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1990/19 Warum wird die Tora in der Arbeit als „Mittlere Linie“ bezeichnet? – 2

Im Sohar (Jitro, Punkt 76, und im Sulam-Kommentar, Abschnitt 293) heißt es wörtlich: „Es wird gelehrt: Rabbi Jehuda sagt: ‚Auf der Seite von Gwura wurde die Tora gegeben.‘ Rabbi Jossi sagte: ‚Wenn das so ist, dann steht die Tora auf der linken Seite.‘ Er antwortete ihm: ‚Sie kehrte zur rechten Seite zurück, denn es steht geschrieben: ‚Aus Seiner Rechten kam ein feuriges Gesetz für sie.‘ Und es steht geschrieben: ‚Deine Rechte, Schöpfer, ist herrlich an Kraft.‘ Wir sehen also, dass die Linke in der Rechten enthalten ist, denn es steht geschrieben: ‚Aus Seiner Rechten kam ein Feuer.‘ Und die Rechte ist in der Linken enthalten, denn es steht geschrieben: ‚Deine Rechte, Schöpfer, ist herrlich an Kraft.‘ So ist Gwura, die links ist, in der Rechten enthalten.‘“ Daraus folgt, dass die Tora die mittlere Linie ist, das heißt, dass sie aus beiden Linien besteht, der rechten und der linken.

Und es steht geschrieben (Blatt 62, im Sulam-Kommentar, Abschnitt 235): „Im dritten Monat – über diesen Monat herrscht Uriel. Denn Nissan, Ijar und Siwan entsprechen Chessed, Gwura und Tiferet: Über Chessed herrscht Michael, über Gwura Gabriel und über Tiferet Uriel. Und das ist das Geheimnis des ‚lauteren Mannes‘, der Jakob genannt wird, welcher das Geheimnis von Tiferet ist. ‚Lauter‘ kommt vom Wort ‚Vollkommenheit‘.“

Und es steht geschrieben (Abschnitt 242): „Und sie wurde im dritten Monat gegeben, dem dritten Volk, das in drei Stufen enthalten war, nämlich den drei Vätern – die dreifache Tora, das heißt Tora, Propheten und Schriften, und alles ist eins.“ Die Tora ist also die mittlere Linie.

Und es steht geschrieben (Blatt 76, im Sulam-Kommentar, Abschnitt 296): „‚Und das ganze Volk sah die Stimmen.‘ Er fragt: Die Schrift sagt ‚sah‘ – es hätte doch ‚hörte‘ heißen müssen? Und er antwortet: So haben wir gelernt – diese Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und sie wurden darin sichtbar, so wie ein Körper sichtbar wird.“

Nun gilt es zu verstehen, worauf es uns in der Arbeit hinweist, dass die Tora aus rechts und links besteht. Und worauf weist es uns hin, dass die Tora im dritten gegeben wurde, der Jakob ist, der lautere Mann, der Vollkommenheit genannt wird. Und auch, was es bedeutet, dass die Stimmen in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert wurden – das ist der Körper, in dem die Stimmen eingraviert sind.

Bekanntlich ist die Reihenfolge der Arbeit so: Zuerst muss man darauf hinarbeiten, das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen, und danach soll man Tora lernen. Denn wenn jemand das Königtum des Himmels nicht hat, muss man fragen: Wessen Tora lernt er? Denn vor allem muss der Mensch an den Geber der Tora glauben, und danach kann er die Tora befolgen. Das Königtum des Himmels nun heißt „Assija“ (Handlung). Das bedeutet, dass er es auf sich nimmt, über dem Verstand zu gehen.

Auch wenn der Verstand des Menschen mit vielen Fragen zu ihm kommen mag, antwortet er ihnen: „Ihr stellt mir Fragen aus dem Verstand, ich aber gehe über dem Verstand – von einem Ort her, den der Verstand nicht erreichen, erlangen und begreifen kann. Das nennt man ‚Glaube‘. Wenn das so ist, gibt es keinen Platz für all das, was ihr mich fragt.“

Das nennt man die „rechte“ Seite. Das bedeutet, dass er glaubt, der Schöpfer wacht über die Welt als der Gute, der Gutes tut. Auch wenn er beim Blick auf die Welt viele Fragen hat, geht er dennoch über dem Verstand und sagt: „Augen haben sie und sehen doch nicht.“ Vielmehr dankt und lobt er den König dafür, dass Er allen nur Gutes gibt. Das nennt man „rechts“, „Chessed“. Das heißt, die Führung der Welt geschieht in Chessed. Mit anderen Worten: Der Schöpfer führt die Welt nur mit Chassadim. Und darüber sagt er: „Jeden Tag will ich Dich preisen.“

Doch es gibt im Menschen einen bösen Trieb (Jezer haRa). Mein Vater und Lehrer deutete ihn so, dass das Wort von „Ziur“ (Bild) kommt. Das heißt, der böse Trieb zeigt dem Menschen schlechte Bilder von der Führung des Schöpfers, davon, wie der Schöpfer mit der Welt umgeht. Und er gibt auch ein Bild von der Niedrigkeit der Arbeit überhaupt, was „die Schechina im Staub“ genannt wird. Und wie kann der Mensch sich da überwinden und auf dem Weg der rechten Seite gehen, die „Vollkommenheit“ heißt, sodass er sagen kann: „Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens“?

Darüber sagten unsere Weisen: „Der Schöpfer sprach: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Daraus folgt: Die Tora, mit der er sich jetzt beschäftigt, soll ein Gewürz sein. Das heißt, durch die Tora soll er die Kraft erhalten, das Böse zu überwinden und auf dem Weg von Chessed zu gehen, der „rechts“ genannt wird. Von dieser Seite her kann man sagen, dass die Tora in der rechten Linie gegeben wurde – und zwar nach der Wirkung benannt. Das heißt, sie macht den Menschen fähig, sodass er die Möglichkeit hat, auf dem Weg der rechten Seite zu gehen. Das nennt man den „ersten Aspekt der Tora“, denn die rechte Seite heißt „Vollkommenheit“, weil man dabei keinerlei Mangel spürt.

Der zweite Aspekt der Tora ist die linke Seite, die „Chochma“ (Weisheit) genannt wird, also die Weisheit der Tora. Das heißt: Nachdem er bereits die rechte Seite hat, die Chessed ist – nämlich den Glauben über dem Verstand –, und er an den Schöpfer glaubt, dass Er die Welt als der Gute, der Gutes tut, führt, wird er des Aspekts „Geber der Tora“ gewürdigt, der „Weisheit der Tora“ heißt, wie geschrieben steht: „Die Tora ging aus Chochma hervor.“

Mit anderen Worten: Nachdem er glaubt, dass es einen Geber der Tora gibt, ist es an der Zeit, der Tora gewürdigt zu werden. Und die Tora geht bekanntlich aus Chochma hervor. Diesen Aspekt kann man „links“ nennen. Das heißt, er kommt erst, nachdem der Mensch der rechten Seite gewürdigt wurde, die der Glaube über dem Verstand ist und „bedeckte Chassadim“ genannt wird.

Wenn man aber von der Zeit spricht, in der es bereits eine Offenbarung von Chochma gibt – die, wie gesagt, „links“ genannt wird –, dann gibt es noch eine weitere Sache, die „mittlere Linie“ genannt wird: nämlich dass die Chochma in ein Gewand aus Chassadim gekleidet sein muss. Vorher besteht ein großer Abstand zwischen Chassadim, die „rechts“ genannt werden, und Chochma, die als linke Seite gilt. Und das ist so, wie unsere Weisen sagten: „Wer Tora liShma (um ihretwillen) lernt“ – das bedeutet, dass die Absicht dessen, der Tora lernt, darin besteht, durch die Tora zu liShma zu gelangen.

Das heißt, seine Absicht bei der Tora, mit der er sich beschäftigt, ist es, dadurch zur Stufe Chessed zu gelangen. Das bedeutet, dass er die Kraft hat, alles zu tun, um zu geben, was „Chessed“ genannt wird. So sagten unsere Weisen: „Wer ist ein Chassid (Frommer)? Derjenige, der sagt: ‚Was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist dein‘ – wer also nichts zu seinem eigenen Nutzen will.“ Und danach, wenn er durch die Tora bereits des Aspekts Chessed gewürdigt wurde, werden ihm die Geheimnisse der Tora offenbart (Sprüche der Väter, Kapitel 6,1).

Und das wird bereits „links“ genannt. Diese linke Seite muss dann in die Rechte aufgenommen werden, nämlich so, dass das Licht von Chochma, das die linke Seite ist, in Chassadim gekleidet wird, die die rechte Seite sind. Das nennt man den Aspekt Tora, die die mittlere Linie ist, zwischen rechts und links. Deshalb gilt: Die Tora besteht aus Chessed und Gwura.

Es zeigt sich also: Der erste Zustand ist die Zeit, in der er die Stufe liShma erreichen will, also um des Gebens willen zu arbeiten. Da befindet sich der Mensch im Exil, unter der Herrschaft des bösen Triebs. Dann braucht er die Tora, und das nennt man „wer Tora lernt, um zu liShma zu gelangen“. Das heißt, er glaubt an das, was unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das nennt man „Tora im Aspekt der rechten Seite“, also den Aspekt Chessed, um des Gebens willen.

Und wenn er die Stufe liShma bereits erreicht hat, kommt der zweite Zustand. Dann wird er des Aspekts gewürdigt: „Ihm werden die Geheimnisse der Tora offenbart.“ Das heißt, wie gesagt: Nachdem er bereits des Aspekts „Geber“ gewürdigt wurde, also nachdem es einen Geber in der Welt gibt, kommt danach der Zustand, in dem der Geber dem Menschen die Tora gibt.

Und damit ist es noch nicht zu Ende, denn er braucht einen dritten Zustand: nämlich dass der Aspekt Chochma in die rechte Seite aufgenommen werden muss, die „Chassadim“ heißt. Denn die Tora geht aus Chochma hervor. Das bedeutet, die Tora geht aus Chochma hervor und muss in das Licht von Chassadim gekleidet werden. Die Chassadim werden „Aspekt der Handlung“ genannt und die Tora „Aspekt von Chochma“. Und es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“, wie unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter, Kapitel 3,12): „Bei jedem, dessen Weisheit größer ist als seine Taten, hat seine Weisheit keinen Bestand.“ So zeigt sich, dass die Tora, die „Chochma“ genannt wird, im Aspekt der mittleren Linie leuchtet. Und das nennt man: Die Tora besteht aus Chessed und Gwura, denn sie umfasst beide.

Bei der Sache „wer Tora liShma lernt“ gilt es nun, zwei Aspekte zu unterscheiden:

a) Er sieht, dass er keinerlei Bezug dazu hat, Handlungen zum Nutzen des Schöpfers zu tun. Vielmehr sieht er, dass er unter der Herrschaft des bösen Triebs steht, der behauptet: „Alles gehört mir.“ Das heißt, der Trieb erlaubt ihm nicht, irgendetwas um des Gebens willen zu tun. Nur dort, wo er sieht, dass ihm daraus ein eigener Nutzen erwächst, kann er arbeiten. Sieht er hingegen keinen Nutzen für sein Verlangen zu empfangen, hat er keine Kraft zur Arbeit. Das heißt, sein Maßstab hängt davon ab, wie viel sein Verlangen zu empfangen gewinnt.

Und wenn der Mensch sich bemüht, sich aus dieser Herrschaft zu befreien – wie es im Artikel „Was bedeutet es, dass das Sprechen am Schabbat in der Arbeit nicht wie das Sprechen am Wochentag sein soll?“ geschrieben steht (Wochenabschnitt BeShalach, Artikel 18, 5750) –, dann sieht er in dem Maße, in dem er sich bemüht, aus der Knechtschaft und dem Exil herauszukommen, wie sehr er in Finsternis, Wolke und Dunkel liegt.

Und was unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“ – das sieht er dann umgekehrt. Das heißt, das Böse in ihm gewann über alle Maßen die Oberhand. Er hätte sich nie träumen lassen, dass er, wenn er anfängt zu arbeiten, sich anzustrengen und gute Taten in der Absicht zu vollbringen, „um zum Aspekt liShma zu gelangen“, nun das Gegenteil sieht. Bei einer solchen Niedrigkeit hätte er nie gedacht, dass er fallen könnte.

Und in Wahrheit kommt ihm das, wie gesagt, aus dem Aspekt: „Denn Ich habe sein Herz verstockt.“ Und obwohl der Grund, weshalb er sich jetzt in Niedrigkeit befindet, von oben kommt, schmeckt er in der Empfindung des Unteren – der spürt, dass er in Finsternis ist und ihm nichts leuchtet – den Geschmack des Exils, auch wenn dies von oben kommt, wie gesagt.

Mit dem Gesagten lässt sich erklären, was wir gefragt hatten: Was bedeutet es, dass der Sohar sagt: „Diese Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und sie wurden darin sichtbar“? Man kann es so erklären: Diese Stimmen, nämlich die Stimme der Tora, kommen, um die Kraft zu geben, dass man Handlungen um des Gebens willen vollbringen kann. Das nennt man „den zweiten Aspekt von liShma“, nämlich „die Finsternis, die Wolke und das Dunkel“, das das Bedürfnis und das Kli (Gefäß) ist, um die Stimme der Tora zu erlangen. Zwei Aspekte kommen von oben, die „liShma“ genannt werden:

a) Das Kli, nämlich die Finsternis, die das Bedürfnis ist – dass er die Finsternis nicht ertragen kann.

b) Das Licht, nämlich die Kraft, die die Stimme ist – die Stimme der Tora –, die ihm die Kraft gibt, sich auf das Geben auszurichten; dieses Licht bringt ihn zum Guten zurück. Und das ist: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das heißt, die Stimme der Tora würzt den bösen Trieb – nämlich so, dass er die Fähigkeit erhält, sich auf liShma auszurichten.

Und das ist es, was geschrieben steht: „Die Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und die Stimmen wurden darin sichtbar, so wie ein Körper sichtbar wird.“ Das heißt: Wenn man zuvor die Kelim hatte, die „Finsternis“ genannt werden – was ein „Ort des Mangels“ heißt –, dann gibt es einen Ort, an dem die Stimme der Tora in die Finsternis eintreten und leuchten kann.

Wenn es hingegen keinen Ort der Finsternis gibt – wenn man also den Mangel noch nicht spürt, dass man nichts um des Gebens willen tun kann –, dann lässt sich nicht sagen, dass ein Licht kommt und leuchtet, denn das Licht hat keinen Ort, in den es eintreten könnte. Und das gehört zum Aspekt der rechten Seite, nämlich Chessed. Das heißt, er hat bereits Gefäße des Gebens erlangt, denn Chessed heißt „Aspekt des Gebens“, weil er anderen Gutes tut. Und von dieser Seite her hat er die Gefäße bereits vervollständigt.

Und danach beginnt der dritte Aspekt, in dem er des Aspekts „Geheimnisse der Tora“ gewürdigt wird, was „linke“ Seite genannt wird. Da dieses Licht in Gefäßen des Empfangens kommt, muss er sich gewiss auf das Geben ausrichten. Doch auch wenn er bereits des Aspekts gewürdigt wurde, ein Empfangender um des Gebens willen zu sein, wird dies trotzdem als „linke“ Seite bezeichnet, weil hier die Korrektur fehlt, die Chochma in die Chassadim einkleidet, wie gesagt. Sonst wäre es „seine Weisheit ist größer als seine Taten“.

Und von hier an beginnt die Sache der mittleren Linie, nämlich dass die Chochma in Chassadim gekleidet ist. Das heißt, die linke Seite, die „Gefäße des Empfangens, die Chochma empfangen“ genannt wird, soll in Chassadim gekleidet werden. Und das ist es, was geschrieben steht: „Die Tora kommt von rechts, das Chessed ist, und sie kommt nach links, das Gwura ist – das nennt man die Offenbarung von Chochma.“ Allerdings muss man die rechte Seite mit der linken und die linke mit der rechten verbinden. Und das nennt man: Die Tora ist der „mittlere“ Aspekt, also dass sie aus Chochma und Taten besteht, wie gesagt – denn es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“.

Und mein Vater und Lehrer gab eine einfache Deutung des Verses: „Und das ganze Volk sah die Stimmen.“ Bekanntlich heißt „Stimme“ Chessed, denn sie kommt vom Aspekt „Hören“, der Bina genannt wird. Und „Sehen“ heißt Chochma, wie geschrieben steht: „Die Augen der Gemeinde, das sind die Weisen der Gemeinde.“ Und die Chochma, die in den Gefäßen des Empfangens leuchtet, braucht einen Schutz, damit man sie nicht um des Empfangens willen empfängt. Deshalb muss man ihr ein Gewand aus Chassadim herabziehen, das „Stimme und Hören“ genannt wird.

Deshalb bedeuten die Worte „Und das ganze Volk sah die Stimmen“: Sehen heißt, dass sie das Licht von Chochma empfingen, als es eingekleidet war – in die Stimme, die Chessed ist. Und das ist es, was geschrieben steht: „Sie sahen die Chochma, als sie in Stimmen eingekleidet war“, nämlich in Chassadim. Und das nennt man die mittlere Linie, nämlich, wie gesagt, dass sie aus Chochma und Chassadim besteht.

Mit dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt hatten: Was bedeutet es, dass die Tora im dritten gegeben wurde, der Tiferet ist, der das Geheimnis „lauterer Mann, Jakob“ ist, welches das Geheimnis von Tiferet ist, denn „lauter“ bedeutet Vollkommenheit. Und wir fragten: Was ist die Vollkommenheit, die darin liegt, dass Jakob „lauterer Mann“ genannt wird?

Und die Antwort ist: Da die Tora die mittlere Linie ist, wie gesagt, und Jakob die mittlere Linie ist, die aus rechts und links besteht, deshalb gibt es Vollkommenheit. Das heißt, es gibt eine Verbindung von Chochma und Chassadim zusammen. In der Arbeit bedeutet das: Der Mensch muss sowohl aus Taten bestehen, die „Chassadim“ genannt werden, als auch aus Chochma. Denn es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“.

Doch der Mensch muss glauben, dass es „nichts außer Ihm“ gibt, dass der Schöpfer alles tut. Das heißt, wie mein Vater und Lehrer sagte: Der Mensch soll vor jeder Handlung sagen, dass dem Menschen nur die Wahl gegeben ist, denn „wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“. Mit anderen Worten: Alles hängt von der Wahl des Menschen ab. Nach der Handlung jedoch soll der Mensch sagen, dass alles eine besondere Vorsehung ist und dass der Mensch nichts allein tut.

Und das lässt sich so erklären, wie der heilige ARI schreibt (Talmud Esser haSefirot, Teil 13, Blatt 1 – 367, Abschnitt 152): „Es gibt die Sache der Searot (Haare), die das Licht bedecken, damit man sich nicht am Licht erfreut, solange man dessen nicht würdig ist, weil man es beschädigen könnte.“ Die Sache ist die: Wir müssen glauben, dass der Schöpfer uns das Verlangen und die Lust gibt, gute Taten zu tun. Und solange der Mensch nicht würdig ist, darf er nicht spüren, dass der Schöpfer ihn verpflichtet, gute Taten zu tun. Deshalb verbirgt Sich der Schöpfer in einem Gewand, und dieses Gewand wird „lo liShma“ (nicht um ihretwillen) genannt. Das heißt, der Schöpfer verbirgt Sich manchmal im Gewand der Freunde.

Zum Beispiel gibt es die Situation, dass ein Mensch nicht aufstehen will, um vor Tagesanbruch zu lernen. Dann verbirgt Sich der Schöpfer im Gewand der Freunde, und der Mensch steht aus dem Bett auf, obwohl er müde ist, weil ihm ein Gedanke in den Sinn kommt, der sagt: Es macht sich vor den Freunden nicht gut, dass alle zum Lernen kommen und er nicht.

Dann werden ihn alle anschauen, in seiner Niedrigkeit. Deshalb steht er auf und geht in das Bethaus und lernt. Daraus folgt: Um des Gebots des Schöpfers willen hat er nicht die Kraft, aus dem Bett aufzustehen. Deshalb verpflichtet ihn der Schöpfer nicht, in das Bethaus zu gehen, denn aus diesem Grund wäre er im Bett liegen geblieben. Aber die Freunde verpflichten ihn sehr wohl.

Und ähnlich wie bei diesem Beispiel verhält es sich bei allen anderen Dingen, wenn der Mensch lo liShma handelt. Es gibt zwar viele Stufen im lo liShma, doch sprechen wir von diesem Beispiel. Und hier ist etwas zu beachten: Der Mensch geht lernen und Mizwot tun nicht deshalb, weil der Schöpfer ihn verpflichtet. Das heißt: Um des Gebots des Schöpfers willen hat er nicht die Kraft, den Körper zu überwinden und ihn zu guten Taten zu zwingen. Aber um der Menschen willen hat er sehr wohl die Kraft, gute Taten zu tun. Daraus folgt: Welche Wichtigkeit kann dieses lo liShma schon haben?

Vielmehr muss der Mensch glauben, wie gesagt, dass es „nichts außer Ihm“ gibt. Das heißt, der Schöpfer verpflichtet ihn, die guten Taten zu tun. Doch weil der Mensch noch nicht würdig ist zu wissen, dass der Schöpfer ihn verpflichtet, kleidet Sich der Schöpfer in Gewänder aus Fleisch und Blut, durch die der Schöpfer diese Wirkungen vollbringt – das heißt, der Schöpfer wirkt vom Aspekt der Rückseite her.

Das bedeutet: Der Mensch sieht das Gesicht der Menschen. Aber er muss glauben, dass hinter dem Gesicht der Menschen der Schöpfer steht und diese Wirkungen vollbringt. Das heißt, hinter dem Menschen steht der Schöpfer und zwingt ihn, die Taten zu tun, die der Schöpfer will. Daraus folgt: Der Schöpfer wirkt alles, nur misst der Mensch dem Bedeutung bei, was er sieht, und nicht dem, was er glauben sollte.

Deshalb sagt der Mensch, dass er die Taten lo liShma tut. Wie im Beispiel: Die Freunde verpflichten ihn. Und das müssen nicht unbedingt Freunde sein, sondern jeder Einzelne hat sein eigenes, individuelles äußeres Gewand, das zu ihm passt.

Deshalb sagt der Mensch nach der Tat – zum Beispiel, nachdem er in das Bethaus gekommen ist, und das geschah, weil die Freunde ihn verpflichtet hatten zu kommen –: „Das geschah, weil der Schöpfer der Grund dafür war, dass er lernen ging. Nur kleidete Sich der Schöpfer ihm gegenüber in das Gewand der Freunde. Deshalb dankt er jetzt dem Schöpfer dafür, dass Er der Grund war.“

Aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn der Mensch die Sache lo liShma tat – also nicht der Schöpfer war der Grund, der ihm gebot, die Mizwa zu tun, sondern er tat es zum Beispiel deshalb, weil die Freunde ihm einen Befehl gaben, dem er gehorchen musste –, dann muss der Mensch glauben, dass er die Sache getan hat, weil der Schöpfer ihm gebot, die Mizwa zu befolgen. Und es lag ihm ob zu befolgen, was der Schöpfer ihm zu tun gebot. Nur verbarg Sich der Schöpfer im Gewand des lo liShma, nämlich der Freunde und dergleichen, sodass der Mensch durch dieses Gewand denkt, er müsse der Stimme des lo liShma gehorchen.

Aber in Wahrheit muss der Mensch glauben, dass der Schöpfer alles getan hat. Es zeigt sich also: Nachdem er die Mizwa getan hat, muss er sagen, dass der Schöpfer hinter dem Gewand des lo liShma gewirkt hat. Dann zeigt sich, dass der Mensch dem Schöpfer dafür danken muss, dass Er ihm durch dieses Gewand das Verlangen gab, Seine Mizwot zu befolgen.

Mit dem Gesagten verstehen wir die große Wichtigkeit des lo liShma. Das heißt, es ist nicht so, wie der Mensch denkt, dass er alles um des lo liShma willen tut, sondern er tut alles, weil der Schöpfer es ihm gebot. Nur hat er noch nicht das Verdienst, spüren zu können, dass der Schöpfer es ist, der gebietet. Deshalb denkt der Mensch, das lo liShma sei der Gebietende. Deshalb ist die Tat in seinen Augen nicht so wichtig.

Wenn er aber glaubt, dass es „nichts außer Ihm“ gibt – wie es, wie gesagt, in den vorigen Artikeln dieses Wochenabschnitts geschrieben steht –, dann zeigt sich, dass er in Wahrheit das Gebot des Schöpfers erfüllt. Und der Mensch muss die Tat wertschätzen, die er lo liShma tat. Denn dass der Mensch sich vorstellt, er erfülle nur eine Tat des lo liShma, kommt allein daher, dass er noch nicht das Verdienst hat zu spüren, dass er das Gebot des Königs erfüllt und dem König dient.

Wenn er also glaubt, dass das lo liShma in Wahrheit so ist, dass der Schöpfer selbst ihn verpflichtet, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, dann zeigt sich, dass er dem Schöpfer großen Dank sagen kann dafür, dass der Schöpfer Sich in das Gewand des lo liShma kleidete. Und daran kann der Mensch die Wichtigkeit von Tora und Mizwot ermessen, sogar im lo liShma. Und das ist so, wie unsere Weisen sagten: „Man fordert von ihm mit seinem Wissen“, nämlich liShma, „und ohne sein Wissen“, nämlich lo liShma.

Und das ist es, was geschrieben steht: Die Searot, nämlich das lo liShma, bedecken das Licht, damit man sich nicht am Licht nährt, solange man dessen nicht würdig ist. Das heißt, die Searot sind ein Gewand, und unter diesem Gewand steht das Licht und leuchtet. In der Zwischenzeit aber ist das Licht bedeckt.

korrOp, EY, 10.08.2026, 04:15 Uhr, Ver3