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1991/19 Was bedeutet „Steh auf, Herr, und zerstreue Deine Feinde“ in der Arbeit?

Der Jeruschalmi sagt, und dies sind seine Worte: „Es lehrt Rabbi Schimon ben Jochai und spricht: ‚Wenn du die Geschöpfe siehst, deren Hände die Tora aufgegeben haben, dann steh auf und stärke dich sehr in ihr, und du wirst die Belohnung aller empfangen.‘“ So weit seine Worte.

Man muss verstehen, was es bedeutet, dass die Geschöpfe die Tora aufgegeben haben. Denn von Aufgeben kann man bei einer Sache sprechen, in die ein Mensch viel Mühe gesteckt hat, um etwas zu erreichen. Er sieht aber, dass all die Mühe ihm nicht geholfen hat und er die Sache immer noch nicht erreicht hat. Dann gerät der Mensch ins Aufgeben. Daraus folgt: Wenn ein Mensch sieht, dass die Geschöpfe es bereits aufgegeben haben, die Tora zu finden – sicher, nachdem sie sich angestrengt haben –, wie kann es dann heißen „Steh auf und stärke dich sehr in ihr“? Man sieht doch, dass die Mühe ihnen nicht geholfen hat. Worin soll man sich also stärken?

Bekanntlich lernt man in der Arbeit alles innerhalb eines einzigen Körpers. Daraus folgt: Wer sieht, dass die Geschöpfe mit ihren Händen die Tora aufgegeben haben, das geschieht in einem einzigen Menschen. Was bedeutet es also, dass er sieht, dass ihre Hände die Tora aufgegeben haben? Und man muss verstehen, was es heißt, dass ihre Hände die Tora aufgegeben haben. Bekanntlich bedeutet „Hände“ das, was man mit den Händen ergreift. Was heißt es also, dass „ihre Hände aufgegeben haben“? Es deutet darauf hin, dass sie gesehen haben, dass es unmöglich ist, mit ihren Händen aus der Tora das zu empfangen, was sie empfangen wollen. Man muss also wissen, was sie aus der Tora empfangen wollten und woran sie verzweifelten.

Bekanntlich wurde der Mensch mit einem bösen Trieb (Jezer haRa) und einem guten Trieb erschaffen. Der böse Trieb wurde sofort erschaffen, als der Mensch geboren wurde. Für dieses Verlangen muss der Mensch keine Mühe aufwenden, um es sich anzueignen. Das liegt daran, dass der Schöpfer den Menschen mit dieser Natur erschuf, die „Verlangen, Freude und Genuss zu empfangen“ genannt wird. Da es also aus der Natur kommt, ist es sehr stark und braucht keinerlei Hilfe. Vielmehr tut der Mensch überall dort, wo er sieht, dass er sich an etwas erfreuen kann, sofort, was in seiner Macht steht, um den Genuss zu erlangen. Demnach ist zu fragen: Wenn er sich bemüht, dem Menschen Genüsse zu bringen, warum wird er dann „böser Trieb“ genannt? Er sorgt sich doch darum, dem Menschen Genüsse zu bringen, und nicht schlechte Dinge.

Die Antwort lautet: Das Ziel der Schöpfung war, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Damit es jedoch keine Scham gäbe, wurde eine Korrektur vorgenommen, sodass die Fülle nicht in die Gefäße des Empfangens gelangt. Das wird „Korrektur des Zimzum (Einschränkung)“ genannt. Nur ein dünnes Licht (Nehiru Dakik) leuchtet in die Gefäße des Empfangens. Das ist es, was der heilige ARI erklärt: dass Malchut die Klipot (Schalen) belebt, im Sinne von „und ihre Füße steigen hinab zum Tod“. Und davon wird die körperliche Welt genährt.

Doch die wahre Güte und der wahre Genuss, die im Gedanken des Schöpfers waren, leuchten nicht in die Gefäße des Empfangens. Daraus folgt: Der böse Trieb, der „Verlangen, zum eigenen Nutzen zu empfangen“ genannt wird, ist nicht fähig, die wahre Güte und den wahren Genuss zu empfangen. Da also das Verlangen, für sich selbst zu empfangen, das Störende ist, wird es „böser Trieb“ genannt, weil es den Menschen daran hindert, fähig zu sein, Gutes zu empfangen.

Da nun der Mensch mit der Natur des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, erschaffen wurde, wie kann es dann möglich sein, dass im Menschen eine Kraft ist, aus der Herrschaft des bösen Triebes herauszutreten? Darauf gibt es die Antwort unserer Weisen (Kiddushin 30), und dies sind ihre Worte: „So sprach der Schöpfer zu Israel: ‚Meine Söhne, Ich habe den bösen Trieb erschaffen, und Ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen. Und wenn ihr euch mit der Tora beschäftigt, werdet ihr nicht in seine Hand gegeben.‘“

Aus dem Gesagten folgt, dass man nur durch die Tora aus der Herrschaft des bösen Triebes heraustreten kann. Das heißt: Wenn ein Mensch Tora lernt, muss er immer darauf achten, ob er aus der Tora schon die Bezwingung des bösen Triebes mitgenommen hat. Wenn der Mensch also Tora lernt, sieht er, dass er aus der Tora nicht das Heilmittel der Tora empfangen hat, das den bösen Trieb bezwingt. Es zeigt sich: Im Verhältnis zur Zeit und Mühe, die er in das Lernen der Tora gesteckt hat, hat er sich dennoch nicht ein Haarbreit von seinem Bösen wegbewegt. Manchmal sieht er sogar das Gegenteil, dass er rückwärtsgegangen ist. Und jeden Tag hält sich der Mensch für ein neues Geschöpf, das heißt, jeden Tag denkt er: Vielleicht wird er heute gewürdigt, dass die Tora ihm das Heilmittel gibt, um den bösen Trieb zu bezwingen.

Da er aber sieht, dass es ihm nicht gelingt, gerät der Mensch ins Aufgeben und sagt: Obwohl unsere Weisen gesagt haben „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“, gilt das vielleicht gerade für einen Menschen, der mit guten Eigenschaften geboren wurde. Er aber sieht an sich selbst seine Niedrigkeit, dass es ihm nicht möglich ist, diese Stufe zu erreichen. Dann muss er das Schlachtfeld verlassen, da es nichts für ihn ist und es schade um die Zeit ist, die er vergeblich aufgewendet hat. Das bringt ihn auch in einen Zustand, der „über das Frühere zweifeln“ genannt wird.

Und das ist es, was geschrieben steht: „Wenn du die Geschöpfe siehst, deren Hände die Tora aufgegeben haben.“ Das heißt: In all den Tagen, in denen er sich mit der Tora beschäftigte, mit der Absicht, aus der Tora das Heilmittel zur Annullierung des Bösen zu erlangen – und da jeder Tag für ihn ein neues Geschöpf ist –, zeigt sich, dass er in seinem Körper viele Geschöpfe hat. Und nun haben ihre Hände die Tora aufgegeben, da er sich in einem Zustand befindet, in dem er dieses Heilmittel nie mehr aus der Tora empfangen wird. So bleibt er unter der Herrschaft des Verlangens zu empfangen. Was soll er also jetzt tun? Da es der Lauf der Welt ist, dass ein Mensch, wenn er bei etwas, das er erreichen will, ins Aufgeben gerät, die Sache verlässt und davor flieht, sollte er also vom Schlachtfeld fliehen.

Dazu kommt Rabbi Schimon ben Jochai und sagt: „Steh auf und stärke dich sehr in ihr, und du wirst die Belohnung aller empfangen.“ Man muss verstehen, was Rabbi Schimon ben Jochai sagt, wenn er hinzufügt: „und du wirst die Belohnung aller empfangen.“ Warum reicht es nicht, dass er sagt, man soll glauben, was er sagt: „Steh auf und stärke dich sehr in ihr“? Das heißt: Wir müssen mit dem Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim) glauben, dass man nicht aufgeben darf, und glauben, dass der Schöpfer das Gebet jedes Mundes erhört. Warum fügt er noch hinzu: „und du wirst die Belohnung aller empfangen“? Und wenn er nicht die Belohnung aller empfangen würde, müsste der Mensch sich dann nicht stärken und – Gott behüte – nicht aufgeben?

Man kann das, was er sagt, „und du wirst die Belohnung aller empfangen“, so deuten: Das ist der Grund, warum man nicht aufgeben darf, wenn man aus der Tora nicht das Heilmittel empfängt, das uns die Annullierung des bösen Triebes bringt. Die Sache ist die: Wir müssen glauben, dass der Mensch, wenn er mit der Arbeit des Gebens beginnt, jedes Mal sieht, dass er tiefer in der Selbstliebe versunken ist. Und jeder Tag, den er in der Arbeit hinzufügt, gilt als ein neues Geschöpf – wie unsere Weisen sagten: „Ein Fremder, der übertritt, gleicht einem neugeborenen Kind.“ Das bedeutet im Sinne der Arbeit, dass der Mensch an jedem Tag, an dem er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nimmt, zu „Israel“ wird; und das wird „ein Fremder, der übertritt, gleicht einem neugeborenen Kind“ genannt.

Daraus folgt, dass der Mensch aus vielen Geschöpfen zusammengesetzt ist. Und alles, worin „die Geschöpfe sich vermehrt haben“, das heißt: Er sieht, dass er noch nicht den dauerhaften Glauben erlangt hat und noch vom Schöpfer entfernt ist, wegen der Verschiedenheit der Form, die eine Trennung vom Schöpfer bewirkt. Das wird so genannt, dass er „die Geschöpfe sieht, deren Hände die Tora aufgegeben haben“, wie oben – dass sie es aufgegeben haben, das Heilmittel zu empfangen, das „Annullierung des Bösen“ genannt wird.

Und die Frage ist: Warum gibt der Schöpfer ihnen nicht, was Er uns versprochen hat, wie oben, als Er sagte „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen“? Und warum gibt Er das Gewürz nicht jenen Menschen, die mit der Absicht zu geben arbeiten wollen?

Die Antwort lautet, wie wir es in den vorangegangenen Artikeln erklärt haben: „Es gibt kein Licht ohne ein Gefäß, keine Füllung ohne einen Mangel.“ Und da man dem Menschen nicht mehr Mangel zeigt, als er aufzunehmen bereit ist – das heißt, im Verhältnis zu dem Guten, das in ihm ist, also je nachdem, wie er sich mit der Überwindung des Bösen beschäftigt und Taten vollbringt, um das Böse zu annullieren –, deshalb offenbart man ihm jedes Mal mehr Mangel, im Verhältnis zu seiner Arbeit, wie weit er vom Verlangen zu geben entfernt ist.

Es zeigt sich also, dass der Schöpfer in Wahrheit das Gebet erhört, doch die Erhörung des Gebets ist nicht so, wie der Mensch denkt – nämlich das, was ihm fehlt, also die Füllung. Denn in Wahrheit fehlt dem Menschen ein Mangel, also ein wahres Verlangen, dass er in seinem Leben das Verlangen erlangen will, einzig und allein dem Schöpfer Wohlgefallen zu geben. Und da der Mensch zu Beginn seiner Arbeit denkt, ihm fehle ein wenig Verlangen zu geben – das heißt, dass er noch kein Bedürfnis hat, in der Lage zu sein, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten –, ist das kein großer Mangel, weil er noch nicht so sehr in der Selbstliebe verhaftet ist.

Vielmehr denkt er, sobald er nur arbeiten will, um zu geben, wird es in seiner Hand liegen, dies zu tun. Es zeigt sich also, dass er noch keinen wahren Mangel hat, das heißt, dass er fühlt, wie weit er davon entfernt ist, etwas nicht zum eigenen Nutzen zu tun. Deshalb gilt dies nicht als wahrer Mangel, den der Schöpfer ihm füllen würde.

Der Beginn der Gebetserhörung für den Menschen, der den Weg des Gebens gehen will, besteht also darin, dass der Schöpfer ihm jedes Mal mehr Mangel zeigt, wie weit er von der Arbeit des Gebens entfernt ist. Es zeigt sich also: Dass der Mensch sieht, dass die Tora ihm das Gewürz nicht gibt, ist zu seinem Nutzen, denn dadurch empfängt er ein Gefäß, das „Mangel“ genannt wird, sodass der Schöpfer ihm danach die Füllung auf den Mangel gibt.

Daraus folgt: In dem Maß, in dem er jedes Mal ein gewisses Maß an Mangel des Verlangens zu geben empfängt, empfängt er dadurch eine Vielzahl von Gefäßen, die bereit sind, die Füllung des Mangels zu empfangen. Das heißt: Wenn er ein großes Verlangen hat, das Verlangen zu geben zu erreichen, dann zeigt sich, dass eine Vielzahl von Mängeln eine Vielzahl von Gefäßen für das Empfangen der Füllung genannt wird, die „Verlangen zu geben“ heißt. Das bedeutet, dass er ein großes Verlangen zu geben empfängt, im Verhältnis zur Vielzahl seiner Gefäße. Das heißt: Im Verhältnis zum Mangel, in diesem Maß kann er das Gewürz aus der Tora empfangen. Es zeigt sich also: Im Verhältnis zur Vielzahl der Gefäße, in diesem Maß empfängt er Licht.

Nach dem Gesagten lässt sich deuten, was wir gefragt haben: Was fügt uns Rabbi Schimon ben Jochai hinzu, wenn er sagt, dass er die Belohnung aller empfängt? Nach dem Obigen lässt sich deuten: Dass der Mensch sieht, dass die Geschöpfe mit ihren Händen die Tora aufgegeben haben – das heißt, dass sie sehen, dass sie nicht in ihre Hände das Gewürz empfangen, das die Tora ihnen geben soll, nämlich die Annullierung des bösen Triebes, sondern im Gegenteil –, dazu sagt Rabbi Schimon ben Jochai: Wisst, dass all die Zurückweisungen, die der Mensch fühlt, wenn er jedes Mal weiter zurückgestoßen wird, von der Annäherung an den Schöpfer zu gelangen – das heißt von der Gleichheit der Form, die „Anhaftung (Dwekut) an den Schöpfer“ genannt wird –, geschehen, damit ihr Gefäße erwerbt, um das Gewürz zu empfangen.

Es zeigt sich also: Jetzt, da ihr viele Gefäße habt, die aus vielen Zurückweisungen stammen, jetzt werden alle Gefäße eine Belohnung empfangen, also Füllung. Das wird so genannt, dass er die Belohnung für alle empfängt, das heißt für alle Zurückweisungen, weil diese Zurückweisungen Gefäße sind, um Füllung zu empfangen, die „Belohnung“ genannt wird.

Es zeigt sich also: Wenn der Mensch sieht, dass er sich inmitten der Gedanken und Verlangen des Verlangens zu empfangen befindet, die „Bösen“ genannt werden, weil sie dem Menschen Böses antun, sodass er nicht zur Erlangung der Güte und des Genusses gelangen kann, die im Gedanken der Schöpfung liegen – nämlich Seinem Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun –, dann muss man wissen, dass sie auch „Feinde des Schöpfers“ genannt werden. Denn sie hindern den Schöpfer, sodass Er Seinen Gedanken, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, nicht in die Tat umsetzen kann. Denn wegen des Verlangens, zum eigenen Nutzen zu empfangen, kann der Schöpfer ihnen nicht geben, weil alles in die Gefäße des Empfangens ginge, die zur Sitra Achra (die andere Seite) gehören. Es zeigt sich also: Diese Bösen, das heißt die Verlangen des Empfangens, die sich im Menschen angesammelt haben, werden „Feinde des Schöpfers und Feinde der Geschöpfe“ genannt.

Nach dem Gesagten lässt sich deuten, was geschrieben steht (Psalm 34): „Ich suchte den Ewigen, und Er antwortete mir.“ Und der RADAK deutete: „‚Ich suchte‘ – denn während er in ihren Händen war, suchte er in seinem Herzen den Schöpfer und flehte vor Ihm in seinem Herzen, dass Er ihn aus ihrer Hand errette.“

Im Sinne der Arbeit lässt sich deuten, dass David sah, dass er, während er in ihren Händen war – das heißt unter der Herrschaft der Gedanken und Verlangen des Verlangens zu empfangen –, in seinem Herzen den Schöpfer suchte. Das heißt: Obwohl er sah, dass sie über ihn herrschten, suchte er dennoch in der Innenseite des Herzens den Schöpfer, dass Er ihn aus ihrer Hand errette. Das heißt: Obwohl sie ihn äußerlich beherrschten, lehnte er sich in der Innenseite des Herzens dagegen auf, dass sie über ihn herrschten, und flehte zum Schöpfer, dass Er ihn aus ihrer Hand errette. Und dennoch suchte und flehte er in der Innenseite des Herzens zum Schöpfer, dass Er ihn aus ihrer Hand errette, und gab nicht auf, obwohl sie ihn äußerlich beherrschten. Und das ist im Sinne dessen, was unsere Weisen sagten (Berachot 10): „Selbst wenn einem Menschen ein scharfes Schwert an der Kehle liegt, soll er sich nicht des Erbarmens enthalten.“ Wie oben: dass auch die Abstiege die Füllung des Mangels bewirken.

Nach dem Gesagten lässt sich deuten, was wir gefragt haben: Was bedeutet „Erhebe Dich, Ewiger, und Deine Feinde sollen sich zerstreuen, und die, die Dich hassen, sollen vor Dir fliehen“? In der Arbeit lässt sich wie oben deuten, wer die Feinde des Schöpfers in der Arbeit sind. Das heißt: jene, die den Menschen nicht zum Nutzen des Schöpfers arbeiten lassen. Mit anderen Worten: Das sind die Verlangen, die im Menschen sind, einzig und allein zum eigenen Nutzen zu arbeiten. Diese Verlangen werden „Feinde des Schöpfers und Feinde des Menschen“ genannt, wie oben.

Denn dass man nicht zum Nutzen des Schöpfers arbeiten kann, wird „Feinde des Schöpfers“ genannt – nicht, weil der Schöpfer es nötig hätte, dass man für Ihn arbeitet, sondern weil sie dadurch, dass sie für den Schöpfer arbeiten, Anhaftung an den Schöpfer empfangen, die „Gefäße des Gebens“ genannt wird. Und in diese Gefäße kann der Schöpfer ihnen die Güte und den Genuss geben, die im Gedanken der Schöpfung waren. Und da diese Verlangen des Empfangens für sich selbst dies stören, zeigt sich, dass sie das Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, stören, sodass Er es nicht in die Tat umsetzen kann.

Und sie werden auch „Feinde des Menschen“ genannt, da die Verlangen des Empfangens die Geschöpfe daran hindern, die Güte und den Genuss zu empfangen, die der Schöpfer ihnen geben will. Und diese Verlangen des Empfangens für sich selbst sind nur fähig, von jenem Licht zu empfangen, das „dünnes Licht“ genannt wird und in die Klipot leuchtet. Denn von diesem dünnen Licht her gibt es die Fähigkeit, in die Gefäße des Empfangens zu leuchten, die zu den Klipot gehören.

Anders verhält es sich mit dem wahren Licht, auf das es einen Zimzum gab, sodass es nur in die Gefäße der Heiligkeit (Kedusha) leuchtet, die „Gefäße des Gebens“ genannt werden, das heißt gerade auf das Verlangen, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu geben, und nicht zum eigenen Nutzen. Deshalb bitten wir: „Erhebe Dich, Ewiger, und Deine Feinde sollen sich zerstreuen.“ Denn alle Kraft, die das Verlangen zu empfangen hat, kommt daher, dass die Shechina (göttliche Gegenwart) im Staub liegt, die Shechina im Exil. Das heißt: Da die Heiligkeit im Zustand der Verhüllung und Verborgenheit ist und man ihren Wert nicht sieht, erheben deshalb die „Feinde des Schöpfers“ und „Feinde des Menschen“ ihr Haupt und wollen herrschen.

Anders verhält es sich, wenn der Schöpfer uns zur Zeit der Verhüllung hilft, wenn Malchut im Zustand des Staubes ist. Das heißt: Wenn die Geschöpfe die Existenz des Schöpfers nicht spüren, sondern die Klipot uns gegenüberstehen und die Heiligkeit verborgen ist, sodass man ihren Wert nicht sieht – dann ist es wie oben, dass die Feinde des Schöpfers und die Feinde Israels die Herrschenden sind.

Wie es im Sohar über Malchut heißt, dass sie der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ist. „Wird er gewürdigt“, so ist sie gut, das heißt, dass das Böse verdeckt ist und nicht nach außen sichtbar wird. Folglich herrscht das Böse nicht, weil es verborgen ist. „Und wird er nicht gewürdigt“, so ist sie böse, das heißt, dass das Gute verborgen ist und das Böse nach außen offenbart wird. Dann herrscht das Böse, weil das Böse offenbart und das Gute verborgen ist.

Deshalb sieht der Mensch, dass er manchmal versteht, dass das eigentliche Ziel des Menschen darin besteht, um des Himmels willen zu arbeiten, und er hat keinerlei Zweifel daran; vielmehr denkt er, dass dies natürlich ist, das heißt, dass es nicht anders sein kann. Und danach, nach diesem Zustand, in dem er verstanden hat, dass es einzig darauf ankommt, die heilige Arbeit zu tun und sich nicht von den Vielen mitreißen zu lassen – und mehr noch, wenn er manchmal auf die Vielen blickt –, kann er nicht verstehen, wie Menschen mit Verstand so sehr in törichte Dinge versunken sein können und sich nicht mit der heiligen Arbeit beschäftigen.

Und danach fällt der Mensch selbst in allerlei Neigungen zu törichten Dingen, über die er sich zuvor lustig gemacht und die er nicht verstehen konnte. Und nun befindet er sich selbst dort. Und man muss verstehen, wie so etwas möglich ist. Die Antwort ist wie oben: dass der Mensch danach in den Zustand „nicht gewürdigt“ gelangt ist, und dann verschwindet das Gute aus ihm und das Böse offenbart sich in ihm. Deshalb lässt er sich von dem mitreißen, was nach außen offenbart ist, nämlich dem Bösen. Er hat keine Wahl und tut nur das, was nach außen offenbart ist.

Und das ist es, was geschrieben steht, dass „Malchut Baum der Erkenntnis von Gut und Böse genannt wird“. Doch die ganze Sache der Wahl besteht darin, was offenbart wird, das heißt die Wahl, „gewürdigt“ oder „nicht gewürdigt“ zu sein. Es zeigt sich also, dass dem Menschen nur eine einzige Sache aufgetragen ist, nämlich dass er zum Schöpfer betet, dass das Böse verdeckt und das Gute offenbart wird. Und dann hat er keine Arbeit mehr, um des Himmels willen zu arbeiten, denn dann kann er nicht anders verstehen, als zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten. Und er hat dann keinerlei Arbeit mehr, sich vor dem Schöpfer zu annullieren. Vielmehr denkt er, dass dies natürlich ist. Deshalb sieht er nun, dass alles, was er zuvor für unmöglich hielt, natürlich ist, und er will sich vor dem Schöpfer annullieren wie eine Kerze vor einer Fackel. Und all das geschieht, weil das Böse verdeckt und das Gute nach außen offenbart ist.

Und das ist es, was geschrieben steht: „Erhebe Dich, Ewiger, und Deine Feinde sollen sich zerstreuen.“ Wir beten, dass der Schöpfer im Zustand „Erhebe Dich“ ist, im Sinne dessen, wie wir beten und sagen: „Der Barmherzige, Er richte uns die fallende Sukka (Hütte) Davids auf“, wobei „Sukka Davids“ den Zustand von Malchut bezeichnet, die im Zustand der Shechina im Staub ist. Und wir bitten, dass der Schöpfer sie aus ihrem Fall aufrichtet und dass sie im Zustand „Erhebe Dich“ ist, in aufrechter Gestalt.

Und folglich wird jeder Einzelne sein Selbst annullieren und nur zum Nutzen des Schöpfers arbeiten wollen und nicht zum eigenen Nutzen. Und durch „Erhebe Dich, Ewiger“ wird danach „und Deine Feinde sollen sich zerstreuen“ geschehen. Das heißt: Die Verlangen, die in den Geschöpfen sind, die Feinde des Schöpfers und Feinde der Geschöpfe sind, sollen sich zerstreuen. „Und die, die Dich hassen, sollen vor Dir fliehen.“ Das heißt: Zu der Zeit, in der der Zustand „Erhebe Dich, Ewiger“ ist – in der die Heiligkeit dann im Zustand des Angesichts (Panim) ist –, dann wird sich erfüllen „und die, die Dich hassen, sollen vor Dir fliehen“, das heißt wie oben, dass alle Hasser und Feinde fliehen werden.

Und zur Sache „Erhebe Dich, Ewiger, und Deine Feinde sollen sich zerstreuen“ muss man wissen, dass die „Zerstreuung der Feinde“ noch nicht das Ende der Arbeit ist, obwohl sie die eigentliche Arbeit ist, wie geschrieben steht: „Und du sollst das Böse aus deiner Mitte ausrotten.“ Doch das ist nur die Korrektur der Schöpfung und nicht das Ziel der Schöpfung. Denn das Ziel der Schöpfung ist, dass die Unteren Güte und Genuss empfangen, was als Zustand der Tora bezeichnet wird, vom Zustand der Namen des Schöpfers her.

Es zeigt sich also: Der erste Zustand ist der Zustand des Glaubens, das Königtum des Himmels, und danach kommt der Zustand der Tora. Und das ist es, was geschrieben steht: „Denn aus Zion wird die Tora hervorgehen“, dass der Mensch den Zustand der Tora erlangen muss, der der Zustand der Namen des Schöpfers ist, also der Zustand der Güte und des Genusses, die im Gedanken der Schöpfung waren.

Doch man darf nicht vergessen, dass der Mensch sich vor allem bemühen muss, auf der „rechten Seite“ zu wandeln, die „Vollkommenheit“ genannt wird, und mit dem Glauben an die Weisen zu glauben, die sagten, dass der Mensch sich darüber freuen muss, dass der Schöpfer ihn gewürdigt hat, Tora und Mizwot erfüllen zu können, auch wenn nicht um ihretwillen (lo liShma). Das heißt: Dass der Mensch sieht, dass alles, was er tut, nur zum eigenen Nutzen ist und es nicht in seiner Hand liegt, irgendetwas zum Nutzen des Schöpfers zu tun – auch das ist eine große Sache. Und der Mensch muss daraus Freude schöpfen und dem Schöpfer dafür danken. Wie mein Vater und Lehrer sagte, dass das „nicht um ihretwillen“ (lo liShma), das der Mensch tut, beim Schöpfer noch wichtiger ist, als der Mensch meint, dass das „um ihretwillen“ (liShma) wichtig ist. Und sicher ist das liShma wichtiger, doch das lo liShma ist beim Schöpfer ebenfalls wichtig. Deshalb muss der Mensch in Freude sein, sogar über das, was nicht um ihretwillen ist.

korrOp, EY, 26.07.2026, 14:00 Uhr, Ver3