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1989/17 Was bedeutet das Verbot, erst den Freund zu grüßen und dann den Schöpfer zu preisen?

Im Heiligen Sohar, Tezawe, Blatt 20, und im Sulam [Leiterkommentar zum Sohar], Punkt 51, heißt es: „Rabbi Jehuda eröffnete: ‚Lasset ab vom Menschen, in dessen Nase nur ein Hauch ist, denn was gilt er schon?‘ usw. Hat denn der Prophet davor gewarnt, sich von den übrigen Menschen fernzuhalten, und ebenso sollten die übrigen Menschen von ihm ablassen, sodass es Menschen gäbe, die einander niemals näherträten? Und er antwortet: Vielmehr erklärten sie den Vers von dem, der früh an die Tür seines Freundes tritt, um ihn zu grüßen, bevor er den Schöpfer preist; und darüber heißt es ‚lasset ab‘ usw.“ So weit seine Worte.

Auf den ersten Blick: Worin liegt das Verbot, wenn ein Mensch seinen Freund grüßt, bevor er den Schöpfer preist? Es sieht ja so aus, als ehrte er seinen Freund, bevor er den Schöpfer ehrt. Doch braucht der Schöpfer denn Ehre, sodass man sagen könnte, der Mensch verletze Seine Ehre, wenn er sie Ihm nicht vor dem Freund erweist?

Das gleicht doch einem Menschen, der in einen Hühnerstall tritt: Der Hahn blickt auf den anderen Hahn im Stall und beachtet den Menschen nicht, dem der Stall gehört. Kann man da sagen, der Hahn habe den Hausherrn gekränkt? Und erst recht gilt das für die Geschöpfe gegenüber dem Schöpfer: Der Mensch ist von der Größe des Schöpfers so weit entfernt, dass er Ihm gegenüber überhaupt nichts gilt – wie sollte man da sagen können, er habe die Ehre des Schöpfers verletzt?

Weiter ist zu klären, was es heißt: „Vielmehr erklärten sie den Vers von dem, der früh an die Tür seines Freundes tritt.“ Was bedeutet gerade „an die Tür seines Freundes“? Worauf deuten sie damit hin? Das klingt ja, als wäre es durchaus erlaubt, den Freund zu grüßen, solange man nicht früh an seine Tür tritt. Und dies ist im Sinne der Arbeit des Menschen auszulegen: Im Weg der Arbeit spricht alles von einem einzigen Menschen, also beziehen sich auch der Freund und der Gruß auf ein und denselben Menschen.

Bekanntlich besteht die Arbeit des Menschen darin, zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen, die „Angleichung der Form“ genannt wird. Denn wir lernen, dass der Schöpfer, dessen Wille es ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, in den Geschöpfen ein Verlangen zu empfangen erschuf – eine Sehnsucht nach Freude und Genuss; und das wird das Schöpfungsziel genannt. Doch damit es keine Scham gäbe, wurde eine Korrektur vorgenommen, die Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung genannt wird, sodass man die Heiligkeit (Kedusha) und das Gute und den Genuss, die in ihr liegen, nicht mehr spürt.

Zwar sagen wir jeden Tag: „Die ganze Erde ist voll Seiner Herrlichkeit“ – dennoch liegt darüber eine Verhüllung, und wir müssen daran glauben. Doch solange der Mensch seine Handlungen nicht so korrigiert hat, dass sie dem Geben dienen, spürt man dies nicht. Vielmehr hängt es von seiner Arbeit an den Gefäßen des Gebens ab: In dem Maß, in dem er sie erlangt, weicht die Einschränkung. Dann beginnt er, das Dasein des Schöpfers zu spüren; und dies ist unsere ganze Arbeit – zur Angleichung der Form zu gelangen, die Anhaftung an den Schöpfer genannt wird.

Um die Gefäße des Gebens zu erlangen, gibt es eine ganze Ordnung der Arbeit. Mein Herr, Vater und Lehrer erklärte sie anhand der drei Seelen, die es im Menschen gibt:

a. Die Nefesh der Heiligkeit, an der es nichts zu korrigieren gibt;

b. die Nefesh der drei unreinen Klipot (Schalen), an der hier nichts zu korrigieren ist, denn sie wird erst am Ende der Korrektur berichtigt;

c. die Nefesh der Klipa Noga, die halb gut und halb böse ist und in der die ganze Arbeit des Menschen liegt. Denn wenn der Mensch eine Mizwa verrichtet, dann verbindet sich diese Nefesh mit der Heiligkeit; und wenn er eine Übertretung begeht, verbindet sich diese Nefesh mit der Nefesh der drei unreinen Klipot. Bei dieser Nefesh liegt die Entscheidung zwischen Gut und Böse also in seiner Hand. Und die ganze Arbeit liegt allein in dieser Nefesh.

Wenn der Mensch daher beginnt, sich mit Tora und Mizwot in ihrer wahren Gestalt zu befassen – also um zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen –, dann liegen zwei Wege vor ihm: Der eine ist, dass die Arbeit, die er verrichtet, einen Lohn zu seinem eigenen Nutzen bringen soll und nicht zum Nutzen des Schöpfers; das nennt man, dass er die Nefesh der Klipa nähren will, das heißt, dass sie den Lohn für seine Arbeit empfange. Der andere ist, dass er durch seine Arbeit die Heiligkeit nähren will – das heißt, dass der Lohn für seine Arbeit allein zum Nutzen des Schöpfers sei; dann nährt sich aus seiner Arbeit die Nefesh der Heiligkeit, und das nennt man, dass sich die Nefesh der Klipa Noga der Nefesh der Heiligkeit anschließt.

Allerdings muss man wissen: Die Stufe „dass alle deine Taten um des Himmels willen geschehen“ erreicht man nicht auf einmal. Vielmehr ist es, wie unsere Weisen sagten: „Der Trieb des Menschen erstarkt täglich über ihn, und würde der Schöpfer ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht überwinden.“ Unsere Weisen teilen uns hier also zwei Dinge mit:

a. dass man das Böse nicht auf einmal überwindet, sondern dass es Tag für Tag eine neue Arbeit gibt, wie es heißt: „Der Trieb des Menschen erstarkt täglich über ihn“;

b. dass der Mensch den Trieb ohne die Hilfe des Schöpfers nicht überwinden kann.

Und diese beiden Aspekte werden Licht und Gefäß genannt. Das heißt, der Mangel, den der Mensch in sich entdeckt – dass das Böse über ihn herrscht –, ist das Gefäß. Er spürt nämlich, wie weit er davon entfernt ist, um des Himmels willen zu arbeiten und die Liebe zum Schöpfer „mit deinem ganzen Herzen“ usw. zu üben, und nicht zum eigenen Nutzen. Der Körper kann nicht begreifen, wie es so etwas überhaupt geben soll – es geht ja geradezu gegen Verstand und Vernunft.

Das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen, kann der Mensch nur dann begreifen, wenn ihm der Schöpfer dadurch alle Wünsche seines Herzens erfüllt. Das heißt, der Mensch kann begreifen, dass der Schöpfer dem Menschen zu Diensten ist und ihm dient und ihm all seine Bedürfnisse gibt; aber das Umgekehrte – dass nämlich der Mensch dem Schöpfer dient und immer daran denkt, womit er dem Schöpfer Freude bereiten kann, sodass der Schöpfer Sich an seinen Taten freut, wie es heißt: „Der Schöpfer freue Sich an Seinen Werken“, also daran, dass die Geschöpfe, Seine Werke, Ihm Freude bereiten –, da fragt der Mensch: „Was gewinne ich, wenn ich dem Schöpfer Freude bereite?“ Denn der Körper des Menschen begreift nur das, was dem eigenen Nutzen dient.

Dieser Mangel, den der Mensch zu spüren beginnt – dass er nicht fähig ist, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten –, wird Gefäß genannt: ein Bedürfnis nach jemandem, der ihm hilft, sodass er das Verlangen hat, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten. Und die Hilfe, die er von oben empfängt – „der Schöpfer half ihm“ –, wird Licht genannt. Und diese beiden offenbaren sich nacheinander und nicht auf einmal, wie oben gesagt. Darum sagten sie: „Der Trieb des Menschen erstarkt täglich über ihn“. Licht und Gefäß werden also nicht an einem Tag vollendet; vielmehr gilt, wie geschrieben steht: „Münze um Münze fügt sich zu einer großen Summe“ – so lange, bis das Gefäß ein volles Maß an Mangel erreicht hat, das geeignet ist, das Licht in seiner Vollkommenheit zu empfangen.

Im Heiligen Sohar heißt es dazu (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 141, und im Sulam, Punkt 140): „‚Ein Tag dem anderen sprudelt Rede zu, und eine Nacht der anderen kündet Erkenntnis‘ usw. Denn vor dem Ende der Korrektur, das heißt, bevor wir unsere Gefäße des Empfangens dazu bereitet haben, zu empfangen, nur um zu geben – um unserem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten und nicht zu unserem eigenen Nutzen –, wird Malchut ‚Baum von Gut und Böse‘ genannt. Denn Malchut ist die Lenkung der Welt nach den Taten der Menschen usw., und diese Lenkung bereitet uns letztlich darauf vor, unsere Gefäße des Empfangens zu korrigieren, um zu geben, und des Genusses und des Guten würdig zu werden, das Er für uns gedacht hat, usw.“

„Und siehe, die Lenkung von Gut und Böse verursacht uns viele Male Aufstiege und Abstiege usw. Und wisse, dass jeder Aufstieg deshalb als ein eigener Tag gilt usw. Denn all jene Nächte, die die Abstiege, die Leiden und die Strafen sind, unterbrachen die Anhaftung an den Schöpfer, sodass daraus viele einzelne Tage nacheinander wurden. Nun aber, nachdem auch die Nächte und die Finsternis dazwischen zu Verdiensten und guten Taten geworden sind usw., gibt es keine Unterbrechungen mehr, und alle diese sechstausend Jahre verbinden sich zu einem einzigen großen Tag usw.“

„Und dies ist das Geheimnis von ‚Ein Tag dem anderen sprudelt Rede zu‘: Denn das oben genannte Wort, das zwischen dem einen und dem anderen Tag trennte, wird nun zu einem großen Lobpreis und preist Ihn, weil es zu einem Verdienst geworden ist; und darum wurden sie alle zu einem einzigen Tag für den Schöpfer usw. Denn erst alle zusammen, versammelt, wurden würdig, die große Erkenntnis zu empfangen.“ So weit seine Worte.

Daraus folgt: Allein durch die Abstiege und die Aufstiege – Tage und Nächte genannt – entsteht ein großes Gefäß, also ein großes Bedürfnis; sie müssen sich dazu erst zu einem vollen Maß fügen, das geeignet ist, die große Erkenntnis zu empfangen. Und dies kommt aus der Kraft der Abstiege, in denen er sieht, dass er jedes Mal mehr des Schöpfers bedarf, damit Er ihm hilft, aus der Eigenliebe herauszutreten; und Tag für Tag, also durch die Aufstiege, empfängt er jedes Mal Hilfe – was Licht und Fülle genannt wird –, deren Leuchten ihn zum Guten zurückführt.

Und das nennt man „der Schöpfer half ihm“, denn gerade durch beides erlangt man ein Gefäß, das geeignet ist, den Genuss und das Gute zu empfangen, das der Schöpfer für ihn gedacht hat. Damit hat er die Korrektur und die Vorbereitung erhalten, um das Schöpfungsziel zu erlangen, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.

Doch das Schwierigste in der Arbeit ist, dass ihre Ordnung zwei Schriftstellen gleicht, die einander widersprechen, sodass schwer zu verstehen ist, wie beide wahr sein können.

Zum Beispiel schreibt mein Herr, Vater und Lehrer in einem Aufsatz über die Ordnung der Arbeit: „Wenn man die Arbeit dem Schöpfer zuschreibt, soll man glauben, dass der Schöpfer unsere Arbeit annimmt, und es ist nicht wichtig, in welcher Gestalt die Arbeit erscheint.“ Es kommt also nicht darauf an, ob er mit großem Verstand und großem Begreifen arbeitet. Schreibt der Mensch die Arbeit dem Schöpfer zu – arbeitet er also an der Absicht des Gebens –, dann nimmt der Schöpfer seine Arbeit wohlgefällig an, und sei sie auch von äußerster Schlichtheit, ohne jegliches Begreifen. Vorausgesetzt bleibt jedoch, dass er die Absicht zu geben hat. Und er sagte: In welcher Gestalt auch immer muss man glauben, dass Er erhört. Selbst wenn der Mensch nicht eigens die Absicht zu geben hat, sondern nur die Absicht, zum Schöpfer zu sprechen, muss er glauben, dass der Schöpfer sein Gebet erhört.

Und auf der anderen Seite steht in „Pri Chacham“ [Frucht des Weisen, Schriftensammlung von Baal HaSulam] (Teil 2, Blatt 65) geschrieben, dass der Mensch danach streben muss, den Schöpfer zu erlangen, das heißt, an Ihn anzuhaften, in vollkommener Erkenntnis – was den Aspekt des Schöpfers darstellt. Der Mensch muss also in der rechten Linie gehen, die als Vollkommenheit gilt, und muss zum Schöpfer beten und Ihm danken, selbst wenn er in sich nichts findet, was ein Verlangen nach Spiritualität wäre. Wie aber kann er dahin gelangen, dem Schöpfer zu danken und zu sagen, dass der Schöpfer erhört, was er zu Ihm spricht? Genau das meint ja der Satz, man solle die Arbeit dem Schöpfer zuschreiben: dass Er sie annimmt, gleich in welcher Gestalt sie erscheint.

Vielmehr ist es so: Wenn er es nur dem Schöpfer zuschreibt und sagt: „Ich wende mich an den Schöpfer“, und glaubt, dass Er ihm auf seine Wünsche antworten kann, dann freut sich der Mensch darüber und fühlt sich als ein Mann, der über das Volk erhoben ist. Das heißt: Die übrigen Menschen haben keinerlei Beziehung zur Spiritualität; ihm aber hat der Schöpfer immerhin das Empfinden gegeben, dass ihm Spiritualität fehlt – in welcher Gestalt auch immer –, und er hat überhaupt ein Interesse daran, über Spiritualität nachzudenken. Dabei kommt es gar nicht darauf an, ob er sie besitzt oder nicht, oder ob er gerade in äußerster Niedrigkeit ist – also sieht, dass er jetzt kein Verlangen hat, in der Stufe aufzusteigen und der Niedrigkeit zu entkommen. Dennoch dankt er dem Schöpfer dafür, zumindest dafür, dass er an Spiritualität denkt, während die übrigen Menschen keinerlei Gedanken an Spiritualität haben.

Wenn er dem Schöpfer danken kann, empfängt er daraus Freude, und es gilt: „Aus dem lo liShma kommt man zum liShma“ – also aus dem Lernen, das noch nicht um des Gebens willen geschieht, zu dem, das um des Gebens willen geschieht, und dadurch steigt er aus seinem Zustand der Vollkommenheit auf und kann auf diese Weise zu einem Zustand gelangen, in dem er sogar den Zustand der Niedrigkeit vergisst, in dem er sich befand, bevor er die Selbstprüfung anstellte und dem Schöpfer dankte; und es scheint ihm, als wäre er immer in diesem Zustand gewesen.

Das folgt aus dem Aspekt „Gesegnetes haftet an Gesegnetem“: Da der Dank, den er dem Schöpfer darbringt, bewirkt, dass der Mensch sich vollkommen fühlt, kann er in dem Maß der Freude, die er herabzieht, in der Stufe aufsteigen. Und gewiss ist dieser Weg wahr: Der Mensch hat nicht die Kraft, die Wichtigkeit der Heiligkeit zu ermessen, sondern eine noch so kleine Berührung mit der Heiligkeit ist beim Schöpfer unendlich viel wichtiger als alle körperlichen Dinge.

Bei körperlichen Genüssen weiß der Mensch, dass es sich lohnt, dem Schöpfer dafür zu danken. Der Grund ist, dass der Schöpfer die körperlichen Genüsse in einer Weise gegeben hat, dass der Mensch, der sie empfängt, Freude und Erhebung des Geistes spürt. Anders ist es bei der Heiligkeit: Diese gab Er zum Zweck der Korrektur, wie wir gelernt haben, im Aspekt der Verbergung und der Verhüllung.

Aber der Mensch muss wissen: Danken kann er nur für das, dessen Wichtigkeit ihm offen vor Augen liegt; was ihm dagegen nicht als wichtig vor Augen steht, das schätzt er nicht. Dennoch muss derjenige, der in die Arbeit für den Schöpfer eintreten will, mit dem Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) glauben und sagen, dass eine kleine Berührung mit der Heiligkeit als eine große Sache gilt. Und er muss daran arbeiten, die Sache so wichtig zu nehmen, bis es in seiner Macht steht, aus dieser kleinen Sache Freude zu schöpfen.

In der Sprache unserer Weisen heißt das: „Wer ist reich? Wer sich an seinem Anteil freut“ – das heißt, wer sich mit Wenigem begnügt. Selbst für eine geringe Sache kann er großen Dank darbringen, als hätte er etwas Großes empfangen. Daher gilt jede Berührung, die er hat, selbst wenn sie negativ ist, ebenfalls als positiv.

Das heißt: Der Mensch sieht und spürt, dass er kein Verlangen und keine Lust zur Arbeit hat – was ja wahrhaft negativ ist. Wenn er dennoch etwas daraus ziehen kann und sieht, dass er wenigstens den Gedanken hat, über Spiritualität nachzudenken, und wenn er dem Schöpfer dafür dankt und Ihn dafür preist, dass er Anteil an der Spiritualität hat; wenn er sieht, dass es Menschen gibt, denen der Schöpfer nicht einmal gegeben hat, überhaupt an die Arbeit zu denken, und wenn er glaubt, dass der Schöpfer gerade ihn erwählt hat, ihm die Kenntnis zu geben, dass es Spiritualität gibt, und wenn er sagt, der Schöpfer habe ihm nur noch nicht die Erlaubnis gegeben, einzutreten und die heilige Arbeit zu verrichten – wenn er also aus diesem Zustand Freude schöpfen kann, dann kann ihn das aus seiner Niedrigkeit herausführen und in die Heiligkeit eintreten lassen, wie oben gesagt.

Auf der anderen Seite jedoch muss der Mensch in sich den Wert der Arbeit erwecken, die auf dem Weg der Wahrheit geschieht – also dessen, was ihm zu korrigieren auferlegt ist. Dort steht ja geschrieben, dass der Mensch zur Vollkommenheit gelangen muss, um den Aspekt von 620-mal mehr zu erlangen, als er an Erlangung hatte, bevor die Seele in den Körper hinabstieg. Und obwohl dies dem Aspekt der rechten Linie widerspricht, ist auch dies wahr; das heißt, die Vollkommenheit liegt gerade darin, dass er dazu gelangt, das zu korrigieren, was ihm auferlegt ist.

Nach dem Gesagten verstehen wir nun unsere Frage: Worin liegt das Verbot, den Freund zu grüßen, bevor man den Schöpfer gepriesen hat? Denn man muss im Sinne der Arbeit wissen, dass jeder Mensch eine ganze Welt ist; somit ist auch mit „seinem Freund“ der Körper gemeint, insofern er eine Nefesh der Klipat Orla [Noga] hat. „Grüßen“ bedeutet, dass er Vollkommenheit haben soll, bevor er den Schöpfer gepriesen hat. Seine Grundlage muss also sein, den Schöpfer zu preisen: Alles, was er tut, geschieht ganz zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen, der die Nefesh der drei unreinen Klipot ist. Hat er sich daher zuerst bemüht, die Absicht zu fassen, dass alles zum Nutzen des Schöpfers sei, dann kann er danach seinen Freund grüßen: Dann unterwirft er ihn, sodass dieser sich beugt und sich ebenfalls zum Nutzen des Schöpfers betätigt.

Es zeigt sich also: Wenn er den Schöpfer preist, bevor er seinen Freund grüßt – das heißt, dass er will, dass die Ehre des Schöpfers offenbart werde, wie es geschrieben steht: „Wenn der Schöpfer Wohlgefallen an den Wegen eines Mannes hat, versöhnt Er sogar seine Feinde mit ihm“ –, so soll es sein, und nicht umgekehrt. Und darum ist es verboten, früh an die Tür seines Freundes zu treten usw.

 

Zusammenfassung:

Der Artikel von Rabash beginnt mit einem Verweis auf den Heiligen Sohar und einer Interpretation von Rabbi Yehuda über das Verhalten eines Menschen, der seinen Freund vor dem Schöpfer grüßt. Dieses Verhalten wird kritisch betrachtet, nicht weil es die Ehre des Schöpfers mindert, sondern weil es aufzeigt, wie der Mensch seine spirituellen Prioritäten setzt.

Rabash vertieft diese Diskussion, indem er das Konzept der „Dwekut“ (Anhaftung) an den Schöpfer und die „Gleichheit der Form“ mit ihm einführt. Er erläutert, dass der menschliche Wunsch nach Genuss und Freude von Gott erschaffen wurde, aber dass Scham vermieden werden sollte, indem man sich von Selbstnutz an Heiligkeit (Kedusha) und Genuss in der Kedusha abwendet. Dieser Zustand ist normalerweise vor den Menschen verborgen und erfordert Glauben und spirituelle Arbeit, um ihn zu enthüllen.

Die spirituelle Arbeit des Menschen wird durch die drei Typen der Seele (Nefesh) veranschaulicht: Die Nefesh der Kedusha, die keine Korrektur benötigt, die Nefesh der drei unreinen Klipot, die am Ende der Korrektur bearbeitet wird, und die Nefesh der Klipa von Noga, die halb gut und halb böse ist. Der Mensch arbeitet innerhalb dieser Nefesh, um sich entweder der Kedusha oder den unreinen Klipot zuzuwenden, abhängig von seinen Taten und Absichten.

Die Bedeutung der Absicht hinter den Taten wird weiter betont. Wenn die Handlungen des Menschen selbstbezogen sind, nährt er die Nefesh der Klipa, während handeln um des Schöpfers willen die Nefesh der Kedusha nährt. Rabash erklärt, dass der Übergang zu rein selbstlosen Handlungen ein gradueller Prozess ist, der die Hilfe des Schöpfers erfordert. Dieser Prozess wird durch das Konzept von „Licht und Kli“ (Gefäß) illustriert, wobei das Licht die göttliche Hilfe und das Kli das menschliche Bedürfnis nach dieser Hilfe darstellt.

Der Artikel erörtert auch die Schwierigkeiten, die mit dem spirituellen Fortschritt einhergehen, indem er die scheinbaren Widersprüche in den Lehren der Weisen hervorhebt. Einerseits wird betont, dass der Schöpfer alle Handlungen annimmt, unabhängig von ihrem Niveau, solange sie ihm zugeschrieben werden. Andererseits wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, eine bewusste Verbindung zum Schöpfer aufzubauen.

Schließlich wird die Bedeutung von Dankbarkeit und Demut in der spirituellen Arbeit hervorgehoben. Ein Mensch, der keine spirituelle Sehnsucht hat, aber dennoch dankbar für seinen Bezug zur Spiritualität ist, kann letztendlich zu echter Kedusha aufsteigen. Der Artikel schließt mit einer Betonung darauf, dass sowohl Aufstiege als auch Abstiege im spirituellen Weg notwendig sind, um ein vollständiges Verständnis und eine vollkommene Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen.

korrOp, EY, 27.07.2026, 12:03 Uhr, Ver3