<- Kabbala Bibliothek
Weiterlesen ->
Kabbala Bibliothek Startseite / Rabash / Artikel / 1986/36 Was ist die Vorbereitung auf die Selichot [Vergebung]?

Rabash – 1986 – Artikel 36 – „Was ist die Vorbereitung auf die Selichot [Vergebung]?“ (הכנה לסליחות מהו)

Nr.

Deutsch NEU

עברית

Deutsch ALT

1

Bekanntlich muss man für alles, was man will, die Mittel bereiten, um die Sache zu erreichen. Was also muss der Mensch bereiten, um Vergebung (Selichot – Vergebungsgebete) zu empfangen? In der Körperlichkeit sehen wir, dass ein Mensch zum anderen nicht „Verzeihung“ sagt, es sei denn, er hat ihm etwas angetan, wodurch der andere zu Schaden kam – an Geld, an seiner Ehre oder durch körperliches Leid, indem er ihm etwa eine Verletzung zufügte und dergleichen. Dann ist es angebracht zu sagen, dass der eine den anderen um Verzeihung bittet, damit er ihm die Sünde verzeiht, die er an ihm begangen hat. Und hier sind zwei Dinge zu unterscheiden:

ידוע, לכל דבר שרוצים, צריכים להכין את האמצעים, להשיג את הדבר. לפי זה מה האדם צריך להכין, בכדי שיקבל סליחות. בגשמיות אנו רואים, שאין אדם אומר להשני "סליחה", אלא אם כן שעשה לו משהו, שעל ידי זה השני נפגע, בכסף, או בכבודו, או ביסורי הגוף, שגרם לו איזה חבלה וכדומה. אז שייך לומר, שחבירו יבקש ממנו סליחה, שיסלח לו על החטא שעשה לו. וכאן יש להבחין ב' דברים:

Bekanntlich muss man für alles, was man will, die Mittel bereiten, um die Sache zu erreichen. Was also muss der Mensch bereiten, um Vergebung (Selichot – Vergebungsgebete) zu empfangen? In der Körperlichkeit sehen wir, dass ein Mensch zum anderen nicht „Verzeihung“ sagt, es sei denn, er hat ihm etwas angetan, wodurch der andere zu Schaden kam – an Geld, an seiner Ehre oder durch körperliches Leid, indem er ihm etwa eine Verletzung zufügte und dergleichen. Dann ist es angebracht zu sagen, dass der eine den anderen um Verzeihung bittet, damit er ihm die Sünde verzeihe, die er an ihm begangen hat. Und hier sind zwei Dinge zu unterscheiden:

2

1. Wenn er ihm nichts angetan hat und ihn dennoch um Verzeihung bittet, betrachtet ihn der andere wie einen Menschen, der nicht bei klarem Verstand ist. Stellen wir uns vor, wir sähen einen Menschen die Straße entlanggehen, der zu jedem „Verzeihung, Verzeihung“ sagt – was würden wir über ihn sagen? Gewiss, dass er verrückt ist. Denn „Verzeihung“ sagt man nur für ein Vergehen.

א. אם לא עשה לו שום דבר ומבקש ממנו סליחה, השני מסתכל עליו כמו על אדם שאיננו שפוי בדעתו. נצייר לעצמנו, אם אנו רואים אדם הולך ברחוב, ואומר לכל אחד "סליחה, סליחה", מה היינו אומרים עליו, בטח שהוא משוגע, כי "סליחה" שייך לומר רק על איזו עבירה.

1. Wenn er ihm nichts angetan hat und ihn dennoch um Verzeihung bittet, betrachtet ihn der andere wie einen Menschen, der nicht bei klarem Verstand ist. Stellen wir uns vor, wir sähen einen Menschen die Straße entlanggehen, der zu jedem „Verzeihung, Verzeihung“ sagt – was würden wir über ihn sagen? Gewiss, dass er verrückt ist. Denn „Verzeihung“ sagt man nur für ein Vergehen.

3

2. Wenn ein Mensch dem anderen einen sehr großen Schaden zugefügt hat und ihn um Verzeihung bittet, als wäre es eine Kleinigkeit, so wird er gewiss nicht erlangen, worum er bittet. Denn er hat ein großes Vergehen gegen ihn begangen, bittet aber um Verzeihung, als hätte er nur eine Kleinigkeit getan. Gewiss kommt es nicht in Betracht, dass jener ihm verzeiht. Vielmehr bemisst der Mensch das Ausmaß des Schadens, den er seinem Nächsten zugefügt hat, und in diesem Maß ergreift er die Mittel, damit sein Nächster bereit ist, ihm zu verzeihen.

ב. אם אדם עשה להשני הפסד גדול מאוד, והוא מבקש ממנו סליחה, כעל דבר קטן שעשה לו, בטח שלא יקבל את מבוקשו, כי הוא עשה נגדו עבירה גדולה, ומבקש ממנו סליחה, כאילו הוא עשה דבר קטן. בטח שדבר זה אינו בא בחשבון, שיסלח לו. אלא האדם מודד את שיעור הפגיעה, שעשה בחבירו, בשיעור זה הוא עושה את האמצעים, שחבירו יסכים לסלוח לו.

2. Wenn ein Mensch dem anderen einen sehr großen Schaden zugefügt hat und ihn um Verzeihung bittet, als wäre es eine Kleinigkeit, so wird er gewiss nicht erlangen, worum er bittet. Denn er hat ein großes Vergehen gegen ihn begangen, bittet aber um Verzeihung, als hätte er nur eine Kleinigkeit getan. Gewiss kommt es nicht in Betracht, dass jener ihm verzeiht. Vielmehr bemisst der Mensch das Ausmaß des Schadens, den er seinem Nächsten zugefügt hat, und in diesem Maß ergreift er die Mittel, damit sein Nächster bereit ist, ihm zu verzeihen.

4

Das sehen wir an der Ordnung des Verhaltens in der Körperlichkeit – wie der Mensch sich in der Frage der Verzeihung zwischen Mensch und Nächstem verhält. Und vom Verhältnis zwischen Mensch und Nächstem müssen wir dieselbe Ordnung für das Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer lernen. Das heißt: Wenn der Mensch den Schöpfer um Vergebung für seine Sünden bittet, gelten ebenso die beiden genannten Aspekte.

וזה אנו רואים בסדר הנהגה בגשמיות, איך האדם מתנהג בענין הסליחה שבין אדם לחבירו. ומבין אדם לחבירו, אנו צריכים ללמוד אותו סדר בין אדם למקום. זאת אומרת, כשהאדם הולך לבקש סליחה מאת ה', שיסלח לו על עוונותיו, גם כן נוהגות ב' בחינות הנ"ל.

Das sehen wir an der Ordnung des Verhaltens in der Körperlichkeit – wie der Mensch sich in der Frage der Verzeihung zwischen Mensch und Nächstem verhält. Und vom Verhältnis zwischen Mensch und Nächstem müssen wir dieselbe Ordnung für das Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer lernen. Das heißt: Wenn der Mensch den Schöpfer um Vergebung für seine Sünden bittet, gelten ebenso die beiden genannten Aspekte.

5

1. Dass es nicht angebracht ist, um Verzeihung für ein Nichts zu bitten, sondern nur für das, womit man den anderen verletzt hat. Andernfalls erscheint man als ein Mensch, der nicht normal ist – oder als einer, der den anderen verspottet, indem er ihn um Verzeihung bittet.

א. שלא שייך לומר סליחה על הלא דבר, רק על מה שפגע בהשני. אחרת הוא נראה כאדם בלתי נורמלי. או שמתלוצץ מהשני, בזה שהוא מבקש ממנו סליחה.

1. Dass es nicht angebracht ist, um Verzeihung für ein Nichts zu bitten, sondern nur für das, womit man den anderen verletzt hat. Andernfalls erscheint man als ein Mensch, der nicht normal ist – oder als einer, der den anderen verspottet, indem er ihn um Verzeihung bittet.

6

2. Dass das Maß der Bitte um Verzeihung dem Maß entspricht, in dem man den anderen verletzt hat. Wenn der Mensch deshalb den Schöpfer bittet, ihm zu verzeihen, was er gegen Ihn gesündigt und womit er Seine Ehre verletzt hat, dann muss der Mensch über das nachdenken, was er gegen den Schöpfer gesündigt hat. Denn wenn ein Mensch keine Sünde empfindet und dennoch um Vergebung bittet, ist es, als triebe er Spott: Er schreit, weint und bittet den Schöpfer um Vergebung, während er selbst nicht spürt, dass er die Ehre des Königs irgendwie verletzt hat.

ב. שסדר הביקוש של הסליחה, הוא לפי ערך שפגע בהשני. אי לזאת, כשהאדם בא לבקש מה', שיסלח לו על מה שחטא כנגדו, ופגם בכבודו יתברך, אז האדם צריך לחשוב מחשבות, בענין מה שחטא להבורא. היות אם האדם לא מרגיש שום חטא, ומבקש סליחה, הרי כאילו הוא מתלוצץ, וצועק, ובוכה, ומבקש מהבורא סליחה, בו בעת שהוא לא מרגיש בעצמו שפגע משהו בכבוד המלך.

2. Dass das Maß der Bitte um Verzeihung dem Maß entspricht, in dem man den anderen verletzt hat. Wenn der Mensch deshalb den Schöpfer bittet, ihm zu verzeihen, was er gegen Ihn gesündigt und womit er Seine Ehre verletzt hat, dann muss der Mensch über das nachdenken, was er gegen den Schöpfer gesündigt hat. Denn wenn ein Mensch keine Sünde empfindet und dennoch um Vergebung bittet, ist es, als triebe er Spott: Er schreit, weint und bittet den Schöpfer um Vergebung, während er selbst nicht spürt, dass er die Ehre des Königs irgendwie verletzt hat.

7

Der Grund, warum der Mensch seine Sünden nicht spürt, ist, wie unsere Weisen sagten (Traktat Joma 86b): „Hat ein Mensch ein Vergehen begangen und es wiederholt, so wird es ihm wie erlaubt.“ Daraus ergibt sich der Grund, warum der Mensch seine Sünden nicht spürt, wenn er den Schöpfer um Vergebung bitten will.

והסיבה מה שאין האדם מרגיש את חטאיו, הוא כמו שאמרו חז"ל (יומא פ"ו:) "עבר אדם עבירה ושנה בה, נעשה לו כהיתר". ומזה נמשכת הסיבה, מה שאין האדם מרגיש את חטאיו, בזמן שהוא הולך לבקש סליחה מה'.

Der Grund, warum der Mensch seine Sünden nicht spürt, ist, wie unsere Weisen sagten (Traktat Joma 86b): „Hat ein Mensch ein Vergehen begangen und es wiederholt, so wird es ihm wie erlaubt.“ Daraus ergibt sich der Grund, warum der Mensch seine Sünden nicht spürt, wenn er den Schöpfer um Vergebung bitten will.

8

Es zeigt sich also: Nach dem zweiten Aspekt – nämlich das Ausmaß der Sünde zu erkennen – muss der Mensch zuerst Rechenschaft ablegen über das Ausmaß des Makels, den er an der Ehre des Königs angerichtet hat. Andernfalls ist es nicht angebracht, „Verzeihung“ zu sagen. Der Mensch muss sich vielmehr nach Kräften bemühen, seine Bitte so vorzubringen – dass Er ihm seine Sünden je nach dem, was er gesündigt hat, vergibt –, dass beides im Gleichgewicht steht.

נמצא, לפי הבחנה ב', היינו להבחין בגדלות החטא, יש צורך שהאדם צריך מקודם לתת דין וחשבון על גודל הפגם, מה שפגם בכבוד המלך. אחרת לא שייך לומר "סליחה". רק שהאדם צריך להשתדל, עד כמה שאפשר, שיוכל לתת את הביקוש, שימחול לו על עוונותיו, כפי מה שחטא, שיהיה משקל שוה.

Es zeigt sich also: Nach dem zweiten Aspekt – nämlich das Ausmaß der Sünde zu erkennen – muss der Mensch zuerst Rechenschaft ablegen über das Ausmaß des Makels, den er an der Ehre des Königs angerichtet hat. Andernfalls ist es nicht angebracht, „Verzeihung“ zu sagen. Der Mensch muss sich vielmehr nach Kräften bemühen, seine Bitte so vorzubringen – dass Er ihm seine Sünden je nach dem, was er gesündigt hat, vergebe –, dass beides im Gleichgewicht steht.

9

Nun sagten unsere Weisen (Traktat Sukka 52), dass den Frevlern die Sünden wie ein Haar erscheinen, den Gerechten (Zaddikim) aber wie ein hoher Berg. Es erhebt sich die Frage: Was bedeutet dieses Erscheinen? Sie sagten ja „es erscheint ihnen“ – aber was ist die Wahrheit?

והנה חז"ל אמרו (סוכה נ"ב), שאצל הרשעים נדמה להם החטאים כחוט השערה, ולצדיקים נדמה להם כהר גבוה. ונתעוררת השאלה, הדמיון הזה מהו. היינו, אמרו "נדמה להם". אבל מהו האמת.

Nun sagten unsere Weisen (Traktat Sukka 52), dass den Frevlern die Sünden wie ein Haar erscheinen, den Gerechten aber wie ein hoher Berg. Es erhebt sich die Frage: Was bedeutet dieses Erscheinen? Sie sagten ja „es erscheint ihnen“ – aber was ist die Wahrheit?

10

In Wahrheit ist es so: Solange der Mensch nicht darauf achtet, gegen wen er gesündigt hat, und die Bedeutung und Größe des Schöpfers nicht spürt, befindet er sich im Mangel an Glauben. Wenn er dann zu denken beginnt: „Bin ich nicht auch ein Jude?“ – und da jetzt der Monat Elul ist, ein Monat der Barmherzigkeit, und es seit jeher Brauch in Israel ist, dass jeder, der den Namen Israel trägt, weiß: Jetzt ist die Zeit, den Schöpfer zu bitten, die Sünde des Hauses Israel zu vergeben; und man bläst auch das Shofar (Widderhorn), damit das Herz des Menschen einen Gedanken der Umkehr (Teshuwa) über die Sünden aufnimmt –, dann glaubt der Mensch, dass gewiss auch er gesündigt hat und den Schöpfer um Vergebung bitten muss.

והענין הוא, כי בזמן שהאדם לא משים לב למי הוא חטא, ואינו מרגיש את חשיבות וגדלות הבורא, והוא בחסרון אמונה, אז, כשמתחיל לחשוב "הלא גם אני יהודי". והיות כעת הוא חודש אלול, ומנהג ישראל הוא בכל הדורות, כיון שהוא חודש של רחמים, וכל מי שבשם ישראל יכונה, ידוע שעכשיו הוא הזמן לבקש מה', שימחול על חטאת בית ישראל, וגם תוקעין שופר, בכדי שהלב של האדם יכניס לעצמו הרהור תשובה על החטאים, אז האדם מאמין, שבטח שגם הוא חטא, וצריך לבקש סליחה מה'.

Die Sache ist die: Solange der Mensch nicht darauf achtet, gegen wen er gesündigt hat, und die Bedeutung und Größe des Schöpfers nicht spürt, befindet er sich im Mangel an Glauben. Wenn er dann zu denken beginnt: „Bin ich nicht auch ein Jude?“ – und da jetzt der Monat Elul ist, ein Monat der Barmherzigkeit, und es seit jeher Brauch in Israel ist, dass jeder, der den Namen Israel trägt, weiß: Jetzt ist die Zeit, den Schöpfer zu bitten, die Sünde des Hauses Israel zu vergeben; und man bläst auch das Schofar (Widderhorn), damit das Herz des Menschen einen Gedanken der Umkehr (Teshuwa) über die Sünden aufnimmt –, dann glaubt der Mensch, dass gewiss auch er gesündigt hat und den Schöpfer um Vergebung bitten muss.

11

Doch wie groß ist das Ausmaß des Makels, den er dem König zugefügt hat? Dieses Empfinden kann der Mensch nicht aufbringen. Vielmehr kann er nur nach dem Maß seines Glaubens an die Größe des Schöpfers das Ausmaß des Makels ermessen, den er mit seinen Sünden angerichtet hat. Darum sind all jene, die hingehen, um Verzeihung zu erbitten, ohne jede Vorbereitung darauf, wofür sie um Verzeihung bitten, nichts anderes als einer, der jemanden um Verzeihung bittet, obwohl er ihm Böses angetan hat – wofür wahre Reue über das Getane nötig wäre –, und der dennoch um Verzeihung bittet, als hätte er nur eine Belanglosigkeit gegen ihn verschuldet. Und so hat die Bitte um Verzeihung keinen wirklichen Wert, wie er bei einer wirklichen Sünde sein müsste.

אבל כמה השיעור של הפגם שפגם בהמלך. הרגשה זו אין בידי האדם להרגיש. אלא כפי שיעור אמונתו בגדלות ה', ובשיעור זה הוא יכול לשער בעצמו גודל הפגם שעשה עם חטאיו. אי לזאת, כל אלה שהולכים לומר ולבקש סליחה, בלי שום הכנה על מה שהם מבקשים סליחה, אין זה אלא כמו מי שמבקש ממי שהוא סליחה, אף על פי שהוא עשה נגדו דברים רעים, שעל זה צריכה להיות חרטה אמיתית, על מה שהוא עשה. והוא מבקש סליחה, כאילו חטא נגדו בדבר של מה בכך. וממילא אין הדבר של ביקוש סליחה ענין ערך של ממש, כמו שצריך להיות על חטא ממש.

Doch wie groß ist das Ausmaß des Makels, den er dem König zugefügt hat? Dieses Empfinden vermag der Mensch nicht aufzubringen. Vielmehr kann er nur nach dem Maß seines Glaubens an die Größe des Schöpfers das Ausmaß des Makels ermessen, den er mit seinen Sünden angerichtet hat. Darum sind all jene, die hingehen, um Verzeihung zu erbitten, ohne jede Vorbereitung darauf, wofür sie um Verzeihung bitten, nichts anderes als einer, der jemanden um Verzeihung bittet, obwohl er ihm Böses angetan hat – wofür wahre Reue über das Getane nötig wäre –, und der dennoch um Verzeihung bittet, als hätte er nur eine Belanglosigkeit gegen ihn verschuldet. Und so hat die Bitte um Verzeihung keinen wirklichen Wert, wie er bei einer wirklichen Sünde sein müsste.

12

Aus dem Gesagten folgt: Bevor der Mensch um Verzeihung bittet, muss er zuerst eine Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) über den Kern der Sünde anstellen. Danach kann er auf die Sünden blicken, die durch den Kern der Sünde verursacht wurden. Und der Mensch muss wissen: Der Kern der Sünde – das, womit der Mensch Schaden anrichtet und aus dem alle Sünden hervorgehen – besteht darin, dass der Mensch sich nicht bemüht, einen beständigen Glauben zu haben. Hat er nur einen teilweisen Glauben, so gibt er sich bereits damit zufrieden.

ובהאמור יוצא, שמטרם שהאדם הולך לבקש סליחה, צריך מקודם לתת לעצמו חשבון נפש על עיקר החטא. ואח"כ הוא יכול להסתכל על החטאים, שנגרמו על ידי עיקר החטא. והאדם צריך לדעת, שעיקר החטא, במה שהאדם פוגם, שמסיבה זו נמשכו כל החטאים, הוא שאין האדם משתדל, שיהיה לו אמונה בקביעות. ורק אם יש לו אמונה חלקית, כבר הוא מסתפק בזה.

Aus dem Gesagten folgt: Bevor der Mensch um Verzeihung bittet, muss er zuerst eine Gewissensprüfung über den Kern der Sünde anstellen. Danach kann er auf die Sünden blicken, die durch den Kern der Sünde verursacht wurden. Und der Mensch muss wissen: Der Kern der Sünde – das, womit der Mensch Schaden anrichtet und aus dem alle Sünden hervorgehen – besteht darin, dass der Mensch sich nicht bemüht, einen beständigen Glauben zu haben. Hat er nur einen teilweisen Glauben, so gibt er sich bereits damit zufrieden.

13

Das entspricht dem, was in der Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘ (Abschnitt 14) steht: Wenn er einen beständigen Glauben hätte, würde dieser Glaube ihn nicht sündigen lassen. Das heißt: Er bittet den Schöpfer um Vergebung, weil er den wahren Grund aller Sünden erkennt – nämlich dass ihm der beständige Glaube fehlt. Darum bittet er den Schöpfer, ihm diese Kraft zu geben, also die Möglichkeit, dass der Glaube immer in seinem Herzen verankert ist. Dann wird er gar nicht erst dazu kommen, Sünden zu begehen und die Ehre des Schöpfers zu verletzen. Denn weil er das Empfinden für die Größe des Schöpfers nicht hat, weiß er nicht, wie er die Himmelsehre zu schätzen hat und sie nicht verletzt.

וזהו כמו שכתוב בהקדמה לתע"ס (אות י"ד), שאם היה לו אמונה בקביעות, אמונה הזו לא היתה נותנת לו לחטוא. זאת אומרת, שהוא מבקש סליחה מה', היות שהוא רואה הסיבה האמיתית לכל החטאים, היא בזה, שחסרה לו אמונה בקביעות. אי לזאת, הוא מבקש מה', שיתן לו את הכח הזה, היינו שתהיה לו האפשרות, שתמיד יהיה נקבע בלבו את האמונה. וממילא הוא לא יבוא לעשות חטאים ולפגוע בכבוד ה'. היות, כיון שאין לו ההרגשה בגדלות ה', ומשום שאין הוא יודע איך להעריך את הכבוד שמים, ולא לפגוע בו.

Das entspricht dem, was in der Einführung in das Studium der Zehn Sefirot (Abschnitt 14) steht: Hätte er einen beständigen Glauben, so würde dieser Glaube ihn nicht sündigen lassen. Das heißt: Er bittet den Schöpfer um Vergebung, weil er den wahren Grund aller Sünden erkennt – nämlich dass ihm der beständige Glaube fehlt. Darum bittet er den Schöpfer, ihm diese Kraft zu geben, also die Möglichkeit, dass der Glaube stets in seinem Herzen verankert sei. Dann wird er gar nicht erst dazu kommen, Sünden zu begehen und die Ehre des Schöpfers zu verletzen. Denn weil er das Empfinden für die Größe des Schöpfers nicht hat, weiß er nicht, wie er die Himmelsehre zu schätzen hat und sie nicht verletzt.

14

Darum bittet er den Schöpfer um Vergebung – dass Er ihm hilft und ihm die Kraft gibt, das Joch des Königtums des Himmels über dem Verstand auf sich zu nehmen; dass er also die Kraft zur Überwindung hat und sich im Glauben an den Schöpfer stärkt und weiß, wie er sich im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer mit ein wenig Ehrfurcht vor der Ehre verhalten soll.

אי לזאת, הוא מבקש סליחה מה', שיעזור לו, שיתן לו כח לקבל על עצמו את עול מלכות שמים למעלה מהדעת. היינו, שיהיה לו כח התגברות, ולהתחזק באמונת ה'. וידע, איך להתנהג בין אדם למקום עם קצת יראת הכבוד.

Darum bittet er den Schöpfer um Vergebung – dass Er ihm helfe und ihm die Kraft gebe, das Joch des Himmelreichs über dem Verstand auf sich zu nehmen; dass er also die Kraft zur Überwindung habe und sich im Glauben an den Schöpfer stärke und wisse, wie er sich im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer mit ein wenig Ehrfurcht verhalten soll.

15

Das heißt: Wenn der Mensch sich Rechenschaft ablegt, wird er sehen, dass ihm nur eines fehlt – nämlich eine Selbstprüfung darüber, was der Unterschied zwischen einem Juden und einem Nichtjuden ist, für den wir täglich den Segen sprechen: „Gesegnet seist Du, Schöpfer, der Du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast.“ Doch der Mensch achtet nicht auf das, was er da sagt: „der Du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast.“ Er betrachtet sich also nicht daraufhin, worin er Israel und nicht ein Nichtjude ist. Denn man muss wissen: Der wesentliche Unterschied liegt im Glauben – Israel glaubt an den Schöpfer, der Nichtjude aber hat keinen Glauben an den Schöpfer.

זאת אומרת, כשהאדם יתן חשבון לעצמו, אז הוא יראה, שרק דבר אחד חסר לו. היינו, לעשות חשבון נפש, מה ההבדל בין יהודי לנכרי, אשר עבור זה אנו עושים ברכה בכל יום "ברוך אתה ה' שלא עשני גוי". ואין האדם נותן תשומת לב במה שאומר "שלא עשני גוי". היינו, שהוא לא מסתכל על עצמו, במה הוא ישראל ולא גוי. שצריכים לדעת, כי עיקר ההבחן הוא באמונה, שישראל מאמין בה', והגוי אין לו אמונה בה'.

Das heißt: Wenn der Mensch sich Rechenschaft ablegt, wird er sehen, dass ihm nur eines fehlt – nämlich eine Gewissensprüfung darüber, was der Unterschied zwischen einem Juden und einem Nichtjuden ist, für den wir täglich den Segen sprechen: „Gesegnet seist Du, Schöpfer, der Du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast.“ Doch der Mensch achtet nicht auf das, was er da sagt: „der Du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast.“ Er betrachtet sich also nicht daraufhin, worin er Israel und nicht ein Nichtjude ist. Denn man muss wissen: Der wesentliche Unterschied liegt im Glauben – Israel glaubt an den Schöpfer, der Nichtjude aber hat keinen Glauben an den Schöpfer.

16

Und nachdem er diesen Unterschied bereits kennt, muss er sich prüfen, wie groß sein Maß im Glauben an den Schöpfer ist – wie gesagt, in der Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘ (Abschnitt 14): wie weit er bereit ist, zugunsten seines Glaubens an den Schöpfer zu verzichten. Dann wird er die Wahrheit erkennen können. Das heißt: ob er bereit ist, Handlungen einzig zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu vollziehen – oder ob er nur in kleinem Maß bereit ist, um des Himmels willen zu handeln, sodass er seiner Selbstliebe keinen Schaden zufügt; andernfalls hat er nicht die Kraft, irgendetwas zu tun.

ולאחר שכבר יודע את ההבחן הזה, הוא צריך לבדוק עצמו, מהו שיעורו באמונת ה'. היינו כנ"ל בהקדמה לתע"ס (אות י"ד) עד כמה הוא מוכן לוותר לטובת אמונתו בה'. ואז תהיה לו היכולת לראות את האמת. שפירושו, אם הוא מוכן לעשות מעשים אך ורק לתועלת ה' ולא לתועלת עצמו. או רק בשיעורים קטנים הוא מוכן לעשות לשם שמים. היינו, שחס ושלום לא יפגום באהבה עצמית, אחרת אין בכוחו לעשות שום דבר.

Und nachdem er diesen Unterschied bereits kennt, muss er sich prüfen, wie groß sein Maß im Glauben an den Schöpfer ist – wie gesagt, in der Einführung in das Studium der Zehn Sefirot (Abschnitt 14): wie weit er bereit ist, zugunsten seines Glaubens an den Schöpfer zu verzichten. Dann wird er die Wahrheit erkennen können. Das heißt: ob er bereit ist, Handlungen einzig zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu vollziehen – oder ob er nur in kleinem Maß bereit ist, um des Himmels willen zu handeln, sodass er – Gott behüte – seiner Selbstliebe keinen Schaden zufügt; andernfalls hat er nicht die Kraft, irgendetwas zu tun.

17

Daraus folgt, dass dies der Ort ist, an dem er die Wahrheit erkennen kann – sein wahres Maß im Glauben an den Schöpfer. Daran kann er erkennen, dass alle Sünden nur aus diesem einen Grund entspringen. Dadurch erlangt er die Vorbereitung und die Eignung für den Augenblick, in dem er den Schöpfer bittet, ihm seine Sünden zu vergeben. Dann kann er das wahre Ausmaß des Makels ermessen – nämlich womit er die Ehre des Königs verletzt hat –, und er wird wissen, worum er den Schöpfer bitten soll, also für welche Sünden, die er begangen hat. Und er muss sie korrigieren, damit er nicht noch einmal sündigt.

נמצא לפי זה, שאז הוא המקום, שיכול לראות האמת, את שיעורו האמיתי באמונת ה'. ומזה הוא יכול לראות כל החטאים, הנובעים הוא רק מסיבה זו. ועל ידי זה הוא יקבל הכנה והכשרה, בזמן שהולך לבקש מה', שיסלח לו על עוונותיו. אז יוכל לשער את שיעורו האמיתי של הפגם, היינו במה שהוא פגם בכבודו של המלך, וידע מה לבקש מה', היינו על איזה חטאים שחטא. והוא צריך לתקן אותם, בכדי שלא יחטא עוד הפעם.

Daraus folgt, dass dies der Ort ist, an dem er die Wahrheit erkennen kann – sein wahres Maß im Glauben an den Schöpfer. Daran kann er erkennen, dass alle Sünden nur aus diesem einen Grund entspringen. Dadurch erlangt er die Vorbereitung und die Eignung für den Augenblick, in dem er den Schöpfer bittet, ihm seine Sünden zu vergeben. Dann kann er das wahre Ausmaß des Makels ermessen – nämlich womit er die Ehre des Königs verletzt hat –, und er wird wissen, worum er den Schöpfer bitten soll, also für welche Sünden, die er begangen hat. Und er muss sie korrigieren, damit er nicht noch einmal sündigt.

18

Aus dem Gesagten verstehen wir, was im Wochenabschnitt Nizzavim (sechster Abschnitt) geschrieben steht: „Denn diese Mizwa, die ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und nicht fern. Sie ist nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres; sondern das Wort ist dir sehr nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun.“

ובהאמור נבין מה שכתוב בפרשת נצבים (שישי) "כי המצוה הזו, אשר אנכי מצוך היום, לא נפלאת הוא ממך ולא רחוקה היא, לא בשמים היא, ולא מעבר לים היא, כי קרוב אליך הדבר מאוד, בפיך ובלבבך לעשותו".

Aus dem Gesagten verstehen wir, was im Wochenabschnitt Nizzavim (sechster Abschnitt) geschrieben steht: „Denn diese Mizwa, die ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und nicht fern. Sie ist nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres; sondern das Wort ist dir sehr nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun.“

19

Was bedeutet der Ausdruck „diese Mizwa“ – welche Mizwa meint er? Ebenso muss man verstehen, was die Deutung von „sie ist nicht zu wunderbar für dich“ ist. Es verhält sich wie gesagt: Die wesentliche Mizwa ist die Mizwa des Glaubens, nämlich an den Schöpfer zu glauben. Danach kann man Seine Mizwot einhalten. Und bei der Mizwa des Glaubens treten all die Ankläger und alle Hindernisse auf. Der Körper beginnt, viele Einwände zu erheben – teils Fragen, die der Körper selbst stellt, teils Fragen über den Glauben, die der Körper von anderen Menschen hört.

ולשון "כי המצוה הזאת", לאיזה מצוה הוא מתכוון. וכמו כן יש להבין, מהו הפירוש "לא נפלאת הוא ממך". והענין הוא כנ"ל, שעיקר המצוה היא מצות אמונה, היינו להאמין בה'. ואח"כ יכולים לקיים מצוותיו. ובמצות האמונה, כאן באים כל המקטרגים וכל ההפרעות. והגוף מתחיל להקשות הרבה קושיות, בין שהגוף בעצמו שואל. וכמו כן מה שהגוף שומע שאלות על האמונה מאנשים אחרים.

Was bedeutet der Ausdruck „diese Mizwa“ – welche Mizwa meint er? Ebenso muss man verstehen, was die Deutung von „sie ist nicht zu wunderbar für dich“ ist. Die Sache ist wie gesagt: Die wesentliche Mizwa ist die Mizwa des Glaubens, nämlich an den Schöpfer zu glauben. Danach kann man Seine Mizwot einhalten. Und bei der Mizwa des Glaubens treten all die Ankläger und alle Hindernisse auf. Der Körper beginnt, viele Einwände zu erheben – teils Fragen, die der Körper selbst stellt, teils Fragen über den Glauben, die der Körper von anderen Menschen hört.

20

Und sie kommen zum Menschen, sobald er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen will – „wie der Ochse für das Joch und der Esel für die Last“ –, also alles über dem Verstand. Plötzlich wird der Körper schlau und beginnt, Untersuchungen anzustellen und „Wer und was?“ zu fragen. Auf keine Weise lässt er zu, dass man die Mizwa des Glaubens auf sich nimmt. Und die Einwände des Körpers sind so stark, dass der Mensch ihm auf seine Fragen keine Erklärungen geben kann. Dann gerät der Mensch in Verwirrung, weil er nicht die Kraft hat, seine Einwände zu überwinden, die nach dem Verstand, mit dem er fragt, berechtigt sind. Und die Fragen des Körpers sind wahrhaft wundersam.

והם באים להאדם, בזמן שהאדם רוצה לקבל על עצמו עול מלכות שמים "כשור לעול וכחמור למשא", היינו הכל למעלה מהדעת. פתאום נעשה הגוף פיקח, ומתחיל לחקור חקירות. ושאלות "מי ומה". ובשום אופן לא נותן לו לקבל עליו את מצות האמונה. והקושיות של הגוף הם כל כך חזקות, עד שאין האדם מסוגל לתת לו תירוצים על שאלותיו. ואז בא האדם במבוכה, שאין לו כח להתגבר על טענותיו הצודקות, לפי השכל שהוא שואל. והשאלות של הגוף הוא ממש פלאי.

Und sie kommen zum Menschen, sobald er das Joch des Himmelreichs auf sich nehmen will – „wie der Ochse für das Joch und der Esel für die Last“ –, also alles über dem Verstand. Plötzlich wird der Körper schlau und beginnt, Untersuchungen anzustellen und „Wer und was?“ zu fragen. Auf keine Weise lässt er zu, dass man die Mizwa des Glaubens auf sich nimmt. Und die Einwände des Körpers sind so stark, dass der Mensch ihm auf seine Fragen keine Erklärungen geben kann. Dann gerät der Mensch in Verwirrung, weil er nicht die Kraft hat, seine Einwände zu überwinden, die nach dem Verstand, mit dem er fragt, berechtigt sind. Und die Fragen des Körpers sind wahrhaft wundersam.

21

Dem begegnet der Vers und sagt uns: „Denn diese Mizwa“ – nämlich die Mizwa des Glaubens – „ist nicht zu wunderbar für dich.“ Das heißt: Du musst dem Körper auf seine Fragen, die er innerhalb des Verstandes stellt, keine Antworten geben. Denn die Mizwa des Glaubens ist gerade auf dem aufgebaut, was über dem Verstand liegt. Der äußere Verstand, der dem Menschen gegeben wurde, kann sie also nicht erfassen. Darum musst du ihm auf seine wundersamen Fragen keine Antworten geben.

על זה בא הכתוב ואומר לנו "כי המצוה הזאת", היינו מצות אמונה, "לא נפלאת הוא ממך". היינו, שאין אתה צריך לתת תשובות להגוף על שאלותיו, מה שהוא שואל תוך הדעת, כי מצוה האמונה היא דוקא נבנית על למעלה מהשכל. היינו, שאין השכל החיצוני, שניתן לאדם, יכול להשיגה. ועל כן אין אתה צריך לתת לו תשובות על השאלות הפלאות שלו.

Dem begegnet der Vers und sagt uns: „Denn diese Mizwa“ – nämlich die Mizwa des Glaubens – „ist nicht zu wunderbar für dich.“ Das heißt: Du musst dem Körper auf seine Fragen, die er innerhalb des Verstandes stellt, keine Antworten geben. Denn die Mizwa des Glaubens ist gerade auf dem aufgebaut, was über dem Verstand liegt. Der äußere Verstand, der dem Menschen gegeben wurde, kann sie also nicht erfassen. Darum musst du ihm auf seine wundersamen Fragen keine Antworten geben.

22

Denn der Mensch muss glauben, dass alle Fragen, die der Körper stellt, nicht dazu kommen, dass er sie beantwortet. Im Gegenteil: Diese Fragen kommen zum Menschen, damit er Raum hat, über dem Verstand zu glauben. Andernfalls – wenn der Körper mit seinem Verstand begreifen würde, dass der Mensch um des Himmels willen arbeiten will – läge es innerhalb des Verstandes, und man würde es „Wissen“ nennen und nicht Glauben. Denn gerade dort, wo der Verstand des Menschen nicht hinreicht, ist alles, was er dennoch tut, allein auf den Glauben gegründet.

כי האדם צריך להאמין, שכל השאלות, מה שהגוף שואל, איננו באות בכדי שתתרץ אותם. אלא להיפך, השאלות האלו באו לאדם, בכדי שיהיה לו מקום, להאמין בלמעלה מהדעת. אחרת, אם הגוף היה מבין, עם השכל שלו, את זה שהאדם רוצה לעבוד לשם שמים, היה זה בתוך הדעת. והיה נקרא זה "ידיעה" ולא אמונה. כי דוקא במקום שאין שכל האדם מגיע להשיג, שם, אם עושה משהו, הרי זה רק על בסיס אמונה.

Denn der Mensch muss glauben, dass alle Fragen, die der Körper stellt, nicht dazu kommen, dass er sie beantworte. Im Gegenteil: Diese Fragen kommen zum Menschen, damit er Raum hat, über dem Verstand zu glauben. Andernfalls – wenn der Körper mit seinem Verstand begriffe, dass der Mensch um des Himmels willen arbeiten will – läge es innerhalb des Verstandes, und man nennte es „Wissen“ und nicht Glauben. Denn gerade dort, wo der Verstand des Menschen nicht hinreicht, ist alles, was er dennoch tut, allein auf den Glauben gegründet.

23

Aus dem Gesagten folgt: Der Mensch muss nicht besonders begabt sein, um dem Körper auf seine Fragen antworten zu können. Denn alle Antworten liegen über dem Verstand, was „Glaube“ genannt wird. Das ist gemeint mit „sie ist nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres“ – als bräuchte man große Kunstgriffe. Vielmehr ist es äußerst einfach. Das ist gemeint mit „in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun“: Allein durch ein Verlangen, das im Herzen ist, kann man sich überwinden.

ובהאמור יוצא, שאין האדם צריך להיות בעל כשרון גדול, בכדי שתהיה לו היכולת לענות להגוף על שאלותיו. כי כל התשובות הוא למעלה מהדעת, הנקרא "אמונה". וזה נקרא "כי לא בשמים הוא, ולא מעבר לים", שצריכים לעשות תחבולות גדולות. אלא בתכלית הפשיטות. וזה נקרא "בפיך ובלבבך לעשותו". היינו רק רצון שיהיה בהלב, יכולים להתגבר.

Aus dem Gesagten folgt: Der Mensch muss nicht besonders begabt sein, um dem Körper auf seine Fragen antworten zu können. Denn alle Antworten liegen über dem Verstand, was „Glaube“ genannt wird. Das ist gemeint mit „sie ist nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres“ – als bräuchte man große Kunstgriffe. Vielmehr ist es äußerst einfach. Das ist gemeint mit „in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun“: Allein durch ein Verlangen, das im Herzen ist, kann man sich überwinden.

24

Doch der Begriff „über dem Verstand“ bedarf der Erklärung, denn hier sind viele Unterscheidungen zu treffen. Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte: „Über dem Verstand“ bedeutet, dass der Mensch sich ausmalen soll, wie er Tora und Mizwot erfüllen würde, wenn sein Verstand ihn dazu verpflichtete – wenn es sich also lohnte, sich mit Tora und Mizwot zu befassen –, das heißt, wenn er den Geschmack jeder einzelnen Mizwa spürte, den Geschmack, der in ihr liegt.

אבל ענין של "למעלה מהדעת" צריך ביאור. היות שיש שם להבחין הרבה הבחנות. ואאמו"ר זצ"ל אמר, שלמעלה מהדעת נקרא, שהאדם צריך לצייר לעצמו, איך הוא היה מקיים תורה ומצות, באם הדעת שלו היה מחייב אותו, שכדאי לעסוק בתורה ומצות. דהיינו, אילו הוא היה מרגיש את הטעם של כל מצוה ומצוה, את הטעם שיש בה.

Doch der Begriff „über dem Verstand“ bedarf der Erklärung, denn hier sind viele Unterscheidungen zu treffen. Mein Vater und Lehrer seligen Andenkens (Baal HaSulam) sagte: „Über dem Verstand“ bedeutet, dass der Mensch sich ausmalen soll, wie er Tora und Mizwot erfüllen würde, wenn sein Verstand ihn dazu verpflichtete – wenn es sich also lohnte, sich mit Tora und Mizwot zu befassen –, das heißt, wenn er den Geschmack jeder einzelnen Mizwa spürte, den Geschmack, der in ihr liegt.

25

Denn der Mensch muss glauben: So wie bei den körperlichen Genüssen – etwa beim Essen, beim Trinken, bei der Ehre und dergleichen – jede Sache einen anderen Geschmack hat, so müssen wir glauben, dass jede einzelne Mizwa einen besonderen Geschmack hat. Würde er demnach den Wechsel der Geschmäcker schmecken, während er sich mit Tora und Mizwot befasst – welche Begeisterung und Lebendigkeit würde er bei seiner Arbeit empfinden! Denn der Verstand würde ihn verpflichten, sich für die Arbeit ein Bild zu schaffen, das einem Diener des Schöpfers gemäß ist. Und er würde all die Dinge, die ihn von seiner Arbeit abhalten wollen, als in seinen Augen einer Knoblauchschale gleichend ansehen, auf die zu blicken sich nicht lohnt.

כי האדם צריך להאמין, כי כמו שיש בתענוגים גשמיים, למשל בתענוגים של אכילה, או שתיה, או כבוד, וכדומה, שאנו רואים, שבכל דבר יש טעם אחר, כמו כן אנו צריכים להאמין, שיש בכל מצוה ומצוה טעם מיוחד. ולפי זה, אם הוא היה טועם את שנוי הטעמים בעת התעסקותו בתו"מ, איזה התלהבות וחיות היה מרגיש בעת עבודתו. כי הדעת היה מחייבתו, שיעשה לעצמו תמונה בעבודה, מה שמתאים לעובד ה'. והיה מסתכל על כל הדברים, שהיו רוצים להפריע אותו מעבודתו, שהיו דומים בעיניו כקליפת השום, שאין כדאי להסתכל עליהם.

Denn der Mensch muss glauben: So wie es bei den körperlichen Genüssen – etwa beim Essen, beim Trinken, bei der Ehre und dergleichen – so ist, dass jede Sache einen anderen Geschmack hat, so müssen wir glauben, dass jede einzelne Mizwa einen besonderen Geschmack hat. Würde er demnach den Wechsel der Geschmäcker schmecken, während er sich mit Tora und Mizwot befasst – welche Begeisterung und Lebendigkeit würde er bei seiner Arbeit empfinden! Denn der Verstand verpflichtete ihn, sich für die Arbeit ein Bild zu schaffen, das einem Diener des Schöpfers gemäß ist. Und er sähe all die Dinge, die ihn von seiner Arbeit abhalten wollen, als in seinen Augen einer Knoblauchschale gleichend an, auf die zu blicken sich nicht lohnt.

26

Und gemäß dem genannten Bild, das er sich innerhalb des Verstandes ausmalt, soll er dieselbe Gestalt über dem Verstand schaffen. Das heißt: Obwohl er kein Gefühl hat, dass es etwas gäbe, wozu ihn der Verstand verpflichten würde, arbeitet er dennoch genau so, als hätte er einen starken Verstand und ein starkes Gefühl. Und wenn er so handelt, nennt man das „über dem Verstand arbeiten“.

ולפי הציור הנ"ל, שהוא מצייר לעצמו בתוך הדעת, אותו צורה הוא צריך לעשות למעלה מהדעת. היינו, שהגם שאין לו שום הרגשה, שיהיה משהו, שהדעת יחייבו, ומכל מקום הוא עובד, בדיוק כאילו היה לו דעת חזקה והרגשה חזקה. ובזמן שהוא עושה כך, זה נקרא שהוא "עובד למעלה מהדעת".

Und gemäß dem genannten Bild, das er sich innerhalb des Verstandes ausmalt, soll er dieselbe Gestalt über dem Verstand schaffen. Das heißt: Obwohl er kein Gefühl hat, das ihn der Verstand verpflichten würde, arbeitet er dennoch genau so, als hätte er einen starken Verstand und ein starkes Gefühl. Und wenn er so handelt, nennt man das „über dem Verstand arbeiten“.

27

Doch solange er fühlt, dass er den Schöpfer mit mehr Verlangen und mehr Beharrlichkeit dienen würde, wenn er Verstand hätte, zeigt sich, dass er noch innerhalb des Verstandes arbeitet. Denn es besteht noch ein Unterschied zwischen Verstand und über dem Verstand. Und gerade dann, wenn für ihn kein Unterschied besteht, nennt man das „über dem Verstand“.

אולם, כל זמן שהוא מרגיש, שאילו היה לו דעת, היה עובד ה' ביתר חשק ויותר התמדה, נמצא, שהוא עובד עדיין בתוך הדעת. היות שיש עדיין הפרש בין דעת ולמעלה מהדעת. ודוקא בזמן שאין לו הפרש, זה נקרא "למעלה מהדעת".

Doch solange er fühlt, dass er den Schöpfer mit mehr Verlangen und mehr Beharrlichkeit dienen würde, wenn er Verstand hätte, zeigt sich, dass er noch innerhalb des Verstandes arbeitet. Denn es besteht noch ein Unterschied zwischen Verstand und über dem Verstand. Und gerade dann, wenn für ihn kein Unterschied besteht, nennt man das „über dem Verstand“.

Was ist die Vorbereitung auf die Selichot [Vergebung]?

Bekanntlich muss man für alles, was man will, die Mittel bereiten, um die Sache zu erreichen. Was also muss der Mensch bereiten, um Vergebung (Selichot – Vergebungsgebete) zu empfangen? In der Körperlichkeit sehen wir, dass ein Mensch zum anderen nicht „Verzeihung“ sagt, es sei denn, er hat ihm etwas angetan, wodurch der andere zu Schaden kam – an Geld, an seiner Ehre oder durch körperliches Leid, indem er ihm etwa eine Verletzung zufügte und dergleichen. Dann ist es angebracht zu sagen, dass der eine den anderen um Verzeihung bittet, damit er ihm die Sünde verzeiht, die er an ihm begangen hat. Und hier sind zwei Dinge zu unterscheiden:

1. Wenn er ihm nichts angetan hat und ihn dennoch um Verzeihung bittet, betrachtet ihn der andere wie einen Menschen, der nicht bei klarem Verstand ist. Stellen wir uns vor, wir sähen einen Menschen die Straße entlanggehen, der zu jedem „Verzeihung, Verzeihung“ sagt – was würden wir über ihn sagen? Gewiss, dass er verrückt ist. Denn „Verzeihung“ sagt man nur für ein Vergehen.

2. Wenn ein Mensch dem anderen einen sehr großen Schaden zugefügt hat und ihn um Verzeihung bittet, als wäre es eine Kleinigkeit, so wird er gewiss nicht erlangen, worum er bittet. Denn er hat ein großes Vergehen gegen ihn begangen, bittet aber um Verzeihung, als hätte er nur eine Kleinigkeit getan. Gewiss kommt es nicht in Betracht, dass jener ihm verzeiht. Vielmehr bemisst der Mensch das Ausmaß des Schadens, den er seinem Nächsten zugefügt hat, und in diesem Maß ergreift er die Mittel, damit sein Nächster bereit ist, ihm zu verzeihen.

Das sehen wir an der Ordnung des Verhaltens in der Körperlichkeit – wie der Mensch sich in der Frage der Verzeihung zwischen Mensch und Nächstem verhält. Und vom Verhältnis zwischen Mensch und Nächstem müssen wir dieselbe Ordnung für das Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer lernen. Das heißt: Wenn der Mensch den Schöpfer um Vergebung für seine Sünden bittet, gelten ebenso die beiden genannten Aspekte.

1. Dass es nicht angebracht ist, um Verzeihung für ein Nichts zu bitten, sondern nur für das, womit man den anderen verletzt hat. Andernfalls erscheint man als ein Mensch, der nicht normal ist – oder als einer, der den anderen verspottet, indem er ihn um Verzeihung bittet.

2. Dass das Maß der Bitte um Verzeihung dem Maß entspricht, in dem man den anderen verletzt hat. Wenn der Mensch deshalb den Schöpfer bittet, ihm zu verzeihen, was er gegen Ihn gesündigt und womit er Seine Ehre verletzt hat, dann muss der Mensch über das nachdenken, was er gegen den Schöpfer gesündigt hat. Denn wenn ein Mensch keine Sünde empfindet und dennoch um Vergebung bittet, ist es, als triebe er Spott: Er schreit, weint und bittet den Schöpfer um Vergebung, während er selbst nicht spürt, dass er die Ehre des Königs irgendwie verletzt hat.

Der Grund, warum der Mensch seine Sünden nicht spürt, ist, wie unsere Weisen sagten (Traktat Joma 86b): „Hat ein Mensch ein Vergehen begangen und es wiederholt, so wird es ihm wie erlaubt.“ Daraus ergibt sich der Grund, warum der Mensch seine Sünden nicht spürt, wenn er den Schöpfer um Vergebung bitten will.

Es zeigt sich also: Nach dem zweiten Aspekt – nämlich das Ausmaß der Sünde zu erkennen – muss der Mensch zuerst Rechenschaft ablegen über das Ausmaß des Makels, den er an der Ehre des Königs angerichtet hat. Andernfalls ist es nicht angebracht, „Verzeihung“ zu sagen. Der Mensch muss sich vielmehr nach Kräften bemühen, seine Bitte so vorzubringen – dass Er ihm seine Sünden je nach dem, was er gesündigt hat, vergibt –, dass beides im Gleichgewicht steht.

Nun sagten unsere Weisen (Traktat Sukka 52), dass den Frevlern die Sünden wie ein Haar erscheinen, den Gerechten (Zaddikim) aber wie ein hoher Berg. Es erhebt sich die Frage: Was bedeutet dieses Erscheinen? Sie sagten ja „es erscheint ihnen“ – aber was ist die Wahrheit?

In Wahrheit ist es so: Solange der Mensch nicht darauf achtet, gegen wen er gesündigt hat, und die Bedeutung und Größe des Schöpfers nicht spürt, befindet er sich im Mangel an Glauben. Wenn er dann zu denken beginnt: „Bin ich nicht auch ein Jude?“ – und da jetzt der Monat Elul ist, ein Monat der Barmherzigkeit, und es seit jeher Brauch in Israel ist, dass jeder, der den Namen Israel trägt, weiß: Jetzt ist die Zeit, den Schöpfer zu bitten, die Sünde des Hauses Israel zu vergeben; und man bläst auch das Shofar (Widderhorn), damit das Herz des Menschen einen Gedanken der Umkehr (Teshuwa) über die Sünden aufnimmt –, dann glaubt der Mensch, dass gewiss auch er gesündigt hat und den Schöpfer um Vergebung bitten muss.

Doch wie groß ist das Ausmaß des Makels, den er dem König zugefügt hat? Dieses Empfinden kann der Mensch nicht aufbringen. Vielmehr kann er nur nach dem Maß seines Glaubens an die Größe des Schöpfers das Ausmaß des Makels ermessen, den er mit seinen Sünden angerichtet hat. Darum sind all jene, die hingehen, um Verzeihung zu erbitten, ohne jede Vorbereitung darauf, wofür sie um Verzeihung bitten, nichts anderes als einer, der jemanden um Verzeihung bittet, obwohl er ihm Böses angetan hat – wofür wahre Reue über das Getane nötig wäre –, und der dennoch um Verzeihung bittet, als hätte er nur eine Belanglosigkeit gegen ihn verschuldet. Und so hat die Bitte um Verzeihung keinen wirklichen Wert, wie er bei einer wirklichen Sünde sein müsste.

Aus dem Gesagten folgt: Bevor der Mensch um Verzeihung bittet, muss er zuerst eine Selbstprüfung (Cheshbon haNefesh) über den Kern der Sünde anstellen. Danach kann er auf die Sünden blicken, die durch den Kern der Sünde verursacht wurden. Und der Mensch muss wissen: Der Kern der Sünde – das, womit der Mensch Schaden anrichtet und aus dem alle Sünden hervorgehen – besteht darin, dass der Mensch sich nicht bemüht, einen beständigen Glauben zu haben. Hat er nur einen teilweisen Glauben, so gibt er sich bereits damit zufrieden.

Das entspricht dem, was in der Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘ (Abschnitt 14) steht: Wenn er einen beständigen Glauben hätte, würde dieser Glaube ihn nicht sündigen lassen. Das heißt: Er bittet den Schöpfer um Vergebung, weil er den wahren Grund aller Sünden erkennt – nämlich dass ihm der beständige Glaube fehlt. Darum bittet er den Schöpfer, ihm diese Kraft zu geben, also die Möglichkeit, dass der Glaube immer in seinem Herzen verankert ist. Dann wird er gar nicht erst dazu kommen, Sünden zu begehen und die Ehre des Schöpfers zu verletzen. Denn weil er das Empfinden für die Größe des Schöpfers nicht hat, weiß er nicht, wie er die Himmelsehre zu schätzen hat und sie nicht verletzt.

Darum bittet er den Schöpfer um Vergebung – dass Er ihm hilft und ihm die Kraft gibt, das Joch des Königtums des Himmels über dem Verstand auf sich zu nehmen; dass er also die Kraft zur Überwindung hat und sich im Glauben an den Schöpfer stärkt und weiß, wie er sich im Verhältnis zwischen Mensch und Schöpfer mit ein wenig Ehrfurcht vor der Ehre verhalten soll.

Das heißt: Wenn der Mensch sich Rechenschaft ablegt, wird er sehen, dass ihm nur eines fehlt – nämlich eine Selbstprüfung darüber, was der Unterschied zwischen einem Juden und einem Nichtjuden ist, für den wir täglich den Segen sprechen: „Gesegnet seist Du, Schöpfer, der Du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast.“ Doch der Mensch achtet nicht auf das, was er da sagt: „der Du mich nicht zu einem Nichtjuden gemacht hast.“ Er betrachtet sich also nicht daraufhin, worin er Israel und nicht ein Nichtjude ist. Denn man muss wissen: Der wesentliche Unterschied liegt im Glauben – Israel glaubt an den Schöpfer, der Nichtjude aber hat keinen Glauben an den Schöpfer.

Und nachdem er diesen Unterschied bereits kennt, muss er sich prüfen, wie groß sein Maß im Glauben an den Schöpfer ist – wie gesagt, in der Einführung in die ‚Lehre der zehn Sefirot‘ (Abschnitt 14): wie weit er bereit ist, zugunsten seines Glaubens an den Schöpfer zu verzichten. Dann wird er die Wahrheit erkennen können. Das heißt: ob er bereit ist, Handlungen einzig zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen zu vollziehen – oder ob er nur in kleinem Maß bereit ist, um des Himmels willen zu handeln, sodass er seiner Selbstliebe keinen Schaden zufügt; andernfalls hat er nicht die Kraft, irgendetwas zu tun.

Daraus folgt, dass dies der Ort ist, an dem er die Wahrheit erkennen kann – sein wahres Maß im Glauben an den Schöpfer. Daran kann er erkennen, dass alle Sünden nur aus diesem einen Grund entspringen. Dadurch erlangt er die Vorbereitung und die Eignung für den Augenblick, in dem er den Schöpfer bittet, ihm seine Sünden zu vergeben. Dann kann er das wahre Ausmaß des Makels ermessen – nämlich womit er die Ehre des Königs verletzt hat –, und er wird wissen, worum er den Schöpfer bitten soll, also für welche Sünden, die er begangen hat. Und er muss sie korrigieren, damit er nicht noch einmal sündigt.

Aus dem Gesagten verstehen wir, was im Wochenabschnitt Nizzavim (sechster Abschnitt) geschrieben steht: „Denn diese Mizwa, die ich dir heute gebiete, ist nicht zu wunderbar für dich und nicht fern. Sie ist nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres; sondern das Wort ist dir sehr nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun.“

Was bedeutet der Ausdruck „diese Mizwa“ – welche Mizwa meint er? Ebenso muss man verstehen, was die Deutung von „sie ist nicht zu wunderbar für dich“ ist. Es verhält sich wie gesagt: Die wesentliche Mizwa ist die Mizwa des Glaubens, nämlich an den Schöpfer zu glauben. Danach kann man Seine Mizwot einhalten. Und bei der Mizwa des Glaubens treten all die Ankläger und alle Hindernisse auf. Der Körper beginnt, viele Einwände zu erheben – teils Fragen, die der Körper selbst stellt, teils Fragen über den Glauben, die der Körper von anderen Menschen hört.

Und sie kommen zum Menschen, sobald er das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen will – „wie der Ochse für das Joch und der Esel für die Last“ –, also alles über dem Verstand. Plötzlich wird der Körper schlau und beginnt, Untersuchungen anzustellen und „Wer und was?“ zu fragen. Auf keine Weise lässt er zu, dass man die Mizwa des Glaubens auf sich nimmt. Und die Einwände des Körpers sind so stark, dass der Mensch ihm auf seine Fragen keine Erklärungen geben kann. Dann gerät der Mensch in Verwirrung, weil er nicht die Kraft hat, seine Einwände zu überwinden, die nach dem Verstand, mit dem er fragt, berechtigt sind. Und die Fragen des Körpers sind wahrhaft wundersam.

Dem begegnet der Vers und sagt uns: „Denn diese Mizwa“ – nämlich die Mizwa des Glaubens – „ist nicht zu wunderbar für dich.“ Das heißt: Du musst dem Körper auf seine Fragen, die er innerhalb des Verstandes stellt, keine Antworten geben. Denn die Mizwa des Glaubens ist gerade auf dem aufgebaut, was über dem Verstand liegt. Der äußere Verstand, der dem Menschen gegeben wurde, kann sie also nicht erfassen. Darum musst du ihm auf seine wundersamen Fragen keine Antworten geben.

Denn der Mensch muss glauben, dass alle Fragen, die der Körper stellt, nicht dazu kommen, dass er sie beantwortet. Im Gegenteil: Diese Fragen kommen zum Menschen, damit er Raum hat, über dem Verstand zu glauben. Andernfalls – wenn der Körper mit seinem Verstand begreifen würde, dass der Mensch um des Himmels willen arbeiten will – läge es innerhalb des Verstandes, und man würde es „Wissen“ nennen und nicht Glauben. Denn gerade dort, wo der Verstand des Menschen nicht hinreicht, ist alles, was er dennoch tut, allein auf den Glauben gegründet.

Aus dem Gesagten folgt: Der Mensch muss nicht besonders begabt sein, um dem Körper auf seine Fragen antworten zu können. Denn alle Antworten liegen über dem Verstand, was „Glaube“ genannt wird. Das ist gemeint mit „sie ist nicht im Himmel und nicht jenseits des Meeres“ – als bräuchte man große Kunstgriffe. Vielmehr ist es äußerst einfach. Das ist gemeint mit „in deinem Mund und in deinem Herzen, es zu tun“: Allein durch ein Verlangen, das im Herzen ist, kann man sich überwinden.

Doch der Begriff „über dem Verstand“ bedarf der Erklärung, denn hier sind viele Unterscheidungen zu treffen. Mein Vater und Lehrer (Baal HaSulam) sagte: „Über dem Verstand“ bedeutet, dass der Mensch sich ausmalen soll, wie er Tora und Mizwot erfüllen würde, wenn sein Verstand ihn dazu verpflichtete – wenn es sich also lohnte, sich mit Tora und Mizwot zu befassen –, das heißt, wenn er den Geschmack jeder einzelnen Mizwa spürte, den Geschmack, der in ihr liegt.

Denn der Mensch muss glauben: So wie bei den körperlichen Genüssen – etwa beim Essen, beim Trinken, bei der Ehre und dergleichen – jede Sache einen anderen Geschmack hat, so müssen wir glauben, dass jede einzelne Mizwa einen besonderen Geschmack hat. Würde er demnach den Wechsel der Geschmäcker schmecken, während er sich mit Tora und Mizwot befasst – welche Begeisterung und Lebendigkeit würde er bei seiner Arbeit empfinden! Denn der Verstand würde ihn verpflichten, sich für die Arbeit ein Bild zu schaffen, das einem Diener des Schöpfers gemäß ist. Und er würde all die Dinge, die ihn von seiner Arbeit abhalten wollen, als in seinen Augen einer Knoblauchschale gleichend ansehen, auf die zu blicken sich nicht lohnt.

Und gemäß dem genannten Bild, das er sich innerhalb des Verstandes ausmalt, soll er dieselbe Gestalt über dem Verstand schaffen. Das heißt: Obwohl er kein Gefühl hat, dass es etwas gäbe, wozu ihn der Verstand verpflichten würde, arbeitet er dennoch genau so, als hätte er einen starken Verstand und ein starkes Gefühl. Und wenn er so handelt, nennt man das „über dem Verstand arbeiten“.

Doch solange er fühlt, dass er den Schöpfer mit mehr Verlangen und mehr Beharrlichkeit dienen würde, wenn er Verstand hätte, zeigt sich, dass er noch innerhalb des Verstandes arbeitet. Denn es besteht noch ein Unterschied zwischen Verstand und über dem Verstand. Und gerade dann, wenn für ihn kein Unterschied besteht, nennt man das „über dem Verstand“.

korrigiert, EY, CO4.8, 12.07.2026, 07:29 Uhr, Ver3