1991/29 Was bedeutet es, dass ein Hohepriester eine Jungfrau zur Frau nehmen soll?
Der Heilige Sohar sagt (Emor, Blatt 13, und im Sulam-Kommentar Punkt 38), und dies sind seine Worte: „Dieses Gebot besagt, dass der Hohepriester eine Jungfrau heiraten soll. Das ist es, was geschrieben steht: ‚Eine Witwe, eine Geschiedene, eine Entweihte oder eine Hure, diese soll er nicht nehmen, sondern eine Jungfrau aus seinem Volk soll er zur Frau nehmen.‘ Er fragt: Warum darf er nur eine Jungfrau ohne Makel nehmen? Er antwortet: Weil eine Frau ein Becher des Segens ist, und wenn man von ihr gekostet hat, so hat man ihr einen Makel zugefügt. Das heißt, sie weist auf Malchut hin, die ‚Becher des Segens‘ genannt wird. Und der Priester, der ein Opfer vor dem Schöpfer darbringt, muss vollkommen und ohne Makel sein und so weiter, denn die Makel machen die Priester untauglich. Vollkommen in seinem Körper, vollkommen in seiner Nukwa [die weibliche Stufe eines Partzuf, gleichbedeutend mit Malchut], damit sich an ihm erfülle: ‚Du bist ganz schön, meine Geliebte, und kein Makel ist an dir.‘“ So weit seine Worte.
Das muss man verstehen: Worauf weisen in der Arbeit der „Hohepriester“, die „Jungfrau“, die „Witwe“, die „Geschiedene“, die „Entweihte“ und die „Hure“ hin? Und warum soll er nur eine Jungfrau ohne Makel nehmen – eine also, die unbefleckt ist? Worauf weist „eine Jungfrau ohne Makel“ hin? Und was hat es damit auf sich, dass er sagt, eine Frau weise auf den Becher des Segens hin, der Malchut ist?
Nun sagt der Heilige ARI über Malchut, dass sie jeden Tag wieder zur Jungfrau wird (Talmud Esser haSefirot, Teil 12, Blatt 1 – 174): Sie ist nur die Stufe eines Punktes und muss von Neuem aufgebaut werden, bis sie die Stufe der Gadlut (Erwachsensein) erlangt. In Shaar haKawanot (Teil 2, Blatt 10) heißt es, dass jeder Tag eine Sache für sich ist: „Es gibt kein einziges Gebet, vom Tag der Erschaffung der Welt bis zum Ende der Welt, das einem anderen gleicht, in keiner Weise; und an jedem einzelnen Tag werden neue Funken geklärt, die bis zu jenem Zeitpunkt noch nie geklärt wurden.“
In der Arbeit ist dies so zu verstehen: Malchut wird die Stufe „Königtum des Himmels“ genannt, und der Mensch muss sie jeden Tag von Neuem auf sich nehmen. Es reicht nicht, was er gestern an Königtum des Himmels auf sich genommen hat, sondern jeder Tag ist eine Stufe für sich. Darum müssen wir glauben, dass jedes Mal, wenn wir das Königtum des Himmels auf uns nehmen, dies als ein Klären von Funken gilt, die außerhalb der Heiligkeit waren. In Shaar haKawanot heißt es dazu: „Diese Funken waren zuvor unter den Klipot (Schalen) gefangen, und man erhob sie zur Heiligkeit durch die Annahme des Königtums des Himmels und durch das Befassen mit Tora und Mizwot.“
Und das ist so, wie wir im Gebet sagen (im „Herr der Welt“, nach der Omer-Zählung): „Und dadurch wird reiche Fülle in alle Welten strömen.“ Darum wird in den heiligen Büchern angeführt, dass der Mensch das Königtum des Himmels beim Lesen des Shma auf sich nehmen und dabei beabsichtigen soll, dass diese Annahme in Hingabe der Seele geschieht. Und da jeder Tag eine neue Stufe ist und man Malchut so aufbauen muss, dass sie im Zustand der Gadlut ist, wird sie jedes Mal erneuert.
Darum kommt der Hinweis auf den „Hohepriester“, der in der Arbeit „Diener des Schöpfers“ genannt wird, das heißt: Wer sich dem Schöpfer auf der Stufe der Gadlut nähern will, der wird „Hoherpriester“ genannt. Und wenn er geht, um sich eine „Frau“ zu nehmen, die „Königtum des Himmels“ genannt wird, muss er eine „Jungfrau“ nehmen. Denn „Jungfrau“ heißt, dass sie noch keinen Makel bekommen hat. Eine Jungfrau wird so genannt wie der „jungfräuliche Boden“ – eine Bezeichnung für Erde, die noch nie bearbeitet wurde, wie geschrieben steht: „Es war jungfräulicher Boden“, den nie ein Mensch bebaut hatte (Awoda Sara 32).
Das heißt, der Mensch muss das Joch des Königtums des Himmels so auf sich nehmen, als hätte er nie ein Königtum des Himmels gehabt und als wäre es für ihn etwas Neues. Folglich muss er jetzt denken, dass er etwas Neues tut, von dem er nie zuvor wusste. Daraus folgt: Diese Annahme erfordert eine besondere Betrachtung, um zu wissen, was die Annahme des Königtums des Himmels ist und was sie verlangt, damit Ehrfurcht vor dem Himmel auf ihm sei.
Der Mensch muss also eine Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) darüber anstellen, was er tun muss, damit diese Sache bei ihm beständig wird. Das heißt: Was fordert der Schöpfer von dem Menschen, der das Joch des Königtums des Himmels auf sich genommen hat? Der Vers antwortet: „Was fordert der Schöpfer, dein Gott, von dir, außer Mich zu fürchten.“ Und er muss darüber nachdenken, was Ehrfurcht ist. Anders ist es, wenn der Mensch aufgehört hat, an die Sache der Annahme des Königtums des Himmels zu denken – aus welchen Gründen auch immer – und danach wieder erwacht, um das Königtum des Himmels anzunehmen. Dann braucht er nicht dort anzuknüpfen, wo es bei ihm abriss, und zu sagen: „Ich muss hingehen und die Stufe des Königtums des Himmels wieder erwecken“, das heißt, dass es eine Fortsetzung sein soll. Vielmehr muss er die Arbeit von Neuem beginnen.
Das lässt sich mit einem Menschen vergleichen, der gestorben ist und zuvor wertvolle Dinge besaß. Danach kommen seine Söhne und wollen das Erbe empfangen, das ihr Vater ihnen hinterlassen hat. Dazu sagten unsere Weisen (Sprüche der Väter, Kapitel 2:17): „Und bereite dich darauf vor, Tora zu lernen, denn sie wird dir nicht vererbt.“ Das lässt sich so auslegen: Kommt der Mensch in einen Zustand, in dem er alles vergessen hat – also einen Abstieg erlitten hat –, dann ist er wie ein Toter. Das heißt: Vorher war er ein lebendiger Mensch – er hatte das Königtum des Himmels, was so genannt wird, dass er „an das Leben der Lebenden angehaftet“ war. Und wenn ihm das abreißt, wird er ein Toter genannt, nach der Art, wie gesagt wurde: „Die Frevler werden zu ihren Lebzeiten Tote genannt.“
Und im Spirituellen werden Ursache und Wirkung „Vater und Sohn“ genannt. Er wird nun also „Sohn“ genannt und will auf sich nehmen, was nach dem Tod „seines Vaters“ übrig geblieben ist. Dazu lässt sich auslegen: „dass sie dir nicht vererbt wird“ – vielmehr muss der Mensch jetzt ein neues Blatt in der Arbeit für den Schöpfer beginnen, als wäre er gerade geboren, und nun will er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen, und er hat niemanden, von dem er ein Erbe empfangen könnte.
Und mit dem Gesagten lässt sich erklären, was wir gefragt haben: Worauf weisen der „Hohepriester“ und der „einfache Priester“ in der Arbeit hin? Man kann es so auslegen: „Priester“ wird derjenige genannt, der dem Schöpfer dient. Und es gibt solche, die dienen und zur Allgemeinheit gehören; sie werden „einfache Priester“ genannt. Und es gibt solche, die auf der Ebene des Einzelnen arbeiten wollen, um zur Stufe der Gadlut zu gelangen, das heißt, auf dem Weg der Wahrheit zu arbeiten. Sie werden „Hohepriester“ genannt.
Bei den Hohepriestern gilt eine Ordnung der Arbeit, die von der auf der Ebene der Allgemeinheit üblichen völlig verschieden ist. Befasst sich der Mensch mit Tora und Mizwot auf der Ebene der Handlung, so verlässt er sich bei der Absicht auf die Allgemeinheit. Es gibt aber Menschen, die auch mit der Stufe der Absicht arbeiten wollen: Sie wollen darauf abzielen, dass all ihre Handlungen um des Himmels willen sind.
„Einfacher Priester“ heißt also der, dessen Arbeit auf der Ebene der Allgemeinheit liegt, und „Hoherpriester“ der, dessen Arbeit auf der Ebene des Einzelnen liegt. Damit lässt sich auslegen, was der Heilige Sohar sagt: „Und warum muss er nur eine Jungfrau ohne Makel nehmen?“ Und er antwortet: „Weil eine Frau ein Becher des Segens ist, und wenn man von ihr gekostet hat, so hat man ihr einen Makel zugefügt.“ Das lässt sich so auslegen, dass ein „Hoherpriester“, das heißt einer, der auf dem Weg der Wahrheit Diener des Schöpfers sein will, kein Königtum des Himmels in jener Form nehmen darf, in der es bei ihm bereits einen Makel bekommen hat. Knüpft er beim Königtum des Himmels dort an, wo er vor dem Abstieg stand, so heißt das schon nicht mehr „Jungfrau“, weil er dieses Königtum des Himmels zuvor hatte und es einen Makel bekam.
Das heißt, gleich dem Becher des Segens: „Wenn man von ihm gekostet hat, so hat man ihm einen Makel zugefügt“ – von diesem Malchut hat man also bereits gekostet, bevor er den Abstieg erlitt. Und das wird „Wenn man gekostet hat, so hat man einen Makel zugefügt“ genannt, weil er schon einen Abstieg erlitten hat. Er hat diesem Malchut also bereits einen Makel zugefügt. Darum muss er das Königtum des Himmels von Neuem auf sich nehmen, als hätte er seinen Geschmack nie gekostet, und ein neues Blatt in der Arbeit aufschlagen.
Und mit dem Gesagten lässt sich auslegen, was wir gefragt haben, was geschrieben steht: „Eine Witwe, eine Geschiedene, eine Entweihte oder eine Hure, diese soll er nicht nehmen.“ Nun, die Witwe lässt sich so auslegen: Nachdem der Mensch einen Abstieg erlitten hat, gilt der Mensch bereits als tot. Die frühere Frau also – das Königtum des Himmels, das er vor dem Abstieg hatte – gilt in Bezug auf den Menschen als Witwe.
Ebenso lässt sich auslegen, was eine Geschiedene in der Arbeit ist: Er hat sie verstoßen, weil sie keine Gunst in seinen Augen findet. Denn in dem Augenblick, in dem der Mensch nicht einwilligt, für sie zu arbeiten, weil er ihre Wichtigkeit nicht empfindet, wird dies „der Mensch verstößt die Frau“ genannt. Und obwohl sie sich nicht scheiden lassen will, weil sie Erbarmen mit ihm hat – denn Malchut sieht, wie er in der Selbstliebe versunken ist, und erbarmt sich seiner –, verstößt er sie dennoch, sogar gegen ihren Willen.
Das ist der Sinn des Gesetzes, dass „eine Frau auch gegen ihren Willen geschieden wird“: In dem Augenblick, in dem sie keine Gunst in seinen Augen findet, gilt dies bereits als „er verstößt sie“. Darum wird der Diener des Schöpfers, der Hoherpriester genannt wird, nicht zurückkehren, um jene Frau, die geschieden ist, wieder zu nehmen, sondern er muss jetzt beginnen, das Joch des Königtums des Himmels von Neuem auf sich zu nehmen, ohne das Vergangene zu berücksichtigen.
Ebenso lässt sich die Entweihte auslegen: Dem Priester ist es verboten, eine entweihte Frau zu nehmen. Gemeint ist der Fall, dass der Mensch wieder zur Arbeit für den Schöpfer erwacht und auf der Stufe eines „Hohepriesters“ steht, also in der Größe des Schöpfers arbeiten will. Bekanntlich schaut der Mensch, wenn er arbeitet, um eine Gegenleistung für seine Arbeit zu empfangen, nicht darauf, wer der Gebende ist, ob er ein wichtiger Mensch ist oder nicht, sondern er schaut auf die Gegenleistung. Zahlt ein einfacher Arbeitgeber den doppelten Lohn eines angesehenen Betriebsinhabers, so wird der Mensch gewiss bei dem arbeiten, der den höheren Lohn gibt.
Anders liegt der Fall, wenn jemand nicht um des Lohnes willen arbeitet, sondern weil er einem wichtigen Menschen dienen will: Dann sucht er gewiss stets nach dem Wichtigsten, und bei dem will er arbeiten. Daraus folgt: Wer auf der Stufe der Gadlut arbeiten will, das heißt, dessen Arbeit auf der Größe des Schöpfers aufgebaut ist, weil er ohne jede Gegenleistung arbeiten will, der wird „Hoherpriester“ genannt. Denn „Priester“ bezeichnet, wie gesagt, den Diener des Schöpfers, der sich Ihm nähern will, wie man den Vers auslegt: „Wenn ein Mensch von euch dem Schöpfer ein Opfer darbringt“, wo man „von euch“ so auslegt, dass das Opfer von euch selbst kommt, das heißt, dass derjenige, der sich dem Schöpfer nähert, „Hoherpriester“ genannt wird.
Diesem Menschen ist es verboten, eine entweihte Frau zu nehmen: Wann immer er geht, um sich eine Frau zu nehmen, wird er stets eine Jungfrau nehmen – eine, die nie einen Mann hatte, das heißt, er hat sich mit diesem Malchut nie zuvor verbunden. Es muss immer eine neue Frau sein. Anders liegt der Fall, wenn er sich mit diesem Malchut bereits verbunden hat, einen Abstieg erlitt und ihm die Annahme des Königtums des Himmels abriss. Denn er hat sie entweiht: Er hat ihr nicht die Ehre erwiesen, die dem Königtum des Himmels gebührt, sondern sich verächtlich verhalten. Darum wird er jene Stufe nicht noch einmal empfangen.
Vielmehr muss sich der Hohepriester bemühen, stets eine jungfräuliche Frau zu nehmen, das heißt, er soll sich vorstellen, dass er jetzt beginnt, die heilige Arbeit zu verrichten, und dass ihn nicht kümmert, was bis jetzt war, sondern er sagt, dass er hofft, sie von nun an zu bewahren und zu ehren. Und das ist es, was geschrieben steht: „Und er soll eine Frau in ihrer Jungfräulichkeit nehmen.“
Und ebenso lässt sich auslegen, was geschrieben steht: „Eine Witwe, eine Geschiedene, eine Entweihte oder eine Hure, diese soll er nicht nehmen, sondern eine Jungfrau aus seinem Volk soll er zur Frau nehmen.“ Was aber ist eine Hure in der Arbeit? Will der Hohepriester das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen, muss er eine Jungfrau nehmen – wie gesagt „jungfräulicher Boden“, eine Bezeichnung für Erde, die noch nie bearbeitet wurde. Folglich kann man von dieser Erde keinen Ertrag zum Essen verlangen. Erst nachdem der Mensch sie bearbeitet und ihr alles Nötige gegeben hat, kann er sich von ihr ernähren – vorher nicht.
Daraus folgt: Nimmt der Mensch das Joch des Königtums des Himmels auf sich, das „Frau“ genannt wird, so muss er sich hüten, dass die Frau keine „Hure“ (hebräisch Sona) sei, von der Wurzel „nähren und versorgen“. Gemeint ist: Würde die Annahme des Jochs des Königtums des Himmels ihn versorgen – hätte er also durch sie Nahrung, während er sich mit Tora und Mizwot befasst –, dann wäre er bereit, sie zu nehmen; andernfalls nicht. Das wird in der Arbeit „Hurenfrau“ genannt.
Vielmehr muss er das Joch des Königtums des Himmels als Joch auf sich nehmen, das heißt „wie ein Ochse zum Joch und wie ein Esel zur Last“, ohne jede Bedingung. Und das wird, wie gesagt, „jungfräuliche Frau“ genannt: die Stufe des jungfräulichen Bodens, der keinerlei Nahrung gibt. Und wenn der Mensch diesen Bedingungen zustimmt, dann wird er es verdienen, „Hoherpriester“ zu sein, der sich dem Schöpfer nähert.
Und mit dem Gesagten lässt sich auf dem Weg der Arbeit auslegen, was unsere Weisen sagten (Kidushin 70a): „Jeder, der eine Frau um des Geldes willen heiratet, dem werden Kinder geboren, die nicht achtbar sind, denn es heißt: ‚Am Schöpfer haben sie treulos gehandelt, denn fremde Kinder haben sie gezeugt.‘“ Was bedeutet es, „eine Frau um des Geldes willen zu heiraten“? Die Auslegung ist wie oben: „Frau“ wird in der Arbeit das Königtum des Himmels genannt. Und er nimmt das Joch des Königtums des Himmels auf sich, weil er gehört hat, dass sie viel Geld hat – „Geld“ bedeutet, dass sie ihn versorgen wird, das heißt, dass er durch das Königtum des Himmels Geschmack an der Tora und Geschmack am Gebet hat; andernfalls genügt es ihm, auf demselben Weg fortzufahren, den er von seiner Erziehung her empfangen hat.
Wozu also sollte er jetzt das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen und sich abmühen, wenn es ihm keinen zusätzlichen Lebensunterhalt bringt, von dem er sich reichlicher versorgen könnte? Anders ist das, womit er sich jetzt versorgt: Bei all der Nahrung, die er jetzt in den Genüssen dieser Welt findet, hat er keine Erfüllung. Darum will er das Königtum des Himmels empfangen.
Das nennt man „eine Frau um des Geldes willen heiraten“: Sein ganzes Bedürfnis nach der Annahme des Königtums des Himmels besteht darin, der Selbstliebe Erfüllung zu verschaffen. Und das wird auch genannt, dass er „eine Frau heiratet, die nicht achtbar ist“, denn die Annahme des Königtums des Himmels muss, wie in allen heiligen Büchern angeführt wird, in Hingabe der Seele geschehen. Und es gibt darüber viele Auslegungen.
Und nach dem, was wir lernen, ist die Auslegung diese: dass er das Königtum des Himmels zum Nutzen des Schöpfers annimmt und nicht zum eigenen Nutzen. Indem er das Königtum des Himmels auf sich nimmt, will er, „dass Sein großer Name erhoben und geheiligt werde“, und nicht seinen eigenen Nutzen. Nimmt er es dagegen zum eigenen Nutzen an, so heißt das „eine Frau, die nicht achtbar ist“. Und das wird „um des Geldes willen“ genannt, denn „Geld“ meint hier, dass er sich davon versorgen kann und durch das Geld Erfüllung im Leben hat. Vielmehr muss sich der Mensch bemühen, eine Frau um des Himmels willen zu nehmen, das heißt, dass das Königtum des Himmels, das „Frau“ genannt wird, um des Himmels willen sei und nicht zum eigenen Nutzen.
Und mit dem Gesagten verstehen wir, warum der Mensch den Glauben über dem Verstand annehmen muss. Denn es ist der Lauf der Welt, dass der Mensch immer auf den Gewinn schaut: Sieht er nicht, dass er aus der Arbeit etwas gewinnt, so zieht er es vor, in Ruhe zu bleiben, und rührt keine Hand, außer dort, wo er etwas gewinnt.
Sagt man dem Menschen daher, er müsse das Königtum des Himmels zum Nutzen des Schöpfers annehmen – damit Sein Name, gepriesen sei Er, geheiligt werde –, so fragt der Körper: „Was werde ich davon haben, dass ich das Königtum des Himmels auf mich nehme, und was wird mein Gewinn daraus sein?“ Man antwortet ihm: Es gibt keine Worte, mit denen der Körper das verstehen könnte. Vielmehr musst du glauben, dass es etwas Großes für dich ist, dass dir das Vorrecht zuteilwird, dem König zu dienen. Und das wird „über dem Verstand“ genannt, weil es keine Worte gibt, die man dem Körper sagen könnte, sodass er den Wert dessen verstehen könnte.
Solange der Mensch den Gewinn nicht innerhalb des Verstandes sieht, gilt ihm die Mühe als größer denn der Lohn; denn den Lohn kennt er nicht, die Mühe aber sieht er, und an die Mühe braucht er nicht zu glauben. Solange er die Gottesfurcht noch nicht verdient hat, schaut der Mensch daher immer auf die Mühe: Den Nutzen dieser Arbeit kann er nicht verstehen, sondern nur über dem Verstand glauben. Darum wird diese Arbeit „schwere Arbeit“ genannt, und man bedarf des Erbarmens des Himmels.
Und damit verstehen wir, was geschrieben steht (Ki Teze): „Und du warst müde und matt und hattest keine Ehrfurcht vor Gott.“ Das ist, wie gesagt, so zu verstehen: Er sieht die Mühe, die er aufwendet, den Nutzen dieser Arbeit aber noch nicht, sondern muss nur glauben. Also wird er müde und matt. Und das alles, weil er die Furcht vor Gott noch nicht verdient hat. Denn der Mensch muss wissen, dass der Glaube das Kli (Gefäß) ist. Und wenn das Kli ganz nach seinem Bedarf vollendet und schon zum Empfangen geeignet ist, füllt die Fülle sofort das Kli des Glaubens, das über dem Verstand ist. Und diese Fülle wird „Ehrfurcht vor dem Himmel“ genannt, dieses Licht, das der Mensch erlangt, nachdem er dieses Kli, das „Glaube über dem Verstand“ genannt wird, gegeben hat. Und bevor der Mensch die Gottesfurcht verdient hat, leidet der Mensch unter Mühe, weil das Licht ihm nicht leuchtet.
Daraus folgt: Wer das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen will, muss auf der Stufe des Über-dem-Verstand arbeiten. Es soll also nicht zum eigenen Nutzen geschehen, sondern um des Himmels willen. Und das wird „über dem Verstand“ genannt, weil der Körper damit nicht einverstanden ist, denn er versteht nur das, was zu seinem eigenen Nutzen ist.
Und damit lässt sich auslegen, was unsere Weisen sagten: „Es gibt keine arme Gemeinschaft.“ Bekanntlich bezeichnet „arm“ den, der „arm an Verstand“ ist, wie unsere Weisen sagten (Nedarim 41): „Es gibt keine Armut außer am Verstand.“ Und mein Vater und Lehrer sagte, dass Malchut „Gemeinschaft“ genannt wird. Und damit lässt sich „Es gibt keine arme Gemeinschaft“ auslegen, das heißt: Wer das Joch des Königtums des Himmels über dem Verstand annimmt, von dem heißt es nicht, dass er keinen Verstand hat und arm ist, weshalb er das Joch des Königtums des Himmels annimmt. Sondern im Gegenteil: Er steht auf einer Stufe, die über dem Verstand ist, das heißt, die noch wichtiger ist als der Verstand. Denn „oben“ und „unten“ bedeuten in der Arbeit: „oben“ heißt höher an Wichtigkeit, und „unten“ heißt niedriger an Wichtigkeit.
Und das ist es, was er sagt: „Es gibt keine arme Gemeinschaft“, was bedeutet, dass derjenige, der die Stufe des Königtums des Himmels über dem Verstand auf sich nimmt, nicht arm genannt wird, das heißt, dass es ihm nicht an Verstand fehlt. Die Hauptsache der Arbeit besteht also darin, auf der Stufe des Über-dem-Verstand zu arbeiten; denn dass der Mensch um des Himmels willen arbeiten will, heißt „über dem Verstand“, weil es dem Verstand des Körpers zuwiderläuft. Aber der Mensch muss wissen, dass wir auch die Tora brauchen, wie unsere Weisen sagten: „Ich habe den bösen Trieb erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“
Und das ist es, was er im Buch „Frucht des Weisen“ [Pri Chacham, Schriftensammlung von Baal HaSulam] schreibt (Briefe, Blatt 64): „Denn das Ziel der Seele bei ihrem Kommen in den Körper ist, dass sie es verdiene, noch während sie in den Körper gekleidet ist, zu ihrer Wurzel zurückzukehren und sich an Ihn, gepriesen sei Er, anzuhaften, wie geschrieben steht: ‚Den Schöpfer, deinen Gott, zu lieben und auf all Seinen Wegen zu gehen und Seine Gebote zu halten und an Ihm anzuhaften.‘ Doch wer kennt die Wege des Schöpfers, gepriesen sei Er? Darin liegt das Geheimnis: ‚die Tora, in der 613 Pfade sind‘, denn wer auf ihnen geht, der wird sich am Ende läutern, bis sein Körper keine eiserne Scheidewand mehr zwischen ihm und seinem Schöpfer bildet, wie geschrieben steht: ‚Und Ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch entfernen.‘ Und dann wird er sich an seinen Schöpfer anhaften. Darum ist es besser, sich nach den Geboten seines Herrn (das heißt nach der Stufe der Tora) zu sehnen, ‚denn wer die Wege seines Herrn und die Gebote seines Herrn, welche die Geheimnisse der Tora sind, nicht kennt, wie soll er Ihm dienen‘.“
Daraus sehen wir, dass sich der Mensch bemühen muss, die Stufe der Tora zu erlangen. Und um die Stufe der Tora zu erlangen, muss der Mensch die Stufe des Königtums des Himmels über dem Verstand annehmen – also auf der Stufe, dass sie gegen den Verstand des Menschen ist; das heißt, dass er für sich selbst nichts braucht, sondern nur zum Nutzen des Schöpfers. Und damit lässt sich auslegen, was geschrieben steht (WaJeze): „Und deine Nachkommen werden sein wie der Staub der Erde.“ „Deine Nachkommen“ meint Söhne, und in der Arbeit heißt „Söhne“ das Verständnis in Tora und Mizwot. Und der Schöpfer versprach Jakob, dass man das Verständnis in Tora und Mizwot nur dann erlangen kann, wenn der Mensch einwilligt, „wie der Staub der Erde“ zu sein, das heißt, dass er einwilligt, Tora und Mizwot zu erfüllen, auch wenn er dabei keinerlei Empfindung verspürt und in Tora und Mizwot nur den Geschmack von Staub schmeckt, weil er sagt: „Ich arbeite für den Schöpfer.“ „Und wenn Er will, dass ich auf diese Weise für Ihn arbeite, bin ich einverstanden“ – dann wird er der Gadlut und des Verständnisses gewürdigt.
korrOp, EY, 03.08.2026, 04:25 Uhr, Ver7