1990/01 Was bedeutet es, mögen wir in der Arbeit der Kopf und nicht der Schweif sein?
Unsere Weisen sagten: „Sei der Schweif der Löwen und nicht der Kopf der Füchse“ (Sprüche der Väter, viertes Kapitel). Wenn das so ist – was bedeutet dann unsere Bitte: „Möge es Sein Wille sein, dass wir der Kopf und nicht der Schweif sind“?
Die Ordnung der Arbeit ist nun folgende, wenn man den Weg der Korrektur gehen will, der „um zu geben“ genannt wird. Dann muss die Grundlage der Arbeit im Glauben über dem Verstand liegen. Das heißt: Wenn der Körper sieht, dass der Mensch zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen arbeiten will, dann kommt der Körper mit der Frage des bösen Pharao, der den Einwand „Wer“ vorbrachte, und ebenso mit der Frage des Bösen: „Was soll euch diese Arbeit?“ Der Verstand fordert, dass man auf diese Fragen mit dem Kopf antworten muss, der den Verstand bedeutet, und nicht so antwortet, als hätte man keinen Kopf. Das heißt, man muss mit dem Kopf prüfen und sich vertiefen, was man auf die genannten Fragen antworten soll.
Dazu sagten sie, dass man dem Körper entgegnen muss: Vom Verstand her hast du recht, und ich habe dir nichts zu antworten; doch der Weg der Tora ist es, dass wir über dem Verstand und dem Wissen gehen müssen.
Nach dem Gesagten lässt sich auslegen: „Sei der Schweif der Löwen und nicht der Kopf der Füchse.“ Das heißt: Wenn der Körper mit den Fragen nach dem Wer und dem Was kommt, antworte ihm nicht mit dem Kopf, also im Verstand und innerhalb des Wissens, sondern „sei der Schweif der Löwen“. Denn der Löwe steht für Chessed (Gnade): Im oberen Wagen gibt es einen Löwen und einen Stier, die Chessed und Gwura sind, und einen Adler, der Tiferet ist. Zu den Füchsen aber sagt er: Da die Fragen, die sie stellen, vom Verstand her kommen und der Fuchs als schlau gilt, deshalb werden sie Füchse genannt.
Der Mensch muss antworten: Ich antworte euch nicht mit dem Kopf, also mit dem Verstand, sondern ich folge den Löwen, wie der Schweif dem Kopf folgt; und ich – ich habe keinen Kopf, sondern ich folge der Eigenschaft Chessed, die bedeckte Chassadim (Gnaden) ist. Das heißt: Obwohl er nicht sieht, dass es Chassadim sind, also obwohl es ihm verborgen ist, glaubt er dennoch, über dem Verstand, dass es Chassadim sind.
Dies wird „Sei der Schweif der Löwen“ genannt; das bedeutet, er sagt: Ich folge der Eigenschaft Chessed, die nur zu geben ist. Und der Mensch muss sagen: Da er über dem Verstand glaubt, dass der Schöpfer über die Welt mit der Eigenschaft „gut und Gutes tuend“ wacht, deshalb glaubt er, dass auch das, was er an Verhüllung über die Vorsehung sieht – das heißt, dass es nach dem, was die Augen des Menschen sehen, anders sein müsste –, vom Schöpfer dennoch so gewollt ist, weil es so für den Menschen besser ist, wenn der Mensch fähig ist, alles im Glauben über dem Verstand aufzunehmen. Denn dadurch entsteht für den Menschen ein Ort, aus der Eigenliebe herauszutreten und zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten.
Das heißt: Wäre die Vorsehung allen Augen offenbar, also schon bevor der Mensch Gefäße des Gebens erlangt hat, so gäbe es keine Möglichkeit, dass der Mensch fähig wäre, das Gute um des Gebens willen aufzunehmen. Doch nachdem der Mensch alle Anstrengungen unternommen hat, um die Gefäße des Gebens zu erlangen, kann er das Gute und den Genuss um des Gebens willen aufnehmen – nach der nötigen Korrektur.
Bekanntlich sagten unsere Weisen: „Alles ist in den Händen des Himmels außer der Gottesfurcht.“ Das heißt: Alles gibt der Schöpfer, außer der Gottesfurcht – diese gibt der Schöpfer nicht. Doch man muss wirklich fragen: Warum gibt Er sie nicht?
Doch zuvor muss man die Bedeutung der Gottesfurcht (Jirat HaShem) kennen. In der Einführung in das Buch Sohar wird es erklärt (Blatt 191, Spalte 2); dies ist der Wortlaut: Ehrfurcht ist es, dass man fürchtet, man könnte das Bereiten von Wohlgefallen für seinen Schöpfer mindern; deshalb fürchtet er sich, das Gute aufzunehmen. So steht geschrieben: „Und Moses verbarg sein Angesicht, denn er fürchtete sich hinzuschauen.“ Und unsere Weisen legten aus: „Zum Lohn dafür, dass Moses sein Angesicht verbarg, wurde er gewürdigt, das Bild des Schöpfers zu schauen.“ Es ergibt sich, dass das, was wir dem Schöpfer zuschreiben, nur das Geben ist; wohingegen das Nicht-Geben dem Schöpfer nicht zukommt. Deshalb sagen wir, dass die Gottesfurcht den Geschöpfen zukommt, die sich selbst vom Empfangen zurückhalten, solange sie nicht sicher sind, dass dies nur zum Nutzen des Schöpfers sein wird.
Dies ist die ganze Arbeit der Geschöpfe: dass sie über dem Verstand arbeiten müssen. Und ohne den Glauben an die Weisen (Emunat Chachamim), die uns die Ordnung der Arbeit eingerichtet haben, kann man nichts tun. Das gilt, nachdem der Mensch seine Arbeit als Schweif der Löwen angenommen hat – also dass er den Weisen folgt, um nur nach dem zu gehen, was sie uns eingerichtet haben.
So sagten unsere Weisen (Sprüche der Väter, Kapitel 1, 4): „Und wälze dich im Staub ihrer Füße“ (der Weisen). Der Bartenura erklärt: Das heißt, dass du ihnen nachgehen sollst; denn wer geht, wirbelt mit seinen Füßen Staub auf, und wer ihm nachgeht, wird von dem Staub erfüllt, den jener mit seinen Füßen aufwirbelt. Ende des Wortlauts.
Worauf weisen uns unsere Weisen mit diesem Gleichnis hin? Man kann es so auslegen: Wer dem Glauben an die Weisen nachgeht, der betrachtet ihren Weg, auf dem sie sagen, dass man über dem Verstand gehen muss. Dann beginnt der Mensch, gleichsam ein Kundschafter zu sein – um zu sehen, ob es sich wirklich lohnt, ihrem Weg nachzugehen. Und dies wird so bezeichnet, dass die Füße der Weisen Staub aufwirbeln, der in die Augen dessen gerät, der ihnen nachgeht. Das heißt: Dadurch, dass der Mensch den Weg der Weisen verstehen will, die uns sagen, dass wir ihnen mit geschlossenen Augen nachgehen müssen, gerät andernfalls Staub hinein, also etwas Unwichtiges, das „Staub“ genannt wird; das heißt, niedriger als das geht es nicht.
Dem Menschen sind nun Wissen und Verstand gegeben, um jede Sache nach dem Verstand zu verstehen. Hier aber wird uns gesagt, im Annehmen des Glaubens an die Weisen zu gehen, und der Mensch will diesen Weg verstehen. Solange der Mensch noch unter der Herrschaft des Verlangens steht, für sich selbst zu empfangen, kann er von sich aus nicht wissen, was gut und was schlecht ist, sondern muss alles so annehmen, wie die Weisen es uns festgelegt haben. Tut er das nicht, so gerät Staub in die Augen, und man kann nicht vorangehen. Wer hingegen die Worte der Weisen nicht kritisiert und sie nicht innerhalb des Wissens annehmen will, der erlangt gerade dadurch das Wissen der Heiligkeit.
Der Grund dafür: Dass wir über dem Verstand gehen müssen, rührt daher, dass wir in der Eigenliebe versunken sind. Deshalb erlangt man durch den Glauben über dem Verstand Gefäße des Gebens. Dann offenbart sich das Gute und der Genuss in den Gefäßen des Gebens, und dies wird in der Sprache des heiligen Sohar genannt: „Das Wissen breitet sich aus und erfüllt Kammern und Hallen“, was bedeutet: Wenn die Gefäße in Ordnung sind, breitet sich das Wissen sowohl in den inneren als auch in den äußeren Gefäßen aus.
Damit lässt sich auslegen, was wir sagen: „Möge es Sein Wille sein, dass wir der Kopf und nicht der Schweif sind.“ Bekanntlich gibt es eine Ordnung des Schöpfungsziels und eine Ordnung der Korrektur der Schöpfung. Deshalb ist in der Ordnung der Korrektur der Schöpfung, in der man Gefäße des Gebens erlangen muss, da man sonst das Gute und den Genuss nicht aufnehmen kann, die Ordnung „Sei der Schweif der Löwen“; denn dann ist die Ordnung, dass alles über dem Verstand ist.
Danach, wenn man dadurch wie gesagt Gefäße des Gebens erlangt, gewinnt man den Kopf der Heiligkeit, der „Wissen der Heiligkeit“ genannt wird – wie zuvor in den Worten des heiligen Sohar: „dass das Wissen Kammern und Hallen erfüllt“; das heißt, das Wissen der Heiligkeit im Menschen, der es erlangt, das als Kopf bezeichnet wird. Wenn wir deshalb vom Schöpfer erbitten und sagen „Möge es Sein Wille sein“, dann erbitten wir, zum Schöpfungsziel zu gelangen, das Wissen und Kopf ist.
Dies ist „dass wir der Kopf und nicht der Schweif sind“, also dass wir nicht im Schweif der Sitra Achra (der anderen Seite) bleiben, das heißt bei denen, die kein Wissen haben, wie geschrieben steht: „Ein fremder Gott ist unfruchtbar und bringt keine Frucht hervor.“ Vielmehr erlangen wir das Wissen, das die Früchte sind, die man gewinnt, nachdem man die Gefäße des Gebens erarbeitet hat – Gefäße, die geeignet sind, das Gute und den Genuss aufzunehmen, der in Seinem Verlangen liegt, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Wenn der Mensch deshalb sieht, dass er das Wissen der Heiligkeit, das Kopf genannt wird, noch nicht erlangt hat, so ist dies ein Zeichen, dass er von den Gefäßen der Eigenliebe noch nicht gereinigt ist; deshalb hat er noch kein Wissen. Das heißt: Er ist nämlich nicht zuvor den Weg gegangen, den Glauben über dem Verstand aufzunehmen, durch den man Gefäße des Gebens erlangt – Gefäße, in die sich die Heiligkeit einkleiden kann; deshalb hat er kein Wissen der Heiligkeit.
Ähnliches sehen wir an dem, was der Maggid von Dubno, sein Andenken zum Segen, über den Vers sagte: „Nicht mich hast du gerufen, Jakob, denn du hast dich mit mir gemüht, Israel.“ Denn wenn der Mensch noch Mühe in der Arbeit für den Schöpfer spürt, so ist dies ein Zeichen, dass er noch nicht um des Schöpfers willen arbeitet, sondern noch zum eigenen Nutzen; deshalb hat er Mühe in seiner Arbeit. Hat er dagegen seine Gefäße bereits korrigiert, sodass sie sich damit befassen, seinem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, so hat er Freude an der Arbeit, weil er spürt, dass er einem großen König dient – und das kommt für ihn ungeheuren Reichtümern gleich. Es ergibt sich, dass der Mensch zum Kopf und Verstand und Wissen der Heiligkeit gelangen muss, da dies das Schöpfungsziel ist.
Nach dem Gesagten lässt sich auslegen, was der heilige Sohar sagt (Pinchas, Blatt 49–51); dies ist der Wortlaut: Rabbi Aba sagte: Ich erinnerte mich an etwas, das ich von Rabbi Shimon gehört hatte, der es im Namen des Rabbi Eliezer gehört hatte. Eines Tages kam ein nichtjüdischer Weiser, sagte zu ihm und so weiter: Drei Fragen möchte ich dir stellen. Erstens: Ihr sagt, dass euch ein anderer Tempel gebaut werden wird, doch man darf nur zweimal bauen und so weiter, denn die Schrift nennt sie die zwei Häuser Israels, und über den zweiten Tempel steht geschrieben: „Größer wird die Herrlichkeit dieses letzten Hauses sein als die des ersten.“ Zweitens: Ihr sagt, dass ihr dem höheren König näher seid als alle übrigen Völker, und wer dem König nahe ist, der ist immer froh, ohne Kummer und so weiter, und doch befindet ihr euch immer in Kummer und in Nöten und in Gram, mehr als alle Menschenkinder und so weiter. Drittens: Ihr esst kein Aas und kein Zerrissenes, damit ihr gesund seid und so weiter; wir essen alles, was wir wollen, und sind kräftig und so weiter. Alter, Alter, sag mir nichts, denn ich werde dich nicht anhören. Rabbi Eliezer erhob seine Augen und blickte ihn an und machte ihn zu einem Haufen Knochen. Als sein Zorn sich gelegt hatte, wandte er den Kopf und weinte und so weiter. Diese Dinge, die jener Böse mich fragte, fragte ich eines Tages den Elija. Und er sagte: In der himmlischen Lehrstube wurden diese Dinge vor dem Schöpfer geordnet, und so sind sie und so weiter.
Warum machte Rabbi Eliezer ihn, als der Nichtjude ihm jene drei Fragen stellte, zu einem Haufen Knochen, er selbst aber wurde der Offenbarung des Elija gewürdigt und stellte ihm jene drei Fragen – warum war es Rabbi Eliezer erlaubt, jene Fragen zu stellen?
Nach dem oben Gesagten – dass man nämlich über dem Verstand gehen muss – gibt es keinen Ort für Fragen. Das heißt: Es ist verboten, der Kopf der Füchse zu sein, also die Einwände mit dem Kopf zu beantworten, das heißt mit Wissen und Verstand, auf die Fragen nach dem Wer und dem Was; sondern „Sei der Schweif der Löwen“, also man muss sagen, dass der Verstand so ist, wie der Körper sagt, aber wir gehen über dem Verstand. Dadurch erlangt man danach das Wissen der Heiligkeit, das die Stufe „dass wir der Kopf und nicht der Schweif sind“ ist, also dass man den Kopf der Heiligkeit erlangt.
Damit lässt sich auslegen, was diese Begebenheit bedeutet, die uns den Streit erzählt, den Rabbi Eliezer mit dem Nichtjuden hatte. Was gibt uns das in der Arbeit? Vielmehr lässt sich dies auf dem Weg der Arbeit an einem einzelnen Menschen auslegen: nämlich zu der Zeit, wenn der Körper die Fragen stellt und alles innerhalb des Wissens verstehen will. Dann muss man dem Körper sagen: Deine Fragen interessieren mich nicht, da ich über dem Verstand gehe. Das ist gemeint, wenn geschrieben steht: „Er richtete seine Augen auf ihn und machte ihn zu einem Haufen Knochen.“ Die Bedeutung, dass er ihn zu einem Haufen Knochen machte, zielt auf seine Fragen; denn wer über dem Verstand geht, für den gibt es hier keinerlei Fragen, und alles wird annulliert. Danach, als sein Zorn über die Fragen, die der Böse ihm stellte, sich gelegt hatte, wurde er der Offenbarung des Elija gewürdigt, und Elija gab ihm das Wissen der Heiligkeit über alle Fragen, nach dem oben Gelernten.
korrOp, EY, 24.07.2026, 04:57 Uhr, Ver3