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Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1986/12 Was ist der wichtigste Mangel, um den man beten sollte?

Rabash – 1986 – Artikel 12 (תשמ״ו – מאמר י״ב)

„Was ist der wichtigste Mangel, um den man beten sollte“ · החסרון העקרי שעליו להתפלל, מהו

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1

Es ist bekannt, dass die „Schöpfung“ Mangel genannt wird; deshalb heißt sie „Etwas aus dem Nichts“. Der erschaffene Mensch ist voller Mängel. Damit er bei der Arbeit Erfolg hat, mit der er seine Mängel auffüllen will, muss er zuerst wissen, welcher der wichtigste Mangel ist, dem er vor allen anderen den Vorrang geben soll. Und da es spirituelle und körperliche Mängel gibt, müssen wir zunächst klären, was „spirituell“ heißt und was wir „körperlich“ nennen.

ידוע, ש"הבריאה" נקראת חסרון. לכן היא נקראת "יש מאין". והאדם הנברא הוא מלא חסרונות. ומשום זה, בכדי שהאדם יצליח בהעבודה, שהוא הולך למלאות חסרונותיו, הוא צריך לדעת מקודם, מהו החסרון העיקרי שעליו יתן זכות קדימה לכל חסרונותיו. והיות שיש חסרונות רוחניים וחסרונות גשמיים, עלינו לברר קודם כל, מהו נקרא רוחניים, ומה אנו מכנים גשמיים.

Es ist bekannt, dass die Schöpfung „Mangel“ genannt wird. Deshalb heißt sie auch „Existenz aus Nichtexistenz“. Der Mensch wurde voller Mängeln erschaffen. Damit der Mensch bei der Arbeit, seine Defizite zu befriedigen, erfolgreich sein kann, muss er zunächst wissen, welches der wichtigste Mangel ist, dem er den Vorzug vor allen anderen Mängeln geben sollte. Da es spirituelle Mängel und körperliche Mängel gibt, müssen wir zunächst „spirituell“ und „körperlich“ definieren.

2

Im Buch „Einführung in die Weisheit der Kabbala“ (Blatt 3, Punkt 11) heißt es: „Damit wirst du auch die wahre Definition verstehen, die zwischen Spiritualität und Körperlichkeit unterscheidet. Denn alles, in dem ein Verlangen zu empfangen steckt, das in all seinen Aspekten vollständig ist – also Bchina Dalet –, wird ‚körperlich‘ genannt; und es findet sich in allen Einzelheiten der ganzen Wirklichkeit, die in dieser Welt vor unseren Augen ausgebreitet ist. Und alles, was über dieses große Maß des Verlangens zu empfangen hinausgeht, wird mit dem Namen ‚Spiritualität‘ bezeichnet.“

והנה בספר "פתיחה לחכמת הקבלה" (דף ג', אות י"א) כתוב שם וזה לשונו "ועם זה תבין גדר האמיתי להבחין בין רוחניות לגשמיות. כי כל שיש בו רצון לקבל מושלם בכל בחינותיו, שהיא בחינה ד', הוא נקרא "גשמי", והוא נמצא בפרטי כל המציאות הערוך לעיניו בעולם הזה. וכל שהוא למעלה משיעור הגדול הזה של הרצון לקבל, נבחן בשם "רוחניות".

In der Abhandlung „Vorwort zur Einführung in die Weisheit der Kabbala“ (Punkt 11) heißt es: „Jetzt kannst du den wirklichen Unterschied zwischen Spiritualität und Körperlichkeit verstehen: Alles, was ein vollständiges Verlangen zu empfangen enthält, in all seinen Bchinot [Unterscheidungen], was Bchina Dalet ist, wird als ‚körperlich‘ betrachtet. Dies existiert in allen Elementen der Wirklichkeit dieser Welt. Umgekehrt gilt alles, was über dieses große Maß an Empfangsbereitschaft hinausgeht, als ’spirituell‘.“

3

Daraus ergibt sich: „Körperlichkeit“ heißt das, was zur Auffüllung unseres Verlangens zu empfangen gehört. Das bedeutet: Alles, was der Mensch zu seinem eigenen Nutzen tut, heißt „Körperlichkeit“; und was er zum Nutzen des Schöpfers tut, heißt „Spiritualität“.

לפי זה יוצא, ש"גשמיות" נקרא, מה ששייך למלאות את הרצון לקבל שלנו. זאת אומרת, שכל מה שהאדם עובד לתועלת עצמו, נקרא "גשמיות". ומה שעובד לתועלת ה', נקרא "רוחניות".

Daraus folgt, dass Körperlichkeit sich auf die Befriedigung unseres Willens zu empfangen bezieht. Daher wird alles, was der Mensch zu seinem eigenen Nutzen tut, als „Körperlichkeit“ bezeichnet, und alles, was er zum Nutzen des Schöpfers tut, als „Spiritualität“.

4

Von selbst ist nun verständlich: Um das Kli (Gefäß) für die Körperlichkeit – also den Mangel, den eigenen Nutzen aufzufüllen – müssen wir uns nicht sorgen. Wir müssen uns nicht darum kümmern, uns ein solches Kli zu verschaffen – ein Kli des Verlangens zu empfangen, mit der Absicht zu empfangen –, denn solche Kelim hat der Schöpfer uns gleich bei der Offenbarung der Schöpfung gegeben. Bekanntlich hat der Schöpfungsgedanke, genannt „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“, das Verlangen zu empfangen als Etwas aus dem Nichts erschaffen, damit es danach strebt, Gutes und Genuss zu empfangen. Und der Schöpfer füllt dieses Kli sicher nach Seinem Willen. Es zeigt sich also, dass wir um die Gefäße des Empfangens nicht zu bitten brauchen.

ובהאמור מובן מאליו, שהכלי על גשמיות, היינו חסרון למלאות את התועלת עצמו, אין אנו צריכים לדאוג להמציא לנו כלי של רצון לקבל בעמ"נ לקבל, משום שהכלים כאלו נתן לנו הבורא תיכף בהתגלות הבריאה. כידוע, שמחשבת הבריאה, הנקרא "רצונו להטיב לנבראיו", ברא יש מאין הרצון לקבל, שישתוקק לקבל טוב ועונג. והבורא בטח שממלא בהכלי הזה כרצונו יתברך. נמצא, שעל הכלים דקבלה אינם צריכים לבקש.

Es ist daher klar, dass wir kein Kli [Gefäß] für die Körperlichkeit, d.h. für das Verlangen zu empfangen, erschaffen müssen, da der Schöpfer uns bereits mit solchen Kelim [Gefäße] zu Beginn der Schöpfung ausgestattet hat. Der Schöpfungsgedanke – genannt „Sein Verlangen, Seinen Schöpfungen Gutes zu tun“, erschuf das Verlangen, Existenz aus Nichtexistenz zu empfangen. Wir sollten uns danach sehnen, Freude und Vergnügen zu empfangen. Und der Schöpfer befriedigt dieses Kli, wie Er will. Daher brauchen wir nicht um Gefäße des Empfangens zu bitten.

5

Deshalb betrifft das Gebet, das man für Körperliches spricht, nur die Füllung: dass der Schöpfer uns all das auffüllt, was uns nach unserem Empfinden fehlt. Denn das Empfinden des Mangels ist es, was uns Leiden bringt; und dieses empfundene Leiden ist der Grund, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um unsere Mängel aufzufüllen.

לכן התפלה שנותנים עבור גשמיות, היא רק על המילוי, דהיינו שה' ימלא לנו את כל מה שאנו מרגישים שחסר לנו. כי הרגשת החסרון, הוא מה שמביא לנו יסורים. והיסורים שבהרגשתנו, הם הסיבה שאנו נעשה את כל מה שביכולתנו, למלאות חסרונותינו.

Und somit dient das Gebet, das wir für die Körperlichkeit sprechen, nur der Füllung. Das bedeutet, dass der Schöpfer alles befriedigen wird, was wir zu brauchen glauben, denn das Gefühl des Mangels lässt uns leiden. Und das Leiden, das wir empfinden, ist der Grund dafür, dass wir alles tun, was wir können, um unsere Wünsche zu erfüllen.

6

Anders verhält es sich, wenn wir um Spirituelles beten sollen, dass der Schöpfer unsere Mängel auffüllt. Zwar ist der Mangel am Spirituellen der Grund zu beten, dass der Schöpfer unser Begehren erfüllt – weil wir darunter leiden, dass dieser Mangel noch keine Füllung erhalten hat. Doch dieser Mangel ist in uns noch gar nicht geboren: nämlich der Mangel, das Kli aufzufüllen, das „Kli des Gebens“ genannt wird. Genau das ist der Unterschied zwischen Spiritualität und Körperlichkeit. Das „körperliche Kli“ heißt Gefäß des Empfangens, denn es will den eigenen Nutzen auffüllen. Das „spirituelle Kli“ aber heißt ein Kli, das gerade den Nutzen des Schöpfers auffüllen will – im Gegensatz zum eigenen Nutzen.

מה שאין כן בזמן שאנו צריכים להתפלל על רוחניות, שה' ימלא את חסרונותינו, כי החסרון על רוחניות תהיה הסיבה להתפלל, שה' ימלא את מבוקשנו, מטעם שיש לנו יסורים מזה שהחסרון עוד לא קבל מילוי, הלא החסרון הזה עוד לא נולד בנו. היינו, שיחסר לנו למלאות את הכלי, הנקרא "כלי דהשפעה", כנ"ל, שזהו ההבדל בין רוחניות לגשמיות. ש"כלי הגשמי" נקרא כלי דקבלה, שהוא רוצה למלאות את התועלת עצמו. ו"כלי רוחני" נקרא כלי, שרוצה דוקא למלאות את תועלת ה', ובניגוד לתועלת עצמו.

Dies ist nicht so, wenn wir um Spiritualität bitten. Der Mangel an Spiritualität ist der Grund für das Gebet – dass der Schöpfer unsere Wünsche erfüllen möge. Doch dieser Mangel muss erst in uns geboren werden, d.h. der Mangel, das Kli zu befriedigen, das „Gefäß des Gebens“ genannt wird, was der Unterschied zwischen Spiritualität und Körperlichkeit ist. Das körperliche Kli wird „Gefäß des Empfangens“ genannt und will sich selbst Genuss bereiten. Ein spirituelles Kli wird „Kli, das den Nutzen des Schöpfers befriedigen will“ genannt; es steht im Gegensatz zum Verlangen, für sich zu empfangen.

7

Dieses Kli findet sich nicht in der Natur der Schöpfung. Denn von Natur aus wird der Mensch nur mit einem Kli des eigenen Nutzens geboren. Wenn wir unserem Körper sagen, dass wir zum Nutzen des Schöpfers arbeiten müssen, weiß er nicht einmal, wovon zu ihm geredet wird. Denn es kam ihm nie in den Sinn, dass es etwas gibt, das den eigenen Nutzen nicht im Auge hat, sondern den ganzen Tag an den Nutzen des Schöpfers denkt – zumal er hört, dass man auf Genüsse, die zur Selbstliebe gehören, zugunsten des Nutzens des Schöpfers verzichten soll.

וכלי זה לא נמצא בטבע הבריאה. כי מצד הטבע, אדם נולד רק בכלי של תועלת עצמו. ומה שאנו אומרים להגוף שלנו, שצריכים לעבוד לתועלת ה', את ענין זה הוא לא יודע אפילו מה שמדברים אליו. כי לא עלה על דעתו, שיש ענין שלא להסתכל על תועלת עצמו, אלא שיחשוב כל היום על תועלת ה'. ובפרט ששומע, שכדאי לוותר על תענוגים ששייכים לאהבה עצמית, לצורך תועלת ה'.

Dieses Kli fehlt in der Natur der Schöpfung, da der Mensch nur mit einem Kli zur Befriedigung des Verlangens zu empfangen geboren wird. Wir müssen daher unserem Körper sagen, dass wir arbeiten müssen, um dem Schöpfer zu nützen, doch der Körper versteht dies nicht. Er kann nicht begreifen, dass er nicht an seinen eigenen Nutzen denken, sondern den ganzen Tag über den Nutzen des Schöpfers nachdenken soll. Das ist besonders dann der Fall, wenn er hört, dass er auf Genüsse verzichten soll, die mit der Selbstliebe zusammenhängen.

8

So fremd ist dem Körper die Sache, dass er, sobald er hört, man muss einzig mit der Absicht zu geben arbeiten, sofort klügelt und fragt: „Ich will wissen, ob du Menschen siehst, die diesen Weg gehen – Menschen, denen du nacheifern willst. Gut, dann würde ich dir zustimmen. Aber sag selbst: Wie viele Menschen siehst du, deren ganzes Denken im Leben nur dem gilt, was den Nutzen des Schöpfers betrifft, und nicht dem eigenen Nutzen? Und wenn du sagst, du weißt doch, dass es Menschen auf diesem Weg gibt – wie viel Mühe und Zeit haben sie investiert, um die Fähigkeit zu erlangen, dass all ihr Tun nur mit der Absicht zu geben geschieht? Und vor allem: Wie lange muss das dauern – einen Monat, zwei Monate, ein Jahr, zwei Jahre?“ Und noch klüger fragt er: „Haben denn alle, die Zeit und Mühe investiert haben, diese Stufe erreicht, auf der sie all ihr Tun auf das Geben ausrichten können?“ Mit solchen Worten haben sie die Kraft, den Menschen von der Arbeit zu entfernen, die zum Weg des Gebens gehört.

וכל כך מוזר הדבר להגוף, בשעה ששומע, שצריכים לעבוד רק בעמ"נ להשפיע, תיכף מתחכם ושואל, אני רוצה לדעת, אם אתה רואה אנשים שהולכים בקו הזה, שבשבילם גם אתה רוצה לעשות כמוהם. נכון, הייתי מסכים עמך, אבל תגיד אתה בעצמך, כמה אנשים אתה רואה, שכל מחשבתם בחייהם הוא רק לדאוג מה שנוגע לתועלת ה', ולא לתועלת עצמו. ואם נאמר, שכן אתה יודע, שיש אנשים, שהולכים בקו הזה, אבל כמה השקיעו יגיעה וזמן, שתהיה להם היכולת, שכל מעשיהם יהיו רק בעמ"נ להשפיע. ובעיקר, כמה זמן צריך דבר זה לקחת. חודש, חודשים, שנה, ושנתיים. ועוד יותר הוא מתחכם לשאול, אם כולם השקיעו זמן ויגיעה, הצליחו לקבל דרגה זו, שיוכלו לכוון בכל מעשיהם בעמ"נ להשפיע. ובדברים האלו יש להם כח להרחיק את האדם מהעבודה, השייכת לדרך השפעה.

Es ist dem Körper so fremd, wenn er hört, dass man nur um des Gebens willen arbeiten soll, so dass er sofort zum Besserwisser wird und fragt: „Ich würde gerne wissen, ob du andere Menschen siehst, die auf dieser Linie gehen und ob du dasselbe tun willst? Gewiss, ich würde dir zustimmen, aber sieh selbst, wie wenig Menschen es gibt, deren einzige Gedanken im Leben nur dem Wohl des Schöpfers gelten und nicht ihrem eigenen! Und wie viel Zeit und Mühe haben sie darauf verwendet, die Fähigkeit zu entwickeln, alles zu tun, nur um zu geben? Und vor allem, wie lange sollte das dauern, einen Monat, zwei Monate, ein Jahr, zwei Jahre?“ Und er wird noch schlauer und fragt: „Haben alle, die Zeit und Mühe investiert haben, diesen Grad erreicht, dass sie mit all ihren Werken auf das Geben ausgerichtet sind?“ Mit diesen Worten lenkt der Körper einen Menschen von der Arbeit auf dem Weg des Gebens ab.

9

Aus alldem folgt: Hinsichtlich des Spirituellen, das „seinem Schöpfer Wohlgefallen bereiten“ genannt wird, hat der Mensch keinen solchen Mangel. Im Gegenteil: Kommt ihm der Gedanke, er soll etwas tun, um dem Schöpfer ohne jede Gegenleistung zu geben, so erheben sich sofort alle Gedanken und Wünsche des Körpers gegen ihn und schreien: „Sei kein Narr, der aus der Reihe tanzt und gegen den Lauf der Welt geht; denn alle wissen, dass der eigentliche Grund, der zur Arbeit verpflichtet, der eigene Nutzen ist.“

היוצא מכל הנ"ל, שלגבי רוחניות, הנקרא "לעשות נחת רוח ליוצרו", אין לאדם חסרון כזה. אלא להיפך, שאם באה לו לאדם איזו מחשבה, שצריכים לעשות משהו להשפיע לה' בלי שום תמורה, תיכף מתקומם לנגדו כל המחשבות והרצונות של הגוף, וצועקות, אל תהיה טיפש ויוצא דופן ללכת נגד דרך העולם, שיודעים, שעיקר המחייב לעבוד, הסיבה היא, תועלת עצמו.

Aus all dem folgt, dass der Mensch in Bezug auf die Spiritualität, die „Seinem Schöpfer Zufriedenheit bringen“ genannt wird, keinen solchen Mangel hat. Im Gegenteil, wenn er überlegt, etwas zu tun, um dem Schöpfer ohne Belohnung zu geben, protestieren sofort alle Gedanken und Begierden des Körpers und rufen: „Sei kein Narr und stelle dich nicht gegen die Mehrheit, die weiß, dass der einzige Grund, der einen zur Arbeit zwingt, der Eigennutzen ist.“

10

Nur mit dieser Kraft kann er sich mit Tora und Mizwot beschäftigen. Und obwohl er weiß, dass man liShma (um Ihretwillen) arbeiten soll, gibt es darauf eine allgemeine Antwort: Er erfüllt, was die Weisen sagten – „Stets beschäftige sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch wenn lo liShma (nicht um Ihretwillen), denn aus dem lo liShma wird er des liShma würdig.“ Doch er braucht sich darum nicht zu sorgen, sich also nicht zu prüfen, ob er sich dem liShma wirklich ein wenig genähert hat. Vielmehr weiß er, dass am Ende die Ehre kommt – dass er also sicher zur Stufe des liShma gelangt. Und so braucht er nicht einmal nachzudenken, was liShma bedeutet; denn worüber er nicht zu handeln hat, darüber muss er nicht nachdenken und nicht ins Einzelne gehen, um zu wissen, was es ist. Vielmehr lebt er wie die Gesamtheit.

ורק עם כח זה הוא יכול לעסוק בתו"מ. והגם שיודע, שצריכים לעבוד לשמה, אבל על זה יש תשובה כללית, שהוא מקיים מה שאמרו חז"ל "לעולם יעסוק אדם בתו"מ שלא לשמה, היות מתוך שלא לשמה הוא יזכה לשמה". אבל אין צורך לדאוג על זה, היינו שיבדוק את עצמו, אם באמת הוא התקרב קצת לבחינת לשמה. אלא הוא יודע, שסוף הכבוד לבוא, היינו שבטח הוא יגיע לבחינת לשמה. וממילא אין צורך אפילו לחשוב, מהו הפירוש של לשמה, כי בדבר שאין מוטל עליו לעשות, אין צורך לחשוב ולהכנס בפרטים, לדעת מהו ענינו. אלא הוא חי כמו הכלל כולו.

Nur mit dieser Kraft kann er sich mit Tora und Mizwot [Geboten] beschäftigen. Obwohl er weiß, dass er sich liShma [für Ihren Namen] engagieren sollte, soll er sich daran halten, was unsere Weisen sagten: „Man sollte sich immer in Tora und Mizwot lo liShma [nicht für Ihren Namen] engagieren, denn von lo liShma wird man mit liShma belohnt werden.“ Man muss nicht prüfen, ob man liShma wirklich näher gekommen ist. Vielmehr weiß man, dass das Gute kommen wird, d.h. dass man liShma mit Sicherheit erreichen wird, so dass man nicht über die Bedeutung von liShma nachzudenken braucht. Man muss sich nicht mit Details über Dinge aufhalten, die noch keine Relevanz haben. Vielmehr soll man wie die Mehrheit leben.

11

Deshalb besteht ein großer Unterschied zwischen dem Gebet, das man für Körperliches betet, und dem für Spirituelles. Denn für das Spirituelle muss man zuerst um das Kli beten, also um den Mangel: dass man Schmerz und Leiden darüber empfindet, dieses Kli – „Verlangen“ genannt – nicht zu besitzen, dass man sich also danach sehnt, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

אי לזאת, יש הבחן גדול בין התפלה שמתפללים על גשמיות, לתפלה שמתפללים על רוחניות. כי על רוחניות צריכים מקודם להתפלל על הכלי. זאת אומרת, על חסרון, היינו שירגיש צער ויסורים, בזה שאין לו הכלי זה, הנקרא "רצון", היינו שישתוקק לעשות נחת רוח ליוצרו.

Es besteht also ein großer Unterschied zwischen dem Gebet, das man für die Körperlichkeit betet, und dem Gebet, das man für die Spiritualität betet. Für die Spiritualität muss man zuerst um das Kli beten, das heißt um einen Mangel. Man sollte Schmerz und Trauer darüber fühlen, dass man dieses Kli nicht hat, das „Verlangen zu geben“ genannt wird und man sollte sich danach sehnen, den Schöpfer zufrieden zu stellen.

12

Daraus ergibt sich, dass er nicht um die Füllung eines Mangels zu beten hat – wie beim Körperlichen, wo man einen Mangel hat und um dessen Füllung bittet –, weil er noch gar kein Kli des Spirituellen besitzt. Darum muss, wer um Spirituelles beten will, um das Kli beten: dass der Schöpfer ihm ein Kli gibt, das dem Schöpfer geben will. Und erst danach, wenn er ein Kli für das Spirituelle hat, kann er um die Fülle beten, die in das spirituelle Kli eintreten soll.

נמצא לפי זה, שאין לו להתפלל על מילוי חסרון, כמו בגשמיות, שיש לו חסרון, ומבקש על מילוי חסרון, משום שעדיין אין לו שום כלי של רוחניות, כנ"ל. ומשום זה על האדם שהולך להתפלל על רוחניות, עליו להתפלל על הכלי, שה' יתן לו כלי, שירצה להשפיע להבורא. ואח"כ, שיש לו כלי, ששייך לרוחניות, אז הוא יכול להתפלל על שפע, שיכנס לתוך כלי הרוחני.

Daraus folgt, dass man nicht um die Befriedigung des Mangels beten muss (wie in der Körperlichkeit, wenn man um die Befriedigung eines körperlichen Bedürfnisses bittet), da man noch kein Kli der Spiritualität hat. Wenn man also um Spiritualität betet, muss man um das Kli bitten – dass der Schöpfer einem das Verlangen schenke, Ihm, dem Schöpfer zu geben. Und wenn man dann ein spirituelles Kli hat, wird man in der Lage sein, um die Fülle für das spirituelle Kli zu bitten.

13

Aus dem Gesagten folgt: Der wahre Mangel, um den der Mensch zum Schöpfer beten soll, muss das Kli betreffen. Das entspricht der Regel „Kein Licht ohne Kli“. Und wenn er um den wahren Mangel betet, der ihm fehlt, dann kommt die Erhörung des Gebets – der Schöpfer gibt ihm ein neues Kli. So steht geschrieben: „Und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch entfernen und euch ein Herz aus Fleisch geben.“

היוצא מהנ"ל, החסרון אמיתי, שעל האדם להתפלל לה', צריך להיות על הכלי. וזה הולך לפי הכלל "אין אור בלי כלי". וכשהוא מתפלל על חסרון אמיתי מה שחסר לו, אז באה עניית התפלה, היינו שהקב"ה נותן לו כלי חדש. וזהו כמו שכתוב "והסירותי לב האבן מבשרכם, ונתתי לכם לב בשר".

Daraus folgt, dass der wahre Mangel, um den man zum Schöpfer beten muss, das „Kli zu geben“ sein sollte. Dies folgt der Regel: „Es gibt kein Licht ohne Kli.“ Wenn man um einen wirklichen Mangel bittet, erhört der Schöpfer das Gebet und gibt einem ein neues Kli, wie es geschrieben steht: „Und Ich werde das steinerne Herz aus deinem Fleisch entfernen und dir ein Herz aus Fleisch geben.“

14

Über diesen Mangel hörte ich von meinem Vater und Lehrer (Baal HaSulam), der es im Namen seines Lehrers, des ADMOR von Pursow, zum Vers „Befiehl Aaron“ (Wochenabschnitt Zaw) sagte. Rashi erklärt: ‚‚Befiehl‘ bedeutet immer Anspornung – sofort und für alle Generationen. Rabbi Shimon sagte: Am meisten muss die Schrift dort anspornen, wo ein Mangel des Geldbeutels besteht.‘ Dazu gab er die einfache Deutung: „Geldbeutel“ ist ein Kli, in das man Geld legt. Und es ist der Lauf der Welt, dass man sich sorgt und sich müht, um Geld zu erlangen. Und er sagte: „Am meisten muss der Mensch sich dort sorgen, wo ein Mangel des Geldbeutels besteht – gemeint ist der Mangel des Kli.“

ועל ענין חסרון זה שמעתי מאאמו"ר זצ"ל, שאמר בשם רבו אדמו"ר מפורסוב זצ"ל על פסוק "צו את אהרן" (פרשת צו). "ופירוש רש"י, אין צו אלא לשון "זרוז מיד ולדורות". אמר רבי שמעון, ביותר צריך הכתוב "לזרז" במקום שיש בו חסרון כיס". ואמר על זה פשט, "כיס" הוא כלי, שבו מכניסים כסף. ומדרך העולם, שדואגים ונותנים יגיעה, בכדי להשיג כסף. ואמר, "ביותר צריך האדם לדאוג במקום שיש חסרון כיס, הכוונה חסרון הכלי".

Ich hörte von diesem Mangel von Baal HaSulam, der im Namen seines Lehrers, des ADMOR von Pursov, über den Vers „Befiehl Aaron“ (Levitikus, 6:2) sagte. „RASHI interpretiert: ‚Befehl‘ bedeutet, dass er schnell für die Nachwelt eilt. Rabbi Shimon sagte: ‚Die Schrift soll vor allem dort eilen, wo die Taschen leer sind.'“ Er interpretierte es so, dass „Tasche“ ein Kli ist, in das man Geld steckt. Normalerweise strengen wir uns an und sorgen uns darum, Geld zu bekommen. Und er sagte: „Man sollte sich vor allem dort Sorgen machen, wo die Taschen leer sind, also dort, wo es kein Kli gibt.“

15

Und das ist, wie wir erklärt haben: Im Spirituellen soll der Mensch nicht beten, dass der Schöpfer ihm Fülle und Lichter gibt, sondern er soll zuerst dafür sorgen, dass er ein Kli hat – also ein Verlangen und ein Begehren, dem Schöpfer zu geben –, denn von Natur aus haben wir einzig ein Verlangen zu empfangen und nicht zu geben.

וזהו כמו שביארנו, שברוחניות אין להאדם להתפלל, שה' יתן לו שפע ואורות, אלא עליו לדאוג מקודם, שיהיה לו כלי, היינו רצון וחשק להשפיע לה', היות מצד הטבע יש לנו רצון אך ורק לקבל, ולא להשפיע.

Wie wir erklärt haben, muss man in der Spiritualität nicht um Reichtum und Licht bitten. Vielmehr muss man zuerst darauf achten, ein Kli zu erhalten, d.h. einen Wunsch und ein Verlangen, dem Schöpfer zu geben, denn von Natur aus wollen wir nur empfangen und nicht geben.

16

Demnach muss der Mensch, wenn er in die heilige Arbeit eintritt und zu seiner Vollkommenheit gelangen will, all seine Kräfte einsetzen, um jenes Verlangen zu erlangen, seinem Schöpfer Wohlgefallen bereiten zu wollen. Darauf muss er alle seine Gebete richten: dass der Schöpfer ihm hilft und ihm dieses neue Kli gibt. Und er soll vor Ihm sprechen: „Herr der Welt! So wie Du mir vom Beginn meiner Erschaffung in diese Welt ein Kli gegeben hast, das einzig zu meinem eigenen Nutzen empfängt, so bitte ich Dich: Gib mir jetzt ein neues Kli – dass ich einzig das Verlangen habe, Dir Wohlgefallen zu bereiten.“

ובהאמור, כשהאדם נכנס בעבודת הקודש, ורוצה להגיע לשלימותו, עליו להשקיע כל כוחותיו, בכדי שישיג את הרצון, שירצה לעשות נחת רוח ליוצרו. ועל זה הוא צריך לרכז כל תפלותיו, שהקב"ה יעזור לו, ויתן לו כלי חדשה זו. ולומר לפניו "רבונו של עולם. כמו שנתת לי כלי מתחילת בריאתי לעולם הזה, שהוא אך ורק לקבל לתועלת עצמי, אני מבקש ממך, תן לי עכשיו כלי חדש, היינו שיהיה לי רצון אך ורק להשפיע לך נחת רוח".

Daraus folgt, dass man, wenn man in das heilige Werk eintritt und es vollenden will, sich mit aller Kraft anstrengen muss, um den Wunsch zu erlangen, seinem Schöpfer Zufriedenheit bringen zu wollen. Darauf sollte man alle seine Gebete ausrichten – dass der Schöpfer einem helfen und einem dieses neue Kli schenken möge. Man muss vor Ihm sagen: „Herr der Welt, so wie Du mir, als ich in diese Welt kam, ein Kli gabst, um nur für mich selbst zu empfangen, so bitte ich Dich jetzt, mir ein neues Kli zu geben, damit ich ein Verlangen danach habe, Dir Zufriedenheit zu schenken.“

17

Und man darf nicht fragen, wie man darum beten kann, dass Er ihm ein Kli – „Verlangen zu geben“ genannt – gibt, während man doch sagt, dass ihm dieses Kli nicht fehlt: Denn er empfindet nicht, dass es ihm fehlt. Und wenn dem so ist – wie kann man um etwas bitten, woran man keinen Mangel hat?

ואין לשאול, איך אפשר להתפלל, שיתן לו כלי, הנקרא "רצון להשפיע", בו בזמן שאומרים, שלא חסר לו הכלי הזה. כי הוא לא מרגיש, שזה יחסר לו. ואם כן, איך אפשר לבקש על דבר שאין לו חסרון.

Wir könnten fragen: „Wie kann man darum beten, ein Kli namens ‚Verlangen zu geben‘ zu erhalten, wenn man doch nicht das Gefühl hat, dass es einem fehlt?“ Wie kann man also um etwas bitten, das man nicht braucht?

18

Und obwohl er sieht, dass er dieses Kli – „Verlangen zu geben“ – nicht besitzt, sagen wir doch nicht, dass alles, was dem Menschen fehlt, ihm auch mangelt. So steht es bei den oberen Sefirot: Die Sefira Bina – von der es heißt ‚sie begehrt Chessed‘ – gilt, obwohl sie, wie wir gelernt haben, durch den zweiten Zimzum (Zimzum Bet) aus dem Rosh (Kopf) von Arich Anpin austrat, dennoch als wäre sie nicht ausgetreten. Zwar hat sie keine Chochma, doch wird ihr das nicht als geringster Mangel gerechnet, denn es fehlt ihr nicht.

והגם שהוא רואה, שאין לו הכלי הזו, הנקרא "רצון להשפיע", אבל לא אמרינן, את כל מה שאין לאדם נקרא שחסר לו. כמו שכתוב בספירות עליונות, כי ספירות הבינה, שהוא "כי חפץ חסד", אף על פי שע"י צמצום ב', למדנו, יצאה מראש דא"א, מכל מקום נחשבת כאילו לא יצאה. הגם שאין לה חכמה, אבל לא נבחן זה לחסרון מעט, שלא חסר לה.

Auch wenn man sieht, dass man das ‚Verlangen zu geben‘ nicht hat, heißt das nicht, dass man alles braucht, was man nicht hat. Über die Höheren Sefirot steht geschrieben, dass die Sefira [Einzahl der Sefirot] Bina Barmherzigkeit begehrt, obwohl wir gelernt haben, dass sie durch Zimzum Bet [zweite Einschränkung] von Rosh de AA [Arich Anpin] abgewichen ist. Dennoch wird es so angesehen, als wäre sie nicht abgewichen, denn obwohl sie kein Chochma hat, wird es nicht als Mangel angesehen, weil sie es nicht braucht.

19

Wir sehen also, wann etwas, das jemand nicht hat, ihm als Mangel gilt: gerade dann, wenn es ihm fehlt. Und mehr noch muss er Leiden darüber empfinden, dass er es nicht hat. Das heißt: Selbst wenn er empfindet, dass es ihm fehlt, aber kein Leiden darüber empfindet, dass er es nicht hat, gilt es noch nicht als Mangel. Wie also kann er um etwas beten, woran er keinen Mangel hat?

רואים אנו, מתי נבחן דבר שאין לו לחסרון, דוקא שחסר לו. ועוד יותר מזה, שצריכים להרגיש יסורים, בזה שאין לו. זאת אומרת, אפילו שמרגיש שחסר לו, אבל אין לו יסורים, מזה שאין לו, עוד לא נבחן זה לחסרון. ואם כן, איך הוא יכול להתפלל על דבר שלא חסר לו.

Wir sehen, dass etwas, das man nicht hat, erst dann als Mangel angesehen wird, wenn man es braucht und Schmerz empfindet, weil man es nicht hat. Das heißt, selbst wenn man spürt, dass man es braucht, aber nicht leidet, weil man es nicht hat, wird es nicht als Mangel angesehen. Wie kann man also um etwas beten, an dem es einem nicht mangelt?

20

Deshalb muss der Mensch über das Ziel der Schöpfung nachdenken, das bekanntlich darin besteht, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Und wenn der Mensch beginnt, dieses Gute zu prüfen, das sich unter den Geschöpfen findet – nämlich wie sehr sie in dieser Welt das Gute und den Genuss genießen, den der Schöpfer ihnen geben will –, und er es unter den Geschöpfen nicht findet, dann kommt er zu der Erkenntnis: Gewiss gibt es einen Grund, der den Geschöpfen das Gute und den Genuss verwehrt. Aus diesem Grund kann sich die obere Fülle nicht offenbaren, und darum kann das Ziel der Schöpfung nicht zu seiner Vollendung kommen.

ומשום זה מוטל על האדם לחשוב על מטרת הבריאה, שידוע שהיא "להטיב לנבראיו". וכשהאדם מתחיל לעשות בקורת על הטוב הזה, שנמצא בין הנבראים. היינו, מה שהם נהנים בהעולם מהטוב והעונג, שהבורא רוצה לתת להם, ואין הוא מוצא את זה בין הנבראים, ומזה הוא בא לידי הכרה, שבטח יש איזו סיבה, שהיא מונעת מהנבראים את הטוב והעונג, שמסיבה זו אין השפע העליון יכול להתגלות, ובשביל זה אין מטרת הבריאה יכולה לבוא לשלימותה.

Deshalb muss man über den Zweck der Schöpfung nachdenken, von dem wir wissen, dass er darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Wenn man das Gute und das Vergnügen, das der Schöpfer den Geschöpfen schenken will, nicht finden kann, wird klar, dass es dafür einen Grund geben muss, der bedingt, dass den Geschöpfen die Freude und das Vergnügen verwehrt wird und die Höhere Fülle nicht offenbart werden kann. Also warum der Zweck der Schöpfung nicht erfüllt werden kann.

21

Und wenn er auf sich selbst blickt, sagt er: All das, was er sieht – dass die Geschöpfe nicht zum Empfang der Fülle gelangt sind –, hat sicher seinen Grund darin, dass sie Tora und Mizwot nicht so erfüllen, wie es sich gebührt, das Gebot des Königs zu erfüllen. So sagten die Weisen: „Der Schöpfer wollte Israel Verdienste verschaffen, darum hat Er ihm Tora und Mizwot reichlich gegeben.“ Daraus geht hervor, dass man durch Tora und Mizwot des Guten und des Genusses würdig werden kann.

וכשהוא מסתכל על עצמו, הוא אומר, שכל מה שהוא רואה, שהנבראים לא הגיעו לקבלת השפע, בטח הסיבה היא, משום שלא מקיימים תו"מ כראוי לקיים את מצות המלך. וזהו כמו שאמרו חז"ל "רצה הקב"ה לזכות את ישראל, לפיכך הרבה להם תורה ומצות". משמע מכאן, שע"י תו"מ יכולים לזכות להטוב והעונג.

Man sieht, dass die Geschöpfe die Fülle nicht erhalten– und man denkt, das muss daran liegen, dass sie Tora und Mizwot nicht so befolgen, wie man die Gebote des Königs befolgen sollte. Wie unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer wollte Israel belohnen, deshalb gab er ihnen reichlich Tora und Mizwot.“ Das bedeutet, dass wir durch Tora und Mizwot mit Freude und Vergnügen belohnt werden können.

22

Doch es erhebt sich die Frage: Warum erfüllt man Tora und Mizwot nicht so, wie es sich gebührt, dem König zu dienen? Da sagt er: Das liegt daran, dass uns das Empfinden für die Wichtigkeit von Tora und Mizwot fehlt – ebenso wie uns die Wichtigkeit des Gebietenden fehlt, der uns geboten hat, Seine Tora und Mizwot zu erfüllen.

אבל נשאלת השאלה, מדוע לא מקיימים תו"מ כראוי לשמש את המלך. אז הוא אומר, שהוא מטעם, שחסר לנו הרגשת החשיבות שבתו"מ. וכמו כן שחסר לנו החשיבות של המצוה, שציווה לנו לקיים את התורה ומצות שלו.

Die Frage ist jedoch: „Warum halten wir die Tora und die Mizwot nicht so ein, wie es sich gehört, wenn wir dem König dienen?“ Er sagt, dass es daran liegt, dass uns das Gefühl für die Wichtigkeit von Tora und Mizwot fehlt, und dass uns die Bedeutung des Schöpfers fehlt, der uns befohlen hat, Seine Tora und Mizwot einzuhalten.

23

Und der Mensch gelangt dann zu dem festen Entschluss, dass nur der Schöpfer dies korrigieren kann. Das heißt: Wenn Er uns ein wenig Licht von Tora und Mizwot offenbarte, sodass wir den Genuss spürten, der in ihnen liegt, dann wäre sicher jeder fähig, dem König mit seiner ganzen Kraft und seiner ganzen Seele zu dienen, wie es denen gebührt, die die Größe des Königs spüren. Worum also muss man zum Schöpfer beten? Dass Er ein wenig obere Fülle gibt. Dann würden sich alle mit Tora und Mizwot beschäftigen, wie es sich gebührt, ohne jede Nachlässigkeit.

והאדם בא אז לידי החלטה גמורה, שרק ה' הוא יכול לתקן זה. היינו, שבאם הוא יגלה לנו קצת אור של תורה ומצות, שנרגיש את התענוג שיש בהם, בודאי כל אחד תהיה לו היכולת לשמש את המלך בכל מאודו ונפשו, כראוי להיות לאלו שמרגישים בגדלות המלך. ומשום זה על מה צריכים להתפלל לה', שיתן קצת שפע עליון. אז כולם יתעסקו בתורה ומצות כראוי, בלי שום התרשלות.

Zu diesem Zeitpunkt kommt der Mensch zu dem Entschluss, dass nur der Schöpfer dies korrigieren kann. Das heißt, wenn Er uns ein wenig Licht der Tora und der Mizwot offenbarte, so dass wir die Freude an ihnen spüren, würden wir sicherlich in der Lage sein, dem König mit Herz und Seele zu dienen, wie es bei denen sein sollte, die die Größe des Königs spüren. Worum sollten wir also den Schöpfer bitten? Dass er uns etwas Überfluss schenkt. Dann wird jeder die Tora und die Mizwot richtig und ohne Nachlässigkeit ausüben.

24

Allerdings sehen wir, was der heilige ARI sagt: Dort war keine Nukwa in gehöriger Weise vorhanden, deshalb kam es zum Zerbrechen. Und der Kommentar Or Pnimi deutet die Worte des ARI so: Die obere Fülle muss in ein Kli kommen, das sie mit der Absicht zu geben empfängt. Das Licht aber war größer, als das Kli zu empfangen bereit war. Denn das Kli kann das Licht nur in dem Maß empfangen, in dem es mit der Absicht zu geben ausrichten kann; für ein so großes Licht aber reichte diese Fähigkeit nicht. Deshalb musste das Licht in Kelim eintreten, deren Verlangen auf das Empfangen gerichtet ist.

אמנם רואים אנו מה שהאר"י הקדוש אומר, ששם לא היתה נוקבא כראוי, לכן היתה השבירה. והאור פנימי מפרש את דברי הרב ז"ל, היות שהשפע העליון צריך לבוא לתוך כלי, שיקבל את השפע בעמ"נ להשפיע, והיות שהאור היה יותר גדול, מכפי שהכלי היה מוכנת לקבל, זאת אומרת, שהכלי צריכה לקבל אור בדיוק כפי מה שיכולים לכוון בעמ"נ להשפיע, ולאור גדול כזה לא היתה לה היכולת לכוון בעמ"נ להשפיע, לכן היה האור צריך להכנס בכלים, שרצונם הוא בעל מנת לקבל.

Doch andererseits sagt der heilige ARI, dass die Nukwa dort unangemessen war, daher gab es das Zerbrechen. In Or Pnimi [„Innere Reflexion“, Kommentar im Inneren des Buches Das Studium der Zehn Sefirot] werden die Worte des ARI so interpretiert: Die Höhere Fülle sollte in das Kli kommen, um zu geben, aber das Licht war größer, als das Kli zu empfangen bereit war. Das bedeutet, dass das Kli das Licht genau nach seiner Fähigkeit zu geben empfangen muss. Jedoch konnte das Kli mit einem so großen Licht die Absicht zu geben nicht aufrecht erhalten. Das Licht musste daher in Kelim [Gefäße] des Empfangens eintreten.

25

Und das wird „Klipa“ (Schale) genannt. Es zeigt sich also, dass die Kelim zerbrachen. Das bedeutet: Wenn Fülle in diese Kelim käme, ginge die ganze Fülle zu den Äußeren, also zu den Klipot. Das gleicht dem, was man sagt: Das Gefäß ist zerbrochen, man legt nichts mehr hinein, weil alles nach außen fiele.

וזה נקרא "קליפה". ונמצא שהכלים נשברו, שפירושו, שבהכלים האלו, אם יבוא שפע, אז כל השפע ילך לחיצונים, היינו להקליפות. וזה דומה כמו שאומרים, שהכלי נשברה, שלא נותנים לתוכה שום דבר, משום שהכל יפול לחוץ.

Dies wird Klipa [Schale] genannt. Daraus folgt, dass die Kelim zerbrachen. Sollte also Fülle in diese Kelim kommen, wird alles zu den Äußeren gehen, zu den Klipot [Plural von Klipa]. Das entspricht einem zerbrochenen Kli – also legen wir nichts hinein, weil alles herausfließen wird.

26

Deshalb soll der Mensch nicht beten, dass man ihm Fülle von oben gibt, denn sicher ginge alles zu den Äußeren. Vielmehr bete er zum Schöpfer, dass Er ihm ein Kli gibt – ein Verlangen und ein Begehren, dem Schöpfer zu geben. Und wenn er dieses Kli hat, dann wird sich die obere Fülle dem Menschen sicher offenbaren, und er wird das Gute und den Genuss spüren, der im Schöpfungsgedanken lag: „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Darum soll man den Schöpfer um das bitten, was dem Menschen wirklich fehlt – und das ist das Kli des Gebens. Um die übrigen Dinge aber braucht er nicht zu beten.

לכן אין להאדם להתפלל, שיתנו לו שפע מלמעלה, כי בטח הכל ילך לחיצונים. אלא יתפלל לה', שיתן לו כלי, שהוא רצון וחשק להשפיע לה'. וכשיהיה לו הכלי הזו, אז בטח יתגלה השפע העליון להאדם, וירגיש את הטוב והעונג, שהיה במחשבת הבריאה "להטיב לנבראיו". לכן יש לבקש מה' על מה שבאמת חסר לו להאדם. וזהו כלי דלהשפיע. ועל שאר דברים אין לו להתפלל.

Deshalb darf man nicht darum bitten, von Oben reichlich beschenkt zu werden, denn alles würde zu den Äußeren gehen. Stattdessen sollte man den Schöpfer um ein Kli bitten, also um ein Verlangen, dem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. Und sobald man dieses Kli hat, wird der Höhere Reichtum dem Menschen erscheinen und er wird die Freude und das Vergnügen spüren, die dem Schöpfungsgedanken innewohnen – nämlich Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Deshalb sollten wir den Schöpfer um das bitten, was wir wirklich brauchen, nämlich ein Gefäß des Gebens. Und um etwas anderes brauchen wir nicht zu bitten.

Rabash – 1986 – Artikel 12 (תשמ״ו – מאמר י״ב)

„Was ist der wichtigste Mangel, um den man beten sollte“

Es ist bekannt, dass die „Schöpfung“ Mangel genannt wird; deshalb heißt sie „Etwas aus dem Nichts“. Der erschaffene Mensch ist voller Mängel. Damit er bei der Arbeit Erfolg hat, mit der er seine Mängel auffüllen will, muss er zuerst wissen, welcher der wichtigste Mangel ist, dem er vor allen anderen den Vorrang geben soll. Und da es spirituelle und körperliche Mängel gibt, müssen wir zunächst klären, was „spirituell“ heißt und was wir „körperlich“ nennen.

Im Buch „Einführung in die Weisheit der Kabbala“ (Blatt 3, Punkt 11) heißt es: „Damit wirst du auch die wahre Definition verstehen, die zwischen Spiritualität und Körperlichkeit unterscheidet. Denn alles, in dem ein Verlangen zu empfangen steckt, das in all seinen Aspekten vollständig ist – also Bchina Dalet –, wird ‚körperlich‘ genannt; und es findet sich in allen Einzelheiten der ganzen Wirklichkeit, die in dieser Welt vor unseren Augen ausgebreitet ist. Und alles, was über dieses große Maß des Verlangens zu empfangen hinausgeht, wird mit dem Namen ‚Spiritualität‘ bezeichnet.“

Daraus ergibt sich: „Körperlichkeit“ heißt das, was zur Auffüllung unseres Verlangens zu empfangen gehört. Das bedeutet: Alles, was der Mensch zu seinem eigenen Nutzen tut, heißt „Körperlichkeit“; und was er zum Nutzen des Schöpfers tut, heißt „Spiritualität“.

Von selbst ist nun verständlich: Um das Kli (Gefäß) für die Körperlichkeit – also den Mangel, den eigenen Nutzen aufzufüllen – müssen wir uns nicht sorgen. Wir müssen uns nicht darum kümmern, uns ein solches Kli zu verschaffen – ein Kli des Verlangens zu empfangen, mit der Absicht zu empfangen –, denn solche Kelim hat der Schöpfer uns gleich bei der Offenbarung der Schöpfung gegeben. Bekanntlich hat der Schöpfungsgedanke, genannt „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“, das Verlangen zu empfangen als Etwas aus dem Nichts erschaffen, damit es danach strebt, Gutes und Genuss zu empfangen. Und der Schöpfer füllt dieses Kli sicher nach Seinem Willen. Es zeigt sich also, dass wir um die Gefäße des Empfangens nicht zu bitten brauchen.

Deshalb betrifft das Gebet, das man für Körperliches spricht, nur die Füllung: dass der Schöpfer uns all das auffüllt, was uns nach unserem Empfinden fehlt. Denn das Empfinden des Mangels ist es, was uns Leiden bringt; und dieses empfundene Leiden ist der Grund, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun, um unsere Mängel aufzufüllen.

Anders verhält es sich, wenn wir um Spirituelles beten sollen, dass der Schöpfer unsere Mängel auffüllt. Zwar ist der Mangel am Spirituellen der Grund zu beten, dass der Schöpfer unser Begehren erfüllt – weil wir darunter leiden, dass dieser Mangel noch keine Füllung erhalten hat. Doch dieser Mangel ist in uns noch gar nicht geboren: nämlich der Mangel, das Kli aufzufüllen, das „Kli des Gebens“ genannt wird. Genau das ist der Unterschied zwischen Spiritualität und Körperlichkeit. Das „körperliche Kli“ heißt Gefäß des Empfangens, denn es will den eigenen Nutzen auffüllen. Das „spirituelle Kli“ aber heißt ein Kli, das gerade den Nutzen des Schöpfers auffüllen will – im Gegensatz zum eigenen Nutzen.

Dieses Kli findet sich nicht in der Natur der Schöpfung. Denn von Natur aus wird der Mensch nur mit einem Kli des eigenen Nutzens geboren. Wenn wir unserem Körper sagen, dass wir zum Nutzen des Schöpfers arbeiten müssen, weiß er nicht einmal, wovon zu ihm geredet wird. Denn es kam ihm nie in den Sinn, dass es etwas gibt, das den eigenen Nutzen nicht im Auge hat, sondern den ganzen Tag an den Nutzen des Schöpfers denkt – zumal er hört, dass man auf Genüsse, die zur Selbstliebe gehören, zugunsten des Nutzens des Schöpfers verzichten soll.

So fremd ist dem Körper die Sache, dass er, sobald er hört, man muss einzig mit der Absicht zu geben arbeiten, sofort klügelt und fragt: „Ich will wissen, ob du Menschen siehst, die diesen Weg gehen – Menschen, denen du nacheifern willst. Gut, dann würde ich dir zustimmen. Aber sag selbst: Wie viele Menschen siehst du, deren ganzes Denken im Leben nur dem gilt, was den Nutzen des Schöpfers betrifft, und nicht dem eigenen Nutzen? Und wenn du sagst, du weißt doch, dass es Menschen auf diesem Weg gibt – wie viel Mühe und Zeit haben sie investiert, um die Fähigkeit zu erlangen, dass all ihr Tun nur mit der Absicht zu geben geschieht? Und vor allem: Wie lange muss das dauern – einen Monat, zwei Monate, ein Jahr, zwei Jahre?“ Und noch klüger fragt er: „Haben denn alle, die Zeit und Mühe investiert haben, diese Stufe erreicht, auf der sie all ihr Tun auf das Geben ausrichten können?“ Mit solchen Worten haben sie die Kraft, den Menschen von der Arbeit zu entfernen, die zum Weg des Gebens gehört.

Aus alldem folgt: Hinsichtlich des Spirituellen, das „seinem Schöpfer Wohlgefallen bereiten“ genannt wird, hat der Mensch keinen solchen Mangel. Im Gegenteil: Kommt ihm der Gedanke, er soll etwas tun, um dem Schöpfer ohne jede Gegenleistung zu geben, so erheben sich sofort alle Gedanken und Wünsche des Körpers gegen ihn und schreien: „Sei kein Narr, der aus der Reihe tanzt und gegen den Lauf der Welt geht; denn alle wissen, dass der eigentliche Grund, der zur Arbeit verpflichtet, der eigene Nutzen ist.“

Nur mit dieser Kraft kann er sich mit Tora und Mizwot beschäftigen. Und obwohl er weiß, dass man liShma (um Ihretwillen) arbeiten soll, gibt es darauf eine allgemeine Antwort: Er erfüllt, was die Weisen sagten – „Stets beschäftige sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch wenn lo liShma (nicht um Ihretwillen), denn aus dem lo liShma wird er des liShma würdig.“ Doch er braucht sich darum nicht zu sorgen, sich also nicht zu prüfen, ob er sich dem liShma wirklich ein wenig genähert hat. Vielmehr weiß er, dass am Ende die Ehre kommt – dass er also sicher zur Stufe des liShma gelangt. Und so braucht er nicht einmal nachzudenken, was liShma bedeutet; denn worüber er nicht zu handeln hat, darüber muss er nicht nachdenken und nicht ins Einzelne gehen, um zu wissen, was es ist. Vielmehr lebt er wie die Gesamtheit.

Deshalb besteht ein großer Unterschied zwischen dem Gebet, das man für Körperliches betet, und dem für Spirituelles. Denn für das Spirituelle muss man zuerst um das Kli beten, also um den Mangel: dass man Schmerz und Leiden darüber empfindet, dieses Kli – „Verlangen“ genannt – nicht zu besitzen, dass man sich also danach sehnt, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten.

Daraus ergibt sich, dass er nicht um die Füllung eines Mangels zu beten hat – wie beim Körperlichen, wo man einen Mangel hat und um dessen Füllung bittet –, weil er noch gar kein Kli des Spirituellen besitzt. Darum muss, wer um Spirituelles beten will, um das Kli beten: dass der Schöpfer ihm ein Kli gibt, das dem Schöpfer geben will. Und erst danach, wenn er ein Kli für das Spirituelle hat, kann er um die Fülle beten, die in das spirituelle Kli eintreten soll.

Aus dem Gesagten folgt: Der wahre Mangel, um den der Mensch zum Schöpfer beten soll, muss das Kli betreffen. Das entspricht der Regel „Kein Licht ohne Kli“. Und wenn er um den wahren Mangel betet, der ihm fehlt, dann kommt die Erhörung des Gebets – der Schöpfer gibt ihm ein neues Kli. So steht geschrieben: „Und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch entfernen und euch ein Herz aus Fleisch geben.“

Über diesen Mangel hörte ich von meinem Vater und Lehrer (Baal HaSulam), der es im Namen seines Lehrers, des ADMOR von Pursow, zum Vers „Befiehl Aaron“ (Wochenabschnitt Zaw) sagte. Rashi erklärt: ‚‚Befiehl‘ bedeutet immer Anspornung – sofort und für alle Generationen. Rabbi Shimon sagte: Am meisten muss die Schrift dort anspornen, wo ein Mangel des Geldbeutels besteht.‘ Dazu gab er die einfache Deutung: „Geldbeutel“ ist ein Kli, in das man Geld legt. Und es ist der Lauf der Welt, dass man sich sorgt und sich müht, um Geld zu erlangen. Und er sagte: „Am meisten muss der Mensch sich dort sorgen, wo ein Mangel des Geldbeutels besteht – gemeint ist der Mangel des Kli.“

Und das ist, wie wir erklärt haben: Im Spirituellen soll der Mensch nicht beten, dass der Schöpfer ihm Fülle und Lichter gibt, sondern er soll zuerst dafür sorgen, dass er ein Kli hat – also ein Verlangen und ein Begehren, dem Schöpfer zu geben –, denn von Natur aus haben wir einzig ein Verlangen zu empfangen und nicht zu geben.

Demnach muss der Mensch, wenn er in die heilige Arbeit eintritt und zu seiner Vollkommenheit gelangen will, all seine Kräfte einsetzen, um jenes Verlangen zu erlangen, seinem Schöpfer Wohlgefallen bereiten zu wollen. Darauf muss er alle seine Gebete richten: dass der Schöpfer ihm hilft und ihm dieses neue Kli gibt. Und er soll vor Ihm sprechen: „Herr der Welt! So wie Du mir vom Beginn meiner Erschaffung in diese Welt ein Kli gegeben hast, das einzig zu meinem eigenen Nutzen empfängt, so bitte ich Dich: Gib mir jetzt ein neues Kli – dass ich einzig das Verlangen habe, Dir Wohlgefallen zu bereiten.“

Und man darf nicht fragen, wie man darum beten kann, dass Er ihm ein Kli – „Verlangen zu geben“ genannt – gibt, während man doch sagt, dass ihm dieses Kli nicht fehlt: Denn er empfindet nicht, dass es ihm fehlt. Und wenn dem so ist – wie kann man um etwas bitten, woran man keinen Mangel hat?

Und obwohl er sieht, dass er dieses Kli – „Verlangen zu geben“ – nicht besitzt, sagen wir doch nicht, dass alles, was dem Menschen fehlt, ihm auch mangelt. So steht es bei den oberen Sefirot: Die Sefira Bina – von der es heißt ‚sie begehrt Chessed‘ – gilt, obwohl sie, wie wir gelernt haben, durch den zweiten Zimzum (Zimzum Bet) aus dem Rosh (Kopf) von Arich Anpin austrat, dennoch als wäre sie nicht ausgetreten. Zwar hat sie keine Chochma, doch wird ihr das nicht als geringster Mangel gerechnet, denn es fehlt ihr nicht.

Wir sehen also, wann etwas, das jemand nicht hat, ihm als Mangel gilt: gerade dann, wenn es ihm fehlt. Und mehr noch muss er Leiden darüber empfinden, dass er es nicht hat. Das heißt: Selbst wenn er empfindet, dass es ihm fehlt, aber kein Leiden darüber empfindet, dass er es nicht hat, gilt es noch nicht als Mangel. Wie also kann er um etwas beten, woran er keinen Mangel hat?

Deshalb muss der Mensch über das Ziel der Schöpfung nachdenken, das bekanntlich darin besteht, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Und wenn der Mensch beginnt, dieses Gute zu prüfen, das sich unter den Geschöpfen findet – nämlich wie sehr sie in dieser Welt das Gute und den Genuss genießen, den der Schöpfer ihnen geben will –, und er es unter den Geschöpfen nicht findet, dann kommt er zu der Erkenntnis: Gewiss gibt es einen Grund, der den Geschöpfen das Gute und den Genuss verwehrt. Aus diesem Grund kann sich die obere Fülle nicht offenbaren, und darum kann das Ziel der Schöpfung nicht zu seiner Vollendung kommen.

Und wenn er auf sich selbst blickt, sagt er: All das, was er sieht – dass die Geschöpfe nicht zum Empfang der Fülle gelangt sind –, hat sicher seinen Grund darin, dass sie Tora und Mizwot nicht so erfüllen, wie es sich gebührt, das Gebot des Königs zu erfüllen. So sagten die Weisen: „Der Schöpfer wollte Israel Verdienste verschaffen, darum hat Er ihm Tora und Mizwot reichlich gegeben.“ Daraus geht hervor, dass man durch Tora und Mizwot des Guten und des Genusses würdig werden kann.

Doch es erhebt sich die Frage: Warum erfüllt man Tora und Mizwot nicht so, wie es sich gebührt, dem König zu dienen? Da sagt er: Das liegt daran, dass uns das Empfinden für die Wichtigkeit von Tora und Mizwot fehlt – ebenso wie uns die Wichtigkeit des Gebietenden fehlt, der uns geboten hat, Seine Tora und Mizwot zu erfüllen.

Und der Mensch gelangt dann zu dem festen Entschluss, dass nur der Schöpfer dies korrigieren kann. Das heißt: Wenn Er uns ein wenig Licht von Tora und Mizwot offenbarte, sodass wir den Genuss spürten, der in ihnen liegt, dann wäre sicher jeder fähig, dem König mit seiner ganzen Kraft und seiner ganzen Seele zu dienen, wie es denen gebührt, die die Größe des Königs spüren. Worum also muss man zum Schöpfer beten? Dass Er ein wenig obere Fülle gibt. Dann würden sich alle mit Tora und Mizwot beschäftigen, wie es sich gebührt, ohne jede Nachlässigkeit.

Allerdings sehen wir, was der heilige ARI sagt: Dort war keine Nukwa in gehöriger Weise vorhanden, deshalb kam es zum Zerbrechen. Und der Kommentar Or Pnimi deutet die Worte des ARI so: Die obere Fülle muss in ein Kli kommen, das sie mit der Absicht zu geben empfängt. Das Licht aber war größer, als das Kli zu empfangen bereit war. Denn das Kli kann das Licht nur in dem Maß empfangen, in dem es mit der Absicht zu geben ausrichten kann; für ein so großes Licht aber reichte diese Fähigkeit nicht. Deshalb musste das Licht in Kelim eintreten, deren Verlangen auf das Empfangen gerichtet ist.

Und das wird „Klipa“ (Schale) genannt. Es zeigt sich also, dass die Kelim zerbrachen. Das bedeutet: Wenn Fülle in diese Kelim käme, ginge die ganze Fülle zu den Äußeren, also zu den Klipot. Das gleicht dem, was man sagt: Das Gefäß ist zerbrochen, man legt nichts mehr hinein, weil alles nach außen fiele.

Deshalb soll der Mensch nicht beten, dass man ihm Fülle von oben gibt, denn sicher ginge alles zu den Äußeren. Vielmehr bete er zum Schöpfer, dass Er ihm ein Kli gibt – ein Verlangen und ein Begehren, dem Schöpfer zu geben. Und wenn er dieses Kli hat, dann wird sich die obere Fülle dem Menschen sicher offenbaren, und er wird das Gute und den Genuss spüren, der im Schöpfungsgedanken lag: „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Darum soll man den Schöpfer um das bitten, was dem Menschen wirklich fehlt – und das ist das Kli des Gebens. Um die übrigen Dinge aber braucht er nicht zu beten.

korrigiert, EY, CO4.8, 11.07.2026, Ver4