1989/37 Was ist „Ein Weg, der in Dornen beginnt und in der Ebene endet“ in der Arbeit?
Im Midrash Tanchuma (Blatt 318b) heißt es wörtlich: „‚Seht, ich lege vor euch.‘ Darüber steht geschrieben: ‚Kommen nicht das Unheil und das Gute aus dem Mund des Allerhöchsten?‘ Auch Moses legte ihnen zwei Wege vor, den guten und den schlechten, den Weg des Lebens und den Weg des Todes, Segen und Fluch. Ein Gleichnis von einem Alten, der am Weg saß, und vor ihm lagen zwei Wege: Der eine beginnt mit Dornen und endet in der Ebene, der andere beginnt in der Ebene und endet in Dornen. Und er saß am Anfang beider und warnte die Vorübergehenden und sagte ihnen: ‚Obwohl ihr seht, dass dieser hier mit Dornen beginnt, geht ihn, denn er endet in der Ebene.‘ Und jeder, der weise war, hörte auf ihn und ging ihn und mühte sich ein wenig ab, ging in Frieden und kam in Frieden. Diejenigen aber, die nicht auf ihn hörten, gingen und scheiterten am Ende. ‚Und du sollst das Leben wählen, du und deine Nachkommen.‘“
Um dies bezogen auf die Arbeit zu verstehen: Im Sinne der spirituellen Arbeit, im Befolgen von Tora und Mizwot, sind zwei Wege zu unterscheiden:
1. lo liShma, das heißt nicht um des Gebens willen, sondern zum eigenen Nutzen,
2. liShma, das heißt um des Gebens willen.
Bekanntlich ist im Sinne der spirituellen Arbeit zwischen dem Schöpfungsziel und der Korrektur der Schöpfung zu unterscheiden. Das Schöpfungsziel besteht darin, dass der Mensch zur Vollkommenheit gelangt, also das Gute und den Genuss erlangt, die im Verlangen des Schöpfers liegen, den Geschöpfen Gutes und Genuss zu geben. Das nennt man „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“. Aus diesem Grund sehnen sich alle Geschöpfe einzig und allein danach, Gutes und Genuss zu empfangen.
Deshalb sehnt sich der Mensch Tag für Tag aufs Neue danach, Gutes und Genuss zu empfangen, und gibt sich nicht mit dem zufrieden, was er in der Vergangenheit hatte. Vielmehr beginnt der Mensch jeden Tag aufs Neue, Gutes und Genuss zu empfangen. Das heißt, der Mensch muss jeden Tag Freude und Genuss empfangen. Es gibt Menschen, die jetzt Freude an dem empfinden, was sie in der Vergangenheit an Gutem und Genuss empfingen. Wenn sie aber jetzt keine Freude aus der Vergangenheit schöpfen können, dann gilt das nicht, als hätten sie jetzt Freude. Das heißt, der Mensch muss jeden Tag Freude empfinden. Freude kann der Mensch sogar an dem empfinden, was er gestern gewonnen hat, oder er kann heute Freude an dem empfinden, wofür er gestern Ehre empfing, und dergleichen.
Daraus ergibt sich, dass „Sein Verlangen, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun“ notwendigerweise bedeuten muss, dass der Mensch jeden Tag aufs Neue empfindet, dass er Freude empfängt. Dabei zählt allein, woran er in der Gegenwart Freude empfindet – ob diese Freude nun aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft stammt. Nur was in der Gegenwart empfunden wird, gilt als Freude.
Deshalb muss der Mensch sowohl in der Körperlichkeit als auch im Spirituellen das Empfinden empfangen, dass er jetzt das Leben genießt, und Vergangenheit und Zukunft sind dabei unwichtig. Mag das Gute und der Genuss noch so groß sein – wenn er das Gute und den Genuss in der Gegenwart nicht empfindet, kann er an Qualen sterben – daran nämlich, dass er in der Gegenwart nichts hat, woran er sich freuen könnte.
Gewiss hängt das vom Ausmaß des empfundenen Leidens ab, je nachdem, was er jetzt empfindet. Darin gleicht kein Mensch dem anderen, also im Ausmaß des Leidens. Aber alle Menschen müssen in der Gegenwart Genuss empfinden. Es verhält sich wie in der Körperlichkeit, also beim Essen, Trinken, Schlafen und dergleichen: Es gibt Menschen, die viel essen, viel trinken und viel schlafen müssen, und dergleichen.
Ebenso gibt es beim Empfinden des Genusses Unterschiede zwischen dem einen und dem anderen, im Ausmaß des Bedürfnisses, Genuss zu empfinden. Es gibt Menschen, die ein großes Empfinden brauchen, und es gibt Menschen, die sich mit wenig begnügen. Aber das Gemeinsame an ihnen ist, dass sie alle in der Gegenwart Genuss empfinden müssen. Wenn sie sich in der Gegenwart keinen Genuss aus dem verschaffen können, was sie in der Vergangenheit hatten, und sich keinen Genuss in der Zukunft vorstellen können, der in die Gegenwart leuchtet, dann haben sie kein Recht, auf der Welt zu bestehen. Das ergibt sich daraus, dass beim Schöpfungsziel Sein Verlangen war, Seinen Geschöpfen Gutes zu tun.
Deshalb ist es uns aufgegeben, jeden Tag hundert Segenssprüche zu sprechen, wie unsere Weisen sagten (Menachot 43): „Der Mensch ist verpflichtet, jeden Tag hundert Segenssprüche zu sprechen. Und ebenso muss der Mensch jeden Tag vier Kriat Shma (das Bekenntnis ‚Höre, Israel‘) sprechen: das Kriat Shma der Opfergaben, das Kriat Shma von ‚Der das Licht bildet‘, das Abend-Kriat Shma und das Kriat Shma zur Bettzeit. Und ebenso dreimal am Tag beten.“
Das zeigt, dass man im Spirituellen jedes Mal ein besonderes Licht herabziehen muss, das zu der Handlung gehört, die man vollbringt. Der Grund dafür ist, dass die Geschöpfe das Gute und den Genuss, die der Schöpfer den Geschöpfen zu geben gedachte, nicht auf einmal empfangen können, wegen der Korrektur, die stattfand und „Zimzum“ (Einschränkung) genannt wird. Damit die Geschöpfe das Gute und den Genuss in Gefäßen des Gebens empfangen und nicht in Gefäßen des Empfangens, die auf das Empfangen ausgerichtet sind, breitet sich die Fülle des Gepriesenen je nach der Arbeit der Geschöpfe zu ihnen hinab aus.
Aus dem Gesagten ergibt sich, womit der Mensch die Arbeit beginnt: Denn von Natur aus versteht der Mensch nicht, dass es sich lohnt, irgendeine Handlung zu tun, wenn sie nicht zum eigenen Nutzen ist. Deshalb sagt Maimonides, dass man das Befolgen von Tora und Mizwot mit der Absicht, Lohn zu empfangen, beginnen muss, aus dem genannten Grund, dass der Mensch es nicht anders verstehen kann. Doch danach wird dem Menschen offenbart, dass er alle Handlungen mit der Absicht zu geben vollbringen muss.
Da der Körper diesem Weg nicht zustimmen kann, beginnt der Mensch zu fragen: „Warum kann ich nicht den Weg der ganzen Welt gehen, deren ganze Mühe auf den Handlungen liegt und die an der Absicht zu geben keinerlei Arbeit haben? Wenn man mir aber sagt, dass ich den Weg mit der Absicht zu geben gehen muss, habe ich eine doppelte Arbeit. Ich habe also die Arbeit, Tora und Mizwot in der Handlung zu befolgen, und auch die Arbeit an der Absicht zu geben. Es zeigt sich, dass ich eine doppelte Arbeit habe gegenüber dem, was die ganze Welt hat.“ Wenn das so ist, schreit sein Körper: „Was willst du von meinem Leben?“
Der Körper fragt also: „Warum gebührt mir eine solche Strafe, mehr als anderen Menschen, wie gesagt, dass ich eine überflüssige Arbeit habe, eine Arbeit, die bei den meisten Menschen nicht üblich ist? Und aus diesem Grund“, sagt der Körper, „werde ich dich nicht einmal in der Handlung arbeiten lassen. Auch wenn du die Absicht zu geben nicht ausrichten kannst, habe ich jedenfalls keinerlei Interesse an ihnen. Deshalb werde ich mich deinen Handlungen widersetzen, weil du nicht zu deinem eigenen Nutzen arbeiten willst.“ Daraus ergibt sich, dass ein Mensch, der den Weg der Wahrheit gehen will, in seiner Arbeit drei Unterscheidungen treffen sollte:
1. die Arbeit, Tora und Mizwot in der Handlung zu befolgen,
2. die Arbeit an der Absicht: dass er keinen Gegenwert für das Befolgen von Tora und Mizwot will, also nicht in der Absicht arbeitet, einen Lohn zu empfangen,
3. dass der Mensch zu der Zeit, wenn er arbeiten will, also Tora und Mizwot ohne jeden Gegenwert zu befolgen, eine doppelte Arbeit hat. Schon in der Handlung, denn er hat einen großen Widerstand gegen das Befolgen von Tora und Mizwot hat, sogar gegen die Handlung selbst, weil der Körper sich dem Befolgen von Tora und Mizwot ohne jeden Lohn widersetzt. Es zeigt sich, dass er, obwohl er zur Zeit der Arbeit die Absicht zu geben noch nicht ausrichten kann, weil der Körper sich solchen Absichten widersetzt, auch einen Widerstand gegen die Handlung selbst hat, sogar ohne Absicht. Denn der Körper fragt: „Was tust du? Du sagst doch, dass du keine Bezahlung für deine Arbeit im Befolgen von Tora und Mizwot willst.“ So hat er nicht nur Arbeit an der Absicht, die bei den meisten Menschen nicht üblich ist, sondern auch eine doppelte Arbeit in der Handlung, da es schwerer ist, Tora und Mizwot in der Handlung zu befolgen.
Bei denen, die auf die Weise der meisten Menschen arbeiten, ist es anders: Ihr Körper widersetzt sich der Arbeit der Handlung nicht so sehr, denn dort kann der Körper nicht fragen: „Was ist diese Arbeit für euch?“, denn er hat sofort Antworten, indem er ihm sagt, dass er an Lohn und Strafe glaubt, also nicht umsonst arbeitet, sondern einen Gegenwert für seine Mühe empfangen wird.
Bei jenen Menschen dagegen, die den Weg der Wahrheit gehen wollen, also mit der Absicht zu geben, gelten Lohn und Strafe ebenfalls. Auch sie glauben an Lohn und Strafe wie jene, die auf die Weise der meisten Menschen arbeiten. Doch ihr Lohn und ihre Strafe gleichen einander nicht. Denn der Lohn und die Strafe der meisten Menschen liegen im Bereich des eigenen Nutzens. Sie glauben, dass sie, wenn sie Tora und Mizwot befolgen, einen Lohn zum eigenen Nutzen empfangen. Und wenn nicht, empfangen sie eine Strafe und verlieren auch den Lohn als Gegenwert für ihre Arbeit.
Für jene Menschen aber, die im Bereich des Einzelnen arbeiten, ist der Lohn ein anderer: Der Schöpfer gibt ihnen das Vorrecht, nur zu Seinem Nutzen und nicht zum eigenen Nutzen zu arbeiten, sodass ihr ganzer Genuss darin besteht, dem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten. Ihre Strafe wiederum besteht darin, unter der Herrschaft des Verlangens zu bleiben, für sich selbst zu empfangen.
Sie glauben an das, was unsere Weisen sagten, dass der Schöpfer sprach: „Ich habe den bösen Trieb (Jezer haRa) erschaffen, Ich habe die Tora als Gewürz erschaffen.“ Das heißt, sie lernen, um den Lohn zu empfangen, der darin besteht, dass man aus der Herrschaft des bösen Triebes herauskommt, der das Verlangen ist, nur für sich selbst zu empfangen, und es in ihrer Macht steht, einzig und allein zum Nutzen des Schöpfers zu arbeiten. Gewiss muss sich der Körper bei dieser Absicht – der das Verlangen ist, zum eigenen Nutzen zu empfangen – dagegen widersetzen, dem Menschen die Kräfte zu geben, mit denen dieser ihn aus der Welt schaffen könnte.
Das entspricht dem, was unsere Weisen über König David sagten, zum Vers „Und mein Herz ist in mir durchbohrt“. Denn unsere Weisen sagten, dass David den bösen Trieb durch Fasten tötete. Folglich widersetzt sich der Körper sogar bei der Handlung – obwohl der Mensch die Absicht zu geben noch nicht ausrichten kann – sofort und lässt ihn keine einzige Bewegung machen. Denn der Körper weiß, dass er seine Handlungen nutzen will, um ihn zu töten, wie es von König David berichtet wird.
Es zeigt sich, dass er auch bei den Handlungen ohne Absicht bereits einen großen Widerstand vonseiten des Körpers hat. Es gibt keinen anderen Rat, als dass er bei jeder Handlung, die er tun will, die Hilfe des Schöpfers braucht. Für jede Kleinigkeit muss der Mensch, der den Weg des Einzelnen geht, den Schöpfer bitten, ihm zu helfen, die Handlungen zu vollbringen. Dass der Mensch den Schöpfer bei jeder einzelnen Handlung bitten muss, weil sie ihm schwerfällt, ist eine große Korrektur: Sie erwächst ihm daraus, dass er immer das Bedürfnis hat, zum Schöpfer zu beten.
So hat der Mensch immer etwas, worum er beten kann; andernfalls könnte es sein, dass der Mensch den Schöpfer nicht braucht, dass Er ihm hilft. Deshalb gewinnt der Mensch dadurch, dass er immer eine Verbindung zum Schöpfer hat, dadurch, dass er Ihn braucht. Andernfalls könnte der Mensch die allerbesten Handlungen vollbringen, aber die Handlungen verpflichten ihn nicht, sich zur Zeit der Ausführung der Handlung an den Schöpfer zu erinnern, obwohl er gute Handlungen vollbringt. Das kann aus „Geboten der Menschen, gelernt aus Gewohnheit“ geschehen. Es kann auch sein, dass er sich nicht einmal daran erinnert, wer ihm befohlen hat, so zu handeln, sondern er tut es aus Gewohnheit.
Fällt es ihm dagegen schwer, die Handlungen zu vollbringen, dann muss er den Schöpfer bitten, ihm zu helfen. Es zeigt sich, dass er sich zur Zeit der Handlung an den Schöpfer erinnert, weil er Ihn um Hilfe bei der Handlung bittet. Das ist ein großer Gewinn, auf den der Mensch achten sollte: dass er etwas hat, das ihn daran erinnert, dass es einen Schöpfer der Welt gibt und dass man Ihm dienen muss.
Aus dem Gesagten verstehen wir, was wir gefragt haben: Was ist ein Weg, dessen Anfang Dornen sind und dessen Ende eine Ebene ist, in der Arbeit? Es gibt in der Arbeit für den Schöpfer zwei Wege:
1. zum eigenen Nutzen,
2. zum Nutzen des Schöpfers.
Der Weg des eigenen Nutzens wird „dessen Anfang eine Ebene ist“ genannt, weil der Körper sich ihm nicht so sehr widersetzt. Da der Körper an Lohn und Strafe glaubt, stimmt er dieser Arbeit zu; obwohl er sich in dieser Arbeit abmüht, wird seine Arbeit, wenn er auf den Lohn schaut, „dessen Anfang eine Ebene ist“ genannt.
Das heißt, der Körper versteht, dass dies ein einleuchtender Weg ist, weil er zum eigenen Nutzen ist.
Aber „sein Ende sind Dornen“. Das heißt, am Ende sieht er, dass es nicht in seiner Macht steht, Seine Vorsehung als gut und wohltuend zu empfinden, wie geschrieben steht („Einführung in das Buch Sohar“, Blatt 138): „Und solange die Empfänger nicht zur Vollendung gelangt sind, sodass sie die Vollkommenheit Seiner Güte empfangen können, die Er beim Schöpfungsgedanken für uns vorgesehen hat, muss die Führung in Form von Gut und Böse, Lohn und Strafe erfolgen. Denn unsere Gefäße des Empfangens sind noch mit eigennützigem Empfangen befleckt. Denn da wir die Gefäße des Empfangens entgegen dem benutzen, wozu sie erschaffen wurden, empfinden wir notwendigerweise in den Handlungen, die in der Führung sind, dass sie für uns Böses sind.“
Daraus ergibt sich, was „Dornen“ in „an seinem Ende Dornen“ bedeutet: dass dieser Weg Schmerzen verursacht. Das heißt, dass der Mensch nach all seiner Arbeit, die er in Tora und Mizwot investiert hat, Seine Vorsehung nicht als gut und wohltuend empfindet.
Das verursacht ihm Lohn und Strafe in seiner Arbeit: Daraus, dass Seine Vorsehung in Form von Gut und Böse ist, ergeben sich Lohn und Strafe, wie es im Sulam (Baal HaSulams Leiter-Kommentar) geschrieben steht: „Und deshalb lagert zu der Zeit, wenn der Mensch Böses empfindet, in eben dem Maß ein Leugnen Seiner Vorsehung auf ihm, und der Gepriesene als Handelnder verbirgt Sich vor ihm, was die größte Strafe der Welt ist. So bringt das Empfinden von Gut und Böse in Seiner Vorsehung das Empfinden von Lohn und Strafe mit sich. Denn wer sich anstrengt, sich nicht vom Glauben an den Gepriesenen zu trennen, der einen schlechten Geschmack in der Vorsehung schmeckt, hat einen Lohn. Und wenn es ihm nicht gelingt, sich anzustrengen, hat er eine Strafe, denn er hat sich vom Glauben an den Gepriesenen getrennt.“
Aus dem Gesagten verstehen wir auch, was wir gefragt haben: „Was ist ein Weg, der in der Ebene beginnt und in Dornen endet, in der Arbeit?“
Die Bedeutung wird sein, dass der Weg, auf dem die meisten Menschen arbeiten, also um Lohn zu empfangen, „dessen Anfang eine Ebene ist“ ist; das bedeutet, dass der Körper sich diesem Weg nicht widersetzt, weil man ihm sagt: „Du musst an Lohn und Strafe zum eigenen Nutzen glauben.“
Das heißt, wenn er Tora und Mizwot befolgt, hat er selbst den Gewinn, und wenn er sie nicht befolgt, hat er selbst den Verlust. Das kann der Mensch verstehen. Denn von Natur aus ist dem Menschen dieses Gefäß eingepflanzt, das „Verlangen zu empfangen für sich selbst“ genannt wird.
Aber „an seinem Ende Dornen“. Das heißt, am Ende gelangt er nicht zur Vollkommenheit, sodass er sehen würde, wie Seine Vorsehung in Form von gut und wohltuend ist, sondern er liegt unter der Herrschaft einer Vorsehung von Gut und Böse. Es zeigt sich, dass, obwohl „Er allein alle Taten getan hat und tun wird“, dies dennoch vor denen, die Gut und Böse empfinden, verborgen ist. Denn zur Zeit des Bösen wird der Sitra Achra (der anderen Seite) Kraft gegeben, Seine Vorsehung und den Glauben an Ihn zu verhüllen, wie bereits angeführt im Sulam. Auf sie trifft zu: „und sie sterben ohne Weisheit“. Das wird „an seinem Ende Dornen“ genannt.
„Der Weg, der in Dornen beginnt und in der Ebene endet“ – seine Bedeutung wird sein, dass bei jenen Menschen, die den Weg der Wahrheit gehen wollen, also zur Stufe gelangen wollen, ihrem Schöpfer Wohlgefallen zu bereiten, der Anfang Dornen ist. Denn zu der Zeit, wenn der Mensch nur zum Nutzen des Schöpfers und nicht zum eigenen Nutzen arbeiten will, widersetzt sich der Körper bei jeder einzelnen Handlung, die er vollbringt. Er braucht jedes Mal aufs Neue eine Überwindung, und bei jeder Überwindung, der sich der Körper widersetzt, sticht und plagt es ihn wie Dornen.
Es zeigt sich, dass der Weg, den er geht, so ist, als ginge er auf Dornen. Jedes Mal will er von der Front fliehen. Aber „wer weise ist, hört auf ihn“. Das bedeutet: Wer Vertrauen in die Weisen (Emunat Chachamim) hat, hört auf ihn. „Und er ging ihn und mühte sich ein wenig ab, ging in Frieden und kam in Frieden.“ Das heißt, wie geschrieben steht: „Denn ihre Wege sind Wege der Annehmlichkeit und alle ihre Pfade sind Frieden.“ Denn danach, wenn er mit Gefäßen des Gebens belohnt wird, geht er auf dem Weg der Ebene.
Das heißt, wie geschrieben steht: „Wenn der Ewige die Wege eines Menschen begünstigt, lässt Er sogar seine Feinde Frieden mit ihm schließen.“ Denn dann erlangt er das Gute und den Genuss, die im Schöpfungsgedanken liegen, nämlich Seinen Geschöpfen Gutes zu tun. Wenn man mit Gefäßen des Gebens belohnt wird, verhält es sich, wie es im Sulam geschrieben steht: „Und dann wird Seine persönliche Vorsehung in der ganzen Welt offenbart werden, das heißt, dass alle sehen werden, dass nun, da sich das Böse und die Strafe bereits in Wohltaten und Verdienste verwandelt haben, die Möglichkeit gegeben sein wird, ihren Urheber zu erfassen, denn sie sind nun den Werken Seiner Hände angemessen, denn nun werden sie Ihn loben und preisen.“ Und so steht es geschrieben: „Und du sollst das Leben wählen, du und deine Nachkommen.“
korrOp, EY, 28.07.2026, 16:33 Uhr, Ver5