1991/36 Was bedeutet „Frieden, Frieden, für fern und nah“ in der Arbeit?
Der Heilige Sohar sagt (Korach, Blatt 2, im Sulam Punkt 5): „Korach ging auf dem Weg des Konflikts. Was ist ein Konflikt? Es ist eine Entfernung und Ablehnung von oben und unten. Wer die Korrektur der Welt ablehnt, wird aus allen Welten verloren gehen. Eine Auseinandersetzung ist eine Entfernung und Ablehnung des Friedens. Wer den Frieden ablehnt, lehnt Seinen heiligen Namen ab, denn Sein heiliger Name heißt ‚Frieden‘. Die Welt ist einzig und alleine auf Frieden gegründet. Als der Schöpfer die Welt erschuf, konnte sie nicht existieren, bis Er kam und den Frieden über sie setzte. Und worin besteht er? Aus dem Shabbat. Wer sich also dem Frieden widersetzt, wird der Welt verloren gehen. Rav Yossi sagte: ‚Es steht geschrieben: »Diejenigen, die deine Tora [Gesetz] lieben, haben großen Frieden.« Die Tora ist Frieden, wie geschrieben steht: »Und alle ihre Wege sind Frieden.« Korach kam, um den oberen Frieden, der die Tora ist (das heißt die Mittellinie, welche ‚Tora‘ genannt wird und Frieden zwischen rechts und links schafft), sowie den unteren Frieden des Mose zu beschädigen. Deshalb wurde er von den Höheren und Unteren bestraft, von Feuer und vom Mund der Erde.‘“
Wir sollten den Grund verstehen, den er für die Aussage angibt, dass „die Welt nur durch Frieden existieren kann, weil Sein heiliger Name ‚Frieden‘ ist“. Daraus folgt, dass der Grund dafür, dass die Welt ohne Frieden nicht existieren kann, darin liegt, dass der Schöpfer „Frieden“ heißt.
Wir sollten die Verbindung zum Namen des Schöpfers verstehen. Einfach ausgedrückt: Jeder versteht, dass die Welt nicht existieren kann, wenn es eine Auseinandersetzung gibt. Aber was hat das mit dem Namen des Schöpfers zu tun? Wir sollten auch verstehen, warum er sagt: „Und was ist Frieden?“ Er sagt, dass Friede Shabbat genannt wird, und Rav Yossi sagt, dass Friede „Tora“ genannt wird. Was wird also damit ausgedrückt, dass der Shabbat und die Tora Frieden bedeuten?
Zunächst müssen wir zwei Grundsätze wiederholen, über die wir schon oft gesprochen haben: 1.) das Schöpfungsziel; 2.) die Korrektur der Schöpfung, also was wir tun sollen, um das Schöpfungsziel zu erreichen.
Es ist bekannt, dass das Schöpfungsziel darin besteht, dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen, wie es heißt: „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.“ Zu diesem Zweck hat Er in den Geschöpfen das Verlangen erschaffen, Genuss zu empfangen. Wenn also keine Sehnsucht nach etwas da ist, können wir es nicht genießen. Daher sehen wir, dass überall, wo der Mensch sieht, dass er von etwas profitieren kann, er keine Kraft hat, sich zu enthalten, dieses Vergnügen zu empfangen. Wenn wir manchmal sehen, dass ein Mensch auf einen Genuss verzichtet, muss dies aus einem besonderen Grund geschehen, aus dem es sich für ihn lohnt, darauf zu verzichten, denn man kann nicht gegen die Natur des Willens zum Empfangen verstoßen. Wenn es also einen hinreichenden Grund gibt, wird ein Mensch auf Genüsse verzichten, die er empfangen will.
Das kann aus zweierlei Gründen geschehen:
1.) Aus Gründen einer Belohnung – das heißt: wenn er auf diesen Genuss verzichtet, nach dem er sich jetzt sehnt, wird er stattdessen einen größeren Genuss empfangen.
2.) Es droht eine Strafe. Das heißt: Wenn er auf diesen Genuss nicht verzichtet, wird er dafür große Qualen erleiden, und er kann sehen, dass es für ihn besser ist, auf diesen Genuss zu verzichten, um nicht zu leiden.
Daraus folgt: Wenn ein Mensch nun auf den Genuss verzichtet, geschieht dieser Verzicht nicht aus dem Grund, dass er nicht zu seinem eigenen Nutzen arbeiten will. Vielmehr kann er sehen, dass es seinem eigenen Nutzen schadet, wenn er auf das, was er jetzt will, nicht verzichtet, und deshalb verzichtet er darauf. Aus diesem Grund sagen wir nicht, dass er durch den Verzicht auf einen Genuss etwas gegen die Natur getan hätte, das heißt, dass er, G'tt bewahre, den Willen zu empfangen beschädigt hätte. Vielmehr hat er alles nach dem Prinzip des Willens zum Empfangen getan.
Mit anderen Worten: Wir sollten nicht darauf achten, was der Mensch tut. Manchmal verzichtet er auf etwas. Aber das ist kein Zeichen dafür, dass dieser Mensch ein wahrhaft Arbeitender [in spiritueller Hinsicht] ist. Vielmehr müssen wir auch die Absicht berücksichtigen.
Zum Beispiel kann ein Mensch manchmal die Lust am Essen u.ä. aufgeben, wenn er weiß, dass jemand sehen wird, dass er ein Mensch ist, der auf Genüsse verzichtet, was als Zeichen gilt, dass er ein Diener des Schöpfers ist, und es Menschen gibt, die ihn dafür ehren werden. Dann hat ein Mensch die Kraft, sich zu überwinden, denn er wird einen größeren Genuss empfangen, nämlich Ehre. Das ist normalerweise der Fall.
Aber es gibt auch Ausnahmen. Es gibt Menschen, die sich selbst erniedrigen können, also auf Ehre verzichten, um ein Verlangen zu befriedigen. Es gibt auch solche, die nicht auf die Lust verzichten. Aber nicht aufgrund der Ehre, sondern im Gegenteil: Wenn jemand seine Handlungen bescheiden ausführt, kann er zum Beispiel viel essen, und die Leute, die sehen, wie er isst, werden ihn in ihrem Herzen verachten. Er verzichtet auf die Ehre, um daraus die Fähigkeit zu gewinnen, in Bescheidenheit arbeiten zu können, denn durch diese Arbeit kann er mit einem noch größeren Genuss belohnt werden, denn wer demütig ist, wird mit Dwekut [Anhaftung] an den Schöpfer belohnt.
Das bedeutet: Er will sich nicht damit zufrieden geben, dass die Leute ihn ehren. Denn es gibt eine Regel: Wenn die Leute denken, dass er über ihnen steht, ehren sie ihn und die Ehre nimmt überhand. Wer also ein Verlangen nach Ehre entwickelt, kann ihrer Herrschaft nicht entkommen und muss arbeiten und sich abmühen, um Ehre zu erhalten. Dann kann er nichts um des Schöpfers willen tun. Deshalb wurde uns der Rat gegeben, alle unsere Taten in Bescheidenheit auszuführen, sodass uns automatisch keine Ehre zuteil wird. Auf diese Weise kann er davor bewahrt werden, unter die Herrschaft der Ehre zu geraten. Er kann sich dann daran gewöhnen, Handlungen auszuführen, um zu geben.
Dementsprechend können wir sehen: Wer auf einen kleinen Genuss verzichtet und stattdessen einen großen Genuss empfängt, hat den Willen zum Empfangen nicht, G'tt bewahre, beschädigt. Manchmal empfängt er den großen Genuss, weil er eine Leidenschaft befriedigt, manchmal kommt der große Genuss durch Ehre u.ä.
Manchmal empfängt er einen kleinen Genuss, also ein kleines Vergnügen, weil er weiß, dass er damit einen großen Genuss aufgibt, nämlich die Ehre. Die Frage ist: Warum sollte er auf einen großen Genuss verzichten wollen? Er will im Gegenzug für den Verzicht auf einen großen Genuss eine höhere Stufe empfangen. Er will zum Beispiel durch den Verzicht auf Ehre mit Dwekut an den Schöpfer belohnt werden.
In einem solchen Fall sagen wir nicht, dass er einen kleinen Genuss, das Essen, empfangen und auf einen großen Genuss, die Ehre, verzichtet hat. Vielmehr sollten wir sagen, dass er auch den kleinen Genuss nicht aufgibt, sondern dies nur in den Augen der Menschen so wirkt, die ihn ansehen und sagen, dieser Mensch sei nicht klug, weil er eine kleine Leidenschaft nicht aufgeben wolle, denn würde er sie aufgeben, könnte er einen größeren Genuss empfangen; aber er habe nicht einmal die Kraft, eine kleine Leidenschaft zu überwinden. Daraus folgt: Es ist unmöglich, die Wahrheit über einen Menschen zu erfahren, dessen Weg die Demut ist.
Nun kehren wir zu dem zurück, was wir über die Korrektur der Schöpfung besprochen haben, nämlich dass der Mensch dazu kommen soll, alles zu tun, um zu geben. Und da der Mensch so erschaffen wurde, dass er nur zu seinem eigenen Nutzen empfängt: Wie kann man ihm sagen, dass er gegen die Natur handeln soll? Denn der Körper fragt: „Was habe ich davon?“ Sicherlich muss man ihm antworten: „Wenn du arbeitest, um zu geben, wirst du mit dem Guten und dem Genuss belohnt, die im Schöpfungsziel enthalten sind.“
Die Antwort lautet also: Der Wille zu empfangen wird einen größeren Genuss erlangen, als er jetzt im Willen zu empfangen ohne die Absicht, zu geben, empfangen kann. Dann sagt der Körper: „Du sagst also, dass auch ich daraus profitiere. Wenn ich also arbeite, um zu geben, sehe ich, dass ich selbst Nutzen davon habe.“ Der Mensch sagt dann, er sehe keine Handlung, die man ausführen könnte, ohne dass dabei ein eigener Nutzen entstünde.
Die Antwort ist: Es ist mit dem Verstand unmöglich zu verstehen, wie man etwas gegen die Natur tun kann. Deshalb sagt man dem Menschen: „Was du sagst, ist richtig, denn von Natur aus ist es für den Menschen unmöglich zu verstehen, was ‚zu geben‘ heißt.“ Deshalb sagten unsere Weisen: „Man sollte sich immer mit Tora und Mizwot in lo liShma [nicht um Ihretwillen] befassen, denn von lo liShma wird er zu liShma [um Ihretwillen] kommen.“ Wenn er dann lo liShma lernt, „korrigiert ihn das Licht darin“, wie es im Sulam [Leiterkommentar zum Sohar] (Bereschit, Teil 3, Blatt 64) heißt: „Wenn man sich mit Tora und Mizwot sogar zu seinem eigenen Genuss beschäftigt, wird er durch das Licht darin trotzdem die Niedrigkeit und die schreckliche Verdorbenheit in der Natur des Empfangens für sich selbst spüren. Er wird sich dann zu Herzen nehmen, sich von dieser Art des Empfangens zurückzuziehen, und sich vollkommen der Arbeit hingeben, einzig seinem Schöpfer Zufriedenheit zu geben. Dann wird der Schöpfer ihm die Augen öffnen, und er wird vor sich eine Welt sehen, die mit absoluter Vollkommenheit gefüllt ist und keinerlei Mängel aufweist.“
Nach dem oben Gesagten sehen wir: Der Mensch kann nicht verstehen, was es bedeutet, zu arbeiten, um zu geben und nicht um seines eigenen Nutzens willen. Etwas davon können wir gerade dadurch begreifen, dass wir uns mit Tora und Mizwot befassen, sogar in lo liShma; trotzdem kann das Licht darin uns verstehen lassen, dass es eine Sache gibt, bei der es sich lohnt, einzig und allein um des Schöpfers willen zu arbeiten und nicht zum eigenen Nutzen.
Demgegenüber kann der Verstand des Menschen ohne die heilende Eigenschaft von Tora und Mizwot nicht verstehen, dass es möglich ist, etwas zu tun, wenn dabei kein Genuss entsteht, mit dem man seinen Willen zu empfangen befriedigen kann. Wenn einem Menschen also gesagt wird, er solle alles um des Schöpfers willen tun, und er sieht, dass er so etwas nicht verstehen kann, lautet die Antwort: Es stimmt, dass es mit dem äußeren Verstand, der dem Menschen gegeben wurde, nicht zu verstehen ist; doch man sagt ihm: „Du musst wissen: Es ist Zeitverschwendung, zu warten und zu sagen, du würdest erst, wenn du dich in der Sache vertiefst, zur Erkenntnis kommen, dich darum zu bemühen, das Verlangen zu geben zu erlangen und in der Zwischenzeit davon abzusehen, zum Schöpfer zu beten, dass Er dir dieses Verlangen gebe. Denn bevor er versteht, dass er die Sache braucht, wie kann er zum Schöpfer beten, ihm etwas zu geben, wenn er nicht weiß, dass er es braucht? Mit dem Mund kann er sagen, er wünsche das Verlangen zu geben. Aber wie soll es ihm möglich sein, aus tiefstem Herzen darum zu beten, dass dies das ist, was ihm fehlt?“
Es gibt keinen Weg, dies mit dem äußeren Verstand zu verstehen. Vielmehr muss derjenige, der den Weg G'ttes gehen und das Ziel erreichen will, für das er erschaffen wurde, an die Weisen glauben, die sagten: Der Mensch muss alles um zu geben tun und nicht zum eigenen Nutzen. Das heißt: Was die Tatsache angeht, dass er einen Weg gehen muss, auf dem alle seine Handlungen dem Geben dienen, dieses Verlangen kann sich der Mensch nicht selbst aneignen; einzig und allein der Schöpfer kann ihm diese zweite Natur geben. Und auch dies muss er glauben: Den Bedarf dafür wird er aus dem Einhalten von Tora und Mizwot auch in lo liShma empfangen, denn „das Licht darin korrigiert ihn“.
Wir sehen hier also zwei Dinge, die der Schöpfer gibt:
1.) Den Bedarf, dass der Mensch versteht, dass er das Verlangen zu geben braucht – und dies empfängt er durch das Licht in der Tora.
2.) Später empfängt er auch das Licht – die Kraft, alles tun zu können, um zu geben.
Dementsprechend können wir auslegen, was wir gefragt haben: Was ist der Grund dafür, dass die Welt einzig und allein auf Frieden gegründet wurde, weil der Name des Schöpfers „Frieden“ ist? Wir fragten: Was ist die Verbindung zwischen beidem?
Die Antwort lautet: Da es unmöglich ist, Frieden zu schließen, wo es keine Auseinandersetzung gibt, denn nur dort, wo es eine Auseinandersetzung gibt, kann man von Frieden sprechen. Daher müssen wir zuerst wissen, welches die Auseinandersetzung in der Welt ist, für die wir Frieden schließen müssen, weil der Schöpfer „Frieden“ heißt. Erst dann hat die Welt Bestand.
Es ist bekannt, dass das Verlangen des Schöpfers ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Daher haben alle Geschöpfe das Gefühl, dass sie Gutes und Genuss vom Schöpfer empfangen sollten. Wenn sie also kein Gutes und keinen Genuss empfangen, sind sie mit dem Schöpfer in Auseinandersetzung darüber, warum Er ihnen kein Gutes und keinen Genuss schenkt. Und da eine Korrektur eingerichtet wurde, damit es nicht zur Scham komme und folglich alles um des Gebens willen geschehen muss, ist der Schöpfer mit den Geschöpfen in Auseinandersetzung darüber, warum sie nicht arbeiten wollen, um zu geben.
Demnach gibt es hier zwei gegensätzliche Standpunkte:
1.) Die Geschöpfe sagen zum Schöpfer: ‚Lass uns genießen; erfülle unser Verlangen, also unseren Willen zu empfangen, mit allem Guten, sodass wir sagen können: »Gesegnet sei Er, der sprach, und es ward die Welt«, weil wir das Gute, das wir haben, empfinden und Genuss davon haben.‘
2.) Der Schöpfer sagt: ‚Auch Ich will Mich an der Welt erfreuen, die Ich erschaffen habe, und Mein ganzes Vergnügen besteht darin, dass ihr euch erfreut, denn das war Mein Schöpfungsziel, wie geschrieben steht: »Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.« Ich will jedoch, dass euer Vergnügen vollkommen sei, ohne irgendeine Unannehmlichkeit, die ‚Scham‘ genannt wird.‘
Sobald die Geschöpfe die Auseinandersetzung empfinden, wollen sie Frieden mit dem Schöpfer schließen. Denn sonst gäbe es keinen Bestand der Welt – die Welt soll nur für den Zweck existieren, für den sie erschaffen wurde. Wenn das Ziel nicht erreicht werden kann: Wozu wird dann die Welt überhaupt gebraucht? Denn die Welt wurde nicht erschaffen, damit die Geschöpfe Qualen und Leiden erleiden.
Daher trägt der Schöpfer den Namen „Frieden“. Denn es ist sonst unmöglich, den Namen des Schöpfers zu enthüllen, dessen allgemeiner Name „Der Gute, der Gutes tut“ ist. Wie sollte der Name „Der Gute, der Gutes tut“ sich zeigen können, solange es eine Auseinandersetzung zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen gibt?
Daraus sehen wir: Gerade durch den Frieden kann die Welt bestehen. Frieden bedeutet, dass es jetzt durch den Frieden möglich ist zu spüren, dass der Schöpfer gut ist und Gutes tut, weil die Geschöpfe nach dem Friedensschluss das Gute und den Genuss vom Schöpfer empfangen – also dann, wenn die Geschöpfe dem Verlangen des Schöpfers zustimmen, der will, dass die Geschöpfe alles um des Schöpfers willen tun.
Das nennt man „dem Verlangen des Schöpfers ähneln“. Sein Verlangen ist einzig und allein, den Geschöpfen zu geben – ebenso werden die Geschöpfe nun dem Verlangen des Schöpfers ähnlich, da auch sie einzig und allein dem Schöpfer geben wollen. Durch die Gleichheit der Form wird es möglich, das Gute und den Genuss zu enthüllen, die im Schöpfungsgedanken vorhanden sind. Dann offenbart sich der Name des Schöpfers, „Der Gute, der Gutes tut“.
Damit verstehen wir, was wir gefragt haben: „Frieden“ trifft doch gerade dort zu, wo es eine Auseinandersetzung gibt. Warum hat der Schöpfer die Welt von Anfang an so erschaffen, dass es Auseinandersetzung gibt? Die Antwort: Der Begriff „Auseinandersetzung“ trifft überall dort zu, wo es zwei entgegengesetzte Dinge gibt; und da die Welt mit dem Kli [Gefäß] des Verlangens zu empfangen entstanden ist – denn ohne Verlangen für eine Sache zu empfangen, kann man die Sache nicht genießen –, kam die Schöpfung mit der Natur des Verlangens, für sich selbst zu empfangen, hervor. Und danach, um sie zu korrigieren, sodass es keine Scham gebe, müssen die Geschöpfe eine zweite Natur erwerben, nämlich das Verlangen des Schöpfers, dessen Verlangen es ist, zu geben. Daraus entstand die Auseinandersetzung.
Daraus folgt: Die Auseinandersetzung ist notwendig. Wenn die Geschöpfe die Sache der Auseinandersetzung nicht verstehen, können sie das Schöpfungsziel, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“, niemals erreichen, denn es ist unmöglich, etwas zu korrigieren, ohne den Mangel zu kennen. Wenn wir also die Auseinandersetzung zwischen den Verlangen kennen, können wir Frieden zwischen ihnen schließen.
Dementsprechend lässt sich auslegen, was wir gefragt haben: „Was ist Frieden?“. Er sagt, dass Frieden Shabbat sei. Rav Yossi sagt: „Frieden ist die Tora“, das heißt: durch die Tora gelangt der Mensch dazu, die Sache der Auseinandersetzung zu spüren, wie oben gesagt; denn die Tora, sogar in der Stufe „lo liShma“, lässt ihn durch das Licht in ihr verstehen, dass es einen Bedarf gibt, um zu geben zu arbeiten. Es ergibt sich also: Durch die Tora kommt er zuerst zur Auseinandersetzung, dann weiß er, was korrigiert werden muss. Danach, wenn der Mensch die Stufe „Tora liShma“ verdient, schafft die Tora „Frieden“: Sie gibt ihm die Kraft des Verlangens zu geben, was bedeutet, „alles um des Himmels willen zu tun“. Es ergibt sich also: Durch die Tora erlangt er zwei Dinge – sowohl das Kli, das ist der Mangel, als auch das Licht, das ist die Kraft, alles um zu geben tun zu können.
Dass er sagt, Frieden heiße Shabbat, widerspricht der Auslegung „Frieden heißt Tora“ nicht. Denn unsere Weisen sagten (Traktat Avoda Zara 3a): „Der Schöpfer sprach zu ihnen: ‚Wer sich am Vorabend des Shabbat abgemüht hat, wird am Shabbat essen. Wer sich am Vorabend des Shabbat nicht abgemüht hat, wovon wird er am Shabbat essen?‘“
Diesen Spruch sollten wir auf den Weg der Arbeit hin verstehen, die Auslegung sei wie oben: Wenn der Shabbat „Frieden“ heißt, wie kann man dann mit Frieden belohnt werden, wo es doch keine Auseinandersetzung gibt? Und worin besteht die Auseinandersetzung? So, wie unsere Weisen sagten: „Man sollte stets den guten Trieb gegen den bösen Trieb aufbringen.“ Raschi erklärt: dass man mit ihm Krieg führe (Traktat Berachot 5a). Der Sinn des Krieges ist: Da der gute Trieb dasselbe Verlangen hat wie der Schöpfer, nämlich das Verlangen zu geben, und der böse Trieb der Wille zum Empfangen heißt, muss der Mensch sich bemühen, eine Auseinandersetzung zu schaffen, denn wie gesagt sind das zwei einander entgegengesetzte Verlangen. Dann kommt der Shabbat und stiftet Frieden.
Wenn es aber keine Auseinandersetzung gäbe, wie könnte man dann sagen, dass der Shabbat Frieden stifte? Deshalb sagt er: „Wer sich am Vorabend des Shabbat nicht abgemüht hat, wovon wird er am Shabbat essen?“ Daraus ergibt sich: Die Mühe ist die Auseinandersetzung, also der Kampf gegen den Bösen Trieb, der der Wille zum Empfangen ist, wie oben.
Aber warum heißt der Shabbat „Frieden“? Wie der Heilige Sohar schreibt: „Was ist Shabbat? Der Name des Heiligen, gepriesen sei Er.“ (im Heiligen Sohar, im Abschnitt über das Shabbat-Morgenmahl). Und es ist bekannt, dass der Name des Schöpfers „die Tora“ ist, wie unsere Weisen sagten: „Die ganze Tora sind die Namen des Schöpfers.“ Daraus folgt: Sowohl der Shabbat als auch die Tora stiften Frieden, das heißt: Durch die Offenbarung der Tora in der Form des „Namens des Schöpfers“ wird Frieden zwischen den Geschöpfen und dem Schöpfer geschlossen, denn die Geschöpfe freuen sich, dass sie das Empfangen von Gutem und Genuss verdient haben, und der Schöpfer freut sich darüber, dass das Schöpfungsziel zur Verwirklichung gekommen ist, also dass Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, sich in vollem Umfang offenbart.
Demnach lassen sich die Worte des Heiligen Sohar auslegen: Korach ging auf dem Weg der Auseinandersetzung – und wer die Korrektur der Welt abwehren will, wird aus allen Welten verloren gehen. Der Sinn der Korrektur der Welt war, dass alles zum Zwecke des Gebens sein sollte. Korach ging den Weg der Auseinandersetzung. Er hätte danach zur Stufe des Friedens gelangen sollen, das ist die Korrektur. Aber Korach wollte in der Auseinandersetzung verbleiben. Folglich wies er die Korrektur der Welt zurück. Daher heißt es: „Wer den Frieden ablehnt, lehnt Seinen heiligen Namen ab, denn Sein heiliger Name heißt ‚Frieden‘.“
Die Auslegung ist: Da Sein Name „Frieden“ ist, ist gemeint, dass zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen Frieden geschlossen wird – also dass der Name des Schöpfers, „Der Gute, der Gutes tut“, offenbart wird. Durch die Auseinandersetzung, die „Ungleichheit der Form“ heißt, kann das Gute nicht offenbart werden, folglich sind die Geschöpfe in Auseinandersetzung mit G'tt. Wenn aber von Seiten der Gefäße – also von Seiten der Verlangen – Frieden geschlossen wird, sodass es ein einziges Verlangen in der Welt gibt, das „Verlangen zu geben“ heißt, dann offenbaren sich das ganze Gute und der Genuss in der Welt.
überarbeitete Korrektur Op7, EY, 29.4.2026