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1990/05 “Was ist der Grund dafür, dass die Erde ihre Früchte nicht hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde” in der Arbeit?

Im Heiligen Sohar (WaJera, Blatt 1, im Sulam) steht geschrieben, und dies sind seine Worte: „Rabbi Chija begann: ‚Die Knospen erschienen auf der Erde, die Zeit des Gesangs ist gekommen.‘ Das bedeutet: Als der Schöpfer die Welt erschuf, legte er in die Erde alle ihr zukommende Kraft, und alles war in der Erde. Doch sie brachte in der Welt keine Früchte hervor, bis der Mensch erschaffen wurde. Sobald der Mensch erschaffen war, zeigte sich alles in der Welt, denn die Erde offenbarte ihre Früchte und ihre Kräfte, die in ihr hinterlegt waren. Und da hieß es: ‚Die Knospen erschienen auf der Erde, die Zeit des Gesangs ist gekommen, und die Stimme der Turteltaube ist in unserem Land zu hören.‘ Dies ist die Rede des Schöpfers, die in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde. Sobald der Mensch da war, war alles da.“

Man muss verstehen, warum die Erde ihre Früchte nicht gab, bevor der Mensch erschaffen wurde. Was ist die Verbindung zwischen der Erde und dem Menschen, dass die Erde, wenn es keinen Menschen gibt – obwohl sie alles besitzt –, ihre Früchte dennoch nicht gibt, solange es keinen Menschen gibt? Und ebenso: Was bedeutet es, dass „die Rede des Schöpfers in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde“? Es steht doch mehrfach geschrieben: „Und Gott sprach: Es werde Licht.“

Dies lässt sich im Sinne der Arbeit auslegen. Unsere Weisen sagten zum Vers „Im Anfang erschuf Gott“: um Israels willen, das „Anfang“ genannt wird, wie geschrieben steht: „Heilig ist Israel, der Erstling seines Ertrags.“ Das bedeutet, wie gesagt, dass das Ziel der Erschaffung der Welt darin bestand, seinen Geschöpfen Gutes zu tun – das heißt, dass er in den Geschöpfen ein Verlangen erschuf, Gutes und Genuss zu empfangen. Und durch dieses Verlangen, also dadurch, dass dieses Verlangen ihn danach streben lässt, das Gute und den Genuss zu empfangen, bemessen sich das Vergnügen und der Genuss, die der Mensch daraus ziehen kann.

Dies wird „das Werk des Schöpfers“ genannt, nämlich dass er ein Verlangen erschuf, Genuss zu empfangen – für jenen Genuss, den er ihnen geben will. Demnach fehlt es in der Welt an nichts: Es gibt die Fülle, die zum Verlangen zu empfangen gehört. Das heißt: In dem Maß, in dem er Gutes und Genuss geben wollte, erschuf er dafür ein Kli (Gefäß) – das Verlangen zu empfangen ist also nicht größer, als der Schöpfer es erschuf, sodass es empfangen kann, was er geben will. Es zeigt sich: Das Gute und der Genuss sind vorhanden, und das Gefäß zum Empfangen ist vorhanden – was fehlt also noch?

Es ist bekannt, dass die Erde Malchut genannt wird; das heißt, das Verlangen, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen, wird Malchut genannt. Malchut ist also diejenige, die die Fülle für die Seelen empfängt; deshalb wird Malchut „Versammlung Israels“ (Knesset Israel) genannt, denn sie ist die Gesamtheit der Seelen. Demnach hat Malchut bereits das ganze Licht für die Seelen empfangen. Es erhebt sich die Frage: Warum empfangen die Geschöpfe von Malchut nicht die Fülle, die sie für die Geschöpfe empfangen hat? Stattdessen herrscht in der Welt die Kraft der Verhüllung, sodass die Stimme der Turteltaube in unserem Land nicht zu hören ist – das heißt, die Rede des Schöpfers ist in der Welt nicht zu hören. Vielmehr spürt jeder die Verhüllung, und es bedarf großer Arbeit, an seine Vorsehung über die Geschöpfe zu glauben, und das Gute und der Genuss sind in der Welt nicht offenbart.

Die Antwort lautet: weil der Schöpfer wollte, dass es keine Scham gibt. Darum wurde die Korrektur vollzogen, die man Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung nennt, damit die höhere Vorsehung nicht offenbart sei. Vielmehr müssen wir glauben, dass der Schöpfer die Welt nach der Eigenschaft des Guten, der Gutes tut, lenkt. Und das hat uns die ganze Arbeit auferlegt: dass wir uns darum mühen müssen, das Verlangen, für uns selbst zu empfangen, aufzugeben – obwohl es unsere ganze Wirklichkeit ausmacht.

Das heißt: Alles, was wir den Geschöpfen zuschreiben, ist nur das Verlangen zu empfangen. Dennoch ist es verboten, das Verlangen zu empfangen so zu gebrauchen, wie es von Natur aus hervortritt; vielmehr müssen wir über die Natur hinausgehen. Unsere Natur ist nämlich das Verlangen, für uns selbst zu empfangen. Sagt man nun einem Menschen, er müsse das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, aufgeben, so gibt es kein Glied in ihm, das dies begreifen könnte. Und der Körper beginnt, Fragen zu stellen – „wer“ und „was“ –, das heißt, er verlangt eine Antwort im Verstand, um zu wissen, ob der Schöpfer wirklich auf jeden Einzelnen hört, der ihn um etwas bittet.

Der Körper hält dem Menschen entgegen: „Du siehst doch, dass du schon viele Male gebeten hast, der Schöpfer möge dir helfen bei dem, was dir deiner Meinung nach fehlt. Und bis jetzt siehst du, dass du noch keine Erhörung deines Gebets erhalten hast. Warum also sagst du jeden Tag: ‚Denn du erhörst das Gebet eines jeden Mundes‘? Warum hilft er dir dann nicht?“ Demnach gebietet der Verstand, dass der Körper recht hat – das heißt, er bringt sein Argument mit Verstand und Einsicht vor.

Darauf muss man dem Körper antworten, dass man über dem Verstand geht. Das heißt: Zwar gebietet der Verstand, dass der Schöpfer – Gott behüte – nicht das Gebet eines jeden Mundes erhört. Man kann das nämlich so erklären, dass der Schöpfer ihm deshalb nicht antwortet, weil er noch nicht würdig ist, die Erlösung vom Schöpfer zu empfangen. Doch in Wahrheit erhört der Schöpfer das Gebet Israels. Nur dir will er die Erfüllung des Gebets, das du dargebracht hast, nicht geben, weil du nicht zur Stufe „Israel“ zählst.

Wieder fragt der Körper: „Du siehst doch, dass wir glauben müssen: ‚Denn du erhörst das Gebet eines jeden Mundes‘, so wie wir es im Gebet sprechen: ‚Denn du erhörst das Gebet eines jeden Mundes.‘ Dann muss der Schöpfer auch dein Gebet erhören. Und mehr noch: Wenn er nicht das Gebet eines jeden Mundes erhört, wozu musst du dann überhaupt beten?“

Wenn der Mensch in eine solche Lage kommt, dann ist der Augenblick, in dem er sagen kann, dass er über dem Verstand geht. Das heißt: Obwohl der Verstand etwas Wichtiges ist und er sieht, dass der Körper mit Verstand redet, muss der Mensch sagen, dass wir über dem Verstand gehen müssen – auch wenn wir Widersprüche sehen. Zum Beispiel, wie gesagt, dass er viele Male gebetet und doch keine Antwort auf sein Gebet erhalten hat. Und wenn er sich dann überwindet und über dem Verstand geht, nennt man das „Glaube über dem Verstand“.

Ebenso ist es, wenn der Mensch die „Eigenschaft des Herzens“ (liba) aufgeben und sagen muss: „Ich verzichte auf den eigenen Nutzen und sorge einzig für den Nutzen des Schöpfers“ – das ist gewiss über dem Verstand. Über dem Verstand bedeutet nämlich, dass der Mensch sagen soll, der Glaube stehe bei ihm auf einer wichtigeren Stufe als der Verstand. Darum hört er auf die Stimme des Glaubens und nicht auf die Stimme des Verstandes. Und da dies dem Verstand zuwiderläuft – denn uns wurde, wie wir sehen, Verstand gegeben, und wir bemessen jeden Menschen nach dem Rang seines Verstandes, wie geschrieben steht: „Nach seinem Verstand wird ein Mann gelobt“ (Sprüche 12), und wer mehr Verstand hat, ist ein wichtigerer Mensch –, darum läuft es unserem Verstand zuwider, wenn man uns sagt, wir müssten über dem Verstand gehen.

Wenn der Mensch daher in eine Lage kommt, in der der Körper anfängt, die Fragen „wer“ und „was“ zu stellen, dann beginnt die wahre Arbeit. Dann müssen wir den Schöpfer um Hilfe bitten, dass er uns die Kraft gebe, jene Fragen Pharaos und des Frevlers – das „wer“ und „was“ – nicht anzuhören. Darüber sagten die Weisen: „Würde der Schöpfer ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht überwinden.“ Denn aus eigener Kraft kann der Mensch ihrer Herrschaft nicht entkommen und sagen: „Ich gehe über dem Verstand“ – weil dies der Natur zuwiderläuft.

Nach dem Gesagten können wir unsere Frage deuten: Was ist die Verbindung zur Erde, die ihre Früchte nicht hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde? Denn in der Arbeit wird gerade derjenige „Mensch“ genannt, der der Herrschaft der tierischen Eigenschaft entkommen ist. Als „Tier“ gilt nämlich, wer in seinen eigenen Nutzen versunken ist, eben wie ein Tier; und als „Mensch“ gilt, wer Ehrfurcht vor dem Himmel hat und aus Ehrfurcht dient – was der Heilige Sohar mit den Worten „weil er groß ist und herrscht“ bezeichnet –, der also einzig wegen der Größe des Schöpfers dient und nicht auf seinen eigenen Nutzen bedacht ist, sondern auf den Nutzen des Schöpfers. So sagten unsere Weisen zum Vers: „Letzten Endes: Fürchte Gott und halte seine Gebote, denn das ist der ganze Mensch. Was bedeutet ‚denn das ist der ganze Mensch‘? Rabbi Elasar sagte: Die ganze Welt wurde nur dafür erschaffen“ (Berachot 6).

Es zeigt sich: „Mensch“ heißt, wer Ehrfurcht vor dem Himmel hat. Und was ist Ehrfurcht vor dem Himmel? Das heißt: Was ist diese Ehrfurcht? Sie ist, wie es heißt (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 191, im Sulam, Spalte 2): „Weder die erste noch die zweite Ehrfurcht ist – Gott behüte – auf den eigenen Nutzen gerichtet, sondern allein auf die Sorge, er könnte darin nachlassen, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.“

Nach dem Gesagten wissen wir bereits, was „Mensch“ bedeutet: einer, der Ehrfurcht vor dem Himmel hat und sich fürchtet, er könnte vielleicht nicht alles um des Gebens willen tun. Und das wird „Mensch“ genannt. „Tier“ dagegen meint das Gegenteil: einen, der nur auf seinen eigenen Nutzen bedacht ist. Wie geschrieben steht (Prediger 3): „Wer weiß, ob der Geist der Menschen nach oben steigt und der Geist des Tieres nach unten zur Erde sinkt.“ Das lässt sich so deuten: Der „Geist des Menschen“ steigt nach oben – das heißt, alles, was er tut, geschieht zum Nutzen des Schöpfers. Und das wird „oben“ genannt, nämlich dass seine Absicht ist, alles solle nur um des Gebens willen sein. Daraus erfährt der Mensch Wohlgefallen.

Der „Geist des Tieres“ aber besteht darin, dass er bei allem, was er tut, alles für „unten“ will, das heißt „unten auf der Erde“, was das Irdische ist – denn das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, wird „Erde“ genannt. Wenn dieser Mensch etwas tut, achtet er darauf, dass es nur seinem eigenen Nutzen diene. Daraus zieht er seinen Geist, das heißt sein Wohlgefallen: Er wird an seinem Tun nur dann Genuss haben, wenn ihm selbst etwas daraus erwächst. Sieht er aber, dass das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, daraus keinen Genuss ziehen kann, hat er keine Kraft zur Arbeit. Und muss er aus irgendeinem Grund dennoch arbeiten, so hat er bei dieser Arbeit überhaupt keine gute Stimmung.

Nach dem Gesagten verstehen wir nun die Verbindung zwischen dem Menschen und der Erde. Wir fragten: Was bedeutet es, dass „die Erde ihre Früchte in der Welt nicht hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde“, obwohl alle ihr zukommende Kraft und alles in der Erde war? Die Sache verhält sich wie gesagt: In der Arbeit wird die Erde Malchut des Himmels genannt, die Versammlung Israels, die die Fülle für die Geschöpfe empfängt, da alle Seelen aus ihr stammen. Und von Seiten des Schöpfers ist bereits alles aufs Beste korrigiert.

Wie er sagt (Einführung in das Buch Sohar, Punkt 13): „Die Sache ist die: In Wahrheit vollendete sein Gedanke schon im Augenblick, da er die Seelen zu erschaffen gedachte, alles – denn er braucht kein Werkzeug der Tat wie wir. Augenblicklich traten alle Seelen und alle Welten, die erschaffen werden sollten, ins Dasein, erfüllt von all dem Guten und dem Genuss, den die Seelen am Ende der Korrektur (Gmar Tikun) empfangen sollen: nämlich nachdem das Verlangen zu empfangen in den Seelen seine Korrektur bereits vollständig empfangen hat und sich in reines Geben verwandelt hat. Und das, weil in seiner Ewigkeit Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart als eins wirken.“

Damit lässt sich die Verbindung zwischen dem Menschen und der Erde deuten. Wenn es einen Menschen gibt, dann „bringt die Erde ihre Früchte hervor“. Mit der „Erde“ ist das Verlangen zu empfangen gemeint, das seine Korrektur bereits vollständig empfangen hat. Und beim Schöpfer ist alles in vollkommener Vollendung abgeschlossen, und es gibt nichts hinzuzufügen, wie gesagt. Das meint er mit: „Augenblicklich traten alle Seelen ins Dasein, erfüllt von all dem Guten und dem Genuss.“ Damit aber die Geschöpfe die Früchte von Malchut genießen, die sie empfangen hat, gibt Malchut – die „Erde“ genannt wird – diese den Geschöpfen erst dann, wenn sie das Verlangen zu empfangen auf das Geben hin korrigiert haben; das geschieht wegen der Korrektur, die vollzogen wurde, damit in ihnen die Gleichheit der Form bestehe.

Es zeigt sich: Solange der Mensch nicht die Stufe „Mensch“ erreicht hat – das heißt die Stufe des Gebens nach oben, wie gesagt, im Sinne von „der Geist des Menschen geht nach oben“, nämlich dass „Mensch“ bedeutet, dass alles, was er tut, zum Nutzen des Schöpfers geschieht (während der Geist des Tieres „nach unten sinkt“, also zum eigenen Nutzen) –, solange kann Malchut, die „Erde“ genannt wird, das Gute und den Genuss nicht zeigen, die sie für die Geschöpfe empfangen hat.

Das meint der Heilige Sohar mit: „Die Knospen erschienen auf der Erde.“ Alles war in der Erde, doch sie brachte in der Welt keine Früchte hervor, bis der Mensch erschaffen wurde. Bevor das Geschöpf zur Stufe „Mensch“ gelangt, sieht es keinerlei Früchte von Malchut, die „Erde“ genannt wird.

Nach dem Gesagten verstehen wir unsere Frage zu dem, was der Heilige Sohar sagt: „und die Stimme der Turteltaube ist in unserem Land zu hören“ – dies ist die Rede des Schöpfers, die in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde. Es steht doch in der Tora viele Male „Und Gott sprach“, schon bevor der Mensch erschaffen wurde. Doch die Deutung ist wie gesagt: Bevor der Mensch die Stufe „Mensch“ erreicht, also aus dem Bereich des Tieres heraustritt, befindet er sich in der Verhüllung, und es ist unmöglich, die Stimme des Schöpfers zu hören.

Und das meint: „Die Rede des Schöpfers war in der Welt nicht vorhanden, bevor die Stufe ‚Mensch‘ erschaffen wurde.“ Denn erst danach, wenn der Mensch die Stufe „Mensch“ erreicht, hört er die „Rede des Schöpfers“. Die Rede des Schöpfers wird Tora genannt; dann nämlich wird er der Tora gewürdigt, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird. Und das wird die Rede des Schöpfers genannt – nicht, dass die Tora eine Weisheit wäre wie die übrigen Weisheiten, sondern die Tora ist die Rede des Schöpfers.

Doch nicht leicht kann der Mensch die Stufe „Mensch“ erreichen und aus der tierischen Eigenschaft heraustreten. Der Grund ist, dass er sich in der Arbeit des Schöpfers immer in der Gegensätzlichkeit der Form befindet. Und nur aus zwei Enden wird die mittlere Linie geboren, wie es im Lied des heiligen ARI heißt: „Rechts und links, und dazwischen die Braut.“ Das heißt: Durch Rechts und Links, die zwei Gegensätze sind, wird die Stufe Malchut des Himmels geboren, die „Braut“ genannt wird. Denn bekanntlich wird Malchut „Glaube“ genannt. Und um des Glaubens gewürdigt zu werden, muss man zuerst aus der tierischen Eigenschaft heraustreten, die „Selbstliebe“ genannt wird, wie gesagt: „der Geist des Tieres sinkt nach unten“ – wobei „unten“ bedeutet: niedriger an Wichtigkeit, nämlich die tierische Eigenschaft, die nur zum eigenen Nutzen arbeiten kann.

Solange das Geschöpf noch unter der Herrschaft des Verlangens steht, für sich selbst zu empfangen, kann es nur einen teilweisen Glauben empfangen. Das heißt, es hat Abstiege und Aufstiege. Im Abstieg verliert es die Kraft des Glaubens, denn ein Abstieg kommt ihm von irgendeinem Makel. Und alle Makel treffen das Geschöpf, während es in der Selbstliebe versunken ist. Darum gibt es für das Geschöpf eine Korrektur, damit es nicht den König beschädigt und ihm dann der Glaube an die Existenz des Königs verloren geht, wie in der Einführung in das Buch Sohar erklärt wird (Blatt 138, Stichwort „denn es ist ein Gesetz“). Siehe dort.

Und da es eine Regel gibt, dass der Mensch nicht auf einem Bein gehen kann, sondern nur auf zwei Beinen, weist dies auch auf das Spirituelle hin. Denn „Rechts“ ist die Eigenschaft der Vollkommenheit. Der erste Anfang nämlich, wenn das Geschöpf in die Arbeit des Schöpfers eintreten will, ist der, dass es an den Schöpfer glauben muss. Dabei kommt es nicht auf das Maß des Glaubens an; mit so viel Glauben, wie es hat, kann es bereits beginnen, Tora und Mizwot zu erfüllen. Und jeden Tag fügt es so viel hinzu, wie es nur kann.

Doch dieser Zustand wird nicht „Rechts“ genannt, sondern „eine einzige Linie“. Und das heißt die Stufe des Unbelebten der Heiligkeit (Kedusha). Aus diesem Unbelebten gehen alle übrigen Stufen hervor – das Pflanzliche, das Tierische und das Sprechende –, wie geschrieben steht (Prediger 3): „Alles ist aus dem Staub geworden.“ Und der Heilige Sohar deutet: „sogar das Sonnenrad“ (Sohar, Zaw, Blatt 63, Punkt 173). Das heißt: Alle müssen beim Unbelebten der Heiligkeit beginnen.

Doch man muss wissen: Wie beim körperlichen Unbelebten muss der Mensch keine Kräfte aufwenden, damit sich das Unbelebte zeige; vielmehr entwickelt sich das Unbelebte gemäß der Entwicklung der Natur. Das heißt: Wenn der Mensch das körperliche Unbelebte nicht verdirbt, entwickelt es sich. Zum Beispiel: Wenn der Mensch den Boden nicht verdirbt oder Steine aus dem Boden holt, entwickelt sich das Unbelebte. Ebenso beim Unbelebten der Heiligkeit: Wenn er sein Tun nicht verdirbt, entwickelt sich sein Unbelebtes der Heiligkeit. Doch er braucht keinerlei Absicht und keinen Gedanken, um sein Unbelebtes der Heiligkeit fortzuführen.

Anders ist es, wenn er in die Stufe des Pflanzlichen eintreten will. Wir sehen im Körperlichen, dass das Pflanzliche bereits einer besonderen Pflege bedarf: Man muss ihm Nahrung geben, nämlich Wasser und Sonne, und ebenso das Unbelebte herrichten, aus dem das Pflanzliche hervorgeht, also pflügen und dergleichen. Und ebenso muss man die übrigen Gewächse entfernen, die nicht zu der Pflanze gehören, die der Mensch aus diesem Boden wachsen lassen will – wie man im Körperlichen das andere Unkraut herauszieht, das sich daruntergemischt hat.

Ebenso müssen wir beim Pflanzlichen der Heiligkeit Gedanken und Verlangen darauf verwenden, wie wir diesem Unbelebten Nahrung geben, also das Pflügen. Das heißt: Wir müssen das Verlangen zu empfangen, das in ihm ist, auf das Geben hin umwandeln und dergleichen. Dann wird die Arbeit von „Rechts“ und „Links“ möglich. Was zuvor die eine Linie war, also die Eigenschaft der Handlung, das muss der Mensch nun als rechte Linie gebrauchen: Die schlichte Handlung muss er für wertvoll halten und sagen, dass er dem Schöpfer großen Dank schuldet, weil er ihn gewürdigt hat, ganz schlichte Handlungen zu vollbringen; und er soll sagen, dass auch er das nicht wert ist – dass der Schöpfer ihm als Geschenk gegeben hat, ihm in Schlichtheit zu dienen.

Zugleich muss er zur linken Linie übergehen, das heißt sich selbst prüfen: ob er wirklich dem Schöpfer dient oder für sich selbst arbeitet – also zum eigenen Nutzen und nicht zum Nutzen des Schöpfers. Und darum muss er beten, weil er so sehr in der Selbstliebe versunken ist. Manchmal sieht er, dass er nicht einmal darum beten kann, der Schöpfer möge ihm helfen und ihn aus der Herrschaft der Selbstliebe herausführen. Und manchmal ist er in einer noch schlimmeren Lage: Er will nicht einmal ohne Gebet, dass der Schöpfer ihn aus der Selbstliebe herausführe; im Gegenteil, er hat das Verlangen, der Schöpfer möge ihm helfen, das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, mit jeder nur möglichen Erfüllung zu füllen. Und das wird „Links“ genannt, denn etwas, das der Korrektur bedarf, wird im Spirituellen „Links“ genannt.

Es zeigt sich: Hier gibt es zwei Gegensätze. Einerseits sagt man dem Menschen, die Ordnung der Arbeit sei, dass er sich bemühen müsse, die eine Linie in ihrer ganzen Vollkommenheit zu erfüllen – so wie damals, als das Geschöpf sich im Zustand des Unbelebten befand, der „eine einzige Linie“ genannt wird, und sich für einen vollkommenen Menschen hielt und Freude und gute Stimmung hatte, weil es wusste, dass es Vollkommenheit besaß und nur noch die Menge hinzuzufügen war.

Der Grund war, dass es keinerlei Vorstellung von der Stufe des Pflanzlichen hatte, sondern meinte, die Stufe des Unbelebten sei die ganze Vollkommenheit, die dem Menschen zu vollbringen aufgetragen ist. Darum empfand es eine gute Stimmung wegen des Gefühls der Vollkommenheit und konnte nicht verstehen, warum alle übrigen Geschöpfe nicht seinen Verstand hätten.

Anders nun, da es eine Vorstellung davon hat, was die Stufe des Pflanzlichen ist: Da hat es die Vollkommenheit der einen Linie nicht mehr. Darum muss der Mensch sich nun sehr mühen, damit er die rechte Linie für wertvoll halten und Lebenskraft aus ihr schöpfen kann – so wie er sie empfing, als er sich in der einen Linie befand. Der Grund ist, dass die linke Linie ihn erkennen lässt, dass dies keine Vollkommenheit ist.

Und warum muss man wirklich in der rechten Linie gehen? Die Antwort lautet: aus Gründen der Wahrheit. Der Mensch soll nämlich das wenige an Halt in der Heiligkeit, das er hat, für wertvoll halten – das ist sehr viel wert. Und dann ist die Zeit, dem Schöpfer zu danken. Danach muss er zur linken Linie zurückkehren, denn auch dies ist wahr: dass man um des Himmels willen arbeiten muss. Und aus diesen beiden – aus der Vollkommenheit und Wichtigkeit der rechten Linie und aus dem Mangel der linken Linie – wird der Mensch der mittleren Linie gewürdigt. Und das ist, wie gesagt: „Rechts und links, und dazwischen die Braut.“

korrigiert, EY, CO4.8, 16.06.2026

 

Zusammenfassung:

Der Artikel von Rabash behandelt die Frage, warum die Erde keine Früchte hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde, und bezieht sich dabei auf eine Passage im Heiligen Sohar. Es wird erklärt, dass die Erde alle notwendigen Kräfte besaß, aber erst mit der Erschaffung des Menschen ihre Früchte offenbarte. Dies wird als ein Hinweis darauf gedeutet, dass die sichtbare Welt und ihre Fruchtbarkeit in Verbindung mit der Existenz und dem Handeln des Menschen stehen.

Der Artikel erklärt, dass die Schöpfung der Welt darauf abzielte, den Geschöpfen Gutes zu tun, und dass die Menschen ein inhärentes Verlangen nach Genuss und Freude haben. Dieses Verlangen nach Genuss ist die Triebfeder für die Entwicklung und das Wachstum der Menschen.

In der spirituellen Arbeit wird argumentiert, dass die Erde (Malchut) als das Verlangen verstanden wird, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen. Diese Fülle wird jedoch erst sichtbar und erlebbar, wenn der Mensch eine bestimmte spirituelle Stufe erreicht, die als „Mensch“ bezeichnet wird, im Gegensatz zum „Tier“, das sich nur um seinen eigenen Nutzen kümmert.

Es wird betont, dass es für den Menschen nicht einfach ist, diese höhere spirituelle Stufe zu erreichen. Diese Entwicklung erfordert eine Transformation von selbstbezogenen Verlangen zu einem Zustand des Gebens und der Hingabe an den Schöpfer. Dieser Prozess wird als Gehen über den Verstand hinaus beschrieben, was bedeutet, dass der Glaube über der Vernunft steht und der Mensch lernt, die Stimme des Glaubens über die Stimme der Vernunft zu stellen.

Der Artikel hebt hervor, dass spirituelles Wachstum durch die Balance von „Rechts“ (Vollkommenheit und Akzeptanz) und „Links“ (Selbstkritik und Streben nach Verbesserung) erreicht wird. Diese Balance führt zu einer mittleren Linie, in der der Mensch sowohl das Gute und die Vollkommenheit in seinem Leben als auch den Bedarf an kontinuierlicher Arbeit und Entwicklung anerkennt.

korrigiert, EY, 22.12.2023