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1990/03 Was bedeutet es, dass die Welt um der Tora willen erschaffen wurde?

RASHI führt die Auslegungen der Weisen zu „Im Anfang schuf“ (Bereshit bara) an: „um der Tora willen, die ‚Anfang Seines Weges‘ genannt wird“; und um Israels willen, das „heiliges Israel, der Erstling Seiner Ernte“ genannt wird.

Nun muss man verstehen, was „die Welt wurde um der Tora willen erschaffen“ bedeutet. Denn Tora ist im einfachen Sinn der Befehl des Königs, der Anordnungen gab, sie zu befolgen. Sind aber die Anordnungen des Königs mit einem Mangel behaftet, sodass sie jemanden brauchen, der sie erfüllt? Haben sie etwa eine Empfindung?

Vielmehr kann man sagen, dass der König will, dass man seine Anordnungen befolgt. Und das lässt sich von einem König aus Fleisch und Blut sagen, der ihnen Anordnungen geben will und daran Freude hat. Aber so etwas kann man vom Schöpfer nicht sagen, dass Er will, dass man Ihm Ehre erweist und befolgt, was Er ihnen gebietet.

Ebenso muss man verstehen, was die Weisen sagten, dass die Welt um Israels willen erschaffen wurde. Das heißt, dem Sinn nach: nicht um der Tora willen. Wenn dem so ist, muss man verstehen, ob es für die Erschaffung der Welt zwei Gründe gibt oder ob es ein einziger Grund ist, das heißt, ob beide auf dasselbe hinweisen.

Es ist bekannt, dass der Grund für die Erschaffung der Welt in Seinem Verlangen liegt, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und um die Vollkommenheit Seiner Handlungen ans Licht zu bringen, das heißt, damit es keine Sache der Scham gebe, wurden ein Zimzum (Einschränkung) und eine Verhüllung eingerichtet, sodass das Gute und der Genuss nur unter der Bedingung leuchten, dass der Empfänger die Absicht hat, zu geben; andernfalls liegt eine Verhüllung des Angesichts des Schöpfers vor. Und aus diesem Grund wurde uns das Mizwa des Glaubens gegeben, dass Er Seine Welt als der Gute, der Gutes tut, lenkt, sodass durch das Mizwa des Glaubens an den Schöpfer und dadurch, dass man Tora und Mizwot auf der Grundlage des Glaubens erfüllt, die Sache der Scham korrigiert wird.

Doch aufgrund der Erschaffung der Geschöpfe, die mit einem Verlangen zu empfangen für sich selbst erschaffen wurden, können die Geschöpfe nicht zu einer Stufe gelangen, auf der all ihre Taten um des Himmels willen und nicht zum eigenen Nutzen geschehen. Deshalb führte dies dazu, dass das Verlangen zu empfangen „böse“ genannt wird. Und wer diesen bösen Weg geht, wird „Frevler“ genannt. Und das Verlangen, zum eigenen Nutzen zu empfangen, wird „böser Trieb“ (Jezer haRa) genannt, weil alles, was er dem Menschen zu tun vormalt, darin besteht, alles nur als eigennütziges Empfangen zu tun – und das fügt dem Menschen Böses zu.

Das heißt, dies ist der ganze Grund, weshalb der Mensch das Gute und den Genuss nicht erlangen kann, die der Schöpfer den Geschöpfen geben will. Denn über diesen Aspekt, der „Verlangen zu empfangen für sich selbst“ genannt wird, gab es eine Korrektur, weil das Verlangen zu empfangen das Gegenteil des Schöpfers ist, dessen Verlangen nur das Geben ist, während das Verlangen zu empfangen nicht fähig ist, zu geben.

Und damit eine Gleichheit der Form entsteht, das heißt, dass der Mensch, wenn er empfängt, die Fähigkeit hat, sein Empfangen so auszurichten, dass es um des Gebens willen geschieht – und das nennt man bereits, dass er gibt. Und das nennt man „Gleichheit der Form“ oder „Anhaftung (Dwekut)“. Denn im Geistigen wird Gleichheit „Anhaftung“ genannt, obwohl er in der Tat empfängt. Und das nennt man „Empfangen um des Gebens willen“.

Doch wie ist es möglich, dass es eine Wirklichkeit gibt, in der man zur Gleichheit der Form gelangt? Denn dieses Verlangen zu empfangen hat der Schöpfer erschaffen, und wie kann man die Natur annullieren, die der Schöpfer erschuf? Dafür wurde eine Korrektur gegeben: In Wahrheit lässt sich die Natur des Verlangens zu empfangen nicht annullieren. Vielmehr fügt man ihr die Absicht zu geben hinzu. Es zeigt sich also, dass das Verlangen zu empfangen – das heißt das, woran der Mensch sieht, dass er daraus Genuss ziehen kann – bestehen bleibt. Das heißt, dass der Mensch auch danach Genuss empfindet, nur mit einer anderen Absicht. Das nennt man „Empfangen um des Gebens willen“.

Aber wie kann der Mensch eine andere Absicht fassen, statt zum eigenen Nutzen vielmehr zum Nutzen des Schöpfers zu empfangen? Dazu sagten die Weisen: „Der Schöpfer sprach: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das heißt, dass der Mensch durch die Segula (verborgene Heilkraft) der Tora und der Mizwot dazu gelangen kann, das Verlangen zu geben zu erlangen. Und nur dies ist der einzige Rat, durch den der Mensch der Gefäße des Gebens würdig werden kann; darüber sagten die Weisen: „Das Licht in ihr bringt ihn zum Guten zurück.

Es zeigt sich also, dass der Mensch durch die Tora Gefäße des Gebens erlangt. Und dann kann er das Gute und den Genuss empfangen, die der Schöpfer den Geschöpfen geben will. Und in diesem Sinne wird die Tora „613 Ratschläge (Ejtin)“ genannt, das heißt 613 Ratschläge, durch die der Mensch der Gefäße des Gebens würdig wird.

Und danach, das heißt, nachdem er durch die Tora der Gefäße des Gebens würdig geworden ist, muss er das Gute und den Genuss empfangen, die im Gedanken des Schöpfers liegen. Und dieses Gute und dieser Genuss werden ebenfalls als Aspekt „Tora“ bezeichnet. Das heißt, dass dann die 613 Ratschläge zu 613 Pikudin (Hinterlegungen) werden. Das bedeutet, dass in jedem Mizwa ein besonderes Licht ist.

Und das ist, wie geschrieben steht (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 242, Buchstabe A), und das sind seine Worte: „Und auf diese Weise gibt es in Tora und Mizwot den Aspekt des Tuns und den Aspekt des Hörens. Wie die Weisen sagten: ‚die Seine Worte tun, um auf die Stimme Seines Wortes zu hören‘ – zuerst das Tun, danach das Hören. Und wenn man Tora und Mizwot im Aspekt des Tuns Seines Wortes erfüllt, bevor man des Hörens würdig wird, werden die Mizwot mit dem Namen ‚613 Ratschläge (Ejtin)‘ bezeichnet. Und sie sind der Aspekt der Rückseite. Und wenn man des Aspekts würdig wird, auf die Stimme Seines Wortes zu hören, werden die 613 Mizwot zum Aspekt der Pikudin. Und das kommt vom Wort Pikadon (Hinterlegung). Denn es gibt 613 Mizwot, und in jedem Mizwa ist das Licht einer besonderen Stufe hinterlegt.

Mit dem Gesagten können wir erklären, was wir gefragt haben: Was bedeutet es, dass die Welt um der Tora willen erschaffen wurde?

Hat die Tora etwa eine Empfindung, sodass sie spüren könnte, dass ihr jemand fehlt, der sie erfüllt? Und ebenso fragten wir: Sagten die Weisen nicht an anderer Stelle, dass die Welt um Israels willen erschaffen wurde?

Die Sache ist die, dass beide auf dasselbe hindeuten, das heißt, dass der Grund für die Erschaffung der Welt in Seinem Verlangen lag, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und es wird angeführt (Midrash Raba, Bereshit), dass, als der Schöpfer den ersten Menschen (Adam haRishon) erschaffen wollte, die Engel sich dem widersetzten und sagten: „Was ist der Mensch, dass Du seiner gedenkst – wozu brauchst Du dieses Leid?“ Und der Schöpfer antwortete ihnen, dass dies einem König gleicht, der einen Turm voll alles Guten hat, aber keine Gäste.

Es zeigt sich also, dass die Erschaffung des Menschen darin begründet war, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und das ist es, was sie sagten, dass die Erschaffung der Welt um Israels willen geschah, das „Anfang“ genannt wird. Aber was ist das Gute und der Genuss, die Er ihnen geben wollte?

Da kamen die Weisen und sagten uns, dass dieses Gute und dieser Genuss die Tora ist. Das heißt, dass die Erschaffung der Welt geschah, damit Israel das Gute und den Genuss, die in der Tora sind, empfängt und genießt.

Es zeigt sich also, dass das, was sie sagten, „die Welt wurde um Israels willen erschaffen“, und das, was sie sagten, „die Welt wurde um der Tora willen erschaffen“, ein und dasselbe ist. Nur ist hier von den Empfängern die Rede, die Israel sind, und dort von dem, was Israel empfängt. Das heißt, das eine spricht vom Gefäß und das andere vom Licht. Aber beide sind ein und dasselbe: Licht und Gefäß.

Doch das, was sie sagten, „die Welt wurde um der Tora willen erschaffen“, ist auf zwei Weisen zu deuten:

1. Wie oben, dass die Tora der Aspekt der 613 Ratschläge (Ejtin) ist, das heißt 613 Ratschläge, wie man das Böse bezwingt, wie geschrieben steht: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das heißt, dass man durch die Tora das Böse korrigiert, „denn das Licht in ihr bringt ihn zum Guten zurück“.

Und auf diese Weise ist zu deuten, was die Weisen sagten (Shabbat 33): „Wäre nicht Mein Bund Tag und Nacht, hätte Ich die Ordnungen von Himmel und Erde nicht gesetzt“ – wobei sie „Tag und Nacht“ als die Tora deuteten, wie geschrieben steht: „und du sollst darüber sinnen Tag und Nacht“. Das heißt: Gäbe es die Tora nicht, hätte die Welt keinen Bestand.

Und es ist zu deuten, dass die Welt durch die Tora, deren Licht ihn zum Guten zurückbringt, bestehen kann. Das heißt, es würde die Möglichkeit bestehen, das Gute und den Genuss zu empfangen, weil die Tora das Böse in den Geschöpfen korrigiert und sie den Aspekt der Gleichheit der Form erlangen, wie oben – wodurch der Makel der Scham korrigiert wird.

Und es versteht sich von selbst, dass es, wenn die Tora nicht zum Guten zurückbrächte, keinerlei Wirklichkeit gäbe, in der man das Gute und den Genuss empfinge. Es zeigt sich also: „hätte Ich die Ordnungen von Himmel und Erde nicht gesetzt“ – dann wäre alles ohne Nutzen.

Es zeigt sich also, dass die „Tora“ hier nur als Aspekt der Ratschläge bezeichnet wird, wie oben, das heißt als Ratschläge, wie man das Gute empfängt.

2. Wie oben, dass die Tora der Aspekt der 613 Pikudin ist, die der Aspekt der heiligen Namen sind. Das heißt, wie oben in der Einführung des Sohar (Blatt 242): „dass in jedem Mizwa das Licht einer besonderen Stufe hinterlegt ist, die einem besonderen Glied unter den 613 Gliedern und Sehnen der Seele und des Körpers entspricht. Und es zeigt sich, dass er bei der Ausführung des Mizwa zu dem ihm entsprechenden Glied in seiner Seele und seinem Körper die Stufe des Lichts herabzieht, die zu jenem Glied und jener Sehne gehört. Und das ist der Aspekt der Vorderseite der Mizwot, der dann mit dem Namen Pikudin bezeichnet wird.

Und mit dem Gesagten ist zu deuten, was die Weisen sagten, „die Welt wurde um der Tora willen erschaffen“, das heißt das, was sie sagen, dass der Grund für die Erschaffung der Welten darin lag, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Dieses Gute und dieser Genuss befinden sich in der Tora, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird. Denn der allgemeine Name des Schöpfers ist „der Gute, der Gutes tut“.

Denn die Namen, die man dem Schöpfer gibt, sind nur aus dem Aspekt „aus Deinen Werken haben wir Dich erkannt“. Deshalb gaben sie Ihm, weil sie vom Schöpfer Gutes und Genuss für sich selbst und für die ganze Welt erlangten, den Namen „der Gute, der Gutes tut“. Wie die Weisen sagten: „gut zu sich selbst und Gutes tuend an anderen“ – was bedeutet, dass sie erlangten, dass sie vom Schöpfer Gutes empfingen. Und sie erlangten auch, dass der Schöpfer ebenso anderen Gutes tut.

Aber vom Schöpfer selbst kann man nicht sprechen, wie im heiligen Sohar geschrieben steht: „kein Gedanke erfasst Ihn überhaupt“. Und das bedeutet: „Vom Schöpfer selbst kann man nicht sprechen“, denn wir haben vom Schöpfer keinerlei Erlangung. Demnach zeigt sich, dass das, was die Weisen sagten, dass die Welt um der Tora willen erschaffen wurde, und das, was die Weisen sagten, dass die Welt um Israels willen erschaffen wurde, ein und dasselbe ist. Nur besteht ein Unterschied zwischen dem Licht und dem Gefäß. Das Licht wird „Tora“ genannt, und das Gefäß zum Empfangen des Lichts wird „Israel“ genannt.

Und diese Sache wird im Buch „Pri Chacham“ (Teil 2, Blatt 64) erläutert, wo er die Sache „die Tora, Israel und der Schöpfer sind eins“ deutet. Und das sind seine Worte: „Und du siehst, dass das Geheimnis der oben genannten 620 Namen der 613 Mizwot der Tora und der 7 Mizwot der Weisen im Wesen die 5 Aspekte der Seele sind, nämlich NaRaNChaY. Denn die Gefäße der NaRaNChaY sind aus den oben genannten 620 Mizwot. Und die Lichter der NaRaNChaY sind das Wesen des Lichts der Tora, das in jedem einzelnen Mizwa ist. Es zeigt sich also, dass die Tora und die Seele eins sind. Aber der Schöpfer ist das Geheimnis des Lichts von Ejn Sof (Unendlichkeit), eingekleidet in das Licht der Tora, in die oben genannten 620 Mizwot.

Es zeigt sich also, dass der Aspekt „Israel“ und „Tora“ ein und dasselbe ist. Nur liegt der Unterschied darin, wovon man spricht – ob vom Licht oder vom Gefäß.

Doch die Ordnung der Arbeit ist folgende: Da wir bereits nach der Sünde am Baum der Erkenntnis geboren wurden, sind wir bereits in das Verlangen zu empfangen zum eigenen Nutzen versunken, worüber es den Zimzum und die Verhüllung gab. Deshalb beginnt unsere Ordnung der Arbeit im Aspekt der „Arbeit in lo liShma (nicht um ihretwillen)“. Das heißt, wenn wir beginnen, Tora und Mizwot zu erfüllen, müssen wir glauben, sogar in lo liShma. Denn ohne Glauben, sogar in lo liShma, kann man nichts tun.

Und überall, wo die Arbeit auf der Grundlage des Glaubens steht, ist diese Arbeit bereits schwer. Das heißt, nur dort, wo Lohn und Strafe offenbar sind, wird die Arbeit „innerhalb des Verstandes“ genannt, weil man die Ergebnisse sofort sieht.

Anders ist es, wenn Lohn und Strafe verhüllt sind und man nur an Lohn und Strafe glauben muss; dann ist sogar lo liShma eine große Anstrengung. Doch das ist noch nicht schlimm, weil es nicht gegen die Natur des Verlangens zu empfangen für sich selbst ist. Anders aber, wenn man zur Anhaftung gelangen will, die „um des Gebens willen“ genannt wird: Dann beginnt der Körper sich mit aller Kraft zu widersetzen, und ohne Hilfe von oben ist es unmöglich, der Herrschaft des Verlangens zu empfangen zu entkommen.

Und darüber sagten sie: „Ohne die Hilfe des Schöpfers könnte er ihn nicht überwinden.“ Und der Rat dafür ist die Tora, denn „das Licht in ihr bringt ihn zum Guten zurück“. Und danach, nachdem der Mensch der Gefäße des Gebens bereits würdig geworden ist, wird er des Aspekts würdig, der „die Namen des Schöpfers“ genannt wird. Das ist das Gute und der Genuss, die in Seinem gepriesenen Gedanken lagen, den Geschöpfen zu geben. Das ist, was sie sagten, dass der Grund für die Erschaffung der Welten darin liegt, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.

korrOp, EY, 10.08.2026, 02:50 Uhr, Ver3