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1989/29 Was ist die Vorbereitung auf den Empfang der Tora in der Arbeit – 2

Unsere Weisen (Shabbat, Blatt 87) sprachen über die Vorbereitung auf die Gabe der Tora: das Königreich der Priester, die Mizwa der Begrenzung und die Absonderung. Das galt für die ganze Allgemeinheit. Denn es gibt Menschen, die Tora und Mizwot auf allgemeine Weise erfüllen, also nur der Handlung nach. Sie richten ihre Absicht darauf, dass der Schöpfer uns geboten hat, Tora und Mizwot zu erfüllen, und dass Er uns dafür, dass wir auf Seine Stimme hören, einen Lohn für die Mühe zahlen wird – die Mühe, dass wir auf vieles verzichten, wonach der Körper verlangt. Es kostet uns große Mühe, nicht auf die Stimme des Körpers zu hören und auf das, was er fordert. Wir bemühen uns vielmehr, auf die Stimme des Schöpfers zu hören, also auf das, was Er fordert. Das heißt: Wir annullieren unseren Willen vor dem Willen des Schöpfers. Als Gegenleistung dafür wird Er uns Lohn zahlen in dieser Welt und in der kommenden Welt, wie es heißt: „Wohl dir in dieser Welt, und gut ergeht es dir in der kommenden Welt.“ Das ist die Arbeit der Allgemeinheit.

Daneben gibt es die Arbeit des Einzelnen. Diese Menschen wollen Tora und Mizwot auf einzelne Weise erfüllen. Ihnen ist gleichgültig, was die Allgemeinheit tut; sie wollen wissen, weshalb der Schöpfer uns geboten hat, Tora und Mizwot zu erfüllen. Hat Er etwa einen Mangel, sodass Er jemanden bräuchte, der Ihm einen Gefallen tut und Seine Tora und Mizwot erfüllt? Sicher hat Er uns die Tora und Mizwot, die Er uns gab, zu unserem Nutzen gegeben. Also beginnen sie nachzudenken und darauf zu achten, welcher Nutzen den Geschöpfen daraus erwächst, dass sie Tora und Mizwot erfüllen. Was verlieren sie, wenn sie nicht erfüllen, und was gewinnen sie, wenn sie das erfüllen, was der Schöpfer uns geboten hat.

So sagten die Weisen (Awot, zweites Kapitel): „Sei achtsam bei einer leichten Mizwa wie bei einer schweren, denn du kennst den Lohn der Mizwot nicht; und rechne den Verlust durch eine Mizwa gegen ihren Lohn und den Lohn einer Übertretung – also den Genuss, den du bei der Übertretung hast – gegen ihren Verlust.“ Wenn sie also beginnen, über den Nutzen der Erfüllung von Tora und Mizwot nachzudenken und darüber, wer davon gewinnt, dann sehen sie, was die Weisen sagten (Awot, erstes Kapitel): „Seid vielmehr wie Knechte, die dem Meister dienen, ohne Lohn empfangen zu wollen; und die Ehrfurcht vor dem Himmel sei auf euch.“

Daraus geht hervor: Dass man arbeiten soll, ohne Lohn empfangen zu wollen, hat einen Grund. Die Erfüllung von Tora und Mizwot geschieht nicht für den Schöpfer, als bräuchte Er es, dass man für Ihn arbeitet. Denn wäre es zutreffend, dass Er unsere Arbeit bräuchte, dann müsste Er sicher dafür bezahlen. So wie wir in dieser Welt bei jemandem arbeiten: Wenn er die Arbeit des Arbeiters braucht, dann bezahlt er sicher dafür, denn so ist der Lauf der Welt. Da die Weisen aber sagten, man solle arbeiten, ohne Lohn empfangen zu wollen, kann der Grund nur der sein: Diese Arbeit geschieht für uns, zu unserem eigenen Nutzen.

Wie ließe sich dann Folgendes behaupten? Jemand verrichtet eine Arbeit, die seinem eigenen Nutzen dient; er selbst braucht diese Arbeit. Ein anderer hat ihm lediglich einen Arbeitsplan gegeben, damit er weiß, wie er vorgehen muss, sodass etwas Vollständiges entsteht, woran er Freude hat. Wie könnte man da sagen, dieser andere müsse ihm auch noch Lohn für seine Arbeit zahlen? In unserer Welt ist es umgekehrt: Der Mensch muss für den Arbeitsplan bezahlen, den jener ihm gegeben hat. Niemand erwartet, dass derjenige, der den Plan gibt, obendrein noch Lohn dafür zahlt, dass der Mensch nach diesem Plan arbeiten geht.

Es gleicht jemandem, der sich ein Haus bauen will: Er geht zu einem Ingenieur, damit dieser ihm einen Plan ausarbeitet. Wer muss dann bezahlen? Bezahlt der Ingenieur den Menschen, der den Arbeitsplan bekommen hat, oder bezahlt der Mensch den Ingenieur dafür, dass dieser ihm einen Arbeitsplan gegeben hat, durch den er sich ein Haus bauen kann? Natürlich bezahlt der Mensch den Ingenieur.

Danach versteht man: Der Schöpfer gab uns Tora und Mizwot, damit wir uns selbst korrigieren und einen Bau der Heiligkeit (Kedusha) erhalten. Wer muss also den Lohn für den Plan zahlen? Sicher wir. Denn ohne Tora und Mizwot, die unser Plan für den Bau der Heiligkeit sind, könnten wir uns kein Haus der Heiligkeit bauen. Dazu sagten die Weisen: „Wäre nicht Mein Bund Tag und Nacht, hätte Ich die Ordnungen von Himmel und Erde nicht gesetzt.“ Das bedeutet: Ohne Tora und Mizwot könnten die Ordnungen von Himmel und Erde, die den Bau der Welt ausmachen, nicht bestehen. Vielmehr hat die Welt nur dann Bestand, wenn man sie nach der Tora baut. Daraus versteht man: Obwohl wir dem Schöpfer nichts dafür zu zahlen haben, dass Er uns den Plan von Tora und Mizwot gab, können wir Ihm dafür danken und Ihn loben. Doch einen Lohn für die Erfüllung von Tora und Mizwot sollten wir nicht verlangen – als schuldete Er uns etwas dafür, dass wir Seinen Plan benutzen, um uns das Haus zu bauen.

Jene Menschen, die das verstehen, werden „solche, die in der Arbeit für den Schöpfer den einzelnen Weg gehen“ genannt. Sie sehen die Erfüllung von Tora und Mizwot anders als die Allgemeinheit. Diese meint, der Schöpfer müsse ihr dafür bezahlen, dass sie nach den Gesetzen der Tora geht, die ja der Plan des Schöpfers sind. Die Allgemeinheit versteht es so: Der Schöpfer wolle, dass sie nach dem Plan geht, den Er ihr gegeben hat, und dass dies zum Nutzen des Schöpfers sei. Deshalb müsse Er ihr diese Arbeit entlohnen.

So sagten die Weisen (Midrasch Rabba, Parasha 1,1): „Eine andere Auslegung: ‚Amon‘ bedeutet ‚Werkmeister‘ (Uman). Die Tora sagt: ‚Ich war das Werkzeug der Kunst des Heiligen, gepriesen sei Er.‘ Ein König aus Fleisch und Blut, der einen Palast baut, baut ihn nicht aus eigenem Wissen, sondern nach dem Wissen eines Werkmeisters. Und der Werkmeister baut nicht ohne Weiteres, sondern bedient sich der Diftraot und Pinkesaot (das sind Bücher, in denen verschiedene Arten von Zeichnungen von Bauten enthalten sind, und nach denen der Werkmeister einen Plan gibt, wie der Palast zu bauen ist). So blickte der Heilige, gepriesen sei Er, in die Tora und erschuf die Welt.“

Was lehrt uns das über die Arbeit? Wie verlief die Erschaffung der Welt, wenn der Heilige, gepriesen sei Er, in die Tora blickte – wenn also die Tora der Plan ist, nach dem Er die Welt erschuf? Bekanntlich war das Schöpfungsziel, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun; darum erschuf Er die Welt. Deshalb legte der Schöpfer in die Geschöpfe ein Verlangen und eine Sehnsucht, Genüsse zu empfangen. Ohne Genuss kann niemand bestehen.

Wir sehen es an folgendem Beispiel: Wer sich das Leben nimmt, tut es, weil er nicht sieht, woher er jetzt Genuss empfangen sollte – dieses Jetzt nennt man „Gegenwart“. Und auch für die Zukunft sieht er nicht, dass er einen Ort haben wird, um Genuss zu empfangen. Vielmehr sieht er, dass die Welt für ihn finster ist und ihm nicht leuchtet. Dann hat er keinen anderen Rat, als sich das Leben zu nehmen. Das heißt, er denkt, dass er dadurch den Leiden entfliehen wird. Dass der Mensch immer Genüsse empfangen will, entspringt jener Natur, die der Schöpfer erschuf: Jedes Geschöpf strebt einzig danach, Genüsse zu empfangen. Man muss wissen: Alles, was wir „böser Trieb“ (Jezer haRa) nennen, ist nichts anderes als diese Eigenschaft, die „Verlangen, Genuss zu empfangen, um die Sehnsucht zu erfüllen“ genannt wird.

Weshalb heißt das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, „böser Trieb“? Der Grund liegt in der Korrektur der Schöpfung. Empfängt das Geschöpf vom Schöpfer, so entsteht dabei eine Formverschiedenheit; deshalb schämt sich der Mensch, wenn er von seinem Nächsten für sich selbst empfängt. Deshalb schämt sich der Mensch, das Brot der Gnade zu essen. Daraus folgt: Nähme der Mensch das Gute und den Genuss in Gefäßen des Empfangens auf, so verspürte er beim Empfang der Fülle ein Unbehagen. Deshalb wurde eine Korrektur vorgenommen, dass der Mensch, solange er die Gefäße des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, nicht annulliert, nicht fähig ist, das Gute und den Genuss zu empfangen. Was den Empfang des Guten und des Genusses verhindert, ist demnach das Verlangen, für sich selbst zu empfangen. Deshalb ist dieses Verlangen zu empfangen der böse Trieb.

Doch wie kann man es annullieren? Wie geschrieben steht: „Annulliere deinen Willen vor Seinem Willen.“ Dazu dient die Tora, wie die Weisen sagten: „Der Heilige, gepriesen sei Er, sprach: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Der Heilige, gepriesen sei Er, sagt damit: Ich erschuf das Verlangen, Genuss zu empfangen. Das ist die Natur der Schöpfung – sie heißt „Etwas aus Nichts“, weil hier etwas Neues erschaffen wurde. Eben über dieses Verlangen zu empfangen ist das Wort gesagt. Der Heilige, gepriesen sei Er, sprach: „Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das geschieht durch „das Licht in ihr, das ihn zum Guten zurückbringt“.

Daraus folgt: Gäbe es die Tora nicht, hätte die Welt keinen Bestand. Denn wegen der Verhüllung und Verbergung, die aufgrund der Korrektur der Welt geschah, wären die Geschöpfe gezwungen, in der Finsternis zu bleiben, ohne Licht. Damit hätte die Welt keinen Bestand. Das meint der Satz, der Heilige, gepriesen sei Er, habe in die Tora geblickt: Die Tora ist der Plan. Nach diesem Plan soll die Welt durch die Tora gehen und gebaut werden – dadurch erhält sie Bestand, wie gesagt, was „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“ genannt wird.

Zum Lernen der Tora sagten die Weisen (Chagiga 13): „Man übergibt einem Götzendiener keine Worte der Tora, wie es heißt: ‚So hat Er an keinem anderen Volk getan, und Seine Gesetze kennen sie nicht.‘“ Was aber ist die Kategorie des Götzendieners in der Arbeit? Denn in der Arbeit lernt man alles an einem einzigen Körper, wie im Sohar geschrieben steht, dass der Mensch eine kleine Welt ist. Was ist also „Götzendiener“ in der Arbeit, und was ist die Kategorie „Israel“?

Wir haben bereits davon gesprochen: „Israel“ wird derjenige genannt, der will, dass alle seine Handlungen um des Himmels willen geschehen und nicht zu seinem eigenen Nutzen – das wird Yashar-El (direkt zum Schöpfer) genannt, weil all sein Tun unmittelbar auf den Schöpfer zielt. „Götzendiener“ heißt das genaue Gegenteil: Alle seine Handlungen geschehen zu seinem eigenen Nutzen; er will zwei Herrschaftsbereiche. Das bedeutet, er will das Gute und den Genuss aus dem Herrschaftsbereich des Heiligen, gepriesen sei Er, in seinen eigenen Herrschaftsbereich hinausholen.

Das heißt, er will, dass zwei Herrschaftsbereiche in der Welt bestehen bleiben: der Herrschaftsbereich des Heiligen, gepriesen sei Er, und sein eigener Herrschaftsbereich. Von ihm heißt es, er „verrichte Götzendienst“ (Awoda Sara) – eine Arbeit, die uns fremd ist. „Israel“ dagegen heißt derjenige, der zum Nutzen des Schöpfers arbeitet. Er heißt „Diener des Schöpfers“, denn all sein Tun geschieht um des Himmels willen. Anders ist es, wenn der Mensch zu seinem eigenen Nutzen arbeitet und nicht zum Nutzen des Schöpfers; das wird so genannt, dass seine Arbeit ein Götzendienst ist und er kein Diener des Schöpfers.

Der ganze Unterschied zwischen Götzendiener und Israel besteht demnach darin, dass „Israel“ derjenige heißt, der um des Himmels willen arbeiten will. Zwar ist er dem bösen Trieb noch unterworfen und kann ihn noch nicht bezwingen. Weil er aber den Weg geht, der zur Arbeit um des Himmels willen führt, heißt er bereits „Israel“ – er will auf diese Stufe gelangen.

Doch wenn der Mensch in der Kategorie Israel arbeiten will – was, wie wir sagten, Arbeit in der Kategorie des Einzelnen genannt wird –, dann tritt ihm alles Böse, das im Menschen ist, entgegen. Zuvor war das anders. Solange seine Arbeit nur in der Kategorie der Allgemeinheit lag, blickte er auf seine Handlungen und glaubte, für jede einzelne eine Gegenleistung zu empfangen – Lohn in dieser Welt wie in der kommenden. Da fiel es ihm leicht, gute Taten zu vollbringen, denn sie richteten sich nicht gegen den bösen Trieb, der „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ heißt.

Anders ist es jetzt, wo er arbeiten will, um seinen eigenen Herrschaftsbereich zu annullieren, sodass nur ein einziger Herrschaftsbereich in der Welt bestehen bleibt, nämlich der Herrschaftsbereich des Heiligen, gepriesen sei Er. Dann widersetzt sich das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, diesem Vorhaben. Nun kommt die Frage des Bösewichts: „Was soll euch diese Arbeit?“ – das heißt, dass ihr nicht zu eurem eigenen Nutzen arbeiten wollt, was habt ihr davon? Darauf gibt es keine Antwort, sondern nur das, was geschrieben steht: „Stumpfe ihm die Zähne ab.“ Der Mensch braucht nun also Hilfe, um aus der Herrschaft des bösen Triebes herauszukommen. Dann hat er keinen anderen Rat als das, was der Heilige, gepriesen sei Er, sagte: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Jetzt erst ist der wahre Zeitpunkt gekommen, an dem der Mensch die Hilfe der Tora braucht, um aus der Herrschaft des bösen Triebes herauszukommen.

Daraus ergibt sich, was der Mensch in sich zum Empfang der Tora vorbereiten muss: ein „Bedürfnis nach der Tora“. Denn ein Bedürfnis heißt „Gefäß“ (Kli), und ohne Mangel gibt es keine Erfüllung. Es gleicht dem: Ein Mensch lädt seinen Nächsten für den Abend zu einem Mahl ein, das er für ihn vorbereitet hat. Fragt der Geladene: „Wie muss ich mich vorbereiten, damit ich bei dir essen kann?“, so wird jener ihm sicher sagen: „Achte darauf, dass du nicht zu Hause isst, bevor du zu mir kommst, denn sonst kannst du bei mir nicht essen.“

Ebenso muss sich der Mensch, um die Tora zu empfangen, so vorbereiten, dass er einen Mangel hat, der „Gefäß“ (Kli) genannt wird und den die Tora füllen soll. Das gilt gerade dann, wenn er um des Himmels willen arbeiten will, denn dann wehrt sich der Körper und schreit: „Was soll euch diese Arbeit?“ Der Mensch vertraut dabei auf den Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim), die sagten, dass nur die Tora den Menschen aus der Herrschaft des bösen Triebes herausführen kann. Das gilt allein für jene, die in der Kategorie „Israel“ sein wollen, wie gesagt, also Yashar-El. Sie sehen, dass der böse Trieb sie nicht aus seiner Herrschaft entlässt; so entsteht in ihnen das Bedürfnis, die Tora zu empfangen, damit ihr Licht sie zum Guten zurückbringt.

Nun verstehen wir, was die Weisen sagten: „Man übergibt einem Götzendiener keine Worte der Tora, wie es heißt: ‚So hat Er an keinem anderen Volk getan, und Seine Gesetze kennen sie nicht.‘“ Der Grund: Sie haben kein Bedürfnis nach der Tora. Denn wer eine Arbeit verrichtet, die uns fremd ist – wer also zu seinem eigenen Nutzen arbeitet –, kann ohne Tora leben; er bedarf ihrer Hilfe nicht. Denn nur Israel, derjenige, der zum Nutzen des Schöpfers arbeiten will, braucht das Licht der Tora, denn „das Licht in ihr bringt ihn zum Guten zurück“. Denn ohne die Tora kann niemand das Böse in sich besiegen, wie gesagt.

Damit lässt sich auslegen, was die Weisen sagten: „Die Tora besteht nur in dem, der sich für sie tötet.“ Was aber will uns das Wort „besteht“ sagen? Auslegen lässt es sich nach dem Wort der Weisen: „Der Heilige, gepriesen sei Er, sprach: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das heißt, dass die Tora ein Gewürz sein soll. Bei wem besteht das? Doch wohl: „Es gibt kein Licht ohne Gefäß, keine Erfüllung ohne Mangel.“

Deshalb sagten sie: Jenen Menschen, die ihr eigenes Selbst töten wollen – die also das Verlangen töten wollen, zum eigenen Nutzen zu empfangen, und alles um des Himmels willen tun wollen, und die sehen, dass sie das aus eigener Kraft nicht tun können –, zu ihnen sprach der Heilige, gepriesen sei Er: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“

Anders ist es bei jenen Menschen, die sich nicht annullieren wollen, sondern zwei Herrschaftsbereiche wollen, wie gesagt – das heißt, dass der Herrschaftsbereich des Menschen bestehen bleibt und der Heilige, gepriesen sei Er, ihnen gibt und das Gute und den Genuss, der in Seinem Herrschaftsbereich ist, herausholt und in den Herrschaftsbereich der Empfangenden gibt –, bei ihnen besteht die Tora nicht. Die Tora wird ihnen also nicht zum Gewürz, weil sie es nicht wollen. Wo aber kein Verlangen und kein Bedürfnis ist – also kein Gefäß –, da ist auch kein Licht.

Daraus versteht man, weshalb es verboten ist, einem Götzendiener in der Arbeit Tora zu lehren. Gemeint ist derjenige, der eine Arbeit verrichtet, die uns fremd ist – der also zu seinem eigenen Nutzen arbeitet. Denn die Tora ist für den bösen Trieb da: Über den, der ihn annullieren will und es nicht vermag, wurde gesagt: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Anders steht es um den, der zu seinem eigenen Nutzen arbeiten will – das ist die Kategorie des Götzendienstes: Er hat kein Bedürfnis nach der Tora. Lernt er dennoch Tora, so besteht sie bei ihm nicht in dem, was sie geben soll. Was ist also die Vorbereitung auf den Empfang der Tora? Ein Bedürfnis nach der Hilfe der Tora. Es entsteht dadurch, dass man alles um des Himmels willen ausrichten will. Dann braucht man die Hilfe der Tora.

korrOp, EY, 28.07.2026, 10:52 Uhr, Ver3