Rabash 1990-06 – Wann sollte der Mensch Stolz in der Arbeit einsetzen
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1 | Es heißt in der Schrift (2. Chronik 17): „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Ewigen.“ In der Mischna aber (Awot 4,4) heißt es: „Sei sehr, sehr demütigen Geistes.“ Das widerspricht dem, was geschrieben steht: „Und sein Herz erhob sich.“ | הנה הכתוב אומר (דברי הימים ב' י"ז) "ויגבה לבו בדרכי ה'". ובמשנה (אבות פרק ד' ד') אמרו "מאוד מאוד הוי שפל רוח". נמצא, שזה בניגוד מה שכתוב, "ויגבה לבו". | Es steht geschrieben (2. Chronik 17): „Und sein Herz war stolz auf den Wegen des Herrn.“ Und in der Mischna steht ( Awot , Sprüche der Väter, Kapitel 4,4): „Sei sehr, sehr demütig.“ Das widerspricht also dem, was geschrieben steht: „Sein Herz war stolz.“ |
2 | Der Sohar (WaJera 6, im Sulam Abschnitt 17) fragt zu dem Vers „Und der Ewige erschien ihm bei den Eichen Mamres“: Warum bei den Eichen Mamres und nicht anderswo? Weil Mamre ihm zur Beschneidung geraten hatte. Denn als der Schöpfer zu Abraham sagte, er solle sich beschneiden, ging Abraham, um sich mit seinen Freunden zu beraten. Aner sagte zu ihm: „Du bist schon über neunzig Jahre alt – und willst dir solche Schmerzen zufügen?“ | הנה הזה"ק (וירא ו', ובהסולם אות י"ז) שואל "וירא אליו ה' באלוני ממרא". למה באלוני ממרא ולא במקום אחר. אלא משום שממרא נתן לו עצה על המילה. כי בשעה שאמר הקב"ה לאברהם, שימול את עצמו, הלך אברהם להיוועץ עם חביריו. אמר לו ענר, "אתה כבר יותר מתשעים שנה, ואתה תצער את עצמך". | |
3 | Mamre sagte zu ihm: „Denk an den Tag, als die Chaldäer dich in den Feuerofen warfen, an die Hungersnot, die über die Welt kam, und an die Könige, die deine Leute verfolgten und die du schlugst – aus all dem hat der Schöpfer dich gerettet. Steh auf und erfülle das Gebot deines Herrn.“ Da sagte der Schöpfer zu ihm: „Mamre, du hast ihm zur Beschneidung geraten – bei deinem Leben: Ich werde Mich ihm nur in deinem Palast offenbaren.“ | אמר לו ממרא, "זכור את היום, שהשליכו הכשדים אותך בכבשן האש, ואותו הרעב שעבר על העולם, ואת אלו המלכים שרדפו אנשיך אחריהם, והכית אותם, והקב"ה הצלך מכולם, קום עשה מצות רבונך". אמר לו הקב"ה, "ממרא, אתה נתת לו עצה על המילה, חייך, איני מתגלה עליו אלא בהיכל שלך". | Der Heilige Sohar ( WaJera, Punkt 17) fragt: „‚Und der Herr erschien ihm bei den Eichen von Mamre.‘ Warum bei den Eichen von Mamre und nicht anderswo? Weil Mamre ihm einen Rat für die Beschneidung gab. Als der Schöpfer Abraham befahl, sich beschneiden zu lassen, ging Abraham zu seinen Freunden. Aner sagte ihm: ‚Du bist über neunzig Jahre alt; du wirst dir selbst Schmerzen zufügen.‘ Mamre sagte ihm: ‚Denk an den Tag, als die Chaldäer dich in den Feuerofen warfen, und an die Hungersnot, die die Welt erduldete, und an die Könige, die deine Männer jagten und die du schlugst. Der Schöpfer hat dich vor all dem bewahrt. Erhebe dich, erfülle das Gebot deines Herrn.‘ Der Schöpfer sagte so zu Mamre: ‚Du hast ihm zur Beschneidung geraten, bei deinem Leben, ich werde mich ihm nur in deinem Palast offenbaren.‚“ |
4 | Das ist schwer zu verstehen. Wenn der Schöpfer ihm geboten hatte, sich zu beschneiden – geht er dann zu seinen Freunden, um zu fragen, ob er auf die Stimme des Schöpfers hören soll? Und hätte er, wenn Mamre anders geraten hätte, auf Mamre gehört und nicht auf den Schöpfer? Kann man so etwas sagen? Schwer zu verstehen ist auch, was Mamre ihm sagte: Es lohne sich, auf die Stimme des Schöpfers zu hören, denn Er werde ihn gewiss retten, so wie Er ihn aus dem Feuerofen gerettet hat. Mamres Rat gründete sich also darauf, dass der Schöpfer ihn retten werde wie damals aus dem Feuerofen – andernfalls müsse er nicht hören. | ודבר זה קשה להבין. אם הקב"ה צוה לו שימול את עצמו, אז הולך לשאול את חביריו, אם כדאי לשמוע בקול ה'. וכי חס ושלום אם ממרא היה אומר אחרת, היה חס ושלום שומע בקול ממרא, ולא בקול ה'. היתכן לומר כך. ועוד קשה להבין, את מה שממרא אמר לו, שכדאי לשמוע בקול ה', שבטח הוא יציל אותך, כמו שהציל אותך מכבשן האש. משמע שהבסיס, שממרא אמר לו לשמוע בקול ה', הוא מטעם שיציל אותך, כמו שהציל אותך אז מכבשן האש, אחרת אין אתה צריך לשמוע. | Das ist schwer zu verstehen. Wenn der Schöpfer ihm befohlen hat, sich zu beschneiden, ist er dann zu seinen Freunden gegangen, um sie zu fragen, ob er dem Schöpfer gehorchen soll? Wenn Mamre etwas anderes gesagt hätte, was dann? Er würde auf den Rat von Mamre hören und nicht auf das Wort des Schöpfers. Können wir das sagen? Es ist auch schwer zu verstehen, was Mamre ihm gesagt hat, dass er dem Schöpfer gehorchen soll, dass Er ihn sicher retten wird, so wie Er ihn aus dem Feuerofen gerettet hat. Das deutet darauf hin, dass der Grund, warum Mamre ihm sagte, er solle dem Schöpfer gehorchen, darin liegt, dass Er ihn retten wird, genauso wie Er ihn aus dem Feuerofen gerettet hat. Andernfalls müsste er nicht gehorchen. |
5 | Dasselbe sehen wir in dem, was unsere Weisen sagten (Rashi bringt ihre Auslegung, Noach, siebter Abschnitt): „‚Vor dem Angesicht seines Vaters Terach‘ – zu Lebzeiten seines Vaters. Manche sagen, dass sein Vater seinetwegen starb. Denn Terach hatte seinen Sohn Abram bei Nimrod angeklagt, weil dieser seine Götzenbilder zerschlagen und in den Feuerofen geworfen hatte. Und Haran saß und sprach bei sich: ‚Wenn Abram siegt, bin ich auf seiner Seite; und wenn Nimrod siegt, bin ich auf seiner Seite.‘“ Als Abram gerettet wurde, fragten sie Haran: „Auf wessen Seite bist du?“ Haran antwortete: „Ich bin auf Abrams Seite.“ Da warfen sie ihn in den Feuerofen, und er verbrannte. | הלא אותו דבר אנו רואים, שחז"ל אמרו (רש"י מביא דרשת חז"ל, נח שביעי) וזה לשונם, "על פני תרח אביו בחיי אביו. יש אומרים, שעל ידו אביו מת, שקבל תרח על אברם בנו לפני נמרוד על שכתת צלמיו והשליכן לכבשן האש, והרן, יושב ואומר בלבו, אם אברם נוצח אני משלו, ואם נמרוד נוצח אני משלו". וכשניצל אברם, אמרו לו להרן, "משל מי אתה", אמר להם הרן "משל אברם אני, השליכוהו לכבשן האש, ונשרף". | Wir können das Gleiche sehen, wenn unsere Weisen sagen (RASHI bringt die Worte unserer Weisen, 1. Mose 11,28): „‚Terach starb in der Gegenwart seines Vaters‘, also noch zu Lebzeiten seines Vaters. Manche sagen, dass sein Vater seinetwegen starb, als Terach sich bei Nimrod über seinen Sohn Abram beschwerte, weil er seine Statuen zerbrochen und in den Feuerofen geworfen hatte. Haran saß da und sagte zu sich selbst: ‚Wenn Abram gewinnt, bin ich bei ihm. Wenn Nimrod gewinnt, bin ich bei ihm.‘ Als Abram gerettet war, sagten sie zu Haran: ‚Mit wem bist du?‘ Haran antwortete: ‚Ich bin mit Abram.‘ Sie warfen ihn in den Feuerofen und er verbrannte.“ |
6 | Bei Haran sehen wir: Er verbrannte, weil er nur bereit war, sich zu opfern, unter der Bedingung, dass der Schöpfer ihn rette. Wie verhält es sich dann bei Abram, wenn Mamre zu ihm sagte: „Du musst auf die Stimme des Schöpfers hören“, weil Er Abram aus dem Feuerofen gerettet habe – den Abram von gestern, um es bildlich zu sagen –, und Er werde auch den Abram von heute retten, wenn dieser sich beschneidet? Dann wäre das genau wie bei Haran und Abram im Feuerofen. Der einzige Unterschied ist, dass es hier um dieselbe Person geht, nur in zwei Zuständen. | רואים אנו אצל הרן, אם אמר שהוא הולך לקבל על עצמו מסירת נפש, על תנאי שה' יציל אותו, הוא נשרף. אם כן מדוע אצל אברם, אם ממרא אמר לו, "שאתה צריך לשמוע בקול ה'", מטעם היות שהציל את אברם מכבשן האש, היינו אברם של אתמול, על דרך משל, הוא יציל גם את אברם של היום, כשהוא ימול את עצמו, אם כן זה ממש כדוגמת הרן ואברם בכבשן האש, וכאן רק ההבדל, שהם אותו דבר רק בגוף אחד, היינו אברם בב' מצבים. | Wir können an Haran sehen, dass er verbrannt wurde, weil er gesagt hatte, dass er bereit ist sich selbst zu opfern unter der Bedingung, dass der Schöpfer ihn retten würde. Wie ist es also zu verstehen, wenn Mamre zu Abram sagte: „Du sollst dem Schöpfer gehorchen“, weil Er Abram aus dem Feuerofen rettete, also sozusagen den Abram von gestern rettete, also deshalb auch den Abram von heute retten würde, wenn er sich beschneidet? Das ist genau wie bei Haran und Abram mit dem Feuerofen. Der einzige Unterschied ist, dass es sich um dieselbe Sache handelt, aber in demselben Körper, also in zwei Zuständen von Abram. |
7 | Im einfachen Sinn sehen wir: Bei Haran und Abram im Feuerofen ging es um die Heiden – die Fremden wollten, dass weder Abram noch Haran auf die Stimme des Schöpfers hörten. Bei der Beschneidung war es anders, denn da sprach der Schöpfer selbst zu ihm. Es macht also einen Unterschied, ob Fremde einem sagen, man solle nicht auf die Stimme des Schöpfers hören, oder ob der Schöpfer sagt, man solle auf Seine Stimme hören. | בפשטות הענין אנו רואים, ששם בהרן עם אברם בכבשן האש, היה ענין של גויים, היינו שהנוכרים היו רוצים, שהן אברם והן הרן, שלא ישמעו בקול ה'. מה שאין כן אצל מילה היה, שה' אמר לו. היינו שיש הפרש בין שנוכרים אומרים, לא לשמוע בקול ה', או שה' אומר לשמוע בקולו. | Ein einfaches Verständnis davon ist, dass bei der Angelegenheit von Haran und Abram im Feuerofen um Nichtjuden ging, d.h. dass die Nichtjuden sowohl bei Abram als auch bei Haran wollten, dass sie dem Schöpfer nicht gehorchen. Das ist bei der Beschneidung, die der Schöpfer ihm befohlen hat, nicht so. Das heißt, es ist ein Unterschied, ob die Ausländer sagen, dass sie dem Schöpfer nicht gehorchen sollen, oder ob der Schöpfer ihm sagt, dass er ihm gehorchen soll. |
8 | Daher ist zu sagen: Wenn Fremde wollen, dass der Mensch Götzendienst treibt und sich vom Glauben an den Schöpfer losreißt, muss er sich bedingungslos hingeben. Darum war Harans Bereitschaft, sich zu opfern – aber nur unter der Bedingung, am Leben zu bleiben wie Abraham –, keine wahre Hingabe; deshalb verbrannte er im Feuerofen. | לכן יש לומר, בזמן שהנוכרים רוצים שהאדם יעבוד עבודה זרה, ולהינתק עצמו מאמונת ה', בטח זה צריך האדם לתת מסירת נפש ללא תנאי. לכן הרן, שאמר, שהוא מוכן לתת מסירת נפש, בתנאי שישאר בחיים, כדוגמת אברהם, בטח זה לא נקרא מסירת נפש. לכן נשרף בכבשן האש. | Wir sollten also folgendes sagen: Wenn Fremde wollen, dass ein Mensch Götzen anbetet und sich vom Glauben an den Schöpfer löst, sollte der Mensch sich bedingungslos opfern. Aus diesem Grund wird es nicht als Hingabe angesehen, wenn Haran sagt, er sei bereit, sich unter der Bedingung zu opfern, dass er wie Abraham überlebt. Deshalb wurde er im Feuerofen verbrannt. |
9 | Hier ist es anders: Als der Schöpfer ihm gebot, sich zu beschneiden, und er sich mit seinen Freunden beriet, muss man es anders auslegen. Er dachte nämlich: Dass der Schöpfer ihm die Beschneidung gebietet, bedeutet eine hohe Stufe, deren er noch nicht würdig ist. Und er fürchtete: Wenn der Schöpfer ihm die Beschneidung gebietet, er ihrer aber noch nicht würdig ist, könnte er sogar aus seinem jetzigen Zustand fallen – denn er wusste, dass er sich in Niedrigkeit befand, wie geschrieben steht: „Und ich bin Staub und Asche.“ Deshalb beriet er sich, ob es ihm schon erlaubt sei, diese hohe Stufe zu betreten und sich zu beschneiden, oder ob er warten müsse, bis er ihrer würdig sei. | מה שאין כן כאן, כשהבורא אמר לו, שהוא ימול את עצמו, והוא הלך להתייעץ עם חבריו, צריכים לפרש בצורה אחרת. היינו, שהוא חשב, זה שהקב"ה אומר לו, שימול את עצמו, זהו מדרגה גדולה, והוא עוד לא ראוי לזה. כי הוא חשב, זה שהבורא אמר לו, שימול את עצמו, אם עדיין אינו ראוי לזה, בטח שיכול לנפול אפילו מהמצב שהוא נמצא עכשיו. כי הוא יודע, שהוא נמצא בבחינת השפלות, כמו שכתוב "ואנכי עפר ואפר". לכן הלך להתייעץ, אם מותר לו עכשיו ללכת במדרגה הגדולה ולמול את עצמו, או שהוא צריך לחכות עד שיהיה ראוי לזה. | Anders verhält es sich hier, als der Schöpfer ihm sagte, er solle sich beschneiden, und er zu seinen Freunden ging. Wir sollten das anders auslegen, nämlich so, dass er dachte, wenn der Schöpfer ihm sagte, er solle sich beschneiden, sei das eine hohe Stufe, und er sei dessen noch unwürdig. Denn er dachte, wenn der Schöpfer ihm sagte, er solle sich beschneiden, und er sei dessen noch unwürdig, könnte er sogar aus dem Zustand fallen, in dem er sich damals befand, da er wusste, dass er in Niedrigkeit war, wie es geschrieben steht: „Und ich bin Staub und Asche.“ Deshalb ging er sich beraten, um zu fragen, ob es ihm erlaubt sei, in diese hohe Stufe zu wandeln und sich zu beschneiden, oder ob er warten solle, bis er dessen würdig sei. |
10 | Daher sagte Aner zu ihm: Du bist schon über neunzig Jahre alt – und willst dir Schmerzen zufügen, indem du jetzt beginnst, zu höheren Stufen aufzusteigen und größere Arbeit zu leisten, um dich der Beschneidung würdig zu machen? Du bist zu alt, um jetzt noch große Mühe für höhere Stufen aufzuwenden. Das passt zu einem jungen Menschen, der eine große Zukunft vor sich hat, nicht zu dir, der du schon über neunzig bist. Deshalb ist das nichts für dich. | לכן ענר אמר לו, אתה כבר למעלה מתשעים שנה, ואתה תצער את עצמך להתחיל עכשיו לעלות במדרגות עליונות, ולהתחיל לעבוד בעבודה יותר גדולה, בכדי להכשיר את עצמך שתהיה ראוי למצות מילה. כבר אתה זקן יותר מדי, בכדי להתחיל עכשיו לתת יגיעה גדולה, בכדי לזכות למדרגות יותר גדולות. זה מתאים לצעיר לימים, שיש לו עתיד גדול. ולא לך, שאתה כבר למעלה מתשעים שנה. לכן זה לא בשבילך. | Das ist der Grund, warum Aner ihm sagte: „Du bist über neunzig Jahre alt; du wirst dich quälen“, wenn du jetzt anfängst, in hohe Stufen aufzusteigen und mehr Arbeit zu leisten, um dich zu qualifizieren, damit du der Mizwa [Gebot/gute Tat] der Beschneidung würdig bist. „Du bist zu alt, um jetzt große Anstrengungen zu unternehmen, um mit höheren Stufen belohnt zu werden. Das ist etwas für einen jungen Menschen, der eine große Zukunft vor sich hat, nicht für dich, der schon über neunzig ist. Deshalb ist das nichts für dich.“ |
11 | Als er aber Mamre fragte, antwortete dieser ihm: Siehst du nicht, dass der Schöpfer nicht auf deine Niedrigkeit schaut? Er sagt nicht: Erst wenn du würdig bist, kann Ich dir helfen – wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“ Gerade weil du fühlst, dass du Staub und Asche bist, kann der Schöpfer dir nicht helfen. Doch siehst du nicht, dass Er dir damals, als man dich in den Feuerofen warf, dennoch half – weil Er barmherzig und gnädig ist? | אולם כשבא לשאול לממרא, אז ממרא השיב לו, הלא אתה רואה, שאין הקב"ה מסתכל על השפלות שלך, שהוא יגיד בזמן שאתה תהיה ראוי, אז הוא יכול לעזור לך, כמו שאמרו חז"ל, "הבא לטהר מסייעין אותו". אבל היות כשאתה מרגיש, שאתה עפר ואפר, אין הקב"ה יכול לעזור לך. הלא אתה רואה, שבזמן שהשליכו לך לכבשן האש, מכל מקום הקב"ה עוזר לך, מטעם שהוא רחום וחנון. | Als er jedoch Mamre fragte, antwortete dieser ihm: „Du siehst, dass der Schöpfer nicht auf deine Niedrigkeit schaut; lass Ihn sagen, wann du würdig bist, und dann kann Er dir helfen, wie unsere Weisen sagten: ‚Wer kommt, um sich zu reinigen, dem wird geholfen.‘ Wenn du dich als Staub und Asche fühlst, kann der Schöpfer dir nicht helfen, aber du kannst sehen, dass der Schöpfer dir trotzdem geholfen hat, als du in den Feuerofen geworfen wurdest, denn Er ist barmherzig und gnädig.“ |
12 | Ebenso sagten unsere Weisen zu dem Vers: „‚Und Ich will verzeihen, wem Ich verzeihe‘ – obwohl er dessen nicht würdig und nicht geeignet ist.“ So will der Schöpfer auch hier, beim Gebot der Beschneidung, dass du eine höhere Stufe betrittst, obwohl du nicht würdig und nicht geeignet bist. Darum geh und erfülle das Gebot deines Herrn und schau nicht auf deine Niedrigkeit. | וזה הוא כמו שאמרו חז"ל על הפסוק "וחנותי את אשר אחון, אף על פי שאינו ראוי והגון לכך". לכן גם כאן, במצות מילה, הקב"ה רוצה שתכנס למדרגה יותר גדולה, אף על פי שאין אתה ראוי והגון. לכן לך וקיים מצות רבונך. ואל תסתכל על השפלות שלך. | Das ist so, wie unsere Weisen über den Vers sagen: „‚Und ich will verzeihen, wem ich verzeihe‘, obwohl er unfähig und unwürdig dazu ist.“ Deshalb will der Schöpfer auch hier, bei der Mizwa der Beschneidung, dass du eine höhere Stufe betrittst, obwohl du nicht würdig oder geeignet bist. Geh also hin und tu das Gebot deines Herrn und sieh nicht auf deine eigene Niedrigkeit. |
13 | Und das ist so, wie mein Vater und Lehrer über den Ausspruch des Schöpfers sagte: „Denn jetzt weiß Ich, dass du Gott fürchtest.“ Die bekannte Schwierigkeit dabei: Kennt der Schöpfer die Zukunft denn nicht, dass Er sagt „jetzt weiß Ich“? Er erklärte: „Denn jetzt weiß Ich“ bedeutet, dass nun bereits Abraham selbst weiß, dass er Gott fürchtet. | וזו על דרך שאמר אאמו"ר זצ"ל, על מה שאמר הקב"ה "כי עתה ידעתי, כי ירא אלקים אתה". והקושיא ידועה, וכי אין הקב"ה יודע עתידות, שאמר, "כי עתה ידעתי". ואמר, "כי עתה ידעתי", שעתה כבר יודע, ש"ירא אלקים אתה". כלומר, שעתה אברהם יודע שהוא ירא אלקים. | Das ist so, wie Baal HaSulam über das sagte, was der Schöpfer gesagt hat: „Jetzt weiß ich, dass du gottesfürchtig bist.“ Die Frage ist, ob der Schöpfer die Zukunft nicht kennt, weil Er sagte: „Jetzt weiß ich“, was bedeutet, dass “du jetzt weißt“, dass „du gottesfürchtig bist“? Das bedeutet, dass Abraham jetzt wusste, dass er gottesfürchtig war. |
14 | Und es fragt sich: Wozu muss Abraham das wissen? Die Antwort: Da er nun weiß, dass er Gott fürchtet, kann er bereits auf eine höhere Stufe gehen, ohne zu fürchten, sie sei zu hoch für ihn. Er kann nun immer höher steigen. | ונשאלת השאלה, בשביל מה צריך אברם לדעת את זה. אלא צריכים לומר, שעתה, שהוא יודע, שהוא ירא אלקים, כבר אברהם יכול ללכת למדרגה יותר גדולה, ואינו מתיירא, אולי זה יותר מדי גבוה עבורו. אלא שהוא כבר יכול לעלות למעלה מעלה. | Die Frage ist: Warum war das für Abram so wichtig? Wir sollten sagen, dass Abraham jetzt, da er weiß, dass er gottesfürchtig ist, auf eine höhere Stufe gehen kann und keine Angst hat, dass sie für ihn zu hoch sein könnte. Vielmehr kann er bereits aufsteigen. |
15 | Ähnlich lässt sich auslegen, was Rawa sagte (Berachot 61): „Der Mensch soll bei sich selbst wissen, ob er ein vollkommen Gerechter ist oder nicht.“ Auch hier fragt sich: Wozu muss er das wissen? Wie gesagt: damit er sich bemüht, höhere Stufen zu gehen, und nicht denkt, sie seien zu hoch für ihn. Deshalb riet ihm Mamre, nicht auf seine gefühlte Niedrigkeit zu schauen, dass er Staub und Asche sei; denn der Schöpfer will, dass er durch das Gebot der Beschneidung aufsteigt – geh und erfülle es und schau auf nichts. So steht geschrieben: „Erhaben ist der Ewige, und dennoch sieht Er den Niedrigen an“, und ebenso: „Der Ewige erhebt die Niedrigen“. | וכעין זה יכולים לפרש מה שאמר רבא (ברכות ס"א) "לידע אינש בנפשיה, אם צדיק גמור הוא, אם לאו" [שידע אדם בנפשו אם צדיק גמור הוא, או לא]. וגם שם יש להבין, בשביל מה צריך לדעת זה. אלא כנ"ל, שעל ידי זה הוא ישתדל ללכת במדרגות יותר גדולות, ואל יחשוב שזהו יותר מדי גבוה עבורו. לכן יעץ לו ממרא, שאל יסתכל על זה, שהוא מרגיש את שפלותו, שהוא בחינת עפר ואפר, אלא הקב"ה רוצה שתעלה במעלה ע"י מצות מילה, לך וקיים, ואל תסתכל על שום דבר. וזה שכתוב "רם ה' ושפל יראה". וזה כמו שכתוב, ש"ה' מגביה שפלים". | Genauso können wir auslegen, was Rabba sagte ( Berachot 61): „Man sollte in seinem Herzen wissen, ob er ein vollkommener Gerechter ist oder nicht.“ Auch das sollten wir verstehen, warum er das wissen muss. Er wird dadurch nämlich prüfen, ob er in höheren Stufen wandeln kann und nicht denken, dass es ihm zu hoch ist. Deshalb hat Mamre ihm geraten, nicht auf seine Niedrigkeit zu schauen, die er empfindet, dass er Staub und Asche ist. Vielmehr will der Schöpfer, dass du durch die Mizwa der Beschneidung in Stufen aufsteigst. Erhebe dich und tu es, und sieh nicht auf irgendetwas. Das ist die Bedeutung des Verses: „Der Herr ist hoch und die Niedrigen werden sehen“, denn es steht geschrieben: „Der Herr erhebt die Niedrigen.“ |
16 | Damit verstehen wir, was wir gefragt haben: warum Abraham seine Freunde fragte, ob er auf die Stimme des Schöpfers hören solle. Gemeint ist: ob er warten und sich tauglich machen müsse, um auf die hohe Stufe zu gelangen, die er nach der Beschneidung erlangen wird, oder ob er sie sofort erfüllen und nicht auf seine gefühlte Niedrigkeit schauen soll, dass er Staub und Asche sei. Darüber holte er den Rat seiner Freunde ein – nicht etwa, ob er das Gebot des Schöpfers überhaupt erfüllen solle. | ובהאמור נבין מה ששאלנו, מדוע אברהם הלך לשאול לחבריו, אם לשמוע בקול ה'. הפירוש הוא, אם הוא צריך לחכות ולהכשיר את עצמו, שיכנס במדרגה הגדולה, שיזכה אחרי קיום מצות מילה, או לקיים תיכף ולא להסתכל על שפלותו, מה שהוא מרגיש, שהוא בחינת עפר ואפר. ועל זה הוא הלך לשאול את עצת חביריו, ולא חס ושלום ששאל, אם לקיים מצות ה'. | Jetzt können wir verstehen, was wir gefragt haben: Warum hat Abraham seine Freunde befragt, ob er dem Schöpfer gehorchen soll? Die Erklärung ist: Wenn er abwarten und sich qualifizieren sollte, um in die hohe Stufe einzutreten, mit der er nach der Erfüllung des Beschneidungsgebots belohnt werden wird, oder sollte er es gleich tun und seine Niedrigkeit ignorieren, in der er sich als Staub und Asche fühlt. Zu diesem Aspekt hat er seine Freunde gefragt und nicht danach, ob er das Gebot des Schöpfers befolgen soll. |
17 | So verstehen wir auch, warum er damals, als man ihn in den Feuerofen warf, nicht erst seine Freunde um Rat fragte, sondern einwilligte, hineingeworfen zu werden, um den Namen des Himmels zu heiligen. Denn das ist der Zustand des Glaubens, für den man sich bedingungslos hingeben muss. Da darf man nicht sagen: Ich bin zu niedrig, deshalb will ich mich nicht opfern. | ובזה נבין גם כן, מדוע בזמן שהשליכו אותו לכבשן האש, מדוע לא הלך לשאול אז בעצת חביריו, אלא הסכים שישליכו אותו לכבשן האש, בכדי לקדש את שם שמים. אלא שזה בחינת אמונה, שצריכים לתת מסירת נפש על זה בלי תנאים. היינו לומר, שאני שפל גדול, לכן הוא לא רוצה לתת מסירת נפש. | So verstehen wir auch, warum er, als er in den Feuerofen geworfen wurde, nicht den Rat seiner Freunde einholte, sondern zustimmte, in den Feuerofen geworfen zu werden, um den Namen des Himmels zu heiligen. Das ist jedoch die Eigenschaft des Glaubens, bei der wir bedingungslose Hingabe zeigen müssen, was bedeutet, dass wir sagen: „Ich bin sehr niedrig; deshalb will Er sein Leben nicht opfern.“ |
18 | Beim Götzendienst gilt nämlich das Gesetz: „Er werde getötet und übertrete nicht.“ Darum ist bei Haran, der den Schöpfer nur unter der Bedingung heiligen wollte, am Leben zu bleiben wie Abram, von selbst klar, dass dies nicht „Er werde getötet und übertrete nicht“ heißt. Denn er willigte nur ein, in den Feuerofen geworfen zu werden, sofern er nicht getötet würde. So erfüllte er das Gebot des Götzendienstes „Er werde getötet und übertrete nicht“ gar nicht – und deshalb verbrannte er. Bei Abram dagegen war die Absicht ganz im Sinne von „Er werde getötet und übertrete nicht“; darum wurde er durch das Verdienst dieses vollständigen Gebots aus dem Feuerofen gerettet. Und dort waren es die Heiden, die zu ihm sprachen, denn sie verlangten von ihm Götzendienst. | אלא בעבודה זרה הדין הוא "יהרג ואל יעבור". ומשום זה הרן, שרצה לקדש את ה' במסירת נפש, רק בתנאי שישאר בחיים, כמו אברם, מובן מאליו שזהו לא נקרא "יהרג ואל יעבור". כי דעתו היתה, שהוא מסכים, שישליכו לכבשן האש בתנאי שלא יהרג. נמצא, שלא קיים כלל את המצוה, שישנו בעבודה זרה "יהרג ולא יעבור". לכן הרן נשרף בכבשן האש. מה שאין כן אברם, שדעתו היתה בבחינת "יהרג ואל יעבור", לכן בזכות המצוה השלימה ניצל מכבשן האש. וזהו ששם היו הגויים, דברו אליו, שהם דרשו ממנו שיעבוד עבודה זרה. | Aber in der Götzenanbetung lautet die Regel: „lieber sterben als übertreten“. Aus diesem Grund heißt es für Haran, der den Schöpfer nur unter der Bedingung heiligen wollte, dass er wie Abram am Leben bleibt, eindeutig nicht „lieber sterben als übertreten“, denn er war damit einverstanden, in den Feuerofen geworfen zu werden, wenn er nicht getötet wird. Daraus folgt, dass er die Mizwa , die es im Götzendienst gibt, überhaupt nicht befolgt hat: „lieber sterben als übertreten.“ Deshalb wurde Haran im Feuerofen verbrannt. Umgekehrt war Abrams Ansicht in der Form „lieber sterben als übertreten.“ Deshalb wurde er dank der vollkommenen Mizwa vor dem Feuerofen gerettet. Das ist die Bedeutung der Völker, die da zu ihm sprachen und von ihm die Götzenanbetung verlangten. |
19 | Beim Gebot der Beschneidung ist es anders: Da sprach der Schöpfer selbst zu ihm, er solle sich beschneiden, und verlangte damit gewiss von Abram, dass er in seiner Stufe aufsteige. Denn was wollte der Schöpfer von Abraham, nachdem dieser Ihn bei Nimrod geheiligt hatte? Gewiss, dass er höher steige. Darüber dachte Abraham nach: Vielleicht sei er einer so hohen Stufe noch nicht würdig. Deshalb fragte er seine Freunde, was zu tun sei – denn er fühlte, dass er dieser Gadlut (Erwachsensein), die ihm die Beschneidung bringen würde, noch nicht würdig war. Hier liegt also eine ganz andere Sache vor. | מה שאין כן במצות מילה, שה' דיבר אליו, שימול עצמו, ה' בטח שדרש מאברם שיעלה בדרגה. כי אברהם, לאחר שקידש את ה' אצל נמרוד, מה רצה ה' ממנו, בטח לעלות למדרגה יותר גבוהה. על זה חשב, אולי עדיין עוד לא ראוי לעלות במדרגה כל כך גבוהה. לכן הלך לשאול מחביריו, מה לעשות. הלא הוא מרגיש, שעדיין אינו ראוי לגדלות זו, מה שהוא יזכה בקיום מצות מילה, כנ"ל. לכן כאן הוא ענין אחר לגמרי. | Aber mit dem Gebot der Beschneidung, bei dem der Schöpfer ihm sagte, er solle sich beschneiden, verlangte der Schöpfer von Abram sicherlich, in der Stufe aufzusteigen. Nachdem Abraham den Schöpfer bei Nimrod geheiligt hatte – was wollte der Schöpfer dann von Abraham? Ganz sicher, dass er auf eine höhere Stufe aufsteigt. Er dachte darüber nach, dass er vielleicht noch unwürdig sei, auf eine so hohe Stufe aufzusteigen, und ging deshalb zu seinen Freunden, um sie zu fragen, was er tun sollte, denn er hatte das Gefühl, dass er einer solchen Gadlut [Größe/Erwachsenheit], die ihm durch das Einhalten der Mizwa der Beschneidung zuteil werden würde, noch nicht würdig war. Deshalb handelt es sich hier um eine völlig andere Angelegenheit. |
20 | Damit sehen wir, dass es in der Arbeit zwei Zustände gibt: | ובהאמור אנו רואים, שיש ב' מצבים בעבודה: | Nach dem oben Gesagten können wir sehen, dass es zwei Zustände in der Arbeit gibt: |
21 | 1) den Zustand des Glaubens, | א. בחינת אמונה, | 1.) Der Zustand des Glaubens, |
22 | 2) den Zustand der Tora. | ב. בחינת תורה. | 2.) Der Zustand der Tora . |
23 | Im Zustand des Glaubens kann man nicht sagen, man sei zu niedrig und könne deshalb das Gebot der Heiligung des Schöpfers nicht erfüllen – ein Gebot, das in ganz Israel selbstverständlich ist, sogar unter einfachen Menschen, von denen wir gehört haben, dass sie ihr Leben für die Heiligung des Namens gaben. | שבבחינת אמונה, לא שייך לומר שהוא שפל, לכן הוא לא יכול לקיים את מצות של קידוש ה', שנוהג בכלל ישראל, אפילו בין אנשים פשוטים, שאנו שמענו, שמסרו נפשם על קידוש השם. | Im Zustand des Glaubens ist es nicht angebracht zu sagen, dass er zu niedrig ist und deshalb das Gebot des Einhaltens der Heiligung des Schöpfers nicht befolgen kann, was im Allgemeinen in Israel sogar unter gewöhnlichen Menschen geschieht, von denen wir hören, dass sie für die Heiligung des Schöpfers gestorben sind. |
24 | Wenn der Mensch also beginnt, auf dem Weg der Wahrheit in die Arbeit für den Schöpfer einzutreten, muss er das Joch des Glaubens über dem Verstand auf sich nehmen, auch wenn alle Völker der Welt in seinem Körper ihn auslachen. Er muss den Schöpfer vor diesen Heiden in seinem Körper heiligen und sagen, dass er an den Schöpfer glaubt und Ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen will. Und selbst wenn sie ihm nicht zustimmen, kann er sagen, dass er es auf sich nimmt, den Schöpfer zu lieben. Selbst wenn er nichts von dem empfindet, was er mit dem Mund sagt, soll er sich nicht davon beeindrucken lassen, dass seine Glieder ihm nicht zustimmen; sondern was er tun kann, das tut er – nämlich im Reden; und im Handeln kann er die Sache durch Zwang tun. Und obwohl er nichts dabei empfindet, tut er es dennoch aus der Erweckung von unten (Itaruta deLetata). | לכן כשהאדם מתחיל להכנס בעבודת ה' על דרך האמת, צריך לקבל על עצמו עול האמונה למעלה מהדעת, אפילו שכל האומות העולם שבגופו צוחקות ממנו, עליו מוטל לקדש ה' בפני הגויים שבגופו, ולומר, שהוא מאמין בה', ורוצה לשמש אותו בכל לבו ונפשו. ואפילו שהם לא מסכימים עמו, והוא יכול לומר, שהוא מקבל על עצמו לאהוב את ה'. ואפילו שאין לו שום הרגשה, בזה שאומר בעל פה, אבל האדם, אין לו להתפעל מזה, שאין האברים מסכימים לדעתו, והוא, מה שהוא יכול לעשות, הוא עושה. היינו בדיבור, ובמעשה הוא יכול לעשות את הדבר על דרך הכפיה. והגם שאין לו שום הרגשה מזה, מכל מקום מבחינת אתערותא דלתתא הוא עושה. | Er muss deshalb, wenn der Mensch die Arbeit des Schöpfers auf dem Weg der Wahrheit beginnt, die Last des Glaubens über dem Verstand auf sich nehmen, auch wenn ihn alle Völker der Welt in seinem Körper auslachen. Er muss den Schöpfer vor den Heiden in seinem Körper heiligen und sagen, dass er an den Schöpfer glaubt und ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen will. Und auch wenn sie ihm nicht zustimmen, kann er sagen, dass er es auf sich nimmt, den Schöpfer zu lieben. Auch wenn er kein Gefühl hat, wenn er es ausspricht, sollte sich ein Mensch nicht von seinen Gliedern beeindrucken lassen, die mit seiner Ansicht nicht einverstanden sind. Er tut, was er tun kann. Das heißt, im Reden und Handeln kann er dies durch Zwang tun. Und obwohl er dabei nichts spürt, tut er es dennoch aus einer inneren Erweckung heraus. |
25 | Darüber heißt es: „Und Ich werde dich segnen in allem, was du tust.“ Das bedeutet: Der Schöpfer wird ihm danach einen Segen auf sein Werk senden. Und wenn er nach der Überwindung sieht, dass er keinen Segen empfangen hat – dass er sich dem Schöpfer also nicht näher fühlt als zuvor –, fragt ihn der Körper: Du hast mir gesagt, wenn du deinen Verstand und deine Vernunft überwindest, werde der Schöpfer dir einen Segen geben, sodass du die Wichtigkeit der Spiritualität fühlst. Nun aber siehst du, dass du im selben Zustand bist wie vor der Arbeit, als du dich mühtest, die Taten unter Zwang zu vollbringen. | ועל זה נאמר "וברכתיך בכל אשר תעשה". כלומר שה' ישלח לו אח"כ ברכה על המעשה שהוא עושה. והגם שלאחר ההתגברות הוא רואה שלא קיבל שום ברכה, היינו שלא מרגיש שום התקרבות לה', יותר מכפי שהיה מטרם ההתגברות, אז הגוף שואל להאדם, אמרת לי, שאם אתה תתגבר על השכל ודעת שלך, אז הקב"ה יתן לך ברכה, כלומר שתרגיש ע"י זה את החשיבות הרוחניות. ואתה רואה, שאתה נמצא באותו המצב שהיית לפני העשיה, שהשתדלת לעשות מעשים בכפיה. | So heißt es: „Und ich werde dich segnen in allem, was du tun wirst.“ Das heißt, der Schöpfer wird ihm später den Segen für das, was er tut, senden. Wenn er aber nach der Überwindung nicht sieht, dass er irgendeinen Segen empfangen hat, d.h. er fühlt sich dem Schöpfer nicht näher als vor der Überwindung, dann fragt der Körper den Menschen: „Du hast mir gesagt, wenn du deinen Verstand und deine Vernunft überwindest, wird der Schöpfer dir Segen geben, was bedeutet, dass du dadurch die Bedeutung der Spiritualität spüren wirst. Aber du kannst sehen, dass du dich in demselben Zustand befindest wie vor der Arbeit, als du dich bemühtest, Dinge durch Zwang zu tun.“ |
26 | Darauf lautet die Antwort: Würde ich den Segen sofort fühlen, so zeigte sich, dass ich die Tat getan habe, um Lohn zu empfangen. Das gliche Haran, der sagte: Wenn ich sehe, dass Abraham aus dem Feuerofen gerettet wird, bin ich auf seiner Seite. So ist es auch hier, wenn jemand sagt: Ich bin bereit, mich zu zwingen und gute Taten gegen das Verlangen des Körpers zu tun – aber nur unter der Bedingung, danach eine gute Empfindung zu empfangen, nämlich zu spüren, wie lohnend es ist, dem Schöpfer zu dienen; also um Lohn zu empfangen, nämlich eine gute Empfindung. | על זה באה התשובה, שאם הייתי מרגיש את הברכה על המקום, נמצא, שעשיתי את המעשה בכדי לקבל שכר. וזה דומה לבחינת הרן, שאמר, אם אני אראה שאברהם ניצל מכבשן האש, אני משלו. וגם כאן, שאומר, אני מוכן לכוף עצמי ולעשות מעשים טובים נגד רצון הגוף, אבל בתנאי שאח"כ אני אקבל הרגשה טובה, איך שכדאי לעבוד לה' בכדי לקבל שכר, היינו הרגשה טובה. | Darauf kommt die Antwort: „Wenn ich den Segen sofort spüren würde, dann hätte ich es getan, um Belohnung zu empfangen.“ Das ist so ähnlich wie bei Haran, der sagte: „Wenn ich sehen kann, dass Abraham aus dem Feuerofen gerettet wurde, bin ich bei ihm.“ Auch hier, wenn er sagt: „Ich bin bereit, mich zu beugen und gute Taten gegen den Willen des Körpers zu tun, aber unter der Bedingung, dass ich danach ein gutes Gefühl bekomme, wie lohnenswert es ist, dem Schöpfer zu dienen, um Belohnung, also ein gutes Gefühl, zu empfangen.“ |
27 | Wenn der Mensch also gleich nach der erzwungenen Arbeit Lohn empfangen will, ist es, als wäre der Zwang von Anfang an nur dazu da gewesen, dass er danach nicht mehr unter Zwang arbeiten müsse. Es zeigt sich, dass er im Augenblick, da er den Glauben annimmt, Bedingungen stellt. Doch der Glaube bei der Annahme des Königtums des Himmels muss eine bedingungslose Unterwerfung sein. Deshalb kann man beim Glauben nicht sagen, man fühle sich zu niedrig, um das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen. Und man darf nicht sagen: Jetzt bin ich nicht in der rechten Stimmung; ich warte, bis ich eine gute Stimmung habe, dann nehme ich das Joch des Königtums des Himmels auf mich. Vielmehr muss jeder Mensch das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen, an jedem Ort und zu jeder Zeit. | לכן אם האדם רוצה תיכף, לאחר העבודת הכפיה, לקבל תיכף שכר, זה דומה כאילו לכתחילה היתה הכפיה, בכדי שאח"כ לא יצטרך יותר לעבוד על דרך הכפיה. נמצא, שבעת קבלת האמונה, הוא מעמיד תנאים. ובחינת האמונה של קבלת מלכות שמים, צריכה להיות כניעה ללא תנאי. לכן אצל אמונה לא שייך לומר, שהאדם מרגיש עצמו שהוא שפל יותר מדי, שאין עליו מוטל לקבל עול מלכות שמים. ואין לאדם לומר, עכשיו אין לי מצב רוח לזה, אלא אני מחכה, שיהיה לי מצב רוח טוב, אז אני אשתדל לקבל עלי עול מלכות שמים. אלא החיוב מוטל על כל אדם, לקבל על עצמו עול מלכות שמים, בכל מקום ובכל עת. | Wenn ein Mensch also unmittelbar nach der Arbeit durch Zwang Belohnung empfangen will, ist es so, als hätte er mit dem Zwang begonnen, damit er danach nicht mehr durch Zwang arbeiten muss. Daraus folgt, dass er, wenn er den Glauben annimmt, Bedingungen stellt. Aber der Glaube in der Annahme des Himmelreichs muss eine bedingungslose Hingabe sein. Aus diesem Grund kann man, wenn es um den Glauben geht, nicht sagen, dass ein Mensch sich zu niedrig fühlt, dass es ihm nicht zusteht, die Last des Himmelreichs auf sich zu nehmen. Ein Mensch sollte auch nicht sagen: „Jetzt bin ich nicht in der Stimmung dafür; ich werde warten bis ich in einer besseren Stimmung bin, und dann werde ich prüfen, ob ich die Last des Himmelreichs auf mich nehmen kann.“ Vielmehr ist es die Pflicht eines jeden Menschen, die Last des Himmelreichs auf sich zu nehmen, und zwar an jedem Ort und zu jeder Zeit. |
28 | Anders ist es, wenn von der Tora die Rede ist: Dann muss der Mensch seine Niedrigkeit fühlen. Denn unsere Weisen sagten: „Es ist verboten, einen Götzendiener Tora zu lehren, sondern nur den, der im Zustand Israels ist.“ Darum muss er zuerst prüfen, ob er wirklich im Zustand Israels ist, also ob er würdig ist, Tora zu lernen. Sieht er, dass er es noch nicht ist, muss er sich mühen, es zu werden – und dann wird er Tora lernen können. | מה שאין כן כשמדברים בענין תורה, אז הזמן שהאדם צריך להרגיש את שפלותו. היות שחז"ל אמרו, ש"אסור ללמוד תורה לעכו"ם, רק לבחינת ישראל". אז הוא צריך מקודם לראות, אם הוא באמת בחינת ישראל. זאת אומרת, שהוא צריך לראות, אם הוא ראוי ללמוד תורה. ואם הוא רואה, שעדיין אין הוא ראוי, אז הוא צריך להשתדל להיות ראוי. ואז יהיה בידו ללמוד תורה. | Wenn man von der Tora spricht, sollte man hingegen seine eigene Niedrigkeit spüren. Da unsere Weisen sagten: „Es ist verboten, Götzendienern die Tora zu lehren“, sondern nur Israel, sollte er deshalb zuerst sehen können, ob er wirklich als „Israel“ angesehen wird. Das bedeutet, dass er sehen kann, ob er würdig ist, Tora zu lernen. Wenn er sieht, dass er noch unbelebt ist, muss er prüfen, ob er würdig ist, die Tora zu lernen, und dann wird er in der Lage sein, Tora zu lernen. |
29 | Und wie macht sich der Mensch tauglich, würdig zu werden? Der Rat dazu lautet, wie unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sagte: Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Der Mensch muss also zuerst Tora lernen, damit die Tora ihn in den Zustand Israels bringt. Ist er dann im Zustand Israels, steigt er zu der Stufe auf, auf der er Tora lernt, die dann „Tora des Schöpfers“ heißt, im Sinne der Namen des Schöpfers. Bevor er aber gewürdigt wird, Israel zu sein, muss er sich mühen, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, was ihn in den Zustand Israels bringt. Und dann ist die Zeit gekommen, zur Vollkommenheit zu gelangen, die man das Schöpfungsziel nennt: Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. | ומה היא העצה, שהאדם יכשיר את עצמו להיות ראוי. העצה לזה, כמו שאמרו חז"ל, "אמר הקב"ה, בראתי יצר הרע בראתי תורה תבלין". כלומר, שהאדם צריך מקודם ללמוד תורה, בכדי שהתורה תביא לו להיות בחינת ישראל. וכשהוא יהיה בבחינת ישראל, אז יעלה בדרגה ללמוד תורה, הנקרא אז, תורת ה' בבחינת שמותיו של הקב"ה. מה שאין כן לפני שזכה להיות בחינת ישראל, הוא צריך להשתדל לעסוק בתורה ומצות, שזה יביא לו לבחינת ישראל. ואז הזמן לבוא לבחינת השלימות, הנקרא מטרת הבריאה, שהיא להטיב לנבראיו. | Was ist der Weg, auf dem man sich vorbereiten kann, um würdig zu sein? Der Weg ist, wie unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sagte: ‚Ich habe den Bösen Trieb erschaffen; Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.‚“ Mit anderen Worten: Ein Mensch sollte zuerst die Tora lernen, damit die Tora ihn dazu bringt, als „Israel“ angesehen zu werden. Wenn er die Eigenschaft „Israel“ hat, wird er in der Stufe aufsteigen, in der er die Tora lernt, die dann „die Tora des Schöpfers sind die Namen des Schöpfers“ genannt wird. Bevor er damit belohnt wird, „Israel“ zu sein, muss er prüfen, ob er sich mit Tora und Mizwot befassen kann, damit er „Israel“ werden kann. Erst dann kommt er zur Vollkommenheit, die „das Schöpfungsziel“ genannt wird, das darin besteht, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. |
30 | Doch bei der Beschäftigung mit Tora und Mizwot muss der Mensch auf zwei Linien gehen, rechts und links – es gibt also eine Zeit der Vollkommenheit und eine Zeit des Mangels. Einerseits müssen wir dem Schöpfer danken, und wer fühlt, dass er viel Gutes vom Schöpfer empfangen hat, kann Ihm gewiss größeren Dank erweisen. Deshalb ist die Zeit, in der sich der Mensch mit Tora und Mizwot beschäftigt, die Zeit der Vollkommenheit – so, als hätte ihn der Schöpfer herangezogen, zu denen zu gehören, die dem König dienen. Doch der Mensch darf sich nicht selbst belügen und behaupten, er fühle, dem König zu dienen, wenn er es gar nicht fühlt. Denn wie könnte er Ihm großen Dank dafür erweisen, dass Er ihn herangezogen hat, wenn er es nicht empfindet? | אולם בזמן התעסקותו בתורה ומצות, היות שהאדם צריך ללכת בב' קוים, ימין ושמאל, היינו זמן של שלמות וזמן של חסרון. היות שמצד אחד אנו צריכים להודות לה', ובטח מי שמרגיש שקיבל הרבה טובות מה', הוא יותר מסוגל לתת תודה רבה יותר גדולה. לכן בזמן שהאדם מתעסק בתורה ומצות, אז הזמן להיות בשלימות, כלומר, כאילו שהקב"ה קירב אותו להיות מהמשמשי המלך. אולם אין האדם צריך לשקר לעצמו, לומר שהוא מרגיש, שהוא משמש את המלך, בזמן שאין לו הרגשה כזו. אם כן איך הוא יכול לתת תודה רבה על זה שקירב אותו, אם אין הוא מרגיש זה. | Zur Zeit der Beschäftigung mit Tora und Mizwot muss der Mensch auf zwei Linien wandeln – rechts und links –, was bedeutet, dass es eine Zeit der Vollkommenheit und eine Zeit des Mangels gibt. Auf der einen Seite müssen wir dem Schöpfer danken, und wenn ein Mensch das Gefühl hat, dass er viel Gutes vom Schöpfer empfangen hat, ist er eher in der Lage, mehr Dankbarkeit zu zeigen. Wenn sich der Mensch also mit Tora und Mizwot befasst, ist dies die Zeit, in der er in der Vollkommenheit ist, als ob der Schöpfer ihn in seine Nähe gebracht hat, um zu den Dienern des Königs zu gehören. Man darf sich jedoch nicht selbst belügen und sagen, dass man das Gefühl hat, dem König zu dienen, wenn man sich nicht so fühlt. Wie kann er deshalb dem Schöpfer dafür dankbar sein, dass er sich ihm genähert hat, wenn er es nicht spürt? |
31 | Vielmehr muss der Mensch dann sagen: Er befindet sich zwar in äußerster Niedrigkeit, ist noch in der Selbstliebe versunken und noch unfähig, irgendetwas über dem Verstand zu tun. Dennoch hat der Schöpfer ihm einen Gedanken und ein Verlangen gegeben, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Und Er gab ihm auch ein wenig Kraft, den Zustand der Kundschafter zu überwinden, die zu ihm sprechen und seinen Kopf mit ihren Einwänden durchbohren – und dennoch hat er ein wenig Halt in der Spiritualität. | אלא האדם צריך אז לומר, שאף על פי שהוא נמצא בתכלית השפלות, כלומר שהוא עדיין משוקע באהבה עצמית, ועדיין אינו מסוגל לעשות משהו למעלה מהדעת, מכל מקום ה' נתן לו מחשבה ורצון לעסוק בתו"מ. וגם נתן לו קצת כח, שיוכל להתגבר על בחינת מרגלים, מה שמדברים אליו, ונוקרים את ראשו בטענותיהם, ומכל מקום הוא יש לו קצת אחיזה ברוחניות. | Stattdessen sollte ein Mensch zu diesem Zeitpunkt sagen, dass der Schöpfer ihm, obwohl er sich in äußerster Niedrigkeit befindet, d.h. noch immer in Eigenliebe versunken ist und noch immer nichts über dem Verstand tun kann, dennoch den Gedanken und das Verlangen gegeben hat, sich mit Tora und Mizwot zu befassen, und ihm auch etwas Kraft gegeben hat, um die Spione zu überwinden, die zu ihm sprechen und seinen Verstand mit ihren Argumenten stoßen. Und er hat immer noch einen gewissen Halt in der Spiritualität. |
32 | Dann muss der Mensch darauf achten und glauben, dass der Schöpfer sich um ihn kümmert und ihn auf dem Weg führt, der zum Palast des Königs leitet. So muss er sich darüber freuen, dass der Schöpfer über ihn wacht und ihm auch die Abstiege gibt. Der Mensch kann verstehen, dass der Schöpfer ihm die Aufstiege gibt. Denn er kann gewiss nicht sagen, dass er sie von selbst empfängt; vielmehr will der Schöpfer ihn heranziehen und gibt sie ihm deshalb. | אז האדם צריך לתת תשומת לב על זה, ולהאמין, שה' מטפל עמו, ומדריכו ללכת בהמסלול המוביל להיכל המלך. נמצא, שהוא צריך לשמוח בזה, שה' משגיח עליו, ונותן לו גם הירידות. כלומר, שהאדם צריך להאמין, כמו שהאדם יכול להבין, שה' נותן לו את העליות, שזה בודאי אין האדם יכול לומר, שהוא בעצמו מקבל את העליות, אלא שה' רוצה לקרב אותו, לכן הוא נותן לו העליות. | In dieser Zeit sollte der Mensch darauf achten und glauben, dass der Schöpfer sich um ihn kümmert und ihn auf den Weg führt, der zum Palast des Königs führt. Daraus folgt, dass er sich darüber freuen sollte, dass der Schöpfer über ihn wacht und ihm auch die Abstiege schenkt. Das heißt, der Mensch sollte, soweit er es verstehen kann, glauben, dass der Schöpfer ihm die Aufstiege schenkt, denn der Mensch kann zwar nicht sagen, dass er selbst die Aufstiege empfängt, sondern dass der Schöpfer ihn näher bringen will; deshalb schenkt er ihm die Aufstiege. |
33 | Und ebenso muss der Mensch glauben, dass der Schöpfer ihm auch die Abstiege gibt, weil Er ihn heranziehen will. Deshalb muss er jede Tat, die in seiner Macht steht, so verrichten, als befände er sich im Aufstieg. Und wenn er sich während des Abstiegs ein wenig überwindet, nennt man das Erweckung von unten. Durch jede Handlung, die er im Glauben tut, dass sie der Wille des Schöpfers ist, wird er einer größeren Annäherung gewürdigt – das heißt, der Mensch selbst beginnt zu fühlen, dass der Schöpfer ihn herangezogen hat. | כמו כן האדם צריך להאמין, שגם הירידות נותן לו ה', בגלל זה שהוא רוצה לקרבו. לכן כל עשיה ועשיה, שיש לו באפשרותו לעשות, הוא צריך לעשות זה, כאילו הוא היה נמצא במצב עליה. לכן זה שהוא מתגבר משהו בזמן הירידה, זה נקרא אתערותא דלתתא. וכל פעולה שהוא עושה, ומאמין שכך הוא רצונו ה', מזה עצמו הוא זוכה להתקרבות יותר גדולה, היינו שהאדם בעצמו מתחיל להרגיש, שה' קירב אותו. | Außerdem sollte der Mensch glauben, dass der Schöpfer ihm auch die Abstiege schenkt, denn er will ihn näher bringen. Deshalb muss er alles, was er tun kann, so tun, als befände er sich im Aufstieg. Deshalb nennt man es eine „Erweckung von unten“, wenn er beim Abstieg ein wenig überwindet. Bei jeder Tat, die er vollbringt, glaubt er, dass es der Wille des Schöpfers ist, und wird dadurch selbst mit einer größeren Annäherung belohnt, was bedeutet, dass der Mensch selbst zu spüren beginnt, dass der Schöpfer ihn näher gebracht hat. |
34 | Mein Vater und Lehrer sagt: Wenn der Mensch in Freude ist, wird er „gesegnet“ genannt. Er fühlt dann nämlich, dass ihm ein Verdienst zukam, weil er ein wenig Halt in der Spiritualität hat. „Und der Gesegnete haftet am Gesegneten.“ Der Mensch beginnt also zu fühlen, dass der Schöpfer ihn jetzt segnet, und er empfindet keinerlei Mangel. Doch das gilt gerade dann, wenn er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt. | כמו שאומר אאמו"ר זצ"ל, שבזמן שהאדם הוא בשמחה, היינו שמרגיש עצמו, שיש לו זכיה, בזה שיש לו קצת אחיזה ברוחניות, האדם נקרא ברוך. "וברוך מתדבק בברוך". כלומר, שהאדם מתחיל להרגיש, שה' מברך אותו עכשיו, ואינו מרגיש שום חסרון. אולם זהו דוקא בעת שעוסק בתו"מ. | Es ist so, wie Baal HaSulam sagte: Wenn der Mensch glücklich ist, sobald er spürt, dass er privilegiert ist und einen gewissen Halt auf das Spirituelle hat, wird dieser Mensch „gesegnet“ genannt, und „Der Gesegnete haftet an dem Gesegneten.“ Das heißt, der Mensch beginnt zu spüren, dass der Schöpfer ihn jetzt segnet, und er fühlt überhaupt keinen Mangel. Dies ist besonders dann der Fall, wenn er sich mit Tora und Mizwot befasst. |
35 | Doch der Mensch muss auch ein wenig Zeit für die Arbeit der linken Linie aufwenden, denn das gibt ihm Raum, über seine Mängel zu beten. Und das ist nötig: In der Zeit der Vollkommenheit, in der er dem Schöpfer dafür dankt, dass Er ihn ein wenig herangezogen hat, empfängt er die Erfüllung für die Mängel, die er fühlte, als er sich mit der linken Linie beschäftigte. | אולם האדם צריך לתת קצת זמן מזמנו, להקציב על עבודת של קו שמאל, שזה נותן לו מקום לתפלה, שיתפלל על חסרונות שבו. וזה צריכים, שבעת השלימות, שהאדם עוסק לתת תודה לה', על מה שקירב אותו משהו, אז הוא הזמן שיקבל מילוי על החסרונותיו, מה שהיה מרגיש, בזמן שהיה עוסק בבחינת השמאל. | Dennoch muss man einen kleinen Teil seiner Zeit der Arbeit auf der linken Linie widmen, denn das gibt ihm Raum, für die Mängel in ihm zu beten. Wenn der Mensch in der Vollkommenheit dem Schöpfer dankbar dafür ist, dass er ihm ein Stück näher gekommen ist, ist dies der Zeitpunkt, an dem er die Füllung für seine Mängel empfängt, die er bei der Arbeit in der „linken Linie“ verspürt hat. |
36 | Es zeigt sich, dass die Erhörung des Gebets nicht in dem Augenblick geschieht, in dem er betet, denn da ist er im Zustand des „Verfluchten“, also dessen, der Mangel hat. Und der Vollkommene verbindet sich nicht mit dem, der Mangel hat. Doch der Mensch kann sich auch auf andere Weise als vollkommen fühlen: nicht, weil er wüsste, dass er Vollkommenheit besitzt, sondern weil er sich als niedrig empfindet. Jeder noch so geringe Halt in der Spiritualität gilt ihm dann als großer Reichtum, und daraus schöpft er Vollkommenheit, indem er sagt, auch das stehe ihm nicht zu. Dann ist die Zeit gekommen, da er die Erfüllung empfangen kann, die er fühlte, als er sich mit der linken Linie beschäftigte. | נמצא, שעניית התפלה אינו בזמן שהוא מתפלל, כי אז נמצא במצב של "ארור", היינו בעל חסרון. ואין השלם מתחבר עם בעל חסרון. אולם בזמן שהאדם מרגיש עצמו לשלם, לא מטעם שהוא יודע שיש לו שלימות, אלא מטעם שהוא מרגיש עצמו לשפל, וכמה אחיזה שיש לו ברוחניות נחשב אצלו להון רב, ומזה יש לו שלימות, שהוא אומר, שגם זה הוא לא שוה, אז הזמן שיכול לקבל את המילוי, מה שהיה מרגיש, בזמן שהיה עוסק בבחינת השמאל. | Daraus folgt, dass die Antwort auf das Gebet nicht kommt, wenn er betet, denn dann befindet er sich in einem Zustand des „Verfluchten“, also des Mangelhaften, und der Vollkommene verbindet sich nicht mit dem Mangelhaften. Vielmehr, wenn der Mensch sich ganz fühlt –, nicht weil er weiß, dass er Vollkommenheit hat, sondern weil er sich selbst als niedrig empfindet und den Halt in der Spiritualität als großes Glück ansieht – leitet er daraus die Vollkommenheit ab und sagt, dass er nicht einmal dessen würdig ist. Das ist der Zeitpunkt, an dem er die Füllung für das empfangen kann, was er empfunden hat, als er in der „Linken Linie“ arbeitete. |
37 | Und damit verstehen wir unsere Frage. Einerseits sagten sie: „Sei sehr, sehr demütigen Geistes“, andererseits steht geschrieben: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Ewigen“ – zwei Gegensätze in derselben Sache. Die Antwort: Es sind zwei Gegensätze in derselben Sache, aber zu zwei verschiedenen Zeiten. | ובהאמור נבין מה ששאלנו. שמצד אחד אמרו, "מאוד מאוד הוי שפל רוח", ומצד השני כתוב, "ויגבה לבו בדרכי ה'", שהם ב' הפכים בנושא אחד. והתשובה, הם ב' הפכים בנושא אחד, רק בב' זמנים. | Jetzt können wir verstehen, was wir gefragt haben, warum auf der einen Seite gesagt wurde: „Sei sehr, sehr demütig“, und auf der anderen Seite geschrieben steht: „Und sein Herz war stolz auf den Wegen des Herrn“, denn es sind zwei Gegensätze. Die Antwort ist, dass es sich um zwei Gegensätze zum selben Thema handelt, aber zu zwei unterschiedlichen Zeiten. |
38 | Das heißt: Der Mensch beschäftigt sich mit dem Königtum des Himmels, um den Glauben über dem Verstand auf sich zu nehmen. Der Körper aber stimmt dem nicht zu: Er liefert ihm viele Ausreden, jetzt sei nicht die Zeit dafür, und führt ihm andere Menschen als Beweis an, die dieser Arbeit des Glaubens über dem Verstand keine Beachtung schenken. Dann muss er sagen: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Ewigen.“ Er schaut auf niemanden, sondern steht fest darin, dass dies der Weg der Wahrheit ist. Er hat auf niemanden zu hören, auch nicht auf das, was der Körper ihm einredet: Geh und schau auf die angesehenen Leute, die verstehen, was die Arbeit für den Schöpfer ist. Darüber sagten sie: „Und sein Herz erhob sich“ – nämlich stolz darauf zu sein, dass er mehr versteht als alle anderen. | היינו בזמן שהוא עוסק במלכות שמים, לקבל על עצמו בחינת אמונה למעלה מהדעת. כלומר, בזמן שאין הגוף מסכים לזה, ונותן לו הרבה תירוצים, שאין עכשיו הזמן לזה, ומביא לו ראיות משאר אנשים, שלא משימים לב לעבודה זו של האמונה בה' למעלה מהדעת. על זה הוא צריך לומר "ויגבה לבו בדרכי ה'", ואין הוא מסתכל על אף אחד, אלא הוא נחוש בדעתו, שכך היא דרך האמת, ואין לו להסתכל על מי שהוא, ואין לו לשמוע, מה שהגוף נותן לו להבין, לך והסתכל על האנשים שיש להם שם, שהם מבינים מה זה עבודת ה'. על זה אמרו, "ויגבה לבו". ולהיות בגאוה, שהוא מבין יותר מכולם. | Mit anderen Worten: Wenn er sich mit dem Vorhaben befasst, den Glauben über dem Verstand auf sich zu nehmen, und der Körper damit nicht einverstanden ist und ihm viele Ausreden liefert, dass jetzt nicht die Zeit dafür ist, und ihm Beweise von anderen Menschen bringt, die dieser Arbeit des Glaubens an den Schöpfer über dem Verstand keine Beachtung schenken, sollte er darüber sagen: „Und sein Herz war stolz auf den Wegen des Herrn.“ Er betrachtet niemanden, sondern ist entschlossen, dass dies der Weg der Wahrheit ist, und er sollte niemanden ansehen oder hören, was der Körper ihm zu verstehen gibt: „Geh und sieh dir ehrbare Leute an, die verstehen, was die Arbeit des Schöpfers ist.“ So heißt es: „Und sein Herz war stolz“, um stolz darauf zu sein, dass er besser versteht als alle anderen. |
39 | Wenn er sich aber mit Tora und Mizwot beschäftigt und sieht, dass er nichts von dem begreift, was er lernt oder betet, dann darf er nicht stolz sein und sagen: Wenn ich ohnehin nichts verstehe, wozu soll ich überhaupt in die Bücher schauen? Dann muss er demütig sein, wie unsere Weisen sagten: „Sei sehr, sehr demütigen Geistes.“ Der Mensch muss also demütig sein und sagen: Wie wenig Halt ich auch habe, ich bin in Freude – denn ich sehe, dass es Menschen gibt, die gar keinen Halt in der Spiritualität haben. Deshalb muss er hier fühlen, dass ihm nichts zusteht, und dennoch in Freude sein. | מה שאין כן בזמן שעוסק בתורה ומצות, והוא רואה, שאין לו שום מושג, מה שהוא לומד, או מה שהוא מתפלל, אז אסור לו להיות בגאוה, ולומר, אם אין הוא מבין, מה לו סתם להסתכל בספרים, אם אין הוא מבין את הענינים של תורה ומצות, אז הוא צריך להיות בשפלות. כמו שאמרו חז"ל, "מאוד מאוד הוי שפל רוח". היינו, שהאדם צריך להיות בשפלות, ולומר, כמה אחיזה שיש לו, הוא בשמחה, היות שהוא רואה שיש כמה אנשים, שאין להם שום אחיזה ברוחניות. לכן כאן הוא צריך להרגיש, שאינו מגיע לו כלום, ולהיות בשמחה. | Wenn er sich aber mit Tora und Mizwot befasst und sieht, dass er keine Ahnung hat, was er lernt oder was er betet, dann darf er nicht stolz sein und sagen, wenn er die Angelegenheiten der Tora und Mizwot nicht versteht, warum soll er dann vergeblich in die Bücher schauen. Zu dieser Zeit sollte er demütig sein, so wie unsere Weisen sagten: „Sei sehr, sehr demütig.“ Mit anderen Worten, der Mensch sollte sich demütig verhalten und sagen, dass er mit dem, was er in der Hand hat, zufrieden ist, denn er kann sehen, wie viele Menschen keinen Halt in der Spiritualität haben. Deshalb sollte er hier fühlen, dass ihm nichts zusteht und er glücklich ist. |
Wann sollte der Mensch Stolz in der Arbeit einsetzen
Es heißt in der Schrift (2. Chronik 17): „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Ewigen.“ In der Mischna aber (Awot 4,4) heißt es: „Sei sehr, sehr demütigen Geistes.“ Das widerspricht dem, was geschrieben steht: „Und sein Herz erhob sich.“
Der Sohar (WaJera 6, im Sulam Abschnitt 17) fragt zu dem Vers „Und der Ewige erschien ihm bei den Eichen Mamres“: Warum bei den Eichen Mamres und nicht anderswo? Weil Mamre ihm zur Beschneidung geraten hatte. Denn als der Schöpfer zu Abraham sagte, er solle sich beschneiden, ging Abraham, um sich mit seinen Freunden zu beraten. Aner sagte zu ihm: „Du bist schon über neunzig Jahre alt – und willst dir solche Schmerzen zufügen?“
Mamre sagte zu ihm: „Denk an den Tag, als die Chaldäer dich in den Feuerofen warfen, an die Hungersnot, die über die Welt kam, und an die Könige, die deine Leute verfolgten und die du schlugst – aus all dem hat der Schöpfer dich gerettet. Steh auf und erfülle das Gebot deines Herrn.“ Da sagte der Schöpfer zu ihm: „Mamre, du hast ihm zur Beschneidung geraten – bei deinem Leben: Ich werde Mich ihm nur in deinem Palast offenbaren.“
Das ist schwer zu verstehen. Wenn der Schöpfer ihm geboten hatte, sich zu beschneiden – geht er dann zu seinen Freunden, um zu fragen, ob er auf die Stimme des Schöpfers hören soll? Und hätte er, wenn Mamre anders geraten hätte, auf Mamre gehört und nicht auf den Schöpfer? Kann man so etwas sagen? Schwer zu verstehen ist auch, was Mamre ihm sagte: Es lohne sich, auf die Stimme des Schöpfers zu hören, denn Er werde ihn gewiss retten, so wie Er ihn aus dem Feuerofen gerettet hat. Mamres Rat gründete sich also darauf, dass der Schöpfer ihn retten werde wie damals aus dem Feuerofen – andernfalls müsse er nicht hören.
Dasselbe sehen wir in dem, was unsere Weisen sagten (Rashi bringt ihre Auslegung, Noach, siebter Abschnitt): „‚Vor dem Angesicht seines Vaters Terach‘ – zu Lebzeiten seines Vaters. Manche sagen, dass sein Vater seinetwegen starb. Denn Terach hatte seinen Sohn Abram bei Nimrod angeklagt, weil dieser seine Götzenbilder zerschlagen und in den Feuerofen geworfen hatte. Und Haran saß und sprach bei sich: ‚Wenn Abram siegt, bin ich auf seiner Seite; und wenn Nimrod siegt, bin ich auf seiner Seite.‘“ Als Abram gerettet wurde, fragten sie Haran: „Auf wessen Seite bist du?“ Haran antwortete: „Ich bin auf Abrams Seite.“ Da warfen sie ihn in den Feuerofen, und er verbrannte.
Bei Haran sehen wir: Er verbrannte, weil er nur bereit war, sich zu opfern, unter der Bedingung, dass der Schöpfer ihn rette. Wie verhält es sich dann bei Abram, wenn Mamre zu ihm sagte: „Du musst auf die Stimme des Schöpfers hören“, weil Er Abram aus dem Feuerofen gerettet habe – den Abram von gestern, um es bildlich zu sagen –, und Er werde auch den Abram von heute retten, wenn dieser sich beschneidet? Dann wäre das genau wie bei Haran und Abram im Feuerofen. Der einzige Unterschied ist, dass es hier um dieselbe Person geht, nur in zwei Zuständen.
Im einfachen Sinn sehen wir: Bei Haran und Abram im Feuerofen ging es um die Heiden – die Fremden wollten, dass weder Abram noch Haran auf die Stimme des Schöpfers hörten. Bei der Beschneidung war es anders, denn da sprach der Schöpfer selbst zu ihm. Es macht also einen Unterschied, ob Fremde einem sagen, man solle nicht auf die Stimme des Schöpfers hören, oder ob der Schöpfer sagt, man solle auf Seine Stimme hören.
Daher ist zu sagen: Wenn Fremde wollen, dass der Mensch Götzendienst treibt und sich vom Glauben an den Schöpfer losreißt, muss er sich bedingungslos hingeben. Darum war Harans Bereitschaft, sich zu opfern – aber nur unter der Bedingung, am Leben zu bleiben wie Abraham –, keine wahre Hingabe; deshalb verbrannte er im Feuerofen.
Hier ist es anders: Als der Schöpfer ihm gebot, sich zu beschneiden, und er sich mit seinen Freunden beriet, muss man es anders auslegen. Er dachte nämlich: Dass der Schöpfer ihm die Beschneidung gebietet, bedeutet eine hohe Stufe, deren er noch nicht würdig ist. Und er fürchtete: Wenn der Schöpfer ihm die Beschneidung gebietet, er ihrer aber noch nicht würdig ist, könnte er sogar aus seinem jetzigen Zustand fallen – denn er wusste, dass er sich in Niedrigkeit befand, wie geschrieben steht: „Und ich bin Staub und Asche.“ Deshalb beriet er sich, ob es ihm schon erlaubt sei, diese hohe Stufe zu betreten und sich zu beschneiden, oder ob er warten müsse, bis er ihrer würdig sei.
Daher sagte Aner zu ihm: Du bist schon über neunzig Jahre alt – und willst dir Schmerzen zufügen, indem du jetzt beginnst, zu höheren Stufen aufzusteigen und größere Arbeit zu leisten, um dich der Beschneidung würdig zu machen? Du bist zu alt, um jetzt noch große Mühe für höhere Stufen aufzuwenden. Das passt zu einem jungen Menschen, der eine große Zukunft vor sich hat, nicht zu dir, der du schon über neunzig bist. Deshalb ist das nichts für dich.
Als er aber Mamre fragte, antwortete dieser ihm: Siehst du nicht, dass der Schöpfer nicht auf deine Niedrigkeit schaut? Er sagt nicht: Erst wenn du würdig bist, kann Ich dir helfen – wie unsere Weisen sagten: „Wer kommt, um sich zu reinigen, dem hilft man.“ Gerade weil du fühlst, dass du Staub und Asche bist, kann der Schöpfer dir nicht helfen. Doch siehst du nicht, dass Er dir damals, als man dich in den Feuerofen warf, dennoch half – weil Er barmherzig und gnädig ist?
Ebenso sagten unsere Weisen zu dem Vers: „‚Und Ich will verzeihen, wem Ich verzeihe‘ – obwohl er dessen nicht würdig und nicht geeignet ist.“ So will der Schöpfer auch hier, beim Gebot der Beschneidung, dass du eine höhere Stufe betrittst, obwohl du nicht würdig und nicht geeignet bist. Darum geh und erfülle das Gebot deines Herrn und schau nicht auf deine Niedrigkeit.
Und das ist so, wie mein Vater und Lehrer über den Ausspruch des Schöpfers sagte: „Denn jetzt weiß Ich, dass du Gott fürchtest.“ Die bekannte Schwierigkeit dabei: Kennt der Schöpfer die Zukunft denn nicht, dass Er sagt „jetzt weiß Ich“? Er erklärte: „Denn jetzt weiß Ich“ bedeutet, dass nun bereits Abraham selbst weiß, dass er Gott fürchtet.
Und es fragt sich: Wozu muss Abraham das wissen? Die Antwort: Da er nun weiß, dass er Gott fürchtet, kann er bereits auf eine höhere Stufe gehen, ohne zu fürchten, sie sei zu hoch für ihn. Er kann nun immer höher steigen.
Ähnlich lässt sich auslegen, was Rawa sagte (Berachot 61): „Der Mensch soll bei sich selbst wissen, ob er ein vollkommen Gerechter ist oder nicht.“ Auch hier fragt sich: Wozu muss er das wissen? Wie gesagt: damit er sich bemüht, höhere Stufen zu gehen, und nicht denkt, sie seien zu hoch für ihn. Deshalb riet ihm Mamre, nicht auf seine gefühlte Niedrigkeit zu schauen, dass er Staub und Asche sei; denn der Schöpfer will, dass er durch das Gebot der Beschneidung aufsteigt – geh und erfülle es und schau auf nichts. So steht geschrieben: „Erhaben ist der Ewige, und dennoch sieht Er den Niedrigen an“, und ebenso: „Der Ewige erhebt die Niedrigen“.
Damit verstehen wir, was wir gefragt haben: warum Abraham seine Freunde fragte, ob er auf die Stimme des Schöpfers hören solle. Gemeint ist: ob er warten und sich tauglich machen müsse, um auf die hohe Stufe zu gelangen, die er nach der Beschneidung erlangen wird, oder ob er sie sofort erfüllen und nicht auf seine gefühlte Niedrigkeit schauen soll, dass er Staub und Asche sei. Darüber holte er den Rat seiner Freunde ein – nicht etwa, ob er das Gebot des Schöpfers überhaupt erfüllen solle.
So verstehen wir auch, warum er damals, als man ihn in den Feuerofen warf, nicht erst seine Freunde um Rat fragte, sondern einwilligte, hineingeworfen zu werden, um den Namen des Himmels zu heiligen. Denn das ist der Zustand des Glaubens, für den man sich bedingungslos hingeben muss. Da darf man nicht sagen: Ich bin zu niedrig, deshalb will ich mich nicht opfern.
Beim Götzendienst gilt nämlich das Gesetz: „Er werde getötet und übertrete nicht.“ Darum ist bei Haran, der den Schöpfer nur unter der Bedingung heiligen wollte, am Leben zu bleiben wie Abram, von selbst klar, dass dies nicht „Er werde getötet und übertrete nicht“ heißt. Denn er willigte nur ein, in den Feuerofen geworfen zu werden, sofern er nicht getötet würde. So erfüllte er das Gebot des Götzendienstes „Er werde getötet und übertrete nicht“ gar nicht – und deshalb verbrannte er. Bei Abram dagegen war die Absicht ganz im Sinne von „Er werde getötet und übertrete nicht“; darum wurde er durch das Verdienst dieses vollständigen Gebots aus dem Feuerofen gerettet. Und dort waren es die Heiden, die zu ihm sprachen, denn sie verlangten von ihm Götzendienst.
Beim Gebot der Beschneidung ist es anders: Da sprach der Schöpfer selbst zu ihm, er solle sich beschneiden, und verlangte damit gewiss von Abram, dass er in seiner Stufe aufsteige. Denn was wollte der Schöpfer von Abraham, nachdem dieser Ihn bei Nimrod geheiligt hatte? Gewiss, dass er höher steige. Darüber dachte Abraham nach: Vielleicht sei er einer so hohen Stufe noch nicht würdig. Deshalb fragte er seine Freunde, was zu tun sei – denn er fühlte, dass er dieser Gadlut (Erwachsensein), die ihm die Beschneidung bringen würde, noch nicht würdig war. Hier liegt also eine ganz andere Sache vor.
Damit sehen wir, dass es in der Arbeit zwei Zustände gibt:
1) den Zustand des Glaubens,
2) den Zustand der Tora.
Im Zustand des Glaubens kann man nicht sagen, man sei zu niedrig und könne deshalb das Gebot der Heiligung des Schöpfers nicht erfüllen – ein Gebot, das in ganz Israel selbstverständlich ist, sogar unter einfachen Menschen, von denen wir gehört haben, dass sie ihr Leben für die Heiligung des Namens gaben.
Wenn der Mensch also beginnt, auf dem Weg der Wahrheit in die Arbeit für den Schöpfer einzutreten, muss er das Joch des Glaubens über dem Verstand auf sich nehmen, auch wenn alle Völker der Welt in seinem Körper ihn auslachen. Er muss den Schöpfer vor diesen Heiden in seinem Körper heiligen und sagen, dass er an den Schöpfer glaubt und Ihm mit ganzem Herzen und ganzer Seele dienen will. Und selbst wenn sie ihm nicht zustimmen, kann er sagen, dass er es auf sich nimmt, den Schöpfer zu lieben. Selbst wenn er nichts von dem empfindet, was er mit dem Mund sagt, soll er sich nicht davon beeindrucken lassen, dass seine Glieder ihm nicht zustimmen; sondern was er tun kann, das tut er – nämlich im Reden; und im Handeln kann er die Sache durch Zwang tun. Und obwohl er nichts dabei empfindet, tut er es dennoch aus der Erweckung von unten (Itaruta deLetata).
Darüber heißt es: „Und Ich werde dich segnen in allem, was du tust.“ Das bedeutet: Der Schöpfer wird ihm danach einen Segen auf sein Werk senden. Und wenn er nach der Überwindung sieht, dass er keinen Segen empfangen hat – dass er sich dem Schöpfer also nicht näher fühlt als zuvor –, fragt ihn der Körper: Du hast mir gesagt, wenn du deinen Verstand und deine Vernunft überwindest, werde der Schöpfer dir einen Segen geben, sodass du die Wichtigkeit der Spiritualität fühlst. Nun aber siehst du, dass du im selben Zustand bist wie vor der Arbeit, als du dich mühtest, die Taten unter Zwang zu vollbringen.
Darauf lautet die Antwort: Würde ich den Segen sofort fühlen, so zeigte sich, dass ich die Tat getan habe, um Lohn zu empfangen. Das gliche Haran, der sagte: Wenn ich sehe, dass Abraham aus dem Feuerofen gerettet wird, bin ich auf seiner Seite. So ist es auch hier, wenn jemand sagt: Ich bin bereit, mich zu zwingen und gute Taten gegen das Verlangen des Körpers zu tun – aber nur unter der Bedingung, danach eine gute Empfindung zu empfangen, nämlich zu spüren, wie lohnend es ist, dem Schöpfer zu dienen; also um Lohn zu empfangen, nämlich eine gute Empfindung.
Wenn der Mensch also gleich nach der erzwungenen Arbeit Lohn empfangen will, ist es, als wäre der Zwang von Anfang an nur dazu da gewesen, dass er danach nicht mehr unter Zwang arbeiten müsse. Es zeigt sich, dass er im Augenblick, da er den Glauben annimmt, Bedingungen stellt. Doch der Glaube bei der Annahme des Königtums des Himmels muss eine bedingungslose Unterwerfung sein. Deshalb kann man beim Glauben nicht sagen, man fühle sich zu niedrig, um das Joch des Königtums des Himmels auf sich zu nehmen. Und man darf nicht sagen: Jetzt bin ich nicht in der rechten Stimmung; ich warte, bis ich eine gute Stimmung habe, dann nehme ich das Joch des Königtums des Himmels auf mich. Vielmehr muss jeder Mensch das Joch des Königtums des Himmels auf sich nehmen, an jedem Ort und zu jeder Zeit.
Anders ist es, wenn von der Tora die Rede ist: Dann muss der Mensch seine Niedrigkeit fühlen. Denn unsere Weisen sagten: „Es ist verboten, einen Götzendiener Tora zu lehren, sondern nur den, der im Zustand Israels ist.“ Darum muss er zuerst prüfen, ob er wirklich im Zustand Israels ist, also ob er würdig ist, Tora zu lernen. Sieht er, dass er es noch nicht ist, muss er sich mühen, es zu werden – und dann wird er Tora lernen können.
Und wie macht sich der Mensch tauglich, würdig zu werden? Der Rat dazu lautet, wie unsere Weisen sagten: „Der Schöpfer sagte: Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Der Mensch muss also zuerst Tora lernen, damit die Tora ihn in den Zustand Israels bringt. Ist er dann im Zustand Israels, steigt er zu der Stufe auf, auf der er Tora lernt, die dann „Tora des Schöpfers“ heißt, im Sinne der Namen des Schöpfers. Bevor er aber gewürdigt wird, Israel zu sein, muss er sich mühen, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen, was ihn in den Zustand Israels bringt. Und dann ist die Zeit gekommen, zur Vollkommenheit zu gelangen, die man das Schöpfungsziel nennt: Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Doch bei der Beschäftigung mit Tora und Mizwot muss der Mensch auf zwei Linien gehen, rechts und links – es gibt also eine Zeit der Vollkommenheit und eine Zeit des Mangels. Einerseits müssen wir dem Schöpfer danken, und wer fühlt, dass er viel Gutes vom Schöpfer empfangen hat, kann Ihm gewiss größeren Dank erweisen. Deshalb ist die Zeit, in der sich der Mensch mit Tora und Mizwot beschäftigt, die Zeit der Vollkommenheit – so, als hätte ihn der Schöpfer herangezogen, zu denen zu gehören, die dem König dienen. Doch der Mensch darf sich nicht selbst belügen und behaupten, er fühle, dem König zu dienen, wenn er es gar nicht fühlt. Denn wie könnte er Ihm großen Dank dafür erweisen, dass Er ihn herangezogen hat, wenn er es nicht empfindet?
Vielmehr muss der Mensch dann sagen: Er befindet sich zwar in äußerster Niedrigkeit, ist noch in der Selbstliebe versunken und noch unfähig, irgendetwas über dem Verstand zu tun. Dennoch hat der Schöpfer ihm einen Gedanken und ein Verlangen gegeben, sich mit Tora und Mizwot zu beschäftigen. Und Er gab ihm auch ein wenig Kraft, den Zustand der Kundschafter zu überwinden, die zu ihm sprechen und seinen Kopf mit ihren Einwänden durchbohren – und dennoch hat er ein wenig Halt in der Spiritualität.
Dann muss der Mensch darauf achten und glauben, dass der Schöpfer sich um ihn kümmert und ihn auf dem Weg führt, der zum Palast des Königs leitet. So muss er sich darüber freuen, dass der Schöpfer über ihn wacht und ihm auch die Abstiege gibt. Der Mensch kann verstehen, dass der Schöpfer ihm die Aufstiege gibt. Denn er kann gewiss nicht sagen, dass er sie von selbst empfängt; vielmehr will der Schöpfer ihn heranziehen und gibt sie ihm deshalb.
Und ebenso muss der Mensch glauben, dass der Schöpfer ihm auch die Abstiege gibt, weil Er ihn heranziehen will. Deshalb muss er jede Tat, die in seiner Macht steht, so verrichten, als befände er sich im Aufstieg. Und wenn er sich während des Abstiegs ein wenig überwindet, nennt man das Erweckung von unten. Durch jede Handlung, die er im Glauben tut, dass sie der Wille des Schöpfers ist, wird er einer größeren Annäherung gewürdigt – das heißt, der Mensch selbst beginnt zu fühlen, dass der Schöpfer ihn herangezogen hat.
Mein Vater und Lehrer sagt: Wenn der Mensch in Freude ist, wird er „gesegnet“ genannt. Er fühlt dann nämlich, dass ihm ein Verdienst zukam, weil er ein wenig Halt in der Spiritualität hat. „Und der Gesegnete haftet am Gesegneten.“ Der Mensch beginnt also zu fühlen, dass der Schöpfer ihn jetzt segnet, und er empfindet keinerlei Mangel. Doch das gilt gerade dann, wenn er sich mit Tora und Mizwot beschäftigt.
Doch der Mensch muss auch ein wenig Zeit für die Arbeit der linken Linie aufwenden, denn das gibt ihm Raum, über seine Mängel zu beten. Und das ist nötig: In der Zeit der Vollkommenheit, in der er dem Schöpfer dafür dankt, dass Er ihn ein wenig herangezogen hat, empfängt er die Erfüllung für die Mängel, die er fühlte, als er sich mit der linken Linie beschäftigte.
Es zeigt sich, dass die Erhörung des Gebets nicht in dem Augenblick geschieht, in dem er betet, denn da ist er im Zustand des „Verfluchten“, also dessen, der Mangel hat. Und der Vollkommene verbindet sich nicht mit dem, der Mangel hat. Doch der Mensch kann sich auch auf andere Weise als vollkommen fühlen: nicht, weil er wüsste, dass er Vollkommenheit besitzt, sondern weil er sich als niedrig empfindet. Jeder noch so geringe Halt in der Spiritualität gilt ihm dann als großer Reichtum, und daraus schöpft er Vollkommenheit, indem er sagt, auch das stehe ihm nicht zu. Dann ist die Zeit gekommen, da er die Erfüllung empfangen kann, die er fühlte, als er sich mit der linken Linie beschäftigte.
Und damit verstehen wir unsere Frage. Einerseits sagten sie: „Sei sehr, sehr demütigen Geistes“, andererseits steht geschrieben: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Ewigen“ – zwei Gegensätze in derselben Sache. Die Antwort: Es sind zwei Gegensätze in derselben Sache, aber zu zwei verschiedenen Zeiten.
Das heißt: Der Mensch beschäftigt sich mit dem Königtum des Himmels, um den Glauben über dem Verstand auf sich zu nehmen. Der Körper aber stimmt dem nicht zu: Er liefert ihm viele Ausreden, jetzt sei nicht die Zeit dafür, und führt ihm andere Menschen als Beweis an, die dieser Arbeit des Glaubens über dem Verstand keine Beachtung schenken. Dann muss er sagen: „Und sein Herz erhob sich auf den Wegen des Ewigen.“ Er schaut auf niemanden, sondern steht fest darin, dass dies der Weg der Wahrheit ist. Er hat auf niemanden zu hören, auch nicht auf das, was der Körper ihm einredet: Geh und schau auf die angesehenen Leute, die verstehen, was die Arbeit für den Schöpfer ist. Darüber sagten sie: „Und sein Herz erhob sich“ – nämlich stolz darauf zu sein, dass er mehr versteht als alle anderen.
Wenn er sich aber mit Tora und Mizwot beschäftigt und sieht, dass er nichts von dem begreift, was er lernt oder betet, dann darf er nicht stolz sein und sagen: Wenn ich ohnehin nichts verstehe, wozu soll ich überhaupt in die Bücher schauen? Dann muss er demütig sein, wie unsere Weisen sagten: „Sei sehr, sehr demütigen Geistes.“ Der Mensch muss also demütig sein und sagen: Wie wenig Halt ich auch habe, ich bin in Freude – denn ich sehe, dass es Menschen gibt, die gar keinen Halt in der Spiritualität haben. Deshalb muss er hier fühlen, dass ihm nichts zusteht, und dennoch in Freude sein.
korrigiert (Stilüberarbeitung nach Richtlinie), EY, Claude/Opus 4.8, 24.07.2026, 08:32 Uhr, Ver9