1989/31 Was bedeutet das Verbot, Götzendienern die Tora zu lehren, in der Arbeit?
Im Sohar (Chukat, im Sulam [Leiter-Kommentar] Punkt 2) heißt es wörtlich: „Aber ‚sot‘ [dies, זאת] – ohne die Hinzufügung des Waw [ו] – ist gewiss die Satzung der Tora. Diese ist Malchut, die ‚Satzung‘ genannt wird und von Seir Anpin [aramäisch: Kleines Gesicht, die sechs mittleren Sefirot] kommt, welcher ‚Tora‘ genannt wird. Es ist nicht die Tora selbst, die Seir Anpin ist, sondern nur das Gesetz der Tora, die Verordnung der Tora, welche Malchut ist.“ Der Ausdruck ‚und dies ist die [we sot, וזאת] Tora‘ zeigt dagegen, dass alles eine Einheit bildet: Er schließt die Versammlung Israels (Knesset Israel), welche Malchut ist, in den Schöpfer ein, sodass alles eins ist.
Wir sollten verstehen, warum der Sohar Malchut mit dem Namen „Satzung“ bezeichnet. Warum muss Malchut allein ein Gesetz sein, ohne Verstand, wie Rashi auslegt? Bei ihm heißt es: „‚Dies ist die Satzung der Tora‘ – weil der Satan und die Völker der Welt Israel anfechten und sagen: ‚Was ist diese Mizwa und welchen Sinn hat sie?‘ Deshalb steht darüber geschrieben: ‚Eine Satzung, eine Verordnung ist es von Mir, du hast keine Erlaubnis, daran zu zweifeln.‘“
Daraus geht hervor, wann etwas ein Gesetz genannt wird: nur dann, wenn die Völker der Welt fragen „Was ist diese Mizwa?“ und man ihnen eine Antwort geben muss. Und die Antwort lautet: „Ein Gesetz, eine Verordnung.“ Damit zeigt sich zugleich, wann der Mensch das Gesetz wirklich einhält: Gerade dann, wenn sie „Warum?“ fragen, kann er sagen, dass er die Mizwa als Gesetz befolgt. Sonst gäbe es hier nichts, woran sich zeigte, dass er sie als Gesetz befolgt.
Auch dies sollten wir verstehen: Wäre diese Mizwa in den Verstand eingekleidet, so wäre sie leichter einzuhalten. Warum will der Schöpfer, dass sie gerade ein Gesetz ist, und macht es damit schwerer, sie einzuhalten? Es gilt doch die Regel: „Der Schöpfer kommt nicht mit Anmaßung (mit einem Vorwand) gegenüber Seinen Geschöpfen“ (Awoda Sara 3).
Wenn dem so ist, sollten wir verstehen, warum Er will, dass die Mizwa als Gesetz befolgt wird. Sprechen wir auf dem Weg der Arbeit, so sind zwei Dinge zu unterscheiden:
1. Der Teil der Handlung.
2. Der Teil der Absicht.
In der körperlichen Welt sehen wir, dass der Mensch hauptsächlich auf die Belohnung schaut. Nehmen wir an, ein Mensch arbeitet bei einem Hausherrn, und der Arbeitgeber sagt ihm: „Ich will, dass du bei mir arbeitest. Was du dabei tust, brauchst du nicht zu verstehen, und wofür ich diese Arbeit benötige, musst du nicht wissen. Du magst zwar denken, es wäre für mich besser, dir diese Dinge gar nicht aufzutragen, und ich kann dir nicht erklären, welchem Zweck die Tätigkeiten dienen, die du für mich verrichtest. Sage mir dafür, wie viel du verdienst, wenn du bei anderen Menschen arbeitest, wo du sehr wohl verstehst, wofür du arbeitest. Und da ich gerade diese Arbeit will, zahle ich dir das Zehnfache dessen, was du bei anderen verdienen würdest.“ Gewiss würden viele auf diese Arbeit aufspringen, denn alle schauen auf die Gegenleistung und die Belohnung, und er zahlt das Zehnfache. Zahlt man auf dem Markt tausend Dollar im Monat, so zahlt er zehntausend. Von dieser Arbeit wird man gewiss nicht sagen, dass sie über dem Verstand geschieht und „ein Gesetz“ genannt wird. Denn es liegt innerhalb des Verstandes, dass sie sich lohnt: Der Verstand gebietet, dass der Mensch im Wesentlichen um der Belohnung willen arbeitet, und also muss man dort arbeiten, wo mehr Belohnung gegeben wird. Eben dies nennt man „innerhalb des Verstandes“.
Was aber wird bei den Geschöpfen „über dem Verstand“ genannt? Dass der Mensch ohne Belohnung und ohne jede Gegenleistung arbeiten soll. Der Grund dafür liegt im Schöpfungsziel, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun – nämlich dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen, was „Verlangen, für sich selbst zu empfangen“ genannt wird. Alles, was Er tut, geschieht also ganz zum Nutzen des Geschöpfes, denn so war Sein Wille, gepriesen sei Er. Sagt man daher einem Menschen, er müsse ohne Gegenleistung arbeiten, so nennt man das „über dem Verstand“: Es steht gegen den Verstand, also gegen das Schöpfungsziel.
Sagt man nun einem Menschen, dass er um des Gebens willen arbeiten muss, so kommt sofort die Frage des Frevlers: „Was ist das für eine Arbeit für euch“ – dass ihr nicht für euren eigenen Nutzen sorgt, sondern für den Nutzen des Schöpfers. Gewiss muss man ihm eine Antwort geben, die der Verstand annimmt, denn er argumentiert geradeheraus zur Sache: Ihr wollt gegen die Natur vorgehen. Was aber sagten unsere Weisen, was man antworten soll? „Schlage seine Zähne stumpf“ – darauf gibt es also keine Antwort, sondern ein Gesetz.
Will man ihn [den bösen Trieb] überwinden und sagt, es lohne sich, zur Ehre des Königs zu arbeiten, dann wird er noch klüger und stellt die Frage des bösen Pharao, der sagte: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören soll?“ Damit stehen hier scheinbar zwei berechtigte Argumente. Nach dem, was mein Vater und Lehrer sagte, ist es jedoch nur ein einziges. Denn er will in der Eigenliebe bleiben und argumentiert deshalb wie ein Weiser: „Ich bin ein starker Mann, ich bin nicht einfach einer vom einfachen Volk, der sich nicht überwinden kann; ich kenne den Schöpfer nur nicht. Würde Sich mir der Schöpfer offenbaren und müsste ich nicht an Ihn glauben, würde ich sofort zum Nutzen des Schöpfers arbeiten.“
Er befindet sich also im Hochmut. Weil er in der Eigenliebe bleiben will, bringt er das Argument des Weisen vor: Er sei nicht wie die anderen Menschen, denen die Kraft zur Überwindung fehlt und die kleinen Kindern gleichen – was sie sehen, das wollen sie, und sie bringen nicht die Kraft auf, sich zu überwinden und zu prüfen, ob die Sache gut für sie ist oder nicht.
„Ich hingegen werde ein ‚starker Mann‘ genannt, denn ich kann mich selbst beherrschen. Doch wenn der Schöpfer will, dass ich für Ihn arbeite, dann sollte Er Sich nicht verbergen, sodass wir Ihn nicht erlangen können und allein an Seine Vorsehung glauben müssen. Das ist nicht logisch.“ So kleidet er die Eigenliebe in ein Gewand des Hochmuts. Das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, veranlasst ihn, auch hochmütig zu sein. Alles, was der Mensch vorbringt, um nicht glauben zu müssen, läuft im Wesentlichen darauf hinaus, dass er dieses Verlangen nicht annullieren will.
Dazu sagte mein Vater und Lehrer, dass wir glauben müssen: Weder der Weg des Glaubens über dem Verstand noch die Forderung, für Ihn und nicht für den eigenen Nutzen zu arbeiten, entspringen dem Grund, dass der Schöpfer in all diesen Dingen Sein eigenes Wohl wollte. Alles geschieht vielmehr zum Nutzen des Menschen. Denn der Schöpfer will den Geschöpfen Gutes und Genuss geben, und die Vollkommenheit dieses Genusses besteht darin, dass sie beim Empfangen keine Scham empfinden. Deshalb gab Er uns den Rat, für Ihn zu arbeiten. Dadurch können wir Gutes und Genuss empfangen, ohne beim Empfangen eine Unannehmlichkeit zu verspüren.
Damit uns die Scham erspart bleibt, wurde uns noch eines gegeben: der „Glaube über dem Verstand“. „Denn wäre die Vorsehung offenbar“, sagt er in der Einführung, „dann gäbe es keine Möglichkeit, etwas zum Nutzen des Schöpfers zu tun, sondern alles müsste zwangsläufig zum eigenen Nutzen sein“ – nämlich dann, wenn der Geschmack des Genusses an den Mizwot stärker offenbart wäre als die körperlichen Genüsse. Schon an den körperlichen Genüssen sehen wir, wie schwer es fällt, wenn ein Mensch auf einen solchen Genuss verzichten will und sagt: „Ich empfange diesen Genuss nur, wenn ich dabei auf den Himmel ausrichten kann; sonst will ich ihn nicht empfangen.“
Bei den Geschmäcken von Tora und Mizwot müssen wir glauben, was der heilige ARI sagt: Infolge des Zerbrechens sind heilige Funken in die Klipot (Schalen) gefallen. In den Worten des Sohar heißt dies nehiru dakik (dünnes Leuchten) – ein kleines Leuchten aus der Heiligkeit (Kedusha). Daraus entspringen alle Genüsse, die sich in der körperlichen Welt finden. Und daran kann der Mensch eine Rechnung aufstellen. Schon bei den kleinen Genüssen fällt die Wahl schwer: Er müsste sich hüten, die körperlichen Genüsse anders als um des Himmels willen zu empfangen, und wäre bereit, auf jeden einzelnen Genuss zu verzichten, sobald er dabei nicht auf den Himmel ausrichten kann – wie schwer das ist. Um wie viel schwerer wäre es, wenn das Gute und der Genuss, die in Tora und Mizwot eingekleidet sind, offenbart wären. Dann wären die Geschöpfe nicht fähig, eine Wahl zu treffen und alles um des Himmels willen zu tun, sondern empfingen das Gute und den Genuss zum eigenen Nutzen.
Deshalb wurden der Zimzum (Einschränkung) und die Verhüllung bewirkt: damit die Geschöpfe sich selbst korrigieren können und beim Empfangen des Guten und Genusses Anhaftung (Dwekut) und Angleichung der Form erlangen. Ist das Gute nun in Tora und Mizwot nicht offenbart und hält der Mensch Tora und Mizwot aus dem Grund des Glaubens ein, so wählt er sie nicht deshalb, weil er Genuss an ihnen hätte – denn das Gute und der Genuss sind noch nicht offenbart. Solange der Mensch sein Empfangsgefäß nicht dahingehend korrigiert hat, dass alles, was er tut, um des Himmels willen und nicht zum eigenen Nutzen geschieht, ruht auf ihm noch ein Zustand der Verbergung und Verhüllung. Eben darin liegt der Raum für die Wahl: zu wählen und zu prüfen, ob er zum eigenen Nutzen oder zum Nutzen des Schöpfers arbeitet.
Wären das Gute und der Genuss hingegen offenbart, so wären die Geschöpfe gezwungen, im Zustand des eigenen Nutzens zu bleiben, denn angesichts der offenbaren Vorsehung könnten sie sich von Tora und Mizwot nicht mehr lösen. So sagt er es (in der Einführung in Talmud Esser haSefirot, Punkt 43) wörtlich: „Und nehmen wir zum Beispiel an, der Schöpfer würde mit Seinen Geschöpfen mit offenbarer Vorsehung verfahren, sodass etwa jeder, der etwas Verbotenes isst, auf der Stelle ersticken würde, und jeder, der eine Mizwa ausführt, in ihr den wunderbaren Genuss fände, ähnlich den allerausgezeichnetsten Genüssen dieser Welt – denn dann: Welcher Unvernünftige würde daran denken, auch nur eine verbotene Sache zu kosten, im Augenblick, in dem er wüsste, dass er dadurch sofort sein Leben verlöre, so wie er nicht daran denkt, in ein Feuer zu springen? Und ebenso: Welcher Unvernünftige würde irgendeine Mizwa unterlassen, ohne sie sofort mit allem Eifer zu erfüllen?“ Daran zeigt sich, dass sowohl der Glaube als auch die Arbeit um des Gebens willen und nicht zum eigenen Nutzen ganz zum Wohle des Menschen sind.
Nach dem Gesagten verstehen wir die Frage, die wir gestellt haben: Zu welchem Zweck wurde uns die Ordnung der Arbeit auf dem Weg des Glaubens über dem Verstand gegeben? Die Logik gebietet doch, dass die heilige Arbeit leichter zu verrichten wäre, wenn der Schöpfer uns die Arbeit in Tora und Mizwot innerhalb des Verstandes und der Vernunft gäbe – und Er kommt ja nicht mit Anmaßung gegenüber Seinen Geschöpfen. Warum also hat Er es so eingerichtet?
Die Antwort lautet: Nur auf dem Weg der Verbergung und Verhüllung können die Geschöpfe zur Vollkommenheit gelangen, also das Gute und den Genuss auf vollkommene Weise empfangen, ohne beim Empfangen eine Unannehmlichkeit zu verspüren. Daraus ergibt sich, dass gerade jener Weg der erfolgreichste ist, auf dem wir im Aspekt von Verstand und Herz auf den Schöpfer zugehen können – und nicht, wie jeder Einzelne meint, dass die Geschöpfe zur Vollkommenheit gelangten, wenn der Schöpfer uns den Weg der Arbeit im Aspekt des Verstandes gäbe, also eine offenbare Vorsehung. Dazu lässt sich sagen, was geschrieben steht: „Denn Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken.“
Nach dem Gesagten können wir auslegen, was wir gefragt haben: Warum wird Malchut „Satzung“ genannt und trägt den Namen „Satzung der Tora“? Der Sohar sagt dort, Malchut heiße „Satzung der Tora“ und nicht die Tora selbst; sie ist die Verordnung der Tora, und man muss Malchut in die Tora zu einer Einheit einschließen.
Wir haben gefragt, warum Malchut „Satzung“ genannt wird. Die Antwort lautet: Malchut wird „Königtum des Himmels“ genannt, und dies ist der Aspekt des Glaubens – zu glauben, dass der Schöpfer mit einer Vorsehung des Guten, der Gutes tut, über die Welt wacht.
Beginnt der Mensch nun, für sich selbst eine Rechnung aufzustellen, so sieht er, dass er voller Mängel ist – wie soll der Körper da verstehen, dass dies alles Gutes sei? Zwar wurde uns gegeben, über die schlechten Zustände zu beten, die wir in der Körperlichkeit wie in der Spiritualität empfinden. Doch danach, wenn der Mensch gebetet und auf sein Gebet keine Antwort erhalten hat, wenn er sieht, dass er sich in äußerster Niedrigkeit befindet, körperlich wie spirituell, dann muss er sich überwinden und sagen, dass der Name des Schöpfers „der Gute, der Gutes tut“ lautet.
Dies ist eine große Arbeit, denn auf alle Fragen, die der Körper stellt, hat er keine Antwort gemäß dem Verstand. Vielmehr muss er sagen: „Ich nehme das Joch des Königtums des Himmels über dem Verstand auf mich“, und dass es so die Verordnung des Schöpfers sei. Dazu sagten unsere Weisen: „Weil die Völker der Welt Israel anfechten und sagen: ‚Was ist diese Mizwa und welchen Sinn hat sie?‘ Und was muss man antworten? ‚Eine Satzung habe Ich verordnet, eine Verordnung ist es von Mir, und es ist verboten, daran zu zweifeln.‘“
Deshalb wird das Königtum des Himmels „Satzung“ genannt. Es ist jedoch das Gesetz der Tora und nicht die Tora selbst: Wer der Tora würdig werden will, muss die Gesetze auf sich nehmen, die uns die Tora gegeben hat; sonst lässt sie sich nicht empfangen. Nimmt der Mensch das Königtum des Himmels auf sich, so wird er im Aspekt „Israel“ genannt. Denn durch das Königtum des Himmels, das er über dem Verstand auf sich nimmt, tritt er aus der Eigenliebe heraus und ist dann geeignet, die Tora selbst zu empfangen.
Andernfalls – wenn er des Aspekts der Gefäße des Gebens noch nicht würdig geworden ist – geht die ganze Tora, die er nimmt, zur Sitra Achra (die andere Seite) und nicht zur Heiligkeit. Das Licht der Tora, welches das Gute und der Genuss ist, den die Geschöpfe empfangen sollen, ginge dann zu den Klipot. Deswegen geschahen der Zimzum und die Verhüllung, damit alles in die Heiligkeit eintritt. Den Aspekt der Tora kann man dem Menschen daher gerade dann geben, wenn er des Aspekts „Israel“ würdig wird, also bereits des Königtums des Himmels würdig geworden ist und bei allem, was er tut, keinen anderen Gedanken hat, als seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.
Nach dem Gesagten ergibt sich: Das Verbot, Götzendienern die Tora zu lehren, bedeutet im Aspekt der Arbeit, dass niemand Tora lernen kann, solange er sich noch im Aspekt des Götzendieners befindet, also noch in der Eigenliebe versunken ist. Denn der Glaube über dem Verstand, der „Königtum des Himmels“ heißt und der Aspekt der Satzung ist, ist ein Rat, um aus der Eigenliebe herauszutreten und dadurch der Ordnung der Arbeit würdig zu werden – jener Ordnung, die dem gegeben wird, der das Königtum des Himmels im Aspekt von Verstand und Herz auf sich nehmen will. Dann wird der Mensch des Aspekts „Israel“ würdig, sodass all seine Handlungen allein um des Himmels willen geschehen. Und dann ist die Zeit, in der er die Tora empfangen kann und die Klipot nicht von der Heiligkeit saugen können.
Damit lässt sich auslegen, was unsere Weisen sagten (Chulin 89): „Die Welt besteht nur für den, der sich im Augenblick des Streits zurückhält.“ Wörtlich verstanden heißt das: Hält der Mensch sich nicht zurück, sondern erwidert dem anderen, wenn Streit herrscht, so kann die Welt dadurch nicht bestehen. Nach dem Gesagten aber lautet die Auslegung: Auf dem Weg der Arbeit ist „die Welt“ der Mensch selbst, wie im Sohar geschrieben steht: „Jeder Mensch ist eine kleine Welt für sich.“ Dann gilt es von dem Augenblick an, in dem der Mensch beginnt, einen Streit mit dem Körper zu führen, weil er erfüllen will, was unsere Weisen sagten: „Immer reize der Mensch den guten Trieb gegen den bösen Trieb auf“ – und nach der Auslegung Rashis soll er mit ihm Krieg führen, was „der Krieg des Triebes“ genannt wird. Sobald der Mensch nämlich vom Körper verlangt, alles um des Himmels willen zu tun, reizt er den bösen Trieb aufs Äußerste, denn er will dessen Herrschaft gänzlich annullieren und alles, was er tut, um des Himmels willen tun. Dann kommt der Körper mit berechtigten Klagen zu ihm, denn er bringt ein Argument des Verstandes vor.
Will der Mensch aber bestehen – will er also zur äußersten Vollkommenheit gelangen und den Willen des Schöpfers erfüllen, dessen Wille, gepriesen sei Er, es ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, und will er des Lichtes der Tora würdig werden, welches das Gute und der Genuss im Schöpfungsgedanken ist –, dann ist es ihm verboten, dem Körper mit Argumenten des Verstandes zu antworten. Er darf also nicht sagen, dass er innerhalb des Verstandes gehe, denn innerhalb des Verstandes bliebe er zwangsläufig in der Absicht zu empfangen. Vielmehr hält er sich im Augenblick des Streits zurück und sagt ihm: „Im Aspekt des Verstandes hast du Recht, und ich gehe über dem Verstand.“
korrOp, EY, 28.07.2026, 13:20 Uhr, Ver3