Rabash – 1986 – Artikel 2 (תשמ״ו – מאמר ב׳)
„Vernehmt, ihr Himmel“ · האזינו השמים
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1 | „‚Vernehmt, ihr Himmel.‘ Rabbi Jehuda eröffnete: ‚Ich öffnete meinem Geliebten … die Stimme meines Geliebten klopft an.‘ Und er sagt: ‚Die Stimme meines Geliebten klopft an‘ – das ist Moses, der Israel in mancherlei Wortwechseln und mancherlei Streitgesprächen zurechtwies, wie geschrieben steht: ‚Dies sind die Worte‘, ‚widerspenstig seid ihr gewesen‘, ‚und am Choreb habt ihr [den Schöpfer] erzürnt‘ – das ist es, was geschrieben steht: ‚klopft an‘.“ (Und im Sulam, Punkt 1 und 2:) „Und trotz alledem, dass Moses Israel zurechtwies, waren alle seine Worte aus Liebe, wie geschrieben steht: ‚Denn ein heiliges Volk bist du dem Schöpfer, deinem Gott, und dich hat der Schöpfer, dein Gott, erwählt, Ihm ein Volk zu sein‘, ‚sondern aus Liebe des Schöpfers zu euch‘ – das ist es, was geschrieben steht: ‚Öffne mir, meine Schwester, meine Freundin‘, in der Sprache der Zuneigung.“ | "האזינו השמים, רבי יהודה פתח, פתחתי אני לדודי, קול דודי דופק, ואומר קול דודי דופק זה משה, שהוכיח את ישראל בכמה ויכוחים בכמה מריבות, שכתוב אלה הדברים, ממרים הייתם, ובחורב הקפצתם, זה שכתוב, דופק". (ובהסולם אות א', ב') "ועם כל זה, שמשה הוכיח לישראל, כל דבריו באהבה היו, שכתיב, כי עם קדוש אתה לה' אלקיך, ובך בחר ה' אלקיך להיות לו לעם, כי מאהבת ה' אתכם, זה שכתוב, פתחי לי אחותי רעייתי בלשון חיבה". | „‚Erhöre mich, oh Himmel.‘ Rabbi Yehuda begann die Rede und sprach: ‚Ich öffnete für meinen Geliebten. ‚Die Stimme meines Geliebten klopft an.‘ Er sagt: ‚Die Stimme meines Geliebten klopft an‘. Das ist Moses, der Israel in verschiedenen Argumenten, in verschiedenen Streitigkeiten ermahnte, wie es geschrieben steht: ‚Das sind die Worte‘, ‚Ihr seid ungehorsam gewesen‘ und ‚In Horev habt ihr provoziert‘, wie es geschrieben steht, ‚klopft an.'“[1] „Obwohl Moses Israel ermahnte, waren alle seine Worte mit Liebe, wie geschrieben steht: ‚Denn ihr seid ein heiliges Volk für den Herrn, deinen Gott‘ und ‚Der Herr, dein Gott, hat euch erwählt, sein Volk zu sein‘, ‚aber weil der Herr euch geliebt hat‘, wie geschrieben steht: ‚Öffne mir, meine Schwester, meine Frau‘, liebevoll.“ |
2 | Die Worte des Heiligen Sohar sind zu verstehen: | ויש להבין את דברי הזה"ק, | Wir sollten die Worte des heiligen Sohar verstehen. |
3 | 1. Wenn er dem Volk Israel so viel Lob spendet, wie geschrieben steht: „Denn ein heiliges Volk bist du dem Schöpfer, deinem Gott, und dich hat der Schöpfer, dein Gott, erwählt, Ihm ein Volk zu sein“ – wie passt dann eine Zurechtweisung dazu? Wenn sie ihrem Wesen nach ein heiliges Volk und dergleichen sind, was fehlt ihnen dann noch? | א. אם הוא מחלק כל כך שבחים לעם ישראל, כמו שכתוב "כי עם קדוש אתה לה' אלקיך ובך בחר ה' אלקיך להיות לו לעם", אם כן איך שייך לומר דברי תוכחה, כיון שהם לפי המשמעות עם קדוש וכדומה, אם כן מה עוד חסר להם. | 1) Wenn er das Volk Israel so sehr preist, wie es geschrieben steht: „Denn du bist dem Herrn, deinem Gott, ein heiliges Volk“ und „Der Herr, dein Gott, hat dich zu Seinem Volk erwählt“, wie kann man dann von einer Mahnung sprechen? Wenn sie ein heiliges Volk sind, was fehlt ihnen dann noch? |
4 | 2. Was lehrt uns dies für alle Generationen? Es sind doch zwei Gegensätze in einem Gegenstand: Entweder sie sind ein heiliges Volk, oder sie sind nicht in Ordnung. | ב. מה משמיענו זה לדורות. ללמוד מזה, הלא הם שני הפכים בנושא אחד, דהיינו או שהם עם קדוש, או שהם אינם בסדר. | 2) Was lehrt uns das für die zukünftigen Generationen, wenn sie zwei Gegensätze in ein und demselben Träger sind? Das heißt, entweder sie sind ein heiliges Volk, oder sie sind es nicht! |
5 | 3. Nach der Regel „Liebe deckt alle Vergehen zu“ und nach dem Vers (Wa’etchanan, siebter Abschnitt): „Nicht weil ihr zahlreicher wäret als alle Völker, hat der Schöpfer an euch Gefallen gefunden und euch erwählt, sondern aus Liebe des Schöpfers zu euch“ – wie kann man dann überhaupt Vergehen an ihnen finden, wo doch „Liebe alle Vergehen zudeckt“? | ג. לפי הכלל, "על כל פשעים תכסה אהבה". והכתוב אומר (ואתחנן שביעי) "לא מרובכם מכל העמים חשק ה' בכם, ויבחר בכם, כי מאהבת ה' אתכם", אם כן איך אפשר למצוא בהם פשעים, כי "על כל פשעים תכסה אהבה". | 3) Es gibt eine Regel: „Die Liebe bedeckt alle Vergehen“. In der Schrift[2] heißt es: „Nicht deshalb, weil ihr zahlreicher wärt als alle Völker, hat der Herr sein Herz euch zugewandt und euch erwählt, denn ihr seid das geringste unter allen Völkern … sondern weil der Herr euch liebt.“ Wie ist es also möglich, in ihnen Vergehen zu finden, da „die Liebe alle Vergehen bedeckt“? |
6 | Es ist nämlich so: Bekanntlich gibt es das Phänomen zweier Schriftverse, die einander widersprechen, bis ein dritter Vers kommt und entscheidet. Denn das Wesen der Linien im Spirituellen ist dies: Die Eigenschaft Chessed (Güte) heißt rechte Linie. Chessed bedeutet, dass der Mensch nur Güte am Nächsten üben will und keinerlei Gegenleistung dafür verlangt. Er sehnt sich nach der Liebe zum Schöpfer und sorgt nicht für sich selbst; all sein Streben gilt allein dem Ziel, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, und für sich selbst begnügt er sich mit Wenigem. Das heißt: Ihm ist nicht wichtig, was er hat – Geschmack an der Tora, Geschmack am Gebet, Geschmack an der Mizwa –, sondern er ist mit seinem Anteil zufrieden. Und hier im Spirituellen, wenn der Mensch sich selbst Rechenschaft gibt, sagt er, dass er an die persönliche Vorsehung glaubt, dass alles vom Himmel kommt – das heißt, dass der Schöpfer ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, ein Diener des Schöpfers zu sein und sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Obwohl er keinen Geschmack an Tora und Mizwot spürt, blickt er dennoch nicht darauf, sondern sagt, es genüge ihm, dass er das Gebot des Schöpfers erfüllen kann. Das allein genügt ihm, als hätte er ein riesiges Vermögen gewonnen. Und selbst wenn er keine Erfassung der Größe des Schöpfers hat, ist er dennoch mit dem zufrieden, was er hat, und glaubt, dass es ein Geschenk des Himmels ist, dass man ihm den Gedanken und das Verlangen gegeben hat. | והענין הוא, כי ידוע שיש ענין של שני כתובים המכחישים זה את זה, עד שיבוא הכתוב השלישי ויכריע. כי ענין קוים ברוחניות הוא, כי מידת החסד נקרא קו ימין, שענין חסד הוא, שהוא רוצה לעשות רק חסד עם הזולת, ולא רוצה שום תמורה עבור זה, וזהו שמשתוקק לאהבת ה' ולא דואג לעצמו, אלא כל שאיפות שלו הוא רק בכדי להשפיע נחת רוח ליוצרו, ולעצמו הוא מסתפק במועט. פירוש הדבר הוא, כי לא חשוב לו מה שיש לו, היינו טעם בתורה, טעם בתפלה, טעם במצוה, אלא הוא סומך בחלקו, וכאן ברוחניות, כשהאדם נותן חשבון לעצמו, והוא אומר שהוא מאמין בהשגחה פרטית שהכל בא מן השמים, היינו שהבורא נתן לו מחשבה ורצון להיות עובד ה', ולעסוק בתורה ומצות, אף על פי שהוא לא מרגיש שום טעם בתורה ומצות, מכל מקום הוא לא מסתכל על זה, ואומר, שמספיק לו שהוא יכול לקיים ציווי ה', זה לבד מספיק לו כאילו הרויח הון תועפות, ואפילו שאין לו השגה בגדלות ה', מכל מקום כמה שיש לו, הוא שבע רצון, ומאמין שזהו מתנה מן השמים בזה שנתנו לו המחשבה ורצון. | Es ist bekannt, dass es zwei Linien gibt, die sich gegenseitig widersprechen, bis die dritte Linie kommt und entscheidet. „Linien“ in der Spiritualität bedeutet, dass die Eigenschaft von Chessed (Barmherzigkeit) „rechte Linie“ genannt wird. Chessed bedeutet, dass er nur Gutes für andere tun will, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Er sehnt sich nach der Liebe zum Schöpfer und sorgt sich nicht um sich selbst. Vielmehr ist sein ganzes Streben nur darauf ausgerichtet, seinen Schöpfer zu erfreuen. Und für sich selbst gibt er sich mit wenig zufrieden. Das heißt, er achtet nicht auf das, was er hat, nämlich guten Geschmack in der Tora, im Gebet oder in den Mizwot (Geboten), sondern ist mit seinem Los zufrieden. Hier, in der Spiritualität, wenn ein Mensch in sich geht und sagt, dass er an die persönliche Vorsehung glaubt, dass alles von oben kommt, was bedeutet, dass der Schöpfer ihm einen Gedanken und den Wunsch gegeben hat, dem Schöpfer zu dienen und sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, obwohl er keinen Geschmack an Tora und Mizwot findet. Dennoch stört es ihn nicht und er sagt, dass er damit zufrieden ist, dass er das Gebot des Schöpfers einhalten kann. Das allein ist für ihn so, als ob er ein Vermögen verdient hätte. Und auch wenn er die Größe des Schöpfers nicht erreicht, so erfüllt ihn doch das, was er hat. Außerdem hält er es für ein Geschenk des Himmels, dass ihm der Gedanke und das Verlangen gegeben wurde. |
7 | An anderen aber sieht er, dass ihnen dies nicht gegeben wurde; all ihr Streben gilt nur dem Gebrauch in materiellen Vorstellungen – nämlich Gefallen in den Augen der Menschen zu finden oder den eigenen Körper mit Dingen zu erfreuen, die auch die Tiere nutzen. Ihm hingegen wurden Gedanke und Verlangen gegeben, dem Schöpfer zu dienen – „und wer bin ich, dass Er mich erwählt hat?“ Und das ist es, was wir sagen: „Gepriesen seist Du, Schöpfer, der Sein Volk Israel in Liebe erwählt.“ | ולאחרים הוא רואה שלא נתנו זה, אלא כל השאיפות שלהם, הוא רק לשמש במושגים של גשמיות, היינו הוא למצוא חן בעיני אדם, או לשמח את הגוף שלו בדברים שגם בעלי חי משתמשים בזה, מה שאין כן לו נתנו מחשבה ורצון לשמש את הבורא, ומי אני שבחר בי, וזה הוא כמו שאנו אומרים "ברוך אתה ה', הבוחר בעמו ישראל באהבה". | Er sieht, dass dies anderen nicht gegeben wurde. Im Gegenteil, sie streben nur danach, körperliche Dinge zu erlangen, das heißt, von den Menschen begünstigt zu werden oder den Körper mit Dingen zu erfreuen, so wie das auch die Tiere nutzen. Ihm hingegen wurde der Gedanke und das Verlangen gegeben, dem Schöpfer zu dienen, „und wer bin ich, dass er mich erwählt hat?“ Es ist so, wie wir sagen: „Gepriesen seist Du, Herr, der Sein Volk Israel mit Liebe erwählt.“ |
8 | Es zeigt sich, dass wir den Schöpfer dafür preisen, dass Er uns erwählt hat – das heißt, dass man uns Gedanke und Verlangen gegeben hat, Tora und Mizwot zu erfüllen. Wenn er deshalb ganz persönlich auf andere blickt, die nicht dasselbe Verlangen nach Tora und Mizwot haben wie er, dann sagt er, dass Er ihn mehr als die anderen erwählt hat, Ihm zu dienen. Zwar hat Er ihm nur einen kleinen Dienst gegeben, ohne jeden Verstand und ohne jedes Wissen; doch er sagt, dass er selbst dieses Dienstes, des allergeringsten, nicht würdig ist. Denn wenn er sich selbst mit den Augen der Größe Gottes betrachtet, sagt er, dass ihm auch dies nicht zusteht. Also muss er sicher voller Freude sein, als wäre er eines Dienstes würdig geworden, der großen Menschen gebührt. | נמצא, שאנו מבורכים לה' שבחר בנו, היינו שנתנו לנו מחשבה ורצון לקיים תורה ומצות, לכן הוא באופן פרטי, כשהוא מסתכל על אחרים שאין להם אותו רצון לתורה ומצות כמו שיש לו, אז הוא אומר, אשר בחר בו יותר מבאחרים שישמשו אותו, הגם שנתן לו רק שרות קטן בלי שום שכל ודעת, אבל הוא אומר, שגם לזה השרות, שהוא פחות שבפחותים, הוא לא שוה, משום כשמסתכל על עצמו בעיני גדלות אלקים, אז הוא אומר, שגם זה לא מגיע לו, אם כן הוא בודאי צריך להיות בשמחה כאילו זכה לשרות שמתאים לאנשים גדולים. | Es stellt sich heraus, dass wir den Schöpfer dafür preisen, dass er uns auserwählt hat, was bedeutet, dass uns der Gedanke und der Wunsch gegeben wurde, Tora und Mizwot einzuhalten. Wenn er also andere betrachtet, die nicht das gleiche Verlangen nach Tora und Mizwot haben wie er, sagt er, dass Er ihn aus allen anderen erwählt hat, um Ihm zu dienen. Obwohl Er ihm nur einen kleinen Dienst erwiesen hat, ohne Intellekt und Verstand, sagt er, dass sogar dieser Dienst, der kleinste der Kleinsten, mehr ist als sein eigener Wert, denn wenn er sich selbst mit den Augen der Größe Gottes betrachtet, sagt er, dass er nicht einmal dies verdient. Deshalb ist er gewiss so glücklich, als ob er mit einem Dienst belohnt worden wäre, der für große Menschen angemessen ist. |
9 | Diese rechte Linie kommt von den oberen Sefirot, und dieser Aspekt heißt Sefira Chessed. Ihr Wesen ist die Gleichheit der Form mit dem Schöpfer: Wie Er der Gebende ist, so will auch der Untere dem Oberen geben – und das heißt Gleichheit der Form. Auf sich selbst, auf das, was er in den Gefäßen des Empfangens hat, blickt er nicht. Sein ganzer Maßstab dafür, ob er in Vollkommenheit ist, richtet sich danach, wie viel er geben kann. Und auch wenn er nicht viel geben kann, begnügt er sich auch damit – weil er auf seine Niedrigkeit im Verhältnis zum Gebenden blickt, und auch im Verhältnis zu anderen Menschen, von denen er sieht, dass sie bessere Vorzüge haben als er. Und dennoch gab man ihm von oben Gedanke und Verlangen, die man jenen nicht gab. Und über nichts sagt er „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand“. | וענין קו ימין הזה בא מספירות עליונות, ובחינה זו נקרא, ספירת החסד, שענינו הוא השתוות הצורה להבורא, מה הוא המשפיע כמו כן גם התחתון רוצה להשפיע להעליון שזה נקרא, השתוות הצורה, ועל עצמו אינו מסתכל מה שיש לו בכלים דקבלה, וכל המודד אצלו אם הוא נמצא בשלימות, הוא לפי מה שהוא יכול להשפיע, וגם אם הוא לא יכול להשפיע הרבה, גם בזה הוא מסתפק, מטעם שהוא מסתכל על שפלותו בערך המשפיע, וגם בערך אנשים אחרים, שהוא רואה שיש להם מעלות יותר טובות ממנו, ומכל מקום, נתנו לו מלמעלה מחשבה ורצון מה שלא נתנו להם, ועל שום דבר הוא לא אומר "כוחי ועוצם ידי". | Die rechte Linie kommt von den höheren Sefirot. Diese Unterscheidung wird die Sefira (Singular von Sefirot) Chessed genannt, die sich auf die Gleichheit der Form mit dem Schöpfer bezieht – wie Er gibt, so möchte der Untere den Höheren geben. Dies wird als Gleichheit der Form betrachtet, bei der er das, was er hat, nicht in Gefäßen des Empfangens betrachtet. Vielmehr ist sein einziger Maßstab für die Vollkommenheit seine Fähigkeit zu geben. Auch wenn er nicht viel geben kann, gibt er sich damit zufrieden, weil er seine Niedrigkeit im Vergleich zum Geber und im Vergleich zu anderen Menschen, die er für tugendhafter als sich selbst hält, prüft. Dennoch wurde ihm von oben ein Gedanke und ein Verlangen gegeben, das ihnen nicht gegeben wurde, und er nicht darüber sagt: „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand.“ |
10 | Darum befindet er sich immer in seelischer Zufriedenheit, und er hat seiner Arbeit nichts hinzuzufügen. Vielmehr dankt er dem Schöpfer, so viel er kann, und dankt und preist Ihn mit allerlei Lobpreisungen. Und selbst wenn er nicht das Lob und den Dank darbringt, von dem er versteht, dass er ihn dem Schöpfer geben muss, betrübt er sich auch darüber nicht, sondern sagt von sich: „Wer bin ich, dass ich beständig zum König reden sollte, wie es bedeutenden Menschen gebührt und nicht einem niedrigen Mann wie mir?“ So zeigt sich, dass er immer in Vollkommenheit ist und ihm nichts hinzuzufügen bleibt. | ומשום זה הוא נמצא תמיד בסיפוק נפשי, ואין לו מה להוסיף על עבודתו, אלא כמה שהוא יכול הוא נותן תודה להבורא, ומודה ומשבח לו בכל מיני שבחים, ואפילו שהוא לא נותן את השבח וההודאה שהוא מבין שהוא צריך לתת להבורא, ומכל מקום גם על זה הוא לא מצטער, שאומר על עצמו, מי הוא אני שידבר תמיד אל המלך, כמו שמתאים לאנשים חשובים ולא לאיש שפל כמוני, נמצא, שתמיד הוא בשלימות ואין מה להוסיף עליו. | Aus diesem Grund ist er immer zufrieden und hat seiner Arbeit nichts hinzuzufügen. Vielmehr dankt und preist er den Schöpfer, so sehr er kann, und in allen möglichen Lobpreisungen. Und selbst wenn er dem Schöpfer nicht den Lobpreis und die Dankbarkeit zuteil werden lässt, die er seiner Meinung nach ihm zuteil werden lassen sollte, bedauert er dies nicht, denn er sagt von sich selbst: „Wer bin ich, dass ich immer zum König spreche, wie es sich für wichtige Leute gehört, und nicht für einen Niedrigen Menschen wie mich?“ Folglich befindet er sich immer in der Ganzheit und hat nichts hinzuzufügen. |
11 | Und wenn er manchmal alle Belange der Arbeit vergisst und sein Kopf in den Angelegenheiten dieser Welt versunken ist, und er sich nach einiger Zeit wieder an die spirituellen Dinge erinnert und nun sieht, dass er die ganze Zeit in den Dingen dieser Welt vergröbert war – so denkt er dennoch nicht an die Zeit, in der er in der Trennung war. Vielmehr freut er sich darüber, dass der Schöpfer ihn aus der Gesamtheit der Menschen herausgerufen und zu ihm „Wo bist du?“ gesagt hat, Und sofort beginnt er, dem Schöpfer dafür zu danken, dass Er ihn daran erinnert hat, dass man an das Spirituelle denken muss. So zeigt sich: Selbst in einem solchen Zustand denkt er nicht an Mängel und betrübt sich nun nicht darüber, warum er die ganze Zeit die Belange der Arbeit gänzlich vergessen hat. Vielmehr freut er sich, dass er nun wenigstens an die Arbeit für den Schöpfer denken kann. So zeigt sich, dass er auch jetzt in einem Zustand der Vollkommenheit ist und nicht in einen Zustand gerät, in dem er von der Arbeit geschwächt wird, sondern immer in Vollkommenheit ist. Und das nennt man rechte Linie, Chessed, die Vollkommenheit ist. | ואם לפעמים הוא שוכח מכל עניני עבודה, וראשו שקוע בעניני עולם הזה, ולאחר כמה זמן הוא נזכר מעניני רוחניות, ועכשיו הוא רואה שהיה כל הזמן מגושם בעניני עולם הזה, ומכל מקום אינו חושב על הזמן שהיה נמצא בפירודא, אלא הוא שמח בזה שהקב"ה קרא אותו מתוך כלל האנשים, ואמר לו, איכה ותיכף מתחיל להודות לה', בזה שהזכיר אותו שצריכים לחשוב על רוחניות. נמצא, אפילו במצב כזה אין הוא חושב על חסרונות, ויצטער עכשיו על זה, מדוע הוא שכח לגמרי את עניני עבודה כל הזמן, אלא הוא שמח בזה שעכשיו על כל פנים, הוא יכול לחשוב על עבודת ה', נמצא, שגם עתה הוא נמצא במצב של שלמות, ולא יבוא לידי מצב שיהיה נחלש מעבודה, אלא תמיד הוא נמצא בשלימות, וזה נקרא קו ימין חסד, שהוא שלימות. | Und wenn er manchmal die Arbeit vergisst und sein Verstand in weltliche Dinge eintaucht, und er sich dann wieder an die Spiritualität erinnert und sieht, dass er die ganze Zeit mit körperlichen Dingen dieser Welt beschäftigt war, denkt er trotzdem nicht an die Zeit, in der er getrennt war. Stattdessen freut er sich darüber, dass der Schöpfer ihn aus der Menge der Menschen erwählt hat und ihm sagte: „Wo bist du?“ Sogleich beginnt er, dem Schöpfer dafür zu danken, dass Er ihn daran erinnerte, über Spiritualität nachzudenken. Deshalb denkt er auch in diesem Zustand nicht an die Mängel und bedauert, dass er die ganze Zeit die Arbeit völlig vergessen hat, sondern er ist froh, dass er wenigstens jetzt an die Arbeit für den Schöpfer denken kann. Folglich befindet er sich auch jetzt in einem Zustand der Vollkommenheit und wird nicht in einen Zustand geraten, in dem er von der Arbeit geschwächt ist, sondern immer in Vollkommenheit sein wird. Dies wird „rechte Linie“ genannt, Chessed, was Vollkommenheit bedeutet. |
12 | Doch dies hängt von dem Maß ab, in dem der Mensch an die persönliche Vorsehung glaubt – das heißt, dass der Schöpfer alles gibt, sowohl das Licht als auch das Kli (Gefäß). Das bedeutet: Auch das Verlangen und den Mangel – dass es dem Menschen daran mangelt, dass er nicht so sehr an den Schöpfer angehaftet ist, und dass er in seinem Körper einen Mangel an der Erfüllung von Tora und Mizwot spürt –, all das gibt der Schöpfer. Und das Licht muss der Schöpfer sicher geben, denn der Geschmack an Tora und Mizwot gehört sicher dem Schöpfer. Und das ist wie das, was wir am Abend des Jom Kippur (Versöhnungstag) sagen: „Denn siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers – nach Seinem Willen weitet Er ihn, nach Seinem Willen verengt Er ihn –, so sind wir in Deiner Hand, der Du die Güte bewahrst.“ | אבל זה תלוי בשיעור שהאדם מאמין בהשגחה פרטית, זאת אומרת, שהכל נותן הקב"ה, הן האור והן הכלי, שפירושו הוא, שגם הרצון והחסרון שיהא חסר לאדם את זה, שהוא לא כל כך דבוק בה', וגם שיהא מרגיש בגופו חסרון של קיום של תורה ומצות, הכל נותן הקב"ה, והאור בטח שהקב"ה צריך לתת, כי הטעם בתורה ומצות זה בטח שייך להקב"ה, וזה כמו שאומרים ביום כיפור בלילה, "כי הנה כחומר ביד היוצר, ברצותו מרחיב, וברצותו מקצר, כן אנחנו בידך חסד נוצר". | Dies ist jedoch davon abhängig, inwieweit ein Mensch an die persönliche Vorsehung glaubt, das heißt, dass der Schöpfer alles gibt – sowohl das Licht als auch das Kli (Gefäß) -, was sowohl das Verlangen und den Mangel des Menschen danach bedeutet, dass er nicht so sehr an den Schöpfer angehaftet ist, als auch das Gefühl in seinem Körper, dass er die Tora und die Mizwot nicht hält. Der Schöpfer gibt alles. Das Licht ist gewiss etwas, das der Schöpfer geben muss, denn der Geschmack an Tora und Mizwot gehört ganz zum Schöpfer. Es ist so, wie wir in der Nacht von Jom Kippur (Versöhnungstag) sagen: „So wie Ton in den Händen des Töpfers – Wenn Er will, gibt Er reichlich, wenn Er will, gibt Er sparsam – so sind wir in Deinen Händen, Hüter der Barmherzigkeit“. |
13 | Demnach: Wenn ein Mensch sieht, dass in ihm das Verlangen erwacht, auch nur eine Stunde am Tag zu lernen, und ebenso, wenn er betet, einige wenige Minuten erlebt, in denen er weiß, dass er betet, und nicht vergisst, dass er in Tallit (Gebetsmantel) und Tefillin gehüllt ist, während sein Herz an alle möglichen Dinge der Welt denkt – und er sich danach für einige Minuten erinnert, dass er mit Tallit und Tefillin bekränzt ist und gerade mitten im Gebet steht, und er beginnt zu bedenken, zu wem er während des Gebets spricht, und spürt, dass er nicht einfach so redet, sondern vor einem König steht, und auch an „denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes“ glaubt. Und obwohl er sieht, dass er schon viele Male gebetet hat und sein Gebet nicht erhört wurde, glaubt er dennoch über dem Verstand, dass der Schöpfer das Gebet sehr wohl hört, und dass sein Gebet wohl deshalb noch nicht angenommen wurde, weil er nicht aus der Tiefe des Herzens gebetet hat. Darum nimmt er sich vor, mit größerer Andacht zu beten: „Und der Schöpfer wird mir sicher helfen und mein Gebet annehmen.“ Und sofort beginnt er, dem Schöpfer dafür zu danken, dass Er ihn daran erinnert hat, dass er nun mit Tallit und Tefillin bekränzt ist, und er fühlt sich wohl – denn er blickt auf Menschen, wie sie noch in ihrem Schlaf liegen, „mich aber hat der Schöpfer mitten im Gebet aufgeweckt“. Darum frohlockt er und freut sich. | ונמצא לפי זה, אם אדם רואה שמתעורר בו רצון ללמוד אפילו רק שעה אחת ביום, וכמו כן כשמתפלל, הוא רואה כמה דקות אחדים, שיודע שהוא מתפלל, ולא שוכח שהוא מלובש בטלית ותפילין ולבו חושב כל מחשבות שבעולם, ואח"כ הוא נזכר לכמה דקות שהוא מוכתר בטלית ותפילין, והוא עכשיו באמצע תפלה, ומתחיל לחשוב למי הוא מדבר בעת התפלה, ומרגיש שאינו מדבר סתם אלא הוא עומד בפני מלך, וגם הוא מאמין ב - "כי אתה שומע תפלת כל פה", ואף על פי שהוא רואה שכבר הרבה פעמים התפלל, ולא נענה בתפלתו, ומכל מקום הוא מאמין למעלה מהדעת, כי ה' כן שומע תפלה, ומה שתפלתו עוד לא נתקבלה, הוא בטח שהוא לא התפלל מעומק הלב, אי לזאת הוא מקבל על עצמו להתפלל יותר בכוונה, ובטח ה' יעזור לי ויקבל תפלתי, ותיכף מתחיל להודות לה' שהזכיר אותו, שהוא עכשיו מוכתר בטלית ותפילין ומרגיש עצמו בטוב, היות שהוא מסתכל על אנשים איך שהם עוד נמצאים בתרדמתם, ולי הקב"ה עורר אותי באמצע התפלה, לכן הוא שש ושמח. | Wenn ein Mensch sieht, dass in ihm das Verlangen zu studieren erwacht, und sei es auch nur eine Stunde am Tag, und wenn er betet, sieht er, dass er für ein paar Minuten weiß, dass er betet und nicht vergisst, dass er in einen Tallit (Gebetsmantel) und Tefillin gehüllt ist, und sein Herz jeden Gedanken der Welt denkt. Dann erinnert er sich für ein paar Minuten daran, dass er in Tallit und Tefillin gehüllt ist und dass er sich jetzt mitten im Gebet befindet. Er beginnt zu überlegen, zu wem er während des Gebets spricht. Er spürt, dass er nicht einfach spricht, sondern vor dem König steht, und er glaubt an „Du hörst das Gebet eines jeden Mundes“. Obwohl er sieht, dass er schon viele Male gebetet hat und sein Gebet nicht erhört wurde, glaubt er immer noch über dem Verstand, dass der Schöpfer das Gebet erhört, und dass der Grund, warum sein Gebet nicht erhört wurde, darin liegt, dass er wahrscheinlich nicht aus tiefstem Herzen gebetet hat. Deshalb nimmt er sich vor, noch intensiver zu beten, „und der Schöpfer wird mir gewiss helfen und mein Gebet erhören.“ Dann beginnt er sofort, dem Schöpfer dafür zu danken, dass er ihn daran erinnert hat, dass er jetzt mit Tallit und Tefillin gekrönt ist. Er fühlt sich gut, denn er schaut auf andere Menschen, wie sie noch schlafen, während bei mir „der Schöpfer mich mitten im Gebet erweckte“, und so freut er sich. |
14 | Und wenn einige Minuten vergehen und er erneut vergisst, wo er sich befindet, und an Ochse und Esel denkt, und man ihn plötzlich erneut vom Himmel aufweckt – da würde der Verstand verlangen, dass er klagen muss, weil er die ganze Sache vergessen hat, dass er sich nämlich gerade in der Synagoge befindet. Doch davon will er nichts hören, sondern freut sich darüber, dass man ihn jetzt erinnert hat. So zeigt sich: Auf diesem Weg blickt er nur auf das „Tue Gutes“ – das heißt, er freut sich darüber, dass er jetzt Gutes tun konnte – und beachtet nicht, dass er bis eben in der Welt der Trennung umhergeirrt ist. | ואם עובר כמה דקות והוא עוד פעם שוכח איפה הוא נמצא, וחושב על שור ועל חמור, פתאום עוד הפעם עוררו אותו מן השמים, והשכל מחייב שהוא היה צריך להתאונן, על מה ששכח את כל הענין, שהוא נמצא עכשיו בבית הכנסת, אבל הוא לא רוצה לשמוע מזה, אלא הוא שמח בזה שהזכירו אותו עכשיו. נמצא, בדרך זה שהוא רק מסתכל על עשה טוב, היינו הוא שמח על מה שעכשיו היה יכול לעשות טוב, ואינו שם לב, בזה שהיה עד עתה משוטט בעולם הפירוד. | Wenn weitere Minuten vergehen und er wieder vergisst, wo er sich befindet, und an den Ochsen und den Esel denkt, und er dann plötzlich wieder von oben erweckt wird, dann liegt es nahe, dass er sich darüber beschwert, dass er die ganze Angelegenheit vergessen hat – dass er jetzt in der Synagoge ist. Doch davon will er nichts hören. Vielmehr freut er sich darüber, dass er daran erinnert wurde. Daraus folgt, dass er auf diese Weise nur auf „Gutes tun“ schaut, was bedeutet, dass er sich darüber freut, dass er jetzt Gutes tun konnte, und nicht bemerkt, dass er bis jetzt in der Welt der Trennung umherirrte. |
15 | Und all dies kann er in dem Maße empfinden, in dem er seinen Wert erkennt – dass er nicht besser ist als andere Menschen. Jene haben sogar einen Geist der Ketzerei, Gott behüte, und keinerlei Bindung zum Judentum. Auch sieht er, dass es Menschen gibt, die dem Judentum nicht einmal Beachtung schenken, sondern wie die übrigen Tiere leben und sich um kein Ziel im Leben sorgen. Ihr ganzes Leben, in dem sie meinen, auf einer höheren Stufe als die Tiere zu stehen, besteht darin, dass sie sich auch um die Ehre sorgen – denn sie verstehen, dass es sich manchmal lohnt, eine Begierde aufzugeben, um Ehre zu erlangen. Doch was das Judentum betrifft: Selbst wenn sie von den Eltern beschnitten wurden, schenken sie selbst dem keine Beachtung, weil es Dinge gibt, die sie mehr interessieren. | וכל זה הוא יכול להרגיש בשיעור שהוא מכיר ערכו, שאין הוא יותר טוב משאר אנשים, ולהם יש אפילו רוח כפירה רחמנא לצלן, ואין להם שום זיקה ליהדות, וגם הוא רואה שיש אנשים, שאפילו תשומת לב ליהדות אין להם, אלא הם חיים כמו שאר בעלי חיים ואין דואגים לשום תכלית בחיים, אלא כל חייהם שהם חושבים שהם עומדים במדרגה יותר גבוהה מבעלי - חי, הוא שהם דואגים גם בשביל כבוד גם כן, שהם מבינים שכדאי לפעמים לבטל תאוה בכדי להשיג כבוד, אבל לגבי יהדות, ואפילו שהם נמולים על ידי ההורים, אבל הם בעצמם אינם שמים לב לזה, משום שיש להם דברים שהם מעניין אותם יותר. | All das fühlt er in dem Maße, in dem er seinen Wert erkennt, dass er nicht besser ist als andere Menschen, und dass sie sogar den Geist der Irrlehre und keine Bindung zum Judentum haben. Er sieht auch, dass es Menschen gibt, die dem Judentum nicht einmal Beachtung schenken, sondern wie alle anderen Tiere leben, ohne sich um irgendeinen Sinn im Leben zu kümmern. Vielmehr denken sie, dass ihr ganzes Leben, das sie auf einer höheren Stufe als das der Tiere sehen, darin besteht, dass es ihnen auch um Respekt geht, und sie verstehen, dass es manchmal besser ist, auf Begierden zu verzichten, um Respekt zu erhalten. Aber was das Judentum betrifft, so achten sie selbst dann nicht darauf, selbst wenn sie von ihren Eltern beschnitten wurden, weil andere Dinge sie mehr interessieren. |
16 | Und wenn er sie betrachtet und sieht, dass er nicht weiß, welches Verdienst er mehr hat als sie – dass der Schöpfer ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, wenngleich nur im Aspekt der Handlung allein. Das heißt, er sieht, dass er noch weit davon entfernt ist, die Stufe liShma (um Ihretwillen) zu erreichen; doch er sagt: „Aber jedenfalls habe ich im Aspekt lo liShma (nicht um Ihretwillen) etwas erlangt.“ Und unsere Weisen sagen: „Aus dem lo liShma gelangt man zum liShma.“ So zeigt sich: Wenigstens befinde ich mich auf der ersten Stufe der Heiligkeit. Und er macht eine Gewissensrechnung: „Wie glücklich bin ich, dass der Schöpfer mich auf die erste Stufe der Heiligkeit, genannt lo liShma, gebracht hat – wie sehr muss ich dem Schöpfer danken und Ihn preisen!“ Und besonders dann, wenn ein Mensch gewürdigt wurde und ihm der Gedanke gegeben wurde, sich mit den Geheimnissen der Tora zu beschäftigen: Obwohl er kein einziges Wort von dem versteht, was dort geschrieben steht, ist es dennoch eine große Auszeichnung, dass er während des Lernens an der Innerlichkeit der Tora anhaftet. | וכשהוא מסתכל עליהם, ורואה שהוא לא יודע איזה זכות יש לו יותר מהם, שהקב"ה נתן לו מחשבה ורצון לעסוק בתורה ומצות, הגם שהוא בבחינת המעשה לבד, זאת אומרת, שהוא רואה שהוא עדיין רחוק מלהגיע למדרגת לשמה, אבל הוא אומר, אבל על כל פנים מבחינת שלא לשמה יש לי זכיה. וחז"ל אומרו "מתוך שלא לשמה באים לשמה", נמצא, שעל כל פנים אני נמצא בשלב א', דקדושה, והוא עושה חשבון נפש כמה מאושר אני, שהקב"ה הכניס אותי למדרגה ראשונה של קדושה, הנקרא שלא לשמה, כמה יש לי להודות ולהלל לה', ובפרט שאם אדם זכה וניתן לו מחשבה שהוא יעסוק בסתרי תורה, הגם שהוא לא מבין אף מילה מה שכתוב שם, מכל מקום זה זכיה גדולה, שהוא דבוק בעת הלימוד בפנימיות התורה. | Wenn er sie betrachtet, sieht er, dass er nicht weiß, warum er mehr begünstigt wurde als sie, weil der Schöpfer ihm den Gedanken und das Verlangen gab, sich mit der Tora und den Mizwot zu beschäftigen, wenn auch nur in der Handlung. Das heißt, er sieht, dass er noch weit davon entfernt ist, die Stufe von liShma (für Ihren Namen) zu erreichen, aber er sagt: „Auf jeden Fall bin ich mit lo liShma (nicht für Ihren Namen) begünstigt worden, wie unsere Weisen sagten: ‚Von lo liShma kommen wir zu liShma‚. So befinde ich mich wenigstens auf der ersten Stufe der Kedusha (Heiligkeit).“ Er denkt darüber nach, wie glücklich er ist, dass der Schöpfer ihn auf die erste Stufe der Kedusha, genannt lo liShma, gebracht hat, wie sehr er dem Schöpfer danken und ihn preisen sollte. Vor allem wenn ein Mensch belohnt wird und ihm der Gedanke gegeben wird, sich mit den Geheimnissen der Tora zu beschäftigen, obwohl er kein einziges Wort versteht, das dort geschrieben steht, so ist es doch ein großes Privileg, dass er nun dem Studium der Innerlichkeit der Tora anhaftet. |
17 | Das heißt, er glaubt, dass dort nur von Göttlichem die Rede ist, und er hat Raum, sich in seinen Gedanken zu vertiefen: „Alles, was ich lerne, gehört doch zu den heiligen Namen – dann ist mir gewiss eine große Auszeichnung zuteilgeworden. Daher bleibt mir nichts zu tun, als dem Schöpfer zu danken und Ihn zu preisen.“ Denn die ganze Welt schöpft ihre Lebenskraft aus Nichtigkeiten, ich aber bin bereits gewürdigt worden, in die erste Stufe der Heiligkeit einzutreten, die lo liShma genannt wird. Und das gilt als rechte Linie – das heißt, als Aspekt der Vollkommenheit, der keinerlei Korrektur bedarf. | היינו שהוא מאמין שמדברים רק מענין אלקות, ויש לו מקום להתעמק במחשבתו, הלא כל מה שאני לומד הוא משמות הקדושים, אם כן בודאי זכיה גדולה נפלה בגורלי, אי לזאת, אין לי מה לעשות, רק להודות ולהלל לה', היינו כי כל העולם, כל החיות שלהם הוא משטותיים, ואני כבר זכיתי לכנס לשלב א' דקדושה המכונה שלא לשמה. וזה נבחן לקו ימין, היינו בחינת שלימות שאינו צריך לשום תיקון. | Mit anderen Worten, er glaubt, dass sie nur über die Göttliche Gegenwart sprechen und dass er Raum hat, sich in seine Gedanken zu vertiefen, denn „alles, was ich lerne, sind die heiligen Namen, also muss ich sehr glücklich sein. Alles, was ich tun muss, ist dem Schöpfer zu danken und Ihn zu preisen. Das heißt, die Lebenskraft der ganzen Welt kommt nur vom Geschwätz, während ich mit dem Eintritt in die erste Stufe der Kedusha, genannt lo liShma, belohnt wurde.“ Dies wird als „rechte Linie“ betrachtet, was Vollkommenheit bedeutet, die keiner Korrektur bedarf. |
18 | Doch es steht geschrieben: „Rechts und links, und zwischen ihnen die Braut.“ Das heißt, wir brauchen auch die linke Linie. Und in Wahrheit muss man verstehen: Wenn er spürt, dass er in Vollkommenheit ist und den ganzen Tag und die ganze Nacht dem Schöpfer danken und Ihn preisen kann – was fehlt ihm dann noch? Aber er selbst weiß, dass dies lo liShma ist, und das Ziel ist, dass der Mensch um des Himmels willen handeln soll; und von dieser Stufe sagt er selbst, dass er sie noch nicht erreicht hat. Doch wie kann der Mensch in der Stufe aufsteigen, wenn er nicht spürt, dass ihm etwas fehlt? | אבל כתוב "ימינא ושמאלא וביניהו כלה", זאת אומרת, גם לקו שמאל אנו צריכים. ובאמת צריכים להבין, אם הוא מרגיש שנמצא בשלימות, ויכול כל היום וכל הלילה להודות ולהלל לה', ומה חסר לו עוד. אבל הוא בעצמו יודע שזהו שלא לשמה, והתכלית הוא שהאדם צריך לעשות לשם שמים, ולדרגה זו הוא עצמו אומר שעוד לא הגיע לדרגה זו, אבל איך האדם יכול לעלות בדרגה, אם הוא לא מרגיש שחסר לו. | Aber es steht geschrieben: „rechts und links und dazwischen eine Braut“. Das heißt, wir brauchen auch eine linke Linie. Wir müssen das wirklich verstehen: Wenn er das Gefühl hat, dass er vollkommen ist und den ganzen Tag und die ganze Nacht dem Schöpfer danken und ihn preisen kann, was braucht er dann noch? Er weiß jedoch selbst, dass es lo liShma ist und dass es die Aufgabe des Menschen ist, für den Schöpfer zu arbeiten, und er sagt, dass er diese Stufe nicht erreicht hat. Wie kann man also in Stufen aufsteigen, wenn man keinen Mangel verspürt? |
19 | Und es gibt eine Regel: Wenn der Mensch den Schöpfer um etwas bittet, muss es aus der Tiefe des Herzens geschehen. Das heißt, der Mensch muss einen Mangel im Innern des Herzens spüren, nicht nur von den Lippen nach außen. Denn wenn der Mensch um etwas Überflüssiges bittet – also um etwas, ohne das man leben kann –, hat niemand Erbarmen mit ihm, wenn er schreit und weint, weil er etwas nicht hat, das viele Menschen ebenfalls nicht haben. Und obwohl er schreit und weint, dass man es ihm gibt, ist es in der Welt nicht üblich, dass es Menschen gibt, die sich seiner erbarmen. Wenn aber der Mensch über einen Mangel schreit und weint, den er hat, während die ganze Welt diese Sache besitzt und nur er nicht – dann, wenn er schreit und weint, dass man sich seiner erbarmt, hört man auf ihn, und jeder, der ihm helfen kann, bemüht sich, ihm zu helfen. | ויש כלל, אם האדם מבקש מה' איזה דבר, צריך להיות מעומק הלב, שפירושו, שהאדם ירגיש חסרון בתוך הלב ולא משפה ולחוץ, כי בזמן שהאדם מבקש דבר של מותרות, היינו דבר שיכולים לחיות בלי זה, אין אף אחד מרחם על האדם בזמן שצועק ובוכה, על מה שאין לו דבר שיש הרבה אנשים שאין להם, והגם שהוא צועק ובוכה שיתנו לו זה, אבל זה לא מקובל בעולם שיהיה אנשים שירחמו עליו. אלא בזמן שהאדם צועק ובוכה על חסרון שיש לו, אבל לכלל העולם ישנם דבר זה ולו אין, ואז כשהוא צועק ובוכה שירחמו עליו, אז שומעים לו וכל אחד ואחד שיכול לעזור לו, הוא משתדל לעזור לו. | Es gibt eine Regel, die besagt, dass ein Mensch, der den Schöpfer um etwas bittet, dies aus tiefstem Herzen tun muss. Das bedeutet, dass man den Mangel im Herzen spüren sollte, und nicht als bloßes Lippenbekenntnis. Denn wenn man um Überfluss bittet, ohne den man leben könnte, hat niemand Erbarmen mit diesem Menschen, wenn er schreit und weint, weil er etwas nicht hat, was viele andere nicht haben. Und obwohl er schreit und weint, um es zu bekommen, ist es unwahrscheinlich, dass es Menschen gibt, die Mitleid mit ihm haben. Wenn aber jemand wegen eines Mangels schreit und weint, weil der Rest der Welt etwas hat und er nicht, dann wird er erhört, und jeder, der ihm helfen kann, versucht, ihm zu helfen, wenn er schreit und um Hilfe bittet. |
20 | Ebenso hier in der Arbeit für den Schöpfer: Wenn er sich bemüht, Vollkommenheit in der rechten Linie zu finden – und obwohl er weiß, dass man sich bemühen muss, dass all sein Tun um des Himmels willen ist, und ebenso weiß, dass der Mensch erfüllen muss, was geschrieben steht: „sondern seine Lust ist an der Tora des Schöpfers, und über Seine Tora sinnt er Tag und Nacht“ (Psalm 1), er dies aber nicht erfüllt und sich mit aller Kraft bemüht, Vollkommenheit in der rechten Linie zu spüren –, dann kann er folglich, obwohl er weiß, dass er noch keine Vollkommenheit hat, den Schöpfer dennoch nicht bitten, ihm die Kraft zu geben, „und über Seine Tora sinnt er Tag und Nacht“ zu erfüllen, und ebenso wenig zum Schöpfer schreien, dass Er ihm helfe, liShma zu erreichen – außer als etwas Überflüssiges und nicht als etwas Notwendiges. | וכמו כן כאן בעבודת ה', בזמן שהוא משתדל למצוא שלימות בקו ימין, והגם שהוא יודע, שיש ענין שצריכים להשתדל שכל מעשיו יהיו לשם שמים, וכמו כן הוא יודע, שהאדם צריך לקיים כמו שכתוב "כי אם בתורת ה' חפצו, ובתורתו יהגה יומם ולילה" (תהילים א'), והוא אינו מקיים את זה, ומשתדל בכל כוחו להרגיש שלימות בקו ימין, אז ממילא, הגם שיודע שעדיין אין לו שלימות, מכל מקום הוא לא יכול לבקש מה', שיתן לו כח, שיוכל לקיים "ובתורתו יהגה יומם ולילה", וכמו כן לצעוק לה' שיעזור לו להגיע לשמה כי אם בדרך מותרות ולא הכרחיות. | Genauso ist es bei der Arbeit für den Schöpfer. Wenn er versucht, die Vollkommenheit in der rechten Linie zu finden, weiß er zwar, dass er versuchen muss, alle seine Handlungen auf den Schöpfer auszurichten, aber er weiß auch, dass der Mensch sich an das halten muss, was geschrieben steht: „Er hat seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt er Tag und Nacht.“[3]. Er hält sich nicht daran, aber er versucht mit aller Kraft, die Vollkommenheit auf der rechten Linie zu spüren. Zu dieser Zeit kann er, obwohl er weiß, dass er noch keine Vollkommenheit hat, den Schöpfer nicht bitten, ihm die Kraft zu geben, „Und über sein Gesetz nachsinnt Tag und Nacht.“, und den Schöpfer anflehen, ihm zu helfen, liShma zu erreichen, es sei denn als Überfluss und nicht als Notwendigkeit. |
21 | Und das geschieht aus dem oben genannten Grund: Wenn der Mensch um etwas bittet und darüber schreit und weint, dass er diese Sache nicht hat, während auch andere Menschen in seiner Stadt sie nicht haben, kann er nicht sagen, dass es eine Notwendigkeit ist, sondern es ist etwas Überflüssiges. Und über etwas Überflüssiges, das ein Mensch nicht hat, kann man nicht weinen und flehen. Und hier, wenn er in der rechten Linie geht, sieht er, dass andere Menschen das nicht haben, was er hat – denn was er im Spirituellen hat, findet sich nur bei einem kleinen Prozentsatz in der Welt. Wie kann man dann sagen, dass das, was er vom Schöpfer fordert – dass Er ihn annähert, damit er liShma arbeiten kann –, nur etwas Überflüssiges ist? Und um etwas Überflüssiges kann man nicht aus der Tiefe des Herzens bitten, sodass dieser Mangel bis ins Innerste des Herzens dringt. Er selbst sagt ja, dass auch das, was er hat, eine große Sache ist; wie könnte er da den Schöpfer um etwas Überflüssiges bitten, dass Er Sich seiner erbarmt und ihm die Kraft gibt, liShma zu arbeiten – das heißt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten? | וזה הוא מטעם הנ"ל, כי בזמן שהאדם מבקש דבר וצועק ובוכה על מה שאין לו דבר זה, אבל גם לאנשים אחרים שבעירו אין להם דבר זה, אינו יכול לומר שזהו הכרחיות כי אם מותרות, ועל מותרות שאין לאדם לא שייך לבכות ולהתחנן, וכאן בזמן שהוא הולך בקו ימין, הוא רואה שמה שיש לו אין לאנשים אחרים, כי מה שיש לו ברוחניות הוא יכול למצוא זה רק באחוז קטן בעולם, אם כן איך אפשר לומר, שמה שהוא דורש מה' שיקרב אותו שיוכל לעסוק לשמה, הלא זה רק דבר מותרות, ועל מותרות אי אפשר לבקש מעומק הלב, היינו שהחסרון הזה יגע עד פנימיות הלב, הלא הוא בעצמו אומר, שמה שיש לו, גם כן זה דבר גדול, ומשום זה איך אפשר לבקש מה' על דבר מותרות שירחם עליו, שיתן לו הכח לעסוק לשמה, היינו בעל מנת להשפיע נחת רוח ליוצרו. | Denn wenn jemand um etwas bittet und schreit und weint, weil er es nicht hat, während andere Menschen in seiner Stadt es auch nicht haben, kann er nicht sagen, dass dies eine Notwendigkeit ist, sondern eher ein Überfluss, und man weint oder bettelt nicht um Überfluss. Aber hier, wenn er auf der rechten Linie wandelt und sieht, dass andere Menschen nicht das haben, was er hat, da nur ein winziger Teil der Welt das hat, was er an Spiritualität hat. Wie kann er dann sagen, dass er vom Schöpfer verlangt, dass er sich ihm annähert, damit er sich in liShma beschäftigen kann? Das ist ein Überfluss, und man kann nicht aus der Tiefe des Herzens um Überfluss bitten, was bedeutet, dass dieser Mangel die Tiefe des Herzens erreichen wird. Er selbst sagt, dass das, was er hat, bereits eine große Sache ist, wie kann er also den Schöpfer um Barmherzigkeit bezüglich eines Überfluss bitten, um ihm die Kraft zu geben in liShma zu arbeiten, das heißt, um seinem Schöpfer Zufriedenheit zu schenken? |
22 | Demnach gibt es überhaupt keine Möglichkeit, dass der Mensch den Schöpfer bittet, ihn zu leiten, wie er den Weg der Wahrheit gehen soll – er hat das ja gar nicht so nötig. Denn über Überflüssiges, also über etwas, das andere Menschen nicht haben, sagt man: „Das Leid vieler ist ein halber Trost.“ Darum hat er keinerlei Aussicht, je zur Erkenntnis des Bösen zu kommen – nämlich dass es eine schlechte Sache ist, dass er sich nicht liShma mit Tora und Mizwot beschäftigen kann. So zeigt sich, dass er sich mit dem Zustand des lo liShma abfindet. Und obwohl dieser Weg „Weg der Lüge“ und nicht „Weg der Wahrheit“ heißt, wird er niemals Gelegenheit haben zu spüren, dass er auf dem Weg der Lüge geht, wie es im Vorwort zum Buch Sohar steht (Blatt 172, Punkt 175, im Sulam). | ולפי זה אין שום מציאות שהאדם יבקש מה' שידריכו איך ללכת בדרך האמת, הלא אין לו צורך כל כך, כי על מותרות, היינו על דבר שאין לאנשים אחרים, אומרים "צרת רבים חצי נחמה", לכן אין לו שום סיכויים לבוא פעם להכרת הרע, שזה שלא יכול לעסוק בתורה ומצות לשם שמים, זה נקרא דבר רע, ונמצא, שהוא משלים עם המצב דשלא לשמה, ואף על פי שזה הדרך נקרא, דרך השקר, ולא דרך אמת, ואף פעם לא יהיה לו מקום שירגיש שהוא הולך בדרך השקר, כמו שכתוב בהקדמת ספר הזהר (דף קע"ב אות קע"ה ובהסולם). | Daraus folgt, dass es für einen Menschen unmöglich ist, den Schöpfer zu bitten, ihn auf dem Pfad der Wahrheit zu führen, da er dieses Bedürfnis nicht hat, denn wir sagen über Überfluss, also über etwas, das andere nicht haben: „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ Daher hat er keine Chance, jemals zur Erkenntnis des Bösen zu gelangen, dass die Tatsache, dass er sich nicht mit Tora und Mizwot beschäftigen kann, für den Schöpfer schlecht ist. Daraus folgt, dass er den Zustand von lo liShma annimmt, und obwohl dieser Weg als „Weg der Lüge“ und nicht als „wahrer Weg“ bezeichnet wird, wird er niemals das Gefühl haben, dass er auf dem Weg der Lüge wandelt, wie es in der „Einleitung zum Buch Sohar„[4] geschrieben steht. |
23 | Daher muss der Mensch auch in der linken Linie gehen. Doch er muss dafür nur eine kurze Zeit ansetzen, um den Weg der linken Linie zu betrachten; die Hauptzeit aber gehört der rechten Linie. Denn nur denen, die den inneren Zug haben, liShma zu erreichen, ist es gegeben, auch in der linken Linie zu gehen. Wer dagegen bei sich selbst spürt, dass er kein wahrer Arbeiter ist – das heißt, wer meint, seine Verlangen nicht überwinden zu können –, dem ist es verboten, in der linken Linie zu gehen. Und darum müssen selbst jene, die den inneren Zug haben und danach streben, liShma zu erreichen, und die zwar in der linken Linie gehen dürfen, dennoch darauf achten, in der linken Linie nur kurze Zeit und zu einer bestimmten Zeit zu gehen, und nicht immer, sondern nach der Zeit, die jeder Einzelne sich ansetzt, um den Aspekt der linken Linie zu betrachten. | אי לזאת, צריך האדם ללכת גם בקו השמאלי, אבל האדם צריך להקציב לזה רק זמן קטן לעיין בדרך הקו שמאל, אבל עיקר הזמן הוא בקו ימין, כי רק לאלו שיש להם המשיכה פנימית להגיע לשמה, לאלו ניתן ללכת גם בקו שמאל, מה שאין כן לאלו שהם מרגישים בעצמם שהם אינם בעלי עבודה, זאת אומרת, שהם חושבים שאין מסוגלים להתגבר על הרצונות שלהם, אסור להם ללכת בקו שמאל, ומשום זה אפילו לאלו שיש להם המשיכה פנימית ששואפים להגיע לשמה, הגם שהם כן יכולים ללכת בקו שמאל, אבל הם צריכים להשגיח, שלא ללכת בקו שמאל רק זמן קצר ובזמן מסוים, ולא תמיד, אלא לפי הזמן שכל אחד ואחד מקציב לו לעיין בבחינת קו שמאל. | Deshalb muss man auch auf der linken Linie gehen. Allerdings darf man sich nur wenig Zeit für die Prüfung der linken Linie nehmen. Die meiste Zeit sollte man sich in der rechten Linie aufhalten, denn nur diejenigen, die eine innere Anziehung haben, liShma zu erreichen, dürfen auch auf der linken Linie gehen. Wer jedoch das Gefühl hat, nicht zu den Arbeitenden zu gehören, wer glaubt, seine Verlangen nicht überwinden zu können, der darf nicht auf der linken Linie gehen. Aus diesem Grund müssen auch diejenigen, die eine innere Anziehung haben, um liShma zu erreichen, obwohl sie auf der linken Linie gehen können, darauf achten, dass sie sich nicht länger als eine kurze Zeit auf der linken Linie befinden, und nur zu einer bestimmten Zeit. Und zwar nicht zu jeder Zeit, sondern entsprechend der Zeit, die sich jeder für die Prüfung der linken Linie nimmt. |
24 | Und die Tagesordnung soll so sein: Entweder setzt sich jeder täglich eine Ordnung, oder wöchentlich, oder monatlich – jeder nach seinem Empfinden. Aber er soll die Ordnungen, die er sich gesetzt hat, nicht mittendrin ändern. Und wenn er mitten in den Ordnungen ändern will, weil der Körper zu ihm kommt und ihm zu verstehen gibt, es ist für ihn besser, eine andere Ordnung zu machen, als er sich gesetzt hat, dann muss er dem Körper antworten: „Ich habe eine Ordnung. Und wenn ich daran gehe, eine andere Ordnung zu machen – das heißt, wenn ich mir eine Ordnung für eine Woche gesetzt habe und die Woche zu Ende ist und ich beginne, eine neue Ordnung aufzustellen –, dann komm zu mir und sag mir, ich solle eine andere Ordnung machen, als ich sie jetzt aufstellen will. Aber mitten in der Ordnung darf ich nichts ändern.“ | והסדר היום צריך להיות, או כל יום לסדר לעצמו סדר, או כל שבוע, או כל חודש, כל אחד לפי הרגשתו, אבל לא לשנות באמצע הסדרים שסידר כל אחד לעצמו. ואם באמצע הסדרים הוא רוצה לשנות, משום שהגוף בא אליו ונותן לו להבין, בשבילך יותר לעשות סדר אחד מכפי שסידר לעצמו, אז צריכים להשיב להגוף, לי יש סדר, ובזמן שאני אסדר לעשות סדר אחר, היינו אם אני עשיתי לי סדר על שבוע, וכשיגמור את השבוע ואני אתחיל לעשות סדר חדש, אז אתה תבוא אלי ותגיד לי לעשות סדר אחר מכפי שאני רוצה עכשיו לסדר, אבל באמצע הסדר, אין לי לשנות. | Der Zeitplan sollte so aussehen, dass man sich entweder einen Tages-, einen Wochen- oder einen Monatsplan macht. Jeder nach seinem Gefühl, aber er sollte den Zeitplan, für den er sich entschieden hat, nicht in der Mitte ändern. Wenn er in der Mitte wechseln will, weil der Körper zu ihm kommt und ihm zu verstehen gibt, dass „es dir lieber ist, einen anderen Zeitplan zu haben als den, den du für dich selbst festgelegt hast“, dann muss er seinem Körper sagen: „Ich habe meinen Zeitplan. Wenn ich einen anderen Zeitplan mache, das heißt, wenn ich einen Zeitplan für die ganze Woche gemacht habe und die Woche vorbei ist, werde ich anfangen, einen neuen Zeitplan zu machen. Dann kannst du zu mir kommen und mir sagen, dass ich einen anderen Zeitplan machen soll als den, den ich jetzt machen will. Aber ich kann ihn nicht mittendrin ändern. |
25 | Aber man muss wissen, was die linke Linie ist, denn es gibt viele Aspekte in der linken Linie. So gibt es eine linke Linie, die gänzlich Finsternis ist; sie wird so genannt, dass „Malchut, die die Eigenschaft des Gerichts ist, in jede einzelne Sefira aufstieg und Finsternis schuf“ – das heißt, dort leuchtet kein Licht. Und es gibt eine linke Linie, die „der Aspekt Chochma ohne Chassadim“ genannt wird; auch sie heißt Finsternis, doch die Finsternis besteht hier nur hinsichtlich des Lichts. Hinsichtlich der Gefäße sind seine Gefäße bereits in die Heiligkeit eingetreten – das heißt, er kann seine Absicht auch dann ausrichten, wenn er das Gefäß des Empfangens auf das Geben hin gebraucht. So zeigt sich, dass diese linke Linie eine große Stufe ist; und sie heißt Finsternis wegen der Fülle des Überflusses, der sich dann offenbart. Und solange er kein Gewand aus Chassadim (Gnaden) hat, ist es ihm verboten, dieses Licht zu gebrauchen – weil er beim Gebrauch in den Aspekt des Empfangens, um zu empfangen, fallen könnte, infolge der Größe des Überflusses, den zu überwinden und um des Gebens willen zu empfangen unmöglich ist. Und darum brauchen wir die mittlere Linie; deshalb ist diese linke Linie sehr wichtig. | אבל צריכים לדעת מה זה קו שמאל, היות שיש הרבה בחינות בקו שמאל, היינו יש קו שמאל שהוא חושך לגמרי, המכונה, ש"מלכות שהוא מידת הדין עלתה בכל ספירה וספירה ועשתה חושך", היינו שאינו מאיר שם שום אור, ויש קו שמאל המכונה "בחינת חכמה בלי חסדים", שהוא גם כן נקרא חושך, אבל החושך שיש הוא רק מבחינת האור, אבל מבחינת הכלים, הכלים שלו כבר נכנסו לקדושה, שפירושו, שהוא יכול לכוון גם בזמן שמשתמש עם הכלי קבלה על מנת להשפיע, נמצא, שהקו שמאל הזה הוא מדרגה גדולה, ונקרא חושך מטעם ריבוי שפע שמתגלה אז, וכל זמן שאין לו לבוש של חסדים, אסור לו להשתמש עם האור הזה, מטעם שבעת השימוש הוא יכול ליפול לבחינת מקבל על מנת לקבל מחמת גדלות השפע, שאי אפשר להתגבר עליו ולקבל אותו בעמ"נ להשפיע. ומשום זה לקו האמצעי אנו צריכים, לכן הקו שמאל הזה חשוב מאוד. | Wir sollten jedoch die Bedeutung der linken Linie kennen, denn es gibt viele Unterscheidungen in der linken Linie. Es gibt eine linke Linie, die völlige Finsternis ist. Sie wird „Malchut“ genannt, die Eigenschaft des Gerichts, die in jeder einzelnen Sefira aufsteigt und zur Finsternis wird. Das heißt, dort scheint kein Licht. Es gibt auch eine linke Linie, die „Chochma ohne Chassadim“ genannt wird. Diese wird auch „Finsternis“ genannt, aber die Finsternis dort ist nur in Bezug auf das Licht. In Bezug auf die Kelim sind seine Kelim bereits in die Kedusha eingetreten, was bedeutet, dass er darauf ausgerichtet sein kann, wenn er die Gefäße des Empfangens auch um zu geben nutzt. Daraus folgt, dass diese linke Linie eine hohe Stufe ist. Sie wird „Finsternis“ genannt, weil dort eine große Fülle erscheint. Solange er keine Kleidung von Chassadim hat, ist es ihm verboten, dieses Licht zu benutzen, denn während er es benutzt, könnte er aufgrund der reichlichen Fülle, die er nicht überwinden und empfangen kann, um zu geben, in das Empfangen fallen, um zu empfangen. Deshalb brauchen wir die linke Linie. Deshalb ist sie sehr wichtig. |
26 | Zunächst muss man im Spirituellen wissen, dass es weder Zeit noch Ort gibt. Was also bedeutet dann rechte Linie und linke Linie? | קודם צריכים לדעת ברוחניות, שאין זמן ומקום, אם כן מהו הפירוש, של קו ימין וקו שמאל. | Zunächst müssen wir wissen, dass es in der Spiritualität weder Zeit noch Raum gibt. Was ist also die Bedeutung von rechten und linken Linien? |
27 | Und es verhält sich so: Etwas, das keiner Korrektur bedarf, heißt rechte Linie, und etwas, das einer Korrektur bedarf, heißt linke Linie. Und dies finden wir in der Sache des Anlegens der Tefillin. Unsere Weisen sagten (Menachot 37) – und dies ist ihr Wortlaut: „Und Rabbi Jossi der Chorem – woher leitet er das Anlegen an der Linken ab? Er leitet es von dort ab, woher es Rav Natan ableitet. Rav Aschi sagte: Von ‚midcha (deine Hand)‘, das mit einem zusätzlichen Hej geschrieben ist – ‚schwach‘.“ Und Rashi erklärte: „Daraus, dass es mit einem zusätzlichen Hej, ‚schwach‘, geschrieben steht, ist die weibliche Form zu verstehen; daraus folgt, dass es die Linke meint, denn sie hat keine Kraft, wie eine Frau.“ | והענין הוא כך, כי דבר שאינו צריך תיקון נקרא קו ימין, ודבר הצריך תיקון נקרא קו שמאל, ודבר זה אנו מוצאין בענין הנחת תפילין, שחז"ל אמרו (מנחות ל"ז) וזה לשונם, "ורבי יוסי החורם הנחה דבשמאל מנא ליה, נפקא ליה, מהיכא דנפקא ליה לרב נתן, רב אשי אמר מידכה כתיב בה"י כהה", ופירש רש"י "מדכתיב בה"י כהה משמע לשון נקיבה, שמע מינה בשמאל קאמר, דאין בה כח כנקיבה". | Der Punkt ist, dass alles, was nicht korrigiert werden muss, als „rechte Linie“ bezeichnet wird, und etwas, das korrigiert werden muss, als „linke Linie“. Wir finden diese Angelegenheit im Zusammenhang mit dem Anlegen der Tefillin. Unsere Weisen sagten[5], „Rabbi Yossi Hachorem: ‚Woher wissen wir, dass wir die Tefillin auf der linken Seite anbringen? Er hat es dort gelernt, wo Rav Natan es gelernt hat: Rav Ashi sagte, dass es geschrieben steht, ‚von deiner Hand‘, mit einem stumpfen Hej. RASHI interpretierte, dass das Schreiben mit einem stumpfen Hej das Weibliche, die Linke, meint, da er sagte, dass sie so kraftlos ist wie eine Frau.“ |
28 | Und von hier ist zu verstehen, dass die Linke der Aspekt des Schwachen ist, das keine Kraft hat, sondern dem man Kraft geben muss. Darum sehen wir, dass die Weisen überall dort, wo sie ein Beispiel für etwas geben wollen, das einer Korrektur bedarf, es „links“ nennen. Und das ist es: Nach der linken Linie brauchen wir die mittlere Linie, die die linke Linie korrigiert. Und darum nennen wir etwas, das einer Korrektur bedarf, „links“, um zu wissen, dass wir jetzt Korrekturen vornehmen müssen. | ומכאן משמע, שמאל הוא בחינת חלש שאין בה כח, אלא שצריכים לתת כח, ומשום זה אנו רואים, שבכל מקום שהם רוצים לתת דוגמא לדבר שצריכה תיקון, הם מכנים בשם שמאל, וזה ענין, שלאחר קו שמאל אנו צריכים לקו אמצעי, שהוא המתקן את הקו שמאל, ומשום זה אנו מכנים דבר הצריכים תיקון בשם שמאל, בכדי לדעת שאנו צריכים לעשות עכשיו תיקונים. | Das bedeutet, dass „links“ als schwach und kraftlos angesehen wird und dass es gestärkt werden muss. Deshalb nennen wir es überall dort, wo wir ein Beispiel für etwas geben wollen, das der Korrektur bedarf, „links“. Deshalb brauchen wir nach der linken Linie die mittlere Linie, die die linke Linie korrigiert. Und deshalb nennen wir das, was der Korrektur bedarf, „links“, um zu wissen, dass wir jetzt Korrekturen vornehmen müssen. |
29 | Und die Korrekturen, die die Linke korrigieren, heißen „mittlere Linie“, weil die Linie die Mängel in der Rechten aufzeigt. Das heißt: Die Rechte für sich allein zeigt dort keinen Mangel; erst das Kommen der linken Linie, das heißt durch die Beschäftigung mit der linken Linie, lässt ihn sehen, dass es in der Rechten Mängel gibt. Und nachdem er bereits in den Aspekt der Linken eingetreten ist, zeigt sich, dass er die Vollkommenheit verloren hat, die er im Aspekt der Rechten hatte. Darum befindet er sich nun in einem Zustand des Mangels. | והתיקונים שמתקנים את השמאל, הוא נקרא אמצעי, משום שקו מראה חסרונות בהימין, זאת אומרת, שהימין כשלעצמה אינו נראה שם שום חסרון, אלא שביאת קו שמאל, היינו על ידי התעסקותו בקו שמאל, אז הוא רואה שיש חסרונות בימין, ולאחר שכבר נכנס לבחינת שמאל, נמצא, שאיבד את השלימות שהיה לו בבחינת ימין, לכן הוא נמצא עכשיו בבחינת מצב של חסרון. | Die Korrekturen, die die linke Seite korrigieren, werden „Mittlere Linie“ genannt, da die Linie die Mängel der rechten Seite aufzeigt, was bedeutet, dass die rechte Linie selbst keine Mängel aufweist, bis die linke Linie kommt. Das heißt, wenn er sich mit der linken Linie beschäftigt, sieht er, dass es Mängel auf der rechten Seite gibt. Sobald er in die linke Linie eingetreten ist, verliert er die Vollkommenheit, die er in der rechten Linie hatte, daher befindet er sich jetzt in einem Zustand des Mangels. |
30 | Doch in dem Mangel, den die linke Linie zeigt, sind viele Unterscheidungen zu treffen – nämlich, was der Grund dafür ist, dass es in der Linken einen Mangel gibt; das heißt, dass die Linke sagt, es gibt in der Rechten einen Mangel. Aber manchmal sieht man in der linken Linie gar keinen Mangel. Wer zeigt dann, dass es auch in der linken Linie einen Mangel gibt, nachdem die Linke gezeigt hat, dass es in der Rechten einen Mangel gibt? Dann ist der Weg der Linken sicher ein Aspekt der Vollkommenheit. Was ist also der Grund, dass sich in der Linken ein Mangel findet, weswegen er sie „links“ nennt? Und darin gibt es viele Unterscheidungen, und alles hängt von der jeweiligen Sache ab. Das heißt: In jeder Sache und jedem Zustand, in dem der Mensch sich befindet, findet er einen anderen Grund, und es lässt sich nicht festlegen, was der Grund ist, sondern alles richtet sich nach der jeweiligen Sache. | אבל בהחסרון שהקו שמאל מראה, יש שם להבחין הרבה הבחנות, היינו מה הוא הסיבה שיש בשמאל חסרון, היינו שהשמאל אומר, שיש חסרון בהימין, אבל יש לפעמים שאינם רואים שום חסרון בקו שמאל, ואז מי הוא המראה שיש חסרון גם בקו שמאל לאחר שהשמאל הראה שיש חסרון בימין, אז בטח בהדרך של השמאל הוא בחינת שלימות, אם כן מה הוא הסיבה שנמצא חסרון בשמאל, שבשביל זה הוא מכנה אותו שמאל, ובזה יש הרבה הבחנות, והכל תלוי לפי הענין, היינו שבכל דבר ומצב שהאדם נמצא, הוא מוציא סיבה אחרת, ואי אפשר לקבוע מה הוא הסיבה, אלא הכל לפי הענין. | Es gibt jedoch viele Unterscheidungen, die wir bei dem Mangel machen sollten, den die linke Linie zeigt, also was der Grund dafür ist, dass es einen Mangel auf der linken Linie gibt. Das heißt, die Linke sagt, dass es einen Mangel in der Rechten gibt. Aber manchmal sehen wir keinen Mangel in der linken Linie, und wer zeigt dann, dass es auch in der linken Linie einen Mangel gibt, wenn die Linke gezeigt hat, dass es einen Mangel in der rechten Linie gibt? Der Weg der Linken muss also die Vollkommenheit sein. Was ist also der Grund dafür, dass es einen Mangel in der Linken gibt, weshalb er sie „links“ nennt? Darüber gibt es viele Ansichten. Alles ist von Fall zu Fall verschieden, denn in jeder Situation findet ein Mensch einen anderen Grund, und es ist unmöglich, den Grund zu bestimmen. Vielmehr ist alles von Fall zu Fall zu entscheiden. |
31 | Und der Aspekt der Linken, der am Anfang der Arbeit steht, ist die Kritik an der Rechten – nämlich, ob es richtig ist, dass es genügt, in der Eigenschaft der Lüge zu bleiben. Denn Tora und Mizwot wurden uns gegeben, weil wir einen Aspekt des Bösen haben, der „Eigenliebe“ genannt wird – das heißt, sich um nichts zu sorgen, sondern alle Mittel sind recht, um das Ziel zu erreichen, das darin besteht, unser Verlangen zu empfangen mit jeder Erfüllung zu füllen, mit der man es füllen kann. Und es heißt böse, weil es das ist, was hindert, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen und aus der Eigenliebe herauszukommen – so wie der tierische Verstand uns dazu nötigt. Vielmehr ist das Ziel, der Anhaftung an den Schöpfer würdig zu werden, sodass er danach das Gute und den Genuss empfängt, die im Schöpfungsgedanken liegen, der „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen wohlzutun“ genannt wird. Damit kann der Mensch dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten, denn dadurch vollendet der Schöpfer Sein Ziel von der Möglichkeit zur Wirklichkeit – das heißt, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss spüren, die Er für sie gedacht hat. | וענין השמאל שהוא בתחילת העבודה, הוא הבקורת על הימין, היינו אם זה נכון שמספיק שישאר במידת השקר, כי ניתן לנו תורה ומצות, בשביל שיש לנו בחינת רע, הנקרא אהבה עצמית, היינו שלא לדאוג לשום דבר, אלא כל האמצעים כשרים בכדי להשיג את המטרה, שהיא למלאות את הרצון לקבל שלנו בכל מילוי שיכולים למלאות, והוא נקרא רע משום שהוא המפריע להגיע לדבקות ה', ולצאת מאהבה עצמית, כמו שהשכל הבהמי מחייב אותנו, אלא המטרה הוא לזכות לדבקות ה', שאח"כ הוא יקבל את הטוב והעונג שישנו במחשבת הבריאה, הנקרא "רצונו להטיב לנבראיו", שעם זה האדם יכול להנאות לה', משום שעל ידי זה הקב"ה משלים את מטרתו מכח אל הפועל, היינו שהנבראים ירגישו את הטוב והעונג שהוא חשב בעדם. | Die Linke am Anfang der Arbeit ist die Prüfung an der Rechten – ob es richtig ist, in der Lüge zu verharren, weil uns Tora und Mizwot gegeben wurden und wir das Schlechte haben, das „Selbstliebe“ genannt wird. Das bedeutet, sich um nichts zu kümmern, sondern dass jedes Mittel recht ist, um das Ziel zu erreichen, unseren Willen zu empfangen mit jeglicher Füllung zufrieden zu stellen. Sie wird „schlecht“ genannt, weil sie uns daran hindert, Dwekut [Anhaftung] mit dem Schöpfer zu erreichen und die Selbstliebe zu verlassen, wie es der tierische Geist verlangt. Das Ziel ist vielmehr, mit Dwekut mit dem Schöpfer belohnt zu werden, wonach man das Gute und den Genuss erhält, die im Schöpfungsgedanken existieren, genannt „Sein Wunsch, seinen Schöpfungen Gutes zu tun“. Damit kann man den Schöpfer erfreuen, denn dadurch vollendet der Schöpfer sein Ziel vom möglichen zum tatsächlichen – dass die Geschöpfe die Freude und den Genuss empfinden, die Er zu ihren Gunsten vorgesehen hat. |
32 | Und weil dieses Verlangen zu empfangen, das der Aspekt der Eigenliebe ist, all das ist, was dies verhindert, heißt es böse. Und um aus diesem Bösen herauszukommen, wurden uns Tora und Mizwot gegeben, um zu der Stufe zu gelangen, die „Diener des Schöpfers“ heißt – und nicht, dass er für sich selbst arbeitet –, also um die Stufe liShma zu erreichen. Im Aspekt der Rechten aber freut er sich an der Vollkommenheit des lo liShma. So zeigt sich, dass er auf dem Weg der Lüge geht und dort bleiben will. Denn obwohl er weiß, dass er sich auf der Stufe des lo liShma befindet – warum heißt es dann, dass er im lo liShma bleiben will? | והיות שהרצון לקבל הזה, שהוא בחינת אהבה עצמית, הוא כל המפריע לזה, לכן הוא נקרא רע. ובכדי לצאת מהרע הזה, נתן לנו תורה ומצות, בכדי להגיע אל המדרגה שנקרא עובד ה', ולא שהוא עובד עבור עצמו, אלא להגיע למדרגת לשמה, והוא בבחינת הימין הוא שמח עם השלמות דשלא לשמה, נמצא, שהוא הולך בדרך השקר, ורוצה להישאר שם, כי הגם שהוא יודע שהוא נמצא במדרגת דשלא לשמה, אם כן מדוע נקרא זה שרוצה להישאר בשלא לשמה. | Da dieser Wille zu empfangen, der als Selbstliebe betrachtet wird, alles ist, was dies verhindert, wird er „böse“ genannt. Um aus diesem Bösen herauszukommen, hat Er uns Tora und Mizwot gegeben, um die Stufe zu erreichen, die „Diener des Schöpfers“ genannt wird. Es ist nicht so, dass er für sich selbst arbeitet, sondern vielmehr, um die Stufe von liShma zu erreichen. In der rechten Linie erfreut er sich an der Vollkommenheit von lo liShma, was bedeutet, dass er auf dem Pfad der Lüge wandelt und dort verbleiben will. Aber obwohl er weiß, dass er sich auf der Stufe von lo liShma befindet, warum wird dies so bezeichnet, dass er in lo liShma verbleiben will? |
33 | Doch das entspricht der Regel, dass der Mensch den Schöpfer nicht aus der Tiefe des Herzens um einen Mangel an etwas Überflüssigem bitten kann, sondern nur um etwas Notwendiges. Und weil er sich darüber freut, dass er im lo liShma ist – selbst nach all den Begründungen, die er hat, dass es sich lohnt, sich auch im lo liShma zu freuen –, kann er dennoch keinen Mangel mehr empfinden, sodass er dessen notwendigerweise bedarf. Vielmehr wäre es für ihn nur etwas Überflüssiges, wenn er sich liShma mit Tora und Mizwot beschäftigen könnte. Darum ist er gezwungen, in der rechten Linie zu bleiben. | אבל זהו לפי הכלל, שאין האדם יכול לבקש מה' מעומק הלב בדבר חסרון של מותרות, אלא דוקא בדבר הכרחיות, והיות שהוא שמח בזה שהוא נמצא בשלא לשמה, אפילו אחרי כל התירוצים שיש לו, שכדאי לשמוח אפילו בהשלא לשמה, ומכל מקום אין הוא כבר יכול להרגיש חסרון, שיהא נצרך לזה באופן הכרחי, אלא רק לבחינת מותרות יהיה אצלו אם יכול לעסוק בתורה ומצות לשמה, לכן הוא מוכרח להישאר בקו ימין. | Dies folgt der Regel, dass man den Schöpfer nicht aus tiefstem Herzen um einen Mangel an Überfluss bitten kann, sondern nur um eine Notwendigkeit. Da er bereits glücklich ist, dass er in lo liShma ist, auch nach all seinen Ausreden, dass es gut ist, auch in lo liShma glücklich zu sein, kann er dennoch keinen Mangel mehr empfinden, es unbedingt zu brauchen. Vielmehr wird dies für ihn zum Überfluss, wenn wir uns mit Tora und Mizwot in liShma beschäftigen können. Er muss also auf der rechten Linie verbleiben. |
34 | Darum muss man mit Aufmerksamkeit an der Kritik an der rechten Linie arbeiten – das heißt, die Mängel zu sehen, die sich in der rechten Linie befinden. Und in dem Maße, in dem er die Mängel spürt … Denn dass er Mängel sieht, sagt für sich allein noch nichts: Die Ergriffenheit des Menschen von Mängeln hängt davon ab, wie sehr es sein Herz berührt, den Mangel als etwas Unvollkommenes zu empfinden, und ob er einen Hang zur Wahrheit hat und ihm die Lüge zuwider ist. Wenn dann dieser Mangel das Herz berührt – das heißt, wenn der Zustand, in dem er sich befindet, ihm Leiden verursacht –, dann verwandelt sich der frühere Zustand der rechten Linie, in dem er Vollkommenheit hatte, in den Aspekt des Leidens. Dann kann er bereits aus der Tiefe des Herzens zum Schöpfer beten, denn jetzt ist ihm das liShma so wichtig wie das Leben, weil er dadurch an das Leben des Lebens angehaftet ist. Solange er aber an der rechten Linie angehaftet war, war das liShma in seinen Augen etwas Überflüssiges – das heißt, man kann auch ohne es leben. Wer aber sein Leben verbessern will, um sich über das einfache Volk zu erheben, muss sich bemühen, die Stufe liShma zu erreichen. | לכן יש לעבוד בתשומת לב בבקורת על הקו ימין, היינו לראות את החסרונות שנמצאים בקו ימין, ומשום זה, שבשיעור שמרגיש את החסרונות, היינו, כי מה שהוא רואה חסרונות, זה עוד לא אומר כלום, כי ההתפעלות של האדם מחסרונות, תלוי כפי מה שנוגע ללבבו להרגיש את החסרון לבחינת דבר בלתי שלם, ויש לו נטיה לאמת, ודבר שקר מאוס בעיניו, אז אם חסרון זה נוגע ללב, היינו שגורם לו יסורים המצב הזה שבו הוא נמצא, אז נתהפך המצב הקודם של קו ימין, שהיה לו בחינת שלימות, לבחינת יסורים, אז כבר הוא יכול להתפלל לה' מעומק הלב, כי עכשיו הלשמה הוא חשוב לו לבחינת חיים, כי ע"י זה הוא דבוק בחיי החיים, מה שאין כן בזמן שהיה דבוק בקו ימין, אז הלשמה היה בעינו לדבר מותרות, זאת אומרת, שיכולים לחיות גם בלי זה, אלא מי שרוצה לשפר את חייו להיות מֵרים מעם הוא צריך להשתדל להגיע למדרגת לשמה. | Deshalb sollte er mit Aufmerksamkeit und Kritik auf der rechten Linie arbeiten, was bedeutet, dass er die Mängel auf der rechten Linie sieht. Das bedeutet, dass die Mängel, die er sieht, keine Bedeutung haben, weil der Eindruck, den der Mensch von den Mängeln hat, davon abhängt, inwieweit es sein Herz berührt, den Mangel als unvollständig zu empfinden, und von seiner Neigung zur Wahrheit und seiner Abneigung gegen Lügen. Wenn also dieser Mangel das Herz berührt, was bedeutet, dass die Situation, in der er sich befindet, ihn schmerzt, dann wird der vorherige Zustand der rechten Linie, in dem er Vollkommenheit hatte, in ihm in Leiden umgewandelt. Zu dieser Zeit kann er aus tiefstem Herzen zum Schöpfer beten, denn jetzt ist liShma für ihn so wichtig wie das Leben, weil er dadurch an das Leben der Leben anhaftet. Aber als er der rechten Linie anhaftete, war liShma in seinen Augen Überfluss, was bedeutet, dass er auch ohne sie leben konnte, aber wer sein Leben verbessern und sich über andere erheben will, muss versuchen, die Stufe von liShma zu erreichen. |
35 | Und wenn der Mensch seinen Zustand sieht – dass das liShma bei ihm nicht die Gestalt von etwas Überflüssigem hat, nämlich sich über das einfache Volk zu erheben, wie oben, sondern dass er jetzt spürt, dass er der Allerschlechteste des Volkes ist, weil er nun sieht, wie weit er vom Schöpfer entfernt ist und wie sehr er von der Eigenschaft der Wahrheit entfernt ist –, und was die übrigen Menschen betrifft: Obwohl er nicht sieht, dass sie etwa den Weg des liShma gehen, fügt es ihm dennoch nichts hinzu, dass er niemanden sieht, der tatsächlich liShma geht. Denn in einer Sache, die das Herz berührt, lässt sich der Mensch von anderen nicht beeindrucken; obwohl man sagt: „Das Leid vieler ist ein halber Trost“, ändern diese Aussprüche seinen Zustand nicht. | ובזמן שהאדם רואה את מצבו, כי ענין לשמה איננו אצלו בצורה של מותרות, היינו להיות מֵרים מעם כנ"ל, אלא שהוא מרגיש עתה, שהוא הכי גרוע מעם, משום שהוא רואה עתה איך שהוא מרוחק מה', וממידת האמת הוא רחוק מאוד, ומשאר אנשים, הגם שהוא לא רואה שהם כן ילכו בדרך של לשמה, אבל זה לא מוסיף לו כלום בזה שהוא לא רואה מי שכן הולך בלשמה, כי בדבר הנוגע ללב, אין האדם מתפעל מהשני, הגם שאומרים "צרת רבים הוא חצי נחמה", המאמרים האלו לא משנים את מצבו. | Wenn er aber wahrnimmt, dass er liShma nicht als Überfluss ansieht, was bedeutet, und sich damit über andere zu erheben, sondern dass er jetzt vielmehr das Gefühl hat, dass er der Schlimmste unter ihnen ist, weil er bemerkt, wie weit er vom Schöpfer und von der Qualität der Wahrheit entfernt ist – mehr als andere Menschen –, und obwohl er es nicht so wahrnimmt, dass sie den Weg von liShma gehen, ändert es nichts daran, dass er niemanden findet, der den Weg von liShma geht, weil man in Angelegenheiten, die das Herz betreffen, nicht von anderen beeindruckt ist. Obwohl es heißt: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, ändern diese Sprüche nichts an seiner Situation. |
36 | Und das ist gleichnishaft so: Wer Zahnschmerzen hat und weint und schreit, dem sagt man: „Was schreist du? Du siehst doch, dass hier beim Zahnarzt noch andere Menschen sind, denen die Zähne wehtun wie dir.“ Da sehen wir, dass er nicht aufhört, vor Zahnschmerz zu weinen, und dass es ihm nichts hinzufügt, dass es noch andere Menschen wie ihn gibt. Wenn es ihm wirklich wehtut, kann er nicht auf andere blicken, um von ihnen Beruhigung über seine Schmerzen zu erhalten – wenn es ihm wirklich wehtut. | וזהו על דרך משל, מי שכואב לו השיניים, ובוכה וצועק, ואומרים לו, מה אתה צועק הלא אתה רואה שיש כאן אצל הרופא שיניים עוד אנשים שכואבים להם השיניים כמוך, אז אנו רואים שלא פוסק מלבכות מכאב השיניים שיש לו, ומה שיש עוד אנשים כמוהו, זה לא מוסיף לו כלום. אם באמת כואב לו, אינו יכול להסתכל על אחרים, כדי שיקבל מהם הרגעה על הכאבים שלו, אם באמת כואב לו. | Nehmen wir an, jemand hat Zahnschmerzen und weint und schreit, und man sagt ihm: „Warum schreist du? Siehst du nicht, dass es hier in der Zahnarztpraxis noch andere Menschen gibt, denen die Zähne genauso wehtun wie dir?“ Wir sehen, dass er wegen seiner Zahnschmerzen nicht aufhört zu weinen. Die Tatsache, dass es andere Menschen wie ihn gibt, ändert für ihn nichts. Wenn er wirklich Schmerzen hat, kann er nicht auf andere schauen, um Linderung für seine eigenen Schmerzen zu finden, wenn es ihn wirklich schmerzt. |
37 | Ebenso: Wenn der Mensch wirklich zu der Empfindung gelangt ist, wie weit er von der Wahrheit entfernt ist, kann er sich nicht damit trösten, dass alle den Weg der Lüge gehen. Vielmehr sehnt er sich Tag und Nacht danach, aus diesem Zustand herauszukommen. Und dann erlangt der Mensch das Bedürfnis, liShma zu erreichen, weil er die Lüge nicht ertragen kann. | כמו כן, אם באמת שהאדם הגיע לידי הרגשה איך שהוא מרוחק מהאמת, אין הוא יכול לקבל תנחומין מזה שכולם הולכים בדרך השקר, אלא הוא משתוקק כל היום וכל הלילה איך לצאת מהמצב הזה, ואז קנה האדם צורך להגיע לשמה, מטעם שהוא לא יכול לסבול את השקר. | Ähnlich verhält es sich, wenn ein Mensch wirklich das Gefühl hat, dass er weit von der Wahrheit entfernt ist, dann wird er sich nicht damit trösten, dass alle den Weg der Lüge gehen. Vielmehr sehnt er sich Tag und Nacht danach, aus diesem Zustand herauszukommen. Zu dieser Zeit bekommt der Mensch das Bedürfnis, liShma zu erreichen, weil er die Lüge nicht mehr ertragen kann. |
38 | Aber weil dieses Kli nicht auf einmal entsteht – das heißt, das Verlangen, das der Mensch aus der linken Linie empfängt, entsteht nicht auf einmal, sondern dieses Verlangen bildet sich nach und nach in ihm, bis es sich zu einem vollen Maß vervollständigt –, kann er vorher noch nicht zum liShma gelangen, denn es gibt kein Licht ohne Kli. Das heißt, er kann des liShma nicht gewürdigt werden, bevor er das Verlangen danach hat; und dieses Verlangen wächst nach und nach in ihm, und Groschen um Groschen fügt sich zu einer großen Summe – das heißt, es füllt sich zu einem vollen Verlangen. Und dann kann sich der Aspekt des liShma in dieses Verlangen kleiden, weil er bereits ein vollständiges Kli hat, das heißt ein vollständiges Verlangen, des Aspekts liShma gewürdigt zu werden. | אבל היות אין הכלי הזה נעשה בפעם אחת, היינו הרצון שהאדם מקבל מקו שמאל, אינו נעשה בפעם אחת, אלא לאט לאט מתרקם הרצון הזה אצלו, עד שמשתלם לשיעור שלם, ומטרם זה הוא עוד לא יכול להגיע לשמה, כי אין אור בלי כלי, פירוש, הוא לא יכול לזכות לשמה מטרם שיש לו רצון לזה, ורצון זה מתגדל אצלו לאט לאט, ופרוטה ופרוטה מצטרף לחשבון גדול, היינו שנתמלא לרצון שלם. ואז הוא יכול להתלבש בהרצון הזה הבחינה דלשמה, מטעם שכבר יש לו כלי שלימה, היינו רצון שלם לזכות לבחינת לשמה. | Aber da dieses Kli [Gefäß] nicht auf einmal gebildet wird, was bedeutet, dass das Verlangen, das der Mensch von der linken Linie erhält, nicht auf einmal gebildet wird, sondern sich stufenweise in ihm formt, bis es das vollständige Maß erreicht. Und davor kann er liShma noch nicht erreichen, da es kein Licht ohne ein Kli gibt. Das bedeutet, dass er nicht mit liShma belohnt werden kann, bevor er das Verlangen danach hat, und dieses Verlangen wächst langsam in ihm. Pfennig um Pfennig fügt sich zu einer großen Summe zusammen, was bedeutet, dass es zu einem vollständigen Verlangen gefüllt wird, und dann kann sich liShma in dieses Verlangen einkleiden, weil er bereits ein vollständiges Kli hat, was bedeutet, ein vollständiges Verlangen, mit liShma belohnt zu werden. |
39 | Aber man muss wissen: Solange er sich in der linken Linie befindet – das heißt, solange er im Aspekt der Selbstkritik ist –, befindet er sich dann in der Trennung. Denn er spürt selbst, dass er in der Eigenliebe versunken ist, und er sorgt sich überhaupt nicht darum, dass er etwas um des Himmels willen tun kann. Und aus diesem Zustand kann er nicht bestehen, denn das Leben des Menschen kann nur aus dem Aspekt des Positiven kommen und nicht aus dem Negativen. | אבל צריכים לדעת, כי בזמן שהוא נמצא בקו שמאל, היינו בזמן שהוא בבחינת הבקורת על עצמו, הוא נמצא אז בפירוד, כי הוא בעצמו מרגיש שהוא משוקע באהבה עצמית, ואין הוא דואג כלל שיוכל לעשות משהו לשם שמים, ואז ממצב הזה אין הוא יכול להתקיים, כי חייו של האדם יכול להיות רק מן בחינת חיוב, ולא משלילה. | Wir müssen jedoch wissen, dass er sich in der Trennung befindet, wenn er auf der linken Linie ist, das heißt, wenn er sich selbst kritisiert. Das ist so, weil er spürt, dass er in der Selbstliebe versunken ist und sich nicht darum kümmert, etwas für den Schöpfer tun zu können. In diesem Zustand kann er nicht existieren, denn der Mensch kann nur aus dem Positiven heraus leben und nicht aus dem Negativen. |
40 | Daher muss der Mensch erneut in die rechte Linie eintreten – das heißt, Tora und Mizwot im lo liShma erfüllen und sagen, dass darin Vollkommenheit liegt, wie wir oben erklärt haben. Denn man muss eine große Regel wissen: Bekanntlich gibt es einen Unterschied zwischen innerem Licht und umgebendem Licht. Inneres Licht (Or Pnimi) bedeutet, dass das Licht im Innern der Gefäße leuchtet – das heißt, dass das Licht sich in das Kli kleidet, weil es eine Gleichheit zwischen Licht und Kli gibt, sodass das Kli das Licht bereits um des Gebens willen empfangen kann. Umgebendes Licht (Or Makif) hingegen heißt „Leuchten aus der Ferne“. Das bedeutet: Obwohl das Kli noch vom Licht entfernt ist – denn das Kli ist auf das Empfangen ausgerichtet, das Licht aber ist seinem Wesen nach nur Geben –, leuchtet das Licht dennoch aus der Ferne, im Aspekt des Umgebenden, auf die Gefäße. | אי לזאת, צריך האדם שוב לכנס לתוך קו ימין, זאת אומרת, לקיים תורה ומצות שלא לשמה, ולומר שיש בזה שלימות כמו שהתבארנו לעיל. כי צריכים לדעת כלל גדול, כי ידוע שיש הבדל בין אור פנימי לאור מקיף, כי אור פנימי פירושו, שהאור מאיר בתוך הכלים, זאת אומרת, שהאור מתלבש בהכלי מטעם שיש בחינת השתוות בין אור להכלי, שהכלי כבר יכול לקבל את האור בעל מנת להשפיע, מה שאין כן אור מקיף נקרא, הארה מרחוק, פירוש, אף על פי שהכלי עדיין מרוחק מהאור, כי הכלי הוא בעל מנת לקבל, והאור בחינתו הוא רק להשפיע, עם כל זה מאיר האור הארה מרחוק בבחינת מקיף להכלים. | Deshalb muss der Mensch wieder in die rechte Linie eintreten, das heißt Tora und Mizwot in lo liShma einhalten und sagen, dass darin die Vollkommenheit liegt, wie wir oben erklärt haben. Wir müssen die grundlegende Regel kennen, dass es einen Unterschied zwischen Or Pnimi (Inneres Licht) und Or Makif (Umgebendes Licht) gibt. Or Pnimi bedeutet, dass das Licht im Inneren der Kelim (Gefäße) leuchtet. Das heißt, dass sich das Licht in das Kli einkleidet, weil es eine Gleichwertigkeit zwischen dem Licht und dem Kli gibt, und das Kli kann das Licht bereits empfangen, um zu geben. Or Makif bedeutet aber Erleuchtung aus der Ferne. Das bedeutet, dass das Kli zwar noch weit vom Licht entfernt ist, da das Kli zum Empfangen existiert und das Licht reines Geben ist, aber das Licht leuchtet aus der Ferne, wie in der Umgebung der Kelim. |
41 | Wenn man sich daher mit Tora und Mizwot im lo liShma beschäftigt, empfängt man ebenfalls ein Leuchten vom Aspekt des umgebenden Lichts. So zeigt sich, dass er durch das lo liShma bereits Berührung mit dem oberen Licht hat, obwohl es ein Leuchten aus der Ferne ist; darum heißt es positiv, und daraus empfängt der Mensch Lebenskraft und kann bestehen. Und indem er das lo liShma hochschätzt, schätzt er die Arbeit für den Schöpfer überhaupt hoch – dass es sich auf jeden Fall lohnt, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Denn die Wahrheit – so sagte mein Vater und Lehrer seligen Andenkens – ist, dass der Mensch nicht fähig ist, den Wert des Tuns von Tora und Mizwot im lo liShma zu ermessen. Denn letztlich hat er im Aspekt der Handlung nichts hinzuzufügen, sondern er erfüllt das Gebot des Schöpfers; und darum heißt dies die erste Stufe in der Arbeit, von der unsere Weisen sagten: „Aus dem lo liShma gelangt man zum liShma.“ Und darum muss der Mensch Lebenskraft und Vollkommenheit aus der rechten Linie empfangen, denn dann empfängt er das Licht des Schöpfers im Aspekt des umgebenden Lichts, wie oben. | לכן בזמן שעוסקים בתורה ומצות שלא לשמה, גם כן מקבלים הארה מבחינת אור מקיף. נמצא, שעל ידי השלא לשמה כבר יש לו מגע עם האור העליון, אף על פי שהוא הארה מרחוק לכן נקרא זה חיוב, ומזה האדם מקבל חיות ויכול להתקיים, ובזה שהוא מחשיב את השלא לשמה, בזה הוא מחשיב בכלל את עבודת ה', שכדאי על כל אופנים להיות עוסק בתורה ומצות, כי האמת הוא אמר אאמו"ר זצ"ל, כי אין האדם מסוגל להעריך את ערך של עשיית תורה ומצות דשלא לשמה, כי סוף כל סוף בבחינת המעשה אין לו מה להוסיף, אלא מקיים את ציווי ה', ולכן נקרא זה שלב ראשון בעבודה, שעל זה אמרו חז"ל "מתוך שלא לשמה באים לשמה", ומשום זה צריך האדם לקבל חיות ושלמות מקו ימין, שאז הוא מקבל את אור ה' מבחינת אור מקיף כנ"ל. | Deshalb erhalten wir, wenn wir uns mit Tora und Mizwot in lo liShma beschäftigen, immer noch Erleuchtung in Form von Or Makif. Daraus folgt, dass wir durch lo liShma bereits Kontakt mit dem höheren Licht haben, obwohl es eine Erleuchtung aus der Ferne ist. Deshalb wird es „positiv“ genannt, und der Mensch kann daraus Lebenskraft schöpfen und existieren. Indem er lo liShma würdigt, würdigt er den Dienst für den Schöpfer im Ganzen, dass es sich lohnt, sich in irgendeiner Weise mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Baal HaSulam sagte, dass man in Wahrheit den Wert des Einhaltens von Tora und Mizwot in lo liShma nicht würdigen kann, denn am Ende gibt es nichts, was man an Handlungen hinzufügen könnte. Vielmehr hält er das Gebot des Schöpfers, und deshalb wird dies als die erste Stufe der Arbeit betrachtet, von der unsere Weisen sagten: „Von lo liShma gelangen wir zu liShma.“ Aus diesem Grund sollte der Mensch Lebenskraft und Vollkommenheit aus der rechten Linie erhalten, in der er das Licht des Schöpfers als Umgebendes Licht empfängt. |
42 | Und danach muss er erneut zum Aspekt der Kritik an seinen Handlungen übergehen, an dem, womit er sich in der rechten Linie beschäftigt hat, und danach erneut zur rechten Linie übergehen. Und dadurch wachsen bei ihm die beiden Linien. Doch diese beiden Linien widersprechen einander, und sie heißen „zwei Schriftverse, die einander widersprechen, bis ein dritter Vers kommt und zwischen ihnen entscheidet“. | ואח"כ הוא צריך עוד הפעם לעבור לבחינת בקורת על המעשים שלו, במה שעסק בקו ימין, ואח"כ עוד הפעם לעבור לקו ימין, וע"י זה מתגדלים אצלו את ב' הקוים. אבל אלו ב' הקוים כל אחד הוא בסתירה להשני, והם נקראים "שני כתובים המכחישים זה את זה, עד שיבוא הכתוב השלישי ויכריע ביניהם". | Danach muss er sein Handeln noch einmal kritisch prüfen, seine Beschäftigung in der rechten Linie, und noch einmal auf die rechte Linie wechseln. Dadurch wachsen die beiden Linien in ihm. Diese beiden Linien widersprechen sich jedoch und man nennt sie „zwei Schriften, die sich gegenseitig widersprechen, bis die dritte Schrift kommt und zwischen ihnen entscheidet.“ |
43 | Aber man muss wissen, dass die dritte Linie, die „mittlere Linie“ genannt wird, der Schöpfer gibt, wie unsere Weisen sagten: „Drei Teilhaber sind am Menschen – der Schöpfer, sein Vater und seine Mutter. Sein Vater sät das Weiße, seine Mutter sät das Rote, und der Schöpfer gibt in ihn Geist und Seele (Ruach und Neshama).“ Und nach dem oben Gesagten ergibt sich, dass die zwei Linien zum Unteren gehören und die mittlere Linie zum Schöpfer gehört. Das bedeutet, dass die zwei Linien bewirken, dass er ein Gebet aus der Tiefe des Herzens zum Schöpfer richten kann, dass dieser ihm hilft, aus der Eigenliebe herauszukommen und zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Denn wenn der Mensch sein Gebet aus der Tiefe des Herzens darbringt, dann wird sein Gebet angenommen. | אבל צריכים לדעת, שהקו השלישי הנקרא, קו אמצעי, הקב"ה הוא הנותן, כמו שאמרו חז"ל "ג' שותפים באדם הקב"ה ואביו ואמו, אביו מזריע הלובן, אמו מזרעת אודם, והקב"ה הוא נותן בו רוח ונשמה", ולפי הנ"ל, יוצא שב' קוים שייכים להתחתון, וקו אמצעי שייך להקב"ה, שפירושו, ששני קוים גורמים לו שיוכל לתת תפלה מעומק הלב להקב"ה, שיעזור לו לצאת מאהבה עצמית ולהגיע לדבקות ה', כי בזמן שהאדם נותן תפלתו מעומק הלב אז נתקבל תפלתו. | Wir sollten jedoch wissen, dass der Schöpfer die dritte Linie gibt, die so genannte „mittlere Linie“, wie unsere Weisen sagten: „Es gibt drei Partner im Menschen: den Schöpfer, seinen Vater und seine Mutter. Sein Vater sät das Weiße, seine Mutter sät das Rote, und der Schöpfer gibt einen Geist und eine Seele in ihn.“ Daraus ergibt sich, dass die zwei Linien zum Unteren gehören, und die mittlere Linie gehört zum Schöpfer. Das bedeutet, dass die beiden Linien dazu führen, dass er aus tiefstem Herzen zum Schöpfer beten kann, um ihm aus der Selbstliebe heraus zu helfen und Dwekut mit dem Schöpfer zu erreichen, denn wenn ein Mensch aus tiefstem Herzen betet, wird sein Gebet erhört. |
44 | Doch man muss wissen: In Bezug auf die drei Linien gibt es viele Weisen. | אבל יש לדעת בענין ג' קוים יש הרבה אופנים. | Wir sollten jedoch wissen, dass es viele Aspekte der drei Linien gibt. |
Rabash – 1986 – Artikel 2 (תשמ״ו – מאמר ב׳)
„Vernehmt, ihr Himmel“
„‚Vernehmt, ihr Himmel.‘ Rabbi Jehuda eröffnete: ‚Ich öffnete meinem Geliebten … die Stimme meines Geliebten klopft an.‘ Und er sagt: ‚Die Stimme meines Geliebten klopft an‘ – das ist Moses, der Israel in mancherlei Wortwechseln und mancherlei Streitgesprächen zurechtwies, wie geschrieben steht: ‚Dies sind die Worte‘, ‚widerspenstig seid ihr gewesen‘, ‚und am Choreb habt ihr [den Schöpfer] erzürnt‘ – das ist es, was geschrieben steht: ‚klopft an‘.“ (Und im Sulam, Punkt 1 und 2:) „Und trotz alledem, dass Moses Israel zurechtwies, waren alle seine Worte aus Liebe, wie geschrieben steht: ‚Denn ein heiliges Volk bist du dem Schöpfer, deinem Gott, und dich hat der Schöpfer, dein Gott, erwählt, Ihm ein Volk zu sein‘, ‚sondern aus Liebe des Schöpfers zu euch‘ – das ist es, was geschrieben steht: ‚Öffne mir, meine Schwester, meine Freundin‘, in der Sprache der Zuneigung.“
Die Worte des Heiligen Sohar sind zu verstehen:
1. Wenn er dem Volk Israel so viel Lob spendet, wie geschrieben steht: „Denn ein heiliges Volk bist du dem Schöpfer, deinem Gott, und dich hat der Schöpfer, dein Gott, erwählt, Ihm ein Volk zu sein“ – wie passt dann eine Zurechtweisung dazu? Wenn sie ihrem Wesen nach ein heiliges Volk und dergleichen sind, was fehlt ihnen dann noch?
2. Was lehrt uns dies für alle Generationen? Es sind doch zwei Gegensätze in einem Gegenstand: Entweder sie sind ein heiliges Volk, oder sie sind nicht in Ordnung.
3. Nach der Regel „Liebe deckt alle Vergehen zu“ und nach dem Vers (Wa’etchanan, siebter Abschnitt): „Nicht weil ihr zahlreicher wäret als alle Völker, hat der Schöpfer an euch Gefallen gefunden und euch erwählt, sondern aus Liebe des Schöpfers zu euch“ – wie kann man dann überhaupt Vergehen an ihnen finden, wo doch „Liebe alle Vergehen zudeckt“?
Es ist nämlich so: Bekanntlich gibt es das Phänomen zweier Schriftverse, die einander widersprechen, bis ein dritter Vers kommt und entscheidet. Denn das Wesen der Linien im Spirituellen ist dies: Die Eigenschaft Chessed (Güte) heißt rechte Linie. Chessed bedeutet, dass der Mensch nur Güte am Nächsten üben will und keinerlei Gegenleistung dafür verlangt. Er sehnt sich nach der Liebe zum Schöpfer und sorgt nicht für sich selbst; all sein Streben gilt allein dem Ziel, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, und für sich selbst begnügt er sich mit Wenigem. Das heißt: Ihm ist nicht wichtig, was er hat – Geschmack an der Tora, Geschmack am Gebet, Geschmack an der Mizwa –, sondern er ist mit seinem Anteil zufrieden. Und hier im Spirituellen, wenn der Mensch sich selbst Rechenschaft gibt, sagt er, dass er an die persönliche Vorsehung glaubt, dass alles vom Himmel kommt – das heißt, dass der Schöpfer ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, ein Diener des Schöpfers zu sein und sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Obwohl er keinen Geschmack an Tora und Mizwot spürt, blickt er dennoch nicht darauf, sondern sagt, es genüge ihm, dass er das Gebot des Schöpfers erfüllen kann. Das allein genügt ihm, als hätte er ein riesiges Vermögen gewonnen. Und selbst wenn er keine Erfassung der Größe des Schöpfers hat, ist er dennoch mit dem zufrieden, was er hat, und glaubt, dass es ein Geschenk des Himmels ist, dass man ihm den Gedanken und das Verlangen gegeben hat.
An anderen aber sieht er, dass ihnen dies nicht gegeben wurde; all ihr Streben gilt nur dem Gebrauch in materiellen Vorstellungen – nämlich Gefallen in den Augen der Menschen zu finden oder den eigenen Körper mit Dingen zu erfreuen, die auch die Tiere nutzen. Ihm hingegen wurden Gedanke und Verlangen gegeben, dem Schöpfer zu dienen – „und wer bin ich, dass Er mich erwählt hat?“ Und das ist es, was wir sagen: „Gepriesen seist Du, Schöpfer, der Sein Volk Israel in Liebe erwählt.“
Es zeigt sich, dass wir den Schöpfer dafür preisen, dass Er uns erwählt hat – das heißt, dass man uns Gedanke und Verlangen gegeben hat, Tora und Mizwot zu erfüllen. Wenn er deshalb ganz persönlich auf andere blickt, die nicht dasselbe Verlangen nach Tora und Mizwot haben wie er, dann sagt er, dass Er ihn mehr als die anderen erwählt hat, Ihm zu dienen. Zwar hat Er ihm nur einen kleinen Dienst gegeben, ohne jeden Verstand und ohne jedes Wissen; doch er sagt, dass er selbst dieses Dienstes, des allergeringsten, nicht würdig ist. Denn wenn er sich selbst mit den Augen der Größe Gottes betrachtet, sagt er, dass ihm auch dies nicht zusteht. Also muss er sicher voller Freude sein, als wäre er eines Dienstes würdig geworden, der großen Menschen gebührt.
Diese rechte Linie kommt von den oberen Sefirot, und dieser Aspekt heißt Sefira Chessed. Ihr Wesen ist die Gleichheit der Form mit dem Schöpfer: Wie Er der Gebende ist, so will auch der Untere dem Oberen geben – und das heißt Gleichheit der Form. Auf sich selbst, auf das, was er in den Gefäßen des Empfangens hat, blickt er nicht. Sein ganzer Maßstab dafür, ob er in Vollkommenheit ist, richtet sich danach, wie viel er geben kann. Und auch wenn er nicht viel geben kann, begnügt er sich auch damit – weil er auf seine Niedrigkeit im Verhältnis zum Gebenden blickt, und auch im Verhältnis zu anderen Menschen, von denen er sieht, dass sie bessere Vorzüge haben als er. Und dennoch gab man ihm von oben Gedanke und Verlangen, die man jenen nicht gab. Und über nichts sagt er „Meine Kraft und die Stärke meiner Hand“.
Darum befindet er sich immer in seelischer Zufriedenheit, und er hat seiner Arbeit nichts hinzuzufügen. Vielmehr dankt er dem Schöpfer, so viel er kann, und dankt und preist Ihn mit allerlei Lobpreisungen. Und selbst wenn er nicht das Lob und den Dank darbringt, von dem er versteht, dass er ihn dem Schöpfer geben muss, betrübt er sich auch darüber nicht, sondern sagt von sich: „Wer bin ich, dass ich beständig zum König reden sollte, wie es bedeutenden Menschen gebührt und nicht einem niedrigen Mann wie mir?“ So zeigt sich, dass er immer in Vollkommenheit ist und ihm nichts hinzuzufügen bleibt.
Und wenn er manchmal alle Belange der Arbeit vergisst und sein Kopf in den Angelegenheiten dieser Welt versunken ist, und er sich nach einiger Zeit wieder an die spirituellen Dinge erinnert und nun sieht, dass er die ganze Zeit in den Dingen dieser Welt vergröbert war – so denkt er dennoch nicht an die Zeit, in der er in der Trennung war. Vielmehr freut er sich darüber, dass der Schöpfer ihn aus der Gesamtheit der Menschen herausgerufen und zu ihm „Wo bist du?“ gesagt hat, Und sofort beginnt er, dem Schöpfer dafür zu danken, dass Er ihn daran erinnert hat, dass man an das Spirituelle denken muss. So zeigt sich: Selbst in einem solchen Zustand denkt er nicht an Mängel und betrübt sich nun nicht darüber, warum er die ganze Zeit die Belange der Arbeit gänzlich vergessen hat. Vielmehr freut er sich, dass er nun wenigstens an die Arbeit für den Schöpfer denken kann. So zeigt sich, dass er auch jetzt in einem Zustand der Vollkommenheit ist und nicht in einen Zustand gerät, in dem er von der Arbeit geschwächt wird, sondern immer in Vollkommenheit ist. Und das nennt man rechte Linie, Chessed, die Vollkommenheit ist.
Doch dies hängt von dem Maß ab, in dem der Mensch an die persönliche Vorsehung glaubt – das heißt, dass der Schöpfer alles gibt, sowohl das Licht als auch das Kli (Gefäß). Das bedeutet: Auch das Verlangen und den Mangel – dass es dem Menschen daran mangelt, dass er nicht so sehr an den Schöpfer angehaftet ist, und dass er in seinem Körper einen Mangel an der Erfüllung von Tora und Mizwot spürt –, all das gibt der Schöpfer. Und das Licht muss der Schöpfer sicher geben, denn der Geschmack an Tora und Mizwot gehört sicher dem Schöpfer. Und das ist wie das, was wir am Abend des Jom Kippur (Versöhnungstag) sagen: „Denn siehe, wie der Ton in der Hand des Töpfers – nach Seinem Willen weitet Er ihn, nach Seinem Willen verengt Er ihn –, so sind wir in Deiner Hand, der Du die Güte bewahrst.“
Demnach: Wenn ein Mensch sieht, dass in ihm das Verlangen erwacht, auch nur eine Stunde am Tag zu lernen, und ebenso, wenn er betet, einige wenige Minuten erlebt, in denen er weiß, dass er betet, und nicht vergisst, dass er in Tallit (Gebetsmantel) und Tefillin gehüllt ist, während sein Herz an alle möglichen Dinge der Welt denkt – und er sich danach für einige Minuten erinnert, dass er mit Tallit und Tefillin bekränzt ist und gerade mitten im Gebet steht, und er beginnt zu bedenken, zu wem er während des Gebets spricht, und spürt, dass er nicht einfach so redet, sondern vor einem König steht, und auch an „denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes“ glaubt. Und obwohl er sieht, dass er schon viele Male gebetet hat und sein Gebet nicht erhört wurde, glaubt er dennoch über dem Verstand, dass der Schöpfer das Gebet sehr wohl hört, und dass sein Gebet wohl deshalb noch nicht angenommen wurde, weil er nicht aus der Tiefe des Herzens gebetet hat. Darum nimmt er sich vor, mit größerer Andacht zu beten: „Und der Schöpfer wird mir sicher helfen und mein Gebet annehmen.“ Und sofort beginnt er, dem Schöpfer dafür zu danken, dass Er ihn daran erinnert hat, dass er nun mit Tallit und Tefillin bekränzt ist, und er fühlt sich wohl – denn er blickt auf Menschen, wie sie noch in ihrem Schlaf liegen, „mich aber hat der Schöpfer mitten im Gebet aufgeweckt“. Darum frohlockt er und freut sich.
Und wenn einige Minuten vergehen und er erneut vergisst, wo er sich befindet, und an Ochse und Esel denkt, und man ihn plötzlich erneut vom Himmel aufweckt – da würde der Verstand verlangen, dass er klagen muss, weil er die ganze Sache vergessen hat, dass er sich nämlich gerade in der Synagoge befindet. Doch davon will er nichts hören, sondern freut sich darüber, dass man ihn jetzt erinnert hat. So zeigt sich: Auf diesem Weg blickt er nur auf das „Tue Gutes“ – das heißt, er freut sich darüber, dass er jetzt Gutes tun konnte – und beachtet nicht, dass er bis eben in der Welt der Trennung umhergeirrt ist.
Und all dies kann er in dem Maße empfinden, in dem er seinen Wert erkennt – dass er nicht besser ist als andere Menschen. Jene haben sogar einen Geist der Abtrünnigkeit, Gott behüte, und keinerlei Bindung zum Judentum. Auch sieht er, dass es Menschen gibt, die dem Judentum nicht einmal Beachtung schenken, sondern wie die übrigen Tiere leben und sich um kein Ziel im Leben sorgen. Ihr ganzes Leben, in dem sie meinen, auf einer höheren Stufe als die Tiere zu stehen, besteht darin, dass sie sich auch um die Ehre sorgen – denn sie verstehen, dass es sich manchmal lohnt, eine Begierde aufzugeben, um Ehre zu erlangen. Doch was das Judentum betrifft: Selbst wenn sie von den Eltern beschnitten wurden, schenken sie selbst dem keine Beachtung, weil es Dinge gibt, die sie mehr interessieren.
Und wenn er sie betrachtet und sieht, dass er nicht weiß, welches Verdienst er mehr hat als sie – dass der Schöpfer ihm Gedanke und Verlangen gegeben hat, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, wenngleich nur im Aspekt der Handlung allein. Das heißt, er sieht, dass er noch weit davon entfernt ist, die Stufe liShma (um Ihretwillen) zu erreichen; doch er sagt: „Aber jedenfalls habe ich im Aspekt lo liShma (nicht um Ihretwillen) etwas erlangt.“ Und unsere Weisen sagen: „Aus dem lo liShma gelangt man zum liShma.“ So zeigt sich: Wenigstens befinde ich mich auf der ersten Stufe der Heiligkeit. Und er macht eine Gewissensrechnung: „Wie glücklich bin ich, dass der Schöpfer mich auf die erste Stufe der Heiligkeit, genannt lo liShma, gebracht hat – wie sehr muss ich dem Schöpfer danken und Ihn preisen!“ Und besonders dann, wenn ein Mensch gewürdigt wurde und ihm der Gedanke gegeben wurde, sich mit den Geheimnissen der Tora zu beschäftigen: Obwohl er kein einziges Wort von dem versteht, was dort geschrieben steht, ist es dennoch eine große Auszeichnung, dass er während des Lernens an der Innerlichkeit der Tora anhaftet.
Das heißt, er glaubt, dass dort nur von Göttlichem die Rede ist, und er hat Raum, sich in seinen Gedanken zu vertiefen: „Alles, was ich lerne, gehört doch zu den heiligen Namen – dann ist mir gewiss eine große Auszeichnung zuteilgeworden. Daher bleibt mir nichts zu tun, als dem Schöpfer zu danken und Ihn zu preisen.“ Denn die ganze Welt schöpft ihre Lebenskraft aus Nichtigkeiten, ich aber bin bereits gewürdigt worden, in die erste Stufe der Heiligkeit einzutreten, die lo liShma genannt wird. Und das gilt als rechte Linie – das heißt, als Aspekt der Vollkommenheit, der keinerlei Korrektur bedarf.
Doch es steht geschrieben: „Rechts und links, und zwischen ihnen die Braut.“ Das heißt, wir brauchen auch die linke Linie. Und in Wahrheit muss man verstehen: Wenn er spürt, dass er in Vollkommenheit ist und den ganzen Tag und die ganze Nacht dem Schöpfer danken und Ihn preisen kann – was fehlt ihm dann noch? Aber er selbst weiß, dass dies lo liShma ist, und das Ziel ist, dass der Mensch um des Himmels willen handeln soll; und von dieser Stufe sagt er selbst, dass er sie noch nicht erreicht hat. Doch wie kann der Mensch in der Stufe aufsteigen, wenn er nicht spürt, dass ihm etwas fehlt?
Und es gibt eine Regel: Wenn der Mensch den Schöpfer um etwas bittet, muss es aus der Tiefe des Herzens geschehen. Das heißt, der Mensch muss einen Mangel im Innern des Herzens spüren, nicht nur von den Lippen nach außen. Denn wenn der Mensch um etwas Überflüssiges bittet – also um etwas, ohne das man leben kann –, hat niemand Erbarmen mit ihm, wenn er schreit und weint, weil er etwas nicht hat, das viele Menschen ebenfalls nicht haben. Und obwohl er schreit und weint, dass man es ihm gibt, ist es in der Welt nicht üblich, dass es Menschen gibt, die sich seiner erbarmen. Wenn aber der Mensch über einen Mangel schreit und weint, den er hat, während die ganze Welt diese Sache besitzt und nur er nicht – dann, wenn er schreit und weint, dass man sich seiner erbarmt, hört man auf ihn, und jeder, der ihm helfen kann, bemüht sich, ihm zu helfen.
Ebenso hier in der Arbeit für den Schöpfer: Wenn er sich bemüht, Vollkommenheit in der rechten Linie zu finden – und obwohl er weiß, dass man sich bemühen muss, dass all sein Tun um des Himmels willen ist, und ebenso weiß, dass der Mensch erfüllen muss, was geschrieben steht: „sondern seine Lust ist an der Tora des Schöpfers, und über Seine Tora sinnt er Tag und Nacht“ (Psalm 1), er dies aber nicht erfüllt und sich mit aller Kraft bemüht, Vollkommenheit in der rechten Linie zu spüren –, dann kann er folglich, obwohl er weiß, dass er noch keine Vollkommenheit hat, den Schöpfer dennoch nicht bitten, ihm die Kraft zu geben, „und über Seine Tora sinnt er Tag und Nacht“ zu erfüllen, und ebenso wenig zum Schöpfer schreien, dass Er ihm helfe, liShma zu erreichen – außer als etwas Überflüssiges und nicht als etwas Notwendiges.
Und das geschieht aus dem oben genannten Grund: Wenn der Mensch um etwas bittet und darüber schreit und weint, dass er diese Sache nicht hat, während auch andere Menschen in seiner Stadt sie nicht haben, kann er nicht sagen, dass es eine Notwendigkeit ist, sondern es ist etwas Überflüssiges. Und über etwas Überflüssiges, das ein Mensch nicht hat, kann man nicht weinen und flehen. Und hier, wenn er in der rechten Linie geht, sieht er, dass andere Menschen das nicht haben, was er hat – denn was er im Spirituellen hat, findet sich nur bei einem kleinen Prozentsatz in der Welt. Wie kann man dann sagen, dass das, was er vom Schöpfer fordert – dass Er ihn annähert, damit er liShma arbeiten kann –, nur etwas Überflüssiges ist? Und um etwas Überflüssiges kann man nicht aus der Tiefe des Herzens bitten, sodass dieser Mangel bis ins Innerste des Herzens dringt. Er selbst sagt ja, dass auch das, was er hat, eine große Sache ist; wie könnte er da den Schöpfer um etwas Überflüssiges bitten, dass Er Sich seiner erbarmt und ihm die Kraft gibt, liShma zu arbeiten – das heißt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten?
Demnach gibt es überhaupt keine Möglichkeit, dass der Mensch den Schöpfer bittet, ihn zu leiten, wie er den Weg der Wahrheit gehen soll – er hat das ja gar nicht so nötig. Denn über Überflüssiges, also über etwas, das andere Menschen nicht haben, sagt man: „Das Leid vieler ist ein halber Trost.“ Darum hat er keinerlei Aussicht, je zur Erkenntnis des Bösen zu kommen – nämlich dass es eine schlechte Sache ist, dass er sich nicht liShma mit Tora und Mizwot beschäftigen kann. So zeigt sich, dass er sich mit dem Zustand des lo liShma abfindet. Und obwohl dieser Weg „Weg der Lüge“ und nicht „Weg der Wahrheit“ heißt, wird er niemals Gelegenheit haben zu spüren, dass er auf dem Weg der Lüge geht, wie es im Vorwort zum Buch Sohar steht (Blatt 172, Punkt 175, im Sulam).
Daher muss der Mensch auch in der linken Linie gehen. Doch er muss dafür nur eine kurze Zeit ansetzen, um den Weg der linken Linie zu betrachten; die Hauptzeit aber gehört der rechten Linie. Denn nur denen, die den inneren Zug haben, liShma zu erreichen, ist es gegeben, auch in der linken Linie zu gehen. Wer dagegen bei sich selbst spürt, dass er kein wahrer Arbeiter ist – das heißt, wer meint, seine Verlangen nicht überwinden zu können –, dem ist es verboten, in der linken Linie zu gehen. Und darum müssen selbst jene, die den inneren Zug haben und danach streben, liShma zu erreichen, und die zwar in der linken Linie gehen dürfen, dennoch darauf achten, in der linken Linie nur kurze Zeit und zu einer bestimmten Zeit zu gehen, und nicht immer, sondern nach der Zeit, die jeder Einzelne sich ansetzt, um den Aspekt der linken Linie zu betrachten.
Und die Tagesordnung soll so sein: Entweder setzt sich jeder täglich eine Ordnung, oder wöchentlich, oder monatlich – jeder nach seinem Empfinden. Aber er soll die Ordnungen, die er sich gesetzt hat, nicht mittendrin ändern. Und wenn er mitten in den Ordnungen ändern will, weil der Körper zu ihm kommt und ihm zu verstehen gibt, es ist für ihn besser, eine andere Ordnung zu machen, als er sich gesetzt hat, dann muss er dem Körper antworten: „Ich habe eine Ordnung. Und wenn ich daran gehe, eine andere Ordnung zu machen – das heißt, wenn ich mir eine Ordnung für eine Woche gesetzt habe und die Woche zu Ende ist und ich beginne, eine neue Ordnung aufzustellen –, dann komm zu mir und sag mir, ich solle eine andere Ordnung machen, als ich sie jetzt aufstellen will. Aber mitten in der Ordnung darf ich nichts ändern.“
Aber man muss wissen, was die linke Linie ist, denn es gibt viele Aspekte in der linken Linie. So gibt es eine linke Linie, die gänzlich Finsternis ist; sie wird so genannt, dass „Malchut, die die Eigenschaft des Gerichts ist, in jede einzelne Sefira aufstieg und Finsternis schuf“ – das heißt, dort leuchtet kein Licht. Und es gibt eine linke Linie, die „der Aspekt Chochma ohne Chassadim“ genannt wird; auch sie heißt Finsternis, doch die Finsternis besteht hier nur hinsichtlich des Lichts. Hinsichtlich der Gefäße sind seine Gefäße bereits in die Heiligkeit eingetreten – das heißt, er kann seine Absicht auch dann ausrichten, wenn er das Gefäß des Empfangens auf das Geben hin gebraucht. So zeigt sich, dass diese linke Linie eine große Stufe ist; und sie heißt Finsternis wegen der Fülle des Überflusses, der sich dann offenbart. Und solange er kein Gewand aus Chassadim (Gnaden) hat, ist es ihm verboten, dieses Licht zu gebrauchen – weil er beim Gebrauch in den Aspekt des Empfangens, um zu empfangen, fallen könnte, infolge der Größe des Überflusses, den zu überwinden und um des Gebens willen zu empfangen unmöglich ist. Und darum brauchen wir die mittlere Linie; deshalb ist diese linke Linie sehr wichtig.
Zunächst muss man im Spirituellen wissen, dass es weder Zeit noch Ort gibt. Was also bedeutet dann rechte Linie und linke Linie?
Und es verhält sich so: Etwas, das keiner Korrektur bedarf, heißt rechte Linie, und etwas, das einer Korrektur bedarf, heißt linke Linie. Und dies finden wir in der Sache des Anlegens der Tefillin. Unsere Weisen sagten (Menachot 37) – und dies ist ihr Wortlaut: „Und Rabbi Jossi der Chorem – woher leitet er das Anlegen an der Linken ab? Er leitet es von dort ab, woher es Rav Natan ableitet. Rav Aschi sagte: Von ‚midcha (deine Hand)‘, das mit einem zusätzlichen Hej geschrieben ist – ‚schwach‘.“ Und Rashi erklärte: „Daraus, dass es mit einem zusätzlichen Hej, ‚schwach‘, geschrieben steht, ist die weibliche Form zu verstehen; daraus folgt, dass es die Linke meint, denn sie hat keine Kraft, wie eine Frau.“
Und von hier ist zu verstehen, dass die Linke der Aspekt des Schwachen ist, das keine Kraft hat, sondern dem man Kraft geben muss. Darum sehen wir, dass die Weisen überall dort, wo sie ein Beispiel für etwas geben wollen, das einer Korrektur bedarf, es „links“ nennen. Und das ist es: Nach der linken Linie brauchen wir die mittlere Linie, die die linke Linie korrigiert. Und darum nennen wir etwas, das einer Korrektur bedarf, „links“, um zu wissen, dass wir jetzt Korrekturen vornehmen müssen.
Und die Korrekturen, die die Linke korrigieren, heißen „mittlere Linie“, weil die Linie die Mängel in der Rechten aufzeigt. Das heißt: Die Rechte für sich allein zeigt dort keinen Mangel; erst das Kommen der linken Linie, das heißt durch die Beschäftigung mit der linken Linie, lässt ihn sehen, dass es in der Rechten Mängel gibt. Und nachdem er bereits in den Aspekt der Linken eingetreten ist, zeigt sich, dass er die Vollkommenheit verloren hat, die er im Aspekt der Rechten hatte. Darum befindet er sich nun in einem Zustand des Mangels.
Doch in dem Mangel, den die linke Linie zeigt, sind viele Unterscheidungen zu treffen – nämlich, was der Grund dafür ist, dass es in der Linken einen Mangel gibt; das heißt, dass die Linke sagt, es gibt in der Rechten einen Mangel. Aber manchmal sieht man in der linken Linie gar keinen Mangel. Wer zeigt dann, dass es auch in der linken Linie einen Mangel gibt, nachdem die Linke gezeigt hat, dass es in der Rechten einen Mangel gibt? Dann ist der Weg der Linken sicher ein Aspekt der Vollkommenheit. Was ist also der Grund, dass sich in der Linken ein Mangel findet, weswegen er sie „links“ nennt? Und darin gibt es viele Unterscheidungen, und alles hängt von der jeweiligen Sache ab. Das heißt: In jeder Sache und jedem Zustand, in dem der Mensch sich befindet, findet er einen anderen Grund, und es lässt sich nicht festlegen, was der Grund ist, sondern alles richtet sich nach der jeweiligen Sache.
Und der Aspekt der Linken, der am Anfang der Arbeit steht, ist die Kritik an der Rechten – nämlich, ob es richtig ist, dass es genügt, in der Eigenschaft der Lüge zu bleiben. Denn Tora und Mizwot wurden uns gegeben, weil wir einen Aspekt des Bösen haben, der „Eigenliebe“ genannt wird – das heißt, sich um nichts zu sorgen, sondern alle Mittel sind recht, um das Ziel zu erreichen, das darin besteht, unser Verlangen zu empfangen mit jeder Erfüllung zu füllen, mit der man es füllen kann. Und es heißt böse, weil es das ist, was hindert, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen und aus der Eigenliebe herauszukommen – so wie der tierische Verstand uns dazu nötigt. Vielmehr ist das Ziel, der Anhaftung an den Schöpfer würdig zu werden, sodass er danach das Gute und den Genuss empfängt, die im Schöpfungsgedanken liegen, der „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen wohlzutun“ genannt wird. Damit kann der Mensch dem Schöpfer Wohlgefallen bereiten, denn dadurch vollendet der Schöpfer Sein Ziel von der Möglichkeit zur Wirklichkeit – das heißt, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss spüren, die Er für sie gedacht hat.
Und weil dieses Verlangen zu empfangen, das der Aspekt der Eigenliebe ist, all das ist, was dies verhindert, heißt es böse. Und um aus diesem Bösen herauszukommen, wurden uns Tora und Mizwot gegeben, um zu der Stufe zu gelangen, die „Diener des Schöpfers“ heißt – und nicht, dass er für sich selbst arbeitet –, also um die Stufe liShma zu erreichen. Im Aspekt der Rechten aber freut er sich an der Vollkommenheit des lo liShma. So zeigt sich, dass er auf dem Weg der Lüge geht und dort bleiben will. Denn obwohl er weiß, dass er sich auf der Stufe des lo liShma befindet – warum heißt es dann, dass er im lo liShma bleiben will?
Doch das entspricht der Regel, dass der Mensch den Schöpfer nicht aus der Tiefe des Herzens um einen Mangel an etwas Überflüssigem bitten kann, sondern nur um etwas Notwendiges. Und weil er sich darüber freut, dass er im lo liShma ist – selbst nach all den Begründungen, die er hat, dass es sich lohnt, sich auch im lo liShma zu freuen –, kann er dennoch keinen Mangel mehr empfinden, sodass er dessen notwendigerweise bedarf. Vielmehr wäre es für ihn nur etwas Überflüssiges, wenn er sich liShma mit Tora und Mizwot beschäftigen könnte. Darum ist er gezwungen, in der rechten Linie zu bleiben.
Darum muss man mit Aufmerksamkeit an der Kritik an der rechten Linie arbeiten – das heißt, die Mängel zu sehen, die sich in der rechten Linie befinden. Und in dem Maße, in dem er die Mängel spürt … Denn dass er Mängel sieht, sagt für sich allein noch nichts: Die Ergriffenheit des Menschen von Mängeln hängt davon ab, wie sehr es sein Herz berührt, den Mangel als etwas Unvollkommenes zu empfinden, und ob er einen Hang zur Wahrheit hat und ihm die Lüge zuwider ist. Wenn dann dieser Mangel das Herz berührt – das heißt, wenn der Zustand, in dem er sich befindet, ihm Leiden verursacht –, dann verwandelt sich der frühere Zustand der rechten Linie, in dem er Vollkommenheit hatte, in den Aspekt des Leidens. Dann kann er bereits aus der Tiefe des Herzens zum Schöpfer beten, denn jetzt ist ihm das liShma so wichtig wie das Leben, weil er dadurch an das Leben des Lebens angehaftet ist. Solange er aber an der rechten Linie angehaftet war, war das liShma in seinen Augen etwas Überflüssiges – das heißt, man kann auch ohne es leben. Wer aber sein Leben verbessern will, um sich über das einfache Volk zu erheben, muss sich bemühen, die Stufe liShma zu erreichen.
Und wenn der Mensch seinen Zustand sieht – dass das liShma bei ihm nicht die Gestalt von etwas Überflüssigem hat, nämlich sich über das einfache Volk zu erheben, wie oben, sondern dass er jetzt spürt, dass er der Allerschlechteste des Volkes ist, weil er nun sieht, wie weit er vom Schöpfer entfernt ist und wie sehr er von der Eigenschaft der Wahrheit entfernt ist –, und was die übrigen Menschen betrifft: Obwohl er nicht sieht, dass sie etwa den Weg des liShma gehen, fügt es ihm dennoch nichts hinzu, dass er niemanden sieht, der tatsächlich liShma geht. Denn in einer Sache, die das Herz berührt, lässt sich der Mensch von anderen nicht beeindrucken; obwohl man sagt: „Das Leid vieler ist ein halber Trost“, ändern diese Aussprüche seinen Zustand nicht.
Und das ist gleichnishaft so: Wer Zahnschmerzen hat und weint und schreit, dem sagt man: „Was schreist du? Du siehst doch, dass hier beim Zahnarzt noch andere Menschen sind, denen die Zähne wehtun wie dir.“ Da sehen wir, dass er nicht aufhört, vor Zahnschmerz zu weinen, und dass es ihm nichts hinzufügt, dass es noch andere Menschen wie ihn gibt. Wenn es ihm wirklich wehtut, kann er nicht auf andere blicken, um von ihnen Beruhigung über seine Schmerzen zu erhalten – wenn es ihm wirklich wehtut.
Ebenso: Wenn der Mensch wirklich zu der Empfindung gelangt ist, wie weit er von der Wahrheit entfernt ist, kann er sich nicht damit trösten, dass alle den Weg der Lüge gehen. Vielmehr sehnt er sich Tag und Nacht danach, aus diesem Zustand herauszukommen. Und dann erlangt der Mensch das Bedürfnis, liShma zu erreichen, weil er die Lüge nicht ertragen kann.
Aber weil dieses Kli nicht auf einmal entsteht – das heißt, das Verlangen, das der Mensch aus der linken Linie empfängt, entsteht nicht auf einmal, sondern dieses Verlangen bildet sich nach und nach in ihm, bis es sich zu einem vollen Maß vervollständigt –, kann er vorher noch nicht zum liShma gelangen, denn es gibt kein Licht ohne Kli. Das heißt, er kann des liShma nicht gewürdigt werden, bevor er das Verlangen danach hat; und dieses Verlangen wächst nach und nach in ihm, und Groschen um Groschen fügt sich zu einer großen Summe – das heißt, es füllt sich zu einem vollen Verlangen. Und dann kann sich der Aspekt des liShma in dieses Verlangen kleiden, weil er bereits ein vollständiges Kli hat, das heißt ein vollständiges Verlangen, des Aspekts liShma gewürdigt zu werden.
Aber man muss wissen: Solange er sich in der linken Linie befindet – das heißt, solange er im Aspekt der Selbstkritik ist –, befindet er sich dann in der Trennung. Denn er spürt selbst, dass er in der Eigenliebe versunken ist, und er sorgt sich überhaupt nicht darum, dass er etwas um des Himmels willen tun kann. Und aus diesem Zustand kann er nicht bestehen, denn das Leben des Menschen kann nur aus dem Aspekt des Positiven kommen und nicht aus dem Negativen.
Daher muss der Mensch erneut in die rechte Linie eintreten – das heißt, Tora und Mizwot im lo liShma erfüllen und sagen, dass darin Vollkommenheit liegt, wie wir oben erklärt haben. Denn man muss eine große Regel wissen: Bekanntlich gibt es einen Unterschied zwischen innerem Licht und umgebendem Licht. Inneres Licht (Or Pnimi) bedeutet, dass das Licht im Innern der Gefäße leuchtet – das heißt, dass das Licht sich in das Kli kleidet, weil es eine Gleichheit zwischen Licht und Kli gibt, sodass das Kli das Licht bereits um des Gebens willen empfangen kann. Umgebendes Licht (Or Makif) hingegen heißt „Leuchten aus der Ferne“. Das bedeutet: Obwohl das Kli noch vom Licht entfernt ist – denn das Kli ist auf das Empfangen ausgerichtet, das Licht aber ist seinem Wesen nach nur Geben –, leuchtet das Licht dennoch aus der Ferne, im Aspekt des Umgebenden, auf die Gefäße.
Wenn man sich daher mit Tora und Mizwot im lo liShma beschäftigt, empfängt man ebenfalls ein Leuchten vom Aspekt des umgebenden Lichts. So zeigt sich, dass er durch das lo liShma bereits Berührung mit dem oberen Licht hat, obwohl es ein Leuchten aus der Ferne ist; darum heißt es positiv, und daraus empfängt der Mensch Lebenskraft und kann bestehen. Und indem er das lo liShma hochschätzt, schätzt er die Arbeit für den Schöpfer überhaupt hoch – dass es sich auf jeden Fall lohnt, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Denn die Wahrheit – so sagte mein Vater und Lehrer seligen Andenkens – ist, dass der Mensch nicht fähig ist, den Wert des Tuns von Tora und Mizwot im lo liShma zu ermessen. Denn letztlich hat er im Aspekt der Handlung nichts hinzuzufügen, sondern er erfüllt das Gebot des Schöpfers; und darum heißt dies die erste Stufe in der Arbeit, von der unsere Weisen sagten: „Aus dem lo liShma gelangt man zum liShma.“ Und darum muss der Mensch Lebenskraft und Vollkommenheit aus der rechten Linie empfangen, denn dann empfängt er das Licht des Schöpfers im Aspekt des umgebenden Lichts, wie oben.
Und danach muss er erneut zum Aspekt der Kritik an seinen Handlungen übergehen, an dem, womit er sich in der rechten Linie beschäftigt hat, und danach erneut zur rechten Linie übergehen. Und dadurch wachsen bei ihm die beiden Linien. Doch diese beiden Linien widersprechen einander, und sie heißen „zwei Schriftverse, die einander widersprechen, bis ein dritter Vers kommt und zwischen ihnen entscheidet“.
Aber man muss wissen, dass die dritte Linie, die „mittlere Linie“ genannt wird, der Schöpfer gibt, wie unsere Weisen sagten: „Drei Teilhaber sind am Menschen – der Schöpfer, sein Vater und seine Mutter. Sein Vater sät das Weiße, seine Mutter sät das Rote, und der Schöpfer gibt in ihn Geist und Seele (Ruach und Neshama).“ Und nach dem oben Gesagten ergibt sich, dass die zwei Linien zum Unteren gehören und die mittlere Linie zum Schöpfer gehört. Das bedeutet, dass die zwei Linien bewirken, dass er ein Gebet aus der Tiefe des Herzens zum Schöpfer richten kann, dass dieser ihm hilft, aus der Eigenliebe herauszukommen und zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Denn wenn der Mensch sein Gebet aus der Tiefe des Herzens darbringt, dann wird sein Gebet angenommen.
Doch man muss wissen: In Bezug auf die drei Linien gibt es viele Weisen.
korrigiert, EY, CO4.8, 11.07.2026