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1990/40 Was bedeutet „Denn ihr seid die Geringsten unter allen Völkern“ in der Arbeit?

Es steht geschrieben (WaEtchanan, siebter Abschnitt; Deuteronomium 7,7–8): „Nicht weil ihr zahlreicher wäret als alle Völker, hat der Schöpfer euch begehrt, denn ihr seid die Geringsten unter allen Völkern; sondern aus Liebe des Schöpfers zu euch und weil Er den Eid hielt, den Er euren Vätern geschworen hatte, hat der Schöpfer euch mit starker Hand herausgeführt und dich aus dem Sklavenhaus erlöst, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.“ Unsere Weisen sagten (Chullin, Blatt 89): „‚Nicht weil ihr zahlreicher wäret‘ – der Schöpfer sprach zu Israel: Ich begehre euch, denn selbst wenn Ich euch Größe verleihe, macht ihr euch vor Mir klein.“ So weit ihre Worte.

Zu verstehen ist, was uns die Auslegung unserer Weisen lehren will, der Schöpfer habe zu Israel gesprochen: Ich begehre euch. Und selbst wenn Ich euch Größe verleihe, macht ihr euch vor Mir klein. Hätte der Schöpfer gesagt: „Obwohl Ich euch Größe verleihe, macht ihr euch vor Fleisch und Blut klein“, so wäre das verständlich. Unsere Weisen sagen jedoch: „ihr macht euch vor Mir klein“, also vor dem Schöpfer. Welche Stufe ist das, auf der ein Mensch sich vor dem Schöpfer nicht überhebt, obwohl der Schöpfer selbst ihm Größe verliehen hat?

Verleiht der König einem Menschen Größe und erhöht ihn vor den Fürsten, so überhebt sich dieser Mensch gewöhnlich auch vor dem König. Wie kann es dann etwas Besonderes sein, dass sie sich vor dem Schöpfer nicht überheben, sondern sich vor Ihm klein machen? Im Verhältnis zu wem also machen sie sich klein? Es liegt doch auf der Hand: Wer die Größe des Königs begreift, erniedrigt sich vor ihm erst recht.

Um dies zu verstehen, muss man sich an die Ordnung der Arbeit erinnern, die die Korrektur der Schöpfung ist. Um zur Anhaftung (Dwekut) zu gelangen, die „Angleichung der Form“ genannt wird – also um der Gefäße des Gebens gewürdigt zu werden –, wurde eine Korrektur vollzogen, die „Einschränkung und Verhüllung über der Heiligkeit (Kedusha)“ genannt wird. Damit ist gemeint, dass der Geschmack von Tora und Mizwot [Gebote] verhüllt wurde, in denen das Gute und der Genuss eingekleidet sind, die Er den Geschöpfen geben wollte. Dies wird „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ genannt. Denn alles, was Er den Geschöpfen geben wollte, ist in Tora und Mizwot eingekleidet, die im Sohar „613 Pikudin (Hinterlegungen)“ genannt werden.

Im Sulam (Leiter-Kommentar) heißt es dazu: „In Wahrheit kommt Pikudin vom Wort Pikadon (Hinterlegung). In jeder einzelnen Mizwa gibt es ein besonderes Licht, das in diese Mizwa eingekleidet ist. Doch um zu dem in ihnen eingekleideten Licht zu gelangen – wegen der Einschränkung und der Verhüllung, die wegen der Korrektur der Schöpfung über ihnen liegen –, das heißt, damit der Mensch das in ihnen eingekleidete Gute und den Genuss empfange, muss der Mensch zuerst die dem Licht entsprechenden Gefäße empfangen; denn es muss eine Angleichung der Form an das Licht geben: So wie das Licht gibt, so muss auch das Gefäß auf das Geben ausgerichtet sein.“

Der Mensch hat jedoch von Natur aus ein Verlangen, für sich selbst zu empfangen, und nicht das Verlangen zu geben. Wie kann er dann seine Natur ändern, die der Schöpfer erschaffen hat? Dazu sagten unsere Weisen: „Der Schöpfer sprach: Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Die Tora gibt dem Menschen nämlich Ratschläge, wie er aus der Selbstliebe heraustreten und das Verlangen zu geben erwerben kann. In diesem Zustand werden die 613 Mizwot, so sagt der Sohar, „613 Ejtin (Ratschläge)“ genannt – 613 Ratschläge also, wie man das Verlangen zu geben erlangt. Denn nur im Verlangen zu geben kann sich das Licht einkleiden, das „das Gute und der Genuss“ genannt wird.

Dazu sagten unsere Weisen: „Immer soll sich der Mensch mit Tora und Mizwot befassen, selbst lo liShma (nicht um ihretwillen), denn aus dem lo liShma gelangt er zum liShma (um ihretwillen), weil das Licht darin ihn zum Guten zurückführt, und dadurch wird er zur Stufe des liShma gelangen.“

Beim lo liShma gibt es viele Unterscheidungen:

a. Er lernt, um zu streiten. Das ist die schlimmste Unterscheidung von allen; dazu sagten unsere Weisen (Berachot 17): „Wer sich mit der Tora lo liShma befasst, für den wäre es besser, nicht geboren zu sein.“

b. Er lernt, damit man ihn „Rabbi“ nennt.

In diesen beiden Unterscheidungen will er Lohn von Menschen; er will nicht, dass der Schöpfer ihm Lohn für seine Arbeit gibt.

c. Er lernt, damit der Schöpfer ihn in dieser Welt belohnt – mit Leben, Auskommen, Gesundheit und dergleichen.

d. Er lernt, damit der Schöpfer ihn in der kommenden Welt belohnt.

e. Er befasst sich mit Tora und Mizwot, weil er spürt, dass er einem großen König dient. Deshalb macht es ihm Freude, sich mit Tora und Mizwot zu befassen. Wegen dieser Freude, die er beim Dienst am König empfindet, lohnt sich die Arbeit für ihn. Doch auch die Arbeit dessen, der einem großen König zu dienen meint, ist noch nicht reines „liShma“. Zwar arbeitet er um des Himmels willen und will keinerlei Gegenleistung für seine Arbeit; dennoch sehnt er sich danach, in dieser Arbeit einen Geschmack zu spüren, weil er einen großen König wahrnimmt.

Man muss also wissen: Auch dies heißt noch nicht „reines liShma“, denn letzten Endes sehnt er sich nach dem Genuss, den er während der Arbeit spürt. Dieser Genuss ist der Grund, weshalb er ein Diener des Schöpfers sein will. Demnach zwingt ihn allein das, was das Verlangen zu empfangen während der Arbeit an Genuss spürt, sich mit Tora und Mizwot zu befassen. Deshalb wird auch dies „lo liShma“ genannt. Dieses lo liShma bringt ihn jedoch zum liShma, weil das Licht darin ihn zum Guten zurückführt.

Das geht in die Richtung dessen, was in der Einführung in das Buch Sohar (Punkt 30) steht; dies sind seine Worte: „Der zweite Abschnitt ist vom dreizehnten Jahr an und weiter, denn dann wird dem Punkt im Herzen Kraft verliehen, der das Geheimnis der Rückseite von Nefesh der Heiligkeit ist, das in sein Verlangen zu empfangen eingekleidet ist. Und dann beginnt er, unter die Herrschaft des Systems der Welten der Heiligkeit einzutreten, und zwar in dem Maße, in dem er sich mit Tora und Mizwot befasst. Und die Hauptaufgabe ist, das spirituelle Verlangen zu empfangen zu erlangen und zu vergrößern. Und dennoch ist sie eine wichtigere Stufe als die erste; sie ist die Stufe, die ihn zum liShma bringt, wie unsere Weisen sagten: Immer soll sich der Mensch mit Tora und Mizwot lo liShma befassen, denn aus dem lo liShma kommt er zum liShma.

Und das ist das Geheimnis der Magd der Heiligkeit, die ihrer Herrin dient, was das Geheimnis der heiligen Shechina (göttliche Gegenwart) ist. Denn die Magd bringt ihn zum liShma, und er wird des Einwohnens der Shechina gewürdigt. Doch muss er alle geeigneten Mittel anwenden, damit er zum liShma gelange. Und die letzte Stufe in diesem Abschnitt ist, dass er sich in den Schöpfer verliebt mit großer Sehnsucht, ähnlich einem leidenschaftlich Liebenden, der sich in eine körperliche Sehnsucht verliebt, bis die Sehnsucht ihm den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht aus den Augen weicht; und so, wie der Dichter sagte: Wenn ich an Ihn denke, lässt es mich nicht schlafen.“

Nach all dem beginnt die Ordnung des liShma, die „Verlangen zu geben“ genannt wird. Hier jedoch, wo alles nur Geben sein soll, hat der Mensch nicht die Kraft, aus eigenem Vermögen dorthin zu gelangen; sein ganzes Verlangen soll ja nur sein, dem Schöpfer zu geben, „weil Er groß ist und herrscht“. Der Mensch hat keine Vorstellung davon, wie er dahin gelangen kann. Man sagt dann, das Verlangen zu geben sei im ägyptischen Exil. Begreifen kann der Mensch dieses Verlangen nur über dem Verstand, denn innerhalb des Verstandes gibt es dafür keinen Halt.

Dem Menschen ist es nämlich nicht gegeben zu verstehen, wie er eine Handlung vollziehen soll, an der er keinen Genuss hat. Selbst wenn er keine Gegenleistung für seine Arbeit fordert – wer treibt ihn dann zur Arbeit? Dass der Schöpfer Genuss daran hat; daraus zieht er seinen eigenen Genuss. Schon hier ist also Genuss im Spiel: Es freut ihn, dem König zu dienen, und diese Freude ist sein Genuss. Wie sollte es auch anders sein – dass er ganz ohne Genuss arbeitet?

Heißt es also, der Mensch müsse um des Gebens willen arbeiten, so nennt man das „über dem Verstand“. Bei allem, was über dem Verstand liegt, findet das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, keinen Platz. Dem Menschen wird nämlich gesagt, er solle einzig deshalb arbeiten, damit der Schöpfer Genuss an dieser Arbeit hat. Und er soll sich darüber freuen, dass er einem großen König dient.

Würde der große König jedoch seine Bedeutung und Größe offenbaren, so läge der Genuss innerhalb des Verstandes: Der Verstand begriffe dann, dass es sich lohnt, einem großen König zu dienen. Muss der Mensch aber an die Größe und Bedeutung des Königs glauben, so dient er nach seinem Empfinden einem kleinen König. Sagt er nun über dem Verstand, dass es ein großer König ist, so bleibt für das Verlangen zu empfangen kein Raum mehr, dieser Arbeit zuzustimmen – der ganze Genuss ruht ja auf dem Über-dem-Verstand.

Von selbst wird damit verständlich, warum der Körper nicht arbeiten will, solange er die Bedeutung des Königs nicht sieht. Man sagt ihm vielmehr: Auch wenn der Verstand es gebietet – solange die Größe des Königs nicht offenbart ist, bleibt für das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, kein Raum. Wie kann der Mensch dann überhaupt die Fähigkeit haben, zu arbeiten, „weil Er groß ist und herrscht“? Wäre diese Größe offenbart, so wäre es gut; doch über der Unterscheidung der Größe des Schöpfers liegt die Herrschaft des Pharao, des Königs von Ägypten, der sprach: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören soll?“

Deshalb liegt die Hauptarbeit an diesem Ort; hier beginnt nämlich die Sache des liShma: dass er um des Gebens willen arbeiten will, damit der Schöpfer Genuss an seiner Arbeit hat, und dass ihm selbst nicht wichtig ist, welchen Geschmack er dabei spürt. Seine Arbeit hat bei ihm also die Gestalt, als spürte er, dass der König groß ist, während sein Empfinden tatsächlich in der Unterscheidung „Shechina im Staub“ ist: Er spürt keine Bedeutung, sondern schmeckt den Geschmack von Staub. Dennoch überwindet er sich und sagt, es sei ihm so wichtig, als spürte er, dass er dasteht und einem großen König dient. Dann hat gewiss auch das Verlangen zu empfangen Genuss, denn nun braucht er an die Größe und Bedeutung des Königs nicht mehr zu glauben.

Doch wie kann der Mensch die Kraft zur Überwindung des Körpers empfangen, während er die Unterscheidung „Shechina im Staub“ spürt? Welche Freude kann er aus dieser Arbeit empfangen? Und noch schwieriger: Wie ist es dem Menschen möglich, ein Bedürfnis und ein Verlangen nach einer Arbeit zu haben, in der er keinen Geschmack spürt? Hätte er keine Wahl, so ließe sich verstehen, dass er unter Zwang arbeitet. Aber wie kann man sich nach einer Arbeit sehnen, in der kein Geschmack ist? Und da er nicht die Kraft hat, sich zu überwinden und an einer solchen Arbeit Freude zu haben – wie soll er dem König in einer so niedrigen Gestalt dienen, also so, dass er den Geschmack von Staub spürt, während er dem König dient?

Deshalb bittet er den Schöpfer nicht darum, ihm die Offenbarung Seiner Größe zu geben, damit er darin einen Geschmack spüre. Er bittet den Schöpfer vielmehr um Kraft, den Körper zu überwinden und in Freude zu arbeiten – gerade weil er jetzt allein für den Schöpfer arbeiten kann, da das Verlangen zu empfangen aus einer Arbeit, die den Geschmack von Staub hat, keinen Genuss zieht. Wofür also arbeitet er? Gewiss nur um des Himmels willen. Für eine solche Arbeit gibt es innerhalb des Verstandes keinerlei Raum. Und in dieser Arbeit sieht der Mensch, dass er von Natur aus keine Wirklichkeit hat, in der er auf solche Weise arbeiten wollte.

In dieser Arbeit, in einem solchen Zustand, sieht der Mensch, dass er keinerlei Möglichkeit hat, mit dem Verlangen zu geben und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten. Das kann nur auf dem Weg eines Wunders vom Himmel geschehen. In Wahrheit wird das „Auszug aus Ägypten“ genannt: aus der Gesamtheit des Verstandes herauszutreten, den er von Natur aus hat und der ihm sagt, es sei unmöglich, irgendeine Regung zu vollziehen, außer er habe Genuss davon. Und hier bittet er den Schöpfer, ihm Kraft zum Arbeiten an einem Ort zu geben, wo er keinen Geschmack und kein Empfinden hat, sondern nur glaubt, dass der Schöpfer Genuss an dieser Arbeit hat, weil sie ganz Geben ist.

Deshalb ist dieses Gebet ein wahres Gebet: Der Mensch sieht, dass nichts zu erhoffen ist und dass es ihm aus eigener Kraft nie gegeben wäre, etwas um des Gebens willen zu tun. Daraus folgt, dass er spürt, wie verloren er ist. So gelangt er in einen engen Kontakt mit dem Schöpfer. Und das muss der Mensch schätzen: dass er den Schöpfer um Hilfe bittet, weil es niemanden auf der Welt gibt, der ihn retten könnte.

Doch hier stellt sich die schwierigste Frage: Wer hat dem Menschen gesagt, dass der Schöpfer Wohlgefallen an dieser Arbeit hat, in der es keinen Geschmack gibt außer dem von Staub? Und wer hat ihm gesagt, dass er den Schöpfer um eine solche Arbeit bitten muss, weil er alles nur tun will, damit der Schöpfer Genuss hat?

Darauf kommt eine Antwort: der Glaube an die Weisen (Emunat Chachamim) – dass wir ihren Worten glauben müssen. Daraus folgt: Das Gebet, in dem der Mensch bittet, der Schöpfer möge ihm helfen, damit er in einem Zustand der Niedrigkeit arbeiten könne, in dem der Geschmack nur der von Staub ist, kann allein auf der Grundlage des Glaubens an die Weisen geschehen. Wir glauben ihnen, dass man nur auf solche Weise zu einem Zustand des liShma gelangt und nicht zur Unterscheidung des eigenen Nutzens. Nur sie nämlich wissen, was liShma ist und wie man dahin gelangt.

Mit dem Gesagten lässt sich nun erklären, was wir zu der Auslegung unserer Weisen über den Vers „Nicht weil ihr zahlreicher wäret“ gefragt haben: „Der Schöpfer sprach zu Israel: Ich begehre euch, denn selbst wenn Ich euch Größe verleihe, macht ihr euch vor Mir klein.“ Wir fragten: Ist es nicht der Lauf der Welt, dass jemand, den der König erhöht, sich vor dem König überhebt? Was lehrt uns dann die Aussage, dass Israel sich vor dem Schöpfer klein macht?

Nach dem oben Erklärten gibt es zwei Unterscheidungen in der Arbeit:

a. Der Schöpfer leuchtet ihm, während er sich mit Tora und Mizwot befasst; er spürt einen Geschmack in der Arbeit und empfindet die Größe des Schöpfers, dem er wie einem großen König dient, und er ist bereits zur Stufe „Wenn ich an Ihn denke, lässt es mich nicht schlafen“ gelangt.

b. Die zweite ist die Unterscheidung der Arbeit des liShma, also um des Gebens willen und ohne Belohnung zu empfangen. Dann gerät der Mensch in Widerstand vonseiten des Körpers, da er keinerlei Geschmack in der Arbeit spürt. Er will aber gar kein Empfinden der Größe des Schöpfers, denn dieses Empfinden gäbe ihm einen Grund: Es wäre dann das Empfinden während der Beschäftigung mit Tora und Mizwot, das ihn zu dieser Beschäftigung zwingt. Daraus folgt, dass es schon nicht mehr allein um des Himmels willen wäre, sondern auch der eigene Genuss darin eingeschlossen ist.

Da diese Arbeit ganz über dem Verstand liegt – es gibt nämlich keinen Verstand in der Welt, dem es gegeben wäre, eine solche Sache zu begreifen –, und da diese Unterscheidung „Shechina im Staub“ genannt wird und der Mensch glauben muss, dass der Schöpfer gerade aus dieser Arbeit Wohlgefallen hat, nennt man sie Arbeit in der Unterscheidung „ihr macht euch vor Mir klein“.

Erklärung: Lässt der Schöpfer sie Seine Größe spüren, so sagen sie nicht: „Jetzt brauchen wir schon nicht mehr über dem Verstand zu arbeiten.“ Denn auch der Körper annulliert sich, wenn er die Größe des Schöpfers spürt, „wie eine Kerze vor einer Fackel“. Sie sagen vielmehr: „Wir wollen in der Unterscheidung ‚ihr seid die Geringsten unter allen Völkern‘ arbeiten“ – also so, dass alle Völker im Menschen diese Arbeit eine verächtliche Arbeit nennen würden, die Unterscheidung der Geringheit und Niedrigkeit, nämlich „Shechina im Staub“.

So sagten unsere Weisen: „Nicht weil ihr zahlreicher wäret“ – „der Schöpfer sprach zu Israel: Ich begehre euch, denn selbst wenn Ich euch Größe verleihe, macht ihr euch vor Mir klein.“ „Ich gab Abraham Größe.“ Gewiss hätte er sich nun freuen müssen, denn er spürt bereits die Größe des Schöpfers und wird keinen Widerstand vonseiten des Körpers mehr haben; doch er machte sich klein und sagte: „Und ich bin Staub und Asche.“

Erklärung: Er sagte zum Schöpfer: „Ich sehne mich nach dem Zustand der Arbeit, der die Unterscheidung ‚Ich bin der Schöpfer, dein Gott‘ war, in der Unterscheidung von Staub und Asche.“ Gemeint ist die Zeit, in der seine Arbeit die Unterscheidung „Shechina im Staub“ war; denn damals war er sicher, dass seine Arbeit ganz Geben ist und das Verlangen zu empfangen daran keinen Anteil hat. Daraus folgt: Die Erklärung ist nicht, dass er sich vor dem Schöpfer klein macht, sich also vor Ihm nicht überhebt. Sie ist vielmehr, dass er sich klein macht, um in der Unterscheidung der Niedrigkeit zu arbeiten, obwohl der Schöpfer ihm Größe gibt.

Ebenso gab der Schöpfer Moses und Aaron Größe, und sie sagten: „Und wir, was sind wir?“ Das heißt, sie sehnten sich nach der Arbeit jener Zeit, in der bei ihnen die Unterscheidung „Shechina im Staub“ war. Denn wenn man keinen Geschmack in der Arbeit spürt, kommt der Böse und stellt die Frage „Was?“ – „Was soll euch diese Arbeit?“, dass ihr gerade in einer so verächtlichen Unterscheidung arbeiten wollt. Und gerade weil der Böse so fragt, waren sie sicher, dass ihre Arbeit ganz Geben ist und das Verlangen zu empfangen keinen Anteil daran hat.

Ebenso war es bei David. Ihm gab der Schöpfer Größe, und er sagte: „Und ich“ – das heißt die Unterscheidung „Ich bin der Schöpfer, dein Gott“. Diese Arbeit war bei ihm zu der Zeit, da er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen wollte, das „Ich bin der Schöpfer, dein Gott“ genannt wird; bei seinem Körper war sie in der Unterscheidung „Und ich bin ein Wurm und kein Mensch“.

Awraham Ibn Esra [jüdischer Tora-Kommentator des 12. Jahrhunderts] fragt zu dem, was geschrieben steht: „Und ich bin ein Wurm und kein Mensch“, und sagt: „Es ist fern, dass ein Mensch von Verstand über sich selbst sagt, dass er kein Mensch sei. Vielmehr spricht er nur gegen die Feinde, die ihn verachten und in deren Augen er für nichts gilt.“

Auch hier ist die Erklärung: Zu der Zeit, da der Schöpfer ihm Größe gab, sagte er nicht: „Jetzt brauche ich schon keinen Krieg mehr mit dem Körper zu führen, denn der Körper wird sich vor dem Schöpfer annullieren ‚wie eine Kerze vor einer Fackel‘.“ Er sagte vielmehr: „Ich sehne mich nach dem Zustand der Niedrigkeit, in dem meine Feinde – das heißt die Völker der Welt in meinem Körper – meine Arbeit verachten, weil sie sagen würden, es gelte nur um des Gebens willen zu arbeiten, und er kein Empfinden in der Arbeit haben würde.“ Das ist ein Zeichen, dass er überhaupt kein Mensch ist, dass sie die Ordnung seiner Arbeit verachteten. Und das wird so genannt, dass Israel sich vor Mir klein macht.

korrOp, EY, 26.07.2026, 22:08 Uhr, Ver4