Rabash – 1986 – Artikel 33 (תשמ״ו – מאמר ל״ג)
„Was sind die Mizwot, die der Mensch mit den Fersen tritt“ · מהו מצות שאדם דש בעקביו
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1 | Im Wochenabschnitt Ekew steht geschrieben: „Und es wird geschehen, wenn ihr [diese Gebote] hört und sie bewahrt und befolgt, so wird der Schöpfer, dein Gott, dir den Bund und die Gnade bewahren, die Er deinen Vätern geschworen hat.“ Und Rashi erklärt: „‚Und es wird geschehen, wenn ihr hört‘ – wenn ihr die leichten Mizwot hört, die der Mensch mit seinen Fersen tritt, ‚so wird der Schöpfer bewahren‘ usw.: Er wird Sein Versprechen halten.“ So weit seine Worte. | בפרשת עקב כתוב "והיה עקב תשמעון, ושמרתם ועשיתם אתם, ושמר ה' אלקיך לך את הברית ואת החסד, אשר נשבע לאבותיך". ופירוש רש"י "והיה עקב תשמעון, אם מצות קלות, שאדם דש בעקביו תשמעון ושמר ה' וכו': ישמור הבטחתו", עד כאן לשונו. | Im Abschnitt Ekew steht geschrieben: „Und es wird geschehen, weil ihr zuhört … wird der Ewige, dein Gott, mit dir den Bund und die Barmherzigkeit einhalten, die er deinen Vätern zugeschworen hat.“ RASHI interpretiert: „Und es wird geschehen, weil ihr zuhört“: „Falls ihr die leichten Mizwot [Gebote] haltet, die der Mensch mit seinen Füßen tritt. Ihr werdet zuhören und der Ewige wird sein Versprechen halten, usw.“ |
2 | Diese Bedingung, die der Schöpfer gestellt hat, gilt es zu verstehen. Sie besagt: Wenn ihr die leichten Mizwot hört, werde ich die Versprechen erfüllen, die ich den Vätern gegeben habe – andernfalls kann ich sie nicht erfüllen. Denn die Bedingungen, die der Schöpfer setzt, gleichen gewiss nicht denen eines Königs aus Fleisch und Blut, dessen Bedingungen dem Geber zugutekommen. Hier dienen sie ganz sicher den Geschöpfen, denn sonst könnten diese sein Versprechen nicht empfangen. Also müssen wir verstehen, worin die Bedingung der leichten Mizwot besteht. | ויש להבין את התנאי הזה שהתנה ה'. היינו, שאם תשמעון את מצות קלות, אני אקיים ההבטחות שהבטיח להאבות, אחרת לא יכול לקיים. כי בטח התנאים, מה שה' רוצה, אינם דומים למלך בשר ודם, שהתנאים שהוא הציג הם לטובת הנותן, ובודאי כאן הם לטובת הנבראים, היינו אחרת הם לא יכולים לקבל את הבטחתו. אם כן יש להבין, מהו התנאי של מצות קלות. | Wir sollten die Bedingung des Schöpfers verstehen: „Wenn ihr die leichten Mizwot haltet, werde ich die Versprechen halten, die ich den Vätern gegeben habe. Sonst kann ich sie nicht halten.“ Die Bedingungen, die der Schöpfer stellt, sind sicherlich nicht mit denen eines Königs aus Fleisch und Blut vergleichbar, der Bedingungen zugunsten des Gebenden stellt. Hier sind sie zu Gunsten der Geschöpfe, denn sonst können sie nicht empfangen, was Er versprochen hat. Deshalb sollten wir die Bedingung der leichten Mizwot verstehen. |
3 | Um die Bedingung zu verstehen, müssen wir zuerst begreifen, was das Versprechen ist, das der Schöpfer den Vätern gab. Gemeint ist gewiss nichts Körperliches. Das Versprechen war vielmehr, dass der Schöpfer dem Volk Israel gibt, das Ziel der Schöpfung zu erreichen, das „Seinen Geschöpfen Gutes tun“ heißt. Das bedeutet: Die Seelen erlangen die Wurzel ihrer Seele, die in fünf Seelenteile gegliedert ist, NaRaNChaY genannt. | ובכדי להבין את התנאי, צריכים קודם כל להבין, מהי ההבטחה שהקב"ה הבטיח להאבות. ובטח אין הכונה על גשמיות, שבודאי ההבטחה היתה, שה' יתן לעם ישראל, שיזכו למטרת הבריאה, הנקראת "להטיב לנבראיו", שהוא, שהנשמות ישיגו את שורש נשמתם, הנבחן לה' חלקי נשמה, הנקראים נרנח"י. | Um die Bedingung zu verstehen, müssen wir zunächst das Versprechen verstehen, das der Schöpfer den Urvätern gegeben hat. Natürlich bezieht sich das nicht auf die Körperlichkeit, denn die Verheißung bezog sich mit Sicherheit darauf, dass der Schöpfer dem Volk Israel die Belohnung für das Schöpfungsziel, das „Seinen Geschöpfen Gutes tun“ genannt wird, geben wird, dass also die Seelen die Wurzel ihrer Seelen erhalten, die als die fünf Teile der Seele betrachtet und NaRaNCHaY genannt werden. |
4 | Damit die Seelen empfangen, was für sie zum Empfangen bereitliegt, und beim Empfangen des Guten und des Genusses dabei nicht das Nahama deKisufa (Brot der Scham) verspüren, wurde uns die Arbeit gegeben, die „Arbeit des Gebens“ heißt. Das heißt: Zuerst muss der Mensch sich an diese Arbeit gewöhnen. Und damit es einen Raum der Wahl gibt – damit es also in seiner Hand liegt zu wählen, mit welcher Absicht er Tora und Mizwot erfüllt –, musste es Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung geben; erst dann gibt es einen Raum der Wahl. | ובכדי שהנשמות ישיגו את המוכן להם לקבל, ויחד עם קבלת הטוב והעונג לא ירגישו עם הקבלה זו ענין של נהמא דכסופא, ניתן לנו את העבודה, הנקראת "עבודה דלהשפיע". זאת אומרת, שקודם כל מוכרח האדם להרגיל עצמו בעבודה זו. ובכדי שיהיה מקום בחירה, היינו שיהיה בידו לבחור, על איזו כוונה הוא מקיים תו"מ, היה מוכרח להיות צמצום והסתר, שאז יש מקום בחירה. | Damit die Seelen das erhalten, was für sie zum Empfangen vorbereitet wurde, und um nicht das Brot der Scham zu spüren, während sie die Freude und den Genuss empfangen, wurde uns die Arbeit gegeben, die „Arbeit des Gebens“ genannt wird. Das bedeutet, dass man sich zunächst an diese Arbeit gewöhnen muss. Es musste einen Zimzum [Einschränkung] und eine Verhüllung geben, um die Absicht, mit der er das Einhalten von Tora und Mizwot befolgt, auswählen zu können, denn dann gibt es Raum für eine Wahl. |
5 | Wäre der Genuss jedoch offenbart, müsste er Tora und Mizwot erfüllen, um zu empfangen. Alles, was er täte, geschähe dann nur, um seine Selbstliebe zu sättigen. Denn man könnte nicht sagen, dass er alles mit der Absicht zu geben tut. Sobald nämlich Licht offenbart ist, ist der Genuss größer als alle körperlichen Genüsse. | אבל אם היה מגולה התענוג, היה מוכרח לקיים תו"מ על מנת לקבל. ומה שהיה עושה, היה הכל בכדי למלאות את אהבה עצמית שלו, מסיבת, היות שאי אפשר לומר, שהוא עושה הכל בעמ"נ להשפיע. היות שבזמן שיש גילוי אור, התענוג הוא יותר גדול מכל תענוגי הגשמיים. | Wenn der Genuss jedoch offenbart werden würde, müsste er das Einhalten von Tora und Mizwot befolgen, um zu empfangen. Er würde alles tun, um seine Selbstliebe zu befriedigen, denn man kann nicht sagen, dass er alles macht, um zu geben, denn wenn das Licht offenbart wird, ist der Genuss größer als alle körperlichen Genüsse. |
6 | In der Körperlichkeit sehen wir eine Regel: Je kleiner der Genuss, desto geringer ist auch die Mühe, auf ihn zu verzichten. Man kann nämlich nicht sagen, dass jemand den Genuss, den er empfängt, einzig in der Absicht zu geben empfängt, wenn er gar nicht auf ihn verzichten kann. Er muss sich seiner selbst sicher sein: Kann er nicht in der Absicht empfangen, um zu geben, so ist er bereit, auf den Genuss zu verzichten. Darum gilt: Je kleiner der Genuss, desto leichter fällt der Verzicht. | ובגשמיות אנו רואים כלל, כל שהתענוג קטן ביותר, וכדי לוותר על התענוג, גם העבודה יותר קטנה. והיות שאי אפשר לומר, שהתענוג שהוא מקבל, כל כוונתו הוא רק להשפיע, אם לא יכול לוותר עליו. היינו שהוא צריך להיות בטוח בעצמו, אם הוא לא יכול לכוון בעמ"נ להשפיע, הוא מוכן לוותר על התענוג. אי לזאת, ככל שהתענוג קטן ביותר, יותר קל לוותר עליו. | In der Körperlichkeit sehen wir folgende Regel: Je kleiner der Genuss ist – auf den man verzichten kann – desto weniger Arbeit gibt es. Man kann dabei nicht sagen, dass der Genuss, den er empfängt, einzig mit der Absicht zu geben ist, falls er ihn nicht aufgeben kann. Er muss sich also sicher sein, dass er den Genuss aufgeben wird, wenn er nicht die Absicht hat, zu geben. Deshalb gilt: Je kleiner der Genuss, desto leichter ist es, auf ihn zu verzichten. |
7 | Deshalb wurde uns der Geschmack von Tora und Mizwot verhüllt, und uns wurde ein Geschmack an den körperlichen Genüssen gegeben. Wir müssen den Worten des heiligen Sohar glauben, dass aller Genuss und alle Freude in den körperlichen Dingen nur ein Nehiru Dakik (sehr feines Licht) ist – also ein im Vergleich zum Licht des Genusses, das in Tora und Mizwot gekleidet ist, äußerst schwaches Licht. Darum ist es möglich, dass der Mensch sich an den körperlichen Genüssen übt und danach bis zu einem gewissen Grad aus Zimzum und Verhüllung heraustreten kann. Dann hat er bereits die Möglichkeit der Wahl, das heißt: Er empfängt diese Freude und diesen Genuss allein deshalb, weil er geben will. | ומשום זה ניתן לנו הסתרה על הטעם של תו"מ. וניתן לנו טעם בתענוגים גשמיים. וצריכים להאמין בדברי הזה"ק, שכל הנאה והתענוג, הנמצאים בדברים גשמיים, הוא רק נהירו דקיק, שפירושו אור דק מאוד בערך אור התענוג, המלובש בתו"מ. ומשום זה יש מציאות, שהאדם יעשה תרגילים על תענוגים גשמיים, ואח"כ הוא יכול כבר לצאת מבחינת הצמצום וההסתר בשיעור מה, שהוא כבר יש לו מציאות של בחירה, היינו לומר, שהוא מקבל את הנאה והתענוג הזה רק מטעם שהוא רוצה להשפיע. | Deshalb wurde uns die Verhüllung über den Geschmack von Tora und Mizwot gegeben und der Geschmack an körperlichen Genüssen. Wir müssen an die Worte des Heiligen Sohar glauben, dass jede Freude und jeder Genuss, der in körperlichen Dingen existiert, nur ein “dünnes Licht” ist, also ein sehr schwaches Licht im Vergleich zu dem Licht des Genusses, das in Tora und Mizwot gekleidet ist. Aus diesem Grund gibt es eine Realität, in der man sich in körperlichen Freuden übt und danach kann er bis zu einem gewissen Grad aus dem Zimzum und der Verhüllung herauskommen, denn er kann bereits wählen und sagen, dass er diese Freude und diesen Genuss einzig empfängt, weil er geben will. |
8 | Besteht er danach die Prüfung und empfängt die kleine Stufe, die er in der Arbeit für den Schöpfer erreicht hat, so gibt man ihm eine größere Stufe, um auf ihr die Absicht zu geben auszurichten. So geht er von Stufe zu Stufe, bis er seinen ganzen NaRaNChaY aus der Wurzel seiner Seele erlangt. Und der NaRaNChaY, den der Mensch erlangt, entspricht den 613 Wegen der Tora – den 613 Mizwot der Tora und den sieben Mizwot der Weisen, die zusammen im Zahlenwert 620 Namen ergeben; und das ist dem Menschen zu erlangen gegeben. | ואח"כ, אם הוא עומד בנסיון, ומקבל הבחינה הקטנה שהשיג בעבודת ה', נותנים לו מדרגה יותר גדולה, לכוון עליה בעל מנת להשפיע. וכן הוא הולך מדרגה לדרגה, עד שמשיג כל בחינת הנרנח"י שלו משורש נשמתו. וענין נרנח"י, שהאדם משיג, זהו בחינת תרי"ג אורחין דאורייתא, שהם תרי"ג מצות שבתורה וז' מצות דרבנן, שבגמטריא תר"ך שמות, שזה ניתן לאדם להשיג. | Wenn er danach die Prüfung besteht und eine kleine Erlangung in der Arbeit des Schöpfers empfängt, bekommt er eine größere Stufe, auf die er die Absicht zu geben legt. So geht er von Stufe zu Stufe, bis er alle seine NaRaNCHaY von der Wurzel seiner Seele erlangt. Und die NaRaNCHaY, die der Mensch erlangt, sind die 613 Wege der Tora, also die 613 Gebote in der Tora und die sieben Gebote unserer großen Weisen, die im Zahlenwert 620 Namen sind, die man erlangen kann. |
9 | Und sieh im Buch „Pri Chacham“ (Frucht des Weisen, Teil 2, Blatt 65), wo es heißt: „So steht im ‚Etz Chaim‘ (Baum des Lebens), dass die Welten allein erschaffen wurden, um die Namen des Schöpfers zu offenbaren. Sieh dort die Schrift, und du wirst verstehen. Du siehst: Seit die Seele herabgestiegen ist, um sich in diese unreine Materie zu kleiden, kann sie nicht mehr zu ihrer Wurzel zurückkehren und sich an ihr anhaften – auf der Stufe ihrer eigenen Welt, wie sie an ihrer Wurzel war, bevor sie in diese Welt kam. Vielmehr ist sie verpflichtet, ihre Statur um das 620-Fache zu vergrößern, wie sie zuvor an der Wurzel war, die das Geheimnis der ganzen Vollkommenheit ist – des ganzen NaRaNChaY bis hin zu Yechida. Darum wird Yechida mit dem Namen Keter (Krone) bezeichnet, um auf die genannte Zahl 620 hinzuweisen.“ | ועיין בספר "פרי חכם" (חלק ב' דף ס"ה) וזה לשונו "וזה שכתוב ב"עץ חיים", שלא נבראו העולמות אלא לגלות שמותיו של הקב"ה. עיין שם הכתוב ותבין. והנך רואה, כיון שירדה הנשמה להתלבש בחומר מטונף הזה, לא יכלה עוד לשוב ולהתדבק בשרשה, בבחינת עולמה עצמה. כמו שהיתה בשורשה, קודם ביאתה לעולם הזה. אלא היא מחויבת להגדיל קומתה תר"ך פעמים, כמו שהיתה מלפנים בשורש, שהוא סוד כל השלימות, כל הנרנח"י עד היחידה, שעל כן נקראת היחידה בשם כתר, לרמז על מספר תר"ך, הנ"ל". | Das steht in dem Buch „Frucht des Weisen: Briefe von Baal HaSulam” (Brief Nr. 17): „Im Baum des Lebens steht geschrieben: ‚Die Welten wurden nur erschaffen, um die Namen des Schöpfers zu offenbaren.‘ Du siehst also, dass die Seele, seit sie herabgestiegen ist, um diese schmutzige Substanz einzukleiden, nicht mehr an ihrer Wurzel, an ihrer eigenen Welt, festhalten kann, so wie sie in ihrer Wurzel war, bevor sie in diese Welt kam. Vielmehr muss sie ihre Statur um 620 Mal erhöhen, als sie vorher in der Wurzel war. Das ist die Bedeutung der gesamten Vollkommenheit, der gesamten NaRaNCHaY bis hin zu Yechida, weshalb Yechida Keter genannt wird, was die Zahl 620 andeutet.“ |
10 | Nach dem Gesagten können wir sehen, was das Versprechen ist, das der Schöpfer den Vätern gab, und wie man eine solche Vollkommenheit erlangen kann. Diese Frage stellt sich von zwei Seiten: | ובהאמור, אנו יכולים לראות, מהי ההבטחה שהבטיח הקב"ה לאבות, ואיך אפשר להשיג כל כך שלימות. והשאלה ההיא נשאלת מצד ב' אופנים: | Jetzt können wir sehen, welche Verheißung der Schöpfer den Urvätern gegeben hat und wie es möglich ist, diese Vollkommenheit zu erlangen. Diese Frage wird von zwei Seiten gestellt: |
11 | 1. Der Bedarf an einer so großen Vollkommenheit. Denn es ist bekannt: „Es gibt kein Licht ohne ein Kli (Gefäß), das heißt keine Füllung ohne einen Mangel.“ Damit stellt sich die Frage: Wie können wir überhaupt das Gefühl bekommen, dass uns das Erlangen des NaRaNChaY fehlt? Nach dem, was wir erklärt haben, sind doch alle körperlichen Genüsse, denen die ganze Welt nachjagt, nicht mehr als ein äußerst feiner Funke im Vergleich zum Genuss in der Kedusha (Heiligkeit). Sobald der Mensch auch nur ein kleines Leuchten der Kedusha empfängt, wird er darin große Befriedigung empfinden. Wer also sollte ihm sagen, dass er noch immer einen Mangel hat und das Licht der Yechida erlangen muss – andernfalls gilt er noch nicht als zu seiner Vollkommenheit gelangt? Und wer sollte ihm das kundtun? | א. הצורך לשלימות הגדולה כזו, כי ידוע, "כי אין אור בלי כלי, היינו אין מילוי בלי חסרון", אם כן מתעוררת השאלה, איך נוכל לקבל הרגשה כזו, שחסר לנו להשיג את הנרנח"י. ולפי מה שהסברנו, שכל התענוגים הגשמיים, שכל העולם רצים אחריהם, אין זה יותר מניצוץ דק מאוד בערך התענוג שיש בקדושה, ובטח כשהאדם יזכה לקבל אפילו הארה קטנה דקדושה, הוא ירגיש בזה סיפוק גדול. ומי יגיד לו, שהוא עדיין בעל חסרון, עד שהוא צריך להשיג בחינת אור היחידה, אחרת עדיין הוא עוד לא נבחן שבא לשלימותו, ומי יודיע לו את זה. | 1) Der Bedarf für diese große Vollkommenheit. Wir wissen, dass es kein Licht ohne ein Kli [Gefäß] gibt, also keine Füllung ohne einen Mangel. Das wirft die Frage auf: „Wie können wir das Gefühl haben, dass wir NaRaNCHaY brauchen?“ Nach dem, was wir erklärt haben, sind all die körperlichen Genüsse, denen die ganze Welt nachjagt, nicht mehr als ein winziger Funke im Vergleich zum Genuss der Kedusha [Heiligkeit], und wenn jemand mit einem winzigen Leuchten der Kedusha belohnt wird, wird er große Befriedigung darin empfinden. Wer wird ihm also sagen, dass er noch so mangelhaft ist, dass er das Licht von Yechida erlangen muss, oder er wird das Gefühl haben, dass er die Vollkommenheit noch nicht erreicht hat? Wer wird ihm das mitteilen? |
12 | 2. Wie soll der Mensch fähig sein, so große Genüsse zu überwinden und zu sagen: „Wenn ich das Empfangen dieser Genüsse nicht um des Himmels willen ausrichten kann, verzichte ich auf sie“? Woher nimmt er solche Kräfte? Schon bei den körperlichen Genüssen sehen wir doch, von denen wir sagten, sie seien nur ein Nehiru Dakik – Funken, die in die Klipot (Schalen) gefallen sind –, wie schwer es fällt, sie zu überwinden und zu sagen, dass man auf diese Genüsse verzichtet, wenn man nicht in der Absicht empfangen kann, um zu geben. Und da wir bei den körperlichen Genüssen sehen, dass sie sich in große und kleine teilen, gilt das umso mehr im Spirituellen, wo es viele Stufen und viele Unterscheidungen gibt. So stellt sich die Frage: Woher nimmt der Mensch so große Kräfte zur Überwindung? | ב. איך האדם יהיה ביכולתו להתגבר על התענוגים כל כך גדולים, ולומר, אם איננו יכול לכוון את קבלת תענוגים האלו לשם שמים, אני מוותר על התענוגים. מאיפה הוא יקבל כוחות כאלו. הלא אנו רואים, אפילו בתענוגים גשמיים, שאמרנו, שהם רק נהירו דקיק, שהם ניצוצין, שנפלו לתוך הקליפות, איך שקשה עליהם להתגבר, ולומר, שהוא מוותר על התענוגים האלו, אם לא יכול לכוון בעמ"נ להשפיע. והיות בתענוגים גשמיים, אנו רואים, שהם מתחלקים לתענוגים גדולים ולקטנים, ומכל שכן ברוחניות, שיש הרבה מדרגות והרבה הבחנות, אם כן מתעוררת השאלה, מאין יקח האדם כל כך כוחות גדולים על התגברות. | 2) Wie kann man so große Genüsse überwinden und sagen, dass man auf die Genüsse verzichtet, wenn man das Empfangen dieser Genüsse nicht auf den Schöpfer ausrichten kann? Woher soll er diese Kraft nehmen? Denn wir sehen, dass es selbst bei den körperlichen Genüssen, von denen wir gesagt haben, dass sie nur ein dünnes Licht sind – Funken, die in die Klipot gefallen sind –, schwierig ist, sie zu überwinden und zu sagen, dass wir diese Genüsse aufgeben, wenn wir nicht die Absicht haben, sie aufzugeben. Und da wir bei den körperlichen Genüssen sehen, dass sie sich in große und kleine Genüsse aufteilen, ist es in der Spiritualität umso mehr der Fall, wo es viele Stufen und Unterscheidungen gibt. Die Frage ist also, woher man solche großen Kräfte zur Überwindung nimmt? |
13 | Um die beiden genannten Fragen zu verstehen: | ובכדי להבין ב' השאלות הנ"ל: | Um die beiden obigen Fragen zu verstehen: |
14 | 1. Woher nimmt er den Bedarf an Gadlut (Erwachsensein)? | א. מאין יקח הצורך לגדלות. | 1) Woher nimmt er den Bedarf an Größe und |
15 | 2. Woher nimmt er die Kraft, den Verzicht auf die Genüsse durchzuhalten, sodass er sicher sein kann, dass er die Genüsse allein deshalb annimmt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten? | ב. מאין יקח כח להתגבר על ויתור התענוגים, בכדי שיהיה בטוח בזה, שמה שהוא לוקח את התענוגים, הוא רק בכדי להשפיע נחת רוח ליוצרו, | |
16 | Dazu stellen wir voran, was die Weisen sagten (Traktat Kiddushin 30): „Und Rabbi Shimon ben Levi sagte: ‚Der Trieb des Menschen überwältigt ihn Tag für Tag und sucht ihn zu töten, wie es heißt: «Der Frevler lauert dem Gerechten auf und sucht ihn zu töten.» Und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihn nicht überwinden, wie es heißt: «Gott wird ihn nicht in seiner Hand lassen.»‘“ | נקדים מה שאמרו חז"ל (קדושין ל') וזה לשונם "ואמר רבי שמעון בן לוי, יצרו של אדם מתגבר עליו בכל יום ומבקש להמיתו, שנאמר, צופה רשע לצדיק ומבקש להמיתו, ואלמלא הקב"ה עוזרו אין יכול לו, שנאמר, אלקים לא יעזבנו בידו". | 2) Woher nimmt er die Kraft, auf die Genüsse zu verzichten, damit er sicher sein kann, dass die Genüsse, die er sich nimmt, nur dazu dienen, seinem Schöpfer Zufriedenheit zu geben? Dafür sollten wir die Worte unserer Weisen (Kiddushin, 30) voranstellen: „Rabbi Shimon Ben Levi sagte: ‚Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag und sucht ihn zu töten‘, so wie es heißt: ‚Der Böse beobachtet den Gerechten und sucht ihn zu töten, und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, würde er ihn nicht überwinden, so wie es heißt: ‚Der Ewige wird ihn nicht in seiner Hand lassen.'“ |
17 | Wir fragten, dass hier zweierlei schwierig ist: | ושאלנו, שכאן קשה בשתים: | Wir haben gesagt, dass es hier zwei Fragen gibt: |
18 | 1. Wenn dem Menschen der Jetzer haRa (Böser Trieb) gegeben wurde, warum liegt es dann nicht in seiner Kraft, ihn zu überwinden, sondern nur der Schöpfer hilft ihm? Freie Wahl bedeutet doch, dass es in der Hand des Menschen liegt zu überwinden. Hier aber heißt es, dass der Mensch keine Wahl hat, aus eigener Kraft zu überwinden, sondern nur mit der Hilfe des Schöpfers; allein kann er es nicht. Es stellt sich die Frage: Warum gab der Schöpfer dem Menschen nicht die Kraft, ihn doch überwinden zu können? | א. אם נתנו לאדם יצר הרע, למה אין בכוחו של אדם להתגבר עליו, אלא הקב"ה עוזרו. הלא בחירה משמע, שיש בידו של אדם להתגבר. וכאן משמע, שאין לאדם בחירה, שיוכל להתגבר, אלא רק בעזרת ה'. ובכוחות עצמו אין יכול לו. נשאלת השאלה, מדוע לא נתן הקב"ה לאדם כח, שכן יוכל להתגבר עליו. | 1) Wenn dem Menschen der Böse Trieb gegeben wurde, warum kann er ihn nicht überwinden, sondern einzig, wenn ihm der Schöpfer hilft? Schließlich bedeutet Wahl ja, dass der Mensch sie überwinden kann, aber hier deutet es darauf hin, dass er keine Wahl hat, sondern ihn nur mit der Hilfe des Schöpfers überwinden kann. Er kann ihn aus eigener Kraft nicht überwinden. Das wirft die Frage auf: „Warum hat der Schöpfer dem Menschen nicht die Kraft gegeben, ihn zu überwinden?“ |
19 | 2. Wenn es nicht in der Kraft des Menschen liegt zu überwinden, warum steht dann geschrieben, „dass der Schöpfer ihm hilft“? Das heißt: Der Mensch muss mit der Überwindung beginnen, und wenn er sieht, dass er nicht überwinden kann, dann gibt ihm der Schöpfer die Hilfe. Warum aber gibt der Schöpfer ihm die Hilfe nicht sofort, sobald der Böse Trieb zu ihm kommt? Was bringt es uns denn, dass der Mensch mit der Arbeit beginnt? Denn so oder so liegt es nicht in seiner Kraft zu überwinden. | ב. אם אין בכוחו של אדם להתגבר, מדוע כתוב "שהקב"ה עוזרו". היינו שהאדם מוכרח להתחיל בההתגברות, ורואה שאינו יכול להתגבר, אז הקב"ה נותן לו העזרה. ומדוע אין הקב"ה נותן לו את העזרה תיכף כשבא אליו היצר הרע. כי מה מוסיף לנו זה, מה שהאדם מתחיל בהעבודה. כי בין כך ובין כך אין בכוחו של אדם להתגבר. | 2) Wenn der Mensch ihn nicht überwinden kann, warum heißt es dann, dass der Schöpfer ihm hilft? Das bedeutet, dass der Mensch anfangen muss, sich zu überwinden und sehen muss, dass er ihn nicht überwinden kann, und dann hilft ihm der Schöpfer. Warum hilft der Schöpfer ihm nicht, sobald der Böse Trieb zu ihm kommt? Was bringt es uns, dass ein Mensch mit der Arbeit beginnt, wenn er sowieso nicht siegen kann? |
20 | Warum also muss der Schöpfer warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt, und erst danach kommt die Hilfe? Welchen Nutzen hat dieser Zeitverlust – dass der Schöpfer also wartet, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt? Wer gewinnt durch diesen Zeitverlust? Der Schöpfer hätte die Hilfe doch sofort geben sollen, sobald der Böse Trieb zum Menschen kommt, noch bevor der Mensch mit der Arbeit beginnt. Warum sollte er warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt, und ihm erst danach die Hilfe geben? | אם כן מדוע הקב"ה צריך לחכות עד שיתחיל האדם בעבודה, ואח"כ באה העזרה. ומה היא התועלת מאיבוד זמן, היינו בזה שהקב"ה מחכה עד שהאדם יתחיל בעבודה. וכי מי הוא מרויח מאיבוד זמן זה. הלא תיכף כשבא היצר הרע לאדם, היה צריך הקב"ה לתת העזרה, מטרם שהאדם מתחיל בעבודה. ולמה לו לחכות עד שהאדם יתחיל בעבודה, ואח"כ יתן לו הקב"ה את העזרה. | Weshalb muss der Schöpfer warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt bis Er zu Hilfe kommt?. Was bringt es, wenn der Schöpfer Zeit verliert, indem er darauf wartet, dass ein Mensch mit der Arbeit beginnt? Wer profitiert von diesem Zeitverlust? Schließlich hätte der Schöpfer die Hilfe schon geben sollen, sobald der Böse Trieb in einem Menschen auftaucht, bevor er mit der Arbeit beginnt. Warum sollte Er darauf warten, dass ein Mensch mit der Arbeit beginnt und der Schöpfer ihm dann helfen wird? |
21 | Die Sache verhält sich vielmehr so, wie wir in den vorigen Artikeln besprochen haben: Zimzum und Verhüllung dienten der Korrektur der Welt. Andernfalls gäbe es keine Möglichkeit, dass der Mensch überhaupt die Arbeit der Überwindung der Selbstliebe beginnen könnte. Denn von Natur aus beherrscht ihn das Verlangen zu empfangen, und das ist die Hauptachse der Schöpfung. Was danach kommt, ist nur eine Korrektur, um das Verlangen zu empfangen zu korrigieren. | אלא הענין הוא, כמו שדברנו במאמרים הקודמים, שענין הצמצום וההסתר היה לתיקון העולם. אחרת לא היתה יכולה להיות שום מציאות, שהאדם תהיה לו היכולת אפילו להתחיל בעבודה דלהתגברות על אהבה עצמית. כי האדם מצד הטבע, שולט בו ענין הרצון לקבל, שזהו עיקר קוטבה של הבריאה. ומה שבא אח"כ, הוא רק תיקון, לתקן את הרצון לקבל. | Die Sache ist die, dass, wie wir in den vorherigen Artikeln gesagt haben, der Zimzum und die Einschränkung dazu dienten, die Welt zu korrigieren. Andernfalls gäbe es für den Menschen keine Möglichkeit, die Arbeit zur Überwindung der Eigenliebe auch nur zu beginnen, denn von Natur aus beherrscht ihn der Wille zu empfangen, und das ist die Hauptachse der Schöpfung. Was danach kommt, ist nur eine Korrektur, um den Willen zu empfangen zu korrigieren. |
22 | Daraus folgt, dass das Verlangen zu empfangen das Wesentliche ist und die übrigen Dinge, die danach kommen, nur dazu dienen, es zu korrigieren. Das Verlangen zu empfangen bleibt also bestehen, doch es kommen Korrekturen hinzu. Aber wer ist es, der all diese Korrekturen empfängt? Gewiss kein anderer als das Verlangen zu empfangen. | נמצא, שהרצון לקבל הוא העיקר. ושאר דברים הבאים אח"כ, הם רק לתקן אותו. נמצא, שהרצון לקבל נשאר, אלא נתוספים עליו תיקונים. אבל מי הוא המקבל כל התיקונים. ודאי אינו אלא הרצון לקבל. | Es stellt sich heraus, dass der Wille zu empfangen die Hauptsache ist und der Rest der Dinge, die später kommen, nur dazu dienen, ihn zu korrigieren. Daraus folgt, dass der Wille zu empfangen bestehen bleibt, aber Korrekturen hinzugefügt werden. Aber wer ist derjenige, der all diese Korrekturen erfährt? Es muss der Wille zu empfangen sein. |
23 | Bekanntlich gilt selbst dort, wo wir von einer Stufe sprechen, deren Verlangen das Verlangen zu geben ist, Folgendes: Das Verlangen zu empfangen, das auf dieser Stufe vorhanden ist, bedient sich nicht seines Verlangens zu empfangen, sondern überwindet sein Verlangen und befasst sich mit dem Verlangen zu geben. Demnach betreffen die Korrekturen, die der Mensch vornehmen muss, allein seine Gefäße des Empfangens – nämlich darauf die Absicht zu geben zu legen. Denn je größer der Genuss ist, desto schwerer fällt es, auf ihn zu verzichten und zu sagen: „Kann ich nicht in der Absicht empfangen, um zu geben, so will ich den Genuss nicht empfangen.“ | ידוע, שאפילו מה שאנו אומרים, שיש מדרגה שרצונה היא ברצון להשפיע, גם כן הפירוש, שהרצון לקבל, שישנו בהמדרגה, היא לא משמשת עם הרצון לקבל שלה, אלא היא מתגברת על רצונה ועוסקת ברצון להשפיע. נמצא לפי זה, התיקונים, מה שהאדם צריך לעשות, הם רק על כלי קבלה שלו, היינו לתת עליה כוונה בעל מנת להשפיע. והיות שכל שהתענוג גדול ביותר, קשה לוותר עליו, ולומר, אם הוא לא יכול לכוון בעמ"נ להשפיע, הוא לא רוצה לקבל את התענוג. | Auch wenn wir sagen, dass es eine Stufe gibt, die das Verlangen zu geben hat, bedeutet das bekanntlich, dass sie nicht den in der Stufe vorhandenen Willen zu empfangen nutzt, sondern ihr Verlangen überwindet und sich mit dem Verlangen zu geben beschäftigt. Daraus folgt, dass die Korrekturen, die man vornehmen sollte, nur an den Gefäßen des Empfangens vorgenommen werden sollten, d. h., dass man die Absicht des Gebens darauf legen sollte. Und da es umso schwieriger ist, je größer der Genuss ist, ihn aufzugeben und zu sagen, dass er den Genuss nicht empfangen will, wenn er nicht die Absicht zu geben hat, müssen deshalb hier zwei Dinge korrigiert werden: |
24 | Deshalb sind hier zwei Dinge zu korrigieren: | לכן יש כאן לתקן ב' דברים: | |
25 | 1. Awiut (Grobheit), das heißt das Verlangen zu empfangen, soll nicht allzu groß sein – also nicht so groß, dass der Untere es nicht überwinden kann. Deshalb muss man ihm ein kleineres Begehren geben. Und danach, wenn man sieht, dass er einen kleinen Genuss überwinden kann, gibt man ihm einen größeren. Sieht man, dass er auch diesen Genuss überwinden kann, gibt man ihm einen noch größeren, und so fort. Aber wie richtet man das ein? | א. עביות. היינו, רצון לקבל, שלא יהיה גדול יותר מדי. היינו, שאין באפשרותו של התחתון להתגבר. לכן מוכרחים לתת לו תאוה יותר קטנה. ואח"כ, שרואים, שיכול להתגבר על תענוג קטן, נותנים לו תענוג יותר גדול. ואם רואים, שיכול להתגבר על זה התענוג, נותנים לו יותר גדול, וכו'. אבל איך מסדרים את זה. | 1) Awiut [Grobheit], also der Wille zu empfangen, damit er nicht zu groß ist, also der Untere ihn nicht überwinden kann. Er muss aus diesem Grund ein kleineres Maß an Genuss bekommen. Danach, wenn er sieht, dass er einen kleinen Genuss überwinden kann, wird ihm ein größerer Genuss gegeben. Wenn wir sehen, dass er diesen Genuss überwinden kann, wird ihm ein größerer Genuss gegeben usw., aber wie ordnen wir das auf richtige Weise? |
26 | Darum wurde dem Menschen die Arbeit im Glauben über dem Verstand gegeben. Diese Arbeit erscheint dem Menschen „leicht“ – das Wort hängt mit „Leichtfertigkeit“ (kalut daat) zusammen. Das heißt: Der Mensch achtet diese Arbeit gering, und die Zeit, in der er sich des Glaubens bedienen muss, gilt ihm als ein Zustand der Niedrigkeit. Er meint nämlich, diese Arbeit passe für Frauen und Kinder, nicht aber für Menschen mit Verstand und scharfem Geist. | אי לזאת, נתנו לאדם את העבודה בבחינת אמונה למעלה מהדעת. והעבודה זו היא קלה בעיני האדם. זהו מלשון "קלת דעת". זאת אומרת, שאין האדם מכבד את העבודה זו, ונחשב אצל האדם הזמן, שהוא צריך לשמש עם האמונה, מצב של שפלות. היינו, שהוא מבין, שעבודה זו מתאימה לנשים ולילדים ולא לבעלי שכל, ולבעלי חריפי מוח. | Deshalb wurde dem Menschen die Arbeit in dem Glauben über dem Verstand gegeben, den der Mensch missachtet, vom Wort „leichtsinnig“ [im Hebräischen]. Das bedeutet, dass der Mensch diese Arbeit nicht respektiert und die Zeit, die er im Glauben dienen muss, als einen Zustand der Niedrigkeit bezeichnet. Das heißt, er versteht, dass diese Arbeit für Frauen und Kinder ist, aber nicht für intelligente und scharfsinnige Menschen. |
27 | Sie hingegen wollen alles, was sie sehen, was in der Welt geschieht, verstehen – es soll ihrem Geschmack und ihrem Sinn entsprechen. Und wenn sie etwas tun sollen, ohne zu erkennen, dass es ihnen nützt, wie könnten sie da zustimmen, Handlungen zu vollziehen, die zu törichten Menschen passen – also zu Menschen, die weder über ihre Gedanken noch über ihre Taten einen kritischen Sinn haben? | מה שאין כן הם צריכים להבין את כל מה שהם רואים, מה שמתרחש בעולם, יהיה לפי טעמם ורוחם. ומה שהם צריכים לעשות משהו, אם הם לא רואים, שזה לא לטובתם, איך הם יכולים להסכים לעשות מעשים, שמתאימים לאנשים טפשים, היינו לאנשים שאין להם חוש הבקורת לא על מחשבותיהם ולא על מעשיהם. | Umgekehrt müssen sie alles, was sie in der Welt sehen, verstehen, damit es ihrer Sichtweise und ihrem Geist entspricht. Und wenn sie Bedarf an etwas haben, aber nicht sehen, dass es zu ihrem Vorteil ist, wie können sie dann zustimmen, Dinge zu tun, die für Narren geeignet sind, also für Menschen, die ihre Gedanken und Handlungen nicht hinterfragen? |
28 | Deshalb bemühen sie sich immer, sich nicht auf solche Dinge einzulassen. Und wenn sie sich manchmal doch auf die Arbeit über dem Verstand einlassen, weil sie keine Wahl haben – der Verstand bleibt ihnen ja fern –, so sehnen sie sich die ganze Zeit danach und fragen: „Wann kann ich mich von solchen Zuständen befreien? Es passt doch nicht zu uns, gleichsam in der Luft zu leben, wo der Verstand bei allem, was man tut, nicht begreift, wozu es nötig ist und wohin es führen soll.“ Er will eine Stufe erreichen, auf der er über das gewöhnliche Volk erhaben ist. | ומשום זה הם משתדלים תמיד לא להכנס בענינים כאלו. ואם לפעמים שבאים להם להכנס בעבודה שלמעלה מהדעת מטעם שאין לו ברירה, הלא הדעת הוא ממנו והלאה, אבל הוא משתוקק כל הזמן, מתי אני אוכל להשתחרר ממצבים כאלו, הלא איננו מתאים לנו לחיות באויר, שאין השכל מבין כל דבר שהוא עושה, שיהיה בזה צורך, למה שהוא רוצה להגיע, הוא רוצה להגיע לדרגה, שיהיה מורם מעם. | Aus diesem Grund prüfen sie immer, solche Angelegenheiten zu vermeiden. Wenn sie manchmal über dem Verstand arbeiten, weil sie keine andere Wahl haben, weil die Vernunft weit von ihnen entfernt ist, warten sie ständig darauf, dass sie von solchen Zuständen befreit werden können. Schließlich ist es unschicklich, in der Luft zu leben, wenn der Verstand nicht alles, was er tut, als notwendig für das begreift, was er erreichen will, und er will eine Stufe erreichen, auf der er zu den Prominenten in der Öffentlichkeit gehört. |
29 | Wenn er auf die Menge blickt, wie sie sich ohne jede kritische Prüfung mit Tora und Mizwot befasst, sagt er über sie: Dass sie alles mit Begeisterung erfüllen und auf jede Einzelheit und Feinheit achten können, rührt daher, dass ihnen der kritische Sinn fehlt. Darum können sie so mit geschlossenen Augen gehen. Das heißt: Hätten sie ein wenig Verstand, so wären auch sie wie ich. Ich erfülle nämlich Tora und Mizwot, doch ich sehe, dass diese Arbeit nicht zu mir passt – aber ich habe keine Wahl, denn sonst hätte ich gar keine Verbindung zum Judentum; und deshalb geschieht bei mir alles unter Zwang und ohne Verlangen. | שהוא מסתכל על הכלל, איך שהם עוסקים בתו"מ בלי שום בקורת, הוא אומר עליהם, שזהו, שיכולים לקיים הכל בהתלהבות, ולדקדק בכל פרטיה ודקדוקיה, הוא מחוסר חוש הבקורת. לכן הם מסוגלים ללכת כך בעינים עצומות. זאת אומרת, אם היה להם קצת שכל, אז הם היו גם כן כמוני. היינו, שאני מקיים תו"מ, אבל אני רואה, שעבודה זו לא מתאימה לי, אבל אין ברירה, אחרת אני, שאין לי שום קשר עם יהדות, ומשום זה הכל אצלי בכפיה ובלי רצון. | Wenn er sich die Öffentlichkeit anschaut, wie sie sich kritiklos mit Tora und Mizwot beschäftigt, sagt er über sie, dass sie alles mit Begeisterung einhalten und bei jedem Detail akribisch sein können, weil sie keinen Sinn für Kritik haben. Deshalb können sie so sein – mit geschlossenen Augen. Wenn sie ein bisschen Verstand hätten, wären sie wie ich. Das heißt, ich befolge die Tora und die Mizwot, aber ich sehe, dass diese Arbeit für mich unpassend ist. Ich habe aber keine Wahl, denn sonst habe ich keine Verbindung zum Judentum, und deshalb wird für mich alles erzwungen und unfreiwillig sein. |
30 | Solange ich vergesse, dass ich über dem Verstand gehe, kann ich daher alles wie die Menge tun. Doch sobald mir die Gedanken kommen, auf welcher Grundlage mein ganzes Judentum errichtet ist, und ich meinem Körper antworten muss, dass es nur auf der Stufe von „Er hängt die Erde über dem Nichts“ beruht, da kann er sich nicht überwinden und sagen, dass die eigentliche Grundlage des Judentums gerade auf der Stufe des Glaubens über dem Verstand errichtet ist. Und gerade jetzt kann ich das Gebot des Glaubens erfüllen, denn jetzt sieht er, dass er keinerlei Grundlage hat. In der Regel aber fällt der Mensch und bleibt unter der Last dieser Fragen liegen. | ומשום זה, כל זמן שאני שוכח, שאני הולך למעלה מהדעת, אני מסוגל לעשות הכל כמו הכלל. אבל בזמן שבאות לי המחשבות, על איזה בסיס נבנתה כל היהדות שלי, ואני צריך לענות להגוף שלי, שזהו רק על בחינת "תולה ארץ על בלימה", הוא לא יכול להתגבר ולומר, שעיקר בסיס היהדות נבנה דוקא על בחינת אמונה למעלה מהדעת. ודוקא עכשיו אני יכול לקיים את מצות אמונה, מטעם כי עכשיו הוא רואה, שאין לו שום בסיס. אבל בדרך כלל האדם נופל ורובץ תחת משאו של השאלות האלו. | Aus diesem Grund kann ich, solange ich vergesse, dass ich über den Verstand gehe, alles wie die anderen Menschen tun. Aber wenn ich auf den Gedanken komme, auf welcher Grundlage mein Judentum aufgebaut ist, und ich meinem Körper antworten muss, dass es nur so ist wie in „Die Erde hängt am Nichts“, kann ich dies nicht überwinden und sagen, dass das Fundament des Judentums genau auf dem Glauben über dem Verstand beruht. Und gerade jetzt kann ich das Gebot des Glaubens halten, denn jetzt sehe ich, dass ich keine Grundlage habe. Aber normalerweise bricht der Mensch unter der Last dieser Fragen zusammen und bleibt liegen. |
31 | In Wahrheit ist dies die Frage des Pharao, des Königs von Ägypten, der sagte: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?“ Deshalb sagt der Mensch, dass der Weg des Glaubens, den der Schöpfer uns zur Arbeit gegeben hat, niemals zum Erfolg führen werde. Hätte der Schöpfer auf seine Stimme gehört, so hätte Er uns auf der Grundlage des Wissens arbeiten lassen müssen und nicht des Glaubens. Dann hätten sich gewiss viele Menschen hinzugesellt, die Tora und Mizwot erfüllen. Auf diesem Weg des Glaubens hingegen gibt es viele Menschen, die zwar diese Arbeit begonnen haben, dann aber vom Schlachtfeld fliehen. | שבאמת זוהי שאלת פרעה מלך מצרים, שאמר "מי ה' אשר אשמע בקולו". ומשום זה אומר האדם, שהדרך של האמונה, שנתן ה', שנעבוד על דרך זו, הדרך הזו לא תצליח לעולם. ואם הקב"ה היה שומע בקולו, היה צריך לתת שנעבוד על בסיס של ידיעה ולא אמונה. ובטח שהיו מתוספים הרבה אנשים, שיקיימו תו"מ. מה שאין כן בדרך זו של אמונה, יש הרבה אנשים, אפילו שהתחילו בעבודה זו, אז הם בורחים מהמערכה. | Das ist die Frage des Pharaos, des Königs von Ägypten, der sagte: „Wer ist der Ewige, dass ich seiner Stimme gehorchen soll?“ Aus diesem Grund sagt der Mensch, dass der Weg des Glaubens, den der Schöpfer uns zur Arbeit gegeben hat, auf diesem Weg niemals gelingen wird. Wenn der Schöpfer nur auf mich gehört hätte, dann hätte Er uns auf der Grundlage von Wissen arbeiten lassen und nicht auf der Grundlage des Glaubens. Sicherlich würden sich viele Menschen daran beteiligen, Tora und Gebote zu halten. Aber auf diese Weise, auf den Glauben hin, gibt es viele Menschen, die, obwohl sie diese Arbeit begonnen haben, der Schlacht entgangen sind. |
32 | Und mein Vater und Lehrer, Baal HaSulam seligen Andenkens, sagte: Dass der Schöpfer, gesegnet sei Er, gewählt hat, dass wir den Weg des Glaubens gehen, liegt nicht daran, dass der Mensch auf niedriger Stufe stünde und man ihn deshalb nur auf dem Weg des Glaubens führen könnte. Vielmehr ist es der erfolgreichste Weg. Darum wählte der Schöpfer diesen Weg, damit sie die Ordnung ihrer Arbeit auf sich nehmen, durch die sie die Fähigkeit erlangen, zum Ziel zu gelangen, das „Seinen Geschöpfen Gutes tun“ heißt: dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen und zugleich in höchster Dwekut (Anhaftung) sind, also in Gleichheit mit dem Schöpfer. Und obwohl die Geschöpfe das nicht verstehen, ist es doch die Wahrheit. | ואאמו"ר זצ"ל אמר, זה שהבורא יתברך בחר שנלך בדרך האמונה, אינו מטעם שהאדם הוא בנחות דרגה, לכן אי אפשר לו לנהג אותו, אלא בדרך האמונה. אלא שהיא דרך המוצלחת ביותר. לכן בחר ה' בדרך זה, שיקבלו עליהם את סדר העבודה שלהם, שעל ידי זה תהיה להם היכולת, שיוכלו להגיע להמטרה, הנקרא "להטיב לנבראיו", שהנבראים יקבלו טוב ועונג, וגם יהיו בתכלית הדביקות, היינו בהשתוות ה'. והגם שהנבראים לא מבינים את זה, אבל זהו האמת. | Baal HaSulam sagte, dass der Schöpfer beschlossen hat, dass wir den Weg des Glaubens gehen sollen, nicht weil der Mensch von minderer Stufe ist, so dass er nur auf dem Weg des Glaubens geführt werden kann. Vielmehr ist dies der erfolgreichste Weg. Deshalb hat der Schöpfer diesen Weg gewählt, damit sie die Ordnung ihrer Arbeit auf sich nehmen, durch die sie in der Lage sind, das Ziel zu erreichen, das „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ heißt, damit die Geschöpfe Freude und Genuss empfangen und auch in vollkommener Dwekut, also in Gleichheit mit dem Schöpfer, sind. Und obwohl die Geschöpfe das nicht verstehen, ist das die Wahrheit. |
33 | Aus dem Gesagten folgt: Obwohl der Glaube etwas Niedriges und Leichtes ist – das Wort „leicht“ haben wir im Sinne von „Leichtfertigkeit“ gedeutet, dass man ihn also gering achtet –, ist er gleichwohl der Weg, auf dem man das Ziel erfolgreich erreichen kann. | ובהאמור יוצא, שהגם שענין האמונה הוא דבר השפל וקל, שענין קלות פירשנו מלשון "קלות דעת", היינו שלא מחשיבים אותה, מכל מקום היא הדרך שעליה יכולים להצליח להגיע להמטרה. | Deshalb folgt daraus, dass der Glaube zwar eine leichte und niedrige Angelegenheit ist, und wir schlussfolgern, dass die Leichtigkeit von der Leichtsinnigkeit kommt, was bedeutet, dass sie nicht geschätzt wird, aber sie ist dennoch der Weg, mit dem wir das Ziel erreichen können. |
34 | Damit verstehen wir, was Rashi erklärt: „Wenn ihr die leichten Mizwot hört, die der Mensch mit seinen Fersen tritt“ – gemeint ist die Stufe des Glaubens, die der Mensch mit den Fersen tritt. Auf sie sollt ihr hören, dann werdet ihr Gefäße haben, mit denen ihr das Ziel erreichen könnt. | ובזה נבין מה שפרש רש"י "אם מצות קלות, שאדם דש בעקביו, תשמעון", היינו כוונתו אל בחינת אמונה, שהאדם דש בעקביו, על זה תשמעון, אז יהיה לכם כלים, שתוכלו להגיע להמטרה. | So werden wir verstehen, was RASHI interpretiert: „Wenn du die leichten Gebote [Mizwot] befolgst, die ein Mensch mit seinen Füßen tritt, wirst du zuhören; über das.“ Das heißt, er bezog sich auf den Glauben, den ein Mensch mit seinen Fersen zertritt. Du wirst darauf hören und dann wirst du die Kelim [Werkzeuge] haben, um das Ziel zu erreichen. |
35 | Und so erklärt Rashi: „‚Und Er wird bewahren‘: Er wird Sein Versprechen halten.“ Das heißt: Die Bedingung, die Er gestellt hat, dient nicht dem Vorteil des Schöpfers, wie es bei Menschen aus Fleisch und Blut üblich ist, die etwas unter Bedingungen geben, die dem Geber zugutekommen. Beim Schöpfer hingegen zielt die Bedingung „wenn du die leichten Mizwot bewahrst“ auf den Vorteil des Menschen: Gerade dadurch kann der Mensch zur Vollkommenheit gelangen und das erlangen, was im Schöpfungsgedanken für ihn bereitliegt. | וזהו שפרש רש"י "ושמר: ישמור הבטחתו". זאת אומרת, שהתנאי שהתנה, אינו מטעם שהוא לטובת הבורא, כדרך בשר ודם, שנותן משהו על תנאים, שהוא לטובת הנותן. מה שאין כן לגבי הבורא, שהתנאים, אם תשמור מצות קלות, כוונתו לטובת האדם, שדוקא על ידי זה האדם יכול להגיע לשלימות, ויזכה למה שמוכן לו מצד מחשבת הבריאה. | Das ist es, was RASHI interpretiert: „Und halten – wird sein Versprechen halten.“ Das bedeutet, dass die Bedingung, die der Schöpfer gestellt hat, nicht um des Schöpfers willen ist, wie es bei Menschen aus Fleisch und Blut der Fall ist, die Bedingungen zugunsten des Gebenden stellen. Aber bei dem Schöpfer liegt der Bedingung, die leichten Mizwot einzuhalten, die Absicht zugrunde, dass der Mensch dadurch die Vollkommenheit erreicht und mit dem belohnt wird, was im Schöpfungsgedanken für ihn vorbereitet ist. |
36 | Nach dem Gesagten erklären wir nun, was wir gefragt haben: | ובהאמור נבאר מה ששאלנו: | Jetzt können wir erklären, was wir gefragt haben: |
37 | 1. Warum gibt der Schöpfer dem Menschen keine Hilfe, solange der Böse Trieb ihn überwältigt, sondern wartet, bis der Mensch die Arbeit der Überwindung beginnt, und gibt ihm erst danach Seine Hilfe, wie die Weisen sagten: „Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde [, könnte er ihn nicht überwinden]“? Es gleicht dem Fall, dass ein Mensch eine schwere Last schleppt und nicht die Kraft hat, sie zu tragen. Dann bittet er um Hilfe, und es kommen Leute und helfen ihm. Bittet er aber nicht um Hilfe, kommt niemand, ihm beizustehen. Das lässt sich von Mensch zu Mensch sagen. Doch beim Schöpfer – warum sollte Er warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt und zum Schöpfer schreit, dass Er ihm helfe, wo der Schöpfer doch weiß, dass der Mensch den Bösen Trieb nicht allein besiegen kann, weil der Schöpfer ihm diese Kraft nicht gegeben hat? | א. מדוע הקב"ה לא נותן עזרה לאדם, בזמן שהיצר הרע מתגבר עליו, אלא הוא מחכה עד שהאדם יתחיל בעבודה דהתגברות, ואח"כ הוא נותן לו את עזרתו, כמו שאמרו חז"ל "אלמלא אין הקב"ה עוזרו". וזה הוא כדוגמא, שאדם סוחב איזה משא כבד ואין לו כח לסחוב. אז האדם מבקש עזרה, ואז באים אנשים ועוזרים לו. מה שאין כן כשאינו מבקש עזרה, אין אף אחד יבוא לעזרתו. זה שייך לומר בין אדם לחבירו. אבל אצל הקב"ה, למה לו לחכות עד שהאדם יתחיל בעבודה ויצעוק לה' שיעזור לו, בו בזמן שה' יודע, שאינו מסוגל לבד לנצח את היצר הרע, מטעם שהקב"ה לא נתן כח הזה לאדם. | 1) Warum hilft der Schöpfer einem Menschen nicht, wenn der Böse Trieb ihn überwältigt, sondern wartet, bis ein Mensch die Arbeit der Überwindung beginnt, und hilft ihm erst dann, wie unsere Weisen sagten, „wenn der Schöpfer ihm nicht hilft“? Es ist wie bei einem Menschen, der eine schwere Last trägt, die er nicht tragen kann, also bittet er um Hilfe und die Menschen kommen und helfen ihm. Aber wenn er nicht um Hilfe bittet, kommt niemand, um ihm zu helfen. Das gilt für die Beziehung zwischen den Menschen. Aber warum sollte der Schöpfer darauf warten, dass ein Mensch mit der Arbeit beginnt und zum Schöpfer schreit, um ihm zu helfen, wenn der Schöpfer weiß, dass er den Bösen Trieb nicht aus eigener Kraft überwinden kann, da der Schöpfer ihm nicht die Kraft dazu gegeben hat? |
38 | 2. Und was ist der Grund, dass der Schöpfer ihm nicht die Kraft gab, sich selbst zu überwinden, sondern ihm gleichsam sagte: „Ich habe dir die Wahl gegeben, den Bösen Trieb zu besiegen“? Man muss doch sagen, dass der Schöpfer ihm die Kraft gab, das Böse zu überwinden. Zugleich aber sagt man, dass der Mensch ohne die Hilfe des Schöpfers ihn nicht besiegen kann. Das sind also zwei einander widersprechende Aussagen. | ב. ומה הוא הטעם, שלא נתן לו הקב"ה את הכח, שיוכל להתגבר בעצמו, אלא כאילו אמר לו, אני נתתי לך בחירה לנצח את היצר הרע. בטח צריכים לומר, שה' נתן לו הכח להתגבר על הרע. ויחד עם זה אומרים, שבלי עזרת ה' אין האדם מסוגל לנצח אותו. אם כן הם שני דברים מנוגדים זה את זה. | 2) Was ist der Grund dafür, dass der Schöpfer ihm nicht die Kraft gegeben hat, sich selbst zu überwinden, sondern ihm anscheinend gesagt hat: „Ich habe dir die Wahl gegeben, den Bösen Trieb zu überwinden“? Wir sollten sagen, dass der Schöpfer ihm die Kraft gegeben hat, das Böse zu überwinden, und gleichzeitig sagen wir, dass ein Mensch es ohne die Hilfe des Schöpfers nicht überwinden kann. Daraus folgt, dass sich diese beiden Angelegenheiten gegenseitig widersprechen. |
39 | Diese beiden Fragen verstehen wir zusammen mit den zwei Fragen, die wir gestellt haben: | וב' שאלות האלו נבין עם ב' שאלות ששאלנו: | Wir werden diese beiden Fragen mit den beiden Fragen, die wir gestellt haben, verstehen: |
40 | 1. Wenn der Mensch die kleinste Stufe im Spirituellen erlangt, empfindet er dabei mehr Genuss als bei allen körperlichen Genüssen – wie oben in den Worten des ARI, seligen Andenkens. Denn aller große Geschmack, den wir an den körperlichen Genüssen finden – wir sehen ja, dass die ganze Welt ihnen nachjagt und aus ihnen Befriedigung im Leben gewinnt –, und aller Genuss, der in ihnen ist, fließt aus der Kedusha. Denn durch das Zerbrechen der Gefäße und die Sünde Adam haRishons (des ersten Menschen) am Baum der Erkenntnis fielen heilige Funken in die Klipot. Dieses Licht wird im heiligen Sohar „Nehiru Dakik“ genannt, das herabkam, um die Klipot zu beleben. Daraus fließen, wie gesagt, alle körperlichen Genüsse. Und von der kleinsten Stufe im Spirituellen, die Kedusha ist und in der die Essenz des Lichts liegt, wird er gewiss Befriedigung schöpfen und keinerlei Bedarf an Gadlut haben. Wer also sollte ihm sagen, dass er Gadlut braucht? | א. כשהאדם יזכה למדרגה הכי קטנה ברוחניות, הוא מרגיש בזה יותר תענוג מכל תענוגים הגשמיים, כנ"ל בדברי האר"י ז"ל, שכל מה שאנו מוצאים טעם גדול בתענוגים הגשמיים, שאחרי תענוגים האלה אנו רואים, שכל העולם רצים אחריהם, ומקבלים מהם סיפוק בחיים, וכל התענוג שנמצא בהם נמשך מקדושה, שע"י שבירת הכלים וחטא של אדם הראשון בעץ הדעת, נפלו ניצוצין קדישין לתוך הקליפות. והאור הזה מכונה בזה"ק בשם "נהיר דקיק", שירד להחיות הקליפות. ומזה נמשך כל התענוגים הגשמיים כנ"ל. ודרגה הכי קטנה ברוחניות, שהיא קדושה, ששם עצם האור, בטח שיקח סיפוק מזה, ולא יהיה לו שום צורך לגדלות. אם כן מי יגיד לו שהוא צריך גדלות. | 1) Wenn ein Mensch mit der kleinsten Stufe in der Spiritualität belohnt wird, empfindet er darin einen größeren Genuss als alle körperlichen Freuden, wie es in den Worten des ARI heißt, dass all die großen Genüsse, die wir in den körperlichen Freuden finden – und wir sehen, dass die ganze Welt diesen Genüssen nachjagt und durch sie Befriedigung in ihrem Leben empfängt – dass all diese Genüsse von der Kedusha kommen, als durch das Zerbrechen der Gefäße und die Sünde Adam haRishons beim Baum der Erkenntnis die heiligen Funken in die Klipot [unreinen Kräfte] fielen. Der heilige Sohar nennt dieses Licht „dünnes Licht“, das herabkam, um die Klipot zu erhalten. Alle körperlichen Genüsse gehen davon aus, und die kleinste Stufe des Spirituellen, die Kedusha, in der die Essenz des Lichts zu finden ist, wird ihn mit Sicherheit befriedigen und er wird keinen Bedarf an Gadlut [Größe/Erhabenheit] haben. Wer wird ihm also sagen, dass er Bedarf an Gadlut hat? |
41 | 2. Und woher nimmt er so große Kräfte, dass er die großen Genüsse mit der Absicht zu geben empfangen kann – andernfalls bereit ist, auf sie zu verzichten? | ב. ומאין יקח כוחות כל כך גדולים, שתהיה ביכולתו לקבל את התענוגים הגדולים בעמ"נ להשפיע, אחרת הוא יהיה מוכן לוותר עליהם. | 2) Woher wird er so große Kräfte nehmen, dass er in der Lage sein wird, die großen Genüsse zu empfangen, um sie zu geben, oder wird er bereit sein, sie aufzugeben? |
42 | Nach dem Gesagten gilt: „Es gibt kein Licht ohne ein Gefäß, das heißt keine Füllung ohne einen Mangel.“ Deshalb muss der Mensch mit der Arbeit beginnen. Wenn er den Bösen Trieb überwinden will und es nicht kann, wird er zu einem, der einen Mangel hat. Und wenn er sieht, dass er nicht überwinden kann, bittet er den Schöpfer um Hilfe. Dann kann der Schöpfer die Füllung geben, weil der Mensch nun bereits ein Gefäß hat, um die Füllung zu empfangen. | ובהאמור, היות "שאין אור בלי כלי, היינו, אין מילוי בלי חסרון". ומשום זה מוכרח האדם להתחיל בעבודה. וכשהוא רוצה להתגבר על היצר הרע ואינו יכול, אז הוא נעשה בעל חסרון. וכשרואה, שאין הוא מסוגל להתגבר, אז הוא מבקש עזרה מה', אז הקב"ה יכול לתת מילוי, היות שכבר יש לו כלי לקבל מילוי. | Daraus folgt: Da es kein Licht ohne Kli gibt, also keine Füllung ohne Mangel, muss der Mensch aus diesem Grund die Arbeit beginnen. Wenn er den Bösen Trieb überwinden will, aber nicht kann, wird er mangelhaft. Wenn er sieht, dass er ihn nicht überwinden kann, bittet er den Schöpfer um Hilfe. Zu diesem Zeitpunkt kann der Schöpfer die Füllung geben, weil er bereits ein Kli hat, um die Füllung zu empfangen. |
43 | Der Grund, dass der Schöpfer ihm nicht die Kraft gab, sich selbst zu überwinden, ist folgender: Sobald der Mensch irgendeine Füllung hat, begnügt er sich mit dem, was er besitzt. So hätte der Mensch keinen Bedarf, den NaRaNChaY der Seele zu erlangen. Dadurch aber, dass der Schöpfer ihm hilft, geschieht es, wie im heiligen Sohar geschrieben steht: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man. Und er fragt: Womit hilft man ihm? Und er antwortet: Mit einer heiligen Seele (Nishmata Kadisha). Hat er es verdient, gibt man ihm Nefesh; verdient er mehr, gibt man ihm Ruach.“ | והטעם שהקב"ה לא נתן לו כח להתגבר בעצמו הוא, היות שהאדם, כשיש איזה מילוי, אז הוא מסתפק במה שיש לו. נמצא, שאין להאדם צורך לזכות בנרנח"י של הנשמה, ועל ידי זה שהקב"ה עוזרו, הוא כמו שכתוב בזה"ק "הבא לטהר מסייעין אותו. ושואל, במה מסייעין אותו. ומשיב, בנשמתא קדישא. וזכה, נותנים לו נפש. וזכה יתיר, נותנים לו רוח". | Der Grund dafür, dass der Schöpfer ihm nicht die Kraft gegeben hat, sich selbst zu überwinden, liegt darin, dass der Mensch sich mit dem zufrieden gibt, was er hat, wenn er eine Füllung hat. Dann hat der Mensch keinen Bedarf, mit NaRaNCHaY der Seele belohnt zu werden, indem der Schöpfer ihm hilft, wie es im Heiligen Sohar geschrieben steht: „Dem, der kommt, um sich zu reinigen, wird geholfen. Und er fragt: ‚Womit wird ihm geholfen?‘ Er antwortet: ‚Mit einer heiligen Seele.‘ Wenn er belohnt wird, erhält er Nefesh. Wenn er mehr belohnt wird, erhält er Ruach.“ |
44 | Dass er Beistand von oben empfängt, ist also der Grund, dass in ihm der Bedarf entsteht, seinen NaRaNChaY heranzuziehen. Jedes Mal nämlich, wenn er sein Böses überwinden will und es nicht kann, hilft ihm der Schöpfer mit einer heiligen Seele. Könnte der Mensch dagegen aus eigener Kraft überwinden, woher käme ihm dann das Verlangen und der Bedarf, den Schöpfer zu bitten, ihm eine höhere Stufe zu geben als die, die er hat? | נמצא, שעל ידי זה שמקבל סיוע מלמעלה, הוא הגורם שיהיה לו צורך להמשיך את הנרנח"י שלו. היינו, שכל פעם שהוא רוצה להתגבר על הרע שלו ואינו יכול, אז הקב"ה עוזרו עם נשמתא קדישא. מה שאין כן אם האדם היה יכול להתגבר בעצמו, מאיפה היה לו רצון וצורך לבקש מה', שיתן לו איזו דרגה יותר גבוהה ממה שיש לו. | Daraus folgt, dass er, wenn er Hilfe von oben empfängt, Bedarf hat, seine NaRaNCHaY zu erweitern. Das heißt, jedes Mal, wenn er sein Böses überwinden will, aber nicht kann, hilft ihm der Schöpfer mit einer heiligen Seele. Wenn der Mensch aber aus eigener Kraft überwinden könnte, woher hätte er dann den Bedarf, den Schöpfer zu bitten, ihm eine höhere Stufe zu geben als die, die er hat? |
45 | Jetzt jedoch, wo er den Schöpfer bittet, ihm Hilfe zu geben, bittet er nicht um Stufen, sondern einfach darum, nicht unter der Herrschaft des Bösen zu stehen. Was der Mensch will, ist also, dass der Schöpfer ihm hilft, damit er die Kraft hat, die Absicht zu geben auszurichten, und nicht im Bereich der Sitra Achra (der anderen Seite) ist, sondern im Bereich der Kedusha sein will. Das bedeutet: Sein ganzes Begehren gilt einzig dem Geben an den Schöpfer; nur das fehlt ihm, und keine hohen Stufen, sondern in äußerster Schlichtheit ein Diener des Schöpfers zu sein und nicht ein Diener seiner selbst. Doch diese Kraft, um die er den Schöpfer bittet – wenn der Schöpfer ihm hilft, sagt der heilige Sohar, geschieht es durch den Beistand einer heiligen Seele. Und jeder einzelne Beistand erfolgt durch eine Seele, die der Schöpfer ihm gibt. Dadurch geht er von Stufe zu Stufe, bis er die Vollkommenheit der Seele erlangt, die NaRaNChaY heißt. | מה שאין כן עכשיו, שהוא מבקש מה', שיתן לו עזרה, אין הוא מבקש מדרגות, אלא פשוט הוא מבקש מה', שלא יהיה תחת שליטת הרע. נמצא, מה שהאדם רוצה שה' יעזור לו, שיהיה לו הכח לכוון בעמ"נ להשפיע, ולא יהיה ברשות הסטרא אחרא, רק שהוא רוצה להיות ברשות הקדושה, שפירושו, שכל חשקו יהיה אך ורק להשפיע לה', ורק זה חסר לו, ולא שום מדרגות גבוהות, אלא פשוט בתכלית הפשיטות להיות עובד ה' ולא עובד את עצמו, אבל הכח הזה שהוא מבקש מה', וכשה' עוזר לו, אומר הזה"ק, הוא ע"י סיוע של נשמתא קדישא. וכל סיוע וסיוע הוא ע"י נשמה, שה' נותן לו. לכן על ידי זה הוא הולך מדרגה לדרגה, עד שמשיג את השלימות של הנשמה, הנקראת נרנח"י. | Aber jetzt, wo er den Schöpfer um Hilfe bittet, fragt er nicht nach Stufen. Er bittet den Schöpfer lediglich darum, nicht vom Bösen beherrscht zu werden. Es stellt sich heraus, dass der Grund, warum der Mensch den Schöpfer darum bittet, ihm zu helfen, die Kraft hat, die Absicht zu haben, um zu geben und nicht im Bereich der Sitra Achra [aramäisch: andere Seite] zu sein, sondern dass er im Bereich der Kedusha [Heiligkeit] sein will, was bedeutet, dass sein einziger Wunsch sein wird, dem Schöpfer zu geben, und das ist alles, was er braucht, und nicht irgendwelche hohen Stufen, sondern einfach dem Schöpfer zu dienen und nicht sich selbst, das ist die Kraft, die er vom Schöpfer verlangt. Wenn der Schöpfer ihm hilft, sagt der Heilige Sohar, dann mit der Hilfe einer heiligen Seele. Jede Hilfe erfolgt durch eine Seele, die der Schöpfer ihm gibt. Deshalb geht er von Stufe zu Stufe, bis er die Erlangung der Seele, die NaRaNCHaY genannt wird, erreicht hat. |
46 | Damit versteht man, was die Weisen sagten: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn Tag für Tag.“ Es stellt sich die Frage: Wozu muss der Böse Trieb sich Tag für Tag erheben, wenn der Mensch bereits Beistand vom Schöpfer empfangen und ihn besiegt hat? Wozu muss er erneut zum Menschen kommen, und welchen Nutzen hat es, dass er Tag für Tag kommt? | ובזה מובן מה שאמרו חז"ל "יצרו של אדם מתגבר בכל יום". ומתעוררת השאלה, ובשביל מה צריך להיות התגברות של היצר הרע בכל יום, אם כבר קבל סיוע מה' ונצח אותו. בשביל מה הוא צריך לבוא עוד הפעם להאדם, ולאיזו תועלת הוא בא בכל יום. | Jetzt verstehen wir, was unsere Weisen sagten: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag.“ Das wirft die Frage auf: „Warum muss er den Bösen Trieb jeden Tag überwinden, wenn er bereits Hilfe vom Schöpfer empfangen und ihn besiegt hat? Warum muss er den Menschen erneut heimsuchen? Und zu welchem Zweck kommt er jeden Tag?“ |
47 | Nach dem Gesagten versteht man es so: Da der Mensch durch die Hilfe, die er vom Schöpfer empfängt, die Stufe einer Seele empfängt, empfängt er bei jeder Überwindung, bei der er sich überwinden und reiner werden will, dadurch die Stufe einer Seele. Darum sind diese Überwindungen der Grund, dass der Mensch die Stufe NaRaNChaY seiner Seele erlangen kann. | ובהאמור מובן, שהיות שע"י העזרה שמקבל מה', הוא מקבל בחינת נשמה, נמצא שבכל התגברות, שהאדם רוצה להתגבר ולהיות יותר זך, הוא מקבל על ידי זה בחינת נשמה. לכן ההתגברויות האלו הם הגורמים שהאדם יכול להשיג את בחינת נרנח"י של נשמתו. | Mit dem oben Gesagten verstehen wir, dass er durch die Hilfe, die er vom Schöpfer empfängt, eine Seele erhält, und dass er bei jeder Überwindung, wenn ein Mensch sich überwinden und reiner werden will, eine Seele erhält. Deshalb bewirken diese Überwindungen, dass der Mensch NaRaNCHaY seiner Seele erlangen kann. |
48 | Und die zweite Frage – woher er die Kraft zur Überwindung nimmt: Sie stammt nicht aus seiner eigenen Kraft, sondern ist die Hilfe, die der Schöpfer gibt, damit er ihn überwinden kann. So zeigt sich, dass durch eine einzige Sache zwei Dinge zugleich korrigiert werden. | ושאלה הב', מאיפה הוא יקח כח התגברות, זהו לא מכוחות עצמו, אלא זהו העזרה שנותן ה', שיוכל להתגבר עליו. נמצא, שע"י דבר אחד יש תיקון לב' דברים. | Und die zweite Frage: „Woher wird er die Kraft nehmen, um sich zu überwinden?“ Es ist nicht seine eigene Kraft. Vielmehr ist dies die Hilfe, die der Schöpfer gibt, damit er ihn überwinden kann. Daraus folgt, dass durch eine einzige Maßnahme zwei Dinge korrigiert werden. |
Rabash – 1986 – Artikel 33 (תשמ״ו – מאמר ל״ג)
„Was sind die Mizwot, die der Mensch mit den Fersen tritt“
Im Wochenabschnitt Ekew steht geschrieben: „Und es wird geschehen, wenn ihr [diese Gebote] hört und sie bewahrt und befolgt, so wird der Schöpfer, dein Gott, dir den Bund und die Gnade bewahren, die Er deinen Vätern geschworen hat.“ Und Rashi erklärt: „‚Und es wird geschehen, wenn ihr hört‘ – wenn ihr die leichten Mizwot hört, die der Mensch mit seinen Fersen tritt, ‚so wird der Schöpfer bewahren‘ usw.: Er wird Sein Versprechen halten.“ So weit seine Worte.
Diese Bedingung, die der Schöpfer gestellt hat, gilt es zu verstehen. Sie besagt: Wenn ihr die leichten Mizwot hört, werde ich die Versprechen erfüllen, die ich den Vätern gegeben habe – andernfalls kann ich sie nicht erfüllen. Denn die Bedingungen, die der Schöpfer setzt, gleichen gewiss nicht denen eines Königs aus Fleisch und Blut, dessen Bedingungen dem Geber zugutekommen. Hier dienen sie ganz sicher den Geschöpfen, denn sonst könnten diese sein Versprechen nicht empfangen. Also müssen wir verstehen, worin die Bedingung der leichten Mizwot besteht.
Um die Bedingung zu verstehen, müssen wir zuerst begreifen, was das Versprechen ist, das der Schöpfer den Vätern gab. Gemeint ist gewiss nichts Körperliches. Das Versprechen war vielmehr, dass der Schöpfer dem Volk Israel gibt, das Ziel der Schöpfung zu erreichen, das „Seinen Geschöpfen Gutes tun“ heißt. Das bedeutet: Die Seelen erlangen die Wurzel ihrer Seele, die in fünf Seelenteile gegliedert ist, NaRaNChaY genannt.
Damit die Seelen empfangen, was für sie zum Empfangen bereitliegt, und beim Empfangen des Guten und des Genusses dabei nicht das Nahama deKisufa (Brot der Scham) verspüren, wurde uns die Arbeit gegeben, die „Arbeit des Gebens“ heißt. Das heißt: Zuerst muss der Mensch sich an diese Arbeit gewöhnen. Und damit es einen Raum der Wahl gibt – damit es also in seiner Hand liegt zu wählen, mit welcher Absicht er Tora und Mizwot erfüllt –, musste es Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung geben; erst dann gibt es einen Raum der Wahl.
Wäre der Genuss jedoch offenbart, müsste er Tora und Mizwot erfüllen, um zu empfangen. Alles, was er täte, geschähe dann nur, um seine Selbstliebe zu sättigen. Denn man könnte nicht sagen, dass er alles mit der Absicht zu geben tut. Sobald nämlich Licht offenbart ist, ist der Genuss größer als alle körperlichen Genüsse.
In der Körperlichkeit sehen wir eine Regel: Je kleiner der Genuss, desto geringer ist auch die Mühe, auf ihn zu verzichten. Man kann nämlich nicht sagen, dass jemand den Genuss, den er empfängt, einzig in der Absicht zu geben empfängt, wenn er gar nicht auf ihn verzichten kann. Er muss sich seiner selbst sicher sein: Kann er nicht in der Absicht empfangen, um zu geben, so ist er bereit, auf den Genuss zu verzichten. Darum gilt: Je kleiner der Genuss, desto leichter fällt der Verzicht.
Deshalb wurde uns der Geschmack von Tora und Mizwot verhüllt, und uns wurde ein Geschmack an den körperlichen Genüssen gegeben. Wir müssen den Worten des heiligen Sohar glauben, dass aller Genuss und alle Freude in den körperlichen Dingen nur ein Nehiru Dakik (sehr feines Licht) ist – also ein im Vergleich zum Licht des Genusses, das in Tora und Mizwot gekleidet ist, äußerst schwaches Licht. Darum ist es möglich, dass der Mensch sich an den körperlichen Genüssen übt und danach bis zu einem gewissen Grad aus Zimzum und Verhüllung heraustreten kann. Dann hat er bereits die Möglichkeit der Wahl, das heißt: Er empfängt diese Freude und diesen Genuss allein deshalb, weil er geben will.
Besteht er danach die Prüfung und empfängt die kleine Stufe, die er in der Arbeit für den Schöpfer erreicht hat, so gibt man ihm eine größere Stufe, um auf ihr die Absicht zu geben auszurichten. So geht er von Stufe zu Stufe, bis er seinen ganzen NaRaNChaY aus der Wurzel seiner Seele erlangt. Und der NaRaNChaY, den der Mensch erlangt, entspricht den 613 Wegen der Tora – den 613 Mizwot der Tora und den sieben Mizwot der Weisen, die zusammen im Zahlenwert 620 Namen ergeben; und das ist dem Menschen zu erlangen gegeben.
Und sieh im Buch „Pri Chacham“ (Frucht des Weisen, Teil 2, Blatt 65), wo es heißt: „So steht im ‚Etz Chaim‘ (Baum des Lebens), dass die Welten allein erschaffen wurden, um die Namen des Schöpfers zu offenbaren. Sieh dort die Schrift, und du wirst verstehen. Du siehst: Seit die Seele herabgestiegen ist, um sich in diese unreine Materie zu kleiden, kann sie nicht mehr zu ihrer Wurzel zurückkehren und sich an ihr anhaften – auf der Stufe ihrer eigenen Welt, wie sie an ihrer Wurzel war, bevor sie in diese Welt kam. Vielmehr ist sie verpflichtet, ihre Statur um das 620-Fache zu vergrößern, wie sie zuvor an der Wurzel war, die das Geheimnis der ganzen Vollkommenheit ist – des ganzen NaRaNChaY bis hin zu Yechida. Darum wird Yechida mit dem Namen Keter (Krone) bezeichnet, um auf die genannte Zahl 620 hinzuweisen.“
Nach dem Gesagten können wir sehen, was das Versprechen ist, das der Schöpfer den Vätern gab, und wie man eine solche Vollkommenheit erlangen kann. Diese Frage stellt sich von zwei Seiten:
1. Der Bedarf an einer so großen Vollkommenheit. Denn es ist bekannt: „Es gibt kein Licht ohne ein Kli (Gefäß), das heißt keine Füllung ohne einen Mangel.“ Damit stellt sich die Frage: Wie können wir überhaupt das Gefühl bekommen, dass uns das Erlangen des NaRaNChaY fehlt? Nach dem, was wir erklärt haben, sind doch alle körperlichen Genüsse, denen die ganze Welt nachjagt, nicht mehr als ein äußerst feiner Funke im Vergleich zum Genuss in der Kedusha (Heiligkeit). Sobald der Mensch auch nur ein kleines Leuchten der Kedusha empfängt, wird er darin große Befriedigung empfinden. Wer also sollte ihm sagen, dass er noch immer einen Mangel hat und das Licht der Yechida erlangen muss – andernfalls gilt er noch nicht als zu seiner Vollkommenheit gelangt? Und wer sollte ihm das kundtun?
2. Wie soll der Mensch fähig sein, so große Genüsse zu überwinden und zu sagen: „Wenn ich das Empfangen dieser Genüsse nicht um des Himmels willen ausrichten kann, verzichte ich auf sie“? Woher nimmt er solche Kräfte? Schon bei den körperlichen Genüssen sehen wir doch, von denen wir sagten, sie seien nur ein Nehiru Dakik – Funken, die in die Klipot (Schalen) gefallen sind –, wie schwer es fällt, sie zu überwinden und zu sagen, dass man auf diese Genüsse verzichtet, wenn man nicht in der Absicht empfangen kann, um zu geben. Und da wir bei den körperlichen Genüssen sehen, dass sie sich in große und kleine teilen, gilt das umso mehr im Spirituellen, wo es viele Stufen und viele Unterscheidungen gibt. So stellt sich die Frage: Woher nimmt der Mensch so große Kräfte zur Überwindung?
Um die beiden genannten Fragen zu verstehen:
1. Woher nimmt er den Bedarf an Gadlut (Erwachsensein)?
2. Woher nimmt er die Kraft, den Verzicht auf die Genüsse durchzuhalten, sodass er sicher sein kann, dass er die Genüsse allein deshalb annimmt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten?
Dazu stellen wir voran, was die Weisen sagten (Traktat Kiddushin 30): „Und Rabbi Shimon ben Levi sagte: ‚Der Trieb des Menschen überwältigt ihn Tag für Tag und sucht ihn zu töten, wie es heißt: «Der Frevler lauert dem Gerechten auf und sucht ihn zu töten.» Und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihn nicht überwinden, wie es heißt: «Gott wird ihn nicht in seiner Hand lassen.»‘“
Wir fragten, dass hier zweierlei schwierig ist:
1. Wenn dem Menschen der Jetzer haRa (Böser Trieb) gegeben wurde, warum liegt es dann nicht in seiner Kraft, ihn zu überwinden, sondern nur der Schöpfer hilft ihm? Freie Wahl bedeutet doch, dass es in der Hand des Menschen liegt zu überwinden. Hier aber heißt es, dass der Mensch keine Wahl hat, aus eigener Kraft zu überwinden, sondern nur mit der Hilfe des Schöpfers; allein kann er es nicht. Es stellt sich die Frage: Warum gab der Schöpfer dem Menschen nicht die Kraft, ihn doch überwinden zu können?
2. Wenn es nicht in der Kraft des Menschen liegt zu überwinden, warum steht dann geschrieben, „dass der Schöpfer ihm hilft“? Das heißt: Der Mensch muss mit der Überwindung beginnen, und wenn er sieht, dass er nicht überwinden kann, dann gibt ihm der Schöpfer die Hilfe. Warum aber gibt der Schöpfer ihm die Hilfe nicht sofort, sobald der Böse Trieb zu ihm kommt? Was bringt es uns denn, dass der Mensch mit der Arbeit beginnt? Denn so oder so liegt es nicht in seiner Kraft zu überwinden.
Warum also muss der Schöpfer warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt, und erst danach kommt die Hilfe? Welchen Nutzen hat dieser Zeitverlust – dass der Schöpfer also wartet, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt? Wer gewinnt durch diesen Zeitverlust? Der Schöpfer hätte die Hilfe doch sofort geben sollen, sobald der Böse Trieb zum Menschen kommt, noch bevor der Mensch mit der Arbeit beginnt. Warum sollte er warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt, und ihm erst danach die Hilfe geben?
Die Sache verhält sich vielmehr so, wie wir in den vorigen Artikeln besprochen haben: Zimzum und Verhüllung dienten der Korrektur der Welt. Andernfalls gäbe es keine Möglichkeit, dass der Mensch überhaupt die Arbeit der Überwindung der Selbstliebe beginnen könnte. Denn von Natur aus beherrscht ihn das Verlangen zu empfangen, und das ist die Hauptachse der Schöpfung. Was danach kommt, ist nur eine Korrektur, um das Verlangen zu empfangen zu korrigieren.
Daraus folgt, dass das Verlangen zu empfangen das Wesentliche ist und die übrigen Dinge, die danach kommen, nur dazu dienen, es zu korrigieren. Das Verlangen zu empfangen bleibt also bestehen, doch es kommen Korrekturen hinzu. Aber wer ist es, der all diese Korrekturen empfängt? Gewiss kein anderer als das Verlangen zu empfangen.
Bekanntlich gilt selbst dort, wo wir von einer Stufe sprechen, deren Verlangen das Verlangen zu geben ist, Folgendes: Das Verlangen zu empfangen, das auf dieser Stufe vorhanden ist, bedient sich nicht seines Verlangens zu empfangen, sondern überwindet sein Verlangen und befasst sich mit dem Verlangen zu geben. Demnach betreffen die Korrekturen, die der Mensch vornehmen muss, allein seine Gefäße des Empfangens – nämlich darauf die Absicht zu geben zu legen. Denn je größer der Genuss ist, desto schwerer fällt es, auf ihn zu verzichten und zu sagen: „Kann ich nicht in der Absicht empfangen, um zu geben, so will ich den Genuss nicht empfangen.“
Deshalb sind hier zwei Dinge zu korrigieren:
1. Awiut (Grobheit), das heißt das Verlangen zu empfangen, soll nicht allzu groß sein – also nicht so groß, dass der Untere es nicht überwinden kann. Deshalb muss man ihm ein kleineres Begehren geben. Und danach, wenn man sieht, dass er einen kleinen Genuss überwinden kann, gibt man ihm einen größeren. Sieht man, dass er auch diesen Genuss überwinden kann, gibt man ihm einen noch größeren, und so fort. Aber wie richtet man das ein?
Darum wurde dem Menschen die Arbeit im Glauben über dem Verstand gegeben. Diese Arbeit erscheint dem Menschen „leicht“ – das Wort hängt mit „Leichtfertigkeit“ (kalut daat) zusammen. Das heißt: Der Mensch achtet diese Arbeit gering, und die Zeit, in der er sich des Glaubens bedienen muss, gilt ihm als ein Zustand der Niedrigkeit. Er meint nämlich, diese Arbeit passe für Frauen und Kinder, nicht aber für Menschen mit Verstand und scharfem Geist.
Sie hingegen wollen alles, was sie sehen, was in der Welt geschieht, verstehen – es soll ihrem Geschmack und ihrem Sinn entsprechen. Und wenn sie etwas tun sollen, ohne zu erkennen, dass es ihnen nützt, wie könnten sie da zustimmen, Handlungen zu vollziehen, die zu törichten Menschen passen – also zu Menschen, die weder über ihre Gedanken noch über ihre Taten einen kritischen Sinn haben?
Deshalb bemühen sie sich immer, sich nicht auf solche Dinge einzulassen. Und wenn sie sich manchmal doch auf die Arbeit über dem Verstand einlassen, weil sie keine Wahl haben – der Verstand bleibt ihnen ja fern –, so sehnen sie sich die ganze Zeit danach und fragen: „Wann kann ich mich von solchen Zuständen befreien? Es passt doch nicht zu uns, gleichsam in der Luft zu leben, wo der Verstand bei allem, was man tut, nicht begreift, wozu es nötig ist und wohin es führen soll.“ Er will eine Stufe erreichen, auf der er über das gewöhnliche Volk erhaben ist.
Wenn er auf die Menge blickt, wie sie sich ohne jede kritische Prüfung mit Tora und Mizwot befasst, sagt er über sie: Dass sie alles mit Begeisterung erfüllen und auf jede Einzelheit und Feinheit achten können, rührt daher, dass ihnen der kritische Sinn fehlt. Darum können sie so mit geschlossenen Augen gehen. Das heißt: Hätten sie ein wenig Verstand, so wären auch sie wie ich. Ich erfülle nämlich Tora und Mizwot, doch ich sehe, dass diese Arbeit nicht zu mir passt – aber ich habe keine Wahl, denn sonst hätte ich gar keine Verbindung zum Judentum; und deshalb geschieht bei mir alles unter Zwang und ohne Verlangen.
Solange ich vergesse, dass ich über dem Verstand gehe, kann ich daher alles wie die Menge tun. Doch sobald mir die Gedanken kommen, auf welcher Grundlage mein ganzes Judentum errichtet ist, und ich meinem Körper antworten muss, dass es nur auf der Stufe von „Er hängt die Erde über dem Nichts“ beruht, da kann er sich nicht überwinden und sagen, dass die eigentliche Grundlage des Judentums gerade auf der Stufe des Glaubens über dem Verstand errichtet ist. Und gerade jetzt kann ich das Gebot des Glaubens erfüllen, denn jetzt sieht er, dass er keinerlei Grundlage hat. In der Regel aber fällt der Mensch und bleibt unter der Last dieser Fragen liegen.
In Wahrheit ist dies die Frage des Pharao, des Königs von Ägypten, der sagte: „Wer ist der Schöpfer, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?“ Deshalb sagt der Mensch, dass der Weg des Glaubens, den der Schöpfer uns zur Arbeit gegeben hat, niemals zum Erfolg führen werde. Hätte der Schöpfer auf seine Stimme gehört, so hätte Er uns auf der Grundlage des Wissens arbeiten lassen müssen und nicht des Glaubens. Dann hätten sich gewiss viele Menschen hinzugesellt, die Tora und Mizwot erfüllen. Auf diesem Weg des Glaubens hingegen gibt es viele Menschen, die zwar diese Arbeit begonnen haben, dann aber vom Schlachtfeld fliehen.
Und mein Vater und Lehrer, Baal HaSulam seligen Andenkens, sagte: Dass der Schöpfer, gesegnet sei Er, gewählt hat, dass wir den Weg des Glaubens gehen, liegt nicht daran, dass der Mensch auf niedriger Stufe stünde und man ihn deshalb nur auf dem Weg des Glaubens führen könnte. Vielmehr ist es der erfolgreichste Weg. Darum wählte der Schöpfer diesen Weg, damit sie die Ordnung ihrer Arbeit auf sich nehmen, durch die sie die Fähigkeit erlangen, zum Ziel zu gelangen, das „Seinen Geschöpfen Gutes tun“ heißt: dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen und zugleich in höchster Dwekut (Anhaftung) sind, also in Gleichheit mit dem Schöpfer. Und obwohl die Geschöpfe das nicht verstehen, ist es doch die Wahrheit.
Aus dem Gesagten folgt: Obwohl der Glaube etwas Niedriges und Leichtes ist – das Wort „leicht“ haben wir im Sinne von „Leichtfertigkeit“ gedeutet, dass man ihn also gering achtet –, ist er gleichwohl der Weg, auf dem man das Ziel erfolgreich erreichen kann.
Damit verstehen wir, was Rashi erklärt: „Wenn ihr die leichten Mizwot hört, die der Mensch mit seinen Fersen tritt“ – gemeint ist die Stufe des Glaubens, die der Mensch mit den Fersen tritt. Auf sie sollt ihr hören, dann werdet ihr Gefäße haben, mit denen ihr das Ziel erreichen könnt.
Und so erklärt Rashi: „‚Und Er wird bewahren‘: Er wird Sein Versprechen halten.“ Das heißt: Die Bedingung, die Er gestellt hat, dient nicht dem Vorteil des Schöpfers, wie es bei Menschen aus Fleisch und Blut üblich ist, die etwas unter Bedingungen geben, die dem Geber zugutekommen. Beim Schöpfer hingegen zielt die Bedingung „wenn du die leichten Mizwot bewahrst“ auf den Vorteil des Menschen: Gerade dadurch kann der Mensch zur Vollkommenheit gelangen und das erlangen, was im Schöpfungsgedanken für ihn bereitliegt.
Nach dem Gesagten erklären wir nun, was wir gefragt haben:
1. Warum gibt der Schöpfer dem Menschen keine Hilfe, solange der Böse Trieb ihn überwältigt, sondern wartet, bis der Mensch die Arbeit der Überwindung beginnt, und gibt ihm erst danach Seine Hilfe, wie die Weisen sagten: „Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde [, könnte er ihn nicht überwinden]“? Es gleicht dem Fall, dass ein Mensch eine schwere Last schleppt und nicht die Kraft hat, sie zu tragen. Dann bittet er um Hilfe, und es kommen Leute und helfen ihm. Bittet er aber nicht um Hilfe, kommt niemand, ihm beizustehen. Das lässt sich von Mensch zu Mensch sagen. Doch beim Schöpfer – warum sollte Er warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt und zum Schöpfer schreit, dass Er ihm helfe, wo der Schöpfer doch weiß, dass der Mensch den Bösen Trieb nicht allein besiegen kann, weil der Schöpfer ihm diese Kraft nicht gegeben hat?
2. Und was ist der Grund, dass der Schöpfer ihm nicht die Kraft gab, sich selbst zu überwinden, sondern ihm gleichsam sagte: „Ich habe dir die Wahl gegeben, den Bösen Trieb zu besiegen“? Man muss doch sagen, dass der Schöpfer ihm die Kraft gab, das Böse zu überwinden. Zugleich aber sagt man, dass der Mensch ohne die Hilfe des Schöpfers ihn nicht besiegen kann. Das sind also zwei einander widersprechende Aussagen.
Diese beiden Fragen verstehen wir zusammen mit den zwei Fragen, die wir gestellt haben:
1. Wenn der Mensch die kleinste Stufe im Spirituellen erlangt, empfindet er dabei mehr Genuss als bei allen körperlichen Genüssen – wie oben in den Worten des ARI, seligen Andenkens. Denn aller große Geschmack, den wir an den körperlichen Genüssen finden – wir sehen ja, dass die ganze Welt ihnen nachjagt und aus ihnen Befriedigung im Leben gewinnt –, und aller Genuss, der in ihnen ist, fließt aus der Kedusha. Denn durch das Zerbrechen der Gefäße und die Sünde Adam haRishons (des ersten Menschen) am Baum der Erkenntnis fielen heilige Funken in die Klipot. Dieses Licht wird im heiligen Sohar „Nehiru Dakik“ genannt, das herabkam, um die Klipot zu beleben. Daraus fließen, wie gesagt, alle körperlichen Genüsse. Und von der kleinsten Stufe im Spirituellen, die Kedusha ist und in der die Essenz des Lichts liegt, wird er gewiss Befriedigung schöpfen und keinerlei Bedarf an Gadlut haben. Wer also sollte ihm sagen, dass er Gadlut braucht?
2. Und woher nimmt er so große Kräfte, dass er die großen Genüsse mit der Absicht zu geben empfangen kann – andernfalls bereit ist, auf sie zu verzichten?
Nach dem Gesagten gilt: „Es gibt kein Licht ohne ein Gefäß, das heißt keine Füllung ohne einen Mangel.“ Deshalb muss der Mensch mit der Arbeit beginnen. Wenn er den Bösen Trieb überwinden will und es nicht kann, wird er zu einem, der einen Mangel hat. Und wenn er sieht, dass er nicht überwinden kann, bittet er den Schöpfer um Hilfe. Dann kann der Schöpfer die Füllung geben, weil der Mensch nun bereits ein Gefäß hat, um die Füllung zu empfangen.
Der Grund, dass der Schöpfer ihm nicht die Kraft gab, sich selbst zu überwinden, ist folgender: Sobald der Mensch irgendeine Füllung hat, begnügt er sich mit dem, was er besitzt. So hätte der Mensch keinen Bedarf, den NaRaNChaY der Seele zu erlangen. Dadurch aber, dass der Schöpfer ihm hilft, geschieht es, wie im heiligen Sohar geschrieben steht: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man. Und er fragt: Womit hilft man ihm? Und er antwortet: Mit einer heiligen Seele (Nishmata Kadisha). Hat er es verdient, gibt man ihm Nefesh; verdient er mehr, gibt man ihm Ruach.“
Dass er Beistand von oben empfängt, ist also der Grund, dass in ihm der Bedarf entsteht, seinen NaRaNChaY heranzuziehen. Jedes Mal nämlich, wenn er sein Böses überwinden will und es nicht kann, hilft ihm der Schöpfer mit einer heiligen Seele. Könnte der Mensch dagegen aus eigener Kraft überwinden, woher käme ihm dann das Verlangen und der Bedarf, den Schöpfer zu bitten, ihm eine höhere Stufe zu geben als die, die er hat?
Jetzt jedoch, wo er den Schöpfer bittet, ihm Hilfe zu geben, bittet er nicht um Stufen, sondern einfach darum, nicht unter der Herrschaft des Bösen zu stehen. Was der Mensch will, ist also, dass der Schöpfer ihm hilft, damit er die Kraft hat, die Absicht zu geben auszurichten, und nicht im Bereich der Sitra Achra (der anderen Seite) ist, sondern im Bereich der Kedusha sein will. Das bedeutet: Sein ganzes Begehren gilt einzig dem Geben an den Schöpfer; nur das fehlt ihm, und keine hohen Stufen, sondern in äußerster Schlichtheit ein Diener des Schöpfers zu sein und nicht ein Diener seiner selbst. Doch diese Kraft, um die er den Schöpfer bittet – wenn der Schöpfer ihm hilft, sagt der heilige Sohar, geschieht es durch den Beistand einer heiligen Seele. Und jeder einzelne Beistand erfolgt durch eine Seele, die der Schöpfer ihm gibt. Dadurch geht er von Stufe zu Stufe, bis er die Vollkommenheit der Seele erlangt, die NaRaNChaY heißt.
Damit versteht man, was die Weisen sagten: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn Tag für Tag.“ Es stellt sich die Frage: Wozu muss der Böse Trieb sich Tag für Tag erheben, wenn der Mensch bereits Beistand vom Schöpfer empfangen und ihn besiegt hat? Wozu muss er erneut zum Menschen kommen, und welchen Nutzen hat es, dass er Tag für Tag kommt?
Nach dem Gesagten versteht man es so: Da der Mensch durch die Hilfe, die er vom Schöpfer empfängt, die Stufe einer Seele empfängt, empfängt er bei jeder Überwindung, bei der er sich überwinden und reiner werden will, dadurch die Stufe einer Seele. Darum sind diese Überwindungen der Grund, dass der Mensch die Stufe NaRaNChaY seiner Seele erlangen kann.
Und die zweite Frage – woher er die Kraft zur Überwindung nimmt: Sie stammt nicht aus seiner eigenen Kraft, sondern ist die Hilfe, die der Schöpfer gibt, damit er ihn überwinden kann. So zeigt sich, dass durch eine einzige Sache zwei Dinge zugleich korrigiert werden.
korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, Ver5