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Rabash – 1986 – Artikel 18 (תשמ"ו – מאמר י"ח)

„Wer verursacht das Gebet“ · מי הוא הגורם לתפלה

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1

Unsere Weisen sagten (Traktat Berachot 32): „Stets ordne der Mensch zuerst das Lob des Schöpfers und bete erst danach.“ Das lehrt uns, dass der Mensch glauben muss. Denn dass er in einen Zustand gerät, in dem er seinen Mangel in der Arbeit für den Schöpfer empfindet – das Gefühl, dass ihm der Glaube fehlt, den er haben sollte, also die Fähigkeit zu glauben, dass der Schöpfer gut ist und Gutes tut –, daran muss er glauben. Dieses Gefühl, dass er sieht, dass es nicht in seiner Macht steht, dem Schöpfer zu danken und aus vollem Munde, mit Mund und Herz im Einklang, zu sprechen: „Gesegnet sei Er, der sprach, und die Welt entstand“ – dass er sich also an der Welt so erfreut, dass er dem Schöpfer dafür dankt, dass Er die Welt erschuf und er etwas hat, woran er sich freuen kann. Und wenn er, Gott behüte, das Gute und die Wonne, die zu empfangen sind, nicht spürt, fällt es ihm schwer, dafür zu danken. Und es schmerzt ihn, warum er den Schöpfer für die Welt, die Er erschuf, nicht loben und nicht aus vollem Munde sprechen kann: „Gesegnet sei Er, der sprach, und die Welt entstand“.

חז"ל (במסכת ברכות ל"ב) אמרו "לעולם יסדר אדם שבחו של הקב"ה, ואח"כ יתפלל". זה מראה לנו, שהאדם צריך להאמין, כי זה שהאדם בא לידי מצב, שירגיש את חסרונו בעבודת ה', היינו הרגשתו שאין לו אמונה כמו שצריך להיות, זאת אומרת, שתהיה לו היכולת להאמין שהקב"ה הוא טוב ומטיב. והרגשה זו, שרואה, שאין בידו להודות לה', ולומר בפה מלא, שיהיו פיו ולבו שוים "ברוך שאמר והיה העולם", היינו שהוא נהנה מהעולם עד שהוא נותן תודה לה', מזה שברא את העולם, ויש לו ממה להנאות. ואם חס ושלום לא מרגיש את הטוב והעונג שיש לקבל, אז קשה לו לתת תודה על זה. וזה כואב לו, מדוע אין הוא יכול להלל להקב"ה על העולם שברא, ולומר "ברוך שאמר והיה העולם" בפה מלא.

Unsere Weisen sagten (Brachot 32): „Der Mensch sollte immer zuerst den Schöpfer preisen und erst dann beten.“ Wenn ein Mensch in einen Zustand kommt, in welchem er seine Fehler in der Arbeit des Schöpfers erkennt und fühlt, dass sein Glaube nicht ausreicht – zum Beispiel dass er nicht glauben kann, dass der Schöpfer gut und Gutes tuend ist oder dass er dem Schöpfer nicht danken und von ganzem Herzen behaupten kann „Gesegnet sei Er, der sagte, die Welt sei erschaffen“ – wenn er also den erhaltenen Genuss und die Fülle nicht spüren kann, ist es schwer für ihn, dankbar zu sein. Und dies bereitet ihm Schmerz, weil er den Schöpfer nicht für die Erschaffung der Welt aus vollem Herzen preisen und sagen kann: „Gesegnet sei Er, der die Welt erschuf.“

2

Und dieser Mangel schmerzt ihn, das heißt, er sagt, dass dieses Gefühl gewiss daher rührt, dass er vom Schöpfer entfernt ist – dass er also in Eigenliebe versunken ist. Und das bewirkt seine Trennung vom Schöpfer, das heißt, er hat kein Empfinden für die Größe des Schöpfers, denn der Schöpfer ist vor ihm verborgen. Und darum kann er die Wahrheit nicht sehen, wie geschrieben steht: „Denn Er ist dein Leben und die Länge deiner Tage.“ Und ebenso kann er die Wichtigkeit der Tora nicht spüren, wie geschrieben steht: „Denn sie ist eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Völker, die all diese Gesetze hören und sagen werden: Wahrlich, ein weises und verständiges Volk ist diese große Nation.“

והחסרון הזה כואב לו, היינו שהוא אומר, שבטח הרגשה זו באה לו מזה, שהוא מרוחק מה', היינו שהוא משוקע באהבה עצמית. וזה גורם לו פירוד מה', היינו שאין לו רגש של גדלות הבורא, כי הבורא נסתר ממנו. ומשום זה הוא לא יכול לראות את האמת, מה שכתוב "כי הוא חייך ואורך ימיך". וכמו כן הוא לא יכול להרגיש את חשיבות התורה, כמו שכתוב "כי הוא חכמתכם ובינתכם לעיני העמים, אשר ישמעון את כל החוקים האלה ואמרו, רק עם חכם ונבון הגוי הגדול הזה".

Und dieser Mangel schmerzt ihn. Er meint, es läge daran, weil er vom Schöpfer entfernt und von Eigenliebe durchdrungen ist. Und dies ist der Grund der Trennung vom Schöpfer – er empfindet nicht die Größe des Schöpfers, denn der Schöpfer ist vor ihm verborgen. Und deshalb kann er die Wahrheit nicht sehen, wie geschrieben steht: „Denn Er ist dein Leben und die Verlängerung deiner Lebenstage.“ Und er kann auch nicht die Wichtigkeit der Tora spüren, wie geschrieben steht: „Denn sie ist eure Weisheit, eure Erkenntnis in den Augen der Völker, die all diese Gesetze hören und sagen werden ‚Sicher ist dieses große Volk ein weises und kluges.‘“

3

Und wenn der Mensch mit sich Abrechnung hält: Wo ist jene Begeisterung darüber, dass die Völker über uns sagen, wir seien „ein weises und verständiges Volk“ – und zwar durch die Kraft der Tora, dadurch, dass wir erfüllen, was geschrieben steht: „Ihr sollt sie bewahren und befolgen, denn das ist eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Völker“? Und warum spüre ich die Wichtigkeit der Tora und der Mizwot nicht?

וכשהאדם נותן חשבון לעצמו, איפה היא ההתפעלות הזו, מצד מה שהגויים אומרים עלינו "רק עם חכם ונבון" אנחנו מכח התורה, מכח מה שאנו מקיימים מה שכתוב "ושמרתם ועשיתם, כי הוא חכמתכם ובינתכם לעיני העמים". ומדוע אין אני מרגיש את חשיבות התורה והמצות.

Und wenn der Mensch sich fragt, woher die Begeisterung der Völker stammt, die über uns sagen „Ein weises und kluges Volk“, so sind wir das durch die Kraft der Tora, weil wir einhalten, was geschrieben steht: „Ihr sollt die Gebote befolgen und ausführen, denn das ist eure Klugheit und Weisheit in den Augen der Völker.“ Und warum kann man die Wichtigkeit der Tora und ihrer Mizwot nicht empfinden?

4

Und in diesem Zustand der Betrachtung, in dem er fühlt, wie fern er jeder Wertschätzung für die Arbeit für den Schöpfer ist, beginnt er zu erwachen und zu denken: Gewiss muss man etwas tun, um nicht das ganze Leben in dieser Niedrigkeit zu verharren. Und sicher beginnt der Mensch dann, zum Schöpfer zu beten, dass Er ihn Sich nähere und ihm Hilfe von oben gebe, wie unsere Weisen sagten: „Dem, der kommt, um sich zu reinigen, wird geholfen.“

ובמצב ההתבוננות הזה, שהוא מרגיש, איך שהוא רחוק מכל חשיבות של עבודת ה', ומתחיל להתעורר ולחשוב, שבטח צריכים לעשות משהו, שלא ישאר כך במצב השפלות הזו כל ימי חייו. ובטח אז האדם מתחיל להתפלל לה', שיקרב אותו אליו, ויתן לו עזרה מלמעלה, כמו שאמרו חז"ל "הבא לטהר מסייעין אותו".

In dieser Phase der Reflexion, in welcher der Mensch fühlt, dass er weit von der Wichtigkeit des Dienstes für den Schöpfer entfernt ist, erwacht er und denkt, dass er unbedingt etwas unternehmen muss, um nicht den Rest seines Lebens in diesem niedrigen Zustand zu verharren. Und dann betet der Mensch zu Gott , dass Er ihn näher an Sich ziehe und ihm Hilfe von Oben gewähre, wie die Weisen sagten: „Jenem, der kommt, um gereinigt zu werden, dem wird geholfen.“

5

Das heißt: Er möge die Verhüllung der Größe und Wichtigkeit der Heiligkeit (Kedusha) von ihm nehmen, damit er all die niederen Gedanken und Wünsche, die aus der Eigenliebe stammen, überwinden kann. Und seine ganze Sorge solle nur noch sein, wie man etwas für die Heiligkeit tun kann – das, was man „geben, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten“ nennt. Und das kann gewiss nur in dem Maße geschehen, in dem er an die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers glaubt.

היינו שיסיר ממנו את ההסתרה של גדלות וחשיבות דקדושה, שיוכל להתגבר על כל מחשבות ורצונות השפלות, הבאים מכח אהבה עצמית. ושכל דאגותיו יהיו אך ורק, איך יכולים לעשות משהו עבור הקדושה, הנקרא "בעמ"נ להשפיע נחת רוח ליוצרו", שבטח שזה יכול להיות רק בשיעור שהוא מאמין בגדלות וחשיבות של הקב"ה.

Das heißt, Er möge von ihm die Verhüllung der Wichtigkeit und Größe der Heiligkeit entfernen, damit er die Niedrigkeit fremder Wünsche und die Gedanken der Eigenliebe besiegen kann; seine ganze Sorge möge darin bestehen, wie er etwas für die Heiligkeit tun kann, die „geben, um dem Schöpfer Freude zu bereiten“ genannt wird; und sicherlich kann das nur in dem Maße geschehen, in dem der Mensch an die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers glaubt.

6

Also bittet er den Schöpfer, seine Augen zu erleuchten, damit er die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers sehe und spüre, wie geschrieben steht (Psalm 88): „Warum, o Schöpfer, verstößt Du meine Seele, verbirgst Dein Angesicht vor mir?“ Und dann kommt das Gebet aus der Tiefe des Herzens: Der Mensch wünscht dann, dass der Schöpfer sein Herz heile, wie geschrieben steht (Psalm 147): „Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“

אם כן הוא מבקש מה' שיאיר עיניו, ויראה וירגיש את גדלות וחשיבות ה', כמו שכתוב (תהילים פ"ח) "למה ה' תזנח נפשי, תסתיר פניך ממני". ואז הוא התפלה הוא מעומק הלב, היינו שהאדם רוצה אז שהקב"ה ירפא את לבו, כמו שכתוב (תהילים קמ"ז) "הרופא לשבורי לב ומחבש לעצבותם".

Deshalb verlangt er von Gott , ihm die Augen zu öffnen, um die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers zu sehen, wie geschrieben steht (Psalm 88,15): „Ewiger, warum vernachlässigst Du meine Seele, warum verhüllst Du Dein Angesicht vor mir?“ Dies ist ein Gebet aus tiefstem Herzen und der Mensch möchte, dass der Schöpfer sein Herz heilt, wie geschrieben steht (Psalm 147,3): „Er heilt die mit gebrochenem Herzen und kümmert sich um ihre Traurigkeit.“

7

Und dann denkt der Mensch gewiss, dass das Erwachen zum Gebet – dass der Schöpfer ihn Sich nähere – aus dem Menschen selbst kommt. Und er wartet auf die Erlösung durch den Schöpfer, dass Er ihm beistehe, indem Er sein Gebet annimmt und ihm auf sein Gebet antwortet, ihn also Sich nähert, so wie er gerade jetzt betet, weil er nun seinen Mangel spürt, den er zuvor nicht empfunden hat.

ואז בטח האדם חושב, שההתעוררות לתפלה, שה' יקרב אותו אליו, זה בא מכח אדם עצמו, ומחכה לישועת ה', שהוא יעזור לו, בזה שיקבל תפלתו, ויענה לו על תפלתו. זאת אומרת, שיקרב אותו אליו יתברך, כמו שהוא מתפלל עכשיו, מסיבת שהוא מרגיש עכשיו את חסרונו, מה שלא היה מרגיש מקודם.

Und der Mensch denkt, dass sein Erwachen zum Gebet, seine Bitte, sich dem Schöpfer zu nähern, von ihm selbst stammt und er wartet auf die Erlösung vonseiten des Schöpfers, der ihm helfen und seine Gebete erhören möge, sich an Ihn anzunähern, da er jetzt seinen Mangel spürt, den er vorher nicht empfunden hat.

8

Wenn der Mensch nun vom Schöpfer nicht erhält, was der Schöpfer ihm seiner Meinung nach geben müsste, dann beklagt sich der Mensch: Warum antwortet der Schöpfer ihm nicht auf sein Gebet, das er betet? Bei anderen Menschen, die Er seiner Ansicht nach nicht näherbringt, ist das verständlich – sie haben eben keinen Mangel nach dem Spirituellen. Er aber gleicht nicht den übrigen Menschen, die keinerlei Verbindung zum Schöpfer haben; jene muss der Schöpfer ohnehin nicht näherbringen.

אי לזאת, כשהאדם לא מקבל מהבורא, מה שהוא חושב שהבורא צריך לתת לו, אז הוא האדם מתרעם, מדוע אין הבורא עונה לו על תפלתו, שהוא מתפלל. בשלמא אנשים אחרים, שלא מקרב אותם לפי דעתו, הוא מטעם שאין להם חסרון לרוחניות. אבל הוא לא דומה לשאר אנשים, שאין להם שום זיקה לה', אז ממילא אין הקב"ה צריך לקרב אותם.

Und wenn der Mensch nicht vom Schöpfer erhält, was er glaubt, dass es ihm zustehe, wird er zornig, weil der Schöpfer sein Gebet nicht erhört. Was andere Menschen angeht, so ist er der Meinung, dass Er sie nicht an Sich annähert, weil sie keinen Mangel an Spiritualität verspüren. Doch er gleicht nicht den anderen Menschen, die keine Neigung zum Schöpfer empfinden und die letzterer deshalb ohnehin nicht an Sich anzunähern braucht.

9

Doch bei diesem Menschen, der zum Schöpfer betete, dass Er ihm helfe und ihn Sich nähere, sieht der Schöpfer selbst, dass er nicht den übrigen Menschen gleicht, sondern aus dem Volk herausragt: Er hat Verständnis für das Leben in der Welt und dessen Endziel, und er hält mit sich Abrechnung, zu welchem Zweck er erschaffen wurde und was er erreichen soll. Die anderen Menschen dagegen sieht er, wenn er sie betrachtet, in ihrer Niedrigkeit – ihr ganzes Denken und Handeln dient nur dem eigenen Nutzen. Und er fühlt, dass er anders versteht, weil sein Verstand und seine Eigenschaften höher und bedeutender sind als die der übrigen Menschen.

אבל אדם זה, שהתפלל לה', שיעזור לו, שיקרב אותו אליו, הלא הקב"ה בעצמו רואה, שאין הוא דומה לשאר אנשים, אלא הוא מרים מעם, שיש לו הבנה בחיי העולם ותכליתו, שהוא עושה חשבון לעצמו, לאיזה מטרה הוא נברא, ולמה הוא צריך להגיע. מה שאין כן שאר אנשים, כשהוא מסתכל עליהם, הוא רואה את שפלותם, שכל מחשבותיהם ומעשיהם הם רק לצורך תועלת עצמם. והוא מרגיש, שהוא מבין אחרת, מסיבת שכלו ומידותיו שהם יותר במעלה וחשיבות משאר אנשים.

Aber so einen Menschen, der zum Schöpfer betet, dass Er ihn an Sich annähern möge, sieht der Schöpfer selbst und erkennt seine Besonderheit: dass er über das Volk herausragt, die Welt und ihre Bestimmung versteht und darüber nachdenkt, warum er erschaffen wurde und was das zu erreichende Ziel ist. Aber wenn er die anderen Menschen beobachtet, so sieht er ihre Niedrigkeit und dass all ihre Gedanken und Taten nur von der Eigenliebe geprägt sind. Er fühlt, dass er es anders versteht, weil sein Verstand und seine Tugenden größer und wichtiger sind als die der anderen Menschen.

10

Und mehr noch: Manchmal sieht der Mensch, dass er auf einer höheren und bedeutenderen Stufe steht als sogar jene, mit denen er in einer Lerngemeinschaft (Chevruta) verbunden ist. Und er sieht, dass sie manchmal an das Spirituelle denken, während sein ganzes Denken und Wollen allein dem Spirituellen gilt. Und er will immer aus der Eigenliebe heraustreten, und all seine Bitten an den Schöpfer gehen nur darauf, dass Er ihn aus dieser Niedrigkeit herausführe. Bei seinen übrigen Freunden aber sieht er nicht, dass auch sie so ernsthaft wären, dass sie nur an das Spirituelle dächten.

ועוד יותר מזה. לפעמים אדם רואה, שהוא עומד במעלה יותר גדולה ויותר חשובה, אפילו מאנשים שהוא נמצא איתם בחברותא. והוא רואה, שהם לפעמים חושבים על רוחניות. מה שאין כן הוא, כל מחשבתו ורצונו הוא רק על רוחניות, והוא רוצה תמיד לצאת מאהבה עצמית, וכל בקשותיו לה', הוא רק שיוציא אותו משפלות זו. והוא לא רואה על שאר חברים שלו, שגם הם יהיו כל כך רציניים, שיחשבו רק על רוחניות.

Und manchmal hält er sich sogar für erhabener und wichtiger als die Freunde in der Gruppe. Und er sieht, dass diese nur manchmal an die Spiritualität denken, wohingegen er all seine Gedanken und Wünsche der Spiritualität widmet. Er möchte immer nur der Eigenliebe entfliehen, und all seine Gebete an den Schöpfer bestehen nur daraus, ihn von dieser Niedrigkeit zu erlösen. Er sieht nicht, dass seine Freunde ebenso ernsthaft sind und nur über die Spiritualität nachdenken.

11

Daher hat er Vorwürfe gegen den Schöpfer: Warum antwortet Er ihm nicht auf sein Gebet, auf das, worum er betet, und lässt ihn in seinem Zustand, in dem er sich befindet, wie die übrigen Freunde, ohne ihn zu beachten – das heißt, ohne sein Gebet zu beachten, das er wahrhaftig aus der Tiefe des Herzens betet? So sieht er, Gott behüte, in der Beantwortung des Gebets von oben einen Mangel. Und er fragt sich: Steht nicht geschrieben „denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes“? „Jeder Mund“ bedeutet doch, dass der ganze Mund das Gebet erbittet, dass also sein ganzer Körper verlangt, der Schöpfer möge ihm helfen. Die übrigen Menschen dagegen, die keine Antwort auf ihr Gebet erhalten – bei ihnen liegt es daran, dass es nicht „der ganze Mund“ ist.

לכן יש לו תרעומות על הבורא, מדוע הוא לא עונה לו על תפלתו, על מה שהוא מתפלל, ומשאיר אותו במצבו שהוא נמצא, כמו שאר החברים, ולא מתחשב עמו, היינו עם תפלתו, שהוא מתפלל באמת מעומק הלב. אם כן הוא רואה חס ושלום בעניית התפלה מלמעלה חסרון. ושואל לעצמו, הלא כתוב "כי אתה שומע תפלת כל פה", ש"כל-פה" פירושו, שכל הפה יבקש את התפלה, היינו שכל הגוף שלו דורש, שה' יעזור לו. מה שאין כן שאר אנשים, שלא מקבלים תשובה על תפלתם, הוא משום שהוא לא "כל-פה".

Und er ist zornig auf den Schöpfer, weil Er seine Gebete nicht erhört und ihn ebenso wie all die anderen Freunde in diesem Zustand belässt. Der Schöpfer nimmt keine Rücksicht auf ihn bzw. auf sein Gebet, das aus tiefstem Herzen kommt. Und deshalb sieht er Oben in der Beantwortung seines Gebetes einen Mangel. Und so fragt er sich: „Es steht doch geschrieben ‚Du erhörst die Gebete eines jeden Mundes‘, wobei jeder Mund bedeutet, dass der ganze Mund das Gebet sprechen soll. Sein ganzer Körper sollte also darum bitten, dass der Schöpfer ihm helfe? Und die Gebete der anderen Menschen werden nicht erhört, weil das Gebet nicht vom ganzen Mund kommt?“

12

Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens (Baal HaSulam) sagte dazu: Es steht geschrieben: „Und es wird sein: Ehe sie rufen, werde Ich antworten; noch während sie reden, werde Ich hören.“ Und er erklärte: Dass der Mensch seinen Mangel spürt und zum Schöpfer betet, Er möge ihm helfen – der Grund dafür ist nicht, dass der Mensch seinen Mangel empfindet und ihm dies Anlass zum Beten gibt. Der Grund ist vielmehr, dass er Gefallen in den Augen des Schöpfers gefunden hat und der Schöpfer ihn Sich nähern will.

הנה אאמו"ר זצ"ל אמר על זה, הנה כתוב "והיה טרם יקראו ואני אענה, עוד הם מדברים ואני אשמע". והוא זצ"ל פירש, שזה שהאדם מרגיש חסרונו, ומתפלל לה', שה' יעזור לו, אין הסיבה שהאדם מרגיש חסרונו, זה נותן לו מקום להתפלל, אלא הסיבה היא, היות שהוא מצא חן בעיני ה', וה' רוצה לקרבו.

Dazu sagte Baal HaSulam : „Es steht geschrieben ‚Noch bevor sie rufen, antworte ich ihnen und während sie noch sprechen, erhöre ich sie‘.“ Und er deutete dies so, dass wenn der Mensch einen Mangel empfindet und zum Schöpfer betet, dass Er ihm helfen möge, so geschieht dies nicht, weil der Mensch tatsächlich einen Mangel findet, und dies für ihn ein Grund zum Beten ist, sondern weil er Gefallen in den Augen des Schöpfers gefunden hat und der Schöpfer ihn annähern möchte.

13

Dann sendet der Schöpfer ihm das Empfinden seines Mangels und ruft ihn, sich mit Ihm zu verbinden. Das heißt, der Schöpfer nähert ihn Sich, indem Er ihm das Verlangen gibt, sich an Ihn zu wenden und mit Ihm zu sprechen. So zeigt sich, dass sein Gebet bereits erhört ist, noch ehe er gebetet hat. Das heißt, der Schöpfer hat ihn Sich genähert, indem Er ihm den Raum gab, mit Ihm zu sprechen. Und das nennt man: „Ehe sie rufen, werde Ich antworten.“ Das heißt, der Schöpfer hat den Menschen Sich genähert, noch bevor in dessen Sinn der Gedanke aufstieg, dass man zum Schöpfer beten muss.

אז ה' שולח לו את הרגשת חסרונו, וקורא אותו שיתחבר אליו. זאת אומרת, שה' מקרבו, בזה שה' נותן לו רצון, שהוא יפנה לה', ושידבר לה'. נמצא, שכבר יש לו עניית התפלה מטרם שהוא התפלל. היינו, שה' קרבו אליו, בזה שהוא נתן לו מקום, שידבר לה'. וזה נקרא "טרם יקראו ואני אענה". זאת אומרת, שה' קרב את האדם אליו, מטרם שעלתה מחשבה במוחו של אדם, שצריכים להתפלל לה'.

Deshalb gab ihm der Schöpfer das Gefühl des eigenen Mangels und ruft ihn auf, sich Ihm anzunähern. Der Schöpfer selbst hat ihn an Sich angenähert, indem Er dem Menschen das Verlangen gab, sich an Ihn zu wenden und mit Ihm zu reden; dies bedeutet, dass sein Gebet schon erhört wurde, bevor er es aussprach, und der Schöpfer ihn bereits an Sich annäherte, als Er ihm einen Grund gab, das Gespräch mit dem Schöpfer zu beginnen, und das heißt: „Bevor sie Mich rufen, werde Ich antworten.“ Der Schöpfer näherte also den Menschen bereits an Sich an, noch bevor dieser den Gedanken hatte, zu Gott zu beten.

14

Aber warum hat der Schöpfer gerade ihn erwählt, ihm den Ruf zu geben, zu Ihm zu kommen und zu beten? Darauf haben wir keine Antwort. Vielmehr müssen wir über dem Verstand glauben, dass es so ist. Und das nennen wir „die Lenkung der individuellen Vorsehung (Hashgacha Pratit)“. Das heißt: Der Mensch darf nicht sagen: „Ich warte, bis der Schöpfer mir ein Erwachen von oben gibt, dann habe ich die Möglichkeit, die heilige Arbeit zu verrichten.“ Denn mein Vater und Lehrer seligen Andenkens sagte, dass der Mensch hinsichtlich der Zukunft an Lohn und Strafe glauben muss. Das heißt, er muss sagen: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich? Und wenn ich nur für mich bin, was bin ich? Und wenn nicht jetzt, wann dann?“ (Sprüche der Väter, erstes Kapitel).

אבל מדוע בחר ה' בו, לתת לו קריאה, לבוא אליו להתפלל. על זה אין לנו תשובה. אלא שצריכים להאמין למעלה מהדעת, שכך הוא. וזה נקרא אצלנו בשם "הנהגה השגחה פרטית". דהיינו, שאסור לו לאדם לומר, שאני מחכה עד שה' יתן לי התעוררות מלמעלה, אז תהיה לי אפשרות לעבוד בעבודת הקודש. כי הוא זצ"ל אמר, שעל עתיד אדם מחוייב להאמין בשכר ועונש. היינו שהוא צריך לומר "אם אין אני לי מי לי, וכשאני לעצמי מה אני, ואם לא עכשיו אימתי" (אבות פרק ראשון).

Aber warum hat der Schöpfer ihn auserwählt, zu Ihm zu kommen und zu Ihm zu beten? Darauf haben wir keine Antwort. Stattdessen müssen wir über dem Verstand glauben, dass dies so ist. Wir nennen das „Führung durch persönliche Vorsehung“. Der Mensch sollte nicht sagen: „Ich warte auf den Schöpfer, auf dass Er mich von Oben erwecke, sodass ich die heilige Arbeit leisten kann.“ Dazu sagte Baal HaSulam , dass ein Mensch im Hinblick auf die Zukunft an Belohnung und Strafe glauben sollte, das heißt, er muss sich sagen „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich? Und wenn ich für mich bin, was bin ich dann? Und wenn nicht jetzt, wann dann?“ (Sprüche der Väter 1,14)

15

Also darf man danach keinen einzigen Augenblick warten. Vielmehr muss der Mensch sagen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Und man darf nicht auf eine geeignetere Zeit warten, nach der „dann werde ich mich erheben, um die heilige Arbeit zu tun“. Vielmehr gilt, was unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter, zweites Kapitel, 5): „Sage nicht: Wenn ich frei bin, werde ich lernen – vielleicht wirst du nie frei.“

אם כן אסור לחכות על רגע אחד אחרי כן. אלא האדם צריך לומר, אם לא עכשיו אימתי. ואסור לחכות על זמן יותר מוכשר, ש"אז אני אקום לעבוד עבודת הקודש". אלא כמו שאמרו חז"ל (אבות פרק שני, ה') "ואל תאמר לכשאפנה אשנה, שמא לא תפנה".

Daher soll man keine Zeit vergeuden, sondern muss sich sagen, wenn nicht jetzt, wann dann? Und man darf auch nicht auf bessere Zeiten warten, und sagen „Dann werde ich aufstehen und heilige Arbeit leisten“, sondern sollte sich an die Worte unserer Weisen erinnern (Sprüche der Väter 2, 5): „Sage nicht ‚Ich werde studieren, wenn ich Zeit habe‘, denn sonst wirst du tatsächlich nie Zeit haben.“

16

Doch im Nachhinein – so sagte er seligen Andenkens – muss der Mensch an die individuelle Vorsehung glauben: Nicht der Mensch ruft den Schöpfer, sondern der Schöpfer ruft den Menschen und spricht zu ihm: „Ich will, dass du zu Mir sprichst.“ So zeigt sich, dass der Anlass zur Annäherung nicht vom Menschen ausgeht, sondern vom Schöpfer. Und darum soll der Mensch nicht denken, der Schöpfer höre, Gott behüte, das Gebet nicht. Vielmehr hat Er ihn bereits genähert, noch bevor der Mensch sich an den Schöpfer wandte, dass Er ihn Sich nähere.

אלא אחר המעשה, אמר זצ"ל, שהאדם צריך להאמין בהשגחה פרטית, שלא שהאדם קורא לה', אלא הקב"ה קורא לאדם, ואומר לו, שאני רוצה שתדבר אלי. נמצא, שלא הסיבה להתקרבות באה מצד האדם, אלא מצד הבורא. ומשום זה אין להאדם לחשוב, שאין הקב"ה שומע תפלה חס ושלום. אלא כבר קירב אותו עוד מטרם שהאדם פנה לה', שיקרב אותו אליו.

Doch nach der Handlung muss der Mensch an die persönliche Vorsehung glauben, dass nicht der Mensch den Schöpfer ruft, sondern der Schöpfer den Menschen und ihm sagt: „Ich möchte, dass du mit Mir sprichst.“ Daraus folgt, dass der Grund für die Annäherung an den Schöpfer nicht vom Geschöpf, sondern vom Schöpfer kommt. Und deshalb darf der Mensch nicht glauben, dass der Schöpfer sein Gebet nicht erhört hätte, denn Gott näherte ihn schon an, bevor der Mensch sich überhaupt mit dieser Bitte an Gott gewandt hatte.

17

Und das nennt man: „Ehe sie rufen, werde Ich antworten.“ Demnach gilt nach dem oben Gesagten: Wenn der Mensch erwacht, um seinen niedrigen Zustand zu spüren, kommt das nicht vom Menschen selbst, sondern der Schöpfer sandte ihm dann ein solches Gefühl, damit er bitte, genähert zu werden. Sobald daher dem Menschen der Gedanke kommt, dass er vom Schöpfer entfernt ist, und er zum Schöpfer beten will, dass Er ihn Sich nähere, soll er nicht beten, ehe er nicht zuerst dem Schöpfer dafür dankt, dass Er ihn ruft, sich Ihm zu nähern.

וזה נקרא "טרם יקראו ואני אענה". נמצא לפי הנ"ל, אם האדם נתעורר להרגיש את מצבו השפלות שלו, זה לא בא מצד האדם, אלא הקב"ה שלח לו אז הרגשה כזאת, בכדי שיבקש שיקרבו. אי לזאת, תיכף כשבאה לאדם מחשבה שהוא מרוחק מה', ורוצה להתפלל לה' שיקרב אותו, אין לו להתפלל, עד שיתן מקודם תודה לה', בזה שה' קורא אותו, שיתקרב אליו.

Und dies heißt: „Noch bevor sie nach mir rufen, habe ich sie erhört.“ Ein Mensch wacht demnach nicht von selbst auf, um seinen unlauteren Zustand zu spüren, sondern der Schöpfer gibt ihm dieses Gefühl, damit er zu Ihm beten möge. Sobald aber ein Mensch seine Entfernung vom Schöpfer spürt und zu Ihm beten will, um Ihn anzunähern, darf er dies solange nicht tun, bis er nicht zuerst dem Schöpfer dafür gedankt hat, dass Er ihn rief.

18

Und der Schöpfer will, dass der Mensch zum Schöpfer betet. Und wenn der Mensch eine Selbstprüfung anstellt – wieso ist ihm gerade jetzt eingefallen, dass es Spiritualität in der Welt gibt und dass er sich bemühen muss, etwas Spirituelles zu erlangen? –, und wenn er sich sofort sagt, dass der Schöpfer ihm diesen Gedanken gesandt hat, dann kann er danach beten.

וה' רוצה שהאדם יתפלל לה'. וכשהאדם נותן לעצמו חשבון נפש, מה פתאום נזכר עכשיו שישנו רוחניות בעולם, והוא צריך להשתדל להשיג מה שהוא ברוחניות, ואם תיכף אומר, שהמחשבה זו הקב"ה שלח, אז אח"כ הוא יכול להתפלל.

Der Schöpfer möchte, dass der Mensch zu Ihm betet; und wenn der Mensch sich fragt „Wieso habe ich mich plötzlich daran erinnert, dass es Spiritualität in der Welt gibt?“, und wenn er sich selbst sofort antwortet, dass der Schöpfer ihm diesen Gedanken geschickt hat – erst dann kann er beten.

19

Und das ist es, was unsere Weisen sagten: „Stets ordne der Mensch zuerst das Lob des Schöpfers.“ Das heißt: Sobald ihm sein Zustand im Hinblick auf das Spirituelle in den Sinn fällt, muss er sofort an Ort und Stelle dem Schöpfer Lob und Dank darbringen, dass Er ihm den Gedanken und das Verlangen nach dem Spirituellen gegeben hat. Und danach – also nachdem er weiß, dass der Schöpfer ihn ruft, und sofort beginnt, den König zu preisen und Ihm zu danken, dass Er ihn genähert hat – kann er über seinen Zustand beten. Denn er sieht, dass ihm die Tora fehlt und er keine Unterscheidungen zwischen Wahrheit und Lüge kennt. Und er betet zum Schöpfer, dass Er ihm den Weg der Wahrheit zeige.

וזה שאמרו חז"ל "לעולם יסדר אדם שבחו של מקום". זאת אומרת, תיכף שנפל במחשבתו את מצבו בענין רוחניות, הוא צריך תיכף על המקום לתת שבח והודיה לה', על זה שהוא נתן לו את המחשבה ורצון על רוחניות. ואח"כ, היינו לאחר שהוא יודע, שה' קורא אותו, ותיכף מתחיל להודות ולשבח את המלך, בזה שקירב אותו, אז הוא יכול להתפלל על מצבו. היות שהוא רואה, שחסרה לו תורה, ואינו יודע שום הבחנות בין אמת לשקר. ומתפלל לה', שיראה לו את דרך האמת.

Und dazu sagten die Weisen: „Der Mensch soll immer den Schöpfer preisen.“ Sobald also der Mensch über die Spiritualität nachdenkt, sollte er zunächst den Schöpfer preisen und Ihm danken, dass Er ihm den Gedanken und den Willen zur Spiritualität gegeben hat. Und wenn er weiß, dass Gott ihn ruft, beginnt er sofort, den König zu preisen und Ihm zu danken, dass Er ihn an Sich angenähert hat. Dann kann er über seinen Zustand beten, denn er sieht, dass ihm die Tora fehlt und somit auch jegliche Unterscheidungen zwischen Wahrheit und Lüge. Und er betet zum Schöpfer, dass Er ihm den Weg der Wahrheit zeigen möge.

20

Und damit verstehen wir, was unsere Weisen sagten (Midrasch Rabba, Toldot 63, Abschnitt 5): „Und der Schöpfer ließ Sich von ihm erbitten.“ Rabbi Levi sagte: Ein Gleichnis von einem Königssohn, der bei seinem Vater einen Gang grub, um ein Pfund Gold zu nehmen. Und der eine grub von innen, und der andere grub von außen – denn in Arabien nennt man das Graben (chatirta) ‚Erbitten‘ (atirta). Und der Kommentar „Matnot Kehuna“ erklärt dort: „‚Ein Pfund nehmen‘ bedeutet, dass auch sein Vater es ihm geben wollte und ihm entgegengrub, damit er es rasch nehme.“ (Prüfe nochmals die Übersetzung dieses Absatzes, insbesondere, wie es in Russisch übersetzt wurde.)

ובזה נבין מה שאמרו חז"ל (מדרש רבה, תולדות, ס"ג, סימן ה') וזה לשונם "וייעתר לו ה'. רבי לוי אמר, משל לבן מלכים, שהיה חותר על אביו, ליטול ליטרא של זהב. והיה זה חותר מבפנים, וזה חותר מבחוץ, שכן בערביא קורין לחתירתא עתירתא". ומפרש שם "המתנות כהונה", ש"ליטול ליטרא, פירוש, וגם אביו חפץ ליתנו, והיה חותר כנגדו כדי שימהר לקחתו".

Und so verstehen wir, was die Weisen sagten (Midrash Rabba, Toldot 63 Siman 5): „Rabbi Levi sagte ‚Und Gott antwortet ihm mit einer Metapher über einen Königssohn, der seinen Vater um ein Pfund Gold bedrängt; er bedrängt ihn sowohl von innen als auch von außen; auf Arabisch heißt bedrängen auch bitten . Er interpretiert dort die Gaben der Priesterschaft: ein Pfund zu bekommen bedeutet, dass sein Vater es ihm auch geben will, und dieser wiederum bedrängt den Sohn, es schneller von ihm anzunehmen‘.“

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Und nach dem, was wir geklärt haben, geht der Anlass dafür, dass der Mensch sich nähern will, vom Schöpfer aus. Und der Schöpfer wartet nicht, bis der Mensch erwacht, sondern Er weckt den Menschen. Und danach betet der Mensch, dass der Schöpfer ihn Sich nähere. Das lässt sich aus jener Sache verstehen, die ein Gleichnis zum Vers „und er erbat“ gibt, der besagt, dass Isaak zum Schöpfer betete. Und er gab dazu ein Gleichnis, nämlich dass sein Vater – das heißt der Schöpfer – von innen gräbt, das heißt, dass der Vater ihm den Gedanken und das Verlangen gab, zu Ihm zu beten. Und danach gräbt der Königssohn von außen, das heißt, das Volk Israel sind Königssöhne, und sie stehen außerhalb des Königspalastes und wollen sich dem Schöpfer nähern, also in den Königspalast eintreten. Mit anderen Worten: Sein Vater im Himmel hat den Anfang gemacht.

ולפי מה שהתבררנו, שהסיבה שהאדם רוצה להתקרב באה מצד הבורא. ואין הבורא מחכה עד שהאדם יתעורר, אלא הוא מעורר את האדם. ואח"כ האדם מתפלל, שהבורא יקרב אותו. את זה יכולים להבין בדבר, שנותן משל על הפסוק "וייעתר", שהוא, שיצחק התפלל לה'. ונתן על זה משל, דהיינו, שאביו, היינו הבורא, חותר מבפנים, היינו שאביו נתן לו מחשבה ורצון להתפלל אליו, ואח"כ הבן מלכים חותר מבחוץ, זאת אומרת, שעם ישראל הם בני מלכים, והם עומדים מבחוץ של היכל המלך, ורוצה להתקרב לה', היינו לכנס להיכל המלך, זאת אומרת, שאביו שבשמים הוא התחיל תחילה.

Wenn sich also ein Mensch dem Schöpfer annähern will, geht dies vom Schöpfer aus. Der Schöpfer wartet nicht, bis der Mensch erwacht, sondern Er erweckt ihn. Und dann betet der Mensch, dass der Schöpfer ihn an Sich annähern möge. Das kann man aus der Allegorie über den Vers „und … hat ihn erhört“ verstehen, was bedeutet, dass Isaak zum Schöpfer gebetet hatte. Und er gab uns das Gleichnis, dass sein Vater, also der Schöpfer, ihn von innen bedrängte ; Er gab ihm den Gedanken und den Willen, zu Ihm zu beten, und erst dann bedrängt ihn der Königssohn von außen. Das heißt, das Volk Israel sind Königssöhne, die außen um den Königspalast herumstehen, weil sie sich dem Schöpfer annähern wollen. Sie wollen in den Königspalast hinein. Doch ausschließlich der Vater im Himmel, der Schöpfer, gab dazu den Anstoß.

Rabash – 1986 – Artikel 18 (תשמ"ו – מאמר י"ח)

„Wer verursacht das Gebet“

Unsere Weisen sagten (Traktat Berachot 32): „Stets ordne der Mensch zuerst das Lob des Schöpfers und bete erst danach.“ Das lehrt uns, dass der Mensch glauben muss. Denn dass er in einen Zustand gerät, in dem er seinen Mangel in der Arbeit für den Schöpfer empfindet – das Gefühl, dass ihm der Glaube fehlt, den er haben sollte, also die Fähigkeit zu glauben, dass der Schöpfer gut ist und Gutes tut –, daran muss er glauben. Dieses Gefühl, dass er sieht, dass es nicht in seiner Macht steht, dem Schöpfer zu danken und aus vollem Munde, mit Mund und Herz im Einklang, zu sprechen: „Gesegnet sei Er, der sprach, und die Welt entstand“ – dass er sich also an der Welt so erfreut, dass er dem Schöpfer dafür dankt, dass Er die Welt erschuf und er etwas hat, woran er sich freuen kann. Und wenn er, Gott behüte, das Gute und die Wonne, die zu empfangen sind, nicht spürt, fällt es ihm schwer, dafür zu danken. Und es schmerzt ihn, warum er den Schöpfer für die Welt, die Er erschuf, nicht loben und nicht aus vollem Munde sprechen kann: „Gesegnet sei Er, der sprach, und die Welt entstand“.

Und dieser Mangel schmerzt ihn, das heißt, er sagt, dass dieses Gefühl gewiss daher rührt, dass er vom Schöpfer entfernt ist – dass er also in Eigenliebe versunken ist. Und das bewirkt seine Trennung vom Schöpfer, das heißt, er hat kein Empfinden für die Größe des Schöpfers, denn der Schöpfer ist vor ihm verborgen. Und darum kann er die Wahrheit nicht sehen, wie geschrieben steht: „Denn Er ist dein Leben und die Länge deiner Tage.“ Und ebenso kann er die Wichtigkeit der Tora nicht spüren, wie geschrieben steht: „Denn sie ist eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Völker, die all diese Gesetze hören und sagen werden: Wahrlich, ein weises und verständiges Volk ist diese große Nation.“

Und wenn der Mensch mit sich Abrechnung hält: Wo ist jene Begeisterung darüber, dass die Völker über uns sagen, wir seien „ein weises und verständiges Volk“ – und zwar durch die Kraft der Tora, dadurch, dass wir erfüllen, was geschrieben steht: „Ihr sollt sie bewahren und befolgen, denn das ist eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Völker“? Und warum spüre ich die Wichtigkeit der Tora und der Mizwot nicht?

Und in diesem Zustand der Betrachtung, in dem er fühlt, wie fern er jeder Wertschätzung für die Arbeit für den Schöpfer ist, beginnt er zu erwachen und zu denken: Gewiss muss man etwas tun, um nicht das ganze Leben in dieser Niedrigkeit zu verharren. Und sicher beginnt der Mensch dann, zum Schöpfer zu beten, dass Er ihn Sich nähere und ihm Hilfe von oben gebe, wie unsere Weisen sagten: „Dem, der kommt, um sich zu reinigen, wird geholfen.“

Das heißt: Er möge die Verhüllung der Größe und Wichtigkeit der Heiligkeit (Kedusha) von ihm nehmen, damit er all die niederen Gedanken und Wünsche, die aus der Eigenliebe stammen, überwinden kann. Und seine ganze Sorge solle nur noch sein, wie man etwas für die Heiligkeit tun kann – das, was man „geben, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten“ nennt. Und das kann gewiss nur in dem Maße geschehen, in dem er an die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers glaubt.

Also bittet er den Schöpfer, seine Augen zu erleuchten, damit er die Größe und Wichtigkeit des Schöpfers sehe und spüre, wie geschrieben steht (Psalm 88): „Warum, o Schöpfer, verstößt Du meine Seele, verbirgst Dein Angesicht vor mir?“ Und dann kommt das Gebet aus der Tiefe des Herzens: Der Mensch wünscht dann, dass der Schöpfer sein Herz heile, wie geschrieben steht (Psalm 147): „Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“

Und dann denkt der Mensch gewiss, dass das Erwachen zum Gebet – dass der Schöpfer ihn Sich nähere – aus dem Menschen selbst kommt. Und er wartet auf die Erlösung durch den Schöpfer, dass Er ihm beistehe, indem Er sein Gebet annimmt und ihm auf sein Gebet antwortet, ihn also Sich nähert, so wie er gerade jetzt betet, weil er nun seinen Mangel spürt, den er zuvor nicht empfunden hat.

Wenn der Mensch nun vom Schöpfer nicht erhält, was der Schöpfer ihm seiner Meinung nach geben müsste, dann beklagt sich der Mensch: Warum antwortet der Schöpfer ihm nicht auf sein Gebet, das er betet? Bei anderen Menschen, die Er seiner Ansicht nach nicht näherbringt, ist das verständlich – sie haben eben keinen Mangel nach dem Spirituellen. Er aber gleicht nicht den übrigen Menschen, die keinerlei Verbindung zum Schöpfer haben; jene muss der Schöpfer ohnehin nicht näherbringen.

Doch bei diesem Menschen, der zum Schöpfer betete, dass Er ihm helfe und ihn Sich nähere, sieht der Schöpfer selbst, dass er nicht den übrigen Menschen gleicht, sondern aus dem Volk herausragt: Er hat Verständnis für das Leben in der Welt und dessen Endziel, und er hält mit sich Abrechnung, zu welchem Zweck er erschaffen wurde und was er erreichen soll. Die anderen Menschen dagegen sieht er, wenn er sie betrachtet, in ihrer Niedrigkeit – ihr ganzes Denken und Handeln dient nur dem eigenen Nutzen. Und er fühlt, dass er anders versteht, weil sein Verstand und seine Eigenschaften höher und bedeutender sind als die der übrigen Menschen.

Und mehr noch: Manchmal sieht der Mensch, dass er auf einer höheren und bedeutenderen Stufe steht als sogar jene, mit denen er in einer Lerngemeinschaft (Chevruta) verbunden ist. Und er sieht, dass sie manchmal an das Spirituelle denken, während sein ganzes Denken und Wollen allein dem Spirituellen gilt. Und er will immer aus der Eigenliebe heraustreten, und all seine Bitten an den Schöpfer gehen nur darauf, dass Er ihn aus dieser Niedrigkeit herausführe. Bei seinen übrigen Freunden aber sieht er nicht, dass auch sie so ernsthaft wären, dass sie nur an das Spirituelle dächten.

Daher hat er Vorwürfe gegen den Schöpfer: Warum antwortet Er ihm nicht auf sein Gebet, auf das, worum er betet, und lässt ihn in seinem Zustand, in dem er sich befindet, wie die übrigen Freunde, ohne ihn zu beachten – das heißt, ohne sein Gebet zu beachten, das er wahrhaftig aus der Tiefe des Herzens betet? So sieht er, Gott behüte, in der Beantwortung des Gebets von oben einen Mangel. Und er fragt sich: Steht nicht geschrieben „denn Du hörst das Gebet eines jeden Mundes“? „Jeder Mund“ bedeutet doch, dass der ganze Mund das Gebet erbittet, dass also sein ganzer Körper verlangt, der Schöpfer möge ihm helfen. Die übrigen Menschen dagegen, die keine Antwort auf ihr Gebet erhalten – bei ihnen liegt es daran, dass es nicht „der ganze Mund“ ist.

Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens (Baal HaSulam) sagte dazu: Es steht geschrieben: „Und es wird sein: Ehe sie rufen, werde Ich antworten; noch während sie reden, werde Ich hören.“ Und er erklärte: Dass der Mensch seinen Mangel spürt und zum Schöpfer betet, Er möge ihm helfen – der Grund dafür ist nicht, dass der Mensch seinen Mangel empfindet und ihm dies Anlass zum Beten gibt. Der Grund ist vielmehr, dass er Gefallen in den Augen des Schöpfers gefunden hat und der Schöpfer ihn Sich nähern will.

Dann sendet der Schöpfer ihm das Empfinden seines Mangels und ruft ihn, sich mit Ihm zu verbinden. Das heißt, der Schöpfer nähert ihn Sich, indem Er ihm das Verlangen gibt, sich an Ihn zu wenden und mit Ihm zu sprechen. So zeigt sich, dass sein Gebet bereits erhört ist, noch ehe er gebetet hat. Das heißt, der Schöpfer hat ihn Sich genähert, indem Er ihm den Raum gab, mit Ihm zu sprechen. Und das nennt man: „Ehe sie rufen, werde Ich antworten.“ Das heißt, der Schöpfer hat den Menschen Sich genähert, noch bevor in dessen Sinn der Gedanke aufstieg, dass man zum Schöpfer beten muss.

Aber warum hat der Schöpfer gerade ihn erwählt, ihm den Ruf zu geben, zu Ihm zu kommen und zu beten? Darauf haben wir keine Antwort. Vielmehr müssen wir über dem Verstand glauben, dass es so ist. Und das nennen wir „die Lenkung der individuellen Vorsehung (Hashgacha Pratit)“. Das heißt: Der Mensch darf nicht sagen: „Ich warte, bis der Schöpfer mir ein Erwachen von oben gibt, dann habe ich die Möglichkeit, die heilige Arbeit zu verrichten.“ Denn mein Vater und Lehrer seligen Andenkens sagte, dass der Mensch hinsichtlich der Zukunft an Lohn und Strafe glauben muss. Das heißt, er muss sagen: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich? Und wenn ich nur für mich bin, was bin ich? Und wenn nicht jetzt, wann dann?“ (Sprüche der Väter, erstes Kapitel).

Also darf man danach keinen einzigen Augenblick warten. Vielmehr muss der Mensch sagen: Wenn nicht jetzt, wann dann? Und man darf nicht auf eine geeignetere Zeit warten, nach der „dann werde ich mich erheben, um die heilige Arbeit zu tun“. Vielmehr gilt, was unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter, zweites Kapitel, 5): „Sage nicht: Wenn ich frei bin, werde ich lernen – vielleicht wirst du nie frei.“

Doch im Nachhinein – so sagte er seligen Andenkens – muss der Mensch an die individuelle Vorsehung glauben: Nicht der Mensch ruft den Schöpfer, sondern der Schöpfer ruft den Menschen und spricht zu ihm: „Ich will, dass du zu Mir sprichst.“ So zeigt sich, dass der Anlass zur Annäherung nicht vom Menschen ausgeht, sondern vom Schöpfer. Und darum soll der Mensch nicht denken, der Schöpfer höre, Gott behüte, das Gebet nicht. Vielmehr hat Er ihn bereits genähert, noch bevor der Mensch sich an den Schöpfer wandte, dass Er ihn Sich nähere.

Und das nennt man: „Ehe sie rufen, werde Ich antworten.“ Demnach gilt nach dem oben Gesagten: Wenn der Mensch erwacht, um seinen niedrigen Zustand zu spüren, kommt das nicht vom Menschen selbst, sondern der Schöpfer sandte ihm dann ein solches Gefühl, damit er bitte, genähert zu werden. Sobald daher dem Menschen der Gedanke kommt, dass er vom Schöpfer entfernt ist, und er zum Schöpfer beten will, dass Er ihn Sich nähere, soll er nicht beten, ehe er nicht zuerst dem Schöpfer dafür dankt, dass Er ihn ruft, sich Ihm zu nähern.

Und der Schöpfer will, dass der Mensch zum Schöpfer betet. Und wenn der Mensch eine Selbstprüfung anstellt – wieso ist ihm gerade jetzt eingefallen, dass es Spiritualität in der Welt gibt und dass er sich bemühen muss, etwas Spirituelles zu erlangen? –, und wenn er sich sofort sagt, dass der Schöpfer ihm diesen Gedanken gesandt hat, dann kann er danach beten.

Und das ist es, was unsere Weisen sagten: „Stets ordne der Mensch zuerst das Lob des Schöpfers.“ Das heißt: Sobald ihm sein Zustand im Hinblick auf das Spirituelle in den Sinn fällt, muss er sofort an Ort und Stelle dem Schöpfer Lob und Dank darbringen, dass Er ihm den Gedanken und das Verlangen nach dem Spirituellen gegeben hat. Und danach – also nachdem er weiß, dass der Schöpfer ihn ruft, und sofort beginnt, den König zu preisen und Ihm zu danken, dass Er ihn genähert hat – kann er über seinen Zustand beten. Denn er sieht, dass ihm die Tora fehlt und er keine Unterscheidungen zwischen Wahrheit und Lüge kennt. Und er betet zum Schöpfer, dass Er ihm den Weg der Wahrheit zeige.

Und damit verstehen wir, was unsere Weisen sagten (Midrasch Rabba, Toldot 63, Abschnitt 5): „Und der Schöpfer ließ Sich von ihm erbitten.“ Rabbi Levi sagte: Ein Gleichnis von einem Königssohn, der bei seinem Vater einen Gang grub, um ein Pfund Gold zu nehmen. Und der eine grub von innen, und der andere grub von außen – denn in Arabien nennt man das Graben (chatirta) ‚Erbitten‘ (atirta). Und der Kommentar „Matnot Kehuna“ erklärt dort: „‚Ein Pfund nehmen‘ bedeutet, dass auch sein Vater es ihm geben wollte und ihm entgegengrub, damit er es rasch nehme.“

Und nach dem, was wir geklärt haben, geht der Anlass dafür, dass der Mensch sich nähern will, vom Schöpfer aus. Und der Schöpfer wartet nicht, bis der Mensch erwacht, sondern Er weckt den Menschen. Und danach betet der Mensch, dass der Schöpfer ihn Sich nähere. Das lässt sich aus jener Sache verstehen, die ein Gleichnis zum Vers „und er erbat“ gibt, der besagt, dass Isaak zum Schöpfer betete. Und er gab dazu ein Gleichnis, nämlich dass sein Vater – das heißt der Schöpfer – von innen gräbt, das heißt, dass der Vater ihm den Gedanken und das Verlangen gab, zu Ihm zu beten. Und danach gräbt der Königssohn von außen, das heißt, das Volk Israel sind Königssöhne, und sie stehen außerhalb des Königspalastes und wollen sich dem Schöpfer nähern, also in den Königspalast eintreten. Mit anderen Worten: Sein Vater im Himmel hat den Anfang gemacht.

korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, 01:08 Uhr, Ver4