1989/18 Was bedeutet, dass der Segen nicht auf Gezähltem ruht - in der Arbeit?
Im Heiligen Sohar (Ki Tissa, Blatt 1, im Sulam Punkt 2) steht geschrieben, und das sind seine Worte: „Komm und sieh: Man hat festgestellt, dass kein höherer Segen auf etwas ruht, das gezählt wird. Und wenn du sagst: Wie wurden dann die Israeliten gezählt? – so nahm man von ihnen das Sühnegeld für ihre Seele. Und man stellte fest, dass man nicht zählte, bis das ganze Sühnegeld gesammelt war, und dieses ergab die Zahl. So findet sich, dass man die Israeliten zuerst beim Empfang des Sühnegeldes segnete, danach das Sühnegeld zählte und danach die Israeliten wieder segnete. So findet sich, dass die Israeliten am Anfang und am Ende gesegnet wurden, und es kam keine Plage über sie. Er fragt: Warum kommt durch das Zählen eine Plage? Und er antwortet: weil der Segen nicht auf etwas ruht, das gezählt wird. Und sobald der Segen gewichen ist, ruht auf ihm die Sitra Achra (die andere Seite), und sie kann Schaden anrichten.“
Und Folgendes ist zu verstehen:
1. Wenn auf Gezähltem kein Segen ruht – worin besteht dann der Unterschied, ob man die Menschen zählt oder statt der Menschen das Sühnegeld? Am Ende kennen wir doch die Zahl der Menschen. Was nützt es also, dass wir das Sühnegeld eingetauscht haben, wo wir letztlich ihre Zahl ohnehin kennen?
2. Warum ist das Sühnegeld gerade ein halber Schekel und nicht ein ganzer oder ein viertel Schekel? Worauf weist uns gerade die Hälfte hin?
3. Wozu sagt der Vers: „Der Reiche gebe nicht mehr und der Arme nicht weniger“? Gibt es denn jemanden, der nicht weiß, dass etwas, das man statt der Menschen zählt, für alle dasselbe sein muss, wenn man eine Zahl ermitteln will? Sonst lässt sich die Zahl nicht ermitteln. Was will uns das also lehren?
4. Was nützt es uns, am Anfang und am Ende gesegnet zu sein, wenn in der Mitte gezählt wird? Wird denn die Zählung wegen der Segnungen verdorben, falls auf Gezähltem kein Segen ruhen kann?
Um das alles auf dem Weg der Arbeit zu verstehen, müssen wir auf das Ziel achten, das der Mensch erreichen soll. Bekanntlich gilt: Für jedes Ziel, das der Mensch erreichen will, muss er Mühe aufwenden, denn ohne Arbeit kann man nichts erlangen. Was ist also bei der Arbeit des Schöpfers das Ziel, das der Mensch erreichen soll und für das er die Mühe aufwendet?
Die Antwort lautet: zur Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer zu gelangen, die „Angleichung der Form“ genannt wird. Das bedeutet: So wie das Ziel des Schöpfers bei der Erschaffung der Welt ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, so soll sich der Mensch das Ziel vor Augen stellen, dem Schöpfer Gutes zu tun. Das heißt, der Mensch soll Dinge tun, die dem Schöpfer Freude bereiten – und das nennt man „Angleichung der Form“.
Das heißt: Wenn die beiden Formen zu einer werden, dann kleidet sich das Ziel des Schöpfers in das Ziel der Geschöpfe.
Es ergibt sich also, dass Sein Wille, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun – das Schöpfungsziel –, sich in das Verlangen kleidet, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten; und das nennt man „empfangen, um zu geben“. Demnach lässt sich sagen, was der Lohn ist, den der Mensch für seine Mühe empfängt. Man muss sagen: Der Lohn ist das Erreichen des Ziels – wie der Lohn bei materiellen Dingen, wo der Mensch Mühe aufwendet und dafür das Ziel erhält, nach dem er sich sehnt; denn ohne Mühe wird es nicht gegeben.
Daraus ergibt sich: Wenn der Mensch den Weg der Wahrheit gehen will, um sein Ziel zu erreichen – die Anhaftung an den Schöpfer, also dass alle seine Handlungen um des Gebens willen geschehen –, muss er Mühe aufwenden, die „Leiden“ genannt wird. Das bedeutet: Der Mensch muss gegen seine Natur gehen. Denn der Mensch ist mit Gefäßen erschaffen, sich selbst Genuss zu verschaffen, und er soll einen Weg gehen, auf dem er dazu gelangt, dem Schöpfer Freude zu bereiten und nicht zum eigenen Nutzen – und dem widersetzt sich der Körper.
Darüber gibt es Kämpfe: Mal gewinnt das Verlangen zu geben die Oberhand, mal das Verlangen zu empfangen. Und man muss wissen: Alle Kräfte, die der Mensch braucht, um gegen das Verlangen zu empfangen gehen zu können, muss er aus der Tora empfangen, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Würze erschaffen.“
Das heißt: Wenn er sich mit der Tora befasst und die Mühe der Tora aufwendet – welchen Lohn erwartet er? Man muss sagen: dass er darauf abzielt, das Verlangen zu erlangen, dem Schöpfer zu geben. Das nennt man: die Tora lernen, um zu liShma (um ihretwillen) zu gelangen, also „um zu geben“, was der Aspekt „Hafte an Seinen Eigenschaften“ ist.
Demnach gibt es bei der Mühe der Tora zwei Arten:
1. Er müht sich im Tora-Studium, um dadurch eigenen Nutzen zu erlangen – etwa damit man ihn „Rabbi“ nennt, oder für Geld und dergleichen.
2. Die Mühe der Tora, um die Kraft zu erlangen, gegen den eigenen Nutzen zu gehen. Hier ist also eine andere Art von Mühe zu unterscheiden. Das heißt: Der Mensch hat eine große Mühe, überhaupt die Kraft aufzubringen, sich mit dieser Absicht in der Tora abzumühen, die gegen den Körper ist. Im Gegenteil: Der Körper widersetzt sich ihm, so weit er kann, und will ihm keine Kraft geben, sich mit dieser Absicht in der Tora abzumühen. Anders bei lo liShma, wie oben: Wenn der Körper dort sieht, dass er das erlangt, wonach er sich als Gegenleistung sehnt, dann gibt der Körper ihm Brennstoff, sich mit Tora und Mizwot abmühen zu können – weil die Gegenleistung, die er zu empfangen erwartet, nicht gegen die Natur des Körpers ist. Darum kann der Körper ihm Arbeitskraft geben.
Daher: Wenn der Mensch sieht, dass er durch die Mühe eigenen Nutzen erlangen kann, dann hat er die Kraft, Taten zu vollbringen und große Mühen aufzuwenden, und seine Hände erlahmen bei ihrem Werk nicht. Auf diese Weise beginnt man, „die Frauen, die Kinder und die einfachen Leute“ zu erziehen; denn nur durch lo liShma kann man den Menschen überzeugen, sich mit Tora und Mizwot zu befassen.
Wenn der Mensch aber das Ziel wechseln muss – wo am Anfang seiner Arbeit in Tora und Mizwot sein Ziel das war, was er als Gegenleistung für die Mühe empfangen wollte, nämlich der eigene Nutzen, und er nun das Ziel wechselt: statt zu denken „Wann erreiche ich das Ziel für mein Verlangen zu empfangen, damit ich Genuss habe?“, sehnt er sich jetzt nach dem Ziel und sagt: „Wann kann ich dem Schöpfer Freude bereiten und auf meinen eigenen Nutzen verzichten?“ –
und da dieses Ziel gegen die Natur ist, braucht er mehr Glauben an den Schöpfer. Das heißt: Er muss sich immer bemühen, die Größe des Schöpfers zu erlangen. Denn in dem Maß, in dem er an die Größe des Schöpfers glaubt, kann er Taten mit dieser Absicht vollbringen. Darum liegt es dem Menschen ob, jeden Tag zu beten, dass der Schöpfer seine Augen erleuchtet und er die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers erkennt, damit er Brennstoff hat, um sich mit der Absicht zu geben abzumühen.
Dabei sind zwei Aspekte zu unterscheiden:
1. Dass er das Verlangen hat, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten – das sollen all seine Bestrebungen sein.
2. Dass er Taten mit der Absicht vollbringt, dass diese Taten ihm das Verlangen bringen, Taten zu tun, damit der Schöpfer Wohlgefallen hat. Das heißt: Er muss Taten und große Mühen vollbringen, um Licht und Gefäß zu erlangen. „Licht“ heißt: dass er vom Schöpfer ein Verlangen empfangen hat, mit dem er sich den ganzen Tag danach sehnt, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Und „Gefäß“ heißt: das Verlangen – nämlich dass er das Verlangen hat, dem Schöpfer zu geben. Beides muss er vom Schöpfer empfangen, sowohl das Licht als auch das Gefäß. Doch der Mensch muss es fordern, und darüber steht geschrieben: „Zion, niemand fragt nach ihr.“ Und unsere Weisen sagten: „Daraus folgt im Umkehrschluss, dass sie der Nachfrage bedarf“ – das heißt, es muss eine Forderung von Seiten der Unteren geben, dass der Schöpfer ihnen sowohl das Licht als auch das Gefäß gibt.
Mit dem Gesagten lässt sich auslegen, was (im Mussaf-Gebet von Rosch HaSchana) steht: „Und die Fernen werden hören und kommen und Dir die Krone des Königtums geben.“
Bekanntlich ist die Ordnung der Arbeit, wie geschrieben steht: „Wir wollen tun und hören.“ Denn das Tun gehört zu den Geschöpfen, was „das, was der Schöpfer erschuf, um es zu tun“ genannt wird. Das heißt: Das Tun gehört uns, und dadurch werden wir des Aspekts des Hörens gewürdigt, der das ist, was der Schöpfer zu hören gibt. Aus sich selbst sind die Geschöpfe nämlich nicht fähig, die Arbeit des Schöpfers so auf sich zu nehmen, dass sie allein für den Schöpfer wäre und sich kein eigener Nutzen einmischt.
Vielmehr kommt das Hören von Seiten des Schöpfers, so wie es bei der Übergabe der Tora war, als das Volk Israel aus dem Mund des Schöpfers „Ich bin“ und „Du sollst nicht“ hörte. Doch davor gab es eine Vorbereitung zum Empfang der Tora, wie unsere Weisen sagten (Schabbat 87): dass es eine Abgrenzung und Enthaltung gab, wie geschrieben steht: „Und heilige sie heute und morgen“; und danach wurden sie gewürdigt, die Tora zu hören.
Damit lässt sich auslegen: „Und die Fernen werden hören und kommen.“ Nämlich jene, die fern sind – das heißt: Es gibt die Sache der Tora des Lebens, wie geschrieben steht: „Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens“, was die Anhaftung an den Schöpfer ist; nur ist der Mensch davon fern. Auch diese Entfernung kommt vom Schöpfer her. Denn man kann von einer Sache nur dann fern sein, wenn der Mensch klar weiß, dass es sie gibt, und nur aus irgendwelchen Gründen von ihr fern ist.
Darum muss der Mensch zuerst einen Aspekt von Glauben an den Schöpfer haben, und danach kann er sagen, dass er fühlt, er sei fern vom Schöpfer. Es ergibt sich also: Dieses Gefühl, fern zu sein, setzt notwendig das Gefühl voraus, dass der Schöpfer über die Welt wacht und dass es ein Gericht und einen Richter gibt – nur dass er dies aus der Ferne fühlt. Sonst, wer sagt ihm, dass er fern vom Schöpfer ist?
Darum: Dass der Mensch fühlt, er sei fern vom Schöpfer – der Schöpfer tut ihm dies kund, indem Er dem Menschen aus der Ferne erscheint. Das heißt: Solange der Schöpfer vor ihm verborgen ist, kann der Mensch nicht in einem Zustand der Ferne sein; denn wer sagt ihm, dass er fern ist? Vielmehr, wie oben: Dadurch, dass der Schöpfer Sich ihm ein wenig offenbart, kommt ihm das Gefühl, dass er fern ist.
Und das ist „und die Fernen werden hören“: dass der Schöpfer ihnen einen Aspekt des Hörens sendet, damit sie fühlen, dass sie fern sind, und kommen, um sich anzunähern – das heißt, dass sie vom Schöpfer fordern, Er möge sie näherbringen, damit sie zur Angleichung der Form gelangen, die die Gefäße des Gebens sind. Doch der Mensch erlangt diese Gefäße nur durch Hilfe von oben. Und das nennt man „Licht, das sich in ein Gefäß kleidet“, nämlich in das Verlangen nach dieser Kraft.
Und das ist, wie geschrieben steht (Psalm 127): „Wenn nicht der Schöpfer das Haus baut, mühen sich seine Bauleute vergebens daran.“ Das bedeutet: „Wenn nicht der Schöpfer das Haus baut“ – dass das Herz ein Bau der Heiligkeit werde –, „so ist ihre Mühe vergebens“, die Mühe ist umsonst. „Seine Bauleute daran“ – das heißt: Jene, die einen Bau der Heiligkeit errichten wollen, müssen wissen und glauben, dass Er alles gibt: sowohl das Gefäß, wie oben, das Verlangen und die Sehnsucht zu geben, als auch das Licht, die Kraft, die der Mensch empfängt, um Taten des Gebens vollbringen zu können. Aber der Mensch muss zuerst Taten vollbringen. Das heißt: Vor der Arbeit muss der Mensch sagen: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich?“, und danach muss er sagen: „Wenn nicht der Schöpfer das Haus baut, mühen sich seine Bauleute vergebens daran.“
Und so, wie es vor der Übergabe der Tora war: Damit das Volk Israel die Tora, die am Berg Sinai gegeben wurde, hören konnte, gab es eine Vorbereitung aufseiten des Volkes Israel – ihm wurde die Abgrenzung und Enthaltung gegeben, was die Vorbereitung aufseiten des Unteren genannt wird; und danach gibt es Raum für den Empfang der Tora vom Schöpfer her.
Doch zur Zeit der Vorbereitung – also bevor der Mensch das Gefäß erlangt, das „Bedürfnis“ genannt wird, dass er die Kraft hat zu handeln, sodass alle Taten um des Gebens willen geschehen –, ist dieses Bedürfnis bei ihm auf und ab. Das heißt: Manchmal sehnt er sich danach, dass der Schöpfer ihm die Kraft gibt, alles zum Nutzen des Schöpfers zu tun, und bittet den Schöpfer, ihm zu helfen. Und manchmal folgt darauf ein Abstieg – das bedeutet: Er fühlt kein Bedürfnis, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, sondern begehrt einzig Ratschläge und Mittel, wie er sich selbst mit Genüssen für sein Verlangen zu empfangen erfüllen kann.
Und wenn ihm zur Zeit des Abstiegs ein Gedanke in Bezug auf das Spirituelle kommt – dass man Taten des Gebens vollbringen muss –, beginnt er, über den Schöpfer nachzugrübeln: Warum hat der Schöpfer es so eingerichtet, dass man nicht zum eigenen Nutzen arbeiten darf? Und was kümmert es den Schöpfer, ob der Mensch doch zum eigenen Nutzen arbeitet?
Und dann grübelt er überhaupt über Tora und Mizwot: Warum will Er uns quälen und gab uns Gesetze, die schwer einzuhalten sind? Wenn Er wirklich ein barmherziger Vater ist, warum gab Er uns Seine Mizwot mit so vielen Verboten einzuhalten, und dergleichen? Und manchmal, zur Zeit des Aufstiegs, kommt er ebenfalls dazu, über den Schöpfer zu grübeln: Wozu gab Er uns die Mizwa der Sache „und ihr sollt eure Seelen gut bewahren“ einzuhalten?
Das heißt: Dass der Mensch essen, trinken und dergleichen muss – wozu hat der Schöpfer diese Dinge erschaffen? Wird denn der Mensch durch das Einhalten dieser Dinge weiser und gottesfürchtiger? Da fragt der Mensch: Wozu braucht es all die körperlichen Genüsse, wo er doch nicht sieht, dass daraus ein spiritueller Nutzen käme? So steigt der Mensch auf und ab.
Das heißt: Manchmal versteht er nicht, wozu uns überhaupt körperliche Genüsse gegeben wurden, da er jetzt versteht, dass der eigentliche Zweck des Menschen ist, am Schöpfer zu haften; wozu also wurden diese körperlichen Begierden erschaffen? Und zur Zeit des Abstiegs gerade umgekehrt: Da fragt er sich, warum uns so viele Dinge verboten wurden. Und allgemein: Warum wurde uns verboten, zum eigenen Nutzen zu arbeiten, sondern wir sind gleichsam gezwungen, zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten – und wenn nicht, müssen wir in dieser Welt und in der kommenden Welt leiden?
Und das ist die Ordnung der Arbeit zur Zeit der Vorbereitung. Das heißt: Bevor der Mensch zum beständigen Glauben gelangt, befindet er sich in der „Schleuder“, die den Menschen von einem Ende zum anderen wirft, und er sieht, dass er kein Recht der Wahl hat. Vielmehr, was man von oben will, das tut man mit ihm; und er ist wie Ton in der Hand des Töpfers und hat keine eigene Verfügung über sich.
Und der Mensch muss glauben, dass alle Zustände, die er durchläuft, zu seinem Besten sind. Das heißt: Gerade durch Aufstiege und Abstiege gelangt er zur erwünschten Vollkommenheit, wie geschrieben steht: „Der König tötet und macht lebendig und lässt die Rettung sprießen.“ Denn durch die Abstiege – den Aspekt des „Sterbens“ in der Arbeit – und das Lebendigmachen – den Aspekt des „Aufstiegs“ in der Arbeit –, gerade dadurch lässt Er die Rettung sprießen; das heißt, der Mensch gelangt zu seiner Vollkommenheit.
Mit dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt haben: Wozu muss man die Israeliten überhaupt zählen? Das heißt: Wer muss die Zahl kennen, wo doch das Zählen eine gefährliche Sache ist, wie geschrieben steht, dass der Segen nicht auf Gezähltem ruht? Und die Korrektur, dass man ihnen gab, das Sühnegeld zu geben – was ändert das? Letztlich kennt man doch die Zahl Israels. Und ebenso: Dass man einen Segen am Anfang und einen Segen am Ende der Zählung gibt – was fügt uns das hinzu?
Und auf dem Weg der Arbeit, wo alles in einem einzigen Menschen gesprochen wird, muss man wissen, was „die Zahl Israels“ ist. Vielmehr, wie oben: Der Weg der Arbeit, um zu liShma zu gelangen, also um zu geben, beginnt mit der rechten Linie, die „Vollkommenheit“ genannt wird – das heißt, er ist ein Mann, auf dem der Segen ruht. Und aus diesem Aspekt soll der Mensch Freude empfangen und dem Schöpfer Lob und Dank dafür geben, dass Er ihn mit ein wenig Halt in der Heiligkeit gewürdigt hat – gleichgültig, wie viel er hat, da er weiß, dass auch das ihm nicht zusteht.
Und das nennt man: Er begnügt sich mit Wenigem. Dann hat er nichts zu zählen – um zu sehen, wie viele Aspekte er vom Aspekt „Israel“ hat, also wie viel Prozent seiner Arbeit er „Jaschar-El“ (geradewegs auf den Schöpfer ausgerichtet) nennen kann, was bedeutet: wie viel Kraft er für die Heiligkeit, „der Name des Himmels“ genannt, einzubringen bereit ist; das interessiert ihn überhaupt nicht. Denn er sagt: Dass ich ein wenig Halt in Tora und Mizwot habe, ist mir wichtiger als alle Genüsse, die es auf der Welt gibt.
Und man soll dazu nicht fragen: Wenn das so wichtig ist, warum begnügt er sich dann mit Wenigem? Darauf antwortet er sich selbst: Sicher habe ich es nicht verdient, dass der Schöpfer mir einen größeren Anteil gibt, als ich habe; und ich sehe nur, dass es Menschen gibt, die auch das nicht haben. So ergibt sich, dass er ein Mann ist, bei dem der Segen vorhanden ist, weil er etwas hat, worüber er sich freuen kann. Und er sieht, dass andere Menschen über Nichtigkeiten fröhlich und ausgelassen sind.
Und der Schöpfer gab ihm Verstand und Einsicht zu verstehen, dass er Grund hat, sich am Schöpfer zu freuen. Das nennt man: Bevor er daran geht, den Aspekt „Jaschar-El“ in seinem Inneren zu zählen – also das, was er im Inneren des Herzens hat –, segnet man zuerst die Israeliten. Das heißt: Er sagt, dass der Aspekt „Israel“ in ihm gesegnet ist, wie oben, dass er etwas hat, worüber er sich freuen kann, da der Segen bei ihm vorhanden ist und er sich mit Wenigem begnügt, mit dem, was er hat.
Und danach zählt man die Israeliten, das heißt: Er geht zum Aspekt der Linken über und beginnt eine Selbstprüfung (Cheshbon haNefesch) zu machen: Wie viel Tora hat er und wie viel Gottesfurcht hat er? Da sieht er, dass er voller Mängel ist, und dann kann der Aspekt der „Plage“ eintreten – das heißt: Er kann in Verzweiflung geraten und vom Schlachtfeld fliehen und sagen, diese Arbeit des Gebens sei nichts für ihn; und in den Aspekt der Arbeit „einer Linie“ einzutreten ist er schon nicht mehr fähig, weil er sich nicht mehr selbst täuschen und sagen kann, dies sei die wahre Arbeit – denn die Linke sagt ihm schon jedes Mal, was „wahre Arbeit“ heißt.
Und das ist die Auslegung, dass auf Gezähltem kein Segen ruht: weil darin immer Mängel sind, wie geschrieben steht: „Es gibt keinen Gerechten auf Erden, der nur Gutes tut und nicht sündigt.“ So ergibt sich nach der Regel: Wo ein Mangel ist, da haben die Klipot (Schalen) einen Halt – das bedeutet: Die Klipa zeigt ihm, dies sei nichts für ihn. So findet sich: Mit solchen Behauptungen tötet sie ihn. Das heißt: So weit er etwas im Spirituellen hatte, nimmt sie es ihm heraus, und er bleibt im Aspekt „Frevler werden zu Lebzeiten ‚tot‘ genannt“.
Und das ist es, was geschrieben steht, dass auf allem, was gezählt wird, kein Segen ruht. Denn er sieht immer Mängel, und in jedem Mangel haben die Klipot einen Halt. Das nennt man den Aspekt „Plage“. Und das ist es, was geschrieben steht: „Und es wird keine Plage über sie kommen, wenn man sie zählt“ – das heißt: Durch das Sühnegeld wird es wegen der Zählung keinen Aspekt des „Sterbens“ geben. Das bedeutet, wie oben: In der Zeit, in der man im Aspekt der linken Linie arbeitet – also obwohl man in der linken Linie geht und es eine Plage geben könnte –, wird durch das Sühnegeld keine Plage über sie kommen.
Darum wurde ein Rat gegeben, damit der Mangel für die Klipot nicht erkennbar wird: „Und jeder gebe das Sühnegeld für seine Seele, wenn man sie zählt.“ Das heißt: dass sie nicht auf die Mängel blicken sollen, die sie finden, wenn der Mensch Rechnung hält, wie viel Prozent in den Aspekt „Israel“ einbezogen sind.
Vielmehr sollen sie Rechnung halten, wie viele Korrekturen sie vornehmen müssen, damit sie ein Sühnegeld für die Seele an den Schöpfer haben. Das heißt: dass sie nicht auf die Mängel blicken, sondern auf die Korrektur der Mängel; dadurch tritt ihre Seele, die in den Klipot war, aus ihnen heraus und haftet am Schöpfer. Das nennt man „und jeder gebe das Sühnegeld für seine Seele“: dass sie die Korrekturen zählen, die sie vornehmen müssen. Und so sehen sie ohnehin nur Korrekturen, wie unsere Weisen sagten (Jewamot 38): „Ein Schuldschein, der zur Einziehung ansteht, gilt als bereits eingezogen.“ So ergibt sich: In der Zeit, in der man auf die Korrekturen blickt, ist es, als hätte er sie schon korrigiert, und es gibt hier keinen Raum für Mangel.
Und das ist es, was geschrieben steht: „Dies sollen alle geben, die zu den Gezählten übergehen.“ Das ist so auszulegen: In der Zeit, in der man die Mängel sieht, was „zu den Gezählten übergehen“ genannt wird, „einen halben Schekel“ – die Sache der Hälfte bedeutet, wie geschrieben steht (Pri Chacham, Teil 2, Blatt 78), und das sind seine Worte: „Denn das Gebet bewirkt die Hälfte. Und die Art dessen, der für sich selbst betet, ist, dass er keine Vollkommenheit außer der Hälfte hat; denn der Vollkommene hat nichts, worum er beten könnte. Darum mahnten uns unsere Weisen, nicht zu arbeiten, um Lohn zu empfangen, sondern um der Vollkommenheit willen.“
Das bedeutet: Was der Mensch gibt, wird als Hälfte gewertet, nämlich das Gefäß – das ist das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, das sich vom Schöpfer entfernt hat –, und man muss beten, dass dieses Gefäß sich mit dem Schöpfer verbindet, der „das Licht“ genannt wird. Und wenn das Licht im Gefäß leuchtet, das nennt man Vollkommenheit. Und das ist die Auslegung von „das Gebet bewirkt die Hälfte“: Die Sache der Hälfte bedeutet das Gefäß, denn „es gibt kein Licht ohne Gefäß“. Darum, wenn er betet und seinen Mangel fühlt, dann gibt es Raum, den Mangel zu füllen. So ergibt sich, dass „dies sollen sie geben“ das Gefäß meint, das die Hälfte ist, die man „Erweckung von unten“ (Itaruta diLetata) nennt, wie oben: dass das Gebet über den Mangel schon „Korrektur“ genannt wird.
Und das ist gleichnishaft so: Ein Mann gab seinen Mantel, um die Flecken zu entfernen, die darauf sind. Und er sagt zum Inhaber der Wäscherei: Ich zähle dir die Zahl der Korrekturen auf, die du vornehmen musst, damit ich weiß, wie viel ich dir zahlen muss.
Und er bittet den Inhaber der Wäscherei, die Flecken zu beheben und zu entfernen. Dann kann man nicht sagen, dass der Mann in Verzweiflung gerät, wenn er sieht, dass er viele Flecken hat; denn er zählt die Flecken nicht, um zu sehen, wie viele Mängel sein Mantel hat, sondern er zählt, wie viele Korrekturen er vornehmen muss.
So ergibt sich, dass er jetzt nicht an seinen Mangel denkt, sondern an die Korrekturen. Und so kann man nicht sagen, dass eine „Plage“ über sie (die Flecken) kommt – das heißt, dass er vom Schlachtfeld flieht und sagt, die Arbeit auf dem Weg der Wahrheit gehe ihn nichts an. So ergibt sich: Es ist eine große Korrektur, dass man das Sühnegeld zählt und nicht die Mängel, die in den Menschen sind. Und das ist, wie unsere Weisen sagten: „Ein Schuldschein, der zur Einziehung ansteht, gilt als bereits eingezogen.“ Das heißt: Wenn man sich mit dem Aspekt der Korrekturen befasst, ist es, als wäre er schon korrigiert, weil er jetzt auf die Korrekturen blickt und nicht auf die Mängel.
Und zusätzlich zur oben genannten Korrektur des Sühnegeldes, „Sühnegeld für seine Seele an den Schöpfer“ genannt – das heißt, dass man vom Aspekt der Korrekturen spricht, damit Anhaftung an den Schöpfer entstehe –, muss man vor der Zählung einen Segen geben. Das bedeutet: dass man in der rechten Linie gehen muss, die „Segen“ genannt wird, wie oben, dass er ein Mann ist, dem nichts fehlt. Und danach geht man zum Aspekt der Linken über, „Zählung“ genannt, wie oben. Und danach geht man wieder zum Aspekt der Rechten über, „Segen“ genannt. Und das ist es, was geschrieben steht: dass durch den Segen am Anfang und am Ende die Zählung Bestand hat und keine Plage über sie kommt; vielmehr gelangen sie dadurch zur wahren Vollkommenheit.
korrigiert, EY, CO4.8, 19.06.2026