Rabash – 1986 – Artikel 21 (תשמ"ו – מאמר כ"א)
„Über dem Verstand“ · ענין למעלה מהדעת
Nr. | Deutsch NEU | עברית | Deutsch ALT |
1 | Was das „über dem Verstand“ betrifft: Man soll dieses Werkzeug (Kli) sowohl zwischen einem Menschen und seinem Freund als auch zwischen dem Menschen und dem Schöpfer gebrauchen. Doch besteht zwischen beiden ein Unterschied. Im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer muss dieses Werkzeug für immer bestehen bleiben; niemals darf man das Werkzeug geringschätzen, das „Glaube über dem Verstand“ heißt. Zwischen einem Menschen und seinem Freund hingegen gilt: Kann er den Vorzug des Freundes innerhalb des Verstandes sehen, so ist das umso besser. | בענין למעלה מהדעת. יש להשתמש עם כלי זו הן בין אדם לחבירו, והן בין אדם למקום. אבל יש הבדל ביניהם. כי בין אדם למקום, הכלי הזו צריכה להישאר לעולמים. היינו, שאף פעם אסור לזלזל בכלי זו שנקראת "אמונה למעלה מהדעת". מה שאין כן בין אדם לחבירו, אם הוא יכול לראות מעלת חבירו בתוך הדעת, הוא יותר משובח. | Was „Über dem Verstand“ betrifft, so sollten wir dieses Instrument sowohl zwischen dem Menschen und seinem Freund als auch zwischen dem Menschen und dem Schöpfer verwenden. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen ihnen. Zwischen einem Menschen und dem Schöpfer muss dieses Instrument für immer bestehen bleiben. Mit anderen Worten, man darf dieses Werkzeug, genannt „Glaube über dem Verstand“ niemals geringschätzen. Und zwischen Freunden – wenn man den Vorzug seines Freundes innerhalb seines Verstandes sehen kann, ist es umso besser. |
2 | Die Natur des Körpers aber ist das Gegenteil: Immer sieht er den Mangel des Freundes und nicht dessen Vorzug. Darum sagten unsere Weisen: „Beurteile jeden Menschen wohlwollend.“ Das heißt: Auch wenn er innerhalb des Verstandes sieht, dass der Freund im Unrecht ist, soll er sich dennoch bemühen, ihn wohlwollend zu beurteilen. Und das kann über dem Verstand geschehen. Denn auch wenn er vom Verstand her nichts hat, womit er ihn rechtfertigen könnte, kann er ihn über dem Verstand dennoch rechtfertigen. | אבל מטבע של הגוף הוא להיפך, שתמיד הוא רואה את חסרון חבירו ולא מעלתו. ומשום זה אמרו חז"ל "הוי דן את כל האדם לכף זכות". היינו, אף על פי שבתוך הדעת הוא רואה, שאין הצדק עם חבירו, מכל מקום הוא צריך להשתדל לדון אותו לכף זכות. וזה יכול להיות למעלה מהדעת. זאת אומרת, אף על פי שמצד השכל אין לו במה להצדיקו, מכל מקום למעלה מהדעת הוא כן יכול להצדיקו. | Jedoch ist die Natur des Körpers dem entgegengesetzt und man sieht immer die Mängel des Freundes und nicht seine Vorzüge. Deshalb sagten unsere Weisen: „Beurteile jeden Menschen wohlwollend“. Obwohl man innerhalb seines Verstandes sieht, dass der Freund Unrecht hat, sollte man dennoch versuchen, über ihn wohlwollend zu richten. Das heißt, dass man ihn trotzdem über dem Verstand rechtfertigt, obwohl man es innerhalb seines Verstandes nicht kann. |
3 | Kann er ihn aber innerhalb des Verstandes rechtfertigen, so ist das gewiss besser. Stellen wir es uns bildlich vor: Er sieht, dass die Freunde auf einer höheren Stufe stehen als er. Innerhalb des Verstandes sieht er, wie tief er im Vergleich zu ihnen steht. Er sieht, dass alle Freunde die Zeiten einhalten, die für die Ordnung ihres Kommens zum Bethaus festgelegt sind; dass sie sich mehr für alles interessieren, was unter den Freunden geschieht, jedem zu helfen, soweit es möglich ist; und dass sie jedes Wort über die Arbeit, das sie aus dem Mund der Unterrichtenden hören, sofort in die Tat umsetzen, und dergleichen. | אבל אם יכול להצדיקו בתוך הדעת, זהו ודאי משובח. נגיד דרך הציור, אם הוא רואה, איך שהחברים עומדים במדרגה גבוהה ממנו, והוא רואה בתוך הדעת, איך הוא נמצא בתכלית השפלות מול החברים, והוא רואה, שכל החברים הם שומרי זמן, שנקבע לשמור סדר ביאתם לבית הכנסת, והם יותר מתעניינים לכל מה שמתרחש בין החברים, לעזור לכל אחד בכל מה דאפשר, וכל דברי עבודה ששומעים מפי מגידי השיעורים, הם תיכף לוקחים את זה לשימוש בפועל במעשה, וכדומה. | Wenn man ihn jedoch innerhalb des Verstandes rechtfertigen kann, dann ist dies eindeutig besser. Wenn man zum Beispiel sieht, dass die Freunde auf einer höheren Stufe stehen als man selbst, doch innerhalb des Verstandes sieht, dass man sich im Vergleich zu ihnen in tiefster Niedrigkeit befindet und sie alle pünktlich zur Versammlung kommen und größeres Interesse an allem haben, was unter den Freunden passiert und jedem auf jegliche Art helfen und sofort jeden Ratschlag des Lehrers für die spirituelle Arbeit in die Tat umsetzen usw. |
4 | Gewiss wirkt das auf ihn: Es gibt ihm Kraft, seine Trägheit zu überwinden – etwa wenn er vor Tagesanbruch aufstehen soll, sobald man ihn weckt. Während des Lernens nimmt sein Körper größeren Anteil am Unterricht, denn sonst bliebe er hinter den Freunden zurück. Ebenso muss er jede Sache der Heiligkeit ernster nehmen, weil der Körper keine Niedrigkeit ertragen kann. Mehr noch: Wenn sein Körper auf die Gemeinschaft blickt und innerhalb des Verstandes sieht, wie alle um des Himmels willen arbeiten, dann lässt auch sein Körper ihn um des Himmels willen arbeiten. | בודאי זה פועל עליו, שיתן לו כח להתגבר על עצלותו, הן בעת שהוא צריך לקום לפנות בוקר, בזמן שמעוררים אותו. ובעת הלימוד הגוף שלו מתענין יותר בהשעורים, כי אחרת הוא יהיה המפגר בין החברה. וכמו כן בכל דבר בקדושה הוא מוכרח לקבל יותר ברצינות, משום שהגוף לא יכול לסבול שפלות. ועוד יותר מזה, הגוף שלו, בעת שהוא מסתכל על החברה, והוא רואה בתוך הדעת, איך שכולם עובדים לשם שמים, אז גם הגוף שלו גם כן נותן לו לעבוד לשם שמים. | beeinflusst das den Menschen sicherlich und gibt ihm Kraft, seine Faulheit zu überwinden und vor dem Morgengrauen aufzustehen, wenn sie ihn wecken. Und während des Unterrichtes ist sein Körper mehr an den Lektionen interessiert, da er ansonsten hinter seinen Freunden zurückbleibt. Ebenso muss er alles, was die Kedusha (Heiligkeit) betrifft, in größerer Ernsthaftigkeit aufnehmen, weil der Körper keine Niedrigkeit tolerieren kann. Wenn sich sein Körper überdies die Freunde ansieht, versteht er, dass sie alle für den Schöpfer arbeiten, so lässt sein Körper auch ihn für den Schöpfer arbeiten. |
5 | Der Grund, warum der Körper ihm hilft, um des Himmels willen zu arbeiten, ist der eben genannte: Der Körper ist nicht bereit, Niedrigkeit zu ertragen. Jeder Körper ist vielmehr stolz und nicht bereit, sich damit abzufinden, dass sein Freund größer ist als er. Daraus folgt: Sieht er, dass die Freunde auf einer höheren Stufe stehen als er, so führt das in jeder Hinsicht zu einem Aufstieg. | והסיבה שהגוף עוזר לו לעבוד לשם שמים, היא כנ"ל, היינו שאין הגוף מוכן לסבול שפלות. אלא כל גוף הוא בעל גאוה, ואינו מוכן להשלים עם המציאות, שחברו יהיה יותר גדול ממנו. נמצא לפי זה, שבזמן שהוא רואה, שהחברים עומדים במעלה יותר גבוהה ממנו, זה גורם להתעלות בכל המובנים. | Und der Grund, warum ihm der Körper dabei hilft, für den Schöpfer zu arbeiten, liegt darin, dass der Körper die Niedrigkeit nicht ertragen will. Im Gegenteil hat jeder seinen Stolz und will nicht akzeptieren, dass sein Freund größer ist als er selbst. Wenn er daher sieht, dass die Freunde sich auf einer höheren Stufe befinden als er, dann bewirkt dies in jedem Fall einen Aufstieg in ihm. |
6 | Das ist es, was unsere Weisen sagten: „Der Neid der Gelehrten mehrt die Weisheit.“ Das heißt: Wenn alle Freunde auf die Gemeinschaft blicken und sehen, dass sie auf einer hohen Stufe steht – sowohl im Denken als auch im Handeln –, dann ist es naturgemäß, dass jeder Einzelne von seiner Stufe auf eine höhere steigen muss, als er sie von der Veranlagung seines Körpers her hätte. | וזה שאמרו חז"ל "קנאת סופרים תרבה חכמה". היינו, בזמן שכל החברים מסתכלים על החברה, שהם נמצאים ברמה גבוהה, הן מצד המחשבה, והן מצד המעשים, אז מצד הטבע הוא, שכל אחד ואחד מוכרח לעלות מדרגתו לדרגה יותר גבוהה, ממה שיש לו מצד תכונת גופו. | Dies ist die Bedeutung von dem, was die Weisen sagten: „Der Neid auf die Schriftsteller vermehrt die Weisheit“. Wenn also all die Freunde die Gemeinschaft auf einer hohen Stufe sehen, ist es sowohl, was die Gedanken als auch was die Handlungen betrifft natürlich, dass jeder Einzelne sich auf eine höhere Stufe erheben muss; höher als jene, auf der er sich dank seiner eigenen Eigenschaften befindet. |
7 | Das bedeutet: Selbst wenn er von Geburt an keine großen Begierden ersehnt und keinen starken Zug zur Ehrsucht hat, kann er durch den Neid dennoch zusätzliche Kräfte erwerben, die er von Natur aus, mit der er geboren wurde, nicht besitzt. Vielmehr hat das Maß an Neid, das in ihm ist, neue Kräfte in ihm hervorgebracht, die in der Gemeinschaft vorhanden sind. Durch sie hat er neue Eigenschaften empfangen – also Kräfte, die er von den Eltern, die ihn gezeugt haben, nicht besitzt. So hat er nun neue Eigenschaften, die die Gemeinschaft in ihm hervorgebracht hat. | זאת אומרת, אפילו מצד הלידה אין הוא משתוקק לתאוות גדולות, ואין לו המשכה גדולה לתאוות כבוד, מכל מקום מצד הקנאה הוא יכול לרכוש כוחות נוספים, מה שאין לו מצד הטבע, שעמהם הוא נולד. אלא מידת הקנאה שיש בו, הכח הזה הוליד בו כוחות חדשים, הנמצאים אצל החברה. ועל ידם הוא קיבל אותו תכונות חדשות, היינו כוחות שאינם נמצאים אצלו מצד ההורים שהולידו אותו. נמצא עכשיו, שיש לו תכונות חדשות, מה שהחברה הולידה בו. | Das bedeutet, dass selbst, wenn er von sich aus kein Bedürfnis nach großen Verlangen hat und nicht nach Ehre strebt, er durch Neid in jedem Fall zusätzliche Kräfte erlangen kann, die er von Natur aus nicht besitzt. Im Gegenteil gebiert das Maß seines Neides neue Kräfte in ihm, die in der Gemeinschaft existieren. Und durch sie empfängt er diese neuen Eigenschaften, und es sind Kräfte, die er nicht von seinen Eltern geerbt hat. Daher besitzt er nun neue Eigenschaften, die durch die Gemeinschaft in ihm entstanden sind. |
8 | Es zeigt sich: Der Mensch hat Eigenschaften, die die Eltern den Kindern vererben, und er hat Eigenschaften, die er aus der Gemeinschaft erworben hat – ein neuer Erwerb. Dieser kommt allein aus der Verbindung mit der Gemeinschaft und durch den Neid, den er auf die Freunde hat. Wenn er sieht, dass sie schönere Eigenschaften haben als er, gibt ihm das den Anstoß, ihre guten Eigenschaften zu erwerben, die sie haben und er nicht, und um die er sie beneidet. | נמצא, שיש להאדם תכונות, מה שההורים מורישים להילדים, ויש לו תכונות, מה שהוא רכש מהחברה. שזה הוא קנין חדש. וזה בא לו רק מכח חיבור עם החברה, וע"י הקנאה שיש בו על החברים, בזמן שהוא רואה, שיש להם תכונות יותר יפות, ממה שיש לו, זה נותן לו תנופה, שירכוש מהם את מידותיהם הטובות, שיש להם, ולו אין, והוא מקנא בהם. | Es zeigt sich, dass ein Mensch vererbte Eigenschaften von den Eltern besitzt und solche, die er über die Gemeinschaft neu erwirbt, indem er sich an sie heftet und Neid gegenüber seinen Freunden empfindet, da sie bessere Eigenschaften haben als er. Das motiviert ihn nun, ihre guten Eigenschaften zu übernehmen, welche er nicht besitzt und auf die er neidisch ist. |
9 | Es zeigt sich: Er gewinnt aus der Gemeinschaft neue Eigenschaften, die er sich aneignet, weil er sieht, dass sie auf einer höheren Stufe stehen als er, und er sie beneidet. Das ist der Grund, warum er nun größer sein kann, als wenn er keine Gemeinschaft hätte – denn durch die Gemeinschaft erwirbt er neue Kräfte. | נמצא, שהוא מרויח מהחברה תכונות חדשות, מה שהוא מסגל לעצמו, מכח מה שהוא רואה, שהם נמצאים במדרגה יותר גבוהה ממנו, והוא מקנא בהם. זוהי הסיבה שיכול עכשיו להיות יותר גדול, מבאם שלא היה לו חברה, כי קונה ע"י החברה כוחות חדשים. | Daher erhält er durch die Gemeinschaft neue Eigenschaften, die er annimmt, weil er sieht, dass die Freunde sich auf einer höheren Stufe befinden als er, um die er sie beneidet. Darum kann er nun größer sein, als wenn er diese Gemeinschaft nicht hätte, da er durch sie neue Kräfte bekommt. |
10 | Doch lässt sich das nur sagen, wenn er wirklich sieht, dass die Gemeinschaft auf einer höheren Stufe steht als er. Im selben Augenblick aber kommt der böse Trieb und zeigt ihm die Niedrigkeit der Gemeinschaft. Er gibt ihm zu verstehen: „Im Gegenteil – diese Gemeinschaft, mit der du dich verbinden willst, ist nichts für dich, denn sie stehen viele Stufen unter dir. Von einer solchen Gemeinschaft wirst du nichts gewinnen. Im Gegenteil: Die Kräfte, die du von Geburt hast, sind zwar klein, aber diese Gemeinschaft hat noch geringere Eigenschaften als du. Also halte dich besser von ihnen fern. Und willst du dich dennoch mit ihnen verbinden, so sorge wenigstens dafür, dass sie alle auf dich hören – so, wie du verstehst, dass die Gemeinschaft sich verhalten soll: wie sie sitzen sollen, wenn sie sich versammeln, und wie sie lernen und beten sollen. Entweder seien alle ernst und – Gott behüte – kein Lachen komme über ihren Mund, und niemals sollen sie über das Materielle eines Freundes reden: ob er ein Auskommen hat oder wie er seinen Unterhalt verdient, leicht oder mit großer Mühe; ob er einen Arbeitsplatz ohne Leiden hat oder schwierige Vorgesetzte, unter denen er leidet, oder ob die Arbeiter, mit denen er zusammenarbeitet, ihn nicht kränken, weil er religiös ist, und dergleichen. All diese Dinge sind belanglos, und es lohnt nicht, an sie zu denken, denn das sind nur materielle Angelegenheiten. Er aber kommt, um an der Versammlung der Freunde für ein hohes Ziel teilzunehmen – nämlich, dass er wahrhaft ein Diener des Schöpfers sein will.“ | אולם זה ניתן להיאמר, אם באמת שהוא רואה, שהחברה עומדים במדרגה יותר גבוהה ממנו. אבל בו בעת שהיצר הרע בא ומראה לו את שפלות החברה, ונותן לו להבין, אדרבה, החברה הזאת, שאתה רוצה להתחבר עמהם, זהו לא בשבילך, היות שהם נמצאים הרבה שלבים יותר למטה מדרגתך. אם כן מחברה כזו, לא שאתה תרויח מהם משהו, אלא אדרבה, גם הכוחות שיש לך מצד הלידה, שהם כוחות קטנים, אבל החברה הזו, יש להם תכונות יותר קטנות מכפי שיש לך. אם כן, אדרבה, תתרחק מהם. ואם אתה כן רוצה להתחבר עמהם, תראה לכל הפחות, שכולם ישמעו בקולך. היינו, כפי מה שאתה מבין, שהחברה צריכים להתנהג. היינו, איך באיזו צורה הם ישבו, כשהם מתאספים, ואיך ובאיזו צורה ילמדו ויתפללו. היינו, או שיהיו כולם רציניים, וחס ושלום לא יעלה שחוק על פיהם, ואל ידברו אף פעם מגשמיות של חבירו, היינו אם יש לו פרנסה, או איך הוא ממציא את הפרנסה שלו, בנקל או ביגיעה רבה, או אם יש לו מקום עבודה בלי יסורים, או שיש לו בעלי בתים קשים שהוא סובל מהם, או הפועלים שהוא עובד אתם ביחד, אם לא מצערים אותו משום שהוא דתי וכדומה, כל הענינים האלו הם בבחינת דברים של מה בכך, ולא כדאי לחשוב בהם, כי זה הוא רק עניני גשמיים. והוא בא להשתתף באסיפת חברים לצורך ענין גבוה, היינו שהוא רוצה להיות עובד ה' באמת. | Dies kann er nun behaupten, wenn er die Freunde wirklich auf einer höheren Stufe als sich selbst sieht. Aber es gibt eine Zeit, in welcher der böse Trieb ihm die Niedrigkeit dieser Gemeinschaft zeigt und ihn denken lässt: „Diese Gemeinschaft, an die du dich binden willst, ist nichts für dich. Sie sind viele Stufen unter dir. Von einer solchen Gemeinschaft wirst du nichts bekommen; deine dir angeborenen Kräfte sind zwar klein, aber die Kräfte dieser Gemeinschaft sind noch kleiner als deine. Daher entferne dich von ihnen. Und wenn du dich mit ihnen verbinden willst, dann solltest du zumindest dafür sorgen, dass sie dir zuhören und deiner Meinung darüber folgen werden, wie sie sich benehmen sollten: Wie sie sitzen, wenn sie sich versammeln, wie sie studieren und wie sie beten. Mit anderen Worten sollten sie entweder alle ernsthaft sein und sie sollten Gott behüte keine Witze machen, und sollten niemals über die materielle Existenz der Freunde sprechen – ob und wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, ob einfach oder unter Schwierigkeiten … ob einer einen Arbeitsplatz hat, unter dem er nicht leidet oder ob einer schwierige Vermieter hat, die ihm das Leben schwer machen, oder ob seine Mitarbeiter ihm nicht Leid zufügen, weil er religiös ist, usw. All diese Dinge sind für ihn unwichtig und es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, da dies nur materielle Angelegenheiten sind; während er kam, um an der Freundesversammlung mit dem erhabenen Ziel teilzunehmen, ein wahrer Diener des Schöpfers zu sein. |
11 | Es zeigt sich: In dem Augenblick, in dem er sein Materielles vergessen will – das ihm in Wahrheit bis ins Herz geht, und das er dennoch aufgibt und nicht erinnern will –, kommen Freunde und beginnen, über das Materielle eines Freundes zu sprechen. „Das Materielle des Freundes interessiert mich nicht, denn ich will jetzt Spiritualität. Wieso verwirren mir die Freunde plötzlich den Kopf mit materiellen Dingen, die mich gar nichts angehen? Will ich denn deshalb mein eigenes Materielles vergessen, damit ich Zeit habe, über das Materielle der Freunde nachzudenken? Wie kann so etwas sein?“ „Dann ist es besser“, sagt ihm der Körper, „du hörst auf mich und hältst dich von ihnen fern; gewiss wirst du mehr Erfolg haben. Wozu also den Kopf mit solchen Albernheiten verwirren?“ | נמצא, שבזמן שהוא רוצה לשכוח מהגשמיות שלו, שבאמת הגשמיות שלו נוגעת לו עד הלב, ועם כל זה הוא מוותר ואינו רוצה לזכור, באים חברים ומתחילים לדבר מגשמיות של חבירו. שזה לא מעניין לו מגשמיות של חבירו, כי הוא רוצה עכשיו רוחניות, ומה פתאום החברים מבלבלים את ראשי עם ענינים גשמיים, מה שלא נוגע לי כלל, וכי בשביל זה אני רוצה לשכוח מהגשמיות שלי, בכדי שיהיה לי זמן לחשוב על גשמיות של חברים, היתכן דבר כזה. אם כן, יותר טוב, אומר לו הגוף, תשמע בקולי ותתרחק מהם, ובודאי יותר תצליח, אם כן מה לבלבל את ראשך עם שטויות כאלו. | Wenn er daher seine materielle Existenz vergessen will – wobei die Sorge um diese ihm tatsächlich bis ans Herz reicht und er sie trotz allem aufgibt und sich nicht an sie erinnern will – kommen die Freunde und beginnen, über das materielle Leben eines Freundes zu sprechen. Doch ihn interessiert nicht die Körperlichkeit seines Freundes, da er nun Spiritualität will: „Also warum verwirren mich meine Freunde mit weltlichen Angelegenheiten, die mich überhaupt nicht betreffen? Soll ich meine Körperlichkeit vergessen, um über die Körperlichkeit der Freunde nachzudenken, kann das sein?“ „Wenn es so ist“, sagt ihm der Körper, „ist es besser, du hörst auf mich und hältst dich von ihnen fern. Damit wirst du sicherlich erfolgreicher sein. Also warum lässt du dich durch solchen Unsinn durcheinander bringen?“ |
12 | Es zeigt sich: Wenn der Körper ihm die Niedrigkeit der Freunde vor Augen führt – was kann er dem Körper antworten, der mit den Argumenten eines Gerechten kommt? Denn dass der Körper ihm rät, sich von der Gemeinschaft fernzuhalten, geschieht nicht, weil er ihm rät, ein Böser zu sein – Gott behüte. Im Gegenteil, der Körper sagt ihm: „Indem du dich von der Gemeinschaft fernhältst, wirst du ein Gerechter sein und nur an deine Spiritualität denken, und bei Bedarf auch an dein Materielles.“ | נמצא, בזמן שהגוף מראה לו את שפלות החברים, ומה הוא יכול לענות להגוף, בזמן שבא עם טענות של צדיק. זאת אומרת, מה שהגוף מייעץ לו להתרחק מהחברה, אינו משום שהגוף מייעץ לו להיות רשע חס ושלום, אלא אדרבה, שהגוף אומר לו, בזה שאתה תתרחק מהחברה, אז אתה תהיה צדיק, ותחשוב רק על רוחניות שלך, ובעת הצורך גם על גשמיות שלך. | Wenn der Körper ihm somit die Niedrigkeit der Freunde zeigt, was kann er seinem Körper antworten, wenn dieser mit Argumenten eines Gerechten kommt? Der Körper rät ihm an, sich von der Gemeinschaft zu entfernen, nicht um, Gott behüte, zum Frevler zu werden. Im Gegenteil, der Körper sagt ihm: „Indem du dich von der Gemeinschaft entfernst, wirst du ein Gerechter sein, und du wirst nur an deine Spiritualität denken, und nur wenn nötig, auch an deine Körperlichkeit“. |
13 | Wenn der Mensch nun glaubt, dass es ohne Gemeinschaft unmöglich ist, voranzukommen und zur Liebe zum Schöpfer zu gelangen – weil sie das Sprungbrett ist, um aus der Selbstliebe zur Liebe zum Schöpfer hinauszugelangen –, dann hat er keinen anderen Rat, als über dem Verstand zu gehen. Das heißt, er sage zu seinem Körper: „Dass du siehst, sie stehen nicht so sehr auf der Stufe der Sehnsucht, zur Liebe zum Schöpfer zu gelangen, wie du dich sehnst – nun, da du mein Körper bist, sehe ich an dir, dass du heiliger bist als die übrigen Körper der Freunde, dass du also ein Diener des Schöpfers sein willst, wie ich daran sehe, dass du mir rätst, die Gemeinschaft zu verlassen. Denn an ihren Körpern ist ihre Niedrigkeit nach außen erkennbar, und sie haben nicht die Kraft, ihre verwerflichen Eigenschaften zu verbergen. Denn es ist der Lauf der Welt, dass jeder das Böse, das er hat, vor dem anderen verbirgt, damit der andere ihn achtet, weil er wertvolle Eigenschaften hat.“ | ואי לזאת, אם האדם מאמין, שבלי חברה אי אפשר להתקדם להגיע לאהבת ה', כי זהו קרש קפיצה לצאת מאהבה עצמית לאהבת ה', אז אין לו עצה אחרת, אלא ללכת למעלה מהדעת. זאת אומרת, שיאמר להגוף שלו, כי זה שאתה רואה, שהם לא כל כך עומדים במדרגה של השתוקקות להגיע לאהבת ה', כמו שאתה משתוקק, היינו היות שאתה הגוף שלי, אני רואה בך, שאתה יותר קדוש משאר גופות החברים, היינו שאתה רוצה להיות עובד ה', כמו שאני רואה, כפי שאתה מייעץ לי לעזוב את החברה, משום שהגופות שלהם ניכר בחוץ את שפלותם, ואין להם כח להצניע את תכונותיהם המגונות, היות מדרך העולם, שכל אחד מסתיר את הרע שיש לו בפני השני, כדי שהשני יכבד אותו, משום שיש לו תכונות חשובות. | Und wenn ein Mensch trotzdem glaubt, dass es ohne Gemeinschaft unmöglich ist voranzukommen und zur Schöpferliebe zu gelangen, da sie das Sprungbrett für das Verlassen der Selbstliebe und das Eintreten in die Schöpferliebe ist, dann gibt es keinen anderen Ratschlag für ihn außer, über den Verstand zu gehen . Das heißt, er sollte seinem Körper sagen: „Du siehst, dass sie nicht wirklich auf der Stufe sind, wo sie sich nach der Schöpferliebe sehnen, so wie du dich sehnst – und weil du mein Körper bist, sehe ich in dir, dass du heiliger bist als all die Körper der Freunde, da du ein Diener des Schöpfers sein willst.“ „Ich sehe, dass du mir rätst, die Freunde zu verlassen, weil ihre Körper bereits von außen ihre Niederträchtigkeit erkennen lassen und sie nicht die Kraft haben, ihre anstößigen Eigenschaften zu verdecken, wie es üblicherweise geschieht; nämlich dass jeder das Böse in sich vor dem anderen verbirgt, damit der andere ihn für seine hervorragenden Eigenschaften respektiert. |
14 | „Hier aber ist ihr Böses so groß, dass sie nicht die Kraft haben, das Böse zu überwinden und es zu verbergen, sodass der andere es nicht sieht. Demnach sind sie nach dem Augenschein gewiss niedrig. Aber ohne Gemeinschaft gewinne ich nichts, mit all den guten Eigenschaften, die ich habe. Vielmehr werde ich über dem Verstand erfüllen, was unsere Weisen sagten (Awot, Kapitel 4): ‚Sei überaus demütigen Geistes.‘ Das heißt: Über dem Verstand muss ich gehen und glauben, dass sie auf einer höheren Stufe stehen als ich. Und dann kann ich nach meinem Glauben Ermutigung und Stärkung von der Gemeinschaft empfangen und von ihnen erhalten, was die Gemeinschaft geben kann.“ Es zeigt sich: Dass er die Liebe der Freunde über dem Verstand annimmt, geschieht aus Notwendigkeit – er hat keine Wahl –, während er innerhalb des Verstandes sieht, dass er im Recht ist. | וכאן, הרע שלהם כל כך גדול, שאין בהם כח להתגבר על הרע, ולהסתירו שהשני לא יראה אותם. אם כן בודאי לפי ראות עיני הם בודאי שפלים. אבל בלי חברה אני לא ארויח כלום, עם כל התכונות הטובות שיש לי. אלא למעלה מהדעת אני אקיים, כמו שאמרו חז"ל (אבות, פרק רביעי ד') "מאוד מאוד הוי שפל רוח". היינו למעלה מהדעת אני מוכרח ללכת ולהאמין, שהם עומדים במדרגה יותר גבוהה ממנו. ואז, כפי אמונה שלי, אני יכול לקבל עידוד וחיזוק מהחברה, ולקבל מהם מה שהחברה מסוגלת לתת. נמצא, שכל מה שהוא מקבל את אהבת חברים למעלה מהדעת, הוא מטעם הכרח, היינו אין ברירה, אבל בתוך הדעת הוא רואה שהצדק עמו. | Aber hier ist das Böse in ihnen so groß, dass sie unfähig sind, es zu bezwingen und vor den anderen zu verbergen. Aus meiner Sicht sind sie daher auf jeden Fall unehrenhaft.“ „Jedoch gewinne ich ohne die Gemeinschaft nichts, trotz all meiner guten Eigenschaften. Daher werde ich über dem Verstand einhalten, was unsere Weisen sagten ( Awot, Kapitel 4): „Sei sehr, sehr demütig.“ Also muss ich über den Verstand gehen und glauben, dass sie auf einer höheren Stufe stehen als ich. Und dann kann ich entsprechend meines Glaubens Ermutigung und Stärkung von der Gemeinschaft empfangen und erhalten, was sie geben kann.“ Daraus folgt, dass die Annahme der Freundesliebe über dem Verstand eine Notwendigkeit darstellt, da er keine andere Wahl hat, wobei er innerhalb des Verstandes erkennt, dass er Recht hat. |
15 | Doch gerade hier, also im Verhältnis zu den Freunden, ist innerhalb des Verstandes wertvoller als die Stufe über dem Verstand. Der Grund: In Wahrheit beginnt sich, wenn der Mensch sich der Anhaftung an den Schöpfer (Dwekut) annähern will – durch seine Arbeit, in der er nur um des Gebens willen arbeiten will –, bei ihm das Böse zu offenbaren. Und das Erkennen des Bösen ist keine Sache des Verstandes, sondern eine Empfindung im Herzen. | אולם דוקא כאן, היינו בענין חברים, בתוך הדעת הוא יותר חשוב מדרגת למעלה מהדעת. מטעם, שהאמת הוא, בזמן שהאדם רוצה להתקרב את עצמו לדביקות ה', אז הוא ע"י עבודתו, שרוצה לעבוד רק בעמ"נ להשפיע. אז הוא מתחיל להתגלות אצלו הרע. וענין הכרת הרע, אין זה ענין שכלי, אלא זה הוא ענין הרגשה בלב. | Bezüglich der Freunde ist innerhalb des Verstandes wichtiger als über dem Verstand . Denn wenn sich ein Mensch durch seine Arbeit an Dwekut (Anheftung an den Schöpfer) annähern und nur in der Ausrichtung zu geben sein will, beginnt er, das Böse zu enthüllen. Und was die Erkenntnis des Bösen betrifft, so ist das keine intellektuelle Sache, sondern vielmehr eine Empfindung im Herzen. |
16 | Das heißt: Er muss bei sich selbst empfinden, dass er schlechter und niedriger ist als die ganze Welt. Und solange er zu dieser Empfindung noch nicht gelangt ist, sondern es ihm scheint, es gibt noch jemanden, der schlechter ist als er, ist er gewiss noch nicht zum Erkennen des Bösen gelangt. Das Böse, das im Herzen des Menschen verborgen liegt, hat sich ihm noch nicht offenbart. Denn man kann das Böse nur sehen, wenn man ein wenig Gutes hat. Zum Beispiel: Im Dunkeln sieht man keinen Schmutz im Haus; erst wenn man dort eine Lampe anzündet, kann man sehen, dass dort Schmutz ist. | זאת אומרת, שהוא צריך להרגיש בעצמו, שהוא יותר גרוע ויותר שפל מכל העולם. ואם עוד לא הגיע לידי הרגשה זו, אלא שנדמה לעיניו, שיש עוד מי שהוא יותר גרוע ממנו, בטח עוד לא הגיע לידי הכרת הרע. היינו עוד הרע שהוא טמון בלבו של אדם, עוד לא נתגלה אצלו. כי לא יכולים לראות רע, אלא שיש לו קצת טוב. כדוגמא, בחושך, לא רואים שום לכלוך בבית. אלא בזמן שמדליקים שם מנורה, אז יכולים לראות שיש שם לכלוך. | Denn er muss selbst fühlen, dass er schlechter und niedriger als die ganze Welt ist. Und solange er diese Empfindung noch nicht hat, sondern immer noch glaubt, andere wären schlechter als er, hat er sicherlich noch nicht die Erkenntnis des Bösen erlangt. Mit anderen Worten ist das Böse noch immer in seinem Herzen verborgen und hat sich ihm noch nicht offenbart. Denn es ist nicht möglich, das Böse zu sehen, es sei denn, man hat auch ein bisschen Gutes. Zum Beispiel sieht man in einem dunklen Haus keinen Schmutz. Macht man allerdings das Licht an, wird man den Schmutz deutlich sehen. |
17 | Ebenso: Wenn der Mensch keine guten Taten vollbringt – sich also nicht mit Tora und Gebet befasst und nicht danach verlangt, dem Schöpfer nahezukommen –, hat er kein Licht, das sein Herz erleuchtete und ihm die Fähigkeit gäbe, all das Böse zu sehen, das in seinem Herzen ist. Daraus ergibt sich: Warum sieht er noch nicht, dass in seinem Herzen mehr Böses ist als bei allen Freunden? Weil ihm noch das Gute fehlt. Darum hält er sich für tugendhafter, als sein Freund es ist. | כמו כן אם אין האדם עושה מעשים טובים, היינו שאינו עוסק בתורה ותפלה ורוצה להתקרב לה', אין לו שום אור שיאיר את לבו, ותהיה לו היכולת לראות את כל הרע הנמצא בלבו. ולפי זה יוצא, מדוע אין הוא עוד לא רואה, שיש בלבו יותר רע מכל החברים. הוא משום שחסר לו עוד טוב. ומשום כך הוא חושב את עצמו, שיש בו מעלות יותר טובות, ממה שיש לחבירו. | Genauso ist es, wenn jemand keine guten Taten ausführt und sich nicht mit Tora und dem Gebet beschäftigt und wünscht, dem Schöpfer nahezukommen, so hat man kein Licht, das eigene Herz zu erleuchten, um das Böse darin zu sehen. Und warum erkennt man noch immer nicht, dass es im eigenen Herzen mehr Böses gibt als in all seinen Freunden? Dies ist so, weil es einem an Gutem mangelt. Aus diesem Grund hält man sich für tugendhafter als die Freunde. |
18 | Aus dem Gesagten folgt: Dass er sieht, es gibt Freunde, die schlechter sind als er, kommt nur daher, dass ihm das Licht fehlt, das ihm leuchten würde, damit er das Böse in seinem Innern sähe. Es zeigt sich: Das ganze Böse, das im Menschen ist, liegt nicht in der bloßen Existenz des Bösen, denn alle haben dieses Böse, das „Verlangen zu empfangen, um zu empfangen“ heißt und Selbstliebe ist. Alle Unterschiede liegen nur in der Offenbarung des Bösen. Das heißt: Nicht jeder Mensch sieht und empfindet die Selbstliebe als etwas Böses und Schädliches, denn der Mensch sieht nicht, dass es ihm schlecht ergeht, wenn er sich damit befasst, sein Verlangen zu empfangen zu erfüllen, das „Selbstliebe“ genannt wird. | ובהאמור יוצא, שכל זה שהוא רואה, שיש חברים יותר גרועים ממנו, הוא משום שחסר לו בחינת אור שיאיר לו, שיראה את הרע שבקרבו. נמצא, שכל ענין רע, הנמצא באדם, הוא לא במציאות הרע. כי לכולם יש הרע הזה, הנקרא "רצון לקבל בעמ"נ לקבל", שהוא אהבה עצמית. אלא כל ההבדלים הם בהגילוי של הרע. זאת אומרת, שלא כל אדם רואה ומרגיש את אהבה עצמית לדבר רע ומזיק, כי אין האדם רואה, שיהיה לו רע, בזה שהוא עוסק למלאות את הרצון לקבל שלו, המכונה "אהבה עצמית". | Aus dem Gesagten folgt, dass er all dies sieht, nämlich dass die Freunde schlechter als er sind, weil es ihm an Licht fehlt, das ihn das Böse in sich erkennen lässt. Folglich ist die Sache des sich im Menschen befindlichen Bösen nicht an sich böse, da alle dieses Böse haben, das auch „Wille zu empfangen um zu empfangen“ und Selbstliebe genannt wird; der ganze Unterschied liegt nur in der Enthüllung des Bösen. Mit anderen Worten sieht und fühlt nicht jeder Mensch, dass die Selbstliebe schlecht und schädigend ist, weil der Mensch nicht sieht, dass es ihm schlecht gehen wird, wenn er sich damit befasst, seinen Willen zu empfangen, der Selbstliebe genannt wird, zu füllen. |
19 | Doch sobald er beginnt, die heilige Arbeit auf dem Weg der Wahrheit zu verrichten – also zur Anhaftung an den Schöpfer gelangen will, sodass alle seine Taten um des Himmels willen geschehen –, empfängt er dadurch jedes Mal ein wenig Licht, das ihm leuchtet. Dann beginnt er zu empfinden, dass die Selbstliebe etwas Böses ist. Und das geht nach Ordnung und Stufe: Jedes Mal, wenn er sieht, dass sie es ist, die ihn daran hindert, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, sieht er von Mal zu Mal deutlicher, wie sie – das Verlangen zu empfangen – sein wahrer Feind ist. So wie König Salomo den bösen Trieb „Feind“ nannte, wie geschrieben steht: „Hungert dein Feind, so speise ihn mit Brot, … denn glühende Kohlen häufst du auf sein Haupt.“ | אולם בעת שמתחיל לעבוד עבודת הקודש בדרך האמת, היינו שהוא רוצה להגיע לדביקות ה', היינו שכל מעשיו יהיו לשם שמים, שע"י זה הוא מקבל כל פעם קצת אור שמאיר לו, אז הוא מתחיל להרגיש, שאהבה עצמית הוא דבר רע. וזה הולך לפי סדר ומדרגה, שכל פעם ופעם, שרואה, שהוא המפריע לו להגיע לדביקות ה', אז הוא רואה כל פעם יותר, איך שהוא, היינו הרצון לקבל, השונא האמיתי שלו, כמו ששלמה המלך היה קורא את היצר הרע בשם "שונא", כמו שכתוב "אם רעב שונאך האכילהו לחם, כי גחלים אתה חותה על ראשו". | Jedoch wenn er die heilige Arbeit auf dem Weg der Wahrheit beginnt und Dwekut (Anheftung) mit dem Schöpfer erreichen will, um alle seine Handlungen für den Schöpfer ausführen zu können, so empfängt er dadurch jedes Mal ein bisschen Licht; dadurch spürt er, dass die Selbstliebe etwas Schlechtes ist. Dies ist ein Vorgang, der Schritt für Schritt vor sich geht. Jedes Mal, wenn er sieht, wie er von Dwekut an den Schöpfer abgehalten wird, erkennt er im Willen zu empfangen seinen wirklichen Hasser, so wie König Salomon den bösen Trieb als „Hasser“ bezeichnete. Es steht darüber geschrieben: „Wenn jener, der dich hasst, hungrig ist, gib ihm Brot, denn du wirst glühende Kohlen auf seinem Kopf anhäufen.“ |
20 | Demnach sehen wir: Die Wahrheit ist, dass der Mensch empfinden muss, er ist schlechter als die anderen, weil das die Wahrheit ist. Auch ist zu verstehen, was unsere Weisen sagten: „Der Neid der Gelehrten mehrt die Weisheit.“ Das gilt gerade innerhalb des Verstandes. Über dem Verstand dagegen ist der Vorzug des Freundes nicht so weit sichtbar, dass man sagen könnte, er beneidet den Freund und dies veranlasst ihn, Arbeit und Mühe aufzuwenden, weil der Freund ihn aus Neid dazu nötigt. | ולפי זה אנו רואים, שהאמת הוא, שהאדם צריך להרגיש, שהוא יותר גרוע מאחרים, משום שכך הוא האמת. וגם יש להבין את ענין שחז"ל אמרו "קנאת סופרים תרבה חכמה". זהו דוקא בתוך הדעת. מה שאין כן למעלה מהדעת לא נראה כל כך מעלת חבירו, שנגיד שיש לו קנאה על חבירו, שזה יגרום לו צורך לתת עבודה ויגיעה, מסיבת שחבירו מחייבו כך, מסיבת הקנאה. | Wir sehen daher, dass ein Mensch erkennen sollte, dass er schlechter ist als die anderen, da dies tatsächlich der Wahrheit entspricht. Und wir sollten auch verstehen, was unsere Weisen sagten: „Der Neid auf die Schriftsteller vermehrt die Weisheit“. Dies ist speziell innerhalb des Verstandes. Aber über dem Verstand sind die Vorzüge seines Freundes nicht ausreichend offensichtlich, als dass er sagen könnte, dass ihn der Neid auf ihn zur spirituellen Arbeit und großer Anstrengung veranlasst. |
21 | Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens deutete den Ausspruch des Rabbi Jochanan: „Der Schöpfer sah, dass die Gerechten wenige sind; da erhob Er Sich und pflanzte sie in jede Generation“, wie gesagt wird: „Denn dem Schöpfer gehören die Grundpfeiler der Erde, und auf sie setzte Er den Erdkreis.“ Und Rashi deutete: „Er verstreute sie über alle Generationen“, damit sie Stütze, Bestand und Fundament für den Bestand des Erdkreises seien (Joma 78b). „Wenige“ bedeutet, dass sie immer weniger werden. Was tat Er also? „Er erhob Sich und pflanzte sie in jede Generation.“ Das heißt: Dadurch, dass Er sie in jede Generation pflanzte, werden sie sich mehren. Nun ist zu verstehen: Wie sollen sie sich mehren, wenn Er sie über alle Generationen verstreut hat? Es ist zu verstehen, worin der Unterschied liegt, ob alle Gerechten in einer Generation sind oder über alle Generationen verstreut – wie aus den Worten Rashis hervorgeht, dass sich die Gerechten gerade dadurch mehren, dass Er sie über alle Generationen verstreute. | ואאמו"ר זצ"ל פירש את מאמר של רבי יוחנן "ראה הקב"ה שצדיקים מועטים, עמד ושתלן בכל דור ודור", שנאמר "כי לה' מצוקי ארץ וישת עליהם תבל". ופירש רש"י "פזרן בכל הדורות" להיות שתות וקיום ויסוד לקיום תבל (יומא ע"ח ע"ב). "מעוטים" משמע, שמתמעטים והולכין. לכן מה עשה "עמד ושתלן בכל דור ודור". היינו, שעל ידי זה שתלן בכל דור ודור, ע"י זה יתרבו. ויש להבין, איך, אם פזרן אותם בכל דור ודור, יתרבו. שיש להבין, מהו ההבדל אם כל הצדיקים נמצאים בדור אחד, או שפזרן בכל הדורות, כמו שמובן מדברי פירוש רש"י, שע"י זה שפזרן בכל הדורות, יתווספו צדיקים. | Baal HaSulam interpretierte einen Satz von Rabbi Jochanan: „Der Schöpfer sah, dass es wenige Gerechte gibt. Also stand er und pflanzte sie in jede Generation“, so wie gesagt wird: „denn die Säulen der Erde gehören dem Herrn, und Er hat die Welt darauf aufgebaut.“ RASHI interpretiert: „Verteilte sie auf alle Generationen, um die Grundlage, Lebensunterhalt und ein Fundament für die Existenz der Welt ( Yoma 78b) zu sein. „Wenige“ bedeutet, dass sie weniger werden und sie verschwinden. Was machte Er daher? „Er stand und pflanzte sie in jede Generation“. Indem er sie in jede Generation pflanzte, werden sie sich vermehren. Wir müssen verstehen, wie sie sich vervielfachen werden, nachdem Er sie in jede Generation verstreute. Worin besteht aber der Unterschied, wenn sich alle Gerechten in einer einzigen Generation befinden oder über alle Generationen verstreut sind, wie es aus dem Kommentar von RASHI hervorgeht, dass sich die Gerechten dadurch vermehren, dass sie über alle Generationen verstreut sind. |
22 | Und er, seligen Andenkens, sagte: Dadurch, dass es in jeder Generation Gerechte gibt, entsteht ein Platz für Menschen, die von Geburt an nicht die Eigenschaften besitzen, die geeignet sind, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Indem sie sich aber mit den Gerechten verbinden, die es in jeder Generation gibt, lernen sie durch die Anhaftung an sie aus deren Taten und können neue Eigenschaften von den Gerechten jeder Generation empfangen. Darum verstreute Er die Gerechten in jede Generation – damit sich auf solche Weise die Gerechten mehren. | והוא זצ"ל אמר, ע"י זה שיהיו צדיקים בכל דור, אז יהיה מקום לאנשים, שאין להם מצד הלידה התכונות המוכשרות להגיע לידי דביקות בה', אלא ע"י זה שיתחברו לצדיקים, שיהיו בכל דור, אז ע"י הדביקות בהם, ילמדו ממעשיהם, ויוכלו לקבל תכונות חדשות, מצד הצדיקים שיהיו בכל דור. לכן פזרן את הצדיקים בכל דור ודור, שבאופן כזה יתרבו הצדיקים. | Baal HaSulam sagte: „Indem man Gerechte in jeder Generation hat, gibt es Platz für Menschen, die nicht die angeborenen Eigenschaften haben, Dwekut mit dem Schöpfer zu erreichen. Wenn sie sich mit den Gerechten jeder Generation verbinden, werden sie durch Anhaftung an diese von deren Handlungen lernen und dadurch neue Eigenschaften erlangen, die es in jeder Generation gibt. Deshalb verstreute Er die Gerechten in jeder Generation, damit sie sich auf diesem Wege vermehren würden“. |
23 | Dem Gesagten zufolge lässt sich dasselbe durch die Verbindung mit Freunden erreichen: neue Eigenschaften, durch die sie fähig werden, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Und all dies lässt sich nur sagen, wenn er Vorzüge an den Freunden sieht; dann lässt sich sagen, dass er aus deren Taten lernen wird. Sieht er aber, dass er fähiger ist als sie, so gibt es nichts mehr, was er von den Freunden empfangen könnte. | ובהאמור, אותו דבר יכולים להשיג ע"י דיבוק חברים, תכונות חדשות, שעל ידן יהיו מוכשרים להגיע לידי דביקות ה'. וכל זה ניתן להיאמר, בזמן שהוא רואה מעלות בהחברים, אז שייך לומר, שילמד ממעשיהם. אבל בו בזמן שהוא רואה, שהוא יותר מוכשר מהם, אם כן כבר אין מה שיוכל לקבל מהחברים. | Und wie bekannt ist, kann gleichwohl durch die Anhaftung an die Freunde neue Eigenschaften erlangt werden, die es ermöglichen, Dwekut mit dem Schöpfer zu erreichen. Und all das trifft zu, sobald er die Vorzüge der Freunde erkennt. Dann kann man sagen, dass er von ihren Handlungen lernen sollte. Wenn er aber sieht, dass er selbst begabter ist als die Freunde, dann gibt es nichts, was er von ihnen empfangen könnte. |
24 | Darum sagten sie: Wenn der böse Trieb kommt und ihm die Niedrigkeit der Freunde zeigt, muss er über dem Verstand gehen. Gewiss aber wäre es besser und erfolgreicher, wenn er innerhalb des Verstandes sehen könnte, dass die Freunde auf einer höheren Stufe stehen als er. So lässt sich das Gebet verstehen, das Rabbi Elimelech seligen Andenkens für uns verfasst hat, und dies sind seine Worte: „Gib in unser Herz, dass jeder den Vorzug seiner Freunde sehe und nicht ihren Mangel.“ | ולכן אמרו, בזמן שהיצר הרע בא ומראה לו את שפלות החברים, הוא צריך ללכת למעלה מהדעת. אבל בטח שיותר טוב ויותר הצלחה היתה, אם הוא היה יכול לראות בתוך הדעת, שהחברים עומדים במדרגה יותר גבוהה ממנו. וזה יכולים להבין את התפלה, שסדר לנו רבי אלימלך זצ"ל, וזה לשונו "תן בליבנו שנראה כל אחד מעלת חברינו ולא חסרונם". | Deshalb wurde gesagt, dass wenn der böse Trieb kommt und ihm die Niedrigkeit der Freunde zeigt, er über den Verstand gehen muss. Es wäre aber sicherlich besser und er wäre erfolgreicher, könnte er bereits innerhalb des Verstandes sehen, dass sich die Freunde auf einer höheren Stufe befinden als er. Und so können wir das Gebet verstehen, das Rabbi Elimelech für uns geschrieben hat: „Möge unser Herz die Tugenden unserer Freunde sehen, und nicht ihre Fehler“. |
25 | Im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer aber ist es etwas ganz anderes: Da ist über dem Verstand wertvoller. Denn nimmt er den Glauben über dem Verstand auf sich, dann ist seine Arbeit auf dem rechten Weg. Anders als innerhalb des Verstandes – auch wenn der Verstand des Menschen es anders begreift. Das heißt: Jeder Mensch weiß und begreift: Wenn er nicht glauben müsste, sondern die Vorsehung des Schöpfers in der ganzen Welt offenbart wäre, also bei allen Geschöpfen, so würde sich gewiss die ganze Welt mit Tora und Mizwot befassen; dann gäbe es keinen Platz für Säkulare, sondern alle wären religiös. | אמנם בין אדם למקום, זהו ענין אחר לגמרי. היינו, שלמעלה מהדעת הוא יותר משובח. שאם הוא, הוא מקבל על עצמו אמונה למעלה מהדעת, אז עבודתו היא בדרך הנכונה. מה שאין כן בתוך הדעת, הגם שהשכל של האדם מבין אחרת. זאת אומרת, כל אדם יודע ומבין, אם הוא לא היה צריך להאמין, אלא שהיה מגולה לכל השגחתו יתברך בעולם כולו, היינו אצל כל הנבראים, בטח שכל העולם היו עוסקים בתורה ומצות, ולא היה אז מקום לחילוניים, אלא כולם היו דתיים. | Zwischen dem Menschen und dem Schöpfer ist das jedoch eine ganz andere Sache. Hier ist über dem Verstand besser, das bedeutet, wenn er mit Glauben über dem Verstand handelt, dann arbeitet er in richtiger Weise. Ebenso verhält es sich innerhalb des Verstandes, auch wenn der Intellekt eines Menschen sich das anders vorstellt. Mit anderen Worten weiß und versteht jeder Mensch, dass er nicht zu glauben hätte, wenn die Vorsehung des Schöpfers in der ganzen Welt offensichtlich wäre. Sicherlcih würde sich dann die ganze Welt sofort mit Tora und Mizwot beschäftigen. Dann gäbe es keinen Platz für säkulare Menschen und alle wären religiös. |
26 | Da aber die Offenbarung Seiner Vorsehung den Unteren nicht offenbar ist, sondern sie glauben müssen, und der Glaube eine schwere Sache ist – denn der Schöpfer hat uns Verstand und Erkenntnis gegeben, um jede Sache nach dem Augenschein zu betrachten, und alle unsere Angelegenheiten zwischen Mensch und Freund betrachten wir nur nach dem Urteil unseres Verstandes, und wir haben nichts, was uns ein Unterscheiden ermöglicht, außer unserem Verstand, wie unsere Weisen sagten (Bawa Batra 131): „Der Richter hat nur das, was seine Augen sehen“ –, ergibt sich daraus: In allen Dingen gehen wir nach dem Verstand, also innerhalb des Verstandes, und nicht über dem Verstand. | אבל היות שגילוי השגחתו יתברך אינו מגולה לתחתונים, אלא שצריכים להאמין, וענין אמונה זהו דבר קשה, היות שהבורא נתן לנו שכל ודעת לראות כל דבר ודבר לפי ראות עיניו, וכל ענינינו בין אדם לחבירו אנו מסתכלים רק לפי ראות השכל שלנו, ואין לנו שום דבר שיתן לנו הבחנה, רק השכל שלנו, כמו שאמרו חז"ל (ב"ב קל"א) "אין לו לדיין אלא מה שעיניו רואות", נמצא לפי זה, שכל הענינים אנו הולכים לפי השכל, שהוא בתוך הדעת, ולא למעלה מהדעת. | Da aber den unteren Seine Vorsehung nicht enthüllt ist, müssen sie daher glauben. Der Glaube ist jedoch eine schwierige Sache, da uns der Schöpfer Intellekt und Verstand gab, um jede Sache mit eigenen Augen zu betrachten. Und alle Angelegenheiten zwischen einem Menschen und seinem Freund beurteilen wir nur gemäß der Sichtweise unseres Intellekts; wir haben außer dem Verstand nichts, was uns eine Unterscheidung erlauben würde, so wie unsere Weisen sagten: „Ein Richter hat nur das, was seine Augen sehen“ ( Baba Batra 131). Daraus folgt, dass wir bei all unseren Angelegenheiten mit Verstand vorgehen, innerhalb des Verstandes und nicht über dem Verstand. |
27 | Darum beginnt der Mensch, wenn er die Arbeit für den Schöpfer beginnt und man ihm sagt, er muss den Glauben über dem Verstand auf sich nehmen, zu grübeln: „Ich sehe doch, dass der Schöpfer uns Erkenntnis gegeben hat, um jede Sache nach dem Verstand zu begreifen, also nach dem, was unser Verstand erfasst. Wie kann ich da etwas auf mich nehmen, das gegen unseren Verstand ist?“ Es ist sehr schwer, dass der Körper begreift, dass es sich lohnt, die heilige Arbeit über dem Verstand zu verrichten. | ומשום זה, בזמן שאדם מתחיל בעבודת ה', ואומרים לו, שהוא צריך לקבל על עצמו אמונה למעלה מהדעת, הוא מתחיל להרהר, הלא אני רואה, שהבורא נתן לנו דעת להבין כל דבר ודבר לפי השכל, היינו לפי מה שהדעת שלנו מבין. ואיך אני יכול לקבל על עצמי דבר שהוא נגד השכל שלנו. ודבר זה הוא קשה מאוד, שהגוף יבין, שכדאי לעבוד את עבודת הקודש בלמעלה מהדעת. | Und aus diesem Grund denkt ein Mensch, wenn er mit der Arbeit des Schöpfers beginnt und man ihm sagt, dass er den Glauben über dem Verstand annehmen muss: „Ich sehe, dass uns der Schöpfer den Verstand gab, damit wir alles so verstehen, wie es unser Intellekt erfasst. Wie kann ich daher etwas annehmen, was gegen unseren Verstand ist?“ Es ist für den Körper eine sehr schwierige Sache zu verstehen, dass es sich lohnt, die Arbeit der Heiligkeit über dem Verstand auszuführen. |
28 | Das „über dem Verstand“ gilt sowohl für den Verstand als auch für das Herz. Das ist der Grund, warum nicht jeder fähig ist, in die heilige Arbeit im Sinne des Gebens einzutreten, die eine Arbeit über dem Verstand ist. Darum ist die Ordnung, wenn man die Gesamtheit der Welt in der Arbeit für den Schöpfer unterweist, so, wie Maimonides seligen Andenkens sagte: Man beginnt im lo liShma (nicht um ihretwillen), bis sich ihre Erkenntnis mehrt und sie größere Weisheit erlangen; dann offenbart man ihnen, dass die eigentliche Arbeit darin besteht, um des Gebens willen zu wirken – was „Arbeit um des Himmels willen“ heißt. | וענין למעלה מהדעת נוהג בין במוחא ובין בליבא. וזו היא הסיבה שלא כל אחד ואחד מסוגל להכנס לעבודת הקודש בבחינת השפעה, שהיא עבודה דלמעלה מהדעת. ומשום זה, כשמלמדים את כלל העולם בעבודת ה', הסדר הוא, כמו שאמר הרמב"ם ז"ל, שמתחילים בשלא לשמה, עד שתרבה דעתם ויתחכמו חכמה יתירה, אז מגלים להם, שעיקר עבודה הוא בעמ"נ להשפיע, שהיא נקראת "עבודה לשם שמים". | Über dem Verstand wird sowohl auf das Herz als auch auf den Verstand angewandt. Daher kann nicht jeder Mensch die Arbeit der Heiligkeit in Form des Gebens durchführen, welche die Arbeit über dem Verstand ist. Wenn man die Gesamtheit der Welt die Arbeit des Schöpfers lehrt, ist die Reihenfolge so, wie Maimonides sagte: Man beginnt in Lo Lishma (nicht für Ihren Namen), bis sie Wissen und zusätzliche Weisheit erwerben, und dann offenbart man ihnen, dass die Essenz der Arbeit in der Absicht um zu Geben liegt, und dies wird „Arbeit für den Schöpfer“ genannt. |
29 | Doch ist zu verstehen: Warum ist gerade das Geben wertvoller? Der Verstand verlangt doch das Gegenteil: Wäre die Arbeit für den Schöpfer in den Verstand gekleidet, kämen mehr Menschen, die Diener des Schöpfers sein wollten. Dazu sagte mein Vater und Lehrer seligen Andenkens: Der Mensch soll nicht denken, dass es eine niedrige Stufe ist, dass der Schöpfer uns Seine Arbeit als eine über dem Verstand gegeben hat. Vielmehr müssen wir glauben, dass dies eine sehr hohe Stufe ist; denn gerade dadurch hat der Mensch die Gelegenheit, um des Gebens willen arbeiten zu können – sonst müsste er um des Empfangens willen arbeiten. | אבל יש להבין, מדוע דוקא בעמ"נ להשפיע הוא יותר משובח. והלא הדעת מחייבת ההיפך, שאם עבדות ה' היתה מלובשת בתוך הדעת, היו אז באים יותר אנשים, שירצו להיות עובדי ה'. על זה אמר אאמו"ר זצ"ל, שאל יחשוב אדם, שהבורא נתן לנו את עבודתו, שיהיה בלמעלה מהדעת, שזהו מדרגה שפלה. אלא שאנו צריכים להאמין, שזוהי מדרגה גבוהה מאוד, שדוקא ע"י יש להאדם הזדמנות, שתהיה לו היכולת לעבוד בעמ"נ להשפיע, אחרת הוא מוכרח לעבוד בעמ"נ לקבל. | Wir sollten verstehen, warum gerade über dem Verstand besser ist, denn die Vernunft zeigt uns das Gegenteil. Wäre die Arbeit für den Schöpfer in den Verstand gekleidet, würden mehr Menschen Diener des Schöpfers sein wollen. Darüber sagte Baal HaSulam, dass der Mensch nicht denken sollte, dass die Arbeit, die der Schöpfer uns in der Form von über dem Verstand gab, eine niedrige Stufe darstellt. Vielmehr sollten wir glauben, dass es eine sehr hohe Stufe ist, denn gerade dadurch hat der Mensch die Möglichkeit, um des Gebens willen zu arbeiten. Ansonsten müsste er arbeiten, um zu empfangen. |
30 | Daher: Wenn die Arbeit im Verstand wäre, gäbe es gewiss mehr Arbeitende, aber niemals könnten sie zur Anhaftung an den Schöpfer gelangen, die eine Arbeit um des Gebens willen ist. Auch wenn es also eine große Menge gäbe, so gäbe es doch der Qualität nach keine Möglichkeit, dass der Mensch fähig würde, das Gute und das Vergnügen zu empfangen, das der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte. Denn bekanntlich ist Sein Wille, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. | אי לזאת, הגם אם היתה העבודה בבחינת הדעת, בטח שהיו אז יותר עובדים, אבל אף פעם לא היו יכולים להגיע לידי דביקות ה', שהיא עבודה בעמ"נ להשפיע. לכן, הגם שהיה ריבוי כמות, אבל מבחינת האיכות לא היתה שום מציאות, שהאדם יהיה מוכשר לקבל את הטוב והעונג, מה שהבורא היה רוצה לתת להנבראים, כידוע, שרצונו יתברך הוא "להטיב לנבראיו". | Selbst wenn die Arbeit innerhalb des Verstandes wäre, würden sicherlich mehr Menschen arbeiten, jedoch könnten sie niemals Dwekut mit dem Schöpfer erlangen, welche die Arbeit um des Gebens willen ist. Auch wenn Quantität anwachsen würde, gäbe es bezogen auf die Qualität für den Menschen keinerlei Möglichkeit, das Gute und den Genuss zu empfangen, die der Schöpfer den Geschöpfen bereiten will; denn der Wille des Schöpfers besteht bekanntlich darin, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. |
31 | Damit aber das Gute und das Vergnügen, das die Geschöpfe empfangen, keinen Mangel hätten – also nicht „Brot der Scham“ (nahama dichesufa) wären –, gab es die Korrektur der Beschränkung (Zimzum): dass die obere Fülle nur dort leuchte, wo Gleichheit der Form ist. Das heißt, dass die Geschöpfe die Fülle in Gefäßen des Gebens empfangen. Solange aber die Gefäße des Gebens bei den Geschöpfen nicht vorhanden sind, müssen sie in der Finsternis bleiben – das heißt: „Sie sterben, doch nicht in Weisheit.“ | אלא בכדי שהטוב והעונג שיקבלו הנבראים לא יהיה בהם שום חסרון, דהיינו שלא יהיה בבחינת נהמא דכסופא, היה תיקון הצמצום, שלא יאיר השפע העליון, אלא במקום שתהיה השתוות הצורה. שזה נקרא, שהנבראים יקבלו את השפע בכלים דהשפעה. ובזמן שהכלים דהשפעה לא יהיו נמצאים אצל הנבראים, אז הם מוכרחים להישאר בחושך, שזה נקרא "וימותו ולא בחכמה". | Damit Genuss und Freude, die die Geschöpfe empfangen werden, ohne jeglichen Mangel und nicht in der Form des Brotes der Scham sein werden, gab es die Korrektur des Zimzum (Einschränkung) – sodass die Obere Fülle nur bei Gleichheit der Form gewährt würde. Das bedeutet, dass die Geschöpfe die Obere Fülle nur in den Gefäßen des Gebens empfangen. Und wenn es in den Geschöpfen keine Gefäße des Gebens gibt, müssen sie im Dunkeln verharren; dies wird „sie werden ohne Weisheit sterben“ genannt. |
32 | Doch muss man wissen: Auch im lo liShma ist das Licht der Tora enthalten. Darüber sagten unsere Weisen: „Immer befasse sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch lo liShma; denn aus lo liShma gelangt er zu liShma (um ihretwillen), weil das Licht darin ihn zum Guten zurückführt.“ Doch danach muss der Mensch zu liShma gelangen – also in Verstand und Herz über dem Verstand arbeiten. | אבל צריכים לדעת, שגם בהשלא לשמה יש שם מאור תורה. שעל זה אמרו חז"ל "לעולם יעסוק אדם בתורה ומצות שלא לשמה, שמתוך שלא לשמה באים לשמה, משום המאור שבה מחזירו למוטב". אבל אח"כ צריך האדם להגיע לשמה, היינו שיעבוד בבחינת מוחא וליבא בלמעלה מהדעת. | Wir sollten jedoch wissen, dass es das Licht der Tora ebenfalls in Lo Lishma gibt, wie unsere Weisen sagten: „Der Mensch sollte sich stets mit Tora und Mizwot in Lo Lishma beschäftigen, weil man von Lo Lishma zu Lishma gelangt, da das Licht darin ihn zum Guten zurückführt“. Aber anschließend muss der Mensch Lishma erreichen. Mit anderen Worten, er sollte in Herz und Verstand über dem Verstand arbeiten. |
33 | Anders ist es zwischen einem Menschen und seinem Freund: Kann er die Liebe der Freunde innerhalb des Verstandes verrichten – das heißt, bemüht er sich zu sehen, dass die Freunde in den Stufen der Heiligkeit höher stehen als er –, so ist das gewiss wertvoller. Das heißt: Sieht er innerhalb des Verstandes, dass die Freunde der Anhaftung an den Schöpfer näher sind als er, so ist das gewiss wertvoller, als wenn er es über dem Verstand glauben müsste. | מה שאין כן בין אדם לחבירו, אם הוא יכול לעבוד באהבת חברים בתוך הדעת, היינו אם הוא משתדל לראות אצל החברים, שהם נמצאים במעלות הקודש יותר ממנו, בטח שזה יהיה יותר משובח. זאת אומרת, אם הוא רואה בתוך הדעת, שהחברים נמצאים קרובים לדביקות ה' יותר ממנו, בודאי זהו משובח יותר, מכפי שהיה צריך להאמין בלמעלה מהדעת. | Zwischen einem Menschen und seinem Freund jedoch ist es sicherlich besser, wenn er in der Freundesliebe innerhalb des Verstandes arbeiten kann, sich also bemüht, den Freund auf einer höheren Stufe der Heiligkeit als sich selbst zu sehen. Wenn er also innerhalb des Verstandes sehen kann, dass die Freunde der Anhaftung an den Schöpfer näher sind als er. Natürlich ist das besser, als wenn er dies über dem Verstand glauben müsste. |
34 | Das heißt: Wenn er in Wahrheit sieht, dass er auf einer höheren Stufe steht als die Freunde, und innerhalb des Verstandes immer sieht, dass die Freunde in Niedrigkeit sind, dann glaubt er über dem Verstand – weil er sich sagen muss, dass es ein Gebot ist –, dass er glauben soll, es ist nicht so, wie er sieht. Gewiss aber ist es innerhalb des Verstandes wertvoller, wenn er sehen kann, dass die Freunde in den Stufen der Heiligkeit sind. | היינו, שבאמת הוא רואה, שהוא נמצא במדרגה יותר נעלה מהחברים, ובתוך הדעת הוא רואה תמיד, שהחברים נמצאים בשפלות, אלא למעלה מהדעת הוא מאמין, שיש לו לומר מטעם מצוה, שהוא צריך להאמין, שאיננו כך כמו שהוא רואה. בטח שבתוך הדעת, אם הוא יכול לראות שהחברים הם במעלות קודש, הוא יותר משובח. | Doch in Wahrheit sieht er, dass er sich auf einer höheren Stufe befindet als seine Freunde. Und innerhalb des Verstandes sieht er stets, dass die Freunde sich in Niedrigkeit befinden. Weil es ein Gebot ist, glaubt er jedoch über dem Verstand , dass er daran glauben muss, dass es nicht so ist, wie er es sieht. Sicherlich wäre es besser, wenn er auch innerhalb des Verstandes sehen könnte, dass die Freunde sich auf einer Stufe der Heiligkeit befinden. |
35 | Ähnlich lässt sich der Vers deuten (Samuel I, 16:7): „Da sprach der Schöpfer zu Samuel: Sieh nicht auf seine Erscheinung und auf seinen hohen Wuchs, denn Ich habe ihn verworfen; denn nicht, wie der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf die Augen, der Schöpfer aber sieht auf das Herz.“ | וכעין זה יכולים לפרש את הכתוב (שמואל ט"ז, ז') "ויאמר ה' אל שמואל, אל תבט אל מראהו, ואל גובה קומתו, כי מאסתיהו, כי לא אשר יראה האדם, כי האדם יראה לעינים וה' יראה ללבב". | Ähnlich können wir die Verse ( Samuel , 16:7) interpretieren: „Der Herr sagte zu Samuel: ‚Schaue nicht auf seine Erscheinung und auf seine Größe, denn Ich habe ihn zurückgewiesen; weil es nicht so ist, wie der Mensch es sieht, denn der Mensch sieht mit den Augen, jedoch der Herr sieht in sein Herz‘.“ |
36 | Wir sehen: Als der Schöpfer Samuel sandte, einen der Söhne Isais zum König zu salben, verstand Samuel nach dem Augenschein, dass Eliab, der Sohn Isais, nach seinem Dafürhalten würdig ist, anstelle des Königs Saul König über Israel zu sein. Doch der Schöpfer stimmte dem nicht zu, was er verstand. Vielmehr, als sie zuletzt David brachten, der das Vieh hütete – und David war rötlich, mit schönen Augen und von gutem Aussehen –, „da sprach der Schöpfer: Steh auf, salbe ihn, denn dieser ist es.“ | רואים אנו, שבזמן שה' שלח את שמואל למשוח למלך את אחד מבניו של ישי, שמואל הבין לפי ראיית עינים שלו, כי אליאב בן ישי ראוי לפי ראות עיניו להיות מלך לישראל במקום שאול המלך, וה' לא הסכים על מה שהוא מבין. אלא לבסוף כשהביאו את דוד, שהוא היה רועה בצאן, ודוד היה אדמוני עם יפה עינים וטוב ראי, "ויאמר ה', קום משחהו כי זה הוא". | Als der Schöpfer Samuel sandte, um einen der Söhne von Jishai zu salben, verstand Samuel durch das, was er mit seinen Augen sah, dass Eliav, Sohn von Jishai, besser als König Israels geeignet ist als König Saul; jedoch war der Schöpfer mit dem, was er verstanden hat, nicht einverstanden. Am Ende brachten sie David, der das Vieh hütete, und David hatte rote Haare, helle Augen und war von schöner Erscheinung, „Und der Herr sagte: ‚Erhebe dich, salbe ihn: denn dies ist er.‘“ |
37 | Und was lehrt uns das? Wir sehen hier zwei Dinge: | ומה מלמדנו זה. אנו רואים כאן שני דברים: | Was lehrt uns das? Wir sehen hier zwei Dinge: |
38 | Erstens, vonseiten Samuels: Er verstand nach seinem Verstand die Vorzüge Eliabs, dass er würdig ist, König über Israel zu sein. Der Schöpfer aber sprach zu ihm: „Nein, geh nicht nach deinem Verstand.“ Denn in dem, was den Schöpfer betrifft, nützt der Verstand nichts. Da der Schöpfer einen König einsetzen wollte, heißt das „zwischen Mensch und Schöpfer“, und dort gibt es keinen Platz für den Verstand: „Denn Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht Meine Wege.“ Vielmehr, was sprach der Schöpfer zu ihm: „Denn der Mensch sieht auf die Augen, der Schöpfer aber sieht auf das Herz.“ | א. מצד שמואל, שהוא הבין לפי שכלו את המעלות של אליאב, שהוא ראוי להיות מלך על ישראל. וה' אמר לו "לא, אל תלך לפי הדעת שלך". כי מה שנוגע כלפי ה', אז אין הדעת מועילה כלום. אלא כיון שה' רצה למלוך מלך. זה נקרא "בין אדם למקום", ששם אין ענין לדעת, "כי לא מחשבותי מחשבותיכם, ולא דרכי דרכיכם". אלא מה אמר לו ה' "כי לא אשר יראה האדם, כי האדם יראה לעינים וה' יראה ללבב". | 1) Aus der Perspektive von Samuel, der Eliav nach dem Abwägen seiner Tugenden für geeignet hielt, König über Israel zu sein. Doch der Schöpfer sagte zu ihm: „Nein, folge nicht deinem Verstand“, denn was den Schöpfer betrifft, ist der Verstand nutzlos. Da der Schöpfer einen König einsetzen wollte, wird dies viel mehr „zwischen dem Menschen und dem Schöpfer“ genannt, wo es keinen Platz für den Verstand gibt: „Denn Meine Gedanken sind nicht Eure Gedanken, noch sind Meine Wege Eure Wege“. Was also wollte ihm der Schöpfer sagen? „Denn es ist nicht, wie es der Mensch sieht, denn der Mensch sieht in die Augen, und der Ewige sieht in sein Herz“. |
39 | Dem Gesagten zufolge lässt sich deuten: „Denn der Mensch sieht auf die Augen“ – das ist gut zwischen einem Menschen und seinem Freund. Da ist es gut, dass man innerhalb des Verstandes gehen kann, das heißt nach dem Augenschein des Menschen. Anders aber: „Der Schöpfer aber sieht auf das Herz.“ Das heißt: In dem, was die Dinge des Schöpfers betrifft, ist es über dem Verstand; der Mensch soll nicht nach dem Augenschein blicken, sondern über dem Verstand. Daher ergibt sich, dass man hier zwei Dinge unterscheiden muss: | ולפי הנ"ל יכולים לפרש "כי האדם יראה לעינים" זהו טוב בין אדם לחבירו. אז הוא טוב, שיכולים ללכת בתוך הדעת, שזה הוא לפי ראות עיני האדם. מה שאין כן "וה' יראה ללבב". זאת אומרת, מה שנוגע לעניני ה', הוא למעלה מהדעת, אין להאדם להסתכל לפי ראות עיניו אלא למעלה מהדעת. לכן יוצא כאן שיש להבחין ב' דברים: | Basierend auf dem Obigen können wir interpretieren, dass „der Mensch sieht mit den Augen“ auf die Beziehung zwischen einem Menschen und seinem Freund angewendet werden kann. In diesem Fall ist es gut, dass wir innerhalb des Verstandes in Übereinstimmung mit dem handeln können, was wir sehen. Dies ist nicht so mit „Und der Ewige sieht in sein Herz“. Was also den Schöpfer betrifft, so ist dies eine Sache über dem Verstand und der Mensch darf sich nicht danach richten, was er mit den eigenen Augen sieht, sondern über dem Verstand . Daraus folgt, dass man zwei Dinge unterscheiden muss: |
40 | Erstens: Zwischen Mensch und Schöpfer ist über dem Verstand wertvoller. | א. בין אדם למקום למעלה מהדעת יותר משובח, | 1) Über dem Verstand ist besser zwischen einem Menschen und dem Schöpfer |
41 | Zweitens: Zwischen einem Menschen und seinem Freund ist innerhalb des Verstandes wertvoller. | ב. בין אדם לחבירו בתוך הדעת הוא יותר משובח. | 2) Innerhalb des Verstandes ist besser zwischen einem Menschen und seinem Freund. |
42 | Darum sprach der Schöpfer zu ihm: „Sieh nicht auf seine Erscheinung.“ Denn in der Sache, nach dem Augenschein zu gehen, ist es gut zwischen einem Menschen und seinem Freund. Kannst du die Vorzüge des Freundes innerhalb des Verstandes sehen, so ist das wertvoller. Hier aber, wo Ich ihn zum König salben will, ist diese Handlung Meine Sache; Ich will, dass er König sei. Das heißt „zwischen Mensch und Schöpfer“. Gerade hier ist über dem Verstand die rechte Arbeit, denn gerade dadurch entsteht die Möglichkeit, zum Empfangen um des Gebens willen zu gelangen. Sonst fällt er in das Empfangen um des Empfangens willen, das Trennung und Entfernung von der Heiligkeit bewirkt. | לכן אמר לו ה' "אל תביט אל מראהו". כי בענין, ללכת לפי ראות עיניו, זה הוא טוב בין אדם לחבירו. אם אתה יכול לראות את המעלות של החבר בתוך הדעת, הוא יותר משובח. מה שאין כן כאן, שאני רוצה למשוח אותו בתור מלך, הפעולה זו שייכת לי, אני רוצה שיהיה מלך. נקרא זה "בין אדם למקום". כאן דוקא בלמעלה מהדעת היא העבודה הנכונה, שדוקא ע"י זה תהיה האפשרות להגיע לידי קבלה בעמ"נ להשפיע, אחרת הוא יפול לתוך מקבל בעמ"נ לקבל, שזהו גורם פירוד וריחוק מהקדושה. | Deshalb sagte der Schöpfer zu ihm: „Schau nicht auf seine Erscheinung.“ Denn wenn es darum geht, was man mit den Augen wahrnimmt, so ist dies gut zwischen dem Menschen und seinem Freund. Wenn man die Vorzüge des Freundes innerhalb des Verstandes erkennen kann, ist es umso besser. Jedoch hier ist das nicht so, wenn ich ihn als König einsetzen will. Diese Handlung gehört zu mir; ich will ihn als König. Dies wird genannt „zwischen einem Menschen und dem Schöpfer“. Gerade hier ist über dem Verstand die richtige Art zu arbeiten, denn genau auf diese Weise können wir zum Empfangen um zu geben gelangen. Ansonsten wird er ins Empfangen um zu empfangen fallen, welches eine Trennung und Entfernung von der Kedusha (Heiligkeit) bewirkt. |
43 | Hier aber erhebt sich eine Frage. Nachdem der Mensch beschlossen hat, über dem Verstand zu gehen und nicht auf all die Schwierigkeiten zu achten, die der Körper aufzuwerfen beginnt, wenn er auf dem Weg des Gebens und des Glaubens über dem Verstand zu arbeiten beginnt; nachdem er all die Hindernisse überwindet, die der Körper ihm als Schwierigkeiten aus aller Welt vorlegt, und er die Augen schließt und nichts ansehen will, was Verstand und Herz widerspricht, sondern beschlossen hat, nur über dem Verstand zu gehen – | אבל כאן נשאלת השאלה, היות לאחר שהאדם החליט ללכת למעלה מהדעת, ושלא להסתכל על כל הקושיות, מה שהגוף מתחיל לשאול, בזמן שהוא מתחיל לעבוד בדרך השפעה ואמונה למעלה מהדעת, והוא מתגבר על כל המכשולים, מה שהגוף מביא לו קושיות מכל העולם, והוא סוגר את העינים, ואינו רוצה להסתכל על שום דבר, שהוא בסתירה לבחינת מוחא וליבא, אלא החליט ללכת רק בלמעלה מהדעת. | Hier stellt sich jedoch eine Frage. Nachdem ein Mensch sich entschieden hat, über dem Verstand zu handeln und nicht auf all die Fragen zu achten, die der Körper stellt, wenn er mit der Arbeit auf dem Weg des Gebens und des Glaubens über dem Verstand beginnt, und alle Hindernisse überwindet, die der Körper an ihn in Form von Fragen aus der ganzen Welt heranträgt, und wenn er seine Augen verschließt und nichts sehen will, was dem Verstand und dem Herzen widerspricht, sondern sich entschieden hat, nur über dem Verstand zu handeln – |
44 | nach diesem Beschluss kommen ihm bisweilen plötzlich schöne Erklärungen, denen der Körper zustimmen muss. Da sieht er, dass er nun innerhalb des Verstandes geht. Und was kann er tun, wenn er nun durch die Erklärungen sieht, die er von oben empfangen hat? Er sagt sich: „Was soll ich tun, da ich jetzt keinen Ort habe, an dem ich über dem Verstand arbeiten könnte? Ich sehe doch nun, dass alles, was ich um des Gebens willen tue – ich begreife, dass es so sein muss.“ | ואחר החלטה זו, יש לפעמים, שבאים לו פתאום תירוצים יפים, שהגוף מוכרח להסכים להתירוצים שלו. אם כן הוא רואה, שהוא הולך עכשיו בתוך הדעת. ומה יש בידו לעשות, בזמן שהוא רואה עכשיו, ע"י התירוצים שקיבל מלמעלה. והוא אומר לעצמו, ומה עלי לעשות, שאין לי עכשיו מקום, שאני אוכל לעבוד למעלה מהדעת. הלא אני רואה עכשיו, שכל מה שאני עובד בעמ"נ להשפיע, אני מבין, שכך צריך להיות. | nach dieser Entscheidung kommen ihm manchmal schöne Ausreden, welchen der Körper zustimmen muss. Daher erkennt er, dass er nun innerhalb des Verstandes handelt. Was kann er jedoch machen, wenn er nun durch die Ausreden, die er von Oben erhalten hat, sich selbst sagt: „Was kann ich nun machen, da ich jetzt keinen Ort habe, um über dem Verstand zu arbeiten? Ich sehe nämlich nun, dass alles, was ich in der Absicht um zu Geben mache, so ist, wie es sein sollte“. |
45 | Denn er hat nun keine Schwierigkeiten mehr mit der Arbeit für den Schöpfer, die ihn zwängen, über dem Verstand zu arbeiten. Und da die eigentliche Arbeit über dem Verstand ist – was soll er in einem solchen Zustand tun, in dem er sich befindet? | שכבר אין לו עכשיו שום קושיות על עבדות ה', שיהא מוכרח לעבוד למעלה מהדעת. והיות שעיקר עבודה הוא בלמעלה מהדעת, אם כן מה יש לו לעשות במצב כזה, שהוא נמצא בו. | Daher hat er keinerlei Fragen mehr über den Dienst für den Schöpfer, durch die er gezwungen wäre, über dem Verstand zu arbeiten. Da aber die hauptsächliche Arbeit über dem Verstand ist, was kann er machen, wenn er sich in einem solchen Zustand befindet? |
46 | Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens sagte: Wenn der Mensch einer Offenbarung von oben gewürdigt wurde und nun empfindet, dass es sich lohnt, ein Diener des Schöpfers zu sein, dann zeigt sich: Bis jetzt hatte er eine Arbeit über dem Verstand, der der Körper nicht zustimmte; er musste sich immer überwinden und war darauf angewiesen, dass der Schöpfer ihm Kraft gäbe, sich über dem Verstand zu überwinden. Jetzt aber braucht er die Hilfe des Schöpfers nicht mehr, denn nun empfindet er, dass er ein Fundament hat, auf dem er sein Gebäude errichten kann – er hat schon eine Stütze, auf die er sich verlassen kann. Es zeigt sich: Damit beschädigt er nun den Glauben, dessen er sich zuvor bedient hat. Denn jetzt kann er bereits sagen: „Gelobt sei der Schöpfer, dass ich vom Joch des Glaubens befreit bin, das mir Joch und Last war. Jetzt aber habe ich schon eine Grundlage innerhalb des Verstandes, da ich nun ein Erwachen von oben empfangen habe, dem auch der Körper zustimmt, dass es sich lohnt, Tora und Mizwot zu halten.“ Damit beschädigt er also den Glauben. | ואאמו"ר זצ"ל אמר, שבזמן שאדם זכה לאיזה גילוי מלמעלה, ועכשיו הוא מרגיש, שכדאי להיות עובד ה', נמצא, שעד עכשיו, שהיתה לו עבודה בבחינת למעלה מהדעת, שהגוף לא היה מסכים לעבודה כזו, והיה צריך תמיד להתגבר, והיה זקוק שהבורא יתן לו כח להתגבר למעלה מהדעת. מה שאין כן עכשיו כבר הוא לא צריך לעזרת הבורא, היות שעכשיו הוא מרגיש, שיש לו יסוד על מה לבנות את בנין שלו. היינו, שכבר יש לו תמיכה על מה לסמוך. נמצא, בזה שעכשיו הוא פוגם באמונה, ממה שהיה משתמש מקודם, שעתה הוא כבר יכול לומר, ברוך ה' שנשתחררתי מהעול אמונה, שהיה עלי בבחינת לעול ולמשא. מה שאין כן עתה, כבר יש לי בסיס בתוך הדעת, כיון שקיבלתי עתה איזה התעוררות מלמעלה, שהגוף גם כן מסכים, שכדאי לקיים תורה ומצות. נמצא בזה, שהוא פוגם בהאמונה. | Baal HaSulam sagte, dass, wenn ein Mensch einer Enthüllung von Oben würdig wird und nun fühlt, dass es sich auszahlt, ein Diener des Schöpfers zu sein, es sich also zeigt, dass er bis jetzt seine Arbeit über dem Verstand verrichten musste, welcher der Körper nicht zustimmt und er sich die ganze Zeit überwinden musste und darauf angewiesen war, dass der Schöpfer ihm Kraft geben würde, sich über dem Verstand zu überwinden. Nun jedoch bedarf er nicht länger der Hilfe des Schöpfers, da er jetzt fühlt, dass er ein Fundament hat, auf der er sein Bauwerk errichten kann. Mit anderen Worten, er hat bereits Unterstützung, auf die er sich verlassen kann. Es zeigt sich, dass er jetzt seinen Glauben befleckt, den er zuvor hatte, da er nun bereits sagen kann: „Gott sei dank bin ich nun die Bürde des Glaubens los, welche eine Bürde und eine Last für mich war. Aber jetzt habe ich bereits ein Fundament innerhalb des Verstandes, denn ich habe eine Erweckung von Oben empfangen, so dass der Körper zustimmt, dass es wert ist, Tora und Mizwot einzuhalten.“ In der Tat beschädigt er dadurch seinen Glauben. |
47 | Und er, seligen Andenkens, sagte: Dann liegt es dem Menschen ob zu sagen: „Jetzt sehe ich, dass der wahre Weg gerade darin besteht, über dem Verstand zu gehen. Und der Beweis dafür ist: Dass ich nun einer gewissen Erleuchtung von oben gewürdigt wurde, geschah nur, weil ich es auf mich genommen habe, über dem Verstand zu gehen. Darum wurde ich gewürdigt, dass der Schöpfer mich Ihm ein wenig näherbrachte und mir ein Erwachen von oben gab.“ | ואמר זצ"ל, שאז מוטל על האדם לומר, שעכשיו אני רואה, שהדרך האמיתית היא דוקא ללכת למעלה מהדעת. והראיה לזה היא, כי זה שזכיתי עכשיו לאיזו הארה מלמעלה, הוא רק בגלל שקיבלתי עלי ללכת למעלה מהדעת. לכן זכיתי שה' קירב אותי קצת אליו, ונתן לי איזה התעוררות מלמעלה. | Und Baal HaSulam sagte, dass man zu dieser Zeit sagen muss: „Nun sehe ich, dass der wahre Weg jener ü ber dem Verstand ist. Und der Beweis dafür ist die Tatsache, dass ich nun eines Leuchtens von Oben würdig wurde, allein weil ich es auf mich genommen habe, über dem Verstand zu handeln. Deshalb hat mich der Schöpfer gewürdigt, indem er mich Ihm etwas annäherte und mir ein gewisses Erwachen von Oben gab“. |
48 | Und diese Erleuchtung, die er nun von oben empfangen hat, gibt ihm eine Antwort auf alle Schwierigkeiten. Es zeigt sich, dass dies vom „über dem Verstand“ zeugt. „Was also soll ich nun tun, um über dem Verstand fortzufahren?“ Nur sich zu überwinden und Wege zu suchen, wie er seine Arbeit ins „über dem Verstand“ kleiden kann. | וההארה זו, שקיבל עתה מלמעלה, נותנת לו תירוץ על כל הקושיות. נמצא, שזה מעיד על הלמעלה מהדעת. אם כן, ומה עלי לעשות עתה, שאני אמשיך בלמעלה מהדעת. רק להתגבר ולהתחיל לחפש דרכים, איך שיוכל להלביש את העבודה שלו בלמעלה מהדעת. | Und dieses Leuchten, das er nun empfing, gibt ihm die Antwort auf all seine Fragen. Es zeigt sich, dass dies auf die Arbeit über dem Verstand hinweist. Was soll ich nun tun, damit ich über dem Verstand weitermache? Es gilt lediglich, sich zu überwinden und nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, wie er seine Arbeit in über dem Verstand einkleiden kann. |
49 | Es zeigt sich: Damit hat er seinen Glauben, in dem er ging, bevor er einer Erleuchtung von oben gewürdigt wurde, gar nicht beschädigt. Denn auch jetzt nimmt er die Erleuchtung nicht als Fundament, um darauf das Gebäude seiner Arbeit zu errichten. Vielmehr nimmt er diese Erleuchtung als ein Zeugnis, dass er auf dem rechten Weg geht, der der Glaube über dem Verstand ist. Denn nur in der Arbeit auf dieser Stufe bringt der Schöpfer den Menschen Sich nahe und gibt ihm einen Platz, sich Ihm zu nähern, weil diese Annäherung ihn nicht in die Gefäße des Empfangens fallen lässt, die „innerhalb des Verstandes“ heißen. Denn der Schöpfer sieht, dass er sich bemüht, nur über dem Verstand zu gehen. | ונמצא, בזה שלא פגם כלל את האמונה שלו, שהלך בה לפני שזכה לאיזו הארה מלמעלה. כי גם עכשיו אינו מקבל את ההארה ליסוד, לבנות עליו את בנין עבודתו. אלא הוא לוקח את ההארה זו לבחינת עדות, שהוא הולך בדרך הנכונה, שהוא בחינת אמונה למעלה מהדעת. שרק בעבודה בבחינת זו, הקב"ה מקרב את האדם אליו, ונותן לו מקום להתקרב אליו, משום שההתקרבות הזו לא תיתן לו ליפול לתוך כלי קבלה, הנקראים "בתוך הדעת". היות שהבורא רואה, שהוא משתדל ללכת רק למעלה מהדעת. | Es zeigt sich, dass er dadurch seinen Glauben überhaupt nicht beschädigt hat, da er bereits wandelte, bevor er mit einem Leuchten von Oben belohnt wurde. Denn auch jetzt erhält er kein Leuchten für sein Fundament, um darauf die Struktur seiner Arbeit zu begründen. Vielmehr nimmt er dieses Leuchten als Zeugnis dafür, dass er auf dem richtigen Weg geht, welcher der Glaube über dem Verstand ist. Nur in dieser Form der Arbeit bringt ihn der Schöpfer näher an Sich heran und gibt ihm Platz, sich Ihm anzunähern, da diese Annäherung ihn nicht in die Gefäße des Empfangens fallen lässt, welche „innerhalb des Verstandes“ genannt werden, da der Schöpfer sieht, dass er sich bemüht, nur über dem Verstand zu handeln. |
50 | Aus dem Gesagten ergibt sich: In der Sache „über dem Verstand“ gibt es einen Unterschied zwischen „Mensch und Schöpfer“ und „Mensch und Freund“. Denn zwischen einem Menschen und seinem Freund gilt: Kann er die Vorzüge der Freunde innerhalb des Verstandes sehen, so ist das wertvoller. Sieht er aber innerhalb des Verstandes nur die Mängel der Freunde, dann hat er keine Wahl, sondern muss über dem Verstand gehen und sagen: „Was ich sehe und höre und empfinde, all das ist nicht richtig und nicht wahr. Denn es kann nicht sein, dass ich mich bei den Freunden, die ich zur Verbindung mit ihnen gewählt habe, geirrt habe – dass also meine Berechnung ein Irrtum war.“ | היוצא מהנ"ל, בענין למעלה מהדעת יש הבדל מבין אדם למקום, לבין אדם לחבירו. כי בין אדם לחבירו, אם הוא יכול לראות את מעלות חברים בתוך הדעת, הוא יותר משובח. אבל אם בתוך הדעת הוא רואה רק חסרונות של החברים, אז אין לו ברירה, אלא מוכרח ללכת למעלה מהדעת, ולומר, מה שאני רואה, ושומע, ומרגיש, כל זה אינו נכון ואמת. כי אי אפשר להיות, שהחברים, שאני בחרתי בהם, להתחבר עמהם, היתה לי טעות, היינו שהחישוב שלי היה בטעות. | Aus dem Obigen folgt, dass es betreffend über dem Verstand einen Unterschied in der Handlungsweise zwischen einem Menschen und dem Schöpfer und einem Menschen und seinem Freund gibt. Zwischen einem Menschen und seinem Freund – wenn er die Tugenden seiner Freunde innerhalb des Verstandes sehen kann, ist das besser. Sieht er innerhalb des Verstandes jedoch nur die Mängel der Freunde, dann hat er keine Wahl, außer über den Verstand zu gehen und zu sagen: „Was ich sehe, höre und fühle, ist alles falsch und unwahr. Es ist nämlich unmöglich, dass ich mich in den Freunden geirrt habe, die ich ausgewählt habe, um mich mit ihnen zu verbinden, das bedeutet, dass ich mich verkalkuliert habe. |
51 | „Das heißt: Ich dachte, ich könnte mich an ihnen spirituell bereichern, weil sie einen Besitz haben, den ich nicht habe. Verbinde ich mich also mit ihnen, so könnte ich auf eine höhere Stufe steigen, als ich dachte. Nun aber sehe ich, dass es in Wirklichkeit anders ist. Und da ich gehört habe, dass Baal HaSulam seligen Andenkens sagte, der einzige Rat, der dem Menschen helfen kann, aus der Selbstliebe herauszugelangen und der Liebe zum Schöpfer gewürdigt zu werden, ist die Liebe zu den Freunden –“ | היינו, אני חשבתי, שאני אוכל להתעשר מהם ברוחניות, משום שיש להם רכוש מה שאין בידי. לכן אם אני אתחבר עמהם, אז אני אוכל לעלות בדרגה יותר גבוהה, מכפי שחשבתי. ועכשיו אני רואה, שלמעשה אני רואה אחרת. והיות ששמעתי, שבעל הסולם זצ"ל אמר, שהעצה היחידה, שיכולה לעזור לאדם, לצאת מאהבה עצמית, ולזכות לאהבת ה', היא אהבת חברים. | Das heißt, ich dachte, dass ich durch sie spirituell reicher würde, da sie Besitztümer haben, die mir fehlen. Wenn ich mich daher mit ihnen verbinden würde, könnte ich mich auf eine höhere Stufe erheben, als ich dachte. Aber jetzt erkenne ich, dass ich es anders sehe. Und ich hörte, dass Baal HaSulam sagte, dass das einzige, das einem Menschen helfen kann, aus der Selbstliebe herauszukommen, um der Schöpferliebe würdig zu werden, die Liebe zu Freunden ist. |
52 | „– darum habe ich keine Wahl, sondern muss mich mit diesen Freunden verbinden, obwohl es nach meinem Augenschein besser für mich wäre, mich von ihnen fernzuhalten und mich nicht mit ihnen zu verbinden. Aber es gibt keine Wahl: Ich muss über dem Verstand glauben, dass die Freunde in Wahrheit alle auf einer hohen Stufe stehen, ich aber mit meinen Augen nicht das Recht habe, ihren Vorzug zu sehen.“ Darum muss er über dem Verstand glauben. Wenn er aber den Vorzug der Freunde innerhalb des Verstandes sieht, könnte er gewiss großen Nutzen von den Freunden empfangen. Doch was ist zu tun – es gibt keine Wahl. | אי לזאת, אין לי שום ברירה, אלא אני צריך להתחבר עם אלו החברים, אף על פי שלפי ראות עיני, יותר טוב יהיה בשבילי, אם אני אתרחק מהם, ולא להתחבר עמהם. אבל אין ברירה, אלא אני מוכרח להאמין למעלה מהדעת, שבאמת החברים הם עומדים כולם במדרגה גבוהה. אלא עם עינים שלי אין לי זכות לראות את מעלתם. לכן הוא מוכרח להאמין למעלה מהדעת. אבל בזמן שהוא רואה מעלת חברים בתוך הדעת, בטח שהוא היה יכול לקבל מהחברים תועלת גדולה. אמנם מה לעשות, אין ברירה. | Daher habe ich keine andere Wahl, außer mich mit diesen Freunden zu verbinden, obwohl ich mich gemäß meiner Sichtweise lieber von ihnen fernhalten und mich nicht mit ihnen verbinden würde. Ich habe jedoch keine Wahl und muss über dem Verstand glauben, dass in Wirklichkeit alle Freunde sich auf einer hohen Stufe befinden, ich jedoch mit meinen Augen ihre Tugenden nicht sehen kann.“ Dies ist der Grund, warum er über dem Verstand glauben muss. Wenn er jedoch den Wert der Freunde innerhalb des Verstandes erkennt, könnte er von den Freunden sicherlich einen großen Vorteil für sich ableiten. Aber was kann er tun? Er hat keinen Ausweg. |
53 | Im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer aber ist die Ordnung eine andere. Denn dort, wo er über dem Verstand gehen kann, ist es wertvoller. Darum kann der Mensch dort, wo er eine gewisse Hilfe aus dem Verstand empfangen kann – also wenn er einer kleinen Erleuchtung von oben gewürdigt wurde –, sagen: „Jetzt sehe ich, dass es sich lohnt, ein Diener des Schöpfers zu sein, weil ich Geschmack an der Arbeit empfinde.“ Es zeigt sich: Er hat diese Empfindung, den Geschmack an der Arbeit, zur Grundlage und zum Fundament genommen, auf dem er sein Judentum aufbaut. Und nun begreift er bereits mit seinem Verstand, dass es sich lohnt, Tora und Mizwot zu halten. Es zeigt sich: Seine ganze Grundlage ist auf dieser Bedingung errichtet. Das heißt: Solange er Geschmack an der Arbeit hat, lohnt es sich, auf die Stimme des Schöpfers zu hören. Daraus folgt: Andernfalls – wenn er also keinen Geschmack an der Arbeit hat – ist er nicht fähig, die Mizwot des Schöpfers zu erfüllen. | אולם בין אדם למקום הוא סדר אחר. כי במקום שהוא יכול ללכת למעלה מהדעת, הוא יותר משובח. ומשום זה, במקום שהאדם יכול לקבל איזה סיוע מתוך הדעת, היינו אם זכה לקצת הארה מלמעלה, אז יש לו האפשרות לומר, עכשיו אני רואה, שכדאי להיות עובד ה', היות שאני מרגיש טעם בעבודה. נמצא, שהוא לקח את ההרגשה זו, שמרגיש טעם בעבודה, לבסיס ויסוד שעל זה הוא בונה את היהדות שלו. ועכשיו הוא כבר מבין עם הדעת שלו, כדאי לקיים תורה ומצות. נמצא, שכל הבסיס שלו נבנה על התנאי הזה. זאת אומרת, שבזמן שיש לו טעם בעבודה, אז הוא כדאי לשמוע בקול ה'. משמע מזה, שאם לא כן, היינו שבאם אין לו טעם בעבודה, אין הוא מסוגל לקיים מצות ה'. | Jedoch zwischen dem Menschen und dem Schöpfer verhält es sich anders. Denn wenn er über dem Verstand handeln kann, so ist das besser. Aus diesem Grund kann ein Mensch, wenn er mit etwas Leuchten von Oben belohnt wurde und Unterstützung innerhalb des Verstandes erhalten hat, sagen: „Nun sehe ich, dass es sich lohnt, ein Diener des Schöpfers zu sein, weil ich Sinn in der Arbeit empfinde. Daraus folgt, dass er dieses Gefühl, dass er Sinn in der Arbeit spürt, als Basis und Grundlage nahm, auf denen er seinen Judaismus aufbaut. Und da er nun mit seinem Verstand versteht, dass es wert ist, die Tora und Mizwot einzuhalten, beruht sein gesamtes Fundament auf dieser Bedingung. Sobald er also Sinn in der Arbeit empfindet, ist er würdig, auf die Stimme des Schöpfers zu hören. Daraus verstehen wir, dass er ohne Sinn in der Arbeit zu empfinden, die Mizwot des Schöpfers nicht einhalten kann. |
54 | Und es ist bekannt, dass die Annahme des Königtums des Himmels „mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen“ geschehen muss. Das heißt: selbst wenn Er ihm seine Seele nimmt. Das bedeutet: Selbst wenn er keine Lebenskraft mehr hat, nicht einmal die Stufe der Nefesh (unterste Seelenstufe), ist er dennoch verpflichtet, ein Diener des Schöpfers zu sein – und dem Schöpfer keine Bedingungen zu stellen, indem er Ihm sagt: „Erfüllst Du mein Verlangen, das, was mir nach meinem Verständnis fehlt – worin ich also einen Mangel empfinde –, erfüllst Du meinen Mangel, so verspreche ich Dir, ein Diener des Schöpfers zu sein. Erfüllst Du aber nicht all mein Begehren, von dem ich meine, dass ich es brauche, so kann ich nicht alles auf mich nehmen, was Du mir durch Moses, unseren Lehrer, Friede sei mit ihm, geboten hast.“ | וידוע, שקבלת מלכות שמים צריכה להיות "בכל נפשך ובכל מאודך". היינו, אפילו שנוטל ממנו את נפשו. שמשמע, שאפילו אין לו שום חיות, אפילו בחינת נפש אין לו, גם כן מחויב להיות עובד ה', ולא להעמיד תנאים להבורא, ולומר לו, אם אתה תמלא את רצוני, מה שאני מבין שזה חסר לי, היינו שבדבר זה אני מרגיש חסרון, אם תמלא את חסרוני, אני מבטיחך שאני אהיה עובד ה', ובאם אין אתה תמלא את כל חפצי, מה שאני מבין, שזה נחוץ לי, אין אני יכול לקבל עלי את כל מה שאתה ציווה אותי על ידי משה רבנו עליו השלום. | Es ist bekannt, dass die Annahme des Königreichs des Himmels „mit deiner ganzen Seele und deinem ganzen Vermögen“ erfolgen muss. Also sogar, wenn ihm die Seele genommen wird. Das bedeutet, auch wenn er keinerlei Lebenskraft hat, nicht einmal Nefesh , ist er noch immer verpflichtet, ein Diener des Schöpfers zu sein. Man darf dem Schöpfer keine Bedingungen stellen, indem man Ihm sagt: „Wenn Du meine Wünsche erfüllst, also die Sache, in der ich einen Chissaron (einen Mangel) fühle, wenn Du also diesen Chissaron füllst, verspreche ich Dir, ein Diener des Schöpfers zu sein. Aber wenn Du meine Wünsche nicht erfüllst – Dinge, die ich glaube zu brauchen – kann ich nicht alles auf mich nehmen, was Du mir durch Moses befohlen hast.“ |
55 | Vielmehr muss der Mensch das Joch des Königtums des Himmels ohne jede Bedingung auf sich nehmen – also selbst über dem Verstand. Und mehr noch: Der Mensch soll sagen, dass wir nicht deshalb über dem Verstand arbeiten müssen, weil der Schöpfer uns keine Erkenntnis geben kann. Vielmehr müssen wir glauben, dass dies alles zu unserem Nutzen ist. Es zeigt sich: Zwischen Mensch und Schöpfer muss man sich gerade bemühen, dass es über dem Verstand ist. Und empfängt er eine gewisse Erkenntnis, so soll er handeln, wie oben gesagt. | אלא האדם צריך לקבל עול מלכות שמים בלי שום תנאים. היינו, אפילו למעלה מהדעת. ויותר מזה, שעל האדם לומר, שזה שאנחנו מוכרחים לעבוד בלמעלה מהדעת, זה הוא לא מטעם שאין הבורא יכול לתת לנו דעת. אלא אנו צריכים להאמין, שכל זה הוא לתועלת שלנו. נמצא, שבין אדם למקום צריכים דוקא להשתדל, שיהיה בלמעלה מהדעת. ואם הוא מקבל איזה דעת, הוא צריך לנהוג כנ"ל. | Vielmehr sollte der Mensch die Bürde des Königreichs des Himmels ohne irgendwelche Bedingungen auf sich nehmen, das heißt sogar über dem Verstand. Und mehr noch als das – der Mensch muss sagen: „Dass wir über dem Verstand arbeiten müssen, folgt nicht etwa daraus, dass uns der Schöpfer keinen Verstand geben kann, sondern wir müssen glauben, dass all dies zu unserem Vorteil ist. Es zeigt sich also, dass wir uns gerade bezüglich zwischen dem Menschen und dem Schöpfer bemühen sollen, dass es über dem Verstand sei. Und wenn er etwas Verstand erhält, dann sollte er so handeln, wie oben erwähnt. |
Rabash – 1986 – Artikel 21 (תשמ"ו – מאמר כ"א)
„Über dem Verstand“
Was das „über dem Verstand“ betrifft: Man soll dieses Werkzeug (Kli) sowohl zwischen einem Menschen und seinem Freund als auch zwischen dem Menschen und dem Schöpfer gebrauchen. Doch besteht zwischen beiden ein Unterschied. Im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer muss dieses Werkzeug für immer bestehen bleiben; niemals darf man das Werkzeug geringschätzen, das „Glaube über dem Verstand“ heißt. Zwischen einem Menschen und seinem Freund hingegen gilt: Kann er den Vorzug des Freundes innerhalb des Verstandes sehen, so ist das umso besser.
Die Natur des Körpers aber ist das Gegenteil: Immer sieht er den Mangel des Freundes und nicht dessen Vorzug. Darum sagten unsere Weisen: „Beurteile jeden Menschen wohlwollend.“ Das heißt: Auch wenn er innerhalb des Verstandes sieht, dass der Freund im Unrecht ist, soll er sich dennoch bemühen, ihn wohlwollend zu beurteilen. Und das kann über dem Verstand geschehen. Denn auch wenn er vom Verstand her nichts hat, womit er ihn rechtfertigen könnte, kann er ihn über dem Verstand dennoch rechtfertigen.
Kann er ihn aber innerhalb des Verstandes rechtfertigen, so ist das gewiss besser. Stellen wir es uns bildlich vor: Er sieht, dass die Freunde auf einer höheren Stufe stehen als er. Innerhalb des Verstandes sieht er, wie tief er im Vergleich zu ihnen steht. Er sieht, dass alle Freunde die Zeiten einhalten, die für die Ordnung ihres Kommens zum Bethaus festgelegt sind; dass sie sich mehr für alles interessieren, was unter den Freunden geschieht, jedem zu helfen, soweit es möglich ist; und dass sie jedes Wort über die Arbeit, das sie aus dem Mund der Unterrichtenden hören, sofort in die Tat umsetzen, und dergleichen.
Gewiss wirkt das auf ihn: Es gibt ihm Kraft, seine Trägheit zu überwinden – etwa wenn er vor Tagesanbruch aufstehen soll, sobald man ihn weckt. Während des Lernens nimmt sein Körper größeren Anteil am Unterricht, denn sonst bliebe er hinter den Freunden zurück. Ebenso muss er jede Sache der Heiligkeit ernster nehmen, weil der Körper keine Niedrigkeit ertragen kann. Mehr noch: Wenn sein Körper auf die Gemeinschaft blickt und innerhalb des Verstandes sieht, wie alle um des Himmels willen arbeiten, dann lässt auch sein Körper ihn um des Himmels willen arbeiten.
Der Grund, warum der Körper ihm hilft, um des Himmels willen zu arbeiten, ist der eben genannte: Der Körper ist nicht bereit, Niedrigkeit zu ertragen. Jeder Körper ist vielmehr stolz und nicht bereit, sich damit abzufinden, dass sein Freund größer ist als er. Daraus folgt: Sieht er, dass die Freunde auf einer höheren Stufe stehen als er, so führt das in jeder Hinsicht zu einem Aufstieg.
Das ist es, was unsere Weisen sagten: „Der Neid der Gelehrten mehrt die Weisheit.“ Das heißt: Wenn alle Freunde auf die Gemeinschaft blicken und sehen, dass sie auf einer hohen Stufe steht – sowohl im Denken als auch im Handeln –, dann ist es naturgemäß, dass jeder Einzelne von seiner Stufe auf eine höhere steigen muss, als er sie von der Veranlagung seines Körpers her hätte.
Das bedeutet: Selbst wenn er von Geburt an keine großen Begierden ersehnt und keinen starken Zug zur Ehrsucht hat, kann er durch den Neid dennoch zusätzliche Kräfte erwerben, die er von Natur aus, mit der er geboren wurde, nicht besitzt. Vielmehr hat das Maß an Neid, das in ihm ist, neue Kräfte in ihm hervorgebracht, die in der Gemeinschaft vorhanden sind. Durch sie hat er neue Eigenschaften empfangen – also Kräfte, die er von den Eltern, die ihn gezeugt haben, nicht besitzt. So hat er nun neue Eigenschaften, die die Gemeinschaft in ihm hervorgebracht hat.
Es zeigt sich: Der Mensch hat Eigenschaften, die die Eltern den Kindern vererben, und er hat Eigenschaften, die er aus der Gemeinschaft erworben hat – ein neuer Erwerb. Dieser kommt allein aus der Verbindung mit der Gemeinschaft und durch den Neid, den er auf die Freunde hat. Wenn er sieht, dass sie schönere Eigenschaften haben als er, gibt ihm das den Anstoß, ihre guten Eigenschaften zu erwerben, die sie haben und er nicht, und um die er sie beneidet.
Es zeigt sich: Er gewinnt aus der Gemeinschaft neue Eigenschaften, die er sich aneignet, weil er sieht, dass sie auf einer höheren Stufe stehen als er, und er sie beneidet. Das ist der Grund, warum er nun größer sein kann, als wenn er keine Gemeinschaft hätte – denn durch die Gemeinschaft erwirbt er neue Kräfte.
Doch lässt sich das nur sagen, wenn er wirklich sieht, dass die Gemeinschaft auf einer höheren Stufe steht als er. Im selben Augenblick aber kommt der böse Trieb und zeigt ihm die Niedrigkeit der Gemeinschaft. Er gibt ihm zu verstehen: „Im Gegenteil – diese Gemeinschaft, mit der du dich verbinden willst, ist nichts für dich, denn sie stehen viele Stufen unter dir. Von einer solchen Gemeinschaft wirst du nichts gewinnen. Im Gegenteil: Die Kräfte, die du von Geburt hast, sind zwar klein, aber diese Gemeinschaft hat noch geringere Eigenschaften als du. Also halte dich besser von ihnen fern. Und willst du dich dennoch mit ihnen verbinden, so sorge wenigstens dafür, dass sie alle auf dich hören – so, wie du verstehst, dass die Gemeinschaft sich verhalten soll: wie sie sitzen sollen, wenn sie sich versammeln, und wie sie lernen und beten sollen. Entweder seien alle ernst und – Gott behüte – kein Lachen komme über ihren Mund, und niemals sollen sie über das Materielle eines Freundes reden: ob er ein Auskommen hat oder wie er seinen Unterhalt verdient, leicht oder mit großer Mühe; ob er einen Arbeitsplatz ohne Leiden hat oder schwierige Vorgesetzte, unter denen er leidet, oder ob die Arbeiter, mit denen er zusammenarbeitet, ihn nicht kränken, weil er religiös ist, und dergleichen. All diese Dinge sind belanglos, und es lohnt nicht, an sie zu denken, denn das sind nur materielle Angelegenheiten. Er aber kommt, um an der Versammlung der Freunde für ein hohes Ziel teilzunehmen – nämlich, dass er wahrhaft ein Diener des Schöpfers sein will.“
Es zeigt sich: In dem Augenblick, in dem er sein Materielles vergessen will – das ihm in Wahrheit bis ins Herz geht, und das er dennoch aufgibt und nicht erinnern will –, kommen Freunde und beginnen, über das Materielle eines Freundes zu sprechen. „Das Materielle des Freundes interessiert mich nicht, denn ich will jetzt Spiritualität. Wieso verwirren mir die Freunde plötzlich den Kopf mit materiellen Dingen, die mich gar nichts angehen? Will ich denn deshalb mein eigenes Materielles vergessen, damit ich Zeit habe, über das Materielle der Freunde nachzudenken? Wie kann so etwas sein?“ „Dann ist es besser“, sagt ihm der Körper, „du hörst auf mich und hältst dich von ihnen fern; gewiss wirst du mehr Erfolg haben. Wozu also den Kopf mit solchen Albernheiten verwirren?“
Es zeigt sich: Wenn der Körper ihm die Niedrigkeit der Freunde vor Augen führt – was kann er dem Körper antworten, der mit den Argumenten eines Gerechten kommt? Denn dass der Körper ihm rät, sich von der Gemeinschaft fernzuhalten, geschieht nicht, weil er ihm rät, ein Böser zu sein – Gott behüte. Im Gegenteil, der Körper sagt ihm: „Indem du dich von der Gemeinschaft fernhältst, wirst du ein Gerechter sein und nur an deine Spiritualität denken, und bei Bedarf auch an dein Materielles.“
Wenn der Mensch nun glaubt, dass es ohne Gemeinschaft unmöglich ist, voranzukommen und zur Liebe zum Schöpfer zu gelangen – weil sie das Sprungbrett ist, um aus der Selbstliebe zur Liebe zum Schöpfer hinauszugelangen –, dann hat er keinen anderen Rat, als über dem Verstand zu gehen. Das heißt, er sage zu seinem Körper: „Dass du siehst, sie stehen nicht so sehr auf der Stufe der Sehnsucht, zur Liebe zum Schöpfer zu gelangen, wie du dich sehnst – nun, da du mein Körper bist, sehe ich an dir, dass du heiliger bist als die übrigen Körper der Freunde, dass du also ein Diener des Schöpfers sein willst, wie ich daran sehe, dass du mir rätst, die Gemeinschaft zu verlassen. Denn an ihren Körpern ist ihre Niedrigkeit nach außen erkennbar, und sie haben nicht die Kraft, ihre verwerflichen Eigenschaften zu verbergen. Denn es ist der Lauf der Welt, dass jeder das Böse, das er hat, vor dem anderen verbirgt, damit der andere ihn achtet, weil er wertvolle Eigenschaften hat.“
„Hier aber ist ihr Böses so groß, dass sie nicht die Kraft haben, das Böse zu überwinden und es zu verbergen, sodass der andere es nicht sieht. Demnach sind sie nach dem Augenschein gewiss niedrig. Aber ohne Gemeinschaft gewinne ich nichts, mit all den guten Eigenschaften, die ich habe. Vielmehr werde ich über dem Verstand erfüllen, was unsere Weisen sagten (Awot, Kapitel 4): ‚Sei überaus demütigen Geistes.‘ Das heißt: Über dem Verstand muss ich gehen und glauben, dass sie auf einer höheren Stufe stehen als ich. Und dann kann ich nach meinem Glauben Ermutigung und Stärkung von der Gemeinschaft empfangen und von ihnen erhalten, was die Gemeinschaft geben kann.“ Es zeigt sich: Dass er die Liebe der Freunde über dem Verstand annimmt, geschieht aus Notwendigkeit – er hat keine Wahl –, während er innerhalb des Verstandes sieht, dass er im Recht ist.
Doch gerade hier, also im Verhältnis zu den Freunden, ist innerhalb des Verstandes wertvoller als die Stufe über dem Verstand. Der Grund: In Wahrheit beginnt sich, wenn der Mensch sich der Anhaftung an den Schöpfer (Dwekut) annähern will – durch seine Arbeit, in der er nur um des Gebens willen arbeiten will –, bei ihm das Böse zu offenbaren. Und das Erkennen des Bösen ist keine Sache des Verstandes, sondern eine Empfindung im Herzen.
Das heißt: Er muss bei sich selbst empfinden, dass er schlechter und niedriger ist als die ganze Welt. Und solange er zu dieser Empfindung noch nicht gelangt ist, sondern es ihm scheint, es gibt noch jemanden, der schlechter ist als er, ist er gewiss noch nicht zum Erkennen des Bösen gelangt. Das Böse, das im Herzen des Menschen verborgen liegt, hat sich ihm noch nicht offenbart. Denn man kann das Böse nur sehen, wenn man ein wenig Gutes hat. Zum Beispiel: Im Dunkeln sieht man keinen Schmutz im Haus; erst wenn man dort eine Lampe anzündet, kann man sehen, dass dort Schmutz ist.
Ebenso: Wenn der Mensch keine guten Taten vollbringt – sich also nicht mit Tora und Gebet befasst und nicht danach verlangt, dem Schöpfer nahezukommen –, hat er kein Licht, das sein Herz erleuchtete und ihm die Fähigkeit gäbe, all das Böse zu sehen, das in seinem Herzen ist. Daraus ergibt sich: Warum sieht er noch nicht, dass in seinem Herzen mehr Böses ist als bei allen Freunden? Weil ihm noch das Gute fehlt. Darum hält er sich für tugendhafter, als sein Freund es ist.
Aus dem Gesagten folgt: Dass er sieht, es gibt Freunde, die schlechter sind als er, kommt nur daher, dass ihm das Licht fehlt, das ihm leuchten würde, damit er das Böse in seinem Innern sähe. Es zeigt sich: Das ganze Böse, das im Menschen ist, liegt nicht in der bloßen Existenz des Bösen, denn alle haben dieses Böse, das „Verlangen zu empfangen, um zu empfangen“ heißt und Selbstliebe ist. Alle Unterschiede liegen nur in der Offenbarung des Bösen. Das heißt: Nicht jeder Mensch sieht und empfindet die Selbstliebe als etwas Böses und Schädliches, denn der Mensch sieht nicht, dass es ihm schlecht ergeht, wenn er sich damit befasst, sein Verlangen zu empfangen zu erfüllen, das „Selbstliebe“ genannt wird.
Doch sobald er beginnt, die heilige Arbeit auf dem Weg der Wahrheit zu verrichten – also zur Anhaftung an den Schöpfer gelangen will, sodass alle seine Taten um des Himmels willen geschehen –, empfängt er dadurch jedes Mal ein wenig Licht, das ihm leuchtet. Dann beginnt er zu empfinden, dass die Selbstliebe etwas Böses ist. Und das geht nach Ordnung und Stufe: Jedes Mal, wenn er sieht, dass sie es ist, die ihn daran hindert, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen, sieht er von Mal zu Mal deutlicher, wie sie – das Verlangen zu empfangen – sein wahrer Feind ist. So wie König Salomo den bösen Trieb „Feind“ nannte, wie geschrieben steht: „Hungert dein Feind, so speise ihn mit Brot, … denn glühende Kohlen häufst du auf sein Haupt.“
Demnach sehen wir: Die Wahrheit ist, dass der Mensch empfinden muss, er ist schlechter als die anderen, weil das die Wahrheit ist. Auch ist zu verstehen, was unsere Weisen sagten: „Der Neid der Gelehrten mehrt die Weisheit.“ Das gilt gerade innerhalb des Verstandes. Über dem Verstand dagegen ist der Vorzug des Freundes nicht so weit sichtbar, dass man sagen könnte, er beneidet den Freund und dies veranlasst ihn, Arbeit und Mühe aufzuwenden, weil der Freund ihn aus Neid dazu nötigt.
Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens deutete den Ausspruch des Rabbi Jochanan: „Der Schöpfer sah, dass die Gerechten wenige sind; da erhob Er Sich und pflanzte sie in jede Generation“, wie gesagt wird: „Denn dem Schöpfer gehören die Grundpfeiler der Erde, und auf sie setzte Er den Erdkreis.“ Und Rashi deutete: „Er verstreute sie über alle Generationen“, damit sie Stütze, Bestand und Fundament für den Bestand des Erdkreises seien (Joma 78b). „Wenige“ bedeutet, dass sie immer weniger werden. Was tat Er also? „Er erhob Sich und pflanzte sie in jede Generation.“ Das heißt: Dadurch, dass Er sie in jede Generation pflanzte, werden sie sich mehren. Nun ist zu verstehen: Wie sollen sie sich mehren, wenn Er sie über alle Generationen verstreut hat? Es ist zu verstehen, worin der Unterschied liegt, ob alle Gerechten in einer Generation sind oder über alle Generationen verstreut – wie aus den Worten Rashis hervorgeht, dass sich die Gerechten gerade dadurch mehren, dass Er sie über alle Generationen verstreute.
Und er, seligen Andenkens, sagte: Dadurch, dass es in jeder Generation Gerechte gibt, entsteht ein Platz für Menschen, die von Geburt an nicht die Eigenschaften besitzen, die geeignet sind, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Indem sie sich aber mit den Gerechten verbinden, die es in jeder Generation gibt, lernen sie durch die Anhaftung an sie aus deren Taten und können neue Eigenschaften von den Gerechten jeder Generation empfangen. Darum verstreute Er die Gerechten in jede Generation – damit sich auf solche Weise die Gerechten mehren.
Dem Gesagten zufolge lässt sich dasselbe durch die Verbindung mit Freunden erreichen: neue Eigenschaften, durch die sie fähig werden, zur Anhaftung an den Schöpfer zu gelangen. Und all dies lässt sich nur sagen, wenn er Vorzüge an den Freunden sieht; dann lässt sich sagen, dass er aus deren Taten lernen wird. Sieht er aber, dass er fähiger ist als sie, so gibt es nichts mehr, was er von den Freunden empfangen könnte.
Darum sagten sie: Wenn der böse Trieb kommt und ihm die Niedrigkeit der Freunde zeigt, muss er über dem Verstand gehen. Gewiss aber wäre es besser und erfolgreicher, wenn er innerhalb des Verstandes sehen könnte, dass die Freunde auf einer höheren Stufe stehen als er. So lässt sich das Gebet verstehen, das Rabbi Elimelech seligen Andenkens für uns verfasst hat, und dies sind seine Worte: „Gib in unser Herz, dass jeder den Vorzug seiner Freunde sehe und nicht ihren Mangel.“
Im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer aber ist es etwas ganz anderes: Da ist über dem Verstand wertvoller. Denn nimmt er den Glauben über dem Verstand auf sich, dann ist seine Arbeit auf dem rechten Weg. Anders als innerhalb des Verstandes – auch wenn der Verstand des Menschen es anders begreift. Das heißt: Jeder Mensch weiß und begreift: Wenn er nicht glauben müsste, sondern die Vorsehung des Schöpfers in der ganzen Welt offenbart wäre, also bei allen Geschöpfen, so würde sich gewiss die ganze Welt mit Tora und Mizwot befassen; dann gäbe es keinen Platz für Säkulare, sondern alle wären religiös.
Da aber die Offenbarung Seiner Vorsehung den Unteren nicht offenbar ist, sondern sie glauben müssen, und der Glaube eine schwere Sache ist – denn der Schöpfer hat uns Verstand und Erkenntnis gegeben, um jede Sache nach dem Augenschein zu betrachten, und alle unsere Angelegenheiten zwischen Mensch und Freund betrachten wir nur nach dem Urteil unseres Verstandes, und wir haben nichts, was uns ein Unterscheiden ermöglicht, außer unserem Verstand, wie unsere Weisen sagten (Bawa Batra 131): „Der Richter hat nur das, was seine Augen sehen“ –, ergibt sich daraus: In allen Dingen gehen wir nach dem Verstand, also innerhalb des Verstandes, und nicht über dem Verstand.
Darum beginnt der Mensch, wenn er die Arbeit für den Schöpfer beginnt und man ihm sagt, er muss den Glauben über dem Verstand auf sich nehmen, zu grübeln: „Ich sehe doch, dass der Schöpfer uns Erkenntnis gegeben hat, um jede Sache nach dem Verstand zu begreifen, also nach dem, was unser Verstand erfasst. Wie kann ich da etwas auf mich nehmen, das gegen unseren Verstand ist?“ Es ist sehr schwer, dass der Körper begreift, dass es sich lohnt, die heilige Arbeit über dem Verstand zu verrichten.
Das „über dem Verstand“ gilt sowohl für den Verstand als auch für das Herz. Das ist der Grund, warum nicht jeder fähig ist, in die heilige Arbeit im Sinne des Gebens einzutreten, die eine Arbeit über dem Verstand ist. Darum ist die Ordnung, wenn man die Gesamtheit der Welt in der Arbeit für den Schöpfer unterweist, so, wie Maimonides seligen Andenkens sagte: Man beginnt im lo liShma (nicht um ihretwillen), bis sich ihre Erkenntnis mehrt und sie größere Weisheit erlangen; dann offenbart man ihnen, dass die eigentliche Arbeit darin besteht, um des Gebens willen zu wirken – was „Arbeit um des Himmels willen“ heißt.
Doch ist zu verstehen: Warum ist gerade das Geben wertvoller? Der Verstand verlangt doch das Gegenteil: Wäre die Arbeit für den Schöpfer in den Verstand gekleidet, kämen mehr Menschen, die Diener des Schöpfers sein wollten. Dazu sagte mein Vater und Lehrer seligen Andenkens: Der Mensch soll nicht denken, dass es eine niedrige Stufe ist, dass der Schöpfer uns Seine Arbeit als eine über dem Verstand gegeben hat. Vielmehr müssen wir glauben, dass dies eine sehr hohe Stufe ist; denn gerade dadurch hat der Mensch die Gelegenheit, um des Gebens willen arbeiten zu können – sonst müsste er um des Empfangens willen arbeiten.
Daher: Wenn die Arbeit im Verstand wäre, gäbe es gewiss mehr Arbeitende, aber niemals könnten sie zur Anhaftung an den Schöpfer gelangen, die eine Arbeit um des Gebens willen ist. Auch wenn es also eine große Menge gäbe, so gäbe es doch der Qualität nach keine Möglichkeit, dass der Mensch fähig würde, das Gute und das Vergnügen zu empfangen, das der Schöpfer den Geschöpfen geben wollte. Denn bekanntlich ist Sein Wille, „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“.
Damit aber das Gute und das Vergnügen, das die Geschöpfe empfangen, keinen Mangel hätten – also nicht „Brot der Scham“ (nahama dichesufa) wären –, gab es die Korrektur der Beschränkung (Zimzum): dass die obere Fülle nur dort leuchte, wo Gleichheit der Form ist. Das heißt, dass die Geschöpfe die Fülle in Gefäßen des Gebens empfangen. Solange aber die Gefäße des Gebens bei den Geschöpfen nicht vorhanden sind, müssen sie in der Finsternis bleiben – das heißt: „Sie sterben, doch nicht in Weisheit.“
Doch muss man wissen: Auch im lo liShma ist das Licht der Tora enthalten. Darüber sagten unsere Weisen: „Immer befasse sich der Mensch mit Tora und Mizwot, auch lo liShma; denn aus lo liShma gelangt er zu liShma (um ihretwillen), weil das Licht darin ihn zum Guten zurückführt.“ Doch danach muss der Mensch zu liShma gelangen – also in Verstand und Herz über dem Verstand arbeiten.
Anders ist es zwischen einem Menschen und seinem Freund: Kann er die Liebe der Freunde innerhalb des Verstandes verrichten – das heißt, bemüht er sich zu sehen, dass die Freunde in den Stufen der Heiligkeit höher stehen als er –, so ist das gewiss wertvoller. Das heißt: Sieht er innerhalb des Verstandes, dass die Freunde der Anhaftung an den Schöpfer näher sind als er, so ist das gewiss wertvoller, als wenn er es über dem Verstand glauben müsste.
Das heißt: Wenn er in Wahrheit sieht, dass er auf einer höheren Stufe steht als die Freunde, und innerhalb des Verstandes immer sieht, dass die Freunde in Niedrigkeit sind, dann glaubt er über dem Verstand – weil er sich sagen muss, dass es ein Gebot ist –, dass er glauben soll, es ist nicht so, wie er sieht. Gewiss aber ist es innerhalb des Verstandes wertvoller, wenn er sehen kann, dass die Freunde in den Stufen der Heiligkeit sind.
Ähnlich lässt sich der Vers deuten (Samuel I, 16:7): „Da sprach der Schöpfer zu Samuel: Sieh nicht auf seine Erscheinung und auf seinen hohen Wuchs, denn Ich habe ihn verworfen; denn nicht, wie der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf die Augen, der Schöpfer aber sieht auf das Herz.“
Wir sehen: Als der Schöpfer Samuel sandte, einen der Söhne Isais zum König zu salben, verstand Samuel nach dem Augenschein, dass Eliab, der Sohn Isais, nach seinem Dafürhalten würdig ist, anstelle des Königs Saul König über Israel zu sein. Doch der Schöpfer stimmte dem nicht zu, was er verstand. Vielmehr, als sie zuletzt David brachten, der das Vieh hütete – und David war rötlich, mit schönen Augen und von gutem Aussehen –, „da sprach der Schöpfer: Steh auf, salbe ihn, denn dieser ist es.“
Und was lehrt uns das? Wir sehen hier zwei Dinge:
Erstens, vonseiten Samuels: Er verstand nach seinem Verstand die Vorzüge Eliabs, dass er würdig ist, König über Israel zu sein. Der Schöpfer aber sprach zu ihm: „Nein, geh nicht nach deinem Verstand.“ Denn in dem, was den Schöpfer betrifft, nützt der Verstand nichts. Da der Schöpfer einen König einsetzen wollte, heißt das „zwischen Mensch und Schöpfer“, und dort gibt es keinen Platz für den Verstand: „Denn Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht Meine Wege.“ Vielmehr, was sprach der Schöpfer zu ihm: „Denn der Mensch sieht auf die Augen, der Schöpfer aber sieht auf das Herz.“
Dem Gesagten zufolge lässt sich deuten: „Denn der Mensch sieht auf die Augen“ – das ist gut zwischen einem Menschen und seinem Freund. Da ist es gut, dass man innerhalb des Verstandes gehen kann, das heißt nach dem Augenschein des Menschen. Anders aber: „Der Schöpfer aber sieht auf das Herz.“ Das heißt: In dem, was die Dinge des Schöpfers betrifft, ist es über dem Verstand; der Mensch soll nicht nach dem Augenschein blicken, sondern über dem Verstand. Daher ergibt sich, dass man hier zwei Dinge unterscheiden muss:
Erstens: Zwischen Mensch und Schöpfer ist über dem Verstand wertvoller.
Zweitens: Zwischen einem Menschen und seinem Freund ist innerhalb des Verstandes wertvoller.
Darum sprach der Schöpfer zu ihm: „Sieh nicht auf seine Erscheinung.“ Denn in der Sache, nach dem Augenschein zu gehen, ist es gut zwischen einem Menschen und seinem Freund. Kannst du die Vorzüge des Freundes innerhalb des Verstandes sehen, so ist das wertvoller. Hier aber, wo Ich ihn zum König salben will, ist diese Handlung Meine Sache; Ich will, dass er König sei. Das heißt „zwischen Mensch und Schöpfer“. Gerade hier ist über dem Verstand die rechte Arbeit, denn gerade dadurch entsteht die Möglichkeit, zum Empfangen um des Gebens willen zu gelangen. Sonst fällt er in das Empfangen um des Empfangens willen, das Trennung und Entfernung von der Heiligkeit bewirkt.
Hier aber erhebt sich eine Frage. Nachdem der Mensch beschlossen hat, über dem Verstand zu gehen und nicht auf all die Schwierigkeiten zu achten, die der Körper aufzuwerfen beginnt, wenn er auf dem Weg des Gebens und des Glaubens über dem Verstand zu arbeiten beginnt; nachdem er all die Hindernisse überwindet, die der Körper ihm als Schwierigkeiten aus aller Welt vorlegt, und er die Augen schließt und nichts ansehen will, was Verstand und Herz widerspricht, sondern beschlossen hat, nur über dem Verstand zu gehen –
nach diesem Beschluss kommen ihm bisweilen plötzlich schöne Erklärungen, denen der Körper zustimmen muss. Da sieht er, dass er nun innerhalb des Verstandes geht. Und was kann er tun, wenn er nun durch die Erklärungen sieht, die er von oben empfangen hat? Er sagt sich: „Was soll ich tun, da ich jetzt keinen Ort habe, an dem ich über dem Verstand arbeiten könnte? Ich sehe doch nun, dass alles, was ich um des Gebens willen tue – ich begreife, dass es so sein muss.“
Denn er hat nun keine Schwierigkeiten mehr mit der Arbeit für den Schöpfer, die ihn zwängen, über dem Verstand zu arbeiten. Und da die eigentliche Arbeit über dem Verstand ist – was soll er in einem solchen Zustand tun, in dem er sich befindet?
Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens sagte: Wenn der Mensch einer Offenbarung von oben gewürdigt wurde und nun empfindet, dass es sich lohnt, ein Diener des Schöpfers zu sein, dann zeigt sich: Bis jetzt hatte er eine Arbeit über dem Verstand, der der Körper nicht zustimmte; er musste sich immer überwinden und war darauf angewiesen, dass der Schöpfer ihm Kraft gäbe, sich über dem Verstand zu überwinden. Jetzt aber braucht er die Hilfe des Schöpfers nicht mehr, denn nun empfindet er, dass er ein Fundament hat, auf dem er sein Gebäude errichten kann – er hat schon eine Stütze, auf die er sich verlassen kann. Es zeigt sich: Damit beschädigt er nun den Glauben, dessen er sich zuvor bedient hat. Denn jetzt kann er bereits sagen: „Gelobt sei der Schöpfer, dass ich vom Joch des Glaubens befreit bin, das mir Joch und Last war. Jetzt aber habe ich schon eine Grundlage innerhalb des Verstandes, da ich nun ein Erwachen von oben empfangen habe, dem auch der Körper zustimmt, dass es sich lohnt, Tora und Mizwot zu halten.“ Damit beschädigt er also den Glauben.
Und er, seligen Andenkens, sagte: Dann liegt es dem Menschen ob zu sagen: „Jetzt sehe ich, dass der wahre Weg gerade darin besteht, über dem Verstand zu gehen. Und der Beweis dafür ist: Dass ich nun einer gewissen Erleuchtung von oben gewürdigt wurde, geschah nur, weil ich es auf mich genommen habe, über dem Verstand zu gehen. Darum wurde ich gewürdigt, dass der Schöpfer mich Ihm ein wenig näherbrachte und mir ein Erwachen von oben gab.“
Und diese Erleuchtung, die er nun von oben empfangen hat, gibt ihm eine Antwort auf alle Schwierigkeiten. Es zeigt sich, dass dies vom „über dem Verstand“ zeugt. „Was also soll ich nun tun, um über dem Verstand fortzufahren?“ Nur sich zu überwinden und Wege zu suchen, wie er seine Arbeit ins „über dem Verstand“ kleiden kann.
Es zeigt sich: Damit hat er seinen Glauben, in dem er ging, bevor er einer Erleuchtung von oben gewürdigt wurde, gar nicht beschädigt. Denn auch jetzt nimmt er die Erleuchtung nicht als Fundament, um darauf das Gebäude seiner Arbeit zu errichten. Vielmehr nimmt er diese Erleuchtung als ein Zeugnis, dass er auf dem rechten Weg geht, der der Glaube über dem Verstand ist. Denn nur in der Arbeit auf dieser Stufe bringt der Schöpfer den Menschen Sich nahe und gibt ihm einen Platz, sich Ihm zu nähern, weil diese Annäherung ihn nicht in die Gefäße des Empfangens fallen lässt, die „innerhalb des Verstandes“ heißen. Denn der Schöpfer sieht, dass er sich bemüht, nur über dem Verstand zu gehen.
Aus dem Gesagten ergibt sich: In der Sache „über dem Verstand“ gibt es einen Unterschied zwischen „Mensch und Schöpfer“ und „Mensch und Freund“. Denn zwischen einem Menschen und seinem Freund gilt: Kann er die Vorzüge der Freunde innerhalb des Verstandes sehen, so ist das wertvoller. Sieht er aber innerhalb des Verstandes nur die Mängel der Freunde, dann hat er keine Wahl, sondern muss über dem Verstand gehen und sagen: „Was ich sehe und höre und empfinde, all das ist nicht richtig und nicht wahr. Denn es kann nicht sein, dass ich mich bei den Freunden, die ich zur Verbindung mit ihnen gewählt habe, geirrt habe – dass also meine Berechnung ein Irrtum war.“
„Das heißt: Ich dachte, ich könnte mich an ihnen spirituell bereichern, weil sie einen Besitz haben, den ich nicht habe. Verbinde ich mich also mit ihnen, so könnte ich auf eine höhere Stufe steigen, als ich dachte. Nun aber sehe ich, dass es in Wirklichkeit anders ist. Und da ich gehört habe, dass Baal HaSulam seligen Andenkens sagte, der einzige Rat, der dem Menschen helfen kann, aus der Selbstliebe herauszugelangen und der Liebe zum Schöpfer gewürdigt zu werden, ist die Liebe zu den Freunden –“
„– darum habe ich keine Wahl, sondern muss mich mit diesen Freunden verbinden, obwohl es nach meinem Augenschein besser für mich wäre, mich von ihnen fernzuhalten und mich nicht mit ihnen zu verbinden. Aber es gibt keine Wahl: Ich muss über dem Verstand glauben, dass die Freunde in Wahrheit alle auf einer hohen Stufe stehen, ich aber mit meinen Augen nicht das Recht habe, ihren Vorzug zu sehen.“ Darum muss er über dem Verstand glauben. Wenn er aber den Vorzug der Freunde innerhalb des Verstandes sieht, könnte er gewiss großen Nutzen von den Freunden empfangen. Doch was ist zu tun – es gibt keine Wahl.
Im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer aber ist die Ordnung eine andere. Denn dort, wo er über dem Verstand gehen kann, ist es wertvoller. Darum kann der Mensch dort, wo er eine gewisse Hilfe aus dem Verstand empfangen kann – also wenn er einer kleinen Erleuchtung von oben gewürdigt wurde –, sagen: „Jetzt sehe ich, dass es sich lohnt, ein Diener des Schöpfers zu sein, weil ich Geschmack an der Arbeit empfinde.“ Es zeigt sich: Er hat diese Empfindung, den Geschmack an der Arbeit, zur Grundlage und zum Fundament genommen, auf dem er sein Judentum aufbaut. Und nun begreift er bereits mit seinem Verstand, dass es sich lohnt, Tora und Mizwot zu halten. Es zeigt sich: Seine ganze Grundlage ist auf dieser Bedingung errichtet. Das heißt: Solange er Geschmack an der Arbeit hat, lohnt es sich, auf die Stimme des Schöpfers zu hören. Daraus folgt: Andernfalls – wenn er also keinen Geschmack an der Arbeit hat – ist er nicht fähig, die Mizwot des Schöpfers zu erfüllen.
Und es ist bekannt, dass die Annahme des Königtums des Himmels „mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Vermögen“ geschehen muss. Das heißt: selbst wenn Er ihm seine Seele nimmt. Das bedeutet: Selbst wenn er keine Lebenskraft mehr hat, nicht einmal die Stufe der Nefesh (unterste Seelenstufe), ist er dennoch verpflichtet, ein Diener des Schöpfers zu sein – und dem Schöpfer keine Bedingungen zu stellen, indem er Ihm sagt: „Erfüllst Du mein Verlangen, das, was mir nach meinem Verständnis fehlt – worin ich also einen Mangel empfinde –, erfüllst Du meinen Mangel, so verspreche ich Dir, ein Diener des Schöpfers zu sein. Erfüllst Du aber nicht all mein Begehren, von dem ich meine, dass ich es brauche, so kann ich nicht alles auf mich nehmen, was Du mir durch Moses, unseren Lehrer, Friede sei mit ihm, geboten hast.“
Vielmehr muss der Mensch das Joch des Königtums des Himmels ohne jede Bedingung auf sich nehmen – also selbst über dem Verstand. Und mehr noch: Der Mensch soll sagen, dass wir nicht deshalb über dem Verstand arbeiten müssen, weil der Schöpfer uns keine Erkenntnis geben kann. Vielmehr müssen wir glauben, dass dies alles zu unserem Nutzen ist. Es zeigt sich: Zwischen Mensch und Schöpfer muss man sich gerade bemühen, dass es über dem Verstand ist. Und empfängt er eine gewisse Erkenntnis, so soll er handeln, wie oben gesagt.
korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, 02:13 Uhr, Ver4