Rabash 1990 – Artikel 28: Was bedeutet „die Großen vor den Kleinen warnen“ in der Arbeit
Nr. | Deutsch NEU | עברית | Deutsch ALT |
1 | Unsere Weisen sagten (Jewamot 114a): „‚Sprich, und sage‘ – um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Und Rashi erklärte mit seinen Worten: „‚Sprich zu den Priestern, den Söhnen Aarons‘ und ‚sage‘ – diese beiden Aussprüche; wozu? Um die Großen vor den Kleinen zu warnen, damit sie sich nicht verunreinigen.“ | חז"ל (יבמות, קי"ד ע"א) אמרו "אמור, ואמרת, להזהיר גדולים על קטנים". ופירש רש"י וזה לשונו "אמור אל הכהנים בני אהרן, ואמרת שתי אמירות הללו, למה להזהיר גדולים על קטנים, שלא יטמאו". | Unsere Weisen sagten (Jewamot 114a): „Sprich, und sag es, um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ RASHI legt dies folgendermaßen aus: „Sagt zu den Priestern, den Söhnen Aarons, und sagt diese beiden Sprüche: ‚Warum die Großen vor den Kleinen warnen? So werden sie nicht verunreinigt.'“ |
2 | Man muss verstehen, was das Neue daran ist, „die Großen vor den Kleinen zu warnen“, wenn man vom Weg der Arbeit spricht – denn dort betrachtet man alles als einen einzigen Körper. Worauf also deutet dieses „die Großen vor den Kleinen warnen“? Das heißt: Wer ist „der Kleine“, wenn man es als einen einzigen Körper auffasst, und wer ist „der Große“? Was will man uns damit sagen, dass man „die Großen“ vor „den Kleinen“ warnen muss? | ויש להבין מהו החידוש "להזהיר גדולים על קטנים", בזמן שמדברים על דרך העבודה, שאז מדברים הכל בגוף אחד. אם כן מה מרמז לנו זה "להזהיר גדולים על קטנים". כלומר, מי הוא "הקטן", כשלומדים בגוף אחד. ומי הוא "הגדול", שבא להשמיענו, שצריכים להזהיר "גדולים" על "קטנים". | Wir sollten die Neuheit verstehen, die darin liegt, wenn wir die Großen vor den Kleinen warnen. Was deutet die Warnung der Großen vor den Kleinen an, wenn wir von der Arbeit sprechen, bei der wir von einem einzigen Körper sprechen? Das heißt, wer ist das Kleine, wenn wir das innerhalb eines Körpers lernen, und wer ist der Große, der uns hören soll, dass wir den Großen vor dem Kleinen warnen müssen? |
3 | Es ist bekannt, dass die Mühe und Arbeit, die wir in Tora und Mizwot aufbringen müssen, daher rührt, dass wir mit der Natur eines Verlangens geboren wurden, für uns selbst zu empfangen. Deshalb kann man bei allem, was wir tun und woran das Verlangen zu empfangen Genuss findet, nicht von Mühe sprechen. So sehen wir es in unserer Welt: Niemand klagt je, wenn er hungrig ist und eine Mahlzeit vor sich hat, deren Duft ihm in die Nase steigt, er gehe nun schwere Arbeit und große Mühe verrichten, weil er jetzt essen wird. Denn wo Genuss und Vergnügen sind, kann man nicht von Arbeit und Mühe sprechen. | ידוע, שהיגיעה והעבודה שאנו צריכים לתת בתורה ומצות, הוא מסיבת שאנו נולדנו עם טבע של רצון לקבל לעצמו. לכן בכל דבר שאנו עושים, והרצון לקבל תענוג הוא נהנה מזה, אין שייך לומר אז ענין של יגיעה. כמו שאנו רואים בעולמנו זה, שאף פעם אדם לא יצטער בזמן שהוא רעב, ויש לו סעודה שריחה נודף הימנה. שיגיד, שהוא הולך עכשיו לעבוד עבודה קשה ויגיעה גדולה, בזה שהוא הולך עתה לאכול. היות במקום שיש הנאה ותענוג, לא שייך לומר עבודה ויגיעה. | Es ist bekannt, dass die Arbeit, die wir in der Tora und den Mizwot leisten müssen, daher kommt, dass wir mit einer Natur geboren werden, in der wir für uns selbst empfangen wollen. Deshalb können wir bei allem, was wir tun und was der Wille, zu empfangen, genießt, nicht von Anstrengung sprechen. Es ist so, wie wir in unserer irdischen Welt sehen, dass ein Mensch nie als unglücklich betrachtet wird, wenn er hungrig ist und eine gut duftende Mahlzeit zu sich nimmt. Wir würden nicht sagen, dass er jetzt hart arbeitet und große Mühen auf sich nimmt, weil er jetzt essen wird. Denn wo Genuss ist, können wir nicht von Arbeit und Mühe sprechen. |
4 | Demnach muss man verstehen: Die Tora wird doch „unser Leben und die Länge unserer Tage“ genannt. Warum sagt man dann, dass der Mensch sich in der Tora abmühen muss? Gibt es denn jemanden, der nicht leben und das Leben genießen will – wie geschrieben steht: „begehrenswerter als Gold und als feinstes Gold, süßer als Honig und als Wabenseim“? Warum also wird das Einhalten von Tora und Mizwot „Mühe“ genannt? | ולפי זה יש להבין, הלא התורה נקראת "כי הם חיינו ואורך ימינו". אם כן מדוע אומרים, שהאדם צריך להתייגע בתורה. וכי יש מי שלא רוצה לחיות ולהנות מהחיים, כמו שכתוב "הנחמדים מזהב ומפז רב, ומתוקים מדבש ונופת צופים". אם כן מדוע זה שאנו מקיימים תו"מ, נקרא בשם "יגיעה". | Daher müssen wir uns fragen, warum die Tora ‚Anstrengung‘ verlangt: „Denn sie sind unser Leben und die Länge unserer Tage.“ Warum heißt es also, dass ein Mensch sich in der Tora anstrengen muss? Gibt es jemanden, der nicht leben und das Leben genießen will? Darüber steht geschrieben: „Die schöner sind als Gold und Feingold, und süßer als Honig und die Honigwabe.“ Warum wird es deshalb als „Anstrengung“ bezeichnet, wenn wir die Tora und die Gebote einhalten? |
5 | Die Antwort ist: Wäre der Genuss von Tora und Mizwot jedem Auge offenbar, würde gewiss die ganze Welt Tora und Mizwot einhalten. So steht es in der „Einführung zum Studium der Zehn Sefirot“ (Punkt 43): „Nehmen wir zum Beispiel an, der Schöpfer ginge mit Seinen Geschöpfen in offenbarer Vorsehung um – so etwa, dass jeder, der etwas Verbotenes isst, sofort auf der Stelle erstickte, und jeder, der eine Mizwa erfüllt, darin das wunderbare Vergnügen fände, das den allerköstlichsten Genüssen dieser körperlichen Welt gleicht. Denn welcher Narr dächte dann auch nur daran, den Geschmack des Verbotenen zu kosten, da er wüsste, dass er dadurch sofort sein Leben verlöre – so wie niemand daran denkt, ins Feuer zu springen? Und welcher Narr ließe eine Mizwa ungetan, ohne sie sofort mit allem Eifer zu erfüllen – so wie keiner sich von einem großen körperlichen Genuss, der ihm in die Hände fällt, abwenden oder zögern kann, ohne ihn sofort zu empfangen? Läge also offenbare Vorsehung vor uns, so wären alle, die in die Welt kommen, vollkommen Gerechte.“ | והתשובה היא, אם התענוג של תו"מ היה מגולה לעין כל, בטח שכל העולם היו מקיימים תו"מ. וזהו כמו שכתוב בהקדמה לתע"ס (אות מ"ג), וזה לשונו "ונניח למשל, אם הקב"ה היה נוהג עם בריותיו בהשגחה גלויה. באופן, אשר למשל, כל האוכל דבר איסור, יחנק תיכף על מקומו. וכל העושה מצוה, ימצא בה התענוג הנפלא, בדומה לתענוגות המצוינים ביותר שבעולם הזה הגשמי. כי אז מי פתי היה מהרהר אפילו לטעום טעם איסור, בשעה שהיה יודע, שתיכף יאבד מחמתו את חייו, כמו שאינו מהרהר לקפוץ לתוך הדליקה. וכי מי פתי היה עוזב איזו מצוה, מבלי לקיימה תיכף בכל הזריזות, כמו שאינו יכול לפרוש או להתמהמה על תענוג גדול גשמי הבא לידו, מבלי לקבלו מיד. הרי שאם היתה לפנינו השגחה גלויה, היו כל באי העולם צדיקים גמורים". | Die Antwort lautet: Wenn sich der Genuss von Tora und Mizwot allen offenbaren würde, würde sicherlich die ganze Welt das Einhalten von Tora und Mizwot befolgen. So steht es in der „Einführung zum Studium der Zehn Sefirot“ (Punkt 43): „Wenn der Schöpfer zum Beispiel eine offene Vorsehung für Seine Geschöpfe einrichten würde, so dass jeder, der etwas Verbotenes isst, sofort erstickt, und jeder, der ein Gebot ausführt, darin wunderbare Freuden entdeckt, die den feinsten Freuden in dieser körperlichen Welt gleichen – welcher Narr käme dann überhaupt auf die Idee, eine verbotene Sache zu probieren, wenn er weiß, dass er dadurch sofort sein Leben verliert, so wie man auch nicht in Erwägung zieht, in ein Feuer zu springen? Welcher Narr würde ein Gebot unbeachtet lassen, ohne es so schnell wie möglich auszuführen, so wie jemand, der sich nicht von einem großen körperlichen Genuss, der ihm in die Hand fällt, zurückziehen oder bei ihm verweilen kann, ohne ihn so schnell wie möglich zu empfangen? Wenn also die Vorsehung offensichtlich wäre, wären alle Menschen auf der Welt vollkommen gerecht.“ |
6 | Demnach ist zu fragen: Warum haben wir keine offenbare Vorsehung, sondern müssen an Lohn und Strafe glauben? Wäre es nicht besser, wenn alles offenbar wäre? Die Antwort ist: Weil wir die Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer erreichen müssen, also die Angleichung der Form, müssen wir alles um des Himmels willen tun – das heißt, um unserem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Wären Lohn und Strafe von Tora und Mizwot offenbar, gäbe es keine Möglichkeit, um des Himmels willen zu handeln, weil der Genuss den Menschen zwingen würde, Tora und Mizwot einzuhalten. | ולפי זה יש לשאול, מדוע אין לנו השגחה גלויה, אלא שאנו צריכים להאמין בשכר ועונש. הלא היה יותר טוב, אם היה הכל מגולה. והתשובה היא, היות שאנו צריכים להגיע לדביקות ה', שהוא ענין השתוות הצורה, ובגלל זה אנו צריכים לעשות הכל לשם שמים, היינו בעל מנת להשפיע נחת רוח ליוצרו, ואם השכר ועונש של תורה ומצות היה מגולה, לא היתה שום אפשרות לעשות לשם שמים. מטעם שהתענוג היה מכריח להאדם לקיים תו"מ. | Deshalb sollten wir fragen: Warum wird die Vorsehung nicht offenbart, sondern wir müssen an Belohnung und Bestrafung glauben? Wäre es nicht besser, wenn alles offenbart wäre? Die Antwort ist, dass wir, da wir Dwekut [Anhaftung] an den Schöpfer erreichen müssen, was die Gleichheit der Form bedeutet, alles um des Schöpfers willen tun müssen, das heißt, um dem Schöpfer Zufriedenheit zu geben. Wenn Belohnung und Strafe in Tora und Mizwot offenbart würden, wäre es unmöglich, um des Schöpfers willen zu arbeiten, denn der Genuss würde den Menschen zum Einhalten von Tora und Mizwot zwingen. |
7 | Und wir sehen: Obwohl der Genuss, der im Körperlichen offenbar ist, im Vergleich zum Genuss in Tora und Mizwot nur ein Genuss eines „winzigen Lichts“ (Nehiru Dakik) ist, fällt es dem Menschen dennoch schwer zu sagen, dass alles, was er tut, dem Geben dient. Sonst würde er auf die körperlichen Genüsse verzichten, wenn er die Absicht zu geben nicht auf den Schöpfer ausrichten könnte. | ואנו רואים, איך שהתענוג, שהוא מגולה בגשמיות, הגם שזהו רק תענוג של בחינת "נהירו דקיק" בערך התענוג שיש בתו"מ, איך שקשה להאדם לומר, שכל מה שהוא עושה, הוא בעל מנת להשפיע, אחרת הוא היה מוותר על התענוגים הגשמיים, אם לא היה יכול לכוון בעל מנת להשפיע לה'. | Wenn ein Genuss in der irdischen Welt offenbart wird, obwohl er nur ein „winziges Licht“ im Vergleich zum Genuss von Tora und Mizwot ist, sehen wir, wie schwer es für einen Menschen ist, zu sagen, dass alles, was er tut, um zu geben ist, sonst würde er auf die irdischen Genüsse verzichten, wenn er nicht die Ausrichtung hat, um dem Schöpfer zu geben. |
8 | Bei den großen Genüssen also, die in Tora und Mizwot liegen, gäbe es gewiss gar keine Möglichkeit, dass er sagen könnte, er verzichte auf sie, falls er die Absicht zu geben nicht herstellen kann. Deshalb wurde diese Korrektur eingerichtet: Bevor der Mensch über die kleinen Genüsse in den körperlichen Dingen sagen kann, dass er sie nur unter der Bedingung annimmt, die Absicht zu geben herstellen zu können, steht er unter Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung, sodass er keinerlei Genuss sieht. Er muss nur glauben, dass es so ist – das heißt, der Mensch muss glauben, dass der Schöpfer alle Geschöpfe mit einer Vorsehung des Guten, der Gutes tut, lenkt. | אם כן בתענוגים הגדולים, מה שנמצאים בתו"מ, בודאי לא היתה שום מציאות, שתהיה בידו היכולת לומר, שאם הוא לא יכול לכוון בעל מנת להשפיע, הוא מוותר עליהם. לכן נעשה תיקון זה, שמטרם שהאדם מסוגל לומר על התענוגים הקטנים הנמצאים בדברים הגשמיים, שהוא מקבל אותם, רק בתנאי שיהיה בידו לכוון בעל מנת להשפיע, הוא נמצא תחת צמצום והסתר, שלא רואה שום דבר תענוג. אלא הוא צריך רק להאמין, שכך הוא. כלומר, שהאדם צריך להאמין, שהקב"ה מנהיג את כל הנבראים בהשגחה של טוב ומטיב. | Er kann deshalb bei den wunderbaren Genüssen, die er in der Tora und den Mizwot findet, nicht sagen, dass er sie aufgibt, falls er nicht darauf ausgerichtet ist, sie zu geben. Daher besteht diese Korrektur: Bevor ein Mensch über die kleinen Genüsse in den körperlichen Dingen sagen kann, dass er sie nur unter der Bedingung annimmt, dass er sie geben kann, befindet er sich unter Zimzum [Einschränkung] und Verhüllung, unter denen er keinen Genuss wahrnimmt. Er muss vielmehr daran glauben, dass dies so ist. Das heißt, der Mensch muss glauben, dass der Schöpfer alle Geschöpfe mit der Führung des Guten führt, der Gutes tut. |
9 | So steht es in einem Artikel (Shamati, aus dem Jahr 1943): „Der Mensch muss sich vorstellen, als hätte er bereits vollkommenen Glauben an den Schöpfer erlangt und als spürte er bereits in seinen Gliedern, dass der Schöpfer die ganze Welt in der Eigenschaft des Guten, der Gutes tut, lenkt – das heißt, dass die ganze Welt von Ihm nur Gutes empfängt.“ | וזהו כמו שכתוב במאמר ("שמעתי", שנת תש"ג) "האדם צריך לצייר לעצמו, כאילו כבר זכה לאמונה שלימה בה', וכבר יש לו הרגשה באבריו, שהבורא מנהיג את כל העולם בבחינת טוב ומטיב, כלומר שכל העולם מקבלים ממנו יתברך רק טובות". | So steht es in dem Artikel (Shamati, Nr. 40, „Der Glaube an den Rav, was ist das Maß?“, 1943) geschrieben: „Der Mensch sollte sich selbst so vorstellen, als ob er bereits mit dem ganzen Glauben an den Schöpfer belohnt worden sei und bereits in seinen Organen spürt, dass der Schöpfer die ganze Welt in Form von ‚Der Gute, der Gutes tut‘ führt, was bedeutet, dass die ganze Welt von Ihm nur Gutes empfängt.“ |
10 | Aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn der Mensch sich mit dem Glauben an den Schöpfer beschäftigt, soll er sich eine bestimmte Zeit nehmen und sich vorstellen, wie er sich fühlen würde, wenn er die Nähe des Schöpfers erlangte und mit eigenen Augen das Gute und das Vergnügen sähe, das sich auf ihn und alle Geschöpfe erstreckt – in welch gehobener Stimmung er dann wäre und wie froh und glücklich er wäre. | ובהאמור יוצא, שבזמן שהאדם עוסק באמונת ה', שהאדם צריך לתת זמן מסוים, ולצייר לעצמו, איך האדם היה מרגיש אז, בזמן שהיה זוכה לקרבת ה', והיה רואה בעיניו את הטוב ועונג הנמשך לו ולכל הנבראים, איך האדם היה אז נמצא במצב רוח מרומם. ואיך שהוא היה שש ושמח. | Daraus folgt, dass der Mensch, wenn er sich mit dem Glauben an den Schöpfer beschäftigt, einige Zeit damit verbringen sollte, sich vorzustellen, wie er sich fühlen würde, wenn er mit der Nähe des Schöpfers belohnt würde und mit eigenen Augen die Freude und den Genuss sehen würde, die sich auf ihn und alle Geschöpfe erstrecken, wie übermütig und beschwingt er sein würde. |
11 | Diese Vorstellung braucht eine Fortsetzung: dass auch sein Glaube dem Wissen und Sehen gleicht. Das heißt, das Maß des Glaubens soll dem Sehen und Wissen gleichen. Und das ist eine große Arbeit, weil es der Weg der Wahrheit ist. So steht es geschrieben: „Wahrheit und Glaube“. Das bedeutet: Sein Glaube soll auf dem Weg der Wahrheit sein – und das ist eben diese Vorstellung, dass er an die Größe des Glaubens in solchem Maße glauben muss, als sähe er es, sodass er gleichsam mit eigenen Augen glaubt. | והציור הזה הוא צריך המשך, שגם האמונה שלו תהיה כדוגמת ידיעה וראיה. כלומר, ששיעור האמונה צריך להיות כדוגמת ראיה וידיעה. וזוהי עבודה גדולה, היות שזוהי דרך של אמת. וזהו כמו שכתוב "אמת ואמונה", שפירושו, שאמונה שלו תהיה על דרך האמת, הוא דוקא כעין ציור הזה, שהוא צריך להאמין בשיעור גדלות האמונה, כאילו היה רואה את זה, שהוא מאמין בעיניו. | Diese bildliche Vorstellung erfordert eine Fortsetzung – dass sein Glaube so ist, als würde er wissen und sehen. Das heißt, das Maß des Glaubens sollte wie das Sehen und Wissen sein. Und dies ist eine große Arbeit, da es der Weg der Wahrheit ist. Und es ist so, wie es geschrieben steht: „Wahrheit und Glaube“. Das bedeutet, dass sein Glaube, damit er wahr ist, genau wie diese Vorstellung sein muss, dass er in dem Maß der Größe des Glaubens glauben muss, als ob er es mit seinen eigenen Augen sehen würde, dass er also mit seinen Augen glauben würde. |
12 | Das heißt: In demselben Maß an Begeisterung, das er hätte, wenn er sähe, soll er auch dann Begeisterung empfangen, wenn er nicht sieht, sondern nur glaubt, dass es so ist. Deshalb nennt man dies „Glaube auf dem Weg der Wahrheit“. Das heißt, sein Glaube ist wahrhaftig ein Glaube, als wäre er Wissen. Und das nennt man „Glaube der Wahrheit“, wie geschrieben steht: „Wahrheit und Glaube“. | היינו באותו שיעור התפעלות, שהיה לו בזמן שהוא היה רואה, כך צריך לקבל התפעלות, בזמן שהוא לא רואה, רק שמאמין שכך הוא. לכן נקרא זה "אמונה בדרך אמת". היינו, שהאמונה שלו היא באמת אמונה כאילו היה זה ידיעה. וזה נקרא "אמונה של אמת", כמו שכתוב "אמת ואמונה". | Mit anderen Worten: In demselben Maße, in dem er begeistert war, als er sah, sollte auch seine Begeisterung sein, wenn er nicht sieht, sondern nur glaubt, dass es so ist. Deshalb wird dies „Glaube auf dem Weg der Wahrheit“ genannt. Das heißt, sein Glaube ist wahr, als ob er dies wüsste. Das wird „wahrer Glaube“ genannt, oder wie es geschrieben steht: „Wahrheit und Glaube“. |
13 | Da die ganze Grundlage auf dem Fundament des Glaubens errichtet sein soll, uns aber zugleich Verstand und Erkenntnis gegeben wurden, um jede Sache mit unserem Verstand zu begreifen, ergibt sich, dass der Glaube gegen unsere Natur ist: Denn es ist uns gegeben, dem Verstand zu folgen und nicht töricht zu sein und etwas ohne Verstand zu tun. So lehrt man den Menschen einerseits, den Wegen des Verstandes zu folgen und sich auch im Umgang mit dem Mitmenschen so zu verhalten. | והיות שכל הבסיס צריך להיות בנוי על יסוד האמונה, ויחד עם זה ניתן לנו שכל ודעת, להבין כל דבר עם השכל שיש לנו. נמצא, שהאמונה היא נגד הטבע שלנו, שניתן לנו ללכת על פי שכל ולא להיות טפש, לעשות דבר בלי שכל. נמצא, מצד אחד לומדים את האדם ללכת לפי דרכי השכל, וכך להתנהג בין אדם לחבירו. | Und da die ganze Grundlage auf dem Glauben aufgebaut sein sollte und uns gleichzeitig der Verstand und die Vernunft gegeben wurden, um alles mit dem Verstand, den wir haben, zu verstehen, folgt daraus, dass der Glaube gegen unsere Natur ist, denn wir können dem Verstand folgen und nicht so dumm sein und Dinge gedankenlos tun. Daraus folgt, dass wir den Menschen einerseits lehren, im Verstand zu wandeln und sich auch untereinander so zu verhalten. |
14 | Und wenn der Mensch beginnt, Tora und Mizwot einzuhalten, sagt man ihm: Obwohl der Mensch dem Verstand folgen soll, ist uns im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer dennoch der Glaube gegeben. Wir müssen am Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) festhalten und diesen Weg gehen, auch wenn er dem Verstand widerspricht – wie geschrieben steht: „Und sie glaubten an den Ewigen und an Moses, Seinen Knecht.“ Das heißt, wir müssen glauben, was die Weisen uns gesagt haben, und nicht auf unseren Verstand schauen. | וכשהאדם מתחיל ללכת בקיום תו"מ, אומרים לו, הגם שהאדם צריך ללכת לפי השכל, מכל מקום בין אדם למקום ניתן לנו אמונה, שאנו צריכים להאמין באמונת חכמים, וללכת בדרך זו, אף על פי שהיא נגד השכל, כמו שכתוב "ויאמינו בה' ובמשה עבדו". היינו, שאנו צריכים להאמין מה שהחכמים אמרו לנו, ולא להסתכל על השכל שלנו. | Aber wenn ein Mensch beginnt, die Tora und die Mizwot einzuhalten, wird ihm gesagt, dass er zwar dem Verstand folgen soll, aber zwischen dem Menschen und dem Schöpfer wurde uns der Glaube gegeben. Das heißt, wir müssen an die Weisen glauben und diesen Weg gehen, obwohl er dem Verstand widerspricht, wie es geschrieben steht: „Und sie glaubten an den Ewigen und an seinen Knecht Moses.“ Mit anderen Worten: Wir müssen glauben, was die Weisen zu uns gesagt haben, und nicht auf unseren Verstand schauen. |
15 | Doch weil dies unserem Verstand widerspricht, haben wir Aufstiege und Abstiege. Das heißt, manchmal können wir den Worten der Weisen glauben und uns die Vorstellung von „Wahrheit und Glaube“ wie oben vor Augen führen, bei der sein Glaube wahrhaftig ein Glaube ist. Das heißt, es ist dort kein Verstand im Spiel, sondern alles steht gegen unsere Erkenntnis, gegen das, was wir verstehen. Deshalb nennt man dies „Glaube der Wahrheit“ oder „einfacher Glaube“, denn es gibt dort nichts zu verstehen, sondern alles ist oberhalb der Erkenntnis. | אולם היות שזהו נגד השכל שלנו, לכן יש לנו עליות וירידות. כלומר, לפעמים אנו יכולים להאמין בדברי חכמים, ולצייר לפנינו את הציור של אמת ואמונה כנ"ל, שהאמונה שלו היא באמת אמונה. היינו שאין שם שום שכל, אלא הכל נגד הדעת שלנו, למה שאנו מבינים. לכן נקרא זה "אמונה של אמת" או "אמונה פשוטה", שאין שם שום דבר להבין, אלא הכל הוא למעלה מהדעת. | Da dies aber unserem Verstand widerspricht, haben wir Höhen und Tiefen. Das heißt, manchmal können wir den Worten der Weisen glauben und vor uns die Darstellung der Wahrheit und des Glaubens darstellen, was bedeutet, dass sein Glaube wahrer Glaube ist, nämlich dass es keinen Verstand gibt, sondern alles gegen unsere Vernunft ist, was wir verstehen. Deshalb wird er „wahrer Glaube“ oder „einfacher Glaube“ genannt, weil es dort nichts zu verstehen gibt, sondern alles über dem Verstand ist. |
16 | Deshalb steht es nicht in der Macht des Menschen, immer auf einer Stufe zu bleiben; vielmehr steigt er auf und ab. So sagte mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam): Warum wird die Annahme des Jochs des Königtums des Himmels „Glaube“ (Emuna) genannt? Weil es vom Wort Oman (Erzieher), Omenet (Erzieherin) kommt – wie eine Erzieherin, die das Kind nach und nach großzieht, bis sie es aufgezogen hat. Wenn man also auf der Grundlage des Glaubens arbeitet, herrscht ein „teilweiser Glaube“, bis man den Glauben in Beständigkeit erlangt. | לכן אינו בכח של אדם להיות תמיד בדרגה אחת, אלא שהוא בעולה ויורד, כמו שאמר אאמו"ר זצ"ל, מדוע נקראת קבלת עול מלכות שמים בחינת אמונה, שהוא מלשון אומן, אומנת, כמו שהיא מגדלת התינוק לאט לאט, עד שהיא מגדלת אותו. לכן בזמן שעובדים על בסיס אמונה, עד שזוכים לאמונה בקביעות, נוהג ענין של "אמונה חלקית". | Es liegt also nicht in der Macht des Menschen, immer auf der gleichen Stufe zu bleiben. Vielmehr steigt er auf und ab, wie uns Baal HaSulam sagte: „Warum wird die Last des Himmelreichs *Emuna [Glaube] genannt? Es kommt von dem Wort Oman [Handwerker], Omenet* [Kindermädchen], die das Kind langsam aufzieht, bis sie es großzieht. Deshalb gibt es bei der Arbeit auf der Grundlage des Glaubens, bis wir mit dauerhaftem Glauben belohnt werden, die Angelegenheit des „teilweisen Glaubens“. |
17 | Deshalb gibt es während der Arbeit Aufstiege und Abstiege. Das heißt, manchmal kann sich der Mensch die Größe und Bedeutung von Tora und Mizwot vorstellen, ebenso die Größe und Bedeutung dessen, der die Tora gibt. Wenn er sich die Größe und Bedeutung dessen, der die Tora gibt, vorstellen kann, dann fühlt der Mensch, dass er sich in einem Zustand des Aufstiegs befindet. Er fühlt, dass er über der körperlichen Welt steht. Und er blickt auf jene Menschen, die den körperlichen Dingen nachlaufen, wie Vieh und Tiere, denen die Nahrung genügt, die für die tierische Stufe (Chai) ausreicht. Er aber fühlt, dass er keine Nahrung empfangen kann, die ihm Befriedigung im Leben gibt, außer dem, was der „sprechenden“ Stufe (Medaber) entspricht. | לכן בזמן העבודה יש עליות וירידות. כלומר, לפעמים אדם יכול לצייר לעצמו את גדלות וחשיבות של תורה ומצות, וגם גדלות וחשיבות של הנותן התורה. כלומר, שבזמן שיכול לצייר לעצמו את גדלות וחשיבות של נותן התורה, אז האדם מרגיש, שהוא נמצא במצב של עליה. כלומר שהוא מרגיש, שהוא נמצא למעלה מעולם הגשמי. והוא מסתכל על אלו אנשים הנמשכים אחר דברים גשמיים, כמו בהמות וחיות, שמספיק להם מזונות, המספיק לבחינת חי. מה שאין כן הוא מרגיש עצמו, שהוא לא יכול לקבל מזונות, שיהיה לו סיפוק בחיים רק ממה שמתאים לבחינת "מדבר". | Aus diesem Grund gibt es während der Arbeit Höhen und Tiefen. Das heißt, manchmal kann sich ein Mensch die Größe und Bedeutung der Tora und der Mizwot sowie die Größe und Bedeutung des Gebenden der Tora vorstellen. Mit anderen Worten: Wenn er sich die Größe und Bedeutung des Gebenden der Tora vor Augen führen kann, hat er das Gefühl, dass er aufsteigt. Mit anderen Worten: Er fühlt, dass er über der körperlichen Welt steht. Er sieht die Menschen, die den irdischen Dingen folgen, als Tiere an, die sich mit der Nahrung zufrieden geben, die für die tierische Stufe ausreicht. Er selbst aber ist der Meinung, dass er nur das empfangen kann, was der „sprechenden“ Stufe entspricht. |
18 | Wie in den Einführungen angeführt wird, besteht der ganze Vorzug der „sprechenden“ Stufe im Menschen darin, dass er fähig ist, die Empfindung des Göttlichen zu empfangen; und das gilt nicht für die tierische Stufe. Doch danach steigt er wieder von seinem Zustand herab und fällt in die Herrschaft der Vielen. Das heißt, er befindet sich nun in seiner eigenen Herrschaft und nicht mehr wie zuvor. Während des Aufstiegs nämlich spürt er, dass es in der Welt nichts gibt außer der Herrschaft des Schöpfers, und er selbst zählt überhaupt nicht, weil er sich vor Ihm ohne jede Bedingung annullieren will; deshalb befindet sich der Mensch während des Aufstiegs in der Herrschaft des Einzelnen. Während des Abstiegs aber befindet er sich in der Herrschaft der Vielen – das heißt, er hat dann bereits zwei Herrschaften. | וכמו שמובא בהקדמות, שכל המעלה שיש לבחינת "מדבר" שבאדם, שהוא מוכשר לקבל הרגשת אלקות. וזה אינו שייך לבחינת בעלי חי. אולם אח"כ שוב יורד ממצבו ונופל לרשות הרבים. כלומר, שהוא נמצא עכשיו ברשות של עצמו ולא כמו מקודם. לכן בזמן העליה, שמרגיש, שאין בעולם אלא רשותו של הקב"ה, והוא בעצמו אינו עולה בשם, כי הוא רוצה להיבטל אליו יתברך בלי שום תנאים, לכן בזמן עליה, האדם נמצא ברשות היחיד. ובזמן הירידה האדם נמצא ברשות הרבים, כלומר שכבר יש לו שתי רשויות. | Wie es in den Einführungen [von Baal HaSulam] heißt, besteht der ganze Verdienst der sprechenden Stufe im Menschen darin, dass er die Empfindung der Göttlichkeit empfangen kann, und das gilt nicht für die tierische Stufe. Danach steigt er jedoch wieder aus diesem Zustand herab und fällt in den Zustand der Allgemeinheit. Das heißt, er befindet sich jetzt in seiner eigenen Herrschaft und nicht mehr wie zuvor. Deshalb befindet sich der Mensch während des Aufstiegs, wenn er spürt, dass es in der Welt niemanden außer der Herrschaft des Schöpfers gibt und er selbst keine Bedeutung verdient, da er sich vor Ihm bedingungslos annullieren will, in der Herrschaft des Einzelnen. Während des Abstiegs hingegen befindet er sich in der Domäne der Allgemeinheit, das heißt, er hat bereits zwei Herrschaften. |
19 | Doch manchmal fällt der Mensch in einen Zustand, der noch schlimmer ist als zwei Herrschaften. Denn wenn der Mensch sagt, es gebe zwei Herrschaften, glaubt er wenigstens, dass es einen Schöpfer der Welt gibt, der die eine Herrschaft ist. Das heißt, der Schöpfer ist der Hausherr und tut, was Er will. Nur gibt es noch eine weitere Herrschaft, nämlich dass auch der Mensch Hausherr ist und in der Welt ebenfalls tut, was er will. Und der Mensch will dann, dass der Schöpfer ihm nach seinem Willen diene – das heißt, der Schöpfer solle ihm zur Verfügung stehen und ihm auf seinen Befehl hin dienen. | אולם יש לפעמים, שאדם נופל למצב, שהוא עוד יותר גרוע משתי רשויות. כי בזמן שהאדם אומר, שיש שתי רשויות, לכל הפחות האדם מאמין, שיש בורא עולם, שהוא רשות אחד. היינו, שהבורא הוא הבעל בית, והוא עושה מה שהוא רוצה. אלא שיש עוד רשות, היינו שגם האדם הוא בעל בית. שהאדם עושה בעולם גם כן מה שהאדם רוצה. והאדם רוצה אז, שהבורא ישמש את האדם, כפי רצונו של האדם, היינו שהבורא צריך לעמוד לרשותו של האדם, והבורא ישמש את האדם לפי פקודת האדם. | Manchmal fällt der Mensch jedoch in einen Zustand, der noch schlechter ist als zwei Herrschaften. Denn wenn der Mensch sagt, dass es zwei Herrschaften gibt, glaubt er zumindest, dass es einen Schöpfer der Welt gibt, der eine Herrschaft ist. Das heißt, der Schöpfer ist der Hausherr und Er tut, was Er will, aber es gibt noch eine andere Herrschaft, nämlich die, dass auch der Mensch ein Hausherr ist und in der Welt tut, was er will. Dann will der Mensch, dass der Schöpfer ihm nach seinem Wunsch dient, was bedeutet, dass der Schöpfer dem Menschen zu Diensten sein soll und der Schöpfer dem Menschen nach seinem Befehl dient. |
20 | Doch schlimmer noch ist es, wenn er überhaupt nicht glaubt, dass es einen Schöpfer und Lenker der Welt gibt. Dann hat dieser Mensch nichts mehr als die eigene Herrschaft des Einzelnen über sich selbst. Vielmehr sieht der Mensch, dass viele Menschen diese Ansicht haben und alle sagen, sie seien Hausherren über sich selbst. Das heißt, jeder tut, was er braucht, und was die anderen angeht, kümmert es ihn nicht. Denn wenn der Mensch doch einmal etwas zum Wohl des anderen tut, geschieht es, weil er erwartet, dass sein Mitmensch ihm etwas als Gegenleistung erstattet und dass er nicht undankbar sei. | אולם יותר גרוע מזה, שבכלל חס ושלום אינו מאמין שיש בורא ומנהיג העולם. נמצא, לאדם זה אין יותר רק רשות היחיד של עצמו. אלא האדם רואה, שיש דעה זו להרבה אנשים, שכולם אומרים, שהם בעלי בתים על עצמם. כלומר, שכל אחד עושה מה שנחוץ לו, ומה שנוגע לגבי אחרים לא איכפת לו. כי לפעמים שהאדם עושה כן משהו לטובת הזולת, הוא מטעם שמצפה, שחבירו ישיב לו איזו תמורה, ושלא יהיה כפוי טובה. | Noch schlimmer ist es jedoch, wenn jemand überhaupt nicht daran glaubt, dass es einen Schöpfer und einen Anführer in der Welt gibt. Daraus folgt, dass es für diesen Menschen nichts anderes gibt als seine eigene, singuläre Herrschaft. Der Mensch sieht jedoch, dass viele Menschen diese Ansicht haben, und sie alle sagen, dass sie ihre eigenen Hausherren sind. Mit anderen Worten: Jeder tut, was er braucht, und kümmert sich nicht um andere Menschen. Wenn jemand einem anderen etwas Gutes tut, dann deshalb, weil er erwartet, dass sein Freund ihm einen Gefallen erwidert und nicht undankbar ist. |
21 | So steht es im heiligen Sohar und wird im Vorwort (Pticha, Punkt 57) zum Vers „Doch die Güte der Völker ist Sünde“ angeführt: „Denn alles, was sie tun, tun sie für sich selbst.“ Das heißt, sie werden gewiss etwas als Gegenleistung für die Wohltat empfangen. Und dann bedeutet „Herrschaft der Vielen“ eben: viele Einzelne. | וזה כמו שכתוב בזה"ק ומובא בהפתיחה (אות נ"ז) על פסוק "וחסד לאומים חטאת", "כי כל מה דעובדין, לגרמייהו עובדין". היינו שבטח יקבלו תמורת הטובה משהו. ואז יהיה הפירוש "רשות הרבים" היינו הרבה יחידים. | So steht es im Sohar und im „Vorwort“ [zur Weisheit der Kabbala] (Punkt 57) über den Vers: „Die Barmherzigkeit der Völker ist eine Sünde“, „denn alles, was sie tun, tun sie für sich selbst.“ Mit anderen Worten: Sie werden wahrscheinlich etwas als Gegenleistung für den Gefallen empfangen. Zu dieser Zeit bedeutet „Herrschaft von vielen“: „viele Einzelpersonen“. |
22 | Es zeigt sich, dass dies nicht „zwei Herrschaften“ genannt wird, also die Herrschaft des Schöpfers und die Herrschaft des Menschen. Im ersten Fall glaubt der Mensch noch an die Herrschaft des Schöpfers. Wenn der Mensch dagegen in die Herrschaft der Vielen, der vielen Einzelnen, fällt, bezieht er den Schöpfer überhaupt nicht mit ein. Und das ist gewiss der schlimmste Zustand. | נמצא, שזה לא מכונה "שתי רשויות", היינו רשות של הבורא ורשותו של אדם. נמצא, שהאדם עוד מאמין ברשותו של הקב"ה. מה שאין כן כשהאדם נופל לרשות הרבים של הרבה יחידים, נמצא, שהוא לא משתף בכלל את הבורא. וזהו בוודאי מצב הגרוע ביותר. | Daraus folgt, dass dies nicht als „zwei Herrschaften“ angesehen wird, d. h. die Herrschaft des Schöpfers und die Herrschaft des Menschen, und der Mensch glaubt immer noch an die Herrschaft des Schöpfers. Aber wenn ein Mensch in die Herrschaft zahlreicher Individuen fällt, bezieht er den Schöpfer überhaupt nicht mit ein, und das ist sicherlich der schlimmste Zustand. |
23 | Aus dem Gesagten ergibt sich: Bevor der Mensch den Glauben in Beständigkeit erlangt – was ein Geschenk Gottes ist und nicht in der Macht des Menschen liegt –, befindet er sich immer in Aufstiegen und Abstiegen. Dann braucht der Mensch das Erbarmen des Himmels, um nicht vom Schlachtfeld zu fliehen. Und dann kann die Ordnung der Arbeit nur während eines Aufstiegs stattfinden – das heißt, wenn er sich in der Herrschaft der Heiligkeit (Kedusha) befindet. | ובהאמור יוצא, שמטרם שהאדם זוכה לבחינת אמונה בקביעות, שזוהי מתנת אלקים, ואין זה בידו של אדם, הוא נמצא תמיד בעליות וירידות. ואז האדם צריך לרחמי שמים, שלא יברח מהמערכה. ואז סדר העבודה יכול להיות רק בזמן עליה. כלומר, בזמן שהוא נמצא ברשות דקדושה. | Daraus folgt, dass er sich immer im Auf- und Abstieg befindet, bevor er mit dem dauerhaften Glauben belohnt wird, der ein Geschenk Gottes ist und nicht in den Händen des Menschen liegt. In dieser Zeit benötigt der Mensch die Gnade des Himmels, um dem Schlachtfeld nicht zu entfliehen. Zu dieser Zeit kann die Ordnung der Arbeit nur während eines Aufstiegs sein, das heißt, wenn er sich in der Domäne der Kedusha [Heiligkeit] befindet. |
24 | Dann muss der Mensch arbeiten, aufmerksam sein und bedenken, in welchem Zustand er sich während des Abstiegs befand. Das heißt, während des Aufstiegs kann er Bilanz ziehen und den Unterschied zwischen Licht und Dunkelheit erkennen, wie geschrieben steht: „wie der Vorzug des Lichts aus der Dunkelheit“. Dann kann er das erfüllen, was die Weisen sagten (Sprüche der Väter [Awot], Kapitel 2,1): „Und erwäge den Verlust einer Mizwa gegen ihren Lohn und den Lohn einer Übertretung gegen ihren Verlust.“ | ואז האדם צריך לעבוד, ולתת תשומת לב, ולחשוב באיזה מצב הוא היה בזמן הירידה. היינו, שבזמן עליה הוא יכול לעשות חשבון ולראות את ההבדל בין אור לחושך, כמו שכתוב "כיתרון האור מתוך החושך". כלומר, שאז יש בידו לקיים מה שאמרו חז"ל (אבות, פרק ב', א') "והוי מחשב הפסד מצוה כנגד שכרה, ושכר עברה כנגד הפסדה". | Zu diesem Zeitpunkt muss der Mensch arbeiten, aufmerksam sein und darüber nachdenken, in welchem Zustand er sich während des Abstiegs befunden hat. Das heißt, während des Aufstiegs kann er Bilanz ziehen und den Unterschied zwischen Licht und Dunkelheit erkennen, wie es geschrieben steht: „wie der Vorteil des Lichts aus der Dunkelheit.“ Das bedeutet, dass er dann in der Lage ist, das umzusetzen, was unsere Weisen, gesegneten Andenkens (Sprüche der Väter, Kapitel 2,1) gesagt haben: „Und bedenke den Verlust einer Gebotsausführung gegenüber ihrem Lohn, und den Lohn einer Übertretung gegenüber ihrem Verlust.“ |
25 | Das heißt, während des Aufstiegs versteht der Mensch, dass das Empfangen für sich selbst „Übertretung“ genannt wird, weil es ihn vom Schöpfer entfernt – und es gibt keine größere Übertretung als diese. Während des Abstiegs dagegen kann er nicht verstehen, dass es „Übertretung“ heißt, wenn man nicht auf das Geben ausgerichtet ist, noch hat er die Kraft zu glauben, dass man alles um des Himmels willen tun muss. Vielmehr glaubt er nur an das Geschriebene: dass der Mensch die 613 Mizwot halten muss, die der Schöpfer uns durch Moses zu tun befohlen hat. Doch gewiss begeht er keine Übertretung, das heißt, er verstößt nicht gegen das, was in der Tora geschrieben steht. | כלומר שבזמן עליה, האדם מבין, שקבלה לעצמו נקראת "עבירה". היינו, שמרחקת אותו מה', ואין לך עבירה גדולה מזו. מה שאין כן בזמן ירידה, אינו יכול להבין, שאם לא מכוונים בעל מנת להשפיע, נקרא "עבירה". ושיהיה לו כח להאמין, שצריכים לעשות הכל לשם שמים. אלא רק הוא מאמין במה שכתוב "שהאדם צריך לשמור את התרי"ג מצות, מה שה' צוה לנו על ידי משה לעשות". אבל בטח הוא לא יעשה עבירה, היינו לעבור על מה שכתוב בתורה. | Mit anderen Worten: Beim Aufstieg versteht der Mensch, dass das Empfangen für sich selbst als Übertretung gilt, d.h. es entfernt ihn vom Schöpfer, und es gibt keine größere Übertretung als diese. Aber während des Abstiegs kann der Mensch nicht verstehen, dass es als Übertretung gilt, wenn er nicht darauf ausgerichtet ist, zu geben, und dass er die Kraft haben sollte zu glauben, dass wir alles um Seinetwillen tun müssen. Er glaubt vielmehr nur, was geschrieben steht, dass der Mensch die 613 Gebote befolgen soll, die uns der Schöpfer durch Moses aufgetragen hat. Er wird aber ganz sicher keine Übertretung begehen und gegen das verstoßen, was in der Tora geschrieben steht. |
26 | Doch manchmal ist der Mensch verärgert, warum der Schöpfer uns so behandelt hat, dass Er uns viele Dinge verboten hat. Das heißt, der Mensch sagt: Hätte der Schöpfer ihn beim Einhalten der Mizwot um Rat gefragt, so hätte er den Schöpfer gebeten, es uns nicht so streng zu machen und nicht so viele Dinge zu verbieten, nach denen seine Seele begehrt. Aber er hält die Mizwot ein. | אלא האדם יש לפעמים ברוגז, מדוע עשה לנו ה' ככה, שאסר לנו הרבה דברים. כלומר, האדם אומר, אם הקב"ה היה שואל אותו בקשר לשמירת המצות, היה מבקש מהבורא, שלא יחמיר לנו כל כך ולאסור הרבה דברים שנפשו חמדתן. אבל הוא שומר את המצות. | Vielmehr ist ein Mensch manchmal wütend darüber, warum der Schöpfer uns so behandelt und uns so viele Dinge verboten hat. Der Mensch sagt, dass wenn der Schöpfer ihn nach dem Einhalten von Mizwot [Plural von Mizwa] gefragt hätte, hätte er ihn gebeten, nicht so streng zu sein und so viele Dinge zu verbieten, die er begehrt. Trotzdem befolgt er die Mizwot. |
27 | Während des Aufstiegs dagegen ist der Mensch im Gegenteil verärgert: Wozu hat der Schöpfer uns Dinge zu tun gegeben, die der Mensch tun muss, nämlich Essen und Trinken und dergleichen? Wäre es nicht besser gewesen, Er hätte sie überhaupt nicht in der Welt erschaffen, sodass man sie nicht tun müsste? | מה שאין כן בזמן העליה, האדם ברוגז להיפך, בשביל מה הבורא נתן לנו לעשות דברים, מה שהאדם מוכרח לעשות, היינו אכילה ושתיה, וכדומה. הלא היה יותר טוב, אם בכלל לא היה בראם בעולם, ולא היה צורך לעשותם. | Während des Aufstiegs ist das nicht der Fall – da ist der Mensch im Gegenteil darüber verärgert, warum der Schöpfer uns dazu gebracht hat, Dinge zu tun, die der Mensch tun muss, nämlich Essen und Trinken und Ähnliches. Wäre es nicht besser gewesen, wenn sie überhaupt nicht in der Welt erschaffen worden wären und es keine Notwendigkeit gäbe, sie zu tun? |
28 | Es zeigt sich, dass er während des Aufstiegs wünscht, es gäbe weniger Genüsse in der Welt, während der Mensch während des Abstiegs verärgert ist, warum der Schöpfer uns viele Dinge verboten hat, die der Mensch genießen könnte und die allein die Tora verboten hat. Nach dem Gesagten sehen wir, dass es Aufstiege und Abstiege gibt, während der Mensch die Anhaftung an den Schöpfer erlangen will. Deshalb soll man die Zeit des Abstiegs „Zustand der Kleinheit“ (Katnut) nennen und den Zustand des Aufstiegs „Zustand der Größe“ (Gadlut). | נמצא, שבזמן עליה הוא רוצה שיהיו פחות תענוגים בעולם. ובזמן הירידה האדם ברוגז, מדוע הבורא אסר לנו הרבה דברים, שהאדם היה יכול להנות מהם, רק התורה אסרה. ובהאמור שאנו רואים, שיש עליות וירידות בזמן שהאדם רוצה לזכות לדביקות ה'. לכן יש לכנות את זמן הירידה "מצב של קטנות", ומצב העליה "מצב של גדלות". | Daraus folgt, dass er während des Aufstiegs weniger Genuss in der Welt haben möchte und während des Abstiegs ist er wütend, dass der Schöpfer uns viele Dinge verboten hat, die wir genießen würden, wenn die Tora sie nicht verboten hätte. Wir sehen also, dass es Auf- und Abstiege gibt, wenn ein Mensch mit Dwekut an den Schöpfer belohnt werden will. Deshalb sollten wir die Zeit des Abstiegs als „Zustand der Katnut [Kleinheit/Kindheit]“ und den Zustand des Aufstiegs als „Zustand der Gadlut [Größe/Erwachsenheit]“ bezeichnen. |
29 | Damit lässt sich erklären, was wir gefragt haben: Was bedeutet das Wort der Weisen „‚Sprich, und sage‘ – um die Großen vor den Kleinen zu warnen“? Wir fragten, wie man bei einem einzigen Menschen von „Großen“ und „Kleinen“ sprechen kann. Nach dem Obigen lässt sich erklären, dass „Große“ und „Kleine“ nicht auf zwei Körper zu deuten sind, denn in der Arbeit fasst man alles als einen einzigen Körper auf. Vielmehr sind „Große“ und „Kleine“ auf zwei Zeiten in einem einzigen Subjekt zu deuten, also auf einen Menschen in zwei Zeiten: | ובזה יש לפרש מה ששאלנו, מהו הפירוש, מה שאמרו חז"ל "אמור, ואמרת, להזהיר גדולים על קטנים". ושאלנו, איך שייך לומר באדם אחד "גדולים" ו"קטנים". ובהנ"ל יש לפרש, שענין "גדולים" ו"קטנים" אין הפירוש בשני גופים, כי בעבודה לומדים הכל בגוף אחד. אלא "גדולים" ו"קטנים" יש לפרש בב' זמנים ובנושא אחד. היינו, באדם אחד ובב' זמנים: | So können wir interpretieren, als wir nach der Bedeutung dessen fragten, was unsere Weisen sagten: „Sprich, und sag es, um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Wir fragten: Wie können wir in einem Menschen über „Große“ und „Kleine“ sprechen? Demnach sollten wir interpretieren, dass sich „Große“ oder „Kleine“ nicht auf zwei Körper bezieht, da wir in der Arbeit alles in einem Körper lernen. Vielmehr sollten „Große“ und „Kleine“ in zwei Zeiten in einem einzigen Subjekt interpretiert werden, also ein Mensch zu zwei Zeiten: |
30 | 1. die Zeit des Aufstiegs, „Große“ genannt; | א. בזמן עליה, הנקרא "גדולים", | 1) Während des Aufstiegs wird er „Große“ genannt. |
31 | 2. die Zeit des Abstiegs, „Kleine“ genannt. | ב. בזמן הירידה, הנקרא "קטנים". | 2) Während eines Abstiegs wird er „Kleine“ genannt. |
32 | Damit lässt sich erklären: Wenn der Mensch sich in der Zeit des Aufstiegs befindet, muss er aufmerksam sein und Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) halten, dass er in einen Abstieg geraten kann. Und was ist ein Abstieg? Das heißt: Wer sagt, dass ein Abstieg so schlimm ist? Er sieht doch, dass es viele Menschen gibt, die leben und das Leben genießen, obwohl sie sich im Zustand des Abstiegs befinden. Wenn er deshalb selbst im Zustand des Abstiegs ist, läuft er ihnen nach, und auch dann genießt er das Leben wie sie. | ובזה יש לפרש, שהאדם, בזמן שהוא נמצא בזמן עליה, אז עליו לתת תשומת לב, ולעשות חשבון נפש, שהוא יכול לבוא לידי ירידה. ומהו ירידה. היינו, מי אומר, שירידה הוא כל כך רע. הלא הוא רואה, שיש הרבה אנשים שחיים ונהנים מהחיים, אף על פי שהם נמצאים במצב הירידה. לכן בעת שהוא בעצמו נמצא במצב ירידה, הוא נמשך אחריהם. וגם אז הוא בעצמו נהנה מהחיים כמוהם. | Das soll ausdrücken, dass ein Mensch, der sich im Aufstieg befindet, aufpassen und bedenken muss, dass er in einen Abstieg geraten könnte. Und was ist ein Abstieg? Das heißt, wer sagt, dass ein Abstieg so schlimm ist? Er sieht doch, dass es viele Menschen gibt, die leben und das Leben genießen, obwohl sie sich in einem Zustand des Abstiegs befinden. Deshalb wird er, wenn er sich selbst im Zustand des Abstiegs befindet, von ihnen mitgezogen, und dann genießt auch er das Leben wie sie. |
33 | Doch von diesem Zustand des Abstiegs kann man sagen, dass dieser Mensch einen Verkehrsunfall hatte: Er wurde verletzt und ist nun ohne Bewusstsein. Das heißt, er spürt nicht, dass er sich im Zustand des Abstiegs befindet, sondern genießt den Zustand, in dem er ist. Und so spürt er den Abstieg jetzt nicht, weil er ganz vergessen hat, dass es Spiritualität in der Welt gibt und dass man sich bemühen muss, die Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen. Durch den Unfall, der ihm zugestoßen ist, hat er alles vergessen, und darum schmerzt ihn der Abstieg jetzt nicht. | אבל מצב הזה של ירידה, יכולים לומר עליו, שלאדם הזה קרה תאונת דרכים. ונפצע, ונמצא עתה בלי הכרה. כלומר, שאינו מרגיש, שהוא נמצא במצב ירידה. אלא הוא נהנה מהמצב שבו הוא נמצא. וממילא הוא לא מרגיש עכשיו ירידה, היות שהוא שכח בכלל, שיש ענין רוחניות בעולם, וצריכים להשתדל להשיג דביקות ה'. והכל נשכח ממנו, מחמת התאונה שארע לו. וממילא לא כואב לו עכשיו מהירידה. | Wir können jedoch über den Zustand des Abstiegs sagen, dass dieser Mensch einen Verkehrsunfall hatte und er verletzt wurde und nun bewusstlos ist. Er fühlt also nicht, dass er sich in einem Zustand des Abstiegs befindet. Er genießt vielmehr den Zustand, in dem er sich befindet, und spürt keinen Abstieg, denn er hat vollkommen vergessen, dass es in der Welt spirituelle Dinge gibt und wir uns um Dwekut an den Schöpfer bemühen müssen. Er hat durch den Unfall, den er hatte, alles vergessen und hat deshalb keine Schmerzen, weil er sich im Abstieg befindet. |
34 | Wenn der Mensch sich daher in einem Zustand des Aufstiegs befindet, hat er Grund, nachzudenken und zu fürchten, dass er nicht in einen Verkehrsunfall gerät – das heißt, während er sich jetzt bemüht, im Spirituellen voranzukommen, dass er nicht mitten auf seiner Stufe fällt. | לכן בזמן שהאדם נמצא במצב של עליה, אז יש לו מקום לחשוב ולפחד, שלא יבוא חס ושלום לידי תאונת דרכים. כלומר, בעת שהוא משתדל עכשיו להתקדם לרוחניות, שלא יפול באמצע מדרגתו. | Deshalb hat der Mensch, wenn er sich in einem Zustand des Aufstiegs befindet, Grund zum Nachdenken und zur Furcht, dass er nicht in einen Verkehrsunfall gerät. Mit anderen Worten, während er sich anstrengt, um spirituell aufzusteigen, dass er nicht von seiner Stufe abfällt. |
35 | Während des Abstiegs dagegen erinnert er sich schon nicht mehr, weil er dann keinerlei Empfindung des Spirituellen hat. All dies kann er nur in der Zeit der Gadlut wissen. Deshalb kommt der Vers, um uns zu lehren: „‚Sprich, und sage‘ – um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Das heißt: In der Zeit der Gadlut, also der Zeit des Aufstiegs, ist es Zeit, sich vor der Katnut in Acht zu nehmen, damit man nicht in den Abstieg gerät, der „Kleine“ genannt wird. Denn nur während des Aufstiegs ist der Mensch fähig, über die Katnut nachzudenken – das heißt, darüber nachzudenken, was der Grund dafür ist, dass er in die Katnut gerät. Denn der Mensch muss wissen, dass es gewiss irgendeinen Grund gibt, der den Abstieg verursacht. | מה שאין כן בזמן הירידה, הוא כבר לא זוכר, מטעם שאז אין לו שום הרגש של רוחניות. ואת כל זה הוא יכול לדעת רק בזמן הגדלות. ולכן בא הכתוב להשמיענו "אמור ואמרת, להזהיר הגדולים על קטנים". כלומר, בזמן הגדלות, שהוא בזמן העליה, אז הזמן להיות במצב של זהירות על הקטנות. היינו שלא יבוא לידי ירידה הנקראת "קטנים". שרק בזמן העליה יש יכולת להאדם שיחשוב על ענין קטנות, כלומר שיחשוב מהי הסיבה שהוא בא לידי הקטנות. שהאדם צריך לדעת, שבטח יש איזו סיבה שזהו הגורם להירידה. | Aber während eines Abstiegs erinnert er sich nicht mehr daran, weil er kein Gefühl für Spiritualität hat. Er kann all dies nur zur Zeit von Gadlut wissen. Daher sagt uns der Text: „Sprich, und sag es, um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Mit anderen Worten, während der Gadlut, der Zeit des Aufstiegs, ist dies die Zeit, in der man sich vor Katnut in Acht nehmen muss, d.h. nicht in einen Abstieg zu geraten, der „Kleine“ genannt wird, denn nur während eines Aufstiegs kann man über die Angelegenheit Katnut nachdenken, d.h. über den Grund, aus dem man in Katnut gekommen ist, denn man sollte wissen, dass es etwas geben muss, das den Abstieg verursacht. |
36 | So habe ich es von meinem Vater und Lehrer gehört (angeführt in einem Artikel aus dem Jahr 1945): „Doch auch dies ist zu wissen: Wenn der Mensch fähig wäre, irgendein Leuchten festzuhalten, sei es auch noch so klein – wenn es nur beständig wäre –, so gälte er bereits als vollkommener Mensch. Das heißt, mit diesem Leuchten könnte er vorangehen. Wenn ihm das Leuchten daher verlorengeht, soll er darüber Kummer empfinden. Das gleicht einem Menschen, der einen Kern in die Erde gelegt hat, damit daraus ein großer Baum wächst, den Kern aber sofort wieder aus der Erde herausnimmt. Was also nützt die Arbeit, den Kern in die Erde zu legen? Mehr noch: Man kann sagen, dass er einen Baum mit reifen Früchten aus der Erde gerissen und verdorben hat. Das heißt: Hätte er den Kern nicht herausgenommen, so wäre aus dem Kern ein Baum mit Früchten geworden. Und so ist es auch hier: Wäre ihm dieses kleine Leuchten nicht verlorengegangen, so wäre daraus ein großes Licht gewachsen. Deshalb soll er Kummer empfinden, dass ihm ein ‚großes Licht‘ verlorengegangen ist.“ | וזהו כמו ששמעתי מאאמו"ר זצ"ל (מובא במאמר שנת תש"ה) "אולם גם זאת לדעת, אם היה ביכולת האדם להחזיק איזו הארה אפילו קטנה, אבל אם זה היה בקביעות, כבר האדם נחשב לאדם השלם. היינו, שעם ההארה הזו היה יכול ללכת קדימה. לכן אם נאבדה לו ההארה, עליו להצטער על זה. וזה דומה לאדם, שנתן גרעין באדמה על מנת שיצמח מזה אילן גדול. אבל תיכף הוציא את הגרעין מהאדמה. אם כן מהי התועלת מהעבודה, ממה שהכניס את הגרעין באדמה. ועוד יותר מזה, יכולים לומר, שהוציא אילן עם פירות מבושלים מהאדמה, וקלקלם. כלומר, שאם לא היה מוציא את הגרעין, היה בא מהגרעין אילן עם פירות. וכן הענין כאן, שאם לא היתה נאבדת ממנו הארה הקטנה הזו, היה נצמח מזה אור גדול. לכן עליו להצטער, שנאבד ממנו "אור גדול". | Und das ist so, wie ich es von Baal HaSulam gehört hatte (geschrieben in Shamati, Nr. 35, „Über die Lebenskraft der Kedusha“): „Doch wir müssen auch wissen, dass, wenn der Mensch in der Lage gewesen wäre, auch nur ein kleines Licht aufrechtzuerhalten, und sei sie auch noch so gering, wäre er bereits als vollkommener Mensch angesehen worden. Mit anderen Worten, man wäre mit diesem Leuchten in der Lage gewesen, voranzukommen. Wenn man also das Leuchten verliert, sollte man es bedauern. Das ist so ähnlich wie bei einem Menschen, der einen Samen in die Erde gelegt hat, damit daraus ein großer Baum wächst, aber den Samen gleich wieder aus der Erde nimmt. Was ist also der Nutzen in der Arbeit, den Samen in die Erde zu legen? Überdies können wir sagen, dass er einen Baum mit reifen Früchten aus dem Boden gegraben und sie verdorben hat. Das heißt, hätte er den Samen nicht ausgegraben, wäre ein Baum mit Früchten aus dem Samen gewachsen. Wenn man diese winzige Leuchtkraft nicht verloren hätte, wäre daraus ein großes Licht gewachsen. Er sollte deshalb bedauern, dass er ein großes Licht verloren hat.“ |
37 | Aus dem Gesagten sehen wir, dass der Mensch sich während des Aufstiegs mit aller Vorsicht hüten muss. Denn wenn er dann, selbst wenn er nur eine kleine Empfindung hat, alles in seiner Macht Stehende tut, um sie nicht zu verlieren, wird er jedes Mal vorangehen. | ובהאמור אנו רואים, שהאדם צריך לשמור עצמו בכל מיני זהירות בזמן עליה. שאז, אפילו שיש לו הרגשה קטנה, ובאם יעשה כל מה שבידו, שלא לאבד את זה, הוא ילך כל פעם קדימה. | Deshalb sollte sich der Mensch während des Aufstiegs mit allen möglichen Vorsichtsmaßnahmen schützen. Wenn er dann, auch wenn er das Gefühl hat, nur eine kleine Empfindung davon zu haben, alles tut, um das kleine Licht nicht zu verlieren, wird er jedes Mal voranschreiten. |
38 | Und das ist es, was geschrieben steht: „‚Sprich, und sage‘ – um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Das heißt: In der Zeit der Gadlut, der Zeit des Aufstiegs, muss er alle Berechnungen anstellen, um nicht in die Katnut, also in den Abstieg, zu geraten. Er muss Bilanz ziehen, welche Bedeutung es für ihn jetzt hat, auch nur ein wenig Berührung mit dem Spirituellen zu haben. | וזה שכתוב "אמור, ואמרת, להזהיר גדולים על קטנים". כלומר, שבזמן הגדלות, שהוא זמן עליה, אז הוא צריך לעשות את כל החשבונות, בכדי שלא יבוא לידי קטנות, היינו לידי ירידה. ועליו מוטל לעשות חשבון, מהי החשיבות שיש לו עכשיו, אפילו רק קצת נגיעה ברוחניות. | Das ist die Bedeutung der Worte: „Sprich, und sag es, um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Das heißt, während der Gadlut, die eine Zeit des Aufstiegs ist, muss er alle Berechnungen anstellen, um nicht in Katnut, also einen Abstieg, zu kommen. Er muss berechnen, welche Wichtigkeit er jetzt hat, selbst eine kleine Verbindung zur Spiritualität zu haben. |
39 | Und er muss an sich arbeiten, um zu glauben, dass diese Empfindung von oben kommt – das heißt, dass der Schöpfer ihn dann ruft. Und er soll bedenken, wie wichtig dies ist, dass der Schöpfer ihn ruft. Und wie oben gesagt: Wenn er diese kleine Empfindung beständig festhalten kann, wird er gewiss vorangehen – wie oben im Gleichnis, dass dieser Aufstieg nur als ein Kern gilt, den man in den Boden legt, aus dem aber ein großer, Früchte tragender Baum hervorgeht. | ושהוא צריך לעבוד עם עצמו, שיאמין, שהרגשה זו באה מלמעלה. היינו שהבורא קורא אותו אז. ולחשוב, כמה הוא חשוב דבר זה, מה שהבורא קורא אותו. וכנ"ל, שאם יהיה בידו להחזיק את הרגשה הקטנה זו בקביעות, אז בטח הוא ילך קדימה, כנ"ל בהמשל, שהעליה זו נחשבת רק לגרעין שנותנין בקרקע, אבל מן הגרעין הזה תצא אילן גדול, הנותן פירות. | Er muss mit sich selbst arbeiten, um zu glauben, dass dieses Gefühl von oben kommt, d.h. dass der Schöpfer ihn zu diesem Zeitpunkt ruft, und daran denken, wie wichtig es ist, dass der Schöpfer ihn ruft, und auch, dass er, wenn er dieses kleine Gefühl dauerhaft behalten kann, mit Sicherheit vorankommen wird, wie in dem Gleichnis, dass dieser Aufstieg nur als ein Samenkorn betrachtet wird, das in die Erde gelegt wird, aber dass aus diesem Samenkorn ein großer, Früchte tragender Baum entstehen wird. |
40 | Es zeigt sich, dass er den Zustand des Aufstiegs schätzen muss und sich vorstellen soll, als blicke er so auf das Ziel – das heißt, als hätte er bereits einen großen, Früchte tragenden Baum. Auf welche Weise würde er den Baum hüten, damit die Menschen diesen großen Baum nicht verderben? In solcher Weise muss er vorgehen, bis er in seinen Gliedern spürt, dass man den Baum immer behüten muss. Und er unternimmt sogar Handlungen, um den Baum vor den Menschen zu verbergen, damit sie kein böses Auge auf den Baum werfen. | נמצא, שהוא צריך להחשיב את מצב של העליה. ולצייר לעצמו, כאילו ככה הוא מסתכל על התכלית. היינו, כאילו כבר יש בידו אילן גדול הנותן פירות. באיזה אופן היה שומר את האילן, שאנשים לא יקלקלו את האילן הגדול הזה. בצורה כזו הוא צריך ללכת, עד שיהיה מורגש באבריו, שצריכים תמיד להשגיח על האילן. ועוד הוא עושה מעשים, בכדי להסתיר את האילן בפני אנשים, שלא יתנו עין הרע להאילן. | Es stellt sich heraus, dass er den Zustand des Aufstiegs schätzen und es sich selbst so vorstellen muss, als ob er das Ziel bereits sieht. Das heißt, als hätte er bereits einen großen, Früchte tragenden Baum – wie würde er den Baum bewachen, damit die Menschen diesen großen Baum nicht verderben? Auf diese Weise sollte er weitermachen, bis er in seinen Organen spürt, dass er immer über den Baum wachen muss, und er setzt sogar Handlungen, um den Baum vor den Menschen zu verstecken, damit sie keinen bösen Blick auf den Baum werfen können. |
41 | Ebenso muss der Mensch diese Empfindung, die er jetzt im Zustand des Aufstiegs hat, hüten, damit fremde Menschen kein „böses Auge“ auf ihn werfen. So weit das Gesagte über die Bedeutung des Aufstiegs. Und das ist nur die eine Seite. | כמו כן האדם צריך לשמור את ההרגשה זו, שיש עכשיו במצב עליה, כדי שאנשים זרים לא יתנו בו "עין הרע". עד כאן המדובר מהחשיבות של העליה. וזהו רק צד אחד. | Genauso sollte der Mensch dieses Gefühl, das er jetzt hat, in einem Zustand des Aufstiegs halten, damit Fremde keinen bösen Blick auf ihn werfen. Bis jetzt haben wir über die Bedeutung des Aufstiegs gesprochen. Das ist jedoch nur die eine Seite. |
42 | Doch man muss auch den niedrigen Zustand des Abstiegs bedenken; das heißt, die zweite Seite zu betrachten, über die hier nachzudenken ist. Nur während des Aufstiegs nämlich kann der Mensch über den niedrigen Zustand des Abstiegs nachdenken, und das heißt „die Großen warnen“ – also, wie gesagt, der Zustand der Gadlut – „vor den Kleinen“, vor der Zeit der Katnut. Das heißt: was er verlieren kann, wenn er in einen Zustand des Abstiegs gerät. Denn nur während des Aufstiegs kann er die Rechnung „wie der Vorzug des Lichts aus der Dunkelheit“ aufstellen. Und das ist eben nur dann möglich, wenn er Licht hat; dann kann er einen Vergleich zwischen Licht und Dunkelheit ziehen, nicht aber, wenn er sich in der Dunkelheit befindet. | אולם יש לחשוב גם כן את ענין מצב השפלות של הירידה, שזה נקרא, להסתכל על צד הב', מה שיש כאן לחשוב. כלומר, שרק בזמן העליה האדם יכול לחשוב את מצב השפלות של הירידה, שזה נקרא "להזהיר הגדולים", היינו כנ"ל מצב הגדלות, "על הקטנים", על זמן הקטנות. כלומר, מה הוא יכול להפסיד, אם הוא יגיע למצב של ירידה. שרק בזמן עליה הוא יכול לעשות חשבון "כיתרון האור מתוך החושך". וזה יכול להיות דוקא בזמן שיש לו אור. אז בידו לעשות השוואה בין אור לחושך. אבל לא בזמן שהוא נמצא בחושך. | Wir sollten aber auch über den Zustand der Niedrigkeit während des Abstiegs nachdenken. Das nennt man „die andere Seite betrachten, an die es zu denken gibt“. Mit anderen Worten: Nur während des Aufstiegs kann ein Mensch über die Niedrigkeit des Abstiegs nachdenken. Das nennt man „Die Großen zu warnen“, was einen Zustand von Gadlut bedeutet, „vor den Kleinen“, die Zeit von Katnut. Das bedeutet, zu überlegen, was er verlieren könnte, wenn er in einen Zustand des Abstiegs kommt, denn nur während eines Aufstiegs kann er „den Vorzug des Lichts aus der Dunkelheit heraus berechnen.“ Genau das kann er tun, wenn er Licht hat. Dann kann er zwischen Licht und Dunkelheit vergleichen, aber nicht, wenn er im Dunkeln ist. |
43 | Und das ist, wie die Weisen sagten (Sprüche der Väter, Kapitel 5,1): „In zehn Aussprüchen wurde die Welt erschaffen. Hätte sie nicht durch einen einzigen Ausspruch erschaffen werden können? Doch um die Frevler zu strafen, die die Welt zugrunde richten, die in zehn Aussprüchen erschaffen wurde, und um den Gerechten guten Lohn zu geben, die die Welt erhalten, die in zehn Aussprüchen erschaffen wurde.“ | וזהו כמו שאמרו חז"ל (אבות, פרק ה', א') "בעשרה מאמרות נברא העולם. והלא במאמר אחד יכול להבראות. אלא להיפרע מן הרשעים, שמאבדין את העולם, שנברא בעשרה מאמרות. וליתן שכר טוב לצדיקים, שמקיימין את העולם, שנברא בעשרה מאמרות". | Das ist so, wie unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter, Kapitel 5,1): „Die Welt wurde durch zehn Aussprüche erschaffen. Aber sie hätte auch mit einem einzigen Ausspruch erschaffen werden können! Aber um die Bösen zu rächen, die die Welt zerstören, wurde sie in zehn Aussprüchen erschaffen, und um den Gerechten, die die Welt erhalten, eine gute Belohnung zu geben, die in zehn Aussprüchen erschaffen wurde.“ |
44 | Scheinbar ist das schwer zu verstehen: „den Gerechten Lohn zu geben“ kann man begreifen – damit sie viel Lohn haben. Aber „die Frevler zu strafen“, warum hat Er das so gemacht? Es heißt doch: „Der Schöpfer erhebt keine ungerechten Ansprüche an Seine Geschöpfe.“ Warum also hat Er es so eingerichtet, dass es viele Leiden gibt? | ולכאורה קשה, בשלמא "ליתן שכר לצדיקים" יכולים להבין, כדי שיהיה להם הרבה שכר. אלא "להיפרע מן הרשעים" מדוע הוא עשה כך, הלא "אין הקב"ה בא בטרוניא על בריותיו". ומדוע עשה, שיהיו הרבה יסורים. | Das ist scheinbar verwirrend. Wir können verstehen, dass „die Gerechten zu belohnen“, also dass sie eine große Belohnung erhalten. Aber „um die Gottlosen zu rächen“? Warum hat er das getan? Schließlich beklagt sich der Schöpfer nicht über seine eigenen Geschöpfe! Warum hat Er es so eingerichtet, dass es viel Leid geben wird? |
45 | Vielmehr ist zu erklären, dass die Deutung im Sinne der Arbeit so lautet: Der Mensch muss bedenken, was das Gute ist, das er verlieren kann, und was das Schlechte ist, das er erleiden kann; und aus diesen beiden wird ihm das Bedürfnis erwachsen, die Gadlut zu hüten, also die Zeit des Aufstiegs. Denn andernfalls wird er sehen, was er im Zustand des Abstiegs erleiden kann. Und das ist „die Großen vor den Kleinen warnen“. | אלא שיש לפרש, שבבחינת עבודה יהיה הפירוש, כשהאדם צריך לחשוב, מהו הטוב שהוא יכול להפסיד, ומהו הרע שיכול לסבול, ומב' אלה הוא יקבל צורך לשמור את הגדלות, היינו זמן עליה. כי אחרת הוא יראה, מה שהוא יכול לסבול ממצב הירידה. וזהו "להזהיר גדולים על קטנים". | Wir sollten das in der Arbeit so interpretieren, dass der Mensch darüber nachdenken soll, was das Gute ist, das er verlieren könnte, und was das Schlechte ist, das er erleiden könnte, und von diesen beiden wird er den Bedarf erhalten, um Gadlut, also die Zeit des Aufstiegs, zu erhalten. Andernfalls wird er sehen, was er im Zustand des Abstiegs erleiden kann. Das ist die Bedeutung von „die Großen vor den Kleinen warnen“. |
Hinweis: Ver4→Ver5 (Stilüberarbeitung nach Richtlinie); HE maßgeblich, RU primär, EN fehlt; Sol-Bericht Ver4 ohne Befunde adjudiziert; Deutsch NEU und Fließtext identisch geglättet; kein Upload.
Was bedeutet „die Großen vor den Kleinen warnen“ in der Arbeit
Rabash, 1990 (תש״ן) – Artikel 28
Unsere Weisen sagten (Jewamot 114a): „‚Sprich, und sage‘ – um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Und Rashi erklärte mit seinen Worten: „‚Sprich zu den Priestern, den Söhnen Aarons‘ und ‚sage‘ – diese beiden Aussprüche; wozu? Um die Großen vor den Kleinen zu warnen, damit sie sich nicht verunreinigen.“
Man muss verstehen, was das Neue daran ist, „die Großen vor den Kleinen zu warnen“, wenn man vom Weg der Arbeit spricht – denn dort betrachtet man alles als einen einzigen Körper. Worauf also deutet dieses „die Großen vor den Kleinen warnen“? Das heißt: Wer ist „der Kleine“, wenn man es als einen einzigen Körper auffasst, und wer ist „der Große“? Was will man uns damit sagen, dass man „die Großen“ vor „den Kleinen“ warnen muss?
Es ist bekannt, dass die Mühe und Arbeit, die wir in Tora und Mizwot aufbringen müssen, daher rührt, dass wir mit der Natur eines Verlangens geboren wurden, für uns selbst zu empfangen. Deshalb kann man bei allem, was wir tun und woran das Verlangen zu empfangen Genuss findet, nicht von Mühe sprechen. So sehen wir es in unserer Welt: Niemand klagt je, wenn er hungrig ist und eine Mahlzeit vor sich hat, deren Duft ihm in die Nase steigt, er gehe nun schwere Arbeit und große Mühe verrichten, weil er jetzt essen wird. Denn wo Genuss und Vergnügen sind, kann man nicht von Arbeit und Mühe sprechen.
Demnach muss man verstehen: Die Tora wird doch „unser Leben und die Länge unserer Tage“ genannt. Warum sagt man dann, dass der Mensch sich in der Tora abmühen muss? Gibt es denn jemanden, der nicht leben und das Leben genießen will – wie geschrieben steht: „begehrenswerter als Gold und als feinstes Gold, süßer als Honig und als Wabenseim“? Warum also wird das Einhalten von Tora und Mizwot „Mühe“ genannt?
Die Antwort ist: Wäre der Genuss von Tora und Mizwot jedem Auge offenbar, würde gewiss die ganze Welt Tora und Mizwot einhalten. So steht es in der „Einführung zum Studium der Zehn Sefirot“ (Punkt 43): „Nehmen wir zum Beispiel an, der Schöpfer ginge mit Seinen Geschöpfen in offenbarer Vorsehung um – so etwa, dass jeder, der etwas Verbotenes isst, sofort auf der Stelle erstickte, und jeder, der eine Mizwa erfüllt, darin das wunderbare Vergnügen fände, das den allerköstlichsten Genüssen dieser körperlichen Welt gleicht. Denn welcher Narr dächte dann auch nur daran, den Geschmack des Verbotenen zu kosten, da er wüsste, dass er dadurch sofort sein Leben verlöre – so wie niemand daran denkt, ins Feuer zu springen? Und welcher Narr ließe eine Mizwa ungetan, ohne sie sofort mit allem Eifer zu erfüllen – so wie keiner sich von einem großen körperlichen Genuss, der ihm in die Hände fällt, abwenden oder zögern kann, ohne ihn sofort zu empfangen? Läge also offenbare Vorsehung vor uns, so wären alle, die in die Welt kommen, vollkommen Gerechte.“
Demnach ist zu fragen: Warum haben wir keine offenbare Vorsehung, sondern müssen an Lohn und Strafe glauben? Wäre es nicht besser, wenn alles offenbar wäre? Die Antwort ist: Weil wir die Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer erreichen müssen, also die Angleichung der Form, müssen wir alles um des Himmels willen tun – das heißt, um unserem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Wären Lohn und Strafe von Tora und Mizwot offenbar, gäbe es keine Möglichkeit, um des Himmels willen zu handeln, weil der Genuss den Menschen zwingen würde, Tora und Mizwot einzuhalten.
Und wir sehen: Obwohl der Genuss, der im Körperlichen offenbar ist, im Vergleich zum Genuss in Tora und Mizwot nur ein Genuss eines „winzigen Lichts“ (Nehiru Dakik) ist, fällt es dem Menschen dennoch schwer zu sagen, dass alles, was er tut, dem Geben dient. Sonst würde er auf die körperlichen Genüsse verzichten, wenn er die Absicht zu geben nicht auf den Schöpfer ausrichten könnte.
Bei den großen Genüssen also, die in Tora und Mizwot liegen, gäbe es gewiss gar keine Möglichkeit, dass er sagen könnte, er verzichte auf sie, falls er die Absicht zu geben nicht herstellen kann. Deshalb wurde diese Korrektur eingerichtet: Bevor der Mensch über die kleinen Genüsse in den körperlichen Dingen sagen kann, dass er sie nur unter der Bedingung annimmt, die Absicht zu geben herstellen zu können, steht er unter Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung, sodass er keinerlei Genuss sieht. Er muss nur glauben, dass es so ist – das heißt, der Mensch muss glauben, dass der Schöpfer alle Geschöpfe mit einer Vorsehung des Guten, der Gutes tut, lenkt.
So steht es in einem Artikel (Shamati, aus dem Jahr 1943): „Der Mensch muss sich vorstellen, als hätte er bereits vollkommenen Glauben an den Schöpfer erlangt und als spürte er bereits in seinen Gliedern, dass der Schöpfer die ganze Welt in der Eigenschaft des Guten, der Gutes tut, lenkt – das heißt, dass die ganze Welt von Ihm nur Gutes empfängt.“
Aus dem Gesagten ergibt sich: Wenn der Mensch sich mit dem Glauben an den Schöpfer beschäftigt, soll er sich eine bestimmte Zeit nehmen und sich vorstellen, wie er sich fühlen würde, wenn er die Nähe des Schöpfers erlangte und mit eigenen Augen das Gute und das Vergnügen sähe, das sich auf ihn und alle Geschöpfe erstreckt – in welch gehobener Stimmung er dann wäre und wie froh und glücklich er wäre.
Diese Vorstellung braucht eine Fortsetzung: dass auch sein Glaube dem Wissen und Sehen gleicht. Das heißt, das Maß des Glaubens soll dem Sehen und Wissen gleichen. Und das ist eine große Arbeit, weil es der Weg der Wahrheit ist. So steht es geschrieben: „Wahrheit und Glaube“. Das bedeutet: Sein Glaube soll auf dem Weg der Wahrheit sein – und das ist eben diese Vorstellung, dass er an die Größe des Glaubens in solchem Maße glauben muss, als sähe er es, sodass er gleichsam mit eigenen Augen glaubt.
Das heißt: In demselben Maß an Begeisterung, das er hätte, wenn er sähe, soll er auch dann Begeisterung empfangen, wenn er nicht sieht, sondern nur glaubt, dass es so ist. Deshalb nennt man dies „Glaube auf dem Weg der Wahrheit“. Das heißt, sein Glaube ist wahrhaftig ein Glaube, als wäre er Wissen. Und das nennt man „Glaube der Wahrheit“, wie geschrieben steht: „Wahrheit und Glaube“.
Da die ganze Grundlage auf dem Fundament des Glaubens errichtet sein soll, uns aber zugleich Verstand und Erkenntnis gegeben wurden, um jede Sache mit unserem Verstand zu begreifen, ergibt sich, dass der Glaube gegen unsere Natur ist: Denn es ist uns gegeben, dem Verstand zu folgen und nicht töricht zu sein und etwas ohne Verstand zu tun. So lehrt man den Menschen einerseits, den Wegen des Verstandes zu folgen und sich auch im Umgang mit dem Mitmenschen so zu verhalten.
Und wenn der Mensch beginnt, Tora und Mizwot einzuhalten, sagt man ihm: Obwohl der Mensch dem Verstand folgen soll, ist uns im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer dennoch der Glaube gegeben. Wir müssen am Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) festhalten und diesen Weg gehen, auch wenn er dem Verstand widerspricht – wie geschrieben steht: „Und sie glaubten an den Ewigen und an Moses, Seinen Knecht.“ Das heißt, wir müssen glauben, was die Weisen uns gesagt haben, und nicht auf unseren Verstand schauen.
Doch weil dies unserem Verstand widerspricht, haben wir Aufstiege und Abstiege. Das heißt, manchmal können wir den Worten der Weisen glauben und uns die Vorstellung von „Wahrheit und Glaube“ wie oben vor Augen führen, bei der sein Glaube wahrhaftig ein Glaube ist. Das heißt, es ist dort kein Verstand im Spiel, sondern alles steht gegen unsere Erkenntnis, gegen das, was wir verstehen. Deshalb nennt man dies „Glaube der Wahrheit“ oder „einfacher Glaube“, denn es gibt dort nichts zu verstehen, sondern alles ist oberhalb der Erkenntnis.
Deshalb steht es nicht in der Macht des Menschen, immer auf einer Stufe zu bleiben; vielmehr steigt er auf und ab. So sagte mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam): Warum wird die Annahme des Jochs des Königtums des Himmels „Glaube“ (Emuna) genannt? Weil es vom Wort Oman (Erzieher), Omenet (Erzieherin) kommt – wie eine Erzieherin, die das Kind nach und nach großzieht, bis sie es aufgezogen hat. Wenn man also auf der Grundlage des Glaubens arbeitet, herrscht ein „teilweiser Glaube“, bis man den Glauben in Beständigkeit erlangt.
Deshalb gibt es während der Arbeit Aufstiege und Abstiege. Das heißt, manchmal kann sich der Mensch die Größe und Bedeutung von Tora und Mizwot vorstellen, ebenso die Größe und Bedeutung dessen, der die Tora gibt. Wenn er sich die Größe und Bedeutung dessen, der die Tora gibt, vorstellen kann, dann fühlt der Mensch, dass er sich in einem Zustand des Aufstiegs befindet. Er fühlt, dass er über der körperlichen Welt steht. Und er blickt auf jene Menschen, die den körperlichen Dingen nachlaufen, wie Vieh und Tiere, denen die Nahrung genügt, die für die tierische Stufe (Chai) ausreicht. Er aber fühlt, dass er keine Nahrung empfangen kann, die ihm Befriedigung im Leben gibt, außer dem, was der „sprechenden“ Stufe (Medaber) entspricht.
Wie in den Einführungen angeführt wird, besteht der ganze Vorzug der „sprechenden“ Stufe im Menschen darin, dass er fähig ist, die Empfindung des Göttlichen zu empfangen; und das gilt nicht für die tierische Stufe. Doch danach steigt er wieder von seinem Zustand herab und fällt in die Herrschaft der Vielen. Das heißt, er befindet sich nun in seiner eigenen Herrschaft und nicht mehr wie zuvor. Während des Aufstiegs nämlich spürt er, dass es in der Welt nichts gibt außer der Herrschaft des Schöpfers, und er selbst zählt überhaupt nicht, weil er sich vor Ihm ohne jede Bedingung annullieren will; deshalb befindet sich der Mensch während des Aufstiegs in der Herrschaft des Einzelnen. Während des Abstiegs aber befindet er sich in der Herrschaft der Vielen – das heißt, er hat dann bereits zwei Herrschaften.
Doch manchmal fällt der Mensch in einen Zustand, der noch schlimmer ist als zwei Herrschaften. Denn wenn der Mensch sagt, es gebe zwei Herrschaften, glaubt er wenigstens, dass es einen Schöpfer der Welt gibt, der die eine Herrschaft ist. Das heißt, der Schöpfer ist der Hausherr und tut, was Er will. Nur gibt es noch eine weitere Herrschaft, nämlich dass auch der Mensch Hausherr ist und in der Welt ebenfalls tut, was er will. Und der Mensch will dann, dass der Schöpfer ihm nach seinem Willen diene – das heißt, der Schöpfer solle ihm zur Verfügung stehen und ihm auf seinen Befehl hin dienen.
Doch schlimmer noch ist es, wenn er überhaupt nicht glaubt, dass es einen Schöpfer und Lenker der Welt gibt. Dann hat dieser Mensch nichts mehr als die eigene Herrschaft des Einzelnen über sich selbst. Vielmehr sieht der Mensch, dass viele Menschen diese Ansicht haben und alle sagen, sie seien Hausherren über sich selbst. Das heißt, jeder tut, was er braucht, und was die anderen angeht, kümmert es ihn nicht. Denn wenn der Mensch doch einmal etwas zum Wohl des anderen tut, geschieht es, weil er erwartet, dass sein Mitmensch ihm etwas als Gegenleistung erstattet und dass er nicht undankbar sei.
So steht es im heiligen Sohar und wird im Vorwort (Pticha, Punkt 57) zum Vers „Doch die Güte der Völker ist Sünde“ angeführt: „Denn alles, was sie tun, tun sie für sich selbst.“ Das heißt, sie werden gewiss etwas als Gegenleistung für die Wohltat empfangen. Und dann bedeutet „Herrschaft der Vielen“ eben: viele Einzelne.
Es zeigt sich, dass dies nicht „zwei Herrschaften“ genannt wird, also die Herrschaft des Schöpfers und die Herrschaft des Menschen. Im ersten Fall glaubt der Mensch noch an die Herrschaft des Schöpfers. Wenn der Mensch dagegen in die Herrschaft der Vielen, der vielen Einzelnen, fällt, bezieht er den Schöpfer überhaupt nicht mit ein. Und das ist gewiss der schlimmste Zustand.
Aus dem Gesagten ergibt sich: Bevor der Mensch den Glauben in Beständigkeit erlangt – was ein Geschenk Gottes ist und nicht in der Macht des Menschen liegt –, befindet er sich immer in Aufstiegen und Abstiegen. Dann braucht der Mensch das Erbarmen des Himmels, um nicht vom Schlachtfeld zu fliehen. Und dann kann die Ordnung der Arbeit nur während eines Aufstiegs stattfinden – das heißt, wenn er sich in der Herrschaft der Heiligkeit (Kedusha) befindet.
Dann muss der Mensch arbeiten, aufmerksam sein und bedenken, in welchem Zustand er sich während des Abstiegs befand. Das heißt, während des Aufstiegs kann er Bilanz ziehen und den Unterschied zwischen Licht und Dunkelheit erkennen, wie geschrieben steht: „wie der Vorzug des Lichts aus der Dunkelheit“. Dann kann er das erfüllen, was die Weisen sagten (Sprüche der Väter [Awot], Kapitel 2,1): „Und erwäge den Verlust einer Mizwa gegen ihren Lohn und den Lohn einer Übertretung gegen ihren Verlust.“
Das heißt, während des Aufstiegs versteht der Mensch, dass das Empfangen für sich selbst „Übertretung“ genannt wird, weil es ihn vom Schöpfer entfernt – und es gibt keine größere Übertretung als diese. Während des Abstiegs dagegen kann er nicht verstehen, dass es „Übertretung“ heißt, wenn man nicht auf das Geben ausgerichtet ist, noch hat er die Kraft zu glauben, dass man alles um des Himmels willen tun muss. Vielmehr glaubt er nur an das Geschriebene: dass der Mensch die 613 Mizwot halten muss, die der Schöpfer uns durch Moses zu tun befohlen hat. Doch gewiss begeht er keine Übertretung, das heißt, er verstößt nicht gegen das, was in der Tora geschrieben steht.
Doch manchmal ist der Mensch verärgert, warum der Schöpfer uns so behandelt hat, dass Er uns viele Dinge verboten hat. Das heißt, der Mensch sagt: Hätte der Schöpfer ihn beim Einhalten der Mizwot um Rat gefragt, so hätte er den Schöpfer gebeten, es uns nicht so streng zu machen und nicht so viele Dinge zu verbieten, nach denen seine Seele begehrt. Aber er hält die Mizwot ein.
Während des Aufstiegs dagegen ist der Mensch im Gegenteil verärgert: Wozu hat der Schöpfer uns Dinge zu tun gegeben, die der Mensch tun muss, nämlich Essen und Trinken und dergleichen? Wäre es nicht besser gewesen, Er hätte sie überhaupt nicht in der Welt erschaffen, sodass man sie nicht tun müsste?
Es zeigt sich, dass er während des Aufstiegs wünscht, es gäbe weniger Genüsse in der Welt, während der Mensch während des Abstiegs verärgert ist, warum der Schöpfer uns viele Dinge verboten hat, die der Mensch genießen könnte und die allein die Tora verboten hat. Nach dem Gesagten sehen wir, dass es Aufstiege und Abstiege gibt, während der Mensch die Anhaftung an den Schöpfer erlangen will. Deshalb soll man die Zeit des Abstiegs „Zustand der Kleinheit“ (Katnut) nennen und den Zustand des Aufstiegs „Zustand der Größe“ (Gadlut).
Damit lässt sich erklären, was wir gefragt haben: Was bedeutet das Wort der Weisen „‚Sprich, und sage‘ – um die Großen vor den Kleinen zu warnen“? Wir fragten, wie man bei einem einzigen Menschen von „Großen“ und „Kleinen“ sprechen kann. Nach dem Obigen lässt sich erklären, dass „Große“ und „Kleine“ nicht auf zwei Körper zu deuten sind, denn in der Arbeit fasst man alles als einen einzigen Körper auf. Vielmehr sind „Große“ und „Kleine“ auf zwei Zeiten in einem einzigen Subjekt zu deuten, also auf einen Menschen in zwei Zeiten:
1. die Zeit des Aufstiegs, „Große“ genannt;
2. die Zeit des Abstiegs, „Kleine“ genannt.
Damit lässt sich erklären: Wenn der Mensch sich in der Zeit des Aufstiegs befindet, muss er aufmerksam sein und Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) halten, dass er in einen Abstieg geraten kann. Und was ist ein Abstieg? Das heißt: Wer sagt, dass ein Abstieg so schlimm ist? Er sieht doch, dass es viele Menschen gibt, die leben und das Leben genießen, obwohl sie sich im Zustand des Abstiegs befinden. Wenn er deshalb selbst im Zustand des Abstiegs ist, läuft er ihnen nach, und auch dann genießt er das Leben wie sie.
Doch von diesem Zustand des Abstiegs kann man sagen, dass dieser Mensch einen Verkehrsunfall hatte: Er wurde verletzt und ist nun ohne Bewusstsein. Das heißt, er spürt nicht, dass er sich im Zustand des Abstiegs befindet, sondern genießt den Zustand, in dem er ist. Und so spürt er den Abstieg jetzt nicht, weil er ganz vergessen hat, dass es Spiritualität in der Welt gibt und dass man sich bemühen muss, die Anhaftung an den Schöpfer zu erreichen. Durch den Unfall, der ihm zugestoßen ist, hat er alles vergessen, und darum schmerzt ihn der Abstieg jetzt nicht.
Wenn der Mensch sich daher in einem Zustand des Aufstiegs befindet, hat er Grund, nachzudenken und zu fürchten, dass er nicht in einen Verkehrsunfall gerät – das heißt, während er sich jetzt bemüht, im Spirituellen voranzukommen, dass er nicht mitten auf seiner Stufe fällt.
Während des Abstiegs dagegen erinnert er sich schon nicht mehr, weil er dann keinerlei Empfindung des Spirituellen hat. All dies kann er nur in der Zeit der Gadlut wissen. Deshalb kommt der Vers, um uns zu lehren: „‚Sprich, und sage‘ – um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Das heißt: In der Zeit der Gadlut, also der Zeit des Aufstiegs, ist es Zeit, sich vor der Katnut in Acht zu nehmen, damit man nicht in den Abstieg gerät, der „Kleine“ genannt wird. Denn nur während des Aufstiegs ist der Mensch fähig, über die Katnut nachzudenken – das heißt, darüber nachzudenken, was der Grund dafür ist, dass er in die Katnut gerät. Denn der Mensch muss wissen, dass es gewiss irgendeinen Grund gibt, der den Abstieg verursacht.
So habe ich es von meinem Vater und Lehrer gehört (angeführt in einem Artikel aus dem Jahr 1945): „Doch auch dies ist zu wissen: Wenn der Mensch fähig wäre, irgendein Leuchten festzuhalten, sei es auch noch so klein – wenn es nur beständig wäre –, so gälte er bereits als vollkommener Mensch. Das heißt, mit diesem Leuchten könnte er vorangehen. Wenn ihm das Leuchten daher verlorengeht, soll er darüber Kummer empfinden. Das gleicht einem Menschen, der einen Kern in die Erde gelegt hat, damit daraus ein großer Baum wächst, den Kern aber sofort wieder aus der Erde herausnimmt. Was also nützt die Arbeit, den Kern in die Erde zu legen? Mehr noch: Man kann sagen, dass er einen Baum mit reifen Früchten aus der Erde gerissen und verdorben hat. Das heißt: Hätte er den Kern nicht herausgenommen, so wäre aus dem Kern ein Baum mit Früchten geworden. Und so ist es auch hier: Wäre ihm dieses kleine Leuchten nicht verlorengegangen, so wäre daraus ein großes Licht gewachsen. Deshalb soll er Kummer empfinden, dass ihm ein ‚großes Licht‘ verlorengegangen ist.“
Aus dem Gesagten sehen wir, dass der Mensch sich während des Aufstiegs mit aller Vorsicht hüten muss. Denn wenn er dann, selbst wenn er nur eine kleine Empfindung hat, alles in seiner Macht Stehende tut, um sie nicht zu verlieren, wird er jedes Mal vorangehen.
Und das ist es, was geschrieben steht: „‚Sprich, und sage‘ – um die Großen vor den Kleinen zu warnen.“ Das heißt: In der Zeit der Gadlut, der Zeit des Aufstiegs, muss er alle Berechnungen anstellen, um nicht in die Katnut, also in den Abstieg, zu geraten. Er muss Bilanz ziehen, welche Bedeutung es für ihn jetzt hat, auch nur ein wenig Berührung mit dem Spirituellen zu haben.
Und er muss an sich arbeiten, um zu glauben, dass diese Empfindung von oben kommt – das heißt, dass der Schöpfer ihn dann ruft. Und er soll bedenken, wie wichtig dies ist, dass der Schöpfer ihn ruft. Und wie oben gesagt: Wenn er diese kleine Empfindung beständig festhalten kann, wird er gewiss vorangehen – wie oben im Gleichnis, dass dieser Aufstieg nur als ein Kern gilt, den man in den Boden legt, aus dem aber ein großer, Früchte tragender Baum hervorgeht.
Es zeigt sich, dass er den Zustand des Aufstiegs schätzen muss und sich vorstellen soll, als blicke er so auf das Ziel – das heißt, als hätte er bereits einen großen, Früchte tragenden Baum. Auf welche Weise würde er den Baum hüten, damit die Menschen diesen großen Baum nicht verderben? In solcher Weise muss er vorgehen, bis er in seinen Gliedern spürt, dass man den Baum immer behüten muss. Und er unternimmt sogar Handlungen, um den Baum vor den Menschen zu verbergen, damit sie kein böses Auge auf den Baum werfen.
Ebenso muss der Mensch diese Empfindung, die er jetzt im Zustand des Aufstiegs hat, hüten, damit fremde Menschen kein „böses Auge“ auf ihn werfen. So weit das Gesagte über die Bedeutung des Aufstiegs. Und das ist nur die eine Seite.
Doch man muss auch den niedrigen Zustand des Abstiegs bedenken; das heißt, die zweite Seite zu betrachten, über die hier nachzudenken ist. Nur während des Aufstiegs nämlich kann der Mensch über den niedrigen Zustand des Abstiegs nachdenken, und das heißt „die Großen warnen“ – also, wie gesagt, der Zustand der Gadlut – „vor den Kleinen“, vor der Zeit der Katnut. Das heißt: was er verlieren kann, wenn er in einen Zustand des Abstiegs gerät. Denn nur während des Aufstiegs kann er die Rechnung „wie der Vorzug des Lichts aus der Dunkelheit“ aufstellen. Und das ist eben nur dann möglich, wenn er Licht hat; dann kann er einen Vergleich zwischen Licht und Dunkelheit ziehen, nicht aber, wenn er sich in der Dunkelheit befindet.
Und das ist, wie die Weisen sagten (Sprüche der Väter, Kapitel 5,1): „In zehn Aussprüchen wurde die Welt erschaffen. Hätte sie nicht durch einen einzigen Ausspruch erschaffen werden können? Doch um die Frevler zu strafen, die die Welt zugrunde richten, die in zehn Aussprüchen erschaffen wurde, und um den Gerechten guten Lohn zu geben, die die Welt erhalten, die in zehn Aussprüchen erschaffen wurde.“
Scheinbar ist das schwer zu verstehen: „den Gerechten Lohn zu geben“ kann man begreifen – damit sie viel Lohn haben. Aber „die Frevler zu strafen“, warum hat Er das so gemacht? Es heißt doch: „Der Schöpfer erhebt keine ungerechten Ansprüche an Seine Geschöpfe.“ Warum also hat Er es so eingerichtet, dass es viele Leiden gibt?
Vielmehr ist zu erklären, dass die Deutung im Sinne der Arbeit so lautet: Der Mensch muss bedenken, was das Gute ist, das er verlieren kann, und was das Schlechte ist, das er erleiden kann; und aus diesen beiden wird ihm das Bedürfnis erwachsen, die Gadlut zu hüten, also die Zeit des Aufstiegs. Denn andernfalls wird er sehen, was er im Zustand des Abstiegs erleiden kann. Und das ist „die Großen vor den Kleinen warnen“.
korrigiert (Stilüberarbeitung nach Richtlinie), EY, Claude/Opus 4.8, 25.07.2026, 06:33 Uhr, Ver5