Artikel 22, 1989
1989/22 Warum werden vier Fragen speziell in der Pessachnacht gestellt?
Die Logik gebietet, wie wir sehen: Wann stellt ein Mensch Fragen? Wenn er sich in einem Mangel befindet, dann stellt er Fragen, warum er darunter leiden muss, dass er nicht hat, was ihm seinem Verständnis nach fehlt. Und er kommt mit Beschwerden und Forderungen zum Schöpfer und fragt, warum er Leiden ertragen muss. Aber wenn der Mensch sich in einem Zustand befindet, in dem er alles Gute hat, welche Fragen gibt es dann zu stellen, wenn er sich frei fühlt und durch nichts versklavt ist – sodass er auch nicht empfände, dass etwas, das ihm fehlt, ihm Kummer bereitet und ihm einen Anlass gäbe zu fragen: warum?
Daher muss man verstehen, warum wir gerade in der Pessachnacht, die das Fest der Freiheit ist, Fragen stellen. Sie werden „vier Fragen“ genannt, also vier Mal „warum“ – gerade dann, wenn es an nichts mangelt. Und nach dem, was der heilige ARI sagt, ist die Pessachnacht von größerer Ganzheit als die Shabbat-Nacht. Er sagt nämlich, in der Shabbat-Nacht gibt es einen Aufstieg von Malchut zu Mochin de Neshama, wohingegen es in der Pessachnacht einen Aufstieg von Malchut zu Mochin de Chaja gibt, ähnlich dem Shabbat-Tag (siehe dort in Shaar HaKawanot). Also muss man verstehen, warum wir gerade in der Zeit der Ganzheit Fragen stellen. Sicherlich gibt es darauf viele Antworten, und wir wollen dies auf dem Weg der Arbeit auslegen.
Bekanntlich dient unsere Arbeit in der Tora und den Mizwot, die uns gegeben wurde, dazu, dass wir uns durch sie selbst korrigieren, sodass wir würdig werden, Gutes und Genuss zu empfangen, denn dafür wurde der Mensch erschaffen. Bekanntlich ist das Schöpfungsziel, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Doch damit es beim Empfangen der Genüsse nicht zur Scham kommt – was daher rührt, dass jeder Zweig seiner Wurzel gleichen will, und da die Wurzel, wie gesagt, den Geschöpfen gibt –, so besteht ein Formunterschied zwischen dem Gebenden und dem Empfänger. Und das verursacht in uns die Scham.
Um dies zu korrigieren, wurden daher ein Zimzum (Einschränkung) und eine Verhüllung über die obere Führung gelegt. Das heißt, dadurch, dass ein Zimzum und eine Verhüllung geschahen, wurde ein Ort geschaffen, von dem aus wir dem Schöpfer so fern sind, dass dies uns ein geringes Verständnis Seiner Führung über Seine Geschöpfe verursacht, wie es in der Einführung zum Talmud Esser haSefirot geschrieben steht (Punkt 42, 43). Dort sagt er, dass, wenn die Führung enthüllt wäre – sodass zum Beispiel jeder, der etwas Verbotenes isst, sofort an Ort und Stelle ersticken würde, und jeder, der eine Mizwa ausführt, in ihr den wunderbaren Genuss fände, ähnlich den allervorzüglichsten Genüssen dieser materiellen Welt –, welcher Unvernünftige würde dann auch nur daran denken, etwas Verbotenes zu kosten, wenn er wüsste, dass er dadurch sofort sein Leben verlieren würde, oder einen großen materiellen Genuss, der ihm in die Hand fällt, aufzuschieben, ohne ihn zu empfangen. Es zeigt sich, dass der Zimzum und die Verhüllung, die geschahen, um die Sache der Scham zu korrigieren, uns all die Mühen und die Entfernung vom Schöpfer verursachen.
Und nach dem Gesagten, dass der Zimzum und die Verhüllung zum Nutzen des Unteren geschahen, gibt es keinen Anlass, Fragen über die Führung zu stellen, warum der Schöpfer mit uns auf diese Weise umgeht, wie es uns vor Augen erscheint, dass wir das Gute nicht sehen und Exil, Armut und dergleichen erleiden. Das heißt, jeder hat Beschwerden gegen den Schöpfer, warum Er mit einer für unsere Augen unenthüllten Führung lenkt, die doch nur gut ist. Daher ist es verboten, üble Nachrede über Seine Führung zu reden, wie Er mit den Geschöpfen umgeht. Vielmehr müssen wir im Glauben über dem Verstand glauben, dass es genau so sein muss, wie es uns vor Augen erscheint. Und in dem, was wir empfinden, müssen wir auf den Wegen der Tora gehen, in dem, was die Weisen uns lehrten, wie man sich in all diesen Empfindungen verhalten soll, die wir empfinden, und über sie auf dem Weg des Glaubens über dem Verstand sagen: „Augen haben sie und sehen nicht“, wie im Artikel aus dem Jahr 5703 (1943) geschrieben steht, siehe dort.
Und das Verbot der üblen Nachrede ist bekannt, doch ist es allgemein angenommen, dass die Sache der üblen Nachrede, die so schlimm ist, zwischen einem Menschen und seinem Nächsten besteht. In Wahrheit aber besteht die üble Nachrede hauptsächlich zwischen dem Menschen und dem Schöpfer, wie geschrieben steht (Shemot Rabba, Kapitel 3, 12), und dies sind seine Worte: „Moses erfasste die Tat der Schlange, die üble Nachrede über ihren Schöpfer äußerte, wie gesagt ist: ‚Denn Gott weiß, dass an dem Tag, da ihr davon esst, eure Augen geöffnet werden und ihr wie Gott sein werdet, erkennend Gut und Böse.‘“
Und nach dem Gesagten verstehen wir, worin die ganze Schwere der üblen Nachrede liegt, mehr als bei den übrigen Dingen. Denn die üble Nachrede stammt hauptsächlich von der Schlange, die üble Nachrede über den Schöpfer äußerte und ihm sagte: Das, was der Schöpfer dir geboten hat, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, sondern dass dies in Verborgenheit und Verhüllung bleiben soll – darüber sagte ihm die Schlange, man brauche nicht zu hören, was Er dir gesagt hat, dass der Baum der Erkenntnis vor den Unteren verborgen bleiben muss. Vielmehr war ihr Argument, dass alles offenbar sein muss.
Und das war die Sache der üblen Nachrede der Schlange. Es zeigt sich, dass sie über die Führung sprach, dass es nicht in Ordnung ist, dass der Schöpfer mit den Geschöpfen in einer unenthüllten Führung umgeht. In Wahrheit aber ist die Sache der Verhüllung nur dazu da, damit die Geschöpfe die Fähigkeit haben, das Gute und den Genuss ohne Scham zu empfangen. Und das kann nur dadurch geschehen, dass die Geschöpfe alles um des Himmels willen empfangen, das heißt, dass die ganze Sache des Empfangens mit der Absicht zu geben geschieht. Daraus folgt, dass das, worüber die Schlange üble Nachrede äußerte, keine Einzelheit ist, sondern sie sprach über die ganze Korrektur, die an Malchut vollzogen wurde, damit die Unteren, die sich von ihr ableiten, zur Anhaftung (Dwekut) gelangen können, genannt Angleichung der Form, worin die Korrektur besteht, dass sie das Gute und den Genuss ohne jede Unannehmlichkeit empfangen können, die Scham genannt wird.
Wegen dieser Korrektur wurden uns Tora und Mizwot gegeben, durch die man aus der Eigenliebe heraustreten kann, die eine Abtrennung vom Schöpfer ist. Und man kann zur Angleichung der Form gelangen, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Und nach der üblen Nachrede, die die Schlange äußerte, sollte die Führung enthüllt sein, sodass alles offenbar wäre. Obwohl der Schöpfer Adam ausdrücklich sagte: „Vom Baum der Erkenntnis sollst du nicht essen“, muss diese Unterscheidung doch verdeckt sein, sodass erst am Ende der Korrektur die Fähigkeit besteht, diese Unterscheidung zu erleuchten – auch darüber sagte ihm die Schlange, er soll nicht auf die Stimme des Schöpfers hören.
Das heißt, nicht zum Nutzen des Menschen ließ der Schöpfer Seine Führung über die Geschöpfe so geschehen, dass die Unterscheidung „der Gute, der Gutes tut“ unenthüllt sei, sondern aus anderen Gründen. Daraus ergibt sich, dass die üble Nachrede der Schlange eine allgemeine Sache war. Das heißt, von all den Korrekturen, die wir durch die Wirkkraft von Tora und Mizwot vollziehen sollen, sagte sie, dass dies nicht zum Bedarf des Menschen sei.
Daher wiegt das Verbot der üblen Nachrede so viel schwerer als alle anderen Verbote, denn es ist eine Regel für die ganze Tora in ihrer Gesamtheit. Das heißt, mit dieser üblen Nachrede gibt es keinen Anlass, dass all die vollzogenen Korrekturen korrigiert werden. Da es also zwischen dem Menschen und dem Schöpfer so schwer wiegt, ist daher auch das Verbot zwischen einem Menschen und seinem Nächsten schwerwiegend, wie wir es zur Sache „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ besprochen haben, wovon Rabbi Akiwa sagte, dass dies eine große Regel in der Tora ist.
Somit gilt: Wer üble Nachrede äußert, der vollführt eine Handlung, die der Regel „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ entgegengesetzt ist. Daher ist die üble Nachrede zwischen einem Menschen und seinem Nächsten ebenfalls eine Regel. Daher ist das Verbot so schwerwiegend.
Und nach dem Gesagten lässt sich auslegen, was unsere Weisen sagten (Sanhedrin 38), und dies sind ihre Worte: „Und es sagte Raw Jehuda, es sagte Raw: Adam haRishon war ein Abtrünniger (Min).“ Und Rashi erklärte: „war ein Abtrünniger“ – er neigte zum Götzendienst. Und das ist sehr schwer zu verstehen, denn als Adam haRishon mit dem Heiligen, gepriesen sei Er, sprach – wie kann es da sein, dass einer, der mit dem Schöpfer spricht, ein Abtrünniger ist, dessen Herz zum Götzendienst neigt? Der Schöpfer sprach doch mit ihm, wie ist es also möglich, dass er irgendeinen Irrtum hätte, bis zu dem Grad, dass sein Herz zum Götzendienst neigte?
Vielmehr, wie oben gesagt: Der Schöpfer sagte ihm, dass der Baum der Erkenntnis verborgen sein muss und es verboten ist, ihn vor dem Ende der Korrektur zu enthüllen. Und als die Schlange zu ihm kam und sagte, er soll nicht auf die Stimme des Schöpfers hören in dem, was der Schöpfer vor ihm verbirgt – diesen großen Genuss, der sich im Baum der Erkenntnis befindet –, und er sich die üble Nachrede der Schlange zu Herzen nahm, das wird genannt: „war ein Abtrünniger“.
Und wie Rashi erklärte, dass sein Herz zum Götzendienst neigte, das heißt, dass sein Herz zu dem neigte, was die Schlange ihm sagte: dass es besser ist, wenn die Führung der Welt offenbar wäre, wie die Schlange ihm riet. Und das wird „Abtrünniger“ genannt, einer, dem Seine Führung nicht gefällt. Das heißt, er dachte nach dem Rat der Schlange, dass, wenn der Baum der Erkenntnis enthüllt wäre – wobei seine Absicht war, dass die Führung offenbar ist –, es dann viele gäbe, die sich mit der heiligen Arbeit beschäftigen, aus dem oben genannten Grund, dass alle Tora und Mizwot einhalten würden, weil alles in den Verstand eingekleidet wäre, innerhalb des Verstandes, und nicht alles über dem Verstand sein müsste.
Das heißt, seine Auslegung des Baums der Erkenntnis wäre, dass alles innerhalb des Verstandes enthüllt wäre. Und darauf kam das Gebot, nicht davon zu essen, das heißt, dass unsere Arbeit gegenüber dem Schöpfer über dem Verstand sein soll und nicht innerhalb des Verstandes, obwohl der Verstand gebietet, dass sich die Diener des Schöpfers vermehren würden, wenn alles innerhalb des Verstandes eingekleidet wäre.
Und das ist die Sache der üblen Nachrede der Schlange, die schlecht über die Führung sprach. Denn dass der Schöpfer die Arbeit für den Schöpfer in der Unterscheidung des Glaubens über dem Verstand einrichtete, bedeutet nicht, dass der Schöpfer nicht alles innerhalb des Verstandes hätte machen können, sondern wir müssen glauben, obwohl wir es nicht verstehen, dass dies die beste Führung ist. Und so sagte mein Vater und Lehrer, dass der Schöpfer den Weg des Glaubens über dem Verstand wählte, weil der Schöpfer weiß, dass dies der erfolgreichste Weg ist, durch den die Unteren die Möglichkeit haben, zum Ziel zu gelangen, genannt Anhaftung an den Schöpfer, die die Unterscheidung der Angleichung der Form ist, genannt: Empfangender mit der Absicht zu geben.
Und obwohl die Sache der Sünde am Baum der Erkenntnis von hohen Stufen handelt, die das Geheimnis des Lichtes vom Ende der Korrektur ist, wie es in der Einführung zu „Panim Meirot uMasbirot“ erläutert wird, so lässt sich dennoch in dem, was uns in der Arbeit betrifft, dies wie oben auslegen: nämlich derjenige, der üble Nachrede über die Führung äußert, der sagt, dass er nicht glauben will, dass Seine Führung über die Geschöpfe in der Unterscheidung „der Gute, der Gutes tut“ liegt, und dass man dies über dem Verstand glauben muss.
Vielmehr sagt der Mensch: Wenn die Führung enthüllt wäre, das heißt, wenn er in seinem Verstand sähe, dass der Schöpfer allen Geschöpfen in der Unterscheidung „der Gute, der Gutes tut“ gibt, und wenn dies innerhalb des Verstandes wäre, nur auf diese Weise wäre er fähig, Tora und Mizwot zu erfüllen. Und dies kommt aus der Wirkkraft der Sünde am Baum der Erkenntnis, dass der Mensch gerade innerhalb des Verstandes gehen will und nicht über dem Verstand glauben. Wenn er also nicht an die Unterscheidung „der Gute, der Gutes tut“ glaubt, zeigt sich, dass er üble Nachrede über den Schöpfer äußert, deren Wurzel zu der Zeit begann, als die Schlange zu Adam haRishon üble Nachrede über den Schöpfer äußerte, wie oben.
Und dass der Mensch innerhalb des Verstandes gehen will, das wird Sünde am Baum der Erkenntnis genannt. Und diese Sünde offenbart sich auf zwei Weisen, das heißt, dass sich daraus für uns zwei Fragen ableiten:
a. Die Frage des Pharao, der fragte: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören sollte“ – dass es ihm überhaupt schwerfällt zu gehen und etwas gegen den Verstand zu glauben. Und daraus leitet sich noch eine Sache ab, nämlich die zweite Frage: warum der Mensch zum Nutzen des Schöpfers arbeiten muss und nicht zu seinem eigenen Nutzen. Denn er fragt: Was werde ich dadurch gewinnen, dass ich um des Schöpfers willen arbeite und nicht zu meinem eigenen Nutzen?
Und nach dem Gesagten verstehen wir, was wir sehen: dass selbst nachdem der Mensch sich überwunden hat und sagte, dass er es auf sich nimmt, auf dem Weg der Wahrheit zu gehen, und beginnt, im Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) zu glauben, und der Verstand gebietet, dass er an jedem einzelnen Tag voranschreiten und vorwärtsgehen muss – und der Mensch sieht, dass es ganz das Gegenteil ist, dass er jeden Tag rückwärtsgeht. Dann gebietet der Verstand dem Menschen zu sagen, dass diese Arbeit, nämlich in der Unterscheidung des Gebens zu gehen, nicht für ihn ist. Vielmehr ist dies eine Arbeit für besonders Auserwählte. Und er versteht, dass es sich für ihn mehr lohnt, vom Schlachtfeld zu fliehen. Und was sagt man ihm? Dass er noch einmal im Glauben über dem Verstand gehen muss und nicht darauf schauen soll, wozu der Verstand ihn zu tun nötigt. Und wie im Artikel „Glaube an seinen Rabbi“ (aus dem Jahr 5703 (1943)) geschrieben steht, ist der Mensch nicht fähig, seinen wahren Zustand zu sehen, sondern er muss über dem Verstand gehen, und nur auf diese Weise kann man zum Ziel gelangen, der Anhaftung an den Schöpfer würdig zu werden.
Doch muss man verstehen, was es uns gibt, dass der Mensch innerhalb des Verstandes empfindet, dass er sich in einem Zustand des Rückwärts und nicht des Vorwärts befindet. Das heißt, zu welchem Bedarf muss der Mensch empfinden, dass er sich in einem Zustand des Abstiegs befindet, was ist der Nutzen davon? Und wir sehen, dass zur Zeit eines Zustandes des Aufstiegs, das heißt, wenn der Mensch ein Verlangen nach Spiritualität hat und nach den Genüssen dieser Welt, denen die ganze Welt nachjagt, um diese Genüsse zu erlangen, er darauf wie auf ein Ding schaut, das ohne Bedarf erschaffen wurde, das heißt, dass es besser gewesen wäre, wenn der Schöpfer alle Geschöpfe so erschaffen hätte, dass sie sich an spirituellen Dingen erfreuen. Was also hat der Mensch von diesen Gedanken der Abstiege gewonnen, dass er nach jedem Aufstieg zu einem Abstieg kommt? Daher fragt der Mensch immer, welches das Maß der Aufstiege und Abstiege ist und wozu man dies überhaupt braucht; es wäre doch besser gewesen, wenn der Mensch im Zustand des Aufstiegs geblieben wäre.
Vielmehr ist die Antwort: Weil man nichts wertschätzen kann, wenn man nicht die Wichtigkeit der Sache kennt. Das heißt, es gibt eine Regel: Der Genuss, den ein Mensch an einer Sache hat, hängt von der Wichtigkeit dieser Sache ab. Und manchmal gibt man dem Menschen etwas Wichtiges, und wenn er es zu schätzen wüsste, könnte er daraus einen großen Genuss empfangen. Und da er den Wert der Sache nicht kennt, kann der Mensch sich nur so weit erfreuen, wie er ihre Wichtigkeit versteht.
Zum Beispiel: Der Mensch kaufte irgendeinen Gegenstand, irgendein Buch, das nicht besonders schön gestaltet ist. Und dasselbe Buch, das neu gedruckt ist, kostete mehr. Und da er nicht viel Geld hatte, kaufte er daher dieses Buch. Und auch der Verkäufer kannte den Wert und die Wichtigkeit des Buches nicht, daher verkaufte er es ihm zu einem niedrigen Preis. Und nach einiger Zeit kam jemand in sein Haus und sah das Buch und sagte: Da dieses Buch vor dreihundert Jahren gedruckt wurde, ist dieses Buch daher ein großes Vermögen wert, denn es gibt nur drei solcher Bücher auf der Welt. Es zeigt sich, dass er jetzt, da er hörte, dass dieses Buch einen großen Wert hat, beginnt, sich an dem Buch zu erfreuen.
Und das Gleichnis bedeutet, dass wir nicht den Verstand haben, wie man die Wichtigkeit eines Aufstiegs schätzen soll. Das heißt, dass wir nicht den Verstand haben zu verstehen, wie viel ein einziger Augenblick wert ist, in dem wir die Kraft haben, an den Schöpfer zu glauben, und in dem wir ein wenig Empfindung von der Größe des Schöpfers haben, dass wir im Zustand des Aufstiegs das Verlangen haben, uns vor Ihm zu annullieren ohne jeden Verstand und jede Erwägung, sondern wie eine Kerze vor einer Fackel. Und folglich können wir uns nicht daran erfreuen, dass der Schöpfer uns näher brachte und uns ein wenig Annäherung gab. Und daraus müssten wir die Freude und den Aufschwung des Geistes empfinden, den dies uns bringen sollte; doch da in uns nicht die Wichtigkeit ist, dies wertzuschätzen, können wir uns daher daran nur nach der Wichtigkeit erfreuen, wie oben im Gleichnis.
Daher wurden uns Abstiege gegeben, damit wir einen Anlass haben, die Wichtigkeit der Aufstiege zu erlernen, wie geschrieben steht: „Wie der Vorzug des Lichtes aus der Finsternis“, denn gerade durch die Abstiege kann der Mensch dazu gelangen, die Aufstiege zu kennen und wertzuschätzen. Und dann kann er sich an den Aufstiegen erfreuen und zu der Empfindung kommen: „Denn sie sind unser Leben und die Länge unserer Tage.“ Anders aber zur Zeit, wenn der Mensch nicht den Bedarf für den Glauben kennt, denn er denkt, dass es ihm genügt, sich mit der Tora zu beschäftigen und die Mizwot zu erfüllen, um zur Kategorie der Diener des Schöpfers zu gehören – diesem gibt man von oben keine Abstiege, um die Aufstiege wertzuschätzen.
Denn da ihre Arbeit in der Unterscheidung der Äußerlichkeit liegt, das heißt, dass ihre Absicht nicht ist, in die Innerlichkeit einzutreten – das heißt, ihre Absicht ist nicht, sich gänzlich vor der Heiligkeit (Kedusha) zu annullieren, wobei „heilig“ bedeutet: abgesondert und getrennt von seinem eigenen Wesen, wie geschrieben steht: „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin Ich“, sodass es dann keinen anderen Herrschaftsbereich gibt als den Herrschaftsbereich des Schöpfers, weil der Untere sich vor der Wurzel annullieren will, und alles, was er versteht, wofür es sich zu leben lohnt, nur zum Nutzen des Schöpfers ist.
Und damit der Mensch in einem Zustand ist, in dem er nur leben will, damit der Schöpfer Wohlgefallen hat, dazu muss der Mensch sich einen großen Glauben an die Größe des Schöpfers erwerben, damit es sich lohnt, sich selbst zugunsten des Nutzens des Schöpfers zu annullieren. Und der Glaube, den er zur Zeit der Erziehung erwarb, genügt ihm nicht. Und mit dem Glauben, den er zur Zeit der Erziehung empfing, ist er bereits fähig, zu arbeiten und Tora und Mizwot in all ihren Einzelheiten und Feinheiten zu erfüllen. Und das rührt daher, dass er sich nicht vor dem Schöpfer annullieren muss, sondern er bittet den Schöpfer: Da er Tora und Mizwot erfüllt, die der Schöpfer uns durch Moses, unseren Lehrer, geboten hat, möge der Heilige, gepriesen sei Er, im Verdienst dessen all seine Wünsche erfüllen.
Denn er glaubt an Lohn und Strafe. Und sicher ist er, wie unsere Weisen sagten (Awot, Kapitel zwei, 21), und dies sind ihre Worte: „Wenn du viel Tora gelernt hast, so ist dein Dienstherr zuverlässig, dass er dir den Lohn deiner Tat bezahlen wird.“ Da also die Grundlage, die ihn zur Erfüllung von Tora und Mizwot verpflichtet, vom Lohn abhängt und nicht vom Geber des Lohnes, zeigt es sich, dass er sich nicht mit der Größe des Glaubens an den Schöpfer beschäftigen muss, sondern mit der Größe und Kleinheit des Lohnes. Daher gibt es dort nicht die Sache der Aufstiege und Abstiege, an die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers zu glauben, sondern es gilt dort nur die Sache, dass er sich mit der Tora und den Mizwot beschäftigt, oder dass er in der Erfüllung schwächer wird, weil er nicht immer an den Lohn glaubt.
Und das verursacht auch denen, die sich mit Tora und Mizwot mit der Absicht beschäftigen, Lohn zu empfangen, dass es manchmal vorkommt, dass sie sich unter Menschen befinden, die nicht an Lohn und Strafe glauben, die den Menschen mit ihren Gedanken beeinflussen können, und das verursacht ihm, Gott behüte, dass er sich sogar gänzlich vom Judentum entfernt. Daher müssen auch sie nicht mit Menschen in Berührung kommen, die frei in ihren Ansichten sind, da sie ihnen fremde Gedanken in der Sache des Glaubens an Lohn und Strafe bringen. Doch in der Regel gilt bei denen, die sich in lo liShma beschäftigen – das heißt nicht um des Gebens willen, sondern zum eigenen Nutzen –, nicht die Sache der Aufstiege und Abstiege, das heißt, es ist nicht nötig, dass es Abstiege gibt.
Anders ist es bei jenen Menschen, die aus dem Grund der Wichtigkeit des Schöpfers arbeiten wollen, die sich immer im Glauben an die Wichtigkeit und Größe des Schöpfers überwinden müssen, sodass nur die Wichtigkeit und Größe des Schöpfers es ist, die sie zur Erfüllung von Tora und Mizwot verpflichtet, um zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Und diese Menschen müssen immer die Größe des Schöpfers ermessen und wertschätzen.
Und sie müssen immer wertschätzen, dass, wenn sie ein wenig Halt in der Spiritualität haben, dies daher rührt, dass der Schöpfer sie näher bringt, und sie selbst für sich genommen zu nichts fähig sind, wenn sie nicht daraus einen Nutzen für sich selbst erwachsen sehen. Daraus folgt, dass die hauptsächliche Arbeit darin besteht, sich selbst zu annullieren, und das ist gegen die Natur, und dazu kann man nur durch Seine Rettung gelangen.
Somit denkt der Mensch zur Zeit des Aufstiegs, dass dies bereits natürlich ist und er jetzt keinen Bedarf hat, dass der Schöpfer ihm hilft. Daher wurde eine Korrektur vollzogen, genannt Abstiege, die dem Menschen immer die Größe seiner Kraft zeigen, was er aus eigener Kraft zu tun fähig ist. Und wie sieht er das? Indem man ihn aus seinem Zustand wirft, in dem er dachte, er ist bereits ein Mensch und nicht den Tieren gleich, die zu ihrem eigenen Nutzen arbeiten – und der Mensch kommt nicht einmal zu der Empfindung, dass man ihn in eine solche Niedrigkeit hinabwerfen will, und plötzlich sieht er danach, wie er sich in der niedrigsten Lage befindet.
Doch zur Zeit des Abstiegs sieht er nicht, wie er zu sinken beginnt, sondern zur Zeit, da er sinkt, bleibt er ohne Bewusstsein. Vielmehr, nach einer Zeit, nachdem er gesunken ist, kommt ihm auch eine Hilfe von oben, und man teilt ihm mit: Wisse, dass du dich jetzt in einem Abstieg befindest. Und bevor man ihm mitteilt, dass er sich in einem Zustand ohne Bewusstsein befindet, weiß er gar nichts. Doch auch dies muss der Mensch glauben, dass es so ist, das heißt, dass die Sache des Wissens nicht von selbst kommt. Allerdings muss der Mensch wissen, dass diese Abstiege ihm gegeben wurden, um daraus zu lernen, wie man den Zustand des Aufstiegs wertschätzt; nur zur Zeit des Abstiegs ist der Mensch nicht fähig, daraus etwas zu lernen.
Vielmehr hat er zur Zeit des Aufstiegs einen Anlass, eine wahre Abrechnung zu machen und zu sagen: Dass ich mich jetzt in der Unterscheidung des Glaubens befinde, das kommt mir von der Seite des Schöpfers, andernfalls würde ich sofort in einen Zustand der Eigenliebe sinken; und wenn er diese Abrechnung nicht macht, wirft man ihn sofort hinab. Und dem Schöpfer Dank zu sagen dafür, dass Er ihn näher brachte. Es zeigt sich, dass man keinen wahren Genuss aus der Annäherung an den Schöpfer erlangen kann, wenn man nicht weiß, dies wertzuschätzen, wie oben: „Wie der Vorzug des Lichtes aus der Finsternis.“
Es zeigt sich, dass, damit die Geschöpfe das Gute und den Genuss empfangen und dies empfinden, all diese Abstiege geschehen mussten, die genannt werden: Unterscheidung des Exils. Und das wird genannt: „die Shechina (die göttliche Gegenwart) im Exil“ oder „die Shechina im Staub“, denn nur dadurch wird der Mensch Kelim (Gefäße) haben, um das Gute und den Genuss zu empfinden.
Und nach dem Gesagten verstehen wir, warum gerade zur Zeit der Freiheit, die die Pessachnacht ist, die der Gipfel der Ganzheit ist, wie der heilige ARI sagt, dass Malchut dieselbe Größe hat, wie Malchut Mochin de Chaja hat, so ist es in der Pessachnacht.
Die Antwort ist: dass gerade zur Zeit des Aufstiegs, wenn man dann an irgendwelche Abstiege denkt, man dann die Fähigkeit hatte, die Wichtigkeit der Aufstiege herauszuholen. Andernfalls gleicht dies dem, dass man dem Menschen ein Ding gibt, das ein großes Vermögen wert ist, und er nutzt es und erfreut sich daran, als wäre es einige Pruta wert.
Daraus ergibt sich, dass gerade zur Zeit der Freiheit ein Anlass ist, die Fragen zu stellen. Das heißt, es geht nicht um die Fragen, sondern man braucht die Fragen, um die Antworten zu verstehen. Und dies ist auf dem Weg, wie mein Vater und Lehrer zur Sache dessen sagte, was geschrieben steht: „Rede doch in die Ohren des Volkes, und jeder erbitte von seinem Nächsten.“ Und Rashi erklärte: Er warnte sie davor, damit jener Gerechte nicht sage: „Und sie werden ihnen dienen, und man wird sie peinigen“ – das hielt Er an ihnen ein; „und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen“ – das hielt Er nicht an ihnen ein. Und die Welt fragt: Wenn doch der Heilige, gepriesen sei Er, dem Volk Israel großen Besitz geben will, kann der Heilige, gepriesen sei Er, ihn ihnen nicht geben, sondern muss Er dem Volk Israel sagen, dass sie sich mit Betrug beschäftigen und Gefäße von den Ägyptern erbitten sollen, Gefäße aus Silber und Gefäße aus Gold?
Und er antwortete: Als der Schöpfer zu Abraham sagte: „Dir dieses Land zu geben, es in Besitz zu nehmen“, fragte Abraham: „Woran werde ich erkennen, dass ich es in Besitz nehmen werde?“ „Und Er sprach zu Abram: Wisse, ja, wisse, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Land, das nicht das ihre ist, und danach werden sie mit großem Besitz ausziehen.“ Und er fragte: Was sehen wir in der Antwort des Schöpfers auf die Frage Abrams „Woran werde ich erkennen“, dass Abram dadurch, dass sie in einem Land sein werden, das nicht das ihre ist, das heißt, dass sie im Exil sein werden, dann bereits sicher sein wird, dass sie das Land in Besitz nehmen werden?
Und er sagte: Da es kein Licht ohne ein Gefäß gibt, das heißt keine Füllung ohne einen Mangel, und Abram zum Schöpfer sagte, dass er nicht sieht, dass sie so große Lichter benötigen würden, genannt das Land Israel, daher sagte ihm der Schöpfer: dadurch, dass sie im Exil sein und den Schöpfer bitten werden, dass Er sie aus dem Exil herausführe – und womit führt Er sie heraus? Das geschieht nur mit großen Lichtern, denn „das Licht in ihr bringt ihn zum Guten zurück“ –, wenn dem so ist, werden sie dann bereits einen Bedarf für die großen Lichter haben.
Und darüber erklärte er: dass der Schöpfer daher sagte, sie sollen Gefäße von den Ägyptern erbitten, das heißt, dass sie die Fragen der Ägypter nehmen, nur leihweise, das heißt, um die Lichter zu empfangen, und danach werde Er ihnen die Gefäße zurückgeben. Das heißt, dass sie die Fragen nahmen, um die Antworten zu verstehen. Und das ist wie oben, dass man das Licht nur aus der Finsternis heraus verstehen kann. Daher sind alle Fragen gerade zur Zeit der Freiheit, wie oben.
Zusammenfassung:
Der Artikel beschäftigt sich mit dem spirituellen Konzept von Fragen und Antworten im Kontext des Feiertags Pessach, insbesondere während der Pessachnacht, die als „Fest der Freiheit“ betrachtet wird. Es wird erörtert, warum Menschen insbesondere dann Fragen stellen, wenn sie sich in einem Zustand der Vollständigkeit befinden, im Gegensatz zu Zeiten des Mangels. Der Artikel bezieht sich auf die Lehren des heiligen ARI und diskutiert den Aufstieg von Malchut zu Mochin de Chaya während der Pessachnacht, was als höherer spiritueller Zustand angesehen wird als der gewöhnliche wöchentliche Shabbat.
Des Weiteren wird die Rolle der Tora und der Mizwot (Gebote) erörtert, die den Menschen helfen sollen, sich selbst zu korrigieren und eine Form der Freude zu erreichen, die frei von Scham ist. Die Notwendigkeit des Zimzum (Einschränkung) und der Verhüllung wird erklärt, um die Distanz zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen aufrechtzuerhalten, was die Menschen dazu bringt, ohne unmittelbare Offenbarung der göttlichen Vorsehung zu glauben und zu handeln.
Es wird auch die Schädlichkeit der Verleumdung, sowohl gegenüber Menschen als auch gegenüber dem Schöpfer, betont. Die Erzählung der Schlange im Garten Eden wird als eine Form der Verleumdung interpretiert, die darauf abzielte, die vom Schöpfer vorgesehene Ordnung zu stören. Diese Perspektive wird verwendet, um zu erklären, warum üble Nachrede als eines der strengsten Verbote angesehen wird.
Abschließend wird das Konzept der spirituellen Auf- und Abstiege diskutiert, die notwendig sind, um die Wichtigkeit und den Wert spiritueller Höhen zu schätzen. Der Artikel endet mit einer Reflexion darüber, wie diese Zyklen den Menschen helfen, die Notwendigkeit des Glaubens und die Bedeutung der göttlichen Nähe zu erkennen.
korrOp, EY, 28.07.2026, 06:39 Uhr, Ver3