Rabash 1990-05 – Was bedeutet es in der Arbeit, dass die Erde keine Früchte hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde?
Hinweis: Ver4 (Stilüberarbeitung nach Richtlinie) auf Basis Ver3→Ver4; Deutsch NEU und Fließtext bleiben wortgleich. HE maßgeblich; keine russische oder englische Referenz für diesen Artikel verfügbar. Sol-Bericht Ver3 (10/10 ohne Befunde) adjudiziert. Inhalt, Absatzstruktur und Terminologie unverändert; Kursiv gemäß Glossar und Bestand vereinheitlicht.
Nr. | Deutsch NEU | עברית | Deutsch ALT |
1 | Im Heiligen Sohar (WaJera, Blatt 1, im Sulam) steht geschrieben, und dies sind seine Worte: „Rabbi Chija begann: ‚Die Knospen erschienen auf der Erde, die Zeit des Gesangs ist gekommen.‘ Das bedeutet: Als der Schöpfer die Welt erschuf, legte Er in die Erde alle ihr zukommende Kraft, und alles war in der Erde. Doch sie brachte in der Welt keine Früchte hervor, bis der Mensch erschaffen wurde. Sobald der Mensch erschaffen war, zeigte sich alles in der Welt, denn die Erde offenbarte ihre Früchte und ihre Kräfte, die in ihr hinterlegt waren. Und da hieß es: ‚Die Knospen erschienen auf der Erde, die Zeit des Gesangs ist gekommen, und die Stimme der Turteltaube ist in unserem Land zu hören.‘ Dies ist die Rede des Schöpfers, die in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde. Sobald der Mensch da war, war alles da.“ | בזה"ק (וירא דף א' ובהסולם) כתוב שם וזה לשונו, "רבי חייא פתח, הנצנים נראו בארץ, עת הזמיר הגיע. פירושו, כאשר ברא הקב"ה את העולם, נתן בהארץ כל הכח הראוי לה, והכל היה בהארץ. אבל לא הוציאה פירות בעולם, עד שנברא האדם. כיון שנברא האדם, הכל נראה בהעולם, שהארץ גילתה פירותיה וכוחותיה, שנפקדו בה. ואז נאמר, הנצנים נראו בארץ, עת הזמיר הגיע וקול התור נשמע בארצנו. זהו הדיבור של הקב"ה, שלא היה נמצא בעולם מטרם שנברא האדם. כיון שנמצא האדם, נמצא הכל". | Im Heiligen Sohar (WaJera, Punkt 1) steht geschrieben: „Rabbi Chiya begann: ‚Die Knospen erschienen auf der Erde und die Zeit des Gesangs ist gekommen.‘ Das bedeutet, als der Schöpfer die Welt schuf, gab er der Erde alle geeigneten Kräfte, und alles war in der Erde. Aber sie brachte keine Früchte in der Welt hervor, bis der Mensch erschaffen wurde. Als der Mensch erschaffen wurde, wurde alles in der Welt sichtbar, da die Erde ihre Früchte und ihre Kräfte offenbarte, die in ihr verborgen waren. Und dann wurde gesagt: ‘Die Knospen erschienen auf der Erde, die Zeit des Gesangs ist gekommen, und die Stimme der Taube wird in unserem Land gehört. Dies ist das Wort des Schöpfers, das in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde. Als der Mensch erschien, erschien alles.“ |
2 | Man muss verstehen, warum die Erde ihre Früchte nicht gab, bevor der Mensch erschaffen wurde. Was ist die Verbindung zwischen der Erde und dem Menschen, dass die Erde, wenn es keinen Menschen gibt – obwohl sie alles besitzt –, ihre Früchte dennoch nicht gibt, solange es keinen Menschen gibt? Und ebenso: Was bedeutet es, dass „die Rede des Schöpfers in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde“? Es steht doch mehrfach geschrieben: „Und Gott sprach: Es werde Licht.“ | ויש להבין, מדוע הארץ לא נתנה את פירותיה מטרם שנברא האדם. מהו הקשר בין הארץ להאדם, שאם אין אדם, הגם שיש להארץ הכל, מכל מקום היא לא נותנת את פירותיה מטרם שיש אדם. וכמו כן, מהו הפירוש, ש"מטרם שנברא האדם לא היה הדיבור של הקב"ה נמצא בעולם". הלא כתוב כמה פעמים, "ויאמר אלקים, ויהי אור". | Man muss verstehen, warum die Erde ihre Früchte nicht gab, bevor der Mensch erschaffen wurde. Was ist die Verbindung zwischen der Erde und dem Menschen, dass, wenn kein Mensch existiert, obwohl die Erde alles hat, sie dennoch ihre Früchte nicht gibt, bevor ein Mensch existiert? Was bedeutet es zudem, dass die Rede des Schöpfers nicht in der Welt war, bevor der Mensch erschaffen wurde? Schließlich steht mehrmals geschrieben: „Und Gott sprach: ‚Es werde Licht.'“ |
3 | Dies lässt sich im Sinne der Arbeit auslegen. Unsere Weisen sagten zum Vers „Im Anfang erschuf Gott“: um Israels willen, das „Anfang“ genannt wird, wie geschrieben steht: „Heilig ist Israel, der Erstling seines Ertrags.“ Das bedeutet, wie gesagt, dass das Ziel der Erschaffung der Welt darin bestand, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun – das heißt, dass Er in den Geschöpfen ein Verlangen erschuf, Gutes und Genuss zu empfangen. Und durch dieses Verlangen, also dadurch, dass dieses Verlangen ihn danach streben lässt, das Gute und den Genuss zu empfangen, bemessen sich das Vergnügen und der Genuss, die der Mensch daraus ziehen kann. | ויש לפרש זה על דרך העבודה. הנה חז"ל אמרו על פסוק "בראשית ברא אלקים", בשביל ישראל, שנקראו "ראשית", כמו שכתוב "קודש ישראל, ראשית תבואתה". שפירושה כמו שכתוב, שתכלית בריאת העולם היתה בכדי להטיב לנבראיו, כלומר שברא בהנבראים רצון לקבל טוב ועונג. ובהרצון הזה, היינו שזה הרצון גורם לו להשתוקק לקבל את הטוב ועונג. ובזה נמדדת ההנאה והתענוג, שהאדם יכול להוציא משם ההנאה. | Das sollten wir in der spirituellen Arbeit auslegen. Unsere Weisen sagten über den Vers: „Im Anfang erschuf Gott“, für Israel, das “Anfang” genannt wird, wie geschrieben steht: „Die Heiligkeit Israels, der Anfang seiner Frucht.“ Das bedeutet, wie geschrieben steht, dass die Absicht bei der Erschaffung der Welt darin bestand, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Das heißt, Er erschuf in den Geschöpfen ein Verlangen, Gutes und Genuss zu empfangen, das heißt, dass dieses Verlangen ihn dazu bringt, sich danach zu sehnen, das Gute und den Genuss zu empfangen. Daran werden die Freude und der Genuss gemessen, den ein Mensch daraus ziehen kann. |
4 | Dies wird „das Werk des Schöpfers“ genannt, nämlich dass Er ein Verlangen erschuf, Genuss zu empfangen – für jenen Genuss, den Er ihnen geben will. Demnach fehlt es in der Welt an nichts: Es gibt die Fülle, die zum Verlangen zu empfangen gehört. Das heißt: In dem Maß, in dem Er Gutes und Genuss geben wollte, erschuf Er dafür ein Kli (Gefäß) – das Verlangen zu empfangen ist also nicht größer, als der Schöpfer es erschuf, sodass es empfangen kann, was Er geben will. Es zeigt sich: Das Gute und der Genuss sind vorhanden, und das Gefäß zum Empfangen ist vorhanden – was fehlt also noch? | וזה נקרא "מעשה של הקב"ה", היינו שברא רצון לקבל הנאה, לזה התענוג שהוא רוצה לתת להם. נמצא לפי זה, שלא חסר שום דבר בעולם, היינו שיש שפע, השייך להרצון לקבל. כלומר, לפי מה שהוא היה רוצה לתת טוב ועונג, לפי שיעור הזה ברא כלי לזה, היינו שהרצון לקבל אינו יותר גדול מכפי שהבורא ברא אותו, שיוכל לקבל מה שהוא רוצה לתת. נמצא, שהטוב ועונג ישנו, והכלי לקבל ישנו, ומה חסר עוד. | Dies wird als „die Arbeit des Schöpfers“ bezeichnet, was bedeutet, dass Er ein Verlangen nach dem Genuss erschaffen hat, den Er ihnen geben möchte. Es stellt sich heraus, dass es in der Welt an nichts fehlt; es gibt eine Fülle, die zum Willen gehört, zu empfangen. Das heißt, in dem Maße, in dem Er Freude und Genuss geben möchte, hat Er dafür ein Kli [Gefäß] geschaffen. Das bedeutet, dass der Wille zu empfangen nicht größer ist als ihn der Schöpfer erschaffen hat, sodass er empfangen kann, was der Schöpfer geben möchte. Daraus folgt, dass das Gute und der Genuss vorhanden sind und das Kli zum Empfangen ist vorhanden – was fehlt also noch? |
5 | Es ist bekannt, dass die Erde Malchut genannt wird; das heißt, das Verlangen, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen, wird Malchut genannt. Malchut ist also diejenige, die die Fülle für die Seelen empfängt; deshalb wird Malchut „Versammlung Israels“ (Knesset Israel) genannt, denn sie ist die Gesamtheit der Seelen. Demnach hat Malchut bereits das ganze Licht für die Seelen empfangen. Es erhebt sich die Frage: Warum empfangen die Geschöpfe von Malchut nicht die Fülle, die sie für die Geschöpfe empfangen hat? Stattdessen herrscht in der Welt die Kraft der Verhüllung, sodass die Stimme der Turteltaube in unserem Land nicht zu hören ist – das heißt, die Rede des Schöpfers ist in der Welt nicht zu hören. Vielmehr spürt jeder die Verhüllung, und es bedarf großer Arbeit, an Seine Vorsehung über die Geschöpfe zu glauben, und das Gute und der Genuss sind in der Welt nicht offenbart. | הנה ידוע, שהארץ נקראת מלכות, שפירושה הרצון לקבל את השפע מהבורא נקרא מלכות. כלומר, שמלכות היא המקבלת את השפע עבור הנשמות, שמטעם זה נקראת מלכות כנסת ישראל, שהיא הכלל של הנשמות. נמצא לפי זה, שהמלכות כבר קבלה את כל האור עבור הנשמות. נשאלת השאלה, מדוע אין הנבראים מקבלים מן המלכות את השפע, שקבלה עבור הנבראים, אלא כח ההסתרה ישנו בעולם. שאין קול התור נשמע בארצנו, היינו שלא נשמע דיבור ה' בעולם, אלא כל אחד מרגיש ההסתרה, ויש עבודה רבה להאמין בהשגחתו יתברך על הנבראים, ואין הטוב ועונג מגולה בעולם. | Es ist bekannt, dass das Land Malchut genannt wird. Das heißt, das Verlangen, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen, wird Malchut genannt. Das bedeutet, dass Malchut die Fülle für die Seelen empfängt, denn aus diesem Grund wird Malchut „die Versammlung Israels“ [Knesset Israel] genannt, die die Sammlung aller Seelen ist. Daraus folgt, dass Malchut bereits das ganze Licht für die Seelen empfangen hat. Die Frage lautet: Warum empfangen die Geschöpfe von Malchut nicht die Fülle, die sie für die Geschöpfe empfangen hat, und stattdessen gibt es die Macht der Verhüllung in der Welt, so dass die Stimme der Turteltaube in unserem Land nicht gehört wird, was bedeutet, dass das Reden des Schöpfers in der Welt nicht gehört wird, sondern jeder die Verhüllung spürt und es viel Arbeit gibt, an Seine Vorsehung über die Geschöpfe zu glauben, und das Gute und der Genuss in der Welt nicht offenbart werden? |
6 | Die Antwort lautet: weil der Schöpfer wollte, dass es keine Scham gibt. Darum wurde die Korrektur vollzogen, die man Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung nennt, damit die höhere Vorsehung nicht offenbart sei. Vielmehr müssen wir glauben, dass der Schöpfer die Welt nach der Eigenschaft des Guten, der Gutes tut, lenkt. Und das hat uns die ganze Arbeit auferlegt: dass wir uns darum mühen müssen, das Verlangen, für uns selbst zu empfangen, aufzugeben – obwohl es unsere ganze Wirklichkeit ausmacht. | והתשובה היא, מטעם שהבורא היה רוצה, שלא יהיה ענין של בושה. לכן נעשה התיקון, המכונה צמצום והסתר, שלא תהיה מגולה ההשגחה עליונה. אלא אנו צריכים להאמין, שהקב"ה מנהיג את העולם בבחינת טוב ומטיב. וזה גרם לנו את כל העבודה, שצריכים לתת יגיעה בזה, לוותר על הרצון לקבל לעצמו, הגם שזהו כל המציאות שלנו. | Die Antwort lautet: Weil der Schöpfer nicht möchte, dass es Scham gibt. Aus diesem Grund gab es eine Korrektur, die Zimzum [Einschränkung] und Verhüllung genannt wird, damit die Höhere Vorsehung nicht offenbart wird. Stattdessen müssen wir glauben, dass der Schöpfer die Welt als der Gute führt, der Gutes tut. Das verursacht uns die ganze Arbeit, die wir leisten und dabei den Willen aufgeben müssen, für uns selbst zu empfangen, obwohl darin unsere gesamte Wirklichkeit besteht. |
7 | Das heißt: Alles, was wir den Geschöpfen zuschreiben, ist nur das Verlangen zu empfangen. Dennoch ist es verboten, das Verlangen zu empfangen so zu gebrauchen, wie es von Natur aus hervortritt; vielmehr müssen wir über die Natur hinausgehen. Unsere Natur ist nämlich das Verlangen, für uns selbst zu empfangen. Sagt man nun einem Menschen, er müsse das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, aufgeben, so gibt es kein Glied in ihm, das dies begreifen könnte. Und der Körper beginnt, Fragen zu stellen – „wer“ und „was“ –, das heißt, er verlangt eine Antwort im Verstand, um zu wissen, ob der Schöpfer wirklich auf jeden Einzelnen hört, der Ihn um etwas bittet. | כלומר, שכל מה שאנו מייחסים להנבראים, הוא רק רצון לקבל, מכל מקום אסור להשתמש עם הרצון לקבל, כמו שהוא יצא מצד הטבע, אלא אנו צריכים ללכת למעלה מהטבע. כלומר, הטבע שלנו הוא רצון לקבל לעצמו. נמצא, בזמן שאומרים לאדם, שצריכים לוותר על הרצון לקבל לעצמו, אין אבר באדם, שתהיה לו אפשרות להבין את זה. והגוף מתחיל לשאול שאלות מי ומה, היינו שדורש תשובה בשכל, לדעת, אם באמת ה' שומע בקול אחד ואחד, מה ששואלין ממנו. | Mit anderen Worten: Alles, das wir auf die Geschöpfen beziehen, ist einzig und alleine der Wille zum Empfangen. Es ist jedoch verboten, den Willen zu empfangen, wie er in der Natur entstanden ist, zu nutzen, sondern wir müssen uns über die Natur erheben. Mit anderen Worten: Unsere Natur ist der Wille, für uns selbst zu empfangen. Wenn einem Menschen gesagt wird, dass wir den Willen, für uns selbst zu empfangen, aufgeben müssen, gibt es folglich kein Organ in uns, das dies verstehen könnte. Der Körper fängt an, die Fragen „Wer“ und „Was“ zu stellen, d. h. er verlangt eine intellektuelle Antwort darauf, ob der Schöpfer wirklich jeden einzelnen hört, der ihn bittet. |
8 | Der Körper hält dem Menschen entgegen: „Du siehst doch, dass du schon viele Male gebeten hast, der Schöpfer möge dir helfen bei dem, was dir deiner Meinung nach fehlt. Und bis jetzt siehst du, dass du noch keine Erhörung deines Gebets erhalten hast. Warum also sagst du jeden Tag: ‚Denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes‘? Warum hilft Er dir dann nicht?“ Demnach gebietet der Verstand, dass der Körper recht hat – das heißt, er bringt sein Argument mit Verstand und Einsicht vor. | הגוף טוען להאדם, הלא אתה רואה, שכבר הרבה פעמים בקשת שה' יעזור לך, על מה שאתה מבין שחסר לך. ועד עתה אתה רואה, שעוד לא קבלת שום עניית התפלה. אם כן, למה אתה אומר כל יום, "כי אתה שומע תפלת כל פה". אם כן מדוע הוא לא עוזר לך. נמצא, שהדעת מחייבת, שהצדק עם הגוף, היינו שהוא טוען טענה עם שכל ודעת. | Der Körper streitet mit dem Menschen und sagt: „Du kannst sehen, dass du den Schöpfer schon oft gebeten hast, dir zu helfen, wenn du glaubst, dass du einen Mangel hast. Bis jetzt kannst du sehen, dass du keine Antwort auf dein Gebet empfangen hast. Warum sagst du dann jeden Tag: ‚Denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes‘? Wenn dem so ist, warum hilft Er dir dann nicht?“ Daraus folgt, dass die Vernunft daraus schließt, dass der Körper Recht hat, dass er also ein vernünftiges und sinnvolles Argument vorbringt. |
9 | Darauf muss man dem Körper antworten, dass man über dem Verstand geht. Das heißt: Zwar gebietet der Verstand, dass der Schöpfer – Gott behüte – nicht das Gebet eines jeden Mundes erhört. Man kann das nämlich so erklären, dass der Schöpfer ihm deshalb nicht antwortet, weil er noch nicht würdig ist, die Erlösung vom Schöpfer zu empfangen. Doch in Wahrheit erhört der Schöpfer das Gebet Israels. Nur dir will Er die Erfüllung des Gebets, das du dargebracht hast, nicht geben, weil du nicht zur Stufe „Israel“ zählst. | על זה צריכים לענות להגוף, שהוא הולך למעלה מהדעת. כלומר, שהגם שהדעת מחייבת, שהקב"ה לא מקבל חס ושלום תפלת של כל פה, כלומר שהוא יכול לתרץ זה שהבורא לא עונה לו, הוא מטעם שהוא עוד לא ראוי לקבל את הישועה מהבורא. אבל באמת, הבורא כן שומע את תפלת ישראל. רק לך לא רוצה לתת מילוי על התפלה שנתת, משום שאתה לא נקרא בחינת ישראל. | Wir müssen dem Körper darauf antworten, indem wir über den Verstand gehen. Das heißt, obwohl die Vernunft behauptet, dass der Schöpfer nicht das Gebet eines jeden Mundes hört, was bedeutet, dass er die Tatsache, dass der Schöpfer ihm nicht antwortet, damit erklären kann, dass er noch nicht in der Lage ist, die Erlösung vom Schöpfer zu empfangen, erhört der Schöpfer in Wahrheit doch das Gebet Israels. Doch Er möchte nur dein Gebet nicht erhören, da du nicht als Israel angesehen wirst. |
10 | Wieder fragt der Körper: „Du siehst doch, dass wir glauben müssen: ‚Denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes‘, so wie wir es im Gebet sprechen: ‚Denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes.‘ Dann muss der Schöpfer auch dein Gebet erhören. Und mehr noch: Wenn Er nicht das Gebet eines jeden Mundes erhört, wozu musst du dann überhaupt beten?“ | שוב שואל הגוף, הלא אתה רואה, שאנחנו צריכים להאמין ב "כי אתה שומע תפלת כל פה", כמו שאנו אומרים בתפלה, כי אתה שומע תפלת כל פה. אם כן הבורא צריך לשמוע בתפלה שלך גם כן. ועוד יותר מזה, אם הוא לא שומע תפלת כל פה, אם כן בשביל מה אתה צריך להתפלל. | Der Körper fragt erneut: „Du siehst doch, dass wir glauben müssen, dass ‚Du das Gebet eines jeden Mundes hörst‘, wie wir im Gebet sagen: ‚Denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes.‘ Also sollte der Schöpfer auch dein Gebet gehört haben. Wenn Er das Gebet eines jeden Mundes nicht erhört, warum musst du dann beten?“ |
11 | Wenn der Mensch in eine solche Lage kommt, dann ist der Augenblick, in dem er sagen kann, dass er über dem Verstand geht. Das heißt: Obwohl der Verstand etwas Wichtiges ist und er sieht, dass der Körper mit Verstand redet, muss der Mensch sagen, dass wir über dem Verstand gehen müssen – auch wenn wir Widersprüche sehen. Zum Beispiel, wie gesagt, dass er viele Male gebetet und doch keine Antwort auf sein Gebet erhalten hat. Und wenn er sich dann überwindet und über dem Verstand geht, nennt man das „Glaube über dem Verstand“. | אז, כשהאדם מגיע למצב כזה, אז הוא הזמן שהאדם יכול לומר, שהוא הולך למעלה מהדעת. היינו, הגם שהדעת הוא דבר חשוב, והוא רואה שהגוף מדבר עם דעת, אבל האדם צריך לומר, שאנו צריכים ללכת למעלה מהדעת. היינו, הגם שאנו רואים סתירות. למשל כנ"ל, שהרבה פעמים הוא התפלל, ולא קיבל שום תשובה על תפלתו. ואז, כשהוא מתגבר והולך למעלה מהדעת, זה נקרא אמונה למעלה מהדעת. | Wenn der Mensch zu einem solchen Zustand kommt, kann er sagen, dass er sich über den Verstand erhebt. Das heißt, obwohl der Verstand sehr wichtig ist und er sehen kann, dass der Körper mit dem Verstand spricht, sollte der Mensch sagen, dass wir über den Verstand gehen müssen. Das heißt, auch wir können Widersprüche sehen, wie zum Beispiel, dass er viele Male gebetet hat, aber keine Antwort auf sein Gebet empfangen hat. Aber wenn er sich dann überwindet und über den Verstand hinausgeht, nennt man das „Glaube über dem Verstand“. |
12 | Ebenso ist es, wenn der Mensch die „Eigenschaft des Herzens“ (liba) aufgeben und sagen muss: „Ich verzichte auf den eigenen Nutzen und sorge einzig für den Nutzen des Schöpfers“ – das ist gewiss über dem Verstand. Über dem Verstand bedeutet nämlich, dass der Mensch sagen soll, der Glaube stehe bei ihm auf einer wichtigeren Stufe als der Verstand. Darum hört er auf die Stimme des Glaubens und nicht auf die Stimme des Verstandes. Und da dies dem Verstand zuwiderläuft – denn uns wurde, wie wir sehen, Verstand gegeben, und wir bemessen jeden Menschen nach dem Rang seines Verstandes, wie geschrieben steht: „Nach seinem Verstand wird ein Mann gelobt“ (Sprüche 12), und wer mehr Verstand hat, ist ein wichtigerer Mensch –, darum läuft es unserem Verstand zuwider, wenn man uns sagt, wir müssten über dem Verstand gehen. | וכמו כן בזמן שהאדם צריך לוותר על "בחינת ליבא", ולומר, אני מוותר על התועלת עצמי, ודואג אך ורק לצורך תועלת ה', בודאי שזהו למעלה מהדעת. כלומר, שלמעלה מהדעת פירושו, שהאדם צריך לומר, שהאמונה עומדת אצלו בדרגה יותר חשובה מהדעת. לכן הוא שומע בקול אמונה ולא בקולה של הדעת. והיות שזהו נגד הדעת, מטעם שאנו רואים, שניתן לנו שכל, ואנו מודדים כל אדם לפי מעלת השכל שלו, כמו שכתוב "לפי שכלו יהלל איש" (משלי י"ב), ומי שיש לו יותר דעת, הוא אדם יותר חשוב. אם כן כשאומרים לנו, שאנו צריכים ללכת למעלה מהדעת, הוא נגד הדעת שלנו. | Ebenso ist es natürlich über dem Verstand, wenn der Mensch die Eigenschaft des Herzens aufgeben und sagen muss: „Ich verzichte auf den Eigennutzen und kümmere mich einzig und alleine um den Nutzen des Schöpfers“. Mit anderen Worten, über dem Verstand bedeutet, dass ein Mensch sagen soll, dass für ihn der Glaube auf einer höheren Stufe steht als die Vernunft. Aus diesem Grund gehorcht er der Stimme des Glaubens und nicht der Stimme der Vernunft. Das ist gegen die Vernunft, denn wir können sehen, dass uns die Vernunft gegeben wurde und wir jeden Menschen nach der Stufe seines Verstandes messen, wie es geschrieben steht: „Ein Mensch wird nach seinem Verstand gelobt werden“ (Sprüche 12), und wer mehr Verstand hat, ist ein wichtigerer Mensch. Deshalb ist es gegen unsere Vernunft, wenn uns gesagt wird, dass wir über den Verstand gehen müssen. |
13 | Wenn der Mensch daher in eine Lage kommt, in der der Körper anfängt, die Fragen „wer“ und „was“ zu stellen, dann beginnt die wahre Arbeit. Dann müssen wir den Schöpfer um Hilfe bitten, dass Er uns die Kraft gebe, jene Fragen Pharaos und des Frevlers – das „wer“ und „was“ – nicht anzuhören. Darüber sagten die Weisen: „Würde der Schöpfer ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht überwinden.“ Denn aus eigener Kraft kann der Mensch ihrer Herrschaft nicht entkommen und sagen: „Ich gehe über dem Verstand“ – weil dies der Natur zuwiderläuft. | לכן כשאדם בא לידי מצב, שהגוף מתחיל לשאול שאלת מי ומה, אז מתחילה העבודה האמיתית, שאנו צריכים אז לבקש עזרה מה', שיתן לנו את הכח הזה, שלא לשמוע את השאלות הנ"ל, של פרעה ושל הרשע, שהם מי ומה. ועל זה אמרו, "אלמלא אין הקב"ה עוזרו, אינו יכול לו". היות שאין האדם מכוחו עצמו יכול לצאת מהשליטות שלהם, ולומר, שאני הולך למעלה מהדעת, היות שזהו נגד הטבע. | Wenn der Mensch deshalb in einen Zustand kommt, in dem der Körper beginnt, die Fragen „Wer“ und „Was“ zu stellen, beginnt aus diesem Grund die eigentliche Arbeit. Dann müssen wir den Schöpfer um Hilfe bitten, damit er uns die Kraft gibt, diese Fragen des Pharaos und des Frevlers, die „Wer“ und „Was“ sind, nicht zu hören. Es wurde darüber gesagt: „Gäbe es die Hilfe des Schöpfers nicht, würde er ihn nicht überwinden“, denn ein Mensch kann nicht aus eigener Kraft seiner Herrschaft entkommen und sagen: „Ich gehe über den Verstand“, denn das ist gegen die Natur. |
14 | Nach dem Gesagten können wir unsere Frage deuten: Was ist die Verbindung zur Erde, die ihre Früchte nicht hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde? Denn in der Arbeit wird gerade derjenige „Mensch“ genannt, der der Herrschaft der tierischen Eigenschaft entkommen ist. Als „Tier“ gilt nämlich, wer in seinen eigenen Nutzen versunken ist, eben wie ein Tier; und als „Mensch“ gilt, wer Ehrfurcht vor dem Himmel hat und aus Ehrfurcht dient – was der Heilige Sohar mit den Worten „weil Er groß ist und herrscht“ bezeichnet –, der also einzig wegen der Größe des Schöpfers dient und nicht auf seinen eigenen Nutzen bedacht ist, sondern auf den Nutzen des Schöpfers. So sagten unsere Weisen zum Vers: „Letzten Endes: Fürchte Gott und halte Seine Gebote, denn das ist der ganze Mensch. Was bedeutet ‚denn das ist der ganze Mensch‘? Rabbi Elasar sagte: Die ganze Welt wurde nur dafür erschaffen“ (Berachot 6). | ובהאמור נוכל לפרש מה ששאלנו, מה הקשר בין הארץ שלא הוציאה את פירותיה מטרם שנברא האדם. כי בענין עבודה, נקרא אדם, דוקא זה שיצא משליטת בחינת בהמה. כי בהמה נקרא זה ששקוע בתועלת עצמו, כמו בהמה, ואדם נקרא, מי שיש בו יראת שמים, ועובד משום יראה, הנקרא בזה"ק בשם "בגין דאיהו רב ושליט", שרק מטעם גדלות ה' הוא עובד, ואינו דואג לתועלת עצמו, אלא לתועלת ה', כמו שאמרו חז"ל על הפסוק "סוף דבר, את אלקים ירא ואת מצותיו שמור, כי זה כל האדם. מאי כי זה כל האדם. אמר רבי אלעזר, כל העולם כולו לא נברא אלא בשביל זה". (ברכות ו'). | Nach dem oben Gesagten können wir die Frage interpretieren, die wir gestellt haben: Was ist die Verbindung zwischen dem Land, das keine Früchte trug, bevor der Mensch erschaffen wurde? In der Arbeit wird der Mensch als jemand betrachtet, der der Herrschaft der Eigenschaft eines Tieres entkommen ist. Ein „Tier“ ist jemand, der wie ein Tier in seinen eigenen Nutzen vertieft ist, und der Mensch ist jemand, in dem Ehrfurcht vor dem Himmel herrscht und der aus Ehrfurcht arbeitet, was der Heilige Sohar „Weil Er groß ist und herrscht“ nennt, wenn er einzig und alleine aufgrund der Größe des Schöpfers arbeitet und sich nicht um seinen eigenen Nutzen kümmert, sondern um den Nutzen des Schöpfers. Es ist, wie unsere Weisen über den Vers sagten: „Letzten Endes geht es darum, dass du Gott fürchten und seine Gebote befolgen sollst, denn das ist der ganze Mensch. Was bedeutet „denn das ist der ganze Mensch“? Rabbi Elasar sagte: ‚Die ganze Welt wurde nur dafür erschaffen'“ (Berachot 6). |
15 | Es zeigt sich: „Mensch“ heißt, wer Ehrfurcht vor dem Himmel hat. Und was ist Ehrfurcht vor dem Himmel? Das heißt: Was ist diese Ehrfurcht? Sie ist, wie es heißt (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 191, im Sulam, Spalte 2): „Weder die erste noch die zweite Ehrfurcht ist – Gott behüte – auf den eigenen Nutzen gerichtet, sondern allein auf die Sorge, er könnte darin nachlassen, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.“ | נמצא, שהאדם נקרא, מי שיש לו יראת שמים. ומהי יראת שמים. כלומר, מהי היראה. וזהו כמו שאומר (הקדמת ספר הזהר דף קצ"א, ובהסולם טור ב') וזה לשונו, "הן היראה הראשונה והן היראה השניה, אינו חס ושלום לתועלת עצמו, אלא רק מפחד, שמא ימעט בעשיית נחת רוח ליוצרו". | Daraus folgt, dass der Mensch als jemand angesehen wird, der Ehrfurcht vor dem Himmel hat. Und was ist die Ehrfurcht vor dem Himmel? Also – was ist Ehrfurcht? Es ist so wie er [Baal HaSulam] sagt („Einführung in das Buch Sohar“, Punkt 191): „Sowohl die erste als auch die zweite Furcht sind nicht zu seinem eigenen Nutzen, sondern entstammen nur aus der Furcht, dass er darin versagt, den Schöpfer zufrieden zu stellen.“ |
16 | Nach dem Gesagten wissen wir bereits, was „Mensch“ bedeutet: einer, der Ehrfurcht vor dem Himmel hat und sich fürchtet, er könnte vielleicht nicht alles um des Gebens willen tun. Und das wird „Mensch“ genannt. „Tier“ dagegen meint das Gegenteil: einen, der nur auf seinen eigenen Nutzen bedacht ist. Wie geschrieben steht (Prediger 3): „Wer weiß, ob der Geist der Menschen nach oben steigt und der Geist des Tieres nach unten zur Erde sinkt.“ Das lässt sich so deuten: Der „Geist des Menschen“ steigt nach oben – das heißt, alles, was er tut, geschieht zum Nutzen des Schöpfers. Und das wird „oben“ genannt, nämlich dass seine Absicht ist, alles solle nur um des Gebens willen sein. Daraus erfährt der Mensch Wohlgefallen. | ובהאמור אנו כבר יודעים מהו פירושו אדם, היינו שיש לו יראת שמים, שהוא מפחד, אולי לא יהא בידו לעשות הכל בעל מנת להשפיע. וזהו נקרא אדם. ובהמה, יהיה הפירוש ההיפך, שהוא דואג רק לתועלת עצמו. כמו שכתוב (קהלת ג') "מי יודע, רוח בני האדם היא למעלה, ורוח הבהמה היורדת היא למטה לארץ". שיש לפרש, ש"הרוח של האדם" הוא עולה למעלה, היינו שכל מה שהוא עושה, הכל הוא בשביל תועלת הבורא. וזה נקרא "למעלה", היינו שכוונתו, שהכל יהיה רק בעל מנת להשפיע. מזה יש להאדם נחת רוח. | Nach dem oben Gesagten erkennen wir bereits, was ein Mensch ist, das heißt, jemand, der Gottesfurcht hat, der aus Furcht handelt, vielleicht nicht alles tun zu können, um dem Höchsten zu dienen. Und das wird als „Mensch“ bezeichnet. Ein „Tier“ ist das Gegenteil: einer, der nur auf seinen eigenen Nutzen achtet, wie es geschrieben steht (Prediger 3): „Wer weiß, ob der Geist der Menschen nach oben steigt und der Geist der Tiere nach unten zur Erde geht“. Das bedeutet, dass der „Geist des Menschen“ nach oben steigt, das heißt, alles, was er tut, ist für den Nutzen des Schöpfers. Und das wird als „nach oben“ bezeichnet, das heißt, seine Absicht, dass alles nur zum Nutzen des Schöpfers sein soll. Daraus schöpft der Mensch seine Zufriedenheit. |
17 | Der „Geist des Tieres“ aber besteht darin, dass er bei allem, was er tut, alles für „unten“ will, das heißt „unten auf der Erde“, was das Irdische ist – denn das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, wird „Erde“ genannt. Wenn dieser Mensch etwas tut, achtet er darauf, dass es nur seinem eigenen Nutzen diene. Daraus zieht er seinen Geist, das heißt sein Wohlgefallen: Er wird an seinem Tun nur dann Genuss haben, wenn ihm selbst etwas daraus erwächst. Sieht er aber, dass das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, daraus keinen Genuss ziehen kann, hat er keine Kraft zur Arbeit. Und muss er aus irgendeinem Grund dennoch arbeiten, so hat er bei dieser Arbeit überhaupt keine gute Stimmung. | ו"רוח הבהמה" היא, שכל מה שהוא עושה, הוא רוצה הכל בשביל "למטה", היינו "למטה בארץ", שהיא בחינת ארציות, שהרצון לקבל לעצמו נקרא ארץ. וכשהאדם הזה עושה מעשים, הוא מסתכל שהוא יהיה רק לתועלת עצמו. מזה הוא מקבל רוח, היינו הנחת רוח שלו, שהוא יהנה מהמעשים שלו, הוא רק אם יצמח מזה לתועלת עצמו. ואם הוא רואה, שאין הרצון לקבל לעצמו יכול להנות מזה, אין לו כוחות לעבודה. ואם הוא מוכרח לעבוד מאיזה סיבה שהיא, אז בעבודה זו אין לו מצב רוח כלל. | Der „Geist des Tieres“ besteht darin, dass er bei allem, was er tut, alles für „hinunter“ möchte, das heißt „hinunter zur Erde“, was irdisch ist, denn der Wille, für sich selbst zu empfangen, heißt „Erde“. Wenn dieser Mensch etwas tut, kann er sehen, dass es einzig und alleine seinem eigenen Nutzen dient. Daraus schöpft er seine Motivation, also seine Zufriedenheit. Das heißt, er wird sein Handeln nur dann genießen, wenn es ihm selbst Nutzen bringt. Wenn er sieht, dass der Wille, etwas zu empfangen, nicht genießen kann, wird er keine Kraft zum Arbeiten haben. Wenn er aus irgendeinem Grund trotzdem arbeiten muss, dann hat er überhaupt keine gute Laune. |
18 | Nach dem Gesagten verstehen wir nun die Verbindung zwischen dem Menschen und der Erde. Wir fragten: Was bedeutet es, dass „die Erde ihre Früchte in der Welt nicht hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde“, obwohl alle ihr zukommende Kraft und alles in der Erde war? Die Sache verhält sich wie gesagt: In der Arbeit wird die Erde Malchut des Himmels genannt, die Versammlung Israels, die die Fülle für die Geschöpfe empfängt, da alle Seelen aus ihr stammen. Und von Seiten des Schöpfers ist bereits alles aufs Beste korrigiert. | ובהאמור נבין עכשיו את הקשר בין האדם להארץ. ששאלנו, מהו ש"הארץ לא נתנה את פירותיה בעולם מטרם שנברא האדם", אף על פי שכל הכח הראוי לה והכל היה בארץ. והענין הוא כנ"ל, שבעבודה נקראת הארץ, מלכות שמים, שהיא כנסת ישראל, המקבלת שפע עבור הנבראים, היות שכל הנשמות באות ממנה. ומצד הבורא הכל הוא כבר מתוקן על צד היותר טוב. | Jetzt können wir die Verbindung zwischen dem Menschen und der Erde verstehen. Wir haben gefragt: Was bedeutet es, dass die Erde ihre Früchte nicht hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde, obwohl alle geeigneten Kräfte und alles in der Erde waren.? Die Sache ist die, dass in der spirituellen Arbeit mit „Land“ das Himmelreich gemeint ist, also die Versammlung Israels, die die Fülle für die Geschöpfe empfängt, da alle Seelen von ihr stammen. Aus der Sicht des Schöpfers ist alles bereits auf die bestmögliche Weise korrigiert. |
19 | Wie er sagt (Einführung in das Buch Sohar, Punkt 13): „Die Sache ist die: In Wahrheit vollendete Sein Gedanke schon im Augenblick, da Er die Seelen zu erschaffen gedachte, alles – denn Er braucht kein Werkzeug der Tat wie wir. Augenblicklich traten alle Seelen und alle Welten, die erschaffen werden sollten, ins Dasein, erfüllt von all dem Guten und dem Genuss, den die Seelen am Ende der Korrektur (Gmar Tikun) empfangen sollen: nämlich nachdem das Verlangen zu empfangen in den Seelen seine Korrektur bereits vollständig empfangen hat und sich in reines Geben verwandelt hat. Und das, weil in Seiner Ewigkeit Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart als eins wirken.“ | כמו שאומר (בהקדמה לספר הזהר אות י"ג) וזה לשונו, "והענין הוא, כי באמת תכף במחשבה לברוא את הנשמות, היתה מחשבתו יתברך גומרת הכל, כי אינו צריך לכלי מעשה כמונו, ותיכף יצאו ונתהוו כל הנשמות וכל העולמות, העתידים להבראות, מלאים בכל הטוב והעונג, שהנשמות עתידות לקבל בגמר התיקון, דהיינו אחר שהרצון לקבל שבנשמות כבר קיבל כל תיקונו בשלימות, ונתהפך להיות השפעה טהורה. והוא מטעם, כי בנצחיותו יתברך העבר, והעתיד, וההווה משמשים כאחד". | Es ist so, wie er sagt („Einführung in das Buch Sohar“, Punkt 13): „Die Sache ist die, dass bereits durch den bloßen Gedanken, die Seelen zu erschaffen, Sein Gedanke alles vollendet hat, denn Er braucht keine Handlung wie wir es brauchen. Augenblicklich entstanden alle Seelen und alle Welten, die erschaffen werden sollten, und waren erfüllt von all dem Guten und dem Genuss, die die Seelen am Ende der Korrektur empfangen sollten, nachdem der Wille zum Empfangen in den Seelen vollständig korrigiert und in reines Geben verwandelt worden war. Das ist so, weil in Seiner Ewigkeit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eins sind.“ |
20 | Damit lässt sich die Verbindung zwischen dem Menschen und der Erde deuten. Wenn es einen Menschen gibt, dann „bringt die Erde ihre Früchte hervor“. Mit der „Erde“ ist das Verlangen zu empfangen gemeint, das seine Korrektur bereits vollständig empfangen hat. Und beim Schöpfer ist alles in vollkommener Vollendung abgeschlossen, und es gibt nichts hinzuzufügen, wie gesagt. Das meint er mit: „Augenblicklich traten alle Seelen ins Dasein, erfüllt von all dem Guten und dem Genuss.“ Damit aber die Geschöpfe die Früchte von Malchut genießen, die sie empfangen hat, gibt Malchut – die „Erde“ genannt wird – diese den Geschöpfen erst dann, wenn sie das Verlangen zu empfangen auf das Geben hin korrigiert haben; das geschieht wegen der Korrektur, die vollzogen wurde, damit in ihnen die Gleichheit der Form bestehe. | ובזה יש לפרש את הקשר בין האדם להארץ. היינו, שאם יש אדם, אז "הארץ מוציאה את פירותיה". שהארץ, הכוונה על הרצון לקבל, שכבר קיבל כל תיקונו בשלימות. וזהו לגבי הקב"ה הכל נגמר בתכלית השלימות, ואין מה להוסיף עליה כנ"ל. זה שאומר, "ותיכף יצאו ונתהוו כל הנשמות, מלאים בכל הטוב והעונג". אמנם בכדי שהנבראים יהנו מהפירות של המלכות, מה שהיא קבלה, כבר זה אין המלכות, הנקראת ארץ, נותנת להנבראים, מטרם שהם יתקנו את הרצון לקבל בעל מנת להשפיע, מטעם התיקון שהיה, שיהיה בהם ענין של השתוות הצורה. | Und darin können wir die Verbindung zwischen dem Menschen und der Erde interpretieren. Das heißt, wenn es einen Menschen gibt, dann „bringt die Erde ihre Früchte hervor“. Mit der „Erde“ ist der Wille gemeint, der vollständig korrigiert wurde, um zu empfangen. Aus der Sicht des Schöpfers ist alles in völliger Vollkommenheit vollbracht und es gibt nichts mehr hinzuzufügen, wie er sagt: „Augenblicklich entstanden alle Seelen, erfüllt von aller Freude und allem Genuss.“ Damit die Geschöpfe jedoch in den Genuss der Früchte von Malchut kommen, die sie empfangen haben, gibt Malchut, die „Land“ genannt wird, dies den erschaffenen Wesen nicht bevor sie den Willen, zu empfangen um zu geben aufgrund der erfolgten Korrektur korrigieren, so dass in ihnen die Angelegenheit der Gleichheit der Form besteht. |
21 | Es zeigt sich: Solange der Mensch nicht die Stufe „Mensch“ erreicht hat – das heißt die Stufe des Gebens nach oben, wie gesagt, im Sinne von „der Geist des Menschen geht nach oben“, nämlich dass „Mensch“ bedeutet, dass alles, was er tut, zum Nutzen des Schöpfers geschieht (während der Geist des Tieres „nach unten sinkt“, also zum eigenen Nutzen) –, solange kann Malchut, die „Erde“ genannt wird, das Gute und den Genuss nicht zeigen, die sie für die Geschöpfe empfangen hat. | נמצא, שכל זמן, שאין האדם הגיע לדרגת אדם, הנקרא שהוא בחינת להשפיע למעלה, כנ"ל, בסוד "רוח האדם היא למעלה", כלומר שאדם נקרא, שכל מה שהוא עושה יהיה לתועלת הבורא, מה שאין כן רוח הבהמה היא "יורדת למטה", היינו לתועלת עצמו, אין המלכות, הנקראת ארץ, יכולה להראות את הטוב והעונג, מה שהיא קבלה עבור הנבראים. | Solange ein Mensch also nicht die Stufe des „Menschen“ erreicht hat, die als Geben nach oben gilt, wie in „der Geist des Menschen geht nach oben“, was bedeutet, dass „Mensch“ bedeutet, dass alles, was er tut, um des Schöpfers willen geschieht, während der Geist des Tieres „nach unten geht“, was um seines eigenen Nutzens willen bedeutet – solange kann Malchut, die „Erde“ genannt wird, nicht das Gute und den Genuss zeigen, die sie für die Geschöpfe empfangen hat. |
22 | Das meint der Heilige Sohar mit: „Die Knospen erschienen auf der Erde.“ Alles war in der Erde, doch sie brachte in der Welt keine Früchte hervor, bis der Mensch erschaffen wurde. Bevor das Geschöpf zur Stufe „Mensch“ gelangt, sieht es keinerlei Früchte von Malchut, die „Erde“ genannt wird. | וזה שאומר הזה"ק "הנצנים נראו בארץ". שהכל היה בארץ, אבל לא הוציאה פירות בעולם, עד שנברא האדם. שמטרם שהנברא בא לבחינת אדם, אין הנברא רואה שום פירות מן המלכות, שנקראת ארץ. | Der Heilige Sohar sagt: „Die Knospen offenbarten sich auf der Erde“, was bedeutet, dass alles in der Erde war, aber sie trug keine Früchte in der Welt, bis der Mensch erschaffen wurde. Bevor das Geschöpf die Eigenschaft „Mensch“ erlangt, kann der Schöpfer keine Früchte von Malchut, die „Erde“ genannt wird, sehen. |
23 | Nach dem Gesagten verstehen wir unsere Frage zu dem, was der Heilige Sohar sagt: „und die Stimme der Turteltaube ist in unserem Land zu hören“ – dies ist die Rede des Schöpfers, die in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde. Es steht doch in der Tora viele Male „Und Gott sprach“, schon bevor der Mensch erschaffen wurde. Doch die Deutung ist wie gesagt: Bevor der Mensch die Stufe „Mensch“ erreicht, also aus dem Bereich des Tieres heraustritt, befindet er sich in der Verhüllung, und es ist unmöglich, die Stimme des Schöpfers zu hören. | ובהאמור נבין מה ששאלנו, מה שזה"ק אומר "וקול התור נשמע בארצנו", זהו הדיבור של הקב"ה, שלא היה נמצא בעולם, מטרם שנברא האדם. הלא כתוב בתורה הרבה פעמים, "ויאמר אלקים", מטרם שנברא אדם. אלא הפירוש הוא כנ"ל, שמטרם שהאדם מגיע לדרגת אדם, היינו שיוצא מכלל בהמה, האדם הוא נמצא בהסתרה, ואי אפשר לשמוע את קול ה'. | Jetzt können wir verstehen, was wir über die Aussage des Heiligen Sohar, dass „die Stimme der Turteltaube in unserem Land gehört wurde“, gefragt haben, von der Rede des Schöpfers handelt, der nicht in der Welt anwesend war, bevor der Mensch erschaffen wurde, obwohl es in der Tora viele Male heißt: „Und Gott sprach“, bevor der Mensch erschaffen wurde. Das bedeutet, dass der Mensch, bevor er die Stufe des „Menschen“ erreicht, also aus dem Zustand eines Tieres entkommt, in der Verhüllung ist und es ihm unmöglich ist, die Stimme des Schöpfers zu hören. |
24 | Und das meint: „Die Rede des Schöpfers war in der Welt nicht vorhanden, bevor die Stufe ‚Mensch‘ erschaffen wurde.“ Denn erst danach, wenn der Mensch die Stufe „Mensch“ erreicht, hört er die „Rede des Schöpfers“. Die Rede des Schöpfers wird Tora genannt; dann nämlich wird er der Tora gewürdigt, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird. Und das wird die Rede des Schöpfers genannt – nicht, dass die Tora eine Weisheit wäre wie die übrigen Weisheiten, sondern die Tora ist die Rede des Schöpfers. | וזה נקרא, ש"דיבור ה' לא היה נמצא בעולם, מטרם שנברא בחינת אדם", שרק אח"כ, שהאדם מגיע לבחינת אדם, אז הוא שומע "דיבור ה'", שדיבור ה' נקרא תורה, שאז הוא זוכה לבחינת תורה, שנקרא שמותיו של הקב"ה. וזה נקרא דיבור ה'. לא שהתורה היא בחינת חכמה, כדרך שאר חכמות, אלא שהתורה היא דיבור ה'. | Dies wird als „die Rede des Schöpfers war nicht in der Welt vorhanden, bevor die Eigenschaft des Menschen erschaffen wurde“ angesehen. Erst danach, wenn der Mensch die Stufe „Mensch“ erreicht hat, hört er die „Rede des Schöpfers“. Die „Rede des Schöpfers“ wird Tora genannt, und dann wird er mit der Tora belohnt, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird. Dies wird die „Rede des Schöpfers“ genannt. Es ist nicht so, dass die Tora eine Weisheit wie andere Weisheiten ist. Vielmehr ist die Tora die Rede des Schöpfers. |
25 | Doch nicht leicht kann der Mensch die Stufe „Mensch“ erreichen und aus der tierischen Eigenschaft heraustreten. Der Grund ist, dass er sich in der Arbeit für den Schöpfer immer in der Gegensätzlichkeit der Form befindet. Und nur aus zwei Enden wird die mittlere Linie geboren, wie es im Lied des heiligen ARI heißt: „Rechts und links, und dazwischen die Braut.“ Das heißt: Durch Rechts und Links, die zwei Gegensätze sind, wird die Stufe Malchut des Himmels geboren, die „Braut“ genannt wird. Denn bekanntlich wird Malchut „Glaube“ genannt. Und um des Glaubens gewürdigt zu werden, muss man zuerst aus der tierischen Eigenschaft heraustreten, die „Selbstliebe“ genannt wird, wie gesagt: „der Geist des Tieres sinkt nach unten“ – wobei „unten“ bedeutet: niedriger an Wichtigkeit, nämlich die tierische Eigenschaft, die nur zum eigenen Nutzen arbeiten kann. | אולם לא בקלות האדם יכול להגיע לדרגת אדם ולצאת מבחינת בהמה. וזהו מסיבה שבעבודת ה' הוא תמיד בהפכיות הצורה. ורק משתי קצוות נולד קו אמצעי, כמו שכתוב בשיר של האר"י הקדוש, "ימינא ושמאלא, וביניהו כלה". זאת אומרת, שעל ידי ימין ושמאל, שהם שני הפכים, מהם נולדת בחינת מלכות שמים, הנקראת כלה. שידוע, שמלכות נקראת בחינת אמונה. ולזכות לבחינת אמונה, צריכים מקודם לצאת מבחינת בהמה, הנקראת אהבה עצמית, כנ"ל, "שרוח הבהמה יורדת למטה", שענין "מטה" פירושו, למטה בחשיבות, שהיא בחינת בהמה, שרק לתועלת עצמה יש יכולת לעבוד. | Jedoch ist es nicht leicht, die Stufe des „Menschen“ zu erreichen und aus der Eigenschaft eines Tieres herauszutreten. Das liegt daran, dass man sich in der Arbeit des Schöpfers immer in der Gegensätzlichkeit der Formen befindet und nur aus zwei Extremen eine Mittellinie geboren wird. Es ist so, wie es in dem Gedicht des ARI steht: „Rechts und links, und dazwischen eine Braut.“ Das bedeutet, dass durch die Rechte und die Linke, die zwei Gegensätze sind, das Himmelreich, genannt „Braut“, geboren wird. Es ist bekannt, dass Malchut „Glaube“ genannt wird. Um mit dem Glauben belohnt zu werden, müssen wir erst aus dem Zustand eines Tieres, „Eigenliebe“ genannt, herauskommen, denn es wurde gesagt, dass der Geist des Tieres hinabsteigt. Abwärts bedeutet abnehmende Bedeutung, was die Eigenschaft eines Tieres ist, das nur um seines eigenen willens arbeiten kann. |
26 | Solange das Geschöpf noch unter der Herrschaft des Verlangens steht, für sich selbst zu empfangen, kann es nur einen teilweisen Glauben empfangen. Das heißt, es hat Abstiege und Aufstiege. Im Abstieg verliert es die Kraft des Glaubens, denn ein Abstieg kommt ihm von irgendeinem Makel. Und alle Makel treffen das Geschöpf, während es in der Selbstliebe versunken ist. Darum gibt es für das Geschöpf eine Korrektur, damit es nicht den König beschädigt und ihm dann der Glaube an die Existenz des Königs verloren geht, wie in der Einführung in das Buch Sohar erklärt wird (Blatt 138, Stichwort „denn es ist ein Gesetz“). Siehe dort. | ובזמן שהנברא עוד נמצא תחת שליטת הרצון לקבל לעצמו, הוא יכול לקבל רק אמונה חלקית. זאת אומרת, שיש לו ירידות ועליות. שבזמן הירידה נאבד לו כח האמונה, היות שענין ירידה בא לו מאיזה פגם. וכל הפגמים באים להנברא, בזמן שהוא שקוע באהבה עצמית. לכן יש תיקון להנברא, בכדי שלא יפגום בהמלך, נאבדת לו אז את האמונה במציאות המלך, כמבואר בהקדמה לספר הזהר (דף קל"ח, ד"ה כי חוק). עיין שם. | Solange das Geschöpf noch unter der Herrschaft des Willens für sich selbst zu empfangen steht, kann es nur einen Teil des Glaubens empfangen. Das bedeutet, dass der Mensch Ab- und Aufstiege hat. Während der Abstiege verliert er die Kraft des Glaubens, weil der Abstieg aufgrund irgendeines Fehlers zu ihm kommt, und alle Fehler kommen zu dem Geschöpf, während es in Eigenliebe versunken ist. Aus diesem Grund gibt es eine Korrektur für das Geschöpf, um den König nicht zu beschmutzen: Er verliert den Glauben an die Existenz des Königs, wie in der „Einleitung zum Buch Sohar“ (Punkt 138, beginnend mit den Worten „Es ist ein Gesetz“) erklärt wird. |
27 | Und da es eine Regel gibt, dass der Mensch nicht auf einem Bein gehen kann, sondern nur auf zwei Beinen, weist dies auch auf das Spirituelle hin. Denn „Rechts“ ist die Eigenschaft der Vollkommenheit. Der erste Anfang nämlich, wenn das Geschöpf in die Arbeit für den Schöpfer eintreten will, ist der, dass es an den Schöpfer glauben muss. Dabei kommt es nicht auf das Maß des Glaubens an; mit so viel Glauben, wie es hat, kann es bereits beginnen, Tora und Mizwot zu erfüllen. Und jeden Tag fügt es so viel hinzu, wie es nur kann. | והיות שיש כלל, שאין האדם יכול ללכת על רגל אחד, אלא על שתי רגליים. וזה מורה גם על רוחניות. שענין ימין הוא בחינת שלימות, כלומר ההתחלה הראשונה, שהנברא רוצה לכנס בעבודת ה', היא, שהוא צריך להאמין בה', לא חשוב שיעור האמונה, אלא כמה אמונה שיש לו, כבר הוא מסוגל להתחיל לקיים תורה ומצות. וכל יום הוא מוסיף והולך עד כמה שאפשר. | Da es eine Regel gibt, dass ein Mensch nicht auf einem Bein gehen kann, sondern nur auf zwei Beinen, weist dies auch auf die Spiritualität hin. „Rechts“ deutet auf Vollkommenheit hin. Das heißt, der Anfang, wenn das Geschöpf die Arbeit des Schöpfers beginnen möchte, besteht darin, dass es an den Schöpfer glauben muss. Es kommt nicht darauf an, wie viel Glauben er hat, aber mit dem Glauben, den er hat, kann er bereits anfangen, das Einhalten von Tora und Mizwot [Gebote/gute Taten] zu befolgen, und jeden Tag so viel hinzufügen, wie er kann. |
28 | Doch dieser Zustand wird nicht „Rechts“ genannt, sondern „eine einzige Linie“. Und das heißt die Stufe des Unbelebten der Heiligkeit (Kedusha). Aus diesem Unbelebten gehen alle übrigen Stufen hervor – das Pflanzliche, das Tierische und das Sprechende –, wie geschrieben steht (Prediger 3): „Alles ist aus dem Staub geworden.“ Und der Heilige Sohar deutet: „sogar das Sonnenrad“ (Sohar, Zaw, Blatt 63, Punkt 173). Das heißt: Alle müssen beim Unbelebten der Heiligkeit beginnen. | אולם המצב הזה לא נקרא בחינת ימין, אלא נקרא קו אחד. וזה נקרא בחינת דומם דקדושה. ומהדומם הזה יוצאות כל שאר מדרגות, הנקראות צומח, חי, מדבר, כמו שכתוב (קהלת ג') "הכל היה מן העפר". ופירשו בזה"ק "אפילו גלגל חמה" (זהר צו דף ס"ג אות קע"ג). כלומר, שכולם צריכים להתחיל בדומם דקדושה. | Dieser Zustand wird jedoch nicht als „rechts“ angesehen, sondern als „eine einzige Linie“. Das nennt man „Unbelebtes von Kedusha [Heiligkeit]“. Aus diesem Unbelebten entstehen alle anderen Stufen, die „pflanzlich“, „tierisch“ und „sprechend“ genannt werden, wie es geschrieben steht (Prediger 3): „Alles kam aus dem Staub.“ Der Heilige Sohar interpretiert: „sogar das Rad der Sonne“ (Tzav, Artikel 173). Das heißt, jeder muss im Unbelebten der Kedusha anfangen. |
29 | Doch man muss wissen: Wie beim körperlichen Unbelebten muss der Mensch keine Kräfte aufwenden, damit sich das Unbelebte zeige; vielmehr entwickelt sich das Unbelebte gemäß der Entwicklung der Natur. Das heißt: Wenn der Mensch das körperliche Unbelebte nicht verdirbt, entwickelt es sich. Zum Beispiel: Wenn der Mensch den Boden nicht verdirbt oder Steine aus dem Boden holt, entwickelt sich das Unbelebte. Ebenso beim Unbelebten der Heiligkeit: Wenn er sein Tun nicht verdirbt, entwickelt sich sein Unbelebtes der Heiligkeit. Doch er braucht keinerlei Absicht und keinen Gedanken, um sein Unbelebtes der Heiligkeit fortzuführen. | אבל יש לדעת, כמו בדומם הגשמי אין האדם צריך להשקיע כוחות, בכדי שהדומם יתגלה, אלא שהדומם מתפתח לפי התפתחות הטבע. היינו, אם האדם לא יקלקל את הדומם הגשמי, הוא מתפתח. למשל, אם האדם לא מקלקל את האדמה, או הוא מוציא אבנים מן האדמה, הדומם מתפתח. כמו כן בהדומם דקדושה, אם הוא לא מקלקל את המעשים שלו, אז הדומם דקדושה שלו מתפתח. אבל לא צריך לשום כוונה ומחשבה בכדי להמשיך את בחינת הדומם דקדושה שלו. | Wir sollten jedoch wissen, dass der Mensch nicht wie beim materiellen Unbelebten Anstrengungen unternehmen muss, damit sich das Unbelebte offenbart. Vielmehr entwickelt sich das Unbelebte entsprechend der Entwicklung der Natur. Wenn ein Mensch das materielle Unbelebte nicht befleckt, entwickelt es sich. Wenn ein Mensch zum Beispiel die Erde nicht befleckt oder Steine aus der Erde holt, entwickelt sich das Unbelebte. Genauso verhält es sich mit dem Unbelebten Zustand der Heiligkeit. Wenn er sein Handeln nicht befleckt, entwickelt sich sein Unbelebter Zustand der Heiligkeit. Es bedarf jedoch keinerlei Absicht oder eines Gedankens, um seine Eigenschaft des Unbelebten der Kedusha fortzuführen. |
30 | Anders ist es, wenn er in die Stufe des Pflanzlichen eintreten will. Wir sehen im Körperlichen, dass das Pflanzliche bereits einer besonderen Pflege bedarf: Man muss ihm Nahrung geben, nämlich Wasser und Sonne, und ebenso das Unbelebte herrichten, aus dem das Pflanzliche hervorgeht, also pflügen und dergleichen. Und ebenso muss man die übrigen Gewächse entfernen, die nicht zu der Pflanze gehören, die der Mensch aus diesem Boden wachsen lassen will – wie man im Körperlichen das andere Unkraut herauszieht, das sich daruntergemischt hat. | מה שאין כן אם הוא רוצה להכנס לבחינת צומח, שאנו רואים בגשמיות, שהצומח כבר צריך טיפול מיוחד, וצריכים לתת לו מזונות, היינו מים ושמש, וכמו כן לתקן את הדומם שממנו יוצא הצומח, שהיא חרישה וכדומה. וכמו כן להוציא שאר צמחים, שאין להם שייכות להצומח, שהאדם רוצה שיצמח מן הדומם הזה, שבגשמיות מוציאים שאר עשבים שהתערבו. | Wenn er hingegen die Eigenschaft des „Pflanzlichen“ erwerben möchte, können wir sehen, dass das Pflanzliche bereits im irdischen Leben eine besondere Behandlung benötigt. Es hat Bedarf an Nahrung, d.h. Wasser und Sonne, um das Unbelebte zu erhalten, aus dem das Pflanzliche wachsen wird, nämlich das Pflügen und so weiter. Außerdem müssen andere Pflanzen, die nicht zu der Pflanze gehören, die der Mensch wachsen lassen möchte, entfernt werden, also wird in der materiellen Welt Unkraut, das mitgewachsen ist, entwurzelt. |
31 | Ebenso müssen wir beim Pflanzlichen der Heiligkeit Gedanken und Verlangen darauf verwenden, wie wir diesem Unbelebten Nahrung geben, also das Pflügen. Das heißt: Wir müssen das Verlangen zu empfangen, das in ihm ist, auf das Geben hin umwandeln und dergleichen. Dann wird die Arbeit von „Rechts“ und „Links“ möglich. Was zuvor die eine Linie war, also die Eigenschaft der Handlung, das muss der Mensch nun als rechte Linie gebrauchen: Die schlichte Handlung muss er für wertvoll halten und sagen, dass er dem Schöpfer großen Dank schuldet, weil Er ihn gewürdigt hat, ganz schlichte Handlungen zu vollbringen; und er soll sagen, dass auch er das nicht wert ist – dass der Schöpfer ihm als Geschenk gegeben hat, ihm in Schlichtheit zu dienen. | וכמו כן בצומח דקדושה, צריכים לתת מחשבה ורצון, איך לתת מזונות להדומם הזה, היינו חרישה. היינו, שצריכים להפך את הרצון לקבל שבו בעל מנת להשפיע, וכדומה. אז שייך ענין עבודה של ימין ושמאל, שענין הוא, מה שהיה מקודם קו אחד, שהוא בחינת המעשה, זה האדם צריך להשתמש עמו בבחינת קו ימין, כלומר שהמעשה הפשוט הוא צריך להחשיב ולומר, שהוא נותן תודה רבה להבורא, בזה שזיכה אותו לעשות מעשים פשוטים בתכלית הפשטות, ולומר, שגם זה הוא לא שוה, שהבורא נתן לו במתנה לשמש אותו בפשטות. | Ebenso müssen wir im pflanzlichen Zustand der Heiligkeit unsere Gedanken und unser Verlangen der Pflege widmen, also dem Pflügen. Das heißt, wir müssen den Willen, in uns zu empfangen, in einen Willen verwandeln, um zu geben, und dann ist es relevant, von Arbeit in „rechts“ und „links“ zu sprechen. Das, was zuvor eine einzelne Linie war, nämlich die Handlung, muss der Mensch als „rechte Linie“ verwenden, d.h. er sollte die einfache Handlung´– würdigen und sagen, dass er dem Schöpfer dankbar ist, dass er ihn damit belohnt hat, dass er in völliger Einfachheit einfache Arbeiten verrichtet hat, und dass er nicht einmal das wert ist – dass der Schöpfer ihm das Geschenk gemacht hat, Ihm in Einfachheit dienen zu dürfen. |
32 | Zugleich muss er zur linken Linie übergehen, das heißt sich selbst prüfen: ob er wirklich dem Schöpfer dient oder für sich selbst arbeitet – also zum eigenen Nutzen und nicht zum Nutzen des Schöpfers. Und darum muss er beten, weil er so sehr in der Selbstliebe versunken ist. Manchmal sieht er, dass er nicht einmal darum beten kann, der Schöpfer möge ihm helfen und ihn aus der Herrschaft der Selbstliebe herausführen. Und manchmal ist er in einer noch schlimmeren Lage: Er will nicht einmal ohne Gebet, dass der Schöpfer ihn aus der Selbstliebe herausführe; im Gegenteil, er hat das Verlangen, der Schöpfer möge ihm helfen, das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, mit jeder nur möglichen Erfüllung zu füllen. Und das wird „Links“ genannt, denn etwas, das der Korrektur bedarf, wird im Spirituellen „Links“ genannt. | ויחד עם זה לעבור לקו שמאל, היינו לעשות ביקורת על עצמו, אם הוא באמת עובד ה', או הוא עובד עבור עצמו, היינו לתועלת עצמו ולא לתועלת ה'. ועל זה הוא צריך להתפלל, איך שהוא כל כך משוקע באהבה עצמית. ולפעמים הוא רואה, שאין הוא מסוגל להתפלל, שה' יעזור לו, להוציאו מתחת שליטת אהבה עצמית. ולפעמים הוא נמצא במצב יותר גרוע, היינו שלא רוצה אפילו בלי תפלה, שה' יוציאו מאהבה עצמית, אלא להיפך, שיש לו רצון, שה' יעזור, שיוכל למלאות את הרצון לקבל לעצמו, בכל מילוי שרק אפשר למלאות. וזה נקרא בחינת שמאל, כי דבר הצריך תיקון נקרא ברוחניות שמאל. | Gleichzeitig muss er auf die linke Linie wechseln, d.h. sich selbstkritisch prüfen, ob er tatsächlich für den Schöpfer oder für sich selbst arbeitet, d.h. für seinen eigenen Nutzen und nicht für den Nutzen des Schöpfers. Er sollte dafür beten, da er so sehr in Eigenliebe versunken ist. Manchmal kann er sehen, dass er nicht beten kann, dass der Schöpfer ihm hilft und ihn von der Herrschaft der Eigenliebe befreit. Manchmal ist er sogar in einem noch böseren Zustand – er möchte nicht einmal beten, dass der Schöpfer ihn aus der Eigenliebe herausholt. Im Gegenteil, er möchte, dass der Schöpfer ihm hilft, seinen Willen, für sich selbst zu empfangen, mit jeder möglichen Befriedigung zu erfüllen. Das nennt man „links“, denn in der Spiritualität wird etwas, das der Korrektur bedarf, „links“ genannt. |
33 | Es zeigt sich: Hier gibt es zwei Gegensätze. Einerseits sagt man dem Menschen, die Ordnung der Arbeit sei, dass er sich bemühen müsse, die eine Linie in ihrer ganzen Vollkommenheit zu erfüllen – so wie damals, als das Geschöpf sich im Zustand des Unbelebten befand, der „eine einzige Linie“ genannt wird, und sich für einen vollkommenen Menschen hielt und Freude und gute Stimmung hatte, weil es wusste, dass es Vollkommenheit besaß und nur noch die Menge hinzuzufügen war. | נמצא, שיש כאן שני הפכים. מצד אחד אומרים לאדם, שסדר עבודה הוא, שהאדם צריך להשתדל ולקיים את הקו אחד בכל שלמותו, כלומר, כמו בזמן שהנברא היה נמצא במצב הדומם, הנקרא קו אחד, והיה מרגיש עצמו לאדם השלם, והיתה לו שמחה, ומצב רוח טוב, בזה שהיה יודע, שיש לו בחינת שלימות, ואין לו מה להוסיף רק כמות. | Daraus folgt, dass es hier zwei Gegensätze gibt. Einerseits wird dem Menschen gesagt, dass die Ordnung der Arbeit darin besteht, dass der Mensch das Einhalten der einen Linie bis zum Äußersten prüft. Das heißt, als das Geschöpf in einem Zustand des Unbelebten war, der „eine einzelne Linie“ genannt wird, und sich selbst als vollkommen empfand und glücklich und froh war, weil er wusste, dass er die Vollkommenheit hatte und nur noch die Quantität hinzugefügt werden musste. |
34 | Der Grund war, dass es keinerlei Vorstellung von der Stufe des Pflanzlichen hatte, sondern meinte, die Stufe des Unbelebten sei die ganze Vollkommenheit, die dem Menschen zu vollbringen aufgetragen ist. Darum empfand es eine gute Stimmung wegen des Gefühls der Vollkommenheit und konnte nicht verstehen, warum alle übrigen Geschöpfe nicht seinen Verstand hätten. | והסיבה היתה, משום שלא היה לו שום מושג בבחינת צומח, אלא שהיה חושב, שבחינת דומם זוהי השלימות מה שמוטל על האדם לעשות. לכן היה מרגיש מצב רוח טוב מחמת הרגשת השלימות, ולא היה יכול להבין, מדוע כל הנבראים, אין להם השכל שלו. | Doch der Grund dafür war, dass er keine Ahnung vom Pflanzlichen hatte. Er dachte, dass das Unbelebte die Vollkommenheit ist, die der Mensch erlangen muss. Deshalb fühlte er sich übermütig, weil er das Gefühl der Vollkommenheit hatte, und er konnte nicht verstehen, warum alle Geschöpfe nicht so klug waren wie er. |
35 | Anders nun, da es eine Vorstellung davon hat, was die Stufe des Pflanzlichen ist: Da hat es die Vollkommenheit der einen Linie nicht mehr. Darum muss der Mensch sich nun sehr mühen, damit er die rechte Linie für wertvoll halten und Lebenskraft aus ihr schöpfen kann – so wie er sie empfing, als er sich in der einen Linie befand. Der Grund ist, dass die linke Linie ihn erkennen lässt, dass dies keine Vollkommenheit ist. | מה שאין כן עכשיו, שיש לו מושג, מה הוא בחינת צומח, כבר אין לו השלימות של קו אחד. לכן האדם צריך עכשיו לתת יגיעה גדולה, שיהא בידו להחשיב ולקבל חיות מהימין, כדוגמת שהיה מקבל ממנו בהיותו בבחינת קו אחד. והטעם הוא, משום שהקו שמאל נותן לו להבין, שאין זה שלימות. | Aber jetzt, wo er eine Vorstellung von der Eigenschaft des „Pflanzlichen“ bekommt, hat er nicht mehr die Vollkommenheit der einen Linie. Aus diesem Grund muss er sich jetzt sehr anstrengen, um die Lebenskraft, die er in der einen Linie empfangen hat, auch auf der rechten Seite zu schätzen und daraus zu schöpfen. Der Grund dafür ist, dass die linke Linie ihn sehen lässt, dass dies keine Vollkommenheit ist. |
36 | Und warum muss man wirklich in der rechten Linie gehen? Die Antwort lautet: aus Gründen der Wahrheit. Der Mensch soll nämlich das wenige an Halt in der Heiligkeit, das er hat, für wertvoll halten – das ist sehr viel wert. Und dann ist die Zeit, dem Schöpfer zu danken. Danach muss er zur linken Linie zurückkehren, denn auch dies ist wahr: dass man um des Himmels willen arbeiten muss. Und aus diesen beiden – aus der Vollkommenheit und Wichtigkeit der rechten Linie und aus dem Mangel der linken Linie – wird der Mensch der mittleren Linie gewürdigt. Und das ist, wie gesagt: „Rechts und links, und dazwischen die Braut.“ | ומדוע צריכים באמת ללכת בקו ימין. התשובה היא, זהו מטעם אמת. היינו, שהאדם צריך להחשיב, את קצת אחיזה דקדושה שיש לו, זה שוה הון רב. ואז הזמן לתת תודה לה'. ואח"כ הוא צריך לחזור לקו שמאל, שגם זה הוא אמת, שצריכים לעבוד לשם שמים. ומב' אלה, היינו מצד השלימות והחשיבות של הימין, ומצד החסרון השמאל, האדם זוכה לבחינת קו אמצעי. וזהו כנ"ל "ימינא ושמאלא וביניהו כלה". | Warum sollen wir also auf der rechten Linie wandeln? Die Antwort ist, dass dies die Wahrheit ist. Das heißt, ein Mensch sollte das bisschen Halt, das er in Kedusha hat, tatsächlich als großes Glück betrachten. Und das ist der Zeitpunkt, um dem Schöpfer zu danken. Danach sollte er auf die linke Linie zurückkehren, denn auch das ist wahr, dass wir um des Schöpfers Willen arbeiten müssen. Aus diesen beiden, aus der Vollkommenheit und Wichtigkeit der Rechten [Linie] und aus dem Mangel der Linken [Linie], wird der Mensch mit der Mittleren Linie belohnt. Das ist die Bedeutung von „Rechts und links, und dazwischen die Braut“. |
Was bedeutet es in der Arbeit, dass die Erde keine Früchte hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde?
Rabash, 1990 (תש״ן) – Artikel 5
Im Heiligen Sohar (WaJera, Blatt 1, im Sulam) steht geschrieben, und dies sind seine Worte: „Rabbi Chija begann: ‚Die Knospen erschienen auf der Erde, die Zeit des Gesangs ist gekommen.‘ Das bedeutet: Als der Schöpfer die Welt erschuf, legte Er in die Erde alle ihr zukommende Kraft, und alles war in der Erde. Doch sie brachte in der Welt keine Früchte hervor, bis der Mensch erschaffen wurde. Sobald der Mensch erschaffen war, zeigte sich alles in der Welt, denn die Erde offenbarte ihre Früchte und ihre Kräfte, die in ihr hinterlegt waren. Und da hieß es: ‚Die Knospen erschienen auf der Erde, die Zeit des Gesangs ist gekommen, und die Stimme der Turteltaube ist in unserem Land zu hören.‘ Dies ist die Rede des Schöpfers, die in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde. Sobald der Mensch da war, war alles da.“
Man muss verstehen, warum die Erde ihre Früchte nicht gab, bevor der Mensch erschaffen wurde. Was ist die Verbindung zwischen der Erde und dem Menschen, dass die Erde, wenn es keinen Menschen gibt – obwohl sie alles besitzt –, ihre Früchte dennoch nicht gibt, solange es keinen Menschen gibt? Und ebenso: Was bedeutet es, dass „die Rede des Schöpfers in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde“? Es steht doch mehrfach geschrieben: „Und Gott sprach: Es werde Licht.“
Dies lässt sich im Sinne der Arbeit auslegen. Unsere Weisen sagten zum Vers „Im Anfang erschuf Gott“: um Israels willen, das „Anfang“ genannt wird, wie geschrieben steht: „Heilig ist Israel, der Erstling seines Ertrags.“ Das bedeutet, wie gesagt, dass das Ziel der Erschaffung der Welt darin bestand, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun – das heißt, dass Er in den Geschöpfen ein Verlangen erschuf, Gutes und Genuss zu empfangen. Und durch dieses Verlangen, also dadurch, dass dieses Verlangen ihn danach streben lässt, das Gute und den Genuss zu empfangen, bemessen sich das Vergnügen und der Genuss, die der Mensch daraus ziehen kann.
Dies wird „das Werk des Schöpfers“ genannt, nämlich dass Er ein Verlangen erschuf, Genuss zu empfangen – für jenen Genuss, den Er ihnen geben will. Demnach fehlt es in der Welt an nichts: Es gibt die Fülle, die zum Verlangen zu empfangen gehört. Das heißt: In dem Maß, in dem Er Gutes und Genuss geben wollte, erschuf Er dafür ein Kli (Gefäß) – das Verlangen zu empfangen ist also nicht größer, als der Schöpfer es erschuf, sodass es empfangen kann, was Er geben will. Es zeigt sich: Das Gute und der Genuss sind vorhanden, und das Gefäß zum Empfangen ist vorhanden – was fehlt also noch?
Es ist bekannt, dass die Erde Malchut genannt wird; das heißt, das Verlangen, die Fülle vom Schöpfer zu empfangen, wird Malchut genannt. Malchut ist also diejenige, die die Fülle für die Seelen empfängt; deshalb wird Malchut „Versammlung Israels“ (Knesset Israel) genannt, denn sie ist die Gesamtheit der Seelen. Demnach hat Malchut bereits das ganze Licht für die Seelen empfangen. Es erhebt sich die Frage: Warum empfangen die Geschöpfe von Malchut nicht die Fülle, die sie für die Geschöpfe empfangen hat? Stattdessen herrscht in der Welt die Kraft der Verhüllung, sodass die Stimme der Turteltaube in unserem Land nicht zu hören ist – das heißt, die Rede des Schöpfers ist in der Welt nicht zu hören. Vielmehr spürt jeder die Verhüllung, und es bedarf großer Arbeit, an Seine Vorsehung über die Geschöpfe zu glauben, und das Gute und der Genuss sind in der Welt nicht offenbart.
Die Antwort lautet: weil der Schöpfer wollte, dass es keine Scham gibt. Darum wurde die Korrektur vollzogen, die man Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung nennt, damit die höhere Vorsehung nicht offenbart sei. Vielmehr müssen wir glauben, dass der Schöpfer die Welt nach der Eigenschaft des Guten, der Gutes tut, lenkt. Und das hat uns die ganze Arbeit auferlegt: dass wir uns darum mühen müssen, das Verlangen, für uns selbst zu empfangen, aufzugeben – obwohl es unsere ganze Wirklichkeit ausmacht.
Das heißt: Alles, was wir den Geschöpfen zuschreiben, ist nur das Verlangen zu empfangen. Dennoch ist es verboten, das Verlangen zu empfangen so zu gebrauchen, wie es von Natur aus hervortritt; vielmehr müssen wir über die Natur hinausgehen. Unsere Natur ist nämlich das Verlangen, für uns selbst zu empfangen. Sagt man nun einem Menschen, er müsse das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, aufgeben, so gibt es kein Glied in ihm, das dies begreifen könnte. Und der Körper beginnt, Fragen zu stellen – „wer“ und „was“ –, das heißt, er verlangt eine Antwort im Verstand, um zu wissen, ob der Schöpfer wirklich auf jeden Einzelnen hört, der Ihn um etwas bittet.
Der Körper hält dem Menschen entgegen: „Du siehst doch, dass du schon viele Male gebeten hast, der Schöpfer möge dir helfen bei dem, was dir deiner Meinung nach fehlt. Und bis jetzt siehst du, dass du noch keine Erhörung deines Gebets erhalten hast. Warum also sagst du jeden Tag: ‚Denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes‘? Warum hilft Er dir dann nicht?“ Demnach gebietet der Verstand, dass der Körper recht hat – das heißt, er bringt sein Argument mit Verstand und Einsicht vor.
Darauf muss man dem Körper antworten, dass man über dem Verstand geht. Das heißt: Zwar gebietet der Verstand, dass der Schöpfer – Gott behüte – nicht das Gebet eines jeden Mundes erhört. Man kann das nämlich so erklären, dass der Schöpfer ihm deshalb nicht antwortet, weil er noch nicht würdig ist, die Erlösung vom Schöpfer zu empfangen. Doch in Wahrheit erhört der Schöpfer das Gebet Israels. Nur dir will Er die Erfüllung des Gebets, das du dargebracht hast, nicht geben, weil du nicht zur Stufe „Israel“ zählst.
Wieder fragt der Körper: „Du siehst doch, dass wir glauben müssen: ‚Denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes‘, so wie wir es im Gebet sprechen: ‚Denn Du erhörst das Gebet eines jeden Mundes.‘ Dann muss der Schöpfer auch dein Gebet erhören. Und mehr noch: Wenn Er nicht das Gebet eines jeden Mundes erhört, wozu musst du dann überhaupt beten?“
Wenn der Mensch in eine solche Lage kommt, dann ist der Augenblick, in dem er sagen kann, dass er über dem Verstand geht. Das heißt: Obwohl der Verstand etwas Wichtiges ist und er sieht, dass der Körper mit Verstand redet, muss der Mensch sagen, dass wir über dem Verstand gehen müssen – auch wenn wir Widersprüche sehen. Zum Beispiel, wie gesagt, dass er viele Male gebetet und doch keine Antwort auf sein Gebet erhalten hat. Und wenn er sich dann überwindet und über dem Verstand geht, nennt man das „Glaube über dem Verstand“.
Ebenso ist es, wenn der Mensch die „Eigenschaft des Herzens“ (liba) aufgeben und sagen muss: „Ich verzichte auf den eigenen Nutzen und sorge einzig für den Nutzen des Schöpfers“ – das ist gewiss über dem Verstand. Über dem Verstand bedeutet nämlich, dass der Mensch sagen soll, der Glaube stehe bei ihm auf einer wichtigeren Stufe als der Verstand. Darum hört er auf die Stimme des Glaubens und nicht auf die Stimme des Verstandes. Und da dies dem Verstand zuwiderläuft – denn uns wurde, wie wir sehen, Verstand gegeben, und wir bemessen jeden Menschen nach dem Rang seines Verstandes, wie geschrieben steht: „Nach seinem Verstand wird ein Mann gelobt“ (Sprüche 12), und wer mehr Verstand hat, ist ein wichtigerer Mensch –, darum läuft es unserem Verstand zuwider, wenn man uns sagt, wir müssten über dem Verstand gehen.
Wenn der Mensch daher in eine Lage kommt, in der der Körper anfängt, die Fragen „wer“ und „was“ zu stellen, dann beginnt die wahre Arbeit. Dann müssen wir den Schöpfer um Hilfe bitten, dass Er uns die Kraft gebe, jene Fragen Pharaos und des Frevlers – das „wer“ und „was“ – nicht anzuhören. Darüber sagten die Weisen: „Würde der Schöpfer ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht überwinden.“ Denn aus eigener Kraft kann der Mensch ihrer Herrschaft nicht entkommen und sagen: „Ich gehe über dem Verstand“ – weil dies der Natur zuwiderläuft.
Nach dem Gesagten können wir unsere Frage deuten: Was ist die Verbindung zur Erde, die ihre Früchte nicht hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde? Denn in der Arbeit wird gerade derjenige „Mensch“ genannt, der der Herrschaft der tierischen Eigenschaft entkommen ist. Als „Tier“ gilt nämlich, wer in seinen eigenen Nutzen versunken ist, eben wie ein Tier; und als „Mensch“ gilt, wer Ehrfurcht vor dem Himmel hat und aus Ehrfurcht dient – was der Heilige Sohar mit den Worten „weil Er groß ist und herrscht“ bezeichnet –, der also einzig wegen der Größe des Schöpfers dient und nicht auf seinen eigenen Nutzen bedacht ist, sondern auf den Nutzen des Schöpfers. So sagten unsere Weisen zum Vers: „Letzten Endes: Fürchte Gott und halte Seine Gebote, denn das ist der ganze Mensch. Was bedeutet ‚denn das ist der ganze Mensch‘? Rabbi Elasar sagte: Die ganze Welt wurde nur dafür erschaffen“ (Berachot 6).
Es zeigt sich: „Mensch“ heißt, wer Ehrfurcht vor dem Himmel hat. Und was ist Ehrfurcht vor dem Himmel? Das heißt: Was ist diese Ehrfurcht? Sie ist, wie es heißt (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 191, im Sulam, Spalte 2): „Weder die erste noch die zweite Ehrfurcht ist – Gott behüte – auf den eigenen Nutzen gerichtet, sondern allein auf die Sorge, er könnte darin nachlassen, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.“
Nach dem Gesagten wissen wir bereits, was „Mensch“ bedeutet: einer, der Ehrfurcht vor dem Himmel hat und sich fürchtet, er könnte vielleicht nicht alles um des Gebens willen tun. Und das wird „Mensch“ genannt. „Tier“ dagegen meint das Gegenteil: einen, der nur auf seinen eigenen Nutzen bedacht ist. Wie geschrieben steht (Prediger 3): „Wer weiß, ob der Geist der Menschen nach oben steigt und der Geist des Tieres nach unten zur Erde sinkt.“ Das lässt sich so deuten: Der „Geist des Menschen“ steigt nach oben – das heißt, alles, was er tut, geschieht zum Nutzen des Schöpfers. Und das wird „oben“ genannt, nämlich dass seine Absicht ist, alles solle nur um des Gebens willen sein. Daraus erfährt der Mensch Wohlgefallen.
Der „Geist des Tieres“ aber besteht darin, dass er bei allem, was er tut, alles für „unten“ will, das heißt „unten auf der Erde“, was das Irdische ist – denn das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, wird „Erde“ genannt. Wenn dieser Mensch etwas tut, achtet er darauf, dass es nur seinem eigenen Nutzen diene. Daraus zieht er seinen Geist, das heißt sein Wohlgefallen: Er wird an seinem Tun nur dann Genuss haben, wenn ihm selbst etwas daraus erwächst. Sieht er aber, dass das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, daraus keinen Genuss ziehen kann, hat er keine Kraft zur Arbeit. Und muss er aus irgendeinem Grund dennoch arbeiten, so hat er bei dieser Arbeit überhaupt keine gute Stimmung.
Nach dem Gesagten verstehen wir nun die Verbindung zwischen dem Menschen und der Erde. Wir fragten: Was bedeutet es, dass „die Erde ihre Früchte in der Welt nicht hervorbrachte, bevor der Mensch erschaffen wurde“, obwohl alle ihr zukommende Kraft und alles in der Erde war? Die Sache verhält sich wie gesagt: In der Arbeit wird die Erde Malchut des Himmels genannt, die Versammlung Israels, die die Fülle für die Geschöpfe empfängt, da alle Seelen aus ihr stammen. Und von Seiten des Schöpfers ist bereits alles aufs Beste korrigiert.
Wie er sagt (Einführung in das Buch Sohar, Punkt 13): „Die Sache ist die: In Wahrheit vollendete Sein Gedanke schon im Augenblick, da Er die Seelen zu erschaffen gedachte, alles – denn Er braucht kein Werkzeug der Tat wie wir. Augenblicklich traten alle Seelen und alle Welten, die erschaffen werden sollten, ins Dasein, erfüllt von all dem Guten und dem Genuss, den die Seelen am Ende der Korrektur (Gmar Tikun) empfangen sollen: nämlich nachdem das Verlangen zu empfangen in den Seelen seine Korrektur bereits vollständig empfangen hat und sich in reines Geben verwandelt hat. Und das, weil in Seiner Ewigkeit Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart als eins wirken.“
Damit lässt sich die Verbindung zwischen dem Menschen und der Erde deuten. Wenn es einen Menschen gibt, dann „bringt die Erde ihre Früchte hervor“. Mit der „Erde“ ist das Verlangen zu empfangen gemeint, das seine Korrektur bereits vollständig empfangen hat. Und beim Schöpfer ist alles in vollkommener Vollendung abgeschlossen, und es gibt nichts hinzuzufügen, wie gesagt. Das meint er mit: „Augenblicklich traten alle Seelen ins Dasein, erfüllt von all dem Guten und dem Genuss.“ Damit aber die Geschöpfe die Früchte von Malchut genießen, die sie empfangen hat, gibt Malchut – die „Erde“ genannt wird – diese den Geschöpfen erst dann, wenn sie das Verlangen zu empfangen auf das Geben hin korrigiert haben; das geschieht wegen der Korrektur, die vollzogen wurde, damit in ihnen die Gleichheit der Form bestehe.
Es zeigt sich: Solange der Mensch nicht die Stufe „Mensch“ erreicht hat – das heißt die Stufe des Gebens nach oben, wie gesagt, im Sinne von „der Geist des Menschen geht nach oben“, nämlich dass „Mensch“ bedeutet, dass alles, was er tut, zum Nutzen des Schöpfers geschieht (während der Geist des Tieres „nach unten sinkt“, also zum eigenen Nutzen) –, solange kann Malchut, die „Erde“ genannt wird, das Gute und den Genuss nicht zeigen, die sie für die Geschöpfe empfangen hat.
Das meint der Heilige Sohar mit: „Die Knospen erschienen auf der Erde.“ Alles war in der Erde, doch sie brachte in der Welt keine Früchte hervor, bis der Mensch erschaffen wurde. Bevor das Geschöpf zur Stufe „Mensch“ gelangt, sieht es keinerlei Früchte von Malchut, die „Erde“ genannt wird.
Nach dem Gesagten verstehen wir unsere Frage zu dem, was der Heilige Sohar sagt: „und die Stimme der Turteltaube ist in unserem Land zu hören“ – dies ist die Rede des Schöpfers, die in der Welt nicht vorhanden war, bevor der Mensch erschaffen wurde. Es steht doch in der Tora viele Male „Und Gott sprach“, schon bevor der Mensch erschaffen wurde. Doch die Deutung ist wie gesagt: Bevor der Mensch die Stufe „Mensch“ erreicht, also aus dem Bereich des Tieres heraustritt, befindet er sich in der Verhüllung, und es ist unmöglich, die Stimme des Schöpfers zu hören.
Und das meint: „Die Rede des Schöpfers war in der Welt nicht vorhanden, bevor die Stufe ‚Mensch‘ erschaffen wurde.“ Denn erst danach, wenn der Mensch die Stufe „Mensch“ erreicht, hört er die „Rede des Schöpfers“. Die Rede des Schöpfers wird Tora genannt; dann nämlich wird er der Tora gewürdigt, die „die Namen des Schöpfers“ genannt wird. Und das wird die Rede des Schöpfers genannt – nicht, dass die Tora eine Weisheit wäre wie die übrigen Weisheiten, sondern die Tora ist die Rede des Schöpfers.
Doch nicht leicht kann der Mensch die Stufe „Mensch“ erreichen und aus der tierischen Eigenschaft heraustreten. Der Grund ist, dass er sich in der Arbeit für den Schöpfer immer in der Gegensätzlichkeit der Form befindet. Und nur aus zwei Enden wird die mittlere Linie geboren, wie es im Lied des heiligen ARI heißt: „Rechts und links, und dazwischen die Braut.“ Das heißt: Durch Rechts und Links, die zwei Gegensätze sind, wird die Stufe Malchut des Himmels geboren, die „Braut“ genannt wird. Denn bekanntlich wird Malchut „Glaube“ genannt. Und um des Glaubens gewürdigt zu werden, muss man zuerst aus der tierischen Eigenschaft heraustreten, die „Selbstliebe“ genannt wird, wie gesagt: „der Geist des Tieres sinkt nach unten“ – wobei „unten“ bedeutet: niedriger an Wichtigkeit, nämlich die tierische Eigenschaft, die nur zum eigenen Nutzen arbeiten kann.
Solange das Geschöpf noch unter der Herrschaft des Verlangens steht, für sich selbst zu empfangen, kann es nur einen teilweisen Glauben empfangen. Das heißt, es hat Abstiege und Aufstiege. Im Abstieg verliert es die Kraft des Glaubens, denn ein Abstieg kommt ihm von irgendeinem Makel. Und alle Makel treffen das Geschöpf, während es in der Selbstliebe versunken ist. Darum gibt es für das Geschöpf eine Korrektur, damit es nicht den König beschädigt und ihm dann der Glaube an die Existenz des Königs verloren geht, wie in der Einführung in das Buch Sohar erklärt wird (Blatt 138, Stichwort „denn es ist ein Gesetz“). Siehe dort.
Und da es eine Regel gibt, dass der Mensch nicht auf einem Bein gehen kann, sondern nur auf zwei Beinen, weist dies auch auf das Spirituelle hin. Denn „Rechts“ ist die Eigenschaft der Vollkommenheit. Der erste Anfang nämlich, wenn das Geschöpf in die Arbeit für den Schöpfer eintreten will, ist der, dass es an den Schöpfer glauben muss. Dabei kommt es nicht auf das Maß des Glaubens an; mit so viel Glauben, wie es hat, kann es bereits beginnen, Tora und Mizwot zu erfüllen. Und jeden Tag fügt es so viel hinzu, wie es nur kann.
Doch dieser Zustand wird nicht „Rechts“ genannt, sondern „eine einzige Linie“. Und das heißt die Stufe des Unbelebten der Heiligkeit (Kedusha). Aus diesem Unbelebten gehen alle übrigen Stufen hervor – das Pflanzliche, das Tierische und das Sprechende –, wie geschrieben steht (Prediger 3): „Alles ist aus dem Staub geworden.“ Und der Heilige Sohar deutet: „sogar das Sonnenrad“ (Sohar, Zaw, Blatt 63, Punkt 173). Das heißt: Alle müssen beim Unbelebten der Heiligkeit beginnen.
Doch man muss wissen: Wie beim körperlichen Unbelebten muss der Mensch keine Kräfte aufwenden, damit sich das Unbelebte zeige; vielmehr entwickelt sich das Unbelebte gemäß der Entwicklung der Natur. Das heißt: Wenn der Mensch das körperliche Unbelebte nicht verdirbt, entwickelt es sich. Zum Beispiel: Wenn der Mensch den Boden nicht verdirbt oder Steine aus dem Boden holt, entwickelt sich das Unbelebte. Ebenso beim Unbelebten der Heiligkeit: Wenn er sein Tun nicht verdirbt, entwickelt sich sein Unbelebtes der Heiligkeit. Doch er braucht keinerlei Absicht und keinen Gedanken, um sein Unbelebtes der Heiligkeit fortzuführen.
Anders ist es, wenn er in die Stufe des Pflanzlichen eintreten will. Wir sehen im Körperlichen, dass das Pflanzliche bereits einer besonderen Pflege bedarf: Man muss ihm Nahrung geben, nämlich Wasser und Sonne, und ebenso das Unbelebte herrichten, aus dem das Pflanzliche hervorgeht, also pflügen und dergleichen. Und ebenso muss man die übrigen Gewächse entfernen, die nicht zu der Pflanze gehören, die der Mensch aus diesem Boden wachsen lassen will – wie man im Körperlichen das andere Unkraut herauszieht, das sich daruntergemischt hat.
Ebenso müssen wir beim Pflanzlichen der Heiligkeit Gedanken und Verlangen darauf verwenden, wie wir diesem Unbelebten Nahrung geben, also das Pflügen. Das heißt: Wir müssen das Verlangen zu empfangen, das in ihm ist, auf das Geben hin umwandeln und dergleichen. Dann wird die Arbeit von „Rechts“ und „Links“ möglich. Was zuvor die eine Linie war, also die Eigenschaft der Handlung, das muss der Mensch nun als rechte Linie gebrauchen: Die schlichte Handlung muss er für wertvoll halten und sagen, dass er dem Schöpfer großen Dank schuldet, weil Er ihn gewürdigt hat, ganz schlichte Handlungen zu vollbringen; und er soll sagen, dass auch er das nicht wert ist – dass der Schöpfer ihm als Geschenk gegeben hat, ihm in Schlichtheit zu dienen.
Zugleich muss er zur linken Linie übergehen, das heißt sich selbst prüfen: ob er wirklich dem Schöpfer dient oder für sich selbst arbeitet – also zum eigenen Nutzen und nicht zum Nutzen des Schöpfers. Und darum muss er beten, weil er so sehr in der Selbstliebe versunken ist. Manchmal sieht er, dass er nicht einmal darum beten kann, der Schöpfer möge ihm helfen und ihn aus der Herrschaft der Selbstliebe herausführen. Und manchmal ist er in einer noch schlimmeren Lage: Er will nicht einmal ohne Gebet, dass der Schöpfer ihn aus der Selbstliebe herausführe; im Gegenteil, er hat das Verlangen, der Schöpfer möge ihm helfen, das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, mit jeder nur möglichen Erfüllung zu füllen. Und das wird „Links“ genannt, denn etwas, das der Korrektur bedarf, wird im Spirituellen „Links“ genannt.
Es zeigt sich: Hier gibt es zwei Gegensätze. Einerseits sagt man dem Menschen, die Ordnung der Arbeit sei, dass er sich bemühen müsse, die eine Linie in ihrer ganzen Vollkommenheit zu erfüllen – so wie damals, als das Geschöpf sich im Zustand des Unbelebten befand, der „eine einzige Linie“ genannt wird, und sich für einen vollkommenen Menschen hielt und Freude und gute Stimmung hatte, weil es wusste, dass es Vollkommenheit besaß und nur noch die Menge hinzuzufügen war.
Der Grund war, dass es keinerlei Vorstellung von der Stufe des Pflanzlichen hatte, sondern meinte, die Stufe des Unbelebten sei die ganze Vollkommenheit, die dem Menschen zu vollbringen aufgetragen ist. Darum empfand es eine gute Stimmung wegen des Gefühls der Vollkommenheit und konnte nicht verstehen, warum alle übrigen Geschöpfe nicht seinen Verstand hätten.
Anders nun, da es eine Vorstellung davon hat, was die Stufe des Pflanzlichen ist: Da hat es die Vollkommenheit der einen Linie nicht mehr. Darum muss der Mensch sich nun sehr mühen, damit er die rechte Linie für wertvoll halten und Lebenskraft aus ihr schöpfen kann – so wie er sie empfing, als er sich in der einen Linie befand. Der Grund ist, dass die linke Linie ihn erkennen lässt, dass dies keine Vollkommenheit ist.
Und warum muss man wirklich in der rechten Linie gehen? Die Antwort lautet: aus Gründen der Wahrheit. Der Mensch soll nämlich das wenige an Halt in der Heiligkeit, das er hat, für wertvoll halten – das ist sehr viel wert. Und dann ist die Zeit, dem Schöpfer zu danken. Danach muss er zur linken Linie zurückkehren, denn auch dies ist wahr: dass man um des Himmels willen arbeiten muss. Und aus diesen beiden – aus der Vollkommenheit und Wichtigkeit der rechten Linie und aus dem Mangel der linken Linie – wird der Mensch der mittleren Linie gewürdigt. Und das ist, wie gesagt: „Rechts und links, und dazwischen die Braut.“
korrigiert (Stilüberarbeitung nach Richtlinie), EY, Claude/Opus 4.8, 24.07.2026, 07:47 Uhr, Ver4