1989/28 Wer muss wissen, dass ein Mensch die Prüfung bestanden hat?
Der Heilige „Sohar“ (BaMidbar, Blatt 2, und im HaSulam, Punkt 7) sagt, und dies sind seine Worte: „Als die Tora und die Stiftshütte errichtet worden waren, wollte der Schöpfer die Heere der Tora zählen – wie viele Heerscharen in der Tora, in Seir Anpin, und wie viele Heerscharen in der Stiftshütte sind. Aus diesem Grund werden Israel, die die Heerscharen von Seir Anpin und Malchut sind, in die Zählung aufgenommen, damit sie ihnen bekannt sind.“ So weit seine Worte.
Diese Sache gilt es zu verstehen: zu wissen, dass der Schöpfer Israel zählen wollte, um zu wissen, wie viele Heere es gibt. Wer ist es, der das wissen muss? Der Schöpfer? Ihm ist doch alles offenbar und bekannt. Und muss man sie wirklich unten ganz konkret zählen, damit Er die Zahl kennt? Wenn dem so ist – für wen kann man sagen, dass der Schöpfer gesagt hat, man solle Israel zählen, um die Zahl der Heerscharen von Seir Anpin und Malchut zu wissen, wie geschrieben steht: „Der Schöpfer wollte die Heere der Tora zählen, wie viele Heerscharen in der Tora sind“?
Nun stellte mein Vater und Lehrer, eine ähnliche Frage zu dem, was bei Abraham gesagt wird: „Und Er sprach: Strecke deine Hand nicht aus gegen den Jungen und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest.“ Und er fragte: Wusste denn der Schöpfer, nicht schon vor der Prüfung, dass Abraham Gott fürchtet? Wenn dem so ist, was bedeutet dann „denn nun weiß ich“? Und er sagte, die Bedeutung sei: „denn nun weiß ich“ – dass du weißt, dass du Gott fürchtest, da du die Prüfung bestanden hast.
Doch es gilt zu verstehen, wozu der Mensch wissen muss, dass er Gott fürchtet. Dadurch hat er ja die Möglichkeit, Befriedigung in der Arbeit zu empfangen, denn was gibt es sonst noch in der Welt zu tun? Es sagten doch unsere Weisen, (Berachot 33), und dies sind ihre Worte: „Rabbi Chanina sagte: Alles ist in den Händen des Himmels, außer der Ehrfurcht vor dem Himmel.“ Das heißt, alles tut der Schöpfer. Und was bleibt dem Menschen zu tun? Das ist allein die Ehrfurcht vor dem Himmel, wie gesagt wurde: „Und nun, Israel, was fordert der Ewige, dein Gott, von dir, außer dass du Ihn fürchtest“. Wenn dem so ist, wozu muss der Mensch die Prüfung durchlaufen, damit er weiß, dass er Gott fürchtet? Wäre es nicht besser, er wüsste nicht, ob er Gott fürchtet, und dies gäbe ihm den Antrieb, die heilige Arbeit zu mehren, um dahin zu gelangen, dass er Gott fürchtet?
Nun sehen wir, dass unsere Weisen, sagten (Berachot 61b), und dies sind ihre Worte: „Rava sagte: Der Mensch soll in seiner Seele wissen, ob er ein vollkommener Gerechter ist oder nicht.“ Und auch hier stellt sich dieselbe Frage: Wozu muss der Mensch seinen Zustand kennen? Er wird doch aus diesem Wissen Befriedigung empfangen – wenn dem so ist, welchen Nutzen für die Arbeit hat dieses Wissen?
Und um all dies zu verstehen, müssen wir uns an die zwei Grundsätze erinnern, die wir in der heiligen Arbeit haben:
1. Es ist das Schöpfungsziel, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, das heißt, dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen. Und bevor man zu dieser Stufe gelangt, Gutes und Genuss zu empfangen, hat man noch nicht seine Vollkommenheit erreicht, also das Schöpfungsziel.
2. Es ist die Korrektur der Schöpfung. Bekanntlich wurde, damit es nicht zur Sache des „Brotes der Scham“ (Nahama de Kissufa) kommt – das heißt, damit die Geschöpfe beim Empfangen des Guten und des Genusses kein Unbehagen empfinden – eine Sache der Einschränkung (Zimzum) und der Verhüllung bewirkt, sodass sie das Gute und den Genuss, die im Schöpfungsziel liegen, nicht empfinden, damit dies ihnen Raum gibt, zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten. Und damit weicht die Scham vom Menschen, da alles, was er in der Welt genießt, nicht seine Absicht zum eigenen Nutzen ist, sondern weil der Schöpfer will, dass die Geschöpfe in der Welt genießen. Und nur aus diesem Grund genießen sie. Für sich selbst aber – das heißt, dass er genießt, weil er genießen will – darauf will er nicht empfangen und verzichtet auf alle Genüsse der Welt.
Und das bedeutet, dass er nichts zum eigenen Nutzen empfangen will, sondern bei jeder Sache denkt: Wenn aus dem Empfangen des Genusses, den er jetzt genießt, ein Wohlgefallen nach oben entsteht, nur dann empfängt er die Freude und den Genuss; andernfalls verzichtet er. Dies wird „Korrektur der Schöpfung“ genannt, das heißt, dass das Schöpfungsziel in einer Einkleidung empfangen wird, wobei diese Einkleidung nicht zulässt, dass beim Empfangen des Genusses die Scham eintritt. Und diese Einkleidung wird „Verlangen zu geben“ genannt.
Und mit dem Gesagten verstehen wir die Sache der Ehrfurcht, was sie in der Arbeit ist, denn über die Ehrfurcht sagten sie: „Alles ist in den Händen des Himmels, außer der Ehrfurcht vor dem Himmel.“ Und warum ist sie nicht in den Händen des Himmels? Wie wir lernen, schreiben wir alle Gaben dem Schöpfer zu, das heißt, dass der Schöpfer den Geschöpfen alles gibt. Nicht zu geben hingegen, das gehört nicht zum Schöpfer, da Sein Wille es ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Und da die Bedeutung der Ehrfurcht so ist, wie in der Einführung in das Buch „Sohar“ steht (Blatt 191 und im HaSulam, Spalte 2), und dies sind seine Worte: „Ehrfurcht ist, dass er sich fürchtet, er könnte darin nachlassen, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.“
Und aus diesem Grund hält er sich davon zurück, zu bitten, dass der Schöpfer ihm Gutes und Genuss zukommen lasse – es könnte ja sein, dass dies nicht zum Nutzen des Schöpfers, sondern zum eigenen Nutzen geschieht, was so bezeichnet wird, dass die Fülle zu den Klipot (Schalen) geht. Es zeigt sich, dass die Ehrfurcht, nicht zu empfangen, den Menschen betrifft, das heißt, dass der Mensch aus Ehrfurcht nicht empfangen will, da es vielleicht nicht um des Himmels willen ist. Dies, also diese Arbeit, gehört dem Menschen. Das heißt, die Sache, nicht zu empfangen, um zu empfangen, schreiben wir den Unteren zu; vonseiten des Schöpfers nämlich ist es nur Geben.
Und dies wird der Name HaWaYaH genannt, in dem es keinerlei Veränderung gibt, wie geschrieben steht: „Ich, HaWaYaH, habe Mich nicht verändert“, sondern Er will immer geben. Daher gehört die Ehrfurcht, in der er sich fürchtet zu empfangen, den Geschöpfen. Und dies ist ihre ganze Arbeit. Und alle Korrekturen, die es in der Welt gibt, drehen sich allesamt um diesen Punkt, nämlich uns selbst zu korrigieren und zu einer Stufe zu gelangen, auf der man nichts zum eigenen Nutzen empfängt, sondern wie unsere Weisen sagten: „Alle deine Taten sollen um des Himmels willen sein.“
Und mit dem Gesagten lässt sich dieses Wissen, dass er gottesfürchtig ist, deuten. Der Mensch muss es wissen, damit er jetzt das Verlangen hat, hinzugehen und den Schöpfer zu bitten, dass Er ihm das Licht der Tora gebe, in dem der wahre Genuss liegt, der „Sein Wille, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt wird – und zwar deshalb, weil er an sich selbst sieht, dass er bereits mehrere Prüfungen durchlaufen und in ihnen bestanden hat, aus dem Grund, dass er bereits Ehrfurcht vor dem Himmel hat, das heißt, dass er sich seiner selbst bereits sicher ist, dass alles, was er empfangen wird, mit der Absicht zu geben sein wird; andernfalls hätte er in seinen Prüfungen nicht bestanden. Denn all das, dass der Mensch in einer Prüfung nicht bestehen kann, kommt daher, dass er noch im Verlangen, für sich selbst zu empfangen, versunken ist. Anders aber bei einem Menschen, der sich bereits davon entfernt hat, Genüsse zum eigenen Nutzen zu empfangen: Bei jedem Genuss schaut er vielmehr zuerst, welches Wohlgefallen dem Schöpfer daraus erwächst, dann empfängt er den Genuss.
Dies wird „denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest“ genannt, das heißt, dass der Mensch dieses Wissen bereits hat. Dann wird dieser Zustand „Geben mit der Absicht zu geben“ genannt. Und danach, wenn er diese Stufe der Ehrfurcht vor dem Himmel bereits erworben hat, wie oben gesagt, was „Arbeit des Menschen“ genannt wird, dann muss der Mensch vorwärtsgehen und den Schöpfer bitten, dass Er ihm das Gute und den Genuss gebe, die Er den Geschöpfen geben will, da er dem Schöpfer Genuss bereiten will. Und sein Genuss liegt darin, dass Sein Gedanke zur Verwirklichung kommt, das heißt, dass die Geschöpfe von Ihm Gutes und Genuss empfangen – das ist seine ganze Freude. Und deswegen braucht der Mensch dieses Wissen.
Und mit dem Gesagten lässt sich deuten, was wir gefragt haben zu dem, was der Heilige „Sohar“ sagt: „Als die Tora und die Stiftshütte errichtet worden waren, wollte der Schöpfer die Heere der Tora zählen, wie viele Heerscharen in der Stiftshütte sind.“ Und wir fragten: Für wen ist dieses Wissen? Weiß denn der Schöpfer es nicht, auch wenn man nicht ganz konkret zählt? Und die Antwort ist wie oben bei Abraham: „denn nun weiß ich“ bedeutet, dass der Schöpfer jetzt weiß, dass auch Abraham weiß, dass er Gott fürchtet.
Wie dort lässt es sich auch hier auf dem oben genannten Weg deuten, das heißt, dass das Volk Israel dieses Wissen haben muss, damit sie jetzt wissen, zu welcher Stufe sie gehören, ob zur Eigenschaft der Tora oder zur Eigenschaft der Stiftshütte. Denn die Sache von Tora und Stiftshütte, sagt er dort, ist die Sache von Seir Anpin und Malchut, was die Sache der „Vereinigung des Heiligen, mit Seiner Shechina (göttlichen Gegenwart)“ bedeutet. Daher sagte der Heilige „Sohar“: „wie viele Heerscharen in der Tora sind“, das heißt, dass sie wissen, zu welcher Stufe sie gehören; „wie viele Heerscharen in der Stiftshütte sind“, das heißt, wie viele Menschen von ihnen zur Eigenschaft der Shechina gehören. Es zeigt sich, dass die ganze Sache der Zählung nur für das Wissen des Menschen ist; anders der Schöpfer, der gewiss alles weiß, ohne dass man ganz konkret zählt.
Es zeigt sich, dass das Wesentliche ist: Der Mensch muss wissen, zu welchem Zustand er gehört. Und wie Rava sagte: „Der Mensch soll in seiner Seele wissen, ob er ein vollkommener Gerechter ist oder nicht.“ Und all dies ist dazu da, dass der Mensch weiß, ob er auf dem richtigen Weg geht, das heißt, dass er weiß, was ihm obliegt zu tun, um zu dem Ziel zu gelangen, um dessentwillen er erschaffen wurde, und wie sie sagten: „damit wir uns nicht vergeblich abmühen“.
Und um zu verstehen, wie der Mensch gewohnt ist, sich von der Allgemeinheit mitziehen zu lassen, und damit der Mensch die Kraft hat, aus dem herauszutreten, was bei der Allgemeinheit üblich ist, und auf eine persönliche Weise zu arbeiten – das heißt, dass er auf persönliche Weise versteht, was ihm zu tun obliegt – und wie der Mensch besondere Vorsicht braucht, wie er sich davor bewahren kann, dass er gewohnt ist, nur zum eigenen Nutzen zu arbeiten, will ich hier eine Geschichte vom Seher von Lublin, anführen, die im Buch „Sichot Chajim“ (Blatt 34) angeführt wird, und dies sind seine Worte:
Der Rabbi von Mogielnica erzählte, dass einst, als der Rabbi von Lublin, in der Nacht des heiligen Shabbat vor dem Kiddusch (Segensspruch zu Beginn des Shabbat) in seinem Zimmer eingeschlossen war, der Rabbi plötzlich die Tür öffnete, und das Haus war voll von Rebbes und Ältesten unter seinen größten Schülern. Und der Rabbi wandte sich an sie und sprach zu ihnen: Siehe, es steht geschrieben: „Und Er vergilt denen, die Ihn hassen, ins Angesicht, um sie zu vernichten.“ Und seine Übersetzung lautet: Und Er vergilt denen, die Ihn hassen, die guten Taten, die sie in dieser Welt tun, um sie aus der kommenden Welt zu vertilgen (Erklärung: dass der Schöpfer denen, die Ihn hassen, die guten Taten vergilt, die sie in dieser Welt getan haben, um sie zu vertilgen, sodass sie keine kommende Welt haben). Wenn dem so ist, frage ich euch: Schön und gut – wenn der Frevler nach der Begierde des Geldes giert, vergilt man ihm mit viel Geld. Und wenn der Frevler nach der Begierde der Ehre giert, gibt man ihm viel Ehre. Aber wenn der Frevler weder Ehre noch Geld liebt, sondern Stufen liebt oder liebt, ein Rav oder ein Rebbe zu sein – womit vergilt man ihm? Mit den guten Taten, die er in dieser Welt getan hat, um ihn aus der kommenden Welt zu vertilgen (Erklärung: womit vergilt man jenen Menschen, die in dieser Welt Gutes getan haben, sodass sie keine kommende Welt haben?). Es ist daher gewiss so: Wer liebt, ein Rebbe oder ein Rav zu sein, dem gibt man es vom Himmel, und wer Stufen liebt, dem gibt man Stufen, damit er die kommende Welt verliert. Und sofort schloss er die Tür. So weit die Geschichte.
Und aus dieser Geschichte sehen wir, dass es Menschen gibt, die denken, sie seien vollkommen darin, dass sie auf Begierden verzichten und auf Ehre verzichten, und sie blicken auf Menschen, die in Begierden oder in Ehre versunken sind, herab, als lohne es sich nicht, sie anzusehen, und besonders, mit ihnen zu reden. Das heißt, sie sehen, dass Menschen, die Tora und Mizwot erfüllen, um ihr Verlangen zu empfangen zu erfüllen – wobei es sich gewiss um Begierden handelt, in denen kein Verbot liegt, sonst würden sie nicht so genannt, dass sie gute Taten tun. Und ebenso jene, die Tora und Mizwot erfüllen, damit ihnen Ehre zuteilwerde; und sie, das heißt diese Menschen, die hohe Stufen wollen oder ein Rav oder ein Rebbe sein wollen, denken gewiss, dass sie dies zum Wohl der Allgemeinheit wollen.
Da sagte der Seher von Lublin, über sie, dass sie „die den Schöpfer hassen“ genannt werden. Aber da sie sich letzten Endes mit Tora und Mizwot befassten, vergilt ihnen der Schöpfer Lohn nach dem, was sie wollen, das heißt nach dem, wie sie zum Schöpfer beten, dass Er ihnen gebe. Und es zeigt sich, dass der Schöpfer ihre Bitten erfüllt. Doch sie müssen wissen: Das, was sie empfangen, ist deshalb, weil der Schöpfer ihre Forderung erfüllt. Aber sie müssen wissen, dass sie dadurch, dass sie wollen, dass der Schöpfer ihre Forderung erfüllt, die kommende Welt verlieren, da sie dadurch „die den Schöpfer hassen“ genannt werden, wie geschrieben steht: „Und Er vergilt denen, die Ihn hassen, ins Angesicht, um sie zu vernichten.“ Das heißt, sie müssen wissen, dass sie dadurch, dass sie ihre Forderung empfangen, das heißt, dass Er ihnen erfüllt, was sie wollen, damit die kommende Welt verlieren.
Und hier gilt es, zwei Dinge zu verstehen:
1. Warum müssen sie, wenn sie in dieser Welt Lohn empfangen, die kommende Welt verlieren? Es sagten doch unsere Weisen, (Berachot 8a): „Größer ist, wer von der Mühe seiner Hände genießt, als der, der Ehrfurcht vor dem Himmel hat.“ Denn bei dem, der Ehrfurcht vor dem Himmel hat, steht geschrieben: „Glücklich der Mann, der den Ewigen fürchtet“, während bei dem, der von seiner Mühe genießt, geschrieben steht: „Wenn du von der Mühe deiner Hände isst, bist du glücklich in dieser Welt, und es geht dir gut in der kommenden Welt.“ Wir sehen also, dass jemand, der Lohn in dieser Welt hat, nicht zwangsläufig die kommende Welt verliert. Und warum sagt man bei denen, die den Schöpfer hassen, dass jemand, der Lohn in dieser Welt empfängt, verliert?
2. Es gilt zu verstehen: Wenn er Tora und Mizwot erfüllt, was „gute Taten“ genannt wird, warum wird er dann „der den Schöpfer hasst“ genannt? Nun sehen wir, dass der böse Trieb (Jezer haRa) „Hasser“ genannt wird, wie geschrieben steht: „Wenn dein Hasser hungrig ist, speise ihn mit Brot.“
Und es gilt zu verstehen, warum der böse Trieb der Hasser des Menschen ist. Im Gegenteil doch: Er rät dem Menschen, Übertretungen zu begehen, nicht damit der Mensch sich kasteit, sondern damit er Genuss hat. Wenn dem so ist, sollte der, der dem Menschen Genuss bringt, gewiss mit dem Namen Liebender bezeichnet werden – und warum wird er Hasser genannt?
Vielmehr müssen wir im Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) glauben, die sagten, dass unsere ganze Arbeit in dieser Welt darin besteht, der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer würdig zu werden, das heißt dessen, was in Seinem Willen, liegt, den Geschöpfen Gutes und Genuss zu geben, was „Schöpfungsziel“ genannt wird. Und es ist unmöglich, es uns zu geben, bevor wir unser Verlangen zu empfangen korrigieren, sodass es mit der Absicht zu geben ist; andernfalls hätten wir, wie bekannt, die Eigenschaft der Scham.
Daher brauchen wir die Eigenschaft der Anhaftung, die „Gleichheit der Form“ genannt wird, das heißt, dass alles, was wir an Gutem und Genuss vom Schöpfer empfangen wollen, nicht zu unserem eigenen Nutzen ist, denn wir wollen unseren eigenen Herrschaftsbereich aufheben, sodass es ihn nicht gibt, sondern nur den Herrschaftsbereich des Einzigen, der der Herrschaftsbereich des Schöpfers ist. Und dann werden wir den wahren Genuss haben, dadurch dass „Er sprach, und Sein Wille geschah“, das heißt, dass der Wille des Schöpfers tatsächlich zu seiner Vollkommenheit gelangt, nämlich dass die Geschöpfe empfangen können, was der Schöpfer ihnen geben will, also das Gute und den Genuss.
Es zeigt sich, dass der böse Trieb, der den Menschen dazu verleitet, nicht zum Nutzen des Schöpfers, sondern zum eigenen Nutzen zu arbeiten, dem Menschen damit Böses verursacht. Daher wird er „böser Trieb“ genannt. Und mit dem Gesagten verstehen wir die Frage, warum der Mensch, wenn er Tora und Mizwot erfüllt und gute Taten tut – und der Beweis dafür, dass es gute Taten sind, ist, dass der Schöpfer ihm für die guten Taten vergilt, wie oben – dennoch „der den Schöpfer hasst“ genannt wird, wie geschrieben steht: „Und Er vergilt denen, die Ihn hassen, ins Angesicht, um sie zu vernichten.“ Das ist deshalb, weil er zwar gute Taten tut, dies aber nicht aus Liebe zum Schöpfer geschieht, sondern weil er glaubt, dass der Schöpfer ihm dafür Lohn geben wird; und nicht aus dem Grund, dass er den Schöpfer liebt, arbeitet er und erfüllt Tora und Mizwot, sondern aus dem Grund des eigenen Nutzens.
Doch es gilt zu verstehen:
1. Muss denn jemand, der bei seinem Nächsten arbeitet und dessen Absicht auf den Lohn gerichtet ist, der ihm nicht dient und der seine Befehle nicht aus Liebe ausführt und erfüllt, weil er ihn liebt – muss er deswegen „sein Hasser“ genannt werden? Man kann nur sagen, dass er nicht aus Liebe bei ihm arbeitet, sondern weil der Mensch sich selbst liebt. Aber warum wird er „der den Schöpfer hasst“ genannt? Das heißt, wodurch wird er zu einem, der den Schöpfer hasst, wenn er zum eigenen Nutzen arbeitet?
2. Was hat es mit der Mizwa der Liebe zum Schöpfer auf sich? Will denn der Schöpfer, dass wir Ihm Liebe geben? Bedarf Er denn unserer Liebe? Hat Er denn einen Mangel, dass Er uns deswegen geboten hat, Ihn zu lieben, wie geschrieben steht: „Und du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben“? Und die Antwort ist, dass dies, dass Er uns geboten hat, Ihn zu lieben, zu unserem Wohl ist. Das heißt, dass wir, dadurch dass wir Ihn lieben, deswegen Tora und Mizwot erfüllen. Mit anderen Worten: Dass wir Tora und Mizwot erfüllen, ist deshalb, weil wir Ihm Genuss bereiten wollen, dass Er Wohlgefallen habe, denn von Natur aus verpflichtet die Liebe zu dem, den man liebt, dazu, dass man will, dass er Wohlgefallen habe.
Gleich der Liebe der Eltern zu ihren Kindern, die wollen, dass die Kinder Genuss haben, und sich bemühen, den Kindern zu geben, weil sie sie lieben, damit sie das Leben genießen. Und das Gleichnis bedeutet: dass dies, dass sie Tora und Mizwot erfüllen, aus der Liebe geschieht, die sie zum Schöpfer haben, und sie wollen daher keinerlei Gegenleistung zurück. Und daher werden sie all das Gute und den Genuss, die der Schöpfer ihnen geben will, nicht in Gefäßen des Empfangens (Kelim deKabbala) empfangen, sondern in Gefäßen des Gebens (Kelim deHashpaa), das heißt, sie empfangen das Gute und den Genuss, da sie wissen, dass der Schöpfer daran Genuss hat, dass das Schöpfungsziel, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, zur Verwirklichung kommt, so wie Er es will – das heißt, dass darin Vollkommenheit liegt, dass sie das Gute und den Genuss empfangen, ohne dass in ihnen die Eigenschaft der Scham ist.
Und demnach ergibt sich, dass derjenige, der Tora und Mizwot um des Lohnes willen erfüllt, das heißt, der eine Gegenleistung will, „der den Schöpfer hasst“ genannt wird, aus dem Grund, dass er es ist, der den Schöpfer stört, der das aufhält, was der Schöpfer den Geschöpfen geben will, was der Genuss des Schöpfers ist; und dieser Mensch hält das Ziel auf, sodass es nicht zur Verwirklichung kommt, da dort das Kli (Gefäß) und die Einkleidung fehlen, die die Scham beim Empfangen der Fülle fernhalten. Daher wird er „der den Schöpfer hasst“ genannt.
Und der Mensch muss an die Worte unserer Weisen glauben, die sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man“, deren Bedeutung ist: dass der Mensch, nachdem er gekommen ist, sich zu reinigen, das heißt, dass er fühlt, dass er sich in Unreinheit (Tuma) befindet und noch fern von der Heiligkeit (Kedusha) ist, sagen muss: Dieses Wissen kommt von oben. Das heißt, dass dies, dass er kam, sich zu reinigen, daher kommt, dass er Hilfe von oben empfangen hat und man ihm kundtat, dass er fern von der Heiligkeit ist.
Das heißt, dieses Wissen muss er hochschätzen und sagen, dass dies „Offenbarung von oben“ genannt wird, dass man ihm kundtat, dass er an sich selbst ein Unbehagen darüber empfinden soll, dass er von der Heiligkeit entfernt ist. Mit anderen Worten: Gewöhnlich sorgt sich der Mensch nicht um den Mangel des Fehlens der Anhaftung an den Schöpfer. Denn über jede Sache ist der Mensch fähig, einen Mangel zu empfinden, und es schmerzt ihn, was ihm fehlt; doch einen Schmerz darüber zu spüren, dass er fern vom Schöpfer ist – obwohl der Mensch fern ist, achtet er nicht darauf, denn er hat wichtigere Sorgen, deren Mangel er empfindet.
Nur manchmal kommt der Mensch zu einem Empfinden, dass er tatsächlich beginnt, die Eigenschaft der Scham zu empfinden, dadurch dass er sich in einem Zustand der Niedrigkeit befindet. Und davor, das heißt vorher, obwohl er sich auch damals in diesem Zustand befand, achtete er nicht darauf. Und dann muss der Mensch glauben, dass dies ihm von oben kommt, von der Eigenschaft „wer kommt, um sich zu reinigen“. Das heißt, warum er jetzt kommt, sich zu reinigen, und seinen Zustand der Niedrigkeit nicht ertragen kann – er muss sagen, dass dies ihm von oben kommt.
Doch der Mensch darf nicht sagen: Ich werde warten, bis mir dieses Wissen von oben kommt, dann werde ich denken, dass ich mich reinigen muss. Dazu sagte mein Vater und Lehrer, dass der Mensch vor der Tat sagen muss: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?“ Das bedeutet, dass nur ich selbst mir selbst helfen kann, das heißt, wenn ich mich selbst überwinde und Taten vollbringe, die zur Anhaftung führen. Anders aber danach, das heißt nach der Tat: Da muss der Mensch sagen, dass alles von oben kam, und es ist verboten zu sagen: „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand haben mir diesen Reichtum verschafft.“
Und nun sehen wir, dass der Mensch einerseits sagen muss – bei allen Prüfungen, in denen der Mensch in der Prüfung bestanden hat, muss der Mensch einerseits wissen, dass der Mensch ein mächtiger Held ist, wie oben: „denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest“, das heißt, dass der Mensch der Held ist. Und andererseits muss er sagen: Der Schöpfer hat mir geholfen. Aber von welcher Seite auch immer er sieht, dass er die Prüfung bestanden hat – dieses Wissen gibt dem Menschen die Zuversicht, dass er jetzt vom Schöpfer fordern kann, dass Er ihn gehen und zum Ziel gelangen lasse.
korrOp, EY, 8.7.2026, Ver3