1988/25 Was ist die Vorbereitung am Vorabend des Shabbat, in der Arbeit?
Unsere Weisen bringen (Traktat Awoda Sara, Blatt 2a) folgende Worte: „In der künftigen Welt bringt der Schöpfer eine Tora-Rolle herbei, legt sie in Seinen Schoß und spricht: ‚Wer sich mit ihr beschäftigt hat, der komme und empfange seinen Lohn.‘ Sofort versammeln sich die Götzendiener und kommen herbei. Der Schöpfer sagt zu ihnen: ‚Womit habt ihr euch beschäftigt?‘ Und der Schöpfer sagt zu ihnen: ‚Alles, was ihr getan habt, habt ihr für euch selbst getan.‘ Sie sprechen vor Ihm: ‚Herr der Welt, gib sie uns im Voraus, und wir werden sie tun.‘ Der Schöpfer sagt zu ihnen: ‚Ihr Narren der Welt! Wer sich am Vorabend des Shabbat gemüht hat, der wird am Shabbat essen; und wer sich am Vorabend des Shabbat nicht gemüht hat, wovon soll er am Shabbat essen?‘“ So weit der Wortlaut.
Im wörtlichen Sinn gibt es viele Auslegungen. Doch im Sinne der spirituellen Arbeit: Was ist die Mühe am Vorabend des Shabbat, von der man am Shabbat etwas zu essen haben soll? Den Shabbat, so sehen wir, nennt man „Geschenk“ und nicht „Gerechtigkeit“ (Zedaka – auch: Almosen). Wie unsere Weisen sagten (Beza 16): „‚Damit ihr wisst, dass Ich, der Ewige, euch heilige.‘ Der Schöpfer sagte zu Moses: ‚Moses, Ich habe ein gutes Geschenk in Meiner Schatzkammer, und Shabbat ist sein Name. Und Ich möchte es Israel geben. Geh und teile es ihnen mit.‘“
Und die Gemara (die Erörterung des Talmud) führt von hier den Beweis: Wer seinem Freund ein Geschenk gibt, muss es ihm mitteilen. Hier ist zweierlei zu verstehen:
1) Was ist der Grund, dass man ein Geschenk mitteilen muss? Bei der Gerechtigkeit haben wir hingegen das Gegenteil gelernt: dass sie im Verborgenen gegeben werden soll, wie geschrieben steht: „Eine Gabe im Verborgenen besänftigt den Zorn.“
2) Warum nennt man den Shabbat ein „Geschenk“? Den Glauben hingegen nennt man „Gerechtigkeit“, wie geschrieben steht: „Und er glaubte an den Ewigen, und Er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“ Und nicht als Geschenk.
Und man muss verstehen, was in der Arbeit „Geschenk“ heißt und was in der Arbeit „Gerechtigkeit“ heißt. Wir sehen, dass es der Lauf der Welt ist, Gerechtigkeit aus Mitleid zu geben und nicht aus Liebe, wie unsere Weisen sagten (Bawa Batra 9): „Bei Nahrung prüft man nicht.“ Denn Gerechtigkeit gibt man nicht aus Liebe, bei der man dann prüfen müsste, ob es sich wirklich lohnt, ihm Gerechtigkeit zu geben oder nicht. Denn bei der Gerechtigkeit entscheidet das Mitleid, ob es sich lohnt, ihm zu geben oder nicht.
Und derjenige, der sagt, dass er keine Nahrung hat – das heißt, dass er nichts hat, womit er sein Leben erhalten kann –, erregt Mitleid. Deshalb sagten sie dort: „Bei Nahrung prüft man nicht“, um zu sehen, ob er ein ehrlicher Mensch oder ein Betrüger ist. Denn so heißt es dort: „Und Raw Jehuda sagte: Bei Kleidung prüft man, bei Nahrung prüft man nicht.“ Und „Kleidung“ erklärt Rashi so: „Er kommt nackt und sagt: Bedeckt mich.“ Dann prüft man, ob er nicht ein Betrüger ist. Denn bei Kleidung regt sich kein solches Mitleid, weil der Mensch ohne Kleidung leben, aber ohne Nahrung nicht existieren kann.
Beim Geschenk hingegen gibt man gerade dem, den man liebt. Und die Größe des Geschenks bemisst sich nach dem Maß der Liebe zu diesem Menschen und auch nach dem Maß seiner Bedeutung. Denn es ist der Lauf der Welt, dass jemand, der einem anderen das Maß seiner Liebe zeigen will, dies durch ein Geschenk ausdrückt. Und am Wert des Geschenks zeigt sich die Größe der Liebe.
Doch das Geschenk hat noch einen weiteren Wert: Wenn der Absender ein bedeutender Mensch ist, lässt sich die Größe der Liebe nicht am Geschenk messen; denn bei einem bedeutenden Menschen hat selbst ein kleines Geschenk einen hohen Wert. Denn bei einem bedeutenden Menschen bemessen sich Größe und Bedeutung des Geschenks nach Größe und Bedeutung des Gebers.
Und mit dem Gesagten verstehen wir den Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Geschenk. Denn mit dem Geschenk will er die Liebe zeigen, die er zu seinem Freund, seinem Lehrer, den Eltern, den Kindern und dergleichen hat. Wenn der Geber dem anderen nicht mitteilt, dass er ihm das Geschenk gegeben hat – wie soll sich dann dem Empfänger die Liebe offenbaren, die der Geber zu ihm hat? Es zeigt sich, dass das Geben des Geschenks umsonst war, ohne jeden Nutzen.
Doch das Geschenk hat noch eine weitere Bedingung: Die Sache, die er gibt, muss etwas Überflüssiges sein und nichts Notwendiges. Denn es ist der Lauf der Welt, dass man nicht sagt: Ich habe diesem Armen Brot und Fisch für den Shabbat als Geschenk geschickt. Und man sagt nicht: Ich habe dem Bräutigam eine goldene Uhr als Gerechtigkeit geschickt. Vielmehr ist ein Geschenk gerade etwas Überflüssiges. Die Gerechtigkeit hingegen ist etwas Notwendiges und nichts Überflüssiges.
Es zeigt sich: Wer einem anderen Überflüssiges schickt, etwas, das der andere nicht notwendig braucht – wozu schickt er es ihm dann? Nur, um ihm die Liebe zu zeigen. Es zeigt sich: Wenn er ihm nicht mitteilt, dass er es ihm geschickt hat, welchen Nutzen hat dann das Geschenk? Deshalb sagten unsere Weisen: „Wer seinem Freund ein Geschenk gibt, muss es ihm mitteilen.“
Und mit „er muss es ihm mitteilen“ ist nicht nur gemeint, dass er ihm das Geschenk geschickt hat, sondern auch der Wert des Geschenks, wie oben gesagt; denn nach der Bedeutung des Geschenks offenbart sich in eben diesem Maß die Liebe zwischen ihnen. Denn in dem Maß, in dem der Empfänger von dem Geschenk beeindruckt ist, dankt er dem Geber gebührend, und dadurch entsteht ein Band der Liebe zwischen ihnen.
Bei der Gerechtigkeit hingegen, bei der es nicht um Liebe geht – denn die Gerechtigkeit betrifft allein den Geber und hat keinerlei Verbindung zum Empfänger –, ist es umgekehrt. Denn wenn der Empfänger dem Geber dankt, gibt der Geber schon nicht mehr als Gerechtigkeit; sondern es entsteht ein Ansatzpunkt, an dem sich seiner Gerechtigkeit etwas anheftet, das nicht um ihrer selbst willen geschieht, sondern damit er ein „herzliches Dankeschön“ von ihm empfängt. Deshalb versteht es sich von selbst, dass Gerechtigkeit eine Gabe im Verborgenen sein muss, das heißt allein um der Gerechtigkeit willen – und nicht, damit der Arme ihm irgendeinen Genuss zurückgibt.
Und bei der Gabe im Verborgenen sind in der Mizwa der Gerechtigkeit zwei Weisen zu unterscheiden:
1) Die eine ist einfach, nämlich: Der Empfänger der Gerechtigkeit weiß nicht, wer der Geber ist.
2) Auch der Geber weiß nicht, wem er gibt. Und das ist die Gabe im Verborgenen, sowohl von Seiten des Gebers als auch von Seiten des Empfängers.
Und mit dem Gesagten verstehen wir, was es mit Geschenk und Gerechtigkeit in der Arbeit auf sich hat. Denn der Glaube ist „über dem Verstand“; das gilt als etwas, das man nicht sieht, und das nennt man „im Verborgenen“. Und den Glauben nennt man „Gerechtigkeit“, wie oben gesagt, weil der Mensch, der Gerechtigkeit gibt, nicht will, dass der Arme ihm irgendeine Gegenleistung gibt. Denn der Mensch, der nichts hat und gerade deshalb arm ist – was könnte er dem Geber der Gerechtigkeit schon als Gegenleistung geben? Es kann höchstens sein, dass er ihm für die Gerechtigkeit ein „herzliches Dankeschön“ zurückgibt. Deshalb sagten sie: Gerechtigkeit, die im Verborgenen geschieht, nennt man „wahre Gerechtigkeit“, weil der Arme nicht weiß, wem er ein „herzliches Dankeschön“ geben soll.
Daher muss derjenige, der das Königtum des Himmels auf sich nimmt, das man „Glaube an den Schöpfer“ nennt, sich bemühen, dass es eine Gabe im Verborgenen ist: Der Mensch weiß es nicht mit dem Verstand – was man so nennt, dass er „nicht sieht, für wen er arbeitet“ –, sondern er arbeitet über dem Verstand. Doch hier ist es umgekehrt: Denn wenn der Arme Gerechtigkeit empfängt, weiß der Empfänger nicht, wer ihm die Gerechtigkeit gegeben hat. Aber der Geber weiß es sehr wohl.
Doch es gibt auch eine zweite Weise, bei der auch der Geber nicht weiß, wem er gibt. Hier hingegen, beim Glauben, den man Gerechtigkeit nennt – wie geschrieben steht: „Und er glaubte an den Ewigen, und Er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an“ (Lech Lecha, fünfter Abschnitt) –, ist es genau umgekehrt. Das heißt: Malchut nennt man „arm und bedürftig“, wie im Heiligen Sohar geschrieben steht, dass Malchut „arm und bedürftig“ genannt wird, ‚die nichts Eigenes hat, sondern nur das, was ihr Gemahl ihr gibt‘. Das bedeutet: Malchut hat nichts aus sich selbst, sondern nur das, was ihr Gemahl ihr gibt.
So ergibt sich eine Lage: Der Mensch, der dem Schöpfer Gerechtigkeit gibt – was man „Glaube“ nennt –, weiß als Geber nicht, wem er gibt. Aber der Schöpfer weiß sehr wohl, wer der Geber ist, das heißt, von wem Er die Gerechtigkeit empfängt. Also: Der Arme weiß es, und der Geber, das heißt der Mensch, weiß nicht, wem er gibt. Das nennt man „Königtum des Himmels“. Und darüber heißt es: „Und er glaubte an den Ewigen, und Er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“ Das heißt: Der Glaube muss wie die Gerechtigkeit sein, nämlich eine Gabe im Verborgenen. Sonst nennt man dies nicht „Glaube“, sondern „Wissen“, das heißt Wissen des Verstandes.
Und mit dem Gesagten lässt sich erklären, was die Kommentatoren zu dem Vers „Und er glaubte an den Ewigen, und Er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an“ fragen. Die Frage ist: Wir wissen nicht, wer wem etwas anrechnete. Denn nach der Regel, die wir lernen, „wirkt Er allein und wird alle Werke wirken“. Dann stellt sich die Frage: Was tut der Mensch mit seiner Wahl? Denn wenn der Schöpfer alles getan hat, wo ist dann Raum für die Wahl, die die Arbeit des Menschen ist?
Und mein Vater und Lehrer sagte im Namen des Baal Shem Tow, dass der Mensch vor der Handlung sagen muss: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Denn alles hängt von der Wahl des Menschen ab. Erst nach der Handlung muss er sagen: „Alles steht unter der Vorsehung des Schöpfers.“ Und es ist verboten zu sagen: „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand haben mir dieses Vermögen verschafft.“ Vielmehr: Selbst wenn er sich nicht überwunden hätte, hätte er die Sache dennoch getan, weil der Schöpfer dies getan hat – das nennt man, dass der Mensch an die persönliche Vorsehung glauben muss.
Demnach ist hier beim Glauben an den Schöpfer, den man „Gerechtigkeit“ nennt, zweierlei zu unterscheiden:
1) Der Mensch überwindet sich, nimmt das Joch des Königtums des Himmels auf sich und gibt dem Schöpfer Gerechtigkeit, indem er über dem Verstand glaubt – was man „Gabe im Verborgenen“ nennt. Und man nennt es „Gerechtigkeit“, weil man vom Armen keinerlei Gegenleistung will, wenn man ihm Gerechtigkeit gibt – sodass der Arme nicht weiß, wer ihm gegeben hat; sonst gäbe es Anlass zu sagen, dass der Geber der Gerechtigkeit vom Armen irgendeine Gegenleistung erwartet. Denn der Geber weiß ja nicht, wem er gegeben hat. Und hier, beim Glauben: Wenn der Mensch das Königtum des Himmels nicht in der Absicht auf sich nimmt, eine Belohnung zu empfangen, so gleicht er dem Armen, wie oben gesagt. Und demnach lautet die Erklärung: Dadurch, dass Abraham an den Schöpfer glaubte, gab er dem Schöpfer Gerechtigkeit.
2) Es ist zu unterscheiden, dass der Schöpfer Abraham Gerechtigkeit gab. Nämlich, wie oben gesagt: Nach der Handlung der Überwindung muss der Mensch sagen, dass „der Schöpfer es ist, der wirkt und alle Werke wirken wird“. Es zeigt sich, dass der Schöpfer Abraham die Kraft der Überwindung über dem Verstand gab, die man „Gerechtigkeit“ nennt. Diese Gerechtigkeit – dass Abraham die Kraft hatte, die Gerechtigkeit zu geben – nennt man so, dass der Schöpfer Abraham die Gerechtigkeit gab.
Und der Satz „Wir wissen nicht, wer wem etwas anrechnete“ ist dann so zu erklären: Zuerst dachte Abraham, dass er dem Schöpfer Gerechtigkeit gibt, indem er glaubt. Und nach der Handlung sagte er, dass der Schöpfer ihm die Kraft des Glaubens zugedacht hatte, damit er auf die Weise der Gerechtigkeit glauben kann. Der Schöpfer hatte ihm die Kraft zugedacht; deshalb hatte er die Kraft zu glauben.
Und damit verstehen wir, warum man den Glauben „Gerechtigkeit“ nennt und warum sich die Gerechtigkeit auf beide bezieht. Und aus dem Gesagten ergibt sich, dass „Geschenk“ in der Arbeit die Tora bedeutet. Sie wird „Geschenk“ genannt, wie geschrieben steht: „Von Matana (wörtlich: ‚Geschenk‘) nach Nachaliel.“ Und ebenso nennt man den Shabbat „Geschenk“, wie oben gesagt, dass der Schöpfer sprach: Ich habe ein gutes Geschenk in Meiner Schatzkammer, und Shabbat ist sein Name; geh und teile es ihnen mit.
Und man muss verstehen, warum man die Tora „Geschenk“ nennt und warum man ebenso den Shabbat „Geschenk“ nennt. Bekanntlich besteht das Ziel der Schöpfung darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und um der Anhaftung (Dwekut) willen geschah eine Einschränkung, sodass das Gute und der Genuss nur den Gefäßen leuchten, die Gleichheit mit dem Licht haben – das heißt, dass die Gefäße in der Absicht zu geben sind. Diese Einrichtung bedeutet, dass Gleichheit der Form herrschen muss; andernfalls entfernt sich der Empfänger vom Geber. So weit, dass die Geschöpfe, die wegen der Veränderung der Form in diese Welt herabstiegen, sich von der Wurzel entfernten und ihren Ursprung nicht mehr kennen. Das heißt: Die Geschöpfe müssen glauben, dass sie vom Schöpfer kommen. Aber ein Wissen, woher sie kommen, haben sie nicht.
Und dies ist, wie im Buch „Einführung in die Weisheit der Kabbala“ (Abschnitt 10) geschrieben steht: „Und so findest du, wie diese Seele, die das Licht des Lebens ist, das in den Körper gekleidet ist, als Etwas aus Etwas herabgezogen wird, unmittelbar aus Seinem Wesen selbst. Und während sie die vier Welten ABeJA durchläuft, entfernt sie sich mehr und mehr vom Licht Seines Angesichts, bis sie in das ihr eigene Gefäß kommt, das man ‚Körper‘ nennt. Und dann gilt das Gefäß als zur Vollendung seiner gewünschten Form gelangt. Und obwohl auch das Licht in ihr sehr abgenommen hat, sodass die Wurzel seines Ursprungs in ihr nicht mehr zu erkennen ist, läutert der Mensch dennoch durch die Beschäftigung mit Tora und Mizwot in der Absicht, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, sein Gefäß, das man ‚Körper‘ nennt, mehr und mehr, bis es würdig ist, die Fülle zu empfangen.“
Somit werden sie dadurch, dass sie Tora und Mizwot in der Absicht zu geben erfüllen, Gefäße des Gebens erlangen; dort ist der Ort, der geeignet ist, das Licht zu empfangen, das man „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ nennt. Und das bezeichnet man als „Geschenk“. Das heißt: Glaube heißt, dass der Mensch gibt, indem er die Gedanken des Körpers überwindet und an den Schöpfer glaubt. Deshalb heißt es, dass der Mensch gibt; deshalb nennt man den Glauben „Gerechtigkeit“. Anders das Geschenk: Da nimmt der Mensch, was der Schöpfer ihm gibt. Die Gerechtigkeit erscheint genau umgekehrt: Der Mensch gibt dem Schöpfer Gerechtigkeit, und der Schöpfer ist der Empfänger.
Und wie wir oben erklärt haben, nennt man das Geschenk „Überflüssiges“. Das heißt: Auch ohne Geschenke kann der Mensch leben. Anders die „Gerechtigkeit für die Armen“: Sie bedeutet gerade das Notwendige, da man ohne Nahrung nicht leben kann. Da man also ohne Glauben kein Jude sein kann, zeigt sich, dass man den Glauben „das Notwendige“ nennt. Ohne Tora hingegen kann man Jude sein; nur nennt man einen solchen Menschen „Unwissenden“ (Am haArez). Das heißt: Er hat die Stufe der Tora noch nicht erlangt, die man „die Namen des Schöpfers“ nennt; in sie sind das Gute und der Genuss gekleidet, den man „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ nennt. Und wie geschrieben steht: „Auch eine Seele ohne Verstand ist nicht gut.“ Und wie unsere Weisen sagten: „Es gibt nichts Gutes außer der Tora“, und wie geschrieben steht: „Denn eine gute Lehre habe Ich euch gegeben, verlasst Meine Tora nicht“ (Brachot 5a). Doch wird er bereits „Israel“ genannt.
Und mit dem Gesagten verstehen wir, warum man die Tora „Geschenk“ nennt: weil der Schöpfer der Geber ist, wie geschrieben steht: „Denn eine gute Lehre habe Ich euch gegeben, verlasst Meine Tora nicht.“ Und außerdem, weil sie etwas Überflüssiges ist: Man kann auch ohne Tora Jude sein, sofern man nur die Stufe des Glaubens erlangt hat, die die Stufe der Gerechtigkeit ist. Denn ohne Glauben kann man kein Jude sein. Deshalb nennt man den Glauben „Gerechtigkeit“, und von der Tora heißt es, dass der Schöpfer der Geber des Geschenks ist. Und ebenso nennt man auch den Shabbat „Geschenk“, wie unsere Weisen sagten: „Der Shabbat ist ein Gleichnis der künftigen Welt“ (Sohar Bereshit 48). Und ebenso sagten sie: „Der Shabbat wurde Israel gegeben zur Heiligkeit, zum Genuss und zur Ruhe, und nicht zum Leid“ (Tanchuma, WaJera 1).
Und mit dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt haben: Was ist die „Vorbereitung am Vorabend des Shabbat“ in der Arbeit? Es ist der Lauf der Welt, dass man nur um Gerechtigkeit bittet; und „bei Nahrung prüft man nicht“, sondern jedem, der die Hand ausstreckt, gibt man. Deshalb haben wir erklärt, dass beim Glauben – also beim Auf-sich-Nehmen des Jochs des Königtums des Himmels – jedem gegeben wird, der die Hand ausstreckt. Wie geschrieben steht (im Gebet Neila): „Du reichst den Sündern die Hand, und Deine Rechte ist ausgestreckt, um die Umkehrenden anzunehmen.“ Und das ist, wie oben gesagt, weil unsere Weisen über das Notwendige sagten (Sanhedrin 37): „Wer eine einzige Seele aus Israel am Leben erhält, ist, als hätte er eine ganze Welt am Leben erhalten.“
Anders das Geschenk: Es ist nicht der Lauf der Welt, um Geschenke zu bitten. Vielmehr schickt man Geschenke dem, den man liebt und dem man die Liebe zeigen will – sodass sich dem anderen offenbart, wie sehr man ihn liebt. Und außerdem drückt sich auch im Wert des Geschenks das Maß der Liebe aus. Das heißt: Die Größe des Geschenks entspricht der Größe der Liebe.
Wenn der Mensch also will, dass sein Freund ihm Geschenke schickt, muss er sich bemühen und Taten vollbringen, die in den Augen seines Freundes Gefallen finden, sodass dieser ihn liebt. Und die Liebe tut das Ihre, und dadurch wird er Geschenke von seinem Freund empfangen. Aber um ein Geschenk zu bitten, ist nicht üblich.
Und damit verstehen wir, was wir gefragt haben: Was ist die „Mühe am Vorabend des Shabbat“ in der Arbeit? Sie besteht darin, dass der Mensch das Königtum des Himmels auf sich nimmt. Und um das Königtum des Himmels, das man „Gerechtigkeit“ nennt, muss der Mensch den Schöpfer bitten. Denn es gab Einschränkung und Verbergung, sodass man den Schöpfer nicht innerhalb des Verstandes spürt, sondern den Glauben über dem Verstand annehmen muss. Und da der Körper einer Sache nicht zustimmt, die der Verstand nicht erfordert, befindet sich der Mensch im Exil, inmitten der Selbstliebe, und er sieht keine Möglichkeit zu verstehen, dass er aus diesem Exil herauskommen kann.
Und das nennt man „das Exil in Ägypten“. Darüber heißt es: „Ich bin der Ewige, dein Gott, der dich aus dem Land Ägypten herausgeführt hat.“ Denn nur der Schöpfer selbst kann die Natur verändern, um den Menschen aus der Selbstliebe zur Liebe zum Schöpfer herauszuführen. Und nur dann kann man „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben“ erfüllen.
Und diese Bitte des Menschen, dass der Schöpfer ihm die Kraft des Glaubens gibt, nennt man „Gerechtigkeit“. Und das ist, wie wir beten (angeführt im Gebet „Wie an diesem Tag …“, das man im Mussaf von Rosh haShana nach „An diesem Tag stärke uns“ sagt): „Und es heißt: Und es wird uns zur Gerechtigkeit sein, wenn wir darauf achten, all dieses Gebot vor dem Ewigen, unserem Gott, zu tun, wie Er es uns geboten hat.“
Und über das „eine Gebot“ oder das „dieses Gebot“ sagte mein Vater und Lehrer, dass damit die Mizwa des Glaubens gemeint ist. Demnach lautet die Erklärung, dass wir zum Schöpfer sagen: Wenn wir die Kraft haben, all dieses Gebot zu tun, so wird das eine Gerechtigkeit von Seiten des Schöpfers sein – wenn Er uns die Kraft des Glaubens über dem Verstand gibt, die man „Stufe der Handlung“ nennt; weil sie „über dem Verstand“ ist, nennt man dies „Handlung“.
Und aus dem Gesagten ergibt sich, was der Mensch arbeiten und woran er sich am Vorabend des Shabbat mühen muss, damit er am Shabbat etwas zu essen hat. Bekanntlich ist es in der Welt üblich, dass kein Mensch sich müht, außer um Dinge zu erlangen, die ihm Genuss und Vergnügen bringen. Zum Beispiel sehen wir, dass es Menschen gibt, die zwei Stellen haben oder Überstunden machen – mehr, als ein Mensch zu arbeiten verpflichtet ist nach dem, was die Bürger des Landes festgelegt haben: so und so viele Stunden und so und so viele Tage. Und jeder bekommt seinen Lohn nach dem Maß seiner Arbeit und nach dem Maß seiner Fachkenntnis. Und dennoch gibt es manchen, der mehr als üblich arbeitet. Gewiss hat er im Sinn, dadurch zu dem von ihm gewünschten Ziel zu gelangen. Und das ist sein Lohn, der ihm die Kraft zur Arbeit gibt.
Das heißt: Je mehr Lohn er zu empfangen erwartet, desto mehr Kraft zur Arbeit gibt ihm das. Und unsere Weisen verglichen es mit Mühe und Mahl, wobei das Mahl „Lohn“ genannt wird. Deshalb sagten sie: „Wer sich am Vorabend des Shabbat nicht gemüht hat“ – das ist die Zeit, in der man das für das Mahl Notwendige vorbereitet, und er hat es nicht vorbereitet –, „wovon soll er essen?“ Und gewiss bedeutet das für das Mahl Notwendige Arbeit und Mühe.
Demnach zeigt sich: Der Shabbat ist ein Geschenk, das man „Mahl“ nennt; und es ist der Lauf der Welt, dass derjenige, der ein Mahl ausrichtet, nur die einlädt, die er liebt. „Das für das Mahl Notwendige“ bedeutet also die Vorbereitung darauf, dass man zum Mahl eingeladen wird. Denn was den Schöpfer betrifft, leistet der Mensch Ihm keinerlei Hilfe beim Mahl; sondern das, was der Mensch für das Mahl vorbereiten kann, ist, dass man ihn einlädt. Und dazu kann er eine Sache tun, nämlich gute Taten vollbringen, die in den Augen des Schöpfers Gefallen finden, sodass der Schöpfer ihn liebt.
Und wie wir sagen: „Der Sein Volk Israel in Liebe erwählt.“ Das heißt, dass der Schöpfer Sein Volk Israel erwählt. Und die Frage ist: Was ist Israel? Israel ist der, der den Glauben auf sich genommen hat – und die ganze Vorbereitung ist die Mühe, Israel zu sein.
korrOp, EY, 16.7.2026, Ver3