Rabash 1990-19 – Ver3 (Stilüberarbeitung nach Richtlinie; Basis Ver2→Ver3)
Nr. | Deutsch NEU | עברית | Deutsch ALT |
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1 | Im Sohar (Jitro, Punkt 76, und im Sulam-Kommentar, Abschnitt 293) heißt es wörtlich: „Es wird gelehrt: Rabbi Jehuda sagt: ‚Auf der Seite von Gwura wurde die Tora gegeben.‘ Rabbi Jossi sagte: ‚Wenn das so ist, dann steht die Tora auf der linken Seite.‘ Er antwortete ihm: ‚Sie kehrte zur rechten Seite zurück, denn es steht geschrieben: ‚Aus Seiner Rechten kam ein feuriges Gesetz für sie.‘ Und es steht geschrieben: ‚Deine Rechte, Schöpfer, ist herrlich an Kraft.‘ Wir sehen also, dass die Linke in der Rechten enthalten ist, denn es steht geschrieben: ‚Aus Seiner Rechten kam ein Feuer.‘ Und die Rechte ist in der Linken enthalten, denn es steht geschrieben: ‚Deine Rechte, Schöpfer, ist herrlich an Kraft.‘ So ist Gwura, die links ist, in der Rechten enthalten.‘“ Daraus folgt, dass die Tora die mittlere Linie ist, das heißt, dass sie aus beiden Linien besteht, der rechten und der linken. | הזה"ק (יתרו ע"ו, ובהסולם אות רצ"ג), כתוב שם וזה לשונו "תנא רבי יהודה אומר, בצד הגבורה ניתנה התורה. אמר רבי יוסי, אם כן, התורה היא בצד שמאל. אמר לו, שחזרה לימין, שכתוב, מימינו אש דת למו. וכתוב, ימינך ה' נאדרי בכח. הרי מצאנו, ששמאל נכלל בימין, שכתוב, מימינו אש. וימין בשמאל, שכתוב, ימינך ה' נאדרי בכח. הרי שגבורה, שהיא שמאל, נכלל בימין". נמצא, שהתורה היא קו אמצעי. היינו, שהיא נכללת מב' קוים, שהם ימין ושמאל. | Im Heiligen Sohar (Jitro, Artikel 293) steht geschrieben: „Der Tanna Rabbi Yehuda sagt: ‚Die Tora wurde auf der Seite von Gwura gegeben.‘ Rabbi Yossi sagte: ‚Also ist die Tora auf der linken Seite.‘ Er antwortete: ‚Sie kehrte auf die rechte Seite zurück, denn es steht geschrieben: ‚Zu seiner Rechten, ein feuriges Gesetz für sie.‘ Und es steht geschrieben: ‚Deine Rechte, Ewiger, ist herrlich in ihrer Macht.‘ Wir sehen also, dass die Linke in der Rechten enthalten ist, wie geschrieben steht: ‘Zu seiner Rechten ein feuriges Gesetz’, und die Rechte in der Linken, wie geschrieben steht: „Deine Rechte, Ewiger, ist herrlich in ihrer Macht. So ist Gwura, welche links ist, in der Rechten enthalten.’“ Daraus folgt, dass die Tora die Mittlere Linie ist, da sie beide Linien – die Rechte und die Linke – beinhaltet. |
2 | Und es steht geschrieben (Blatt 62, im Sulam-Kommentar, Abschnitt 235): „Im dritten Monat – über diesen Monat herrscht Uriel. Denn Nissan, Ijar und Siwan entsprechen Chessed, Gwura und Tiferet: Über Chessed herrscht Michael, über Gwura Gabriel und über Tiferet Uriel. Und das ist das Geheimnis des ‚lauteren Mannes‘, der Jakob genannt wird, welcher das Geheimnis von Tiferet ist. ‚Lauter‘ kommt vom Wort ‚Vollkommenheit‘.“ | וכתוב (בדף ס"ב, בהסולם אות רל"ה) "בחודש השלישי, שבחודש הזה שולט אוריאל. כי ניסן, אייר, סיון, הם כנגד חג"ת, שבחסד שולט מיכאל, ובגבורה גבריאל, ובתפארת אוריאל. והוא סוד איש תם, שנקרא, יעקב, שהוא סוד תפארת. תם, הוא מלשון שלימות". | Es steht ebenso geschrieben (Pos. 235): „Im dritten Monat regiert Uriel, denn [die Monate] Nissan, Ijar und Siwan entsprechen CHaGaT – Michael regiert Chessed, Gabriel Gwura und Uriel Tiferet. Und das ist die Bedeutung von ‘Ein ganzer Mensch’, der Jakob genannt wird, der Tiferet ist.” Auch kommt „Ganz“ von dem Wort „Ganzheit“. |
3 | Und es steht geschrieben (Abschnitt 242): „Und sie wurde im dritten Monat gegeben, dem dritten Volk, das in drei Stufen enthalten war, nämlich den drei Vätern – die dreifache Tora, das heißt Tora, Propheten und Schriften, und alles ist eins.“ Die Tora ist also die mittlere Linie. | וכתוב (באות רמ"ב) "וניתנה בחודש השלישי, לעם השלישי, שנכלל במדרגות שלוש, דהיינו שלשה אבות, תורה משולשת, שהיא תורה, נביאים, כתובים, והכל אחד". הרי שהתורה היא בחינת קו אמצעי. | Es steht geschrieben (Artikel 242): „Und wurde im dritten Monat dem dritten Volk, das in drei Stufen, d.h. drei Urvätern, enthalten war, die dreifache Tora gegeben, nämlich Tora [Pentateuch], Propheten und Hagiographie [(altgr.) hagia: “das Heilige”, Schriften über das Leben der Weisen], und sie alle sind eins.“ Die Tora gilt also als die Mittlere Linie. |
4 | Und es steht geschrieben (Blatt 76, im Sulam-Kommentar, Abschnitt 296): „‚Und das ganze Volk sah die Stimmen.‘ Er fragt: Die Schrift sagt ‚sah‘ – es hätte doch ‚hörte‘ heißen müssen? Und er antwortet: So haben wir gelernt – diese Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und sie wurden darin sichtbar, so wie ein Körper sichtbar wird.“ | וכתוב (בדף ע"ו, בהסולם אות רצ"ו) "וכל העם רואים את הקולות. שואל, הכתוב אומר, רואים. שומעים, היה צריך לומר. ומשיב, כך למדנו, אלו הקולות היו נחקקים בחושך, ענן, וערפל, ונראים בהם כמו שנראה גוף". | Es steht auch geschrieben (Ziff. 296): „‚Und das ganze Volk sah die Stimmen.‘ Er fragt, die Schrift sagt, ’sah‘, aber es hätte heißen müssen, ‚hörte‘. Er antwortet: ‚So lernten wir. Diese Stimmen waren in Dunkelheit, Wolken und Nebel eingraviert, und sie offenbaren sich darin wie in einem Körper.'“ |
5 | Nun gilt es zu verstehen, worauf es uns in der Arbeit hinweist, dass die Tora aus rechts und links besteht. Und worauf weist es uns hin, dass die Tora im dritten gegeben wurde, der Jakob ist, der lautere Mann, der Vollkommenheit genannt wird. Und auch, was es bedeutet, dass die Stimmen in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert wurden – das ist der Körper, in dem die Stimmen eingraviert sind. | ויש להבין, מה מרמז לנו בעבודה, שהתורה נכללת מימין ושמאל. ומה מרמז לנו, שניתנה תורה בשלישי, שהוא יעקב, איש תם, הנקרא שלימות. וגם מה הפירוש, שהקולות היו נחקקים בחושך ענן וערפל, שהוא הגוף, הנחקקים שם הקולות. | Wir sollten verstehen, was es für uns in der [spirituellen] Arbeit bedeutet, dass die Tora aus rechts und links besteht. Und was bedeutet es, dass die Tora an den Dritten gegeben wurde, der Jakob ist, ein ganzer Mensch, der „Ganzheit“ genannt wird. Und was bedeutet es, dass die Stimmen in Dunkelheit, Wolke und Nebel eingraviert wurden, was der Körper ist, in den die Stimmen eingraviert sind. |
6 | Bekanntlich ist die Reihenfolge der Arbeit so: Zuerst muss man darauf hinarbeiten, das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen, und danach soll man Tora lernen. Denn wenn jemand das Königtum des Himmels nicht hat, muss man fragen: Wessen Tora lernt er? Denn vor allem muss der Mensch an den Geber der Tora glauben, und danach kann er die Tora befolgen. Das Königtum des Himmels nun heißt „Assija“ (Handlung). Das bedeutet, dass er es auf sich nimmt, über dem Verstand zu gehen. | ידוע, שסדר העבודה הוא, מקודם צריכים לעבוד לקבל על עצמו עול מלכות שמים, ואח"כ צריכים ללמוד תורה. כי אם אין לו מלכות שמים, יש לשאול, התורה של מי הוא לומד. כי קודם כל האדם צריך להאמין בנותן התורה, ואח"כ הוא יכול לקיים את התורה. הנה מלכות שמים נקראת בחינת "עשיה". היינו, שהוא מקבל על עצמו ללכת למעלה מהדעת. | In der Reihenfolge der Arbeit ist bekannt, dass man zuerst die Last des Himmelreichs auf sich nehmen muss und erst dann die Tora lernen soll. Denn wenn er das Himmelreich nicht hat, sollten wir fragen: „Wessen Tora lernt er?“, denn zuerst muss man an den Geber der Tora glauben, und dann kann man die Tora befolgen. Deshalb heißt das Himmelreich Assija [Handlung], was bedeutet, dass man es auf sich nimmt, über den Verstand zu gehen. |
7 | Auch wenn der Verstand des Menschen mit vielen Fragen zu ihm kommen mag, antwortet er ihnen: „Ihr stellt mir Fragen aus dem Verstand, ich aber gehe über dem Verstand – von einem Ort her, den der Verstand nicht erreichen, erlangen und begreifen kann. Das nennt man ‚Glaube‘. Wenn das so ist, gibt es keinen Platz für all das, was ihr mich fragt.“ | היינו, הגם שהדעת של האדם יכול לבוא אליו עם הרבה שאלות, אז הוא עונה להן "הלא אתן שואלות אותי שאלות מבחינת הדעת, ואני הולך למעלה מהדעת. היינו ממקום שאין הדעת יכול להגיע שם ולהשיג ולהבין. שזה נקרא בחינת "אמונה". אם כן, אין מקום לכל מה שאתן שואלות אותי". | Mit anderen Worten: Auch wenn der Verstand mit vielen Fragen zum Menschen kommt, antwortet er ihnen: „Du stellst mir Fragen innerhalb des Verstandes, und ich gehe über den Verstand, an einem Ort, den der Verstand nicht erreichen, begreifen oder verstehen kann, und der ‚Glaube‘ genannt wird. Daher gibt es keinen Platz für all die Fragen, die du mir stellst.“ |
8 | Das nennt man die „rechte“ Seite. Das bedeutet, dass er glaubt, der Schöpfer wacht über die Welt als der Gute, der Gutes tut. Auch wenn er beim Blick auf die Welt viele Fragen hat, geht er dennoch über dem Verstand und sagt: „Augen haben sie und sehen doch nicht.“ Vielmehr dankt und lobt er den König dafür, dass Er allen nur Gutes gibt. Das nennt man „rechts“, „Chessed“. Das heißt, die Führung der Welt geschieht in Chessed. Mit anderen Worten: Der Schöpfer führt die Welt nur mit Chassadim. Und darüber sagt er: „Jeden Tag will ich Dich preisen.“ | וזה נקרא בחינת "ימין". היינו, שהוא מאמין, שה' משגיח על העולם בבחינת טוב ומטיב. הגם כשהוא מסתכל על העולם, יש לו הרבה שאלות, מכל מקום הוא הולך למעלה מהדעת, ואומר "עינים להם ולא יראו". אלא הוא מודה ומשבח את המלך, בזה שנותן לכולם רק טוב. וזה נקרא "ימין", "חסד". כלומר, שהנהגת העולם היא בבחינת חסד. כלומר, שהקב"ה מנהיג את העולם רק עם חסדים. ועל זה הוא אומר "בכל יום אברכך". | Das nennt man „Rechts“, dass er glaubt, dass der Schöpfer als “Der Gute, der Gutes tut” über die Welt wacht. Obwohl er, wenn er die Welt betrachtet, viele Fragen hat, geht er über den Verstand und sagt: „Sie haben Augen und sehen nicht.“ Stattdessen dankt und lobt er den König dafür, dass er allen nur Gutes gibt. Das nennt man „Rechts“, Chessed, was bedeutet, dass die Führung der Welt in Chessed [Barmherzigkeit] liegt. Das heißt, der Schöpfer führt die Welt nur mit Chassadim [Gnade]. Und er sagt dazu: „Ich werde dich jeden Tag segnen.“ |
9 | Doch es gibt im Menschen einen bösen Trieb (Jezer haRa). Mein Vater und Lehrer deutete ihn so, dass das Wort von „Ziur“ (Bild) kommt. Das heißt, der böse Trieb zeigt dem Menschen schlechte Bilder von der Führung des Schöpfers, davon, wie der Schöpfer mit der Welt umgeht. Und er gibt auch ein Bild von der Niedrigkeit der Arbeit überhaupt, was „die Schechina im Staub“ genannt wird. Und wie kann der Mensch sich da überwinden und auf dem Weg der rechten Seite gehen, die „Vollkommenheit“ heißt, sodass er sagen kann: „Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens“? | אולם יש באדם יצר הרע, כמו שפירש אאמו"ר זצ"ל, שהוא מלשון "ציור". היינו, שמראה לאדם ציורים רעים על הנהגת ה', איך שה' מתנהג עם העולם. וגם נותן ציור של שפלות על העבודה בכלל, שזה מכונה "שכינתא בעפרא". ואיך האדם יכול להתגבר וללכת בדרך הימין, הנקרא "שלימות", שיוכל לומר "אך טוב וחסד ירדפוני כל ימי חיי". | Es gibt jedoch einen bösen Jezer [Trieb] im Menschen. Baal HaSulam hat das Wort so gedeutet, dass es vom Wort Ziur [Zeichnung] stammt. Mit anderen Worten: Der Trieb zeigt dem Menschen schlechte Bilder von der Führung des Schöpfers, davon, wie der Schöpfer sich in der Welt verhält. Der Trieb gibt auch ein Bild von der Niedrigkeit der Arbeit im Allgemeinen, die als „Shechina [Gegenwart Gottes] im Staub bezeichnet wird“. Wie kann man sich also überwinden und auf dem Pfad des „Rechten“ wandeln, der „Ganzheit“ genannt wird, und sagen: „Nur Güte und Barmherzigkeit sollen mich alle Tage meines Lebens begleiten“? |
10 | Darüber sagten unsere Weisen: „Der Schöpfer sprach: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Daraus folgt: Die Tora, mit der er sich jetzt beschäftigt, soll ein Gewürz sein. Das heißt, durch die Tora soll er die Kraft erhalten, das Böse zu überwinden und auf dem Weg von Chessed zu gehen, der „rechts“ genannt wird. Von dieser Seite her kann man sagen, dass die Tora in der rechten Linie gegeben wurde – und zwar nach der Wirkung benannt. Das heißt, sie macht den Menschen fähig, sodass er die Möglichkeit hat, auf dem Weg der rechten Seite zu gehen. Das nennt man den „ersten Aspekt der Tora“, denn die rechte Seite heißt „Vollkommenheit“, weil man dabei keinerlei Mangel spürt. | על זה אמרו חז"ל "אמר הקב"ה, בראתי יצר הרע, בראתי תורה תבלין". נמצא, שהתורה מה שהוא עוסק בה עתה, הוא בכדי שזה יהיה תבלין, היינו, שע"י התורה יהיה בידו הכח להתגבר על הרע וללכת בדרך החסד, הנקרא "ימין". ומבחינה זו אפשר לומר, שהתורה ניתנה בימין, שפירושו, על שם הפעולה. היינו, שמכשרת את האדם, שתהיה בידו אפשרות ללכת בדרך הימין. וזה נקרא "בחינה א' שבתורה", שימין נקרא "שלימות", שלא מרגיש שום חסרון. | Unsere Weisen sagten dazu: „Der Schöpfer sagte: ‚Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.'“ Daraus folgt, dass die Tora, mit der er sich beschäftigt, ein Gewürz ist, das heißt, dass er durch die Tora in der Lage ist, das Böse zu überwinden und auf dem Weg von Chessed zu wandeln, der „rechts“ genannt wird. In dieser Hinsicht kann man sagen, dass die Tora auf dem rechten Weg gegeben wurde, benannt nach der Handlung. Mit anderen Worten: Sie befähigt den Menschen, auf dem rechten Weg zu wandeln. Das nennt man „die erste Unterscheidung in der Tora“, bei der „rechts” „Ganzheit“ heißt, er also überhaupt keinen Mangel verspürt. |
11 | Der zweite Aspekt der Tora ist die linke Seite, die „Chochma“ (Weisheit) genannt wird, also die Weisheit der Tora. Das heißt: Nachdem er bereits die rechte Seite hat, die Chessed ist – nämlich den Glauben über dem Verstand –, und er an den Schöpfer glaubt, dass Er die Welt als der Gute, der Gutes tut, führt, wird er des Aspekts „Geber der Tora“ gewürdigt, der „Weisheit der Tora“ heißt, wie geschrieben steht: „Die Tora ging aus Chochma hervor.“ | ובחינה ב' שבתורה היא בחינת שמאל, הנקרא בחינת "חכמה", שהיא בחינת חכמת התורה. היינו, לאחר שכבר יש לו בחינת ימין, שהוא חסד, היינו אמונה למעלה מהדעת, והוא מאמין בה', שה' הוא מנהיג את העולם בבחינת טוב ומטיב, אז הוא זוכה לבחינת נותן תורה, שנקרא "חכמת התורה", כמו שכתוב "אורייתא מחכמה נפקת". | Die zweite Unterscheidung in der Tora ist die Linke, die Chochma [Weisheit] genannt wird. Sie gilt als die Weisheit der Tora. Mit anderen Worten: Wenn er bereits das Rechte hat, das Chessed heißt, also der Glaube über dem Verstand, und er an den Schöpfer glaubt – dass der Schöpfer die Welt führt als “Der Gute, der Gutes tut” –, wird er mit dem Geber der Tora belohnt, der „die Weisheit der Tora“ genannt wird, denn es steht geschrieben: „Die Tora kommt aus der Weisheit.” |
12 | Mit anderen Worten: Nachdem er glaubt, dass es einen Geber der Tora gibt, ist es an der Zeit, der Tora gewürdigt zu werden. Und die Tora geht bekanntlich aus Chochma hervor. Diesen Aspekt kann man „links“ nennen. Das heißt, er kommt erst, nachdem der Mensch der rechten Seite gewürdigt wurde, die der Glaube über dem Verstand ist und „bedeckte Chassadim“ genannt wird. | כלומר, לאחר שהוא מאמין, שיש נותן התורה, אז הוא הזמן לזכות לתורה. והתורה, ידוע שהיא יוצאת מחכמה. ובחינה זו יכולים לקרוא בשם "שמאל". היינו, שהיא באה לאחר שהאדם זכה לבחינת ימין, שהיא בחינת אמונה למעלה מהדעת, המכונה "חסדים מכוסים". | Mit anderen Worten: Sobald er glaubt, dass es den Geber der Tora gibt, ist dies der Zeitpunkt, an dem er mit der Tora belohnt wird. Es ist bekannt, dass die Tora aus Chochma kommt, und diese Erkenntnis kann als „links“ bezeichnet werden, was bedeutet, dass sie kommt, nachdem ein Mensch mit Rechts belohnt wurde, was der Glaube über dem Verstand ist, genannt „bedeckte Chassadim.“ |
13 | Wenn man aber von der Zeit spricht, in der es bereits eine Offenbarung von Chochma gibt – die, wie gesagt, „links“ genannt wird –, dann gibt es noch eine weitere Sache, die „mittlere Linie“ genannt wird: nämlich dass die Chochma in ein Gewand aus Chassadim gekleidet sein muss. Vorher besteht ein großer Abstand zwischen Chassadim, die „rechts“ genannt werden, und Chochma, die als linke Seite gilt. Und das ist so, wie unsere Weisen sagten: „Wer Tora liShma (um ihretwillen) lernt“ – das bedeutet, dass die Absicht dessen, der Tora lernt, darin besteht, durch die Tora zu liShma zu gelangen. | אולם כשמדברים בזמן שיש כבר גילוי חכמה, המכונה בחינת "שמאל" כנ"ל, יש עוד ענין, המכונה "קו אמצעי", שהוא, שבחינת החכמה צריכה להיות מלובשת בלבוש של חסדים. ומטרם זה יש מרחק גדול בין חסדים, המכונים "ימין", לחכמה, הנבחנת לבחינת שמאל. וזהו על דרך שאמרו חז"ל "הלומד תורה לשמה", שפירושו, זה שלומד תורה, כוונתו היא בזה, שיזכה ע"י התורה לבוא לשמה. | Wenn man jedoch von einer Zeit spricht, in der bereits Chochma offenbart wurde, die als „links“ bezeichnet wird, gibt es noch einen anderen Punkt, der als „Mittlere Linie“ bezeichnet wird, was bedeutet, dass Chochma in Chassadim eingekleidet werden muss. Zuvor gibt es eine große Entfernung zwischen Chassadim, die als „rechts“ bezeichnet wird, und Chochma, die als „links“ gilt. |
14 | Das heißt, seine Absicht bei der Tora, mit der er sich beschäftigt, ist es, dadurch zur Stufe Chessed zu gelangen. Das bedeutet, dass er die Kraft hat, alles zu tun, um zu geben, was „Chessed“ genannt wird. So sagten unsere Weisen: „Wer ist ein Chassid (Frommer)? Derjenige, der sagt: ‚Was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist dein‘ – wer also nichts zu seinem eigenen Nutzen will.“ Und danach, wenn er durch die Tora bereits des Aspekts Chessed gewürdigt wurde, werden ihm die Geheimnisse der Tora offenbart (Sprüche der Väter, Kapitel 6,1). | היינו שהתורה, שהוא עוסק בה, כוונתו היא, שע"י זה יבוא לדרגת חסד. היינו, שיהיה בידו כח לעשות הכל בעל מנת להשפיע, שזה נקרא "חסד". כמו שאמרו חז"ל "איזהו חסיד, האומר "שלי שלך ושלך שלך", שאינו רוצה שום דבר לתועלת עצמו. ואח"כ, כשכבר זכה ע"י התורה לבחינת חסד, כנ"ל, אז מגלין לו רזי תורה (אבות, פרק שישי א'). | Wie unsere Weisen sagten: „Einer, der Tora liShma [um Ihretwillen] lernt“, bedeutet, dass er Tora mit dem Ziel lernt, durch die Tora mit liShma belohnt zu werden, dass also seine Absicht in der Tora, die er lernt, darin besteht, die Stufe Chessed zu erreichen, was bedeutet, die Kraft zu haben, alles zu tun, um zu geben, genannt Chessed. Unsere Weisen sagten: „Wer ist ein Chassid [Frommer]? Derjenige, der sagt: ‚Was mein ist, ist dein und was dein ist, ist dein‘, der nichts für sich selbst will.“ Danach, wenn er mit Chessed durch die Tora belohnt wird, „werden ihm die Geheimnisse der Tora offenbart“ (Sprüche der Väter, Kapitel 6,1). |
15 | Und das wird bereits „links“ genannt. Diese linke Seite muss dann in die Rechte aufgenommen werden, nämlich so, dass das Licht von Chochma, das die linke Seite ist, in Chassadim gekleidet wird, die die rechte Seite sind. Das nennt man den Aspekt Tora, die die mittlere Linie ist, zwischen rechts und links. Deshalb gilt: Die Tora besteht aus Chessed und Gwura. | וזה כבר נקרא "שמאל". ואז השמאל הזה צריכים להכלל בימין, שנקרא, שאור החכמה, שהוא שמאל, מלובש בחסדים, שהוא ימין. וזה נקרא בחינת תורה, שהיא קו אמצעי, בין ימין לשמאל. לכן נבחן, שהתורה נכללת מחסד וגבורה. | Dies wird bereits „links“ genannt. Zu diesem Zeitpunkt muss diese Linke in die Rechte integriert werden. Das bedeutet, dass das Or Chochma, das links ist, in Chassadim, das rechts ist, eingekleidet wird, und das wird Tora genannt, die Mittlere Linie zwischen rechts und links. Deshalb wird davon ausgegangen, dass die Tora aus Chessed und Gwura besteht. |
16 | Es zeigt sich also: Der erste Zustand ist die Zeit, in der er die Stufe liShma erreichen will, also um des Gebens willen zu arbeiten. Da befindet sich der Mensch im Exil, unter der Herrschaft des bösen Triebs. Dann braucht er die Tora, und das nennt man „wer Tora lernt, um zu liShma zu gelangen“. Das heißt, er glaubt an das, was unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das nennt man „Tora im Aspekt der rechten Seite“, also den Aspekt Chessed, um des Gebens willen. | נמצא, שמצב א' הוא, בזמן שהוא רוצה לבוא לדרגת לשמה, היינו בעל מנת להשפיע. שזה נקרא, שהאדם נמצא בגלות תחת שליטת היצר הרע. אז הוא צריך לתורה, שזה נקרא "הלומד תורה, בכדי להגיע לשמה". וזהו, שמאמין במה שאמרו חז"ל "בראתי יצר הרע בראתי תורה תבלין". וזה נקרא "תורה בבחינת ימין". היינו, בחינת חסד, בעל מנת להשפיע. | Daraus folgt, dass der erste Zustand darin besteht, dass er die Stufe liShma erreichen will, also um des Gebens willen zu arbeiten. Dabei wird der Mensch so betrachtet, dass er sich im Exil befindet und von dem Bösen Trieb beherrscht wird. Zu diesem Zeitpunkt braucht er die Tora. Das wird „Tora lernen, um liShma zu erreichen“ genannt, was bedeutet, dass er an das glaubt, was unsere Weisen gesagt haben: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Es heißt „Tora in der Form von Rechts“, also Chessed, um zu geben. |
17 | Und wenn er die Stufe liShma bereits erreicht hat, kommt der zweite Zustand. Dann wird er des Aspekts gewürdigt: „Ihm werden die Geheimnisse der Tora offenbart.“ Das heißt, wie gesagt: Nachdem er bereits des Aspekts „Geber“ gewürdigt wurde, also nachdem es einen Geber in der Welt gibt, kommt danach der Zustand, in dem der Geber dem Menschen die Tora gibt. | ובזמן שכבר השיג את דרגת לשמה, בא מצב ב'. היינו, שזוכה לבחינת "מגלין לו רזי תורה". היינו כנ"ל, לאחר שכבר זכה לבחינת "נותן", היינו שיש מציאות נותן בעולם, אח"כ בא מצב, שהנותן משפיע להאדם את התורה. | Und wenn er bereits die Stufe liShma erreicht hat, tritt ein zweiter Zustand ein und er wird mit der Offenbarung der Geheimnisse der Tora belohnt. Nachdem er also mit dem Geber belohnt wurde, was bedeutet, dass es einen Geber in der Welt gibt, kommt ein Zustand, in dem der Geber dem Menschen die Tora gibt. |
18 | Und damit ist es noch nicht zu Ende, denn er braucht einen dritten Zustand: nämlich dass der Aspekt Chochma in die rechte Seite aufgenommen werden muss, die „Chassadim“ heißt. Denn die Tora geht aus Chochma hervor. Das bedeutet, die Tora geht aus Chochma hervor und muss in das Licht von Chassadim gekleidet werden. Die Chassadim werden „Aspekt der Handlung“ genannt und die Tora „Aspekt von Chochma“. Und es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“, wie unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter, Kapitel 3,12): „Bei jedem, dessen Weisheit größer ist als seine Taten, hat seine Weisheit keinen Bestand.“ So zeigt sich, dass die Tora, die „Chochma“ genannt wird, im Aspekt der mittleren Linie leuchtet. Und das nennt man: Die Tora besteht aus Chessed und Gwura, denn sie umfasst beide. | ובזה עוד לא נגמר, כי הוא צריך למצב ג', הנקרא, שבחינת החכמה צריכה להכלל בימין, הנקרא "חסדים". כי התורה היא מחכמה נפקת. פירוש, שהתורה יוצאת מחכמה, והיא צריכה להיות מלובשת באור החסדים, שחסדים נקראים "בחינת מעשה", ותורה נקרא "בחינת חכמה". ואסור להיות "חכמתו מרובה ממעשיו", כמו שאמרו חז"ל (אבות, פרק שלישי י"ב) "וכל שחכמתו מרובה ממעשיו, אין חכמתו מתקיימת". כן יוצא, שהתורה, הנקראת "חכמה", היא מאירה בבחינת קו אמצעי. וזה נקרא, שהתורה נכללת מחסד וגבורה, שהיא כוללת שניהם. | Aber das ist noch nicht alles. Er braucht noch einen dritten Zustand, Chochma genannt, das Rechts aufgenommen wird und Chassadim genannt wird. Das ist deshalb so, da die Tora aus Chochma kommt, was bedeutet, dass die Tora aus Chochma kommt und in das Licht Chassadim eingekleidet werden muss. Außerdem wird Chassadim „Handlung“ genannt und Tora heißt „Chochma„. Die Tora darf nicht größer sein als die Handlungen, die man ausführt. Unsere Weisen sagten dazu (Sprüche der Väter, Kapitel 3,12): „Wessen Chochma [Weisheit/Wissen] größer ist als seine Taten, dessen Chochma bleibt nicht bestehen.“ Daraus folgt auch, dass die Tora, die Chochma genannt wird, als die Mittlere Linie leuchtet. Es wird davon ausgegangen, dass die Tora aus Chessed und Gwura besteht und beides enthält. |
19 | Bei der Sache „wer Tora liShma lernt“ gilt es nun, zwei Aspekte zu unterscheiden: | והנה בענין "הלומד תורה לשמה" יש להבחין ב' בחינות: | Es gibt zwei Unterscheidungen für jemandem, der die Tora liShma lernt: |
20 | a) Er sieht, dass er keinerlei Bezug dazu hat, Handlungen zum Nutzen des Schöpfers zu tun. Vielmehr sieht er, dass er unter der Herrschaft des bösen Triebs steht, der behauptet: „Alles gehört mir.“ Das heißt, der Trieb erlaubt ihm nicht, irgendetwas um des Gebens willen zu tun. Nur dort, wo er sieht, dass ihm daraus ein eigener Nutzen erwächst, kann er arbeiten. Sieht er hingegen keinen Nutzen für sein Verlangen zu empfangen, hat er keine Kraft zur Arbeit. Das heißt, sein Maßstab hängt davon ab, wie viel sein Verlangen zu empfangen gewinnt. | א. שהוא רואה, שאין לו שום שייכות לענין לעשות מעשים לתועלת ה'. אלא הוא רואה, שנמצא תחת שליטת היצר הרע, הטוען "כולה שלי". כלומר, שהוא לא מרשה לו לעשות שום דבר בעל מנת להשפיע. אלא במקום שהוא רואה, שיהיה מזה תועלת עצמו, הוא יכול לעבוד. מה שאין כן, אם אין הוא רואה תועלת עבור הרצון לקבל שלו, אין לו כח עבודה. כלומר, שהמודד שלו הוא תלוי כפי מה שהרצון לקבל שלו ירויח. | 1.) Er sieht, dass er keine Verbindung zu Handlungen um des Schöpfers willen hat. Stattdessen sieht er, dass er unter der Herrschaft des Bösen Triebs steht, der behauptet: „Sie gehört ganz mir.“ Sie lässt ihn nichts um des Gebens willen tun. Vielmehr kann er einzig dort, wo er sieht, dass er einen eigenen Nutzen hat, arbeiten. Wenn er aber keinen Nutzen sieht, den sein Wille empfangen könnte, hat er keine Energie zu arbeiten. Anders ausgedrückt: Sein Maßstab ist, inwieweit sein Wille zu empfangen profitieren wird. |
21 | Und wenn der Mensch sich bemüht, sich aus dieser Herrschaft zu befreien – wie es im Artikel „Was bedeutet es, dass das Sprechen am Schabbat in der Arbeit nicht wie das Sprechen am Wochentag sein soll?“ geschrieben steht (Wochenabschnitt BeShalach, Artikel 18, 5750) –, dann sieht er in dem Maße, in dem er sich bemüht, aus der Knechtschaft und dem Exil herauszukommen, wie sehr er in Finsternis, Wolke und Dunkel liegt. | וכשהאדם משתדל לצאת משליטתו, כמו שכתוב במאמר "מהו שדבור של שבת לא יהיה כדבור של חול בעבודה" (פרשת בשלח, מאמר י"ח תש"ן), שכפי ערך שהאדם משתדל לצאת מהשעבוד והגלות, בשיעור זה הוא רואה, איך שהוא מונח בחושך ענן וערפל. | Wenn ein Mensch versucht, sich aus seiner Herrschaft zu befreien, wie es in dem Aufsatz geschrieben steht: „Was bedeutet es, dass das Sprechen am Shabbat nicht wie das Sprechen an einem Wochentag in der Arbeit sein wird?“ (BeShalach, Artikel Nr. 18, 1989/90) heißt, „In dem Maße, in dem der Mensch versucht, sich aus der Versklavung und Verbannung zu befreien, sieht er, dass er sich in Dunkelheit, Wolken und Nebel befindet.“ |
22 | Und was unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“ – das sieht er dann umgekehrt. Das heißt, das Böse in ihm gewann über alle Maßen die Oberhand. Er hätte sich nie träumen lassen, dass er, wenn er anfängt zu arbeiten, sich anzustrengen und gute Taten in der Absicht zu vollbringen, „um zum Aspekt liShma zu gelangen“, nun das Gegenteil sieht. Bei einer solchen Niedrigkeit hätte er nie gedacht, dass er fallen könnte. | ומה שאמרו חז"ל "בראתי יצר הרע, בראתי תורה תבלין", הוא רואה אז להיפך, היינו, שהרע שבו התגבר יתר על המדה. כלומר, שאף פעם לא חלם, שאם יתחיל לעבוד ולתת יגיעה, ויעשה מעשים טובים על הכוונה "בכדי להגיע לבחינת לשמה". הרי הוא רואה עכשיו ההיפך, היינו, שבשפלות כזו לא היה חושב, שיוכל ליפול. | In diesem Zustand sieht er das Gegenteil von dem, was unsere Weisen sagten: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Mit anderen Worten: Das Böse in ihm ist zu stark geworden, d. h. er hätte sich also nie träumen lassen, dass er, wenn er anfängt zu arbeiten, sich anzustrengen und gute Taten zu vollbringen, um liShma zu erreichen, nun das Gegenteil sieht. Er hätte nie gedacht, dass er in eine solche Niedrigkeit fallen könnte. |
23 | Und in Wahrheit kommt ihm das, wie gesagt, aus dem Aspekt: „Denn Ich habe sein Herz verstockt.“ Und obwohl der Grund, weshalb er sich jetzt in Niedrigkeit befindet, von oben kommt, schmeckt er in der Empfindung des Unteren – der spürt, dass er in Finsternis ist und ihm nichts leuchtet – den Geschmack des Exils, auch wenn dies von oben kommt, wie gesagt. | ובאמת כנ"ל, שזה בא לו מבחינת "כי אני הכבדתי את לבו". והגם שהסיבה, מה שהוא נמצא עכשיו בשפלות, היא באה מלמעלה, אבל בהרגשת התחתון, שמרגיש, שנמצא בחושך, ואין שום דבר מאיר לו, הוא טועם טעם של גלות, הגם שזה בא מלמעלה, כנ"ל. | In der Tat kam dies aus dem Zustand: „Denn Ich habe sein Herz verhärtet“. Und obwohl der Grund, warum er sich jetzt in Niedrigkeit befindet, von Oben kommt, schmeckt er in der Empfindung des Unteren, der sich in der Dunkelheit fühlt – also nichts für ihn leuchtet – den Geschmack der Verbannung, auch wenn er von Oben kommt |
24 | Mit dem Gesagten lässt sich erklären, was wir gefragt hatten: Was bedeutet es, dass der Sohar sagt: „Diese Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und sie wurden darin sichtbar“? Man kann es so erklären: Diese Stimmen, nämlich die Stimme der Tora, kommen, um die Kraft zu geben, dass man Handlungen um des Gebens willen vollbringen kann. Das nennt man „den zweiten Aspekt von liShma“, nämlich „die Finsternis, die Wolke und das Dunkel“, das das Bedürfnis und das Kli (Gefäß) ist, um die Stimme der Tora zu erlangen. Zwei Aspekte kommen von oben, die „liShma“ genannt werden: | ובהאמור יש לפרש מה ששאלנו, מה הפירוש מה שזה"ק אומר "אלו הקולות היו נחקקים בחושך ענן וערפל, ונראים בהם". יש לפרש, שהקולות האלו, היינו הקול תורה, שהוא בא בכדי לתת הכח, שיוכל לעשות מעשים בעל מנת להשפיע. וזה נקרא "בחינה ב' של לשמה", היינו "החושך וענן וערפל", שהוא הצורך והכלי להשיג את הקול תורה. ב' בחינות באות מלמעלה, הנקרא "לשמה": | Mit dem Gesagten können wir die Frage auslegen: „Was bedeutet es, dass der Heilige Sohar sagt: ‚Diese Stimmen wurden in Dunkelheit, Wolken und Nebel eingraviert, und sie offenbaren sich in ihnen.'“ Wir sollten es so interpretieren, dass diese Stimmen die Stimme der Tora sind, die kommt, um Kraft zu geben, damit man handeln kann, um zu geben. Dies wird „die zweite Unterscheidung von liShma“ genannt, was so viel bedeutet wie Dunkelheit, Wolke und Nebel, und der Mangel und das Kli [Gefäß] ist, um die Stimme der Tora zu erhalten. Zwei Unterscheidungen kommen von oben, was liShma genannt wird: |
25 | a) Das Kli, nämlich die Finsternis, die das Bedürfnis ist – dass er die Finsternis nicht ertragen kann. | א. הכלי, דהיינו החושך, שהוא הצורך, שלא יכול לסבול את החושך. | 1.) Das Kli, also die Dunkelheit. Das ist der Mangel – wenn er die Dunkelheit nicht mehr ertragen kann. |
26 | b) Das Licht, nämlich die Kraft, die die Stimme ist – die Stimme der Tora –, die ihm die Kraft gibt, sich auf das Geben auszurichten; dieses Licht bringt ihn zum Guten zurück. Und das ist: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das heißt, die Stimme der Tora würzt den bösen Trieb – nämlich so, dass er die Fähigkeit erhält, sich auf liShma auszurichten. | ב. האור, היינו הכח, שהוא הקול, היינו הקול תורה, שנותן לו הכח, שיכול לכוון בעל מנת להשפיע, שהאור הזה מחזירו למוטב. וזה "בראתי יצר הרע בראתי תורה תבלין". היינו, שהקול תורה מתבל את היצר הרע, היינו שתהיה היכולת בידו לכוון לשמה. | 2.) Das Licht, das heißt die Kraft. Das ist die Stimme – die Stimme der Tora –, die ihm die Kraft gibt, sich auf das Geben auszurichten; es ist das Licht, das ihn korrigiert. Das heißt: „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Mit anderen Worten: Die Stimme der Tora „würzt“ den Bösen Trieb mit der Fähigkeit, liShma zu beabsichtigen. |
27 | Und das ist es, was geschrieben steht: „Die Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und die Stimmen wurden darin sichtbar, so wie ein Körper sichtbar wird.“ Das heißt: Wenn man zuvor die Kelim hatte, die „Finsternis“ genannt werden – was ein „Ort des Mangels“ heißt –, dann gibt es einen Ort, an dem die Stimme der Tora in die Finsternis eintreten und leuchten kann. | וזה שכתוב "שהקולות היו נחקקים בחושך ענן וערפל, ונראים בהם הקולות, כמו שנראה בגוף". היינו לומר, שאם היו להם מקודם הכלים, שנקראים "חושך", שזה נקרא "מקום חסרון", אז יש מקום, שהקול תורה יכול לכנס בתוך החושך ולהאיר. | Deshalb steht geschrieben: „Diese Stimmen wurden in Dunkelheit, Wolken und Nebel eingraviert, und sie offenbaren sich in ihnen, wie in einem Körper.“ Das bedeutet, wenn sie vorher Kelim [Gefäße] hatten, die „Dunkelheit“ und „ein Ort des Mangels“ genannt werden, dann konnte die Stimme der Tora in die Dunkelheit eindringen und sie erleuchten. |
28 | Wenn es hingegen keinen Ort der Finsternis gibt – wenn man also den Mangel noch nicht spürt, dass man nichts um des Gebens willen tun kann –, dann lässt sich nicht sagen, dass ein Licht kommt und leuchtet, denn das Licht hat keinen Ort, in den es eintreten könnte. Und das gehört zum Aspekt der rechten Seite, nämlich Chessed. Das heißt, er hat bereits Gefäße des Gebens erlangt, denn Chessed heißt „Aspekt des Gebens“, weil er anderen Gutes tut. Und von dieser Seite her hat er die Gefäße bereits vervollständigt. | מה שאין כן כשאין מקום חושך, כלומר שעוד לא מרגיש את החסרון, מה שהוא לא יכול לעשות שום דבר בעל מנת להשפיע, לא שייך לומר שבא אור ומאיר, כי אין לאור מקום להכנס. וזה שייך לבחינת ימין, היינו חסד, כלומר שכבר השיג כלים דהשפעה, שחסד נקרא "בחינת השפעה", שעושה חסד עם אחרים. ומבחינה זו כבר יש לו השלמת הכלים. | Aber wenn es keinen dunklen Ort gibt, also er den Mangel, nichts altruistisch geben zu können, noch nicht spürt, kann man nicht sagen, dass das Licht kommt und ihm leuchtet, da das Licht nirgendwo eindringen kann. Das gehört bei der Unterscheidung zur rechten Seite, also zu Chessed. Das heißt, er hat bereits die Gefäße des Gebens erlangt, und Chessed wird „Geben“ genannt, wenn er barmherzig mit anderen handelt. In dieser Hinsicht hat er die Kelim bereits vollendet. |
29 | Und danach beginnt der dritte Aspekt, in dem er des Aspekts „Geheimnisse der Tora“ gewürdigt wird, was „linke“ Seite genannt wird. Da dieses Licht in Gefäßen des Empfangens kommt, muss er sich gewiss auf das Geben ausrichten. Doch auch wenn er bereits des Aspekts gewürdigt wurde, ein Empfangender um des Gebens willen zu sein, wird dies trotzdem als „linke“ Seite bezeichnet, weil hier die Korrektur fehlt, die Chochma in die Chassadim einkleidet, wie gesagt. Sonst wäre es „seine Weisheit ist größer als seine Taten“. | ואח"כ מתחיל את הבחינה ג', שהוא זוכה לבחינת "רזי תורה", שזה נקרא בחינת "שמאל". היות האור הזה בא בכלים דקבלה, בטח שצריך להיות בעל מנת להשפיע. ומכל מקום, אפילו שכבר זכה לבחינת מקבל בעל מנת להשפיע, מכל מקום נקרא זה בחינת "שמאל", מטעם שחסר כאן תיקון להלבשת החכמה בתוך החסדים, כנ"ל. אחרת זה יהיה "חכמתו מרובים ממעשיו". | Danach beginnt die dritte Unterscheidung, wenn er mit den Geheimnissen der Tora belohnt wird, die „links“ genannt werden. Da dieses Licht in Gefäßen des Empfangens kommt, muss es sicherlich dazu dienen, zu geben. Doch auch wenn er bereits damit belohnt wurde, ein Empfänger zu sein, um zu geben, wird das immer noch als links betrachtet, da die Korrektur der Einkleidung von Chochma in Chassadim hier fehlt. Sonst würde es heißen: „Seine Chochma ist größer als seine Taten.“ |
30 | Und von hier an beginnt die Sache der mittleren Linie, nämlich dass die Chochma in Chassadim gekleidet ist. Das heißt, die linke Seite, die „Gefäße des Empfangens, die Chochma empfangen“ genannt wird, soll in Chassadim gekleidet werden. Und das ist es, was geschrieben steht: „Die Tora kommt von rechts, das Chessed ist, und sie kommt nach links, das Gwura ist – das nennt man die Offenbarung von Chochma.“ Allerdings muss man die rechte Seite mit der linken und die linke mit der rechten verbinden. Und das nennt man: Die Tora ist der „mittlere“ Aspekt, also dass sie aus Chochma und Taten besteht, wie gesagt – denn es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“. | ומכאן מתחיל ענין של קו אמצעי, היינו שהחכמה מלובש בחסדים. היינו, שהשמאל הנקרא "כלים דקבלה, המקבלים חכמה", יהיו מלובשים בחסדים. וזה שכתוב "התורה בא מימין, שהוא חסד, ובאה לשמאל, שהוא גבורה, שזה נקרא גילוי החכמה". אולם צריכים להכליל ימין בשמאל, ושמאל בימין. וזה נקרא, שהתורה היא בחינת "אמצעי", כלומר שנכללה מחכמה וממעשים, כנ"ל, שאסור להיות "חכמתו מרובה ממעשיו". | Hier beginnt die Angelegenheit der Mittleren Linie, bei der Chochma in Chassadim eingekleidet ist. Das heißt, die Linke, also die „Gefäße des Empfangens, die Chochma empfangen“, wird in Chassadim eingekleidet. Das ist die Bedeutung dessen, was geschrieben steht: „Die Tora kommt von der Rechten, die Chessed ist, und kommt zur Linken, die Gwura ist. Das nennt man ‚Offenbarung von Chochma‘.“ Allerdings muss die Rechte mit der Linken und die Linke mit der Rechten verbunden werden. Dies wird damit begründet, dass die Tora „Mitte“ genannt wird, was bedeutet, dass sie Chochma und Taten umfasst, da wir gesagt haben, dass seine Chochma nicht größer sein darf als seine Taten. |
31 | Und mein Vater und Lehrer gab eine einfache Deutung des Verses: „Und das ganze Volk sah die Stimmen.“ Bekanntlich heißt „Stimme“ Chessed, denn sie kommt vom Aspekt „Hören“, der Bina genannt wird. Und „Sehen“ heißt Chochma, wie geschrieben steht: „Die Augen der Gemeinde, das sind die Weisen der Gemeinde.“ Und die Chochma, die in den Gefäßen des Empfangens leuchtet, braucht einen Schutz, damit man sie nicht um des Empfangens willen empfängt. Deshalb muss man ihr ein Gewand aus Chassadim herabziehen, das „Stimme und Hören“ genannt wird. | ואאמו"ר זצ"ל אמר פשט על הכתוב "וכל העם רואים את הקולות". ידוע, ש"קול" נקרא חסד, שהיא באה מבחינת "שמיעה", שנקרא בינה. וראיה נקרא, חכמה, כמו שכתוב, "עיני העדה זהו חכמי העדה". וענין חכמה שמאיר בכלים דקבלה, צריך שמירה שלא יקבלו אותם בעל מנת לקבל. לכן צריכים להמשיך לו לבוש של חסדים, הנקרא, קול ושמיעה. | Baal HaSulam erklärte dazu den Vers: „Und das ganze Volk sah die Stimmen.“ Es ist bekannt, dass „Stimme“ Chessed bedeutet, was von „Hören“ kommt, das Bina genannt wird. „Sehen“ wird Chochma genannt, denn es steht geschrieben: „Die Augen der Gemeinde sind die Weisen der Gemeinde.“ Auch Chochma, das in Gefäßen des Empfangens leuchtet, muss bewahrt werden, damit es nicht empfangen wird, um zu empfangen. Daher muss die Einkleidung der Chassadim darauf ausgedehnt werden, die „Stimme“ und „Gehör“ heißen. |
32 | Deshalb bedeuten die Worte „Und das ganze Volk sah die Stimmen“: Sehen heißt, dass sie das Licht von Chochma empfingen, als es eingekleidet war – in die Stimme, die Chessed ist. Und das ist es, was geschrieben steht: „Sie sahen die Chochma, als sie in Stimmen eingekleidet war“, nämlich in Chassadim. Und das nennt man die mittlere Linie, nämlich, wie gesagt, dass sie aus Chochma und Chassadim besteht. | לכן זה שכתוב, "וכל העם רואים את הקולות". פירוש, רואים, היינו שקבלו את אור החכמה כשהוא מלובש, בקול, שהוא חסד. וזה שכתוב, "שראו את החכמה כשהוא מלובש בקולות", היינו בחסדים, וזה נקרא, קו אמצעי, היינו כנ"ל, שנכללו מחכמה וחסדים. | Deshalb bedeuten die Worte: „Und das ganze Volk sah die Stimmen“, dass sie sahen, dass sie das Or Chochma empfangen haben, wenn es in eine Stimme, in Chessed, eingekleidet ist. Deshalb steht geschrieben, dass sie Chochma sahen, als es in Stimmen, also in Chassadim, eingekleidet war. Dies wird als „Mittlere Linie“ bezeichnet, die Chochma und Chassadim umfasst. |
33 | Mit dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt hatten: Was bedeutet es, dass die Tora im dritten gegeben wurde, der Tiferet ist, der das Geheimnis „lauterer Mann, Jakob“ ist, welches das Geheimnis von Tiferet ist, denn „lauter“ bedeutet Vollkommenheit. Und wir fragten: Was ist die Vollkommenheit, die darin liegt, dass Jakob „lauterer Mann“ genannt wird? | ובהאמור נבין מה ששאלנו, מהו הפירוש שאומר, שהתורה ניתנה בשלישי, שהיא תפארת, שהוא סוד "איש תם יעקב", שהוא סוד תפארת, ש"תם" הוא שלימות. ושאלנו "מהי השלימות, שיעקב נקרא "איש תם". | Mit dem oben Gesagten werden wir verstehen, was wir gefragt haben: „Was bedeutet es, dass er sagt, dass die Tora dem Dritten gegeben wurde, was Tiferet ist, was die Bedeutung von „Ein ganzer Mensch“ ist, also Jakob, der Tiferet ist, denn ganz bedeutet Ganzheit? Wir fragten: „Was ist die Ganzheit, dass Jakob ‚Ein ganzer Mensch‘ genannt wird?“ |
34 | Und die Antwort ist: Da die Tora die mittlere Linie ist, wie gesagt, und Jakob die mittlere Linie ist, die aus rechts und links besteht, deshalb gibt es Vollkommenheit. Das heißt, es gibt eine Verbindung von Chochma und Chassadim zusammen. In der Arbeit bedeutet das: Der Mensch muss sowohl aus Taten bestehen, die „Chassadim“ genannt werden, als auch aus Chochma. Denn es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“. | והתשובה היא, היות שתורה היא בחינת קו אמצעי, כנ"ל, ויעקב הוא בחינת קו אמצעי, הנכלל מימין ומשמאל, לכן יש שלימות. היינו, שיש התכללות מחכמה וחסדים ביחד, היינו שבעבודה יהיה הפירוש, שהאדם צריך להיות נכלל הן ממעשים, הנקרא "חסדים", והן מחכמה. כי אסור להיות "חכמתו מרובה ממעשיו". | Die Antwort ist, dass die Tora die Mittlere Linie ist und Jakob die Mittlere Linie, die rechts und links umfasst, daher gibt es die Ganzheit. Mit anderen Worten: Es gibt eine Vermischung von Chochma und Chassadim. In der Arbeit bedeutet das, dass ein Mensch aus beiden Handlungen – Chassadim und – Chochma bestehen sollte, denn es ist verboten, dass seine Chochma mehr ist als seine Taten. |
35 | Doch der Mensch muss glauben, dass es „nichts außer Ihm“ gibt, dass der Schöpfer alles tut. Das heißt, wie mein Vater und Lehrer sagte: Der Mensch soll vor jeder Handlung sagen, dass dem Menschen nur die Wahl gegeben ist, denn „wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“. Mit anderen Worten: Alles hängt von der Wahl des Menschen ab. Nach der Handlung jedoch soll der Mensch sagen, dass alles eine besondere Vorsehung ist und dass der Mensch nichts allein tut. | אולם האדם צריך להאמין, ש"אין עוד מלבדו", שהכל עושה הבורא. כלומר, כמו שאמר אאמו"ר זצ"ל, שהאדם צריך לומר לפני כל עשיה, שרק הבחירה ניתנה להאדם, כי "אם אין אני לי מי לי". כלומר, שהכל תלוי בבחירת האדם. אמנם לאחר המעשה, האדם צריך לומר, שהכל הוא השגחה פרטית, שאין האדם עושה לבדו דבר. | Allerdings sollte man glauben, dass es „nichts außer Ihm gibt“, dass der Schöpfer alles tut. Mit anderen Worten, wie Baal HaSulam sagte, sollte man vor jeder Handlung sagen, dass dem Menschen nur eine Wahl gegeben wurde, denn „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Alles hängt also von der Wahl des Menschen ab. Im Nachhinein sollte man jedoch sagen, dass alles von der Vorsehung abhängt und dass man nichts von sich aus tut. |
36 | Und das lässt sich so erklären, wie der heilige ARI schreibt (Talmud Esser haSefirot, Teil 13, Blatt 1 – 367, Abschnitt 152): „Es gibt die Sache der Searot (Haare), die das Licht bedecken, damit man sich nicht am Licht erfreut, solange man dessen nicht würdig ist, weil man es beschädigen könnte.“ Die Sache ist die: Wir müssen glauben, dass der Schöpfer uns das Verlangen und die Lust gibt, gute Taten zu tun. Und solange der Mensch nicht würdig ist, darf er nicht spüren, dass der Schöpfer ihn verpflichtet, gute Taten zu tun. Deshalb verbirgt Sich der Schöpfer in einem Gewand, und dieses Gewand wird „lo liShma“ (nicht um ihretwillen) genannt. Das heißt, der Schöpfer verbirgt Sich manchmal im Gewand der Freunde. | ויש לפרש זה, כמו שכותב האר"י הקדוש (תע"ס חלק י"ג, דף א - שס"ז, אות קנ"ב) "שיש ענין שערות, המכסה על האור, שלא יהנו מהאור כל עוד שאינם ראויים, שיכולים לפגום". והענין, שאנו צריכים להאמין, שהבורא נותן לנו רצון וחשק לעשות מעשים טובים. וכל עוד שהאדם אינו ראוי, אסור להרגיש, שהבורא מחייב אותו לעשות מעשים טובים. לכן הבורא מסתיר עצמו בלבוש, שהלבוש הזה נקרא "שלא לשמה". כלומר, שהבורא מסתיר עצמו לפעמים בלבוש של חברים. | Wir sollten das so auslegen, wie der ARI schreibt (Talmud Esser Sefirot, Teil 13, Punkt 152): „Es gibt die Angelegenheit der Se’arot [Haare], die das Licht verdecken, so dass sie das Licht nicht genießen, solange sie unwürdig sind, da sie es verunreinigen könnten.“ Es geht darum, dass wir glauben müssen, dass der Schöpfer uns ein Verlangen und eine Sehnsucht gegeben hat, gute Taten zu tun. Und solange man unwürdig ist, darf man nicht das Gefühl haben, dass der Schöpfer einen dazu zwingt, gute Taten zu tun. Deshalb verbirgt sich der Schöpfer in Kleidern, und diese Verkleidung wird Lo liShma [nicht um Gottes Willen] genannt. Mit anderen Worten: Manchmal verbirgt sich der Schöpfer in einer Einkleidung von Freunden |
37 | Zum Beispiel gibt es die Situation, dass ein Mensch nicht aufstehen will, um vor Tagesanbruch zu lernen. Dann verbirgt Sich der Schöpfer im Gewand der Freunde, und der Mensch steht aus dem Bett auf, obwohl er müde ist, weil ihm ein Gedanke in den Sinn kommt, der sagt: Es macht sich vor den Freunden nicht gut, dass alle zum Lernen kommen und er nicht. | היינו, בדרך דוגמא, שיש מציאות, שאין אדם רוצה לקום ללמוד לפנות בוקר. אז הבורא מסתיר עצמו בלבוש של חברים, והוא קם מהמיטה, אף על פי שהוא עייף, היות שבאה לו מחשבה במוחו, שאומרת, שלא יפה בפני החברים, שכולם באים ללמוד, והוא לא. | Es gibt zum Beispiel eine Situation, in der ein Mensch nicht vor Sonnenaufgang aufstehen und lernen will. Also versteckt sich der Schöpfer in einem Kleid von Freunden, und der Mensch steht aus dem Bett auf, obwohl er müde ist, denn ihm kommt der Gedanke, dass es nicht nett zu den Freunden ist, dass sie alle zum Lernen kommen, und er tut es nicht, |
38 | Dann werden ihn alle anschauen, in seiner Niedrigkeit. Deshalb steht er auf und geht in das Haus der Versammlung und lernt. Daraus folgt: Um des Gebots des Schöpfers willen hat er nicht die Kraft, aus dem Bett aufzustehen. Deshalb verpflichtet ihn der Schöpfer nicht, in das Haus der Versammlung zu gehen, denn aus diesem Grund wäre er im Bett liegen geblieben. Aber die Freunde verpflichten ihn sehr wohl. | אז כולם יסתכלו עליו, על שפלותו. לכן הוא קם והולך לבית הכנסת ולומד. נמצא, שמטעם מצות ה' אין לו כח לקום מהמיטה. לכן אין הבורא מחייב אותו, שילך לבית הכנסת, כי מסיבה זו הוא היה שוכב במיטה. אבל החברים כן מחייבים אותו. | denn dann werden alle auf seine Niedrigkeit schauen. Also steht er auf und geht zum Lehrhaus und lernt. Daraus folgt, dass er wegen des Gebots des Schöpfers nicht die Kraft hat, aus dem Bett aufzustehen, also zwingt ihn der Schöpfer nicht, ins Lehrhaus zu gehen, denn wenn das der Grund wäre, würde er im Bett liegen. Aber die Freunde verpflichten ihn. |
39 | Und ähnlich wie bei diesem Beispiel verhält es sich bei allen anderen Dingen, wenn der Mensch lo liShma handelt. Es gibt zwar viele Stufen im lo liShma, doch sprechen wir von diesem Beispiel. Und hier ist etwas zu beachten: Der Mensch geht lernen und Mizwot tun nicht deshalb, weil der Schöpfer ihn verpflichtet. Das heißt: Um des Gebots des Schöpfers willen hat er nicht die Kraft, den Körper zu überwinden und ihn zu guten Taten zu zwingen. Aber um der Menschen willen hat er sehr wohl die Kraft, gute Taten zu tun. Daraus folgt: Welche Wichtigkeit kann dieses lo liShma schon haben? | וכעין דוגמא זו נוהג בכל שאר דברים, כשהאדם עושה שלא לשמה. הגם שיש הרבה מדרגות בשלא לשמה. ונדבר מדוגמא זו. ויש כאן להסתכל, האדם הולך ללמוד ולעשות מצות, מטעם לא שהבורא מחייב אותו. כלומר, כי מטעם מצות ה', אין בכוחו להתגבר על הגוף, ולחייב אותו לעשות מעשים טובים. אלא מטעם אנשים, כן יש לו כח לעשות מעשים טובים. נמצא, איזו חשיבות יכולה להיות בהשלא לשמה הזה. | Und ähnlich wie bei diesem Beispiel sind auch alle anderen Dinge, wenn ein Mensch Lo liShma handelt. Obwohl es viele Stufen von Lo liShma gibt, werden wir von diesem Beispiel sprechen. Hier sollten wir den Menschen betrachten, der Mizwot [Gebote/gute Taten] lernt und befolgt, nicht weil der Schöpfer ihn dazu verpflichtet. Mit anderen Worten: Wenn es wegen des Gebots des Schöpfers wäre, hätte er nicht die Kraft, den Körper zu überwinden und ihn zu guten Taten zu zwingen. Doch wegen der Menschen hat er die Kraft, gute Taten zu tun. Daran sehen wir, welche Bedeutung Lo liShma haben kann. |
40 | Vielmehr muss der Mensch glauben, wie gesagt, dass es „nichts außer Ihm“ gibt. Das heißt, der Schöpfer verpflichtet ihn, die guten Taten zu tun. Doch weil der Mensch noch nicht würdig ist zu wissen, dass der Schöpfer ihn verpflichtet, kleidet Sich der Schöpfer in Gewänder aus Fleisch und Blut, durch die der Schöpfer diese Wirkungen vollbringt – das heißt, der Schöpfer wirkt vom Aspekt der Rückseite her. | אלא האדם צריך להאמין, כנ"ל, ש"אין עוד מלבדו". כלומר, הבורא מחייב אותו לעשות את המעשים טובים. אלא, היות שאין האדם עדיין ראוי, שידע שהבורא מחייבו, לכן הבורא מתלבש עצמו בלבושים של בשר ודם, שעל ידיהם הבורא עושה את הפעולות האלו, היינו שמבחינת אחוריים הבורא עושה. | Dennoch muss man, wie oben gesagt, glauben, dass „es außer Ihm niemanden gibt“, was bedeutet, dass es der Schöpfer ist, der ihn zu den guten Taten zwingt. Da er aber immer noch unwürdig ist zu wissen, dass es der Schöpfer ist, der ihn verpflichtet, kleidet sich der Schöpfer in Kleider aus Fleisch und Blut, durch die der Schöpfer diese Handlungen ausführt. So handelt der Schöpfer in der Form von Achoraim [Rückseite]. |
41 | Das bedeutet: Der Mensch sieht das Gesicht der Menschen. Aber er muss glauben, dass hinter dem Gesicht der Menschen der Schöpfer steht und diese Wirkungen vollbringt. Das heißt, hinter dem Menschen steht der Schöpfer und zwingt ihn, die Taten zu tun, die der Schöpfer will. Daraus folgt: Der Schöpfer wirkt alles, nur misst der Mensch dem Bedeutung bei, was er sieht, und nicht dem, was er glauben sollte. | פירוש, האדם רואה את הפנים של בני אדם. אבל האדם צריך להאמין, שאחרי הפנים של בני אדם, עומד שם הבורא ועושה הפעולות האלו. היינו, שמבחינת אחורי בן אדם עומד הבורא, וכופה אותו לעשות את המעשים, מה שהבורא רוצה. נמצא, שהבורא פועל הכל, אלא שהאדם מחשיב, מה שהוא רואה, ולא מה שהוא צריך להאמין. | Mit anderen Worten: Der Mensch sieht die Gesichter der Menschen, aber er sollte glauben, dass hinter den Gesichtern der Menschen der Schöpfer steht und diese Handlungen ausführt. Das heißt, hinter dem Menschen steht der Schöpfer und zwingt ihn, die Taten zu tun, die der Schöpfer will. Daraus folgt, dass der Schöpfer alles tut, aber der Mensch betrachtet das, was er sieht und nicht das, was er glauben sollte. Aus diesem Grund sagt der Mensch, dass er die Taten Lo liShma tut, wie bei dem Beispiel der Freunde, die ihn verpflichten. |
42 | Deshalb sagt der Mensch, dass er die Taten lo liShma tut. Wie im Beispiel: Die Freunde verpflichten ihn. Und das müssen nicht unbedingt Freunde sein, sondern jeder Einzelne hat sein eigenes, individuelles äußeres Gewand, das zu ihm passt. | לכן האדם אומר, שהוא עושה את המעשים שלא לשמה. כמו על דרך דוגמא, החברים מחייבים אותו. וזה יכולים להיות לאו דוקא חברים, אלא לכל אחד ואחד יש לבוש חיצון בפני עצמו באופן פרטי, המתאים לאותו אדם. | Dies müssen es nicht unbedingt Freunde sein. Vielmehr hat jeder seine eigene äußere Einkleidung, die zu ihm passt. |
43 | Deshalb sagt der Mensch nach der Tat – zum Beispiel, nachdem er in das Haus der Versammlung gekommen ist, und das geschah, weil die Freunde ihn verpflichtet hatten zu kommen –: „Das geschah, weil der Schöpfer der Grund dafür war, dass er lernen ging. Nur kleidete Sich der Schöpfer ihm gegenüber in das Gewand der Freunde. Deshalb dankt er jetzt dem Schöpfer dafür, dass Er der Grund war.“ | לכן אחר המעשה, כלומר למשל, לאחר שהאדם בא לבית הכנסת, וזה היה מסיבת שהחברים חייבו אותו לבוא, הוא אומר "זה היה מטעם, שהבורא היה הסיבה לזה, שהוא הלך ללמוד. רק הבורא התלבש נגדו בלבוש חברים. לכן עכשיו הוא נותן תודה לה', על זה שה' היה הסיבה". | Wenn also jemand zum Beispiel in das Lehrhaus kommt, weil die Freunde ihn dazu verpflichtet haben, sagt er: „Der Schöpfer war der Grund, dass er zum Lernen gegangen ist, aber der Schöpfer hat sich nur in eine Einkleidung von Freunden gekleidet.“ Er dankt also dem Schöpfer dafür, dass Er der Grund war. |
44 | Aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn der Mensch die Sache lo liShma tat – also nicht der Schöpfer war der Grund, der ihm gebot, die Mizwa zu tun, sondern er tat es zum Beispiel deshalb, weil die Freunde ihm einen Befehl gaben, dem er gehorchen musste –, dann muss der Mensch glauben, dass er die Sache getan hat, weil der Schöpfer ihm gebot, die Mizwa zu befolgen. Und es lag ihm ob zu befolgen, was der Schöpfer ihm zu tun gebot. Nur verbarg Sich der Schöpfer im Gewand des lo liShma, nämlich der Freunde und dergleichen, sodass der Mensch durch dieses Gewand denkt, er müsse der Stimme des lo liShma gehorchen. | ובהאמור יוצא, זה שהאדם עשה את הדבר שלא לשמה, היינו לא שה' היה הסיבה, שצוה אותו לעשות את המצוה, אלא הוא עשה מטעם, למשל, שהחברים נתנו צו, שהוא מוכרח לשמוע בקולם. אז האדם צריך להאמין, שהוא עשה את הדבר, משום שה' צוה אותו לקיים את המצוה. ועליו היה מוטל לקיים, מה שה' צוה אותו לעשות. אלא שה' הסתיר עצמו בלבוש של שלא לשמה, היינו חברים וכדומה, שע"י הלבוש הזה האדם חושב, שהוא מוכרח לשמוע בקול של השלא לשמה. | Daraus folgt: Indem ein Mensch die Tat Lo liShma vollbracht hat, d. h. nicht der Schöpfer war der Grund, der ihn zur Ausführung der Mizwa [Einzahl von Mizwot] gezwungen hat, sondern er z. B. gehandelt hat, weil die Freunde es ihm befohlen haben und er gehorchen musste, –so muss man glauben, dass er dies getan hat, weil der Schöpfer ihm das Befolgen der Mizwa befohlen hat und er gehorchen musste, was der Schöpfer ihm befohlen hat. Der Schöpfer hat sich jedoch in einer Einkleidung von Lo liShma, wie den Freunden, versteckt, damit er durch diese Einkleidung denkt, dass er der Stimme von Lo liShma gehorchen muss. |
45 | Aber in Wahrheit muss der Mensch glauben, dass der Schöpfer alles getan hat. Es zeigt sich also: Nachdem er die Mizwa getan hat, muss er sagen, dass der Schöpfer hinter dem Gewand des lo liShma gewirkt hat. Dann zeigt sich, dass der Mensch dem Schöpfer dafür danken muss, dass Er ihm durch dieses Gewand das Verlangen gab, Seine Mizwot zu befolgen. | אבל האמת הוא, האדם צריך להאמין, שהכל עשה ה'. נמצא, לאחר שעשה את המצוה, הוא צריך לומר, שה' פעל מאחורי הלבוש של שלא לשמה. נמצא אז, שהאדם צריך לתת תודה להבורא, בזה שהבורא נתן לו הרצון לקיים מצותיו ע"י לבוש הזה. | Aber in Wahrheit muss man glauben, dass alles das Werk des Schöpfers war. Deshalb sollte man nach der Ausführung der Mizwa sagen, dass es der Schöpfer war, der hinter der Einkleidung von Lo liShma gehandelt hat. Daraus folgt, dass man dem Schöpfer dafür danken sollte, dass Er ihm durch diese Einkleidung das Verlangen gegeben hat, seine Gebote zu befolgen. |
46 | Mit dem Gesagten verstehen wir die große Wichtigkeit des lo liShma. Das heißt, es ist nicht so, wie der Mensch denkt, dass er alles um des lo liShma willen tut, sondern er tut alles, weil der Schöpfer es ihm gebot. Nur hat er noch nicht das Verdienst, spüren zu können, dass der Schöpfer es ist, der gebietet. Deshalb denkt der Mensch, das lo liShma sei der Gebietende. Deshalb ist die Tat in seinen Augen nicht so wichtig. | ובהאמור נבין את גודל החשיבות של שלא לשמה. כלומר, זה הוא לא כמו שהאדם חושב, שעושה הכל עבור השלא לשמה, אלא הוא עושה הכל, מטעם שהבורא צוה אותו. רק שעדיין אין לו הזכיה, שיוכל להרגיש, שהבורא הוא הוא המצוה. לכן האדם חושב, שהשלא לשמה הוא המצוה. לכן אין המעשה כל כך חשוב בעיניו. | Mit dem oben Gesagten können wir die große Bedeutung von Lo liShma verstehen. Das heißt, es ist nicht so, wie man denkt, dass man alles für Lo liShma tut. Vielmehr tut er alles, weil der Schöpfer es ihm befohlen hat, nur wurde er noch nicht mit dem Gefühl belohnt, dass der Schöpfer tatsächlich der Befehlshaber ist. Aus diesem Grund denkt der Mensch, dass Lo liShma der Befehlshaber ist, und deshalb ist die Handlung in seinen Augen nicht so wichtig. |
47 | Wenn er aber glaubt, dass es „nichts außer Ihm“ gibt – wie es, wie gesagt, in den vorigen Artikeln dieses Wochenabschnitts geschrieben steht –, dann zeigt sich, dass er in Wahrheit das Gebot des Schöpfers erfüllt. Und der Mensch muss die Tat wertschätzen, die er lo liShma tat. Denn dass der Mensch sich vorstellt, er erfülle nur eine Tat des lo liShma, kommt allein daher, dass er noch nicht das Verdienst hat zu spüren, dass er das Gebot des Königs erfüllt und dem König dient. | אולם, אם הוא יאמין, ש"אין עוד מלבדו", כנ"ל כמו שכתוב במאמרים הקודמים, שבפרשה הזאת, נמצא, שבאמת הוא מקיים מצות הבורא. והאדם צריך להחשיב את המעשה, שעשה בשלא לשמה. כי מה שהאדם מצייר לעצמו, שהוא מקיים רק מעשה דשלא לשמה, זה רק מטעם, שעוד אין לו הזכיה, שירגיש שהוא מקיים מצות המלך, והוא משמש את המלך. | Wenn er jedoch glaubt, dass „es nichts außer Ihm gibt“, wie in den vorherigen Artikeln geschrieben wurde, dann befolgt er in Wahrheit die Gebote des Schöpfers und sollte seine Handlungen in Lo liShma wertschätzen. Und die Vorstellung, dass er nur eine Handlung in Lo liShma befolgt, kommt nur daher, dass er noch nicht mit dem Gefühl belohnt wurde, dass er das Gebot des Königs befolgt und dem König dient. |
48 | Wenn er also glaubt, dass das lo liShma in Wahrheit so ist, dass der Schöpfer selbst ihn verpflichtet, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, dann zeigt sich, dass er dem Schöpfer großen Dank sagen kann dafür, dass der Schöpfer Sich in das Gewand des lo liShma kleidete. Und daran kann der Mensch die Wichtigkeit von Tora und Mizwot ermessen, sogar im lo liShma. Und das ist so, wie unsere Weisen sagten: „Man fordert von ihm mit seinem Wissen“, nämlich liShma, „und ohne sein Wissen“, nämlich lo liShma. | לכן אם הוא יאמין, שהשלא לשמה הוא באמת, שהבורא בעצמו הוא המחייבו לעסוק בתו"מ, נמצא, שיכול לתת תודה רבה לה', על מה שהבורא התלבש בלבוש של שלא לשמה. ומזה האדם יכול להעריך את החשיבות של תו"מ, אפילו שלא לשמה. וזהו על דרך שאמרו חז"ל "נפרעין ממנו מדעתו", היינו לשמה, "ושלא מדעתו", היינו שלא לשמה. | Wenn er also glaubt, dass das Lo liShma wirklich der Schöpfer ist, der ihn dazu verpflichtet, Tora und Mizwot zu befolgen, dann kann er dem Schöpfer dafür danken, dass Er sich in Lo liShma gekleidet hat. So kann man die Bedeutung von Tora und Mizwot auch Lo liShma schätzen lernen. Unsere Weisen sagten dazu: „Und sie sammeln von einem Menschen wissentlich“, also liShma, und „unwissentlich“, also Lo liShma. |
49 | Und das ist es, was geschrieben steht: Die Searot, nämlich das lo liShma, bedecken das Licht, damit man sich nicht am Licht nährt, solange man dessen nicht würdig ist. Das heißt, die Searot sind ein Gewand, und unter diesem Gewand steht das Licht und leuchtet. In der Zwischenzeit aber ist das Licht bedeckt. | וזה הוא מה שכתוב, שהשערות, היינו השלא לשמה, מכסה על האור, שלא יזונו מן האור, כל זמן שאינם ראויים לזה. היינו, שהשערות הם לבוש, שמתחת הלבוש הזה עומד האור ומאיר. ובינתים האור מכוסה. | Das ist die Bedeutung dessen, was geschrieben steht: Die Searot [Haare], also in Lo liShma, verdecken das Licht, so dass sie nicht vom Licht genährt werden, solange sie dafür ungeeignet sind. Mit anderen Worten: Die Searot sind eine Einkleidung, und unter dieser Einkleidung steht das Licht und leuchtet. Aber in der Zwischenzeit ist das Licht bedeckt. |
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Warum wird die Tora in der Arbeit als „mittlere Linie“ bezeichnet? – 2
Im Sohar (Jitro, Punkt 76, und im Sulam-Kommentar, Abschnitt 293) heißt es wörtlich: „Es wird gelehrt: Rabbi Jehuda sagt: ‚Auf der Seite von Gwura wurde die Tora gegeben.‘ Rabbi Jossi sagte: ‚Wenn das so ist, dann steht die Tora auf der linken Seite.‘ Er antwortete ihm: ‚Sie kehrte zur rechten Seite zurück, denn es steht geschrieben: ‚Aus Seiner Rechten kam ein feuriges Gesetz für sie.‘ Und es steht geschrieben: ‚Deine Rechte, Schöpfer, ist herrlich an Kraft.‘ Wir sehen also, dass die Linke in der Rechten enthalten ist, denn es steht geschrieben: ‚Aus Seiner Rechten kam ein Feuer.‘ Und die Rechte ist in der Linken enthalten, denn es steht geschrieben: ‚Deine Rechte, Schöpfer, ist herrlich an Kraft.‘ So ist Gwura, die links ist, in der Rechten enthalten.‘“ Daraus folgt, dass die Tora die mittlere Linie ist, das heißt, dass sie aus beiden Linien besteht, der rechten und der linken.
Und es steht geschrieben (Blatt 62, im Sulam-Kommentar, Abschnitt 235): „Im dritten Monat – über diesen Monat herrscht Uriel. Denn Nissan, Ijar und Siwan entsprechen Chessed, Gwura und Tiferet: Über Chessed herrscht Michael, über Gwura Gabriel und über Tiferet Uriel. Und das ist das Geheimnis des ‚lauteren Mannes‘, der Jakob genannt wird, welcher das Geheimnis von Tiferet ist. ‚Lauter‘ kommt vom Wort ‚Vollkommenheit‘.“
Und es steht geschrieben (Abschnitt 242): „Und sie wurde im dritten Monat gegeben, dem dritten Volk, das in drei Stufen enthalten war, nämlich den drei Vätern – die dreifache Tora, das heißt Tora, Propheten und Schriften, und alles ist eins.“ Die Tora ist also die mittlere Linie.
Und es steht geschrieben (Blatt 76, im Sulam-Kommentar, Abschnitt 296): „‚Und das ganze Volk sah die Stimmen.‘ Er fragt: Die Schrift sagt ‚sah‘ – es hätte doch ‚hörte‘ heißen müssen? Und er antwortet: So haben wir gelernt – diese Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und sie wurden darin sichtbar, so wie ein Körper sichtbar wird.“
Nun gilt es zu verstehen, worauf es uns in der Arbeit hinweist, dass die Tora aus rechts und links besteht. Und worauf weist es uns hin, dass die Tora im dritten gegeben wurde, der Jakob ist, der lautere Mann, der Vollkommenheit genannt wird. Und auch, was es bedeutet, dass die Stimmen in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert wurden – das ist der Körper, in dem die Stimmen eingraviert sind.
Bekanntlich ist die Reihenfolge der Arbeit so: Zuerst muss man darauf hinarbeiten, das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen, und danach soll man Tora lernen. Denn wenn jemand das Königtum des Himmels nicht hat, muss man fragen: Wessen Tora lernt er? Denn vor allem muss der Mensch an den Geber der Tora glauben, und danach kann er die Tora befolgen. Das Königtum des Himmels nun heißt „Assija“ (Handlung). Das bedeutet, dass er es auf sich nimmt, über dem Verstand zu gehen.
Auch wenn der Verstand des Menschen mit vielen Fragen zu ihm kommen mag, antwortet er ihnen: „Ihr stellt mir Fragen aus dem Verstand, ich aber gehe über dem Verstand – von einem Ort her, den der Verstand nicht erreichen, erlangen und begreifen kann. Das nennt man ‚Glaube‘. Wenn das so ist, gibt es keinen Platz für all das, was ihr mich fragt.“
Das nennt man die „rechte“ Seite. Das bedeutet, dass er glaubt, der Schöpfer wacht über die Welt als der Gute, der Gutes tut. Auch wenn er beim Blick auf die Welt viele Fragen hat, geht er dennoch über dem Verstand und sagt: „Augen haben sie und sehen doch nicht.“ Vielmehr dankt und lobt er den König dafür, dass Er allen nur Gutes gibt. Das nennt man „rechts“, „Chessed“. Das heißt, die Führung der Welt geschieht in Chessed. Mit anderen Worten: Der Schöpfer führt die Welt nur mit Chassadim. Und darüber sagt er: „Jeden Tag will ich Dich preisen.“
Doch es gibt im Menschen einen bösen Trieb (Jezer haRa). Mein Vater und Lehrer deutete ihn so, dass das Wort von „Ziur“ (Bild) kommt. Das heißt, der böse Trieb zeigt dem Menschen schlechte Bilder von der Führung des Schöpfers, davon, wie der Schöpfer mit der Welt umgeht. Und er gibt auch ein Bild von der Niedrigkeit der Arbeit überhaupt, was „die Schechina im Staub“ genannt wird. Und wie kann der Mensch sich da überwinden und auf dem Weg der rechten Seite gehen, die „Vollkommenheit“ heißt, sodass er sagen kann: „Nur Güte und Gnade werden mir folgen alle Tage meines Lebens“?
Darüber sagten unsere Weisen: „Der Schöpfer sprach: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Daraus folgt: Die Tora, mit der er sich jetzt beschäftigt, soll ein Gewürz sein. Das heißt, durch die Tora soll er die Kraft erhalten, das Böse zu überwinden und auf dem Weg von Chessed zu gehen, der „rechts“ genannt wird. Von dieser Seite her kann man sagen, dass die Tora in der rechten Linie gegeben wurde – und zwar nach der Wirkung benannt. Das heißt, sie macht den Menschen fähig, sodass er die Möglichkeit hat, auf dem Weg der rechten Seite zu gehen. Das nennt man den „ersten Aspekt der Tora“, denn die rechte Seite heißt „Vollkommenheit“, weil man dabei keinerlei Mangel spürt.
Der zweite Aspekt der Tora ist die linke Seite, die „Chochma“ (Weisheit) genannt wird, also die Weisheit der Tora. Das heißt: Nachdem er bereits die rechte Seite hat, die Chessed ist – nämlich den Glauben über dem Verstand –, und er an den Schöpfer glaubt, dass Er die Welt als der Gute, der Gutes tut, führt, wird er des Aspekts „Geber der Tora“ gewürdigt, der „Weisheit der Tora“ heißt, wie geschrieben steht: „Die Tora ging aus Chochma hervor.“
Mit anderen Worten: Nachdem er glaubt, dass es einen Geber der Tora gibt, ist es an der Zeit, der Tora gewürdigt zu werden. Und die Tora geht bekanntlich aus Chochma hervor. Diesen Aspekt kann man „links“ nennen. Das heißt, er kommt erst, nachdem der Mensch der rechten Seite gewürdigt wurde, die der Glaube über dem Verstand ist und „bedeckte Chassadim“ genannt wird.
Wenn man aber von der Zeit spricht, in der es bereits eine Offenbarung von Chochma gibt – die, wie gesagt, „links“ genannt wird –, dann gibt es noch eine weitere Sache, die „mittlere Linie“ genannt wird: nämlich dass die Chochma in ein Gewand aus Chassadim gekleidet sein muss. Vorher besteht ein großer Abstand zwischen Chassadim, die „rechts“ genannt werden, und Chochma, die als linke Seite gilt. Und das ist so, wie unsere Weisen sagten: „Wer Tora liShma (um ihretwillen) lernt“ – das bedeutet, dass die Absicht dessen, der Tora lernt, darin besteht, durch die Tora zu liShma zu gelangen.
Das heißt, seine Absicht bei der Tora, mit der er sich beschäftigt, ist es, dadurch zur Stufe Chessed zu gelangen. Das bedeutet, dass er die Kraft hat, alles zu tun, um zu geben, was „Chessed“ genannt wird. So sagten unsere Weisen: „Wer ist ein Chassid (Frommer)? Derjenige, der sagt: ‚Was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist dein‘ – wer also nichts zu seinem eigenen Nutzen will.“ Und danach, wenn er durch die Tora bereits des Aspekts Chessed gewürdigt wurde, werden ihm die Geheimnisse der Tora offenbart (Sprüche der Väter, Kapitel 6,1).
Und das wird bereits „links“ genannt. Diese linke Seite muss dann in die Rechte aufgenommen werden, nämlich so, dass das Licht von Chochma, das die linke Seite ist, in Chassadim gekleidet wird, die die rechte Seite sind. Das nennt man den Aspekt Tora, die die mittlere Linie ist, zwischen rechts und links. Deshalb gilt: Die Tora besteht aus Chessed und Gwura.
Es zeigt sich also: Der erste Zustand ist die Zeit, in der er die Stufe liShma erreichen will, also um des Gebens willen zu arbeiten. Da befindet sich der Mensch im Exil, unter der Herrschaft des bösen Triebs. Dann braucht er die Tora, und das nennt man „wer Tora lernt, um zu liShma zu gelangen“. Das heißt, er glaubt an das, was unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das nennt man „Tora im Aspekt der rechten Seite“, also den Aspekt Chessed, um des Gebens willen.
Und wenn er die Stufe liShma bereits erreicht hat, kommt der zweite Zustand. Dann wird er des Aspekts gewürdigt: „Ihm werden die Geheimnisse der Tora offenbart.“ Das heißt, wie gesagt: Nachdem er bereits des Aspekts „Geber“ gewürdigt wurde, also nachdem es einen Geber in der Welt gibt, kommt danach der Zustand, in dem der Geber dem Menschen die Tora gibt.
Und damit ist es noch nicht zu Ende, denn er braucht einen dritten Zustand: nämlich dass der Aspekt Chochma in die rechte Seite aufgenommen werden muss, die „Chassadim“ heißt. Denn die Tora geht aus Chochma hervor. Das bedeutet, die Tora geht aus Chochma hervor und muss in das Licht von Chassadim gekleidet werden. Die Chassadim werden „Aspekt der Handlung“ genannt und die Tora „Aspekt von Chochma“. Und es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“, wie unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter, Kapitel 3,12): „Bei jedem, dessen Weisheit größer ist als seine Taten, hat seine Weisheit keinen Bestand.“ So zeigt sich, dass die Tora, die „Chochma“ genannt wird, im Aspekt der mittleren Linie leuchtet. Und das nennt man: Die Tora besteht aus Chessed und Gwura, denn sie umfasst beide.
Bei der Sache „wer Tora liShma lernt“ gilt es nun, zwei Aspekte zu unterscheiden:
a) Er sieht, dass er keinerlei Bezug dazu hat, Handlungen zum Nutzen des Schöpfers zu tun. Vielmehr sieht er, dass er unter der Herrschaft des bösen Triebs steht, der behauptet: „Alles gehört mir.“ Das heißt, der Trieb erlaubt ihm nicht, irgendetwas um des Gebens willen zu tun. Nur dort, wo er sieht, dass ihm daraus ein eigener Nutzen erwächst, kann er arbeiten. Sieht er hingegen keinen Nutzen für sein Verlangen zu empfangen, hat er keine Kraft zur Arbeit. Das heißt, sein Maßstab hängt davon ab, wie viel sein Verlangen zu empfangen gewinnt.
Und wenn der Mensch sich bemüht, sich aus dieser Herrschaft zu befreien – wie es im Artikel „Was bedeutet es, dass das Sprechen am Schabbat in der Arbeit nicht wie das Sprechen am Wochentag sein soll?“ geschrieben steht (Wochenabschnitt BeShalach, Artikel 18, 5750) –, dann sieht er in dem Maße, in dem er sich bemüht, aus der Knechtschaft und dem Exil herauszukommen, wie sehr er in Finsternis, Wolke und Dunkel liegt.
Und was unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“ – das sieht er dann umgekehrt. Das heißt, das Böse in ihm gewann über alle Maßen die Oberhand. Er hätte sich nie träumen lassen, dass er, wenn er anfängt zu arbeiten, sich anzustrengen und gute Taten in der Absicht zu vollbringen, „um zum Aspekt liShma zu gelangen“, nun das Gegenteil sieht. Bei einer solchen Niedrigkeit hätte er nie gedacht, dass er fallen könnte.
Und in Wahrheit kommt ihm das, wie gesagt, aus dem Aspekt: „Denn Ich habe sein Herz verstockt.“ Und obwohl der Grund, weshalb er sich jetzt in Niedrigkeit befindet, von oben kommt, schmeckt er in der Empfindung des Unteren – der spürt, dass er in Finsternis ist und ihm nichts leuchtet – den Geschmack des Exils, auch wenn dies von oben kommt, wie gesagt.
Mit dem Gesagten lässt sich erklären, was wir gefragt hatten: Was bedeutet es, dass der Sohar sagt: „Diese Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und sie wurden darin sichtbar“? Man kann es so erklären: Diese Stimmen, nämlich die Stimme der Tora, kommen, um die Kraft zu geben, dass man Handlungen um des Gebens willen vollbringen kann. Das nennt man „den zweiten Aspekt von liShma“, nämlich „die Finsternis, die Wolke und das Dunkel“, das das Bedürfnis und das Kli (Gefäß) ist, um die Stimme der Tora zu erlangen. Zwei Aspekte kommen von oben, die „liShma“ genannt werden:
a) Das Kli, nämlich die Finsternis, die das Bedürfnis ist – dass er die Finsternis nicht ertragen kann.
b) Das Licht, nämlich die Kraft, die die Stimme ist – die Stimme der Tora –, die ihm die Kraft gibt, sich auf das Geben auszurichten; dieses Licht bringt ihn zum Guten zurück. Und das ist: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das heißt, die Stimme der Tora würzt den bösen Trieb – nämlich so, dass er die Fähigkeit erhält, sich auf liShma auszurichten.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Die Stimmen wurden in Finsternis, Wolke und Dunkel eingraviert, und die Stimmen wurden darin sichtbar, so wie ein Körper sichtbar wird.“ Das heißt: Wenn man zuvor die Kelim hatte, die „Finsternis“ genannt werden – was ein „Ort des Mangels“ heißt –, dann gibt es einen Ort, an dem die Stimme der Tora in die Finsternis eintreten und leuchten kann.
Wenn es hingegen keinen Ort der Finsternis gibt – wenn man also den Mangel noch nicht spürt, dass man nichts um des Gebens willen tun kann –, dann lässt sich nicht sagen, dass ein Licht kommt und leuchtet, denn das Licht hat keinen Ort, in den es eintreten könnte. Und das gehört zum Aspekt der rechten Seite, nämlich Chessed. Das heißt, er hat bereits Gefäße des Gebens erlangt, denn Chessed heißt „Aspekt des Gebens“, weil er anderen Gutes tut. Und von dieser Seite her hat er die Gefäße bereits vervollständigt.
Und danach beginnt der dritte Aspekt, in dem er des Aspekts „Geheimnisse der Tora“ gewürdigt wird, was „linke“ Seite genannt wird. Da dieses Licht in Gefäßen des Empfangens kommt, muss er sich gewiss auf das Geben ausrichten. Doch auch wenn er bereits des Aspekts gewürdigt wurde, ein Empfangender um des Gebens willen zu sein, wird dies trotzdem als „linke“ Seite bezeichnet, weil hier die Korrektur fehlt, die Chochma in die Chassadim einkleidet, wie gesagt. Sonst wäre es „seine Weisheit ist größer als seine Taten“.
Und von hier an beginnt die Sache der mittleren Linie, nämlich dass die Chochma in Chassadim gekleidet ist. Das heißt, die linke Seite, die „Gefäße des Empfangens, die Chochma empfangen“ genannt wird, soll in Chassadim gekleidet werden. Und das ist es, was geschrieben steht: „Die Tora kommt von rechts, das Chessed ist, und sie kommt nach links, das Gwura ist – das nennt man die Offenbarung von Chochma.“ Allerdings muss man die rechte Seite mit der linken und die linke mit der rechten verbinden. Und das nennt man: Die Tora ist der „mittlere“ Aspekt, also dass sie aus Chochma und Taten besteht, wie gesagt – denn es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“.
Und mein Vater und Lehrer gab eine einfache Deutung des Verses: „Und das ganze Volk sah die Stimmen.“ Bekanntlich heißt „Stimme“ Chessed, denn sie kommt vom Aspekt „Hören“, der Bina genannt wird. Und „Sehen“ heißt Chochma, wie geschrieben steht: „Die Augen der Gemeinde, das sind die Weisen der Gemeinde.“ Und die Chochma, die in den Gefäßen des Empfangens leuchtet, braucht einen Schutz, damit man sie nicht um des Empfangens willen empfängt. Deshalb muss man ihr ein Gewand aus Chassadim herabziehen, das „Stimme und Hören“ genannt wird.
Deshalb bedeuten die Worte „Und das ganze Volk sah die Stimmen“: Sehen heißt, dass sie das Licht von Chochma empfingen, als es eingekleidet war – in die Stimme, die Chessed ist. Und das ist es, was geschrieben steht: „Sie sahen die Chochma, als sie in Stimmen eingekleidet war“, nämlich in Chassadim. Und das nennt man die mittlere Linie, nämlich, wie gesagt, dass sie aus Chochma und Chassadim besteht.
Mit dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt hatten: Was bedeutet es, dass die Tora im dritten gegeben wurde, der Tiferet ist, der das Geheimnis „lauterer Mann, Jakob“ ist, welches das Geheimnis von Tiferet ist, denn „lauter“ bedeutet Vollkommenheit. Und wir fragten: Was ist die Vollkommenheit, die darin liegt, dass Jakob „lauterer Mann“ genannt wird?
Und die Antwort ist: Da die Tora die mittlere Linie ist, wie gesagt, und Jakob die mittlere Linie ist, die aus rechts und links besteht, deshalb gibt es Vollkommenheit. Das heißt, es gibt eine Verbindung von Chochma und Chassadim zusammen. In der Arbeit bedeutet das: Der Mensch muss sowohl aus Taten bestehen, die „Chassadim“ genannt werden, als auch aus Chochma. Denn es darf nicht sein, dass „seine Weisheit größer ist als seine Taten“.
Doch der Mensch muss glauben, dass es „nichts außer Ihm“ gibt, dass der Schöpfer alles tut. Das heißt, wie mein Vater und Lehrer sagte: Der Mensch soll vor jeder Handlung sagen, dass dem Menschen nur die Wahl gegeben ist, denn „wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“. Mit anderen Worten: Alles hängt von der Wahl des Menschen ab. Nach der Handlung jedoch soll der Mensch sagen, dass alles eine besondere Vorsehung ist und dass der Mensch nichts allein tut.
Und das lässt sich so erklären, wie der heilige ARI schreibt (Talmud Esser haSefirot, Teil 13, Blatt 1 – 367, Abschnitt 152): „Es gibt die Sache der Searot (Haare), die das Licht bedecken, damit man sich nicht am Licht erfreut, solange man dessen nicht würdig ist, weil man es beschädigen könnte.“ Die Sache ist die: Wir müssen glauben, dass der Schöpfer uns das Verlangen und die Lust gibt, gute Taten zu tun. Und solange der Mensch nicht würdig ist, darf er nicht spüren, dass der Schöpfer ihn verpflichtet, gute Taten zu tun. Deshalb verbirgt Sich der Schöpfer in einem Gewand, und dieses Gewand wird „lo liShma“ (nicht um ihretwillen) genannt. Das heißt, der Schöpfer verbirgt Sich manchmal im Gewand der Freunde.
Zum Beispiel gibt es die Situation, dass ein Mensch nicht aufstehen will, um vor Tagesanbruch zu lernen. Dann verbirgt Sich der Schöpfer im Gewand der Freunde, und der Mensch steht aus dem Bett auf, obwohl er müde ist, weil ihm ein Gedanke in den Sinn kommt, der sagt: Es macht sich vor den Freunden nicht gut, dass alle zum Lernen kommen und er nicht.
Dann werden ihn alle anschauen, in seiner Niedrigkeit. Deshalb steht er auf und geht in das Haus der Versammlung und lernt. Daraus folgt: Um des Gebots des Schöpfers willen hat er nicht die Kraft, aus dem Bett aufzustehen. Deshalb verpflichtet ihn der Schöpfer nicht, in das Haus der Versammlung zu gehen, denn aus diesem Grund wäre er im Bett liegen geblieben. Aber die Freunde verpflichten ihn sehr wohl.
Und ähnlich wie bei diesem Beispiel verhält es sich bei allen anderen Dingen, wenn der Mensch lo liShma handelt. Es gibt zwar viele Stufen im lo liShma, doch sprechen wir von diesem Beispiel. Und hier ist etwas zu beachten: Der Mensch geht lernen und Mizwot tun nicht deshalb, weil der Schöpfer ihn verpflichtet. Das heißt: Um des Gebots des Schöpfers willen hat er nicht die Kraft, den Körper zu überwinden und ihn zu guten Taten zu zwingen. Aber um der Menschen willen hat er sehr wohl die Kraft, gute Taten zu tun. Daraus folgt: Welche Wichtigkeit kann dieses lo liShma schon haben?
Vielmehr muss der Mensch glauben, wie gesagt, dass es „nichts außer Ihm“ gibt. Das heißt, der Schöpfer verpflichtet ihn, die guten Taten zu tun. Doch weil der Mensch noch nicht würdig ist zu wissen, dass der Schöpfer ihn verpflichtet, kleidet Sich der Schöpfer in Gewänder aus Fleisch und Blut, durch die der Schöpfer diese Wirkungen vollbringt – das heißt, der Schöpfer wirkt vom Aspekt der Rückseite her.
Das bedeutet: Der Mensch sieht das Gesicht der Menschen. Aber er muss glauben, dass hinter dem Gesicht der Menschen der Schöpfer steht und diese Wirkungen vollbringt. Das heißt, hinter dem Menschen steht der Schöpfer und zwingt ihn, die Taten zu tun, die der Schöpfer will. Daraus folgt: Der Schöpfer wirkt alles, nur misst der Mensch dem Bedeutung bei, was er sieht, und nicht dem, was er glauben sollte.
Deshalb sagt der Mensch, dass er die Taten lo liShma tut. Wie im Beispiel: Die Freunde verpflichten ihn. Und das müssen nicht unbedingt Freunde sein, sondern jeder Einzelne hat sein eigenes, individuelles äußeres Gewand, das zu ihm passt.
Deshalb sagt der Mensch nach der Tat – zum Beispiel, nachdem er in das Haus der Versammlung gekommen ist, und das geschah, weil die Freunde ihn verpflichtet hatten zu kommen –: „Das geschah, weil der Schöpfer der Grund dafür war, dass er lernen ging. Nur kleidete Sich der Schöpfer ihm gegenüber in das Gewand der Freunde. Deshalb dankt er jetzt dem Schöpfer dafür, dass Er der Grund war.“
Aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn der Mensch die Sache lo liShma tat – also nicht der Schöpfer war der Grund, der ihm gebot, die Mizwa zu tun, sondern er tat es zum Beispiel deshalb, weil die Freunde ihm einen Befehl gaben, dem er gehorchen musste –, dann muss der Mensch glauben, dass er die Sache getan hat, weil der Schöpfer ihm gebot, die Mizwa zu befolgen. Und es lag ihm ob zu befolgen, was der Schöpfer ihm zu tun gebot. Nur verbarg Sich der Schöpfer im Gewand des lo liShma, nämlich der Freunde und dergleichen, sodass der Mensch durch dieses Gewand denkt, er müsse der Stimme des lo liShma gehorchen.
Aber in Wahrheit muss der Mensch glauben, dass der Schöpfer alles getan hat. Es zeigt sich also: Nachdem er die Mizwa getan hat, muss er sagen, dass der Schöpfer hinter dem Gewand des lo liShma gewirkt hat. Dann zeigt sich, dass der Mensch dem Schöpfer dafür danken muss, dass Er ihm durch dieses Gewand das Verlangen gab, Seine Mizwot zu befolgen.
Mit dem Gesagten verstehen wir die große Wichtigkeit des lo liShma. Das heißt, es ist nicht so, wie der Mensch denkt, dass er alles um des lo liShma willen tut, sondern er tut alles, weil der Schöpfer es ihm gebot. Nur hat er noch nicht das Verdienst, spüren zu können, dass der Schöpfer es ist, der gebietet. Deshalb denkt der Mensch, das lo liShma sei der Gebietende. Deshalb ist die Tat in seinen Augen nicht so wichtig.
Wenn er aber glaubt, dass es „nichts außer Ihm“ gibt – wie es, wie gesagt, in den vorigen Artikeln dieses Wochenabschnitts geschrieben steht –, dann zeigt sich, dass er in Wahrheit das Gebot des Schöpfers erfüllt. Und der Mensch muss die Tat wertschätzen, die er lo liShma tat. Denn dass der Mensch sich vorstellt, er erfülle nur eine Tat des lo liShma, kommt allein daher, dass er noch nicht das Verdienst hat zu spüren, dass er das Gebot des Königs erfüllt und dem König dient.
Wenn er also glaubt, dass das lo liShma in Wahrheit so ist, dass der Schöpfer selbst ihn verpflichtet, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, dann zeigt sich, dass er dem Schöpfer großen Dank sagen kann dafür, dass der Schöpfer Sich in das Gewand des lo liShma kleidete. Und daran kann der Mensch die Wichtigkeit von Tora und Mizwot ermessen, sogar im lo liShma. Und das ist so, wie unsere Weisen sagten: „Man fordert von ihm mit seinem Wissen“, nämlich liShma, „und ohne sein Wissen“, nämlich lo liShma.
Und das ist es, was geschrieben steht: Die Searot, nämlich das lo liShma, bedecken das Licht, damit man sich nicht am Licht nährt, solange man dessen nicht würdig ist. Das heißt, die Searot sind ein Gewand, und unter diesem Gewand steht das Licht und leuchtet. In der Zwischenzeit aber ist das Licht bedeckt.
korrigiert (Stilüberarbeitung nach Richtlinie), EY, Claude/Opus 4.8, 24.07.2026, 20:48 Uhr, Ver3