies, als er sah, dass die Herrlichkeit des Schöpfers sich nicht erhob und in der Welt nicht verherrlicht wurde, sondern allein von der Seite der übrigen Völker. Und wenn du sagst: Wird der Schöpfer in der Welt nicht allein um Israels willen verherrlicht? – so ist es gewiss, denn Israel ist das Fundament der Kerze, damit sie leuchtet. Doch wenn die übrigen Völker kommen und ihm danken, indem sie sich der Herrlichkeit des Schöpfers unterwerfen, dann wird das Fundament der Kerze größer, und es erstarkt über all seinen Werken in einer einzigen Verbindung, und der Schöpfer allein herrscht oben und unten.“ So weit seine Worte.

Zu verstehen ist, was er sagt: „So ist es gewiss, dass der Schöpfer in der Welt allein um Israels willen verherrlicht wird, weil Israel das Fundament der Kerze ist, damit sie leuchtet. Doch wenn die übrigen Völker kommen und ihm danken, dann wird das Fundament der Kerze größer.“ Auf den ersten Blick fragt man sich: Wodurch wird das Fundament der Kerze größer, wenn die Völker kommen und dem Schöpfer danken? Daraus könnte man schließen, das Volk Israel beziehe Stärkung und Beistand von den Völkern, daraus, dass diese danken. Das hieße, als wäre der Glaube, mit dem das Volk Israel an den Schöpfer glaubt, so mangelhaft, dass es auf den Beistand der Völker zur Größe des Schöpfers angewiesen wäre – wie es heißt: „dass die Völker das Fundament der Kerze größer machen.“

Das ist sehr schwer zu verstehen: Darf man denn im Glauben Beistand von den Völkern der Welt annehmen? Das Fundament des Glaubens muss doch über dem Verstand liegen – wie soll der Mensch da Kräfte empfangen, die ihm das Gehen über dem Verstand ermöglichen? Dazu lernen wir: durch die Tora, deren Licht ihn zum Guten zurückbringt.

Ebenso müssen wir zum Schöpfer beten, dass Er uns die Kraft des Glaubens an Ihn gebe. So heißt es im Gebet des Rabbi Elimelech („Gebet vor dem Gebet“, im Machsor abgedruckt): „Möge es Dein Wille sein, Deinen Glauben fest in unser Herz zu pflanzen wie einen Pflock, der nicht wankt.“ Demnach muss der Glaube aus dem Mund des Höchsten empfangen werden. Und hier deutet sich an: Wenn die Völker kommen und dem Schöpfer danken, dann wird das Fundament des Glaubens – das Fundament der Kerze genannt – größer.

Um das Gesagte zu erklären, müssen wir uns erinnern, was „Israel“ und „die übrigen Völker“ in der Arbeit bedeuten – nach der Regel, dass all dies in einem einzigen Menschen wirkt. Dann heißt der Aspekt Israel „Geben“: All sein Tun dient allein dem Geben, und er wird der gute Trieb im Menschen genannt. Die übrigen Völker dagegen heißen der Aspekt der Empfangsgefäße des Menschen, der böse Trieb (Jezer haRa) im Menschen.

Das ist so, wie wir es zu den Worten unserer Weisen erklärt haben: „Und du sollst den Schöpfer, deinen Gott, mit deinem ganzen Herzen lieben – mit deinen beiden Trieben, mit dem guten und mit dem bösen Trieb.“ Wir haben es so gedeutet, dass damit die Gefäße des Gebens gemeint sind, also der gute Trieb, und der böse Trieb, das sind die Gefäße des Empfangens. Dasselbe ist hier zu deuten, wo der heilige Sohar sagt: „So ist es gewiss, denn Israel ist das Fundament der Kerze, damit sie leuchtet.“ Gemeint ist: Das Fundament, auf dem die Arbeit des Menschen aufgebaut wird, liegt im guten Trieb, der „Gefäße des Gebens“ heißt und „Israel“ genannt wird.

Doch dies heißt nur eine halbe Stufe. Und diese Stufe gilt als die höhere an Bedeutung, weil es reine Gefäße sind. Es heißt aber nicht, dass der Schöpfer über alle Handlungen des Menschen herrscht, denn Israel meint den Aspekt der Handlungen des Gebens – das heißt, bei Handlungen des Gebens kann der Mensch die Absicht fassen, dem Schöpfer zu geben. Darum sagt man, der Schöpfer herrsche über ihn nur in den Gefäßen des Gebens.

Über die Gefäße des Empfangens dagegen herrschen die Sitra Achra und die Klipot (Schalen). Das heißt, der Mensch kann hier nicht die Absicht fassen, dass es um des Himmels willen geschehe. Und diese Gefäße heißen „die übrigen Völker“, der Aspekt des Unteren, da die Gefäße des Empfangens an Bedeutung niedriger stehen.

Nach dem Gesagten können wir auslegen, was geschrieben steht: „Doch wenn die übrigen Völker kommen und ihm danken, indem sie sich der Herrlichkeit des Schöpfers unterwerfen, dann wird das Fundament der Kerze größer.“ Wir hatten gefragt, wie man sagen kann, das Volk Israel beziehe Stärkung von den übrigen Völkern, wie es heißt: „das Fundament der Kerze größer machen“. Gemeint ist Folgendes: jene Zeit, in der die Empfangsgefäße des Menschen kommen und anerkennen, dass man alles tun muss, um zu geben.

Und so heißt es: „und danken ihm, indem sie sich der Herrlichkeit des Schöpfers unterwerfen“. Es zeigt sich also: Zuvor konnte allein der Aspekt Israel dem Schöpfer geben, denn Israel erkannte die Herrlichkeit des Schöpfers und dass es sich lohnt, sich dem Schöpfer unterzuordnen. Wenn aber die übrigen Völker kommen und ihm danken und sich der Herrlichkeit des Schöpfers unterwerfen – das heißt, dass es sich lohnt, sogar mit den Gefäßen des Empfangens um des Himmels willen zu arbeiten –, dann haben sie bereits die Kraft, sich zu überwinden und um des Gebens willen zu wirken. Dann wird das Fundament der Kerze größer, denn die Kerze meint den Aspekt des Königtums des Himmels.

Das heißt: Das eigentliche Fundament ist der Aspekt Israel, denn der Beginn der Arbeit liegt im Aspekt der Gefäße des Gebens, die „Israel“ genannt werden. Danach kommt etwas zum Fundament der Kerze hinzu: dass auch die Gefäße des Empfangens, „die übrigen Völker“ genannt, in den Bereich der Heiligkeit eintreten, der „Kerze“ und „Malchut“ heißt – sodass das Königtum des Himmels auch über die übrigen Völker herrscht.

Und so heißt es: „dann wird das Fundament der Kerze größer und erstarkt über all seinen Werken“ – das heißt, dass auch die Handlungen des Empfangens in die Heiligkeit eintreten. „In einer einzigen Verbindung“: Das ist so, wie wir es von den Gefäßen Galgalta we-Ejnaim lernen, den Gefäßen des Gebens, die sich mit den Gefäßen ACHaP verbinden, den Gefäßen des Empfangens, und zu einer einzigen Stufe werden – und das heißt der Aspekt Gadlut (Erwachsensein).

Und so heißt es: „und der Schöpfer allein herrscht“ – gemeint über alle Gefäße, und nicht wie zuvor, als er nur über den Aspekt Israel herrschte. Und so heißt es: „der Schöpfer herrscht oben und unten.“ Das heißt, er herrscht – ausgelegt: In seinen Bereich sind sowohl die Gefäße des Gebens eingetreten, die als das an Bedeutung Höhere gelten, als auch die Gefäße des Empfangens, die als das an Bedeutung Niedrigere gelten.

Über alles herrscht der Schöpfer. Das ist so zu deuten: Der Mensch empfängt dann wahre Vollkommenheit, denn er hat nun Gefäße zum Empfangen – sowohl für Chassadim, was Katnut (Kleinzustand) heißt, als auch für Chochma, was Gadlut (Erwachsensein) heißt –, weil er jetzt Gefäße besitzt, die zum Empfangen taugen.

Und so heißt es: „und der Schöpfer allein herrscht oben und unten.“ Darum sagte David dazu: „Ich will Dich preisen unter den Völkern, Schöpfer, und Deinem Namen singen.“ In der Zeit, in der sich die Herrschaft des Schöpfers auch über die Völker ausbreitet – die die Empfangsgefäße sind, die in seinen Bereich eingetreten sind –, dann wohnt Vollkommenheit in allem.

Um aber zur Vollkommenheit zu gelangen, dass auch der Aspekt der übrigen Völker im Menschen in die Heiligkeit eintritt, gibt es einen Vorgang, der „Korrektur der Linien im Katnut“, „Korrektur der Linien in der Gadlut“ und „Korrektur der Linien in WaK“ heißt. Das sind drei Weisen, die alle denselben Namen tragen, zwischen denen es aber einen Unterschied gibt.

Der heilige Sohar sagt (Jitro, Blatt 127, im Sulam Punkt 499): „‚Ihr sollt euch neben mir keine Götter aus Silber und keine Götter aus Gold machen.‘ Rabbi Jossi sagte: Was ist der Grund? Weil geschrieben steht: ‚Mein ist das Silber und mein ist das Gold.‘ Obwohl mein das Silber und mein das Gold ist, sollt ihr sie nicht neben mir machen – das heißt: mich.“

Auf dem Weg der Arbeit ist zu verstehen, was es bedeutet, dass der Schöpfer sagt: „Mein ist das Silber und mein ist das Gold, darum sollt ihr mich nicht machen.“ Ebenso ist zu verstehen, was er sagt: „Obwohl mein das Silber und mein das Gold ist, sollt ihr mich dennoch nicht machen.“ Was bedeutet dieses „obwohl“, das er sagt?

Die Arbeit verläuft auf zweierlei Weise:

Erstens: Der Mensch sehnt sich nach der Anhaftung an den Schöpfer; das heißt Kissufin (Sehnen), und es gilt als rechte Linie, wie geschrieben steht: „Meine Seele sehnt sich und verlangt nach den Höfen des Schöpfers, mein Herz und mein Leib jubeln dem lebendigen Gott zu“ (Psalm 84).

Das heißt: In der Zeit, in der der Mensch in der rechten Linie geht, „jubeln mein Herz und mein Leib“.

Das heißt: In dem Augenblick, in dem er sich an den Schöpfer erinnert – mochte er auch den ganzen Tag mit anderen Dingen beschäftigt gewesen sein, mit leiblichen wie mit spirituellen Bedürfnissen, ohne an die Liebe zum Schöpfer zu denken –, in eben dem Augenblick, in dem er sich der Liebe zum Schöpfer erinnert, sehnt er sich, obwohl der Körper den Schöpfer nicht lieben will, dennoch nach diesen Augenblicken, in denen ihm Gedanken der Liebe zum Schöpfer kommen; und er freut sich darüber, dass er sich erinnert hat, dass es einen Schöpfer der Welt gibt, der über jeden Einzelnen wacht.

Darum sieht er einerseits jetzt, wie der Körper sich diesem Sehnen widersetzt – das heißt, dass der Körper keine Freude daran hat, dass der Mensch sich an ihn anhaften will. Aber „mein Herz und mein Leib jubeln dem lebendigen Gott zu“: Das heißt, er dankt dem Schöpfer für dieses Sehnen, dafür, dass er einen Halt am Schöpfer hat. Er will sich also an den Schöpfer anhaften, und der Körper widersetzt sich ihm – auch das rechnet er sich als großen Gewinn an, denn er sieht jetzt, dass bei ihm der Zustand gilt: „dieser und jener richten ihn.“

Anders war es, bevor ihm der Gedanke an die Liebe zum Schöpfer kam: Da war er gänzlich fern von der Liebe zum Schöpfer, ja, er hatte überhaupt vergessen, dass es so etwas wie Liebe zum Schöpfer gibt, und sein Kopf war in andere Dinge versunken. Und vor allem, wenn er in der rechten Linie geht, muss er glauben: Dass er sich jetzt der Liebe zum Schöpfer erinnert, kam nicht zufällig, sondern der Schöpfer hat Sich ihm zugewandt und ihm jetzt in den Sinn gegeben, dass es einen Schöpfer gibt und dass es sich lohnt, sich mit ihm zu verbinden.

Das heißt: Dieser Gedanke kam ihm nicht aus eigener Kraft, sondern der Schöpfer hat Sich ihm zugewandt und ihn an die ganze Sache der Arbeit für den Schöpfer erinnert. Doch das gilt nur für kurze Zeit – das heißt, dieser Gedanke wohnt nicht lange in seinem Verstand und Herzen. Denn solange der Mensch dafür noch nicht bereit ist, hat dieser Gedanke keine lange Dauer.

Das ist wie geschrieben steht: „Siehe, diese Frevler sind kurz an Tagen und satt an Unruhe.“ Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam), sein Andenken sei zum Segen, deutete es so: Wenn die Frevler ein wenig „Tag“ erlangen – das heißt Licht von oben – und sie noch Frevler sind, also noch nicht aus dem Empfangen um ihrer selbst willen herausgetreten sind, dann weicht das Licht von ihnen. Das heißt „kurz an Tagen“. Darum sind sie „satt an Unruhe“: Ihre Unruhe besteht darin, warum das Licht von ihnen gewichen ist, nach dem sie sich doch sehnen.

Ist der Mensch aber ein Gerechter und rechtfertigt die Vorsehung, so sagt er: Dass der Schöpfer mir dieses Erwachen genommen hat, ist zu meinem Besten; und er gibt Lob und Dank dafür, dass ihm der Gewinn auch nur eines kleinen Erwachens zuteilwurde, das ihm der Schöpfer gesandt hat. Und darüber freut er sich. Der Zustand des Dankens gegenüber dem Schöpfer heißt „rechts“, weil er sich nach dem Schöpfer sehnt; und es ist ihm nicht wichtig, wie lange er vom Aspekt „Tag“ kostet, sondern er dankt und lobt den ganzen Tag dafür, dass er ihm auch nur einen Augenblick gewährt, sich an ihn anzuhaften. Das heißt „Gott aus Silber“ – seine Arbeit ist im Aspekt der rechten Linie, die „Silber“ (Kessef) heißt oder die Eigenschaft des Chessed (Gnade), denn er begehrt allein Chessed.

Zweitens: Die linke Linie heißt „Gott aus Gold“. Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam), sein Andenken sei zum Segen, deutete: Die Bedeutung von „Gold“ (sahaw) ist „se-haw“ (gib her). Das ist das Gegenteil der rechten Linie, in der der Mensch nichts will, sondern sich nach dem Schöpfer sehnt und sich vor Ihm annullieren will; er selbst begehrt nichts, und mit dem, was er hat, ist er froh, als hätte man ihm einen großen Besitz gegeben.

In der linken Linie dagegen sagt er: „Dies will ich, und das will ich nicht“ – er stellt schon die Rechnung des Lohnens an. Das heißt: Es ist, als zeigte er mit dem Finger und sagte, was er wolle. Und zwar geschieht das gerade durch die Prüfung, die er anstellt, wie geschrieben steht (Hiob 37,22): „Aus dem Norden kommt Gold.“ „Norden“ (zafon) meint das Verborgene des Herzens (mizpunej ha-lew) – das sind Ansichten und Nachforschungen über sein Tun. Das heißt: Was will er dafür, dass er sich in dieser Welt abmüht, welchen Lohn erhofft er? Denn die Sache der Korrekturen gehört gerade zur linken Linie.

Das heißt: Wenn der Mensch beginnt, die Einzelheiten zu klären, die es in der Arbeit gibt – also die Prüfung, für wen er arbeitet und wozu er arbeitet –, dann beginnt er, die wahre Mühe zu spüren, die in der Arbeit für den Schöpfer liegt. Und der Mensch glaubt schon zu wissen, was gut für ihn ist und was schlecht, und er meint, das sei ihm auferlegt: dass seine Arbeit den Weg der linken Linie gehe. Das heißt „Gott aus Gold“. Und obwohl der Schöpfer ihm diese Gedanken gegeben hat, die „linke Linie“ genannt werden, sagte der Schöpfer dennoch: „Ihr sollt euch neben mir keine Götter aus Silber und keine Götter aus Gold machen.“

Damit lassen sich die Worte des Rabbi Jossi auslegen, der fragte: Was ist der Grund? Weil geschrieben steht: „Mein ist das Silber und mein ist das Gold; obwohl mein das Silber und mein das Gold ist, sollt ihr sie nicht neben mir machen – das heißt: mich.“ Auszulegen ist: Obwohl ich euch die rechte Linie gegeben habe, „Gott aus Silber“ genannt, und auch die linke Linie euch gegeben habe – denn all die Gedanken, die ihr empfindet, habe ich euch gesandt –, sollt ihr mich dennoch nicht machen; das heißt, die wahre Arbeit liegt gerade in der mittleren Linie. Die Auslegung ist also: Was der Schöpfer sagte, „mein ist das Silber und mein ist das Gold“, bedeutet „mein“ – das heißt: Obwohl ich es euch gegeben habe, ist damit nicht das letzte Wort gesprochen, sondern man muss in der mittleren Linie gehen, einer Linie, die beide in sich einschließt.

Doch woher nehmen wir die Kräfte, um all diese Wege gehen zu können? Dazu sagten sie: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“ – wie wir gedeutet haben, dass alles in der Tora zu finden ist. Das heißt: Wenn man Tora lernt, muss man Lohn aus dem Tora-Lernen verlangen, und zwar in zwei umfassenden Weisen:

Erstens: Unser Lohn liege im Aspekt „das Licht darin bringt ihn zum Guten zurück“. Das heißt, dass er die Gefäße des Gebens erlange, denn ohne Hilfe von oben ist es unmöglich, aus der Eigenliebe herauszutreten.

Zweitens: den Aspekt der Tora zu erlangen, wie es im heiligen Sohar heißt: „Wer das Gebot seines Herrn nicht kennt – wie soll er es ausführen?“

Das ist der Lohn, den der Mensch durch seine Mühe in der Tora erbitten muss. Und gewiss ist das Studium der Kabbala besser geeignet, das Licht der Tora hervorzubringen. So heißt es im Buch Pri Chacham (Teil 1, Blatt 153): „Da die ganze Weisheit der Kabbala vom Geheimnis der Offenbarung des Schöpfers spricht, versteht sich von selbst, dass es keine Weisheit gibt, die an Bedeutung und an Wirksamkeit für ihren Zweck dieser gleichkäme.“

Das heißt: Wenn der Mensch Tora lernt mit der Absicht, das Licht der Tora zu empfangen, ist Folgendes zu verstehen. Da die Weisheit der Kabbala unmittelbar vom Thema des Göttlichen spricht – während die übrigen Teile der Tora in leibliche Themen gekleidet sind –, ist es dort schwerer, das Licht der Tora hervorzubringen, weil es dem Menschen schwerfällt, sich auf das zu richten, was in der Tora verkleidet ist, nämlich den Schöpfer, obwohl die ganze Tora die Namen des Schöpfers sind.

In der Einleitung zum Buch Imrej Josef des Admor von Spinka, sein Andenken sei zum Segen, bringt er im Namen des heiligen Rabbi Chaim von Zanz, sein Andenken sei zum Segen, eine Deutung des Verses (Sprüche 25): „Ehre Gottes ist es, eine Sache zu verbergen, und Ehre der Könige ist es, eine Sache zu erforschen.“

Die Frage ist: Worin besteht der Unterschied zwischen „Ehre Gottes“ und „Ehre der Könige“? Gewiss beziehen sich beide auf das Spirituelle – worin also besteht der Unterschied zwischen diesen beiden Stufen?

Er deutete: Will der Mensch die Weisheit der Kabbala lernen, um zu wissen, wie viele Welten und wie viele Sefirot es gibt – also „Ehre Gottes“, um die Größe Seiner Ehre zu kennen –, so heißt das „eine Sache verbergen“. Will er aber die Weisheit lernen, um zu wissen, wie er den Schöpfer zum König krönt und wie er Ihm mit Absicht dient, und um seine 248 Glieder zu heiligen und sie zu einem Wagen für die Heiligkeit zu machen – das ist „Ehre der Könige“, nämlich wie man ihn krönt und ihm dient –, so heißt das „eine Sache erforschen“. Wir sehen: Das Lernen der Weisheit der Kabbala ist ein besonderes Mittel, dass der Mensch die Kraft erhalte, sich zu heiligen und ein Wagen für den Schöpfer zu werden.

Unsere Weisen sagen (Awot de-Rabbi Natan, Kapitel 29,7): „Rabbi Jizchak ben Pinchas sagt: Jeder, der den Midrasch beherrscht, aber nicht die Halacha, kostet nicht den Geschmack der Weisheit. Jeder, der die Halacha beherrscht, aber nicht den Midrasch, kostet nicht den Geschmack der Ehrfurcht vor der Sünde.“

Dort wird gedeutet: „kostet nicht den Geschmack der Ehrfurcht vor der Sünde“ – die Aggadot und Midraschim sind voll von Ermahnungen zur Sittlichkeit und von Gleichnissen, die den Menschen zur Ehrfurcht vor der Sünde führen. Im Gegenteil: Die Talmidei Chachamim (Tora-Gelehrten), die sich mit der Halacha befassen, sind bisweilen hochmütigen Herzens, weil sie sich für weise halten, und – Gott behüte – sie könnten in Stolz verfallen; und der böse Trieb verfolgt sie, denn er hat mit den Tora-Gelehrten umso mehr zu schaffen, wie geschrieben steht (Sukka 52): „Wer größer ist als sein Nächster, dessen Trieb ist auch größer als er.“

Zu verstehen ist: Warum können die Halachot nicht zur Ehrfurcht vor der Sünde führen, und worin liegt der Vorzug des Midrasch gegenüber den Halachot? Es ist doch bekannt, dass die ganze Tora die Namen des Schöpfers sind. Und ferner ist zu verstehen: Warum werden die Halachot „Weisheit“ genannt – das heißt, worauf weist es uns hin, dass die Halachot „Weisheit“ heißen?

Nun, Midrasch heißt „Forschen“ (Drusch). Und die Schrift sagt (Jeremia 30,17): „Zion nennen sie dich – niemand fragt nach ihr.“

Und der RADAK deutet: Die Völker der Welt nennen dich so und sagen, Zion sei eine Stadt, die niemanden hat, der sie nach Israel zurückführt. Unsere Weisen aber deuteten: „Zion – niemand fragt nach ihr; daraus folgt, dass sie des Fragens bedarf.“

Es ist bekannt, dass Malchut „Zion“ genannt wird. Und „fragen“ deuteten sie als „fordern und bitten“. Das heißt: Der Mensch fordert nur, was ihm fehlt, und dann bittet er, seinen Mangel zu füllen. Da man nun beginnt, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, beginnt man im lo liShma (nicht um ihretwillen), wie unsere Weisen sagten: „Stets befasse sich der Mensch mit Tora und Mizwot im lo liShma, denn aus dem lo liShma gelangt man zum liShma (um ihretwillen).“ Wenn der Mensch sich also daran gewöhnt, im lo liShma zu arbeiten, empfindet er keinen Mangel darin, dass er nicht im liShma wirken kann; und da er in seinem Zustand keinen Mangel empfindet, hat er auch kein Bedürfnis, ihn zu korrigieren. Das bewirkt: In der Zeit, in der das Verlangen zu geben in ihm erwacht – dass man zum Nutzen des Schöpfers wirken muss und nicht zum eigenen Nutzen –, empfindet er in dieser Arbeit den Geschmack von Staub. Das nennt der heilige Sohar so: dass der Mensch sich in Tora und Mizwot mühen muss, um „die Shechina aus dem Staub zu erheben“. Das heißt: In der Arbeit, in der der Mensch zum Wohl der Shechina wirken muss, kostet er den Geschmack von Staub, weil er gewohnt ist, einzig und allein zum eigenen Nutzen zu arbeiten.

Und dadurch, dass der Mensch sich mit der Tora befasst, bringt ihn die Tora zum Guten zurück, und dann spürt er den Geschmack des Lebens in seiner Arbeit, denn durch die Absicht zu geben empfängt er Anhaftung an das Leben der Lebendigen. Doch gewiss muss der Mensch den Schöpfer bitten, das Königtum des Himmels aufzurichten – das heißt, dass es an Bedeutung gewinne. Denn da die Unteren nicht würdig sind, die Fülle von ihm zu empfangen – die Malchut soll ja den Unteren geben –, und weil Malchut „Versammlung Israels“ (Knesset Israel) heißt, die Gesamtheit aller Seelen, muss sie sich verbergen, damit man nicht sieht, was sie den Unteren zu geben hat.

Und das ist zum Wohl Israels. Andernfalls, das heißt, wäre ihre Größe enthüllt, würden alle von ihr empfangen, um zu empfangen. Darum muss sie sich verbergen, und nur der Aspekt des Staubgeschmacks wird von ihr enthüllt. Und auch dieser Staubgeschmack, den man von ihr empfängt, ist zum Wohl des Menschen: Das heißt, der Mensch soll wissen, dass dies ihn dazu bringt, die Ursache des Staubgeschmacks zu erforschen, den er bei ihr findet, wenn er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nimmt, um zu geben.

Denn was die Tora uns versprochen hat – dass wir, wenn wir auf dem Weg des Schöpfers gehen, also wenn all unser Tun in der Absicht zu geben geschieht, den Geschmack des Lebens spüren werden, wie geschrieben steht: „Schmecket und sehet, dass der Schöpfer gut ist“ –: Warum spüren wir dann den Geschmack von Staub? Daran also sehen wir, ob wir wirklich auf dem Weg der Wahrheit gehen oder nicht. Denn dass wir den Geschmack von Staub kosten, zeugt von unserer Arbeit: Wir sollen wissen, dass dies daher kommt, dass wir noch keine Gefäße des Gebens haben; darum muss die Shechina im Staub sein, und wir müssen den Schöpfer bitten, sie aus dem Staub zu erheben. Und das geschieht dadurch, dass er uns einen Geist der Reinheit gibt und die Eigenliebe aus unserem Herzen entfernt – und dadurch werden wir die Schönheit der Heiligkeit schauen dürfen.

Und damit können wir verstehen, was geschrieben steht: dass der Mensch zum Schöpfer beten soll über das Exil der Shechina und über das Leid der Shechina.

Zu verstehen ist: Warum ist die Shechina im Leid, ohne dass der Schöpfer sie aus dem Staub erhebt? Vielmehr müssen wir den Schöpfer bitten, dass Er sie erhebe, und ohne unser Gebet erhebt er sie nicht, wie es heißt (im Tischsegen): „Der Barmherzige, er richte uns die fallende Hütte Davids auf.“ Das deutet darauf, dass er es braucht, dass wir bitten. Und was ist der Grund?

Nach dem Gesagten verstehen wir: Da die Sache der Verbergung – dass Malchut im Staub und im Dunkel ist – um der Unteren willen geschieht, damit sie die Möglichkeit haben, um des Gebens willen zu wirken, zeigt sich: Das Leid der Shechina besteht darin, dass sie das Gute und den Genuss verbergen muss, den sie den Seelen geben möchte, und es nicht kann, weil es ihnen zum Schaden gereichte. Denn durch die Fülle, die sie ihnen gäbe, solange sie sich in den Gefäßen des Empfangens um ihrer selbst willen befinden, würden sie sich noch mehr von der Heiligkeit entfernen, da die Fülle zu den Klipot ginge. Es zeigt sich also: Was beim Höheren „Leid“ heißt, ist dies, dass er den Unteren nicht geben kann; und das heißt „das Leid der Shechina“.

Darum beten wir zum Schöpfer, dass Er uns die Kraft gebe, die Gefäße des Empfangens um ihrer selbst willen zu überwinden, sodass wir allein um des Gebens willen wirken können. Dann wird die Shechina ihre Würde und ihren Glanz zeigen können, indem es eine Fähigkeit gibt, das zu empfangen, was sie geben möchte. Und es gibt eine Regel: „Mehr, als das Kalb saugen will, will die Kuh säugen.“ Alles hängt also von den Empfangenden ab.

Es zeigt sich also: Wenn der Mensch sich mit Tora und Mizwot befasst und nicht darauf zielt, als Gegenwert seiner Arbeit den Aspekt des Lichts zu empfangen, das ihn zum Guten zurückbringt, sondern Halachot lernt und auf den Midrasch nicht achtet – das heißt auf den Aspekt „Zion – niemand fragt nach ihr“, dass er kein Fordern und Bitten um die Erhebung der Shechina aus dem Staub hat –, dann ist es so, wie der RADAK sagt: „dass Zion eine Stadt ist, die niemanden hat, der sie nach Israel zurückführt“. Und die Worte des RADAK lassen sich so deuten, wie es heißt (in den Selichot, den Vergebungsgebeten): „Ich gedenke Gottes und stöhne, wenn ich jede Stadt auf ihrem Hügel erbaut sehe, die Stadt Gottes aber bis in die tiefste Unterwelt erniedrigt.“

Die Deutung ist: Die Stadt Gottes heißt Zion; und unter denen, die sich mit Tora und Mizwot befassen, gibt es niemanden, der sich sorgt und fordert, die Stadt Zion nach Israel zurückzubringen – das heißt, dass das Königtum des Himmels, „Shechina“ genannt, zur Gesamtheit Israels zurückkehre, und im Einzelnen zu jedem Aspekt Israel, der in jedem Einzelnen ist. Und damit lässt sich deuten, was unsere Weisen sagten: „Jeder, der die Halacha beherrscht, aber nicht den Midrasch, kostet nicht den Geschmack der Ehrfurcht vor der Sünde.“ Denn Ehrfurcht vor der Sünde bedeutet, dass er die Furcht hat, vielleicht nicht in der Absicht zu geben wirken zu können, sondern nur in der Absicht, für sich selbst zu empfangen, wie es im Sulam steht (Einleitung zum Buch Sohar, Blatt 191, Spalte 2).

Und man muss wissen: Es ist dem Menschen unmöglich, Furcht darüber zu haben, dass er nicht in der Absicht zu geben wirken kann. Vielmehr gilt es für den Menschen, der ein Fordern nach Zion hat, wie oben gesagt – der sich darum müht, „die Shechina aus dem Staub zu erheben“, und will, dass die Stadt Gottes nicht bis in die tiefste Unterwelt erniedrigt sei. Und das kann gerade dadurch geschehen, dass er um des Gebens willen wirken will; andernfalls muss Malchut ihre Bedeutung selbst verbergen, damit die Fülle nicht zu den Klipot gehe.

Es zeigt sich also: Gerade er fürchtet die Sünde. Bei ihm heißt „Sünde“ derjenige, der nicht in der Absicht zu geben wirkt. Und Empfangen heißt bei ihm „Sünde“, weil allein dies das Hindernis ist, dass die Shechina nicht im enthüllten Angesicht sein kann, sondern nur im verborgenen Angesicht – das heißt „das Leid der Shechina“, wie oben gesagt –, dadurch, dass sie den Geschöpfen das Gute und den Genuss nicht geben kann, den sie für sie hat.

Es zeigt sich also: Wenn der Mensch am Leid der Shechina teilhat, so heißt das, dass der Mensch sich Rechenschaft über seine Seele gibt, was er damit verursacht, dass er in der Eigenliebe versunken ist. Das heißt: In dem Maß, in dem der Mensch die Genüsse genießen will, die zu den Gefäßen des Empfangens gehören und in ihnen empfangen werden können, heißt diese Lebenskraft „Lebenskraft der Klipot“ – das heißt die Lebenskraft, die der heilige Sohar „dünnes Licht“ (nehiru dekik) nennt, das den Klipot übergeben wurde, damit sie bestehen.

Und diese Lebenskraft geben sie all jenen, die noch nicht fähig sind, das Licht der Heiligkeit zu empfangen, das gerade in die Gefäße des Gebens fließt. Das heißt: Wir müssen glauben, dass es keine Lebenskraft in der Welt gibt außer vom Schöpfer. Auch die Lebenskraft also, die man in den Gefäßen des Empfangens empfängt, heißt: dass man sie durch die Klipot empfängt. Das bedeutet: Die Klipot sind die Gebenden, nicht der Schöpfer selbst – denn ein beständiger Glaube ist unmöglich, bevor man die Gefäße des Gebens erlangt, wie erläutert (Einleitung zum Buch Sohar, Blatt 138).

Es zeigt sich also: Dass man die Lebenskraft durch die Klipot empfängt – das heißt, dass er die Herrschaft über die Völker der Welt in die Hände von Fürsten gab und nicht selbst über sie herrscht –, das deuteten wir auf dem Weg der Arbeit so: Jene Menschen, die keinen Glauben haben, sondern nur einen teilweisen Glauben, gelten als Aspekt der Völker der Welt; und sie sagen, die Fürsten der oberen Welt – ob man sie für Fürsten der Natur oder für andere Geister hält – seien es, die das Leben in der Welt geben, und sie können nicht sagen, dass allein der Schöpfer der Herrscher ist.

Es zeigt sich also: Dass sie den Klipot übergeben sind, bedeutet, dass sie so reden; doch dies gilt als „Leid der Shechina“, dadurch, dass sie sich vor den Geschöpfen verbergen muss. Das gleicht einem Gleichnis: Die Mutter muss sich vor dem Kind verbergen und gibt das Kind in irgendeine Anstalt für zurückgebliebene Kinder, wo die Pflege nicht wie die Pflege der Mutter für ihr Kind ist; und das Kind weiß überhaupt nicht, dass es eine Mutter hat. Es zeigt sich: Das Kind leidet, und die Mutter leidet, weil sie ihr Kind nicht aufziehen und ihm nicht alles geben kann, was ihm fehlt, wie es einer Mutter für ihr Kind eigen ist. Und das heißt „das Leid der Shechina“, das sie erleidet.

Darum hat er uns die Arbeit in Tora und Mizwot gegeben, dass wir uns mit ihnen befassen mit der Absicht, „die Shechina aus dem Staub zu erheben“, damit sie nicht das Leid erleide, ihrem Kind nicht beistehen zu können – denn es ist zum Wohl des Kindes, dass es nicht weiß, dass es eine Mutter hat, die sich nach ihm sehnt.

Das heißt: Sich mit Tora und Mizwot zu befassen mit der Absicht um des Leids der Shechina willen bedeutet Folgendes. Da der Grund, warum die Shechina sich ihnen nicht offenbaren kann, in der veränderten Form des Verlangens zu empfangen liegt, und da das Licht der Tora den Menschen zum Guten zurückbringt, darum wollen wir zum Guten zurückkehren – das heißt, durch Tora und Mizwot die Gefäße des Gebens zu erlangen, die uns dabei den Aspekt der Ehrfurcht verleihen.

Und durch die Ehrfurcht erlangt man den Glauben. Dann erlangt man die Erkenntnis dessen, wer über Israel herrscht: dass allein er der Herrscher ist. Das heißt: Der Schöpfer weiß, dass Er der Herrscher ist, doch den Unteren ist es nicht spürbar, bevor sie den Aspekt des Glaubens erlangen, wie oben gesagt und wie es in der Einleitung zum Buch Sohar (Blatt 138) heißt: „Es zeigt sich, dass er, obwohl er allein alle Werke gewirkt hat und wirken wird, dennoch denen verborgen bleibt, die Gut und Böse empfinden.“

Demnach zeigt sich: Der Mensch muss den Schöpfer bitten, ihm Gefäße des Gebens zu geben, damit es kein Leid der Shechina gebe, dadurch, dass sie sich vor dem Menschen verbergen muss. Und das ist zum Wohl des Menschen, wie oben gesagt. Doch zum Wohl des Menschen ist es nur insofern, als der Mensch nicht noch tiefer in den Bereich der Sitra Achra gerät; den Endzweck aber erreicht der Mensch dadurch nicht, denn der Zweck der Schöpfung ist, dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen. Solange also die Geschöpfe nicht fähig sind, das Gute und den Genuss zu empfangen, gilt dies als „Leid der Shechina“, weil sie ihnen nicht geben kann, was die Geschöpfe von ihr empfangen sollen.

Nach dem Gesagten verstehen wir, warum unsere Weisen sagten: „Jeder, der die Halacha beherrscht, aber nicht den Midrasch, kostet nicht den Geschmack der Ehrfurcht vor der Sünde.“ Die Bedeutung von Midrasch ist, wie oben gesagt, wie es heißt: „Zion – niemand fragt nach ihr“, dass es niemanden gibt, der fordert und den Schöpfer bittet, die Stadt Zion zum Volk Israel zurückzubringen. Dann beginnt er, die Ursache ihres Falls zu verstehen, wie geschrieben steht: „Gefallen ist sie, sie steht nicht wieder auf, die Jungfrau Israel“ – was uns daher kommt, dass wir in der Eigenliebe sind.

Durch dieses Wissen um die Ursache beginnt man zu verstehen, was die Sünde ist, damit wir wissen, was zu korrigieren ist. Dann kommt man zu der Empfindung, dass die ganze Sünde darin besteht, dass wir in der Eigenliebe versunken sind. Nur daraus also kann man zur Ehrfurcht vor der Sünde gelangen – das heißt zu wissen, was die Sünde ist, um derentwillen wir leiden, sodass wir das Gute und den Genuss nicht empfangen können.

Nach dem Gesagten lässt sich deuten, was geschrieben steht: „Jeder, der den Midrasch beherrscht, aber nicht die Halacha, kostet nicht den Geschmack der Weisheit.“ Es ist bekannt, dass es kein Licht ohne Gefäß gibt. Und im Allgemeinen heißt „Licht“ das, was der Schöpfer den Geschöpfen geben will, Sein „Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt; unter diesem Namen ist das Licht eingeschlossen, das „Chochma“ heißt. Und es gibt ein zweites Licht, das „Licht der Korrektur der Schöpfung“ heißt und „Licht der Chassadim“ genannt wird. Das heißt: Der Schöpfer muss den Geschöpfen zwei Lichter geben.

Und nach der bekannten Regel sprechen wir nicht von der Welt Ejn Sof, sondern beginnen erst nach dem Zimzum Alef zu sprechen – das heißt, nachdem ein Urteil ergangen ist, dass es verboten ist, die Gefäße des Empfangens zu benutzen, und man neue Gefäße bauen muss, die fähig sind, die Fülle zu empfangen, ohne dass ein Aspekt der Trennung entsteht. Wie bekannt, heißen diese „Gefäße des Gebens“, und es sind Gefäße, die aus dem Aspekt der Korrektur der Schöpfung kommen.

Das heißt: Nachdem wir bereits die Schöpfung haben – das sind die Gefäße des Empfangens, der Stoff aller Geschöpfe, nämlich das Verlangen, für sich selbst zu empfangen –, ist es uns gegeben, auf dieses Gefäß zwei Lichter herabzuziehen:

Erstens: das Licht der Korrektur der Schöpfung, das man durch das Licht in der Tora herabziehen kann, wie unsere Weisen sagten: „Das Licht darin bringt ihn zum Guten zurück.“ Und dadurch erlangt man das Gefäß, das „Verlangen zu geben“ heißt. Und wie oben gesagt, heißt das, dass er bereits den Aspekt der Ehrfurcht hat – das heißt, dass er bei allem schon überlegt, ob er es tun soll oder nicht. Und wenn er sieht, dass er nicht die Absicht zu geben fassen kann, hütet er sich, es anzurühren.

Und dieses Gefäß zu schaffen, steht nicht in der Macht des Menschen, denn es ist gegen die Natur der Schöpfung, die darin bestand, dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen. Dass die Geschöpfe nicht für sich selbst empfangen können, kam erst danach, vom Zimzum Alef. Vielmehr betrifft dies die Geschöpfe, nachdem Malchut des Ejn Sof sich nach der Angleichung der Form gesehnt hatte. Da, so lernten wir, entstand ein Massach (Schirm). Und durch diesen Massach wurde kraft der Abstoßung – dass er nicht für sich empfangen will – ein neues Gefäß geboren, das „Or Choser (zurückkehrendes Licht)“ heißt.

Und dieses Or Choser wird aus zwei Kräften geboren:

Erstens: aus dem Massach, der „Kraft des Zurückhaltens“ genannt wird, der nicht für sich selbst empfangen will.

Zweitens: aus dem Licht, das geben will, damit der Untere die Fülle doch empfange.

Aus diesen beiden wird dieses Or Choser geboren. Und das ist so zu verstehen: Der Untere empfängt einen großen Genuss daraus, dass er dem Höheren geben will. Und dann kommt der Untere zu der Empfindung: Was steht dem Unteren denn zur Verfügung, das er dem Höheren geben könnte, woran der Höhere Freude hätte? Denn was fehlt dem Höheren, das der Untere ihm geben sollte? Da kommt er zu der Erkenntnis, dass die ganze Freude des Höheren darin besteht, dass der Untere ihm hilft, sein Ziel zu vollenden – das heißt, dass der Untere dem Höheren die Gelegenheit gibt, dass der Höhere sein Verlangen erfüllen kann. Und da das Verlangen des Höheren ist, seinen Geschöpfen Gutes zu tun, dass die Unteren Gutes und Genuss empfangen, geht der Untere nun daran, vom Höheren Gutes und Genuss zu empfangen – denn das ist sein Wille, wie es ausführlich im Talmud Eser Sefirot steht (Teil 4, Innere Betrachtung, Blatt 258).

Nach dem Gesagten ergibt sich: Nachdem er bereits neue Gefäße empfangen hat – die Gefäße des Gebens – vom Höheren, was ihm durch den Midrasch zuteilwurde, ist nun die Zeit gekommen, das Licht in die neuen Gefäße zu empfangen, die er erlangt hat.

Zweitens, das ist der zweite Aspekt: die Fülle vom Höheren herabzuziehen, was „Aspekt Chochma“ heißt, das Ziel der Schöpfung, dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen; dieses Licht wird „Licht der Chochma“ genannt. Und das heißt, dass er Halacha lernt, wie oben gesagt: „Jeder, der den Midrasch beherrscht, aber nicht die Halacha, kostet nicht den Geschmack der Weisheit.“

Zu verstehen ist: Welche Beziehung hat die Halacha zur Weisheit? Nun, es ist bekannt, dass Malchut „Halacha“ heißt – von „Kala“ (Braut) –, und das Empfangsgefäß für das Licht der Chochma ist Malchut. Die Gefäße des Gebens dagegen heißen „Bina“, denn bekanntlich heißt das Licht der Bina „Licht der Korrektur der Schöpfung“, das das Licht der Chassadim ist. Demnach ist die Deutung: „Wer den Midrasch beherrscht“ – das heißt, wer die Gefäße des Gebens erlangt hat –, der hat die Ehrfurcht vor der Sünde, wie oben gesagt, dass seine Furcht darin besteht, vielleicht keine Kräfte zum Geben in der Hand zu haben; das heißt, dass er bereits die Gefäße des Gebens erlangt hat, die „Bina“ heißen.

Und dann muss er sich mühen, die Halacha in der Hand zu haben – das heißt, sich mühen, den Aspekt der Braut zu erlangen, der der Aspekt Malchut ist, die als das Empfangsgefäß für das Licht der Chochma gilt. Und das ist, wie oben gesagt im Sulam steht (Einleitung zum Buch Sohar, Blatt 191): „Denn die Ehrfurcht ist das Gebot, das alle Gebote der Tora in sich einschließt, da sie das Tor zum Glauben an ihn ist; denn je nach dem Erwachen seiner Ehrfurcht wohnt der Glaube in ihm. Doch weder die erste noch die zweite Ehrfurcht sind, Gott behüte, zum eigenen Nutzen, sondern aus Furcht, er könnte zu wenig daran tun, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.“

Wir sehen also: Zuerst muss man den Aspekt der Ehrfurcht erlangen, und danach erlangt man das Licht des Glaubens, denn „vollkommener Glaube“ heißt es, wenn das Licht der Chassadim im Leuchten der Chochma leuchtet. Und das heißt „Halacha“ – das heißt, wie geschrieben steht, dass jeder, der die Halacha beherrscht, den Geschmack der Weisheit kostet, und der Midrasch den Geschmack der Ehrfurcht vor der Sünde.

Doch was kann der Mensch tun? Selbst zu der Zeit, in der er spürt, dass er schon Ehrfurcht hat – das heißt, dass er dem Schöpfer geben will – und er dann meint, er werde Stufe um Stufe zu den Höhen aufsteigen, kommen ihm sofort Gedanken, die ihn auf die Vergangenheit blicken lassen: dass es schon solche Zeiten gab, in denen er meinte, schon etwas erlangt zu haben, und sicher war, von heute an werde er keine Abstiege mehr haben und nicht mehr darunter leiden, dass er sein Böses nicht überwinden kann, sondern so, wie er jetzt Geschmack an der Arbeit empfindet, werde es weiter vorangehen.

Und was geschah danach? Er fiel von seiner Stufe und befand sich wieder in einem Zustand der Leiden, in dem er weder diese Welt hat – das heißt ein Leben mit Erfüllung, sodass er keine Erfüllung hat – noch die kommende Welt, das heißt das Verlangen, heilige Arbeit zu verrichten. Wenn er nun also dem Schöpfer danken will, dass er jetzt ein wenig über die früheren Zustände erhoben ist, und sich jetzt mit Freude der heiligen Arbeit widmen will – was kann er tun, wenn seine Gedanken ihn mit berechtigten Einwänden stören?

Seiner Meinung nach gibt es nichts, was er ihnen entgegnen könnte. Und darum kann er jetzt gar nichts tun, als befände er sich in einem Zustand des Abstiegs. Was nützt es ihm also, dass er jetzt Hilfe von oben empfangen hat und glaubt, dass der Schöpfer ihn ruft und ihn näherbringen will? Doch die Einwände der Gedanken sagen ihm: „Sieh dich nur selbst an – das passiert dir jedes Mal: Du meinst, du seist oben, und danach fällst du tief hinab. Worauf gründest du also deine Sicherheit, dass es jetzt nicht ebenso sein wird?“

Wir aber müssen die Wege unserer Weisen gehen, die sie uns gewiesen haben (Sota 48b): „Jeder, der ein Brot in seinem Korb hat und sagt: Was werde ich morgen essen?, gehört nur zu den Kleingläubigen.“ Und so sagte Rabbi Elasar: Was bedeutet das Geschriebene (Sacharja 4): „Denn wer hat den Tag der Kleinheit verachtet?“ Wer hat es bewirkt, dass die Gerechten ihren Tisch für die kommende Zeit verachten? Die Kleinheit, die in ihnen war, dass sie nicht an den Schöpfer glaubten. Und zu verstehen ist, was er sagt: Wer hat es bewirkt, dass die Gerechten ihren Tisch für die kommende Zeit verachten – dass sie nicht an den Schöpfer glaubten? Das ist ihre Kleinheit. Wenn sie aber nicht an den Schöpfer glaubten, warum werden sie dann „Gerechte“ genannt?

Das lässt sich so deuten, dass die Schrift sie „Gerechte“ nennt und sie zugleich keinen Glauben haben; die Absicht ist, wie oben gesagt: Nachdem der Mensch ein Erwachen von oben empfangen hat, kommt er zu der Empfindung, dass die Hauptsache ist, in der Absicht zu geben zu wirken, und dass es sich nicht lohnt, zum eigenen Nutzen zu arbeiten. Er empfindet sich nun also als Gerechter und muss jetzt dem Schöpfer dafür danken, dass Er ihn zu Sich nähergebracht und die Verbergung von ihm genommen hat – weshalb er sich nun vor Ihm annullieren will.

Und nun versteht und empfindet er, dass das Empfangen um seiner selbst willen „böse“ heißt und derjenige, der es gebraucht, „Sünder“ genannt wird. Es zeigt sich also, dass er in diesem Augenblick „Gerechter“ heißt. Und so heißt es: „Jeder, der ein Brot in seinem Korb hat und sagt: Was werde ich morgen essen?, gehört nur zu den Kleingläubigen.“

Die Deutung ist: Obwohl er jetzt Glauben hat – er glaubt, dass die Hauptsache ist, sich an den Schöpfer anzuhaften, und dass es sich nicht lohnt, auch nur einen Augenblick an sich selbst zu denken, sodass er froh und fröhlich sein müsste, dass ihm jetzt die Nähe zum Schöpfer zuteilwurde –, kommen ihm doch sofort Gedanken, dass dieser Glaube, den er jetzt hat, klein sei, das heißt, dass er nicht die Fähigkeit haben werde, auch morgen anzuhalten; vielmehr denkt er, dieser Glaube werde sich bald von ihm entfernen, und er werde wieder in die Herrschaft der Frevler fallen, die einzig und allein um ihren eigenen Nutzen besorgt sind. Das also ist die Frage, die er stellt: „Was werde ich morgen essen?“

Und es gibt eine Regel: „Morgen“ bedeutet nicht den morgigen Tag, sondern „morgen“ heißt: „denn es gibt ein Morgen, das danach kommt“. Das heißt: Die Gegenwart heißt „heute“, und die Zukunft heißt „morgen“. Das heißt: Der Augenblick, in dem er jetzt steht, heißt „Gegenwart“ und heißt „heute“; und der Augenblick danach heißt „morgen“. Das bewirkt, dass er dem Schöpfer kein Lob darbringen kann dafür, dass er ihn nähergebracht hat.

Und diese Gedanken „Was werde ich morgen essen?“ entfernen ihn vom Schöpfer, weil er nicht glaubt, dass dieser Zustand auf ewig bleiben wird. Es zeigt sich also: Obwohl er jetzt auf der Stufe eines Gerechten ist, heißt er doch deshalb, weil er nicht glaubt, dass es auf ewig bleiben wird, „von den Kleingläubigen“ – das heißt, er hat Glauben, aber der Glaube ist bei ihm nur für kurze Zeit, und danach entfernt sich der Glaube von ihm. Das heißt „Kleingläubige“.

Und damit lassen sich die Worte des Rabbi Elasar deuten: Was bedeutet das Geschriebene „Denn wer hat den Tag der Kleinheit verachtet?“ – wer hat es bewirkt, dass die Gerechten ihren Tisch für die kommende Zeit verachten? Die Deutung ist: „Wer hat es bewirkt, dass die Gerechten …“ – gemeint sind jene Menschen, die sich in der Zeit des Aufstiegs befinden und deren ganzes Sehnen ist, an den Schöpfer angehaftet zu sein, und die sich in eben dieser Zeit als „Gerechte“ befinden, die ihren Tisch für die kommende Zeit verachten. Das heißt: Diesen Tisch, der zum Mahl gedeckt ist, verachten sie für die kommende Zeit – das heißt, sie sagen: Nach der Gegenwart, also nach dem Zustand, in dem er jetzt ist, in dem der Tisch in Ordnung ist, danach aber, in der Zeit, die danach kommen wird, werde er verachtet sein. Das heißt: Der Tisch werde danach unter der Herrschaft der Sitra Achra sein – das heißt, dass er danach wieder in die Herrschaft des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, fallen werde.

Und so heißt es: „und wer hat den Tag der Kleinheit verachtet?“ Die Kleinheit, die in ihnen war, dass sie nicht an den Schöpfer glaubten, dass Er einen Zustand der Nähe auf ewig geben kann. Daraus folgt: Der Mensch darf keinerlei Mangel an der Gabe des Schöpfers aufkommen lassen und sagen, ihm sei jetzt klar, dass der Schöpfer nichts auf ewig geben könne. Und was er aus der Vergangenheit als Beweis anführt – dass er einige Male gute Zustände hatte, die sich danach von ihm entfernten –: Wo ist der Beweis, dass dieser Zustand jetzt auf ewig sein wird? Dazu kommt die Sache des Glaubens: dass der Mensch über dem Verstand glauben muss und nicht auf das blicken darf, was der Verstand fordert, sondern im Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) glauben soll. Und den Weg, den sie festgelegt haben, so muss man gehen und nicht auf den Verstand blicken; denn man muss glauben, dass im Verdienst dessen, dass man im Glauben geht, ein wunderbares Mittel liegt.

korrOp, EY, 16.7.2026, Ver3