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1984/19 Ihr steht heute, Jeder von Euch

Die Kommentatoren fragen zu dem, was geschrieben steht: „Ihr steht heute allesamt: eure Häupter, eure Stämme, eure Ältesten und eure Aufseher, jeder Mann Israels“ (5. Mose 29,9) – der Vers beginnt in der Mehrzahl, „ihr“, und endet in der Einzahl, „jeder Mann Israels“. Der Verfasser des Buches Maor waShemesh erklärt: Damit, dass der Vers in der Mehrzahl und in der Einzahl spricht, deutet er auf die Liebe zu Freunden hin. Dadurch, dass es unter euch „eure Häupter, eure Stämme usw.“ gibt und dennoch keiner bei sich einen Vorzug gegenüber irgendeinem Mann Israels sieht, sondern alle gleich sind – indem keiner den anderen anklagt –, verhält man sich auch von oben zu ihnen so, Maß für Maß. Deshalb strömt nach unten alles Gute.

Nach unserem Weg, auf dem wir alles an einem einzigen Gegenstand lernen, ergibt sich die Sache so: Der Mensch muss das Königtum des Himmels auf sich nehmen „wie der Ochse das Joch und wie der Esel die Last“, welche die Aspekte von Verstand (Mocha) und Herz (Liba) sind. Das heißt, die ganze Arbeit des Menschen muss „um zu geben“ geschehen.

Demnach ergibt sich: Wenn der Mensch seine Arbeit tut, um zu geben, dann will er keinerlei Gegenleistung dafür zurück, sondern er will nur die heilige Arbeit tun und erwartet nicht, dass man ihm irgendeine Zugabe zu dem gibt, was er hat. Das heißt, er will nicht einmal irgendeine Zugabe in der Arbeit – nämlich ein Wissen zu erhalten, dass er auf dem richtigen Weg geht, was doch gewiss eine berechtigte Forderung wäre; doch auch darauf verzichtet er, weil er mit geschlossenen Augen gehen und an den Schöpfer glauben will. Was in seiner Kraft steht, das tut er – und er freut sich an seinem Teil.

Das gilt selbst dann, wenn er spürt, dass es Menschen gibt, die ein wenig Verständnis in der Arbeit für den Schöpfer haben, und er sieht, dass er selbst von allem leer ist. Denn oft spürt auch er einen Geschmack in der Arbeit, und manchmal fühlt er sich im Zustand von „eure Häupter“. Das heißt, manchmal denkt er, er sei jetzt zu einer Stufe gekommen, von der aus es für ihn keine Möglichkeit mehr gibt, in einen Zustand der Niedrigkeit hinabzusteigen – das heißt in einen Zustand, in dem er, wenn er sich mit der Arbeit für den Schöpfer beschäftigen will, große Anstrengung aufbringen muss, um seinen Körper zu zwingen. Denn dann geschieht das, was er tut, unter Zwang, weil er keinerlei Lust an der Arbeit hat, sondern der Körper nur Ruhe will und ihm nichts mehr wichtig ist.

Vielmehr fühlt er dann, dass er bereits zu einem klaren Wissen gelangt ist, dass es nichts anderes in der Welt gibt, als zu arbeiten, um zu geben. Und dann hat er gewiss Geschmack an der Arbeit. Wenn er dann – im Zustand des Aufstiegs – auf seine früheren Zustände schaut, kann er sie jetzt nicht mehr verstehen. Deshalb beschließt er nach allen Berechnungen, dass es jetzt keine Möglichkeit mehr gibt, dass er je wieder einen Abstieg haben wird.

Aber manchmal – nach einem Tag, nach einer Stunde oder nach einigen Minuten – steigt er in einen Zustand der Niedrigkeit hinab. Und das so sehr, dass er nicht auf der Stelle spürt, dass er aus seinem Zustand des Aufstiegs in „die Tiefe des großen Abgrunds“ gefallen ist; sondern manchmal sieht er erst nach ein, zwei Stunden plötzlich, dass er von der Höhe der Stufen gefallen ist. Das heißt: Während er vorher sicher war, ein Mann unter Männern zu sein, findet er sich nun wie jeder Mann Israels wieder, wie das einfache Volk. Und er beginnt dann, in seiner Seele nach Ratschlägen zu suchen: Was soll ich jetzt tun? Wie kann ich mich wieder zu dem Zustand der Größe erheben, den ich hatte?

Dann muss der Mensch auf dem Weg der Wahrheit gehen – das heißt sagen: Dass ich mich jetzt in äußerster Niedrigkeit befinde, bedeutet, dass man mich vom Himmel mit Absicht hinabgeworfen hat, damit ich erkenne, ob ich wirklich die heilige Arbeit tun will, um zu geben – oder ob ich ein Diener des Schöpfers sein will, weil diese Sache mir mehr Befriedigung verschafft als andere Dinge.

Und wenn der Mensch dann sagen kann: „Ich will jetzt arbeiten, um zu geben, und ich will die heilige Arbeit nicht tun, um irgendeine Befriedigung in der Arbeit zu empfangen; sondern dies allein genügt mir, dass ich die heilige Arbeit tue wie jeder Mann Israels, der beten geht oder eine Lektion im täglichen Talmudblatt lernt und keine Zeit hat, darüber nachzudenken, mit welcher Absicht er lernt oder betet, sondern einfach die Handlung erfüllt, ohne besondere Absicht“ – dann tritt er von Neuem in die heilige Arbeit ein, weil er jetzt einfach ein Diener des Schöpfers sein will, ohne alle Vorbedingungen.

Und das ist es, was geschrieben steht: „Ihr steht heute allesamt.“ Das heißt: Alle Einzelheiten, die über euch ergangen sind – alle Zustände, die ihr hattet, Zustände der Größe oder geringere Zustände, die als mittelmäßig gelten, und dergleichen –, ihr nehmt alle diese Einzelheiten und erachtet keine Stufe als wichtiger gegenüber einer anderen, weil euch keine Gegenleistung wichtig ist, sondern allein wichtig ist, dass man den Willen des Schöpfers tut, der uns geboten hat, Mizwot zu erfüllen und Tora zu lernen. Und das erfüllen wir wie jeder einfache Mann Israels – das heißt, der Zustand, in dem er sich jetzt befindet, ist ihm so wichtig, wie wenn er dächte, er befände sich im Zustand der Größe. Dann gilt: „Der Ewige, dein Gott, schließt heute mit dir [einen Bund].“

Das heißt: Dann schließt der Schöpfer mit ihm einen Bund. Gerade dann, wenn der Mensch die Arbeit für Ihn ohne alle Bedingungen auf sich nimmt und einwilligt, die heilige Arbeit ohne jede Gegenleistung zu tun – was „bedingungslose Unterwerfung“ genannt wird –, schließt der Schöpfer mit ihm einen Bund.

Zum Schließen eines Bundes gab mein Vater und Lehrer folgende Deutung: Wenn zwei Menschen sehen, dass sie einander lieben, dann schließen sie einen Bund miteinander, dass sie für immer in ihrer Liebe bleiben. Und er fragte: Wenn sie einander lieben und verstehen, dass die Liebe nicht von ihnen weichen wird – wozu dann der Bund? Wozu schließen sie diesen Bund, zu welchem Nutzen? Das heißt: Was gewinnen sie damit, dass sie einen Bund geschlossen haben? Ist es eine bloße Zeremonie, oder dient es einem Nutzen?

Und er sagte: Der Sinn des Bundesschlusses ist dieser: So wie sie jetzt verstehen, dass es sich für sie lohnt, dass jeder den anderen liebe – aufgrund der Gründe, die sie jetzt sehen, da jeder vom anderen fühlt, dass dieser nur um sein Wohl besorgt ist –, so schließen sie einen Bund. Da jetzt keiner irgendwelche Vorwürfe gegen den anderen hat – sonst würden sie keinen Bund schließen –, sagen sie einander: Es lohnt sich für uns, einen Bund ein für alle Mal zu schließen. Das heißt: Sollte es einen Zustand geben, in dem einer Vorwürfe gegen den anderen hat, dann wird jeder sich an den Bundesschluss erinnern, den sie damals vollzogen, als die Liebe zwischen beiden offen zutage lag.

Ebenso jetzt: Obwohl sie das Maß der Liebe nicht mehr so fühlen wie damals, erwecken sie dennoch die alte Liebe, schauen nicht auf den Zustand, in dem sie sich jetzt befinden, und beginnen wieder, einander Gutes zu tun. Das ist der Nutzen des Bundesschlusses: Selbst wenn die Liebe, die zwischen ihnen war, ihren Geschmack verloren hat, haben sie – weil sie den Bund geschlossen haben – die Kraft, die leuchtende Liebe, die sie in der Vergangenheit hatten, wieder zu erwecken und sie von Neuem in die Zukunft hineinzutragen.

Daraus folgt: Die Hauptsache des Bundesschlusses gilt der Zukunft. Er ist wie ein Vertrag, den man schließt, damit man nicht zurücktreten kann an dem Punkt, wo man sieht, dass die Verbindung der Liebe nicht mehr so ist wie früher. Denn durch diese Liebe hatten sie großen Genuss, als jeder dem anderen Gutes tat. Jetzt aber, da die Liebe Schaden genommen hat, folgt daraus, dass keine Kräfte mehr da sind, dass einer etwas zum Wohl des anderen tun könnte.

Wenn sie dennoch etwas zum Wohl des Freundes tun wollen, dann müssen sie auf den Bundesschluss schauen, der damals zwischen ihnen war, und daraus müssen sie die Liebe von Neuem aufbauen. So wie bei einem Menschen, der mit seinem Freund einen Vertrag geschlossen hat: Der Vertrag verbindet sie, sodass sie sich nicht voneinander trennen können.

Daraus ergibt sich, wie oben gesagt: „Ihr steht heute allesamt.“ Das heißt, der Vers zählt Einzelheiten auf: „eure Häupter, eure Stämme, eure Ältesten und eure Aufseher, jeder Mann Israels“. Von allen hohen Stufen, die er hatte, gilt ihm jetzt, dass er sich im Zustand von „jeder Mann Israels“ befindet. Und er nimmt diesen Zustand auf sich wie in den Zeiten, in denen er – nach seiner Meinung – gute Zustände hatte. Und er sagt: Ich tue das Meine, und was der Schöpfer mir geben will, damit bin ich einverstanden, und ich übe keinerlei Kritik. Dann wird ihm der Bundesschluss gewährt, wie oben gesagt. Das heißt: Die Verbindung bleibt für immer bestehen, weil der Schöpfer mit ihm einen Bund für die Ewigkeit geschlossen hat.

Nach dem oben Gesagten lässt sich der Vers deuten (Nizawim): „Das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott; das Offenbarte aber gehört uns und unseren Kindern für ewig, damit wir alle Worte dieser Tora tun“ (5. Mose 29,28). Und man muss verstehen, was uns der Vers sagen will. Man kann nicht sagen, er wolle uns mitteilen, dass wir das Verborgene nicht kennen und nur der Schöpfer es kennt – das kann man nicht sagen, denn auch ohne den Vers sehen wir, dass wir nicht wissen, was uns verborgen ist. Was also will uns der Vers sagen?

Es ist vielmehr bekannt, dass es eine verborgene Sache und eine offenbarte Sache gibt. Das bedeutet: Den Teil der Handlung – das, was wir tun – sehen wir: ob wir es tun oder nicht. Und wenn der Körper die Mizwa nicht tun will, gibt es einen Rat: Der Mensch kann sich selbst zwingen, sodass er die Mizwa notgedrungen tut. Bei einer offenbarten Sache kann man also von Zwang sprechen.

Die verborgene Sache aber ist die Absicht der Mizwa. Die kann niemand sehen – was der andere beabsichtigt, während er sie tut. Und auch der Mensch selbst, der die Handlung vollzieht, kann nicht wissen, ob er sich nicht selbst betrügt, während er sie tut: Er denkt, er habe keine andere Absicht, als ganz für den Schöpfer zu sein. Der Aspekt der Handlung dagegen heißt „der offenbarte Teil“: Hier kann man nicht sagen, dass der Mensch sich selbst betrügt – dass er denkt, er lege Tefillin (Gebetsriemen), und in Wahrheit sind es keine Tefillin; oder dass eine Frau sich selbst betrügen könnte, dass sie Shabbat-Kerzen (Sabbat) zündet, und in Wahrheit zündet sie nicht.

Beim Aspekt der Absicht dagegen kann man sehr wohl sagen, dass der Mensch sich selbst betrügt: Er denkt, er handle „um ihrer selbst willen“ (liShma), und in Wahrheit ist alles lo liShma. Und ebenso kann man hier nicht von Zwang sprechen, denn er kann seinen Gedanken nicht zwingen, das zu denken, was er will. Denn in Dingen, die das Fühlen oder das Wissen betreffen, hat der Mensch keinerlei Herrschaft, seinen Verstand zu zwingen, anders zu verstehen, als er versteht, oder anders zu fühlen, als er fühlt.

Damit verstehen wir die obige Sache: Uns bleibt nur, den Teil der Handlung zu tun – das heißt „das Offenbarte gehört uns und unseren Kindern, damit wir alle Worte dieser Tora tun“: Uns ist die Handlung geboten. Das heißt, die Handlung auszuführen ist uns geboten – sogar unter Zwang.

Bei der Absicht aber, die „der verborgene Teil“ heißt, hat der Mensch keinerlei Einsicht und Herrschaft. Was also sollen wir tun, damit wir auch den verborgenen Teil erfüllen können? Hier bleibt dem Menschen nur, beständig eine Prüfung vorzunehmen – sich selbst zu prüfen, ob er wirklich alles tut, um zu geben, oder ob der Körper sich dem „um zu geben“ widersetzt. Und in dem Maße, wie er fühlt, dass er davon weit entfernt ist, sieht er, dass er von sich aus nichts tun kann – denn alle Ratschläge, die er sich ausdenkt, um die Absicht „um zu geben“ ausrichten zu können, helfen ihm nicht.

Und darüber will uns der Vers belehren: Diese Sache des liShma, die „der verborgene Teil“ heißt, gehört dem „Ewigen, unserem Gott“. Das heißt: Nur der Schöpfer kann ihm helfen; er selbst hat keinerlei Möglichkeit, dass dies für ihn Wirklichkeit wird, denn es liegt nicht in der Hand des Menschen – es ist über der Natur. Deshalb sagt der Vers „das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott“: Es gehört zu Ihm, denn der Schöpfer muss diese Kraft geben, die „zu geben“ heißt.

Und das ist es, was unsere Weisen sagten (Traktat Kidushin 30), und dies ist ihr Wortlaut: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag und sucht ihn zu töten, wie gesagt ist: ‚Der Frevler lauert dem Gerechten auf und sucht ihn zu töten‘ (Psalm 37,32). Und würde der Schöpfer ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht überwinden, wie gesagt ist: ‚Der Ewige wird ihn nicht in seiner Hand lassen.‘“

„Er sucht ihn zu töten“ bedeutet: Der Trieb will, dass der Mensch alles tue, um zu empfangen – was heißt, dass er vom Leben des Lebens getrennt ist. Und so bleiben die Menschen Vieh. Und das ist es, was unsere Weisen sagten: „Die Frevler werden schon zu ihren Lebzeiten ‚tot‘ genannt.“ „Tod“ heißt also: Wenn seine Absicht das Empfangen ist, gilt das als Trennung. Und um des Aspekts der Anhaftung (Dwekut) gewürdigt zu werden – das heißt, die Kraft des Gebens zu erlangen –, das kann ihm nur der Schöpfer geben; es liegt nicht in der Hand des Menschen, dies zu erlangen.

Und das ist es, was unsere Weisen sagten: „Der Trieb des Menschen überwältigt ihn jeden Tag und sucht ihn zu töten; und würde der Schöpfer ihm nicht helfen, könnte er ihn nicht überwinden, wie gesagt ist: ‚Der Ewige wird ihn nicht in seiner Hand lassen.‘“ Und aus dem, was wir erklärt haben, verstehen wir den Vers „das Verborgene gehört dem Ewigen, unserem Gott; das Offenbarte aber gehört uns und unseren Kindern, zu tun“: Nur den Aspekt der Handlung haben wir zu tun; den verborgenen Teil zu geben, ist Sache des Schöpfers.

Aber auch für den verborgenen Teil müssen wir etwas tun, damit der Schöpfer uns den verborgenen Teil gebe. Das folgt der Regel, dass wir für jede Sache eine „Erweckung von unten“ (Itaruta deLetata) brauchen. Und es verhält sich so: Es gibt die Regel, dass es „kein Licht ohne Gefäß“ gibt, das heißt „keine Füllung ohne Mangel“. Du kannst nichts hineingeben, wenn du keinen leeren Raum hast, in den du geben kannst, was du willst. Wenn aber kein Ort des Mangels da ist, das heißt kein leerer Raum – wie können wir dann etwas hineingeben?

Daher müssen wir zuerst sehen, dass uns das Gefäß des Gebens fehlt, das „Verlangen zu geben“ genannt wird. Das ist unser Licht. Wie wir in den vorigen Artikeln erklärt haben, ist unser eigentlicher Lohn, dass wir das Verlangen zu geben erlangen, das „Zurückkehrendes Licht“ genannt wird – wie es (in der Allgemeinen Einführung zum Buch Ez Chajim mit dem Kommentar Panim Masbirot) heißt: „Der ganze Lohn, den wir erhoffen, ist das Zurückkehrende Licht“ – siehe dort.

Wenn also das Verlangen zu geben „das Licht“ heißt, dann heißt dieser Mangel – dass er sieht, dass er die Kraft zu geben nicht hat – „Gefäß“. Und er fühlt, dass ihm dies fehlt; das heißt, er sieht, was er dadurch verliert, dass er diese Kraft nicht hat, die „Kraft des Gebens“ heißt. Nach dem Maß seines Fühlens prägt sich bei ihm der Mangel ein. Das wird „Gefäß“ und „leerer Raum“ genannt: An diesem Ort, wo ihm die Kraft des Gebens fehlt, ist jetzt Raum, diese Füllung hineinzugeben. Und das heißt, dass „das Licht in das Gefäß kommt“.

Aber man muss wissen: Dieses Gefäß zu erhalten ist eine große Arbeit. Denn wir haben Gefäße, die „Mängel“ heißen und die wir füllen wollen – sie heißen „Gefäße der Eigenliebe“, mit denen wir Füllung empfangen wollen. Und sie sind sehr wichtige Gefäße, denn diese Gefäße kommen vonseiten des Schöpfers: Er hat sie aus dem Nichts erschaffen, weil Er Seinen Geschöpfen Gutes tun will, das heißt, weil Er Füllung geben wollte. Und wie kann man Füllung geben, wenn kein Ort da ist, die Füllung hineinzugeben? Deshalb erschuf Er diese Gefäße aus dem Nichts, um ihnen das Gute und den Genuss zu geben. Das ist also das eigentliche Gefäß, das der Schöpfer erschaffen hat.

Aber weil dieses Gefäß, das „Verlangen zu empfangen“ heißt, die Gleichheit der Form begehrte, die „Anhaftung an den Schöpfer“ genannt wird, wurde dieses Gefäß untauglich, ein Empfangsgefäß für die Obere Fülle zu sein. Und man braucht jetzt ein neues Empfangsgefäß, das sich in das frühere Gefäß einkleidet. Nur durch beide – das heißt dadurch, dass das Verlangen zu geben sich in das Verlangen zu empfangen einkleidet – ist dieses Gefäß geeignet zu empfangen.

Daraus ergibt sich: So wie das frühere Gefäß, das „Verlangen zu empfangen“ heißt, vonseiten des Emanierenden (Maazil) kam und der Untere keinerlei Anteil an der Arbeit des Verlangens zu empfangen hat, sondern alles vonseiten des Emanierenden kommt – so kommt auch das zweite Gefäß, das „Verlangen zu geben“ heißt, allein vonseiten des Emanierenden, und der Untere kann nichts hinzufügen, ebenso wie beim ersten Gefäß, das „Verlangen zu empfangen“ heißt. Der Unterschied ist nur dieser: Beim Gefäß des Gebens muss zuerst eine Forderung vonseiten des Unteren da sein – dass er den Schöpfer bittet, ihm das neue Gefäß zu geben –, während das erste Gefäß ihm ohne jede Erweckung vonseiten des Unteren kam.

korrOp, EY, 8.7.2026, Ver4