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1985/06 Und der Schöpfer erschien ihm bei den Eichen Mamres

„Und der Schöpfer erschien ihm bei den Eichen Mamres" (1. Mose 18,1). Rashi erklärt: „Er [Mamre] hatte ihm einen Rat zur Beschneidung gegeben, deshalb erschien Er ihm in dessen Anteil." Und im Sohar (Wajera, Blatt 6, Punkt 17, sowie im Sulam-Kommentar) heißt es: „‚Und der Schöpfer erschien ihm bei den Eichen Mamres.' Er fragt: Warum bei den Eichen Mamres und nicht an einem anderen Ort? Und er antwortet: Weil Mamre ihm einen Rat zu seinem Bund der Beschneidung gegeben hatte. Denn als der Schöpfer zu Abraham sagte, er solle sich beschneiden, ging Abraham, um sich mit seinen Freunden zu beraten. Aner sagte zu ihm: Du bist schon über neunzig Jahre alt – und du willst dich selbst peinigen?

Mamre sagte zu ihm: ‚Denke an den Tag, an dem die Chaldäer dich in den Feuerofen warfen, und an jene Hungersnot, die über die Welt kam, wie geschrieben steht: «Es entstand eine Hungersnot im Land, und Abram zog nach Ägypten hinab» (1. Mose 12,10). Und denke an jene Könige, die deine Männer verfolgten und die du schlugst – der Schöpfer hat dich vor ihnen allen gerettet, und niemand konnte dir Böses tun. Steh auf und erfülle die Mizwa deines Herrn.' Da sagte der Schöpfer zu Mamre: ‚Mamre, du hast ihm den Rat zur Beschneidung gegeben; bei deinem Leben, Ich werde ihm allein in deinem Palast erscheinen.'"

Die bekannte Frage lautet: Wie lässt sich sagen, dass Abraham – nachdem der Schöpfer ihm geboten hatte, sich zu beschneiden – die Freunde um Rat fragte, ob es sich lohne, auf die Stimme des Schöpfers zu hören? Ist es möglich, so etwas zu behaupten?

Dies lässt sich im Sinne der spirituellen Arbeit auslegen. Als der Schöpfer ihm sagte, er solle sich beschneiden, „ging er, um sich mit seinen Freunden zu beraten" – das heißt mit seinem eigenen Körper, denn der Körper ist es, der die Handlung ausführen muss. Deshalb fragte er seinen Körper, ob dieser einverstanden sei oder ob er meine, man müsse die Anweisung des Schöpfers nicht erfüllen. Denn im Körper befinden sich die Freunde des Menschen, nämlich die Verlangen, die im Verbund des Körpers vereint sind. Sie muss er fragen, da sie es sind, die diese vom Schöpfer empfangene Anweisung erfüllen müssen. Und sobald er ihre Meinung kennt, kann er wissen, was zu tun ist.

Denn man muss wissen, dass es im Körper drei Seelen gibt, wie es im Sohar, Wajera (Blatt 93, im Sulam-Kommentar Punkt 315), heißt: „Rabbi Jehuda sagte: Drei Führungen gibt es im Menschen. Die Führung des Intellekts und der Weisheit – das ist die Kraft der heiligen Neshama. Die Führung der Begierde, die nach allen bösen Lüsten giert – das ist die Kraft der Begierde. Und die Führung, die den Menschen lenkt und den Körper stärkt – sie wird ‚Seele des Körpers' genannt."

Diese drei Führungen werden „Abrahams Freunde" genannt; das heißt, er umfasst sie alle. Und Abraham ging, um sie nach ihrer Meinung zu fragen, denn er wollte die Auffassung jedes Einzelnen seiner „Freunde" erfahren.

Und Aner sagte zu ihm: „Du bist doch schon über neunzig Jahre alt – und du willst dich selbst peinigen?" Nun hat „Aner" den Zahlenwert 320 und deutet damit auf die 320 Funken (ShaCh nitzotzin), die sich dort befinden. Ebenso deutet er auf die Vermischung der Malchut, die „steinernes Herz" (lev ha-even) genannt wird, das heißt das Verlangen, zu empfangen, um zu empfangen, dessen Wesen die Selbstliebe ist. Deshalb sagte er zu ihm: „Du bist doch schon über neunzig Jahre alt – und du willst dich selbst peinigen?" Denn das steinerne Herz, das die begehrende Seele ist, sagte ihm: Du musst stets danach streben, Genuss und Vergnügen zu empfangen, und nicht danach, dich selbst zu peinigen. Somit sagte er ihm, es lohne sich nicht, auf die Anweisung des Schöpfers zu hören.

Und Mamre sagte zu ihm: „Denke an den Tag, an dem die Chaldäer dich in den Feuerofen warfen." Damit sagte er ihm: Du siehst doch, dass der Schöpfer mit dir über dem Verstand handelt; denn der Verstand sagt, dass jeder, den man in einen Feuerofen wirft, verbrennt. Dass du aber gerettet wurdest, liegt über dem, was der Verstand fordert. Halte auch du dich darum an Seine Eigenschaften und gehe auch du über dem Verstand. Das heißt: Auch wenn vonseiten des Verstandes Aner recht hat, gehe du dennoch über dem Verstand.

Und Eshkol ist die Seele des Körpers, wie erwähnt, die den Körper stärkt. Sein Name stammt vom Wort eshkol („ich werde abwägen"), denn er muss abwägen, mit wem es sich zu verbinden lohnt: mit der begehrenden Seele, die dem Aspekt Aner entspricht, oder mit dem Aspekt Mamre, der die Seele des Intellekts und der Weisheit ist. Und diese ist die Kraft der heiligen Neshama, wie oben in den Worten des Sohar.

Und „Mamre" stammt von dem Ausdruck „denn er widersetzte sich (himra) den Worten Aners". Er sagte ihm, er solle über dem Verstand gehen. Und das ist die Bedeutung von „Und der Schöpfer erschien ihm bei den Eichen Mamres": Gerade an dem Ort, an dem man über dem Verstand geht, wo es keinerlei Intellekt gibt, gerade dort offenbart sich der Schöpfer, und man wird des Verstandes der Heiligkeit (Daat deKedusha) gewürdigt. Darum wird Mamre, der den Aspekt „über dem Verstand" darstellt, mit dem Namen „Seele des Intellekts und der Weisheit" benannt – weil sich gerade dort, wo man über dem Verstand geht, Intellekt und Weisheit offenbaren.

Demnach ergibt sich folgende Deutung: Was der Sohar sagt, „dass Abraham ging, um sich mit seinen Freunden zu beraten", meint Abrahams eigenen Körper. Denn der Körper muss die Mizwa erfüllen, deshalb fragte er den Körper nach seiner Meinung, um zu wissen, was er tun soll – nämlich, ob er ihn unter Zwang mitnehmen muss oder ob sie dem zustimmen, was der Schöpfer ihm gesagt hat. Und wenn es heißt, er sei gegangen, um sich mit seinen Freunden zu beraten, so sind damit die drei Seelen gemeint, die in seinem Körper sind und seine Freunde, mit denen er stets zusammen ist.

Im Midrasch Raba (am Ende des Wochenabschnitts Lech Lecha und zu Beginn des Wochenabschnitts Wajera) heißt es: „Abraham sagte: Bevor ich beschnitten war, kamen die Vorübergehenden und Wiederkehrenden zu mir. Solltest du nun sagen, dass sie, seit ich beschnitten bin, nicht mehr zu mir kommen? Der Schöpfer sagte zu ihm: Bevor du beschnitten warst, kamen unbeschnittene Menschen; jetzt offenbaren Ich und Mein Gefolge uns dir."

Hier ist zu verstehen: Er erhielt doch gar keine Antwort auf seine Frage. Er fragte, warum jetzt keine Vorübergehenden und Wiederkehrenden mehr kommen. Und worin bestand die Antwort? Es steht keinerlei Antwort darauf geschrieben, warum sie nicht kommen. Vielmehr erhielt er eine Antwort anderer Art: dass zuvor Unbeschnittene da waren und jetzt der Schöpfer zu ihm kommt. Das aber entspricht doch nicht der gestellten Frage.

Auch dies lässt sich im Sinne der spirituellen Arbeit auslegen. Er fragte: Bevor er beschnitten wurde, verlief seine Arbeitsordnung so, dass ihm stets der Aspekt „Vorübergehende und Wiederkehrende" zukam – das heißt, er hatte Gedanken von „Vorübergehenden" (von awera, Übertretung), und danach den Aspekt der „Wiederkehrenden". Das bedeutet: Bevor er beschnitten wurde, hatte er einen Raum für die Arbeit, denn er hatte Gedanken von Übertretern. Und danach hatte er Raum für den Aspekt der „Wiederkehrenden", also für die Umkehr (Teshuwa). Da wusste er, dass er ein Mensch der Arbeit ist.

Jetzt aber hat er keinen Raum mehr für die Vorübergehenden und Wiederkehrenden, und doch sehnte er sich nach dem Aspekt der Arbeit. Da sagte der Schöpfer zu ihm: Es lohnt sich nicht, dich darüber zu grämen; denn letztlich beruhte deine Arbeit auf der Arbeit von Menschen, die unbeschnitten sind. Das heißt, deine Arbeit war nicht von der Art des reinen Gebens, da du die Entfernung der Vorhaut – die das Verlangen zu empfangen genannt wird – noch nicht erlangt hattest.

Jetzt hingegen brauchst du dich nicht darüber zu grämen, dass dir die damalige Arbeit fehlt; denn letztlich war es damals die Arbeit von Menschen – eine schöne Arbeit zwar, die aber dennoch eine äußerliche blieb, weil sie unbeschnitten waren. Jetzt aber, nachdem du beschnitten bist, besteht bereits eine Gleichheit der Form, und so können Ich und Mein Gefolge kommen – was zuvor nicht möglich war.

 

korrigiert, EY, CO4.8, 09.06.2026