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1990/25 Was bedeutet „Alle Völker sollen den Herrn loben“ in der Arbeit?

In der Heiligen Schrift heißt es (Psalm 117): „Lobt den Schöpfer, alle Völker, preist Ihn, alle Nationen! Denn mächtig ist Seine Gnade über uns, und die Wahrheit des Schöpfers währt ewig. Lobt den Schöpfer!“ Man muss verstehen, warum alle Völker den Schöpfer loben sollen, und zwar gerade deshalb, weil geschrieben steht: „Denn mächtig ist Seine Gnade über uns.“ Auf den ersten Blick scheint das Gegenteil naheliegender: Weil Er dem Volk Israel Gnade erwiesen hat, müssten die Völker doch über den Schöpfer erzürnt sein. Und dennoch sagt die Schrift hier „Preist Ihn, alle Nationen“, und das mit der Begründung „denn mächtig ist Seine Gnade über uns“. Wie kann das sein?

In der Heiligen Schrift heißt es (Psalm 117): „Lobt den Schöpfer, alle Völker, preist Ihn, alle Nationen! Denn mächtig ist Seine Gnade über uns, und die Wahrheit des Schöpfers währt ewig. Lobt den Schöpfer!“ Man muss verstehen, warum alle Völker den Schöpfer loben sollen, und zwar gerade deshalb, weil geschrieben steht: „Denn mächtig ist Seine Gnade über uns.“ Auf den ersten Blick scheint das Gegenteil naheliegender: Weil Er dem Volk Israel Gnade erwiesen hat, müssten die Völker doch über den Schöpfer erzürnt sein. Und dennoch sagt die Schrift hier „Preist Ihn, alle Nationen“, und das mit der Begründung „denn mächtig ist Seine Gnade über uns“. Wie kann das sein?

In der Heiligen Schrift heißt es (Psalm 117): „Lobt den Schöpfer, alle Völker, preist Ihn, alle Nationen! Denn mächtig ist Seine Gnade über uns, und die Wahrheit des Schöpfers währt ewig. Lobt den Schöpfer!“ Man muss verstehen, warum alle Völker den Schöpfer loben sollen, und zwar gerade deshalb, weil geschrieben steht: „Denn mächtig ist Seine Gnade über uns.“ Auf den ersten Blick scheint das Gegenteil naheliegender: Weil Er dem Volk Israel Gnade erwiesen hat, müssten die Völker doch über den Schöpfer erzürnt sein. Und dennoch sagt die Schrift hier „Preist Ihn, alle Nationen“, und das mit der Begründung „denn mächtig ist Seine Gnade über uns“. Wie kann das sein?

Dies lässt sich im Sinne der spirituellen Arbeit auslegen. Gemeint ist ein einzelner Mensch, denn jeder Mensch ist eine kleine Welt, wie es in den Worten des heiligen Sohar geschrieben steht. Im Menschen gibt es nämlich die Eigenschaft der „Nationen der Welt“, und es gibt in ihm die Eigenschaft „Israel“. Und das Israel im Menschen ist im Exil, unter der Herrschaft der Nationen der Welt.

Bekanntlich ist Israel die Eigenschaft Jashar-El (direkt zum Schöpfer): Ein solcher Mensch will, dass all sein Handeln direkt auf den Schöpfer ausgerichtet ist, dass also alles dem Schöpfer zum Nutzen geschieht. Die Nationen der Welt dagegen richten all ihr Denken einzig auf den eigenen Nutzen, denn bekanntlich hat jede Nation ihr eigenes Verlangen. Sie herrschen über das Israel in seinem Innern und lassen das Israel nicht tun, was Israel tun muss. Vielmehr zwingt jede einzelne Nation dem Menschen immer wieder ihr Verlangen auf, sodass er nach ihrem Willen handelt. Das nennt man „Volk Israel im Exil“.

Doch man muss wissen und glauben, dass alles, was ein Mensch in Gefäßen des Empfangens empfangen kann, nicht mehr ist als ein winziges Licht im Vergleich zum Licht des Genusses, das in das Spirituelle gekleidet ist und in Gefäßen des Gebens empfangen wird. Und doch sagen unsere Weisen als allgemeine Regel: „Kein Mensch stirbt mit der Hälfte seines Verlangens in der Hand.

Es gibt also keinen Menschen auf der Welt, der von sich sagen könnte, er sei der glücklichste Mensch der Welt – nach der Regel: „Wer hundert hat, will zweihundert.“ Darum gibt es keinen Menschen auf der Welt, der Ruhe ohne Sorgen und Frieden hätte. Vielmehr hat jeder seinen eigenen Mangel, wie geschrieben steht: „Der Neid, das Verlangen und die Ehre bringen den Menschen aus der Welt.

Am Ende leidet also jeder Mensch darunter, dass es nicht in seiner Hand liegt, seine Mängel zu füllen. Anders ist es, wenn ein Mensch gewürdigt wird und vom Schöpfer Gefäße des Gebens empfängt: In diesen Gefäßen empfängt er das Gute und den Genuss, die der Schöpfer für die Geschöpfe bereitet hat, und dann lebt er in einer Welt, die ganz und gar gut ist. So sagten unsere Weisen (Awot, Kapitel 6,1): „Rabbi Meir sagt: Wer sich mit der Tora um ihretwillen (liShma) befasst, wird vieler Dinge gewürdigt. Und nicht nur das die ganze Welt ist seiner wert.

Er sieht also den Wert, den die Welt für ihn hat. Und das ist es, was oben gesagt wurde: Wenn der Mensch alles in Gefäßen des Gebens empfängt – was die Eigenschaft der Angleichung der Form ist, die „Anhaftung“ (Dwekut) genannt wird und „um ihretwillen“ (liShma) heißt –, dann wird ihm das Gute und der Genuss zuteil, die im Schöpfungsgedanken liegen und „Sein Wille, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt werden, nach dem Maß Seines Vermögens, gepriesen sei Er.

Und das ist so, wie es im Buch „Die Gabe der Tora“ (Matan Tora, S. 22) dargelegt wird; und dies sind seine Worte: „Unsere Weisen lehrten uns, dass die Welt nur um der Einhaltung von Tora und Mizwot willen erschaffen wurde. Das bedeutet: Die Absicht des Schöpfers, gepriesen sei Er, bestand mit der Schöpfung von dem Augenblick an, da sie erschaffen wurde, darin, einem anderen Seine Göttlichkeit kundzutun. Denn das Kundtun Seiner Göttlichkeit erreicht das Geschöpf im Maß Seiner angenehmen Fülle, die immer weiter zu ihm anwächst, bis zum gewünschten Maß. Dadurch erheben sich die Niedrigen in wahrer Erkenntnis dazu, ein Wagen für Ihn, gepriesen sei Er, zu sein und sich an Ihn zu heften, bis sie ihre endgültige Vollkommenheit erreichen.

Aus dem Gesagten folgt: Wenn der Mensch der Gefäße des Gebens gewürdigt wird und dadurch des Guten und des Genusses, die im Schöpfungsgedanken lagen, so heißt das: „Wenn der Schöpfer die Wege eines Menschen begünstigt, so versöhnt Er sogar seine Feinde mit ihm.“ Rabbi Jehoschua ben Levi legt das so aus: „Das ist die Schlange“ (Jeruschalmi, Terumot 8,3) – denn die Schlange bedeutet den bösen Trieb (*Jezer haRa*), der über die siebzig Nationen der Welt gesetzt ist, wie oben gesagt. Es ist nämlich jene Eigenschaft der Nationen der Welt, die sich im Körper des Menschen findet, die bewirkt, dass der Mensch des Guten und des Genusses nicht gewürdigt werden kann.

Daraus folgt: Sobald der Mensch das Gute und den Genuss empfängt, werden auch die Gefäße des Empfangens versüßt, indem er sie mit der Absicht zu geben gebraucht. Folglich empfangen auch sie das Gute und den Genuss. Das nennt man „Wenn der Schöpfer die Wege eines Menschen begünstigt“: Sobald er einzig dem Schöpfer zum Nutzen tätig ist – was „um ihretwillen tätig sein“ (liShma) heißt –, wird er vieler Dinge gewürdigt, wie oben in den Worten Rabbi Meirs gesagt.

Darum müssen auch die Nationen der Welt im Körper des Menschen den Schöpfer loben, weil auch sie nun das Gute und den Genuss empfangen, dadurch dass der Mensch der Gefäße des Gebens gewürdigt wurde, die „Gefäße der Gnade“ (Chessed) genannt werden. Das ist es, was geschrieben steht: „Lobt den Schöpfer, alle Völker, preist Ihn, alle Nationen.“ Und warum müssen sie den Schöpfer loben? Weil „mächtig ist Seine Gnade über uns“.

Das bedeutet: Die Gefäße der Gnade haben sich gegen die Gefäße des Empfangens durchgesetzt. Und wer gab die Kraft, dass die Gnade sich durchsetzte? Diese gab allein der Schöpfer, wie unsere Weisen sagten: „Der Trieb des Menschen wird Tag für Tag mächtig über ihn, und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihn nicht bezwingen.

Auch die Völker müssen also den Schöpfer loben dafür, dass „Seine Gnade mächtig über uns“ wurde. Denn wir wurden der Gnade des Schöpfers gewürdigt, und dadurch sehen wir nun auch „die Wahrheit des Schöpfers“: die Wahrheit, dass der Schöpfer über die Welt wacht in der Eigenschaft des Guten und des Gutestuenden – was jetzt allen Völkern offenbart wird.

Auch die Feinde des Menschen versöhnen sich also mit ihm, nämlich der böse Trieb, der „Feind“ genannt wird – wie geschrieben steht: „Wenn dein Feind hungert, gib ihm Brot zu essen“, womit der böse Trieb gemeint ist, wie unsere Weisen sagten, dass König Salomo den bösen Trieb mit dem Namen „Feind“ bezeichnete. Das nennt man „Und du sollst den Schöpfer, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit deinen beiden Trieben“, also mit dem guten Trieb und mit dem bösen Trieb. Denn sobald die Gefäße des Empfangens des Menschen die Kraft erlangt haben, mit der Absicht zu geben zu empfangen, dient er dem Schöpfer dann auch mit dem bösen Trieb. Auch der böse Trieb liebt also den Schöpfer, denn auch er empfängt das Gute und den Genuss.

Darum steht geschrieben „und die Wahrheit des Schöpfers“. So legt es das *Talmud Esser haSefirot* zur siebten Korrektur der dreizehn Korrekturen des Dikna aus, die „und die Wahrheit“ genannt wird: Sie heißt darum „und die Wahrheit“, weil in dieser Korrektur allen offenbart wird, dass dies die Wahrheit ist – dass dies das Schöpfungsziel war: „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“.

Aus dem Gesagten folgt, dass man im Sinne der spirituellen Arbeit auslegen kann, was der heilige Sohar sagt: dass über allen Nationen je ein Fürst gesetzt ist, anders als beim Volk Israel, über das allein der Schöpfer herrscht. Denn das Volk Israel ist das Erbteil des Schöpfers. Die Nationen der Welt sind nämlich die Eigenschaft von Empfangenden für sich selbst, wie es im Sohar zu dem Vers heißt: „Und die Gnade der Nationen ist Sünde denn all ihr Gutes wirken sie für sich selbst.

Das bedeutet: Alles, was sie tun, ist nur zu ihrem eigenen Nutzen. Und das nennt man „siebzig Fürsten“, also „siebzig Herrscher“, denn jede Nation hat ihr eigenes Verlangen, wie oben gesagt. Und das nennt man im allgemeinen Sinne „böser Trieb“, weil es bewirkt, dass der Mensch vom Schöpfer getrennt wird. Und das nennt man „die Nationen der Welt, deren Fürsten über sie herrschen“: Sie fühlen nicht, dass es einen Schöpfer gibt, der die Welt lenkt.

Anders ist es bei der Eigenschaft Israels, die Jashar-El bedeutet: Diese fühlen, dass sie sich im Anteil des Schöpfers befinden. Und das kommt daher, dass all ihr Handeln für den Schöpfer ist und nicht zum eigenen Nutzen. Das nennt man, dass der Schöpfer das Volk Israel in Seinen Anteil genommen hat und kein Fürst über sie herrscht. Wer also in die Eigenschaft Israels eintritt, sagt, dass allein der Schöpfer über ihn herrscht und keine andere Kraft.

Sowohl bei den Aufstiegen als auch bei den Abstiegen ist es also der Schöpfer, der bei all diesen Dingen wirkt. Und das ist so, wie man (im Morgengebet am Shabbat) sagt: „Gott, Herr über alle Werke.“ Bei allen Werken, die der Mensch tut, ist also der Schöpfer der Wirkende. Wie mein Vater und Lehrer, das Andenken an den Gerechten sei zum Segen, sagte: Vor der Handlung muss der Mensch sagen, dass alles vom Menschen abhängt, wie unsere Weisen sagten: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Alles tut also der Mensch. Und nach der Handlung muss der Mensch sagen, dass alles der Schöpfer tut, denn Er ist der Herr über alle Werke.

Aus dem Gesagten lässt sich auslegen, was geschrieben steht (Psalm 89): „Und die Himmel preisen Dein Wunder, o Schöpfer, ja Deine Treue in der Versammlung der Heiligen. Denn wer im Gewölk ist dem Schöpfer gleich, wer gleicht dem Schöpfer unter den Göttersöhnen?“ Hier ist zu verstehen: Was geht es uns an, dass die Himmel das Wirken des Schöpfers preisen? Denn vor allem müssen wir doch wissen, was wir tun sollen. Und das lässt sich im Sinne der spirituellen Arbeit auslegen: Die Begriffe „Himmel“ und „Erde“ lassen sich auf die beiden Zustände deuten, in denen sich der Mensch befindet:

1. Im Zustand des Aufstiegs. Das nennt man, dass der Mensch sich im „Himmel“ befindet. So wie der Himmel „Gebender“ genannt wird, so will der Mensch, wenn er sich im Zustand des Aufstiegs befindet, dem Schöpfer geben – was man so nennt, dass all sein Handeln um des Himmels willen geschieht.

2. Wenn der Mensch einen Abstieg erfährt und in die Eigenschaft „Erde“ fällt. „Erde“ wird die Eigenschaft der Empfangenden genannt. Der Mensch ist nämlich in einen Zustand gefallen, in dem er nichts tun kann, wenn es nicht eine Füllung für sein Verlangen zu empfangen ist; das nennt man „Erde“.

Nach dem Gesagten muss der Mensch glauben, dass alles der Schöpfer tut. Nachdem der Mensch nämlich sein Verlangen zu empfangen bezwungen hat und einzig um des Himmels willen tätig ist, heißt es: „Und die Himmel preisen Dein Wunder, o Schöpfer.“ Denn dieses Wirken ist wahrhaftig ein Wunderwerk: Der Mensch kann von seiner Natur her nichts tun außer zu seinem eigenen Nutzen, und nun hat der Schöpfer ihn in die Eigenschaft des Himmels erhoben.

Das ist es, was geschrieben steht: „Und es preisen“ – jene Menschen, die sich nun in der Eigenschaft des Himmels befinden, sollen den Schöpfer preisen. Denn dies ist ein Wirken allein von Seiten des Schöpfers und nicht des Menschen. Der Mensch kann nämlich nichts tun, was nicht seinem eigenen Nutzen dient, weil er mit einer solchen Natur erschaffen wurde.

„Ja Deine Treue in der Versammlung der Heiligen.“ Gemeint ist die Eigenschaft des Glaubens, die sich in der Versammlung findet, die nun fühlt, dass sie heilig ist – wie geschrieben steht: „Heilig sollt ihr sein, denn ich bin heilig.“ So wie der Schöpfer den Willen hat zu geben, so muss auch der Mensch ein Verlangen haben, einzig zu geben. Das ist es, was geschrieben steht: „Ja Deine Treue, dass sie in der Versammlung der Heiligen sind.“ Auch dies kommt aus den Wundern des Schöpfers, dass sie des Glaubens gewürdigt wurden, weshalb sie die Eigenschaft einer Versammlung von Heiligen sind. Und das ist eine doppelte Aussage.

Das ist es, was geschrieben steht: „Denn wer im Gewölk“. Gemeint ist: Wer im Gewölk ist, wer gewürdigt wurde, im Himmel zu sein – also, wie oben, wer des Verlangens zu geben gewürdigt wurde, das „Himmel“ genannt wird –, „ist Dir gleich“. Auf den ersten Blick ist das schwer zu verstehen, denn nach dem einfachen Sinn müsste die Schrift sagen: „Denn wer im Gewölk ist dem Schöpfer gleich.“ Gibt es denn jemanden, der sich irren und sagen könnte, es gebe einen, der sich selbst dem Schöpfer gleichstellen würde?

Im Sinne der spirituellen Arbeit lässt sich das auslegen wie oben: Die Schrift lässt uns hören, dass dem Menschen nicht in den Sinn kommen soll, durch jene Überwindung, in die er Arbeit und Mühe gegeben hat, werde er zur Eigenschaft des Himmels, zur Eigenschaft des Gebenden. Vielmehr hat der Mensch an dieser Sache keinerlei Anteil, sodass er sagen könnte, auch er habe dem Schöpfer geholfen, die Fähigkeit zu haben, den Menschen aus der Eigenliebe in die Eigenschaft des Verlangens zu geben, dem Schöpfer zum Nutzen, herauszuführen.

Und darauf folgt danach die Schrift und sagt: „Wer gleicht dem Schöpfer unter den Göttersöhnen?“ Diese starken und mächtigen Menschen sollen nämlich nicht denken, dass die Kraft, ihr Böses zu bezwingen, aus ihren eigenen Kräften kam. Vielmehr kommt alles aus der Kraft des Schöpfers. Das ist es, was geschrieben steht: „Wer gleicht dem Schöpfer?“ – sodass es in seiner Hand läge, das Böse zu bezwingen, wie oben gesagt, ohne die Hilfe des Schöpfers.

Und obwohl geschrieben steht: „Wer kommt, sich zu reinigen, dem hilft man“, woraus hervorzugehen scheint, dass also die Arbeit des Menschen dem Schöpfer half, damit ein Ort sei, an dem Hilfe gegeben werden kann – wie kann man dann sagen, dass alles von Seiten des Schöpfers kommt? Das lässt sich an dem auslegen, was unsere Weisen sagten: „Wer kommt, sich zu reinigen.“ Wenn wir sehen, dass der Mensch von sich aus kommt, sich zu reinigen – was eine Erweckung von unten (Itaruta deLetata) ist –, darauf folgt die Antwort: „dem hilft man“.

Dass er kommt, sich zu reinigen, kommt nämlich aus der Kraft der Hilfe von oben. Sonst wäre der Mensch nicht gekommen, sich zu reinigen. Auch dass der Mensch kommt, sich zu reinigen, ist also gleichfalls von Seiten des Schöpfers und nicht von Seiten des Geschöpfs. Und obwohl dies dem menschlichen Verstand widerspricht – denn einerseits sagt man „Wer kommt, sich zu reinigen“, woraus hervorgeht, dass es also eine Wahl von Seiten des Menschen gibt zu handeln, und andererseits sagt man, alles tue der Schöpfer –, steht das eine somit im Widerspruch zum anderen.

Und Rambam schreibt in seiner Auslegung zur Mischna (Awot, Kapitel 3,15): „Alles ist vorhergesehen, alles ist vor dem Schöpfer im Voraus offenbar und bekannt. Und die Freiheit ist gegeben, und dennoch liegt die Freiheit in der Hand des Menschen, das Gute oder das Böse zu wählen. Das heißt, der Mensch hat die freie Wahl. Und das Wissen des Schöpfers, der alles im Voraus weiß, zwingt den Menschen zu nichts. Und obwohl dies nach unserer Erfassung und unserem Wissen unmöglich ist, so ist doch das Wissen des Schöpfers nicht wie unser Wissen. Und es gibt keinerlei Ähnlichkeit zwischen beiden. Denn Er und Sein Wissen sind eins. Und so wie wir mit unserem begrenzten Verstand das Dasein des Schöpfers nicht erfassen, so erfassen wir auch Sein Wissen nicht.“

Wir sehen also in den Worten des Rambam, dass es nicht in unserer Erfassung liegt, die beiden oben genannten Dinge zu verstehen, die einander widersprechen. Und mein Vater und Lehrer, das Andenken an den Gerechten sei zum Segen, sagte: Sie widersprechen einander zwar, doch das gilt, bevor der Mensch der Eigenschaft der persönlichen Vorsehung (Hashgacha Pratit) gewürdigt wurde. Nachdem der Mensch aber der persönlichen Vorsehung gewürdigt wurde, kann er verstehen, dass dies kein Widerspruch ist. Doch mit dem äußeren Verstand gibt es keine Möglichkeit, dies zu verstehen.

Es gibt also einen Widerspruch zwischen Lohn und Strafe und der persönlichen Vorsehung, und bei alldem müssen wir über dem Verstand gehen und beides erfüllen. So wie wir in den Worten des heiligen Sohar sehen (Tasria, S. 2, und im Sulam Punkt 6): „‚Und ihr Verkauf ist ferner als Perlen.‘ Er fragt und sagt: ‚Verkauf‘ – ‚ihr Kaufpreis‘ hätte er sagen müssen, das heißt, dass sie schwerer zu erwerben ist als Perlen. Was bedeutet es, dass er ‚ihr Verkauf‘ sagt? Und er antwortet: Vielmehr verkauft sie all jene, die sich nicht vollkommen an sie heften und nicht vollständig mit ihr sind, und liefert sie in die Hände anderer Völker aus. So wie du sagst: ‚Und die Kinder Israels verließen den Schöpfer‘, und Er verkaufte sie in die Hand Siseras. Und dann sind sie alle fern von jenen oberen, heiligen Perlen, die die Geheimnisse und die Innerlichkeit der Tora sind, sodass sie keinen Anteil an ihnen haben.“

Er spricht hier also von Lohn und Strafe. Im Sinne der spirituellen Arbeit lässt sich auslegen, dass die Heiligkeit (*Kedusha*) den Menschen in dem Augenblick in die Hände anderer Völker verkauft, in dem der Mensch eine Erweckung von oben empfängt und nicht weiß, wie er den Zustand dieses Aufstiegs bewahren soll – weil er ihn nicht so schätzt, wie es sich gebührt, ihn zu schätzen, wenn der König ihn ruft, ein wenig in die Heiligkeit einzutreten. Das heißt, die Gedanken und Verlangen anderer Völker herrschen über ihn. Einerseits muss der Mensch also sagen „Alles unterliegt der Vorsehung“, und andererseits ist es die Eigenschaft von „Lohn und Strafe“. Doch es ist, wie oben, gemäß den Worten des Rambam.

korrOp, EY, 25.07.2026, 02:06 Uhr, Ver5