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1986/33 Was sind Gebote, die ein Mensch mit den Füßen tritt

Im Wochenabschnitt Ekew steht geschrieben: „Und es wird geschehen, wenn ihr [diese Gebote] hört und sie bewahrt und befolgt, so wird der Ewige, dein Gott, dir den Bund und die Gnade bewahren, die Er deinen Vätern geschworen hat.“ Und Rashi erklärt: „‚Und es wird geschehen, wenn ihr hört‘ – wenn ihr die leichten Mizwot hört, die der Mensch mit seinen Fersen tritt, ‚so wird der Ewige bewahren‘ usw.: Er wird Sein Versprechen halten.“ So weit seine Worte.

Diese Bedingung, die der Schöpfer gestellt hat, gilt es zu verstehen. Sie besagt: Wenn ihr die leichten Mizwot hört, werde ich die Versprechen erfüllen, die ich den Vätern gegeben habe – andernfalls kann ich sie nicht erfüllen. Denn die Bedingungen, die der Schöpfer setzt, gleichen gewiss nicht denen eines Königs aus Fleisch und Blut, dessen Bedingungen dem Geber zugutekommen. Hier dienen sie ganz sicher den Geschöpfen, denn sonst könnten diese sein Versprechen nicht empfangen. Also müssen wir verstehen, worin die Bedingung der leichten Mizwot besteht.

Um die Bedingung zu verstehen, müssen wir zuerst begreifen, was das Versprechen ist, das der Schöpfer den Vätern gab. Gemeint ist gewiss nichts Körperliches. Das Versprechen war vielmehr, dass der Schöpfer dem Volk Israel gewährt, das Ziel der Schöpfung zu erreichen, das „Seinen Geschöpfen Gutes tun“ heißt. Das bedeutet: Die Seelen erlangen die Wurzel ihrer Seele, die in fünf Seelenteile gegliedert ist, NaRaNChaY genannt.

Damit die Seelen empfangen, was für sie zum Empfangen bereitliegt, und beim Empfangen des Guten und des Genusses nicht das Brot der Schande (Nahama deKisufa) verspüren, wurde uns die Arbeit gegeben, die „Arbeit des Gebens“ heißt. Das heißt: Zuerst muss der Mensch sich an diese Arbeit gewöhnen. Und damit es einen Raum der Wahl gibt – damit es also in seiner Hand liegt zu wählen, mit welcher Absicht er Tora und Mizwot erfüllt –, musste es Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung geben; erst dann gibt es einen Raum der Wahl.

Wäre der Genuss jedoch offenbart, müsste er Tora und Mizwot erfüllen, um zu empfangen. Alles, was er täte, geschähe dann nur, um seine Selbstliebe zu sättigen. Denn man könnte nicht sagen, dass er alles mit der Absicht zu geben tut. Sobald nämlich Licht offenbart ist, ist der Genuss größer als alle körperlichen Genüsse.

In der Körperlichkeit sehen wir eine Regel: Je kleiner der Genuss, desto geringer ist auch die Mühe, auf ihn zu verzichten. Man kann nämlich nicht sagen, dass jemand den Genuss, den er empfängt, einzig in der Absicht zu geben empfängt, wenn er gar nicht auf ihn verzichten kann. Er muss sich seiner selbst sicher sein: Kann er nicht in der Absicht empfangen, um zu geben, so ist er bereit, auf den Genuss zu verzichten. Darum gilt: Je kleiner der Genuss, desto leichter fällt der Verzicht.

Deshalb wurde uns der Geschmack von Tora und Mizwot verhüllt, und uns wurde ein Geschmack an den körperlichen Genüssen gegeben. Wir müssen den Worten des heiligen Sohar glauben, dass aller Genuss und alle Freude in den körperlichen Dingen nur ein Nehiru Dakik (sehr feines Licht) ist – also ein im Vergleich zum Licht des Genusses, das in Tora und Mizwot gekleidet ist, äußerst schwaches Licht. Darum ist es möglich, dass der Mensch sich an den körperlichen Genüssen übt und danach bis zu einem gewissen Grad aus Zimzum und Verhüllung heraustreten kann. Dann hat er bereits die Möglichkeit der Wahl, das heißt: Er empfängt diese Freude und diesen Genuss allein deshalb, weil er geben will.

Besteht er danach die Prüfung und empfängt die kleine Stufe, die er in der Arbeit für den Schöpfer erreicht hat, so gibt man ihm eine größere Stufe, um auf ihr die Absicht zu geben auszurichten. So geht er von Stufe zu Stufe, bis er seinen ganzen NaRaNChaY aus der Wurzel seiner Seele erlangt. Und der NaRaNChaY, den der Mensch erlangt, entspricht den 613 Wegen der Tora – den 613 Mizwot der Tora und den sieben Mizwot der Weisen, die zusammen im Zahlenwert 620 Namen ergeben; und das ist dem Menschen zu erlangen gegeben.

Und sieh im Buch „Pri Chacham“ (Frucht des Weisen, Teil 2, Blatt 65), wo es heißt: „So steht im ‚Etz Chaim‘ (Baum des Lebens), dass die Welten allein erschaffen wurden, um die Namen des Schöpfers zu offenbaren. Sieh dort die Schrift, und du wirst verstehen. Du siehst: Seit die Seele herabgestiegen ist, um sich in diese unreine Materie zu kleiden, kann sie nicht mehr zu ihrer Wurzel zurückkehren und sich an ihr anhaften – auf der Stufe ihrer eigenen Welt, wie sie an ihrer Wurzel war, bevor sie in diese Welt kam. Vielmehr ist sie verpflichtet, ihre Statur um das 620-Fache zu vergrößern, wie sie zuvor an der Wurzel war, die das Geheimnis der ganzen Vollkommenheit ist – des ganzen NaRaNChaY bis hin zu Yechida. Darum wird Yechida mit dem Namen Keter (Krone) bezeichnet, um auf die genannte Zahl 620 hinzuweisen.“

Nach dem Gesagten können wir sehen, was das Versprechen ist, das der Schöpfer den Vätern gab, und wie man eine solche Vollkommenheit erlangen kann. Diese Frage stellt sich von zwei Seiten:

1. Der Bedarf an einer so großen Vollkommenheit. Denn es ist bekannt: „Es gibt kein Licht ohne ein Kli (Gefäß), das heißt keine Füllung ohne einen Mangel.“ Damit stellt sich die Frage: Wie können wir überhaupt das Gefühl bekommen, dass uns das Erlangen des NaRaNChaY fehlt? Nach dem, was wir erklärt haben, sind doch alle körperlichen Genüsse, denen die ganze Welt nachjagt, nicht mehr als ein äußerst feiner Funke im Vergleich zum Genuss in der Heiligkeit (Kedusha). Sobald der Mensch auch nur ein kleines Leuchten der Heiligkeit empfängt, wird er darin große Befriedigung empfinden. Wer also sollte ihm sagen, dass er noch immer einen Mangel hat und das Licht der Yechida erlangen muss – andernfalls gilt er noch nicht als zu seiner Vollkommenheit gelangt? Und wer sollte ihm das kundtun?

2. Wie soll der Mensch fähig sein, so große Genüsse zu überwinden und zu sagen: „Wenn ich das Empfangen dieser Genüsse nicht um des Himmels willen ausrichten kann, verzichte ich auf sie“? Woher nimmt er solche Kräfte? Schon bei den körperlichen Genüssen, von denen wir sagten, sie seien nur ein Nehiru Dakik – Funken, die in die Klipot (Schalen) gefallen sind –, sehen wir doch, wie schwer es fällt, sie zu überwinden und zu sagen, dass man auf diese Genüsse verzichtet, wenn man nicht in der Absicht empfangen kann, um zu geben. Und da wir bei den körperlichen Genüssen sehen, dass sie sich in große und kleine teilen, gilt das umso mehr im Spirituellen, wo es viele Stufen und viele Unterscheidungen gibt. So stellt sich die Frage: Woher nimmt der Mensch so große Kräfte zur Überwindung?

Um die beiden genannten Fragen zu verstehen:

1. Woher nimmt er den Bedarf an Gadlut (Erwachsensein)?

2. Woher nimmt er die Kraft, den Verzicht auf die Genüsse durchzuhalten, sodass er sicher sein kann, dass er die Genüsse allein deshalb annimmt, um seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten?

Dazu stellen wir voran, was die Weisen sagten (Traktat Kiddushin 30): „Und Rabbi Shimon ben Levi sagte: ‚Der Trieb des Menschen überwältigt ihn Tag für Tag und sucht ihn zu töten, wie es heißt: «Der Frevler lauert dem Gerechten auf und sucht ihn zu töten.» Und wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, könnte er ihn nicht überwinden, wie es heißt: «Gott wird ihn nicht in seiner Hand lassen.»‘“

Wir fragten, denn hier ergeben sich zwei Schwierigkeiten:

1. Wenn dem Menschen der böse Trieb (Jezer haRa) gegeben wurde, warum liegt es dann nicht in seiner Kraft, ihn zu überwinden, sondern nur der Schöpfer hilft ihm? Freie Wahl bedeutet doch, dass es in der Hand des Menschen liegt zu überwinden. Hier aber heißt es, dass der Mensch keine Wahl hat, aus eigener Kraft zu überwinden, sondern nur mit der Hilfe des Schöpfers; allein kann er es nicht. Es stellt sich die Frage: Warum gab der Schöpfer dem Menschen nicht die Kraft, ihn doch überwinden zu können?

2. Wenn es nicht in der Kraft des Menschen liegt zu überwinden, warum steht dann geschrieben, „dass der Schöpfer ihm hilft“? Das heißt: Der Mensch muss mit der Überwindung beginnen, und wenn er sieht, dass er nicht überwinden kann, dann gibt ihm der Schöpfer die Hilfe. Warum aber gibt der Schöpfer ihm die Hilfe nicht sofort, sobald der böse Trieb zu ihm kommt? Was bringt es uns denn, dass der Mensch mit der Arbeit beginnt? Denn so oder so liegt es nicht in seiner Kraft zu überwinden.

Warum also muss der Schöpfer warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt, und erst danach kommt die Hilfe? Welchen Nutzen hat dieser Zeitverlust – dass der Schöpfer also wartet, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt? Wer gewinnt durch diesen Zeitverlust? Der Schöpfer hätte die Hilfe doch sofort geben sollen, sobald der böse Trieb zum Menschen kommt, noch bevor der Mensch mit der Arbeit beginnt. Warum sollte er warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt, und ihm erst danach die Hilfe geben?

Die Sache verhält sich vielmehr so, wie wir in den vorigen Artikeln besprochen haben: Zimzum und Verhüllung dienten der Korrektur der Welt. Andernfalls gäbe es keine Möglichkeit, dass der Mensch überhaupt die Arbeit der Überwindung der Selbstliebe beginnen könnte. Denn von Natur aus beherrscht ihn das Verlangen zu empfangen, und das ist die Hauptachse der Schöpfung. Was danach kommt, ist nur eine Korrektur, um das Verlangen zu empfangen zu korrigieren.

Daraus folgt, dass das Verlangen zu empfangen das Wesentliche ist und die übrigen Dinge, die danach kommen, nur dazu dienen, es zu korrigieren. Das Verlangen zu empfangen bleibt also bestehen, doch es kommen Korrekturen hinzu. Aber wer ist es, der all diese Korrekturen empfängt? Gewiss kein anderer als das Verlangen zu empfangen.

Bekanntlich gilt selbst dort, wo wir von einer Stufe sprechen, deren Verlangen das Verlangen zu geben ist, Folgendes: Die Stufe bedient sich nicht des Verlangens zu empfangen, das auf ihr vorhanden ist, sondern überwindet dieses Verlangen und befasst sich mit dem Verlangen zu geben. Demnach betreffen die Korrekturen, die der Mensch vornehmen muss, allein seine Gefäße des Empfangens – nämlich darauf die Absicht zu geben zu legen. Denn je größer der Genuss ist, desto schwerer fällt es, auf ihn zu verzichten und zu sagen: „Kann ich nicht in der Absicht empfangen, um zu geben, so will ich den Genuss nicht empfangen.“

Deshalb sind hier zwei Dinge zu korrigieren:

1. Awiut (Grobheit), das heißt das Verlangen zu empfangen, soll nicht allzu groß sein – also nicht so groß, dass der Untere es nicht überwinden kann. Deshalb muss man ihm ein kleineres Begehren geben. Und danach, wenn man sieht, dass er einen kleinen Genuss überwinden kann, gibt man ihm einen größeren. Sieht man, dass er auch diesen Genuss überwinden kann, gibt man ihm einen noch größeren, und so fort. Aber wie richtet man das ein?

Darum wurde dem Menschen die Arbeit im Glauben über dem Verstand gegeben. Diese Arbeit erscheint dem Menschen „leicht“ – das Wort hängt mit „Leichtfertigkeit“ (Kalut Daat) zusammen. Das heißt: Der Mensch achtet diese Arbeit gering, und die Zeit, in der er sich des Glaubens bedienen muss, gilt ihm als ein Zustand der Niedrigkeit. Er meint nämlich, diese Arbeit passe für Frauen und Kinder, nicht aber für Menschen mit Verstand und scharfem Geist.

Sie hingegen wollen alles, was sie sehen, was in der Welt geschieht, verstehen – es soll ihrem Geschmack und ihrem Sinn entsprechen. Und wenn sie etwas tun sollen, ohne zu erkennen, dass es ihnen nützt, wie könnten sie da zustimmen, Handlungen zu vollziehen, die zu unvernünftigen Menschen passen – also zu Menschen, die weder über ihre Gedanken noch über ihre Taten einen kritischen Sinn haben?

Deshalb bemühen sie sich immer, sich nicht auf solche Dinge einzulassen. Und wenn sie sich manchmal doch auf die Arbeit über dem Verstand einlassen, weil sie keine Wahl haben – der Verstand bleibt ihnen ja fern –, so sehnen sie sich die ganze Zeit danach und fragen: „Wann kann ich mich von solchen Zuständen befreien? Es passt doch nicht zu uns, gleichsam in der Luft zu leben, wo der Verstand bei allem, was man tut, nicht begreift, wozu es nötig ist und wohin es führen soll.“ Er will eine Stufe erreichen, auf der er über das gewöhnliche Volk erhaben ist.

Wenn er auf die Menge blickt, wie sie sich ohne jede kritische Prüfung mit Tora und Mizwot befasst, sagt er über sie: Dass sie alles mit Begeisterung erfüllen und auf jede Einzelheit und Feinheit achten können, rührt daher, dass ihnen der kritische Sinn fehlt. Darum können sie so mit geschlossenen Augen gehen. Das heißt: Hätten sie ein wenig Verstand, so wären auch sie wie ich. Ich erfülle nämlich Tora und Mizwot, doch ich sehe, dass diese Arbeit nicht zu mir passt – aber ich habe keine Wahl, denn sonst hätte ich gar keine Verbindung zum Judentum; und deshalb geschieht bei mir alles unter Zwang und ohne Verlangen.

Solange ich vergesse, dass ich über dem Verstand gehe, kann ich daher alles wie die Menge tun. Doch sobald mir die Gedanken kommen, auf welcher Grundlage mein ganzes Judentum errichtet ist, und ich meinem Körper antworten muss, dass es nur auf der Stufe von „Er hängt die Erde über dem Nichts“ beruht, da kann der Mensch sich nicht überwinden und sagen, dass die eigentliche Grundlage des Judentums gerade auf der Stufe des Glaubens über dem Verstand errichtet ist. Und gerade jetzt kann ich die Mizwa des Glaubens erfüllen, denn jetzt sieht er, dass er keinerlei Grundlage hat. In der Regel aber fällt der Mensch und bleibt unter der Last dieser Fragen liegen.

In Wahrheit ist dies die Frage des Pharao, des Königs von Ägypten, der sagte: „Wer ist der Ewige, dass ich auf Seine Stimme hören sollte?“ Deshalb sagt der Mensch, dass der Weg des Glaubens, den der Schöpfer uns zur Arbeit gegeben hat, niemals zum Erfolg führen werde. Hätte der Schöpfer auf seine Stimme gehört, so hätte Er uns auf der Grundlage des Wissens arbeiten lassen müssen und nicht des Glaubens. Dann hätten sich gewiss viele Menschen hinzugesellt, die Tora und Mizwot erfüllen. Auf diesem Weg des Glaubens hingegen gibt es viele Menschen, die zwar diese Arbeit begonnen haben, dann aber vom Schlachtfeld fliehen.

Und mein Vater und Lehrer, Baal HaSulam, sagte: Dass der Schöpfer gewählt hat, dass wir den Weg des Glaubens gehen, liegt nicht daran, dass der Mensch auf niedriger Stufe stünde und man ihn deshalb nur auf dem Weg des Glaubens führen könnte. Vielmehr ist es der erfolgreichste Weg. Darum wählte der Schöpfer diesen Weg, damit die Menschen die Ordnung ihrer Arbeit auf sich nehmen, durch die sie die Fähigkeit erlangen, zum Ziel zu gelangen, das „Seinen Geschöpfen Gutes tun“ heißt: dass die Geschöpfe Gutes und Genuss empfangen und zugleich in höchster Dwekut (Anhaftung) sind, also in Gleichheit mit dem Schöpfer. Und obwohl die Geschöpfe das nicht verstehen, ist es doch die Wahrheit.

Aus dem Gesagten folgt: Obwohl der Glaube etwas Niedriges und Leichtes ist – das Wort „leicht“ haben wir im Sinne von „Leichtfertigkeit“ gedeutet, dass man ihn also gering achtet –, ist er gleichwohl der Weg, auf dem man das Ziel erfolgreich erreichen kann.

Damit verstehen wir, was Rashi erklärt: „Wenn ihr die leichten Mizwot hört, die der Mensch mit seinen Fersen tritt“ – gemeint ist die Stufe des Glaubens, die der Mensch mit den Fersen tritt. Auf sie sollt ihr hören, dann werdet ihr Gefäße haben, mit denen ihr das Ziel erreichen könnt.

Und so erklärt Rashi: „‚Und Er wird bewahren‘: Er wird Sein Versprechen halten.“ Das heißt: Die Bedingung, die Er gestellt hat, dient nicht dem Vorteil des Schöpfers, wie es bei Menschen aus Fleisch und Blut üblich ist, die etwas unter Bedingungen geben, die dem Geber zugutekommen. Beim Schöpfer hingegen zielt die Bedingung „wenn du die leichten Mizwot bewahrst“ auf den Vorteil des Menschen: Gerade dadurch kann der Mensch zur Vollkommenheit gelangen und das erlangen, was im Schöpfungsgedanken für ihn bereitliegt.

Nach dem Gesagten erklären wir nun, was wir gefragt haben:

1. Warum gibt der Schöpfer dem Menschen keine Hilfe, solange der böse Trieb ihn überwältigt, sondern wartet, bis der Mensch die Arbeit der Überwindung beginnt, und gibt ihm erst danach Seine Hilfe, wie die Weisen sagten: „Wenn der Schöpfer ihm nicht helfen würde, [könnte er ihn nicht überwinden]“? Es gleicht dem Fall, dass ein Mensch eine schwere Last schleppt und nicht die Kraft hat, sie zu tragen. Dann bittet er um Hilfe, und es kommen Leute und helfen ihm. Bittet er aber nicht um Hilfe, kommt niemand, ihm beizustehen. Das lässt sich von Mensch zu Mensch sagen. Doch beim Schöpfer – warum sollte Er warten, bis der Mensch mit der Arbeit beginnt und zum Schöpfer schreit, dass Er ihm helfe, wo der Schöpfer doch weiß, dass der Mensch den bösen Trieb nicht allein besiegen kann, weil der Schöpfer ihm diese Kraft nicht gegeben hat?

2. Und was ist der Grund, dass der Schöpfer ihm nicht die Kraft gab, sich selbst zu überwinden, sondern ihm gleichsam sagte: „Ich habe dir die Wahl gegeben, den bösen Trieb zu besiegen“? Man muss doch sagen, dass der Schöpfer ihm die Kraft gab, das Böse zu überwinden. Zugleich aber sagt man, dass der Mensch ohne die Hilfe des Schöpfers ihn nicht besiegen kann. Das sind also zwei einander widersprechende Aussagen.

Diese beiden Fragen verstehen wir zusammen mit den zwei Fragen, die wir gestellt haben:

1. Wenn der Mensch die kleinste Stufe im Spirituellen erlangt, empfindet er dabei mehr Genuss als bei allen körperlichen Genüssen – wie oben in den Worten des ARI. Denn aller große Geschmack, den wir an den körperlichen Genüssen finden – wir sehen ja, dass die ganze Welt ihnen nachjagt und aus ihnen Befriedigung im Leben gewinnt –, und aller Genuss, der in ihnen ist, fließen aus der Heiligkeit. Denn durch das Zerbrechen der Gefäße und die Sünde Adam haRishons (des ersten Menschen) am Baum der Erkenntnis fielen heilige Funken in die Klipot. Dieses Licht wird im heiligen SoharNehiru Dakik“ genannt, das herabkam, um die Klipot zu beleben. Daraus fließen, wie gesagt, alle körperlichen Genüsse. Und von der kleinsten Stufe im Spirituellen, die Heiligkeit ist und in der die Essenz des Lichts liegt, wird er gewiss Befriedigung schöpfen und keinerlei Bedarf an Gadlut haben. Wer also sollte ihm sagen, dass er Gadlut braucht?

2. Und woher nimmt er so große Kräfte, dass er die großen Genüsse mit der Absicht zu geben empfangen kann – andernfalls bereit ist, auf sie zu verzichten?

Nach dem Gesagten gilt: „Es gibt kein Licht ohne ein Gefäß, das heißt keine Füllung ohne einen Mangel.“ Deshalb muss der Mensch mit der Arbeit beginnen. Wenn er den bösen Trieb überwinden will und es nicht kann, wird er zu einem, der einen Mangel hat. Und wenn er sieht, dass er nicht überwinden kann, bittet er den Schöpfer um Hilfe. Dann kann der Schöpfer die Füllung geben, weil der Mensch nun bereits ein Gefäß hat, um die Füllung zu empfangen.

Der Grund, dass der Schöpfer ihm nicht die Kraft gab, sich selbst zu überwinden, ist folgender: Sobald der Mensch irgendeine Füllung hat, begnügt er sich mit dem, was er besitzt. So hätte der Mensch keinen Bedarf, den NaRaNChaY der Seele zu erlangen. Dadurch aber, dass der Schöpfer ihm hilft, geschieht es, wie im heiligen Sohar geschrieben steht: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man. Und er fragt: Womit hilft man ihm? Und er antwortet: Mit einer heiligen Seele (Nishmata Kadisha). Wird er gewürdigt, gibt man ihm Nefesh; wird er weiter gewürdigt, gibt man ihm Ruach.“

Dass er Beistand von oben empfängt, ist also der Grund, dass in ihm der Bedarf entsteht, seinen NaRaNChaY heranzuziehen. Jedes Mal nämlich, wenn er sein Böses überwinden will und es nicht kann, hilft ihm der Schöpfer mit einer heiligen Seele. Könnte der Mensch dagegen aus eigener Kraft überwinden, woher käme ihm dann das Verlangen und der Bedarf, den Schöpfer zu bitten, ihm eine höhere Stufe zu geben als die, die er hat?

Jetzt jedoch, wo er den Schöpfer bittet, ihm Hilfe zu geben, bittet er nicht um Stufen, sondern einfach darum, nicht unter der Herrschaft des Bösen zu stehen. Was der Mensch will, ist also, dass der Schöpfer ihm hilft, damit er die Kraft hat, die Absicht zu geben auszurichten, und nicht im Bereich der Sitra Achra (der anderen Seite) ist, sondern im Bereich der Heiligkeit sein will. Das bedeutet: Sein ganzes Begehren gilt einzig dem Geben an den Schöpfer; nur das fehlt ihm, und keine hohen Stufen, sondern in äußerster Schlichtheit ein Diener des Schöpfers zu sein und nicht ein Diener seiner selbst. Doch diese Kraft, um die er den Schöpfer bittet – wenn der Schöpfer ihm hilft, sagt der heilige Sohar, geschieht es durch den Beistand einer heiligen Seele. Und jeder einzelne Beistand erfolgt durch eine Seele, die der Schöpfer ihm gibt. Dadurch geht er von Stufe zu Stufe, bis er die Vollkommenheit der Seele erlangt, die NaRaNChaY heißt.

Damit versteht man, was die Weisen sagten: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn Tag für Tag.“ Es stellt sich die Frage: Wozu muss der böse Trieb sich Tag für Tag erheben, wenn der Mensch bereits Beistand vom Schöpfer empfangen und ihn besiegt hat? Wozu muss er erneut zum Menschen kommen, und welchen Nutzen hat es, dass er Tag für Tag kommt?

Nach dem Gesagten versteht man es so: Da der Mensch durch die Hilfe, die er vom Schöpfer empfängt, die Stufe einer Seele empfängt, empfängt er bei jeder Überwindung, bei der er sich überwinden und reiner werden will, dadurch die Stufe einer Seele. Darum sind diese Überwindungen der Grund, dass der Mensch die Stufe NaRaNChaY seiner Seele erlangen kann.

Und die zweite Frage – woher er die Kraft zur Überwindung nimmt: Sie stammt nicht aus seiner eigenen Kraft, sondern ist die Hilfe, die der Schöpfer gibt, damit er den bösen Trieb überwinden kann. So zeigt sich, dass durch eine einzige Sache zwei Dinge zugleich korrigiert werden.

korrOp, EY, 03.08.2026, 04:50 Uhr, Ver6