<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->
Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1988/34 Was sind Tag und Nacht in der Arbeit?

1988/34 Was sind Tag und Nacht in der Arbeit?

Es steht geschrieben: „Und Gott nannte das Licht ‚Tag‘, und die Finsternis nannte Er ‚Nacht‘.“ Das gilt es im Sinne der Arbeit zu verstehen: Was soll uns das lehren, dass Er das Licht „Tag“ und die Finsternis „Nacht“ nannte? Was fügt uns dieses Wissen hinzu? Das bedeutet: Der Schöpfer gab dem Licht und der Finsternis einen Namen, und dies diente einer Korrektur. Was verstehen wir also mehr dadurch, dass Er ihnen Namen gab, und was fügt uns das in der Sache der Arbeit hinzu, um zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen?

Danach sagt der Vers: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, ein Tag.“ Auch das gilt es zu verstehen: Nachdem Er gesagt hat, dass die Finsternis „Nacht“ und das Licht „Tag“ genannt wird, wie wurden die beiden ein Tag? Die Nacht ist doch nicht der Tag. Und wie sind die beiden zusammen ein Tag? Das heißt, wodurch wurden sie danach zu einem Tag, als gäbe es keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht?

Und in der Sache von Tag und Nacht sehen wir, dass der Vers sagt (Psalm 19): „Ein Tag dem anderen sprudelt Rede zu, und eine Nacht der anderen verkündet Erkenntnis.“ Und in ähnlicher Sache sehen wir geschrieben (in der Haggada, im Pijut „Damals, viele Wunder“): „Nahe sei der Tag, der weder Tag noch Nacht ist; Erhabener, tu kund, dass Dein der Tag und auch Dein die Nacht ist; lass die Finsternis der Nacht leuchten wie das Licht des Tages.“ Wir haben also zu verstehen, was dieser Tag ist und was diese Nacht ist und was dieses Licht ist und was diese Finsternis ist.

Und um all das zu verstehen, müssen wir auf das zurückkommen, worüber wir schon mehrmals gesprochen haben, nämlich dass man sich immer daran erinnern muss, was das Schöpfungsziel ist und was die Korrektur der Schöpfung ist, damit der Mensch weiß, was von ihm verlangt wird. Das heißt, zu welchem Zustand der Mensch gelangen muss, sodass er sagen kann, dass er bereits zum Erbteil und zur Ruhe gelangt ist.

Bekanntlich besteht das Schöpfungsziel darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Wie oben gesagt, sagten unsere Weisen, dass der Schöpfer über das Schöpfungsziel sagte, dass es einem König gleicht, der ein Schloss voll allen Guten hat, aber keine Gäste. Darum erschuf Er den Menschen, um ihm das Gute und den Genuss zu geben.

Demnach zeigt sich: Was heißt es, dass der Mensch zu seiner Vollkommenheit gelangt? Das ist gerade dann der Fall, wenn der Mensch zu dem Zustand gelangt ist, in dem er vom Schöpfer das Gute und den Genuss empfängt, und das heißt, dass er zur Vollkommenheit gelangt ist. Wenn er hingegen noch nicht zu dem Zustand gelangt ist, in dem das Gute und der Genuss bei ihm nicht abreißen, gilt er als noch nicht zur Vollkommenheit gelangt. Und das ist das Schöpfungsziel.

Und die Korrektur der Schöpfung besteht darin: Da es die Natur der Schöpfung ist, dass der Zweig seiner Wurzel gleichen will, und da der Schöpfer der Gebende ist und das Geschöpf der Empfangende, gibt es hier keine Gleichheit der Form. Darum sehen wir auch in der Körperlichkeit, zwischen einem Menschen und seinem Nächsten, dass diese Regel fortwirkt: In dem Augenblick, in dem der Mensch etwas von seinem Nächsten empfängt, schämt er sich, wie unsere Weisen über den Vers sagten „Wie eine Schande (kerum) ist es für die Menschenkinder“, dass sich, wenn der Mensch auf andere angewiesen ist, sein Gesicht verändert wie kerum [das heißt, es wird abwechselnd rot und blass]. Darum wurde eine Korrektur vorgenommen, die so genannt wird, dass in den oberen Welten eine Einschränkung (Zimzum) geschah, sodass kein oberes Licht zu den Gefäßen (Kelim) gelangt, die in der Eigenschaft des Empfangens für sich selbst sind.

Und das Licht leuchtet nur jenen Gefäßen, die die Korrektur des Schirms (Massach) haben, der das Or Choser (zurückgeworfenes Licht) emporhebt, was bedeutet, dass er vom Oberen empfängt, weil es dem Oberen ein Wohlgefallen (Nachat Ruach) bereitet, dass Er dem Unteren gibt. Das heißt: Dass er ein großes Verlangen hat, Freude und Genuss zu empfangen, dieser Umstand verpflichtet ihn noch nicht, Freude und Genuss zu empfangen. Und der Grund ist, dass die Freude daher rührt, dass er Gleichheit der Form mit dem Oberen hat, was Anhaftung genannt wird. Und in allem, was möglich ist, bemüht er sich auf jeden Fall, sich nicht zu trennen, wegen der Verschiedenheit der Form. Darum empfängt er nicht; denn obwohl er sich danach sehnt, Freude und Genuss zu empfangen, hat er gleichzeitig doch mehr Freude daran, mit dem Schöpfer verbunden zu sein. Darum empfängt er nicht.

Und der Mensch betrachtet dann zwei Dinge:

a. Dass er nicht vom Schöpfer getrennt sein will. Das heißt, selbst wenn er denkt, dass er die Anhaftung noch nicht erlangt hat, will er zumindest nicht noch stärker getrennt sein als in seinem gegenwärtigen Zustand, denn bei jedem Empfangen für sich selbst entfernt sich der Mensch vom Schöpfer; darum will er nicht für sich selbst empfangen.

b. Dass durch das Tun, das er vollbringt, indem er sich vom Empfangen entfernt, diese Handlung bewirkt, dass er sich an den Schöpfer anhaftet. Und obwohl der Mensch diese Unterscheidungen noch nicht spürt, sagt der Mensch dennoch, dass er im Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) glaubt, die gesagt haben, dass es so ist. Darum verlässt er sich auf sie und ist in der Sache des Empfangens für sich selbst vorsichtig.

Darum bemüht sich der Mensch, Handlungen zu vollbringen, die ihm diese Kraft bringen, sodass er ein Verlangen hat, Handlungen so zu vollbringen, dass aus ihnen eine Kraft erwächst, die ihn befähigt, jede Handlung mit der Absicht zu geben auszurichten. Und dann ist er geeignet, das Gute und den Genuss zu empfangen, da nun alle seine Handlungen um des Himmels willen sind.

Und mit dem Gesagten können wir verstehen, was Licht und was Finsternis ist. Denn Licht wird genannt: „wenn es dem Menschen leuchtet, auf den Wegen des Schöpfers zu gehen“. Denn „die Wege des Schöpfers“ bedeutet, dass er auf dem Weg gehen will, auf dem der Schöpfer geht, und Sein Weg ist das Geben. Und wenn er Licht und Leben hat, dadurch dass er sich nun mit der Arbeit des Gebens befasst und nicht um seinen eigenen Nutzen besorgt ist, das wird Licht genannt.

Und das wird „Zeit des Aufstiegs“ genannt. Das heißt, dass der Mensch in der Stufe aufgestiegen ist. Das heißt: Statt zuvor einem niedrigen, geringen Menschen zu dienen, dient er nun dem Schöpfer. Und das wird Aufstieg in der Stufe genannt, denn er dient ja dem König, statt dass er zuvor einem einfachen Menschen diente.

Und es versteht sich von selbst, dass das Gegenteil des Lichts die Finsternis ist. Das heißt, wenn er keinen Geschmack an der Arbeit des Gebens hat, weil er wieder begonnen hat, nur um seinen eigenen Nutzen besorgt zu sein, und er an der Arbeit des Gebens keinerlei Geschmack findet, und er wieder keinerlei Bestrebungen hat, sondern es ihm genügt, einzig und allein die Begierden zu erfüllen, die sein Körper verlangt – das wird Abstieg genannt, weil er seinem Körper dienen will und nicht dem Schöpfer. Und das wird Finsternis genannt.

Und man muss wissen, dass die Sache des Tages auf eine vollständige Sache hinweist, die aus Licht und Tag sowie aus Finsternis und Nacht zusammengesetzt ist, wie geschrieben steht: „Und es wurde Abend, und es wurde Morgen, ein Tag.“ Und das gilt es zu verstehen: Wie kann man sagen, dass Abend und Morgen eine Sache sind? Das heißt, wir sagen nicht, dass Abend und Morgen beide eine Nacht genannt werden, sondern beide werden „ein Tag“ genannt. Worauf deutet uns das in der Arbeit hin, dass gerade beide „ein Tag“ genannt werden, als ob es keine Vollkommenheit eines Tages ohne Finsternis geben kann?

Und die Antwort ist: wenn der Mensch sagt „Und Gott nannte das Licht ‚Tag‘, und die Finsternis nannte Er ‚Nacht‘“, das heißt, dass der Mensch glaubt, dass ihm Gott sowohl das Licht als auch die Finsternis gab. Und warum gab Er ihm die Finsternis? An das Licht, das Er ihm gab, kann man glauben, das heißt, er sagt, dass der Schöpfer ihn näher bringen will, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Darum kann der Mensch von den Aufstiegen, die er hat, glauben, dass sie von der Seite des Schöpfers kommen. Aber wozu sollen mir die Abstiege dienen?

Darum, wenn der Mensch auch an die Finsternis glaubt, wie geschrieben steht „Und Gott nannte usw., und die Finsternis nannte Er ‚Nacht‘“, das heißt, dass auch die Finsternis die Eigenschaft der Nacht ist, die ein Teil des Tages ist – das heißt, dass es keinen Tag ohne Nacht geben kann –, dann kommt die Finsternis, die Nacht genannt wird, um uns zu lehren: So wie es keinen Tag ohne Nacht geben kann, so kann es auch kein Licht ohne Finsternis geben. Denn die Finsternis ist das Gefäß, und das Licht ist die Füllung des Gefäßes, gemäß der Regel „dass es kein Licht ohne Gefäß gibt“. Das heißt, dass man Seine Erlösung nicht ermessen kann ohne das Empfinden der Leiden und Schmerzen aus den Zuständen, in denen sich der Mensch befindet. Denn so wie der Mensch zwischen sich und seinem Nächsten empfindet, in welchem Maß ihm sein Nächster in seiner Not geholfen hat, in eben diesem Maß empfindet der Mensch die Freude über die Hilfe, die er von seinem Nächsten empfangen hat. Das heißt, es ist nicht dasselbe, ob ihm sein Nächster bei überflüssigen Dingen geholfen hat, ohne die man leben kann, oder ob jemand seinem Nächsten half, indem er ihn vor dem Tod rettete.

Und da die Hilfe, die von oben kommt, die Eigenschaft der Lichter der Heiligkeit (Kedusha) ist, wie der heilige Sohar sagt: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.“ Und der heilige Sohar sagt, womit ihm geholfen wird: „mit einer heiligen Seele“. Und wenn der Mensch die Seele, die er von oben empfing, nicht zu ermessen weiß, weil er denkt, dass dies nicht so wichtig ist – denn die Leiden, die der Mensch aus den Zuständen der Abstiege erleidet, geben ihm das Empfinden, die Wichtigkeit der Hilfe von oben zu ermessen –, andernfalls verliert er sie, und alles geht zu den Schalen (Klipot). Demnach zeigt sich, dass ihm die Finsternis hilft, das heißt, dass sie ihm die Möglichkeit gibt zu wissen, wie er die Wichtigkeit der Heiligkeit ermessen kann, sodass sie nicht aus Mangel an Wissen verloren geht.

Und das wird in der Sprache unserer Weisen genannt: „Wer ist ein Narr? Der verliert, was man ihm gibt.“ Da er nicht den Verstand hat, die Wichtigkeit der Annäherung zu verstehen, mit der der Schöpfer den Menschen näher bringt. Und diese Finsternis wird Gefäß genannt, was „Ort“ bedeutet, sodass die Fähigkeit besteht, dass die Fülle (Schefa) bestehen kann. Und das ist, wie geschrieben steht: „Wer wird auf den Berg des Ewigen hinaufsteigen, und wer wird bestehen?“ Das heißt, selbst wenn der Mensch aufsteigt und nicht weiß, den Wert der Annäherung zu bewahren, dann nimmt die andere Seite (Sitra Achra) sie in ihren Besitz, und damit muss das Licht zwangsläufig weichen. Darum hat er keinen Bestand, sondern jeder einzelne muss gemäß seiner Stufe absteigen.

Und darin liegen mehrere Korrekturen:

a. Dass die Schalen nicht empfangen, was er hat, sodass sie nichts vom Menschen zu empfangen haben, da er bereits keine Heiligkeit mehr hat, die die andere Seite von ihm empfangen könnte.

b. Nachdem der Mensch in einen Abstieg geraten ist und beginnt, sich aufzurichten und zu sehen, in welchen Zustand er gelangt ist – das heißt, nachdem er so viel Arbeit investiert hat, um etwas in der Heiligkeit zu erlangen, und plötzlich sieht, dass er nackt und ohne alles dasteht, das heißt, dass er sich in einem Zustand der Niedrigkeit befindet, der nicht zu einem Menschen passt, der Arbeit und Mühe investiert hat, um in der Eigenschaft „Ihr werdet ‚Mensch‘ genannt“ zu sein, sondern dass er weit schlimmer als ein einfacher Mensch ist, das heißt, dass sich das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, bei ihm so sehr entwickelt hat, in einem Maß, von dem er nie geträumt hat. Und der Schmerz und der Kummer, den er darüber empfindet, geben ihm das Bedürfnis zu ermessen und zu würdigen: in der Zeit, in der man ihn ein wenig von oben näher bringt, weiß er nun, vorsichtig zu sein und diesen Zustand zu achten, und er bewahrt sich vor allem, um diesen Zustand nicht zu stören, und er weiß dann, dass man fürchten muss, dass sich kein Fremder einmischt.

Und aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Abstiege Dinge sind, die Korrekturen genannt werden, die es ermöglichen, dass eine Länge der Tage besteht, in der Zeit, in der sie ein wenig Annäherung von der Seite des Schöpfers erlangen. Und damit lässt sich das Geschriebene erklären „Und Gott nannte das Licht ‚Tag‘, und die Finsternis nannte Er ‚Nacht‘.“ Das heißt wie oben: Wenn der Mensch sagt, dass sowohl das Licht als auch die Finsternis von Gott kommen, und das ist „Und Gott nannte“, dann wird aus beiden, sowohl aus dem Licht als auch aus der Finsternis, aus beiden ein Tag. Das heißt, so wie es keinen vollständigen Tag ohne Abend und Morgen geben kann, so erfüllen das Licht und die Finsternis eine Aufgabe, sodass beide zusammen Tag genannt werden.

Und damit lässt sich das Geschriebene erklären „Gepriesen sei Er, unser Gott, der uns zu Seiner Ehre erschaffen hat.“ Und es gilt zu verstehen: Wie sagen wir „Gepriesen sei Er, unser Gott, der uns zu Seiner Ehre erschaffen hat“, in eben der Zeit, in der wir in die Eigenliebe versunken sind und unser Körper zufriedener wäre, wenn wir vielen Dank dafür sagen und geben könnten, dass Er uns zu unserer eigenen Ehre erschaffen hat? Dann sagen wir gewiss nicht die Wahrheit, indem wir Ihn dafür preisen, dass Er uns zu Seiner Ehre erschaffen hat. Dann ist das eine völlige Lüge.

Und gemäß dem oben Gesagten, dass wir glauben, dass „wer kommt, um sich zu reinigen, dem geholfen wird“, zeigt sich, dass der Schöpfer dem Menschen diese Kraft gibt, sodass es in seiner Macht steht, die Wichtigkeit der Sache zu empfinden. Denn der Mensch, wenn er empfindet, dass er dem König dient, was für ihn ein riesiges Vermögen wert ist, hat keine Worte, um dessen Wichtigkeit auszudrücken, sondern aus dem großen Genuss, den er empfindet, und aus großer Ergriffenheit sagt er „Gepriesen sei unser Gott“ dafür, dass Er uns die Wichtigkeit empfinden ließ, dass wir dem König dienen, und dafür, dass Er uns aus der Eigenliebe herausführte, in die wir versunken waren und von der uns nie in den Sinn kam, dass es jemals eine Möglichkeit geben würde, aus ihr herauszukommen. Plötzlich sehen wir, dass Er uns dieses Empfinden gab, dass wir Geschmack daran finden, dem König dienen zu können. Dann sagen wir „Gepriesen sei unser Gott, der uns zu Seiner Ehre erschaffen hat“, dass wir Ihn für dieses Geschenk preisen, das Er uns gab, das eine wichtige Sache in der Welt ist, die man nicht aus eigenen Kräften erlangen kann, sondern die ein Geschenk Gottes ist; darum preisen wir Ihn dafür. Und das ist die Erklärung dessen, was wir sagen: „Gepriesen sei Er, unser Gott, der uns zu Seiner Ehre erschaffen hat.“

Doch bevor der Mensch dies erlangt hat, nämlich Geschmack daran zu empfinden, dass Er uns zu Seiner Ehre erschaffen hat, wie sagt er dies? Man muss sagen, dass es wie bei all den Segnungen und Danksagungen ist, die wir auf die Zukunft hin sagen. Wie unsere Weisen über das Geschriebene sagten „Damals sang Moses“. Und der heilige Sohar fragte dazu: „Es heißt nicht ‚er sang‘, was die Gegenwart bedeuten würde, sondern es steht geschrieben ‚wird singen‘, was die Form der Zukunft ist.“ Und die Antwort ist, dass die Gerechten den Gesang auf die kommende Zukunft hin sagen. Das heißt, dass sie glauben, dass sie die Vollkommenheit erlangen werden. Darum sagen sie den Gesang schon, bevor sie die Vollkommenheit erlangt haben. Darum sagen wir auf dieser Grundlage bereits „Gepriesen sei Er, unser Gott, der uns zu Seiner Ehre erschaffen hat“.

Und im Sulam (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 140) erklärt er dort das Geschriebene „Ein Tag dem anderen sprudelt Rede zu, und eine Nacht der anderen verkündet Erkenntnis“. Und dies sind seine Worte: „Denn vor dem Ende der Korrektur (Gmar Tikun), das heißt, bevor wir unsere Gefäße des Empfangens dazu bereit gemacht haben, nur zu empfangen, um unserem Schöpfer ein Wohlgefallen zu bereiten und nicht zu unserem eigenen Nutzen, wird Malchut mit dem Namen ‚Baum von Gut und Böse‘ genannt. Denn Malchut ist die Lenkung der Welt gemäß den Taten der Menschenkinder. Und da wir nicht bereit sind, all den Genuss und das Gute zu empfangen, aus dem oben genannten Grund, sind wir darum gezwungen, die Lenkung von Gut und Böse von Malchut zu empfangen, welche Lenkung uns schließlich dazu bereit macht, unsere Gefäße des Empfangens auf das Geben hin zu korrigieren und den Genuss und das Gute zu erlangen, das Er für uns gedacht hat. Und siehe, die Lenkung von Gut und Böse verursacht uns viele Male Aufstiege und Abstiege, wie oben, und darum wird jeder Aufstieg als ein besonderer Tag gerechnet, und in dieser Weise wird jeder Abstieg als eine besondere Nacht gerechnet.

Und das ist es, was er sagt „Ein Tag dem anderen sprudelt Rede zu“. Dass sie am Ende der Korrektur die Teshuwa aus Liebe (Umkehr aus Liebe) erlangen werden, und dann wird offenbar werden, dass all jene Strafen, die in den Tagen des Abstiegs waren, bis wir zu Grübeleien (Hirhurim) kamen, das Frühere zu bereuen, dass sie es waren, die uns reinigten und unmittelbare Ursachen all des Glücks und des Guten waren; denn ohne jene furchtbaren Strafen wären wir niemals zu diesem Genuss und Guten gekommen. Und dann zeigen sich diese Mutwilligkeiten in wahrhaftige Verdienste verwandelt.“

Und das ist das Geschriebene „Ein Tag dem anderen sprudelt Rede zu, denn all jene Nächte, die die Abstiege, die Leiden und die Strafen sind, die die Anhaftung an den Schöpfer unterbrachen, sodass viele Tage einer nach dem anderen wurden – siehe, nun, nachdem auch die Nächte und die Finsternis dazwischen auch sie zu Verdiensten und guten Taten geworden sind, und die Nacht wird leuchten wie der Tag und die Finsternis wie das Licht, gibt es wieder keine Unterbrechungen dazwischen.“

Und mit dem Gesagten verstehen wir, was wir fragten: Was lehrt uns das Geschriebene „Und Gott nannte das Licht ‚Tag‘, und die Finsternis nannte Er ‚Nacht‘“? Die Erklärung ist wie oben in dem, was er im Sulam sagt: dass, so wie wir sehen, dass „ein Tag“ gerade in der Verbindung von Tag und Nacht besteht, ebenso kein Licht ohne Finsternis bestehen kann. Das heißt, dass der Schöpfer uns die Finsternis gab, damit durch sie das Licht sich offenbart. Und das wird „Und der Schöpfer nannte“ genannt. Das heißt, dass der Schöpfer uns die Ordnung der Arbeit so eingerichtet hat, dass sie in solcher Gestalt ist. Und obwohl wir glauben müssen, dass es in anderer Gestalt hätte sein können – Er ist ja allmächtig –, warum hat Er uns gerade diese Ordnung eingerichtet?

Dazu müssen wir sagen, dass wir keinerlei Erlangung im Schöpfer haben, um Seine Gedanken zu verstehen. Sondern alles, was wir lernen, ist nur aus der Eigenschaft „aus Deinen Taten haben wir Dich erkannt“, das heißt, aus dem, was wir an den Taten des Schöpfers betrachten, nachdem Er sie erschaffen hat. Dann beginnen wir zu sprechen. Aber zu sagen, dass Er es in anderer Gestalt hätte tun können, dazu sagten unsere Weisen: Es ist verboten zu fragen, was oben und was unten ist.

Und mit dem Gesagten erklären wir das Geschriebene (in der Haggada) „Nahe sei der Tag, der weder Tag noch Nacht ist“. Die Absicht ist auf das Ende der Korrektur, dass es dann einen Tag geben wird, der nicht aus Tag und Nacht zusammengesetzt ist, sondern ein Tag für sich. Und das wird sein durch „Erhabener, tu kund, dass Dein der Tag und auch Dein die Nacht ist“.

Denn am Ende der Korrektur wird allen bekannt sein „dass Dein der Tag und auch Dein die Nacht ist“. Das heißt: Da Sein Wille ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und Gutes Tag genannt wird, wie kann man dann sagen, dass der Schöpfer Finsternis gibt? Das ist doch gegen Sein Ziel. Sondern gewiss ist auch die Finsternis, nämlich die Nacht, die Eigenschaft des Tages, obwohl der Mensch Unterbrechungen in der Anhaftung an den Schöpfer empfindet, was Finsternis und Nacht genannt wird.

Aber am Ende der Korrektur, wenn das Wissen besteht, dass auch die Finsternis Er gab, ist gewiss auch dies Licht. Und der Beweis dafür ist, dass dann die Mutwilligkeiten wie Verdienste werden. Dann weiß man also „dass Dein der Tag und auch Dein die Nacht ist“, denn beide gehören Dir, das heißt, dass beide Du bist, nämlich der Schöpfer gab beide als Tag.

Hingegen kann man vor dem Ende der Arbeit die Unterbrechungen, die der Mensch in der Anhaftung an den Schöpfer hat, nicht dem zuschreiben, dass der Schöpfer ihm dies gesandt hat, da dies gegen das Schöpfungsziel ist. Und das ist das Geschriebene „Lass die Finsternis der Nacht leuchten wie das Licht des Tages“. Das heißt: Da die Mutwilligkeiten dann zu Verdiensten wurden, wurde damit alles zum Tag.

Und mit dem Gesagten verstehen wir, was Tag und Nacht in der Arbeit sind. Das heißt, dass der Mensch wissen muss: Obwohl er empfinden muss, was Finsternis ist – andernfalls ist er nicht fähig, das Licht zu genießen –, denn bei jeder Sache, an der der Mensch irgendeinen Geschmack kosten will, ob es sich lohnt, dass er sich ihrer bedient, muss er das eine vom anderen lernen, wie geschrieben steht „wie der Vorteil des Lichts aus der Finsternis“. So wie der Mensch nicht fähig ist, die Ruhe zu genießen, wenn er nicht weiß, was Müdigkeit ist.

Darum muss der Mensch einen Vorgang von Aufstiegen und Abstiegen durchlaufen. Aber er soll sich von den Abstiegen nicht beeindrucken lassen, sondern er muss sich anstrengen, nicht vom Schlachtfeld zu fliehen. Darum muss er, obwohl er während der Arbeit wissen muss, dass es zwei Dinge sind, am Ende der Arbeit doch sehen, dass das Licht und die Finsternis wie zwei Beine sind, die den Menschen zum Ziel bringen.

korrOp, EY, 16.7.2026, Ver3