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1990/39 Was bedeutet in der Arbeit „Wer um Jerusalem trauert, wird mit dem Anblick ihrer Freude belohnt“?

Unsere Weisen sagten (Taanit, Blatt 30b): „Wer um Jerusalem trauert, wird mit dem Anblick seiner Freude belohnt.“ Im einfachen Sinn ist das schwer zu verstehen. Sicher gab es viele Gerechte, die um Jerusalem trauerten, und doch ist Jerusalem bis heute nicht erbaut. Wie konnten sie also damit belohnt werden, Jerusalem in seiner Freude zu sehen? Gewiss gibt es darauf im einfachen Sinn Antworten. Man kann es aber auch im Sinne der spirituellen Arbeit auslegen.

Es ist bekannt, dass Malchut „Jerusalem“ genannt wird. Wenn wir daher von der „Zerstörung Jerusalems“ sprechen, ist damit der Tempel gemeint, der zerstört wurde. Das heißt, das wird „Shechina im Staub“ oder „Shechina im Exil“ genannt. Mit anderen Worten: Der Mensch muss die Last des Königtums des Himmels auf sich nehmen und glauben, dass der Schöpfer die Welt mit einer Vorsehung des Guten und Gutes Tuenden lenkt, weil ihm diese Lenkung verborgen ist.

Malchut gibt den Seelen und BYA (Brija, Yezira, Assija), denn alle Gaben, die von oben zu den Geschöpfen kommen, sind Malchut. Daraus folgt, dass Malchut bei den Geschöpfen nicht geehrt wird, weil sie ihre Bedeutung nicht sehen, nämlich das, was sie uns gibt. Das wird „Jerusalem in seiner Zerstörung“ genannt. Das heißt: Statt den Geschöpfen Gutes und Genuss zu geben, sodass alle ihre Erhabenheit sehen, sieht man, dass bei ihr alles zerstört ist und sie nichts zu geben hat. So heißt es im Nachem-Gebet des Neunten Aw: „Und die um Jerusalem Trauernden, und die trauernde, zerstörte, verachtete und verödete Stadt.“ Das bedeutet, dass alles zerstört und verwüstet ist; das wird „Shechina im Staub“ genannt. Wenn der Mensch daher die Last des Königtums des Himmels auf sich nehmen soll, regt sich im Körper großer Widerstand.

Wenn der Mensch sich daher überwindet und die Last des Königtums auf sich nimmt, obwohl er darin keinerlei Bedeutung sieht, und darüber trauert, warum es so ist – also warum uns die Bedeutung Jerusalems so verborgen ist –, wenn er darüber betet, warum Malchut keine Bedeutung hat, und den Schöpfer bittet, Jerusalem aus diesem Staub zu erheben, in dem es liegt, dann wird er in dem Maß, in dem er über seine Zerstörung Schmerz empfindet, damit belohnt, dass der Schöpfer sein Gebet erhört.

Und der Mensch wird damit belohnt, Jerusalem in seiner Freude zu sehen, das heißt, dass es ihm tatsächlich Gutes und Genuss schenkt. Daraus ergibt sich die Auslegung: Gerade der Mensch, der Schmerz empfindet und über Jerusalem trauert, weil die Shechina im Staub ist, wird damit belohnt, es in seiner Freude zu sehen. Denn „es gibt kein Licht ohne Gefäß“. Und weil er das Gefäß hat, also den Mangel daran, warum die Shechina im Staub ist, und darüber Schmerz empfindet, wird er deshalb damit belohnt, den Trost Jerusalems zu sehen.

Im Gesagten lässt sich auslegen, was geschrieben steht (Jesaja 1): „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel kennt nicht, Mein Volk versteht nicht.“ Man muss verstehen, was in der Arbeit der Unterschied zwischen Ochse und Esel ist. Ebenso: Was ist in der Arbeit der Unterschied zwischen „Israel“ und „Mein Volk“? Mein Vater und Lehrer, sein Andenken sei zum Segen, sagte: Der Unterschied zwischen Ochse und Esel ist, dass der „Ochse“ als Mocha (Gehirn) gilt, also als Glaube über dem Verstand. Das ist „Der Ochse kennt seinen Besitzer“. Und der „Esel“ ist Liba (Herz), also das Verlangen zu empfangen; das ist „und der Esel [kennt] die Krippe seines Herrn“. Demnach sind hier zwei Unterscheidungen zu treffen:

1) Diejenigen, die um eines Lohnes willen arbeiten, also Tora und Mizwot erfüllen, um Lohn zu empfangen. Daraus folgt: Ihre Hauptfrage ist, wie viel Lohn ich empfangen werde und worin dieser Lohn bestehen wird – ob es sich lohnt, für diesen Lohn die Mühe in Tora und Mizwot aufzubringen.

2) Diejenigen, die arbeiten wollen, um zu geben, aus dem Grund, wie es im Sohar steht: „Weil Er groß ist und herrscht.“ Das heißt, er arbeitet nur aus dem Grund der Größe des Schöpfers. Denn es ist für ihn ein großes Vorrecht, einem großen König zu dienen. Daraus folgt: Wer arbeitet, um zu geben, muss bereits wissen, wem er dient – ob Er wirklich ein großer und wichtiger König ist, für den zu arbeiten es sich lohnt.

Doch in der Zeit, in der sie beginnen, um zu geben zu arbeiten, und der ganze Grund, aus dem sie Kraft zur Arbeit haben, in der Bedeutung des Schöpfers liegt, beginnt die Arbeit zu etwas zu werden, das „Shechina im Staub“ heißt. Das bedeutet: Statt dass das Spirituelle – also für den Schöpfer zu arbeiten – jedes Mal wichtiger werden sollte, kommen dem Menschen Gedanken, die ihm gerade das Gegenteil zeigen. Und statt dass er immer weiter vorangehen und mit größerer Freude arbeiten sollte, weil er einem großen und wichtigen König dient, kommen ihm Bilder von Bedeutungslosigkeit. Das heißt, er spürt Seine Größe nicht. Und das bringt ihm jedes Mal Abstiege.

Das heißt: Selbst wenn er die Abstiege überwindet, kann er dennoch nicht immer standhalten und gegen diese Gedanken ankämpfen. Was zeigen ihm diese Gedanken? Den Zustand der „Shechina im Staub“. Er will mit Freude darüber arbeiten, dass er einem großen und wichtigen König dient, und gerade das, was ihm Freude bringen sollte, fühlt er als das genaue Gegenteil, nämlich als Zurückweisung. Mit anderen Worten: Es ist, als würde man ihn von der Arbeit abstoßen.

Und das wird „Shechina im Staub“ genannt: dass er jetzt fühlt, als stieße man ihn nach draußen. Das heißt, er spürt: In der Zeit, in der er die Last des Königtums des Himmels auf sich nehmen will, kommen ihm „die Fragen Pharaos“, der fragte: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören soll?“ Das wird so genannt, dass Malchut, also die Shechina, bei Pharao, dem König von Ägypten, im Exil ist; und sie zeigen die Niedrigkeit des Königtums des Himmels.

Dann bleibt dem Menschen nichts anderes übrig, als darum zu bitten, dass Er Malchut aufbaut – also dass Malchut nicht in der Gestalt der Niedrigkeit verbleibt. Denn aus dieser Niedrigkeit kann der Mensch keine Freude empfangen, wenn er sieht, dass sie keinerlei Bedeutung hat. Das wird so genannt, dass der Mensch über die „Zerstörung des Tempels“ beten soll. Nämlich darum, warum die ganze Welt das Annehmen des Königtums des Himmels nicht als etwas Gutes sehen kann – also für den Schöpfer zu arbeiten –, sodass diese Arbeit in Ehre geschieht, also eine geachtete Arbeit ist.

Wenn der Mensch daher über das Exil der Shechina betet, soll er nicht nur darüber beten, dass sie bei ihm im Staub ist. Vielmehr soll er darüber beten, warum sie bei der ganzen Welt in solcher Niedrigkeit ist – bis zu dem Punkt, dass die ganze Welt überhaupt nicht an Spiritualität denkt. Er betet für die ganze Welt, wie wir beten: „Und erbaue Jerusalem bald in unseren Tagen“, damit es zur Ehre der ganzen Welt werde, wie es im Gebet zu Rosh HaShana heißt: „Herrsche über die ganze Welt in Deiner Ehre.“ Und da die Allgemeinheit den Mangel nicht spürt – wie könnte sie da beten?

Vielmehr kann dieser Mensch, der immerhin damit belohnt wurde, einen Mangel zu erlangen – das heißt, der das Exil erlangt hat –, um Erlösung bitten. Jene Menschen hingegen, die nicht wahrnehmen, dass sie sich im Exil befinden – wie könnten sie darum bitten, dass Er sie daraus herausführt? Daraus folgt: Dass der Mensch spürt, dass er sich im Exil befindet, wird bereits „Aufstieg in der Stufe“ genannt. Und er muss um Erfüllung für die ganze Allgemeinheit bitten.

Und das ist, wie oben gesagt: „Wer um Jerusalem trauert, wird mit dem Anblick seiner Freude belohnt.“ Das heißt: Wer das Exil der Shechina spürt und trauert, wird mit dem Anblick ihrer Freude belohnt. Denn vonseiten der Gefäße hat nur er die Gefäße, die für die Erlösung geeignet sind. Denn „Gefäße“ bezeichnet einen Mangel, der nach Erfüllung verlangt.

Wenn er daher trauert, weil er spürt, dass die Shechina im Exil ist und man ihre Größe nicht sieht, sondern dass dem, der das Königtum des Himmels auf sich nehmen will aus dem Grund „Weil Er groß ist und herrscht“, Gedanken und Bilder kommen, die ihn aus der Heiligkeit (Kedusha) hinausstoßen, sodass er nur durch Überwindung und Zwang über dem Verstand standhalten kann; wenn ihm jedes Mal, wenn er glauben will, dass Seine Vorsehung gut ist und Gutes tut, Gedanken kommen, die üble Nachrede über den Schöpfer führen, und es ihn schmerzt, warum er solche üble Nachrede hören muss; und wenn er glaubt, dass dies nur deshalb so ist, weil die Völker der Welt über die Heiligkeit herrschen – also weil es eine Verhüllung gibt, sodass dann, wenn jemand eintreten will, um die heilige Arbeit zu verrichten, die Sitra Achra (andere Seite) die Bedeutung der Heiligkeit verbirgt –, dann folgt daraus, dass gerade der trauernde Mensch der Barmherzigkeit des Himmels bedarf, damit er die Kraft habe, das Böse in sich zu überwinden; und er trauert und weint, dass der Schöpfer ihm helfe.

Doch gewiss muss er für die ganze Allgemeinheit beten. Sonst heißt das, dass er nur zu seinem eigenen Nutzen betet, also nur darum, dass er selbst aus dem Exil herauskommt. Wenn der Mensch aber wirklich zum Nutzen des Schöpfers bittet, damit die Ehre des Himmels in der Welt offenbart wird – wie kann er dann nur für sich selbst bitten? Daher soll der Mensch darum bitten, dass die Ehre des Himmels über der ganzen Welt offenbart wird. Und das ist, wie unsere Weisen sagten (Bawa Kama 92): „Wer für seinen Nächsten um Barmherzigkeit bittet und dieselbe Sache selbst nötig hat, dem wird zuerst geantwortet.“

Und in der Arbeit ist zu verstehen: Wenn dem Menschen, der für seinen Nächsten um Barmherzigkeit bittet, zuerst geantwortet wird, dann sieht es so aus, als rühre seine Bitte nicht daher, dass er wirklich Barmherzigkeit für seinen Nächsten erwecken will, sondern sei wie eine Täuschung. Denn weil die Weisen sagten, dass ihm zuerst geantwortet wird, bittet er für seinen Nächsten um Barmherzigkeit. Mehr noch: Warum wird ihm zuerst geantwortet? Kann man ihnen vom Himmel nicht geben, dass beide die Erhörung des Gebets zugleich empfangen? Warum muss es scheinbar nacheinander geschehen und nicht beide zugleich? Man muss also verstehen, was es damit auf sich hat, dass ihm zuerst geantwortet wird.

Vielmehr ist es, wie oben gesagt: Dass der Mensch für seinen Nächsten in der Arbeit um Barmherzigkeit bittet, ist so auszulegen: Wenn der Mensch beginnt, einen Weg zu gehen, auf dem er durch das Erfüllen von Tora und Mizwot zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer gelangt – die „alle seine Taten seien um des Himmels willen und nicht zu seinem eigenen Nutzen“ genannt wird –, dann beginnt der Körper, sich dieser Arbeit zu widersetzen, und bringt ihm Gedanken, dass diese Arbeit nichts für ihn ist. Weil die Natur des Körpers auf den eigenen Nutzen gerichtet ist, er aber jetzt zum Nutzen des Schöpfers arbeiten will, zeigt ihm deshalb der Körper, der „Verlangen zu empfangen“ genannt wird, immer wieder, dass es sich nicht lohnt, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten. Und da der Mensch ohne Genuss keine einzige Bewegung machen kann – denn so ist die Natur der Schöpfung, und das rührt daher, dass Sein Verlangen ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, was der Grund der Schöpfung ist –, kann der Mensch deshalb nicht arbeiten, wenn er keinen Genuss an der Arbeit hat.

Daher tut der Mensch alles nur, um zu genießen, also damit er eine Gegenleistung für die Mühe empfängt, die er aufbringt. Daher gibt es in lo liShma – also wenn der Mensch an Lohn und Strafe glaubt – einen Brennstoff für den Menschen während der Arbeit, weil er auf den Lohn blickt, den er später empfangen wird. Anders aber, wenn der Mensch arbeitet, um zu geben, also keinerlei Gegenleistung für seine Mühe empfangen will – wie kann er dann ohne Genuss arbeiten?

Und dazu sagt der Sohar, dass man aus dem Grund arbeiten muss, dass der Schöpfer groß ist und herrscht, das heißt aus dem Grund der Größe des Schöpfers. Denn wir sehen, dass es in der Natur liegt, dass der Kleine Genuss daran hat, dem Großen zu dienen. Denn es ist der Lauf der Welt, dass im Menschen die Kraft liegt, einem wichtigen Menschen zu dienen. Und erst recht hat der Mensch großen Genuss daran, einem großen König zu dienen. Dafür braucht der Mensch keine besondere Arbeit, denn das liegt in der Natur der Schöpfung. Woran der Mensch aber arbeiten muss, ist, zu Wissen und Empfindung zu gelangen, dass der, dem er dient, wichtig ist – dann ist der Mensch bereits fähig, Ihm zu dienen.

Daher kommen dem Menschen gerade dann, wenn er aus dem Grund der Größe des Schöpfers arbeiten will, böse Gedanken, die ihn Seine Größe nicht spüren lassen, sondern ihm geradezu das Gegenteil zeigen. In Wahrheit herrscht diese Verhüllung über die ganze Allgemeinheit. Doch bei jenen Menschen, die nicht aus dem Grund der Größe des Schöpfers arbeiten, hat der Körper kein Bedürfnis, ihm die Größe des Schöpfers zu verbergen. Das rührt daher, dass der Körper, solange man der Arbeit nicht den Grund „aus der Größe des Schöpfers“ gibt, nicht umsonst arbeitet, weil er auf den Lohn blickt und nicht auf den Geber des Lohns.

Daraus folgt: Gerade bei Menschen, die nur aus dem Grund der Größe des Schöpfers arbeiten wollen, gibt es Widerstand, und die Völker der Welt bedecken und verbergen das Israel im Menschen. Und folglich: Bei wem findet sich die hauptsächliche üble Nachrede über die Größe des Schöpfers? Gerade bei jenen Menschen, die zur Anhaftung an den Schöpfer gelangen wollen. Und jene Menschen, die diesen Zustand spüren, der „Shechina im Staub“ genannt wird, haben das Bedürfnis, den Schöpfer zu bitten, dass Er sie aus dem Exil herausführt, in dem sie sich befindet, unter den Völkern. Denn die Völker herrschen über sie, indem sie die Größe und Bedeutung der heiligen Shechina verbergen.

Daher müssen jene Menschen, die spüren, dass die Shechina im Staub ist, für die Ehre des Himmels beten, damit sie der ganzen Welt offenbart wird. Doch nicht die ganze Welt braucht das, also die Shechina aus dem Staub zu erheben. Deshalb wird „ihm zuerst geantwortet“, weil er dieselbe Sache nötig hat. Danach aber bringt das auch die Offenbarung für die ganze Generation. Solange sie jedoch nicht die dafür tauglichen Gefäße haben, kann es bei ihnen nicht so offen sein. Das ist in dem Sinne, wie die Weisen sagten: „Hat er eine Mizwa erfüllt – wohl ihm, denn er hat sich selbst und die ganze Welt auf die Waagschale des Verdienstes geneigt.“

Daher muss nur dieser Mensch, der die Verhüllung des Spirituellen spürt, also des Verlangens zu geben aus dem Grund der Größe des Schöpfers, für die ganze Generation um Barmherzigkeit bitten, wie oben gesagt. Und da er dieselbe Sache nötig hat, wird ihm deshalb zuerst geantwortet. Daher heißt es über ihn: „Wer um Jerusalem trauert, wird mit dem Anblick seiner Freude belohnt.“ Und der Grund ist, wie oben gesagt, dass er dieselbe Sache nötig hat und nicht die Allgemeinheit. Daher können bei dem, der für seinen Nächsten um Barmherzigkeit bittet, nicht beide zugleich die Erhörung des Gebets empfangen, weil nur er dieselbe Sache nötig hat, nämlich diese Rettung: die Größe der Heiligkeit zu spüren, die „die Shechina aus dem Staub erheben“ genannt wird.

Anders aber jene Arbeitenden, die zur oben genannten ersten Gruppe gehören, also die um eines Lohnes willen arbeiten: Sie blicken auf den Lohn. Und es gibt eine Regel: Wer gibt, ist wichtig. Daraus folgt: Weil sie glauben, dass sie Lohn empfangen werden, dass also der Schöpfer ihnen ihren Lohn zahlt, ist Er bei ihnen bereits wichtig. Anders aber jene, die nicht um eines Lohnes willen arbeiten – sie müssen jetzt Seine Größe spüren. Und darauf liegt die Verhüllung, die auf der Heiligkeit ruht, sodass man ihre Größe nicht sieht. Darum wurde uns gegeben, den Schöpfer zu bitten, dass Er die Verhüllung entfernt, wie geschrieben steht: „Verbirg Dein Angesicht nicht vor mir.“

Und im Gesagten verstehen wir, was wir gefragt haben: Was bedeutet „Israel kennt nicht“, und was bedeutet „Mein Volk versteht nicht“? Denn „Israel“ sind jene Menschen, die mit der Absicht arbeiten, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, sodass sie damit belohnt werden, zur Stufe Yashar-El (direkt zu Gott) zu gelangen und nicht zu ihrem eigenen Nutzen. Und sie gehören zur Absicht, die „Kenntnis“ genannt wird, denn sie müssen zu einer klaren Erkenntnis gelangen, dass man die Größe des Schöpfers erlangen muss. Und diese Erkenntnis kommt gerade durch den Glauben über dem Verstand. Denn über den Verstand haben die Völker der Welt Herrschaft; sie verbergen die Größe der Heiligkeit und erniedrigen das Königtum des Himmels bis in den Staub.

Und gerade durch Überwindung im Glauben über dem Verstand, wenn der Mensch seine Taten unter Zwang vollbringt, in der Zeit, in der ihm böse Gedanken der Sitra Achra kommen, die üble Nachrede führen und sagen, dass es sich nicht lohne, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten, sodass der Grund für dieses Verlangen nach Arbeit nur die Größe des Schöpfers wäre – dann bleibt dem Menschen nichts zu tun, als im Glauben an die Weisen zu glauben, was sie uns sagen: dass gerade aus dieser Arbeit, die der Mensch über dem Verstand verrichtet, der Schöpfer Genuss hat. Wie mein Vater und Lehrer, sein Andenken sei zum Segen, sagte: Die hauptsächliche Arbeit ist das, was der Mensch dem Schöpfer gibt; und das ist gerade in der Zeit, in der er über dem Verstand geht.

Die Erklärung dafür ist: Wenn der Verstand ihm sagt, es lohne sich für dich nicht, Taten des Gebens zu tun, und der Mensch sich überwindet und über dem Verstand handelt, dann gilt das als etwas, das der Mensch dem Schöpfer gibt. Anders aber in der Zeit, in der der Schöpfer ihm ein Erwachen von oben gibt – dann bleibt dem Menschen keine Tat, von der man sagen könnte, dass er dem Schöpfer etwas gibt. Denn der Mensch löst sich dann vor dem Schöpfer auf „wie eine Kerze vor einer Fackel“, ohne jede Wahl. Wenn dem so ist, gibt der Mensch in diesem Zustand nichts, weil er keine Wahl hat. Gerade in der Zeit also, in der er über dem Verstand gehen muss, weil der Verstand etwas anderes sagt, kann man sagen, dass er dem Schöpfer etwas gibt. Und er sagte, dass man glauben muss, dass diese Arbeit vor dem Schöpfer wichtiger ist als die übrigen Arbeiten.

Und der Prophet sagte: „Der Ochse kennt seinen Besitzer“, und das gehört zur Kategorie Israel, die das Haupt des Volkes ist. Denn Israel weist auf Li-Rosh (mein Kopf) hin. Ihnen gehört die Kenntnis, wie oben gesagt. Darum sagte er: „Israel kennt nicht.“ Sie mühten sich nicht darum, Arbeit aufzubringen, um zur Kenntnis des Schöpfers zu gelangen, wie geschrieben steht: „Und du sollst es heute erkennen und in dein Herz zurückkehren lassen, dass der Schöpfer Gott ist.“

Und der Prophet sagte, dass sie sich damit nicht befassten. Und der Prophet sprach auch zur Allgemeinheit, also zu „Mein Volk“, deren Arbeit nur darauf gerichtet ist, Lohn zu empfangen; deshalb befassen sie sich mit Tora und Mizwot, doch sie bedachten die Sache „der Esel, die Krippe seines Herrn“ nicht. Denn die Sache des „Esels“, von der wir oben sprachen, ist das Verlangen zu empfangen, das „nur Selbstliebe“ genannt wird. Da sagte ihnen der Prophet: Der Esel, also der, der auf „die Krippe seines Herrn“ blickt – also auf den Lohn –, bedachte nicht, dass der Schöpfer ihnen den Lohn gibt, das heißt, dass sie durch dieses Bedenken Liebe zum Schöpfer empfangen würden, so wie man den liebt, der den Menschen Geschenke gibt. Doch sie achteten nicht auf den Geber, sondern dachten nur daran, dass sie Lohn haben würden.

Daraus folgt, dass die Taten, die sie um eines Lohnes willen taten, ohne Liebe und Ehrfurcht waren. Das heißt, sie dachten überhaupt nicht an „die Krippe seines Herrn“, also nicht daran, an den Hausherrn zu denken, dass der Schöpfer der Geber ist. Und sie trennten die Mizwot vom Geber der Tora und der Mizwot, denn sie dachten während der Arbeit nicht an den Geber der Arbeit. Und auch wenn sie an den Lohn dachten, dachten sie ebenso wenig daran, wer der Geber des Lohns ist.

Das heißt, der Prophet steht da und warnt sowohl jene von „Israel“, die mit der Absicht arbeiten, dass sie nicht die nötige Aufmerksamkeit darauf richten, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, als auch jene, die nur in der Handlung arbeiten und deren Absicht nur darauf gerichtet ist, Lohn zu empfangen, dass sie nicht darauf achten, zu bedenken, wer der Geber des Lohns ist. Daher: „Mein Volk versteht nicht.“ Und folglich fehlt ihnen die Liebe zum Schöpfer.

Und aus dem Gesagten folgt, dass der Mensch sich selbst Rechenschaft geben muss, bevor er zum Beten geht, worüber er beten soll. Daher sagte mein Vater und Lehrer, sein Andenken sei zum Segen, dass der Mensch um eine Sache beten soll, und diese schließt viele Dinge ein. Und das ist, dass er den Schöpfer bittet, ihm ein Verlangen zu geben, um zu geben zu arbeiten und nicht zu seinem eigenen Nutzen. Denn damit er ein Verlangen zu geben hat, muss er Glauben an den Schöpfer haben und an die Größe des Schöpfers glauben. Doch sein Gebet darum, dass der Schöpfer ihm das Verlangen zum Geben gibt, bedeutet, dass der Mensch zum Schöpfer sagt: Ich will, dass in der Zeit, in der ich mich mit Tora und Mizwot befasse, die Absicht darin besteht, zu glauben, dass der Schöpfer Genuss von meinen Taten hat.

Das heißt: Obwohl der Mensch während seiner Mühe keinerlei Geschmack und Empfindung spürt, soll er doch die Kraft haben, zu seinem Körper zu sagen, wenn der Körper einwendet: „Siehst du denn nicht, dass du keinerlei Geschmack am Lernen der Tora hast, und ebenso wenig am Gebet?“ Dann will der Mensch die Kraft haben, zum Körper zu sagen: „Weil ich nur arbeite, damit der Schöpfer Genuss hat, was macht es aus, ob ich darin Geschmack spüre oder nicht? Würde ich zu meinem eigenen Nutzen arbeiten, hättest du recht mit dem, was du mir sagst: dass du keinerlei Geschmack spürst – warum arbeitest du also? So wie der Mensch eine Speise, an der er keinen Genuss hat, nicht isst, so wäre es auch hier. Aber ich arbeite zum Nutzen des Schöpfers. Wenn dem so ist, was macht es aus, welchen Geschmack ich schmecke?“ Das erbittet er vom Schöpfer. Und das wird „bedingungslose Unterwerfung“ genannt.

korrOp, EY, 23.7.2026, Ver3