Rabash – 1986 – Artikel 20 (תשמ״ו – מאמר כ׳)
„Und es wird sein, wenn er sündigt und schuldig wird“ · והיה כי יחטא ואשם
Nr. | Deutsch NEU | עברית | Deutsch ALT |
1 | Im Sohar, Wajikra (Blatt 82, Punkt 251), heißt es wörtlich: Wir haben gelernt, dass geschrieben steht: „Und es wird sein, wenn er sündigt und schuldig wird.“ Warum heißt es zuerst „wenn er sündigt“ und am Ende „und schuldig wird“? Und der Sohar antwortet: So haben wir gelernt – „wenn er sündigt“ meint jene Übertretungen, die Sünde genannt werden, wie geschrieben steht: „von allen Sünden des Menschen“ (4. Mose 5,6). „Und schuldig wird“ ist, wie man sagt, das Schuldopfer, das dem Schöpfer zurückerstattet wird; denn „und schuldig wird“ bedeutet „und er bringt in Ordnung“. Das heißt: „Und es wird sein, wenn er sündigt“ – wenn er seine Taten in Ordnung bringt und das Geraubte zurückgibt, das er geraubt hat. Rabbi Jossi sagte: Daraus geht hervor, dass das Wort „und er gibt zurück“ bedeutet, dass er aus eigenem Antrieb zurückgibt; denn es steht nicht „er soll zurückgeben“ als Befehlsform, sondern genau „und er gibt zurück“ – also von selbst. | בזהר ויקרא (דף פ"ב אות רנ"א) וזה לשונו, למדנו כתוב "והיה כי יחטא ואשם". מהו שבתחילה אומר "כי יחטא" ולבסוף אומר "ואשם". ומשיב, אלא כך למדנו "כי יחטא" היינו מאלו עבירות הנקראים חטא, שכתוב "מכל חטאת האדם". "ואשם" הוא כמו שאתה אומר, האשם המושב לה', אשר "ואשם" פירושו "ויתקן", כלומר "והיה כי יחטא", אם יתקן מעשיו והשיב את הגזלה אשר גזל. אמר רבי יוסי, זה משמע שמה שכתוב "והשיב", שמשמע "שמשיב מעצמו", כי "וישיב" שהוא לשון צווי לא כתוב, אלא "והשיב" הוא בדיוק, דהיינו מעצמו. | Im Heiligen Sohar, WaJikra (Artikel 251), steht geschrieben: "Wir haben gelernt, dass geschrieben steht: 'Sollte man sündigen und schuldig werden.'" Warum sagt er zuerst: "Sollte man sündigen" und schließlich: "und schuldig sein"? Er antwortet, dass wir gelernt haben, dass "sollte man sündigen" bedeutet, dass dies die Übertretungen sind, mit denen die Geschöpfe gesündigt haben, wie es geschrieben steht: "von allen Sünden des Menschen". "Und schuldig sein" heißt, wie man sagt, "die Schuld dem Ewigen zurückgeben", wobei "und schuldig sein" bedeutet: "korrigiert werden". Das heißt, "sollte er sündigen" bedeutet, wenn er seine Arbeit korrigiert und das zurückgibt, was er geraubt hat. Rabbi Yossi sagte: "Das bedeutet, dass das Wort ‘zurückgibt’ bedeutet, dass er von selbst zurück gibt”, denn es steht nicht "wird zurückgeben", was ein Imperativ ist, stattdessen steht da genau "gibt zurück", was von selbst bedeutet. |
2 | Hier ist zu verstehen: Was meint der Sohar mit „wenn er sündigt“ – nämlich jene Übertretungen, die Sünde genannt werden, wie geschrieben steht: „von allen Sünden des Menschen“? Denn gibt es etwa eine Übertretung, die nicht Sünde genannt wird? Darauf bringt er den Beweis aus dem Vers „von allen Sünden des Menschen“. Danach legt er den Vers über das Geraubte aus, der ausschließlich zwischen Mensch und Mitmensch gilt. Und was ist mit den Mizwot zwischen dem Menschen und dem Schöpfer? | ויש להבין, מהו שאומר "כי יחטא" מאלו עבירות הנקראים חטא, שכתוב "מכל חטאת האדם". ויש להבין, וכי יש עבירה שלא נקראת חטא. ועל זה מביא ראיה, שכתוב "מכל חטאת האדם". ואח"כ הוא מפרש את הפסוק "על גזלה", שזה נוהג דוקא בין אדם לחבירו. ומה עם המצוות בין אדם למקום. | Wir sollten verstehen, warum er sagt: "Sollte einer sündigen". Welche Übertretungen werden "Sünde" genannt, wie geschrieben steht: "von allen Sünden des Menschen"? Das sollten wir verstehen, denn gibt es eine Übertretung, die nicht als Sünde bezeichnet wird? Er bringt einen Beweis dafür, denn es steht geschrieben: "von allen Sünden des Menschen". Danach legt er den Vers "über den Diebstahl" aus, der speziell zwischen Mensch und Mensch gilt. |
3 | Erklären wir dies im Sinne der spirituellen Arbeit. Es ist bekannt, dass alle Sünden in ihrer Wurzel aus dem Verlangen zu empfangen stammen. Dieses Verlangen ist den Geschöpfen aus dem Schöpfungsgedanken eingeprägt, der darin besteht, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Später wurde das Empfangen, um zu empfangen, verboten. Das ist die Korrektur der Einschränkung (Zimzum), die vorgenommen wurde, damit es kein „Brot der Schande“ (Nahama deKisufa) gibt. | ונבאר זה על דרך העבודה. ידוע, שעיקר כל החטאים באים מסיבת הרצון לקבל, שנטבע בהנבראים מכח מחשבת הבריאה, שהיא "להטיב לנבראיו". ולאחר שנעשה איסור מלקבל בעל מנת לקבל, שענינו הוא תיקון הצמצום, שנעשה בכדי שלא תהיה "נהמא דכסופא". | Aber was ist mit den Mizwot [Geboten] zwischen dem Menschen und dem Schöpfer? Das werden wir in der Arbeit erklären. Es ist bekannt, dass alle Sünden auf den Willen zum Empfangen zurückzuführen sind, der den Geschöpfen durch den Gedanken der Schöpfung eingeprägt wurde, "Seinen Geschöpfen Gutes zu tun." Nachdem es ein Verbot des Empfangens gab, um zu empfangen, was die Korrektur des Zimzum [Einschränkung] ist, die vorgenommen wurde, um das "Brot der Scham" zu vermeiden, entstanden aufgrund dieser Korrektur stufenweise die Welten der Klipot [Schalen/unreinen Kräfte]. |
4 | Aufgrund dieser Korrektur traten dann durch die stufenweise Entfaltung der Welten die Klipot (Schalen) hervor. Danach, durch die Sünde des ersten Menschen (Adam haRishon) am Baum der Erkenntnis, entstanden zwei Systeme, im Sinne von „Eines gegenüber dem anderen hat Gott gemacht“ (Prediger 7,14). So gibt es die vier Welten ABYA (Azilut, Brija, Yezira, Assija) der Heiligkeit und ihnen gegenüber ABYA der Unreinheit. | ומשום תיקון הזה יצאו אח"כ ע"י השתלשלות העולמות "קליפות". ואח"כ, ע"י חטא דאדם הראשון בעץ הדעת, יצאו ב' מערכות, בסוד "זה לעומת זה עשה אלקים". ויש אבי"ע דקדושה ולעומתו אבי"ע דטומאה. | Dann, durch die Sünde Adams haRishon mit dem Baum der Erkenntnis, entstanden zwei Systeme, wie es heißt: "Gott hat das eine gegenüber dem anderen gemacht". So gibt es die ABYA der Kedusha [Heiligkeit] und ihr gegenüber die ABYA der Tuma'a [Unreinheit]. |
5 | Von hier leiten sich alle Sünden ab: dass man nur empfangen will, um zu empfangen. Der Mensch ist von Natur aus mit Selbstliebe erschaffen und sorgt sich um nichts als um den eigenen Nutzen. Nur durch die heilsame Kraft (Segula) von Tora und Mizwot lässt er sich so korrigieren, dass er um zu geben handelt. Bevor er aber diese Korrektur erlangt, die „um zu geben“ genannt wird, will er alles in seinen eigenen Bereich hineinziehen. Das heißt, er will alles aus dem Bereich des Schöpfers herausnehmen und in den Bereich des Menschen bringen. | ומכאן נמשכים כל החטאים, בזה שרוצים לקבל רק בעל מנת לקבל. זאת אומרת, שהאדם נברא מצד הטבע עם אהבה עצמית, שפירושו, שאינו דואג דבר אלא לתועלת עצמו. ורק ב"סגולת תורה ומצות" אפשר לתקנו שיהיה בעמ"נ להשפיע. ומטרם שמקבל את התיקון הזה, הנקרא "בעמ"נ להשפיע", אז הוא רוצה לבלוע הכל לתוך רשותו, היינו שהוא רוצה להוציא הכל מרשותו של הקב"ה, ולהכניסם לתוך רשותו של אדם. | Daraus ergeben sich alle Sünden – durch den Willen einzig und alleine für sich selbst zu empfangen. Das bedeutet, dass der Mensch von Natur aus mit Eigenliebe erschaffen wurde, was bedeutet, dass er einzig und alleine auf seinen eigenen Nutzen bedacht ist. Nur durch die Segula [Heilmittel/Tugend] von Tora und Mizwot [Gebote] kann er korrigiert werden, um arbeiten zu können, um zu geben. Bevor er diese Korrektur, die "um zu geben" heißt, empfängt, will er alles in seinen eigenen Bereich verschlingen, d.h. alles aus dem Bereich des Schöpfers herausnehmen und in den Bereich des Menschen bringen. |
6 | Daraus ergeben sich für uns in dieser Welt drei Unterscheidungen: | ומזה נמשכות לנו בעולם הזה שלוש הבחנות: | Daraus ergeben sich in unserer Welt drei Unterscheidungen: |
7 | 1) verbotene Dinge und erlaubte Dinge. | א. דברים אסורים, דברים מותרים | 1) Verbotene und erlaubte Dinge. |
8 | 2) Bei den erlaubten Dingen unterscheiden wir ebenfalls zwei Arten: Dinge der Mizwa und Dinge der freien Wahl. | ב. בדברים מותרים אנו מבחינים גם כן ב' בחינות: דברים של מצוה ודברי רשות. | 2) Bei erlaubten Dingen unterscheiden wir zwischen Pflicht und Wahl. |
9 | 3) Es betrifft die Absicht. Das heißt: Sowohl bei den verbotenen Dingen – sie nicht zu tun – soll die Absicht das Geben sein, als auch bei den erlaubten Dingen, seien es „Dinge der Mizwa“ oder „Dinge der freien Wahl“, soll die Absicht „um zu geben“ sein und nicht der eigene Nutzen. Vielmehr hält er Tora und Mizwot um der Gebote des Schöpfers willen, weil er an den Schöpfer glaubt – dass Er Freude daran hat, wenn er alles erfüllt, was Er uns geboten hat. Und das ist seine ganze Absicht: Bei allem, was er tut – sei es bei den Geboten des Tuns, bei den Geboten des Unterlassens oder bei den Dingen der freien Wahl –, bemüht er sich bei der Beschäftigung damit, die Absicht um des Himmels willen auszurichten. | ג. הוא על הכוונה, היינו שיש לכוון הן בדברים האסורים, שלא לעשותם, שיהיה מטעם להשפיע. ובדברים המותרים, בין של "דברי מצוה" ובין "דברי רשות", שהכוונה תהיה בעמ"נ להשפיע ולא לתועלת עצמו, אלא מטעם מצות ה' הוא שומר תו"מ, היות שהוא מאמין בה', שתהיה לו הנאה בזה, שמקיים את כל מה שהוא צוה לנו. וזוהי כל כוונתו, היינו בכל דבר ודבר שהוא עושה, הן "במצוות עשה", והן במצוות "לא תעשה", והן "בדברי רשות", הכל הוא משתדל לכוון בעת התעסקותו בהם לשם שמים. | 3) Die Absicht, d. h. wir sollten auch bei verbotenen Dingen darauf abzielen, sie nicht zu tun, also dem Zweck des Gebens. Bei erlaubten Dingen, ob Pflicht oder Wahl, sollte die Absicht das Geben und nicht der Eigennutz sein. Vielmehr hält man Tora und Mizwot aufgrund der Gebote des Schöpfers, denn man glaubt an den Schöpfer, dass es Ihm gefallen wird, wenn man alles befolgt, was Er uns geboten hat. Dies sollte seine einzige Absicht bei allem sein, was er tut, bei positiven Mizwot (Geboten, etwas zu tun), negativen Mizwot (Geboten, etwas nicht zu tun) und bei optionalen Angelegenheiten. Er versucht, alles auf den Schöpfer auszurichten, während er sich damit beschäftigt. |
10 | Aus dem Gesagten folgt: Wenn der Mensch einen Genuss in seinen eigenen Bereich aufnimmt, besteht seine Sünde darin, dass er ihn aus dem Bereich des Schöpfers in seinen eigenen Bereich überführt. Denn alles muss in den Bereich des Schöpfers eingehen; der Mensch ist nur ein „Knecht des Schöpfers“ und hat keinen eigenen Bereich, weil alles seinem Herrn gehört. | ובהאמור יוצא, שאם האדם מקבל הנאה לתוך רשות עצמו, החטא שלו הוא בזה, שמוציא מרשותו של הקב"ה לרשות של עצמו, היות שהכל צריך להכנס לרשותו של הקב"ה, ושהאדם הוא רק "עבד ה'", ואין לו רשות בפני עצמו, אלא הכל ברשות רבו, ואין להעבד שום רשות בפני עצמו. | Wenn ein Mensch hingegen Genuss innerhalb seiner eigenen Herrschaft empfängt, ist seine Sünde, dass er aus dem Bereich des Schöpfers nimmt und in seinen eigenen Bereich gibt, denn alles sollte in den Bereich des Schöpfers gehen, und der Mensch ist nur der Knecht des Schöpfers. Er hat keine eigene Herrschaft, stattdessen ist der Mensch nur der Knecht des Schöpfers und hat keine Herrschaft für sich selbst, sondern alles gehört in den Herrschaftsbereich seines Herrn. |
11 | Sobald er aber die Genüsse, die es in der Welt gibt, in seinen eigenen Bereich aufnimmt, sieht es so aus, als gäbe es zwei Bereiche. Das nennt man: Er nimmt etwas aus dem Bereich des Schöpfers, dem die Welt gehört, heraus und bringt es in seinen eigenen Bereich. | אולם בזמן כשהוא מקבל את ההנאות שישנן בעולם לתוך רשותו, נראה זה כאילו יש שתי רשויות. וזה נקרא, שמוציא מרשות של הקב"ה, שהעולם הוא שלו, ומכניסו לרשות עצמו. | Wenn er jedoch die Freuden, die es in der Welt gibt, in seinen eigenen Bereich aufnimmt, scheint es, als gäbe es zwei Bereiche. Dies wird als Entnahme aus dem Bereich des Schöpfers, dessen Welt ihm gehört, und als Einlassen in seinen eigenen Bereich betrachtet. |
12 | Beim Herausnehmen aus dem Bereich des Mitmenschen in den eigenen Bereich sind zwei Weisen zu unterscheiden: | ובענין הוצאת מרשותו של חברו לרשות עצמו, יש להבחין בשני אופנים: | Was das Rauben aus dem Besitz seines Freundes in seinen eigenen betrifft, müssen wir zwei Verhaltensweisen unterscheiden: |
13 | 1) Der Mitmensch sieht nicht, wie jener etwas von ihm wegnimmt und in den eigenen Bereich bringt. Das nennt man „Dieb“: Wenn der Mitmensch es nicht sieht, hat er den Mut, das Eigentum des Mitmenschen in seinen eigenen Bereich zu bringen. Sieht er dagegen, dass der Mitmensch hinschauen und bemerken würde, wie er Dinge nimmt und in seinen Bereich bringt, dann stiehlt er nicht. | א. שחבירו לא רואה, איך שהוא מוציא מחבירו ומכניס את הדבר לרשות עצמו. וזה נקרא "גנב", היינו אם חבירו לא רואה, יש לו האומץ להכניס את רכוש של חבירו לרשות עצמו. מה שאין כן אם הוא רואה שחבירו יסתכל ויראה, איך שהוא לוקח דברים ומכניס לרשותו, אז הוא לא יגנוב. | 1) Sein Freund sieht nicht, dass er etwas von seinem Freund nimmt und in seinen eigenen Besitz überlässt. Das nennt man „Dieb“. Das heißt, wenn sein Freund es nicht sieht, hat er den Mut, den Besitz seines Freundes in seinen eigenen Besitz zu lassen. Wenn er jedoch sieht, dass sein Freund ihn dabei beobachten könnte, wie er Dinge nimmt und in seinen eigenen Besitz überlässt, wird er nicht stehlen. |
14 | 2) Manchmal nimmt er das Eigentum des Mitmenschen, sogar wenn dieser sich dagegen wehrt. Das nennt man „Räuber“: Er beraubt seinen Mitmenschen, selbst wenn dieser zusieht. Es beeindruckt ihn nicht, dass der andere schreit, das sei „Raub“, und ihm das Nehmen nicht erlaubt. Er bleibt bei seinem Vorhaben. Das heißt: Er hat nicht die Kraft, das Verlangen zu überwinden, das er nach dem Eigentum des Mitmenschen empfindet, und ist gezwungen zu rauben. Dass es ihn nicht beeindruckt, dass der andere ihm beim Nehmen zusieht, liegt gewiss daran, dass sein Verlangen zu empfangen bereits im allergrößten Maß entwickelt ist. | ב. ויש לפעמים, שהוא לוקח את רכוש של חבירו, אפילו שחבירו מתנגד לכך. וזה נקרא "גזלן", שהוא גוזל את חבירו, אפילו שחבירו רואה, ואינו מתפעל ממנו, שהוא צועק, שזה "גזלה" ואני לא מרשה לקחת. והוא בשלו, היינו שאין לו כח להתגבר על התשוקה, מה שהוא משתוקק להרכוש של חבירו, ומוכרח לגזול. והסיבה שאינו מתפעל מהשני, שהוא מסתכל עליו בעת שהוא לוקח, בטח היא משום שהרצון לקבל שלו כבר אצלו מפותח בשיעור הגדול ביותר. | 2.) Manchmal nimmt er den Besitz seines Freundes, auch wenn dieser sich wehrt. Das nennt man "rauben". Er raubt seinen Freund aus, auch wenn sein Freund es sehen kann, aber er lässt sich nicht davon beirren, dass er schreit, dass es ein Raub ist und er es nicht zulässt. Er besteht darauf, das heißt, er hat nicht die Kraft, seine Leidenschaft zu überwinden, die er für den Besitz seines Freundes hat, und er ist gezwungen, zu rauben. Der Grund, warum er nicht davon beeindruckt ist, dass der andere ihm beim Nehmen zusieht, liegt darin, dass sein Wille zu empfangen bereits voll entwickelt ist. |
15 | So sagte mein Vater und Lehrer, Baal HaSulam: Der Unterschied zwischen Dieb und Räuber besteht darin, dass der Räuber ein größeres Verlangen zu empfangen hat als der Dieb. Weiß der Dieb daher, dass der Hausherr ihm bei der Tat zusehen wird, so gibt ihm diese Scham die Kraft, sich zu überwinden und auf den Diebstahl zu verzichten. Beim Räuber dagegen ist das Verlangen zu empfangen so stark, dass ihn nichts daran hindern kann, seinen Plan auszuführen. Wegen des großen Verlangens und der großen Leidenschaft nimmt er auf nichts Rücksicht und setzt seinen Gedanken in die Tat um. | וכך אמר אאמו"ר זצ"ל, שההבדל בין גנב לגזלן הוא בזה, שיש לגזלן רצון לקבל גדול יותר מגנב. לכן הגנב, בזמן שהוא יודע, שהבעל בית יסתכל עליו בשעת מעשה, הבושה הזו נותנת לו כח להתגבר ולוותר על הגנבה. מה שאין כן גזלן, הרצון לקבל כל כך חזק, שאין שום דבר שיכול להפריע לו מלהפיק זממו, אלא הרצון והתשוקה גדולה שיש לו, משום זה הוא לא מסתכל על שום דבר, ומוציא את מחשבתו לפועל. | Baal HaSulam sagte, dass der Unterschied zwischen einem Dieb und einem Räuber darin besteht, dass der Räuber einen größeren Willen zum Empfangen hat als der Dieb. Deshalb gibt die Scham dem Dieb, wenn er weiß, dass sein Besitzer ihn auf frischer Tat sehen kann, die Kraft, sich zu überwinden und auf den Diebstahl zu verzichten. Aber der Wille zu empfangen ist bei einem Räuber so stark, dass ihn nichts davon abhalten kann, seinen Plan auszuführen. Sein Verlangen und seine Leidenschaft sind so groß, dass er auf nichts Rücksicht nimmt und seinen Plan durchführt. |
16 | Nach dem Gesagten können wir nun erklären, was wir oben gefragt haben: Worauf will der Sohar hinweisen, wenn er „wenn er sündigt“ sagt – nämlich jene Übertretungen, die Sünde genannt werden, wie geschrieben steht: „von allen Sünden des Menschen“? Wenn er „jene Übertretungen, die Sünde genannt werden“ sagt und danach den Beweis aus dem Vers „von allen Sünden des Menschen“ bringt, dann ist das Wort „von allen“ so auszulegen: Seine ganze Absicht zielt auf die Wurzel, aus der alle Sünden kommen – das Verlangen zu empfangen. Mit ihm beginnen alle Handlungen, die es in der Welt gibt, und mit ihm enden alle Arbeiten. Uns ist gegeben, dieses Verlangen zu empfangen so zu korrigieren, dass es „um zu geben“ wird. Und sobald das allgemeine Verlangen zu empfangen darauf korrigiert ist, um zu geben, wird das „Gmar Tikun“ (Endkorrektur) genannt. | ובהאמור נוכל לבאר מה ששאלנו לעיל, מה הענין שרוצה לרמז שאומר "כי יחטא". היינו, מאלו עבירות, הנקראים חטא, שכתוב "מכל חטאת האדם". יש לפרש במה שאומר "מאלו עבירות הנקראים חטא", ואח"כ הוא מביא ראיה מהכתוב "מכל חטאת האדם" ומה היא הכוונה "מכל", יש לפרש שכל כוונתו על השורש שממנו באים כל החטאים, שהוא הרצון לקבל, שבה מתחילים לכל הפעולות שישנן בעולם, ובה מסיימים כל העבודות. היינו שניתן לנו לתקן את הרצון לקבל הזה, שיהיה בעל מנת להשפיע, ובזמן שיהיה הרצון לקבל הכללי, מתוקן בעל מנת להשפיע, זה יקרא "גמר תיקון". | Jetzt können wir erklären, was wir oben gefragt haben, was er andeutet, wenn er sagt: "Sollte einer sündigen", also welche der Sünden, die "Sünde" genannt werden, damit gemeint sind, wie es geschrieben steht, "von allen Sünden des Menschen". Wir sollten auslegen, was er sagt: "von jenen Sünden, die 'Sünde' genannt werden", woraufhin er den Beweis aus dem Vers "von allen Sünden des Menschen" bringt. Was bedeutet "von allen"? Wir sollten interpretieren, dass er sich auf die Wurzel bezieht, aus der alle Sünden kommen, nämlich den Willen zu empfangen, mit dem alle Handlungen in der Welt beginnen und mit dem alle Arbeiten abgeschlossen werden. Das heißt, uns wurde dieses Verlangen gegeben, um es zu korrigieren, damit zu arbeiten, um zu geben. Wenn der allgemeine Wille zu empfangen, korrigiert wird, um zu geben, nennt man das das "Ende der Korrektur". |
17 | Das heißt: Alle Korrekturen, um die wir uns in Tora und Mizwot mühen müssen, dienen einzig dazu, das Verlangen zu empfangen so zu korrigieren, dass es „um zu geben“ wird. Dann werden wir der Stufe der Anhaftung (Dwekut) würdig, und dann können wir das Ziel der Schöpfung erreichen – „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. | זאת אומרת שכל התיקונים שאנו צריכים להתייגע בתורה ומצוות אינם יותר, אלא לתקן הרצון לקבל שיהיה בעמ"נ להשפיע, ואז נזכה לבחינת "דביקות", ואז נוכל להשיג את מטרת הבריאה, שהיא "להטיב לנבראיו". | Das bedeutet, dass alle Korrekturen, die wir in Tora und Mizwot vornehmen müssen, einzig und alleine dazu dienen, den Willen zum Empfangen zu korrigieren, damit er arbeitet, um zu geben, und dann werden wir mit Dwekut [Anhaftung] belohnt und können den Schöpfungszweck erreichen – Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. |
18 | So zeigt sich: In der Endkorrektur – die ja bedeutet, dass alles korrigiert ist und es nichts mehr zu korrigieren gibt – muss alles in die Heiligkeit (Kedusha) eingehen. Selbst die vorsätzlichen Sünden müssen in die Heiligkeit eingehen. Sonst zeigte sich, dass ein Teil des Verlangens zu empfangen fehlt, der draußen geblieben ist und noch keine Korrektur empfangen hat. Und das ist es, was wir gesagt haben: Der Hinweis im Vers „von allen Sünden des Menschen“ meint alles, was aus dieser Wurzel hervorgeht. Wir müssen nämlich wissen, dass es keine einzige Sünde gibt, die nicht aus dem Verlangen zu empfangen in seiner Wurzel hervorginge – denn dieses ist bekanntlich die Wurzel aller Geschöpfe. Bliebe demnach auch nur eine einzige Sünde übrig, so müsste auch sie, da sie aus der Wurzel – dem Verlangen zu empfangen – hervorgeht, dahingehend korrigiert werden, um zu geben. Sonst würde dieser Mangel in der Wurzel sichtbar, also in der Ersten Einschränkung (Zimzum Alef), die am Verlangen zu empfangen in seiner Wurzel vorgenommen wurde. Sie geschah, damit wir alles, was im Schöpfungsgedanken „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ enthalten ist, in jenen Gefäßen empfangen, an denen die Korrektur „um zu geben“ vollzogen ist. | ונמצא שבגמר התיקון, שפירוש שהכל מתוקן ואין עוד מה לתקן משמע שהכל צריך להכנס לקדושה, היינו אפילו זדונות גם כן צריכים להכנס לקדושה, אחרת נמצא שחסר חלק מהרצון לקבל, שנשאר מבחוץ שעוד לא קבל תיקון. וזה שאמרנו שהרמז שאומר הכתוב "מכל חטאת האדם", היינו שכל מה שנמשך מהשורש הזה, זאת אומרת שצריכים לדעת שאין שום חטא שלא יהא נמשך מהרצון לקבל השורשי, כידוע שזהו שורש כל הנבראים, ולפי זה אם יהא נשאר חטא אחד אפילו והיות שהוא נמשך מהשורש שהוא הרצון לקבל, גם הוא מוכרח להתקן בעמ"נ להשפיע, אחרת יהיה חסרון זה ניכר בהשורש, היינו בצמצום א', שנעשה על הרצון לקבל השורשי, היה בכדי שנקבל כל מה שישנו במחשבת הבריאה "להטיב לנבראיו" בהכלים שיש עליהם התיקון בעמ"נ להשפיע. | Daraus folgt, dass am Ende der Korrektur, wenn alles korrigiert ist und es nichts mehr zu korrigieren gibt, alles in die Kedusha eingehen sollte. Das heißt, selbst Sünden müssen in Kedusha eingehen, sonst fehlt ein Teil des Willens zu empfangen, der ohne Korrektur draußen bleibt. Wir haben gesagt, dass die Auslegung im Vers "von allen Sünden des Menschen" alles meint, was von dieser Wurzel ausgeht. Das heißt, wir müssen wissen, dass alle Sünden von dem rudimentären Willen zu empfangen ausgehen, da wir wissen, dass das die Wurzel aller Geschöpfe ist. Wenn deshalb auch nur eine einzige Sünde übrig bleibt, weil sie sich von der Wurzel aus erstreckt, die der Wille zum Empfangen ist, muss auch sie korrigiert werden, damit sie arbeitet, um zu geben, oder dieser Mangel wird sich in der Wurzel zeigen, d.h. in Zimzum Alef [erste Einschränkung], die am rudimentären Willen zum Empfangen vorgenommen wurde, damit wir alles empfangen, was im Gedanken der Schöpfung existiert, um Seinen Geschöpfen in den Kelim [Gefäßen] Gutes zu tun, die dahingehend korrigiert wurden, dass sie zum Zweck des Gebens arbeiten. |
19 | Dies lässt sich anhand eines Bildes verstehen. Nehmen wir zum Beispiel an, Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, wäre auf hundert Kilo Genuss gerichtet. Dann ist es selbstverständlich, dass Er ein Gefäß bereiten musste, das einen Mangel im Umfang von hundert Kilo aufweist; sonst gäbe es keinen Ort, an dem die hundert Kilo Genuss eingehen könnten, denn eine Füllung gibt es nur dort, wo ein Mangel ist. Demnach gilt: Wenn man die Gefäße – also die Mängel – füllt, dabei aber ein Teil der Gefäße außen bleibt (ein Teil derer nämlich, die zu den hundert Kilo Mangel gehören, ist nicht rein und nicht geeignet, mit der ihm zugehörigen Fülle gefüllt zu werden), dann erfüllt die Fülle, die Er geben wollte – die hundert Kilo Genuss –, Sein Verlangen nicht. Denn ein Teil der Gefäße gehört zu einem Teil der Fülle, und diese Gefäße haben das ihnen Zugehörige noch nicht empfangen. | וזה אפשר להבין על דרך הציור, נגיד למשל היות שרצונו להטיב לנבראיו היה על מאה קילו תענוג מובן מאליו שהיה צריך להכין כלי, שיהיה בו חסרון על מאה קילו, אחרת אין מקום להכנס המאה קילו תענוג, כי אין מילוי אלא במקום חסרון, נמצא לפי זה אם בעת שממלאים את הכלים היינו החסרונות, ונשארו כלים מבחוץ, היינו חלק מהכלים ששייכים להמאה קילו חסרון, שאינם נקיים ומוכשרים למלאותם עם השפע השייך להם, נמצא שהשפע שהיה ברצונו יתברך לתת, היינו המאה קילו תענוג, לא נתמלא רצונו, כיון שחלק מהכלים שייכים לחלק מהשפע והם עוד לא קבלו מה ששייך להם. | Wir können dies durch eine Vorstellung verstehen. Nehmen wir an, dass Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, auf hundert Kilogramm Genuss gerichtet ist. Natürlich musste Er ein Kli [Gefäß] mit einhundert Kilogramm Mangel vorbereiten. Andernfalls gäbe es keinen Platz für die hundert Kilogramm Genuss, denn nur an einem Ort des Mangels kann es eine Füllung geben. Wenn wir die Kelim [Gefäße], d.h. den Mangel, füllen und Kelim ungefüllt bleiben – d.h. einige der Kelim, die zu den hundert Kilogramm Mangel gehören, sind unrein und ungeeignet, um mit der Fülle, die ihnen gehört, gefüllt zu werden –, dann wird Sein Verlangen nach der Fülle, die Er geben wollte, den hundert Kilogramm Fülle, nicht erfüllt, weil einige der Kelim zu dem Teil der Fülle gehören, der noch nichts empfangen hat, was ihnen gehört. |
20 | Demnach folgt: Alle Gefäße, die bei der Schöpfung hervorgetreten sind, müssen allesamt in die Heiligkeit eingehen. Damit versteht man, was der Heilige Sohar sagt: „Künftig wird der Todesengel zu einem heiligen Engel werden.“ Das ist, wie oben gesagt: Da alles Schlechte aus dem Verlangen zu empfangen kommt, das der Schöpfer erschuf und an dem Er danach eine Einschränkung vornahm – „Korrektur“ genannt –, müssen gewiss alle hundert Kilo Verlangen zu empfangen, die Er erschuf, durch die Korrektur aufgenommen werden, die „Empfangen, um zu geben“ heißt. Jene Aspekte, die sich vor der Endkorrektur nicht korrigieren lassen, heißen „Klipot, Unreinheit (Tuma) und andere Seite (Sitra Achra)“. In der Endkorrektur aber müssen aus dem genannten Grund alle Gefäße in die Heiligkeit eingehen; sonst gäbe es einen Mangel an der Fülle, denn alle Gefäße müssen die Fülle empfangen, die zu ihrem Anteil gehört. | לפי זה יוצא, שכל הכלים שיצאו כולם בעת הבריאה כולם צריכים להכנס להקדושה, ובזה מובן מה שאומר הזה"ק "עתיד מלאך המות להיות מלאך קדוש", וזהו כנ"ל כיון שכל הרע בא מהרצון לקבל שבראו הקב"ה ואח"כ עשה עליו צמצום, הנקרא "תיקון", בטח צריך להיות כל מאה קילו רצון לקבל שברא, צריך להתקבל ע"י התיקון הנקרא מקבל בעמ"נ להשפיע. והבחינות האלו שלא יכולים לתקן אותן לפני גמר התיקון, זה נקרא "קליפות וטומאה וס"א", אבל בגמר התיקון, כל הכלים מוכרחים להכנס להקדושה, מסיבה הנ"ל אחרת יהיה חסרון בהשפע, כי כל הכלים מוכרחים לקבל השפע מה ששייך לחלקם כנ"ל. | Daraus folgt, dass alle Kelim, die bei der Schöpfung entstanden sind, in die Kedusha [Heiligkeit] eingehen müssen. So verstehen wir, was der Heilige Sohar sagt: "Der Engel des Todes ist dazu bestimmt, in der Zukunft ein heiliger Engel zu sein." Das ist, wie oben gesagt, da alles Schlechte aus dem Willen zum Empfangen kommt, den der Schöpfer erschaffen und dann eingeschränkt hat, was "Korrektur" genannt wird, müssen alle hundert Kilogramm des Willens zum Empfangen, die Er erschaffen hat, durch die Korrektur namens "Empfangen, um zu geben" empfangen werden. Diese Unterscheidungen, die wir vor dem Ende der Korrektur nicht korrigieren können, heißen Klipot [unreine Kräfte] und Tuma'a [Unreinheit] und Sitra Achra [andere Seite], aber am Ende der Korrektur müssen alle Kelim aus dem oben genannten Grund in die Kedusha eingehen. Andernfalls wird es an der Fülle mangeln, denn alle Kelim müssen die Fülle empfangen, die zu ihrem Anteil gehört. |
21 | Nach dem Gesagten wird verständlich, was geschrieben steht: „von allen Sünden des Menschen“ – die Absicht zielt auf die Wurzel der Sünden, die „Verlangen zu empfangen“ genannt wird. Und das ist es, was geschrieben steht: „Und es wird sein, wenn er sündigt und schuldig wird.“ Denn die Bedeutung des Verses „von allen Sünden des Menschen“ meint nicht ausschließlich die Sünden zwischen Mensch und Mitmensch – wie danach der Vers „und schuldig wird“ ausgelegt wird: Es ist, wie man sagt, „das Schuldopfer, das dem Schöpfer zurückerstattet wird“, wobei „und schuldig wird“ bedeutet, dass er seine Taten in Ordnung bringt und das Geraubte zurückgibt, das er geraubt hat – was ja ausschließlich zwischen Mensch und Mitmensch gilt. | ובהאמור, יהיה מובן מה שכתוב "מכל חטאת האדם" שהכוונה על השורש של החטאים, הנקרא רצון לקבל, וזהו מה שכתוב "והיה כי יחטא ואשם", שהפירוש של הכתוב "מכל חטאת האדם", אין הפירוש החטאים מבין אדם לחבירו דוקא, כמו שכתוב אח"כ פירוש על הכתוב "ואשם", הוא כמו שאתה אומר "האשם המושב לה'", אשר "ואשם" פירושו ויתקן מעשיו, והשיב את הגזלה אשר גזל שמשמע דוקא בין אדם לחבירו. | Jetzt können wir verstehen, was geschrieben steht: "von allen Sünden des Menschen". Das bezieht sich auf die Wurzel der Sünden, die "Wille zu empfangen" heißt. Deshalb steht auch geschrieben: "Sollte einer sündigen und schuldig werden". Die Bedeutung des Verses, "aller Sünden des Menschen", beziehen sich nicht speziell auf die Sünden zwischen Mensch und Mensch, wie es nachher über den Vers, "und schuldig sein", interpretiert wird. Es ist, wie geschrieben steht, "die Schuld wird dem Ewigen zurückgegeben", wobei "und schuldig sein" bedeutet, dass er seine Werke korrigieren und den Diebstahl, den er geraubt hat, zurückgeben wird, was speziell zwischen Mensch und Mensch andeutet. |
22 | Vielmehr ist, wie oben gesagt, auszulegen: Die Wurzel aller Sünden ist das Verlangen zu empfangen, um zu empfangen. Das bedeutet: Was der Mensch vom Schöpfer empfängt – also aus dessen Bereich –, bringt er ganz in seinen eigenen Bereich. Das nennt man, wie oben gesagt, „Raub“, denn er nimmt es aus dem Bereich des Schöpfers heraus, obwohl die Tora laut ruft, dass es verboten ist, in den eigenen Bereich zu empfangen. Sonst wäre es, als gäbe es zwei Bereiche – den des Schöpfers und seinen eigenen –, und er nimmt die Genüsse aus dem Bereich des Schöpfers in den seinen. So zeigt sich, dass er nicht „Dieb“, sondern „Räuber“ genannt wird. Denn obwohl der Schöpfer sieht, was er nimmt, ist sein Verlangen zu empfangen so stark, dass er nicht die Kraft hat, es zu überwinden. Deshalb wird er „Räuber“ genannt und nicht „Dieb“. | אלא שיש לפרש כנ"ל ששורש כל חטאים הוא הרצון לקבל בעמ"נ לקבל, שפירושו מה שהאדם מקבל מהקב"ה היינו מרשותו, ומכניס את הכל לרשות עצמו, שזה נקרא גזלה כנ"ל שהוא מוציא מרשותו של הקב"ה, אף על פי שהתורה צווחת ואומרת שאסור לקבל לרשות עצמו, אחרת זה נקרא כאילו שיש שתי רשויות היינו רשותו של הקב"ה והוא מוציא את התענוגים מרשותו של הקב"ה לרשות של עצמו. נמצא שהוא לא נקרא גנב אלא גזלן, משום שאף על פי שהקב"ה רואה מה שהוא לוקח, אבל הרצון לקבל שלו כל כך חזק שאין בידו כח להתגבר עליו, ומשום זה הוא נקרא גזלן ולא גנב. | Wir sollten jedoch interpretieren, dass die Wurzel aller Sünden der Wille ist, zu empfangen, um zu empfangen, d.h. der Mensch empfängt vom Schöpfer, also aus seinem Bereich, und lässt alles in seinen eigenen Bereich, was "Raub" genannt wird. Er entnimmt also etwas aus dem Bereich des Schöpfers, obwohl die Tora schreit und sagt, dass es verboten ist, etwas in den eigenen Bereich zu empfangen, oder es heißt, zwei Bereiche zu haben - den Bereich des Schöpfers, und er nimmt die Genüsse aus dem Bereich des Schöpfers in seinen eigenen. Daraus folgt, dass er nicht als Dieb, sondern als Räuber angesehen wird, denn obwohl der Schöpfer ihn nehmen sieht, ist sein Wille zu empfangen so stark, dass er ihm nicht widerstehen kann, weshalb er als Räuber und nicht als Dieb gilt. |
23 | Und worin besteht seine Korrektur? „Und er gibt das Geraubte zurück, das er geraubt hat“ – das heißt, er vollzieht Teshuwa (Umkehr) und bringt in Ordnung, dass alle seine Taten in die Heiligkeit eingehen. Das heißt, er zieht ein Verlangen herab, dass alle seine Taten „um zu geben“ sein mögen. Und das ist es, was der Sohar auslegt: „Und es wird sein, wenn er sündigt und schuldig wird“ – wobei „und schuldig wird“ bedeutet, dass er in Ordnung bringt. | ומה הוא התיקון שלו, והשיב את הגזלה אשר גזל, היינו שיעשה תשובה, ויתקן שכל המעשים שלו יכנסו לקדושה היינו שימשיך בחינת רצון שיהיה שכל מעשים שלו יהיו בעמ"נ להשפיע, וזהו שמפרש "והיה כי יחטא ואשם", שפירושו של "ואשם" היינו שיתקן. | Und was ist seine Korrektur? Er gibt den Diebstahl zurück, den er geraubt hat, d.h. er bereut und korrigiert, damit alle seine Handlungen in die Kedusha eingehen. Das heißt, er streckt sein Verlangen danach aus, dass alle seine Handlungen, um zu geben, sein werden. Deshalb interpretiert er "Sollte man sündigen und schuldig sein" so, dass "und schuldig sein" Korrektur bedeutet. |
24 | Und Rabbi Jossi fügt hinzu und sagt wörtlich: Daraus geht hervor, dass das Wort „und er gibt zurück“ bedeutet, dass er aus eigenem Antrieb zurückgibt; denn „er soll zurückgeben“ als Befehlsform steht nicht da, sondern genau „und er gibt zurück“ – also von selbst. Es gibt eine „Umkehr aus Ehrfurcht“, bei der „die vorsätzlichen Sünden ihm zu Versehen werden“. Zwar gibt er dabei das Geraubte zurück, doch geschieht dies noch nicht aus freiem Willen, sondern weil er Ehrfurcht hat – deshalb gibt er das Geraubte zurück. Doch das heißt nicht „von selbst“, also aus gutem, freiem Willen, sodass wir sagen könnten, er sei zufrieden damit, das Geraubte zurückzugeben; vielmehr ist es, als hätte er keine Wahl. Und bei der „Umkehr aus Ehrfurcht“ ist die Sünde noch nicht korrigiert, denn bei der „Umkehr aus Ehrfurcht“ werden „die vorsätzlichen Sünden ihm nur zu Versehen“. Deshalb gibt es Gefäße, die noch außerhalb der Heiligkeit sind – das heißt, die obere Fülle kann sich nicht in sie kleiden. Dann aber kann Sein Verlangen, das „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ war, den Unteren keine Fülle geben, weil es, wie gesagt, keinen Ort hat, sich darin zu kleiden. So zeigt sich, als gäbe es einen Mangel am Ziel. | ורבי יוסי מוסיף ואומר, וזה לשונו זה משמע מה שכתוב "והשיב", שמשמע "שמשיב מעצמו", כי "וישיב" היה משמע שהוא לשון צווי לא כתוב, אלא "והשיב" הוא בדיוק היינו מעצמו. היינו שיש "תשובה מיראה" שאז "זדונות נעשו לו כשגגות" וזה נקרא הגם שהוא משיב את הגזלה, אבל זה נקרא עוד שלא ברצון, אלא היות שיש לו יראה, לכן הוא משיב את הגזלה. אבל זה לא נקרא "מעצמו" היינו מרצונו הטוב, שנוכל לומר שהוא שבע רצון מזה שמחזיר את הגזלה, אלא כאילו שאין לו ברירה. ועל "תשובה מיראה", עוד לא ניתקן את החטא, כי "תשובה מיראה", "זדונות נעשו לו רק כשגגות". ומשום זה נמצאים כלים שהם עוד מחוץ לקדושה, היינו שאין השפע העליון יכול להתלבש בהם, אם כן אי אפשר רצונו יתברך שהיה "להטיב לנבראיו", להשפיע לתחתונים, אין לו מקום להתלבש כנ"ל, נמצא כאילו שיש חסרון בהמטרה. | Rabbi Yossi fügt hinzu und sagt: "Das bedeutet, dass das, was geschrieben steht, 'und gibt zurück', die Rückgabe von sich selbst aus bedeutet, denn 'und gibt zurück' ist nicht in der Befehlsform (Imperativ) geschrieben, sondern 'gibt zurück' bezieht sich genau genommen auf sich selbst. Das heißt, es gibt eine 'Umkehr aus Ehrfurcht', wenn Sünden für ihn zu Fehlern werden, und das wird als solche betrachtet, obwohl er den Raub zurückgibt." Dies wird jedoch immer noch nicht als freiwillig angesehen. Vielmehr gibt er das Geraubte zurück, da er immer noch Ehrfurcht hat. Aber er tut dies nicht "von sich aus", d. h. aus eigenem Antrieb, so dass wir sagen können, dass er mit der Rückgabe des Geraubten zufrieden ist. Vielmehr ist es so, als hätte er keine andere Wahl. Reue aus Angst korrigiert die Sünde noch nicht, denn durch Reue aus Angst werden sie zu Fehlern. Daher gibt es Kelim, die sich noch außerhalb der Kedusha befinden, was bedeutet, dass die höhere Fülle sich nicht in sie kleiden kann. Daher kann sich Sein Wunsch, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun und den Unteren zu geben, noch immer nicht einkleiden. Es ist, als gäbe es einen Mangel hinsichtlich des Ziels. |
25 | Deshalb wurde uns eine Korrektur gegeben, die „Umkehr aus Liebe“ genannt wird. Bei ihr „werden die vorsätzlichen Sünden ihm zu Verdiensten“. Diese Gefäße waren im Aspekt der „vorsätzlichen Sünden“, also im Verlangen zu empfangen; ihrem Wesen nach – vom Ziel der Schöpfung her – gehören sie zur oberen Fülle, doch waren sie nicht geeignet, sie zu empfangen. Sobald aber aus diesen Gefäßen Verdienste werden, sind sie geeignet, dass die obere Fülle sich in sie kleidet. Und dann kann sich die Vollkommenheit des Ziels verwirklichen, das „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ ist – im Maß der Fülle, die Er ihnen zu geben verlangte. Nun sind alle Gefäße eingegangen, die zum allgemeinen Verlangen zu empfangen gehören, das in mehrere Teile aufgeteilt wurde; denn kleinere Teile lassen sich leichter korrigieren. | אי לזאת, ניתן לנו תיקון המכונה "תשובה מאהבה", שאז "זדונות נעשו לו כזכיות", וממילא הכלים האלו שהיו בבחינת "זדונות", שהם בחינת רצון לקבל, ששיכים לשפע העליונה מצד מטרת הבריאה, ואין הם ראויים לקבל את השפע. אבל בזמן שהכלים האלו נעשו מהם זכיות, אז הם כבר ראויים שהשפע העליון יתלבש בהם, ואז יכולה להתקיים את שלימות המטרה שהיא "להטיב לנבראיו", בשיעור השפע שהיה ברצונו יתברך לתת להם, הם עתה נכנסו כל הכלים השייכים לרצון לקבל הכללי שנתחלק לכמה חלקים, בכדי חלקים קטנים יותר קל לתקנם. | Deshalb wurde uns eine Korrektur gegeben, die "Umkehr aus Liebe" genannt wird. Zu diesem Zeitpunkt werden Sünden für ihn zum Verdienst. Die Kelim, die als „Sünden“ galten, also Verlangen zu empfangen, die aus der Perspektive des Schöpfungszwecks zur höheren Fülle gehören, sind ungeeignet, die Fülle zu empfangen. Wenn aber aus diesen Kelim Verdienste gemacht werden, sind sie geeignet, die Höhere Fülle einzukleiden, und dann kann die Vollkommenheit des Ziels, Seinen Geschöpfen Nutzen zu bringen, in dem Ausmaß der Fülle, die Er ihnen geben wollte, wahr werden. Jetzt sind alle Kelim eingetreten, die zum allgemeinen Willen zu empfangen gehören, der in mehrere Teile aufgeteilt ist (da es einfacher ist, kleinere Teile zu korrigieren). |
26 | Und das geschieht nach dem Gleichnis, das mein Vater und Lehrer zur Korrektur der Sünde am Baum der Erkenntnis anführt (Panim Masbirot, Blatt 56): von einem König, der seinem Sohn eine große Summe Golddinare in ein überseeisches Land schicken wollte. Nun waren aber alle Bewohner seines Landes Diebe. Da ging er hin und wechselte die Dinare in kleine Münzen. „Und Münze um Münze fügt sich zu einer großen Summe“ – und dadurch wird alles korrigiert. | והוא על דרך המשל שמביא אאמו"ר זצ"ל בענין תיקון החטא של עץ הדעת, (פנים מסבירות דף נו') למלך שהיה רוצה לשלוח סך גדול דינרי זהב לבנו למדינת הים, והנה כל בני מדינתו גנבים, הלך ופרט את הדינרים לפרוטות. ופרוטה ופרוטה מצטרפת לחשבון גדול וע"י זה יתוקן הכל. | Dies ist wie die Allegorie, die Baal HaSulam hinsichtlich der Korrektur des Baums der Erkenntnis (Panim Masbirot S. 56) über einen König sagte, der seinem Sohn Goldmünzen nach Übersee schicken wollte, aber alle seine Landsleute waren Diebe, also tauschte er die Goldmünzen in Cents um und fügte Cent für Cent zu einer großen Menge zusammen, und dadurch wird alles korrigiert werden. |
Fließtext (neue deutsche Übersetzung)
Im Sohar, Wajikra (Blatt 82, Punkt 251), heißt es wörtlich: Wir haben gelernt, dass geschrieben steht: „Und es wird sein, wenn er sündigt und schuldig wird.“ Warum heißt es zuerst „wenn er sündigt“ und am Ende „und schuldig wird“? Und der Sohar antwortet: So haben wir gelernt – „wenn er sündigt“ meint jene Übertretungen, die Sünde genannt werden, wie geschrieben steht: „von allen Sünden des Menschen“ (4. Mose 5,6). „Und schuldig wird“ ist, wie man sagt, das Schuldopfer, das dem Schöpfer zurückerstattet wird; denn „und schuldig wird“ bedeutet „und er bringt in Ordnung“. Das heißt: „Und es wird sein, wenn er sündigt“ – wenn er seine Taten in Ordnung bringt und das Geraubte zurückgibt, das er geraubt hat. Rabbi Jossi sagte: Daraus geht hervor, dass das Wort „und er gibt zurück“ bedeutet, dass er aus eigenem Antrieb zurückgibt; denn es steht nicht „er soll zurückgeben“ als Befehlsform, sondern genau „und er gibt zurück“ – also von selbst.
Hier ist zu verstehen: Was meint der Sohar mit „wenn er sündigt“ – nämlich jene Übertretungen, die Sünde genannt werden, wie geschrieben steht: „von allen Sünden des Menschen“? Denn gibt es etwa eine Übertretung, die nicht Sünde genannt wird? Darauf bringt er den Beweis aus dem Vers „von allen Sünden des Menschen“. Danach legt er den Vers über das Geraubte aus, der ausschließlich zwischen Mensch und Mitmensch gilt. Und was ist mit den Mizwot zwischen dem Menschen und dem Schöpfer?
Erklären wir dies im Sinne der spirituellen Arbeit. Es ist bekannt, dass alle Sünden in ihrer Wurzel aus dem Verlangen zu empfangen stammen. Dieses Verlangen ist den Geschöpfen aus dem Schöpfungsgedanken eingeprägt, der darin besteht, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Später wurde das Empfangen, um zu empfangen, verboten. Das ist die Korrektur der Einschränkung (Zimzum), die vorgenommen wurde, damit es kein „Brot der Schande“ (Nahama deKisufa) gibt.
Aufgrund dieser Korrektur traten dann durch die stufenweise Entfaltung der Welten die Klipot (Schalen) hervor. Danach, durch die Sünde des ersten Menschen (Adam haRishon) am Baum der Erkenntnis, entstanden zwei Systeme, im Sinne von „Eines gegenüber dem anderen hat Gott gemacht“ (Prediger 7,14). So gibt es die vier Welten ABYA (Azilut, Brija, Yezira, Assija) der Heiligkeit und ihnen gegenüber ABYA der Unreinheit.
Von hier leiten sich alle Sünden ab: dass man nur empfangen will, um zu empfangen. Der Mensch ist von Natur aus mit Selbstliebe erschaffen und sorgt sich um nichts als um den eigenen Nutzen. Nur durch die heilsame Kraft (Segula) von Tora und Mizwot lässt er sich so korrigieren, dass er um zu geben handelt. Bevor er aber diese Korrektur erlangt, die „um zu geben“ genannt wird, will er alles in seinen eigenen Bereich hineinziehen. Das heißt, er will alles aus dem Bereich des Schöpfers herausnehmen und in den Bereich des Menschen bringen.
Daraus ergeben sich für uns in dieser Welt drei Unterscheidungen:
1) verbotene Dinge und erlaubte Dinge.
2) Bei den erlaubten Dingen unterscheiden wir ebenfalls zwei Arten: Dinge der Mizwa und Dinge der freien Wahl.
3) Es betrifft die Absicht. Das heißt: Sowohl bei den verbotenen Dingen – sie nicht zu tun – soll die Absicht das Geben sein, als auch bei den erlaubten Dingen, seien es „Dinge der Mizwa“ oder „Dinge der freien Wahl“, soll die Absicht „um zu geben“ sein und nicht der eigene Nutzen. Vielmehr hält er Tora und Mizwot um der Gebote des Schöpfers willen, weil er an den Schöpfer glaubt – dass Er Freude daran hat, wenn er alles erfüllt, was Er uns geboten hat. Und das ist seine ganze Absicht: Bei allem, was er tut – sei es bei den Geboten des Tuns, bei den Geboten des Unterlassens oder bei den Dingen der freien Wahl –, bemüht er sich bei der Beschäftigung damit, die Absicht um des Himmels willen auszurichten.
Aus dem Gesagten folgt: Wenn der Mensch einen Genuss in seinen eigenen Bereich aufnimmt, besteht seine Sünde darin, dass er ihn aus dem Bereich des Schöpfers in seinen eigenen Bereich überführt. Denn alles muss in den Bereich des Schöpfers eingehen; der Mensch ist nur ein „Knecht des Schöpfers“ und hat keinen eigenen Bereich, weil alles seinem Herrn gehört.
Sobald er aber die Genüsse, die es in der Welt gibt, in seinen eigenen Bereich aufnimmt, sieht es so aus, als gäbe es zwei Bereiche. Das nennt man: Er nimmt etwas aus dem Bereich des Schöpfers, dem die Welt gehört, heraus und bringt es in seinen eigenen Bereich.
Beim Herausnehmen aus dem Bereich des Mitmenschen in den eigenen Bereich sind zwei Weisen zu unterscheiden:
1) Der Mitmensch sieht nicht, wie jener etwas von ihm wegnimmt und in den eigenen Bereich bringt. Das nennt man „Dieb“: Wenn der Mitmensch es nicht sieht, hat er den Mut, das Eigentum des Mitmenschen in seinen eigenen Bereich zu bringen. Sieht er dagegen, dass der Mitmensch hinschauen und bemerken würde, wie er Dinge nimmt und in seinen Bereich bringt, dann stiehlt er nicht.
2) Manchmal nimmt er das Eigentum des Mitmenschen, sogar wenn dieser sich dagegen wehrt. Das nennt man „Räuber“: Er beraubt seinen Mitmenschen, selbst wenn dieser zusieht. Es beeindruckt ihn nicht, dass der andere schreit, das sei „Raub“, und ihm das Nehmen nicht erlaubt. Er bleibt bei seinem Vorhaben. Das heißt: Er hat nicht die Kraft, das Verlangen zu überwinden, das er nach dem Eigentum des Mitmenschen empfindet, und ist gezwungen zu rauben. Dass es ihn nicht beeindruckt, dass der andere ihm beim Nehmen zusieht, liegt gewiss daran, dass sein Verlangen zu empfangen bereits im allergrößten Maß entwickelt ist.
So sagte mein Vater und Lehrer, Baal HaSulam: Der Unterschied zwischen Dieb und Räuber besteht darin, dass der Räuber ein größeres Verlangen zu empfangen hat als der Dieb. Weiß der Dieb daher, dass der Hausherr ihm bei der Tat zusehen wird, so gibt ihm diese Scham die Kraft, sich zu überwinden und auf den Diebstahl zu verzichten. Beim Räuber dagegen ist das Verlangen zu empfangen so stark, dass ihn nichts daran hindern kann, seinen Plan auszuführen. Wegen des großen Verlangens und der großen Leidenschaft nimmt er auf nichts Rücksicht und setzt seinen Gedanken in die Tat um.
Nach dem Gesagten können wir nun erklären, was wir oben gefragt haben: Worauf will der Sohar hinweisen, wenn er „wenn er sündigt“ sagt – nämlich jene Übertretungen, die Sünde genannt werden, wie geschrieben steht: „von allen Sünden des Menschen“? Wenn er „jene Übertretungen, die Sünde genannt werden“ sagt und danach den Beweis aus dem Vers „von allen Sünden des Menschen“ bringt, dann ist das Wort „von allen“ so auszulegen: Seine ganze Absicht zielt auf die Wurzel, aus der alle Sünden kommen – das Verlangen zu empfangen. Mit ihm beginnen alle Handlungen, die es in der Welt gibt, und mit ihm enden alle Arbeiten. Uns ist gegeben, dieses Verlangen zu empfangen so zu korrigieren, dass es „um zu geben“ wird. Und sobald das allgemeine Verlangen zu empfangen darauf korrigiert ist, um zu geben, wird das „Gmar Tikun“ (Endkorrektur) genannt.
Das heißt: Alle Korrekturen, um die wir uns in Tora und Mizwot mühen müssen, dienen einzig dazu, das Verlangen zu empfangen so zu korrigieren, dass es „um zu geben“ wird. Dann werden wir der Stufe der Anhaftung (Dwekut) würdig, und dann können wir das Ziel der Schöpfung erreichen – „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“.
So zeigt sich: In der Endkorrektur – die ja bedeutet, dass alles korrigiert ist und es nichts mehr zu korrigieren gibt – muss alles in die Heiligkeit (Kedusha) eingehen. Selbst die vorsätzlichen Sünden müssen in die Heiligkeit eingehen. Sonst zeigte sich, dass ein Teil des Verlangens zu empfangen fehlt, der draußen geblieben ist und noch keine Korrektur empfangen hat. Und das ist es, was wir gesagt haben: Der Hinweis im Vers „von allen Sünden des Menschen“ meint alles, was aus dieser Wurzel hervorgeht. Wir müssen nämlich wissen, dass es keine einzige Sünde gibt, die nicht aus dem Verlangen zu empfangen in seiner Wurzel hervorginge – denn dieses ist bekanntlich die Wurzel aller Geschöpfe. Bliebe demnach auch nur eine einzige Sünde übrig, so müsste auch sie, da sie aus der Wurzel – dem Verlangen zu empfangen – hervorgeht, dahingehend korrigiert werden, um zu geben. Sonst würde dieser Mangel in der Wurzel sichtbar, also in der Ersten Einschränkung (Zimzum Alef), die am Verlangen zu empfangen in seiner Wurzel vorgenommen wurde. Sie geschah, damit wir alles, was im Schöpfungsgedanken „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ enthalten ist, in jenen Gefäßen empfangen, an denen die Korrektur „um zu geben“ vollzogen ist.
Dies lässt sich anhand eines Bildes verstehen. Nehmen wir zum Beispiel an, Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun, wäre auf hundert Kilo Genuss gerichtet. Dann ist es selbstverständlich, dass Er ein Gefäß bereiten musste, das einen Mangel im Umfang von hundert Kilo aufweist; sonst gäbe es keinen Ort, an dem die hundert Kilo Genuss eingehen könnten, denn eine Füllung gibt es nur dort, wo ein Mangel ist. Demnach gilt: Wenn man die Gefäße – also die Mängel – füllt, dabei aber ein Teil der Gefäße außen bleibt (ein Teil derer nämlich, die zu den hundert Kilo Mangel gehören, ist nicht rein und nicht geeignet, mit der ihm zugehörigen Fülle gefüllt zu werden), dann erfüllt die Fülle, die Er geben wollte – die hundert Kilo Genuss –, Sein Verlangen nicht. Denn ein Teil der Gefäße gehört zu einem Teil der Fülle, und diese Gefäße haben das ihnen Zugehörige noch nicht empfangen.
Demnach folgt: Alle Gefäße, die bei der Schöpfung hervorgetreten sind, müssen allesamt in die Heiligkeit eingehen. Damit versteht man, was der Heilige Sohar sagt: „Künftig wird der Todesengel zu einem heiligen Engel werden.“ Das ist, wie oben gesagt: Da alles Schlechte aus dem Verlangen zu empfangen kommt, das der Schöpfer erschuf und an dem Er danach eine Einschränkung vornahm – „Korrektur“ genannt –, müssen gewiss alle hundert Kilo Verlangen zu empfangen, die Er erschuf, durch die Korrektur aufgenommen werden, die „Empfangen, um zu geben“ heißt. Jene Aspekte, die sich vor der Endkorrektur nicht korrigieren lassen, heißen „Klipot, Unreinheit (Tuma) und andere Seite (Sitra Achra)“. In der Endkorrektur aber müssen aus dem genannten Grund alle Gefäße in die Heiligkeit eingehen; sonst gäbe es einen Mangel an der Fülle, denn alle Gefäße müssen die Fülle empfangen, die zu ihrem Anteil gehört.
Nach dem Gesagten wird verständlich, was geschrieben steht: „von allen Sünden des Menschen“ – die Absicht zielt auf die Wurzel der Sünden, die „Verlangen zu empfangen“ genannt wird. Und das ist es, was geschrieben steht: „Und es wird sein, wenn er sündigt und schuldig wird.“ Denn die Bedeutung des Verses „von allen Sünden des Menschen“ meint nicht ausschließlich die Sünden zwischen Mensch und Mitmensch – wie danach der Vers „und schuldig wird“ ausgelegt wird: Es ist, wie man sagt, „das Schuldopfer, das dem Schöpfer zurückerstattet wird“, wobei „und schuldig wird“ bedeutet, dass er seine Taten in Ordnung bringt und das Geraubte zurückgibt, das er geraubt hat – was ja ausschließlich zwischen Mensch und Mitmensch gilt.
Vielmehr ist, wie oben gesagt, auszulegen: Die Wurzel aller Sünden ist das Verlangen zu empfangen, um zu empfangen. Das bedeutet: Was der Mensch vom Schöpfer empfängt – also aus dessen Bereich –, bringt er ganz in seinen eigenen Bereich. Das nennt man, wie oben gesagt, „Raub“, denn er nimmt es aus dem Bereich des Schöpfers heraus, obwohl die Tora laut ruft, dass es verboten ist, in den eigenen Bereich zu empfangen. Sonst wäre es, als gäbe es zwei Bereiche – den des Schöpfers und seinen eigenen –, und er nimmt die Genüsse aus dem Bereich des Schöpfers in den seinen. So zeigt sich, dass er nicht „Dieb“, sondern „Räuber“ genannt wird. Denn obwohl der Schöpfer sieht, was er nimmt, ist sein Verlangen zu empfangen so stark, dass er nicht die Kraft hat, es zu überwinden. Deshalb wird er „Räuber“ genannt und nicht „Dieb“.
Und worin besteht seine Korrektur? „Und er gibt das Geraubte zurück, das er geraubt hat“ – das heißt, er vollzieht Teshuwa (Umkehr) und bringt in Ordnung, dass alle seine Taten in die Heiligkeit eingehen. Das heißt, er zieht ein Verlangen herab, dass alle seine Taten „um zu geben“ sein mögen. Und das ist es, was der Sohar auslegt: „Und es wird sein, wenn er sündigt und schuldig wird“ – wobei „und schuldig wird“ bedeutet, dass er in Ordnung bringt.
Und Rabbi Jossi fügt hinzu und sagt wörtlich: Daraus geht hervor, dass das Wort „und er gibt zurück“ bedeutet, dass er aus eigenem Antrieb zurückgibt; denn „er soll zurückgeben“ als Befehlsform steht nicht da, sondern genau „und er gibt zurück“ – also von selbst. Es gibt eine „Umkehr aus Ehrfurcht“, bei der „die vorsätzlichen Sünden ihm zu Versehen werden“. Zwar gibt er dabei das Geraubte zurück, doch geschieht dies noch nicht aus freiem Willen, sondern weil er Ehrfurcht hat – deshalb gibt er das Geraubte zurück. Doch das heißt nicht „von selbst“, also aus gutem, freiem Willen, sodass wir sagen könnten, er sei zufrieden damit, das Geraubte zurückzugeben; vielmehr ist es, als hätte er keine Wahl. Und bei der „Umkehr aus Ehrfurcht“ ist die Sünde noch nicht korrigiert, denn bei der „Umkehr aus Ehrfurcht“ werden „die vorsätzlichen Sünden ihm nur zu Versehen“. Deshalb gibt es Gefäße, die noch außerhalb der Heiligkeit sind – das heißt, die obere Fülle kann sich nicht in sie kleiden. Dann aber kann Sein Verlangen, das „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ war, den Unteren keine Fülle geben, weil es, wie gesagt, keinen Ort hat, sich darin zu kleiden. So zeigt sich, als gäbe es einen Mangel am Ziel.
Deshalb wurde uns eine Korrektur gegeben, die „Umkehr aus Liebe“ genannt wird. Bei ihr „werden die vorsätzlichen Sünden ihm zu Verdiensten“. Diese Gefäße waren im Aspekt der „vorsätzlichen Sünden“, also im Verlangen zu empfangen; ihrem Wesen nach – vom Ziel der Schöpfung her – gehören sie zur oberen Fülle, doch waren sie nicht geeignet, sie zu empfangen. Sobald aber aus diesen Gefäßen Verdienste werden, sind sie geeignet, dass die obere Fülle sich in sie kleidet. Und dann kann sich die Vollkommenheit des Ziels verwirklichen, das „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ ist – im Maß der Fülle, die Er ihnen zu geben verlangte. Nun sind alle Gefäße eingegangen, die zum allgemeinen Verlangen zu empfangen gehören, das in mehrere Teile aufgeteilt wurde; denn kleinere Teile lassen sich leichter korrigieren.
Und das geschieht nach dem Gleichnis, das mein Vater und Lehrer zur Korrektur der Sünde am Baum der Erkenntnis anführt (Panim Masbirot, Blatt 56): von einem König, der seinem Sohn eine große Summe Golddinare in ein überseeisches Land schicken wollte. Nun waren aber alle Bewohner seines Landes Diebe. Da ging er hin und wechselte die Dinare in kleine Münzen. „Und Münze um Münze fügt sich zu einer großen Summe“ – und dadurch wird alles korrigiert.
korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, 01:47 Uhr, Ver7