1986/30 Die Klipa, die der Frucht vorausgeht
Im Tora-Abschnitt Balak sagt der Sohar (im Sulam-Kommentar, Blatt 8, Punkt 15) Folgendes: „Und wolltest du sagen, der Schöpfer habe es so gewollt – Israel das Erstgeburtsrecht zu geben –, so entspricht das nicht dem Recht. Komm und sieh: Esau war eine Klipa (Schale) und gehörte zur Sitra Achra (der anderen Seite). Und es ist bekannt, dass die Klipa dem Kern vorausgeht; deshalb kam er zuerst hervor. Sobald die Klipa hervorgetreten und beseitigt ist, kommt der Kern zum Vorschein. Die erste Vorhaut, also Esau, befindet sich außen, und darum trat sie zuerst hervor. Der Bund aber, das Kostbarste von allem – das ist Jakob –, wird danach enthüllt. Deshalb gilt Esaus Vorrang nicht als Erstgeburt, denn er ist Klipa und Vorhaut, die keinerlei Wert und keine Vergleichbarkeit mit dem Kern und dem Bund haben. Er trat nur aus demselben Grund zuerst hervor: weil die Klipa der Frucht vorausgeht.“ So weit seine Worte.
Hier ist zu verstehen, wozu er überhaupt eine Erklärung braucht. Diese Frage haben unsere Weisen doch bereits beantwortet (angeführt bei Rashi zu Beginn des Tora-Abschnitts Bereshit). Dort heißt es: „Rabbi Jizchak sagte: Die Tora hätte erst mit ‚Dieser Monat sei euch‘ beginnen sollen, dem ersten Gebot, das Israel geboten wurde. Warum also beginnt sie mit ‚Bereshit‘ (Im Anfang)? Weil ‚Er die Macht Seiner Werke Seinem Volk kundtat, um ihnen das Erbe der Völker zu geben‘. Sollten nämlich die Völker der Welt zu Israel sagen: ‚Ihr seid Räuber, denn ihr habt die Länder von sieben Völkern erobert‘, so antworten sie ihnen: ‚Die ganze Erde gehört dem Schöpfer. Er hat sie erschaffen und dem gegeben, der in Seinen Augen recht ist. Nach Seinem Willen gab Er sie ihnen, und nach Seinem Willen nahm Er sie ihnen und gab sie uns.‘“
Demnach verhält es sich auch beim Erstgeburtsrecht ebenso: Zuerst wurde es Esau gegeben, danach nahm Er es Esau weg und gab es Jakob. Man kann auch nicht einwenden, das Erstgeburtsrecht sei mit einem Land nicht vergleichbar – ein Land lasse sich verkaufen und verschenken, das Erstgeburtsrecht hingegen sei eine Sache der Wirklichkeit, das heißt, wer zuerst geboren wird, heißt „Erstgeborener“, und daran lasse sich nichts ändern. Wir sehen aber, dass auch das Erstgeburtsrecht verkäuflich ist. Folglich lässt sich durchaus sagen, dass man es dem einen nehmen und dem anderen geben kann. Wie hätte Jakob sonst das Erstgeburtsrecht von Esau erwerben können, wie geschrieben steht: „Und er verkaufte sein Erstgeburtsrecht an Jakob“?
Daraus sehen wir, dass das Erstgeburtsrecht einem Land gleicht, das übertragen werden kann. Worauf also weist uns diese Erklärung hin, die hier gegeben wird – dass derjenige, der zuerst geboren wurde, nicht als Erstgeburt gilt, weil die Klipa der Frucht vorausgeht?
Um die Sache zu verstehen, müssen wir zunächst wissen, was eine Klipa ist, was der Kern ist und was die Vorhaut – denn er nennt Esau „Vorhaut“ –, und was der Bund ist – denn er nennt Jakob „Bund“. Stellen wir zuerst das Ziel der Schöpfung voran. Danach können wir erklären, was wesentlich und was nebensächlich ist, um zu begreifen, was die Frucht und was die Klipa ist, die der Frucht vorausgehen muss – worin diese Notwendigkeit besteht, die besagt, dass es gar nicht anders sein kann.
Das Ziel der Schöpfung ist bekannt: Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Deshalb erschuf Er aus dem Nichts ein Geschöpf, das das Gute und das Vergnügen empfangen kann, das Er ihm geben will. Dieses Geschöpf heißt „Verlangen zu empfangen, um zu empfangen“. Daraus folgt: Wir können nur von etwas sprechen, das ein Verlangen zu empfangen hat. Andernfalls heißt es nicht „Geschöpf“, von dem wir reden könnten. Denn ein Geschöpf heißt Kli (Gefäß), und es gibt kein Licht ohne Kli. Das heißt: Vom Licht selbst können wir nicht sprechen, sondern nur vom Licht, sofern es in ein Kli gekleidet ist.
Doch dieses Kli, das „Verlangen, Freude und Vergnügen zu empfangen“ heißt, kann nicht mehr empfangen – nachdem eine Korrektur eingetreten ist, die „Angleichung der Form“ genannt wird, damit es kein „Brot der Scham“ gebe. Bekanntlich empfindet der Mensch Scham, wenn er etwas empfangen muss. So deuteten unsere Weisen den Vers „wie die Niedrigkeit unter den Menschenkindern erhöht wird“: Wenn ein Mensch von anderen empfangen muss, verändert sich sein Gesicht. Darum wurde die Korrektur namens „Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung“ geschaffen – nichts mehr zu empfangen außer mit der Absicht zu geben. Demnach haben wir zwei Dinge zu unterscheiden:
Erstens das Wesentliche, nämlich das Kli, das „Verlangen, das Gute und das Vergnügen zu empfangen“ heißt. Gäbe es dieses Verlangen nicht, so gäbe es nichts, wovon man reden könnte, wie gesagt. Doch gerade aus diesem Aspekt gingen die Sitra Achra und die Klipot (Schalen) hervor. Aus der Ordnung, in der die Welten herabsteigen, ergibt sich für uns eine Wurzel: Von diesem Punkt aus breitete sich später alles Böse offen aus. So sagte der ARI, dass die Einschränkung (Zimzum) die Wurzel des Gerichts ist. Das bedeutet: Sie entstand dadurch, dass eine Einschränkung geschah – nämlich nicht zu empfangen, um zu empfangen, sondern nur, um zu geben. Die Ordnung war, wie in Talmud Esser haSefirot (Studium der Zehn Sefirot, Teil 1) erklärt, folgende: Zuerst erfolgte die Einschränkung aus freier Wahl, das heißt, es bestand noch kein Verbot zu empfangen. Danach aber wurde das Empfangen verboten. Doch noch gab es niemanden, der empfangen wollte, um zu empfangen – niemanden, der das Verbot der Einschränkung übertreten wollte. Erst durch die zweite Einschränkung (Zimzum Bet) entstand etwas Neues: Nun gab es jemanden, der empfangen wollte, um zu empfangen. Klipot aber gab es noch nicht.
Erst nach dem Zerbrechen der Gefäße, das in der Welt Nekudim geschah, entstanden die Klipot; doch noch hatten sie kein Gefüge. Damals hießen die Klipot nur „der Buchstabe Waw und ein Punkt“, und sie besaßen noch kein Gefüge von Welten. Erst nach der Sünde Adam haRishons (des ersten Menschen) am Baum der Erkenntnis – als die Gewänder (Levuschim) in die Klipot fielen – erhielten die Klipot das Gefüge von vier Welten, nach dem Vorbild der Heiligkeit (Kedusha). Sie heißen „die vier Welten ABYA (Azilut, Brija, Yezira, Assija) der Tuma (Unreinheit)“. Davon handelt eine Stelle in der „Einleitung zum Buch Sohar“ (Punkt 29). Dort heißt es: „Und wisse: Unsere Arbeit im Lauf unserer siebzig Jahre teilt sich in vier Abschnitte:
Erster Abschnitt: das maßlose, grenzenlose Verlangen zu empfangen in seinem ganzen verdorbenen Ausmaß zu erlangen – unter der Hand des Systems der vier unreinen Welten ABYA. Denn hätten wir dieses verdorbene Verlangen zu empfangen nicht in uns, so könnten wir es überhaupt nicht korrigieren. Deshalb genügt nicht jenes Maß des Verlangens zu empfangen, das dem Körper von seinem Ursprung an, seit seiner Geburt in diese Welt, eingeprägt ist. Vielmehr muss er obendrein wenigstens dreizehn Jahre lang ein Gefährt (Merkawa) für die unreinen Klipot sein. Das heißt: Die Klipot sollen über ihn herrschen und ihm ihre Lichter geben, denn ihre Lichter lassen sein Verlangen zu empfangen immer weiter wachsen. Die Fülle nämlich, mit der die Klipot das Verlangen zu empfangen versorgen, erweitert und steigert nur dessen Forderung. Und überwindet er sich nicht durch Tora und Mizwot, um das Verlangen zu empfangen zu läutern und es ins Geben zu verwandeln, so dehnt sich sein Verlangen zu empfangen im Lauf seiner Lebensjahre immer weiter aus.
Zweiter Abschnitt: vom dreizehnten Lebensjahr an. Dann wird dem Punkt im Herzen Kraft verliehen – dem Geheimnis der Rückseite (Achoraim) der heiligen Seele, die von Geburt an in sein Verlangen zu empfangen gekleidet ist, aber erst nach dreizehn Jahren zu erwachen beginnt. Dann tritt er allmählich unter die Herrschaft des Systems der heiligen Welten ein, und zwar in dem Maß, wie er sich mit Tora und Mizwot befasst. Die Hauptaufgabe dieser Zeit ist es, das spirituelle Verlangen zu empfangen zu erlangen und zu vergrößern. Darum gilt diese Stufe, die nach dem dreizehnten Jahr kommt, als Heiligkeit. Sie ist das Geheimnis der heiligen Magd, die ihrer Herrin dient – dem Geheimnis der heiligen Shechina (göttliche Gegenwart). Denn die Magd führt ihn zu liShma (um Ihretwillen), und er wird des Einwohnens der Shechina gewürdigt. Die letzte Stufe dieses Abschnitts ist, dass er sich mit großer Sehnsucht in den Schöpfer verliebt – so wie der Dichter sagte: ‚Wenn ich Seiner gedenke, lässt Er mich nicht schlafen.‘“
Nach dem Gesagten können wir verstehen, was Heiligkeit und was Klipa ist. Der Begriff Heiligkeit erklärt sich aus der Wendung „dem Schöpfer geheiligt“. Sie besagt, dass etwas nicht uns gehört, also nicht in unserem Bereich liegt, sondern dass wir es dem Schöpfer weihen. Das heißt: Man nimmt es aus dem Bereich des gewöhnlichen Menschen heraus und führt es in den Bereich der Heiligkeit über. Doch man kann nicht davon sprechen, etwas in den Bereich der Heiligkeit zu führen, wenn es nicht zuvor im eigenen Bereich war. Nur dann lässt sich sagen, dass man es aus seinem Bereich herausnimmt und in den Bereich der Heiligkeit überführt.
Darum muss der Mensch zuerst, bis zum dreizehnten Jahr, im Bereich der Klipa stehen – wie in der bereits erwähnten „Einleitung zum Buch Sohar“. In dieser Zeit empfindet er, dass er einen eigenen Herrschaftsbereich hat. Denn die Klipa, also das „Verlangen zu empfangen, um zu empfangen“, heißt „Ungleichheit der Form“, die ihn vom Schöpfer trennt. Dieses Gefäß des Empfangens, das der Mensch erwirbt, während er bis zum dreizehnten Jahr unter der Herrschaft der Klipa steht, lässt ihn fühlen, dass er der Hausherr ist – dass er also tun kann, was er will, weil er keinen anderen Herrschaftsbereich kennt als den eigenen.
Wird ihm deshalb nach dem dreizehnten Jahr gesagt, nun sei die Zeit gekommen, seinen eigenen Herrschaftsbereich zu annullieren und anzuerkennen, dass es keinen anderen Gebieter gibt als den Schöpfer, so beginnt er nachzudenken und zu grübeln: „Wozu soll ich meinen eigenen Herrschaftsbereich annullieren und sagen, allein der Schöpfer sei der Hausherr und ich Sein Knecht, und ich besäße nichts – wie unsere Weisen sagten: ‚Was ein Knecht erwirbt, erwirbt sein Herr‘? Das hieße ja, dass ich dem Schöpfer dienen muss, damit Er Wohlgefallen hat.“
Da bringt der Körper des Menschen, der „Verlangen zu empfangen“ heißt, einen starken Einwand vor: „Zunächst muss ich glauben, dass es eine Verbindung des Schöpfers zu den Geschöpfen gibt. Sodann muss ich erkennen, dass es sich lohnt zu glauben, der Schöpfer sei der Hausherr. Aber wozu soll ich meinen eigenen Herrschaftsbereich annullieren und nur dafür sorgen, dass der Schöpfer Wohlgefallen hat? Welchen Nutzen habe ich davon?“ Vielmehr meint er – nachdem er glaubt, dass es eine Verbindung des Schöpfers zu den Geschöpfen gibt, also glaubt, dass Sein ganzer Wille darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun –, er brauche in diesem Zustand nichts weiter zu sehen, als wie der Schöpfer ihm dient. Das heißt: Der Schöpfer sei der Knecht und der Mensch der Hausherr; er sei der Herr des Hauses, und dem Schöpfer obliege die Pflicht, dem Menschen zu dienen – der Mensch sei der Herr und der Schöpfer der Knecht.
Doch sagt man dem Menschen, er müsse wissen: In Wahrheit ist der Schöpfer der Hausherr, und wir Geschöpfe haben gar nichts mitzureden. Ob wir nun Seine Königsherrschaft über uns annehmen oder ob es Weltliche gibt, die sie nicht annehmen wollen – es hilft ihnen nichts. Er tut, was Er will, und die Geschöpfe müssen Seine Befehle wider Willen annehmen, wie unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter [Awot], Kapitel 3, 20): „Und es wird vom Menschen eingefordert, mit seinem Wissen und ohne sein Wissen.“
Daraus folgt: Selbst wenn der Mensch dem nicht zustimmt, was man ihm sagt, ändert sein Unglaube nichts an der Wirklichkeit – nämlich daran, dass der Schöpfer der Hausherr ist und tut, was Er will. Doch der Mensch kann die Wahrheit nicht sehen, und darum will man nicht glauben. Glaubt der Mensch aber – Gott behüte – nicht daran, so kann er es nicht auf sich nehmen, ein Knecht des Schöpfers zu sein, also zu glauben, dass der Schöpfer der Gebieter ist und wir Seine Knechte sind. Dies gilt vielmehr nur für die Gläubigen.
Fehlt es jedoch an wahrem Glauben, so gibt es doch eine Art von Menschen, die glauben, dass der Schöpfer die Welt erschuf, und zwar zu einem Ziel, das „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ heißt. Sie glauben auch, dass der Schöpfer uns durch Moses geboten hat, die Tora und Mizwot zu halten, die Er uns gab. Doch all dies können sie nur um des Nutzens willen glauben – dass Er sie nämlich dafür belohnt, dass sie sich um das Halten von Tora und Mizwot mühen. Und sie haben etwas, worauf sie sich stützen können, wie unsere Weisen sagten (Sprüche der Väter [Awot], Kapitel 2, 16): „Hast du viel Tora gelernt, gibt man dir viel Lohn; und treu ist dein Arbeitgeber, dass er dir den Lohn deines Wirkens zahlt. Und wisse: Die Lohnzahlung der Gerechten gehört der kommenden Welt an.“
Wir sehen also: Es gibt einen Glauben an den Schöpfer und Seine Tora, und man hält ein leichtes Gebot ebenso wie ein schweres. All das aber bemisst sich am Nutzen – nämlich um Lohn zu empfangen –, und das heißt „lo liShma“ (nicht um Ihretwillen). Doch wir müssen uns erinnern, was unsere Weisen sagten: „Aus dem lo liShma gelangt man zum liShma.“ Damit gilt schon dies als eine Stufe in der Heiligkeit. Anders aber ist es, wenn man dem Menschen nach dem dreizehnten Jahr, wie gesagt, sagt: Nun ist die Zeit gekommen, deinen eigenen Herrschaftsbereich zu annullieren und anzuerkennen, dass es keinen Herrschaftsbereich auf der Welt gibt und dass du nichts weiter bist als ein Knecht, der dem Schöpfer dient, ohne eine Belohnung zu empfangen.
Da widersetzt sich der Körper, und nun beginnt die eigentliche Arbeit, denn sie geht gegen die Natur. Darum muss der Mensch über dem Verstand glauben und zu seinem Körper sagen: „Du musst wissen, dass du nicht imstande bist, die Arbeit des Gebens zu verrichten – dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, ohne jede Gegenleistung –, weil du mit der Natur des Verlangens zu empfangen geboren wurdest. Und diese Natur ist notwendig, denn nur sie ist die ganze Schöpfung. Bekanntlich ist allein das Verlangen zu empfangen, das ‚Mangel und Sehnsucht, Vergnügen zu empfangen‘ heißt, das, was ‚aus dem Nichts entstanden‘ ist.“
Daraus folgt: „Geschöpfe“ heißen wir gerade wegen des Verlangens zu empfangen; nur dieses lässt sich „Schöpfung“ nennen. Und dieses Verlangen findet sich auf allen Stufen und in allen Welten der Heiligkeit. In der Heiligkeit jedoch ist dieses Verlangen zu empfangen durch die Korrektur der Absicht zu geben berichtigt. Entscheidend ist also das Verlangen zu empfangen. Und der Unterschied zwischen Heiligkeit und Unreinheit, zwischen Leben und Tod, liegt allein in der Absicht.
Das bedeutet: Geschieht das Empfangen mit der Absicht zu geben, so heißt es „Heiligkeit“, denn es ist Angleichung der Form. Und die Angleichung der Form heißt „Anhaftung“ (Dwekut), wie unsere Weisen den Vers „und Ihm anzuhaften“ deuteten: „Hafte Seinen Eigenschaften an – wie Er barmherzig ist, so sei auch du barmherzig.“ Dadurch haftet er dem Leben der Lebendigen an. Daher strömt ihm Leben von oben zu.
Anders aber, wenn er die Handlung nicht mit der Absicht zu geben verbinden kann: Dann steht er in Ungleichheit der Form zum Schöpfer, denn Er ist der Gebende, die Geschöpfe aber wollen empfangen. Darum sind sie vom Leben der Lebendigen getrennt, und es bleibt ihnen nur der Tod. Das heißt „Klipa“ – obwohl es zum Wesen der Schöpfung selbst gehört. Denn gäbe es kein Verlangen zu empfangen, so wäre da nichts, wovon man reden könnte. Zugleich aber heißt es, wenn die Korrektur des Gebens fehlt, „Klipa“, „Sitra Achra“, „Todesengel“ und so fort.
Nach der Ordnung der Korrekturen sehen wir: Zuerst muss ein Verlangen und eine Lust da sein, die Vergnügen zu empfangen. Erst danach sagt man, man müsse wissen, dass es verboten ist, mit der Absicht der Eigenliebe zu empfangen. Und obwohl große Begierde besteht, das Vergnügen zu empfangen, muss man die Begierde dennoch überwinden und so an sich arbeiten, dass man das Vergnügen nur unter einer Bedingung empfangen will: dass man das Empfangen, das man nun empfängt, einzig darauf ausrichten kann, dass der Schöpfer will, dass man das Vergnügen empfängt. Auf dieser Grundlage empfängt er, weil er dem Schöpfer Freude bereiten will.
Seinen eigenen Herrschaftsbereich hat er nämlich bereits annulliert; er will also nichts in das Gefäß empfangen, das „Eigenliebe“ heißt. Doch weil der Schöpfer will, dass er empfängt, sagt er: „Jetzt will ich Freude und Vergnügen empfangen, weil der Schöpfer es so will, und ich will den Willen des Schöpfers erfüllen.“ Darum empfängt er jetzt das Gute und das Vergnügen.
Damit der Mensch aber diese Stufe erreicht, auf der „sein ganzes Verlangen einzig darauf gerichtet ist, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten“, beginnt hier die wahre Arbeit. Denn in Sachen der Arbeit sind zwei Aspekte zu unterscheiden:
Erstens die Handlung: Es fällt dem Menschen schwer, auf Vergnügen zu verzichten, ganz gleich, um welches Vergnügen es sich handelt. Nehmen wir zum Beispiel das Vergnügen der Ruhe. Muss ein Mensch eine körperliche Arbeit verrichten, um einen materiellen Lohn zu empfangen, so geht er auf den Bau oder in eine Fabrik; gewiss fällt es ihm schwer, auf das Vergnügen der Ruhe zu verzichten. Doch weil ihn größeres Leid trifft, wenn er nichts zu essen hat, verzichtet er auf das Vergnügen der Ruhe und nimmt die Mühe auf sich – weil er dadurch ein größeres Vergnügen erlangt.
Worin ist es größer? Hier gewinnt er zweierlei:
dass er nicht darunter leidet, nichts zu essen zu haben, und dass er nicht unter der Scham leidet, nichts anzuziehen zu haben.
Außerdem hat er das Vergnügen des Essens und die Freude, würdige Kleidung zu besitzen. Anders verhält es sich, wenn er auf das Vergnügen der Ruhe verzichtet: Darunter, keine Ruhe zu haben, leidet er nicht – obwohl man sagen könnte, dass er, wenn er auf den Schlaf verzichtet, unter dem Schlafmangel leidet, zusätzlich zum entgangenen Vergnügen des Schlafs. Ebenso ließe sich beim Arbeiten sagen: Über den Verzicht auf das Vergnügen der Ruhe hinaus leidet er unter der Anstrengung der Bewegung. Besonders bei körperlicher Arbeit empfindet er auch während der Arbeit Leid. Doch dieses Leid gleicht nicht jenem, das ein Mensch empfindet, wenn er hungert, oder wenn er unter Menschen an einen Ort der Freude gehen muss – zu einer Brit Mila (Beschneidungsfeier) oder einer Hochzeit und dergleichen – und nichts anzuziehen hat. Darum fällt es ihm leichter, auf die Ruhe zu verzichten und die Last der Mühe auf sich zu nehmen. Das sehen wir ja am Lauf der Welt: Man verzichtet auf die Ruhe und geht zur Arbeit. Sicherlich also ist das Leid des Entbehrens schwerer.
Dasselbe geschieht, wenn man zum Menschen sagt: Verzichte auf die Ruhe und beginne, in Tora und Mizwot zu arbeiten. Sogleich fragt er, wie bei den materiellen Dingen: „Wenn ich auf die Ruhe verzichte, was wird mein Lohn sein? Ich will den Nutzen sehen.“ Dazu sagt Maimonides (am Ende der Gesetze über die Umkehr (Hilchot Teshuwa)): „Dein Lohn wird in dieser Welt und in der kommenden Welt sein, und du wirst vor Heimsuchungen und allen üblen Geschicken bewahrt.“ Dann kann er glauben, was man ihm sagt, und Tora und Mizwot der Tat nach um des Himmels willen halten. Das heißt: Indem er Tora und Mizwot hält, richtet er sich darauf aus, dass der Schöpfer es uns durch Moses geboten hat. Im Gegenzug empfangen wir Lohn für unsere Arbeit und Mühe – dafür, dass wir auf viele Vergnügen verzichten, die die Tora uns verboten hat. Dafür empfangen wir Lohn, ähnlich wie man in einer Fabrik oder auf dem Bau arbeitet, weil man bezahlt wird.
Dasselbe gilt auch in der Spiritualität. Wir arbeiten nämlich bei einem Hausherrn – und zwar nicht beim Besitzer einer einzelnen Fabrik, sondern wir glauben, dass Er der Hausherr der ganzen Welt ist, und bei Ihm arbeiten wir. Und man sagt uns: Gib die Arbeit auf, die du bei einer kleinen Firma verrichtest, die nur einen kleinen Lohn zahlt, und arbeite bei einem großen Hausherrn, der der Hausherr der ganzen Welt ist.
Doch dabei stellt sich die Frage: Warum kommen nicht alle, um beim Gebieter der Welt zu arbeiten?
Die Antwort ist einfach: Weil man den Lohn nicht auf der Stelle sieht, sondern an den Lohn glauben muss, den wir nach getaner Arbeit empfangen. Darum sind nicht alle fähig, an den Lohn zu glauben. Da der Lohn also zweifelhaft ist und man glauben muss, dass man ihn am Ende empfängt, drängen sich nicht viele danach. Und weil es der Lauf der Welt ist, für sicheren Lohn zu arbeiten und nicht auf Ungewisses hin, besteht ein großer Unterschied zwischen Körperlichkeit und Spiritualität. Doch man muss wissen: Der ganze Unterschied liegt darin, dass es hier, in der Spiritualität, den Lohn nicht auf der Stelle gibt, sondern dass man glauben muss. Das ist der ganze Unterschied.
Wir sehen jedoch, dass Menschen kommen und Tora und Mizwot halten wollen, obwohl sie die ganze Zeit, bis sie kamen, unter weltlichen Menschen lebten. Sie kommen und sagen, sie wollten umkehren. Fragt man sie nach dem Grund, warum sie ihren gewohnten Weg ändern wollen, so sagen sie, sie fänden keinen Sinn mehr im Leben, nämlich in der Eigenliebe. Weil der Mensch nichts hat, was er empfangen und in sie – in seine Verlangen der Eigenliebe – hineinlegen könnte, weil er ihnen nichts zu geben hat, darum will er Tora und Mizwot halten.
Er hat nämlich gehört, dass man aus Tora und Mizwot sehr wohl Vergnügen empfangen kann – dann hätte er etwas, womit er sein Verlangen zu empfangen erfreuen kann. Das heißt: Solange er sieht, dass er sein Verlangen zu empfangen mit materiellen Vergnügen speisen kann, braucht er seinen Weg nicht zu ändern. Hört er aber, dass es einen Glauben gibt und einen Gebieter, der die Welt lenkt und sie nicht einfach so erschuf, sondern zu einem Ziel – und dieses Ziel heißt „Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ –,
und wenn er das hört und keine Befriedigung aus den materiellen Vergnügen zieht – weil er in ihnen keinen Lebenssinn spürt, für den es sich lohnte, in der Welt zu leben und zu leiden, denn jeder leidet nach seiner Stufe –, dann kann er, sobald er hört, dass es einen Ort gibt, an dem tatsächlich etwas das Leben erhellt, aus den materiellen Vergnügen heraustreten. Zwar sagten wir oben, dass er an die materiellen Vergnügen nicht zu glauben braucht, während ihm das Spirituelle zweifelhaft ist und er nur glauben muss, dass am Ende die Herrlichkeit kommt – dass er also zuletzt Lohn empfängt. Doch weil er in den materiellen Vergnügen keine Befriedigung findet, kann er auf die Seite der Heiligkeit hinüberwechseln und Tora und Mizwot halten.
Ist der Mensch aber in materielle Begierden versunken und zieht aus ihnen Befriedigung – wenn auch nur eine vorübergehende – und sieht erst danach, dass er keine Befriedigung hat, so ist er bereits wie „ein Säugling, der unter Götzendienern gefangen wurde“, und er hat keine Kraft, ihrer Herrschaft zu entkommen.
Doch auch nachdem solche Menschen das Joch von Tora und Mizwot auf sich genommen haben, regt sich bei ihnen mitunter wieder materielle Begierde, und dann fällt ihnen die Arbeit schwer. Man muss aber wissen: Dass materielle Begierden in ihnen erwachen – dass sie also anfangen, einen Geschmack daran zu finden, den sie zuvor nicht empfanden –, das gilt auch für jene, die mit religiöser Erziehung aufwuchsen und seit ihrer Jugend Tora und Mizwot halten. Wenn sie beginnen, die Arbeit des Gebens zu verrichten, erwacht in ihnen ein stärkerer Geschmack am Materiellen als in der Zeit, bevor sie mit der Arbeit des Gebens begannen. Das gleicht dem, was unsere Weisen sagten (Sanhedrin, Blatt 75b): „Rabbi Jizchak sagte: Seit dem Tag, an dem der Tempel zerstört wurde, ist der Geschmack der Beiwohnung weggenommen und den Übertretern gegeben worden.“
Dies ist so auszulegen: „Seit dem Tag, an dem der Tempel zerstört wurde“ – das heißt, seit die Heiligkeit im Herzen des Menschen zerstört wurde. „Ist der Geschmack der Beiwohnung weggenommen worden“ – wobei „Beiwohnung“ ein Sammelname für alle Vergnügen ist. „Und den Übertretern gegeben worden“ – das ist verwunderlich: Warum sollten gerade die Übertreter mehr Geschmack am Vergnügen der materiellen Dinge empfinden als jene, die keine Übertreter sind? Als gebühre ihnen ein Lohn dafür, dass sie Übertreter sind, indem sie mehr Geschmack am Vergnügen empfinden als andere.
Um das zu verstehen, müssen wir betrachten, was im Lauf der Welt üblich ist. Wenn jemand erreichen kann, dass ein anderer für geringen Lohn bei ihm arbeitet, wird er ihm nicht mehr zahlen. Vielmehr ist jeder bestrebt, einen Arbeiter zu gewinnen, der bei ihm arbeitet und alles tut, was er von ihm verlangt, und ihm dabei möglichst wenig Lohn zu zahlen. Man kann aber nicht sagen, dass er ihm mehr zahlt, als der Arbeiter verlangt. Daraus ergibt sich, auf die Arbeit für den Schöpfer bezogen: Kommt der böse Trieb (Jezer haRa) zum Menschen und sagt ihm „Übertritt das Gebot der Tora“, so sagt der Mensch zu ihm: „Was gibst du mir dafür?“ Da sagt der böse Trieb zu ihm: „Dafür, dass du auf mich hörst, gebe ich dir, sagen wir zum Beispiel, zweihundert Gramm Vergnügen.“ Darauf sagt der Mensch zu ihm: „Für zweihundert Gramm Vergnügen will ich das Gebot des Schöpfers nicht übertreten.“ Da muss der böse Trieb ihm noch hundert Gramm hinzulegen, bis der Mensch auf ein solches Vergnügen nicht mehr verzichten kann und auf die Stimme des bösen Triebs hören muss.
Daraus folgt: In dem Maß, wie der Mensch die Größe der Sünde einschätzt, fällt es ihm schwer, das Gebot zu übertreten. Und weil diese Tat – das Gebot des Schöpfers zu übertreten – schwer ist, und weil die Regel gilt, dass man für schwere Arbeit guten Lohn zahlen muss, muss der böse Trieb in dem Maß, wie es ihm schwerfällt, die Übertretung zu begehen, einen großen Lohn geben – nämlich ein großes Vergnügen als Gegenleistung für die Übertretung. Fällt es hingegen nicht schwer, das Gebot des Schöpfers zu übertreten, so ist der böse Trieb nicht verpflichtet, ihm ein großes Vergnügen zu geben.
Daraus ergibt sich: Jene Weltlichen, die Tora und Mizwot überhaupt nicht halten, empfinden nicht, dass sie damit eine Übertretung begehen, wie unsere Weisen sagten (Yoma, Blatt 86b): „Hat ein Mensch eine Übertretung begangen und sie wiederholt, so wird sie ihm wie etwas Erlaubtes.“ Der böse Trieb braucht ihnen also keinen Geschmack an der Übertretung zu geben, denn für sie ist es nicht schwer, Übertretungen zu begehen, sodass er sie dafür entlohnen müsste. Darum empfinden sie keinen großen Geschmack an der Übertretung; er findet ja immer Arbeiter, die für ihn arbeiten wollen, und so braucht er ihnen kein großes Vergnügen zu zahlen.
Anders ist es bei jenen Menschen, die keine Übertretungen begehen wollen: Im Augenblick der Tat, wenn er spürt, dass er eine Übertretung begehen wird, fällt es ihm schwer, sie zu tun. Darum muss der böse Trieb sie einen großen Geschmack an der Übertretung empfinden lassen, sonst hören sie nicht auf seine Stimme und befolgen seine Befehle nicht. Deshalb muss er ihnen viel Vergnügen zahlen.
Damit lässt sich nun auslegen: „Seit der Tempel zerstört wurde“ – das heißt, sobald keine Heiligkeit im Herzen des Menschen ist –, „ist der Geschmack weggenommen worden“, der allgemeine Geschmack der Vergnügen, der „Beiwohnung“ heißt, „und den Übertretern gegeben worden“. Das bedeutet: Solange ein Mensch spürt, dass er eine Übertretung begeht, empfindet er den Geschmack. Aber „hat er sie begangen und wiederholt, sodass sie ihm wie erlaubt wird“, gibt ihm der böse Trieb kein Vergnügen mehr, weil er bereits ohne jeden Lohn arbeitet – denn das Begehen der Übertretungen fällt ihm nicht mehr schwer.
Darum unterliegen die Religiösen einem großen Irrtum, wenn manche von ihnen meinen, die Weltlichen hätten einen Geschmack an den materiellen Vergnügen. Denn sie dienen dem bösen Trieb ohne jede Gegenleistung, weil ihre ganze Lebenskraft im Widerstand gegen die Religion liegt; und sie haben nicht das Vergnügen, das die Religiösen meinen, weil der böse Trieb, wie gesagt, keinen Lohn umsonst gibt. Wundere dich darum nicht, wenn ein Mensch sieht, dass er, als er die Arbeit des Gebens begann, eine stärkere Lust auf materielle Begierden bekam. Das liegt nicht daran, dass er einen Abstieg erlitten hätte. Im Gegenteil: Weil er jetzt nicht mehr empfangen will, um zu empfangen, sondern nur noch geben will, gibt ihm der böse Trieb – wenn er kommt, um ihn von der Arbeit des Gebens abzuhalten – einen stärkeren Geschmack an den materiellen Vergnügen, damit er auf seine Stimme hört und sein Verlangen zu empfangen nicht überwinden kann.
Bevor er aber die Arbeit des Gebens begann, als er sich mit materiellen Begierden befasste, hatte er keine so große Lust auf materielle Begierden, weil er sich mit ihnen ohne großes Vergnügen befasste. Anders nun, da er die Arbeit des Gebens begonnen hat: Spürt er keinen großen Geschmack, so kann der böse Trieb gewiss nichts ausrichten, denn dann hört er nicht auf seine Stimme. Daraus folgt: In dem Maß, wie der Mensch sich von der Eigenliebe entfernt, beginnt er einen stärkeren Geschmack (an den materiellen Begierden) zu empfinden, weil er sonst, wie gesagt, nicht auf die Stimme (des bösen Triebs) hört.
Daraus ergibt sich, dass der Mensch nicht erschrecken soll, wenn er mitten in der Arbeit ein Verlangen nach materiellen Begierden bekommt, obwohl zuvor von solchen Begierden keine Rede war. Denn jetzt muss er jedes Mal das Gefäß des Empfangens korrigieren; je größer also das Vergnügen ist, desto größer ist, wie es heißt, sein Verlangen. Und wenn er das Verlangen korrigiert, also es überwindet, läutert er jedes Mal ein Verlangen, das „Kli“ heißt, indem er es aus den Klipot herausnimmt und in die Heiligkeit einführt. Darum gibt man ihm jedes Mal eine größere Begierde, wie gesagt.
Doch jedes Mal muss er beten, dass man ihm von oben Kraft gebe, dieses Kli, das „Verlangen“ heißt, zu überwinden. Das nennt man „Korrektur der Gefäße (Kelim) an der Wurzel seiner Seele“. Diese Gefäße, die er korrigieren muss, beginnen mit den Gefäßen des materiellen Verlangens zu empfangen, und am Ende korrigiert er die Gefäße – also die Verlangen des Empfangens – für die spirituellen Dinge. Und für sie alle muss er den Schöpfer bitten, ihm die Kraft des Massach (Schirm) zu geben, also die Hilfe von oben, wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“
Nun wollen wir erklären, was wir gefragt haben:
Erstens zu dem, was der Heilige Sohar erklärt – dass Jakob das Erstgeburtsrecht gegeben wurde, obwohl Esau zuerst geboren wurde. Er erklärt, Esau sei eine Klipa und sei deshalb zuerst hervorgekommen; danach kam Jakob, weil die Ordnung ist, dass „die Klipa der Frucht vorausgeht“. Wir fragten: Es gibt doch bereits eine einfache Antwort, wie Rashi sie zu Beginn des Tora-Abschnitts Bereshit anführt, wo geschrieben steht: „Er tat die Macht Seiner Werke Seinem Volk kund, damit, wenn die Völker sagen ‚Ihr seid Räuber‘, sie ihnen sagen: ‚Die ganze Erde gehört dem Schöpfer. Er hat sie erschaffen und dem gegeben, der in Seinen Augen recht ist. Nach Seinem Willen nahm Er sie ihnen und gab sie uns.‘“ Wozu also fügt er hier eine weitere Antwort hinzu?
Zweitens: Warum muss „die Klipa der Frucht vorausgehen“? Nach dem Gesagten ist es einfach: Der Schöpfer erschuf die Welt, und die Schöpfung ist allein das Kli. Bekanntlich heißt das Licht nicht „Schöpfung“, sondern „Sein aus Sein“. Darum kann man nicht sagen, Er hätte zuerst eine Korrektur für die Schöpfung erschaffen müssen, bevor Er überhaupt etwas zu korrigieren hatte. Das heißt: Zuerst erschuf Er das Kli, das „Verlangen zu empfangen“ heißt, und danach trat über dieses Kli eine Korrektur ein, die „Zimzum (Einschränkung) und Verhüllung“ genannt wird. Daraufhin strömte zu den Unteren der Aspekt der „Völker der Welt“ herab, nämlich das Verlangen zu empfangen, um zu empfangen, das ein Kli ohne Korrektur ist. Und ein Kli ohne Korrektur heißt „Klipa“.
Es kann also gar nicht anders sein, denn man kann das, was noch nicht in der Welt entstanden ist, nicht korrigieren. Wenn sie also sagen „Er hat sie erschaffen“, so bedeutet das: Er erschuf die Welt nach der geltenden Ordnung, das heißt, zuerst entsteht ein Mangel, und danach lässt sich der Mangel korrigieren. Nach der Regel von Wurzel und Zweig muss deshalb zuerst der Empfänger hervorkommen, der empfängt, um zu empfangen – das ist das Gegenteil des Schöpfers, also Ungleichheit der Form, die „Völker der Welt“ heißt –, wie im Heiligen Sohar geschrieben steht: „Bei den Völkern der Welt: Alles Gute, das sie tun, tun sie für sich selbst.“ Und das heißt „Klipa, die der Frucht vorausgeht“. Das heißt: „Klipa“ nennt man das, was nicht zum Verzehr taugt, weil die Fülle nach der Korrektur des Zimzum nicht in die Gefäße des Empfangens gelangt.
Anders aber danach, wenn die Korrektur kommt, die „mit der Absicht zu geben“ heißt – das ist der Aspekt Jakobs. Und das heißt „Frucht“, weil das Verlangen zu empfangen nun eine Korrektur hat, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Jetzt gibt es einen Ort, an dem man Früchte essen kann, weil hier eine Angleichung der Form zwischen dem Licht und dem Kli besteht. Dann wird das Kli der Früchte gewürdigt. Anders die Sitra Achra; von ihr sagte der Heilige Sohar: „Ein fremder Gott ist unfruchtbar und trägt keine Frucht.“ Und darum sagt er, Jakob heiße „Bund“ – denn einen Bund zu schließen bedeutet, dass zwischen ihnen Übereinstimmung besteht. So steht geschrieben: „Denn ein Zeichen des ewigen Bundes ist es zwischen Mir und den Kindern Israels, ein ewiges Zeichen ist es.“
Daraus folgt: Jene Antwort, die Rabbi Jizchak gibt – der Grund liege in der „Macht Seiner Werke“ –, ist dieselbe Antwort, dass Er sie nach der Ordnung erschuf, in der „die Klipa der Frucht vorausgeht“. Aus Zweig und Wurzel ergibt sich, dass zuerst die Klipa erschaffen werden muss, die empfängt, um zu empfangen, und danach die Korrektur hervorkommt, die Israel oder Jakob ist. Damit wird deutlich: Was er sagt – „Er nahm sie ihnen und gab sie uns“ –, das bedeutet zu korrigieren, weil das die Ordnung ist.
korrOp, EY, 03.08.2026, 03:02 Uhr, Ver5