1989/34 Was bedeutet “Frieden in der Arbeit”?
Die Schrift sagt: „Darum sprich: Siehe, Ich gebe ihm Meinen Friedensbund usw., dafür, dass er für seinen Gott eiferte und für die Kinder Israels sühnte.“ Dies gilt es im Sinne der Arbeit zu verstehen:
a. Was bedeutet „dafür, dass er für seinen Gott eiferte“,
b. was bedeutet „und für die Kinder Israels sühnte“,
c. was ist „Mein Friedensbund“.
Die Ordnung der Arbeit ist bekannt: Der Mensch muss zur Vollendung des Ziels gelangen, also das Gute und den Genuss empfangen, die in Seinem Verlangen lagen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit er würdig wird, dies zu empfangen, muss er jedoch gegen die Sitra Achra (die andere Seite) kämpfen, welche die Eigenschaft der „Völker der Welt“ darstellt und der Eigenschaft „Israel“ entgegengesetzt ist.
Denn „Israel“ heißt, dass all ihre Handlungen Jashar-El (gerade auf den Schöpfer gerichtet) sind. Die „Völker der Welt“ hingegen sind das Gegenteil der Heiligkeit (Kedusha), denn sie wollen alles zum eigenen Nutzen, und dadurch sind sie vom „Leben des Lebens“ getrennt. Deshalb werden sie „Tote“ genannt, wie geschrieben steht: „Doch die Wohltat der Völker ist Sünde.“ Dazu erklärt der Sohar: „All ihr Gutes, das sie tun, tun sie für sich selbst“, was bedeutet, dass alles, was sie tun, nur zum eigenen Nutzen ist. Denn der Mensch wurde mit einem Verlangen erschaffen, für sich selbst zu empfangen, und das ist eine Klipa (Schale).
In der Einführung in das Buch Sohar (Punkt 11) steht wörtlich: „Und er bleibt unter jener Ordnung versklavt bis zum dreizehnten Lebensjahr. Und das ist die Zeit des Verderbens. Und durch das Befassen mit den Mizwot vom dreizehnten Jahr an, wenn er sich damit befasst, um seinem Schöpfer Wohlgefallen (Nachat Ruach) zu geben, beginnt er, das ihm eingeprägte Verlangen, für sich selbst zu empfangen, zu läutern, und wandelt es nach und nach um, sodass es geben will. Dadurch zieht er fortwährend eine heilige Seele herab, von ihrer Wurzel im Schöpfungsgedanken. Und sie geht durch die Ordnung der Welten der Heiligkeit hindurch und kleidet sich in den Körper. Und das ist die Zeit der Korrektur. Und so erwirbt und erlangt er weiter Stufen der Heiligkeit aus dem Schöpfungsgedanken, der im Ejn Sof (Unendlichkeit) ist. Bis sie dem Menschen helfen, sein Verlangen, für sich selbst zu empfangen, umzuwandeln, sodass es ganz und gar darauf gerichtet ist, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu geben, und überhaupt nicht zum eigenen Nutzen. Dadurch erwirbt der Mensch die Angleichung der Form an seinen Schöpfer.“
Aus dem Gesagten folgt, dass der Mensch sich selbst tauglich machen muss, die Eigenschaft der Angleichung der Form zu erlangen, damit er gerade durch Gefäße des Gebens die Vollkommenheit all des Guten und des Genusses empfangen kann. Doch die Gefäße des Gebens, zu denen der Mensch gelangen soll, sind Gefäße zum Nutzen des Schöpfers, und das ist gegen die Natur, mit der der Mensch geboren wurde, denn er kam gerade umgekehrt zur Welt, mit dem Verlangen, nur für sich selbst zu empfangen. Solange der Mensch daher um Lohn und Strafe willen arbeitet, was lo liShma genannt wird, das heißt nicht um des Gebens willen, sondern zum eigenen Nutzen, sträubt sich der Körper nicht so sehr gegen die Arbeit.
Anders aber, wenn der Mensch in der heiligen Arbeit arbeiten will, damit dies ein Mittel sei, durch das er Gefäße des Gebens erlangt, was ganz und gar gegen die Natur ist, dann kommt der Körper mit den Fragen „Wer und was“, das heißt mit Fragen, die gegen Verstand und Herz gerichtet sind und die als „Spione“ bezeichnet werden. Obwohl sich der Mensch jedes Mal überwindet, verläuft die ganze Ordnung der Arbeit dann in Auf- und Abstiegen. So gerät er in einen Zustand, in dem er verzweifeln will, jemals zur Angleichung der Form zu gelangen.
Oft will der Mensch von der Front fliehen, denn er sieht, dass seine Arbeit vergeblich ist und dass er nichts mehr zu hoffen hat, dass es jemals gut wird, wie er aus der Vergangenheit sieht. Viele Menschen, die mit der Arbeit des Gebens beginnen, empfinden sie deshalb als allzu schwer, geben sie wieder auf und sagen, sie sei nur für die Großen und nicht für Menschen wie sie.
Dann kommt die Zeit, in der der Mensch Beschwerden und Forderungen gegen den Schöpfer hat, und er ist im Streit mit dem Schöpfer und beklagt sich:
a. Warum erschuf der Schöpfer ihn mit der Natur, dass er ein Verlangen zu empfangen hat.
b. Warum will der Schöpfer, dass er die Gefäße des Empfangens aufgibt.
Der Schöpfer ist doch gut und tut Gutes. Wenn dem so ist, warum verfährt Er mit uns dann nicht so, wie wir es verstehen. Die Auf- und Abstiege verstehen wir so: Zur Zeit des Aufstiegs sind wir manchmal im Frieden mit dem Schöpfer und sagen über Ihn, dass Er die Welt in der Eigenschaft des Guten, der Gutes tut, führt; zur Zeit des Abstiegs dagegen fehlt uns die Kraft zu sagen, dass Er mit einer Fügung des Guten, der Gutes tut, verfährt. So stehen wir immerfort im Streit.
Warum aber ist die Ordnung der Arbeit in Wahrheit so schwer, dass es notwendigerweise Auf- und Abstiege geben muss. Darauf kommt die bekannte Antwort, wie geschrieben steht: „Wie der Vorzug des Lichts aus der Finsternis.“ Das heißt, man kann kein Licht empfangen, wenn man keinen Mangel und kein Bedürfnis nach dem Licht hat.
Wenn der Mensch deshalb sieht, wie die Eigenschaft der Völker der Welt, die in ihm ist, sich dem Schöpfer widersetzt, und der Mensch den Israel-Hasser in seinem Inneren nicht ertragen kann, dann eifert er für seinen Gott. Er achtet auf keinerlei Abstiege mehr, tut, was in seiner Kraft steht, und schreit zum Schöpfer, dass Er ihm Hilfe gebe, damit er die Bösen in seinem Inneren besiegen kann.
Dadurch, dass er sich überwindet und nicht von der Front flieht, gibt ihm der Schöpfer den Bund: Er schließt mit ihm einen Bund, dass Friede zwischen ihm und dem Schöpfer sei, indem er ein Geschenk vom Schöpfer empfängt, nämlich die Gefäße des Gebens. „Einen Bund schließen“ heißt hier: Die Klipa, die als „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ bezeichnet wird, ist die Vorhaut; und an ihre Stelle gibt ihm der Schöpfer Gefäße des Gebens, sodass dadurch ein Bund geschlossen ist, das heißt Friede.
Daraus folgt: Dadurch, dass der Mensch für seinen Gott eiferte, sieht er, wie alle Völker der Welt, die sich in seinem Körper befinden, allesamt üble Nachrede gegen die Arbeit führen, während er zum Nutzen des Schöpfers arbeiten will. Selbst wenn sich der Mensch oft über deren Ansichten erhebt und sagt: „Ich habe das Vertrauen, dass der Schöpfer mir helfen wird“, wie geschrieben steht: „Dem, der kommt, um sich zu läutern, wird geholfen“, dann lachen sie ihn aus und sagen ihm: „Du siehst doch selbst, wie viele Male du gesagt hast, dass der Schöpfer dir helfen wird, und du stehst noch immer in demselben Zustand, in dem du zu arbeiten begonnen hast. Wenn dem so ist, geh weg von diesem Weg.“
Hier braucht der Mensch eine große Stärkung, die „dafür, dass er für seinen Gott eiferte“ genannt wird. Dann betet er zum Schöpfer und sagt: „Nicht uns, Schöpfer, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre, warum sollen die Völker sagen: Wo ist denn nun ihr Gott.“
Der Mensch schreit dann also um die Ehre des Schöpfers, weil die Völker in ihm ihn für das auslachen, was er sagt, nämlich: „Ich vertraue auf den Schöpfer, dass Er mir helfen wird“, und dann sagen sie ihm: „Wo ist denn nun ihr Gott“, da ihr, Israel, sagt, dass der Schöpfer euch helfen wird. Wenn der Mensch aber den Eifer des Schöpfers eifert, weil er sich um die Ehre der Shechina (göttliche Gegenwart) sorgt, das heißt, dass der Mensch darüber betrübt ist, dass die Shechina im Staube liegt, nämlich dass er es nicht ertragen kann, dass sie die Arbeit um des Gebens willen so sehr verachten, dann ist das gemeint, wie es bei Pinchas geschrieben steht: „Darum, siehe, Ich gebe ihm Meinen Friedensbund, dafür, dass er für seinen Gott eiferte.“
So heißt es im Buch Shamati („Ich hörte“, Artikel 1): Wenn der Mensch darüber betrübt ist, dass der Schöpfer ihn nicht näher bringt, muss er sich hüten, dass dies nicht auf seine eigene Rechnung geschieht, also deswegen, weil er fern vom Schöpfer ist; denn dadurch wird er zu einem Empfänger zum eigenen Nutzen, und der Empfänger ist in Trennung. Betrübt sein soll er vielmehr über das Exil der Shechina betrübt sein, das heißt, dass er der Shechina Schmerz verursacht. Der Mensch soll es sich so ausmalen: Ähnlich wie der Mensch einen Schmerz in irgendeinem kleinen Glied hat, ist der Schmerz dennoch hauptsächlich im Hirn und im Herzen, denn das Herz und das Hirn sind die Gesamtheit des Menschen. So ist auch der Schmerz, den der Mensch empfindet, weil er fern vom Schöpfer ist; und da der Mensch nur ein einzelnes Glied der heiligen Shechina ist – denn die Shechina ist die Gesamtheit der Seele Israels –, deshalb gleicht der einzelne Schmerz nicht im Maß dem allgemeinen Schmerz. Das wird „Schmerz der Shechina“ genannt.
Dass der Mensch darüber betrübt ist, wird „dafür, dass er für seinen Gott eiferte“ genannt. Zu einem solchen Menschen sagt der Schöpfer, dass Er ihm Seinen Friedensbund gibt, dessen Bedeutung „Friede“ ist, wie geschrieben steht (Psalmen 85): „Ich will hören, was Gott, der Ewige, reden wird, denn Er redet Frieden zu Seinem Volk und zu Seinen Frommen, und dass sie nicht zur Unvernunft zurückkehren.“ Dann nämlich sagt der Schöpfer ihnen „Friede“ – dann wird Friede, da der Schöpfer ihm die Gefäße des Gebens zum Geschenk gibt, und folglich hat er schon niemanden mehr, der sich dem Arbeiten zum Nutzen des Schöpfers widersetzt.
Anders aber, bevor er den Friedensbund empfängt, da widersetzen sich alle Gefäße des Empfangens, die zu den Völkern der Welt gehören, dem Menschen, dass er zum Nutzen des Schöpfers arbeite. Das ist es, was geschrieben steht: „Ich will hören, was Gott, der Ewige, reden wird, denn Er redet Frieden, und dass sie nicht zur Unvernunft zurückkehren.“
Sie werden also keine Abstiege mehr haben, bei denen sie zum eigenen Nutzen arbeiten wollen; denn „ein Unvernünftiger“ heißt, wer nicht den Weg der Heiligkeit geht. Wer aber den Weg der Heiligkeit gehen will, dessen Handlungen also allesamt auf das Geben gerichtet sind, der wird „Weiser“ genannt, wie mein Vater und Lehrer sagte: „Wer ist ein Tora-Gelehrter (Talmid Chacham)? Das ist der, der vom Schöpfer lernt, der ‚Weiser‘ genannt wird.“ Er lernt von Ihm nämlich die Eigenschaft: „Wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig“. Wenn der Mensch also lernt, ein Gebender zu sein, so wie der Schöpfer der Gebende ist, wird er „Weiser“ genannt. Sein Gegenteil heißt „ein Unvernünftiger“.
Der Eigenschaft des Friedensbundes wurde der Mensch also dadurch würdig, „dass er für seinen Gott eiferte“: dadurch nämlich, dass er sah, wie die Völker der Welt, die in ihm sind, die heilige Arbeit verachten, die darin besteht, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten.
Darauf zielt das Wort: „und für die Kinder Israels sühnte.“ Dadurch, dass er für seinen Gott eiferte, will er, dass daraus eine Sühne für die Kinder Israels werde, dass sie die Kraft haben, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten, was die Eigenschaft Jashar-El genannt wird, deren Bedeutung ist, dass sie zum Nutzen des Schöpfers arbeiten können. Dadurch werden sie Seines Bundes würdig, sodass er nicht zur Unvernunft zurückkehrt.
Doch hier stellt sich eine schwere Frage: Was kann der Mensch tun, wenn er nicht die Kraft des Eifers hat, sondern die Argumente der Spione hört und von ihnen fliehen will, damit er die üble Nachrede, die sie führen, nicht höre, aber je mehr er sich von ihnen entfernt, umso mehr wecken sie in ihm ein Verlangen und eine Lust, doch zu hören, was sie sagen. In eben dieser Zeit steigt er von seiner Stufe herab und fällt in ihr Netz.
Dagegen gibt es keinen Rat außer dem Gebet. Das heißt, dass er den Schöpfer bitte, dass er nicht der Ansicht der Spione nachgezogen werde. Gerade zu der Zeit, da die Gedanken der Spione hinter ihm herlaufen, besteht die Hauptarbeit darin, dass er ihnen nicht nachgezogen werde. Warum aber gibt es überhaupt Raum für die Argumente der Spione? Die Antwort wurde bereits gegeben: weil man den Geschmack im Licht nicht kosten kann, außer aus der Finsternis heraus. Wie geschrieben steht: „Wie der Vorzug des Lichts aus der Finsternis.“
Im Midrasch Rabba (96) heißt es wörtlich: „Ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit, und alle ihre Pfade sind Friede. Alles, was in der Tora geschrieben steht, wurde um des Friedens willen geschrieben. Und obgleich in der Tora Kriege geschrieben stehen, so wurden auch die Kriege um des Friedens willen geschrieben.“
Es gilt zu verstehen, was es bedeutet, dass die Kriege um des Friedens willen geschrieben wurden und deshalb die Tora und alle ihre Pfade „Friede“ genannt werden. Gewiss gibt es darauf Antworten im wörtlichen Sinne. Im Sinne der Arbeit aber lässt sich an die obige Frage anknüpfen, wozu wir die Argumente der Spione und all diese Abstiege brauchen.
Wir antworteten, der Grund sei: Man kann keine Sache verstehen, außer nach dem Bedürfnis nach ihr, da es „keine Füllung ohne Mangel“ gibt. Demnach sind alle Kriege, die in der Tora geschrieben stehen – wenn das Gesagte im Sinne der Arbeit gemeint ist –, Angelegenheiten der Arbeit. Den Geschmack im Frieden kann man nämlich nicht kosten, wenn es keinen Krieg gibt: nur zu der Zeit, da es den Krieg des Triebs gibt, der nur zum eigenen Nutzen arbeiten will, während der Mensch zum Nutzen des Schöpfers arbeiten will, und es dann eine Angelegenheit der Finsternis gibt, das heißt Auf- und Abstiege, dann entsteht im Menschen ein Mangel, dass der Schöpfer ihm helfe. Denn er sieht, dass er von sich aus keine Möglichkeit sieht, aus der Herrschaft der Selbstliebe herauszukommen.
Dann erst bedarf er in Wahrheit des Schöpfers, dass Er ihm helfe. Dann gibt ihm der Schöpfer Seinen Friedensbund: Er gibt ihm ein Geschenk, Gefäße des Gebens, durch die er der Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer würdig wird. Dann erfüllt sich „Und du sollst den Schöpfer, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen“, wie die Weisen auslegten: „mit deinen beiden Trieben, mit dem guten Trieb und mit dem bösen Trieb (Jezer haRa).“ Das wird „Mein Friedensbund“ genannt.
korrOp, EY, 28.07.2026, 15:11 Uhr, Ver3