1986/03 – Was bedeutet es, dass der Mensch durch die Tora mit Gerechtigkeit (Zedaka) und Frieden belohnt wird
1986 – Artikel 3
Im Sohar (Lech Lecha 1, und im Sulam-Kommentar Punkt 1) erklärt Rabbi Aba, wodurch Abraham es verdiente, dass der Schöpfer zu ihm „Geh hinaus“ (Lech Lecha) sagte – mehr als alle Söhne seiner Generation. Und er sagt, dies sind seine Worte: „Rabbi Aba eröffnete [seine Rede] und sagte: ‚Hört auf mich, ihr Hartherzigen, die ihr fern seid von der Gerechtigkeit (Zedaka)’ (Jesaja 46:12). ‚Hört auf mich, ihr Hartherzigen’ bedeutet: wie hart die Herzen der Frevler sind, die die Pfade und Wege der Tora sehen und sie nicht betrachten. Und ihr Herz ist hart, denn sie kehren nicht in Umkehr (Teshuwa) zu ihrem Herrn zurück, und deshalb werden sie ‚Hartherzige’ genannt. ‚Die fern sind von der Gerechtigkeit’ bedeutet, dass sie sich von der Tora entfernen, und deshalb sind sie fern von der Gerechtigkeit.“
Rabbi Chiskija sagte: „Sie entfernen sich vom Schöpfer. Und weil sie sich vom Schöpfer entfernen, werden sie Hartherzige genannt.“ Und der Sinn des Schriftverses ist: „die fern sind von der Gerechtigkeit“ – warum? Weil sie sich dem Schöpfer nicht nähern wollen, denn sie sind Hartherzige. Und deshalb sind sie fern von der Gerechtigkeit. Und da sie fern von der Gerechtigkeit sind, sind sie fern vom Frieden, denn sie haben keinen Frieden, wie geschrieben steht: „Kein Frieden, spricht der Schöpfer, für die Frevler“ (Jesaja 48:22). Was ist der Grund? Weil sie fern von der Gerechtigkeit sind, deshalb haben sie keinen Frieden.
Nun muss man verstehen, was Rabbi Aba damit sagt, dass „die fern sind von der Gerechtigkeit“ bedeute, dass sie sich von der Tora entfernen und deshalb fern von der Gerechtigkeit sind. Denn einerseits sagt er, dass die Gerechtigkeit „Tora“ heißt, und danach sagt er, dass sie dadurch, dass sie sich von der Tora entfernen, fern von der Gerechtigkeit sind. Demnach ergibt sich, dass die Tora die Ursache für die Gerechtigkeit ist. Wir sehen aber keinerlei Verbindung zwischen Tora und Gerechtigkeit.
Sehen wir denn nicht bei den Völkern der Welt, dass sie keine Tora haben – wie unsere Weisen sagten: „Er verkündet Jaakow Seine Worte“ (Psalm 147:19) – und dennoch geben sie Almosen (Zedaka)? Muss man denn, um Almosen zu geben, an den Schöpfer glauben und Tora und Gebote (Mizwot) erfüllen, sodass man erst dann Almosen geben kann? Er aber sagt: „Da sie fern von der Tora sind, sind sie deshalb fern von der Gerechtigkeit.“
Und weiter: Da er sagt, dass sie sich von der Tora entfernen und deshalb fern von der Gerechtigkeit sind, klingt es, als wäre die Tora die Ursache, durch die man Gerechtigkeit üben kann. Das heißt, das Wichtigste für uns ist, zur Gerechtigkeit zu gelangen. Und wie kann man zu einer so hohen Stufe gelangen? Durch die Tora.
Demnach muss man verstehen, worin die Größe und Wichtigkeit der Gerechtigkeit besteht; denn daraus folgt, dass die Tora eine niedrigere Stufe als die Gerechtigkeit ist, da man durch die Tora zur Gerechtigkeit gelangen kann. Und das muss man verstehen.
Noch schwerer ist es, die Worte von Rabbi Chiskija zu verstehen, der den Worten von Rabbi Aba hinzufügt und sagt: „Was heißt ‚Hartherzige’? Dass sie sich dem Schöpfer nicht nähern wollen. Und weil sie sich dem Schöpfer nicht nähern wollen, sind sie deshalb fern von der Gerechtigkeit.“ Wie kann man das verstehen – dass sie nämlich durch die Annäherung an den Schöpfer mit einer noch höheren Stufe belohnt werden, die die Gerechtigkeit ist?
Ebenso muss man verstehen, was Rabbi Chiskija sagt: „Und da sie fern von der Gerechtigkeit sind, sind sie fern vom Frieden.“ Das ist noch schwerer zu verstehen. Denn nachdem er uns die Wichtigkeit der Gerechtigkeit erklärt hat – das heißt, nach der Ansicht von Rabbi Aba ist die Gerechtigkeit größer als die Tora, und nach der Ansicht von Rabbi Chiskija ist die Gerechtigkeit größer als die Annäherung an den Schöpfer –, kommt er jetzt und sagt: Wenn sie die Stufe der Gerechtigkeit nicht haben, können sie nicht zur Stufe des Friedens gelangen.
Demnach muss man verstehen, was die Stufe des Friedens ist; denn daraus folgt, dass der Mensch nach der ganzen Arbeit zur Stufe des Friedens gelangen wird. Das heißt: Die erste Stufe ist die Tora oder die Annäherung an den Schöpfer, die zweite ist die Gerechtigkeit, die dritte ist der Frieden. Und das gilt es zu erklären.
Wir finden, dass die Gerechtigkeit den Glauben bezeichnet, wie über Abraham geschrieben steht: „Und er glaubte an den Schöpfer, und Er rechnete es ihm als Gerechtigkeit an“ (Genesis 15:6). Und weil der Glaube „Gerechtigkeit“ genannt wird, können wir bereits wissen, dass die Wichtigkeit der Gerechtigkeit nicht dem einfachen Wortsinn entspricht, sondern dass die Gerechtigkeit auf den Glauben hinweist.
Und was ist der Glaube, der als Stufe der Gerechtigkeit gilt? Wir sehen ja: Wer einem Armen ein Almosen (Zedaka) gibt, erwartet nicht, dass der Arme ihm etwas zurückgibt und ihm eine Gegenleistung für das Almosen zahlt, das er ihm gegeben hat. Insbesondere bei einem Almosen, das im Verborgenen gegeben wird, denkt er gewiss nicht daran, irgendeine Gegenleistung zu erhalten. Demnach heißt es „Gerechtigkeit“, wenn man etwas ohne jede Gegenleistung tut.
Und da der Glaube, den wir auf uns nehmen müssen, ohne jede Gegenleistung sein muss, bedeutet dies: Man muss an die Größe des Schöpfers glauben, was in der Sprache des Sohar „weil Er groß ist und herrscht“ (beGin deIhu Raw weShalit) genannt wird. Und der Mensch darf dabei keinerlei Gedanken daran haben, dass er das Joch des Himmelreichs auf sich nimmt, damit er dadurch von Ihm irgendeine Belohnung erhält – sondern alles geschieht, um zu geben. Und deshalb wird der Glaube mit dem Namen „Gerechtigkeit“ bezeichnet, nämlich um uns zu erklären, welche Form unser Glaube haben muss, den wir auf uns nehmen.
Wir müssen jedoch darauf achten, wie man zu einem solchen Glauben gelangt, der „um zu geben“ ist. Unsere Natur ist doch, nur zu empfangen und nicht zu geben. Was also kann der Mensch tun, um zur Stufe des Gebens zu gelangen? Darauf sagt er uns: Es geschieht gerade durch die Tora, wie unsere Weisen sagten (Traktat Kidushin 30): „Ich habe den Bösen Trieb erschaffen, Ich habe für ihn die Tora als Gewürz erschaffen.“
Und so heißt es in der „Einführung in das Studium der Zehn Sefirot“ (Punkt 11), dies sind seine Worte: „Allerdings finden und sehen wir in den Worten der Weisen des Talmud, dass sie uns den Weg der Tora leichter gemacht haben als die Weisen der Mishna. Denn sie sagten: ‚Immer beschäftige sich der Mensch mit Tora und Mizwot, selbst lo liShma (nicht um Ihretwillen), denn aus lo liShma kommt man zu liShma.’ Und zwar deshalb, weil das Licht in ihr ihn zum Guten zurückführt. Somit haben sie für uns anstelle der Kasteiungen, die in der oben erwähnten Mishna Awot angeführt sind, etwas Neues hervorgebracht: das Licht in der Tora, das genug Kraft besitzt, den Menschen zum Guten zurückzuführen und ihn dazu zu bringen, sich mit Tora und Mizwot liShma zu beschäftigen.“
Damit verstehen wir die Worte von Rabbi Aba, der sagte: „‚Die fern sind von der Gerechtigkeit’ bedeutet, dass sie sich von der Tora entfernen, und deshalb sind sie fern von der Gerechtigkeit.“ Und wir fragten: Ist denn die Tora die Ursache dafür, zur Gerechtigkeit zu gelangen, und kann man ohne Tora keine Almosen geben? Doch die Sache ist, wie oben gesagt: Mit „Gerechtigkeit“ ist die Stufe des Glaubens gemeint. Und es ist unmöglich, zur Stufe des wahren Glaubens zu gelangen, bevor der Mensch die Gleichheit der Form mit dem Schöpfer besitzt – was bedeutet, dass alle seine Handlungen nur darauf gerichtet sind, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.
Und so heißt es in der „Einführung in das Buch Sohar“ (Blatt 138, und im Sulam-Kommentar dort), dies sind seine Worte: „Denn es ist ein Gesetz, dass das Geschöpf von Ihm nichts offen Böses empfangen kann, denn das wäre – behüte – ein Makel an Seiner Herrlichkeit, wenn das Geschöpf Ihn als einen erfassen würde, der Böses tut. Deshalb: In dem Maße, in dem der Mensch Schlechtes empfindet, in demselben Maße ruht auf ihm – behüte – die Leugnung Seiner Lenkung, und der Wirkende ist ihm verborgen.“
Und der Grund ist: Bevor der Mensch mit Gefäßen des Gebens belohnt wurde, ist er nicht fähig, das Gute und den Genuss von Ihm zu empfangen. Somit empfindet er Schlechtes, und deshalb kann der Mensch nicht mit wahrem Glauben belohnt werden, bevor er sein Böses korrigiert hat, das „Empfangen, um zu empfangen“ genannt wird.
Somit wird der Mensch durch die Tora, die ihn zum Guten zurückführt – das heißt, dass er Gefäße des Gebens erhält –, mit der Stufe des Glaubens belohnt, die „Gerechtigkeit“ genannt wird. Sie ist die Stufe von „Glaube, weil Er groß ist und herrscht“ – und nicht, dass die Grundlage seines Glaubens darauf beruht, irgendeine Gegenleistung zu empfangen.
Ebenso verstehen wir jetzt, was wir zu den Worten von Rabbi Chiskija gefragt haben, der die Bedeutung von „Hartherzige“ weiter erklärt. Er erklärt nämlich, dass sie sich vom Schöpfer entfernen und deshalb fern von der Gerechtigkeit sind. Und wir fragten: Wie kann die Annäherung an den Schöpfer die Ursache dafür sein, dass man fähig wird, Gerechtigkeit zu tun – welche Verbindung besteht denn zwischen dem einen und dem anderen? Und so steht dort im Sulam-Kommentar geschrieben, dies sind seine Worte: „Rabbi Chiskija widerspricht Rabbi Aba nicht, sondern erklärt mehr als er.“ Und wir fragten: Die Erklärung von Rabbi Chiskija ist doch noch schwerer zu verstehen!
Nach dem, was wir oben erklärt haben, verhält es sich wie gesagt: Rabbi Chiskija erklärt ausführlicher, was es bedeutet, dass sie „Hartherzige“ genannt werden und deshalb fern von der Gerechtigkeit sind. Denn aus dem, was Rabbi Aba sagt – dass sie sich von der Tora entfernt haben –, werden sie denken, dass sie einfach Tora lernen müssen und dadurch mit der Gerechtigkeit, die „Glaube“ genannt wird, belohnt werden. Die Absicht von Rabbi Aba ist jedoch, dass sie durch die Tora zur Gleichheit der Form kommen, die „Gefäße des Gebens“ genannt wird. Denn bevor sie Gefäße des Gebens haben, können sie nicht zur Stufe des wahren Glaubens kommen, wie es im Sulam-Kommentar heißt, siehe oben (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 138).
Deshalb erklärt Rabbi Chiskija weiter und sagt es einfacher: „Hartherzige“ werden jene genannt, die sich vom Schöpfer entfernen. Das bedeutet: Weil sie Hartherzige sind, wollen sie sich dem Schöpfer nicht nähern, und deshalb sind sie fern von der Gerechtigkeit. Und das ist, wie oben gesagt: Man kann nicht mit der Stufe des Glaubens, die die Stufe der Gerechtigkeit ist, belohnt werden, bevor man damit belohnt wird, sich dem Schöpfer zu nähern – was Gleichheit der Form genannt wird, das heißt Gefäße des Gebens.
Und dass Rabbi Aba es nicht so erklärt wie Rabbi Chiskija – es kann sein, dass Rabbi Aba uns zwei Dinge auf einmal sagen will, nämlich die Ursache und den Rat. Die Ursache, weshalb sie keinen Glauben haben, ist, dass sie keine Gefäße des Gebens haben. Und der Rat dazu ist, sich mit der Tora zu beschäftigen; denn durch das Licht der Tora werden sie mit der Gleichheit der Form belohnt – das heißt, dass alle ihre Handlungen nur dem Geben dienen. Und dann werden sie mit der Stufe der Gerechtigkeit belohnt, die die Stufe des wahren Glaubens ist.
Und dazu, dass Rabbi Chiskija hinzufügt, dass sie durch die Gerechtigkeit mit Frieden belohnt werden, fragten wir: Wenn die Gerechtigkeit eine so große Sache ist, da damit der Glaube gemeint ist – was ist dann der Frieden? Denn es scheint, als wäre der Frieden etwas noch Wichtigeres.
Man kann erklären, dass der Frieden den Abschluss der Arbeit bedeutet. Denn bevor der Mensch mit Gefäßen des Gebens belohnt wird, gibt es bei ihm keinen Platz für den Glauben. Und nachdem er bereits Gefäße des Gebens hat und mit der Stufe des Glaubens belohnt wurde, erlangt er das Ziel der Schöpfung, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Das heißt, dann empfindet er das Gute und den Genuss, die der Schöpfer erschaffen hat, um Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Und dann wird der Mensch mit der Stufe des Friedens belohnt.
Anders ist es, bevor der Mensch mit der Stufe der Gerechtigkeit belohnt wurde, die die Stufe des Glaubens auf der Grundlage der Gefäße des Gebens ist: Da hat er keine Gefäße, um das Gute und den Genuss zu erlangen. Denn dem Guten fehlt noch die Korrektur, damit es kein „Brot der Scham“ (Nahama deKissufa) gibt. Dafür gab es die Korrektur, die Erste Einschränkung (Zimzum Alef) genannt wird. Und erst wenn die Geschöpfe diese Korrektur haben, die „Gefäße des Gebens“ genannt wird, gibt es einen Ort, an dem das Licht des Schöpfers weilen kann, dessen Ziel es ist, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Vorher dagegen befindet sich der Mensch im Streit mit dem Schöpfer, wie es im Sulam-Kommentar heißt (Einführung in das Buch Sohar, Blatt 172, Punkt 175), dies sind seine Worte: „Und ebenso erhob der Frieden Einspruch, dass er [der Mensch] ganz und gar Streit sei.“ Da der Mensch sich nicht mit den Mizwot beschäftigen kann, um zu geben, sondern nur mit einer Beimischung des eigenen Genusses, befindet er sich dadurch ständig im Streit mit dem Schöpfer. Denn es scheint ihm, dass er ein vollkommener Gerechter ist, und er spürt seine Mängel überhaupt nicht. Das heißt, er spürt nicht, dass seine ganze BeschĄftigung mit Tora und Mizwot lo liShma ist. Und er geht umher und beklagt sich – behüte – über den Schöpfer, dass man ihm nicht so Gutes tut, wie man einem vollkommenen Gerechten Gutes tun müsste.
So sehen wir: Bevor der Mensch mit der Stufe der Gerechtigkeit belohnt wird – die die Stufe des Glaubens an den Schöpfer auf der Grundlage der Gefäße des Gebens ist, was den Menschen zur Annäherung an den Schöpfer bringt –, gibt es keine Möglichkeit, dass Frieden herrscht.
Somit besteht der Abschluss der Arbeit darin, zum Ziel zu gelangen – das heißt, dass man zur Stufe des Friedens gelangt. Und zu diesem Frieden kann man nicht gelangen, bevor man die vorangehenden Stufen durchlaufen hat: die Annäherung an den Schöpfer, danach den Glauben, der „Gerechtigkeit“ genannt wird, und danach das Ziel, das „Frieden“ genannt wird.
korrigiert, EY, CO4.6, 07.06.2026